Scheißverein

20 02 2013

„Er hat was gesagt!?“ „Sie haben ganz richtig gehört.“ „Unglaublich.“ „Aber wahr.“ „Dass Mappus das gesagt hat?“ „Nein, dass die CDU ein Scheißverein ist.“

„Kann der Mann sich nicht ein einziges Mal am Riemen reißen?“ „Sie tun ja so, als käme das für Sie überraschend.“ „Dass Mappus das gesagt hat?“ „Nein, dass die CDU so heftig darauf reagiert. Wenn sie jedes Mal so ein Theater veranstalten würden, wenn Seehofer…“ „Den kann man doch nicht ernst nehmen.“ „Mappus auch nicht.“ „Aber der hat schließlich die ganze Partei beleidigt und nicht bloß die Regierung.“ „War das nicht zu erwarten?“ „Dass Mappus sich gerne mal vergreift, ist nichts Neues.“ „Ist das seiner Wut geschuldet?“ „Nein, lediglich seinem Charakter.“

„Trotzdem fühlt er sich der Union verbunden.“ „Was kein Wunder ist, sie hat ja einen Politiker wie Mappus erst hervorgebracht.“ „Dann wundert mich diese plötzliche Kehrtwende. Eben noch haben sie alles für den Ex-Ministerpräsidenten getan, Akten verschwinden oder dort auftauchen lassen, wo sie nicht hingehören, und jetzt lassen sie ihn fallen. Einfach so.“ „Das zeugt vom miserablen Charakter der CDU. Raten Sie mal, warum sich der Herr der Wasserwerfer nicht freiwillig von dieser Partei wird trennen können.“ „Sie halten das für eine unglückliche Beziehung?“ „Durchaus, aber die CDU scheint die Scheidung eingereicht zu haben.“ „Er will also nicht loslassen.“ „Eine Sache, die Sie bei Politikern immer wieder konstatieren werden, vor allem nach verlorenen Wahlen.“

„Was jetzt interessant wird: die Partei war bestens informiert über die Geschäfte des Dicken.“ „Selbstverständlich.“ „Und sie haben ihn alle machen lassen.“ „Aber sicher doch.“ „Da gab es keine Spur von Unrechtsbewusstsein!“ „Warum denn auch?“ „Warum wollen sie ihrem ehemaligen Primus denn jetzt den Stuhl vor die Tür stellen?“ „Weil er die CDU als Scheißverein bezeichnet hat.“ „Das ist doch keine Entschuldigung.“ „Hauk und Strobl waren in alle Details eingeweiht.“ „Und jetzt wollen sie Mappus raushaben, weil er sich so schrecklich undankbar zeigt?“ „Nein, weil er ungefragt die Wahrheit ausspricht.“ „Ich bitte Sie! Mappus konnte doch gar nicht wissen, dass seine Parteifreunde das auch alles wussten.“ „Richtig, er wusste nur, dass der Vorsitzende seines Untersuchungsausschusses alles wusste.“ „Sonst wäre der nicht sein Parteifreund.“ „Sonst wäre der vor allem nicht Vorsitzender im Untersuchungsausschuss.“

„Ganz ehrlich, ich verstehe das nicht mehr.“ „Sie meinen, Sie wissen nicht, wer da angefangen hat?“ „Nein, ich weiß nicht, warum sich die CDU so verhält.“ „Weil man das bei denen so macht. Denken Sie an Barschel. Alle haben ihm die Stange gehalten. Sie haben ihn erst fallen gelassen, als er nicht mehr zu halten gewesen war – und von da an haben eine Menge Christdemokraten entdeckt, dass sie ihn im Grunde schon immer hatten loswerden wollen.“ „Was hat das mit Barschel zu tun, dass die CDU im Ländle rückhaltlose Aufklärung verspricht und hinterher noch eine Extraschicht Filz über das Geschehene breitet?“ „Sie haben recht, das hat gar nichts mit Barschel zu tun. Höchstens mit Koch.“

„Allerdings steht jetzt zu fragen, warum sie Mappus so schnell loswerden wollen.“ „Es steht zu befürchten, dass ein Schaden eintritt.“ „An der Demokratie?“ „Sie Witzbold, an der CDU natürlich.“ „Aber Strobl sagt doch, Mappus habe nicht das Demokratieverständnis der restlichen CDU gehabt.“ „Was weiß, das ist vielleicht noch beschissener als der Hirnfasching von Mappus.“ „Ist das überhaupt legitim, sich über das Demokratieverständnis eines ehemaligen Ministerpräsidenten zu echauffieren?“ „Ja, ist es. Aber in diesem Fall ist es völlig sinnlos. Wenn Strobl dem Fettsack mangelnde Nähe zur Demokratie vorwirft, dann klingt das, als wollte ein Elefant eine Flunder beleidigen, weil sie nicht so gut fliegt wie er.“ „Immerhin hat Mappus sein Demokratieverständnis hinreichend transparent gemacht: wenn er ein paar Milliarden zu verschenken hatte, dann an der Verfassung vorbei.“ „Eben das ist der feine Unterschied. Ein richtiger Konservativer umgeht das Grundgesetz nicht, er bekennt sich dazu, dass er es beseitigen will.“ „Das hat dann ja gar nichts mehr mit Demokratie zu tun.“ „Das findet man eben nur unter der braunen Masse.“ „Sie meinen die NPD?“ „Nein, Mappus.“

„Was kommt denn jetzt bei der Sache raus?“ „Wenn Sie mich fragen, wird Merkel ihm das volle Vertrauen aussprechen und es wie einen Unfall aussehen lassen.“ „Was hat denn die Kanzlerin mit dieser Flitzpiepe zu tun?“ „Sie ist immerhin die Vorsitzende des Scheißvereins, schon vergessen?“ „Aber doch bloß auf Bundesebene.“ „Ich vergaß, das ist natürlich nicht so wichtig wie in den Landesverbänden.“ „Und warum sollte sie Mappus loswerden wollen? Gehört er etwa zu denen, die ihr irgendwann gefährlich werden könnten?“ „Als Sargnagel durchaus. Schließlich hat sie sich für ihn weit aus dem Fenster gelehnt und den Stuttgarter Tiefbahnhof gegen jedes Anzeichen halbwegs durchschnittlicher Intelligenz verteidigt.“ „Zum Dank dafür tritt er ihr jetzt von hinten ins Knie.“ „Die CDU leugnet bis heute hartnäckig, dass sie die Folgen hätte abschätzen können.“ „Das war auch gar nicht nötig, sie befand sich ja laut Kanzlerin sowieso in Gottes Hand.“ „Und genau da sind wir bei seiner letzten Hinterlassenschaft. Es ist egal.“ „Dass Mappus das gesagt hat?“ „Ob er jetzt aus der CDU austritt oder ausgetreten wird oder bleibt.“ „Sie meinen, er schadet der Partei so oder so?“ „Genau das.“ „Was für ein Scheißverein!“





Unsicherheitskopie

27 08 2012

„… der Ex-Ministerpräsident Baden-Württembergs angewiesen, die Festplatte seines Bürorechners zu zerstören. Er habe dies nicht für die Partei getan, sondern im Interesse aller verfassungstreuen…“

„… auch der CDU-Landesvorsitzende Strobl das Vorgehen nicht beanstandenswert genannt. Es sei unter Schwaben seit hunderten von Jahren regionaltypischer Brauch, nach dem Verlassen eines Amtes feucht durchzuwischen, zu lüften, sämtliche Datenträger zu vernichten und die…“

„… habe die baden-württembergische SPD dem Chaos Computer Club 20.000 Euro zugesagt für eine zügige Wiederherstellung der…“

