Dauerhaftes Provisorium

10 08 2017

„… die Verständigung mit Russland nicht mehr als nötig gefährden wolle. Die FDP werde sich dafür einsetzen, dass auch weiterhin eine…“

„… auch von anderen lernen könne. Lindner sei überzeugt, als künftiger Außenminister das Bild der Deutschen in der Staatengemeinschaft wieder zu einer neuen…“

„… der Vorsitzende der außerparlamentarischen Opposition darauf bestehe, ein Tabu gebrochen zu haben. Rechtspopulistische Äußerungen seien in dieser Zeit so gut wie nie zu hören und würden auch medial meist zensiert, so dass der Vorstoß als ganz neues, geradezu bahnbrechendes Moment im Bundestagswahlkampf einen gewaltigen…“

„… habe Baum die Äußerung als Angebot zum Dialog an Russland verteidigt. Da man sowieso nicht vorhabe, mit der Ukraine zu verhandeln, könne Deutschland genau so gut…“

„… die Entlassung von Kremlkritiker Udalzow scharf kritisiert habe. Nur weil man ihm keine Straftat vorwerfen könne, so Lindner, dürfe man nicht einfach jedes schädliche Element aus dem…“

„… bereits in Nordrhein-Westfalen bewiesen habe. Durch die Abschaffung der Kennzeichnung von Polizeiangehörigen habe man gegenüber Partnern wie Russland oder der Türkei eine sehr integrative…“

„… die Liberalen mehr Einsatz für China und seine aufstrebende Wirtschaft fordern würden. Die Partei habe daher angeregt, vorsorglich die diplomatischen Beziehungen zu Tibet abzubrechen und dem Dalai Lama ein Einreiseverbot…“

„… der deutsche Waffenhandel das Angebot, sich auf FDP-Ticket an der Ausrüstung der russischen Armee zu beteiligen, dankend abgelehnt habe. Die Rüstungsindustrie sei bisher mit dem sozialdemokratischen Personal so gut gefahren, dass auch die Sorge vor Entspannung und plötzlich eintretenden Friedensverhandlungen sie nicht in…“

„… auch Nacktbilder von Putin enthalte. Lindner habe zu seinem Bedauern festgestellt, dass er nur die für den Export bestimmte Version des Kalenders…“

„… ein Einmarsch nach Kasachstan nicht geplant sei, zumindest sei die FDP auf den üblichen Informationswegen bis zur Stunde noch nicht…“

„… die Rendite auf 19,8 Prozent einzubrechen drohe, wenn sich die deutsche Politik mit dem unbedingten Willen, Völkerrecht durchzusetzen und die Belange der deutsche Aktionäre schamlos zu…“

„… als Profilierungsversuch eines größenwahnsinnigen Arschloch bezeichnet habe. Ob Putin überhaupt von den Wahlkampfaussagen des FDP-Chefs Kenntnis gehabt habe, sei aber nicht…“

„… das Motto Du bist nichts, die Partei ist alles habe bisher nur wenig positive…“

„… aus Versehen als Stalinistenschweine beschimpft habe. Lindner sei mit schweren inneren Selbstverletzungen in eine Therapieeinrichtung…“

„… sich die Freidemokraten in Hinblick auf politische Moral nicht belehren lassen müssten, was ein dauerhaftes Provisorium…“

„… müsse sich Leistung wieder lohnen. Es sei den Wählern der Liberalen nicht zu vermitteln, warum dies ausgerechnet nicht für Wladimir Putin gelte, der als militärisches Genie der strategischen Völkerverständigung dem…“

„… habe die FDP nicht vor, die Mongolei als souveränen Staat in Frage zu stellen und werde alles dafür tun, um das friedliche Zusammenleben der Völker in diesem Kontext nicht zu stören. Sollte jedoch aus rein wirtschaftlichen Gründen eine Annexion, der sich die Mongolen mit aggressivem Beharren auf Unabhängigkeit widersetzen, für das Brudervolk der…“

„… wieder entlassen worden sei. Wagenknecht habe den Chefliberalen, der nur knapp einer schweren Traumatisierung entkommen sei, mehrmals in der…“

„… den Ribbentrop-Preis für innovative Ostpolitik zugesprochen habe. Lindner werde die Auszeichnung mit großer…“

„… mit dem Namen nichts verbinde. Putin habe zwar einige Erinnerungen an den amtierenden Außenminister, könne aber beim besten Willen nicht sagen, wer dieser komische…“

„… in seiner Rede die Anerkennung des Einmarsches in Polen als provisorische und daher auf Dauer angelegte Grenzgestaltung des…“

„… kein Interesse mehr an einer Kooperation mit der AfD habe. Steinbach sei unter großer Zustimmung als neues Mitglied in die…“

„… verlassen hätten. Um die Partei vor einem personellen Aderlass zu bewahren, habe der Vorsitzende angekündigt, niemand habe die Absicht, eine Mauer zu…“

„… nicht bestätigt habe. Beobachter hätten berichtet, Lindner hätte an Kim Jong-un nicht nur politisches Interesse und plane für die Zeit nach der Wahl bereits einen ganz…“

„… dass die Ukraine für die Mauer zahlen werde. Ein Telefongespräch zwischen Poroschenko und dem…“





Trümmerfrauen

9 12 2013

„Dreißig Prozent? Das können Sie uns nicht antun! Natürlich waren wir für die Verschärfung der Hartz-Gesetze, natürlich wollten wir diese dekadenten Spätrömer aushungern, die den ganzen Tag auf dem Amt herumlungern, statt mal was für die Rendite zu tun. Aber wie sollen wir als FDP unsere soziale Klasse beibehalten, wenn Sie uns einfach die Stütze kürzen? Ich habe denen das doch versprochen!

