Schlussrunde

27 09 2021

„Bedaure, gerade weg. Sie ist eben reingekommen und hat ihr Büro geräumt, und dann war auch gleich der Putzdienst da. Spezialkommando. Wenn CDU-Spuren gefunden werden, könnte das fatale Folgen haben. Vor allem für die CDU.

Das ist jetzt in allen Ministerien so, nicht nur im Kanzleramt. Vereinzelt hatten wir hier Mitarbeiter, die an ihren Bürostühlen festgekettet waren. Dass in Ministerkreisen gerne Gebrauch von Sesselkleber gemacht wird, vor allem in der CSU, das wussten wir. Aber das war schon überraschend, vor allem in der Menge. Offensichtlich haben mehr Menschen als erwartet ein Problem, wenn sie nicht mehr im Bundestag sitzen.

À propos Möbel, wir erwarten da ein mittleres Chaos. Laschet hatte drei Dutzend guten Freunden den Posten des Kanzleramtsministers versprochen – was man halt so redet, wenn man lange nicht an der frischen Luft war – und die haben sich jetzt Möbel bestellt. Büromöbel. Alle. Teilweise recht teuer, das hat aber keinen gestört, weil sie davon ausgegangen waren, dass sie im Fall einer anderen Entscheidung die Möbel einfach privat nutzen dürfen. Das muss irgendwo in der DNA der Partei verankert sein, wir haben keine andere Rechtsgrundlage gefunden für diese Vorgehensweise. Wenn ein anderer Kanzler ins Amt einzieht, dann werden diese Möbel alle wieder zurückgeschickt, aber wir wissen noch nicht genau, wer sich darum kümmern soll. Bisher wird nur gesagt, dass die private Nutzung preiswerter ist als das Zurückschicken. Aber wenn das aus der CDU kommt, weiß ich nicht, ob es belastbar ist.

Das da hinten? wir bekommen hier ganz neue Kaffeeautomaten. Einen pro Stockwerk. Das muss dieser Sozialismus sein oder der Linksrutsch, vor dem wir alle gewarnt wurden. Kostenloser Kaffee fürs Kanzleramt, wir werden alle innerhalb von vier Jahren pleite sein. Vielleicht hätten wir lieber neue Faxgeräte kaufen sollen, das wäre nicht aufgefallen. Oder klimaneutrale Kunstblumen aus Altplastik. Naja, ist jetzt auch egal. Laschet hätte uns das als Beginn des Innovationsjahrzehnts verkauft.

Vor allem muss unsere IT eine Sonderschicht einlegen, überlegen Sie sich mal, wer innerhalb der letzten Jahre hier ein- und ausgegangen ist, obwohl er in den Gebäuden gar nichts zu suchen hatte. Die Lobbyisten, Berater, Merz im Bundesministerium für Wirtschaft, Scheuer im Bundesministerium für Verkehr, die Zugänge müssen wir alle sperren. Die haben schon genug Unheil angerichtet. Natürlich sind da einige, die kriegen wir nicht so leicht aus dem System, aber das überlassen wir lieber den Fachleuten. Vor allem sicherheitstechnisch ist das schwierig. Wir gehen ja derzeit davon aus, dass sich CDU sich radikalisieren wird, und zwei radikale Parteien im Bundestag sind genug, die müssen nicht auch noch in der Regierung herumlungern.

Nein, ich muss da nicht rangehen, das habe ich seit gestern in einer Tour. Die wollten ja ziemlich schnell, dass die Auszählung gestoppt wird, bevor noch mehr Stimmen futsch sind, aber darauf lassen wir uns hier nicht ein. Ich kenne ja auch schon eine Menge schmutziger Tricks, und doch ist man immer wieder überrascht, was die sich einfallen lassen. Angeblich sollen wir auf das amtliche Endergebnis warten, dann werden die Stimmen noch zweimal nachgezählt, dann reicht die CDU Klage ein, dann geht’s vors Bundesverfassungsgericht, zum Papst, was weiß ich, aber vorher dürfen die Schreibtische der Mitarbeiter nicht aufgeräumt werden, genauer gesagt: sie wollen die Schlüssel für die Schubladen nicht rausrücken. Da kann ja schon mal der eine oder andere Umschlag drin liegen, in dem jemand seine Altersvorsorge aufbewahrt. Vermutlich ist nur keiner dazu gekommen, das Geld zu versteuern, deshalb brauchen jetzt noch alle ein paar Tage Zeit. Den schnellen Ausstieg aus der Kohle haben sich Schäubles Kollegen sicher auch anders vorgestellt.

Also wenn Sie heute nichts mehr vorhaben, ich mache gleich Schlussrunde durch den Bundestag. Da bleibt üblicherweise immer noch ein bisschen Zeug liegen – derzeit wird ein Gesetz zur Stärkung und Förderung der wehrhaften Demokratie vermisst, das Seehofer gegen die gesamte Union durchsetzen wollte, bis ihm jemand verraten hat, dass er dann nicht mehr mit den Nazis in seinem eigenen Laden kuscheln darf. Wenn Ihnen da etwas auffällt, was einen leicht bräunlichen Geruch nach Korruption hat, das könnte es sein. Ansonsten muss die Anzahl der Sitze angepasst werden, aber keine Sorge, viel kleiner wird’s nicht. Daran ist aber nicht die CDU alleine schuld. Die nimmt es nur billigend in Kauf.

Die müssen Sie nicht beachten, das ist nur der Wachschutz. Man soll den Teufel nicht an die Wand malen, aber manche Leute klauen wie die Raben, Kupferrohre, Stromkabel, Glühlampen. Wenn Sie mal überlegen, wie viele von denen bald keinen Job mehr haben, dann brauchen Sie hier eine Truppe, die durchgreift, bevor es zu spät ist. Wie man das in Deutschland ja auch wollte.

Ja, die rufen bestimmt den ganzen Tag lang an, aber das ist egal. Vorhin wollten sie, dass wir den Reichstag durchsuchen, weil die Grünen bestimmt noch zehn Milliarden Briefwahlstimmen in den Wandschränken versteckt haben. Nur in den Keller sollten wir auf gar keinen Fall. Lassen Sie es mich mal so formulieren: was meinen Sie, wo wir heute mit fünfzig Mann Sachen suchen gehen? Ich sehe, wir verstehen uns. Das Unschöne ist, dass es für eine Demokratie keinen Generalschlüssel gibt, das Schöne ist, die haben ihn auch nicht.