„… der Sicherheitsregierungsfachmann Hans-Peter Uhl die Löschung als völlig legitimen Vorgang bezeichnet. Es seien zwar ein dienstlicher Computer und prozessrelevante Akten gewesen, da aber Minus mal Minus Plus ergebe, müsse man bei einem Unionsmitglied…“

„… müsse sich um legale Daten gehandelt haben. SPD-Chef Gabriel wisse sehr wohl, dass diese erst durch Kopieren auf einen USB-Stick…“

„… sei auch in Frankfurt als völlig normales Vorgehen gewertet worden. So habe in der Zentrale der Deutschen Bank bisher jeder Mitarbeiter noch unmittelbar vor seiner Verhaftung den PC aus…“

„… man daran sehen könne, dass der ehemalige Landesvater ein Herz für die junge Generation zeigen wolle. Seine Aktion sei, von vielen nicht erkannt oder missverstanden, in Wirklichkeit als Statement gegen die Vorratsdatenspeicherung…“

„… laut Mappus’ Anwälten ähnlich wie der Einsatz von Wasserwerfern im Stuttgarter Schlosspark, die Rettung der Landesinteressen vor Wutbürgern nur durch gezielte Vernichtung von…“

„… sich beim Sturz aus dem Rollstuhl keine Verletzungen zugezogen habe. Schäuble hatte sich beim Versuch, das Gehäuse seines Bürorechners zu öffnen, an der Unterseite des Schreibtisches die…“

„… sich die Festplatte nicht in Mappus’ Besitz befunden, da sie ihm auf seinen ausdrücklichen Wunsch übergeben worden war. Dies habe Kauder als Wunder bezeichnet, das in einer christlichen Partei durchaus immer wieder…“

„… durch eine technische Panne. Westerwelle habe sein Notebook über einen Mittelsmann an die laut Zeitungsannonce erfahrenen weißrussischen IT-Spezialisten gesandt, so dass die Daten direkt auf die Steuer-CD…“

„… dass Mappus möglicherweise die Zerstörung von Computern als neuartige Form der Aktionskunst zu etablieren versuche. Er wolle in den kommenden Tagen jeweils einen Konzertflügel, ein Atomkraftwerk und die Fensterfront der Lutherkirche…“

„… habe die baden-württembergische CDU dem Chaos Computer Club einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag versprochen für die endgültige Zerstörung sämtlicher…“

„… für den enormen technischen Fortschritt. Anlässlich einer Podiumsdiskussion zur Geschichte der politischen Moral in Deutschland habe Gauck berichtet, er hätte seinerzeit die Stasi-Akten noch alle persönlich in den…“

„… habe der Altbundeskanzler keinen Befehl gegeben, die Unterlagen aus dem Verkehr zu ziehen. Die Anweisung sei möglicherweise spontan oder durch einen Blackout…“

„… laut Mappus’ Anwälten ähnlich wie im Falle von Max Strauß’ Laptop um Gefahr im Verzuge, da ein bösartiger Computervirus die sofortige Bearbeitung der Festplatte mit einer Rohrzange quasi zwingend…“

„… warne auch das Bundesinnenministerium vor schnellen Vorverurteilungen. Vermutlich habe der Ex-MP sein persönliches Engagement für mehr Datenschutz über die Ansichten der Partei stellen wollen und habe so zu viel Mut…“

„… durch den Amtsarzt bestätigt worden. Der ehemalige Bundesinnenminister de Maizière leide an einer psychosomatischen Erkrankung, die ihn bereits beim Anblick eines Aktenvernichters die Kontrolle über jeden…“

„… das bei Morgan Stanley gelagerte Duplikat nicht für eine Erpressung durch Mappus verwendet worden sei. Vielmehr habe Notheis selbst den Massenspeicher als…“

„… sich auf einer zweiten Partition neben illegal heruntergeladenen Filmen auch Spuren eines stümperhaft deinstallierten Ballerspiels angefunden haben sollen, die zum größten Teil in…“

„… Koch-Mehrin, Chatzimarkakis sowie Schavan, dass sich die Materialsammlung für ihre jeweiligen Dissertationen auf der Festplatte befunden hätten. Durch deren Löschung sei jetzt der Beweis der Fälschung nicht mehr zu erbringen, so dass sämtliche Doktortitel wieder…“

„… nach Aussage der Staatsanwaltschaft jedoch davon ausgehe, dass sich das Bernsteinzimmer zum Tatzeitpunkt nicht…“

„… nicht sichergestellt, dass die auf dem Server der Staatskanzlei gespiegelten Backups legal hergestellte Daten seien. Es könne sich laut Expertise des Unionsabgeordneten auch dann um eine Raubsicherheitskopie handeln, wenn Mappus nicht seine Zustimmung zu den…“

„… müsse Schäuble mehrere Schachteln mit Barbituraten versehentlich für Fruchtbonbons…“

„… den Tatsachen entspreche, dass Mappus den Datenträger mit dem Passwort muttihaltsmaul verschlüsselt habe. Die Kanzlerin habe noch nicht entschieden, ob der Ex-Landesvorsitzende nach Verbüßen einer Haftstrafe nach Namibia, in die Demokratische Arabische Republik Sahara oder in die CDU-Geschäftsstelle von…“





Schuld und Bühne

24 07 2012

„… habe er nicht das Demokratieverständnis der CDU vertreten, weshalb man sich zwar frühzeitig entschlossen habe, ihn als Ministerpräsidenten innerlich nicht mehr zu unterstützen, ihm aber seine Gefolgschaft im Landtagswahlkampf nicht zu…“

„… habe sich das Präsidium allerdings empört gezeigt über das Urteil des Rechnungshofs, der den Kauf als verfassungswidrig eingestuft hatte. Man habe jedoch insgeheim die Meinung vertreten, dass die Behörde möglicherweise richtig…“

„… einstimmig angenommen. Nach gut informierten Kreisen enthalte die Resolution unter anderem die eindeutige Aussage, niemand habe je zuvor die Parteichefin und Bundeskanzlerin als ‚Mutti‘ bezeichnet; dies müsse sicher eine Erfindung des ehemaligen Ministerpräsidenten sein, der dafür ganz alleine verantwortlich…“

„… äußerst bedauerlich, dass der ehemalige Ministerpräsident nun im Ruf stünde, sich von einem Banker wie eine Marionette herumdirigieren zu lassen. Im Gegenteil habe der ehemalige Ministerpräsident Stärke und Unternehmergeist bewiesen, da er sich strikt an die Anweisungen eines Bankexperten…“

„… sich entgegen früherer Berichte um Schulden in Höhe von 40 Millionen Euro handeln müsse. Diese seien mit Sicherheit während der Regierung bis März 2011 entstanden, da der CDU-Landesverband keine andere Erklärung für…“

„… allzu lange und allzu unkritisch gefolgt sei, Kritiker als Schmarotzer und Vaterlandsverräter bezeichnet und erst mit dem Regierungswechsel schlagartig bemerkt habe, dass es sich bei den Ermittlungen tatsächlich um eine ganz legale…“

„… die derzeitige grün-rote Landesregierung auf der ganzen Linie versagt habe. Sie sei seit fast anderthalb Jahren unfähig gewesen, die chaotischen Zustände und die desolate Finanzlage im Ländle zu verbessern, was nur der CDU und den Liberalen…“

„… das harte Durchgreifen gegen die Demonstranten zu keiner Zeit und von niemandem gebilligt worden sei. Man habe sich jedoch in der CDU nie gegen den Ministerpräsidenten stellen wollen, da sonst eine große Verunsicherung in der Bevölkerung zu…“

„… die CDU immer schon gewusst, dass das Stuttgarter Tiefbauprojekt rein technisch nicht realisierbar sei. Aus Gründen besserer Planbarkeit für die Bauunternehmen habe man allerdings die genaue Betrachtung der Untersuchungsergebnisse vorerst auf die Zeit nach der nächsten…“