Sie wollen uns tatsächlich zur Arbeit zwingen? Wie stellen Sie sich das denn vor? Die Partei ist doch jetzt komplett im Eimer, da ist nichts mehr, da muss jetzt jede Menge Energie in den Aufbau gesteckt werden, das kann man doch nicht einfach durch Erwerbsarbeit stören. Immerhin werden wir Liberale doch gebraucht. Und wir müssen in den nächsten Jahren herausfinden, wofür. Das kann man nicht einfach so bürokratisch behandeln. Das muss man privatisieren, verstehen Sie? Sie schieben uns ordentlich Kohle rüber, und wir kümmern und privat darum, dass wir ohne Job über die Runden kommen, okay?

Produktionshelfer kommt für uns natürlich nicht in Frage. Produktiv zu sein liegt uns gar nicht. Vielleicht könnten wir da eine Internet-Firma aufmachen. Wie der Lindner, der versteht angeblich was davon. Also nicht vom Internet, sondern von Firmen. Der hatte sogar mehrere. Nein?

Können Sie mir das mal – danke, ich wollte nur die erste Seite. Uns interessiert immer nur, was auf der ersten Seite steht. Berufskrankheit, wissen Sie. War beim Koalitionsvertrag dasselbe. Wer hat denn wissen können, dass ab Seite drei unser Todesurteil kam. Also eine Beschäftigung für die öffentliche Hand? Da wir jetzt nicht mehr in der Regierung sitzen, sind wir natürlich strikt gegen Kürzungen zugunsten der Staatsschulden – und private Firmen bezahlen kann einfach nicht verkehrt sein. Ja, ist mir bekannt, die Fahrbereitschaft des Bundestages ist so gut wie pleite. Übernahme? Brillante Idee, wir werden als erstes das Unternehmen komplett rekapitalisieren und dann die Belegschaft durch Leiharbeiter ersetzen, und dann werden auch die Arbeitsbedingungen mal erheblich flexibilisiert, damit wir richtig Druck auf die… Als Fahrer? sind wir denn bescheuert!?

Was heißt hier Statistik – sind wir etwa… dann zählen Aufstocker statistisch auch als ganz normale Arbeitnehmer, die den Aufschwung am Arbeitsmarkt verursachen? Und dass Sie uns die Löhne kürzen, ist eine strukturelle Verbesserung? Wer hat denn diesen menschenverachtenden Scheißdreck verzapft? Die FDP? Dann war das noch unter der alten Führung, daran ist nur dieser schlitzäugige…

Leichenredner? Seit wann ist der denn ein – ach so. Hm. Wissen Sie, wir sind ja mehr dem Leben zugewandt. So Sachen mit sozialem Engagement und Mitgefühl, das ist echt nicht unser Ding. Und ganz ehrlich, dabei verdient man doch auch echt mies, oder? Projektbezogen, stimmt’s? Das ist doch Wahnsinn, wenn der Arbeitsmarkt sämtliche Risiken auf uns abwälzt, wie soll man denn da für seinen nächsten Porsche planen?

Trümmerfrauen? Wieso denn nicht, was spricht denn dagegen? Wir sind doch gerade so gut dabei, das können wir doch außerhalb der Partei gleich weitermachen? Wie jetzt, mangelnde Qualifikation?

Einfach irgendein Job, in dem man nicht viel leisten muss, verstehen Sie? Das muss sich doch auch lohnen. Dann tun wir sogar etwas richtig Gutes für den Arbeitsmarkt und nehmen keinem den Job weg. Und so viel Einsatz sollte doch auch ein angemessenes Gehalt mit Boni wert sein, oder?

Vier Euro Mindestlohn? Da sehen Sie mal, was dieser Rösler für ein Schwein war. Warum wir alle geklatscht haben? Das muss am Fraktionszwang gelegen haben. Auf unseren Bundesparteitagen herrschte Fraktionszwang, das können Sie sich gar nicht vorstellen. Schlimm. Voll sozialistisch!

Lieferservice ist nicht gut. Oder haben Sie die FDP in den letzten fünfzehn Jahren irgendwas liefern sehen?

Hier, total coole Idee – kennen Sie? kennen Sie? Machen wir jetzt alle, also total coole Idee, für Deutschland, kennen Sie? Total coolstes Land übrigens, wir machen das, das ist so cool, das machen wir, passen Sie jetzt auf: Steuersenkungen! Steuersenkungen! Total…

Gut, war jetzt nur so ein Gedanke, weil man sich ja politisch auch ganz neu positionieren muss beim Wähler, und da wir jetzt mehrere Wochen lang nichts mehr über Steuersenkungen erzählt hatten, seit der Wahl eigentlich gar nichts mehr, da dachte ich, wir könnten doch jetzt mal wieder etwas über Steuersenkungen erzählen. Das hört der Wähler gerne. Wenigstens die, die das bisher nicht mit der FDP in Verbindung gebracht hatten.

