Unkonventionell. Direkt. Spontan

4 08 2021

„… keine Möglichkeit sehe, an einer Diskussion im deutschen Fernsehen teilzunehmen. Laschet habe zur Rettung der Nation so viel zu tun, dass er seine Zeit nicht mit…“

„… Unterstützung von Haseloff bekommen habe, der die Medienhetze der linksversifften SPD-Republik beklage und die sofortige Absetzung der stalinistischen Kräfte in dem…“

„… einen Kompromiss in der Gestaltung des Programmplatzes angeboten hätte. Die gerade erst gegründete Produktionsgesellschaft Opus Dei TV könne erbauliche, national motivierende und antikommunistische Kommunikationsbeiträge von bis zu drei Minuten Länge zur Verfügung stellen, die segensreich und informativ für die…“

„… es sich bei ProSieben nicht um einen öffentlich-rechtlichen Kanal handle, der für die Diskussion um eine Abschaffung des staatlichen Rundfunkbeitrags überhaupt nicht in…“

„… da das Format keinen journalistischen Mehrwert biete, wenn der Unionskandidat gemeinsam mit den anderen Bewerbern von einem oder mehreren Journalisten befragt werde. Laschet habe so keinen ausreichenden Raum, seine bisher noch nicht auseichend bekannten politischen Ideen für ein Innovationsjahrzehnt zu…“

„… eine Beschwerde beim Deutschen Presserat ins Leere gelaufen sei. Anders als von Ziemiak in den Medien des Springer-Konzerns dargestellt sei es eben nicht üblich, sowohl die Fragen als auch die Zwischenbemerkungen von Moderatoren in einem Interview vorab von einer Beraterfirma zu…“

„… dass ProSieben sehr wohl die Spitzenkandidaten einzeln in einer eigenen Sendung präsentieren wolle. Da Laschet seine Teilnahme postwendend bekannt gegeben habe, könne man nicht davon ausgehen, dass er dieses nach reiflicher Überlegung und …“

„… nur dann teilnehmen werde, wenn die Ausstrahlung in Ostdeutschland nicht stattfinde. Die Bundestagsfraktion hoffe auf die ungebrochene Zustimmung zur AfD, die keine Gefährdung für eine Koalition mit der…“

„… das Sendungsmotto Unkonventionell. Direkt. Spontan bei den anderen Kandidaten auf Zustimmung gestoßen sei. Dies lasse darauf schließen, dass die Produktion in Kooperation mit den Feindmächten ausgeheckt und über einen der staatlichen Kontrolle entzogenen Kanal an die…“

„… habe ein weiteres Sondierungsgespräch mit dem Wahlkampfteam nicht den gewünschten Durchbruch erzielt. Die CDU halte die vom Sender präferierte Beschränkung auf inhaltliche Fragen für eine linksextremistisch motivierte…“

„… nur zustimmen werde, wenn für die Sendung mit dem CDU-Kandidaten der Titel in Ohne Kohleabbau haben wir keinen Strom mehr. Land der Küchenbauer. Noch irgendwas über Alkohol, Pädophilie oder Borderline, aber Baerbock ist schuld geändert werde, um die Wähler vom…“

„… und durchgestochen habe, dass Laschet in einem Wahlwerbespot nicht sein typisch vulgär-enthemmtes Lachen zeigen dürfe. Sein Team zur Begrenzung der größten Schadwirkung sei bereits gewarnt worden, dass man den Kandidaten mit den Klängen einer Totenmesse triggern würde, um ihn zu einem reflexartigen…“

„… werde das Interview sicher aufgezeichnet, was dem Sender eine Menge Möglichkeiten für nachträgliche Manipulationen biete. Die CDU habe sich stets für eine vollkommene Kontrolle der Medien ausgesprochen, was für diese Situation einen unerlässlichen…“

„… es nicht möglich sei, die Kamera bei den Antworten von Laschet mit halber Geschwindigkeit laufen zu lassen. Wenn der Kandidat überlegen müsse, habe er vor der Sendung noch lange…“

„… dass Fragen aus dem Studiopublikum nur nach vorheriger Klärung durch eine Kommission möglich seien. Laschet werde sich nicht auf billige Provokationen aus einem Volk, das in der Mehrheit nicht Mitglieder der CDU, von RWE, einem Autokonzern oder nordrhein-westfälischen…“

„… erhebliche Kieferverletzungen und einen Trümmerbruch des Nasenbeins davongetragen habe. Merz sei unangemeldet auf das Studiogelände gekommen, habe seine Hilfe bei der Beseitigung von Rechts- und Sozialstaat angeboten und die dritte Sendung unter MERZ. JETZT REDE ICH. UND WENN MIR IRGENDEIN VERKACKTER HUNGERLEIDER DER STEUERN ZAHLT DAZWISCHENQUAKT SPUCKT IHR MINDERLEISTER ALLE BLUT bei der Aufnahmeleitung angekündigt. Es sei zu einem Missverständnis mit zwei Securitymitarbeiterinnen gekommen, worauf eine Handgreiflichkeit zu einer schnell eskalierenden…“

„… die Absage des Kanzlerkandidaten erneut bekräftigt habe. Eine Livesendung werde in dieser Phase linksextremistisch motivierter Propaganda gegen die Innovation eines völkisch-christlichen nur ausgenutzt, um durch satanistische Botschaften die Rettung der Kohleindustrie vor den…“

„… die Fragen stellen werde, während die für Antworten vorgesehenen Zeiten vom Geräusch eines Heißluftgebläses ausgefüllt würden. Damit sei der Sender zufrieden, da er eine objektive und…“

„… sich auf die erste Sendung des Formats sehr freue, in dem sie durch mimische Kommentare die Inhalte ihres Parteivorsitzenden begleiten werde, um danach eine politische Einschätzung für die Wähler abzugeben. Angela Merkel habe mit viel Interesse die neue und unkonventionelle…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXV): Olympische Spiele

30 07 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Was hatten die antiken Menschen für putzige Ideen, ihre jeweiligen Schöpfungsverantwortlichen mit körperlichen Auseinandersetzungen zu preisen, Wagenrennen und Faustkampf, Malerei und Tanz, und zum Schluss bekamen die Sieger Selleriekranz und Fichtenzweige. Am ehrlichsten waren noch die mesoamerikanischen Ballspiele, bei denen zum Schluss die Sieger geopfert wurden; heute wäre eine komplette Ethikkommission dagegen, weil die Bilder sich nicht vermarkten ließen. Immerhin kam die Idee des Ertüchtigungsturnens aus dem blinden Nationalismus, der als eine Art Gegengewicht die internationale olympische Idee zeugte, für die sich Amateursportler in fairem Wettkampf nach einem Stück Metall abstrampeln in den klassischen Disziplinen wie Tauziehen, Durch-Fässer-Hüpfen und Krocket. Was geblieben ist, ist ein mediales Sperrfeuer aus Markenbotschaften vor der Kulisse großflächiger Umweltzerstörung. Wozu brauchen wir noch Olympische Spiele?

