Strahlenatome

28 04 2021

„Halten Sie Ihren Ausweis bereit.“ Siebels schmiss den Plastikbecher in den Papierkorb vor dem Eingang und klingelte an der Pforte. Ein Surren kündigte den Türöffner an. Wir betraten die Anstalt und gingen auf die Pförtnerloge zu. Der Mann mit der Schirmmütze winkte uns mit einer müden Handbewegung durch. Das also war es.

Ich sah mich um. „Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt“, bekannte ich. „Vermutlich mit vielen schweren Türen und vergitterten Fenstern“, knurrte der Fernsehmacher. „Sie verwechseln es mit einem Gefängnis, aber da sitzen ausschließlich geistig gesunde Menschen.“ Er hatte ja recht. In dieser geschlossenen Abteilung bewahrte man die schweren Fälle auf. Vollkommen friedlich saßen zwei Männer in der Sonne, während eine Frau an der Mauer entlang spazierte. Unvermittelt stand die Leiterin vor uns. „Sie sind pünktlich“, stellte sie fest. „Das weiß ich zu schätzen, wir haben hier alle Hände voll zu tun mit unseren Patienten.“

Sie führte uns nach unten in den Innenhof, der auf dem Niveau des Kellergeschosses angelegt war. „Seien Sie bitte vorsichtig“, riet sie. „Man sieht ihnen nicht unbedingt an, ob sie gerade einen Schub haben.“ Jetzt fiel uns auf, dass einer der Insassen eine Taucherbrille trug. „Herr Kistner“, mahnte die Ärztin, „Sie haben schon wieder Ihren Mundschutz nicht korrekt angelegt.“ Der Angesprochene sprang auf. „Sie haben die Strahlung angestellt“, schrie er. „Da kommen Strahlenatome aus der Maske, die für die Fernsteuerung programmiert sind.“ „Einer unserer leichten Fälle“, bestätigte die Leiterin. Ich stutzte. „Es gibt hier keine großen Überraschungen, bei ihm wissen wir immer, was er sagt.“ „Sie will mich fernsteuern“, kreischte Kistner. „Dafür zahlt der Stromminister von China hundert Milliarden pro Atom!“ „Gut“, meinte Siebels. „Ich weiß noch nicht, ob wir damit arbeiten können, aber ich kann mir wenigstens schon mal einen Eindruck über Ihre Einrichtung verschaffen.“

Während die Leiterin den immer noch tobenden Kistner zu beruhigen versuchte, gingen wir in den Hofgarten hinein. „Würden Sie mir vielleicht auch verraten, was wir hier gerade suchen?“ „Nur die Ruhe“, antwortete Siebels. „Wir sind ja gerade erst angekommen.“ Und er ging weiter, bis er an der Mauer angelangt war. Die Frau hatte sich auf eine Bank gesetzt und blickte in den Himmel. „Es gibt im Augenblick nur Tarnflugzeuge“, sagte sie. „Die anderen hat Merkel verbieten lassen, weil sonst die Verträge mit dem Islam ungültig sind.“ „Sehr gut“, frohlockte Siebels. „Sehr gut, damit können wir arbeiten. Kommen Sie, es lohnt sich.“ Die Leiterin hatte noch immer genug mit dem schreienden Mann zu tun, ich setzte mich auf die Bank gegenüber. „Die Wolken werden jetzt einzeln ionisiert durch Geschwindigkeitsaufladung“, sagte die Patientin. „Dann können die Chemtrails von alleine bis nach Afrika ziehen.“ „Interessant“, meinte Siebels. „Sie glauben mir nicht“, argwöhnte sie. „Dabei haben Sie sich damit vorher noch nie beschäftigt und wissen wahrscheinlich auch nicht, dass es diese Megasäuren nur gibt, weil Merkel sie im Islam hat entwickeln lassen.“ Siebels räusperte sich. „Was ich noch nicht ganz verstehe, wenn es nur noch diese unsichtbaren Flugzeuge gibt, warum hat man sie nicht schon viel früher eingesetzt? Dann wäre doch der Plan nie rausgekommen.“ Sie sagte nichts. Die Leiterin kam herüber. „Regen Sie Frau Trischke bitte nicht zu sehr auf.“ Siebels musterte die Dame. Sie dachte offenbar gerade angestrengt nach. „Das Geld musste ja erst gestohlen werden“, gab sie zurück. „Dazu haben sie Corona erfunden, Merkel und die Islamiker, und dann werden von denen, die im Krankenhaus sind, die Wohnungen durchsucht und das Geld gestohlen, und jetzt gibt es allein in Berlin hunderttausend unsichtbare Flugzeuge.“ „Es reicht jetzt“, drängte die Leiterin. „Sie ist sonst den ganzen Abend wieder so unruhig.“

Siebels ging noch ein bisschen durch den Garten und sah sich den Springbrunnen in der Mitte an, der leise vor sich hin plätscherte. „Jetzt sagen Sie mir bitte, was Sie hier suchen.“ „Experten“, sagte er. „Keine Talkshow ohne Experten, das wissen Sie dich genau so gut wie ich – nur, dass wir das ein neu interpretieren werden.“ Ich war verwirrt. „Sie wollen diese Wahnsinnigen allen Ernstes in ein Fernsehstudio mit Politikern und Wissenschaftlern setzen?“ Siebels nickte. „Als Betroffene.“ Ich verstand überhaupt nichts mehr. „Schauen Sie“, sprach er. „In einer Sendung über Rassismus fällt den Produzenten nichts Besseres ein, als einen Nazi in die Diskussionsrunde zu setzen. Geht es um den Pflegenotstand, holen sie eine Aktionärsarschgeige, die gerade als Gesundheitsminister versagt. Wir werden in den kommenden Wochen noch genug Formate haben, in denen die explodierenden Zahlen der dritten, fünften, dreizehnten Welle durchgekaut werden.“ „Und Sie wollen jetzt…“ Er nickte. „Wir setzen Frau Trischke ins Studio und lassen sie in aller Ruhe ihren hirnverbrannten Blödsinn reden. Viel hirnverbrannter als ein CDU-Kanzlerkandidat kann man nicht sein, und vielleicht öffnet genau das den Zuschauern die Augen.“

Er besprach noch etwas mit der Leiterin, machte sich eine kleine Notiz und blickte dann auf die Uhr. Dann verabschiedete er sich und ging wieder herauf ins Erdgeschoss. Siebels machte einen durchaus zufriedenen Eindruck. „Einen Abend pro Woche“, verkündete er. „Dafür bekommen wir sie auch exklusiv.“ Und er lief auf den Eingangsbereich zu, wo der Pförtner zwei Finger an den Rand seiner Schirmmütze legte und uns müde zulächelte. Was hatte er nicht alles schon gesehen.





Banale Grande

1 03 2021

„… plane die Mittelstandsvereinigung der CDU die Fusionierung der Sendeanstalten ARD und ZDF. Ziel der Maßnahmen sei ein demokratisches Medium, wie es nur aus einer Hand für die…“

„… dass es viele redundante Strukturen in den Landesanstalten gebe. So wolle die Autorengruppe aus Medienfachleuten und CDU-Hinterbänklern durch die Abschaffung der Funkhäuser einen großen Beitrag zur tatsächlichen Einheit der Bundesrepublik leisten und werde damit den Erfolg einer unionsgeführten Regierung nochmals…“

„… keine Nähe zu rechtskonservativen Parteien herstelle. Nur weil die Mittelstandsvereinigung der Union genau wie die AfD ein von Steuergeldern finanziertes Fernsehen, dessen Anspruch es sei, Deutschland vor den Augen der Weltöffentlichkeit in den Dreck zu ziehen, konsequent ablehne, sei man noch lange keine rechtskonservative oder…“

„… eine Abschaffung des BR weder jetzt noch zu einem späteren Zeitpunkt zur Debatte stehe. Söder habe den Vorsitzenden als Riesenstaatsmann Linnemann tituliert und werde ihn genau wie bisher vollständig ignorieren, da er keine Einmischung in innerbayerisch…“

