In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXIV)

18 03 2017

Es pinselte Josef in Laun
recht missmutig den Gartenzaun.
Nach langen Debatten,
da wurden die Latten
auch diesmal nicht bunt, sondern braun.

Wenn Cyril beim Schnüren in Chester
das Mieder einzwängte der Schwester,
da sie das ja bräuchte,
hört er, wie sie keuchte
und stöhnte: „Nur noch etwas fester!“

Ach, Drahomír stöhnte in Meeden:
„Im Supermarkt fragen sie jeden,
woher er sein Geld nimmt.
Wenn hier mein Verdacht stimmt,
will man mich zum Raub überreden.“

Es fragte sich Harry in Dettah:
wer sorgte im Winter für Retter?
Ihn packte ein leises
Verwirrn ob des Eises:
wer dort geht, wird zusehends fetter.

Wenn’s schneite, streut Zdeněk in Litten
jetzt gar nicht. Die Skifahrer glitten
wohl auch durch Alleen,
man sah sie dort stehen,
wo anderntags Kinder fuhrn Schlitten.

Albert fragt man, ob in Sept-Îles
gerudert wird. Dies war sein Ziel,
doch statt selbst zu rudern,
mit Sorgfalt statt Schludern
feilt er sein Boot ständig am Kiel.

Dass Vojtěch sich heimlich in Pratzen
zwei Bären hielt, die mit den Tatzen
trotz sorgsamer Führung
bei kleinster Berührung
ihm drohten, sah man am Zerkratzen.





In eigenen Worten

12 03 2017

Ach, dass es Sprache gäbe, die verstünden
nur die Verständigen und andre nicht,
damit sie so einander Reines künden
und nicht dran leiden, was ein andrer spricht.

Die Blüte welkt, das Glühende erkaltet.
Wohl gibt es sie noch nicht. Doch wenn sie reift,
entsteht sie, wo sich Fülle weit entfaltet,
sofern man einer Rede Sinn begreift.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXIII)

11 03 2017

Da Grzegorz viel Geld in Willkassen
im Lotto gewann, wollt er prassen.
Er kauft leer die Läden,
der Mangel traf jeden.
Man fing an, ihn deshalb zu hassen.

Es steht Matjaž schwitzend in Ples
und brüllt: „Wenn ich dieses Stück fräs,
das dort schon zu Ende,
fürcht ich um die Hände!“
Der Meister schreit heiser: „Ich seh’s!“

Wenn Jarosław schlummert in Barm,
hängt aus dem Bett stets ihm ein Arm.
Sobald es piekt, wacht er,
verschläft keine Nacht er.
Das ist für ihn wie ein Alarm.

Es fischte Guillaume oft in Laeken
nach Wassergetier, etwa: Kraken,
doch war er alleine
oft bang ob der Beine.
Er ließ sie dann meist auf dem Haken.

Dass Mieszko sein Handwerk in Finken
schnell aufgab, schien leidvoll zu winken.
Doch statt vieler Geigen,
die nach Jahren zeigen,
hängt jetzt ihm der Himmel voll Schinken.

Ernesto, der floh in Boane
als Jüngling gar schnell vor der Fahne.
„Man hat“, sprach er später,
„als Friedensvertreter
mehr Einfluss. Das war’s, was ich plane.“

Wenn Jerzy im Wald in Tartarren
den Müll vergrub, fuhr er den Karren
bis ganz an die Felder.
Das schone die Wälder,
denkt er, und fuhr fort beim Verscharren.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXII)

4 03 2017

Dass Larry den Söhnen in Tyndall
beim täglichen Wechsel der Windel
noch liebliche Lieder
sang wieder und wieder,
ist seltsam. Ihn packt schon der Schwindel.

Wenn Urs in der Kneipe in Quarten
recht einsam sitzt, muss er wohl warten.
Die Brüder, die bummeln,
statt sich mal zu tummeln.
Er mischt unterdessen die Karten.

Dass Brewster der Gattin in Dwight
gern größere Summen ausleiht,
beruhigt ihn alleine;
sie nimmt nur die Scheine
und freut sich an Hüten und Kleid.