Vermutlich würden es die ganzen Antibiotika alleine nicht in die Sportstätten schaffen. Sport ist, Juvenal wusste es, lediglich eine Angelegenheit intellektuell benachteiligter Muskelaffen, was der klassisch ungebildete Baron de Coubertin denn auch gründlich missverstand. Heute spielt er nur noch eine Nebenrolle, wie ein lästiges Anhängsel, mit dem man seine eigenen Geschäfte aufbläst. Der Ablauf ist seit Jahren geradezu gleich: nach einem Schmiergeldspektakel, von dem jeder weiß, wird eine der großen Industrienationen erkoren, die nächste Runde der Gigantomanie auszurichten, und klotzt je nach Bedarf beheizbare Skipisten oder ein luftgekühltes Stadion in die Landschaft, um den Sponsoren zu versichern, dass man notfalls auch auf dem Mars Marathon laufen könnte, wenn nur die Fernsehrechte an dem ganzen Schmodder in Sack und Tüten sind. Unter dem Deckmäntelchen der Nachhaltigkeit versprechen die Konzerne gern die Wiederaufforstung sorgsam weggehobelter Wälder, während sie ganze Landstriche mit Beton so zupflastern, dass man es aus dem All sehen kann. Wo bisher Dörfer waren, Kleinvieh stand oder ein Naturheiligtum indigener Stämme, ballert ein Trupp regierungsnaher Architekten mit frisch gewaschener Kohle eine bigotte Bizarrerie in die Wunden der Welt – staatlich finanziert, auch wenn’s gerade im Auftrag diktatorisch herrschender Soziopathen ist, denn das Internationale Olympische Komitee hat lediglich ein gesteigertes Interesse an Glanz und Geld, nicht an der Organisation und Durchführung des ganzen Gezumpels. Wozu auch, wenn knackige Sportlerinnen genug nackte Haut und sekundäre Geschlechtsmerkmale in die Kamera halten, fühlen sich die tatternden Kalkschädel in der Chefetage wenigstens einmal wieder jung.

Die wandernden Werbefestspiele sind typisch für den Trickle-down-Mythos der Großkopfeten. Das herbeiprophezeite Wirtschaftswachstum fand nie statt, allerdings kann man allerhand moderne Ruinen besichtigen, die nach Abzug der Karawane stumm vor sich hinrotten. Auch die angebliche Kernidee, durch das Vorbild der Modellathleten den Breitensport zu fördern mit allen seinen sozialen und pädagogischen Vorteilen, verdümpelt elend in der Realität. Wie denn auch, wenn sich Staaten mit der Austragung der Monsterspiele tief in die Grütze reiten und hinterher Sparprogramme auflegen, um die Kosten für die stattgehabte Kirmes wieder reinzuholen. Immerhin werden regelmäßig Budgets für die paramilitärische Ausrüstung der Polizei erhöht: erst für die Proteste vor den Spielen, dann für die Proteste gegen die Austeritätsfolgen.

Und der Sport? bandagierte Invaliden hampeln am Stufenbarren, Eiskanäle werden ohne Rücksicht auf Sturzgefahr in dem Hang geschwiemelt, damit die rohe Botschaft von der Eigenverantwortung des athletischen Personals sich besser einhämmert. Die neoliberale Idee, alles zum Wettbewerb zu machen und nur den Sieger zu unterstützen, wirkt auch hier, wie man an Leichtathleten im Wüstenwind sieht: wer das überlebt, hat gewonnen. Zugleich zeigt die monumentale Inszenierung eines Mittelfingers gegen die reine Vernunft, dass den Regisseuren der Spiele der Klimakollaps längst reißpiepenegal ist. Die Aircondition im Stadion braucht ein mittleres Kraftwerk, das lustig die Welt verstrahlt oder noch mehr Treibhausgase in die Atmosphäre ballert – das einzige, was noch internationale Wirkung hat. Wir heizen mit Siegern. Dafür hätten wir einfach nur die aztekischen Ballspiele gebraucht.

Aber es geht voran, denn inzwischen sind auch die Zuschauer überflüssig. Es darf gehüpft, geturnt und geschwommen werden, ohne dass sich der Pöbel einmischt und an falscher Stelle klatscht. Im lummerländischen TV sieht man vorwiegend die lummerländischen Flummiweitdotzer, der Rest wird im Internet verklappt. Wahrscheinlich könnte man die ganze Sportsache auch noch rückstandsfrei aus der Öffentlichkeit kärchern, dann seiern ein paar larmoyante Berufsirre alle Jahre wieder an einem anderen ökologischen Krisenherd von der Liebe zu Sport und Spiel und lassen den ganzen Krempel von einem elektrischen Garagentor präsentieren. Da weiß man, was man getrost ignorieren kann.





Komplexe Sachverhalte

27 07 2021

Es war später Nachmittag, Siebels musste schon eine Menge schlechten Automatenkaffee gehabt haben. „Bedaure“, murmelte er an seinem Zahnstocher vorbei, „sie wollte den Termin auf jeden Fall noch heute.“ So standen wir etwas verloren an der Pförtnerloge des Studiogeländes und warteten, bis jemand uns durchwinken würde.

Spotzke war noch nicht lange im Sender, und so geschah es tatsächlich, dass Siebels, die graue Eminenz des deutschen Unterhaltungsprogramms, ihm den Weg in die Kantine zeigen musste. „Im Grunde genommen haben wir ja eigentlich nicht nur ein Ziel vor Augen, das wir miteinander verbinden wollen.“ Ich schloss reflexartig die Augen; Siebels musste es, obwohl er hinter mir stand, bemerkt haben. „Kommen Sie zum Punkt“, warf er ein, „Sie hatten uns ja ausführlich mitgeteilt, dass Sie keine Zeit haben.“ Spotzke war verwirrt, wahrscheinlich nicht verwirrter als sonst, aber immerhin sah man es ihm an. „Wie gesagt, wir suchen Experten, und wir hatten gehofft, dass Sie und dabei helfen würden.“

Sein Blick, der mich mehr als deutlich musterte, verhieß nichts Gutes; offenbar hatte mich Siebels nicht ohne Grund mitgenommen. „Sie kennen sich doch mit einigen Sachen aus, hat man mir gesagt.“ Ich wand mich. „Sachen“, brachte ich hervor, „was denn für Sachen?“ „Naja“, säuselte Spotzke, „so Sachen eben – was man im Fernsehen halt braucht für ein interessantes Programm. Politik, Wirtschaft, Verbrechen.“ Siebels runzelte die Stirn. „Die Übergänge sind da ja fließend.“ „Und wie soll ich Ihnen da helfen?“ Spotzke deutete eine leichte Verbeugung an. „Hin und wieder senden wir einen Kommentar“, erläuterte er, „eine Einschätzung zur Lage, kurz: eine Expertenmeinung. Und da hatten wir eben an Sie gedacht.“

Ganz zufällig befand sich ein Mikrofon sowie ein Aufnahmegerät in der Kantine, und wie von ungefähr näherte sich auch eine Tontechnikerin aus der gegenüberliegenden Ecke, als Spotzke ihr zunickte. „Wir wollen doch diese Gelegenheit auch gleich nutzen“, schwafelte er. „Sie könnten uns in ein paar knappen Sätzen die politische Situation beschreiben, in der wir uns gerade befinden.“ Mit so einer präzisen Aufgabenstellung hatte ich nicht gerechnet, deshalb fragte ich noch einmal nach, was genau er sich unter der politische Situation denn vorstellte. „Erklären Sie einfach“, drängte er, „das können wir hinterher dann immer noch schneiden.“ Die Technikerin drehte an zwei Knöpfen und schob einen Regler nach oben. „Die Situation ist aktuell angespannt“, begann ich, „Europa ist auf dem Weg in eine…“ „Bisschen mehr“, zischte Spotzke. „Und bitte!“ „Wir befinden uns aktuell in einer sehr stark angespannten Gesamtsituation, die Europa keinen anderen Weg mehr lässt als eine entschiedene…“ „Nein!“ Er winkte ab. Die Tontechnikerin drückte auf die Pausentaste. „Ich meinte doch nur: etwas lauter, aber ansonsten war es schon ganz gut.“ „Und wenn es nun um Amerika geht, wollen Sie das dann auch senden, wenn es gar nicht dazu passt?“ Er hob beschwichtigend die Hände. „Keine Sorge, wir machen eine Sendung über Deutschland, da passt es auch nicht rein.“

