In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXCIX)

25 06 2022

Oft schwitzte Oktawia in Zedel.
„Wenn ich mit der Zeitung nur wedel,
wird’s minimal besser.
Nur manchmal bewässer
ich zusätzlich Füße und Schädel.“

Es hielt sich Hamed in Anyama
als Haustier ein prächtiges Lama.
Dem Tier war es fade,
es mag, jammerschade,
nicht Sonne noch das Panorama.

Es trägt Aleksandra in Wusen
ein Taschentuch stets gern am Busen.
Da dies nur zur Zier ist
und auch aus Papier ist,
verwandelt es sich rasch in Flusen.

Da Ballaké in Anéfif
recht tief und dabei lautlos schlief,
so war es auch zwecklos,
der Morgen war wecklos.
Er schlief, wie gesagt, viel zu tief.

Im Sommer trug Czesław in Zelz
zu Shorts und Sandalen oft Pelz.
„Es kann ja mal regnen –
wenn Sie mir begegnen,
macht’s nichts, wenn ich dabei fast schmelz.“

Sylvain griff oft in Grand-Bassam
zu Bürste, Pomade und Kamm.
Er kann’s nicht vereiteln,
das Haar will sich scheiteln.
Jetzt trägt er sie lang, aber stramm.

Es hat Mieczysław in Worienen
die Blumen mit Lampen beschienen,
die er dorthin stellt sich.
Das Gärtchen erhellt sich
des Nachts für die sammelnden Bienen.





Fundamentaltheologie

19 06 2022

Wie sind die vielen kleinen Fliegen grässlich!
Man atmet sie, wenn man nicht acht gibt, ein.
Das ist, wenngleich auch nebensächlich, hässlich.
Vielleicht sind wir in dieser Sicht allein.

Vielleicht sind Fliegen unbewusst ergeben,
dass sie sich opfern in der Menschen Schlund.
Sie haben, wie wir auch, nur dieses Leben
und gehen, zwecks Erfüllung, dann zugrund.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXCVIII)

18 06 2022

Vereinzelt will Jitka in Roiden
ein klein bisschen Bargeld vergeuden.
Sie gibt’s gerne Kindern,
um Eisnot zu mindern –
sie tut’s also für ihre Freuden.

Im Sommer grillt Kees in Bourtange
gern Würstchen, doch stets ohne Zange.
Er fürchtet, die Spitzen
sind’s, die die Haut ritzen.
Dann spritzt es. Davor ist ihm bange.

Es pflegt Štěpán oft in Qualitzen
im Feuer den Stein zu erhitzen,
im Keller, im lauen,
ein Dampfbad zu bauen.
Er wird draußen jedenfalls schwitzen.

Ein Querulant, Christijan in Haaren,
hat längst gut zwei Dutzend Verfahren,
wo in deren Rechtsstand
er sich stets zurechtfand.
Er ordnet die Akten nach Jahren.

Im Sommer thront Oldřich in Reispitz
als Admiral auf seinem Freisitz
als Herrscher der Flotte.
Man kennt die Marotte:
er trägt dabei gerne den Dreispitz.

Carlijn, die sich jüngst in Ten Boer
erkältete, nahm eine Kur.
Sie mochte gern Bäder,
wie eigentlich jeder,
weshalb sie ans Meer deshalb fuhr.

Will Stanislav einmal in Putschen
am Kinderspielplatz fleißig rutschen,
so kippt er vornüber
in den Nasenstüber.
Nun muss er die Brötchen wohl lutschen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXCVII)

11 06 2022

Es pflegte Tadeusz in Pflichten
am Namenstag sämtlicher Nichten
die Bilder zu machen.
Man muss drüber wachen,
sonst wird er sie noch falsch belichten.

Will Nathalie neulich in Pinetown
beim Holzhändler einfach mal reinschauen,
so hat der fürs Feuer
auch gar nicht mal teuer
viel Buche, und will’s auch noch klein hauen.

Es sitzt Bronisława in Rache
des Nachts auf der Polizeiwache.
Dass Schlaf sie nicht fand dann,
strengt sie sich mit Kant an
vom Ding an sich und von der Sache.

Von Asbjørn, da weiß man in Tau,
er spielte zu gerne Mau-Mau.
Nach Jahren und Assen
konnt er es kaum fassen:
so fand er zuletzt seine Frau.

Jüngst fand Wanda preiswert in Plathe
im Laden ein Päckchen mit Mate.
Sie brühte ein Tütchen
und fühlte ein Mütchen,
das ihr nun recht lebhaft gerate.

Oft tanzt Graham in Kwangwanase
sich absichtlich fast in Ekstase –
nur fast, denn er lauert,
auch wenn er’s bedauert,
beim Tanzen stets auf seine Blase.

Es ließ sich Eugeniusz in Reichen
zu Diensten beim Doktor erweichen,
der Leichen sezierte,
was schnell dazu führte,
dass er vorzog, davon zu weichen.





