In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXLII)

8 05 2021

Auf Adams Gestüt in Naßlettel
hat er ständig viel auf dem Zettel:
das Heu und die Zügel,
Möhren und Steigbügel.
Dafür vergisst er meist die Sättel.

Zäumt Pablo das Pferd in Ourense,
steht er meist inmitten der Gänse.
Er hält im Gegacker
sich aufrecht und wacker,
doch dann scheut der Gaul bei der Trense.

Serviert Mikołaj in Malkiehnen,
sieht man bei den Gästen die Mienen
sich langsam verdunkeln.
Schon lang hört man munkeln,
er sei sich zu fein zum Bedienen.

Der Sohn fragte Eivind in Stø
recht forsch nach dem Portemonnaie.
Als der überlegte
und schließlich sich regte,
so sagte er einfach nur: „Nö.“

Für Konstantin sind in Neu Schlage
Diäten fürwahr eine Plage.
Er hungert und hampelt
und schwitzt, wenn er strampelt –
man sieht davon nichts auf der Waage.

So schwer hat es Mimoun in Bouarg.
„Die Nachbarin denkt, ich sei stark,
sieht Werkzeug mich schleppen
hinab die fünf Treppen,
während ich nur den Garten hark.“

Entwickelte Jan in Malzmühle
für eine der Damen Gefühle,
so ist es erwiesen,
dies führte zu Niesen.
Er wartete meist in der Kühle.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXLI)

1 05 2021

Man hört Jean-Jacques in Parfondrupt,
wenn er nachmittags Geige übt.
Es wird auch berichtet,
dass die Frau rasch flüchtet,
da sie, was er spielt, zu sehr liebt.

Francisco stolpert in Carral
im Rathaus. So kommt er zu Fall,
was ganz ungeheuer:
man hört durchs Gemäuer
den lange anhaltenden Schall.

Bernard schließt am Motor in Ohlungen
die Batterie an, doch die Polungen
sind ihm nicht geläufig.
So irrt er sich häufig
und braucht recht viele Wiederholungen.

Es trank Beñat in Fermoselle.
„Indem ich fortwährend bestelle,
muss der Wirt einschenken,
und wird niemals denken,
dass ich bei ihm die Zeche prelle.“

Es lässt Églantine sich in Hecken
am Morgen stets um sieben wecken,
doch liegt sie bis zehne
im Bett und macht Pläne,
was sie tun soll nach dem Aufdecken.

Miguel trainiert oft in Ramil
im Garten für das Fußballspiel,
läuft, dass er erstarke –
er tritt auf die Harke
und macht Bekanntschaft mit dem Stiel.

Nie gibt’s bei Éric in Ottrott
zum Nachtisch ein bisschen Kompott.
Die Schwestern, in Züchten,
kochen aus den Früchten
im Garten nur Saft. Ein Komplott!





Die Priester

25 04 2021

Nur eins ist ärmer noch als alle Götter,
es ist der Priester, der die Menschen narrt.
Dort stehen sie, in Angst und Schmerz erstarrt,
und hoffen unterm Himmel auf die Retter,

die Zorn verkünden laut in Sturm und Wetter,
dieweil ein Magier lächelt hinterm Bart,
wie er genau so auf die Sonne harrt
und seinesgleichen ist ein übler Spötter.

Sie spielen mit den Mengen, weil die Mächte
sie reizen, so verkleidet als Gerechte
die zu bestrafen, andere zu trösten.

Doch ist ihr Schicksal gleich. Dieselben Leiden
ereilen sie, sie werden nichts vermeiden
und wissen: keine Götter, die erlösten.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXL)

24 04 2021

Geht Vlastimil Kegeln in Freihals,
so nennt er die Würfe stets dreimals.
Daran ist das Schlimme
vor allem die Stimme:
er ist halt ein schrecklicher Schreihals.

João bürstet in Sousel
den Hunden fast täglich das Fell.
Er pflegt drauf zu drängen
nach Waldspaziergängen;
da werden die schwarzen selbst hell.

Es störn Karel, Gastwirt in Glatzen,
die Säufer nicht mit ihren Fratzen,
die kaum was bestellen
und die Zeche prellen.
Die Gäste sind’s, die ständig schmatzen.

Artūras, den sah man in Immersatt
höchst selten. Er saß oft im Zimmer, statt
im Wald sich zu tummeln
und abends zu bummeln.
Er war ja beim Lesen ein Nimmersatt.