Einige Exkurse später über die angespannte Lage der Wirtschaft sowie diverse internationale Spannungen auf dem Gebiet der internationalen Entspannungspolitik fragte ich nach, wie er sich diese Zusammenarbeit denn nun vorstellen würde. „Wir rufen Sie rechtzeitig an“, versicherte er. „Die moderne Technik würde es auch erlauben, dass Sie von zu Hause aus kommentieren – es sei denn, wir könnten Sie für unseren Fernsehsender gewinnen.“ „Sie schicken dann doch hoffentlich einen genauen Überblick über das Thema“, wandte ich ein. „Wie sonst soll ich komplexe politische Sachverhalte ohne einen Überblick über die Nachrichtenlage…“ Doch er schüttelte den Kopf. „Vergessen Sie das.“ Ich verstand erst nicht. „Zeitung lesen und ab und zu das Radio anschalten, das reicht meistens für die Kommentare aus. Wir sagen ihnen dann Bescheid, ob wir dreißig Sekunden Politik oder zwanzig über die Börsenentwicklung benötigen.“

Siebels beäugte kritisch seinen Kaffeebecher. „Eigentlich“, merkte er an, „hatten Sie ja nur für die Kulturabteilung gesucht.“ Spotzke nickte. „Richtig, da sind die Preise in letzter Zeit auch ein bisschen verrutscht, das heißt, eigentlich zahlen wir da gar nichts mehr.“ Ich wollte mich schon geräuschvoll zum Gehen wenden, da griff er nach meinem Arm. „Wir können es ja mal ausprobieren, der Ton läuft einfach mit. Klavierkonzert von Jorge Kempinski?“ Ich räusperte mich. „Der Solist überzeugte in den Solopassagen durch eindrucksvollen Anschlag.“ Spotzke begann zu strahlen. „Vernissage von Lola Bumsheim.“ „Wo?“ „Galerie Dingsbums“, warf Siebels ein. „Das Werk lebt von seinem nahezu unverstellten Ausdruck.“ Er klatschte in die Hände. „Und nun noch eine neue Ballettinszenierung vom Tanztheater Bad Gnirbtzschen.“ „Die Tanzsprache der Compagnie wird dominiert vom Willen zum eindrucksvollen Ausdruck.“

Siebels hatte es gerade noch verhindern können, dass der Ressortleiter mir um den Hals fiel. So kam ich mit einem nicht besonders lukrativen, dafür aber auch nicht unbedingt anspruchsvollen Nebenjob aus der Sache raus. Vermutlich würde ich schon bald einen Anruf erhalten, um eine Opernpremiere oder einen Erdrutsch zu besprechen. „Ich würde zu gerne wissen, wie dieser Laden bisher Experten besorgt hat.“ Siebels spie das Streichholz im hohen Bogen in den Papierkorb. „Wenn Sie Zeit haben, erzähle ich Ihnen, wie man hier Bundeskanzler wird.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXIII): Wahlplakate

16 07 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Nein, früher war nicht alles besser. Von wem man beherrscht wurde, hing im Wesentlichen davon ab, wer die letzte kriegerische Verteidigung oder Eroberung gewonnen, überlebt oder doch verloren hatte, wer von Feinden, Freunden oder der Familie einen Kopf kürzer gemacht, als Kind auf den Thron gehievt wurde oder alle seine Vorfahren ins Exil beförderte, um dann doch an Pest und Cholera zu sterben, meist mitsamt der kompletten Sippe, was die Einsetzung einer neuen Dynastie nach sich zog. Danach ging das ganze Theater wieder von vorne los, immerhin mit dem erfreulichen Unterschied, dass man sich um nichts mehr kümmern musste. Pharaonen und Könige, Kaiser und Sultane kamen und gingen, irgendwann musste sich das Volk um seine Gebieter selbst kümmern. Hin und wieder übernahm das ein starker Mann, der mit mehr oder weniger zerstörerischer Wirkung auf das Land seine Existenz in die Grütze ritt oder gleich in einem Arbeitsgang beendete. Gemeinhin müssen wir die Popanze aber selbst bestimmen, so fängt das Elend an. Mit dem Wahlplakat.

Intellektuell eher übersichtlich ausgestattete Personen halten den Akt, Gesichter auf Papier zu drucken und sie in die besiedelte Landschaft zu schwiemeln, für eine wichtige Form der Politik, die damit ihre Bereitschaft zur Verantwortung und zur Anerkennung des Wählerurteils demonstriert, alle paar Jahre wieder, in geordneter Form, streng nach Recht und Gesetz. Was da so gesittet vom Karton glotzt, ist für Idealisten immer noch ein Angebot an die Verfassung, dass das Trallala von vorgestern es auch in ein porentief weißes Übermorgen schaffen wird, wenn die Bekloppten weiterhin unkritisch und vielseitig ungebildet aus der Wäsche schauen. Es bedarf keiner Reflexion, die Nullaussagen auf den bunten Abzeichen des Brauchtumsterrors in ihre niedermolekularen Bestandteile zu zerlegen, es wird nur höchst selten unternommen.

Was ist da schon zu sehen außer einer Rotte Flachdachscheitelfressen in preisreduzierten Polyestersäcken, die Motivationsmüll von der Stange unter sich lassen: Wir für Euch – Damit die Zukunft noch besser wird – Mehr Brutto von Ihrem Netto. Die jüngste Vergangenheit, namentlich die, in der die abgebildeten Gesichtsschnitzel sich schon für Steuergeld den Steiß platt gesessen haben, war schlimm, wir als Teil des Problems wiederholen die ganze Scheiße und stopfen uns noch einmal mit Lösungen von damals für Probleme von heute die Penunzen in sämtliche Körperöffnungen. Wählt uns oder lasst es bleiben, Ihr seid uns eh wumpe. Her mit Macht und Kohle, weil eins das andere fördert, und habt Ihr keins von beidem, haltet einfach den Rand. Als Brechmittel von Wahlplakaten zu gucken ist schon widerlich genug.

Selbstredend bleibt auch hier genug Raum für die parteipolitische Auseinandersetzung, die dem mündigen Staatsbürger die Entscheidung erleichtern soll, vulgo: Konkurrenzgehabe in Form verbalen Gerümpels von der großen Halde an Hirnschrott, der sich in jeder ausreichend unterkellerten Birne ansammelt. Mehr Sonnenschein brutto, weniger Steuern auf die Zweitkakerlake, die anderen wollen das Butterbrot verbieten. Man kann und darf sich dem Schmodder nicht entziehen, aber mehr als spontan einsetzenden Ekel vor dem Gewinsel der glitschigen Kriecher entbietet kein Wähler dieser ästhetischen Vollkatastrophe.

Abgesehen von jeder politischen Standortbestimmung stellt sich ohnehin die Frage, ob die Pappnappel nicht zum anachronistischen Sperrmüll verkommen, der außer einer Beleidigung für Geist und Auge nichts mehr zeitigt. Zwei oder drei Sekunden ruht der Blick auf der verfetteten Kröte, die für uns eine Legislatur lang den Hohlkopf in den Sand stecken will, damit wir nur noch seine relevanten Körperteile zur Kenntnis nehme müssen. Zum Wegsehen reicht da auch das Internet, zum Wegschalten das dümmliche Gesülz und Geseier im TV zwischen zwei Werbungen für Inkontinenz- und Darmentleerungszubehör. Wir wissen sowieso, wer was verschweigt, weil dazu die Kalotte zu viel Dünnluft enthält, und wer seit Generationen mit perpetuierendem Mist seine Peinlichkeit untermauert. Nachhaltiger wäre ein Wahlplakat pro Partei, auf dem stünde, dass sie das sagen, was sie schon immer gesagt haben: dass sie immer schon gesagt haben. Noch nachhaltiger wäre nur die Erinnerung an die jeweils letzte Kampagne, deren beknacktes Geschwall zum nochmaligen Gebrauch empfohlen wird. Wozu neuer Wein, wenn die alten Schläuche eh aus Löchern bestehen.

Immerhin befriedigt das Wahlplakat den Instinkt des zurechnungsfähigen Staatsbürgers, dass es den braven Arbeitsmenschen irgendwo noch gibt, der in seinem Interesse und zur Befriedigung seiner tiefen Sehnsucht Politiker an einem Laternenpfahl in die Höhe zieht, während er straffrei zusehen darf, ohne Verfehlung alles geschehen lassen kann und nicht einmal durch Unterlassen sich schuldig macht. Der Wähler hat die Freiheit, die sinnfreien Objekte der Verschandelung des öffentlichen Raums komplett zu ignorieren. Dafür lohnt sich Demokratie.





