In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCLXIV)

14 10 2017

Wenn Péter beim Rodeln in Theiß
zu weit fährt, gerät er aufs Eis.
Das knackt zwar gefährlich,
doch stört ihn das ehrlich
gesagt nicht. Er sieht eh nur Weiß.

Gualberto in Pedra de Lume
hat Rasen, jedoch keine Blume.
Er wässert und schneidet’s,
das Gras stumm erleidet’s
und zieht sich zurück in die Krume.

Lässt Éva in Lederergraben
die Pferdchen gemächlicher traben,
wird’s für sie gemütlich,
sie tun sich dann gütlich
am Gras und an anderen Gaben.

Zulaikha, die Hirtin in Fuheis
spricht: „Dass ich besonders die Kuh preis,
liegt nicht an der Leistung,
sie produziert meist Dung,
ansonsten macht sie im Stall ‚Muh‘ leis.“

Aletta begrenzte in Pahl
und hämmerte Pfahl ein um Pfahl
ein Stück Land als Weide.
Sie traf alle beide –
die Daumen. Sie hat zwei zur Wahl.

Lorenzo in Puerto Tirol
holt eine Gitarre vom Zoll.
Den Deckel dann lupft er,
enttäuscht aber zupft er –
das Instrument spielt nur in Moll.

Als Tibor beim Sägen in Naane
vom Ast fiel der alten Platane,
stand unten sein Laster.
Den Boden verpasst er,
er fiel nur hinab auf die Plane.

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Murkelmanns Erlebnisse (VI)

8 10 2017

Geht er in den Laden rein,
kauft heut Murkelmann viel ein,
Brot und Wurst und Milch und Mehl,
teils aus Lust, teils auf Befehl.

Hundert Leute laufen dumm
hinter Murkelmann herum,
vor ihm, neben, seitwärts, quer
her und hin und hin und her.

Wie er an die Kasse rauscht,
sieht er: jemand hat vertauscht
seinen Wagen. Ist ihm recht,
was er kauft, ist auch nicht schlecht.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCLXIII)

7 10 2017

Da Tomáš heiratet in Kaut,
erwartet er, dass seine Braut,
die er aus dem Knast kennt,
gleichwohl er die Hast kennt,
schnell noch alle Gäste beklaut.

Santiago verdient in Ambite
zu wenig. Er zahlt hohe Miete
und ist dazu säumig –
das Haus ist geräumig,
weshalb man zum Umzug wohl riete.

In Lubomírs Stall in Gerlhütte
steht einsam am Rand eine Bütte,
doch nutzt sie den Kühen
dort nichts. Nur mit Mühen
schleppt er sie darum in die Mitte.

Jamal, der spielt Lotto in Zliten.
Das Spiel hatte wenig zu bieten,
denn es gab ja keine,
nicht einmal Gemeine,
die ihm vorher Zahlen verrieten.

Wenn Ondřej mal bechert in Haslicht,
sitzt er ganz allein, wo der Has spricht,
im Wald unter Sternen,
und schaut in die Fernen
und trinkt, bis im Suff ihm das Glas bricht.

Erasmus kauft Feurung in Bole,
jedoch läuft er nicht nach der Kohle.
„Ich zahle und warte,
denn oft, wenn ich harrte,
kam er, bevor ich sie mir hole.“

Steht Jan am Altar in Kleinpriesen,
muss er von dem Weihrauch schon niesen.
Mit Triefaugen stiert er,
doch nicht ministriert er –
man hat ihn der Kirche verwiesen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCLXII)

30 09 2017

Wenn Oswald den Sohn in Amstetten
mitsamt Schlafgast holt aus den Betten,
so gähnen sie kräftig
und tun ganz geschäftig,
als ob sie schon Schlaf gehabt hätten.

Abdullah, der trank in asch-Schihr
im Nachtlokal Bierchen auf Bier.
Das dauerte Stunden.
Der Wirt dreht schon Runden,
ihm fehlt an dem Gast schier die Gier.

Da Pius im Wald von Holzschachen
die Bäume recht schrecklich hört krachen,
denkt er, dass die Äste
sich selbst halten feste,
und muss dabei fürchterlich lachen.

Zog David im Garten von Mhlume
vereinzelt ein Reis, eine Blume,
so blühte daneben
kein pflanzliches Leben.
Man sah allein die Ackerkrume.

