Feuerzauber

12 05 2020

„Und das ist nur bei Ihnen abgefackelt? ja dann haben wir noch mal richtig Glück gehabt, dass Ihre Klitsche in Brandenburg liegt, hähähä!

Echt, da geht mir doch das Messer in der Hose auf! Klar ist das dumm, wenn denen jetzt auch noch die Spargelfelder in Flammen aufgehen. Erst der ganze Stress mit den Erntehelfern, dann nervt auch noch Lindner herum, dass das Zeug zu billig ist und jeder sich das leisten kann – er kriegt seinen ja nur geschenkt, weil er ihn selbst bezahlen könnte, so sieht’s doch mal aus – und jetzt ist es plötzlich zu trocken. Als hätten wir das nicht seit Jahren schon gewusst. Und jetzt müssen wir nicht mal die Bundeswehr rausschicken, damit die als Manöver getarnt irgendein Moor testweise in Brand ballern. Aber das ist ja nicht das Problem. Das Problem ist die Wirtschaft. Da kann man sich nicht um alle Interessen kümmern.

Für Sie ist das jetzt vielleicht ein Widerspruch, weil es hier ja um die Interessen der Spargelbauern geht, die ihre Ware an die Gastronomie und an den Einzelhandel liefern will. Hört sich ja auch erst mal gut an. Aber das nützt doch den Autokonzernen nichts! Wenn die Politik sich vorgenommen hat, die wichtigste Schlüsselbranche in Deutschland finanziell zu unterstützen, weil ihre Produkte nicht mehr dem Markt entsprechen, dann müssen andere Interessen dem untergeordnet werden. Tut mir auch leid, aber ich habe die Regeln nicht gemacht. Das war nun mal die Wirtschaft, weil die Wirtschaft von Wirtschaft mehr versteht. Von Politik übrigens auch, aber das müssen Sie die Wirtschaft fragen.

Zum Beispiel Wettbewerbsverzerrung. Überall hatten wir diese Solarenergie, wir konnten gar nicht so schnell die Firmen platt machen, wie die aus dem Boden schossen, und damit gefährden wir die Energiekonzerne, die sonst auf ihrer Kohle sitzen bleiben. Wenn wir, also die Politik, einseitig nur auf Solarenergie setzen, dann haben wir ein Problem, weil wir als Exportnation da nicht mehr mithalten können. Die Chinesen bringen uns in sehr große Schwierigkeiten, das sehen Sie ja – die können uns Solaranlagen verkaufen, damit machen die unsere Solarbranche kaputt, aber wir können denen nicht im Gegenzug unsere Kohle liefern. Das machen die Chinesen mit einem ganz bösartigen Trick: die kaufen sie einfach nicht. Die haben sogar den Krieg mit uns angefangen, die fördern ihre eigene Kohle. Eigene Kohle, das muss man sich mal vorstellen! Das ist Wirtschaftsterrorismus!

Aber zurück zu unserem. Es hängt ja alles mit allem zusammen, das wollen diese Ökos immer nie kapieren. Die fordern die nachhaltige Erneuerung der Wirtschaft auf Grund ökologischer Ziele. Wie kriegen wir denn jetzt vernünftige Börsenkurse hin mit ökologischen Zielen? Sollen wir auf einmal alle in Baumschulen investieren oder in Nutzhanf? Das rettet doch das Konsumklima auch nicht. Und so rein personalmäßig, was wird da für ein Schotter rausgehauen! Gucken Sie sich mal an, was da mit Kurzarbeitergeld plötzlich für Sparpotenziale zu nutzen sind! Wenn wir irgendwie die Autofabriken komplett entlasten könnten von den Arbeitern, dann müsste ja rein theoretisch der DAX noch mehr steigen, oder? Irgendwo in der Wirtschaft werden Sie schon einen finden, der das richtig findet.

Wenn Sie mich fragen, das mit den Erntehelfern ist doch sowieso eine Schnapsidee. Dass die jedes Jahr neu eingeflogen werden müssen, okay, damit werden wir leben können. Die Lufthansa ist eh bald ein Staatskonzern, dann können wir mit einer Art bedingungsloser Grunddividende den Laden an die Wand klatschen und zusehen, wie die Politik ihn aus der Scheiße rauszieht. Aber die Einwanderung müssen wir schon begrenzen. Überlegen Sie sich mal, was die Emission von Treibhausgasen bei dem Flugverkehr bedeutet. Wenn der Meeresspiegel so ansteigt, wie das bis jetzt vorausgesagt wurde, dann haben wir für die vielen Arbeitsmigranten keinen Platz mehr. Dann ist hier das Boot wirklich voll, und dann müssen wir uns entscheiden: SUV fahren oder billiger Spargel für Arbeitslose. Also ich hätte mit der Entscheidung keine Probleme.

Machen Sie sich schon mal vertraut mit einer Welt, in der es keine Bienen und Blumen mehr gibt, da müssen Sie die Äpfel dann halt im Supermarkt kaufen. Das ist für Sie vielleicht eine Umstellung, ich kenne mich damit nicht aus, ich kaufe nur selten Äpfel, aber solange die Börsenkurse davon nicht angegriffen werden, müssen wir uns auch mit den Veränderungen abfinden. Veränderungen hat es immer schon gegeben, zuletzt war das dieser Krieg, da gab es meines Wissens nach überhaupt keine Äpfel. Oder keine Supermärkte, so genau weiß ich das jetzt nicht. Aber danach ging es der Wirtschaft wieder gut, allen Unkenrufen zum Trotz. Weil die Wirtschaft endlich wieder ihre eigenen Ziele verfolgen konnte und sich nicht mehr nur nach den Ansagen der Politik richten musste. Wenn das eine Mehrheit in der Bevölkerung verstanden hat, dann ist für die Leistungsträger auch der Wohlstand gesichert, und zwar dauerhaft.

So, und Sie wollten jetzt was beantragen? Staatshilfe? Für ein Kleinunternehmen? Abgesehen davon, dass ich gar nicht zuständig bin, die Arbeit haben Sie auch nicht gerade erfunden, oder?“





Anschubfinanzierung

5 02 2020

„… gegen dauerhafte Tiefpreise im Einzelhandel vorgehen wolle. Die Landwirtschaftsministerin sei fest entschlossen, die Lebensmittel in Deutschland wieder zu einem…“

„… nicht von einem Preisdumping sprechen könne. Die Sprecher der vier großen Konzerne seien sich dahin gehend einig, dass es dauerhaft niedriger Preise für viele Waren geben müsse, da sich sonst ihre eigenen Angestellten mit ihrem Gehalt überhaupt keine…“

„… der Gipfel im Kanzleramt nicht primär zur Diskussion der anstehenden Probleme gedacht sei. Ein Ministeriumssprecher habe erklärt, vorrangiges Ziel sei es, Klöckner intellektuell niederschwellig zu erklären, was ihr Amt überhaupt…“

„… und von der Opposition nicht mitgetragen werde. Lindner sehe sehr große Gefahren für die Versorgung prekär Beschäftigter in Teilzeitjobs, die sich bald keinen Frühstückschampagner mehr leisten könnten, wenn die sozialistischen…“

„… dass mehr Preisgerechtigkeit erzeugt werde, wenn die Konzerne Süßkartoffeln und Mango zu denselben Preisen wie die einheimischen Waren verkaufen müssten. Dies hätte allerdings zur Folge, dass die Einnahmen für Äpfel und Kartoffeln zum Teil an ausländische Landwirte ausgeschüttet werden müssten, was sich negativ auf die…“