Ah, da ist sie ja wieder! Hallo, Frau Merkel – schönen Sonntag gehabt?“





Sündenbock

22 09 2021

„… es in der Union derzeit keinen Konsens gebe. Sicher sei nur, dass das schlechte Abschneiden der CDU ausschließlich von Merkel verursacht worden sei, da sie nicht mehr als Kanzlerin und Vorsitzende der Partei in den…“

„… eine Reaktion aus dem Kanzleramt nicht zu erwarten sei. Die Vorwürfe seien weder neu noch zutreffend, so dass eine Auseinandersetzung in der jetzigen Situation nicht mehr zielführend und…“

„… die Schuld nicht nur bei der Kanzlerin liege, sondern in der Art, wie sie ihn als größten Politiker der Nachkriegszeit davon abgehalten habe, das Land wieder an die Weltspitze zu bringen. Merz sehe sich ganz klar in der Pflicht, als Kanzler und CDU-Vorsitzender die nächsten…“

„… sich aber nicht auf einzelne Politikfelder beschränke, sondern im Gesamtergebnis gesehen werden müsse. Spahn sehe in Merkel immer noch die beste Bundeskanzlerin der letzten 16 Jahre und werde für den nächsten Bundeskanzler, der seiner Ansicht nach der beste Bundeskanzler der nächsten Jahre sein werde, einer der besten Minister sein, der dann später einmal als der…“

„… liege der Fehler nach Schäubles Ansicht darin, dass Merkel zwar noch Kanzlerin sei, durch ihren Rücktritt als CDU-Vorsitzende aber den für die letzten Wahlen typischen Amtsbonus nicht mehr in die…“

„… nicht bestätigt werden könne. Es gebe für Mitglieder der Parteispitze keine therapeutischen Angebote, diese seien auch nicht angefragt worden, da man sich entschlossen habe, durch weitere zum Teil konstruktive Diskussionen in der…“

„… dass sich die Union insgesamt sehr stark verändern müsse, personell und inhaltlich, um die vergangenen Jahre hinter sich zu lassen und mit modernen Impulsen die Gesellschaft zu gestalten. Merz sei überzeugt, dass nur er dies leisten könne, und werde daher unmittelbar nach der Wahl als neuer Vorsitzender der…“

„… habe Schäuble zu Bedenken gegeben, dass eine Vorsitzende Merkel durch ihre Möglichkeiten im Wahlkampf auch nach einem Rücktritt als Kanzlerin in der Mitte der Legislatur eine viel bessere Basis für einen erfolgreichen…“

„… auch Kräfte in der Union stärken müsse, die bisher bundespolitisch noch nicht in Spitzenämtern gewesen und daher unbelastet seien. Amthor sei für diese Erfahrung noch zu jung, deshalb wolle man ihn erst in einigen Jahrzehnten mit der…“

„… aber nicht für die Fehler von Ministern verantwortlich gemacht werden dürfe. Außerdem sei für Söder die traditionelle Besetzung des Verkehrsressorts mit einem Christsozialen absolut unproblematisch gewesen, was auch an der starken Zustimmung innerhalb Bayerns und den…“

„… durchaus Erfahrung in wichtigen Bereichen wie Korruption und Veruntreuung vorweise und mit vielen gewaltbereiten Rechtsextremisten vernetzt sei. Spahn sehe in Amthor einen ausreichend qualifizierte Kandidaten für den Parteivorsitz, den er durch loyale Unterstützung fördern werde, um in einigen Jahren eventuell selbst als…“

„… eine gemeinsame Kandidatensuche nicht parteiintern geklärt werden könne, da man dazu auch die Basis befragen müsse. Sollte es dennoch auf eine Kür des Sündenbocks hinauslaufen, werde Merz sich der Wahl nicht stellen, da er genügend Zeit brauche, um eine Übernahme von Regierung und Vorsitz der…“

„… sei es ein Versäumnis der Bundeskanzlerin, dass sie in den letzten Jahren Umweltministerinnen der SPD ins Kabinett berufen habe. Da das Klima nicht durch eigene Parteipolitik bekämpft worden sei, habe sich die Opposition nun mit…“

„… von allen Parteiämtern entbinden werde. Merkel habe auf diesen Vorstoß ihrer Kritiker nicht reagiert, da sie nach der Amtsübergabe ohnehin in den Ruhestand gehe und keine weiteren…“

„… müsse sich die Kanzlerin anrechnen lassen, dass sie nicht genügend auf die Expertise zweier SPD-Umweltministerinnen vertraut habe, sondern durch parteiinterne Politik Versäumnisse in der…“

„… dem Bundesvorstand negative Energien verleihe. Die öffentliche Diskussion zwischen Merz und Schäuble, wer mehr unter Merkel gelitten habe, sei nicht mehr produktiv für den…“

„… dass in den letzten Legislaturen ein viel zu christliches Profil die Politik bestimmt habe. So sei die wirtschaftliche Kompetenz wichtiger Fachleute in den Bereichen Rente, Pflege oder Wohnen stark in Misskredit geraten, was sich nun auf die…“

„… sich der rechte Parteiflügel offen für einen Ausschluss von Merkel ausgesprochen habe. Zwar habe man sich in den vergangenen Jahren in vielen außerparlamentarischen Beschäftigungen schnell bereichern können, doch werde die Nachhaltigkeit dieser Geschäftsmodelle durch den Verlust der Kanzlerschaft viel zu plötzlich unterbrochen, um neue Geldquellen jenseits einer…“

„… beispielsweise bei der FDP zur Entwicklung eines mitfühlenden Liberalismus geführt habe, der mehrere Tage lang in den Medien präsent gewesen sei. Laschet müsse bis zum Vorabend der Wahl eine deutliche Distanzierung von der Bundeskanzlerin zeigen, indem er ein Ohne-Mutti-Weiter-so als neue Brückenlösung bis zu einer…“

„… mit der parteiinternen Aufarbeitung der aktuellen Lage durchaus zufrieden sei. Immerhin spare sich die CDU komplizierte Wahlanalysen und könne gleich in den Prozess der Selbstzerstörung übergehen. Merkel sehe dies mit tiefer Befriedigung und einer gewissen…“





Krisenstäbchen

8 09 2021

„Hat sie eigentlich irgendwann mal eine Strickjacke getragen? so kohlmäßig? Sonst haben wir nur diese Schlandkette, aber die war nie so wichtig. Politisch gesehen. Hosenanzüge, kann man ja machen, aber welchen soll man da nehmen?