Der Postbote Pavel in Esseklee,
der wütet: „Wenn ich die Adresse seh,
so bin ich verdrießlich.
Das steigert sich schließlich,
besonders, wenn ich noch die Fresse seh!“

Es kam Raul in Alegrete
zu spät, und zwar zu jeder Fete.
„Kann sein, dass stattdessen
die Uhr wird vergessen.
Ich sitz dann im Garten und jäte.“

Weil František damals in Gnast
zwei Bankräuber waghalsig fasst,
bekommt er Belohnung,
die er ohne Schonung
mitsamt Haus und Hof ganz verprasst.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXXXIX)

17 04 2021

Man weiß, dass Agnieszka in Baadeln
sich Zeit nimmt zum täglichen Radeln.
Geschwindigkeit ist nicht
ihr Ziel und sie frisst nicht
die Meilen. Ihr geht’s um die Wadeln.

Es geigte Johannes in Glaiten
so inspiriert auf allen Saiten,
wobei er nicht merkte,
weil’s sein Ego stärkte:
er wird vielen Schmerzen bereiten.

Will Łukasz am Markt von Maldeuten
vom Obst nur das beste erbeuten,
so nimmt er aus Pflücksicht
auf niemanden Rücksicht,
da alle zu Hause sich freuten.

Es ärgert sich Clara in Mörre.
„Da ich viel Gemüse mir dörre,
wird’s trocken und staubig.
Ich koch’s, und dann glaub ich,
der Sud schmeckt, wenn’s hoch kommt, wie Plörre.“

Wenn Janusz wacht in Nippoglense,
beschließen die skeptischen Gänse,
bei Nacht auszukneifen.
Er scheint zu begreifen:
fängt er sie nicht ein, dann ist Sense.

Man sieht Martin ungern in Latsch.
„Wenn ich im Theater mal klatsch,
geschieht es nur spöttisch.
Man kriegt, darauf wett ich,
geboten bloß Kitsch, Mist und Quatsch!“

Es schwärmt Sławomir in Mintwiese
von allen allein nur für diese,
vom Nachbarn die Schwester
im Damenorchester –
keine, die wie sie Tuba bliese.





Der Jahrkreis (IV). April

11 04 2021

Der Sonnenschein ist nicht von langer Dauer.
Ein Schelm, wer ohne Schirm das Haus verlässt.
Fast stündlich warten auf uns Regenschauer,
von denen jeder einzelne durchnässt.

Was man heut weiß, ist keinesfalls beständig.
Woran man glaubt, hat beinah mehr Bestand.
Ein jedes Ding ist durchweg wetterwendig.
Was sich nicht ändert, ist noch unbekannt.

Doch liegt darin ein Reiz. Die Regen waschen
die ganze Welt fein sauber, und sie blüht.
So kann ihr Anblick uns noch überraschen,
wenn man zum ersten Mal sie wieder sieht.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXXXVIII)

10 04 2021

Es züchtete Paul in Mühlgraben
erst Esel, dann Pferde, dann Raben.
Dort blieb manches hängen,
man hört noch die strengen
Geräusche der Vögel beim Traben.

Ernesto schwingt in Fenestrelle
beim Putzen recht träg seine Kelle
und lehnt auf ein Pläuschchen
sich an für ein Päuschen.
Die klebt nun recht fest an der Stelle.

Es lag Othmar gern in Kitzladen
im Sommer an Badegestaden.
Dort war er fast immer,
denn er war Nichtschwimmer.
Er schritt nur rein bis zu den Waden.

Umberto, der lebt in Beinette
beinah ohne Zucker und Fette.
Er nimmt nur Gesundes
ins Rund seines Mundes
und raucht dann eine Zigarette.

Man kann Emmi in Eisenzicken
beim Häkeln und Stricken erblicken,
doch am Wochenende
zieht sie’s aufs Gelände.
Dort wird sie dann stundenlang kicken.

Es sorgt sich Ottavio in Coazze.
„Am Sitzpolster find ich die Katze,
die meist ganz unschuldig.
Ich bin ungeduldig,
dass ich selbst das Auto zerkratze.“

Es pflegt Hermann stets in Großmutschen
am Spielplatz drei Runden zu rutschen,
mit Zuckerln versehen
nicht zu widerstehen,
dieselben beim Rutschen zu lutschen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXXXVII)

3 04 2021

Pauline ist beim Laufen in Puxe
mit ihren zwei Hunden recht fix.
Der eine, der wartet
erst ab, wenn sie startet,
und überholt sie hinterrücks.