„… hätten 60 Jahre lang ihrem Land treu gedient und große Politiker hervorgebracht, deshalb dürfe die baden-württembergische CDU zwar an sich in Mithaftung genommen werden, nicht jedoch die 70.000 Mitglieder, die von jeglicher Schuld an den Geschehnissen absolut…“

„… inzwischen auf 65 Millionen Euro angewachsen. Zwar wisse keiner in der BW-CDU, ob und wofür der Ex-MP diese Schuldensumme zu verantworten habe, der Landesverband zeige sich aber zuversichtlich, bis zur Klausurtagung eine eindeutige Schuldzuweisung an…“

„… sich auch über innerparteiliche Richtlinien hinweggesetzt habe. So seien Bestechungsgelder mehrfach nicht aus den dafür vorgesehenen Kassen entnommen…“

„… sei Strobl immer schon bestrebt gewesen, in Baden-Württemberg eine grün-rote Regierung zu fördern. Die Union sei in nicht öffentlichen Diskussionen zu dem Schluss gekommen, der Fairness halber könne nur ein zwei bis drei Legislaturperioden dauernder Wechsel die Belange des Volkes wirklich…“

„… dürfe man nicht weiter behaupten, der EnBW-Deal sei eine einsame Entscheidung gewesen, an der die Landes-CDU nicht beteiligt gewesen sei. Im Gegenteil habe der ehemalige Ministerpräsident den Landesverband wohl in seine Geschäfte einweihen wollen, die Union habe es jedoch nicht gemerkt, was eindeutig an der mangelnden Information durch den ehemaligen…“

„… sei der Kostenrahmen für Stuttgart 21 erst während der Endphase vor dem Baubeginn deutlich überschritten worden. Man habe von Seiten der Union fälschlicherweise die Erdrotation sowie den Traubenzuckergehalt in Nashornhaaren für den verantwortlichen Faktor gehalten und könne erst jetzt mit letzter Sicherheit bestätigen, dass nur der ehemalige Ministerpräsident die…“

„… gravierende Verluste auch für die Bundes-CDU zu befürchten. Im Falle einer verlorenen Bundestagswahl sei man in Berlin gewappnet, die Verantwortung demokratisch nach Stuttgart zu…“

„… plädiere die Union schon seit mehreren starken Erdbewegungen im Gollachgau dafür, einen Zusammenhang zwischen tektonischen Prozessen und der Regentschaft des ehemaligen Landesvaters zu erforschen. Sollte ein wissenschaftlicher Beweis nicht gefunden werden können, so dürfe gemäß der an der Eberhard Karls Universität Tübingen verabschiedeten Erklärung dennoch ein klarer…“

„… ebenfalls ein klarer Beweis dafür, dass nur eine unionsgeführte Regierung Baden-Württemberg vor Filz und Korruption zu schützen…“

„… und vollkommen überraschend. Die Polizei teilte mit, sie habe den ehemaligen Ministerpräsidenten in der gefüllten Badewanne…“





Für die schwäbische Hausfrau

16 07 2012

„Nein, kein Gold. Das wäre zu unsicher. Zu Immobilien kann ich Ihnen auf keinen Fall raten. Nehmen Sie einen guten Fonds. Der bietet Ihnen alles, was Sie für Ihr Kapital wünschen. Nehmen Sie einfach das Beste, was wir Ihnen zu bieten haben. Nehmen Sie den Mappus.

Ja sicher, den können Sie kaufen. Alles eine Frage des Preises, versteht sich. Wobei, so kostspielig ist der Mappus nun auch wieder nicht. Er ist ja eher so das Basismodell. Ganz einfach gestrickt. Sehr einfach. Daher ist er auch so billig. Für die schwäbische Hausfrau halt.

Ich kann ihnen den wirklich nur empfehlen. Seine Anlage setzt auf mittel- bis langfristigen Kapitalzuwachs durch äußerst positive Kursentwicklung – Sondervermögen, verstehen Sie? Eine strategische Aufwertung erfolgt gleich bei Auflegen des Fonds, wir haben die Preise extra hoch angesetzt, so dass ein bisschen mehr Rendite rausspringt. Wir wissen zwar noch nicht, für wen, aber ein bisschen Spaß muss ja schließlich sein. Doch, setzen Sie auf den Mappus. Ein absolut attraktives Anlagemodell. Auch und gerade in Krisenzeiten. Warum? Weil der Mappus die ideale Kombination ist: höchste Rendite, Anlagehorizont in Kopfhöhe, brettförmig, und kein Risiko. Kein Risiko!

Gut, der übliche Nervenkitzel bleibt aus. Wenn Sie lieber irgendein südeuropäisches Land zugrunde richten wollen, bitte sehr. Aber in Zeiten wie diesen schätzt man doch die Sicherheit des Mappus. Sie können zocken, wie Sie wollen, gerne auch außerhalb des rechtlich erlaubten Rahmens. Sie können das Ding an die Wand fahren. Wenn’s Ihnen Spaß macht, brechen Sie in die Bank ein und jagen Sie den Tresor in die Luft – völlig egal. Für den Verlust kommt der Steuerzahler auf.

Sie zahlen keine Steuern? Da haben wir ja noch mal Glück gehabt.

Wir setzen da auf Wachstum, nicht wahr, und wir gehen mit einer Multi-Strategie vor. Absolute Return. Der Mappus ist wie Scheiße unterm Schuh, der kommt immer wieder zurück. Denken Sie an meine Worte. Vor allem, wenn Sie in den nächsten zehn Jahren mal nach Baden-Württemberg kommen sollten.

Die Kostenstruktur macht den Mappus so einzigartig. Also um es klar zu sagen, Sie kostet der gar nichts. Der ist wie die Eurokrise, der Mappus. Diejenigen, die das ganze Theater verursacht haben, werden mit den Kosten gar nicht erst belästigt. Deshalb ist der Mappus ja auch für den Mittelstand geeignet. Oder für die, die sich einbilden, immer noch zum Mittelstand zu gehören. Da können Sie schon ab zwanzig Euro pro Monat Ihr Geld in den Gulli schmeißen. Für uns ein ganz klares Zeichen, dass dieser Fonds demokratisch aufgelegt ist.

Das funktioniert sowieso nur im Top-Down-Verfahren: einer, der meint, dass er am meisten Ahnung hat, beschließt, dass er der eine ist, der am meisten Ahnung hat, und dann sucht er auf den Märkten, von denen er etwas zu verstehen glaubt, nach Anlagemöglichkeiten. Mit etwas Glück existieren die Wertpapiere hinterher noch.

Selbstverständlich halten wir uns strikt an die Rechtsprechung: Sie haben keinerlei Anspruch auf Informationen, was mit Ihrem Geld passiert. Wir verschweigen Ihnen Transaktionen, Kosten und überhaupt alles, was wir mit Ihrem Kapital mit dem Mappus alles anstellen. Die Rechnung bekommen Sie dann schon früh genug präsentiert.

Der Mappus ist geografisch breit gestreut. Ein Teil in Stuttgart, der andere Teil unterirdisch. Der Fonds natürlich. Ja, der Mappus selbst auch, aber das tut nichts zur Sache. Und er hat eine sehr lange Spekulationsfrist. Er spekuliert nämlich schon ziemlich lang, welche Frist ihm noch bleibt.

Wir setzen auf Mischfonds. Deshalb haben wir den Mappus ja überhaupt erst aufgelegt. Wir kombinieren das Risiko des Wachstums – nein, falsch: das Wachstum des Risikos, halt: Wachstums durch das – also das Risiko durch Wachstum, das kombinieren wir mit Papieren, die bei Ausgabe als sicher galten. Wir haben hier eigens einen Banker engagiert, der sich genau mit diesen Wertpapieren nicht auskennt – absolut passgenau. Eine Strategie, die sich möglicherweise für viele Jahre etabliert.

