Pawlowscher Reflex

18 11 2018

Wer einmal aus dem Blechnapf frisst,
der wird sich daran so gewöhnen,
dass er den Teller nicht vermisst.
Man muss ihn nicht einmal verhöhnen,

er passt sich ein und schluckt und schweigt,
er kennt wohl seine eignen Schranken.
Wenn er einmal die Fäuste zeigt,
zeigt ihm den Blechnapf. Er wird danken.

Advertisements




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXIX)

17 11 2018

Sieht Lukáš im Wald von Wrchhaben
in Schwärmen die finsteren Raben,
ist er frohen Mutes
Die Tiere tun Gutes,
wie sie sich an allerhand laben.

Abdelhamid fährt in Naʿur
nach längeren Jahren zur Kur,
den Kreislauf, die Nerven,
die Sinne zu schärfen.
Man merkt es bisher, wie er fuhr.

Ist Květa in Tyssaer Wände
mit Hund irgendwo im Gelände,
wird sie ungelogen
fast waagrecht gezogen
und hat immer zu wenig Hände.

Geht Søren am Morgen in Thisted
aufs Feld, weiß er nicht nur, wo Vieh steht,
am Zaun und am Wasser,
bald trocken, bald nasser,
er sieht, wann es weshalb auch wie steht.

Ist Jiřina fleißig in Wieles,
tut sie zum Erreichen des Zieles
nichts, was dahin führte,
was dann induzierte
nicht viel, aber immerhin vieles.

Es wünschte sich Tonje in Knaben
zum Weihnachtsfest allerlei Gaben –
nur hier zum Verständnis,
aus eigener Kenntnis –
für jene, die sie noch nicht haben.

Ist Jitka mal in Unter Brand
verärgert, weil sie nichts fand,
verknotet sie alles
(im Falle des Falles
echt alles) an knallrotem Band.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXVIII)

10 11 2018

Hat Błażej mal Zeit in Wierschlesche,
springt er für die Frau in die Bresche,
kocht, putzt, backt und feuert,
entstaubt, spült und scheuert
und macht noch im Anschluss die Wäsche.

Herminio in Pueblo Ferrer
beschwert sich. Ein einzelner Herr
steht Stunden im Laden,
kauft nicht einen Faden.
„Bald kommt’s, dass ich ihm die Tür sperr!“

Kamila pflegt morgens in Zappeln
beim Anblick der blühenden Pappeln
im hinteren Garten
auf Blätter zu warten.
So wird’s im Karton kräftig rappeln.

Enchboldyn in Tüwschrüülech
war langsam, stets dicklich und frech.
Sein Vater, deswegen
zum Sport ihn bewegen
will. „Weil ich ihm Knochen sonst brech!“

Elżbieta, die sah in Barannen
im Dunkel wohl unter den Tannen
verdächtige Leute.
So geht sie nun heute
zum Wald – notfalls, um zu entmannen.

Stéphane spielte gern in Za-Kpota
am Sonntag ein Stündchen Pelota.
Er spielte behende
an sämtliche Wände,
allein zwar, doch schlechter kein Jota.

Eugeniusz, der dachte in Vogelsang,
dass er sich fürs Heim einen Vogel fang.
Probiert er’s auch lange
bei lautem Gesange,
so war deshalb auch keinem Vogel bang.





In letzter Konsequenz

4 11 2018

Man schätzt den Strauchdieb, nimmt er’s von den Reichen,
denn das erscheint den Armen nur gerecht.
Natürlich ist ein Dieb im Grunde schlecht,
doch lässt sich das beileibe nicht vergleichen.
Es stört hier die Moral mitunter wenig,
man merkt es erst, wird dieser Dieb zum König.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXVII)

3 11 2018

Swetlana, die hatte in Gnadenfeld
ein Hündchen, das stets vor dem Laden bellt,
doch ist ihr das putzig.
Er ist nur so so schmutzig,
wenn sie ihren Kleinen beim Baden hält.

Camilla, die forschte in Lihme,
und zwar nach der eignen Maxime.
„Die Wissenschaft hegte
stets Zweifel. Das legte
mir nahe, dass ich alsbald beame.“

Jewhen, der verkaufte in Tschop
ein Schuhpaar, ein Flip und ein Flop.
Doch wollten die meisten
nur einen sich leisten,
und so verlor er seinen Job.

Fernão, der pflegt in Podence
die Pferde. Er striegelt zur Gänze
die Flanken und Rücken.
Dann muss er sich bücken,
er flicht ihnen sorgsam die Schwänze.

Wolodymyr flucht in Neu-Liebental.
„Wenn ich den Lohn nur nach Belieben zahl,
dann wundert’s die Gäste
im Matsch. Steckt es feste,
dann hilft auch kein Fahrer beim Schieben mal.“

Fährt Ugo aus durch Leonforte
und andere kleinere Orte,
erregt er Aufsehen.
Man kann’s nicht verstehen –
wozu braucht er zehn Mann Eskorte?

Marija lässt in Ottenhausen
die Pudel recht kräftig abbrausen.
Dann föhnt sie sie trocken.
Man sieht, dass die Locken
sich dabei ganz wunderbar krausen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXVI)

27 10 2018

Kriegt Tomáš mal Post in Fundstollen,
muss er in der Regel verzollen
die Fracht von Bekannten.
Das, was sie im sandten,
kann man allein gar nicht wegrollen.

Herminio saß in Volendam
am Morgen schon wüst in der Tram.
Er kam von zu Hause
just so aus der Brause,
doch fehlten ihm Bürste und Kamm.

Hört Rastislav morgens in Lecker
Gerassel, ist es nicht der Wecker.
Die Frau ist meist schneller,
die Laune im Keller,
und weckt ihn mit lautem Gemecker.

Benoît schmückt sein Heim gern in Guider
mit Topfpflanzen: Lilie und Flieder
stehn in seiner Küche
zwecks strenger Gerüche.
Bald rafft er sich auf und putzt wieder.

Es regnet bei Ivan in Girm,
doch fehlt ihm seit Wochen der Schirm.
Das geht in die Länge,
ein Knick im Gestänge –
im Herrichten ist er nicht firm.

Sucht Edison in Arboletes
ein Pflänzchen inmitten des Beetes,
geht er nach den Schildern
mitsamt ihren Bildern
und findet es schließlich – da steht es.

Dominika will in Kleinproben
nun Besserung endlich geloben.
Man sah sie oft wüten,
jetzt wird sie sich hüten –
sie tut’s auf dem Dachboden droben.





Heimatland

21 10 2018

für Erich Kästner

Man könnte ewig hier im Sessel sitzen.
Es ist gemütlich, geht man nicht heraus,
wo es gewittert mit viel Krach und Blitzen.
Da ist dies Haus viel wert, es kann uns schützen
und steht so fest im lauten Sturmgesaus.

Noch hat man Brot und Erbsen in der Küche.
Das reicht zur Not. Und ist es lange her,
erinnert man sich schon an die Gerüche
von damals, und man hört die leisen Flüche:
wie damals wird es ganz bestimmt nicht mehr.

Jetzt wird es dunkel. Ist dies Wartezimmer
ein Grab, so ist es sonderbar vertraut.
Hier drinnen ist es immer so wie immer,
und wird es draußen irgendwann noch schlimmer,
so merkt man’s nicht. Bisher ist es nur laut.

Wer unter diesen Dächern klagt, ist kleinlich.
Schaut man zum Fenster, ist man angestrengt.
Drum haltet alles akkurat und reinlich,
hier ist ein Donnerwetter unwahrscheinlich.
Es soll doch schön sein, wo Ihr Euch erhängt.