Das ist mal wieder eine Schnapsidee, die sich die Partei ausgedacht hat. Merkel-Museum. Das ist der blödeste Einfall, seitdem der Kanzlerkandidat irgendwas gesagt hat, und der sagt ja dauernd was. Wie soll man aus Merkel ein Museum machen? und was zeigt man da? Und warum? Die Partei hat sich gedacht, wir zeigen das politische Erbe, aber nur positive Sachen. Gut, wären wir dann fertig?

Im Eingangsbereich erst mal die Abteilung über die Umweltkanzlerin, obwohl: die war sie gar nicht. Da müsste man in einem eigenen Stockwerk alle Absichtserklärungen sammeln, sämtliche Versuche, die deutsche Wirtschaft vor den Auswirkungen der Erderwärmung zu schützen – die deutschen Bürger hätte sie schützen können, aber das war genau das Problem, dass sie ihre Politik nicht für deutsche Bürger gemacht hat. Sondern für die Wirtschaft, unter anderem auch für die deutsche. Was dann Solaranlagen betrifft, da kann sich die chinesische Wirtschaft nicht beschweren. Die Auswirkungen auf Deutschland, dazu bräuchte man so eine Art Erlebnispädagogik. Einen Raum, der unter Wasser steht und an einer Ecke wegbricht. Also sie hat was fürs Klima getan, nur eben nicht für die Menschen. Dem Klima ist das egal, das war ihr immer schon klar. Sie ist ja Physikerin.

Immerhin hat sie nach dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kernenergie den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg hingekriegt. Das war als Wahlkampfmanöver gedacht und hat trotzdem ganz gut funktioniert. Da könnte man ein Modell von Fukushima bauen, als Bezug zu ihrer Politik. Wobei sie ja eher die langsame Brüterin ist, aber wenn es aus dem Ruder läuft: sofort alles stoppen. Das war in Afghanistan nicht anders, da hat sie auch ein paar Jahre gebraucht, bis sie gemerkt hat, dass die Wissenschaftler, die sie vor einer Katastrophe warnen, Wissenschaftler sind, die sie vor einer Katastrophe warnen. Sie bremst schon, aber eben erst dann, wenn die Wand vor ihr beschleunigt.

Ihre Parteisoldaten haben sechzehn Jahre lang gesagt, dass sie bei ihrer Politik immer auch alle deutschen Bürger mitnimmt. Das stimmt. Fragen Sie die Wand.

Es gibt auch einen Flügel in der Partei, die die positiven Aspekte gar nicht sehen wollen. Denen ist so ein Museum eigentlich nur als Gruselkabinett willkommen, damit sie hinterher sagen können, dass sie alles besser gemacht hätten, nur eben nicht jetzt, wo sie es nicht mehr besser machen, weil ihnen keiner mehr zutraut, dass sie es besser würden machen können. Die wollen unbedingt eine kontrafaktische Abteilung, da wird zum Beispiel das Märchen von der Grenzöffnung noch mal ganz groß aufgeblasen mit allen Artikeln aus der Presse, in denen das so dargestellt wurde. Am besten gleich rautenförmig, wegen der Symbolik.

Oder hier, Europa – da wollen die Flügelleute am liebsten eine vergoldete Kanzlerin auf dem Podest, weil sie erst mit ihrer Sparpolitik so richtig dafür gesorgt hat, dass die ganze Eurozone auf dem Zahnfleisch ging. Eine Bankenkrise hätte Europa ja noch alleine hingekriegt, aber sie hat eine richtige Staatsschuldenkrise gezaubert, mit externalisierten Kosten für die anderen, denen man dann vorwerfen kann, dass sie nicht genug Feuerwehr haben, wenn wir ihnen regelmäßig wieder die Bude abfackeln. Das ist Balsam für die deutsche Nationalseele, die am liebsten alles alleine macht, weil sie überzeugt ist, dass die anderen es nicht so gut hinkriegen.

Die Destabilisierung des politischen Systems in Deutschland zur marktkonformen Demokratie darf man hier auch nicht vergessen. Asymmetrische Demobilisierung ist das eine, aber wenn die Leute überhaupt wählen, wählen sie je nach Bundesland bis zu einem Viertel Faschisten. Eigentlich könnte man denen einen ganzen Raum überlassen. Braun anstreichen reicht, den Rest machen sie selbst. Viel Gegenwehr war da nicht, für Hanau oder Halle oder den NSU brauchen keinen Extraraum. Wir könnten einen versprechen und ihn vergessen, das wäre im Duktus der Kanzlerin. Vielleicht gräbt mal einer aus, ob es Bilder vom Krisenstab gibt. War wohl eher ein Krisenstäbchen. Das können wir irgendwo im Kuriositätenkabinett aufhängen. Bei der sozialen Schere und neben der Ehe für alle. Oder auf den großen Scheiterhaufen. Also das, was von ihr noch übrig ist. Das reicht dann für den Ausgangsbereich.

Haben Sie noch eigene Ideen? Gut, war jetzt nur so eine rhetorische Frage, aber da sind wir auch auf der richtigen Seite, weil der Flügel das sowieso zu verhindern weiß. Die alternde Gesellschaft wird man ihr in die Schuhe schieben, vor allem, weil sie nicht mehr die Partei wählt, das Scheitern der Partei als Partei, die Pandemie, dass sie Merz nicht an die Macht gebracht hat, dass sie Merz nicht vernichtet hat, dass sie ewig da war, dass sie nicht weg ist, dass sie weg ist, dass sie nicht wiederkommt. Das kann man irgendwann mal als Sonderausstellung aufziehen. Das große Versprechen an die Sparer in der Krise, Digitalisierung, Arbeitslose, Pflege, die dummen Arschlöcher im Kabinett, die von dummen Arschlöchern ersetzt wurden. Eine Kriecherin, die die Darmschleimhaut der einzelnen Autokonzerne am Geschmack erkannt hat. Sie allein wusste, wir wollen an die Wand, die Wand wusste es, wir wussten es. Und nur sie wusste: wir schaffen das.“





Visionen

18 08 2021

„Einmal, Frau Merkel. Ein einziger Auftritt. Oder zwei. Höchstens zehn. Mehr wollen wir doch nicht von Ihnen. Könnten Sie das nicht irgendwie einrichten?

