Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXLIII): Der Inseratenteil

7 12 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Was der durchschnittliche Renaissancemensch getan hätte, sähe er sich in der regionalpolitischen Beratung mit Brechreiz erregend billiger Reklame für Lupen oder Haarwuchsmittel konfrontiert gesehen, kann man heute nur mutmaßen. Vielleicht hätte eins der venezianischen Edelmännchen bei der Anfrage, ob er nicht zwischen zwei zünftigen Intrigen schnell den Palazzo verscheuern wolle, mit einer hübschen kleinen Bootspartie geantwortet und kanaltaugliches Schuhwerk aus Fertigbeton in die Gondel verlastet. Im Hintergrund posaunt eine dreichörige Sinfonie von den Rängen, zur Linken massakriert das Faktotum gerade die Dummdüse, die eine neue Kollektion Satteltaschen mit in die Kirche geschleppt hat zum informellen Verkaufsgespräch unter Freunden – am Gesäß, Kunde als wäre nichts geschehen? Nur wir müssen uns von derlei aus den Ritzen der Information quellendem Lärm den Tag versauen lassen, weil wir in der Gegenwart vegetieren und es für zumutbar halten. Es ist aber nur der lnseratenteil.

Früher, als das wichtigste Massenmedium noch aus totem Holz geschwiemelt wurde, hätte man den Schmalz en bloc auf den Boden schütteln können, wie alle Beteiligten an diesem Gesellschaftsspiel es eigentlich als konstituierend annahmen: der Kaufmann druckt billige Reklame im arttypischen Umfeld, der potenzielle Kunde ignoriert es aus Selbsterhaltungstrieb. Der gehobene Bedarf vom Möbel aufwärts wucherte vorsichtig in redaktionell eingehegte Bezirke, gab sich zunächst behutsam und stilvoll, bevor auch er in den allgemeinen Brüllmüll der absatzwirtschaftlichen Chöre einfiel. Der Großteil der Bedarfslenkung allerdings machte aus seinem Getrommel keinen Hehl, pappte sich die Bezichtigung, dass tatsächlich Propagandistenwerk zuhanden war, wie einen Warnhinweis obenan: cave, hier plärren die Sirenen, stopft Euch aus, was Euch ausstopft. Aber der Holzschliffjournalismus ging den Weg des Allzuirdischen, wir holen uns das Gebröckel der unteren Lustigkeitsliga auf dem Schirm nach Hause und lesen in den Aggregatoren von bescheuerten Präsidenten, bekloppten Eliten und der Gleitsichtbrille, ohne die kein Feuilleton überlebensfähig wäre. Willkommen in der Hölle.

Deutschlands schönste Insekten, das Fernsehen als amoralische Lehranstalt, die Spritpreise tauchen alles in eine milde Weltuntergangsstimmung. Dazwischen popelt der Newsflash jene Sehhilfe in die Netzhaut, als müsste aus dem Werbeblättchen plötzlich ein seriöses Journal geworden sein, nur, weil drei Viertel der atmenden Freifläche von Agentursülze ausgegossen sind. So fühlt es sich an, als hätte man eine Freifahrt auf der Waschmaschine vom Balkon gewonnen: man kommt irgendwo an, aber was man mit sich in die Tiefe nimmt, braucht’s in diesem Moment sicher nicht.

Alternativ greint der Treppenlift, das Viagra der Zehnerjahre, den angesilberten Kundenstamm in die Hirnembolie; Hörgerät und Lebensversicherung stehen dem freiwilligen Kunden auf dem Vorderfuß und demonstrieren noch einmal eindrucksvoll: wo der Krempel nichts kostet, ist der Verbraucher die Ware. Längst haben die Optimierer es aufgegeben, zielgruppengerecht Vieh vor die Flinte zu treiben, per Schrotschuss rülpsen die Marketingflacharbeiter den ökonomischen Klamauk in die Zwischenräume, die der Sinn noch sein lässt, und längst haben auch die nicht ganz verhaltensauffälligen Nutzer kapiert, dass das Netzwerk unser Gebaren analysiert, aber eben nicht sinnvoll, sondern mit maximal bescheuertem Ergebnis, damit sich die wehrlosen Menschen am anderen Ende der Leitung auch wahrhaftig unter Dumm-Dumm-Beschuss fühlen können. Der Begriff der Marktpenetration bekommt dabei gleich eine ganz neue Bedeutung.

Was kostet ein SUV in Bad Gnirbtzschen wirklich? Es interessiert keinen, der dieses verbale Granulat zwischen den Fingern verrinnen lässt, es hinterlässt nur den nachhaltigen Eindruck, in den Werbeabteilung der Trollkonzerne habe sich eine endgültige Realitätsallergie festgesetzt, die buntes Gewese an die Wände tapeziert, sich um dessen Wirkung aber einen Fisch interessiert, was immer er auch kosten möge. Wir sollten inzwischen lauter schreien, um der drohenden Nullinformation zu entgleiten, die uns den Cortex verseift und die Straße zur Grenzdebilität aufschottert. Es sollte einklagbares Recht werden, wie man die Zeitung auf dem Parkett selektierte, den online gebotenen Tinneff vom weißen Rauschen zu befreien, damit sich die Synapsen nicht irreversibel verkleben.