Es führt Heinz in Langenschönbichl
beim Mähen recht fesch seine Sichel.
„Ich schneide behende
das ganze Gelände
recht sicher, wenn ich vorher pichel.“

Maïssa wacht in Beni Mester
am Morgen im Garten der Schwester.
Gezwitscher, das plagt sie,
und also verjagt sie
die Vögel. Sie lässt nur die Nester.

Dass Rudolf in Tulbingerkogel
das Nest für den frühesten Vogel
im Garten versteckte
und diesen so neckte,
fand er gut: „Ich mag’s, wenn ich mogel.“





Der Große Sprung

24 09 2017

für Bert Brecht

Vor vielen Jahren gab man jenen Leuten,
die sonst mit Fisch und Reis die andern nähren,
die Order, dass sie sich im Ungefähren
die Zukunft in der Stahlfabrik erbeuten.

Zunächst war’s so, dass sich die Massen freuten;
sie konnten noch vom Vorrat etwas zehren,
und dann begann sich alles zu verkehren.
Dann kam der Tag, wo sie es nur bereuten.

Sie hungerten; Fabriken gab es nicht,
denn keiner wusste, wie man diese baute,
schon gar nicht einer, der davon nur spricht.

Dann starben sie, denn der Versuch misslang,
und starb auch, worauf man bislang vertraute:
die Menschheit zieht, man weiß, an einem Strang.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCLXI)

23 09 2017

Zuerst zeigt sich damit in Geiger
beim Uhrenkauf mutig. Die Zeiger
sind schließlich doch teuer
und ihm nicht geheuer.
Beim Preis wird er nun immer feiger.

Da Geworg beim Schleifen in Artik
das Messer zunächst fand noch schartig,
so ließ er alleine
den Schleife am Steine.
„Zwei Stündchen noch, so lange wart ich.“

Man munkelte, Ante aus Kastern
sei nur bekannt wegen viel Lastern.
Doch riss bei dem Sünder
man bald auf die Münder,
er fährt Steine, alles zu pflastern.

Dass Olov am Flüsschen in Angelstad
zwar sitzt, doch mitnichten ’ne Angel hat,
wird manchen erstaunen,
doch hört man auch raunen,
dass dort quasi jeder ’nen Mangel hat.

Man hörte bei Stanko in Sgraden,
die Gäste, die stören beim Baden
nicht Frösche noch Fische,
des Nutzwassers Frische,
sie mögen im Teich keine Maden.

„Sobald ich“, sagt Žarko in Bar,
„am Morgen zum Arbeitsplatz fahr,
ist mir nicht geheuer,
ich sehe nur Schleier –
am Mittag bin ich nüchtern, klar.“

Dass Igor im Amt von Mumpadern
bei Auswahl und Einsatz von Kadern
nicht Leistung beachtet,
lässt diesen umnachtet.
Er muss nun dabei ständig hadern.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCLX)

16 09 2017

Da Irena öfter in Blanz
die Dorfjugend einlud zum Tanz,
gibt es nebst Befeuchtung
im Gasthaus Beleuchtung.
Ihr fehlt der gesellschaftliche Glanz.

Guillermo nervt in Mariel
bei Nacht meist das Hundegebell.
Mit Scheinwerfern stört man,
doch was schließlich hört man?
Jetzt ist es dort wenigstens hell.

Wenn Štefan mit Pappe in Altbrunst
verzaubert die Menschen durch Faltkunst,
sind seine Figuren
dank Klebertorturen
zwecks Sprühnebel meistens im Kaltdunst.

Violah stürzt sich in Moyale
in einer gusseisernen Schale
die an sich zum Braten
und Kochen geraten
nach neudeutscher Sitte zu Tale.

Zuzana in Alt Vogelseifen
träumt oft, sie soll nach Stäben greifen,
die sich vor dem Käfig,
der sie findet schläfrig,
entpuppen als senkrechte Streifen.

Ntsiki, die wartet in Kloof
am Freitag auf ordentlich Schwof,
doch sind bei der Sause
die Herren zu Hause.
Das fand sie – verständlich – dann doof.

Es kauft sich Pavlína in Zwitte
ein Schäfchen. Sie zeigt auf die Mitte,
doch schielt sie auch mächtig.
Der Bauer fand’s prächtig
und gibt ihr von links dann das dritte.