Sie wissen ja, generell können Sie ihre Anteile jederzeit wieder zurückgeben. Der Mappus ist voll serviceorientiert, der macht Ihnen das besonders leicht. Da können Sie auch Ihre Verantwortung jederzeit wieder loswerden.

Natürlich bleibt Energie immer bei uns im Fokus. Der Mappus hat eine ganz klar umrissene Zielgruppe; wir schädigen die Großaktionäre nur im äußersten Notfall, und dann sind erst einmal die Kleinsparer in der Haftung. Ist ja auf dem Energiesektor sowieso der Fall. Der Mappus ist für diese Branche wirklich das optimale Wertpapier, glauben Sie mir. Wir verbrennen massenhaft Kohle, damit heiße Luft nach oben steigt.

Sie wollen nur Geld parken? Ja, Sie hatten schon gesagt, dass Sie keine Steuern zahlen. Für längerfristige Planungen ist der Mappus auch nicht zu empfehlen. Sie können den liegen lassen, also quasi für immer, und plötzlich kommt doch noch etwas raus und die Sache wird für alle Beteiligten recht unangenehm. Immerhin können Sie da mit besonders großer Nachhaltigkeit rechnen.

Investieren Sie in den Mappus. Das ist das beste Finanzinstrument, das Sie für Geld bekommen können. Solange Sie noch welches haben.“





Nach Augenmaß

28 03 2011

„Da dürfen Sie mich nicht fragen. Haben Sie eine Bedienungsanleitung? Eben. Ich auch nicht. Alles, was ich weiß, ist, dass man die nicht einfach so abschalten kann. Das Modell ist zu alt, da kriegen Sie ja nicht einmal mehr vernünftige Ersatzteile. Und wenn da mal ein Kleinteil einfach so rausfliegt oder eine ganze Baugruppe ausfällt – ich bin ja auch für den Ausstieg, je schneller, desto besser, aber ich fürchte, wir werden Merkel kontrolliert runterfahren müssen. Einfach ausknipsen lässt sich die Alte jedenfalls nicht.

Schrittweise, haben sie gesagt. Erst Hamburg, jetzt Stuttgart, und irgendwann Deutschland. Aber mit dieser Kanzlerin kriegen Sie das nicht mehr hin, das sieht doch ein Blinder! Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg, oder ist das jetzt schon Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg? Haben Sie da noch Ausblick? Durchblick, meine ich? Ich auch nicht. Hat keiner. Alles ein Chaos. Gut, jetzt sind wenigstens die Reaktoren Mappus und Gönner vom Netz. Dieses verstrahlte Geraffel, hat das überhaupt noch eine Betriebsgenehmigung? Wer entsorgt den Abfall von diesen Klötzen? Und werden die auch irgendwo sicher endgelagert? Oder kommen die zu Guttenberg in die Wiederaufbereitungsanlage? Das muss man doch wissen!

Stresstest hat sie das genannt, die Merkel. Das leuchtet mir nicht ein. Sie macht nur einen Stresstest mit der CDU. Dabei ist ihr der Wähler dazwischengeraten. Ach, dieser Stresstest ist bloß Papierkram? Na, das passt ja. Für die CDU findet die Verfassung ja auch nur auf dem Papier statt.

Die Kühlsysteme, das ist der Schwachpunkt. Wulff, von Beust, Koch, alle havariert – ein paar haben sogar freiwillig den Geist aufgegeben, soweit man bei denen von Geist sprechen kann. Aber dann gucken Sie mal, was Sie da an Ersatzteilen geliefert bekommen! Ahlhaus, das ist ja als Nachbau noch erträglich, aber Bouffier? Den Hongkongschrott baut sich doch kein normaler Mensch ein!

Klar, jetzt merkt man erst, was das DDR-Erbe von der Merkel alles ausmacht. Sie hat ja vor allem Abwickeln gelernt. Also gehen wir mal davon aus, dass die CDU ordnungsgemäß um die Ecke kommt.

Sie meinen, Merkel sei ein Schneller Brüter? Das verstehe ich jetzt nicht. Weil sie ständig Zeugs von sich gibt, das die Bevölkerung spaltet? Herbst der Entscheidungen, Jahr des Vertrauens und solche Sachen? Ach deshalb. Ja, kann man unterschreiben: dass sie mehr Müll produziert, als für die ganze CDU ausreicht. Und Westerwelle? Druckwasser-Überreaktor, typischer Fehlbau. Der Mann macht doch nichts als heiße Luft. So viel kontaminierte Abwärme kriegen Sie sonst nur um die Ohren geblasen, wenn Sie Homburger und Brüderle als Reihenschaltung betreiben. Aus der thermischen Energie kriegen Sie locker eine Resthirnschmelze hin. Leichtwasserreaktor? Westerwelle? Meinten Sie jetzt, den kriegt so ein Leichtmatrose eher geregelt? Da muss ich Sie leider enttäuschen, der kriegt gar nichts hin.

Jedenfalls nicht nach Augenmaß. Doch, das hat sie immer wieder betont: Augenmaß. Leider hat sie uns nicht verraten, ob wir ihren Knick in der Optik berücksichtigen müssen. Heißt denn Augenmaß jetzt, dass wir sie vom Netz nehmen und ausglühen lassen bis 2013? Oder gleich Neuwahlen und dann ab in die Asse mit diesem Verdampferkonzentrat? Oder in den Weltraum? Ich würde das gut finden. Und die ganzen CDU-Landesverbände, wenn man denen sagen würde, wir schießen die Merkel zum Mond – Sie, die würden ihr letztes Hemd hergeben, wenn sie dafür eine deutsche Rakete bauen dürften! Aber das wird nicht passieren, da bin ich mir sicher. Ganz sicher. Denn so sicher ist auch sicher, dass die Sicherheit von Mondraketen nicht sicher genug ist, da können Sie noch so viele Ethikkommissionen einsetzen, die herausfinden sollen, was sie denn nun eigentlich herausfinden sollen. Am Ende geht so eine Rakete beim Start in die Luft, der radioaktive Mist explodiert, und dann haben wir das Zeug auch wirklich überall. Und das geht doch nun wirklich nicht – ich meine, es reicht doch, wenn die Merkel in Deutschland die Atmosphäre vergiftet.

Es wird vermutlich hier so laufen wie in Japan: die Leute, die sich haben verstrahlen lassen, sind am Ende selbst daran schuld und brauchen sich gar nicht erst irgendwelchen Hoffnungen hingeben. Das neoliberale Prinzip halt, alle Tellerwäscher, die es nicht bis zum Millionär geschafft haben, müssen zur Strafe seine Steuern mitbezahlen. Sozialsystem, Bildung, innere Sicherheit, die Kernschmelze hat längst stattgefunden, aber die Quatschköpfe stehen immer noch in der Landschaft und verkünden, dass sie alles unter Kontrolle haben – bis irgendein Brüderle versehentlich das Gegenteil herausfindet. Es steigt ja auch keiner mehr durch in diesen Bedienungsanleitungen. Da steht zum Beispiel, das, was Kohl gesagt hat, sei Illoyalität. Immer, wenn jemand die Wahrheit sagt, dann ist das Illoyalität. Verstehen Sie das? Ich auch nicht. Aber vielleicht hat ja Orwell die Betriebsanleitung geschrieben.