Einverstanden, Ein-Euro-Jobs. Wir machen alles. Ja, absolut alles. Für Geld machen wir absolut alles. Geben Sie mal her. Und das ist auch wirklich nur eine befristete Anstellung? Einmal in die SPD eintreten, das Mitgliedervotum verhindern und dann wieder raus?“





Dreimal schwarzer Kater

5 01 2012

„Nee, läuft gut bisher. Stühle da, Tische da, die Steckdosen funktionieren. Alles paletti. Echt. Läuft gut. Von der FDP ist ja noch keiner gekommen.

Wir machen hier ja sonst eher den gehobenen Kulturbetrieb. So Sachen, bei denen richtig Leute kommen. Volksmusik, Sitztanz, und 2011 hatten wir drei Katzenzuchtvereine. Solange man das alles wieder beseitigen kann, ist mir das völlig egal, was die hier so veranstalten. Ich sage immer, man kann über alles reden. Wenn Sie hier Schweinkram veranstalten, dann müssen Sie das eben auch wieder wegmachen. Oder wenn Sie Extras wollen, kein Problem. Wer zahlt, bestimmt die Musik. Das sollten die bei der FDP ja am besten wissen.

Man weiß ja immer nie, wer da was will. Der Rösler bestellt Wein, der Schäffler zahlt nur für Wasser, der Bahr zahlt gar nicht, der Westerwelle will noch Geld raushaben – es ist ja alles, Licht und Teppich, und dann brauchen die vielleicht noch mehr Stühle. Kostet alles Geld. Und das muss ich vorher organisieren. Man hat das hier aber auch schwer! Schauen Sie, bei der CDU ist das kein Problem, die Merkel bestellt, dann schickt man denen die Rechnung, die geht schnurstracks weiter an die Steuerzahler – das läuft. Aber hier? Wenn Sie bei der FDP einen fragen, dann können Sie sich ja nie sicher sein, wer da nach dem Parteitag noch im Vorstand hockt!

Allein die PR-Abteilung. Furchtbar, das mache ich garantiert nicht mehr wieder. Den Geburtstag des Unbekannten Tubisten, das Sommerfest der Deutschen Herzklappenschmuggler, alles. Aber nicht die PR für diesen Haufen. Sie verschicken die Einladungskarten an die Lokalpresse, und überall will der Kubicki noch seinen Senf dazugeben.

Lachshäppchen natürlich. Und Schaumwein. Also diese Zuckerplörre, die Sie beim Billigheimer bekommen. Sieht ja keiner. Wird auch keiner von denen zugeben – die süffeln das Zeug einfach weg, da wird keiner groß herumlamentieren, dass die Plempe nach Arsch und Friedrich schmeckt. Gibt ja auch keiner von denen zu, dass sie mit dem Rücken an der Wand stehen. Die feiern sich lieber noch eine Runde selbst. Und da sie danach eh Kopfschmerzen haben werden, spielt der Sekt auch keine Rolle.

Kater ja, aber dreimal? ohne Lindner? Sie, ich dachte erst, das sei wieder so ein Karnevalsverein! Wie die hier ankommen und einen auf dicke Hose machen – drei mal drei Käse hoch, aber die Nase in die Luft, der Saal ist denen gerade noch gut genug. Aber so sind die ja alle. Die sind es einfach nicht gewohnt, dass sie zwischendurch diese komischen Dreikönigskostüme ausziehen müssen. Oder eben dreimal schwarzer Kater.

Ein Zauberer wäre noch mit drin gewesen im Basispaket für kleinere Großveranstaltungen, aber den brauchen die wohl nicht. Wenn ich das richtig verstehe, hat die FDP nur einen Zaubertrick: einer von denen zieht Steuersenkungen aus dem Zylinder. Und der wird dann von einer Generation zur nächsten weitervererbt. Also der Trick.

Ich weiß ja auch nicht, was da passiert ist. Dass der Lindner aber auch so plötzlich gehen musste? Wissen Sie, der Rücktritt von dem war wie der Euro-Rettungsschirm. Es gibt einem ein paar Tage Zeit, verhindert aber nicht den großen Knall am Ende.

Die wollten doch echt Spezialeffekte haben. Spezialeffekte! Also für die paar Männerchen, was bieten Sie da an? Haben wir natürlich nachgefragt. Der Bahr wollte unbedingt Raketen und so was, ordentlich Knaller, aber zu dem Preis hätte ich denen nur noch ein Tischfeuerwerk wie Koch-Mehrin liefern können. Und dann kriegte ich den Rückruf, die Homburger sollte sich um den Kram kümmern. Naja, die ist eben mit allem überfordert, was komplizierter ist als eine Luftschlange.

Wissen Sie, was richtig nervt? wenn man für so einen Kunden die Sponsorenakquise machen muss. Da wünsche ich mir die Katzenzüchter zurück. Sie können doch schlecht jemanden anpumpen, wenn Sie dem sagen, für wen das ist. Sie gehen da hin und bitten um 5.000 Euro, damit die Firma im Programmheft steht, und die bieten Ihnen 50.000, damit Sie nicht im Zusammenhang mit der FDP genannt werden. So kann man doch nicht arbeiten!