Kocht Agathon trefflich in Oberschrot,
so sieht er doch oft, dass der Ober droht,
ein Trinkgeld zu kriegen.
Da bleibt oft nichts liegen,
er bringt nicht einmal einem Lober Brot.

Jean-Pierre züchtet in Riquewihr
Chamäleons, denn so ein Tier
wollt sein Weib sich halten.
Es bleibt doch beim Alten,
sie sind jetzt bei ihm statt bei ihr.

Renata ist ernstlich in Billens
das Kleinkind beim Singen nicht willens
kurz hungern zu lassen.
Man sieht, schwer zu fassen,
Aida auch während des Stillens.

Recht ungern gräbt Georges in Saint-Max
den Garten um. Doch ist’s ein Klacks,
mit Hilfe von Tieren
dies Werk auszuführen.
Ihn unterstützt dabei ein Dachs.

Es bügelte Carl in Rechthalten.
Das Eisen will ständig erkalten,
so kann er beim Linnen
stets neu auch beginnen.
Die Wäsche war stets frei von Falten.

Gérard kennt man, wie er in Rupt
ein Brötchen in Milchkaffee stippt,
samt den Konfitüren
zum Munde zu führen,
worauf er den Kaffee dann kippt.





Der Gutenabend

28 03 2021

für Wilhelm Busch

Es war vor langer Zeit… zu später Stunde
lehnt an der Brücke stumm ein blasser Mann,
und ging im Mondschein eins noch seine Runde,
so sprach er einen jeden leise an,

indem er artig „Gutenabend“ sagte –
so mancher stand voll Angst und wie gebannt.
Der Alte blickt, als ob ihn etwas plagte.
Man hat „den Gutenabend“ ihn genannt.

Wenn man ihm aber spottete und zischte,
so wurde die Verbeugung drauf recht fein.
Als ob er in die Nacht noch Tinte mischte,
stand man auf kahlem Feld und war allein.

So einige, die fand man fast verdorben,
zerrissen und verhungert, bleich und dumm,
und manche, sagt man, sind am Schreck gestorben.
Er aber stand am Graben, still und stumm.

Da war der Meier. Er ritt ohne Knechte
und ließ dort zum Beschlagen auch sein Pferd.
Wie er sich dann am Abend gut bezechte,
kam’s, dass er sich um keine Stunde kehrt.

So schlich er, wankte, schwankte an die Brücke.
Da stand der Gutenabend frohen Muts.
Er maß ihn wohl mit einem klaren Blicke
und fasste an die Krempe seines Huts,

und sagte „Gutenabend“, mit Verbeugung –
der Meier schaukelt noch ein kleines Stück.
Dann aber gab er diese Ehrbezeugung
mit ebensolcher Freundlichkeit zurück.

„Bedankt“, sprach er. „und außerdem uns beiden
ein ewiges Gedenken, guter Mann!“
Der Alte aber strahlt in hellen Freuden.
„Darauf wart ich, seit dieser Spuk begann!“

Und fort war dies Gespinst, wie es gekommen.
Nun schreitet man des Nachts ohne Gefahr.
Seitdem hat keiner je den Laut vernommen,
der „Gutenabend“ wünscht, wie es einst war.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXXXVI)

27 03 2021

Es kultiviert Ambrose in Eitzen
seit Jahren schon den besten Weizen,
jedoch nicht zum Backen.
Um kein Holz zu hacken,
pflegt er mit Getreide zu heizen.

Trainierte Cornelis in Lemmer,
benutzte er Zangen und Hämmer,
bei sich in der Werkstatt,
damit er sich stärk, statt
am Rohr wie ein Gewichtestemmer.

Es knobelte Torby in Dunn,
wobei er auch meistens gewann.
Das machte die meisten
recht stutzig, die Dreisten
verdächtigten gar diesen Mann.

Jans Flieger hat in Hantumhuizen
sowohl links als rechts je zwei Düsen.
Die nutzte er feste
zum Wohle der Gäste
zum Wärmen für beide Kombüsen.

Es radelt Roberta in Ihlen
am Tag an die zweihundert Meilen,
um kurz vor dem Ende
auf kahlen Gelände
ein Viertelstündchen zu verweilen.

Es nagelte Tessa in Sneek
am Fluss Bretter zu einem Steg.
„Es ist deren Länge,
dass ich mich anstrenge.
Dann geh ich ins Wasser und säg.“

Man sah Joe und Jim, die in Kinston
am Fenster der Nachbarin linsten.
Keiner will gestehen,
da gab’s nichts zu sehen,
obwohl beide dennoch breit grinsten.