Spätestens im übernächsten Jahr wird es wieder Sandwichmänner geben, die mit Pappe vor dem Hintern und einem Brett vor dem Kopf durch die fußläufigen Bereiche der Städte diffundieren, und diesmal werden sie die Konsumenten hinterrücks anfallen, in die Waden beißen und ihnen einen Pfund Fleisch ausrupfen, wenn ihnen keiner beim Singsang zuhört. Wir aber werden nach ihnen schlagen und treten, und wenn sie schon einmal auf dem Boden liegen, massieren wir sie gleich ins Geröll ein. Niemand braucht diese Distraktoren. Wir müssen bloß noch wissen, wie viel uns der Spaß kostet.

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Morgenmagazin

4 12 2018

„Nehmen Sie sich einen Kaffee.“ Selten hatte ich Siebels so müde gesehen, und es lag nicht an seiner langen Anfahrt vom Flughafen; er hatte schon zwei Tage vorher nicht richtig geschlafen, und es war nicht seine Absicht gewesen, unseren Einsatz damit besonders gut vorzubereiten.

Ihn fröstelte; Siebels knautschte seine Hände tief in die Manteltaschen, und ganz wie aus alter Gewohnheit griff er stumm zu, als ihm einer der Kabelträger mitleidig ein Päckchen Filterzigaretten hinhielt. Dass der Produzent, manche nannten ihn die graue Eminenz des deutschen Fernsehens, seit Jahren schon nicht mehr rauchte, fiel ihm erst auf, als er in den Taschen kein Feuerzeug fand und mich hilflos ansah. „Zu früh“, murmelte er. „Also für mich. Es fängt ja auch gleich an.“ Die Stahltür der Halle öffnete sich knirschend, die Aufnahmeleiterin nickte, drückte uns stumm die Besucherausweise in die Hand und zeigte mit dem Daumen nach rechts, wo die Garderobe stand. Es war unangenehm warm in diesen Räumen, es roch nach Bohnerwachs und Weichspüler, und irgendjemand hatte meinen Becher frisch mit schwarzem Kaffee aufgefüllt. „Da hinten“, flüsterte die Leiterin, „der Wettermann ist da und die Moderatoren kommen auch gleich.“

Auf dem Kontrollmonitor sahen wir, wie die Sendung angejingelt wurde. Jens-Peter Lüderich, Sprecher bei irgendeinem Privatsender, und Hanna Kieseritzky, ebenfalls ohne nennenswertes Talent, hockten krumm auf der Biegung einer rostroten Couch, stets um Contenance bemüht und doch klar ersichtlich am Rande ihrer Möglichkeiten. „Hier sind die Nachrichten“, murmelte Kieseritzky, „und dann das Wetter von…“ Sie vollführte eine Geste, die so gut wie alles bedeuten konnte. Am anderen Ende jubelte eine frisch ausgeschlafene Newsfrau die Schlagzeilen herunter, Wirtschaft und andere Kriegsberichte, Bilder von den schönsten Erdbeben der Saison und einem drogensüchtigen Fettsack, der sich für den Präsidenten der Vereinigten Staaten hielt. „Nur eine Minute“, stöhnte Lüderich, „bitte – Sie dürfen mich auch wieder…“ „Nichts da“, zischte die Aufnahmeleiterin, „wir haben ein Konzept, das ziehen wir jetzt durch!“ Er krümmte sich wimmernd auf der Couch und drohte schon herunterzurollen, doch flink wurde er von zwei starken jungen Männern daran gehindert, die ihn mit einem Klettverschluss an der Rückenlehne befestigten. „Wie Sie sehen“, teilte die Leiterin mit tiefer Befriedigung mit, „haben wir alles im Griff.“

Der Wettermann schwankte ein bisschen, um ein Haar hätte er sich an der Videowand festgehalten. „Bis eben hatte er ja auch noch den Stehtisch“, murmelte Siebels. „Und wenn Schlaf im Stehen auch nicht immer besonders angenehm ist, es ist immerhin Schlaf.“ Sah er sich gerade nach einem Stehtisch um? Nein, das hatte ich mir wohl nur eingebildet. Routiniert spulte der Meteorologe seine Vorhersage ab, im Grund hätte er es auch im Liegen machen können, aber dann wäre er nicht im Bild gewesen. Der Zuschauer, hatte man uns erklärt, wolle das nämlich so.

„Sehen Sie sich das nicht auch jeden Morgen an?“ Die Leiterin winkte der Regieassistenz, um die Übergabe an den Sport abzuwickeln. „Ich schalte den Fernseher im Halbschlaf an“, gestand ich, „und dann höre ich mit einem halben Ohr Nachrichten, während ich den Kaffee durchlaufen lasse.“ Sie nickte. „Sie befinden sich in bester Gesellschaft, so halten es die meisten unserer Zuschauer.“ Auf einen weiteren Wink kam der junge Mann mit der Kanne und füllte noch einmal die Becher nach. Siebels winkte ab. Sogar ihm wurde es zu viel.