Garderobenservice haben wir diesmal von einem leistungsbereiten Großbetrieb geordert. Wir rechnen da mit größten Herausforderungen. Das Wetter? nee, schneit ja gar nicht. Aber die werden da alle mit Paletot erscheinen, davon gehe ich aus. Und anziehen und ausziehen und abziehen und ausziehen – die müssen ja jederzeit ihr Mäntelchen nach dem Winde drehen können.

Wir wollten ja erst Sonderdeko anbieten, mit Samt, vorne alles schwarz ausgeschlagen, und links noch paar Engelchen. Ich dachte mir, nachdem der Rösler das mit der Abstimmung vergeigt hat, da hat die Partei ja ihr Urnenbegräbnis quasi schon hinter sich. Da können die schnell noch eine drittklassige Trauerfeier hinterherschieben, das fällt bei denen ja gar nicht auf. Das Drittklassige. Und dann können sie den Laden hier standesgemäß zumachen, wir hätten da noch einen Tag drangehängt, weil der Landesfußpflegerkongress ja jetzt ausfällt, da haben wir die Halle trotzdem voll.

Der Brüderle hat ja schon abgesagt – nein, nicht selbst. Der muss ja inzwischen ein ganz wichtiger Mann geworden sein. Der sagt seine Reden schon gar nicht mehr selbst ab. Der schickt seinen Chef vor für solche Kleinigkeiten.

Sehen Sie, geht schon los. Catering. Lindner bestellt, Rösler ändert, Bahr will’s nicht haben. Rösler meint, Lindner ist weg, dann hat Bahr auch nichts mehr zu melden. Bahr weiß nicht, worum es geht, weiß aber, dass Rösler Unrecht hat. Der eine tritt den anderen in die Hacken. Westerwelles Musterschüler. Wissen Sie was? Ab jetzt nur noch gegen Vorkasse.“





Futsch

15 12 2011

„… noch nicht genau sagen, wie es dazu kommen konnte. Bisher gilt nur als gesichert, dass die FDP als nicht mehr existent…“

„… verstörenden Momenten innerhalb von INSM und Versicherungskonzernen, da man seit Jahren nicht mehr wusste, wohin man die Spenden zu überweisen hatte. Henkel betonte, er werde sich notfalls eine Partei suchen, die an der Spitze ohne einen Fremdarbeiter die nötige…“

„… sich die Taxifahrer nach wenigen Stunden nicht mehr erinnerten, wo die Parteizentrale gestanden hatte. Berlin gewann damit den Preis der aktuellsten Hauptstadt Europas, die noch vor…“

„… des Stromverbrauchs, der nach einer FDP-Regelung den Privathaushalten angerechnet, aber von der Großindustrie verursacht würde. Das Gremium befand, die liberale Partei sei sowieso längst vom Netz und daher nicht mehr als…“

„… keine Bestätigung für das Gerücht, die FDP sei aus Jugendschutzgründen gesperrt worden. Alle Beteiligten erklärten nochmals, die Parteispitze sei dem Augenschein nach bereits volljährig und…“

„… sich nach einer Straßenumfrage bereits weniger als ein Drittel der potenziellen Wähler der Liberalen überhaupt an die Existenz der Partei…“

„… nicht zu Schwarzen Löchern führte, da sich die Materie der Liberalen lange vor ihrer Auflösung als nicht mehr liberal abgespalten und in Richtung Grüne bewegt…“

„… verneinte vehement Gerüchte über die die Fusion der Freidemokraten mit anderen Parteien. In der schriftlichen Fassung gab der Generalsekretär an, dass sich keine andere Organisation, auch nicht auf Nachfrage oder zu hohen bis sehr hohen Beträgen, bereitgefunden hätte, eine solche…“

„… bot der Spitzenpolitiker an, seinen westlichen Freunden mit einigen Handreichungen wieder den erhofften Einfluss zu verschaffen. Eine Wahlbeteiligung von 236 Prozent sei der Garant für objektive und faire Verhältnisse im Streit um den Euro-Rettungsschirm. Putin versprach, sich als…“

„… Stabilität der Börsenwerte vollkommen unbeeinflusst. Aus gut unterrichteten Kreisen wurde berichtet, Bundeskanzlerin Merkel sei bereits nach wenigen Tagen von ihren Mitarbeitern in Kenntnis gesetzt worden, habe aber nicht reagiert. Bisher ist nicht geklärt, ob dies ein Anzeichen des bisherigen Regierungsstils vollständiger Realitätsverleugnung oder die Fortsetzung ihrer innerkoalitionären…“

„… nicht mehr gerechtfertigt, die Stiftung Flucht Vertreibung Versöhnung sei nur bis zum ersten Drittel für eine Aufarbeitung der zeitgeschichtlichen…“

„… als großer Erfolg zu werten. Die Ex-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger bezeichnete das Verschwinden der Partei von der Bildfläche als Sieg für die freie Marktwirtschaft, untaugliche und nicht mehr benötigte Unternehmen würden auf Dauer verschwinden. Sie setze wie üblich auf einen Rettungsschirm, um die Parteifinanzen zu…“

„… Hoffnung auf die Entdeckung des Higgs-Bosons machte. Der Leiter des Instituts erläuterte die Grundeigenschaften damit, dass das Teilchen zwar neben den Fermionen nicht allein für die Masse zuständig sei, jedoch größer als die FDP…“