„… sei sich das Bundeswirtschaftsministerium sicher, dass etwaig auftretende Ungerechtigkeiten durch die unsichtbare Hand des Marktes geregelt würden, wenn man sich nur auf eine zeitlich nicht genau definierte…“

„… habe die AfD-Bundestagsfraktion einen Bürgerkrieg angekündigt, wenn ausländische Bauern genau so viel Geld wie die deutschen erhielten. Dies sei eine von langer Hand geplante jüdisch-alliierte Vernichtungsstrategie des Volkes, das bereits jetzt vor dem…“

„… wolle Klöckner als Kompromissvorschlag die Erzeugerpreise nicht verändern, aber zugunsten der Discounter die Verkaufspreise um mindestens zwanzig…“

„… das gefährliche Signale für die deutsche Wirtschaft aussende. Altmaier befürchte, dass der Preisdruck auch Mieten und Strom erfassen und zu einem kompletten Zusammenbruch der…“

„… der Staat nicht in die Wirtschaft eingreifen dürfe und dies auch gar nicht beabsichtige. Damit sei auch ein Wettbewerbsvorteil von Nestlé, die sich mit einer eigenen Einzelhandelskette in der EU und zahlreichen anderen marktrelevanten…“

„… müsse man aber auch die Sozialleistungen erhöhen. Die CDU sehe hier allerdings eine klare Aufgabe der Fachministerien, dass die Regelsätze künftig keine Luxusartikel wie Lebensmittel oder…“

„… als Zynismus bezeichnet habe. Lindner fordere nach wie vor eine völlige Streichung der Steuern für Superreiche, die sonst gezwungen würden, Billigkaviar kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums zu…“

„… dass höhere Preise zugleich den Absatz senken und damit zur Preisanpassung beitragen würden. Diese Theorie werde demnächst von der Bundesregierung in einer Studie untersucht und könne bereits in wenigen Jahren für eine neue…“

„… seien sich die Einzelhandelskonzerne sicher, dass es bereits heute auf dem deutschen Markt eine Preisgerechtigkeit gebe. Auch große Produzenten könnten beispielsweise für industriell erzeugtes Billigfleisch dieselben Preise verlangen wie kleine Landwirtschaftsbetriebe für Bio-Ware. So sei auch gesichert, dass Verbraucher ihre Kaufentscheidung letztlich nur auf Qualitätskriterien statt am…“

„… davor gewarnt habe, Umweltschutz auf dem Rücken des Handels einzufordern. Braun gebe zu Bedenken, dass die deutsche Autoindustrie durch ihre berechtigten Gegenmaßnahmen sehr viel Vertrauen auf der Seite der Käufer verloren habe und sich in einem mühsamen Prozess mit den…“

„… Mindestpreise umsetzbar seien, wenn sich Erzeuger und Handel unter Beteiligung der Regierung darauf einigen könnten. Im Gegenzug könne sich die Union vorstellen, mit der Abschaffung des gesetzlichen Mindestlohns eine Anschubfinanzierung für die Landwirtschaft zu leisten, die gerade im Bereich der…“

„… es keine Preisabsprachen zwischen den Einzelhändlern gebe. Zufällig auftretende Parallelen seien nicht beabsichtigt und deshalb auch kein Fall für kartellrechtliche…“

„… für mehr Flexibilität im Handel sorgen müsse. So sei es für die Discounter durchaus denkbar, sämtliche Ware als Bio-Produkte zu verkaufen und aus den gestiegenen Gewinnen eine Entschädigung für die möglicherweise steigenden Erzeugerpreise zu…“

„… die staatliche Preiskommission bereits in der kommenden Legislaturperiode eingerichtet werden könne. Selbstverständlich werde diese Institution nur Vorschläge unterbreiten, die von der Wirtschaft als unverbindliche Vorschläge für ein…“

„… aus verfassungsrechtlichen Gründen auch andere Produkte verteuert werden müssten. Lindner bringe dafür eine Luxussteuer ins Gespräch, damit nicht mehr jeder prekär Beschäftigte im Teilzeitjob Champagner kaufe, der nur Leistungsträgern und Erben von…“

„… sich für eine Anschlussverwendung bei der Deutschen Bahn oder in der Autoindustrie nicht eigne. Auch der Vorstand der Deutschen Bank halte sie für unfähig. Klöckners Wechsel an die Spitze der Kommission stehe also nicht mehr im…“





Zweite Meinung

10 09 2019

„… müsse es eine Entlastung der Arztpraxen geben. Patienten, die unnötige medizinische Hilfe in Anspruch nähmen, sollten künftig durch eine Strafzahlung in Höhe von…“

„… die Kassenärztliche Bundesvereinigung in der Kritik stehe. Ihr Vorsitzender Gassen habe dagegen argumentiert, dass die Ärzte immer noch zu viel Zeit mit überflüssigen Konsultationen verschwenden würden und keine Zeit mehr für…“

„… fordere Spahn eine sofortige Erhöhung der Kassenbeiträge, wenn sich herausstelle, dass Arbeitnehmer ohne eine klare Diagnose in die Sprechstunde eines…“

„… die Strafzahlungen abgestuft verhängt werden müssten. Da die Strafen nicht prozentual berechnet würden und oft von erheblicher Höhe seien, müsse man spätestens beim zweiten Missbrauch eine Kündigung des…“

„… richtiggestellt habe. Es gehe Gassen nicht um mehr Patienten, es sei nur inzwischen nicht mehr tolerabel, dass die Ärzte keine Zeit mehr für Golf und Segeln fänden und ihr sozialen Kontakte dadurch erheblich…“

„… gehe es nicht um Sanktionen für chronisch kranke Menschen. Die Ärztekammer sehe hier die Kompetenz klar bei der Bundesagentur für Arbeit, die mit ihrer Sanktionspraxis erfolgreich für eine Senkung der…“

„… könne im Gegenzug bei einer geringen Inanspruchnahme der Versicherungsleistungen die freiwillige Rückzahlung von Kassenbeiträgen auf 0,0001‰ steigen, berechnet auf einen 97-jährigen Patienten, der bereits im Alter von 0 Jahren die Versicherung abschließt und nicht mehr als…“

„… würden die Krankenkassen die Rauswurf-Klausel nicht als sozialwidrig bezeichnen. In der Versicherungswirtschaft sei es durchaus Usus, dass nach jahrzehntelanger Zahlung für eine Police beim geringsten Schadenfall die…“

„… empfehle die Kassenärztliche Vereinigung eine ausführliche Internet-Recherche, um sich vorab mit einer Differenzialdiagnose an den Arzt wenden zu können, der dann als…“

„… nicht für Patienten gelten dürfe, die zuvor einen Heilpraktiker konsultiert hätten, um schließlich eine richtige Behandlung in der Praxis eines…“

„… könne sich Spahn durchaus vorstellen, dass erst nach dem dritten Verdachtsfall eine gesetzliche Versicherung gekündigt werden dürfe. Es stehe den mutmaßlichen Sozialschmarotzern allerdings frei, danach eine private Krankenversicherung zu…“

„… die aus Google gewonnene Anamnese durchaus vertrauenswürdig sei. Die ärztliche Konsultation sei dann regelmäßig wie eine zweite Meinung zu behandeln, die von der Kasse nicht mehr gezahlt werden müsse, da sie nach dem…“

„… richte sich die Maßnahme aber nach den Bedürfnissen der Patienten. Diese hätten kein Interesse daran, unnötig lange im Wartezimmer zu sitzen und die…“