Keine Ahnung, wer die Liquidatoren auf dem Wasserwerfer sein werden. Kauder vielleicht, de Maizière, von der Leyen, Röttgen. Wenn sie sich zum Schluss ganz sicher sind, dass da keiner mehr lebend rauskommt, dann werden sie Pofalla auch noch in die Strahlen schicken. Denn das ist doch das eigentliche Dilemma der CDU: alle wünschen sie sich heimlich, dass die Merkel der Schlag trifft, aber alle wissen sie auch, dass dann auch nichts mehr kommt. Und das ist, im Gegensatz zu den deutschen Kernkraftwerken, todsicher.“





Par Ordre de Mutti

27 03 2011

Sie denkt, es ginge sehr diskret
und ziert sich nicht dabei,
wie sie das Grundgesetz verdreht –
was stört, ist ihr Geschrei.
Als wüsste keiner, wie verkracht
der Laden stolpert.
    Mutti macht.

Wenn auch ihr Traumgebilde platzt,
es stört sie nicht. Sie kennt
die Wirklichkeit nicht mehr. Sie schwatzt
vorbei am Parlament.
Justitia grollt. Germania weint.
Die Nachhut torkelt.
    Mutti meint.

Man hat mit ihr kein Mitleid mehr.
Wer’s kann, steht auf und flieht
und lässt den Hut des Bettlers leer,
eh sie es sich versieht.
Wie sich zum Schluss Fortuna neigt –
na, weg mit Schaden!
    Mutti schweigt.

Der Vorhang fällt. Es ist soweit.
Und niemand ist entsetzt.
Beliebtheit aus Beliebigkeit?
Sie hat sich überschätzt.
Wenn ihr die letzte Glocke schellt,
seht ohne Mitleid:
    Mutti fällt.





Das Beben der Anderen

21 03 2011

„Sie kommen auf Empfehlung?“ „Uns blieb nichts mehr übrig.“ „Na, jetzt werfen Sie mal die Flinte nicht gleich ins Korn, junger Freund. Wir haben schon ganz andere Kühe vom Eis geholt.“ „Aber bedenken Sie, es ist diesmal die CDU.“ „Eben, Sie müssten doch langsam an den Zustand gewöhnt sein. Ihre Partei hat mal wieder einen Störfall.“

„Meinen Sie denn, da ist noch was zu machen?“ „Wie gesagt, nur die Ruhe. Die Erfahrung zeigt, ein bissel was geht immer. Wenigstens nicht total in Verzweiflung versinken.“ „Und das können Sie? Sind Sie so gut?“ „Lieber Freund, wir sind das erste Haus am Platz. Dass Spinat viel Eisen enthält, dass Mülltrennung ökologisch sinnvoll ist, dass Guido Westerwelle den aufrechten Gang beherrscht – alles unsere Arbeit. Wir beherrschen unser Handwerk. Uns glaubt man alles.“ „Und wie machen Sie das?“ „Wir arrangieren Ihr Image neu. Dazu ist es…“ „Vergessen Sie’s. Das hat sich bei der CDU gerade in seine Einzelteile zerlegt.“ „Umso besser. Dann können wir ja auch die Vergangenheit etwas flexibler modellieren.“ „Natürlich. Es ist eine Frage der Argumentationsmuster.“ „Der – was?“ „Eine Frage der Argumentation. Des Blickwinkels. Entweder die Türken nehmen uns die Arbeitsplätze weg und heiraten unsere Frauen, oder die Islamskis schmarotzen sich in die soziale Hängematte und bringen mit ihren muselmanischen Weibern lauter Kopftuchmädchen auf die Welt. Wir beweisen Ihnen alles, was Sie brauchen. Sie müssen uns nur sagen, was rauskommt, den Grund liefern wir.“

„Das Problem ist, dass wir unsere bisherigen Äußerungen über Atomenergie nicht mehr unter Kontrolle bekommen. Die Leute haben den Eindruck, wir würden mit der Fliegenklatsche einen Flächenbrand beseitigen wollen.“ „Sehr gut, dann empfehle ich Reframing. Wir deuten die Sache mal ins Positive um. Zunächst hat die rot-grüne Bundesregierung sich viel zu sehr gegen den scheinbaren Widerstand der CDU gewehrt.“ „Wieso scheinbar? Wir haben diesen linken Spinnern…“ „Unterbrechen Sie mich gefälligst nicht. Wir haben Widerstand geleistet. In Wahrheit wollten wir durch unsere fanatische Unterstützung von Windenergie und Solarstrom ja dem politischen Gegner in die Hände spielen.“ „Aber wir haben doch gar nicht…“ „Meine Güte, Sie sind mir vielleicht begriffsstutzig! Sie haben eine grüne Agenda gefahren, aber so versteckt, dass sie jetzt der Opposition den Wind aus den Segeln nehmen können, kapiert?“ „Das nimmt uns doch keine Sau mehr ab, das geht nun wirklich nicht mehr.“ „Meine Güte, versuchen Sie’s doch wenigstens! Hinterher können Sie immer noch sagen, dass die Opposition schuld ist an dem ganzen Dilemma.“ „Und wenn wir mitmachen, was sagen wir dann über die anderen Ausfälle unserer Klimakanzlerin?“ „Sie wollten den Atommüll im Biosprit verklappen, um Greenpeace in einen Bürgerkrieg zu treiben, der dann ein für allemal nachhaltige Umweltmaßnahmen durchsetzt.“ „Und das ist realistisch?“ „Im Vergleich zu dem, was Sie der Öffentlichkeit jetzt erzählen: allemal.“

„Bisher hat sich die Kanzlerin aufs Atomgesetz berufen und eine Abschaltung wegen einer akuten Gefahr beschlossen. Kann man das hinbiegen?“ „Sie müsste jetzt natürlich einmal ausblenden, dass die Gefährdung vorher gar nicht bestanden hat, und zum zweiten nachweisen, dass die Gefahr, die daher jetzt besteht, nicht durch die SPD bekämpft wurde.“ „Wie sollte die SPD denn eine Gefahr bekämpfen? Und womit?“ „Was weiß denn ich? Möglicherweise schieben sie Kurt Beck zwischen die Brennstäbe.“ „Müssten wir nicht jetzt besser so argumentieren, dass alle, die die atomare Gefahr in Deutschland kleinreden, im Grunde genommen schon immer für Kernenergie waren, weil sie davor gewarnt haben?“ „Das ist zu kompliziert.“ „Wollen wir’s nicht lieber so darstellen, dass man über die Risiken der AKW nicht mehr reden darf, weil das gegenüber Japanern nicht…“ „Das ist die Guttenberg-Masche mit den toten Soldaten. Nicht dran rühren, seien Sie lieber froh, dass Sie den Strahlemann so schnell in die Endablagerung gekriegt haben.“

„Und was müssten wir sonst noch so ändern, um wieder in die Siegerspur zu kommen?“ „Alles. Also wenigstens mal ein bissel rhetorisch aufräumen mit dem ganzen prähistorischen Zeugs. Alternativlos, rechtsfrei…“ „Aber das Internet ist…“ „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Der Luftraum über Libyen. Oder der Stuttgarter Schlossgarten. Das sind rechtsfreie Räume.“ „Das wird jetzt eng.“ „Wir haben da eh kaum Spielraum. Würde es Ihnen notfalls reichen, wenn wir kommunizieren, dass Mappus nicht wegen des Bahnhofs und seiner Wasserwerferorgie, sondern wegen des EnBW-Deals nicht gewählt wird?“ „Was soll das bringen?“ „Dann sagen sich die Leute, er ist halt ein korruptes Schwein, aus dem kann in der CDU noch etwas werden. Man muss auch mal nachhaltig denken.“ „Und wenn wir das Wahlvolk mit ein paar eher versöhnlichen Botschaften ruhigstellen?“ „Sie könnten beispielsweise Seehofer sagen lassen, dass die Muslime auch irgendwie Menschen…“ „Haben Sie noch alle Tassen im Schrank!?“ „Naja, war auch nur ein Beispiel.“ „Und was machen wir dann?“ „Dann haben Sie immer noch die Chance auf die Fundamentalopposition und können in der nächsten Legislaturperiode kritisieren, dass die anderen Parteien enorme Kosten werden aufwenden müssen, um die Folgen Ihres unfähigen Getues zu kurieren.“ „Und das klappt?“ „Ich würde mich nicht darauf verlassen. Am besten wäre immer noch ein Ausstieg mit Augenmaß?“ „Aus der Kernkraft?`“ „Nein, von Merkel. Aus der Regierung.“





Zurück in die Zukunft

17 03 2011

„Wahlkampfbüro Merkel, was darf ich für Sie – schreien Sie doch nicht so! Ja, ich bin nicht taub. Was haben Sie? Die Sicherheitsmängel? Wo sind denn bitte Sicherheitsmängel? Kernkraftwerke sind doch sicher, die werden nur überprüft wegen – bitte nicht so schreien! Das tut in den Ohren weh!

