In nomine Patris

2 03 2015

„… offenbar missverständlich ausgedrückt hätte. Die Kurie habe bei ihrer Befürwortung der körperlichen Züchtigung im Dienstrecht weniger an die Gemeindemitglieder gedacht als vielmehr an die Amtsträger, deren zahlreiche Verfehlungen zuletzt den Vatikan in sehr schwere…“

„… wolle sich das UN-Menschenrechtskomitee nicht weiter in die Anordnungen der Kirche einmischen, da deren übriges Arbeits- und Sozialrecht auch keine anderen moralischen…“

„… keine bleibenden Schäden hinterlassen solle. Um eine sichtbare Verletzung der Würde zu vermeiden, empfehle die Glaubenskongregation, nur an den Stellen, die von der geistlichen Amtstracht bedeckt würden, mit der flachen Hand oder einem…“

„… von den dresdner Demonstranten klar verteidigt worden sei. Bachmann habe auf der Montagskundgebung gefordert, das Privileg, die freie Religionsausübung zu missbrauchen, sei nicht nur auf muslimische…“

„… zwar in Deutschland verboten sei, da sie die verfassungsmäßig garantierte Würde des Menschen verletze, doch gehöre es nach Meinung von Seehofer zur Kernkompetenz des Katholizismus und seiner weltlichen Institutionen, sich nicht um langweilige juristische…“

„… keinen Strafenkatalog veröffentlichen wolle. Vielmehr rufe die Kurie aus Gerechtigkeitsgründen dazu auf, körperliche Züchtigungen nach freiem Ermessen zu…“

„… eine böswillige Unterstellung nenne. Die Deutsche Bischofskonferenz betone vielmehr, dass das Kirchenpersonal auf Weisung des Vatikans mit der körperlichen Züchtigung wieder mehr in der Nachfolge Christi…“

„… sich noch nicht von einem schweren Schädel-Hirn-Trauma erholt habe. Der Pontifex selbst habe angeordnet, Tebartz-van Elst richtig in die…“

„… dass es der Kurie keinesfalls um körperliche Gewalt gehe, sondern nur um die Notwendigkeit der väterlichen Dominanz in der Erziehung. Deshalb müsse der Betroffene die Bestrafung stets in nomine Patris…“

„… den Papst als außerordentlich kompetent in Erziehungsfragen gewürdigt. Einem Priester, der sich so offensichtlich als Freund seiner Schutzbefohlenen zeige, könne Joachim Kardinal Meisner nach interner Kenntnis der römisch-katholischen Kirche keinerlei strafwürdiges…“

„… sich mehrere Menschenrechtsorganisationen über den Papst beschwert hätten. Beobachter seien der Meinung, dies Verhalten liege an Erfahrungen, die er bereits als junger Theologe in…“

„… es in einigen Fällen gerechtfertigt sei. So habe sich der genannte Generalvikar nicht nur der Scheckfälschung schuldig gemacht, er sei auch noch auf frischer Tat dabei ertappt worden, was sicherlich einen Tritt in den…“

„… nicht für den Gemeindedienst geeignet seien, da sie sich geweigert hätten, auf Weisung ihres Vorgesetzten einem Kollegen mit dem Gürtel auf den nackten…“

„… nochmals klargestellt habe, dass er die Prügelstrafe für Geistliche keinesfalls fördere. Die Kirche gebe lediglich klar zu verstehen, dass der deutsche Staat weder das Recht noch die Mittel besitze, eine Kontrolle über die tatsächliche…“

„… trete de Maizière der Kirche entschieden entgegen, da das Gewaltmonopol beim Staat und seinen Institutionen liege. Er könne der körperlichen Züchtigung nur zustimmen, wenn diese künftig auch gegen Asylbewerber und andere mutmaßlich verdächtige Personen…“

„… die Züchtigung von Nonnen nur durch den Beichtvater geschehen könne, um nicht unmoralischen Vorgehensweisen Vorschub zu…“

„… sei im Erzbistum Paderborn innerhalb weniger Tage der Titel Fifty Shades of Grey vergriffen gewesen, was auf ein verstärktes Interesse an Weiterbildung…“

„… in vielen Fällen im Kindesalter selbst Schläge und Missbrauch erduldet hätten. Die Deutsche Bischofskonferenz werte in ihrem Gutachten den päpstlichen Erlass als durchaus tauglich, die Regeneration der Kirche auf einem breiten Fundament von…“

„… es zu einer Debatte komme, ob die körperliche Züchtigung zusätzlich zu den säkularen Verfahren der ordentlichen Gerichtsbarkeit anzuwenden sei oder diese ersetze, wenn es sich um eine kirchenrechtlich eindeutige…“

„… nicht so abwegig, wie es von außen dargestellt werde, und auch nicht auf den Katholizismus beschränkt, sondern auch in anderem Kontext anwendbar. Von der Leyen überlege, im…“