„… wolle die Kassenärztliche Vereinigung eine rasche Klärung der rechtlichen Voraussetzungen schaffen. Da Notfälle wegen der nicht ausreichend gelieferten Diagnosedaten seitens der Patienten in Zukunft sowohl von niedergelassenen Ärzten als auch von Krankenhäusern abgelehnt werden dürften, könne man bereits jetzt die Straffung der Kassenstruktur ins Auge fassen und eine wesentlich höhere Abrechnung für die…“

„… kostenlose Volkshochschulkurse für alle chronisch Erkrankten anbieten wolle, die sich im Gegenzug verpflichten würden, einen Großteil ihrer Medikamente auf eigene Kosten zu…“

„… könne ein nicht notwendiger Arztbesuch allerdings rechtssicher nur dann als nicht notwendig beurteilt werden, wenn er von einem Arzt im Zuges einer regulären…“

„… die Besuche von Privatpatienten gar nicht überflüssig sein könnten, da sie dem Überleben der Ärzte mit Kassenzulassung dienlich seien. Spahn habe zugesichert, die Leistungen den Privatkassen in keinem wie auch immer gearteten…“

„… die Implantatindustrie Arbeitsplätze abbauen müsse, wenn Patienten dazu übergingen, ohne akute Notwendigkeit in die Sprechstunde zu kommen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Lieferant sei zerstört, weil der Patient sich immer wieder anmaße, mit seiner eigenen…“

„… die nicht notwendigen Arztbesuche für eine Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen vorzusehen, um eine korrekte Höhe der Sanktionen zu bestimmen. Diese würden automatisch mit den…“

„… wolle das Gesundheitsministerium die Broschüre Jetzt helfe ich mir selbst in unterschiedlichen medizinischen Fachgebieten auf den Markt bringen, um Hilfe zur Selbsthilfe auch für die akademisch nicht gebildeten…“

„… dass eine Überprüfung der Konsultationen durch den Medizinischen Dienst angesichts der aktuellen Personalstärke nur mit zwei bis drei Jahren Verzögerung durchführbar sei. Spahn sehe dies positiv, da sich abgesehen von vielen in der Zwischenzeit auftretenden Todesfällen auch eine große Anzahl von Patienten nicht mehr mit einer vergleichbaren Diagnostik in den…“





Problempizza

25 10 2018

„Das rote Dreieck ist jetzt für mehr Zucker, aber biologisch-dynamisch. Grün wäre weniger Salz, oder war’s Fett? Wir kommen hier ständig mit den Beschlussvorlagen durcheinander, das reinste Chaos. Wir gut, dass das auf freiwilliger Basis ist.

Darauf legen wir großen Wert. Wir sind ja nicht in der DDR, wo der Staat den Betrieben einfach so sagen konnte, wie die Produktion laufen soll. Wir sind hier in der sozialen Marktwirtschaft und in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, das heißt, die einen kümmern sich um den Markt, die anderen um die Wirtschaft, und der Staat ist dann fürs Soziale zuständig. Alles andere ist Sozialismus, außerdem wäre das auch nicht transparent.

Das ist nämlich das zweite Standbein, wir setzen konsequent auf Transparenz. Mit der Freiwilligkeit zusammen bedeutet das, jeder kann sofort sehen, aha, der macht freiwillig mit. Und die Freiwilligkeit der Transparenz ist natürlich nur so freiwillig und so transparent, wie das die Konzerne wollen, weil das ja der Markt regelt und nicht der Staat. Jetzt schauen Sie nicht so, das ist Demokratie. Da müssen Sie dann halt noch ein bisschen dazulernen. Also wenn jetzt der Konzern A hier eine gelbe Raute auf die Brötchen pappt, weil da Sachen drin sind, die Sie nicht essen würden, wenn Sie’s wüssten – also die Brötchen würden Sie auch nicht essen, wenn Sie wüssten, dass ist in den Brötchen drin – dann heißt das, die gehen als gutes Vorbild voran und werben offensiv für eine gute Kundenbindung, denn Sie als Verbraucher wissen ja wohl auch, Brötchen ohne den Kram müssen Sie schon selbst backen, wenn Sie keinen Bäcker mehr ums Eck haben. Es gibt keine anderen.

Die Ministerin hat außerdem gesagt, dass die Produkte den Verbrauchern weiter schmecken müssen. Immerhin, sonst hätten wir jetzt fettfreie Wurst, die beim Kauen quietscht. Oder glutenfreie Bonbons. Das hat sicher auch mit einer gewissen Traditionstreue zu tun. Die Ministerin steht in der Tradition, dass die Konzerne tun können, was sie wollen, und die Konsumenten kennen den Mist halt nicht anders. Da schrumpft das Schnitzel in der Pfanne und die Konservierungsstoffe sind aus den besten Zutaten. Wenn Sie das Gegenteil wollen, müssen Sie eine Ministerin von den Grünen nehmen. Die versteht etwas von Verbraucherschutz, die Wurst ist gesund und schmeckt trotzdem nicht.

Aber das ist ja auch ganz gut so. Jetzt stellen Sie sich bloß mal vor, Sie würden weiterhin nicht genau wissen, ist in meinen Salzbrezeln eventuell zu viel Zucker? enthält die Marmelade Fett? Das würde die Kundenbindung empfindlich stören, und am Ende kauft keiner mehr Marmelade. Oder nur noch Bio, und davon kann so eine Volkswirtschaft auf Dauer nicht überleben. Gut, eine Volkswirtschaft schon, aber keine Ministerin. Zumindest nicht diese.

Sie müssen ja auch berücksichtigen, dass die Verbraucher manchmal auch bewusst die Produkte kaufen, die eigentlich gar nicht so gut sind für sie. Da können Sie jetzt ein Transparenzgesetz machen, da steht auf der Butter drauf: enthält Fett, zack! die Milchbauern ziehen vor den Reichstag, kennen Sie. Oder wir setzen ganz auf Freiwilligkeit, dann macht’s am Ende wieder keiner. Dann doch lieber beides kombinieren, aber als vollkommen unlesbare Zeichen auf die Rückseite aufbringen, damit ist dann dem Gesetz Genüge getan, aber der Bürger freut sich auch, weil er’s halt nicht lesen muss. Lesen Sie etwa das Kleingedruckte unter Ihrer Lebensversicherung?

Was wäre denn für Sie die Alternative? Klar, alles verbieten! Steuern auf Zucker und Fett, aber dann haben Sie gleich wieder die ganze Soziallobby gegen sich, weil sich ein Drittel der Bevölkerung von Obst und Gemüse nicht ernähren kann, weil das Geld nicht reicht. Außerdem haben Sie die Opposition auf dem Plan, weil der Staat noch mehr Geld einnimmt, das er ja garantiert verschwendet. Alles Konfliktpotenzial. Damit kann man doch die Ministerin nicht allein lassen, die versteht doch jetzt schon kaum noch, worum es hier geht. Also mit Verboten kommen Sie hier nicht weiter, weder bei den Kunden noch bei der Industrie. Sie müssen da konsequent auf Nichteinmischung setzen. Die Kunden sollen sich intensiv mit den Angaben der Industrie auseinandersetzen, und die Industrie, für die findet sich dann auch irgendwann mal eine gemeinsame Lösung.