Kieseritzky hatte glücklicherweise einen Tisch vor sich und konnte sich auf die Platte stützen, dafür stand sie einem Experten gegenüber, der ihre hilflos genuschelten Fragen zum europäischen Außenhandel mit mehr oder weniger entnervten Antworten versah. „Ich hatte es mir nicht so schlimm vorgestellt“, stöhnte Siebels, „aber um so besser. Wenigstens weiß ich jetzt, dass man das den Leuten zumuten kann, wenn sie es denn wirklich sehen wollen.“ Ich war irritiert. „Was soll das alles denn bedeuten?“ Siebels schloss für einen Moment die Augen; er sah aus, als würde sich unter ihm alles drehen. „Dieses Frühstücksfernsehen“, murmelte er, „dies verdammte Frühstücksfernsehen wird seit Jahren von jubilierenden Moderatoren präsentiert, die einem chronischen Morgenmuffel wie mir schrecklich auf die Magenschleimhaut gehen. Ich brauche das nur einen Tag lang zu gucken und habe für eine Woche schlechte Laune.“ Lüderich war tatsächlich gerade vom Sitz gesackt und musste in Position gebracht werden, solange der Filmeinspieler noch lief. „Also haben wir das Programm mit Leuten besetzt, die zu dieser Uhrzeit eigentlich noch nicht verhandlungsfähig sind. Und das Ergebnis sehen Sie hier.“ „Schön“, antwortete ich, „wenn ich morgens nicht aus dem Bett komme, helfen mir schlaftrunkene Mattscheibengesichter bei der Orientierung, richtig?“ „Zumindest fühlen Sie sich dann nicht mehr so alleine.“ Er gähnte und hielt sich dabei am Garderobenständer fest. Drüben war Kieseritzky schnell eingesprungen und haspelte einen Text herunter; sie wirkte plötzlich hellwach und hatte alles im Griff, wedelte erregt mit den Armen vor dem Gesicht und verlor dabei eine ihrer Moderationskarten. Sicher war das für die Leiterin schon wieder zu viel. Der Wettermann lehnte an der Wand und drohte jeden Augenblick umzukippen. Leise knirschte die Tür. Draußen war es bitter kalt. Der Mond stand bleich am Himmel. Was sonst musste man noch wissen von diesem Tag.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXXVIII): Nazi-TV

2 11 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Jede Wette, es sind fünf bis zwölf Männerchen, alle nicht mehr frisch, aber sie hocken nun mal auf den respektiven Hintern um diesen Tisch herum und nagen sich die Ellenbogen ab. Früher hätten sie noch leichtes Spiel gehabt und wären ihrem Auftrag nachgekommen, des Deutschen Glotzkasten mit Buntbewegtbildern zu befüllen, Fußball oder ein literarisches Quartett, aber seitdem Ballsport nur noch dazu dient, korrupten Funktionären die Gefahr des frühzeitigen Ablebens zu versüßen, gibt es keinen nachvollziehbaren Grund mehr, vor einer Flimmerkiste zu sitzen. Das Interwebnetz und die anderen Kanäle überschwemmen die Hirne der Masse längst mehrdimensional mit Serien, an die kein mit Bordmitteln zusammengeschwiemeltes Zeugs à la Lindenstraße mehr reicht. Die Evolution wurde offenbar nicht im Fernsehen gezeigt. Die Affen liegen immer noch auf dem Sofa, kratzen sich oder wen auch immer an der Rückseite, und nichts wird sie als treue Junkies in den warmen Schoß der Verbrauchergemeinschaft zurückholen. Höchstens Nazi-TV.

Es sollte längst einen eigenen Knopf auf der Fernbedienung geben für die Gruselgrütze vom Oberschmalzberg, der den Mageninhaltsauswurf von hinten unten flutet. Einmal eingeschaltet, zack! brettert ein Blitzkrieg Adolfs verseiften Kleister in die Wohn- und Wahnzimmer. Hitlers Helfer, Hitlers Hunde, Hitlers Hackfresse rülpst sich im Dauerstakkato aus dem Gerät. Als wäre es nur noch zu ertragen, wenn wir nicht alle ganz genau gewusst hätten, dass der Bettnässer aus Braunau in Wahrheit ein entspanntes Verhältnis zu Grießpudding hatte, seinen Schreibkräften die Backen tätschelte und gewaltig einen an der Wunderwaffel hatte. Ja, er hat ganz Europa in einen unsinnigen Krieg getrommelt, aber wie hätten wir weiterleben sollen, wenn wir nicht gewusst hätten, dass er Eva eine Handtasche geschenkt hat?

Wird die deutsche Geschichtsbesessenheit, falls es sie denn tatsächlich geben sollte, als Argument für den Braunfunk ins Feld geführt, warum berieselt man die intellektuelle Unterschicht nicht mit Karl dem Großen? Karls Frauen, Karls Kriege, Karls Bildungsreformen und was davon übrig blieb – viel wird’s nicht gewesen sein, sonst wäre es in die Top Ten der Fragen an die Historie eingegangen. Hatte Bismarck Läuse im Bart? Konnte Napoleon unter dem Tisch durchlaufen? War Augustus ein mieses Arschloch im Gewand des moralinsauren Mieslings – oder war’s umgekehrt? Gerne hätte der geneigte Zuschauer auch die finanzpolitischen Verheerungen vor der Französischen Revolution begriffen, an denen der verschwendungssüchtige Hof ebenso beteiligt gewesen war wie das Militär. Ebenso wäre er am Niedergang des mittelbyzantinischen Reichs interessiert gewesen, das nicht durch die Expansion des Islams von der Platte geputzt wurde, sondern der blutigen Barmherzigkeit mordender Christen zum Opfer fiel. Freilich ließe sich eine Sendung über das Ende des Prager Frühlings auch gut in die Agenda schmuggeln, oder lustige Anekdoten über die RAF. Aber man muss auch die Quote denken.