„… werde der Vorschlag der Autorengruppe die regionale Vielfalt in den deutschen Medien eher noch verstärken. Es stehe den Zeitungsverlagen beispielsweise frei, länderspezifische Angebote im Internet zu publizieren und damit eine subjektiv auftretende Lücke wieder zu…“

„… sich Linnemann gegen die seiner Meinung nach linksextremistische Kritik an den Plänen der MIT verwahre. Er werde von den Medien immer nur dass zitiert, wenn er Inhalte vertrete, die sich im Nachhinein als untauglich oder…“

„… werfe der CDU-Club den Sendern zu große Staatsnähe vor. Eine einzige Anstalt könne sich viel besser auf Ihre Hauptaufgabe einer unabhängigen Berichterstattung konzentrieren, statt in vielen untereinander vernetzten Landesbehörden die…“

„… müsse auch das Unterhaltungsprogramm in den GEZ-Medien deutlich zurückgefahren werden. Die Zukunft gehöre vor allem der politischen Bildung, die nur durch tägliche Vorträge führender Mitglieder z.B. der Union über die wichtigsten Themen der…“

„… verstehe die ARD sich inzwischen als Servicesender militanter Chaoten, die deutschen Omas das Motorradfahren im eigenen Hühnerstall verbieten wollten. Die Mittelstandsvereinigung werde mit diesem Kreuzzug gegen die nationale Leitkultur ein für allemal…“

„… könne man auf diese Weise die Anzahl der Sender halbieren, die durch ihre linksextremistische Hetzpropaganda unter dem Deckmantel eines politisch unabhängigen Journalismus Maßnahmen wie ein Lobbyregister oder einen gesetzlich verordneten Generalverdacht gegen Polizisten und Angehörige der…“

„… dass die CDU-Vereinigung den Sendern eine zu große Staatsferne ankreide. Nur durch die Konzentration in einem Medienamt sei die korrekte Berichterstattung aller von einer unionsgeführten Regierung ausgegebenen Denkanstöße für…“

„… auch auf gute Traditionen im deutschen Fernsehen zurückblicke. Man werde mit einer stündlich wiederkehrenden Nachrichtensendung mit dem Arbeitstitel Aktuelle Kamera alle Bedürfnisse der Union nach Information für das deutsche Publikum…“

„… den Fachkräftemangel in der Pflege durch den Abbau überflüssiger Arbeitsplätze oder die Umwandlung in Selbstständigenverhältnisse sehr schnell und effizient beheben werde. So könne die Mittelstandsvereinigung durch die Gleichschaltung ineffizienter Strukturen einen guten Weg im…“

„… habe sich Linnemann beschwert, dass die Staatsfunkmedien seine Thesen sofort auf allen Sendern wiedergegeben hätten, statt ihn und die CDU vorher um Erlaubnis zu…“

„… Schwierigkeiten sehe, dass Unionspolitiker das Niveau ihrer Nebeneinkünfte halten könnten. Mit der Konzentration auf nur noch einen Sender, der maximal sechs Stunden Talkshow im Programm führe, werde es einen gnadenlosen Kampf ums…“

„… die Ausgabenseite deutlich herunterfahren werde. Vorbild für neue Nachrichtenformate könnte beispielsweise der in der Volksrepublik Korea seit vielen Jahrzehnten ohne Kritik von Zuschauern und Regierung laufende…“

„… es überhaupt keinen Grund gebe, die Mittelstandsvereinigung für ihren Vorschlag zur Fusionierung zweier öffentlich-rechtlicher Anstalten zu kritisieren. Zwar habe der gesamte Prozess nichts mit dem Mittelstand zu tun, auf der anderen Seite besitze der CDU-Verband auch weder in wirtschaftlichen noch auf staatsrechtlichem…“

„… dass auf Jahre hinaus keine Änderung der finanziellen Ausstattung möglich sei, da viele Mitarbeiter auch bei Kündigung noch erhebliche Rentenansprüche besäßen. Die Union sei in diesem Punkt offen, die Regierungsverantwortung für zwei bis drei Legislaturen an die SPD abzugeben, um das Thema nicht selbst im…“

„… sich seit drei Tagen in der Gewalt der Helene Fischer Ultras befinde. Sollte die Mittelstandsvereinigung der Union nicht sofort die Fortführung der Weihnachtsshows im deutschen Fernsehen verkünden, werde man nach Linnemanns Ohren, einem kleinen Finger und dem Blinddarm auch seinen…“





Neuartige Viren

22 02 2021

„… eine Lizenz für die Gesamtausgabe des Brockhaus erworben habe. Diese könne allen Schülerinnen und Schülern in Nordrhein-Westfalen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, um den Unterricht noch besser zu…“

„… nur im Präsenzunterricht geleistet werden könne. Zu Hause seien Eltern mit pädagogischer Unterstützung ihrer Kinder überfordert und müssten ihre Arbeitsleistung einschränke, was zu…“

„… die Nutzungsgebühr 2,6 Millionen Euro für insgesamt drei Jahre betrage. Gebauer gehe davon aus, dass angesichts ihrer politischen Maßnahmen die Pandemie nicht vorher, sondern eher noch…“

„… seien Klassenräume viel größer als ein durchschnittliches Wohn- oder Arbeitszimmer, was ein effektiveres Lüften ermögliche. Laschet fürchte erhebliche gesundheitliche Einschränkungen bei Schülern, die eine spätere Berufsausbildung…“

„… nicht auf häuslichen Computern genutzt werden könne. Die Lizenzbedingungen würden voraussetzen, dass der Zugang ausschließlich auf den Schulrechnern gewährt würde, um keine private Nutzung durch unbefugte Dritte oder Schüler aus anderen Bundesländern, die nicht von…“

„… nicht vorab auf ihre Funktionsfähigkeit getestet habe. Gebauer wisse nicht, wie man einen Computer anschalte, dies erledige ein Mitarbeiter für sie, der sonst mit Reinigungsaufgaben oder…“

„… eine zusätzliche Zugangssoftware erfordere, die aus rechtlichen Gründen allerdings nur von den Lehrern der jeweiligen Schule installiert werden dürfe. Bertelsmann als Lizenzgeber habe andere IT-Mitarbeiter oder Schüler mit Computerkenntnissen abgelehnt, da dies vertraglich ausgehandelt und…“

„… habe die Landesregierung schon so viel in die Enzyklopädie investiert, dass man nicht nach Belieben Luftfilteranlagen kaufen könne, wie sie im Landtag von Nordrhein-Westfalen oder den…“

„… es nicht ausreichend Computer für alle Schülerinnen und Schüler in NRW gebe, so dass das digitale Nachschlagewerk gar nicht in vollem Umfang nutzbar sei. Gebauer habe allerdings darauf hingewiesen, dass es auch nicht ausreichend Lexika für alle Schulen gebe, so dass ihr Lizenzkauf einen riesigen Schritt in Richtung Digitalisierung der…“

„… an anderer Stelle Sparmaßnahmen in den Schulen vornehmen müsse. Die Landesregierung habe angeregt, das für Lehrkräfte erforderliche Diensthandy durch Dosentelefone zu ersetzen, die der Sohn des Ministerpräsidenten in großer Menge für einen Verkaufspreis von nur…“

„… die Anschaffung zusätzlicher Rechner ein weiteres haushaltsrechtliches Problem darstellen würden. Auch bei einer kostenneutralen Lösung dürfe nur die bisher nutzbare Anzahl an Computern auch genutzt werden, da Gebauer die Lizenz für eine definierte Anzahl an Arbeitsplätzen, die bis zum 1. April 2021 angemeldet worden seien, sowie zwei bis drei für das Ministerium…“

„… sich eine Offline-Ausgabe des Brockhaus in zahlreichen öffentlichen Bibliotheken befinde, so dass auch in den Ferien oder für die unteren Klassenstufen eine ausreichende Versorgung mit…“

„… die Passwortherausgabe nicht geregelt sei. So dürfe ein Schüler zwar bei nicht ausreichender Zahl an Computern im Unterrichtsraum bei anderen mit auf den Bildschirm schauen, beim Vergessen des eigenen Passworts werte Bertelsmann dies als widerrechtliche Nutzung und werde Bußgelder in Höhe von mehreren tausend…“