Für die ganz spitze Zielgruppe könnte man ja sogar eine Produktlinie schaffen, die freiwillig die Transparenz mit gnadenlos ehrlicher Information über das Produkt verbindet. Zu viel Zucker, zu viel Fett, Salz, künstliche Aromen, Stabilisatoren, mit Farbstoff und Emulgator: die Problempizza. Fast so gut wie Rauchen. Wenn man die Konsumenten nur transparent informiert, dann ist das doch ethisch total okay. Mehr verlangt das Gesetz auch gar nicht. Ob Sie das Zeug dann kaufen, und wenn Sie’s gekauft haben, ob Sie das in die Mikrowelle werfen oder in den Müllschlucker, das ist doch allein Ihre Entscheidung. Und daran sehen Sie, dass Sie hier in einem freien Land leben: Sie dürfen alles essen, Sie dürfen nur nicht alles wissen.“





Weißwurst

18 09 2018

„… nicht nur in Bayern, sondern auch in den restlichen deutschen Provinzen, die dem Freistaat angegliedert seien, für eine brutalstmögliche und lückenloseste Aufklärung des Dieselskandals sorgen und die Rolle der CSU als entschiedenste Umweltpartei in der ganzen BRD sofort und mit tausendprozentiger…“

„… offenbar Scheiße vom falschen Baum geraucht habe und dringend seinen Dealer wechseln solle. Der BMW-Vorstandsvorsitzende Krüger habe sich gefragt, ob Scheuer noch alle Tassen im…“

„… die Christsozialen damit gescheitert seien, deutsche Amts- und Landgericht für befangen zu erklären, weil diese Fahrverbote für Diesel-Pkw auf kommunaler Ebene im Zuge einer…“

„… zwar richtig sei, dass der Bundesminister die Manager als Drecksäcke, linkslinke Schweine, Kommunistenschwuchteln und grüne Volksverräter bezeichnet habe. Dies sei jedoch in Absprache mit der CSU-Führung und daher ohne weitere Gedanken über die Folgen dieser Äußerungen geschehen, weshalb Scheuer jetzt zunächst die Automobilkonzerne in der Pflicht sehe, mit einer vernunftbetonten Antwort die Öffentlichkeit von ihrer…“

„… dass auch andere konservativ regierte Bundesländer sich für Fahrverbote einsetzten, so sie der offiziellen Umweltschutzpolitik förderlich seien. Hessen sehe derzeit keinen Grund, auf die reaktionäre Linie des bayerischen…“

„… es noch große technische Bedenken im Bereich der Umweltschutztechnologie gebe. Scheuer habe sich nach Auskunft seines Sprechers zwei Quartanerinnen ins Ministerium bestellt, die ihm mit dem notwendigen physikalischen Fachwissen zur…“

„… es die Automobilindustrie recht gelassen sehe. Es stehe Scheuer jederzeit frei, Bundesmittel für die Aufrüstung von Dieselfahrzeugen zu versprechen, er müsse dies jedoch mit dem Ministerium für…“

„… technische Aufrüstungen aber weiterhin ablehne, da sie zwar Arbeitsplätze sicherten, was aber nur im Interesse der Wähler und nicht der bayerischen…“

„… Scholz die Pressevertreter gefragt habe, ob man in Berlin neuerdings Weißwurst kokse. Er habe weder von der Bundeskanzlerin noch von seinen Staatssekretären eine Nachricht bekommen, dass eine dreistellige Milliardensumme für deutsche Dieselfahrer im Nachtragshaushalt der…“

„… ein Urteil der EU niemals akzeptieren werde. Scheuer werde sich dafür einsetzen, dass der Freistaat aus der Europäischen Union geschlossen austrete, wenn es zu einer Strafzahlung für die…“

„… freiwillige Updates nicht zu bezahlen seien, da eine Überprüfung der Software technisch nicht ohne Dritthilfe bewerkstelligt werden könne. Das Bundesinnenministerium wolle keine Kontrolle durch legale Maßnahmen veranlassen, da sich auch Partei- und regierungsnahe Mitglieder unter den Fahrern der…“

„… dass das Verändern der Software noch mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen werde. Scheuer habe sich entschlossen, den Konzernen vier Jahre Zeit zu geben, um seinem Nachfolger im Bundesministerium für…“

„… könne die CSU sich mit den Autokonzernen einigen, wenn ein vernünftiges Angebot für eine Wahlkampffinanzierung vorliege, das es Scheuer erlaube, die Ablösung des Übergangschefs Söder schnellstmöglich zu…“

„… fordere die AfD eine Dieselgarantie bis 2050. Die Christsozialen hätten sich durch eine Einigung auf 2048 zwar schon intern gefestigt, wollten diese Marschroute aber erst nach der Wahl als offizielles…“

„… werde Scheuer persönlich dafür einstehen, dass die Autokonzerne hundert Prozent der geforderten Kosten für einen Umbau der Fahrzeuge und eine Entschädigung in Höhe von…“

„… minderjährige slowakische Hostessen aufgetaucht seien, die anlässlich von Scheuers Promotionsfeier in einem bayerischen…“

„… bis zum dreifachen Kaufpreis der Neuwagen erstattet werde. Die durch ausländische Hetze verunsicherte Autoindustrie müsse im Land gehalten werden, da sie in die USA abwandern und mit massiven Strafzöllen zu einer Katastrophe für die Mittelschicht in der…“

„… empfehle Lindner insbesondere den Arbeitslosen, Oldtimer zu kaufen. Wer nach dem Erwerb einer Eigentumswohnung die gesparten Mietzahlungen sinnvoll anlegen wolle, könne ab wenigen hunderttausend Euro bereits mit einer Wertsteigerung von mehr als…“

„… müsse man Investitionsanreize für geprellte Dieselkäufer schaffen, da diese die Hauptzielgruppe für Dieselfahrzeuge seien, denn nur sie könnten nach Scheuers Meinung die Vorzüge eines Diesels gegenüber anderen Fahrzeugen überhaupt sehen. Es verhielte sich mit der CSU ähnlich, weshalb eine absolute Mehrheit bei den Landtagswahlen nur noch eine Frage der…“





Gesetzlich versichert

12 12 2016

„Mal ehrlich, erwarten Sie das nicht von uns? so ein Rundum-sorglos-Paket, das Ihnen einfach ein ganz neues Mobilitätsgefühl verleiht? Sieben Tage in der Woche, vierundzwanzig Stunden, immer an Ihrer Seite, wenn Sie in Deutschland unterwegs sind? Wir als Versicherungskonzerne wissen, was Sie wirklich brauchen. Ob Sie wollen oder nicht.

Sie haben ja wirklich recht. Das mit der Bahn als Staatskonzern hat schon nicht geklappt, und dann auch noch die Post, also das, was von dem Laden übrig ist – können Sie sich Autobahnen in Bundeshand vorstellen? Das reinste Chaos, eine Fehlinvestition nach der anderen, nur Reformstau, überall Tempolimits, schrecklich! Deshalb wollen wir als Profis das mal in die Hand nehmen und für echten Fortschritt sorgen. Wir als Versicherungen kennen uns aus mit nationalen Großprojekten, auch mit solchen, die für die Politik zu kompliziert sind und die wir notfalls ohne fremde Hilfe über die Bühne bringen. Gucken Sie sich an, was da in Berlin als Verkehrsminister herumturnt, und dann sagen Sie uns: glauben Sie ernsthaft, die Politik würde eine Autobahnprivatisierung ohne unsere Hilfe schaffen?

Doch, die kommt. Das ist wie mit der Maut. Die wurde auch erst kategorisch ausgeschlossen, und dann stellte sich heraus, dass die Rechnung nicht aufgeht, und darum kommt sie jetzt doch. Die Autobahnprivatisierung wurde abgelehnt, weil sie gegen die Verfassung verstößt. Deshalb ist sie noch ein ganzes Stück wahrscheinlicher als die Maut.