Sie sprechen mit gespaltener Zunge. Denn einerseits ist der ständige Faschismusblubber die Reduktion der Historie auf die Hysterie, auf omnipräsenten Nervenkitzel, der mit wohligem Schauer konsumiert werden kann. Uns geht’s ja gold, wir haben Apfelsinen und müssen uns im Frieden nicht mit dem Hirnplüsch der Berufsirren auseinandersetzen, es ist vorbei, es taugt schon für die gröberen Entertainmentformate. Womit dann andererseits die grassierende Normalisierung des NS-Irrsinns einsetzt, denn so schlimm kann es ja gar nicht gewesen sein, wenn die Leute noch Zeit gefunden haben, den Führer beim Verspeisen der arischen Herrenkartoffel zu filmen. Und so gerinnt die Aufnahme eines Karnevalszuges mit SS-Tröten – als hätte dies einen Neuigkeitswert – zur quasi folkloristischen Schilderung unserer Leidkultur, immer auch offen für eine Opferhaltung, da man sich damals nicht hatte aussuchen können, ob man den Nazis eine reinzimmert oder aus Gründen des Überlebenswillens lieber nur den rechten Arm hebt.

Und weiter klömpert der Quatsch aus der Röhre, emotionaler Schmodder über den Polenfeldzug, die uninteressantesten Aufnahmen aus Wolfsschanze und Reichssicherheitshauptamt, und nur, dass es sich um Schwarzweißbilder handelt von Typen in Heinrich-Himmler-Gedenkschädelfräse, sorgt noch für ein pelziges Verfremdungsgefühl, wenn man einmal einen Moment nicht genau aufgepasst hat, was da aus dem Volksempfänger suppt. Es geht nicht um den Gewinn, es geht um zielgerichtete Vernichtung von Erkenntnis, falls es die jemals gegeben haben sollte. Bis dahin wird der Brüllmüll mit dem lustigen Bart zum launigen Märchenonkel, der für uns alle auf den Schlussstrich geht, damit das Tätervolk endlich in die ewigen Jagdgründe verschwinden kann. Und sollte er eines Tages wiederkommen, er wird nicht sagen: ich bin wieder da, er wird sagen: ich war nur mal kurz weg. Ich habe den Sender gewechselt. Ihr wolltet doch den totalen Krieg. Wir haben da mal etwas vorbereitet.





Auf eigene Gefahr

9 10 2018

„Wenn die Journalisten das wollen, dann machen wir das. Schließlich haben wir in Deutschland eine verfassungsmäßig garantierte Pressefreiheit, die wir als Polizei auch mit verteidigen. Deshalb geht ein Polizeischutz für Journalisten mit uns auch völlig in Ordnung.

Wir sind natürlich nicht nur Ansprechpartner für die Berichterstatter, wir schützen sie aktiv vor Ort. Das wird für die Damen und Herren jetzt etwas ungewohnt sein, dass wir sie dann zur Vorsicht in unsere Kampfmontur mit Helm und Protektoren stecken – Selbstschutz geht immer vor, das sollte ihnen geläufig sein – und dass sie nur noch an ihrer Uniform als Pressemitarbeiter erkennbar sind. Ist ja klar, sonst könnte man sie auf einer Demo für Polizei halten und sie versehentlich zum Einsatz abkommandieren. Will ja auch keiner.

Das Konzept des eingebetteten Journalismus ist ja nun auch nicht mehr ganz so neu, in bisherigen Kriegssituationen hat das immer gut funktioniert. Man kommt direkt mit an die Front, hat immer sehr gute Bilder, alle Informationen aus erster Hand, in der Regel können Sie als Journalist eine Aktion auch schon vorher ungefähr abschätzen und müssen im Grunde nur noch raus, ein bisschen filmen, dann schneiden Sie Ihren Beitrag zusammen, fertig. Für die Berichterstattung ist das ein enormer Vorteil, das bedeutet für uns zum Beispiel, dass wir für authentisches Material bei politisch brisanten Veranstaltungen nicht mehr auf Linksradikale angewiesen sind, sondern einfach Medienfuzzis in die Schusslinie stellen und sie ihre Arbeit machen lassen.

Sie müssen dann natürlich vorsichtig sein, wenn Sie teure Geräte mitnehmen. In einer Hundertschaft Polizei, die gerade von besorgten Musikfreunden mit Flaschen und Steinen beworfen wird, ist so ein Stativ nicht gerade besonders einfach zu handhaben und könnte in einigen Fällen von uns auch schon mal verboten werden, weil es die Polizisten in einer Gefechtssituation gefährdet. Wenn wir für die Sicherheit der Journalisten verantwortlich sind, dann müssen wir den Auftrag auch ernstnehmen, das geht dann eben einmal nicht ohne technische Einschränkungen. Auf der anderen Seite sind Sie immer ganz vorne mit dabei, und die Zeiten, wo man Sie attackiert, weil Sie für so ein kritisches Scheißblatt schreiben, das die Kirche verstaatlichen will und fleischfreie Kantinen fordert, die sind dann vorbei. Also ich könnte damit leben.