Gewaltverzicht

14 07 2021

„Der Mann ist auf einer Backe doof, aber er ist immerhin Bundesminister, und wenn Herr Altmaier sagt, dass das in der Zeitung stehen soll, dann steht das in der Zeitung. Wir leben in einer Demokratie, hier kann nicht jeder einfach machen, was er will.

Im Fernsehen hätten Sie auch ab und zu mal Werbeunterbrechungen, warum soll Ihnen das im Printjournalismus besser gehen? Das Internet ist ja auch mit Werbung vollgepflastert, also wozu muss man dann auf Berichterstattung verzichten, wenn ein wichtiges deutsches Unternehmen an die Börse geht und viele Aktien verkaufen kann, mit denen die Bürger ihre demnächst wegbrechenden Renten ersetzen sollen? Die Presse hat nun einmal ausgewogen zu berichten – ich verbitte mir hier irgendwelche Scherze im Zusammenhang mit dem Bundeswirtschaftsminister, wir haben hier immer noch die Meinungsfreiheit, aber ich bin Ihr Chef – und das heißt auch, dass Sie sich an die Vorschriften halten, was journalistische Beiträge angeht. Es ist nicht erwünscht, dass Sie einseitig diffamierende Artikel veröffentlichen, klar? Wir reden hier nicht über Menschenrechte, wir reden über die deutsche Wirtschaft. Die hat mit dem Grundgesetz überhaupt nichts am Hut.

Es ist doch jetzt schon kompliziert genug, als Bundeswirtschaftsminister irgendwas mitzukriegen, was in diesem Ministerium passiert. Da müsste man nicht nur Ahnung von Ministerien haben, sondern auch von Wirtschaft. Sehen Sie sich mal den Merz an, der kennt die alle, die Wirtschaftsbosse. Der legt deren Kohle auf anonymen Nummernkonten an und weiß bei jedem, wofür er ihn jahrelang in den Knast bringen kann. So macht man das. Nicht umgekehrt.

Deshalb eben die Disziplinierung der Presse zu sachlicher, richtiger und vollständiger Information. Es geht nicht darum, dass ein Unternehmen seine Gewinne aus Insidergeschäften zieht oder sein Startkapital aus Kinderhandel geholt hat. Das kann man alles schreiben, wenn man Platz hat. Es muss eben sachlich sein, richtig und vollständig, und der Kunde hat ein Anrecht auf weiche Faktoren, ist das klar? Der Kunde soll wissen, dass die Angestellten auf roten Kunststoffstühlen sitzen und dass es in der Kantine zweimal die Woche Pizza gibt. Dass die ein Sportprogramm für Teilzeitkräfte haben und eine Sauna für den Vorstand. Elektroautos, Dienstroller, den ganzen Scheiß, und wenn dann irgendwann der Platz weg ist, dann überlegen Sie noch mal, ob das wichtig ist, dass die solange keine Steuern gezahlt haben, bis es verjährt war. Das will keine Sau mehr wissen. Ist das so schwierig?

Es ist eben mit einem enormen Verlust an Vertrauen und Umsatzsteigerungen verbunden, wenn man ständig negativ über jemanden berichtet. Denken Sie nur an den Bundesverkehrsminister – gut, viel Vertrauen war da nie, aber seine Berater haben eine Menge Umsatz gemacht, und das hat die Wirtschaft doch nun wirklich nicht verdient, dass man das schlechtredet. Stellen Sie sich mal vor, an der Börse hätte jemand gewettet, dass Herr Scheuer deshalb zurücktreten müsste. Da hätten Leute ihr Geld verlieren können – also nicht Ihr Geld, aber letztlich weiß man das auch nie – und das wäre ein ungeheurer Vorgang gewesen, weil da in den Markt eingegriffen worden wäre. Pressefreiheit ist ein herausragendes Grundrecht, zu dessen Schutz wir alle verpflichtet sind. Aber was braucht denn der Bürger mehr, eine Presse, die einfach schreibt, was ihr in den Kram passt, oder eine funktionierende Wirtschaft?

Sie sollten froh sein, dass Sie noch in einem so freien Land leben dürfen. Also dass das Land, in dem Sie leben, noch so frei ist. Anderswo wird der Journalistenberuf nicht eingeschränkt, da wird man als Journalist gleich massakriert. Und jetzt dürfen Sie gerne noch mal überlegen, was Ihnen lieber ist, eine gesetzlose Bande von Kriminellen oder ein Staat, der extra für diesen Zweck einen Erlass hat, damit alles nach Recht und Gesetz ablaufen kann. Wie Sie Ihren Beruf als Vierte Gewalt auffassen. Und ob wir in einer marktkonformen Demokratie nicht alle auch etwas für mehr Gewaltverzicht tun könnten.

Journalismus lebt eben von unterschiedlichen Meinungen, und wenn man die Energiekonzerne zu Kohleabbau und Klimawandel fragt, wird man ein viel differenzierteres Bild haben als nur mit diesen ganzen Wissenschaftlern, die noch nie einen einzigen Wald abgeholzt haben. Deshalb sitzen jetzt auch die Energiekonzerne im Rundfunkbeirat, die Neonazis und die Homophoben, die eben auch eine Schnittmenge aus der Gesellschaft abbilden. Diese vielen Politmagazine, die im Fernsehen gezeigt werden, die will doch nur ein Bruchteil der Bürger sehen. Außerdem kommen die immer viel zu spät, und dann gibt’s auf dem anderen Sender Fußball oder eine Naturdoku aus ehemals reichsdeutschen Gauen. So kann man ein Publikum natürlich auch von seinen eigenen Wurzeln entfremden. Aber diese Absicht, das ganze Volk linksgrün gleichzuschalten, das machen Sie als zuverlässiger Journalist für unseren Zeitungsverlag doch sicherlich gar nicht erst mit, oder sollte ich mich da getäuscht haben?

Sehen Sie, ich wusste doch, dass man sich auf Sie verlassen kann. Im Grunde wollen wir doch alle dasselbe: ein diszipliniertes Volk, das sich der vollständigen Deregulierung der kapitalistischen Konzerne nicht in den Weg stellt, weil es seiner Regierung einfach vertraut. Schreiben Sie das mal, das mit dem Vertrauen. Bis morgen. Und wenn Sie schon mal dabei sind, ich warte immer noch auf Ihren Antrag auf Gesinnungsprüfung.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXII): Überwachungskapitalismus

9 07 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Das Unterbewusstsein ist ein lustig Ding, hin und wieder gaukelt es uns vor, wir besäßen einen freien Willen. Natürlich ist uns längst klar, dass wir von unseren Trieben durch eine komplexe Welt dirigiert werden, die sich unserem Geist und damit lediglich einem sehr kleinen Teil von uns erschließt. Ist es da nicht verhältnismäßig logisch, dass wir versuchen, dieses Steuerungsmodell auf eine ganze Gesellschaft zu übertragen, um die zielsicher am Gängelband zu führen, die ohnehin nicht viel Geist mitbringen, um ihre Rolle als Objekt der Begierde zu begreifen? Das spätkapitalistische Menschenbild hat sich eine ganze Population untertan gemacht, um sie notfalls auch gegen ihren Willen glücklich zu machen mit den Segnungen von Konsum und Sicherheit. Mit dem Überwachungskapitalismus ist das Paradies auf Erden endlich erreicht.

Oder auch nicht. Sicherheit, das hat uns die zwangsgestörte Staatlichkeit der angeblich liberalen Welt exzessiv in die Hirnrinde geschwiemelt, ist nur durch ständige Kontrolle zu gewährleisten, und den besten Schutz bietet vorausschauender Zwang. Um das Verbrechen zu bekämpfen, wenn man keine Gedanken lesen kann, hilft nur die Beobachtung der Willensäußerungen, aus denen sich mit Hilfe von Algorithmen der Inhalt der Black Box extrapolieren lässt – wobei Observieren und Abservieren fließend ineinander übergehen. Die Hölle sind wir selbst, aber wir haben keine Chance, sie erträglicher zu machen, weil wir eine Art der Sklaverei gegen eine andere nur austauschen können, wo wir genügend Bonuspunkte gesammelt haben. Das ist das falsche Leben im richtigen.