Sie kennen doch Ihre Versicherungen, oder? Jeder hat Versicherungen, Krankenversicherung, Autoversicherung, Haftpflicht, Hausrat, das muss einfach sein. Ein vollkommen alltägliches Geschäft, das hat hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung, da macht man gerne mit, da zahlt man ein, und dann ist noch die Frage: zahlt der Laden auch? Ja, man muss das nicht immer so bierernst sehen, denken Sie einfach mal ein bisschen lebensnah, da macht das gleich viel mehr Spaß.

Vor allem verwaltungstechnisch kann man das doch wesentlich vereinfachen. Schauen Sie, so eine Maut ist im Grunde organisatorisch nur der Anfang. Da macht man dann eine Pflichtversicherung, eine Fahrerlaubnis kann man sicher inzwischen bei den Bürgerinnen und Bürgern voraussetzen, deshalb ist der Begriff der Bürgerversicherung auch für den Wahlkampf so gut, und dann zahlen Sie hier ein, und dann dürfen Sie auf der Autobahn fahren. Das Modell bleibt natürlich gleich. Also das von der Krankenversicherung. Sie sind gesetzlich versichert und können dafür auf der Autobahn – oder einer Autobahn, oder vielleicht ist es auch nur ein Streckenabschnitt, das müssen wir dann mal sehen, wenn wir das durchgerechnet haben – also da kann man dann fahren, Kilometerpauschale und fertig. Wenn Sie eine gewisse Hubraumgröße erreichen, können Sie sich – also Ihr Auto, ist ja auch nicht Ihr Hubraum, haha! – dann sind Sie privat versichert. Da müssen wir dann natürlich eine Deckelung für die Kosten einführen, um den Infrastrukturstandort Deutschland nicht zu gefährden. Wenn Sie zum Beispiel jeden Tag auf dem Kreuz Ulm/Elchingen auffahren, und dann zum Flughafen, das sind dann, ich muss mal nachrechnen, aber auf jeden Fall muss man verhindern, dass Leistungsträger die Strecke aus Steuerersparnissen auf ausländischen Straßen zurücklegen, dann haben wir gar keine Einnahmen, und das kann ja auch nicht in Ihrem Interesse sein.

Außerdem, denken Sie doch mal an die Rendite! Sie können sich gar nicht vorstellen, was man für eine Scheißkohle rauskriegt! Gut, nicht Sie. Ihr Part besteht eher darin, die Scheißkohle reinzustecken, das kennen Sie bereits von den Energiekonzernen. Wenn es nicht so gut läuft, ziehen wir die Preise an. Wenn es besser läuft als erwartet, müssen wir leider die Preise nach oben anpassen. Wenn wir von der Regierung wegen unerwarteter Steuergeschenke für korrupte Großverdiener plötzlich extrem hohe Gewinne haben, wird es Sie nicht überraschen, dass wir die Preise kräftig erhöhen, damit die Rendite nicht nur linear steigt, anstatt exponentiell durch die Decke zu brettern. Man muss manchmal schon ein Opfer bringen, und Sie sollten sich bereits daran gewöhnt haben, dass wir Ihre gerne annehmen.

Spinnen Sie den Gedanken einfach mal weiter: was spricht eigentlich – aus unserer Sicht, aber das muss ich Ihnen ja nicht erläutern, dass uns Ihre Perspektive nicht wirklich interessiert – dagegen, dass wir den Energiemarkt auch an die Infrastruktur anpassen? Bis jetzt können wir Ihnen leider nur die üblichen Mineralölprodukte bieten, aber in Zukunft werden Sie auf Elektromobilität umsteigen, und zwar genau dann, wenn wir das wollen. Mit unseren Tankstellen, unseren Steckern, unseren Preisen. Sie werden nichts anderes wollen als Qualitätsstrom aus unserem Angebot. Sie bekommen auch nichts anderes mehr, das macht Ihnen die Entscheidung zusätzlich leicht. Sind wir nicht klasse?

Da können Sie sagen, was Sie wollen, ich finde unser Projekt großartig. Den Bürgerinnen und Bürgern die Daseinsvorsorge organisatorisch so einfach wie möglich gestalten, das ist doch eine prima Sache. Sie fahren in Ihrem selbst bezahlten Auto mit Kraftstoff, den Sie zu einem optimalen Preis bekommen, auf einer Straße, die wir aus gemeinschaftlichen Mitteln für Sie finanzieren, und das alles für einen exklusiven Mitgliedsbeitrag, damit Ihnen auf der Fahrt auch wirklich nichts zustößt. Meinen Sie nicht, dies Modell könnte echt Zukunft haben?“





Rent-a-Sozialdemokrat

28 11 2016

„Ich weiß nicht, ob die Nahles steppen kann, singen kann sie schon mal nicht, das wissen wir, und Steppen kann ich mir ehrlich gesagt auch kaum vorstellen. Tanzen vielleicht, aber lassen Sie die unter keinen Umständen auf den Tisch. Das gibt eine Katastrophe. Also für den Tisch.

Gut, dass wir im Landesverband Hessen noch eine Nichtjuristin ausfindig machen konnten, die ist nämlich gelernte Veranstaltungskauffrau, und das können wir jetzt gut brauchen, weil die Anfragen inzwischen fast alle Viertelstunde reinkommen. Da muss man den Überblick behalten, sonst wird der eine dreimal gleichzeitig gebucht und beim anderen stimmt der Preis nicht.

Rent-a-Sozialdemokrat, Sie wünschen? Kraft? Klar, die wünschen wir uns alle, besonders fürs nächste… – Ach so, die. Die Kraft. Weihnachtsfeier im Schützenverein? Sollte klappen, die Hannelore ist ja eher rustikal unterwegs. Sie haben Erfahrung? Nein, da müssen Sie sich keine Sorgen machen. Die Witze vom Rüttgers erzählt sie bestimmt nicht. Wenn Sie Currywurst haben, sollte der Abend recht unterhaltsam werden. Paar Anekdoten aus dem Pott, Straßenbahn, so was halt. Aber lassen Sie bitte die Rechnung nicht offen herumliegen, sonst wird die hinterher für verfassungswidrig erklärt!

Sehen Sie, so schnell geht das. Wieder ein paar Tausender. Wobei die Kunden ja teilweise auch sehr stressig werden können. Der eine will unbedingt Helmut Schmidt haben, der andere einen SPDler, der gegen Rüstungsexporte ist – hallo!? wo soll ich den jetzt hernehmen, und vor allem, was ist denn an Rüstungsexporten auszusetzen? Na, da muss man eben ganz entspannt bleiben, das regelt der Markt, und wenn der das nicht regelt, dann muss man die Preise erhöhen, sonst… –

Rent-a-Sozialdemokrat, Sie wünschen? Nein, nicht asozial, das haben Sie falsch… nein, wir sind die… – Sie waren nicht zufrieden? Ja Gottchen, wer ist das noch. Wir sind schließlich die SPD, da weiß man, was man hat. Er ist gar nicht gekommen? Da haben Sie aber noch mal Glück gehabt, was meinen Sie, andere zahlen sogar noch drauf, damit Schulz sich gar nicht erst… – Jetzt schreien Sie doch nicht so, das kriegen wir doch alles wieder in den Griff. Das Honorar wird natürlich sofort zurückgebucht, und dann könnten wir Ihnen für die Versammlung im nächsten Quartal Nahles anbieten, Oppermann oder den… umsonst? Klar ist die umsonst, oder haben Sie schon mal erlebt, dass die irgendwas nicht total… –

Mann, der hatte vielleicht eine Laune! Stellen Sie sich mal vor, wir sind im Wahlkampf, dann geht hier aber erst recht die Post ab! Und dann muss man auch noch den ganzen Sicherheitsapparat im Kopf haben, stellen Sie sich mal vor, die AfD bucht den Stegner, das gibt ein Blutbad, der fällt uns am Ende für drei Tage aus, das kann doch keiner wollen! Sie sehen, es ist ein verantwortungsvoller Posten hier, und da muss man natürlich auch immer auf alles gefasst sein. Gestern ruft hier einer aus Berlin an, ich melde mich, wie immer, sagt er: die Kanzlerin. Ich will die Merkel, Preis ist egal, man wird nur einmal im Leben siebzig, und dann soll die hier mit auf die Kegelbahn. Ich sage zu ihm, Sie sind hier aber falsch, wir sind doch Rent-a-Sozialdemokrat, sagt er: logisch, die Merkel ist ja auch die einzige Sozialdemokratin in dieser Scheißtruppe. Ich frage Sie, was machen Sie mit solchen Kunden? Kann man da guten Gewissens den Steinmeier schicken, oder erklärt der ihnen erstmal, dass die Geschenke ihnen von der Grundsicherung abgezogen werden?