Nein, das haben Sie falsch verstanden. So geht das natürlich nicht, dass Sie Ihren Polizeischutz anfordern wie bei einer Demonstration, das ist nicht unsere Aufgabe. Dann müssen wir als Polizisten am Ende Journalisten schützen vor linken Chaoten und Hausbesetzern, die Autos in Brand stecken und die Presse am besten auch gleich. Das heißt ja, wir müssen Sie vor denen schützen, die wir aber aus ganz anderen Gründen unschädlich machen wollen. Das ist polizeirechtlich nicht so einfach, wie Sie sich das vorstellen. Wenn Sie schon eingebettete Berichterstattung haben wollen, dann halten Sie sich einfach an unser aktuelles Angebot, das wir den Medienvertretern machen. Da ist immer wieder etwas dabei, Schweigemarsch für das deutsche Reh, Aktionärsversammlungen, wenn Sie in Dresden arbeiten oder in Chemnitz, dann sollte jede Woche ein bunter Strauß volkstümlicher Kundgebungen darunter sein – was man als Polizei halt so macht. Und wir garantieren Ihnen, es wird nicht langweilig mit uns.

Wir wollen ja auch nicht, dass Journalisten das Fehlverhalten unbeteiligter Bürger provozieren, und so eine Kamera kann man durchaus als Provokation verstehen. Es kann doch nicht Aufgabe der Polizei sein, dass wir Bürger, die sich einfach nicht filmen lassen wollen, mit Gewaltmaßnahmen davon abhalten müssen, ihre persönliche Meinung auf physische Art auszudrücken. Außerdem haben wir Einsatzkräfte meistens auch einen geschulten Blick dafür, wer beispielsweise aus den übergeordneten Behörden kommt und den einen oder anderen Hitlergruß in Ausübung seines Berufs zeigt. Wenn Sie da als Journalist draufhalten, fliegt die Tarnung möglicherweise auf, und das kann ja nicht Sinn der Übung sein.

Und Sie müssen auch berücksichtigen, dass wir dann als Schutztruppe immer direkt bei Ihnen sind. Wenn Sie also mal ein polizeikritisches Interview führen wollen – noch haben wir ja Pressefreiheit, das dürfen Sie jederzeit versuchen – dann machen Sie das auf eigene Gefahr, und Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass Sie neben einem Polizisten stehen. Oder der Polizist steht halt neben Ihnen. Lässt sich nicht vermeiden.

Das Beste ist sowieso immer, wenn Sie eine Armlänge Sicherheitsabstand halten. Und dann vertrauen Sie einfach darauf, dass die Polizei das Richtige tut. Eigenmächtigkeiten können wir in diesem Zusammenhang nicht dulden, dann müssen Sie leider auf unseren Schutz verzichten. Wenn Sie da einzelne Demonstranten ins Visier nehmen oder nicht sicher sind, ob es sich wirklich lohnt, eine Hetzjagd zu filmen, obwohl wir die noch gar nicht als solche eingeordnet haben, dann ist das sicher nicht sehr hilfreich. Und wir sind als Polizisten auch den Demonstrierenden verpflichtet, das sind ja schließlich auch Menschen, die einen Anspruch auf Durchsetzung ihrer Grundrechte haben. Wenn Sie sich damit arrangieren können, dann sollte Ihrer Berichterstattung über die letzten Tage der Demokratie in Deutschland eigentlich nichts mehr im Wege stehen.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXXIII): Die gefühlte Unsicherheit

28 09 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es muss ein Tier gewesen sein, alles andere war nicht bekannt. Ob es sich um eine großzähnige Grauschlonte gehandelt hat oder um das Nasobēm, das werden wohl auch künftige Generationen nicht mehr herausfinden. Keiner hatte es je zu Gesicht bekommen, nicht einmal die Existenz des Dings war unbestritten. Andere Stämme hätten daraus eine Gottheit gebastelt, hier aber blieb es das brüllende Biest, die grauenhafte Gefahr, die aus dem Dickicht schießt und alles ins Gestrüpp trampelt, das über die Gänseblümchen ragt. Einer der Altvorderen wird es im Off gehört haben, dreißig Grad links oben voll mit Grünbeeren, woraus sich gebar der Mythos des Monsters. Jahrzehnte, ach was: seit Anbeginn der Zeit ließ sich keine Kreatur mehr im Gesträuch blicken, die aussah wie etwas, das nicht mit Zwiebeln und Honig auf den Spieß passt. Aber die Mär vom Bösen in der perfekt umpuschelten Welt war knorke, was brauchte es mehr, die nächste Jugend ruhig zu stellen?

Die Unsicherheit gestaltet sich einerseits nicht aus einer erlebten Gefahr, denn diese könnte der durchschnittliche Homunkulus halbwegs realistisch einschätzen, dass nicht jeder Dunkelhäutige einen Bolzenschneider mitführe und vorlauffrei als Schlagwaffe einzusetzen gewillt sei. Überdies ist die Begegnung begüterter Knalltüten mit fremden Fremden, insbesondere im engeren Wohnumfeld, eine rülpsende Chimäre, der man nicht länger zuhört, als es die eigenen Grütze zum Blubbern bringt. Die Einbruchsdichte, die je um je von den Fachmedien für soziale Exklusion in die Luft geblasen wird, ist zwar ein Randphänomen, gemessen an der Gefahr, in einen Unfall mit einem angetrunkenen Raser verwickelt zu werden, aber die Meldung liest sich so schön, dass man dank viel neuen Klumpatschs aus deutschem Stahl etwas dagegen tun könne; dass sie aus der Werbeabteilung kommt, überliest der verunsicherte Bürger.