Keine Kunst

5 06 2022

für Kurt Tucholsky

Man geht bei Hoffmanns gerne mal
in eine Operette.
Für ihn bedeutet dieses Qual,
nichts ist, wie er’s gern hätte.
Die Gattin steht wohl vor dem Schrank,
sucht Blusen, Röcke, Kleider,
ihn macht allein der Anblick krank.
Sie merkt davon nichts. Leider.
Soll sie das Blaue tragen, reich
an Falten und sonst schlichter?
Das Grüne fällt hingegen weich –
er schluckt. Und also spricht er:
  „Ich sehe keinen Unterschied!
  Wenn man den Unterschied nicht sieht,
  dann gibt es wohl,
    wie man sieht
      keinen Unterschied!“

Jüngst sah man in der Galerie
Herrn Schmitz vom Kunstvereine.
Vor manchen Bildern standen sie,
vertretend ihre Beine.
Hier sah man eine Venus, nackt
nebst kleinen Amorengeln.
Ein anderes war recht abstrakt.
Man kann dort nichts bemängeln.
Ob das nun Kunst sei, fragt man ihn –
er räuspert sich emphatisch.
Dass er als sachkundig erschien,
sprach er dann diplomatisch:
  „Ich sehe keinen Unterschied!
  Wenn man den Unterschied nicht sieht,
  dann gibt es wohl,
    wie man sieht
      keinen Unterschied!“

Wir haben hier eine Partei,
dem Christentum verpflichtet,
und eine, die sozial zu sein
sich selbst zu gern andichtet.
Guckt man einmal nicht ganz genau,
verwechselt man die beiden.
Von links, von rechts – auch der Radau
ist kaum zu unterscheiden.
Und kommt der Wahlkampf irgendwann,
das Stimmenfanggebettel,
steht in der Butze unser Mann
verzweifelt vor dem Zettel:
  „Ich sehe keinen Unterschied!
  Wenn man den Unterschied nicht sieht,
  dann gibt es wohl,
    wie man sieht
      keinen Unterschied!“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXCVI)

4 06 2022

Es fragte sich Kaspar in Gündelhart,
was würde wohl aus seinem Mündel zart,
ob’s von seinem Breie
auch wüchs und gedeihe,
dieweil er dem Kind in die Windel starrt.

Es lag Marzia in Altofonte
gern auf dem Dach, wo sie sich sonnte.
Man würde den Garten
zum Sonnen erwarten,
sie lag eben dort, weil sie’s konnte.

Nichts nützte bei Hans in Bettwiesen.
Er nahm schon am Morgen zwei Prisen,
dann mittags, zum Abend
die Nase sich labend.
Erst nachts hörte man ihn dann niesen.

Giuseppe fährt manchmal durch Giarre
in einer recht klapprigen Karre.
Er kann, wie die meisten,
nichts Bessres sich leisten.
Geld hat er nur für seine Knarre.

Es handelte Gottfried in Erlen
mit Gold und mit Silber und Perlen.
Es hat sich gefunden,
die meisten der Kunden
hat er unter untreuen Kerlen.

Ernesto, der in Corleone,
nahm stets zum Espresso Zitrone.
Man weiß von Berichten,
da war’s nichts mit Früchten.
Dann trank er die Bohne halt ohne.

Es gibt Konrad manchmal in Bommen
ein Scheinchen zu Freude der Frommen
dem kirchlichen Diener.
Das hat der Schlawiner
dem Opferstock vorher entnommen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXCV)

28 05 2022

Wäscht Mustafa in Ghar El Melh
den Hunden ausgiebig das Fell,
sind sie wie verwandelt.
Worum es sich handelt:
selbst schwarze sind dann wieder hell.

Martina, die kaufte in Frasses
zum Räuchern sich Kräuter en masse.
Es qualmte und rauchte
mehr wohl, als man brauchte.
Sie war um die Nase recht blass.

Nesrine in Aïn Draham,
von der man oft Singen vernahm,
hat andere Pläne:
sie jobbt als Sirene,
wo immer das Postauto kam.

Remigius fasst man in Riex
beim Fälschen eines Blankoschecks.
Er war nicht der Dumme,
denn noch keine Summe
fand man nach Sekunden des Schrecks.

Amar hisst in Dar Chaabane
am Morgen im Garten die Fahne.
Stets hört man ihn stöhnen:
„Von all meinen Söhnen
tut’s keiner, wie ich sie auch mahne!“

Jean-Claude, der montierte in Bibern
ein Heizungssystem mit zehn Schiebern.
Dies dämpft alle Sorgen,
nun muss man am Morgen,
ob’s kalt oder warm, nicht mehr fiebern.