„… sei der Passauer Diakon Schmierwimpferl vor dem Landesarbeitsgericht unterlegen, da er nicht habe nachweisen können, dass er nicht ohnehin aus psychisch schwer nachvollziehbaren Gründen in den Dienst der römisch-katholischen Kirche…“

„… so zu verfahren, wie es auch bei anderen strafwürdigen Verfehlungen geistlicher Würdenträger bisher geschehen sei: in sehr schweren Fällen, die nicht durch die deutschen Ermittlungsbehörden untersucht würden, nehme man die Bestrafung ausschließlich symbolisch vor und versetze die Täter in andere…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CLXX): Die Dummheitsvermutung

19 10 2012
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Schon immer waren es die Könige – selbst nicht immer im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte – die ein reges Interesse daran fanden, die eine Hälfte des Pöbels als staunende Masse für Triumphzüge zu verwenden, nachdem die andere Hälfte in blutigen Schlachten massakriert worden war. Priester erzählten ihnen einen vom Pferd, Medizinmänner grummelten düstere Geheimnisse in ihre dünnen Bärte, und nur der einfache Mann auf der Straße, an sich mit Verstand bewaffnet, beging den groben Fehler, ihn nicht einzusetzen. Die Aufklärung war noch fern, die Gesellschaft in strenger Hierarchie, und für jeden Widerspruch drohten tödliche Konsequenzen. Welcher halbwegs mit Geist geschlagene Zeitgenosse würde angesichts der bis heute grassierenden Verrohung der Sitten nicht den Argwohn hegen, es gäbe bei den Mächtigen nicht immer noch eine Dummheitsvermutung im Fundament ihrer Herrschaft?

Sie geben uns das verlässliche Gefühl, in einer einfachen, innerhalb der Grenzen der unkritischen Vernunft hingeschwiemelten Vernunft zu existieren, vulgo: sie hoffen, dass wir doof sind, und zwar derart rotzedoof, dass wir es schon nicht mehr kapieren. Das Volk rangiert für die regierende Klasse knapp oberhalb von Primaten, wenngleich die ontogenetische Neigung des Hominiden zu Erwerb und Sozialisierung von Wissen ihnen ein Dorn im Auge zu sein scheint – das Rüstzeug, der Fliege ihren Ausgang zu zeigen aus dem Fliegenglas, ist in uns allen vorhanden und muss in mühevoller Kleinarbeit wieder verödet werden. Wie sonst ließe man eine Medienmaschinerie laufen, in der die Erwartungshaltung einer verdeppten Masse sich nahtlos in die Passform schmiegt.

Jede Botschaft, und sei sie noch so verständlich, wird geplättet unter dem Druck, leicht erklärbare Denkmuster zum Erhalt der Herrschaft herzustellen. Klingt erst einmal alles komplex und kann vor lauter Wichtighuberei nicht laufen, freut sich das Schimmelhirn, da alle bei sich selbst die Blödheit chronisch verankert finden, statt sie in den Köpfen der Vorhampler zu verorten. Nichts und niemand zweifelt an kühn in die Gegend posauntem Müll. Es zählt die Lautstärke.

Die Dummheitsvermutung nutzt die billigsten Vorurteile, macht sie produktiv mit schmierigem Populismus und heizt den Honks ein. Griechen sind faul, Afrikaner missbrauchen das Asylrecht, Türken sind faul oder nehmen uns die Arbeitsplätze weg, meistens jedoch beides gleichzeitig. Das ganze Volk gegen Muslime aufzuhetzen ist etwas schwieriger, Arbeitslose zu stigmatisieren geht schon leichter, und wenn erst einmal die alleinerziehende Mutter als Feindbild der Volkswirtschaft etabliert sein wird, hat die verantwortungsvolle Lenkung dieses Landes leichtes Spiel, die Gründe für den jähen Druckabfall in der Kabine jemandem in die Schuhe zu schieben, der sich garantiert nicht wehren wird.

Parallel dazu deklassiert die Mechanik des Machterhalts die Kommunikation, indem sie sie mit Sprachabfall vollgrützt. Die Dummheitsvermutung gebiert rechtsfreie Räume, sie verwandelt die Vorratsdatenspeicherung zur Mindestspeicherdauer, macht die Aufklärung brutalstmöglich und den Liberalismus mitfühlend (der umgekehrte Fall gilt immer nur dann, wenn Politiker selbst gerade vor dem Staatsanwalt die Hacken zusammenknallen). Vor allem aber vertraut sie fest darauf, dass der Diskurs den ganzen Seich kritiklos schluckt und ins eigene Repertoire übernimmt, der Dummheit sei’s gedankt.