Überhaupt ist er nicht, sondern wird er nur verunsichert, denn selten ist die Gefahr, die ihm auf dem Scheitel zu schweben droht, tatsächlich da. Die Kriminalitätsstatistik im freien Fall scheint ihn nicht zu beeindrucken, nicht einmal die Tatsache, dass Delikte der sogenannten Ausländerkriminalität nur deshalb so heißen, weil sie von seinesgleichen nicht begangen werden können; den in Nauen ansässigen Besorgtansässigen auf der Straße nach Plauen zu erwischen führt mitnichten zu einer Strafanzeige, aber wer will das wissen. Die meisten Raucher wissen, dass sie sich einer tödlichen Noxe aussetzen, und preisen den billigen Effekt von kurzfristig abklingenden Suchterscheinungen als geistige Entspannung. Es hält sie nicht davon ab, den nächsten Meteoriten herbeizubeten, nur damit sie Recht behalten vor den Zweiflern.

Gerade die Angst vor dem Terror gestaltet sich als regelrecht ruinöse Verdenkung, die mit Logik gründlich aufräumt, porentief bis endsauber. Die Wahrscheinlichkeit, einem islamistischen Anschlag zum Opfer zu fallen, ist für einen Einwohner der münsterländischen Provinz, wo dreißig Schafe auf einen Rentner kommen, ungefähr in der Preislage, einen Lottogewinn zu erzielen, wobei die meisten Rentner den Eintritt des Ereignisses durch eigenes Verhalten geradezu herausfordern; die Freude am Lotteriespiel unter münsterländischen Rentnern ist nach wie vor ungebrochen. Wer aber begreift, dass vornehmlich Opfer wird, wer in einer bestimmten Konstellation Zeit und Ort wählt, sattsam bekannt etwa die von rechten Sackpfeifen dazu auserkorene Brut der Weihnachtsmärkte, dies in Metropolregion oder zumindest an touristisch schwergewichtigem Platz, wird sich nicht wundern, wenn er keinen Busunfall erleidet, so er den Großteil des Lebens in Wohnstube und Schlafraum verbringt, vor dem TV-Gerät, dem Kugelgrill, der Schallzahnbürste, und braucht den Krebstod nicht mehr zu fürchten als sein quarzender Nachbarino. Dass ab und an Busse oder Sattelzüge in günstiger Lage die Kreuzung als Serviervorschlag betrachten und die Hauswand als Mittel der Schnellentschleunigung, ist bekannt, aber statistisch vernachlässigbar. Nur wenige wohnen so verkehrsgünstig, um in die Abendnachrichten zu kommen.

Denn zu vieles ist neu, unkontrollierbar, in einer chaotischen Struktur, in seinen Folgen nicht und wahrscheinlich nie absehbar und deshalb Fluch und Segen zugleich, Segen aber nur, wenn man sich der Umstände bewusst ist und mit der richtigen Menge an Kompetenz und Nüchternheit an die Sache geht. Die Rede ist, wer wüsste es nicht, vom Internet, das sämtliche bisherigen Kommunikationskanäle in den Schatten schubst und eine vollkommen andere Sicht auf Sender, Empfänger und Botschaften erlaubt, ermöglicht, erzwingt. Niemand weiß, ob sich nicht sein Dackel ein Katzenprofil zurechtgeschwiemelt hat und aus dem eigenen Keller die Weltherrschaft plant, gleichzeitig die Opposition spielt und mit Fake News über die Versorgung mit Hundefutter das Herrchen im Hochparterre aufwiegelt. Das Wesen der Gefahr ist es, real zu sein und trotzdem berechenbar in ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit, die aber nie bedacht wird. Sich den Fuß abzusägen mit dem neuen Werkzeug scheint dank handwerklicher Selbsteinschätzung des durchschnittlichen Depps unmöglich zu sein, aber ein Kometeneinschlag im Vorgarten? Sicher eine alltägliche Sache, sie wird nur von denen da oben verschwiegen. Und so hilft auch am besten eine solide Verschwörungstheorie, die Praxis wieder ins Lot zu kriegen, weiter mit der Ruhe zu leben, dass man sich maßlos aufregen darf ob der Dinge, die man nicht begreift, die deshalb aber erst recht Gefahr sind. Wenn man schon umkommt, und das ist die gute Nachricht, dann doch am besten wild. Und gefährlich.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXXII): Die Lähmung der Medien

21 09 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Relevante Forscher halten ihn für den ersten verbürgten Fall seiner Art, dabei ist nicht einmal sein Name bekannt. Der neolithische Kasper, ein in die Seitenlinie gekrochener Nachfahre aus Ugas Schwippneffenbrut, hatte das zweifelhafte Talent, die Art zu imitieren, mit der der Stammeshäuptling Luft aus den Körperöffnungen entweichen ließ, die ihm dafür zur Verfügung standen. Eine seiner nicht gerade schmeichelhaften Parodien, an der nackten Wirklichkeit bis zur Übelkeit geschult, traf diese eine Idee zu genau auf den Kopf, was zum Verlust desselben führte. Die Ehre des unerschrockenen Wortes hat einen hohen Preis, stets in Abhängigkeit von den Begleitumständen, doch weder Reichtum noch Heiligkeit garantieren, dass in Gesellschaft von Hohlbratzen die Rübe auf dem Rumpf bleibt. Und so schweigt, wer ansonsten etwas zu sagen hätte, und sei es auch nur dem Rechte nach.