Rent-a-Sozialdemokrat, Sie wünschen? Aha, eine Fachtagung. Und Sie sind sich trotzdem ganz sicher, dass Sie den Maas wollen? Ich will da ganz offen sein, die Redebeiträge sind, sagen wir mal: gewöhnungsbedürftig. Der redet am Schluss das Gegenteil dessen, was er am Anfang gesagt hat. Sie kennen das? Ach so, Sie sind auch schon zwanzig Jahre in der SPD. Wir könnten Ihnen Müntefering anbieten. Der ändert seine Meinung immer erst nach der Wahl.

Das Problem ist ja, wie gesagt, unser Portfolio. Die Leute wollen etwas haben, das sie in uns sehen, und dann liefern wir nicht. Gut, das kennt man von der SPD, aber das macht die Sache ja nicht besser.

Uns geht es in erster Linie um den Markenkern, der darf nicht verwässert werden, und wenn wir da immer nur die paar Volleulen losschicken, die man eh aus den Nachrichten kennt, aber nicht mal einen, der auch wirklich Politik macht, also meinetwegen die Staatssekretäre, den Mittelbau in Ministerien und Bundesämtern, die Leute, die etwas von Politik verstehen – da entsteht ein ganz falscher Eindruck von der Partei, und ich wüsste jetzt gern einmal, ob das bei den Leuten nicht sogar erwünscht ist, ob die nur einen Sprechblasebalg haben wollen, der ihnen auf der Weihnachtsfeier ordentlich Schaum auf den Bauch pinselt und mit viel Tamtam erzählt, uns geht es prima, alles dufte, weiter so, wir sind auf einem guten Weg, und Steuersenkung hier, zum Ausgleich Lohnkürzung da, und dann stoßen die noch mal an mit ihrem Champagner, und schon ist Wahl, und dann besinnt man sich auf die wahren Werte in der Politik, und plötzlich… –

Rent-a-Sozialdemokrat, Sie wünschen? Aha, Sie sind insolvent? Naja, das kann man schon feiern, manche Leute feiern ja auch ihre Scheidung. Eine Unternehmensbeerdigung, wenn ich das richtig verstehe? Da empfehle ich Ihnen den Gabriel, der zeigt Ihnen, wie man eine ganze Partei um die Ecke bringt.“





Führerbefehl

21 11 2016

„Sicher wird das teuer. So war das auch gedacht. Wenn man als Wirtschaftsminister irgendwann den Verdacht schöpft, dass unbegrenztes Wachstum gar nicht hinhauen kann, muss man sich nach anderen Einnahmequellen umsehen. Oder sie verkaufen.

Das mit den Autobahnen ist eine historische Aufgabe, das schließt an Epochen an, mit denen wir uns voll identifizieren. Also die Römerstraßen, oder was hatten Sie jetzt gedacht? Die sind damals auch von unterworfenen Völkern gebaut worden, um den Herrschern das Leben ein bisschen leichter zu machen. So ungefähr müssen Sie sich das mit der Regierung vorstellen: wir privatisieren die Autobahnen jetzt, und irgendwann, in ein paar Jahrhunderten, was sage ich: in Tausenden von Jahren, da werden die Deutschen uns dankbar sein. Weil die Autobahnen dann schuldenfrei sind.

Es wird jetzt ja immer von Dual-Use geredet, und da haben die Kritiker auch ganz recht: wir weisen zu selten darauf hin, dass wir Autobahnen auch in militärischer Hinsicht werden benutzen können müssen, das hat ja damals, also der, ich weiß jetzt nicht, war vermutlich auch so ein Römer, der die damals gebaut hat, das waren ja militärisch befestigte Wege, und wir müssen Geld sparen. Da passt es sicherheitstechnisch doch ganz gut, dass wir uns auf Kerngeschäft konzentrieren und die Maut, das heißt das Überwachungssystem, und das ist ja sicherheitstechnisch relevant, und wenn wir Glück haben, müssen wir das militärisch nutzen. Können, wollte ich sagen. Können wir nutzen.

Überhaupt verstehen wir das ganze destruktive Gemecker nicht. Was wollen denn die Leute? Die wollen natürlich Privat vor Staat, oder? Stellen Sie sich mal vor, Ihre Garageneinfahrt, die auf Ihrem Grundstück liegt, das ist ja verkehrstechnisch auch nicht anders als ein Stück Autobahn, da gibt’s eine Beleuchtung, eine Überwachungsanlage, einen Grund gibt es auch, wahrscheinlich haben Sie einen Zaun, und das alles wird jetzt einfach verstaatlicht. Einfach mal so. Sie dürfen da noch fahren, es gilt nach wie vor deutsches Recht, aber es gehört Ihnen nicht mehr. Das Geschrei möchte ich mal hören! Sie wären doch der erste, der mit BRD GmbH und den Verschwörungstheorien anfängt, oder? Oder!?

Der Staat hat so viel zu tun, der muss sich nicht auch noch um die Autobahnen kümmern. Wir sind mit der Deutschen Bahn AG schon überfordert, da sind unsere Pläne gescheitert. Die Landbewohner wurden ja teilweise systematisch vom Zugverkehr abgeschnitten, und da man dieselben Fehler nicht immer wieder macht, machen wir die nur bei der Bahn. Die Autobahnen vermarktet dann jemand, der sich besser damit auskennt.

Wir setzen auf die finanziellen Anreize, ganz klar. Das ist ja eine Goldgrube. Das ist wie mit der Besteuerung von Schnaps und Zigaretten: geraucht und gesoffen wird immer, da können Sie die Abgaben erhöhen, bis die Leute quietschen, aber zahlen müssen sie letztlich doch. Warum sollte die Regierung diese Einnahmen nur für sich allein beanspruchen? Wenn’s der Wirtschaft gut geht, dann haben wir doch alle etwas davon.

Wir könnten uns auch vorstellen, dass es da internationale Wachstumsimpulse gibt. Wenn Sie das Modell beispielsweise auf griechische Radwege übertragen, sichern Sie der deutschen Wirtschaft dreistellige Milliardenbeträge. Langfristig!

Das kam ja von ganz oben, Führerbefehl eben, das war bei den Autobahnen auch nicht anders zu erwarten, aber Sie dürfen jetzt auch nicht denken, dass der Wirtschaftsminister das ganz alleine entschieden hat. Das Verkehrsministerium hat auch gesagt, dass es sie geistig überfordert, und dann hat der Vizekanzler noch mal gesagt, dass er den Referentenentwurf nicht gelesen hat, der war aber zu einem ganz anderen Gesetz, und plötzlich war die Frist abgelaufen. Aber sie haben wenigstens gesagt, dass es nur eine Teilprivatisierung sein wird. Bei 99,999999999997% würde ich auch von einer Teilprivatisierung sprechen. Es soll auf der A3 bei der Geschwindigkeitsüberwachungsanlage am Elzer Berg eine vom Bund unterhaltene Rückwand geben, die wird nicht privatisiert. Oder erst nach Ablauf einer Frist. Aber das macht dann nicht mehr dieser Wirtschaftsminister, davon können Sie ausgehen.