Das ist momentan eine schwierige Situation für uns hier in der Wahlkampfzentrale. Wir müssen ja mehrere Krisenbrennstäbe vor der Kernschmelze bewahren, aber am wichtigsten ist uns natürlich der Kollege Mappus. Schon wegen der Verfassung – in der er sich jetzt befindet. Das geht nicht ganz ohne Reibereien ab, aber wir sind krisensicher. Also fast so krisensicher wie die Kernkraftwerke, die jetzt nicht mehr sicher sind, weil sie… wo war ich? Genau, werden wir das vorübergehend, ich betone: vorübergehend aussitzen, natürlich gemeinsam, und dann werden wir ja sehen. Wir würden es jetzt ja gerne auf die SPD schieben, aber irgendwie klappt das nicht. Die sind für Hartz IV und Mindestlöhne verantwortlich, aber nicht für Plattentektonik. Hoffentlich kriegen wir da noch etwas hin.

Hallo, Wahlkampfbüro… Ja, Sie sind richtig verbunden. Was darf ich Ihnen – Lügenpack? Wieso Lügen? Natürlich haben wir die sichersten Kernkraftwerke der Welt, die sind schon immer ganz sicher gewesen. Deshalb haben wir jetzt ja auch eine ganz neue Situation, die wir neu bewerten müssen, und wenn wir dann feststellen, dass wir in einer – hallo? Wir müssen nun ehrlich diskutieren, ob es… sind Sie noch… Ja klar, wir haben immer schon ehrlich diskutiert, aber jetzt ist es eben so, dass wir uns ganz sicher sind, und da diskutieren wir eben besonders ehrlich, dass wir die sichersten Kernkraftwerke – hallo? Hallo? Auch schon wieder aufgelegt. Man kann mit den Menschen einfach keinen Dialog mehr führen. Ich meine, die rufen doch uns an, nicht ich wir sie – da können die sich doch ruhig mal auf ein vernünftiges Gespräch mit uns einlassen? Das kriegen wir doch sonst nie gut rüber, dass es jetzt ganz wichtig ist, die CDU als Garant von Kontinuität und Stabilität zu – Grün? Schwarz-Grün? Mit diesen Ökoterroristen? Nie!

Das ist nicht nur die Lage – das ist auch diese neue Situation! Und die neuen Erkenntnisse erst! Glauben Sie nicht? Wir können jetzt sogar Dagegen-Partei! Und wir sind noch viel dagegener als die Grünen – damit schafft es Mappus!

Das liegt daran, dass wir das alte Handbuch benutzt haben. Da stand drin: es gibt keine Krise, und die anderen haben sie verursacht, also sollen sie sie gefälligst auch lösen. Wenn wir jetzt noch den Guttenberg hätten – der würde vielleicht Lammert dafür feuern, und dann wäre alles wieder gut, ja? Das muss man dem Bürger in dieser neuen Lage aber auch mal richtig transparent erklären, dass es jetzt auf jede Stimme ankommt. Vorausgesetzt, dass die Bürger nicht immer nachfragen, wenn sie etwas nicht verstehen. Oder wenn sie Dinge verstehen, die sie eigentlich gar nicht… Hallo? Wahlkampfbüro Merkel? Sie haben bei sich auch eine neue Lage bemerkt? Schieflage, sagen Sie? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Sie haben in den Nachrichten gesehen, dass wir bei einer Abschaltung von sieben AKW riskieren, dass alle Lichter ausgehen? Das war natürlich bis vorgestern auch so, aber da hatten wir noch nicht die Versorgungssicherheit, die wir jetzt durch die Abschaltung – veralbern? Ich Sie veralbern? Das würde ich mich nie trauen!

Diese Kommunikationsprobleme, wissen Sie, es ist schon nicht leicht, das innerhalb der Partei zu klären. Der Kauder hat nicht mitgekriegt, dass Merkel jetzt einen neuen Kurs vorgibt. Als Russenhure hat er sie beschimpft, als Kommunistin, als Terroristenschlampe – ihm ist da entfallen, dass sie sich gegen die Energierevolution ausgesprochen hat, als konterrevolutionäre Kraft! Also immer noch Freiheit statt Sozialismus, das verkaufen wir auch der FDP. Die kippt auch in die richtige Richtung. Wir müssen da irgendwie zurück in die Zukunft, aber machen Sie das mal den Leuten klar, dass wir so einen Umschwung gemacht haben. Nach dem Herbst der Entscheidungen kommt der Frühling der Enthüllungen – das hätten die Leute nie für möglich gehalten! Sie hat ja gesagt, sie sei die Kanzlerin, die auf alle Gegebenheiten reagiere – ich glaube fast, das ist der Fehler: mehr als reagieren hat sie nicht drauf. Und ob Reaktor zu Reagieren passt?

Wahlkampfbüro Merkel, wie darf ich Ihnen – ob der Mappus noch alle Tassen im Schrank hat? Das dürfen Sie mich nicht fragen, der wurde als Politiker gekauft, nicht als Ingenieur, und als solcher macht er einen hervorragenden – teuer? Nein, das Übliche. Warum wir sagen, dass wir die Ängste der Menschen jetzt ernst nehmen? Vorher haben wir – hallo? Sind Sie noch dran?

Dass uns diese parteipolitische Diskussion aber auch so aufgezwungen wurde! Das ist von diesem Wahlkampf aber auch unverantwortlich! Wenn die Bundeskanzlerin jetzt sagt, es gebe bei dieser Sicherheitsüberprüfung keine Tabus, dann heißt das doch nicht, dass es vorher, also für die Sicherheit, verstehen Sie, und zwar auch für Stromkonzerne, weil das ja eine gemeinsame Lösung, wenn man sich – also maximale Sicherheit hat Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen, damit das mal klar ist. Die minimale Sicherheit, die ist nicht so wichtig. Die machen wir nebenbei, wenn’s keiner merkt.

Wahlkampfbüro Merkel, was wollen Sie hören? Ach das – ja, ich bekomme auch gerade die Nachricht, dass das Moratorium gar nicht ernst gemeint war. Wir werden die Laufzeitverlängerung um drei Monate aussetzen, aber es ist keine Stilllegung, und es ist kein Moratorium, sondern es ist ein Moratorium, deswegen ist es ja auch kein Moratorium. Verstehen Sie mich? Hallo?