Seitdem Zeitungen als Macht gesehen wurden, die objektiv ernsthaft gearbeitet haben, wussten sie um ihre Abhängigkeit von den Mächtigen. Nicht die Leser aber, gehetzte Laufkundschaft, hetzende Abonnenten, nichts knebelte die freie Presse so nachhaltig wie die Entscheidung der Inserenten. Mit ihnen stand und stolperte jedes Monopol, sei es noch so autonom in seiner Ausdruckskraft oder in der politischen Richtung maßgeblich. Dass neben den ökonomischen Zwängen auch die natürliche Neigung zu Schublade und Scheuklappen die Beziehung zu den Lesern stolpern ließ, war nicht immer beabsichtigt, ergibt sich aber aus der unverbrüchlichen Präferenz des Publikums, nichts zu fressen, was es nicht schon geschluckt hat. Man liest keine Zeitung, um etwas Neues zu erfahren, man will sein Weltbild bestätigt sehen. Alles, was da nicht kritiklos ins limbische System suppt, ist erst einmal gefährlich.

Vollends schlägt das Framing zu, das die laute, als Mehrheit erscheinende Deppendeponie wirr überkreischt, die Monstranz der eigenen Meinung vor sich herträgt und den Diskurs der national schmerzbefreiten Zone zum Mainstream befördert. Die Lähmung erfolgt reflexartig, weil die Macht jede geistige Auseinandersetzung – wie denn auch – unmöglich macht und für schädlich erklärt. Wie Wortwertdiskutierer beim Scrabble plärrt das um Begriffe, will seine eigenen Fakten und hastig aus ihnen gestrickte Deutungsmuster bestätigt haben und mietet sich springereske Ressentimentsorgane, um den Sott auf Papier zu reiben. Woher aber diese peinliche Angst, im Versagen den eigenen Verrat zu rechtfertigen, als handelte es sich bei diesem braungespülten Verbaltofu um den Normalzustand, nicht um eine Ersatzhandlung ad usum Adolfini?

Je mehr der Leisetreter in der Redaktion die Wirklichkeit mit Flauschbegriffen verschwiemelt, in denen man besorgt ist, wenn man es anderen noch besorgen will, desto ärger ist die Verspannung in den halbwegs normalen Echokammern, die derlei nur noch zwischen Tisch und Kopf lesen, und so umgekehrt. Das Männchenmachen vorauseilender Untertanen aus der Schreibstube in den nationalen Furor hinein wirkt nicht nur apokalyptisch, das trifft den Verdacht ziemlich genau. Als jagte sich die ganze kritzelnde Kaste solidarisch Kugeln durch die Birne aus Angst vor dem Tod, so verteidigt sich die gesamte Branche tapfer in ethischem Völlegefühl: sie tun es für die Nation, die ja irgendwie auch die ihre ist, in prätraumatischer Belastungsverstörung und der halbwegs sicheren Annahme, dass man ihnen nach der nächsten Machtergreifung nicht gar so böse ist.

Fast nachvollziehbar ist, dass die Medien, zumal die intellektuell einigermaßen anspruchsvollen, im Kontrast zum populistischen Geschmarr dumpfer Düsen sogar mit Schweigen noch besser klängen, allein sie halten nicht die Klappe, sondern liefern lieber ein Kontrastprogramm für die Egoleptiker von der Hirnabgabeanstalt. Wer nur in Gegensätzen denken kann, also nur Extreme sieht, links gegen rechts, schwer vermögend oder obdachlos, ist kaum geeignet, differenziert zu denken, geschweige denn die Information in eine komplexe Sicht der Dinge einzuspeisen, und hier endet das Dilemma: wer sich nicht nur der Möglichkeiten begibt, ein Publikum überhaupt anzusprechen, sondern es auch nach Belieben anlügt, um seine Haut zu retten, bis die nächste Sau durchs Dorf quiekt, der öffnet seine Fenster bereitwillig für die Brandsätze, die in die Bude fliegen.

Wo zwischen Machterhalt und Gemeinwohl nur ein berührungsloser Abgrund gähnt, auch und vor allem in den Medien, die sich wirklich als Macht begreifen können, wenn sie sich für eine Seite entscheiden, wo hier ein Ressentimentsorgan artig seinen Kotaus vollzieht und dabei doch in der Pose des Herrschers erscheinen will, unterstützt es mehr als die Lüge. Die Verängstigten mögen es ihnen danken, dass man ihnen Waffen in die Hand gibt, mit denen sie umzugehen nicht gelernt haben. Aber wer stirbt schon gern alleine, wenn es sich nicht verhindern lässt? wenn man schon mitschießt?





Freistaat mit Herz

29 08 2018

„Ausgeschlossen. Das kann man so nicht schreiben. ‚Rechtextremistische Kräfte‘, ich weiß ja nicht. Da werden sicher auch ein paar Nazis drunter gewesen sein, klar, aber die meisten von denen waren eher harmlos. Also von den Nazis.

Wir dürfen uns jetzt nicht auseinanderdividieren lassen, da ist es ganz gleich, ob wir aus Sachsen kommen oder aus der Deutschen Demokratischen, jedenfalls ist das noch unser Deutschland, auch wenn nur noch wir die Demokratie hier verteidigen können, mit dem Herzen in der, naja, auf der Sohle halt. Deutschland gehört uns, und das lassen wir uns von keinem nehmen, aber das ist auch unser Konsens. Wenn Sie anderer Meinung sind, wir haben da Mittel und Wege.