Wobei wir die Mauterfassung natürlich weiter als hoheitliche Aufgabe ansehen, das versteht sich wohl von selbst. Das muss schon aus Gründen der Steuergerechtigkeit so sein. Stellen Sie sich mal vor, dass nur die Allgemeinheit die Autobahnen finanziert und die Autofahrer sich gar nicht daran beteiligen können – schrecklicher Gedanke, oder? Wir als Regierung, die auf soziale Ausgewogenheit setzt, würden solche Zustände niemals dulden.

Aber machen Sie sich da keine Sorgen, das wird auch eine total ausgewogene Führung sein, die das Fernstraßennetz nach der Privatisierung verwaltet. Da sitzen Gabriel drin und Schäuble – beide! Wenn das keine soziale Ausgewogenheit ist, dann zeigen Sie mir mal einen Versicherungskonzern, also Verkehrsgesellschaft, wollte ich sagen, und das ist ja auch erst der Anfang. Wenn der Laden erst an die Börse geht, das ist ja für Fernverkehr immer gut, wenn so ein Unternehmen, also nicht an Ihre Börse, aber das sehen wir dann. Wir müssen alle unsere Opfer bringen, und wenn es uns auch langfristig schlecht gehen sollte, dann geht es der Wirtschaft doch langfristig gut, und dann wird es uns sicher langfristig gut gehen. Das muss sich Deutschland einfach mal leisten, und mal ehrlich: wenn das Volk etwas bezahlt, muss es doch nicht zwangsläufig auch das Eigentum daran haben. Oder wie, meinen Sie, hatten wir das mit der Agenda 2010 gemeint?“





Heißluftnummer

31 08 2016

„Also die Zahl stimmt.“ „Die muss stimmen!“ „Auf jeden Fall.“ „Und wenn die jetzt nicht stimmt?“ „Wie, nicht stimmt?“ „Ja wenn die jetzt eben nicht stimmt.“ „So weit wollen wir mal nicht denken.“

„100.000 neue Jobs, das ist eigentlich gar nicht vorstellbar.“ „Schwierig ist es schon, aber Koch hat die damals versprochen.“ „Naja, eher angekündigt.“ „Und Bouffier hat das bestätigt.“ „Dann muss es ja alles absolut der Wahrheit entsprechen.“ „Vergessen Sie nicht, wir reden hier von einer Entwicklung bis 2020.“ „Aber die neue Landebahn war doch schon 2011 eröffnet worden.“ „Na, da fängt es doch schon mal an: wer hat die denn gebaut?“ „Das kann man jetzt so gar nicht sagen, die Jobs sind doch…“ „Hat sich die Landebahn Nordwest etwa selbst gebaut?“ „So dürfen Sie nicht rechnen.“ „Das führt doch jetzt zu nichts.“ „Der Frankfurter Flughafen sollte nur für die hessische CDU gut aussehen, mehr nicht.“ „Aber er hat doch kaum zu mehr Jobs geführt.“ „Das sagen Sie.“ „Ich sehe hier aber keine neuen Jobs!“ „Man kann den Flughafen ja auch nicht aus der gesamten Arbeitsmarktbilanz trennen, das müssen Sie doch einsehen.“ „Das heißt, wenn ein Flughafenangestellter sich einen neuen Rasenmäher kauft…“ „… schafft er damit einen neuen Job im Gartencenter. So einfach ist das mit der hessischen Wirtschaft.“

„Wie kommt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung eigentlich auf die Idee, dass der Einfluss einer Flughafeninfrastruktur auf den Arbeitsmarkt statistisch nicht nachweisbar sei?“ „Haben die das gesagt?“ „Man hätte da mal die Wirtschaftswissenschaftler von der Goethe-Uni fragen sollen.“ „Eben, das hätte da auch ein paar mehr Arbeitsplätze schaffen können.“ „Fakt ist aber nun mal, dass es dieses Gutachten gab.“ „Das kann ja auch sein, es interessiert nur halt niemanden.“ „Das ist der Punkt, nach der Veröffentlichung hat die hessische Landesregierung das Gutachten auch schnell in der Schublade verschwinden lassen.“ „Das wäre ja ein Skandal!“ „Wäre? das ist einer!“ „Schlimm!“ „So ganz ohne ein Gutachten!“ „Es gab ja dann doch noch eins. Das Kölner Institut für Verkehrswissenschaften hielt 72.000 Arbeitsplätze für möglich.“ „Sehen Sie?“ „Das sind nun mal keine 100.000 Jobs, sondern nur…“ „Können Sie eigentlich immer nur meckern?“ „Aber…“ „Es gab ein wissenschaftliches Gutachten, was wollen Sie denn jetzt noch haben?“

„Es wurden ja sogar 80 Prozent von Offenbach als Fläche ausgewiesen, auf der nicht mehr gebaut werden darf.“ „Sehen Sie, der Denkmalschutz!“ „Das wird Touristen nach Frankfurt locken.“ „Und die werden jede Menge Geld dalassen.“ „Was ganz bestimmt zu vielen neuen Arbeitsplätzen in der Gastronomie führt.“ „Und in Schuhgeschäften.“ „Wieso Schuhgeschäfte.“ „Wo sollen sich Touristen denn sonst neue Schuhe kaufen, etwa in der Metzgerei?“ „Wer sagt denn, dass die sich in Frankfurt überhaupt neue Schuhe kaufen?“ „Meine Güte, dann eben in Offenbach!“

„Wir könnten ja auch mal externe Faktoren mit in die Kalkulation nehmen.“ „Klingt gut.“ „Zum Beispiel die vielen Schallschutzmonteure für die Häuser in der Einflugschneise.“ „Also für die, die noch da wohnen.“ „Für die anderen haben sie halt neue Möbelpacker angestellt.“ „Win-Win!“ „Und dann die Umweltbranche nicht zu vergessen.“ „Wieso das denn?“ „Da wurden doch jede Menge Abgase rausgepustet, trotz Nachtflugverbot.“ „Aber um das festzustellen, muss man erst mal die Abgase messen und die schädlichen Folgen für die Umwelt ausrechnen.“

„Und die Einkaufsmöglichkeiten?“ „Sie meinen die Geschäfte im Flughafen?“ „Die sind doch nicht der Rede wert.“ „Das liegt aber nur daran, dass man seine Sonnenmilch oder die Limo nicht mehr mit in den Flieger nehmen darf.“ „Also von der Kaufkraft her könnte rein theoretisch Umsatz gemacht werden.“ „Dazu bräuchte man dann auch die nötige Personaldecke.“ „Es gibt doch aber auch Geschäfte mit Selbstbedienung.“ „Wollen Sie uns hier etwa die Bilanz versauen!?“ „Nein, ich meinte ja nur.“ „Das sind dann quasi virtuelle Arbeitsplätze.“ „Das gibt es?“ „Im Wahlkampf gibt es eine Menge.“ „Das passt ja zur CDU.“ „Wegen des Flughafens?“ „Weil sie daraus eine Heißluftnummer machen.“