„… laut Rösler zur Auflösung nur gekommen war, weil Lindner und Bahr in unverantwortlicher Weise ihre eigenen…“

„… nicht mehr gekommen. Das ZDF nahm davon Abstand, die Einpersonenband Die Fanatischen Drei mit ihrem noch nicht veröffentlichten Titel Sie ist weg in…“

„… keine Chance, Margot Käßmann für eine weitere Aktion zu gewinnen. Brüderle lehnte ab, da eine Mitleidsnummer mit ihm bereits an der Menge des verträglichen Alkohols zum Scheitern…“

„… wurde Westerwelles letztes Angebot, seinen Schneid in einer Online-Auktion versteigern zu lassen, als überflüssige…“

„… keine Möglichkeit, die FDP nach der Abwicklung wieder als Apothekerzweckverband…“

„… bis zum Jahresende zu liefern. Die Stiftung Warentest stellte laut vorab veröffentlichten Informationen fest, dass weder gesagt wurde, was, noch wann, und welcher Art von wem zu liefern…“

„… erklärte Lindner, ohne die eigenmächtigen Aktionen von Bahr und Rösler hätte die Partei…“

„… wenigstens froh, dass sich die Partei zu Lebzeiten für die klare Regelung der Organspende ausgesprochen hatte. Dennoch sah es angesichts des fortgeschrittenen Verwesungsstadiums sowie der geringen Dichte an funktionsfähigen Hirnzellen nicht nach einer erfolgreichen Integration…“

„… zu weiteren Streitigkeiten, da der fusionierte Arzt- und Apothekerclub in der FDP-Nachfolge sich strikt weigerte, die Juristen als vollwertige Mitglieder in die…“

„… betonte Bahr, seinen Lebensunterhalt nie durch arbeitsähnliche Tätigkeiten hätte bestreiten zu müssen, wenn Rösler und Lindner die FDP…“

„… erschwert wurde, da Guido Westerwelle spurlos verschwunden ist. Nach wenigen Wochen der Erleichterung bemerkte der Hausmeister des AA, dass der Geräuschpegel sich merklich…“

„… nur ein bedauerliches Versehen. Lindner habe die Aussage, Guttenberg sei viel zu schnell in der Versenkung verschwunden und als Volldepp der Nation wieder aufgetaucht, als Kampfansage verstanden und alles daran gesetzt, noch viel schneller ab- und aufzutauchen und als noch sehr viel größerer…“





Kabbelgruppe

7 04 2011

„Jetzt leg das sofort wieder hin! Christian, wenn Du das nicht sofort wieder – Christian! Diese Blagen rauben mir noch den letzten Nerv, es ist nicht zu fassen! Christian, das sollst Du nicht anfassen, ich habe es Dir schon – Christian! Leg das sofort wieder in die Kiste mit den Wirtschaftssachen! Dafür bist Du noch viel zu klein, davon verstehst Du sowieso nichts.

Es ist nicht leicht, jetzt, wo die Firma so kurz vor der Pleite steht. Da können Sie einen vernünftigen Betriebskindergarten gar nicht mehr aufziehen. Nein, das bezahlt einem keiner mehr. Die notleidenden Besserverdienenden, die stehen ja alle kurz vor dem Hungertod. Die können ihrem Nachwuchs noch ein Auto kaufen oder einen Platz auf dem Eliteinternat, aber für Bildung ist nichts mehr vorgesehen.

Jetzt lass das doch mal, Philipp! Meine Güte, der Bursche ist aber auch unerträglich. Er hat ja dies Talent, das muss man ihm lassen. Der Bub kann lügen, das glauben Sie nicht! Also das glauben Sie dann doch, verstehen Sie, das ist es ja gerade. Der steht hier den ganzen Tag am Fenster und zuckt Löcher in die Luft, der will nicht mit den anderen spielen, und dann kommt er plötzlich an und erzählt Ihnen Märchen – sagenhaft! Christian, jetzt lass doch mal! Der Junge ist aber auch hyperaktiv. Die Eltern, schätze ich. Eindeutig die Eltern. Er will immer alles haben, was er sieht, und dann kann er damit nicht umgehen, und dann macht er es kaputt. Wissen Sie eigentlich, was uns das kostet?

Aber der Philipp. Der denkt sich Sachen aus, das halten Sie nicht für möglich. Neulich höre ich da Gepolter und dann klirrt etwas, dann kommt er die Treppe runter, da zupft er mich an der Schürze und sagt, Tante, sagt er, da haben die bösen Grünen die Scheibe eingeschmissen. So im Brustton der Überzeugung, verstehen Sie? Genau wie ein kleiner Erwachsener. Und dabei war es bloß das Fenster zum Hof, die Suppenkelle kam aus der Küche und die Scherben lagen alle draußen. Kommt die Frau Direktorin, nichts zu machen. Er bleibt dabei. Der Arzt sagt, das ist nur eine blühende Fantasie. Aber ich habe da so meine Zweifel.

Christian! Jetzt hör doch mal auf, die Birgit an den haaren zu ziehen! Ja, ich weiß ja selbst, dass die doof ist. Aber das ist doch kein Grund. Das Kind hat es auch nicht leicht, die kann sich nichts merken. Schlimm. Aber wir als Betriebskita können uns das eben leider nicht aussuchen. Und stellen Sie sich mal vor, wir hätten lauter solche – Christian! Leg das sofort wieder weg! Du sollst doch nicht immer alles aus dem Müll rausholen!