Sie haben ja recht, Frau Merkel, auch wenn ich das nicht unbedingt so ausdrücken würde wie Sie. Also ‚total verkackt‘, das ist nicht mein Duktus. Nein, Frau Merkel – das war jetzt überhaupt nicht als Kritik an Ihnen gemeint! Es ist nur so, derzeit haben wir überhaupt kein Konzept, und ganz ohne Konzept Wahlkampf zu machen, das ist nicht die beste Idee gewesen. Wenn man jetzt mal außer acht lässt, dass unser Kanzlerkandidat bisher auch sonst nur Scheißideen hatte. Aber Ihre parteiinternen Kritiker, die meinen, immerhin hätten Sie nicht nur jeden Wahlkampf komplett ohne Konzept gemacht, sondern auch jahrelang so regiert, und das gar nicht einmal so schlecht.

Wir erwarten auch keine Wunder, Frau Merkel. Dass Sie als erfahrene Regierungschefin hier die politische Zukunft Deutschlands mit etwas mehr als ‚Weiter so‘ rhetorisch ein bisschen ausführen, das wäre ja schon ein Meilenstein, wenn man sich mal ansieht, was in der Partei passiert ist, seitdem Sie nicht mehr Vorsitzende sind. Meinetwegen können Sie sich hinstellen und ‚Wir schaffen das!‘ rufen, das kommt bei den rechtskonservativen Kräften um den Kanzlerkandidaten zwar nicht so gut an, aber dafür sind Sie ja da, dass Sie jede Kritik einfach so wegmoderieren. Aussitzen, Frau Merkel, das reicht jetzt nicht mehr. Ja, ich habe das schon verstanden, wenn Sie das aussitzen würden, dann hätten wir das Problem schon gelöst, aber wenn Sie schon fragen, ob der Kanzlerkandidat irgendwas kann, dann ist die Antwort sowieso: nein.

Frau Merkel, Sie dürfen das nicht so negativ sehen. Schauen Sie mal, der alte Adenauer, der hat ja damals schon gesagt, man muss die Menschen so nehmen, wie sie sind, andere gibt’s nicht. Klar ist unser Personal ein Griff ins Klo, aber wenn wir jetzt erst darauf warten, bis da etwas Vernünftiges nachwächst, da liegen wir ja vorher längst im Grab. Bei Amthor könnten Sie sich das vorstellen? Gut, als vernünftig würde ich den jetzt nicht gerade… ach so. Bisschen makaber, Frau Merkel. Aber wir müssen auch mal positiv in die Zukunft blicken, und da helfen uns junge Talente, die schon genug politische Erfahrung haben, um sich für unser Land mit Ideen und Visionen einzusetzen. Natürlich ist man bis sechzig noch jung, Frau Merkel. Sechzig ist doch das neue Dreißig, und was die Erfahrung angeht, da ist doch der Kanzlerkandidat durch viele Visionen bereits in Erscheinung getreten, oder? Er soll zum Arzt gehen? Wenn Sie hier immer nur den politischen Gegner zitieren, dann können wir das natürlich auch gleich sein lassen, Frau Merkel. Das bringt ja nun niemandem etwas.

Wir haben unsere Ansprüche doch schon so weit heruntergeschraubt, Frau Merkel. Was wollen Sie denn noch? Vierzig Prozent sind bei uns nicht mehr drin, das müssen Sie mir nun nicht jedes Mal aufs Butterbrot schmieren, aber wir verlieren doch unser Gesicht, wenn wir jetzt nicht alles daran setzen, die dreißig Prozent zu erreichen, die uns als stärkste Fraktion aus der Wahl hervorgehen lässt. Ja, unser Gesicht, Frau Merkel. Sie fühlen sich da also nicht mitgemeint? Das tut weh. Irgendwie bekomme ich den Eindruck nicht weg, dass Sie mit Ihrer Partei… also unsere Partei, Sie haben ja recht.

Es spricht doch keiner von betreutem Regieren, Frau Merkel. Wenn unser Kanzlerkandidat erstmal im Amt ist, dann entwickelt er bestimmt ganz neue Impulse, um sich mit der Aufgabe zu identifizieren, und wenn wir mit den gröbsten Schwierigkeiten durch sind, dann können wir uns auch schon um die Wiederwahl kümmern, die ihm der Kanzlerbonus so gut wie sicher macht. Das sind doch nur wirklich Visionen, Frau Merkel. Und mehr als ein bisschen Starthilfe wünschen wir uns auch nicht von Ihnen. Dass Sie die ganze Zeit neben ihm stehen und seine Hand halten, davon war nie die Rede. Das schafft er schon ganz alleine. Sie fanden das nach der Flut schon scheiße? Ja, das war ziemlich peinlich, aber unser Kanzlerkandidat ist dafür bekannt, dass er sich steigern kann. Was meinen Sie damit, das sei genau sein Problem?

Frau Merkel, es kann doch nicht sein, dass wir über wichtige Dinge keine Einigung erzielen! die gemeinsame Lösung, das war doch früher genau Ihr Ding? Es sind doch Ziele, die wir in der Geschichte der CDU immer schon hatten: Parteispender bei Laune halten, die SPD pulverisieren, Minderheiten diskriminieren, rechtsextremistische Tendenzen verharmlosen und bei jedem Terroranschlag von Nazis Betroffenheit heucheln, das soziale System sturmreif schießen und den Armen die Schuld geben, weil sie zu faul waren, in reiche Familien hineingeboren zu werden – wir brauchen Sie! Das Programm nimmt man dem Kanzlerkandidaten so nicht ab, selbst wenn er tatsächlich einmal nicht herumlügt oder Blödsinn erzählt. Wir brauchen Sie als Integrationspersönlichkeit, damit identifiziert sich der Wähler. Oder wollen Sie noch monatelang als geschäftsführende Kanzlerin zusehen, wie die Union Söder als Parteichef installiert, damit er sich mit der SPD zankt, bis es Neuwahlen gibt und die nächste Große Koalition? Das kann doch nicht in Ihrem Interesse sein!