„Da hat doch dieser eine Wirtschaftsprüfer so viele Jobs geschaffen.“ „Die waren nur aus dem Rhein-Main-Gebiet zusammengezogen worden.“ „Linke Tasche, rechte Tasche.“ „Logisch, ist ja auch ein Wirtschaftsprüfer.“ „Es waren schon 80.000 alleine beim Fraport.“ „Es sollten aber schon vor einem Jahr 94.000 Jobs sein.“ „Und wie ist das noch bis 2020 zu schaffen.“ „Wenn es wie bis jetzt größtenteils Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor werden, die dem hessischen Steuerzahler auf der Tasche liegen, dann könnte man mit Teilzeit schon viel erreichen.“ „Oder auf drei Monate befristen.“ „Das wären pro Arbeitsplatz schon vier neue Jobs in einem Jahr.“ „Ob man damit nicht auch den neuen Hauptstadtflughafen…“ „Haben Sie noch alle Tassen im Schrank!?“

„Also die Zahl muss jetzt einfach mal stimmen, sonst müssen wir die Statistik etwas frisieren.“ „Wieso denn?“ „Weil… die CDU will doch auch die nächste…“ „Wieso denn?“ „Wir können Koch jetzt als Lügner hinstellen, der ist ja raus, aber wenn wir Bouffier…“ „Wieso denn?“ „Was denn: wieso? Was fragen Sie denn immer so blöde!?“ „Warum denn frisieren, die Zahl stimmt. Die Jobs gibt es längst.“ „Was?“ „Wie bitte!?“ „Die gibt es längst. Allerdings in China.“





Marschlöcher

27 06 2016

„Hatten Sie an ein konkretes Projekt gedacht oder sind Sie eher an einer generellen Umkehrung von gewissen Verhältnissen in diesem gesellschaftlichen Kontext interessiert? Ich frage das nur wegen der Dauer des Einsatzes. Sie müssen ja auch wissen, was Sie sich das kosten lassen wollen.

Ja, das stimmt. Wir haben damals mit Bürgerinitiativen begonnen. Hier mal eine 30-Kilometer-Zone verhindern, eine Verkehrsinsel, das waren noch Zeiten! Dass man eventuell damit die Startbahn West durchkriegt, ein Kernkraftwerk, oder – ja, Sie haben recht, das ist absolut crazy! – einen Bahnhof, wobei: da muss ich jetzt leider den Mund halten. Wir haben auch Betriebsgeheimnisse, und Sie möchten sicher nicht in Gewissenskonflikte kommen, oder?

Wobei: Gewissen, das ist so eine Sache. Viel davon dürfen Sie hier nicht haben, auch nicht so eine intermittierende Solidarität mit dem Volk, das sich irgendwo leider so stark mit seiner Heimat identifiziert, dass es da Häuser bauen und wohnen will. Da gehen die Interessen des Kapitals nun mal ganz eindeutig vor. Einflugschneise zum Beispiel, oder Nachtflugverbote, wobei: wenn so eins dann durchkommt, dann steigen auch die Grundstücke wieder im Wert, und dann müssen Sie schon überlegen, ob Sie vorher eins kaufen und es dann hinterher abstoßen, aber gut, so eine Frage des Gewissens ist das jetzt nicht. Wir sind inkognito unterwegs und in vielen Vereinen und Verbänden tätig und in Bürgerinitiativen. Keine Lobbyisten, das hat in Deutschland immer so einen negativen Touch. Eher eine stimmbildende Maßnahme. Für die Stimme des Volkes halt.

Diese Sache mit dem Saatgut, Sie haben sicher davon gelesen, da haben wir gerne mal eine ganze Mannschaft losgeschickt. Natürlich nur gut erprobte Spezialisten, die müssen sich ja mit ihrem Umfeld auch auskennen. Parlamente, Kommissionen, die Industrie, Banken, die Kontaktbereichsfachkräfte, die den Landwirten mal ein paar Fragen stellen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen, auch gerne mal mit leicht existenziellem Unterton, wobei: wir sind ja im Vorfeld immer an den finanziellen Bedürfnissen unserer Zielgruppen interessiert, das dürfen Sie nicht falsch verstehen. Verwechseln Sie uns nicht mit der Mafia. Oder mit dem Verfassungsschutz. Damit wollen wir nichts zu tun haben.

Aber beispielsweise die vielen besorgten Bürger, die gegen Flüchtlingsheime in ihrem Viertel sind. Gut, die sind nicht direkt neben ihrer Haustür, und manchmal sind die auch nicht in ihrem Viertel, aber dafür sind es größtenteils gar keine besorgten Bürger. Wir springen da gerne ein, damit die schweigende Mehrheit sich äußern kann. Das ist ja manchmal gar nicht so einfach, wobei: die haben zwar eine Stimme, aber manchmal sagen die nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Oder unsere Auftraggeber. Aber dafür gibt es uns ja.

Doch, Sie dürfen uns ruhig als gesellschaftlich relevant begreifen. Wir betrachten uns auf einem Marsch. Auf einem Marsch durch die Institutionen sozusagen, durch die Politik, damit der Bürger sich vertreten fühlt, und durch die Bevölkerung, damit die Politik weiß, worum es eigentlich geht. So eine gesamtgesellschaftliche Einheit würden Sie mit etwas Bestechung nie hinkriegen.

Natürlich haben Sie dann immer noch das Problem mit der Presse. Die wollen Ihnen ja nie glauben, dass das alles ganz basisdemokratisch, wobei: Basis stimmt, aber über Demokratie würde ich mich an Ihrer Stelle mit denen nicht streiten, da haben die sowieso ihre eigenen Ansprüche. Und da ist es ja auch kein Wunder, dass keiner mehr die Presse mag.

Also für Sie jetzt erstmal nur das mit den Fahrradwegen? Ach, Sie haben da Baugrund, dann ist das klar. Wir machen das zum Einheitspreis, wenn Sie später beispielsweise eine Erweiterung auf drei Fahrspuren wollen, wobei: da man auch da den Fußgängerüberweg wegnehmen würde, müssten wir unsere Kommunikationsstrategie nochmals überarbeiten. Oder gleich ganz andere Leute einsetzen. Das ist Ihre Entscheidung. Aber jetzt erstmal nur den Radweg. Wir würden da vielleicht eine praktische Überprüfung machen, in etwa mit einem halben Dutzend Kraftfahrern pro Tag, die sich durch Radfahrer massiv in ihrer Verkehrssicherheit bedroht fühlen. Wenn Sie uns die Adresse vom zuständigen Bauamtsleiter geben, wobei: den kenne ich sogar, der hat nebenbei ein Autohaus. Ich würde sagen, läuft bei Ihnen.

Man kann ja für spätere Projekte immer offen bleiben, nicht wahr? Falls Sie auch mal einen Bahnhof bauen sollten. Oder bei akut drohender Errichtung einer Moschee, wobei: wir sind ja doch bemüht, die Grenzen des geltenden Rechts nicht zu sehr überzuinterpretieren. Das schaffen manche besser, manche nicht so gut, dann gibt es noch die Hamburger Polizei, und wir haben einen sehr individuellen Weg, uns mit der Materie zu befassen. Falls Sie Fragen haben, stellen Sie die lieber vorher. Ein Teil der Antworten könnte Sie verunsichern.

Sie müssten nur noch ein paar Formulare ausfüllen, dann können wir auch schon beginnen. Gucken Sie sich das lieber noch mal auf dem Stadtplan an, möglicherweise eignet sich da ein Grundstück auch für einen Kindergarten. Oder ein Pflegeheim. Oder ein Hospiz, wobei: Schulen kriegen Sie schwieriger weg. Und noch eine kurze Frage, bevor Sie unterschreiben: aus der EU wollen Sie nicht zufällig raus?“