„… zu theoretisch sei. Laschet habe im Kabinett eine rasche Reform der Lehrpläne angeregt, um die praktischen Anteile der Schulausbildung durch neue Unterrichtsfächer wie Küchenbau oder…“

„… im Falle eines erneuten Shutdowns nicht die Rechner in die häusliche Umgebung der Schüler transportieren dürfe, da die mit Bertelsmann verhandelten Nutzungsbestimmungen dies nicht…“

„… reiche es nach Ansicht Laschets völlig aus, die Fenster auf dem Computer regelmäßig zu schließen und neu zu öffnen, ohne die Kosten für Luftfilteranlagen in allen Klassenräumen zu…“

„… einfach vergessen habe. Ohne Funktionen wie Kopieren und Drucken von Inhalten der digitalen Enzyklopädie sei beispielsweise die Übernahme in Arbeitsblätter oder Referate nicht möglich. Da Gebauer davon ausgegangen sei, dass Schüler Bildschirminhalte lieber handschriftlich notieren würden, sei dies im Lizenzvertrag nicht…“

„… wolle das Kultusministerium Pädagogen die Unterrichtsvorbereitung erleichtern. Wie das Büro der Ressortleiterin mitgeteilt habe, werde man in vielen Schulen Tablets als Leihgeräte zur Verfügung stellen, mit denen sich Lehrer in den Ferien oder am Wochenende mit einer DVD-Ausgabe der…“

„… nach den ersten Testläufen immerhin gut verlaufe, auch wenn das Umblättern der Seiten mehrere Minuten in Anspruch nehme. Das nordrhein-westfälische Kultusministerium weise in diesem Zusammenhang jede Kritik an Bertelsmann zurück, da sich dieser technische Mangel durch die geringe Ausstattung an Arbeitsspeicher auf den Schulcomputern ergebe, für die man mehrere hunderttausend Euro und…“

„… man am Smartphone-Verbot in den Schulen weiterhin festhalte. Die Landesregierung fürchte, dass durch Hackerangriffe auf das Lexikon Inhalte gelöscht oder nicht mehr allen Schülern vollständig zur…“

„… offenbar nicht auf dem aktuellen Stand sei. Der Erdkundeunterricht nutze beispielsweise noch Kartenmaterial einer älteren Auflage, in der die Exporte von Rohkautschuk und Nilpferdzähnen aus Deutsch-Ostafrika ins Königreich Bayern mit…“

„… fehlende WLAN-Kabel nicht von Lehrern oder Eltern aus privatem Bestand ersetzt werden dürften. Laschet könne durch familiäre Kontakte bis zu zehn Millionen Kilometer Computerschnur samt notwendiger Stecker zu einem Preis von nur…“

„… sich neuartige Viren durch den Download verbreiten könnten. Zusätzliche Sicherheits- und Schutzmaßnahmen halte Gebauer jedoch für nicht notwendig. Die Landesregierung kenne sich zwar nicht mit Viren aus, könne aber über alles Aussagen treffen, was auf wissenschaftliches…“

„… Lüftungsanlagen frühestens 2027 in den Schulen aufgestellt werden könnten. Bis dahin, so die Landesregierung, werde auch dank der in den Klassenräumen entstehenden WLAN-Strahlen die Keimbelastung auf ein wesentlich geringeres…“

„… weise Bertelsmann die Kritik zurück. Es sei Schülern durchaus zuzumuten, ausschließlich mit einem Lexikon ohne didaktische Aufbereitung zu arbeiten. Gebauer habe dem zugestimmt. Da sie auch nicht wisse, was ‚didaktisch‘ heiße, könne sie sich inhaltlich gar nicht mit diesem…“

„… dass Wikipedia nicht als Ersatz für eine redaktionell betreute Lexikonreihe tauge. Im Gegensatz zum Brockhaus seien hier zu viele Bilder enthalten, die eine Ablenkung für die Schüler durch die verlängerten Ladezeiten der…“

„… Artikel im Band I – L noch in Frakturschrift gesetzt seien. Das Kultusministerium wolle zeitnah Lehrkräfte aus dem Ruhestand wieder in den Unterricht einbinden, um die Schüler so schnell wie möglich mit dem…“

„… es für viele Schüler durch pandemiebedingt schlechte Lernleistungen kaum noch Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt geben werde. Laschet sei dennoch zuversichtlich, zahlreiche Menschen ohne Bildungsabschluss als Kultusministerin oder im…“





Lauch

2 02 2021

„Wobei ich auch immer wieder festgestellt habe, dass sie total humorlos sind.“ „Vor allem haben sie absolut keine Ahnung, wie man über sich selbst lacht.“ „Doch, ab und zu macht das mal einer.“ „Also Sie meinen professionelle Kabarettisten?“ „Das ist dann nur eine einstudierte Rolle.“ „Also Nestbeschmutzung als Geschäftsmodell.“ „Typisch deutsch halt.“

„Man darf das eigentlich gar nicht sagen, sonst wird man gleich als Rassist bezeichnet.“ „Dass man die Mehrheit hier rassistisch findet?“ „Als Mehrheit darf man das sowieso nicht sagen.“ „Das liegt aber auch an dieser deutschen Eigenschaft, dass man natürlich kein Rassist ist, aber alle anderen sind natürlich Rassisten, weil sie einen als Rassisten bezeichnen, sobald sich einer von ihnen als Rassist outet.“ „Das liegt vermutlich daran, dass sie sich immer als ganzes Volk angegriffen fühlen, wenn ihnen einer Nationalismus vorwirft.“ „Manche reagieren dann sogar gewalttätig.“ „Das erkennt man aber daran, dass es Einzelfälle sind.“ „Können die sich denn in der Öffentlichkeit nicht irgendwie anders artikulieren?“ „Was artikulieren?“ „Dass sie als Mehrheit unterdrückt werden.“ „Naja, in der Öffentlichkeit darf man das jedenfalls nicht mehr sagen, sonst wird man gleich unterdrückt.“ „Klar, dann bleibt einem natürlich nur noch Gewalt.“

„Lassen Sie uns bei diesem Thema bleiben: ist es denn gerechtfertigt, dass Deutsche sich zur Wehr setzen, wenn sie sich durch die gesellschaftlichen Verhältnisse angegriffen fühlen?“ „Das Problem ist, Deutsche setzen sich gleich zur Reichswehr.“ „Die wollen ja gar nicht über Diskriminierung sprechen, schon gar nicht vorurteilsfrei.“ „Meinen Sie, die müssten sonst zugeben, zu Recht diskriminiert zu werden?“ „Sie müssten zugeben, dass sie das nur für die eigene Opferrolle behaupten.“ „Das ist eine schwere Anschuldigung!“ „Das fällt aber auch auf fruchtbaren Boden.“ „Wenn ich mir vorstelle, dass man mit solchen Rechtfertigungsmodellen schnell eine enorme Gefolgschaft in den sozialen Medien generieren kann, dann ist das schon plausibel.“ „Sie unterstellen den Deutschen ein gezieltes Vorgehen, das sich…“ „Es sind ja auch nicht alle dumm.“ „Und diese Mechanismen sind seit vielen Jahren produktiv.“ „Da ist vieles historisch bedingt, von den großen Einwanderungswellen unter Friedrich dem Großen angefangen.“ „Und dann haben diese Osteuropäer den deutschen Bergarbeiter ja fast verdrängt.“ „Das sind nationale Traumen.“ „Mag ja alles sein, aber sie haben seit Jahrhunderten immer wieder die Chance gehabt, sich in eine stark von Einwanderung Technologie- und Kulturtransfer geprägte Gesellschaft zu integrieren.“ „Hm, ja.“