Wobei die Silvana noch schlimmer ist. So ein hübsches Kind, und so strunzdumm. Ehrlich, da mache ich mir manchmal direkt Sorgen, was die später mal werden soll. Hausfrau und Mutter? Wäre eine Alternative, aber dann möchte ich ja nicht ihr Kind sein. Scheußliche Vorstellung, das.

Der Philipp wieder! Jetzt hat er schon wieder seine Phase, wo er anderen Kindern alles erklärt. Sie, der hat neulich von jedem hier einen Euro haben wollen. Der hat die so lange beschwatzt, bis sie alle von zu Hause einen Euro mitgebracht haben, und dann hat er das Geld eingesammelt und sich davon Naschkram gekauft. Wissen Sie, was er den Kindern erzählt hat? Er würde nur selbst die ganzen Süßigkeiten essen, damit die anderen keine schlechten Zähne bekämen – ich frage Sie, woher hat denn der Bub das bloß? Können Sie sich das vorstellen? Ich bin da überfragt. Das müssen die Eltern – Christian! Du hörst jetzt sofort auf mit dem Unsinn, sonst musst Du später mal Außenminister werden und alle Leute finden Dich blöde! Jetzt lass doch den Daniel in Ruhe, der will nicht mit Dir spielen. Menschenskinder, nie vertragen die sich. Die reinste Kabbelgruppe!

Von außen sieht das vielleicht ganz hübsch aus, da haben Sie Recht. Alte Villa in angenehmer Lauflage, gepflegter Vorgarten, das ist für die Öffentlichkeit sicher sehr vorteilhaft. Aber sonst? Gucken Sie sich nicht zu genau um hier. In jeder Ecke liegt Dreck.

Meine Güte, Christian! Jetzt lass das endlich, es hört Dir doch sowieso keiner mehr zu! Was dieser Junge einem an den Nerven zerrt, Sie möchten sich die Haare ausraufen! Dieses altkluge Geschwätz, ich möchte bloß mal wissen, woher er das bloß hat? Vor einer Woche fing das an, da erzählt er allen: Spinat ist pfui, Spinat ist bäh, wer Spinat isst, der wird grün im Gesicht – Sie konnten ihn gar nicht mehr beruhigen. Am dritten Tag, da drehte er schier durch! Spinat hier und Spinat da, dabei gibt’s hier weit und breit keinen Spinat. Auf was für Ideen er kommt, das ist nicht zu fassen. Und dann gestern, wie ausgewechselt – er kommt hier an bei mir und sagt, er sei bei Tante Angela gewesen, die habe ihm gesagt, Spinat sei so gesund und so lecker, er will jetzt jeden Tag Spinat haben. Und dann meint er noch, wenn er nicht jeden Tag Spinat kriegt, dann sorgt er dafür, dass wir alle rausgeworfen werden und dass der Kindergarten schließt und dass – Christian! Jetzt leg das doch mal weg! Der Junge ist nicht ganz richtig im Kopf, wenn Sie mich fragen. Jetzt hat er der Birgit schon wieder ihren Teddy weggenommen, und jetzt versucht er, dem Ding die Augen auszureißen. Christian, lass das gefälligst nach! Der macht mich noch ganz rammdösig, der Junge. Gestern hat er eine Puppe mit der Schere aufgeschlitzt, und dann hat er so getan, als ob ihm das alles Leid täte – wissen Sie, was er gesagt hat? Mitfühlende Grausamkeit. Ernsthaft, wo lernen die Kinder das? Das ist doch alles nicht mehr normal?“





Und Recht und Freiheit

5 04 2011

„… forderten etwa 20.000 Demonstranten auf dem Alexanderplatz politische Veränderungen. Polizei und Sicherheitskräfte waren aus Berlin und dem Umland zusammengezogen worden, griffen jedoch nicht ein. Der Staatsratsvorsitzende Egon Krenz rief die Bürger auf, sich zu…“

„… nicht mit den Friedensbemühungen der deutschen Außenpolitik zu vereinbaren. Dass es sich bei der DDR um feindliches Ausland handele, sei für ihn klar, hob Westerwelle hervor, deshalb wolle er sich nicht äußern – ihn als FDP interessiere nur ein innenpolitischer Konflikt, wenn man dabei Arbeitslose oder Behinderte diffamieren oder…“

„… sich auch internationale Fragen stellen. Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika ließ durchblicken, dass er keinen Alleingang der deutschen Regierung erwarte. Die Medal of Freedom sei noch nicht verliehen, der Weltfrieden habe auf jeden Fall eine zentrale…“

„… als einziger rechtmäßig designierter FDP-Vorsitzender seine Gegner angriff; Lindner erklärte vor der Presse, schnellstmöglich ein ganz neues Konzept zur Deutschen Frage vorzulegen, das auf der Abschaltung mehrerer, wenn nicht aller, möglicherweise jedoch auch gar keiner der DDR-Bezirke, der Regierungsbezirke der BRD, ausgenommen im Saarland und in Niedersachsen, wenn man dort absehe von den kreisfreien Städten, in denen viele Hotels…“

„… wies Merkel Überlegungen schroff zurück, die innerdeutsche Grenze wenigstens für Tagesvisa zu öffnen. Sie begründete dies mit der Befürchtung, möglicherweise würden nach einem Besuch im Ostteil die Bundesbürger nicht mehr wieder…“