Was bereits als soziale Dressur taugt, kann auch im Wettbewerb nicht verkehrt sein. Hin und wieder in die Lebenswirklichkeit der Probanden, vulgo: Verbraucher einzugreifen ist legitim, wenn es dem Markt stetiges Wachstum sichert – um Sicherheit geht es ja, und wer will schon beschränken, ob es immer nur staatliche ist. Oder Sicherheit vor dem Hominiden, der in seiner intellektuellen Ausstattung plötzlich die Schalter für Denken, Widerspruch und Verweigerung entdeckt, bevor man sie ausknipsen konnte. Oder ihn. Je mehr sichere Aussagen über das dynamische Verhalten eines Versuchsmenschen vorhanden sind, desto besser wird er sich steuern lassen, wie ein Insekt im Laborkasten, das nur noch seinem Instinkt folgt, weil andere Einflüsse fehlen.

Wie in einer Gated Community alle schädlichen Außenreize ausgeschaltet werden, damit innen der himmlische Frieden herrscht, beobachten uns im Idealexperiment die Sensoren einer Maschinerie in einem mit Reiz-Reaktions-Mechanik ausgestatteten Käfig, beispielsweise mit einem lernfähigen Gerät, das die Temperaturschwankungen misst, die von der Anwesenheit eines Menschen ausgehen. Je nach Muster erhebt sich die Person aus dem Bett, betritt erst die Nasszelle oder bereitet ein Heißgetränk zu – der Apparat gibt die Reihenfolge, ihre Tempi und Schwankungen an die Datenhalde weiter, die bald Beleuchtungs- und Heizungsbedarf in den weiteren Zimmern vorausberechnet, die Vorräte checkt und in vorauseilendem Befehlston nachbestellt. Das Ding schlägt uns nicht vor, schneller an die Arbeit zu gehen, weil in der Dusche das Wasser langsam kälter wird, es triggert nur unsere Unlust, die sich allmählich in eine emotional unterfütterte rationale Verhaltenswahl hineinsteigert. Zunächst wird es nur der Kühlschrank sein, der sich im Netz der Dinge selbst auffüllt, irgendwann ist es ein Angebot, das der Kunde gar nicht bestellt hat, und ob er sich nun daran gewöhnt oder nicht, es bleibt auf der Liste der zu konsumierenden Produkte. Es wird sich steigern, denn dazu sind Mechanismen da, und was aus der Reaktion auf das Empfehlungsmarketing lesbar ist, wird uns nicht einmal nach langer Analyse klar. Mit der Kontrolle der Informationsinfrastrukturen, die ähnlich wie die Metadaten wichtiger sind als der eigentliche Inhalt, kapern sich technische Systeme Macht über die Masse, die sie nach Belieben durch Werbung, Propaganda, Willensbeeinflussung und Auswahlbeschränkung in jede beliebige Ecke ihres kleinen Stübchens namens Freiheit lotsen kann. Das Verhaltensexperiment sind wir, unsere Freiheit ist, dass wir es nicht bemerken wollen.

Es gibt keine künstliche Intelligenz, die den Musikgeschmack, Veränderungen im Hautbild oder Schrittfrequenzen genau genug zergliedern könnte, um Terrorgefahr auszuschließen oder den Wunsch, sich doch keinen neuen SUV zu kaufen – beides für sich gemeinschädliches Verhalten, wenn man nicht gerade Kriegswaffen herstellt. Also so wird der Algorithmus Korrelation als Kausalität werten, da 0,3% der blauäugigen Veganer nach zweimaligen Herzrhythmusstörungen zu Straftaten neigen, und da ist es allemal besser, einen mehr zu beseitigen als statistisch notwendig. Oder zwei. Oder alle. Für eine sichere Gesellschaft darf es keine Denkverbote geben, wenn sie den Gewinn nicht destabilisieren.

Interessant wird es, wenn die marktkonforme Postdemokratie feststellt, dass sich beide Sphären deckungsgleich aufeinander abbilden lassen; wird allgemein akzeptiert, dass Politik das ist, was die Wirtschaft ihr an Raum lässt, und Wirtschaft der reine Daseinszweck der Dienstboten im politischen Geschäft, so wird es gar keinen Anspruch mehr auf Freiheit geben, auf Wissen, Recht oder Leben. Die Mechanik der Verhaltenssteuerung annektiert die politischen Räume und hat bald kein Problem mehr damit, alles auszulöschen, was ihren Börsenwert dämpfen könnte, alle Prognosen gewinnen mit zunehmender Datenmenge an Verlässlichkeit, und wir werden es normal finden: die Kamera auf dem Klo, die zwei Wochen vor der Krebsdiagnose das Ergebnis an die Krankenkasse und den Arbeitgeber schickt, einen Präsidenten, der im TV Dosenbohnen anpreist, und dieses pelzige Gefühl beim Nachbarn, der im Treppenhaus immer so freundlich grüßt. Er hat offensichtlich nichts zu verbergen. Verdächtiger geht’s ja gar nicht.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXX): Doomscrolling

25 06 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wir entrinnen ihnen nicht, denn sie sind da. Sie sind überall. Wir können die Augen und die Ohren verschließen, aber nicht vor ihnen. Sie haben sich längst von Raum und Zeit gelöst, indem sie etwas definiert haben, was ohne Zeit und Raum ist, mehr noch: was uns Raum und Zeit nimmt. Es sind die Informationen, Nachrichten, Fakten, aus denen wir auf selbst gewählten Kanälen beschossen werden, geflutet, erschlagen – je mehr wir von ihnen in die Synapsen gedrückt bekommen, desto mehr wollen wir auch haben. Es nimmt kein Ende, das wissen wir, und deshalb ist auch kein Ende in Sicht. Was in unserer Weltsicht, die nun einmal von Katastrophen globalen Ausmaßes geprägt sein muss, nur auf eine Übersättigung mit Desastern hinauslaufen kann. Wir haben alles, darum wollen wir mehr. Wir sind knietief im Doomscrolling.

Das digitale Endgerät und die Plattform unseres Vertrauens haben die News sorgfältig sortiert und aufbereitet. Klimawandel, Delta-Variante, es wird präzise in unsere Hirnrinde geschwiemelt, wo sich derselbe Dreck schon in Überdosis befindet. Dort lagert sich der minimal variierte Schrecken an, der alsbald nachwächst: alle paar Sekunden ein neuer Tweet, alle paar Minuten ein neuer Feed, gerade noch gelesen, jetzt schon veraltet. Aus Angst, die jeweils aktuelle Eskalationsstufe zu verpassen, nehmen wir die Angst vor allem anderen in Kauf. Und auf was wäre unser Leben besser konditioniert als auf die grassierende Angstlust.

Der klassische Fall, sich ein Horrorszenario zu zimmern, besteht ja immer noch daraus, beliebige Symptome in die Suchmaschine zu schmeißen, um die tödlichste Krankheit der Welt an sich selbst zu diagnostizieren. Ohrensausen, Zehenschweiß und Schluckauf: mit Sicherheit ein letaler Wurmbiss, seit gut zweitausend Jahren nicht mehr aufgetreten und daher therapieresistent wie der Dachschaden bei einem Querschwurbler. Gut, dass man’s vorher weiß, so macht sich immerhin der evolutionäre Nutzen der Gruselsucht bezahlt – je mehr man die Gefahren der Umwelt erforscht, desto weniger tödlich können sie sein, das Versterben am reinen Schock einmal ausgenommen. Wir kommen dem denkbar nah durch die Jagd nach dem Stress, der in der untergangsfixierten Jagd nach dem Thrill steckt.