„Hätten wir nicht einen von denen fragen sollen, die sich diskriminiert fühlen?“ „Auf der anderen Seite, haben Sie Lust, sich dieses ewige Gejammer anzuhören, dass Deutscher sein inzwischen wie eine Straftat behandelt wird?“ „Das kennt man auch aus ihren Zeitungen.“ „Und sie werden auch in manche Sendungen eingeladen, wo sie immer wieder diese alten Geschichten erzählen.“ „Also wenn man etwas als Geschäftsmodell bezeichnen sollte, dann ja wohl das!“ „Sich diskriminiert fühlen und dafür noch Startgeld kassieren!“ „Widerlich!“ „Dafür habe ich echt kein Verständnis mehr.“ „Wobei wir jetzt genau genommen nicht sehr fair sind, in einer solche Debatte sollte man auch Betroffene zu Wort kommen lassen.“ „Um sich mit Geschichten aus dem Paulanergarten zu langweilen?“ „Anekdotische Relevanz ist eben meist aus einer gewissen Hysterie gespeist.“ „Verstehe, bedauerliche Einzelfälle.“

„Meinen Sie denn, dass der Eindruck, durch Sprache diskriminiert zu werden, auch die Realität widerspiegelt?“ „Wenn wir alles verbieten würden, wodurch sich andere angegriffen fühlen könnten, dann hätten wir gar keine Meinungsfreiheit mehr.“ „Das muss der Diskurs schon aushalten, dass man auch mal Einzelmeinungen toleriert.“ „Und das mit dem Humor ist ja auch kein Einzelfall.“ „Wir reden hier jetzt nicht von Beleidigungen oder verbaler Gewalt, aber wenn man die als Kartoffel…“ „Ja, das Argument kennen wir – die Kartoffel kommt ursprünglich aus Südamerika, das stellt die Identität der Deutschen in Frage.“ „Aber die fühlen sich ja schon angegriffen, wenn sie als Lauch bezeichnet werden.“ „Lauch?“ „Das habe ich jetzt nur für ganz bestimmte Gruppen in Erinnerung.“ „Nach dem Verständnis dieser Deutschen darf aber auch nur ein Deutscher entscheiden, ob irgendetwas objektiv als Beleidigung gemeint ist.“ „Der Diskurs muss also auch aushalten, was manche nicht hören können?“ „Das würde ich dann aber nicht mehr als objektiv bezeichnen.“ „Also wenn ich jetzt einen Deutschen als Bleichgesicht anspreche, dann hat der doch aus sozialgeschichtlicher oder kulturgeschichtlicher Sicht auch immer die Chance, das positiv bewerten zu können.“ „Das sind eben die Erfahrungen, die zum Teil über Generationen…“ „Und weil diese Scheißkartoffel im Geschichtsunterricht gepennt hat, soll ich jetzt Rücksicht nehmen!?“

„Wo sehen Sie denn Wege aus dieser Krise?“ „Wieso Krise?“ „Ich bin gegen Diskriminierung, aber irgendwann muss auch mal gut sein.“ „So sehe ich das auch.“ „Ich sehe das pragmatisch, wenn die den Eindruck haben, sie könnten hier nicht mehr leben, wir hindern sie nicht am Auswandern.“ „Da der Deutsche ja alles besser kann und sich fürs Fernsehen beim Auswandern filmen lässt, ist doch alles gut, oder?“ „Liebe Zuschauer, das war unsere heutige Talkrunde Deutschland direkt live aus Studio C, morgen erwartet Sie an dieser Stelle Markus Willberg mit Zur Sache. Wir wünschen Ihnen eine geruhsame Nacht.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXLIX): Die Internetmetamorphose

29 01 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Lernen durch Nachahmung stand bei der Sippe an der westlichen Felswand hoch im Kurs. Wie Rrt Geschick bewies beim Abstreifen der Buntbeeren vom Strauch, so machten es auch andere nach, um die Beikost zur Säbelzahnziege zu sichern. Mit zunehmendem Schädelvolumen stieg auch das zum Überleben notwendige Wissen; nach und nach beschäftigten sich die Hominiden mit Ackerbau, Viehzucht, Drogen und schließlich der Vernichtung des Planeten durch bunte Blechkisten, die immer größer sein mussten als die Blechkisten vor der Hütte des Nachbarn. Berufe entstanden, Bäcker und Arzt, Investmentbanker und Totengräber, und die Kenntnisse spezialisierten sich zwangsläufig – irgendwann war es nicht mehr egal, ob man gerade Menschen unter den Acker pflügte oder eine ganze Volkswirtschaft. Allmählich setzte das Vertrauen ein, dass die Pausenclowns an den Schnittstellen der Kompetenz etwas abverlangte: die leise Ahnung dessen, was sie schafften. Ansonsten holten Meister und Richter schnell den Hammer hervor und taten das Ihrige. Gut, dass wir heute das Internet haben.

Die schlecht gefeudelte Echokammer auf den digitalen Endgeräten ist noch immer voller Dackel, die sich als Bundestrainer ausgeben. Früher, als wir alle noch am Stammtisch saßen, war es schwieriger, sich als Fachkraft für Expertenwissen auszugeben, falls man nicht heimlich Handbücher im Rucksack mitgeschleppt hatte: ‚Raketenwissenschaft für Dummies‘, ‚Wie werde ich Bundeskanzler‘ oder ‚Alles über Jurististik (mit 666 Angeberfragen)‘. Bestand der vordergründige Vorteil auch darin, die anderen Klötenkönige vorübergehend an die Wand labern zu können, irgendwann hat es sich immer gerächt. Jeder Bauer, der zufällig die Wirkung von nichtkompetitiven Antagonisten erklären konnte, galt nur bis zum dritten Schnaps als die Kanone der Pharmazie westlich der Unterweser, abgesehen von anderen Erklärversuchen der Scherungsdynamik von Festkörpern oder des Verstrickungsbruchs. Das aber lässt sich schon durch eine Verschiebung des Kommunikationskanals bewerkstelligen.

Wie wunderbar einfach schwiemelt sich der durchschnittliche Dumpfschlumpf ein Profil aus dem bisschen Person, das er mit sich schleppt, und wie distinguiert schmückt er sich noch mit allerlei Gefieder, das Google gefällig hervorwürgt aus dem Gewölle des Datenmülls. Eben noch ein normaler Versicherungsangestellter, vom Rechnen mit einer Unbekannten körperlich überfordert, jetzt schon Fachmann für Sachen, Prozesse und Gedöns. Muss manch anderer aufwendige Artefakte beibringen, damit man ihm das Medizinstudium abkauft, mutiert der Realitätsallergiker flugs zum Chefarzt, hat schon Dutzende von Blinddärmen durch die Nase entfernt, den Nobelpreis von Dingenskirchen gewonnen und seinen eigenen DSM-Code. Allein dies ließe sich auch mit einem weißen Kittel und dem Stethoskop aus dem Onkel-Doktor-Koffer bewerkstelligen. Profis durchlaufen blitzartig und anfallsweise eine Metamorphose, und zack! sind sie Autoritäten auf dem Gebiet der abstrakten Algebra – je abstrakter, desto besser.

Nach dem Grundsatz diverser Parallelexistenzen aus Coaching und Lebenshilfe, dass Wollen gleich Können ist, glauben wir alles. Was erwartet man schon von Grützbirnen mit Bausparerabitur, die nach trockenem Husten eine Krebsdiagnose aus dem Netz popeln, am Rande des Wahnsinns ein Geländer aus Stahlseilen aufzustellen oder den Rasen mit Nitroglycerin zu sprengen. Da Angebot und Nachfrage oft knirschend kollidieren, decken die Koryphäen spielend und oft gleichzeitig Börse, Atomenergie, Terrorismus und profunde Kenntnis der Weltgeschichte ab, je nachdem, was Wikipedia gerade im Angebot hat. Wer auch immer zuerst die Idee hatte, als Profi für Pinselschimmel die Foren des Heimwerkerparalleluniversums zu entern, hier lauerte ewiger Ruhm. Oder eine Chance auf den Titel als dümmster Flusenlutscher aus Kohlenstoff.