„… dass in der Geschichte der Bundesrepublik sich nirgends belegen ließe, dass die DDR ein Teil der BRD gewesen…“

„… unter der Voraussetzung, dass die Ost-Bevölkerung sich vorbehaltlos zur deutschen Leitkultur bekenne, die die Bundeskanzlerin als mal liberal, mal konservativ, mal christlich-sozial, auf jeden Fall aber, wenn nicht etwas ganz anderes…“

„… als rein nationalen Konflikt wertete, der de Maizière in die Lage versetze, die Bundeswehr im Innern einzusetzen zur Sicherung der Interessen von Nachhaltigkeit und nationaler Identität, d. h. der Integrität von privaten Krankenversicherungen, DAX-Unternehmen sowie der kapitalbasierten…“

„… warnte Friedrich eindringlich vor einer leichtfertigen Übernahme der sozialistischen Deutschen: in diesem Land habe es mehr als sechzig Jahre lang weder Internet noch Mobilfunk gegeben, somit auch keine Vorratsdatenspeicherung und auch keinerlei Kontrolle der intimsten…“

„… nahm die SPD zaghaften Kontakt auf, da ein Beitritt nicht ausgeschlossen sei. Parteichef Gabriel stellte zunächst die Bedingung, die Arbeitslosigkeit als Standortfaktor komplett nach Sachsen und Thüringen auszulagern und einen flächendeckenden Höchstlohn zu installieren, der stufenweise abgesenkt…“

„… gab Merkel ihr Ehrenwort, eine Politik der ruhigen Treuhand zu…“

„… leitete der Erste Sekretär des Zentralrats der Freien Deutschen Jugend der DDR zeitnah eine Untersuchung ein, ob sich die Integration der FDP in das Kollektiv Pittiplatsch und Schnatterinchen als eine volksnahe…“

„… als einziger rechtmäßig designierter FDP-Vorsitzender seine Kontrahenten zurechtwies; Rösler beharrte darauf, auch Leistungsverweigerer aus der Sowjetzone dürften die Partei der Besserverdienenden wählen, sie seien ja am Ende nicht mehr und nicht weniger betrogen als die…“

„… erste Verhandlungen aufzunehmen, um das Stargarder Land in die deutsche Weinproduktion zu integrieren. Wirtschaftsminister Brüderle trank mehrere Lagen durch, um sich von Geschmack und Oechslegrad des Müller-Thurgau zu…“

„… versprach die Kanzlerin im Falle einer feindlichen Übernahme, als erstes ihren Freund Ackermann zu fragen, was man in einer solchen Lage üblicherweise…“

„… dass sich im Osten vermutlich lauter Muslime aufhalten könnten, da die Architektur der Wachtürme Innenminister Friedrich bereits dumpf an die Minarette der…“

„… keine Option, wie der CSU-Vorsitzende herausstellte. Seehofer wolle in den kommenden Wahlkämpfen keinesfalls darauf verzichten, seinen politischen Gegnern ein Geh doch nach drüben, wenn’s Dir hier nicht passt zu…“

„… als einziger rechtmäßig designierter FDP-Vorsitzender seine Rivalen abbürstete; Bahr betonte, ohne Ansehen der Sache zu…“

„… auf Nachfrage von Günter Schabowski, der nicht wusste, ob er die anstehende Grenzöffnung noch bis zum nächsten Tag…“

„… warnte er, Guido Westerwelle, als FDP vor einer wohlstandslosen Anstrengung, die ohne die Abschaffung sozialistischer Gleichmacherei über kurz oder lang Auswüchse wie Demokratie oder…“

„… vor allem die Verlockung, echte D-Mark zu bekommen, da die DDR jedem 100 Mark auszahlte, der damit versicherte, den Euro nicht mehr zu…“

„… bemerkte die Bundeskanzlerin erst nach der Einigung, dass damit ein Beitritt des Westens zur Deutschen Demokratischen Republik…“

„… gaben Polizei und Sicherheitskräfte aus Berlin und dem Umland bekannt, dass mindestens zwei Drittel der Westbürger schon an den ersten beiden Tagen nach drüben…“





Armes Deutschland

6 07 2009

Deutschland ging es gut. Die Versandhäuser schliefen in ihren Katalogen, das Wochenende stand vor der Tür, die Gewitter hielten sich an die Hausordnung und donnerten nur leise, um den Büroschlaf in der Anstalten nicht mehr als nötig zu stören. Das Sommertheater summte Pausenzeichen, die Sauen, die man noch kurz zuvor durchs Dorf getrieben hatte, ruhten sich in der Kühltheke aus und markierten staatstreue Schnitzel. Nichts ging mehr. Deutschland träumte. Ganz Deutschland?

Scharfe Kritik übte der Berliner FDP-Spitzenkandidaten Martin Lindner an den bestehenden Zuständen. Firmenpleiten, steigende Arbeitslosenzahlen und eine Rekordverschuldung – taumelte Deutschland in eine Inflation? Der Kandidat schlug vor, die Regelsätze der Hartz-IV-Empfänger um 30 Prozent zu kürzen. Die Republik atmete auf. Endlich ein Zeichen. Endlich ein Ruck.