Die optimierungsgestählte Gesellschaft der Facedowner, die ohne ihren Taschen-Rechner kaum zum Latte-macchiato-Laden fände, sie kann schon gar nicht mehr anders, als wenigstens einen kleinen Vorsprung mit dem Daumen herauszuschubbern, wozu auch immer. Die medial gut betankte, sonst aber vorwiegend an die Selbstisolation gewöhnte Generation der Paralleluniversalgenies braucht gar keinen Planeten mehr, der um sie herum untergeht, sie erledigen das online. Was sie im Konsumismus gelernt haben, das sinnfreie Anhäufen immer größer wachsender Quantitäten unter stetiger Ignoranz der Inhalte, übertragen sie bräsig in ihre verzwergte Bildschirmexistenz. Da drinnen hört einen niemand schreien. Was ja nicht einmal schlecht ist.

Wohlmeinende Therapeuten bieten allerlei Rat, was man in der Spirale der Nullinformation tun könne: das Telefon nach zehn Minuten weglegen, nur zweimal am Tag die Schlagzeilen checken, die wichtigsten Meldungen nur aus einer Quelle holen, am besten den Schmodder in der Zeitung lesen und gleich darauf alles vergessen. Das aber gliche dem Versuch, einen Säufer mit Weinbrandbohnen in den Entzug zu schicken. Keine Prokrastination ist mit guten Worten zu bekämpfen, erst recht keine, die ihre Zeit- zur Sinnvernichtung ausbaut. Ist unser Hirn längst zu einem Filter mutiert, der nur noch den Schmutz durchlässt, so erklärt dies auch die Sogwirkung der Verschwörungsmythen, die in den Flusenlutschern reichlich Hohlräume zum Siedeln finden. Dem limbischen System ist es wumpe, was seine Belohnungsknöpfe drückt, und so ballern wir uns im Stakkato das hundertste Armageddon in die Birne, weil es auf echtes Informationsbedürfnis ja mitnichten ankommt. Wozu auch, der Stand des Wissens ändert sich permanent.

Wen wundert es da noch, dass im Rieselfeld des Grauengelabers allmählich die Vernunft über Bord geht. Der Bekloppte, der kritiklos jeden Müll glaubt und sich obsessiv damit zuschüttet, wird auch als erstes die relativierende Kraft der Wissenschaft mit falscher Skepsis von sich weisen, bevor er sie als Störsignal auszuschalten versucht. Schrecken ohne Ende, mehr will er nicht. Medial triggert dies die end- und ordnungslose Timeline, die von seicht bis übel gestörten Dummklumpen schreiend gekapert wird und rationale Botschaften ins Grundrauschen zurückdrängt. Wie jede Lust Ewigkeit will, wird die zwanghafte Verstopfung mit schlechten Neuigkeiten nur dann gestoppt, wenn das Mobildingsi die Grätsche macht, das Internet sich verabschiedet oder der Schlaf einsetzt.

Geht es uns nur beschissen, weil wir so viele miese Nachrichten vorgesetzt bekommen, oder lesen wir sie so triebgesteuert, weil es uns eh schon lausig geht? Die Antwort wird viele überraschen, aber keinen zufriedenstellen. Und niemand wird sich darüber freuen. Wie schön.





Strahlenatome

28 04 2021

„Halten Sie Ihren Ausweis bereit.“ Siebels schmiss den Plastikbecher in den Papierkorb vor dem Eingang und klingelte an der Pforte. Ein Surren kündigte den Türöffner an. Wir betraten die Anstalt und gingen auf die Pförtnerloge zu. Der Mann mit der Schirmmütze winkte uns mit einer müden Handbewegung durch. Das also war es.

Ich sah mich um. „Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt“, bekannte ich. „Vermutlich mit vielen schweren Türen und vergitterten Fenstern“, knurrte der Fernsehmacher. „Sie verwechseln es mit einem Gefängnis, aber da sitzen ausschließlich geistig gesunde Menschen.“ Er hatte ja recht. In dieser geschlossenen Abteilung bewahrte man die schweren Fälle auf. Vollkommen friedlich saßen zwei Männer in der Sonne, während eine Frau an der Mauer entlang spazierte. Unvermittelt stand die Leiterin vor uns. „Sie sind pünktlich“, stellte sie fest. „Das weiß ich zu schätzen, wir haben hier alle Hände voll zu tun mit unseren Patienten.“

Sie führte uns nach unten in den Innenhof, der auf dem Niveau des Kellergeschosses angelegt war. „Seien Sie bitte vorsichtig“, riet sie. „Man sieht ihnen nicht unbedingt an, ob sie gerade einen Schub haben.“ Jetzt fiel uns auf, dass einer der Insassen eine Taucherbrille trug. „Herr Kistner“, mahnte die Ärztin, „Sie haben schon wieder Ihren Mundschutz nicht korrekt angelegt.“ Der Angesprochene sprang auf. „Sie haben die Strahlung angestellt“, schrie er. „Da kommen Strahlenatome aus der Maske, die für die Fernsteuerung programmiert sind.“ „Einer unserer leichten Fälle“, bestätigte die Leiterin. Ich stutzte. „Es gibt hier keine großen Überraschungen, bei ihm wissen wir immer, was er sagt.“ „Sie will mich fernsteuern“, kreischte Kistner. „Dafür zahlt der Stromminister von China hundert Milliarden pro Atom!“ „Gut“, meinte Siebels. „Ich weiß noch nicht, ob wir damit arbeiten können, aber ich kann mir wenigstens schon mal einen Eindruck über Ihre Einrichtung verschaffen.“

Während die Leiterin den immer noch tobenden Kistner zu beruhigen versuchte, gingen wir in den Hofgarten hinein. „Würden Sie mir vielleicht auch verraten, was wir hier gerade suchen?“ „Nur die Ruhe“, antwortete Siebels. „Wir sind ja gerade erst angekommen.“ Und er ging weiter, bis er an der Mauer angelangt war. Die Frau hatte sich auf eine Bank gesetzt und blickte in den Himmel. „Es gibt im Augenblick nur Tarnflugzeuge“, sagte sie. „Die anderen hat Merkel verbieten lassen, weil sonst die Verträge mit dem Islam ungültig sind.“ „Sehr gut“, frohlockte Siebels. „Sehr gut, damit können wir arbeiten. Kommen Sie, es lohnt sich.“ Die Leiterin hatte noch immer genug mit dem schreienden Mann zu tun, ich setzte mich auf die Bank gegenüber. „Die Wolken werden jetzt einzeln ionisiert durch Geschwindigkeitsaufladung“, sagte die Patientin. „Dann können die Chemtrails von alleine bis nach Afrika ziehen.“ „Interessant“, meinte Siebels. „Sie glauben mir nicht“, argwöhnte sie. „Dabei haben Sie sich damit vorher noch nie beschäftigt und wissen wahrscheinlich auch nicht, dass es diese Megasäuren nur gibt, weil Merkel sie im Islam hat entwickeln lassen.“ Siebels räusperte sich. „Was ich noch nicht ganz verstehe, wenn es nur noch diese unsichtbaren Flugzeuge gibt, warum hat man sie nicht schon viel früher eingesetzt? Dann wäre doch der Plan nie rausgekommen.“ Sie sagte nichts. Die Leiterin kam herüber. „Regen Sie Frau Trischke bitte nicht zu sehr auf.“ Siebels musterte die Dame. Sie dachte offenbar gerade angestrengt nach. „Das Geld musste ja erst gestohlen werden“, gab sie zurück. „Dazu haben sie Corona erfunden, Merkel und die Islamiker, und dann werden von denen, die im Krankenhaus sind, die Wohnungen durchsucht und das Geld gestohlen, und jetzt gibt es allein in Berlin hunderttausend unsichtbare Flugzeuge.“ „Es reicht jetzt“, drängte die Leiterin. „Sie ist sonst den ganzen Abend wieder so unruhig.“