Wahre Helden erkennt man vermutlich daran, dass sie nach ihrem Gestaltwechsel auch genau begründen können, warum sie keinen blassen Schimmer hatten. Manche von ihnen, die Talent und Neigung zum Psychopathen vorweisen, wären gar in der Politik gut aufgehoben, weil sie auf ihr dümmliches Geseier von eben gerade keinen Wert mehr legen. Vielleicht rettet sich einer mit absolut null Ahnung in die Wirtschaftsnachrichten, um das Evidente mit viel Getöse zu verschwurbeln, um bei Gelegenheit in einen astrologischen Spartenkanal zu wechseln, wo es dann auch schon reißpiepenegal ist, wer was warum unter sich lässt. Hinderlich könnte hier nur sein, dass der Halbgott auf Entzug nicht sieht, welches Chaos er mit seinem porösen Verbalgranulat hinterlässt, denn darauf kommt es ihm wohl an: dass es manche gibt, die sich von Realität und Schmerzen nicht beeindrucken lassen, wenn sie der Stimme der Beklopptheit folgen.

Irgendwann, wenn das Internet verfilmt wird, ersetzt man sie durch billige Special Effects, weil so viel Dummheit nicht mehr in drei Dimensionen passt. Aber wie kriegt man das am billigsten hin, ohne das Raum-Zeit-Kontinuum zu verdeppern? Ich frage für einen Freund.





Echte Männer

27 01 2021

Der Auslieferungsfahrer schwitzte. Der Karton war ziemlich groß, ziemlich schwer und dazu noch mit den scharfkantigen Packbändern versehen, an denen man sich sofort die Finger aufriss, wenn das Paket zu rutschen begann. Und es rutschte sofort. „Halb so wild“, erklärte Siebels. „Wir sind versichert. Sie werden gleich sehen, warum.“

Zwei andere Posten Stückgut lagen schon auf dem Wägelchen, das in den Hof rollte. „Drehen wir im Freien?“ Der TV-Produzent nickte. „In dieser Atmosphäre finden die Zuschauer das interessanter, und wir können mit der Drohne auch hervorragende Aufnahmen von oben machen.“ Im Garageneingang standen ein Rollschrank mit allerlei Werkzeug und ein Kosmetikkoffer. „Der Visagist sollte wissen, was er da tut.“ Siebels warf seinen Becher in den Müllsack neben dem Eingang. „Obwohl es bei der Knalltüte auch keinen Unterschied mehr macht, was man ihm ins Gesicht schmiert.“ Der Maskenbildner werkelte an Michi Wunder herum, seiner Ansicht nach einer der größten Schlagersänger überhaupt. „Ich will die Augenbrauen breiter“, pöbelte der Musikant, „und schmier mir hier nicht die Hose voll!“ „Das lässt er sich gefallen?“ Siebels zog die Augenbrauen hoch. „Der Visagist? Aber ja doch.“ Ein Helfer reichte ihm neuen Automatenkaffee. „Er sieht ja später zu, wie es ausgeht.“

Gänzlich ungewohnt trat Herr Wunder in einer Art Blaumann mit Glitzer in den Hof und sah dabei aus, als hätte sich Elvis in eine Klempnerei verirrt. „Wir drehen!“ Schon griff er nach einem der drei Umschläge – Gold, Silber oder Platin – die auf dem Tischchen vor ihm lagen. „Verstehe“, murmelte ich, „deshalb auch die drei Pakete.“ „Wir haben jetzt erst mal eine Viertelstunde Pause“, flüsterte Siebels zurück. „Setzen Sie sich auf den Hocker, es wird ein bisschen dauern.“ Tatsächlich mühte sich die geschniegelte Trällerfigur mit manikürten Nägeln an der Pappe ab, bis nach gut zwanzig Minuten der Regieassistent verstohlen einen Schraubendreher in die Luft hielt. „Sehr gut“, grinste Siebels. „Genug Material für eine Folge mit Outtakes, zwei bis drei Trailer und Bonusmaterial für registrierte User.“

Mich interessierte mehr, wie er es selbst an den entlegensten Orten der Welt schaffte, nach Plastik schmeckenden Kaffee in Pappbechern zu besorgen, aber da hatte Michi den Karton schon geöffnet. Das ungünstige Verhältnis von Geschicklichkeit zu Schwerkraft ließ die weiß lackierten Bretter auf den mit Steinplatten ausgelegten Boden des Innenhofes purzeln. Ein lautstarker Fluch beendete die Szene. „Danke“, näselte der Aufnahmeleiter. „Fünf Minuten.“ Unser Wunderknabe war den Tränen nah. „Es wird noch besser“, erklärte Siebels. „Sie haben das Konzept der Sendung, und glauben Sie mir, es wird sehr gut.“

Zehn Minuten und eine schnelle Schminkeinheit später war alles wieder bereit. Siebels verfolgte den Ablaufplan auf seinem gewohnten Klemmbrett und blickte aufreizend desinteressiert, während unser Schlagerstar ein halbes Dutzend Regalbretter, die Seitenteile und diverse Schrauben sortierte, sie sich in der Verpackung befunden hatten. „Ich kenne das nur zu gut“, befand ich, aber der Fernsehmacher ließ mir keine Gelegenheit für Selbstmitleid. „Er wusste, dass er sich auf ein richtiges Abenteuer einlässt, und das hat er jetzt davon.“ Noch verstand ich nicht, aber Siebels klärte mich auf. „Das Format heißt Echte Männer, und genau darum geht es auch.“ Michi fielen gerade drei Böden nacheinander zusammen, da er sie an ein schräg gestelltes Brett angelehnt hatte. „Wir haben jede Menge Material, mit etwas Glück reicht es für einen Jahresrückblick. In diesen Zeiten ist man immer froh für etwas Ablenkung.“

Unser Showstar hatte gerade eben die Tüte mit den Schrauben entdeckt. Diese sahen auf den ersten Blick alle gleich aus, es handelte sich allerdings um doch recht unterschiedliche Objekte, wie er der Aufbauanleitung hätte entnehmen können, wenn er sie denn gelesen hätte. „Tragisch“, kicherte der Aufnahmeleiter. Dabei hatte er gerade den besten Augenblick zu drehen verpasst, als Michi den Hammer in den Spanplattenhaufen schleuderte. „Es spricht ja auch so für sich“, meinte Siebels. „Die Story passt einfach: ein Aufziehaffe scheitert an einem billigen Bücherregal. Dem nehme ich doch alles ab.“ Da hatte unser Hauptdarsteller auch schon angefangen, auf die Bretter zu schimpfen. „Mir war jetzt nicht klar, dass die Bundeskanzlerin befohlen hatte, schwedische Regale so zu designen, dass man sie als weißer Mann ohne Migrationshintergrund nur aufbauen kann, wenn ein mit jüdischem Geld nach Deutschland geschleuster Flüchtling zur Hilfe kommt und einem dann den Job wegnimmt.“ Der Aufnahmeleiter drehte sich eine Zigarette; dies hier würde bestimmt länger dauern.

Wir ließen ihn wüten. „Lassen Sie sich nicht beeindrucken“, sagte er und nippte am Kaffee, „für Geld machen Leute wie der alles, weil sie ohnehin keinen Ruf mehr zu verlieren haben. Wir achten in der Vertragsgestaltung nur darauf, dass er hinterher die Klappe hält.“ Der Auslieferungsfahrer hatte unterdessen Teppich in Studio 5 verlegt, bevor zwei Möbelpacker eine Sitzgruppe mit Schrankwand und diverse Leuchten aufgebaut haben. „Vorsicht mit den Kabeln“, warnte die Regieassistentin. „Der Staubsauger ist da.“ Siebels nickte befriedigt. „Sehr gut, dann haben wir heute zwei Folgen im Kasten.“ Die Lichtprobe lief, der Visagist trug seine Koffer rein. „Noch zehn Minuten“, rief die Assistentin. „Friedrich Merz ist fast fertig.“





Rechenschieber

14 01 2021

„… habe die ARD beschlossen, während des Lockdowns drei Stunden täglich Lernformate im Fernsehen anzubieten, die für alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen…“

„… nicht mit der Kultusministerkonferenz abgestimmt worden sei, so dass sich teilweise eine Redundanz zu den Lehrplänen der Fächer Deutsch, Gemeinschaftskunde und Physik in Hessen und dem Saarland, in Mathematik und Biologie unter besonderer Berücksichtigung der Untersekunda in Baden-Württemberg sowie in Englisch und…“