Hatte man zunächst mit harschen Protesten gerechnet, so fand der Vorstoß schon bald die ersten Befürworter. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Einzelhandel-Hauptverbandes, stellte sich demonstrativ hinter den Liberalen; Kaufkraft sei nicht alles, vor allem in strukturell benachteiligten Schichten müsse man sehr sorgfältig zwischen Angebot und Nachfrage abwägen. Es wäre ja nicht auszudenken, wenn die sozial Schwachen dem Mittelstand die letzten Konsumgüter vor der Nase wegkauften – noch dazu in einer Phase, in der die sinkende Produktion der Arbeitslosengesellschaft das Warenangebot immer mehr zu verringern drohe.

Philipp Mißfelder war zunächst zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen.

DGB-Chef Michael Sommer schlug in dieselbe Kerbe. Genereller Wohlstand sei in diesem Land nicht zu machen, so der Gewerkschaftsgrande, man müsse sich mit der sozialen Schere arrangieren. Die Wiederannäherung der sozialliberalen Kräfte setzte zum großen Sprung an. Hier entstand Geschichte.

Lindner hatte es wohl zu deutlich gesagt. In einem Fernsehinterview fühlte er sich genötigt, seine Forderungen noch ein wenig unpräziser zu formulieren. Es sei wichtig, darauf zu achten, dass das Geld bei den Richtigen ankomme und nicht bei den Faulpelzen. Der Bundesfinanzminister murrte hörbar. So habe man nicht gewettet. Aber es war schon geschehen und stand nun Knopf auf Spitz.

Nicht nur Showgrößen aus dem Reichstag mengten ihre Stimmen in die Debatte, auch ernst zu nehmende Landsleute warfen ihr Wort in die Runde. Die Boulevard-Schlagzeile Das Volk der Fresssäcke animierte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, ein Machtwort zu sprechen: Schluss mit Fertigfritten, das Zeitalter der Gourmandise sei vorbei. Thilo Sarrazin empfahl, die kalte Küche für Leistungsverweigerer zur Pflicht zu machen. Warme Mahlzeiten, so der ehemalige Verwalter der Metropol-Finanzlöcher, seien ohnehin ein Zeichen von Verweichlichung. Sarah Wiener sprang in die Bresche und brachte schnell einige hippe Snacks für das Prekariat auf den Bildschirm. Sushi sei auch für Nichtstuer eine proteinreiche, ausgewogene Kaltkost, ja selbst die Perlhuhnbrust an Kurkuma-Kerbel-Jus läge im Niedrigtemperatursegment. Auch Schmarotzerpack dürfe nach Herzenslust schlemmen.

Weiterhin hielt sich Philipp Mißfelder bedeckt.

Da bekam der frei drehende Demokrat Angst vor der eigenen Courage. Hurtig wiegelte er ab, die Langzeitarbeitslosen zu bezahlter, gemeinnütziger Arbeit heranziehen zu wollen und ihnen erst dann die Stütze wegzuziehen. Allein er hatte die Rechung ohne die Textilwirtschaft gemacht. Aus dem Stall von Karl Lagerfeld drangen die ersten Skizzen der Trash-Kollektion, zerfetzte Nietenhosen, schweres Leder mit durchgescheuertem Ellenbogen, fransig hängende Business-Anzüge mit löcherigen Taschen. Wolfgang Joop konterte mit dem Cocktailkleid im Used-Look: handzerschlissene Maulbeerseide traf auf fadenscheinigen Samt. Die Industrie jauchzte. In wenigen Wochen entstanden Tausende Jobs, um die Stoffe manuell abzuwracken – in Bangladesch.

Lindner schwitzte. Alles sprach von seiner Idee, aber keiner von ihm. Er nahm einen weiteren Anlauf, die FDP wieder in die Nähe des gesunden Menschenverstandes zu bringen. Die soziale Sicherung könne man auch überdrehen; die Leute hätten keine Lust mehr, im Dienstleistungsgewerbe weniger als Hartz IV zu bekommen. Dies sei falsch. Die Sozialdemokraten warfen ihm vor, eine neue Neiddebatte zu führen. Die FDP distanzierte sich von ihrem Berliner Spitzenmann. Mindestlohn ja, aber nicht mit der populistischen Brechstange.

Die ersten Kundgebungen fanden statt. Unter dem Slogan Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen solidarisierte sich das Erwerbslosen Forum Deutschland mit den Textilarbeitern in Bangladesch. Einträchtig standen die Schwachen zusammen, die globale Perspektive für ein höheres Ziel im Auge behaltend.

Der medienpolitischer Sprecher hatte die Macht seiner Worte unterschätzt. Die nächtlichen Anrufe rissen nicht ab. Anonyme E-Mails verstopften sein Postfach. Als ihm Heimkinder auf offener Straße ein Ständchen sangen, brach er zusammen und flüchtete in den Angriff. Es gehe ihm nicht um ältere Menschen oder Alleinerziehende, sagte er in einem Interview. Wer jung, gesund und nicht zur Sorge für andere verpflichtet sei, solle die Chance auf Beschäftigung im kommunalen Dienst erhalten.

Man raunte sich zu, Martin Lindner habe dem öffentlichen Druck nicht standhalten können. Er sei bis zur Wahl im Sanatorium. Doch man wusste nichts Genaues. Philipp Mißfelder schwieg.