Salah kellnerte in Sahline
im Zugrestaurant auf der Schiene.
„Ich muss in Gedanken
in Fahrtrichtung schwanken,
dann stört’s keinen, wenn ich bediene.“





Goldenes Handwerk

22 05 2022

Frau Helmholtz hat ein Bänkchen
nebst Stühlen, Tisch und Bett,
und außerdem ein Schränkchen.
Das Mobiliar ist nett,
doch sieht man die Gefahren
für ihr so trautes Heim:
nach ach so langen Jahren
geht alles aus dem Leim.
Schon naht sich Tischler Raabe
mit Mut und Zuversicht,
damit die ganze Habe
nicht auseinanderbricht.
Von links, von rechts, von allen Seiten
wird hier geklebt und da geschraubt.
Ein bisschen Hobeln, dass es staubt,
doch wollen wir darum nicht streiten,
  ob das hier überhaupt noch hält?
    Ob’s nächstens
      auseinanderfällt?

Ja, die Idee ist prächtig –
Herr Klöppcke ganz allein
ist endlich einmal mächtig
im Anglergroßverein.
Dazu muss er verbünden
der Angler ganze Schar
und selbiges verkünden.
Und schon wird offenbar,
man fischt zwar im Vereine,
wo eins dem andern glich.
Sonst bleibt man gern alleine,
ein jeder fein für sich.
Von links, von rechts, von allen Seiten
wird hier geklebt und da geschraubt.
Ein bisschen Hobeln, dass es staubt,
doch wollen wir darum nicht streiten,
  ob das hier überhaupt noch hält?
    Ob’s nächstens
      auseinanderfällt?

Nach trefflichem Gehampel
verkündet Kanzler Scholz
die dreifach gute Ampel
aus dreifach gutem Holz.
Die einen, die regieren,
die andern tun nur so.
Die dritten marodieren.
Es knirscht. Es fehlt Niveau.
Das Volk ist nicht begeistert.
Der Kanzler regt sich nicht.
Ist jeder Riss verkleistert,
wird’s Zeit, dass er bald bricht.
Von links, von rechts, von allen Seiten
wird hier geklebt und da geschraubt.
Ein bisschen Hobeln, dass es staubt,
doch wollen wir darum nicht streiten,
  ob das hier überhaupt noch hält?
    Ob’s nächstens
      auseinanderfällt?





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXCIV)

21 05 2022

Es räuchert Helene in Glasenbach.
„Wenn ich nebenbei was mit Gasen mach,
die ebenfalls flüchtig,
riecht es bei mir richtig.
Das kitzelt zumindest die Nasen wach.“

Ging Annemarie mal in Ried
zum Friedhof, wenn jemand verschied,
so kennt man sie gründlich
und grüßt sie verbindlich,
so dass sie den Friedhof vermied.

Es saßen bei Ludwig in Weng
die Hosen ein wenig zu eng.
Dies sollte beweisen,
er pflegt viel zu speisen.
Sein Weib war in der Hinsicht streng.

Bei Rudolf, der sich einst in Lueg
ein Loch in den Eisteich reinschlug,
den sollt es beim Angeln
an Fisch auch nicht mangeln.
Es war nur viel mehr, als er trug.

Es pflegte Marie in Dorfbeuern
den Nachbarn die Stiegen zu scheuern.
Doch gibt es viel Posten,
die sehr viel mehr kosten –
sie wird diesen Dienst nun verteuern.

Es wurde Ludmilla in Reitbach
wie immer bei Lärmen und Streit wach.
Der Zank ihrer Söhne
vergällt ihr das Schöne
seit Jahren – sie war es so leid, ach!

Kutschierte Christina in Wien
so fuhr man recht gut, wie es schien.
Allein für die Gäste
war dies nicht das Beste,
da sie größtenteils danach spieen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXCIII)

14 05 2022

Es schnorchelte Chelsea in Bruceton
trotz Fieber mit Schnupfen und Husten.
Was sie dabei fühlte,
dass es sie gut kühlte.
Trotzdem musste sie ständig prusten.

Will Walter jüngst in Oberbuchsiten
am Pool im Hotel sich ein Tuch mieten,
muss er lange lauern.
Die Kellner bedauern,
man kann ihm nichts auf sein Gesuch bieten.

Im Garten hat Steve in Due West
ein Bäumchen, das er wachsen lässt.
Dann hört man ihn wettern
beim Harken von Blättern.
Das hasst er noch mehr als die Pest.

Als Künstler lebt Guido in Flumenthal.
„Auch wenn ich hier vorwiegend Blumen mal,
bedarf ich der Farben
und will auch nicht darben,
zumal ich selbst auch nicht mit Krumen zahl.“

Es tischlert sich Eddie in Kline
aus Brettern fürs Haus einen Schrein.
Das macht schnell die Runde,
er tut’s für zwei Hunde,
vielmehr: für der beiden Gebein.

Vegan lebte Beat in Balm.
„Ich kaue recht gern auf dem Halm,
und muss beim Rutschen
am Boden auch lutschen,
schau ich, dass ich ihn dann zermalm.“

Wenn Charlie und Seymour in Bluffton
die Arbeit ein Stück schneller schafften,
so sah man die Brüder
im Werk nicht schnell wieder,
weil sie draußen saßen und pafften.