Sie machen es? wirklich!? Gott sei Dank, Frau Merkel, mir fällt ein Stein vom Herzen! Berlin, wir kommen! Unter einer Bedingung? Alles, was Sie wollen, Frau Merkel, absolut alles! Ja, versprochen! Natürlich bestimmen Sie das. Wer soll denn nicht dabei sein? Armin Laschet!? Aber… – “





Dolchstoß

17 08 2021

„… von der Geschwindigkeit der Entwicklung sehr überrascht gewesen seien. Man habe sich um den Vormarsch der Taliban nicht gekümmert, da der Bundesnachrichtendienst nächste Meldungen zur Lage in Afghanistan erst nach der Wahl zum…“

„… sich nicht habe melden können, da er sich mit Opfern der Flutkatastrophe habe unterhalten wollen. Am Rande der Eröffnungsparty eines Küchenstudios in Bochum-Günnigfeld sei Laschet mit Vertretern der Alternative für…“

„… aus dem Skandal im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gelernt habe. Seehofer wolle jeden Kontakt mit Ausländern, die noch nicht abgeschoben worden seien, nur noch auf eine ganz rechtssichere…“

„… eine suboptimale Logistik beklage. Maas sei aber davon überzeugt, dass die Ausfuhr von 29 Paletten vorrangig habe behandelt werden müssen, da alkoholische Getränke möglicherweise als neue Provokation für radikalislamische Kräfte in…“

„… alles getan werden müsse, um Helfer der Bundeswehr außer Landes zu bringen. Dazu sei es allerdings notwendig, schriftliche Arbeitsverträge in deutscher Sprache, eine Tätigkeitsbeschreibung gemäß §2 NachwG sowie drei in Folge ausgestellte Entgeltnachweise für die…“

„… bisher die Forderung erhoben hätten, schon im Heimatland einen Einwanderungseintrag zu stellen. Seehofer fürchte jedoch die Lebensgefahr für EU-Beamte in Afghanistan und sei daher der Ansicht, es sei für Flüchtlinge zumutbar, sämtliche Unterlagen bei einem Anerkennungsverfahren auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland zu…“

„… das Personal der deutschen Botschaft in den sozialen Medien fortwährend vor dem Vordringen der Islamisten gewarnt habe, was allerdings durch Arbeitsüberlastung nicht bis in die Bundesregierung durchgedrungen sei. Im Kanzleramt werde man gleich nach der Wahl drei neue Faxnummern für den Kontakt mit auswärtigen…“

„… könne die Lufthansa Aufgaben übernehmen, alle erforderlichen Personen aus der Krisenregion auszufliegen. Altmaier werde sich innerhalb der kommenden Wochen mit einem Kreditangebot von mehreren Milliarden Euro an die…“

„… sei Laschet strikt gegen den Import immer neuer Flüchtlinge. Es sei deutschen Männern nicht mehr zu vermitteln, dass er die in seinem Land nicht mehr selbst vergewaltigen dürfe, weil er die Konkurrenz aus islamischen…“

„… dass in Kabul keinerlei Kampfhandlungen stattgefunden hätten. Die Bundesregierung sehe dem Besuch einer Wirtschaftsdelegation daher mit großer Hoffnung entgegen und hoffe auf eine schnelle Einigung, was die Transportwege der…“

„… bisher keine ersichtlichen Zusammenhänge gebe. Zwar seien die Bundeswehr in Afghanistan nicht von der sinnvollen Tätigkeit ihrer Mission zu überzeugen gewesen, personelle Überschneidungen mit rechtsextremistischen Verbänden in der Heimat seien jedoch nicht beweisbar und würden von der jüdischen Linksfraktion als Dolchstoß gegen die…“

„… sei die Maschine des Bundespräsidenten an einem derzeit nicht bekannten Ort notgelandet und auf Grund technischer Probleme nicht startbereit. Es könne innerhalb der nächsten Wochen mit einer Entscheidung gerechnet werden, ob sich die Flugbereitschaft an Rettungsaktionen in…“

„… sich Merkel ausdrücklich hinter den Außenminister gestellt habe. Maas sei noch nicht sicher, welche Anschlussverwendung er für die…“

„… eine 180-Grad-Kehrtwende in der deutschen Erinnerungskultur angekündigt habe. Laschet werde der getöteten Soldaten immer dann gedenken, wenn die Erhöhung der Energiepreise sich für den kleinen Mann gegen den linken Terror der…“

„… der Antrag der Grünen, Ortskräfte zügig zu retten, wegen prinzipieller Bedenken abgelehnt worden sei. Die Fraktionsspitzen der Koalitionäre seien sich sicher gewesen, dass dies im Einklang mit der EU-Menschenrechtscharta stehe, was weitere Schwierigkeiten mit innenpolitischen…“

„… mit entschlossener Härte reagieren werde, wenn die Bundesregierung von ihren NATO-Partner dazu aufgefordert worden sei. Kramp-Karrenbauer wolle eine umfassende Bestandsaufnahme aller funktionsfähigen Waffensysteme der Streitkräfte abwarten, die nach wenigen Minuten mit der…“

„… dass Laschet vorgeschlagen habe, der afghanischen Bevölkerung vor Ort zu helfen. Durch den Einsatz deutscher Missionare könne man die Islamisten mittelfristig zu fundamentalistischen Katholiken umerziehen, die sich besser mit der…“

„… treffe die Bundesregierung in diesem Fall keine Schuld. Offenbar hätten die Ressorts nicht ausreichend Berater beauftragt oder aber mit nicht zielführenden Arbeitsaufträgen bedacht, um vom Geschehen außerhalb der Berliner Drogen- und Stricherszene eine belastbare…“

„… Laschet und Gauland zu einer Einigung gefunden hätten, was Flüchtlinge betreffe. Um die Abschiebequote auch während der Schwarz-Braun-Koalition auf einem hohen Niveau zu halten, werde man junge Männer für kurze Zeit ins Land lassen. Mit der sofortigen Rückführung müssten allerdings Frauenrechtlerinnen und…“

„… werde Merkel für eine gemeinsame Lösung werben, die durch ein internationales Abkommen festgeschrieben werden könne. Die Kanzlerin sei sicher, dass die internationale Staatengemeinschaft jede Bedrohung bewältige, die die Menschheit als friedlich gestimmte und kooperative…“





Nächste Runde

14 04 2021

„Das hat sie gesagt?“ „Ich konnte es auch erst nicht glauben.“ „Die Partei hat auch irgendwie langsam reagiert.“ „Schockstarre.“ „Verständlich.“ „Dabei hat doch jeder irgendwie damit gerechnet.“ „Also ich nicht.“ „Aber in der Partei.“ „Naja, die hatten sich vermutlich eh alle schon abgeschrieben.“ „Was aber nicht besser wird.“ „Falls Merkel überhaupt noch mal gewählt wird.“