„… habe Scheuer gegen die TV-Übertragungen entschieden protestiert. Deutsche Schulen seien erst seit etwa zwanzig Jahren an das Interwebnetz angeschlossen, die verfrühte Informationsdominanz durch das lineare Fernsehen könne schnell alle Fortschritte des Netzkompetenzaufbauprogramms der Bundesregierung im Keim…“

„… werde der Bayerische Rundfunk die von der ARD und ihren Spartenkanälen angebotenen Lerninhalte nicht mittragen. Ein für alle Klassen verpflichtender katholischer Religionsunterricht müsse in ausreichendem Maße berücksichtigt werden, um die sittliche Verrohung durch den außerschulischen Unterricht möglichst…“

„… auch Sendungen des BBC in den täglichen Lehrplan aufnehmen wolle. Nach Ansicht der Kultusminister könne man so das Fach Englisch komplett einsparen und habe mehr Freiräume, die Schüler durch praxisnahe Inhalte wie Latein und…“

„… befürchte Buhrow den Rückgang von Werbeeinnahmen. Es sei allerdings möglich, die pädagogischen Formate durch beliebte Sendungen wie Sturm der Liebe aufzulockern, um eine nachhaltige Zuschauerbindung bereits jetzt zu…“

„… bestehe der Plan der von Merkel dirigierten Systemmedien darin, das Jungvolk moralisch zu versiffen. Die Häufung der Beiträge im Fach Kunst über jüdische oder homosexuelle Maler sei der Versuch der von Bill Gates gesteuerten Kanzlerin, eine ganze Generation zum Hass auf die deutsche Kultur zu erziehen. Gauland werde dem nicht ohne eine Klage vor dem…“

„… aus Kostengründen alte Sendungen aus dem Schulfunk der dritten Programme wiederholen wolle. Thüringen und Sachsen hätten jedoch empört gegen eine neuerliche Vernachlässigung ihrer Bundesländer gefordert, den Rundfunkbeitrag nicht mehr an die…“

„… dass die politische Gliederung Deutschlands in sechzehn Bundesländer zwar wichtig sei, im Lehrplan der Klassenstufe 5 jedoch zwingend die Größe der Regenwälder sowie die Nebenflüsse des Amazonas und der…“

„… kritisiere die Kultusministerkonferenz vor allem die mangelnde inhaltliche Tiefe der Beiträge. Ein Film über die moderne Großstadt als Wohn- und Naturraum müsse unbedingt einen Exkurs über die Notwendigkeit ständiger Mietsteigerungen beinhalten, da sonst falsche Vorstellungen vom Sinn des Schulunterrichts bei den…“

„… es allerdings nicht mehr möglich sei, die mathematisch-naturwissenschaftlichen Sendungen von 1970 zu wiederholen, da der zur Durchführung der Übungsaufgaben erforderliche Rechenschieber nur noch in wenigen Haushalten im…“

„… nur wissenschaftliche Einzelmeinungen abbilde. Der Verband Kritischer Eltern wolle nicht hinnehmen, dass die Evolutionstheorie als absolute Wahrheit dargestellt werde, ebenso fordere die Bundessprecherin eine Wahlfreiheit, ob die Erde als Scheibe oder…“

„… den Geschichtsunterricht bewusst entstellt habe, um alle Deutschen in den Schuldkult zu treiben, der nur in der ewigen Befriedigung gieriger Juden enden könne. Höcke werde sich vor dem…“

„… es mehr Kontrollen über den Lernerfolg geben müsse. Söder mahne an, dass für die frei verfügbaren Lerninhalte keine Erfolgskontrolle und eine kommentierte Lehrerausgabe der Filme im Netz zu finden sei. So könne sich jeder Schüler eine freie Meinung bilden, was nicht im Sinne des…“

„… die Beiträge deutlich straffen und mit erhöhter Geschwindigkeit abspielen müsse. Die Kultusminister würden befürchten, dass sich die Verkürzung der Schulzeit auf maximal zwölf Jahre sonst nicht abbilden lasse, was zu einer drohenden Untauglichkeit der Schüler für das Arbeitsleben…“

„… bedürfe es lediglich eines Fernsehers oder eines digitalen Endgerätes, um den Sendungen zu folgen. Es sei für Heil nicht Aufgabe des Staates, sozial schwachen Familien diese Technik über den ALG-II-Regelsatz zu finanzieren, außerdem liege es natürlich im Ermessen jedes einzelnen Bürgers, ob er sich Kinder anschaffe oder weiterhin als…“

„… die Filme über den Reichstagsbrand, den Polenfeldzug sowie die Judenverfolgung und den Holocaust als sehr gute Aufbereitung des Materials für die gymnasiale Mittelstufe bezeichnet habe. Es sei jedoch erforderlich, so Seehofer, dass nach jedem dieser Clips ein Warnhinweis vor der Antifa, die sogar Autofenster zerstören würden, um ihre menschenverachtenden und…“

„… scharfe Kritik an den Aussagen der ARD geübt habe, dass die Kinder die Lerninhalte von den Eltern begleitet anschauen sollten. Dies könne auf Dauer aber dazu führen, dass ihre wirtschaftliche Leistung durch die ständige Betreuung ihrer…“

„… beides verbinden wolle. Die Kultusminister hätten angeregt, alle Schüler im privaten Rahmen zu versammeln, um den Schulfunk zu sehen. Eltern seien damit wieder arbeitsfähig und hätten keine Infektionen im schulischen Rahmen mehr zu…“





Versatzstücke

17 12 2020

„An Ihrer Stelle hätte ich das anders gesagt, aber ich bin ja nicht Sie.“ „Danke!“ Hans Fritz, derzeit der größte Charakterdarsteller der vergangenen zehn Jahre, schritt wieder von der Freitreppe am städtischen Schwimmbad herunter. „Nehmen wir“, knurrte Siebels. „Wer weiß, wozu es gut ist.“

Inzwischen hatte Fritz die Krawatte gewechselt, einen hellen Sommermantel übergestreift und sich in einen silbernen Sportwagen am Fuß der Treppe gesetzt. „Und bitte!“ Der Schauspieler riss hastig die Fahrertür auf, stieg aus und rannte die Straße entlang, bevor er sich an den Kopf fasste und zum Auto zurücklief. „Das Licht“, fluchte es hinter uns. „Jut, machen wa noch een.“ Siebels nippte an seinem Automatenkaffee. „Wir machen die Szene dann auch noch mal ohne Mantel.“ Der Regisseur wollte etwas einwenden, nickte aber ergeben. So schnell würde er keinen ganzen Drehtag mehr mit Hans Fritz und Linda Borowki bekommen.

Die Nachwuchsdiva hatte durchaus einen Ruf zu verteidigen. Ihre Schuhe waren nicht im für sie passenden Schwarzton. Sie schrie den Mitarbeiter aus der Garderobe an. Der Regieassistent tupfte sich den Schweiß ab. „Sie soll gleich die Szene im Fahrstuhl machen“, stöhnte er, „da sieht man die verdammten Schuhe sowieso nicht.“ „Kamera III läuft.“ „Es handelt sich um eine Deckenkamera“, informierte mich Siebels. „Wir haben nur einen normalen Fahrstuhl auftreiben können, also haben wir ein Weitwinkelobjektiv in die Kabinendecke eingebaut und machen eine kurze Einstellung während der Fahrt und eine, in der ein Komparse mit einer Menge Aktenordnern einsteigt.“ Borowki spielte die Anwältin eines Großkonzerns, die auf eigene Faust einen Insiderhandel aufdeckt. „Geben Sie der Dame irgendwelche Schuhe“, flüsterte der Produzent. „Ich kann dieses hysterische Gefasel nicht mehr hören.“

Unterdessen zwängte Fritz sich in einen zu engen Lederkombi – oder er hatte zwischen Casting und Dreh ein bisschen zugenommen – und setzte sich eine dunkle Sonnenbrille auf. „Wo ist das verdammte Motorrad!?“ Ich blickte Siebels an. „Ich will Ihnen ja keinen Vorwurf machen, aber offenbar hat keiner an dieses Motorrad gedacht.“ Er warf den Becher mit geübtem Schwung in den Papierkorb. „Wenn Sie das Buch gelesen hätten“, antwortete er ruhig, „dann wüssten Sie, dass man ihm gerade das Motorrad gestohlen hat.“ „Und bitte!“ „Wo ist das verdammte Motorrad!?“ Fritz schien der Hals zu platzen. „Wo ist das verdammte Motorrad!?“ „Er ist ein richtiger Profi“, erklärte die graue Eminenz der deutschen Fernsehunterhaltung. „Andere würde so eine Szene uninspiriert wegspielen, er aber steigert sich regelrecht in seinen Text rein.“ Johnny, der Altrocker, schmiss wutentbrannt seine Handschuhe aufs Pflaster. Der Regisseur strahlte.