Machen Sie sich keine Sorgen, alles wird gut. Wir halten uns die Augen zu, dann wird alles gut. Sie müssen nur ganz fest daran glauben: Vorwärts nimmer, rückwärts immer!“





Schwatzarbeit

16 03 2011

Robbi glotzte. Den linken Ellenbogen hatte er immer noch angewinkelt, mit leicht eingeknickter Hüfte stand er zwischen Stuhl und Steuerpult. Doktor Hufbringer gab ihm einen kleinen Klaps auf den Hinterkopf. „Er macht mir heute Sorgen. Aber wissen Sie, jedes Mal gleich den Kopf abschrauben, das ist auf die Dauer zu kompliziert. Schließlich ist er ein Prototyp und wird noch verbessert.“

Die beiden Assistentinnen luden Ersatzteile aus einer großen Kiste. Eine von ihnen trug sie zum Regal im Nebenraum. Ich grinste. „Dass man mit dem Kopf unter dem Arm zur Arbeit kommt, ist ja nichts Neues. Aber mit zwei Köpfen unter dem Arm bei der Arbeit, das ist sogar für Sie ungewöhnlich.“ Hufbringer nickte. „Wir bauen unsere Roboter rein modular, das macht sie preiswerter, wartungs- und bedienungsfreundlicher. Unser Robbi wird mit dem nötigsten Zubehör ausgeliefert, der Kunde kann ihn dann ganz auf seine persönlichen Bedürfnisse programmieren.“ Damit zog er eine Lade aus dem großen Arbeitstisch. Ein grandioser Anblick, hier lagerten die Köpfe der politischen Oberklasse Deutschlands – bedauerlicherweise nur in Gestalt von Gummimasken. „Schauen Sie sich das an“, erläuterte Hufbringer, nahm eine Ministervisage aus dem Schubfach und reichte sie mir. „Diese beiden Stöpsel werden in der Stirn verankert“, konstatierte ich, „was nur logisch ist. Die meisten Politiker dürften da eine Macke haben.“ Er lächelte und krempelte den Minister auf Links. „Außerdem ist man es ja gewohnt, dass sie ihr Gesicht verlieren.“

Robbi straffte sich. Er knirschte ein bisschen im Rücken; offenbar bekam ihm die kriecherisch gebückte Haltung besser als der aufrechte Gang. „Es gibt drei Tendenzen“, keifte er, „denen wir Liberale…“ „Momentchen, gleich haben wir’s.“ Hufbringer flanschte ihm die Maske ins Gesicht. „Die Verweigerung der Zukunft! Die Wiederkehr der Staatsgläubigkeit! Die Renationalisierung der Ansichten!“ „Wie er leibt und lebt“, bemerkte ich anerkennend. Der Ingenieur betrachtete seinen Automaten. „Allerdings“, erwiderte er trocken. „Bis zum letzten Pickel.“ Robbi krähte inzwischen ohne Unterbrechung weiter. „Wer eine Umweltpolitik der besten Ergebnisse will statt der guten Absichten, der hat nur die FDP. Wer in neuen Technologien zuerst die Chancen sieht und nicht nur Risiken, der hat nur die FDP.“ „Sie füttern die Puppe also nur mit Phrasen?“ Hufbringer nickte. „Teilweise ja. Wo wir Rechenkapazität sparen müssen, bietet sich das einfach an zur Schonung der Maschine.“ Ich stutzte. „Zur Schonung?“ „Wer in der Bildung Chancengleichheit will“, plapperte Robbi dazwischen, „aber nicht Ergebnisgleichheit, der hat nur die FDP. Wer einen Sozialstaat will, der den Bedürftigen hilft und nicht den Findigen, der hat nur die FDP.“ „Das erhöht die Lebensdauer.“ Hufbringer zupfte nervös die Stäubchen von der weißen Weste. „Ohne diese vielen inhaltslosen Phrasen wäre er sicher längst weg vom Fenster.“

Er schaltete ein paar Mal hin und her. Robbis Repertoire war wirklich beeindruckend. „Als Röttgen bekommt er auf Knopfdruck schwerste moralische Bedenken und greint. Als Seehofer sondert er fremdenfeindliches Geschwätz ab. Als Westerwelle – na, Westerwelle halt.“ „Fantastisch!“ Hufbringer errötete leicht. „Bedenken Sie, was wir mit dieser Puppe alles machen können. Für den Bundestag, für den Wahlkampf, für Interviews und Pressekonferenzen, für die Keynote auf dem Jahrestreffen sächsischer Hamsterzüchter – und denken Sie nur an alle diese Talkshows!“

Ich war ein paar Schritte gegangen und hatte achtlos die anderen Schubladen aufgezogen. Eine lag voller Schrauben, Drahtspulen, Hämmerchen und Zangen, eine andere war vollgestopft mit Händen, Damenhänden mit lackierten und abgenagten Nägeln, schwieligen Fingern, rissigen Handrücken, blauen Äderchen wie von verzärtelten Strebern, braunen, rauen Arbeiterpranken, eine dritte schließlich lag voll mit Masken – stapelweise Merkel und Merkel und nochmals Merkel, daneben ein Pofalla neben dem anderen, ein Rösler schob sich in den nächsten, Aigner lagerte auf Aigner. „Wie das denn“, fragte ich entgeistert. Hufbringer schmunzelte. „Es sind ja nur Schwatzarbeiter, und unsere Robbis lassen sich beliebig vervielfältigen.“ Ich stöhnte auf. „Drei Westerwelles zeitgleich in der Glotze – grauenvolle Vorstellung!“ Hufbringer kicherte. „Malen Sie sich das doch nur mal aus. Versehentlich treffen sich zwei Westerwelles, einer beschimpft den anderen und am Ende kippen beide um! Aber immer noch besser als zweimal Guttenberg – die würden sich zum ersten Mal von außen sehen, einander zum Kotzen finden, einen Prozess wegen Urheberrechtsverletzung gegen sich selbst anstrengen und zugleich behaupten, der andere sei schuld!“ „Hufbringer“, ächzte ich, „das ist nicht mehr witzig!“ Doch er war nicht mehr zu halten. „Da geht noch viel mehr, mein Lieber! Auf der einen Seite lehnt Merkel alle Verantwortung für den Euro ab, und zack! stimmt sie sofort einem Rettungsschirm zu. Die SPD ist vehement gegen diese winzige Erhöhung der Hartz-IV-Sätze, und was passiert dann? Sie sind natürlich dafür. Röttgen sträubt sich gegen…“ Ich packte Hufbringer an den Schultern und schüttelte ihn durch. „Sie sind doch nicht mehr ganz bei Trost, Mann! Kommen Sie zur Besinnung! Das dürfen Sie nicht mal denken!“ Die Assistentin mit dem Rollkoffer räusperte sich vernehmlich. „Herr Doktor, wir wären dann soweit. Wo sollen denn nun unsere beiden Mappusse hin?“





Im Land der untergehenden Sonne

14 03 2011

„Schrecklich, wenn man das alles gewusst hätte!“ „Wollen Sie mir ernsthaft verkaufen, Sie seien sich nicht im Klaren darüber, was hier alles droht?“ „Aber das konnte doch keiner vorhersehen – der Mensch ist nun mal in seiner Einsichtsfähigkeit viel zu beschränkt, das zu begreifen.“ „Ja, das wollen sie einem dann immer verkaufen, wenn sie nicht mehr weiterkommen mit ihrem Gewäsch. Alles bloß billige Sonntagsrhetorik, aber das hilft uns auch nicht mehr weiter. Jetzt muss man handeln. Wenn das überhaupt noch geht.“ „Was wollen Sie denn machen? Fukushima ist doch kein Spielplatz, das ist eine gigantische Katastrophe!“ „Wer redet von Japan? Ich rede von Deutschland!“