„Die Hauptsache ist doch, dass sie es noch mal machen will.“ „Das sorgt jetzt allerdings auch für eine Menge Verschwörungstheorien.“ „Von wegen Merkel-Diktatur?“ „Die ersten aus der Werte-Union behaupten ja schon, sie hätte die ganze Pandemie nur inszeniert, damit sie Kanzlerin bleiben kann.“ „Wie erklären die, dass Laschet zwischendurch als Kanzlerkandidat aufgebaut wurde?“ „Das sind bloß Verschwörungstheorien, die muss man nicht groß erklären.“ „Stimmt auch wieder.“ „Dafür zittern jetzt aber ein paar Minister, ob sie in der nächsten Regierung überhaupt noch etwas zu melden haben.“ „So viel Auswahl an Idioten hat sie ja nicht mehr.“ „Wenn sie mit den Grünen koaliert, braucht sie auch nicht mehr so viele.“

„Kam von Laschet schon irgendeine Reaktion?“ „Der war überrascht, aber nicht wirklich empört.“ „Wahrscheinlich muss er auch erst nachdenken, was er dazu meint.“ „Auf jeden Fall muss er jetzt keinen Job annehmen, dem er geistig nicht gewachsen ist.“ „Das heißt, er zieht sich ins Privatleben zurück?“ „Dann müsste auch der Parteivorsitz neu geregelt werden.“ „Das ist doch jetzt auch egal.“ „Nehmen die Brinkhaus oder Spahn?“ „Wie gesagt, das ist jetzt auch nicht mehr wichtig.“ „Merkel wird das eh wurst sein, wer unter ihr Vorsitzender wird.“ „Hat sie denn nicht gesagt, dass sie den Vorsitz auch wieder übernehmen könnte?“ „Ich habe nichts davon gehört.“ „Naja, wäre auch ein bisschen überraschend gewesen.“

„Die Bevölkerung steht jedenfalls hinter ihr.“ „Das ist interessant, da die Politik ausnahmsweise mal etwas macht, was von der Bevölkerung nicht abgelehnt wird.“ „Man muss gerecht sein, sie hat in ihrer bisherigen Regierungszeit die eine oder andere Sache gemacht, die auch von der Bevölkerung mitgetragen wurde.“ „Wenn man gerecht ist, dann geschah das eine oder andere allerdings eher aus Versehen.“ „Der Atomausstieg?“ „Den hätten wir einfacher haben können, wenn sie gar nicht erst daran herumgepfuscht hätte.“ „In der Hinsicht sind die CDU-Kanzler vermutlich alle gleich – wenn sie gar nichts machen, ist ihre Bilanz nicht sehr viel schlechter.“ „Das beschreibt den Regierungsstil der bisherigen Unionskanzler schon recht gut.“

„Allerdings muss auch klar sein, unter Merkel wird nichts besser.“ „Kommt immer darauf an, wie lange die Pandemie noch dauert.“ „Wenn wir in etwa einem Jahr mit dem Gröbsten durch sein sollten, kann sie den Rest wieder aussitzen.“ „Das kennen die Deutschen schon.“ „Vielleicht machen wir dann wirklich ein Jahrzehnt der Innovationen.“ „Das kann sie auch ihrem Nachfolger überlassen.“ „Stimmt eigentlich, und wenn sie so weiter regiert, wie sie das bisher getan hat, dann braucht der auch zehn Jahre zum Aufräumen.“

„International dürfte das auch keine große Veränderung mit sich bringen.“ „Die meisten der amtierenden Regierungschefs kennen sie ja schon.“ „Die meisten kennen sowieso nichts anderes als sie.“ „Gut, dann ist der Schaden größtenteils schon eingetreten und kann irgendwie reguliert werden.“ „Andererseits könnte sie die ganzen Knalltüten, die da in der EU herumfuhrwerken, auch irgendwie an die Leine nehmen.“ „Das schafft man nicht in vier Jahren.“ „Nicht einmal sie?“ „Nein.“ „Schade.“ „Wenigstens wird das Verhältnis zu Russland und Amerika dann ein bisschen entspannter, als wenn jemand wie Laschet…“ „Ich möchte mir das nicht vorstellen.“ „Sie könnte Putin ja mal zeigen, wie man das mit der dauerhaften Regierung wirklich hinkriegt.“ „Sie macht es aber demokratisch.“ „Das kann Putin ja auch so aussehen lassen, wenn er will.“ „Stimmt auch wieder.“

„Für die Wirtschaft wäre es sicher auch ein sehr positives Signal.“ „Die Autoindustrie müsste sich nicht an einen neuen Ansprechpartner gewöhnen.“ „Falls die nicht wieder zum Wirtschaftsminister gehen.“ „Der macht ja meist auch nichts anderes als sie.“ „Aber von ihr weiß man, was man als Konzern oder Branchenverband erwarten kann.“ „Bestimmt sind die auch ein bisschen enttäuscht gewesen, als sie damals ihren Rückzug angekündigt hat.“ „Mit 67 noch mal irgendwo in den Vorstand, das macht man ja auch nicht.“ „Wobei es für die Quote schon ganz praktisch gewesen wäre, wenn sie in einem Dutzend Firmen die Alibifrau gemacht hätte.“ „Mit Bestechung kannte sie sich aber gar nicht so aus.“ „Da hat sie dann ihre Ministranten geschickt.“ „Ist ja auch verständlich, das ist einfach kein guter Stil.“

„Und wenn sie nicht gewählt wird?“ „Von den Deutschen?“ „Im Bundestag.“ „Das trauen die sich gar nicht.“ „Nur mal theoretisch: die CDU erholt sich, gewinnt die Wahl als stärkste Partei, und dann kommen die ganzen beleidigten Leberwürste, die sie jetzt schon gegen sich aufgebracht hat, und lassen sie im Bundestag durchfallen.“ „Damit wäre die Chance vertan, nach dieser katastrophalen Performance aus Korruptionskrise und Versagen in der Pandemie noch mal vier Jahre zu regieren.“ „Egal. Was würde sie machen, wenn die CDU sie hängen lassen würde?“ „Da mache ich mir keine Sorgen, das schafft sie schon. Die SPD würde sie schon nehmen.“





Drei Tage tot

31 03 2021

„Irgendwas mit Eiern, aber damit kennen wir uns hier nicht so aus. Überhaupt sind diese christlichen Traditionen in der Partei eher Teil der Folklore, das überlassen wir sonst eigentlich eher der SPD. Wir sind ein Ausschnitt der Gesellschaft, und da gibt es nun mal auch Arschlöcher.