Das würde ich jetzt nicht so einfach abtun, wir haben eine Situation. Es wurde in Chemnitz ein Bürger ermordet, die Staatsanwaltschaft sagt zwar, es seien keine Mordmerkmale, aber wir als Presse wissen das natürlich besser, so ein Staatsanwalt kann juristische Konstruktionen am Volkswillen vorbei durchsetzen, aber wir sind von einer Auflage abhängig, und da wollen wir mal sehen, wer das gesunde Volksempfinden besser repräsentiert. Wir sind auch nicht perfekt, aber wir tun immerhin nicht so, als seien diese Gesetze nur für uns gemacht. Wir müssen doch mal zur Kenntnis nehmen, das war auch ein Migrant, ein erklärter Antifaschist – dass dieser Schmarotzer, der wohl zehn bis mindestens hundert Deutschen den Ausbildungsplatz geklaut hat, Todesdrohungen von sozial benachteiligten und eher erlebnisbetont einzustufenden Jungsachsen erhält, das muss einen unter der herrschenden Linksideologie doch nun wirklich nicht wundern. Umso erstaunlicher ist es doch, dass sich national gesinnte Landsleute dazu entschieden haben, diesen unbescholtenen Mann als Vorbild zu betrachten. Nein, nicht so. Für einen Suizid für Volk und Vaterland ist diese Generation ja meist nicht mehr mutig genug. Traurig, wirklich traurig.

Es wurde in nicht verbandsmäßig organisierten Presseorganen, also Facebook und so, da wurde die Nachricht von einem zweiten Toten verbreitet und wegen der offiziellen Mitteilungen der Polizei als nicht korrekt bezeichnet. Es soll sich auch nicht um einen Ausländer gehandelt haben, und da frage ich: wenn es nachweislich keine zweiten Toten gegeben hat, wie kann dann so schnell ausgeschlossen werden, dass es sich um einen Ausländer handelt oder eben nicht? Wenn jetzt die Polizei, die wir bisher immer als einen Teil der Lösung betrachten konnten, sich schon so eklatant auf Fakten verlässt, die nur sie selbst kennen kann, was bedeutet das denn dann für die Glaubwürdigkeit im Volk?

Polarisierung, Polarisierung – habe ich eine rechte und eine nicht rechte Hand? Dann kann man das auch genauso schreiben. Das waren rechte Demonstranten und Linke. Man darf doch nicht die Tatsachen verfälschen, weil man Sprachregelungen einhalten will. Soll ich da den Linksextremen noch so ein Gendersternchen hinschreiben, damit sich feministische Terroristen auch angesprochen fühlen und mir nicht das Auto in Brand setzen? Ich sage, wenn man für etwas auf die Straße geht, dann muss man auch mit den Konsequenzen rechnen. Das war schon immer so, und genauso funktionieren halt die Grundrechte. Wenn das jetzt schon Polarisierung bedeutet, dass man nur noch Angriffe auf die Werte des christlichen Abendlandes von einer Seite so nennen darf, dann läuft hier aber einiges falsch.

Und wir dürfen als überregionale Medien auch die sächsischen Interessen nicht vernachlässigen. Die Wirtschaft zum Beispiel, die ist ja auch nicht ohne Grund sehr interessiert daran, ihr Land als eine weltoffene und moderne, also wie soll man sagen, also ein Freistaat mit Herz, wie Bayern, nur mit einer demokratisch gewählten Regierung. Bis jetzt zumindest.

Unser Landesvater hat schon dazu aufgerufen, sich genau anzuschauen, wer die Urheber dieser rassistischen Krawalle sind. So viel Selbstkritik hätte man ihm gar nicht zugetraut. Das muss man auch mal stehen lassen, wenn der Mann sagt, für Extremismus sei in Sachsen kein Platz. Dass eine Landesregierung, und wir sprechen hier ja nicht von der offiziellen Agenda, sondern eher von den Faktoren, warum diese Partei so tief im Herzen der Wähler verankert ist, sich so entschieden für einen massenkompatiblen Rechtsradikalismus ohne ein menschliches Antlitz ausspricht, das muss man auch mal zu würdigen wissen.

Vor allem müssen wir als Presse hier eine klare Haltung einnehmen, dass wir für einen Rechtsstaat sind. Das ist möglicherweise mit Einschränkungen der Pressefreiheit verbunden, aber für eine freie und demokratische Gesellschaft muss man eben auch mal Opfer bringen. Dass durch überregionale Berichterstattung unser Standort für Extremisten attraktiver und interessanter geworden sei, das kann man uns doch nicht ankreiden – wir haben ja keine Werbung für Sachsen gemacht, sondern für die spezifischen Eigenheiten, die dies Land ausmachen, und wir lassen jetzt nicht zu, dass das Bild unseres Landes durch Chaoten beschädigt wird. Eine ganz klare, aber trotzdem gesprächsbereite Haltung, durchaus kämpferisch, aber kompromissbereit, wo es die politische Vernunft erfordert, und immer an den Werten unserer Heimat orientiert. Das zeichnet uns als gute Demokraten aus. Also sollten wir jetzt einen Weg finden, in einer sehr schwierigen Situation Recht und Ordnung durchzusetzen. Immer schon mal schön, dass wir da eine gemeinsame Vorstellung haben. Oder ist einer von Ihnen da etwas nicht unserer Meinung?“