„Sie meinen doch wohl nicht etwa, man könne die japanischen Verhältnisse auf Deutschland übertragen?“ „Warum nicht? Glauben Sie, nur die japanischen Energiekonzerne arbeiten schlampig? Dank unserer Kanzlerinnendarstellerin wissen wir doch jetzt auch, dass unsere asiatischen Freunde zwar ein hoch technisiertes Land sind wie wir, aber dass in hoch technisierten Ländern die Reaktoren in die Luft fliegen, dass gibt’s natürlich nur in Japan.“ „Sie können ein Erdbebengebiet wie den Pazifik nicht mit Europa vergleichen.“ „Weshalb hat dann die Kanzlerin noch einen weiteren Sicherheitscheck angeordnet, dessen Ergebnisse im Ministerium längst vorliegen? Alles ist sicher, aber man weiß nie, ob sicher ist sicher auch sicher ist – also wird alles noch einmal überprüft, ob es auch so sicher ist, dass man es gar nicht hätte überprüfen müssen.“ „Doppelt hält eben besser.“ „Das wussten sicher auch die Kernkraftwerksbetreiber, die sich ihre angeblichen Nachrüstungen zwar vom Steuerzahler erstatten lassen, aber aus technischen Gründen noch mit den Sicherheitsmaßnahmen warten.“

„Vertrauen Sie doch erst einmal darauf, dass die Politik die richtigen Schlüsse zieht. Die wissen schon, was da zu tun ist.“ „Deshalb hat man die Vergrößerung von Flutbehältern oder die redundanten Sicherheitssysteme auf die lange Bank geschoben.“ „Warum hat man das denn so lange verzögert?“ „Weil die Reaktoren im wahrsten Sinne des Wortes Auslaufmodelle sind, die Sie heute nie mehr durch den TÜV bekämen. Sie lassen auch nicht Ihr Auto frisch lackieren und fahren es danach gleich in die Schrottpresse.“ „Und wozu braucht man größere Flutbehälter?“ „Um das zu verhindern, was in Fukushima als technisch unmöglich beschrieben wurde.“ „Sicher wäre es das ohne Erdbeben sogar gewesen.“ „Alles, was technisch unmöglich ist, wird als technisch unmöglich bezeichnet, weil es höchstens einmal in einer Million Jahre zu passieren hat. Wann war noch mal Tschernobyl?“

„Aber Tschernobyl war doch auch etwas völlig anderes. Die Sowjets hatten kaum geeignete Mittel, um sichere Reaktoren zu bauen, und sie konnten auch die Katastrophe nicht in den Griff kriegen.“ „Wenn das ein Argument für die sicheren Reaktoren in Japan sein sollte, dann habe ich es nicht verstanden.“ „Wir haben doch hier in Deutschland eine total andere Gefahrenlage.“ „Das stimmt, seit Schäuble kräht jeder Innenminister nach der Vorratsdatenspeicherung, um Flugzeugabstürze auf Atomkraftwerke zu verhindern.“ „Ich dachte, die seien sowieso verboten?“ „Warum lässt Röttgen die weitere Vorsorge gegen derartige Risiken, der sich längst im Atomgesetz befand, eigens streichen? Weil Schutz vor Nuklearkatastrophen Geld kostet, das man den Betreibern lieber schenkt.“ „Sie meinen, er habe das Volk heimlich hinters Licht geführt?“ „Heimlich? Nein.“ „Wie soll denn die deutsche Politik reagieren? Wir können ja schlecht innerhalb einer Stunde die Kernkraftwerke herunterfahren. Dazu besteht meines Wissens auch kein Anlass, oder erwarten Sie einen Tsunami in der Mosel?“ „Mit etwas Überblick wüssten Sie, dass die Kernschmelze nicht durch ein Beben ausgelöst wurde, sondern durch den Ausfall mehrerer Kühlsysteme. Und jetzt überlegen Sie sich, warum Röttgen es den Energiekonzernen leichterdings erlaubt hat, gesetzliche Sicherheitsvorkehrungen einfach zu umgehen, wenn sie zu viel kosten.“

„Es spricht also alles dafür, dass die Regierung die Atomkraft in Deutschland nicht im Griff hat.“ „Es spricht einiges dafür, dass diese Regierung nichts mehr im Griff hat. Diese Krückentechnologie ist nur ein Anlass, die eigene Unfähigkeit zu zeigen. Hauptsache, sie klammern sich an die Macht.“ „Halten Sie es für Realitätsverlust?“ „Nein, für planmäßige Vernebelungstaktik, mit etwas Schadensbegrenzungsrhetorik politische Handlungsfähigkeit vorzutäuschen, weil ein paar Landtagswahlen ins Haus stehen.“ „Warum müssen Sie auch gleich eine Grundsatzdebatte vom Zaun brechen!“ „Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nichts passiert, ist Atomkraft sicher und sauber und preiswert, eine Diskussion findet nicht statt. Wenn aber tatsächlich ein Zwischenfall kommt, plärrt die Atomlobby unisono: ‚Die haben ja bloß darauf gewartet!‘ Ich möchte es einmal erleben, dass bei Sozial- oder Einwanderungspolitik diese Blase nicht bei jeder Boulevard-Schlagzeile sofort eine Generalabrechnung mit dem Grundgesetz fordert. Im Übrigen halte ich es schon nicht für blanken Zynismus, wenn diese Partei jegliche Kritik am Verfassungsbruch als plumpes Wahlkampfmanöver bezeichnet. Das ist neokonservativer Konsens, dass man die Interessen der Wirtschaft auch da verteidigt, wo man selbst dafür büßt.“

„Vielleicht sollten Sie sich erst einmal abregen und nicht bei jeder Politikeräußerung in die Luft gehen.“ „Auf welche soll ich warten? Auf das offene Eingeständnis, dass diese korrupte Truppe sich von einer Umfrage zur nächsten eine Laufzeitverlängerung erschwindelt, während Deutschland für ihre Ideologie zum Land der untergehenden Sonne wird? Wollen wir aus Sicherheitsgründen darauf warten, bis sie die Verfassung in der Asse beerdigen?“ „Röttgen hat doch…“ „Röttgen reicht der Kanzlerin längst nicht mehr aus, sie muss unbedingt noch ihren eigenen Super-GAU produzieren. Nach menschlichem Ermessen, sagt sie, liegen wir also in Gottes Hand? Im Iran würde man einen Kernphysiker nach derlei für unzurechnungsfähig erklären.“ „Wenn Sie eine Debatte über Reaktorsicherheit führen wollen, dann ist es jedenfalls nicht legitim, dafür auf dem Rücken der Opfer…“ „Haben Sie Anstand und Moral auf Lager? Das hat bei Guttenbergs vorgeschobenen Soldaten auch bestens funktioniert. Warum sollten Westerwelle und Röttgen weniger Opportunismus an den Tag legen? Einen Haufen, der aus Angst vor den Lobbyisten panisch seine Sprechblasensammlung neu sortiert, statt überhaupt den Regierungsgeschäften nachzugehen.“ „Sie haben es doch selbst gesagt, Merkel will jetzt die Kernkraftwerke noch einmal prüfen lassen.“ „Sie glauben wohl auch an den Weihnachtsmann, wenn man’s Ihnen nur dreimal sagt. Merkel tut gar nichts und lässt auch nichts tun. Sie lässt höchstens in den nächsten drei Tagen prüfen, ob sie sich einen atomaren Gutti erlauben kann – allerdings hat sie den auch zu lange laufen lassen vor der finalen Abschaltung.“ „Und das reicht Ihnen für eine Wahlkampfinszenierung? Sie unterschätzen die baden-württembergischen Wähler.“ „Eine Regierung mag beunruhigt sein, wenn sich die Bürger selbstständig zu informieren wissen, aber sie bekommt panische Angst, wenn sich die Menschen untereinander austauschen – und sie reagiert mit Brutalität, sobald sie den ersten Verein gründen. Das vor allem haben die Bürger in Baden-Württemberg gelernt, und sie wissen eine Kanzlerin richtig einzuschätzen, die nur aus Opportunismus in die Politik gegangen, weil sie es aus ihrer bis heute bevorzugten Staatsform nicht anders kannte: wenn man an der Macht ist, kommt man an Bananen.“