Siebels ging noch ein bisschen durch den Garten und sah sich den Springbrunnen in der Mitte an, der leise vor sich hin plätscherte. „Jetzt sagen Sie mir bitte, was Sie hier suchen.“ „Experten“, sagte er. „Keine Talkshow ohne Experten, das wissen Sie dich genau so gut wie ich – nur, dass wir das ein neu interpretieren werden.“ Ich war verwirrt. „Sie wollen diese Wahnsinnigen allen Ernstes in ein Fernsehstudio mit Politikern und Wissenschaftlern setzen?“ Siebels nickte. „Als Betroffene.“ Ich verstand überhaupt nichts mehr. „Schauen Sie“, sprach er. „In einer Sendung über Rassismus fällt den Produzenten nichts Besseres ein, als einen Nazi in die Diskussionsrunde zu setzen. Geht es um den Pflegenotstand, holen sie eine Aktionärsarschgeige, die gerade als Gesundheitsminister versagt. Wir werden in den kommenden Wochen noch genug Formate haben, in denen die explodierenden Zahlen der dritten, fünften, dreizehnten Welle durchgekaut werden.“ „Und Sie wollen jetzt…“ Er nickte. „Wir setzen Frau Trischke ins Studio und lassen sie in aller Ruhe ihren hirnverbrannten Blödsinn reden. Viel hirnverbrannter als ein CDU-Kanzlerkandidat kann man nicht sein, und vielleicht öffnet genau das den Zuschauern die Augen.“

Er besprach noch etwas mit der Leiterin, machte sich eine kleine Notiz und blickte dann auf die Uhr. Dann verabschiedete er sich und ging wieder herauf ins Erdgeschoss. Siebels machte einen durchaus zufriedenen Eindruck. „Einen Abend pro Woche“, verkündete er. „Dafür bekommen wir sie auch exklusiv.“ Und er lief auf den Eingangsbereich zu, wo der Pförtner zwei Finger an den Rand seiner Schirmmütze legte und uns müde zulächelte. Was hatte er nicht alles schon gesehen.





Banale Grande

1 03 2021

„… plane die Mittelstandsvereinigung der CDU die Fusionierung der Sendeanstalten ARD und ZDF. Ziel der Maßnahmen sei ein demokratisches Medium, wie es nur aus einer Hand für die…“

„… dass es viele redundante Strukturen in den Landesanstalten gebe. So wolle die Autorengruppe aus Medienfachleuten und CDU-Hinterbänklern durch die Abschaffung der Funkhäuser einen großen Beitrag zur tatsächlichen Einheit der Bundesrepublik leisten und werde damit den Erfolg einer unionsgeführten Regierung nochmals…“

„… keine Nähe zu rechtskonservativen Parteien herstelle. Nur weil die Mittelstandsvereinigung der Union genau wie die AfD ein von Steuergeldern finanziertes Fernsehen, dessen Anspruch es sei, Deutschland vor den Augen der Weltöffentlichkeit in den Dreck zu ziehen, konsequent ablehne, sei man noch lange keine rechtskonservative oder…“

„… eine Abschaffung des BR weder jetzt noch zu einem späteren Zeitpunkt zur Debatte stehe. Söder habe den Vorsitzenden als Riesenstaatsmann Linnemann tituliert und werde ihn genau wie bisher vollständig ignorieren, da er keine Einmischung in innerbayerisch…“

„… werde der Vorschlag der Autorengruppe die regionale Vielfalt in den deutschen Medien eher noch verstärken. Es stehe den Zeitungsverlagen beispielsweise frei, länderspezifische Angebote im Internet zu publizieren und damit eine subjektiv auftretende Lücke wieder zu…“

„… sich Linnemann gegen die seiner Meinung nach linksextremistische Kritik an den Plänen der MIT verwahre. Er werde von den Medien immer nur dass zitiert, wenn er Inhalte vertrete, die sich im Nachhinein als untauglich oder…“

„… werfe der CDU-Club den Sendern zu große Staatsnähe vor. Eine einzige Anstalt könne sich viel besser auf Ihre Hauptaufgabe einer unabhängigen Berichterstattung konzentrieren, statt in vielen untereinander vernetzten Landesbehörden die…“

„… müsse auch das Unterhaltungsprogramm in den GEZ-Medien deutlich zurückgefahren werden. Die Zukunft gehöre vor allem der politischen Bildung, die nur durch tägliche Vorträge führender Mitglieder z.B. der Union über die wichtigsten Themen der…“

„… verstehe die ARD sich inzwischen als Servicesender militanter Chaoten, die deutschen Omas das Motorradfahren im eigenen Hühnerstall verbieten wollten. Die Mittelstandsvereinigung werde mit diesem Kreuzzug gegen die nationale Leitkultur ein für allemal…“

„… könne man auf diese Weise die Anzahl der Sender halbieren, die durch ihre linksextremistische Hetzpropaganda unter dem Deckmantel eines politisch unabhängigen Journalismus Maßnahmen wie ein Lobbyregister oder einen gesetzlich verordneten Generalverdacht gegen Polizisten und Angehörige der…“

„… dass die CDU-Vereinigung den Sendern eine zu große Staatsferne ankreide. Nur durch die Konzentration in einem Medienamt sei die korrekte Berichterstattung aller von einer unionsgeführten Regierung ausgegebenen Denkanstöße für…“

„… auch auf gute Traditionen im deutschen Fernsehen zurückblicke. Man werde mit einer stündlich wiederkehrenden Nachrichtensendung mit dem Arbeitstitel Aktuelle Kamera alle Bedürfnisse der Union nach Information für das deutsche Publikum…“

„… den Fachkräftemangel in der Pflege durch den Abbau überflüssiger Arbeitsplätze oder die Umwandlung in Selbstständigenverhältnisse sehr schnell und effizient beheben werde. So könne die Mittelstandsvereinigung durch die Gleichschaltung ineffizienter Strukturen einen guten Weg im…“

„… habe sich Linnemann beschwert, dass die Staatsfunkmedien seine Thesen sofort auf allen Sendern wiedergegeben hätten, statt ihn und die CDU vorher um Erlaubnis zu…“

„… Schwierigkeiten sehe, dass Unionspolitiker das Niveau ihrer Nebeneinkünfte halten könnten. Mit der Konzentration auf nur noch einen Sender, der maximal sechs Stunden Talkshow im Programm führe, werde es einen gnadenlosen Kampf ums…“

„… die Ausgabenseite deutlich herunterfahren werde. Vorbild für neue Nachrichtenformate könnte beispielsweise der in der Volksrepublik Korea seit vielen Jahrzehnten ohne Kritik von Zuschauern und Regierung laufende…“

„… es überhaupt keinen Grund gebe, die Mittelstandsvereinigung für ihren Vorschlag zur Fusionierung zweier öffentlich-rechtlicher Anstalten zu kritisieren. Zwar habe der gesamte Prozess nichts mit dem Mittelstand zu tun, auf der anderen Seite besitze der CDU-Verband auch weder in wirtschaftlichen noch auf staatsrechtlichem…“

„… dass auf Jahre hinaus keine Änderung der finanziellen Ausstattung möglich sei, da viele Mitarbeiter auch bei Kündigung noch erhebliche Rentenansprüche besäßen. Die Union sei in diesem Punkt offen, die Regierungsverantwortung für zwei bis drei Legislaturen an die SPD abzugeben, um das Thema nicht selbst im…“

„… sich seit drei Tagen in der Gewalt der Helene Fischer Ultras befinde. Sollte die Mittelstandsvereinigung der Union nicht sofort die Fortführung der Weihnachtsshows im deutschen Fernsehen verkünden, werde man nach Linnemanns Ohren, einem kleinen Finger und dem Blinddarm auch seinen…“





Neuartige Viren

22 02 2021

„… eine Lizenz für die Gesamtausgabe des Brockhaus erworben habe. Diese könne allen Schülerinnen und Schülern in Nordrhein-Westfalen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, um den Unterricht noch besser zu…“