Anders bei Linda Borowki, die zu langsam auf den Fahrstuhl zuging. Es fehlte ihr an Nervosität, sie sollte in wenigen Minuten ihr Unternehmen in Gefahr vorfinden. „Glatte Fehlbesetzung“, meinte ich, doch auch das sah Siebels anders. „Haben Sie innerhalb der letzten Jahre…“ Ich schüttelte bereits den Kopf, doch wollte ich den TV-Produzenten nicht unterbrechen. „… irgendwelche Serien gesehen, die sich durch besondere Originalität ausgezeichnet hätten?“ Mein Schweigen schien Schuldeingeständnis zu sein. „Die ganze Wirkung beruht auf Dialogen, die sich selbst für witzig halten. Und genau da müssen wir als Produzenten nun ansetzen.“ Ich schaute ihn an; keine Spur von Ironie, also musste ich fürchten, er meinte es am Ende ernst. „Dialoge“, erläuterte Siebels, „bestehen immer aus denselben Versatzstücken, manchmal mehr, meist wenig passgenau.“ Ich erinnerte mich einiger Krimis im Sonntagsprogramm und nickte betroffen. „Lassen Sie den Humor beiseite“, bemerkte er mit einem müden Unterton. „Den werden Sie hier eh kaum finden. Es geht ohnehin nur um den Teil, den die Regie nicht im Griff hat, weil er sie intellektuell überfordert.“ Ich verstand nicht, aber da kam schon die nächste Szene.

Kommissar Klöpper schmiss seinen Mantel auf einen Stuhl und drehte sich um. „Der Fall ist klar“, deklamierte er. „Machen Sie Feierabend, ich schreibe schon mal den Bericht.“ „Cut“, schrie es aus der Kulisse, und: „Danke, gestorben.“ „Für die durchschnittliche Produktion reicht das“, sagte Siebels. „Der erste Verdächtige im Krimi ist ja eh nie der Täter, und der Zuschauer weiß das. Wir lassen den Mann als Kommissar Klöpper, als Sonderermittler Habicht oder den Bullen von Bad Gnirbtzschen im halben Halbprofil filmen, dann können wir ihn in dreizehn Serien einsetzen, ohne dass er auffällt, und die Szene passt in jeden Film.“

Der Aktenschlepper hatte den Fahrstuhl wieder verlassen, jetzt stand Linda Borowki allein in der Kabine. „Draufhalten“, sagte Siebels. „Sie wird ja schon ein bisschen unruhig, wollen wir mal sehen, wann sie die Nerven verliert.“ Das ging erstaunlich schnell, und innerhalb von zwei Minuten zeigte die Darstellerin einen erstaunlich lebensechten Anfall von Klaustrophobie, bei dem sie den Fahrstuhl von innen in seine Bestandteile zu zerlegen versuchte. „Ich frage mich gerade, ob das nicht ein bisschen zu echt ist.“ Siebels zog die Stirn in Falten. „Und Sie hielten sie für eine Fehlbesetzung?“ Unterdessen lief die Kamera weiter. Die Anwältin tobte und schrie. „Manchmal“, überlegte er, „da entsteht aus der Arbeit etwas ganz Neues, das erst im Schnitt seine Qualitäten entfaltet. Man kann ganz neue Szenen daraus erarbeiten, vielleicht sogar einen ganz neuen Film.“ Siebels winkte dem Regisseur. „Wir lange haben Sie denn heute noch Zeit?“





Per Sachsen-Anhalter

2 12 2020

„… es Absprachen gegeben habe, um die Anhebung des Rundfunkbeitrages in letzter Minute zu verhindern. Ein gemeinsames Veto von CDU und AfD könne ein Zeichen setzen in der Reduzierung des staatlich gelenkten…“

„… werde die SPD trotz ihres Protestes vorerst keine Konsequenzen für die Regierungskoalition in Sachsen-Anhalt in Erwägung ziehen. Man verlasse sich eher auf die Grünen, die ohne Beteiligung an der Bundesregierung eine eigene…“

„… dass Haseloff entschieden zurückweise, die AfD als Erfüllungsgehilfen für die staatsfeindliche Politik der Ost-CDU zu missbrauchen. Ob dies im umgekehrten Fall der Weg sei, entziehe sich jedoch der Kenntnis des…“

„… teilweise Verständnis für die Arbeit der öffentlich-rechtlichen Programme geäußert habe. Meuthen wolle nur ungern auf die staatliche Presse verzichten, da er sich sonst nicht so leicht in eine Opferrolle wegen ihrer Berichterstattung im…“

„… dass das Ausscheiden eines einzelnen Landes aus dem Mitteldeutschen Rundfunk oder die Selbstständigkeit des MDR auch technisch nicht zu bewerkstelligen seien. Ebenso könne das Land ohne die Unterstützung anderer ARD-Anstalten keine ausgewogene Berichterstattung garantieren und müsse hinnehmen, dass sich kritische, teilweise sogar demokratische Tendenzen in einzelne…“

„… den Parteienproporz in TV-Talkshows abschaffen werde, um die politische Bevormundung der Bürger zu beenden. Im Gegenzug verlange die AfD, dass pro Sendung mindestens drei ihrer Vertreter in den…“

„… Einsparungen durch die Abschaffung des Kinderkanals vorgeschlagen habe. Höcke fordere die freiwillige Zwangsmitgliedschaft in einer nationalen Organisation, die das Jungvolk auf den Angriffskrieg gegen negroide Fremdrassen und ostische Ballastvölker in den…“

„… habe Haseloff allerdings die Änderung des Rundfunkstaatsvertrages unterschrieben. Er werbe jetzt für eine Enthaltung, um später den linksgrünen Parteien die Schuld an der…“

„… vielmals um Entschuldigung gebeten, dass die Volksvertreter der Alternative für Deutschland in diese Lage gebracht worden seien. Buhrow wolle auch im kommenden Jahr eine…“

„… die Erhöhung letztlich nur sechsundachtzig Cent betrage. Als Kompromiss wolle die CDU-Fraktion vorschlagen, dass der neue Beitrag den Wert von 18,88 EUR…“

„… einen zu starken Fokus auf die westlichen Sendeanstalten moniere. Höcke wolle nur bei einer autonomen Sendeanstalt, die umfassend von seinen Ostfeldzügen berichte, eine Lösung mit den…“

„… dass die Rundfunkgebühr weiterhin als ‚Demokratieabgabe‘ bezeichnet werden dürfe. Die Praxis sei nach Forderung von Gauland sofort zu beenden, da man dem Volk nicht zumuten könne, Geld für etwas zu bezahlen, was man gar nicht…“

„… nicht auf die Kompromissfähigkeit der Grünen setze. Haseloff werde sich auch nach der Neuwahl in einer Minderheitsregierung gut mit der AfD verstehen und den Wählerwillen als…“

„… umfangreiches Material in den Archiven der Sendeanstalten vorgehalten werde. Buhrow habe sich entschuldigt, dass bisher nur knapp 3.000 Stunden Dokumentations- und Propagandamaterial über den Nationalsozialismus ausgestrahlt worden seien und verspreche, dass durch Konzentration und Neugestaltung eine Vielzahl neuer Sendungen in den kommenden Monaten und…“