Das wirklich Widerliche daran ist, dass die Vorstellung der scheinbaren Meinungsmacher dem gesunden Hausverstand spottet, denn sie beachtet nicht, dass es in der Gesellschaft einen breiten Durchschnitt gibt – einige gut Informierte, ein Heer an Desinteressierten, die der Einblicke bedürfen, um sich an der Diskussion zu beteiligen, und eine gewisse Gruppe von Intelligenzflüchtlingen, die sich die Hose nicht ohne bebilderte Bedienungsanleitung hochzuziehen vermag. Als Leitbild jedoch werden die Dümmsten genommen, das weiße Rauschen der Synapsen, doch ohne Berücksichtigung bleiben die Gebildeten. Nicht mitgerechnet werden Juristen, die sich den Dünnsinn des Zugangserschwerungsgesetzes, Mediziner, die sich die Dämlichkeit einer Regelung der religiösen Knabenverschneidung antun müssen. Ausgeschlossen bleiben Akademiker, die von plump lügenden Ministranten und Ministerinnen völlig neue Herstellungsweisen für eine Promotion erfahren. Ausgegrenzt alle Naturwissenschaftler, die sich das hilfsverbale Gestrüpp einer kanzlierenden Teilzeitphysikerin zur Kettenreaktion antun. Wer irgend Reste einer höheren formalen Bildung sein Eigen nennt, verliert schneller Mageninhalt und jegliche Hemmung, als der herrschenden Klasse lieb sein dürfte. Es könnte daran liegen, dass die Regierenden selbst zu wenig Anknüpfungspunkte zur Intelligenz haben, um die Differenz des Mittelmaßes zur eigenen Mittelmäßigkeit zu finden. Es muss noch nicht zu spät sein. Hoffnung besteht, dass die Sache aufkippt. Falls es dann noch jemand bemerken sollte.





Die Räuber

27 02 2011

So stellt man sich das Leben vor,
nur weit und breit Schlaraffenland.
Ihr zieht einander schon empor,
die eine wäscht die andre Hand.
Ihr predigt Demut und Verzicht,
Ihr preist Euch selbst von Wahl zu Wahl.
Dem Herrn, sagt Ihr, geziemt das nicht,
dem Volk hingegen: Volksmoral.
Dass andre hungern, stört Euch kaum,
Ihr hurt und fresst, Ihr lügt und sauft –
man zerrt an des Gerechten Saum,
  verraten
    und verkauft.

Es kommt zusammen Glanz und Pracht,
die Bande raubt und jagt und stiehlt.
Aus Geld wächst Ruhm, aus Ruhm wächst Macht.
Ein Dieb, der dem Gesetz befiehlt,
schafft ab, was Redlichkeit gebot
und sieht sich selber in der Gunst.
Was stört ihn andrer Leute Not?
Das ist ihm Windhauch, leerer Dunst.
Sein Haupt ist hoch, von Selbstsucht satt,
im Vollbesitz der Kräfte schnauft
der Mann, der keinen Feind mehr hat:
  verraten
    und verkauft.

War er schon frech, er maßt sich an,
von Gottes Gnaden Herr zu sein,
doch gnade Gott, was macht er dann?
Er redet sich beim Himmel ein,
er sei Gott gnädig – Gottes Lohn
sei ihm allein aus Lust und Gier,
indes ein Volk erkennt den Hohn:
für Gotteslohn erscheint es hier.
Ohnmächtig steht und ihn verflucht,
der sich im Zorn die Haare rauft,
der Arme, der sein Obdach sucht,
  verraten
    und verkauft.

Doch dauert nicht, was Dieben ist,
es bleibt die Welt sich darin gleich,
dass man den andern schnell vergisst,
dass man ihn niederstreckt im Streich –
wo Räuber unter Räubern sind,
da ist ihr Fall beschlossen schon,
wie sich ein Faden weiter spinnt:
es naht der Tag, Ihr kommt in Fron.
Lasst alle Hoffnung, allen Mut,
auch wenn Ihr um das Leben lauft,
Ihr seid gerichtet, und als gut
  verraten
    und verkauft.





Die venezianische Uhr

17 04 2010

Hoch überm Markusplatz schlägt an die Stunde
im goldnen Tierkreis auf lasurner Bläue
die Uhr, die kunstvoll und mit feiner Schläue
ein großer Geist schuf, reich an Sinn und Kunde.

Sie blickt auf jene Stadt und in die Runde,
die, unserm Erdkreis gleich, sich stets aufs Neue
um ihre Mitte dreht, sich selbst zur Treue
mit Gott und Teufel auch zugleich im Bunde.

Dass Gut und Kunst nie wieder sich so fänden,
entsandt die Stadt der Spiegel ihre Schergen.
Man ließ den Meister binden, ließ ihn blenden.

So war’s die Angst, in Fluten zu ertrinken,
die das, was sie am Grund der Wasser bergen,
entfesseln, und in sie zurückzusinken.