Sie hatten eigentlich angefragt, wen wir denn als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl ins Rennen schicken würden, oder? Da muss ich Sie enttäuschen, so schnell wird da keine Entscheidung fallen. Jedenfalls nicht in dieser Woche. Es ist zwar alles momentan sehr unangenehm, weil gerade die Bundeskanzlerin noch mal zeigt, wie man die Partei durch die Scheiße manövriert, weil daran nämlich der Kanzlerkandidat gemessen wird, vor allem der von uns. Aber Hand aufs Herz, insgeheim hatten Sie doch auch eher damit gerechnet, dass wir das aussitzen, wie wir immer alles ausgesessen haben. Na, da können wir Sie jetzt schlecht hängen lassen. Wir sitzen das gemeinsam aus, zumindest intern, und ob Sie sich an der Gemeinsamkeit beteiligen, das dürfen Sie dann aus lauter Eigenverantwortung frei entscheiden.

Das liegt nicht am Personalmangel. Den gibt es zwar auch in der CDU, aber wir haben uns erstmal entschlossen, ihn nicht zur Kenntnis zu nehmen. Wenn wir ihn nicht sehen, dann ist er auch nicht da, und da wir derzeit auch irgendeine Knalltüte für die vielen Ämter in Partei und Staat gefunden haben, können wir ganz überzeugt sagen: Personalmangel? Welcher Personalmangel?

Wir haben uns jetzt zur radikalen Ehrlichkeit entschlossen, das heißt, wir stehen zu allen unseren Verfehlungen, und was noch wichtiger ist, wir werden nie mehr versprechen, uns zu bessern. Dass wir den Menschen irgendein Theater im Büßerhemd vorspielen, das nehmen die uns einfach nicht mehr ab. Kann man ja auch verstehen, nach der Menge an Korruption und schwarzen Kassen und jüdischen Vermächtnissen, da nimmt man einem die Rolle als Saubermann einfach nicht mehr ab. Deshalb gehen wir jetzt offensiv nach vorne und verkünden, dass alles genau so bleibt, wie es ist. Das passt nicht nur zu unserem politischen Stil, von den Inhalten mal ganz zu schweigen – wir wollen halt an die Macht kommen, und wenn wir an der Macht sind, dann wollen wir da auch bleiben. Das passt vor allem zu unserer Gesinnung. Von uns kann man nichts mehr erwarten, und darauf kann man sich auch verlassen.

Schauen Sie sich mal die katholische Kirche an, die haben doch dasselbe Problem. Die gibt es zwar schon ein paar Jahre länger, aber was heißt das denn schon? Das sind ein paar wirklich üble Arschlöcher, die missbrauchen Kinder, vertuschen das alles und lassen Gutachten in der Schublade verschwinden, die Opfer werden vertröstet und beleidigt und dann noch unter Druck gesetzt, und die miesen Schweine dürfen dann in einer anderen Gemeinde wieder die Hosen runterlassen, weil kein Staatsanwalt dieses degenerierte Scheißpack ins Kittchen bringen kann. Das ist eine hervorragende Konstruktion, und die haben sogar noch den Vorteil, dass sie vom Staat die Kohle hinten und vorne reingesteckt kriegen, auch wenn sie längst entlassen worden sind. Da könnte man glatt überlegen, ob man das mit den christlichen Werten doch mal ernst nimmt.

Genau deshalb gibt es auf den Personalmangel auch nur eine richtige Antwort: Kontinuität. Kurze Unterbrechung, meinetwegen drei Tage tot, aber dann geht’s weiter wie bisher. Dieselben Idioten machen dieselben Fehler, nur ein bisschen besser, weil sie die ja schon vom letzten Mal kennen. Wenn Sie ehrlich sind, und das dürfen Sie jetzt ja, dann ist Kontinuität doch genau das, was die Deutschen am meisten schätzen. Es geht zwar den Bach runter, aber es gibt keine Überraschung.

Das wird Sie auch nicht mehr wundern, wenn wir vorschlagen, die Löcher im Haushalt, die unsere korrupten Kollegen gerissen haben, mit Kürzungen im Sozialbereich wieder zu stopfen. Damit wir die Steuern für ein paar gierige Drecksäcke senken können, die uns dann wieder das eine oder andere lukrative Angebot machen, Löcher in den Haushalt zu reißen. Die Folgen fortgesetzter Korruption sind allen bekannt, aber wir haben begriffen, dass nur Transparenz wirklich hilft. Sie wissen vorher, dass wir auf Recht und Gesetz pfeifen, und so sind Sie dann hinterher auch nicht überrascht, wenn wir Sie bescheißen und für unsere eigene Gier auch noch zur Kasse bitten. Wenn wir Ihnen das schon vorher ankündigen, dann haben Sie tatsächlich Politiker, die ihre Wahlversprechen halten.

So, mehr Pressekonferenz kann ich Ihnen heute leider nicht bieten. Wir hatten zwar ganz fest damit gerechnet, dass Laschet als der tollste Hecht der Partei die Bundeskanzlerin zum Rücktritt drängen und dann als Amtsinhaber in die Wahl stolpern würde, aber er ist ihr mehrmals sehr unglücklich ins Messer gelaufen. Das Kanzleramt ist in Gefahr, an der Amtsinhaberin liegt das nicht.

Denn unsere einzige Gefahr ist derzeit die SPD. Sollte die SPD die Koalition platzen lassen, haben wir nicht nur Personalprobleme, dann müssen wir etwas vorlegen, das nach Wahlprogramm aussieht. Und dann gnade uns Gott, oder wer auch immer. Schlimmer könnte nur noch ein Misstrauensvotum sein, das die Bundeskanzlerin selbst auslöst, weil sie keine Lust hat, ihre Ministranten alle einzeln an die Wand zu stellen. Wenn sie geschäftsführend weiter an der Regierung bleibt, können wir den Laden gleich zumachen. Und falls Laschet und Söder beide den Schwanz einkneifen und auf Merkel als Kontinuitätskanzlerin setzen: dann doch lieber gleich tot. Aber kontinuierlich.“





Klausurtagung

29 03 2021

„Richtig abgebrochen?“ „Richtig abgebrochen. Sie scheint sich dabei sogar ein bisschen weh getan zu haben.“ „Naja, es war immerhin für einen guten Zweck.“ „Und die Frau ist hart im Nehmen.“ „Man müsste sich jetzt natürlich überlegen, wer die dann zum Schluss wieder befreit.“ „Wieso?“ „Naja, das halbe Bundeskabinett und sechzehn Länderchefs im Reichstagskeller hinter einer Stahltür, das ist schon neu.“ „Irgendwann ist immer das erste Mal.“