„… in den ersten hundert Tagen seiner Kanzlerschaft täglich bis zu zehn Stunden in einem überregionalen Programm auftreten werde, das die Gebühren von dreißig Euro auch wert sei. Merz könne sich dazu mehrere neue staatlich finanzierte und/oder privat produzierte Sender zu seinen…“

„… seien die öffentlich-rechtlichen Sender eine Erfindung der alliierten Kriegsverbrecher, um die Lufthoheit über die Volksempfänger und damit die deutsche Ehre zu brechen. Höcke drohe sämtlichen Feindmächten mit dem brutalsten Widerstand gegen von zionistischen Mainzelmännchen gekauftes…“

„… verbitte sich Haseloff eine Einmischung in seine Zusammenarbeit mit Nationalsozialisten. Er werde seine Lehren daraus ziehen und nach den Neuwahlen als Juniorpartner der von Tillschneider geführten SA-AfD keine Rücksichtnahme auf…“

„… kritisiere die Partei das gesamte Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und wolle eine wesentlich bessere Lenkung. Statt die Anstalten von gewählten Parlamentariern leiten zu lassen, werde man ab sofort nur noch die AfD mit der Direktion der jeweiligen…“

„… habe Kramp-Karrenbauer eine sehr klare Meinung zum aktuellen Geschehen. Da es unter Merkel zu oft gemeinsame Lösungen gegeben habe, müsse die Union jetzt demokratische Prozesse neu denken können. Sie selbst sei jedoch nicht dieser Ansicht, wolle sie auch nicht öffentlich äußern und nach ihrem Rücktritt ein Parteiamt mit weniger…“

„… das stalinistische Hetzfernsehen einfach durch unabhängige Internetkanäle ersetzen wolle. Meuthen rechne fest mit mehreren Millionen Zuschauern, die ein von der AfD produziertes Medium mit bis zum drei Stunden hochwertigen Inhalten pro…“

„… sich die erste Erhöhung der Gebühren nach 2009 für die CDU im Rahmen halte. Der lange geforderte Bau der zusätzlichen Sendezentrale in Magdeburg könne nach der Zustimmung aus dem Westen nun Akzente setzen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die Haseloff als Intendant des…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXXVII): Die ewige Gegenwart der Nachrichtenüberflutung

23 10 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Versorgung der Gesellschaft mit aktuellen Nachrichten unterlag auch einem medialen Wandel, der den Umgang damit bestimmte. Im Zeitalter der kompletten Vernetzung bedarf es lediglich einer ungeschickten Handbewegung, schon quillt ein Brei an Neuigkeiten aus dem digitalen Endgerät; noch vor wenigen Jahrzehnten versammelten sich die Andächtigen vor dem televisionären Kasten, um die abendliche Ration an Kunde aus der Welt in Bild und Ton zu empfangen, wie sie davor aus der Wochenschau vermeldet ward und aus dem Radio suppte. Bis zur Nutzbarkeit der Elektrizität im industriellen Maßstab erschienen Zeitungen zwar täglich, unterrichteten jedoch noch mit erheblichem Verzug von Wahlen, Kaiserreden und anderen Katastrophen, was in interkontinentalen Maßstäben erst so richtig auftrug. Wissen ließ sich problemlos konservieren, aber dies ist ja nicht alleiniger Zweck eines Mediums. Erst die Erfindung des Buchdrucks machte es verhältnismäßig einfach, die Menschheit von der Erfindung des Buchdrucks in Kenntnis zu setzen. Warum haben wir uns zu den Konsumenten für allerlei Verkündigungskrempel entwickelt, und wenn ja, wozu eigentlich?

Tatsächlich waten wir schon nicht mehr durch die Flut der Schnell-, Eil- und Sondermeldungen, die uns ungehemmt auf allen Kanälen die Beine wegreißt, uns überspült und in sinnlosen Details der ewig schwatzenden Kommentare ersäuft. Nicht mehr die laue Berieselung eines Supermarktes, in dem seichtes Popgeträller mit trivialer Reklame die Aufmerksamkeitsspanne langsam versanden lässt, nicht die einfach zu ignorierenden Schlagzeilen, die auf langsamem Papier an uns vorüberziehen und in der nahenden Vergangenheit verwehen, die brutale Echtzeit raubt uns den letzten betriebsbereiten Nerv und stellt das Bewusstsein des Bekloppten um auf vegetatives Funktionieren. Was eigentlich noch als Information gilt, wird schon bald nur noch als Grundrauschen wahrgenommen, bis die Fähigkeit zum Differenzieren endgültig verloren geht. Zeit als fundamentaler Faktor kognitiver Unterscheidungen spielt plötzlich keine Rolle mehr, und wenn, dann nur noch eine willkürliche; wie die Hirnautomatik des Glotzenguckers den Stützapparat steuert, dass er nur in den Werbepausen Körperflüssigkeit in die Kanalisation kippt und den Kaloriennachschub in der gepolsterten Zone sichert, so schaltet auch der Cortex irgendwann auf Standby, um nicht ständig mit irgendwelchen Statusänderungen belämmert zu werden. Wir kennen das von Opa, er hat uns oft genug aus dem Krieg erzählt.

Allein der Status ändert sich nicht wirklich. Die Anzahl der Kanäle wächst fortwährend, als würden immer mehr Lautsprecher dasselbe dudeln, eine statische Woge des reinen Nichts. Die Flut löst ein Gefühl gottgleicher Allgegenwart aus, als krümme sich die Zeit zusammen zu einem omnipotenten Präsens. Üblicherweise führt eine Überlastung zum Stillstand des Systems, so auch hier – Wichtiges und Unwichtiges verschwimmen, Widersprüche werden in der mantraartigen Wiederwiederholung gar nicht erst durch den Filter gelassen, nicht einmal durch die ansonsten zuverlässig sortierende selektive Wahrnehmung, die die meisten Deppen nur das hören lässt, was sie hören wollen. Natürlich ist dies auch der weitgehend ritualisierten Form des Nachrichtenjournalismus geschuldet, der aus den immergleichen Worthülsen einen Schlamm schwiemelt, der noch jeden Gehörgang verstopft hat. Und so entsteht aus der Bündelung der Stimmen das paradoxe Gefühl, der in den Schädel gehämmerte Schrott erzeuge die unumstößliche Wahrheit, in deren Besitz sich nun jede Knalltüte wähnen darf. Ewige Erleuchtung. Das Wissen.

Das Gegenteil ist der Fall. Sobald der gemeine Hohlpflock im Vollgefühl seiner Göttlichkeit zum Kommentar anhebt, merkt man, dass die manische Druckbeschallung unter der Kalotte besenreine Sauberkeit hinterlassen hat; ein paar Staubreste kleben noch in den Synapsen, aber sonst findet hier keine Signalverarbeitung mehr statt. Alles ist, nichts wird. Kausalzusammenhänge sind schon seit längerer Zeit nicht mehr auffindbar. Geschichte und Prognose kommen nicht mehr vor, sie sind nur noch Facetten eines kontinuierlichen Bewusstlosigkeitsstroms. Welcher Kontakt mit der Botschaft auch immer diesen Zustand auslöst, im Zweifel über die sozialen Medien, es ist nicht mehr entscheidend, wer wann etwas gesagt, geschrieben, veröffentlicht hat, es zählt nur noch der Zeitpunkt der Rezeption – esse est percipi, und nicht immer ist es dasselbe, was in einem Augenblick erschaffen und im anderen vernichtet wird. Manchmal kommt auch der Geist dazwischen.

Wo immer sich mit der linearen Zeit viel mehr Material anhäuft, das in seiner absoluten Menge die differenzierte Debatte auslöscht, wird eine echte Entscheidung unmöglich. Wenn wir merken, dass wir manipuliert werden, ist es schon zu spät, aber wir merken es nicht, weil wir den Unterschied von zwei Zuständen, vorher und danach, nicht mehr erkennen. Vielleicht werden wir irgendwann sehen, dass dies eine Sackgasse ist. Irgendwann später. Jedenfalls nicht jetzt.