Wo Jaime in Florida Sur
zur Arbeit auf Kieswegen fuhr,
da bröckeln die Senken.
Oft ist da kein Lenken.
Er nimmt dann die andere Spur.

Orlando, der kauft in Corinth
ein Pferd und ein Flugzeug fürs Kind
nebst Achterbahn, Schuhen
und drei Bauerntruhen.
Man weiß es im Ort: der Mann spinnt.

Roudolphe zelebriert in Ndom
die Messe recht artig und fromm.
„Doch keiner will büßen,
sie wolln nicht mal grüßen,
wenn ich aus der Nachtbar rauskomm!“

Dass Holly zum Spaß in Delisle
gern tanzt auf dem Dreimeterseil,
gelingt wie im Spiele.
Wenn sie einmal fiele,
sie landet auf dem Hinterteil.





Mutmaßung

26 02 2017

für Erich Kästner

So viele Helden, auch die allerneusten,
sie bieten aller Welt mit Macht die Stirn.
Prompt scheitern sie; es liegt nicht an den Fäusten,
sie siegten wohl, benutzten sie ihr Hirn.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXI)

25 02 2017

Dass Chira am Sonntag in Knees
trotz Schwielen auf ihrem Gesäß
sich einschloss am Örtchen,
war ihr wert ein Wörtchen:
„Der einzige Tag, dass ich les!“

Meist sah man, wie Éamonn in Trim
zum Arzt ging. Es war selten schlimm,
meist Husten, oft Rücken
vom Turnen und Bücken.
Den Arzt macht er reich mit Klimbim.

Es fürchtet Crin sich in Großlasseln
vor nichts mehr als vor Kellerasseln,
besonders, dass diese
auf Obst und Gemüse
im Keller bewusst niederprasseln.

Es ließ Taylor langsam in Klosten
zwei einst schöne Wagen verrosten.
Das Blech hat schon Löcher,
der Rest ist noch schwächer,
doch spart ihr dies Kfz-Kosten.

Wenn Călin vom Feld in Besotten
nach Haus kam, warf er die Klamotten
schon ab vor dem Keller.
Die Gattin war schneller,
schon sucht sie auf ihnen nach Motten.

Wenn Siw, Architektin in Malung,
Beton gießt, lässt sie die Verschalung
nach mehreren Fällen
vom Kunden erstellen.
Sie wartet sonst nur auf Bezahlung.

Arina, die zweifelt in Kokt.
„Wenn Ihr auch das Heu bis hier zogt,
wie kommt’s, dass die Wetter
die Fracht durch die Bretter
nur vorne abräumten? Ihr logt!“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXX)

18 02 2017

Es kocht Adam gern in Bertossen
sich Fisch, doch er ist stets verdrossen,
dass er schon beim Schuppen
an den Fingerkuppen
sich festhängt an sämtlichen Flossen.

Merhawi bestellt in Massaua
sein Feld. Kenntnis fehlt ihm als Bauer,
so erntet er schwerste
Getreide. Die Gerste
bringt ihn schließlich weiter – als Brauer.

Zofia, die beichtet in Krühne,
doch fehlt’s ihr am Ernst für die Sühne.
Dem Pfarrer zu büßen
kann sie kaum genießen.
Sie tut’s nur auf größerer Bühne.

Saúl kam in Villahermosa
ins Bad. Als die Gattin er so sah
in Wäsche aus Seide,
fühlt er keine Freude.
„Warum“, fragt er, „trägt sie heut Rosa?“

Es macht Małgorzata in Brutzen
ein Eimerchen Sand sich zu Nutzen.
Denn statt ihn zu streuen
und sich dran zu freuen,
nimmt sie ihn, die Wand zu verputzen.

Dass Blaže, der Fuhrknecht in Dojran,
beständig meist karrte das Heu ran,
tat er nur aus Güte.
Mit schlichtem Gemüte
drischt er nun auch Korn. Das ist neu dran.

Es wundert sich Ida in Altenzoll,
ob sie wohl die Magd nun behalten soll.
Die ist nicht dreißig,
recht folgsam und fleißig,
doch labert sie ständig den Alten voll.