„… nur im Präsenzunterricht geleistet werden könne. Zu Hause seien Eltern mit pädagogischer Unterstützung ihrer Kinder überfordert und müssten ihre Arbeitsleistung einschränke, was zu…“

„… die Nutzungsgebühr 2,6 Millionen Euro für insgesamt drei Jahre betrage. Gebauer gehe davon aus, dass angesichts ihrer politischen Maßnahmen die Pandemie nicht vorher, sondern eher noch…“

„… seien Klassenräume viel größer als ein durchschnittliches Wohn- oder Arbeitszimmer, was ein effektiveres Lüften ermögliche. Laschet fürchte erhebliche gesundheitliche Einschränkungen bei Schülern, die eine spätere Berufsausbildung…“

„… nicht auf häuslichen Computern genutzt werden könne. Die Lizenzbedingungen würden voraussetzen, dass der Zugang ausschließlich auf den Schulrechnern gewährt würde, um keine private Nutzung durch unbefugte Dritte oder Schüler aus anderen Bundesländern, die nicht von…“

„… nicht vorab auf ihre Funktionsfähigkeit getestet habe. Gebauer wisse nicht, wie man einen Computer anschalte, dies erledige ein Mitarbeiter für sie, der sonst mit Reinigungsaufgaben oder…“

„… eine zusätzliche Zugangssoftware erfordere, die aus rechtlichen Gründen allerdings nur von den Lehrern der jeweiligen Schule installiert werden dürfe. Bertelsmann als Lizenzgeber habe andere IT-Mitarbeiter oder Schüler mit Computerkenntnissen abgelehnt, da dies vertraglich ausgehandelt und…“

„… habe die Landesregierung schon so viel in die Enzyklopädie investiert, dass man nicht nach Belieben Luftfilteranlagen kaufen könne, wie sie im Landtag von Nordrhein-Westfalen oder den…“

„… es nicht ausreichend Computer für alle Schülerinnen und Schüler in NRW gebe, so dass das digitale Nachschlagewerk gar nicht in vollem Umfang nutzbar sei. Gebauer habe allerdings darauf hingewiesen, dass es auch nicht ausreichend Lexika für alle Schulen gebe, so dass ihr Lizenzkauf einen riesigen Schritt in Richtung Digitalisierung der…“

„… an anderer Stelle Sparmaßnahmen in den Schulen vornehmen müsse. Die Landesregierung habe angeregt, das für Lehrkräfte erforderliche Diensthandy durch Dosentelefone zu ersetzen, die der Sohn des Ministerpräsidenten in großer Menge für einen Verkaufspreis von nur…“

„… die Anschaffung zusätzlicher Rechner ein weiteres haushaltsrechtliches Problem darstellen würden. Auch bei einer kostenneutralen Lösung dürfe nur die bisher nutzbare Anzahl an Computern auch genutzt werden, da Gebauer die Lizenz für eine definierte Anzahl an Arbeitsplätzen, die bis zum 1. April 2021 angemeldet worden seien, sowie zwei bis drei für das Ministerium…“

„… sich eine Offline-Ausgabe des Brockhaus in zahlreichen öffentlichen Bibliotheken befinde, so dass auch in den Ferien oder für die unteren Klassenstufen eine ausreichende Versorgung mit…“

„… die Passwortherausgabe nicht geregelt sei. So dürfe ein Schüler zwar bei nicht ausreichender Zahl an Computern im Unterrichtsraum bei anderen mit auf den Bildschirm schauen, beim Vergessen des eigenen Passworts werte Bertelsmann dies als widerrechtliche Nutzung und werde Bußgelder in Höhe von mehreren tausend…“

„… zu theoretisch sei. Laschet habe im Kabinett eine rasche Reform der Lehrpläne angeregt, um die praktischen Anteile der Schulausbildung durch neue Unterrichtsfächer wie Küchenbau oder…“

„… im Falle eines erneuten Shutdowns nicht die Rechner in die häusliche Umgebung der Schüler transportieren dürfe, da die mit Bertelsmann verhandelten Nutzungsbestimmungen dies nicht…“

„… reiche es nach Ansicht Laschets völlig aus, die Fenster auf dem Computer regelmäßig zu schließen und neu zu öffnen, ohne die Kosten für Luftfilteranlagen in allen Klassenräumen zu…“

„… einfach vergessen habe. Ohne Funktionen wie Kopieren und Drucken von Inhalten der digitalen Enzyklopädie sei beispielsweise die Übernahme in Arbeitsblätter oder Referate nicht möglich. Da Gebauer davon ausgegangen sei, dass Schüler Bildschirminhalte lieber handschriftlich notieren würden, sei dies im Lizenzvertrag nicht…“

„… wolle das Kultusministerium Pädagogen die Unterrichtsvorbereitung erleichtern. Wie das Büro der Ressortleiterin mitgeteilt habe, werde man in vielen Schulen Tablets als Leihgeräte zur Verfügung stellen, mit denen sich Lehrer in den Ferien oder am Wochenende mit einer DVD-Ausgabe der…“

„… nach den ersten Testläufen immerhin gut verlaufe, auch wenn das Umblättern der Seiten mehrere Minuten in Anspruch nehme. Das nordrhein-westfälische Kultusministerium weise in diesem Zusammenhang jede Kritik an Bertelsmann zurück, da sich dieser technische Mangel durch die geringe Ausstattung an Arbeitsspeicher auf den Schulcomputern ergebe, für die man mehrere hunderttausend Euro und…“

„… man am Smartphone-Verbot in den Schulen weiterhin festhalte. Die Landesregierung fürchte, dass durch Hackerangriffe auf das Lexikon Inhalte gelöscht oder nicht mehr allen Schülern vollständig zur…“

„… offenbar nicht auf dem aktuellen Stand sei. Der Erdkundeunterricht nutze beispielsweise noch Kartenmaterial einer älteren Auflage, in der die Exporte von Rohkautschuk und Nilpferdzähnen aus Deutsch-Ostafrika ins Königreich Bayern mit…“

„… fehlende WLAN-Kabel nicht von Lehrern oder Eltern aus privatem Bestand ersetzt werden dürften. Laschet könne durch familiäre Kontakte bis zu zehn Millionen Kilometer Computerschnur samt notwendiger Stecker zu einem Preis von nur…“

„… sich neuartige Viren durch den Download verbreiten könnten. Zusätzliche Sicherheits- und Schutzmaßnahmen halte Gebauer jedoch für nicht notwendig. Die Landesregierung kenne sich zwar nicht mit Viren aus, könne aber über alles Aussagen treffen, was auf wissenschaftliches…“

„… Lüftungsanlagen frühestens 2027 in den Schulen aufgestellt werden könnten. Bis dahin, so die Landesregierung, werde auch dank der in den Klassenräumen entstehenden WLAN-Strahlen die Keimbelastung auf ein wesentlich geringeres…“

„… weise Bertelsmann die Kritik zurück. Es sei Schülern durchaus zuzumuten, ausschließlich mit einem Lexikon ohne didaktische Aufbereitung zu arbeiten. Gebauer habe dem zugestimmt. Da sie auch nicht wisse, was ‚didaktisch‘ heiße, könne sie sich inhaltlich gar nicht mit diesem…“

„… dass Wikipedia nicht als Ersatz für eine redaktionell betreute Lexikonreihe tauge. Im Gegensatz zum Brockhaus seien hier zu viele Bilder enthalten, die eine Ablenkung für die Schüler durch die verlängerten Ladezeiten der…“

„… Artikel im Band I – L noch in Frakturschrift gesetzt seien. Das Kultusministerium wolle zeitnah Lehrkräfte aus dem Ruhestand wieder in den Unterricht einbinden, um die Schüler so schnell wie möglich mit dem…“

„… es für viele Schüler durch pandemiebedingt schlechte Lernleistungen kaum noch Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt geben werde. Laschet sei dennoch zuversichtlich, zahlreiche Menschen ohne Bildungsabschluss als Kultusministerin oder im…“