„Kriegen die noch Luft?“ „Die Tür hat einen Schlitz, damit sie das Maßnahmenpapier darunter durchschieben können.“ „Sichtverbindung?“ „Nein, darauf hat die Bundeskanzlerin keinen gesteigerten Wert gelegt.“ „Hätte ich nach dem ganzen Theater wohl auch nicht.“ „Was ich nicht verstehe, wie sind die alle nur so bereitwillig mitgekommen.“ „Frau Merkel hat ihnen erzählt, sie bekämen Geld.“ „Ah, das ist gut. Die weiß, wie man solche Leute bei der Stange hält.“ „Sie haben sogar eine Extrazahlung in Aussicht gestellt bekommen, wenn sie ihre Telefone abgeben.“ „Und sie haben…“ „Ja, alle.“ „Warum wundert mich das nicht?“ „Weil es keinen mehr wundert.“ „Da ist was dran.“ „Sie hat den Termin als Klausurtagung einberufen.“ „Das ist geschickt, da fühlen sich alle Teilnehmer wichtig.“

„Haben die Teilnehmer eine Sprechverbindung nach draußen?“ „Nein, aber sie haben als erstes nach einer gesucht.“ „Wollten Sie verhandeln?“ „Spahn und Laschet wollten ihre vorbereiteten Statements vorlesen und ein paar von diesen Ossis mussten unbedingt eine Pressekonferenz abhalten.“ „Es war doch sonst keiner da?“ „Es ist auch sonst keiner da, der das Gewäsch ernst nimmt.“ „Gut, dann warten wir jetzt also auf die erste schriftliche Botschaft.“ „Auf die Botschaft, ja.“ „Sie gehen doch nicht davon aus, dass die sich beim ersten Mal auf einen Beschluss einigen, den die Kanzlerin ohne Änderungen durchgehen lässt.“ „Es wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, sie haben ein Blatt Papier.“ „Mehr nicht?“ „Mehr nicht.“ „Das wird kompliziert, vor allem ohne die Möglichkeit, sich die zur Entscheidung notwendigen Fakten zu besorgen und sie in einen Plan einfließen zu lassen, der nun auch wirklich…“ „Sie hatten ein ganzes Jahr Zeit, ein paar hundert Wissenschafterinnen und Wissenschaftlern zuzuhören. Wenn jetzt kein Blatt Papier für den Plan ausreicht, dann haben sie sich halt für eine andere Lösung entschieden.“

„Da wummert irgendwas.“ „Vermutlich haut einer gegen die Tür.“ „Das hört sich eher an, als ob die einen gegen die Tür hauen.“ „Damit habe ich kein Problem.“ „Aber…“ „Die Tür ist stabil.“

„Hat die Bundeskanzlerin denn Sanktionen im Falle der Arbeitsverweigerung angekündigt?“ „Bis jetzt wissen nur ein paar Mitarbeiter, wo sich die Bande aufhält.“ „Das heißt, keiner holt sie da aus dem Keller?“ „Gegenfrage: fällt Ihnen zu jedem Kabinettsmitglied jemand ein, der ihn vermissen würde.“ „Das eine gute Frage.“ „Ich weiß.“ „Und Sie sollten sich überlegen, wer sich diese Frage ein paar Tage, vielleicht auch Wochen vor der Aktion gestellt haben könnte.“ „Ja.“ „Gut. Einer von ihnen hat einen Schokoladenriegel in der Anzugtasche, aber er weiß nicht, dass das nicht nur er weiß.“ „Wäre es für eine Klausurtagung nicht wesentlich klüger gewesen, wenn nur er es wüsste?“ „Stellen Sie doch mal die guten Fragen.“ „Ja, woher wissen es denn die anderen?“ „Interessiert Sie also nicht, wer es denen gesagt haben könnte?“ „Und warum wissen es alle?“ „Wissen es alle?“ „Sie meinen, der mit dem Schokoladenriegel in der Anzugtasche…“ „Richtig.“ „Warum?“ „Haben Sie die Anatomie dieser Partei jemals durchschaut?“

„Da läuft auch irgendwas unter der Tür durch.“ „Bestimmt der, den sie gegen die Tür gehauen haben.“

„Ich würde trotzdem gerne mal wissen, was passiert, wenn die weiter da drin sitzen bleiben.“ „Schlimmer als bisher kann’s ja nicht werden.“ „Aber besser.“ „Das hängt davon ab, ob irgendwer sie wieder rauslässt.“ „Warum das denn? Belgien hatte anderthalb Jahre lang keine Regierung, und im Rückblick war daran nur schlecht, dass sich die korrupten Arschlöcher ohne offiziellen Haushalt nicht mehr gegenseitig die Schmiergelder auszahlen konnten.“ „Nun hat Deutschland ein föderales System.“ „Das war jetzt aber nicht als Vorteil für Deutschland gemeint?“ „Das heißt, wenn diese Pappnasen nicht da sind, fällt das nicht auf?“ „Zumindest nicht unbedingt negativ.“

„Was ist eigentlich, wenn einer von denen rein zufällig infiziert sein sollte?“ „Einer von ihnen hat ja schon die richtige Marschrichtung vorgegeben: wenn es Frühling wird, verschwinden die Kranken wie durch Zauberhand.“ „Ich frage mich gerade, ob man wirklich unbedingt Mitleid mit ihnen haben muss.“ „Wir sollten da auf Eigenverantwortung setzen. Die Lösung sieht nicht immer so aus, wie man das erwartet hat, aber das Problem ist weg.“ „Das klingt nach einem pragmatischen Lösung.“ „Schwierig könnte es nur werden, wenn ein Teil der Bevölkerung das jetzt konsequent zu Ende denkt und die Regierung für abgesetzt erklärt.“ „Da muss man in Deutschland nichts befürchten. Wer sich als Reichsbürger zu erkennen gibt, wird ja auch von der Polizei beschützt oder in Ruhe gelassen.“ „Dann sollte das ja einigermaßen friedlich über die Bühne gehen.“ „Ohne Anführer kriegt dieses Volk keinen Generalstreik hin.“ „Sehen Sie mal!“ „Das ist das Papier?“ „Hat den Anschein.“ „Wir sollten sofort nachschauen.“ „Ach, das hatte ich erwartet.“ „Was steht drauf?“ „Bis Merkel zurücktritt, werden sie die Luft anhalten.“





Konturlos durch die Nacht

30 03 2020

„Wie jetzt: weiter!?“ „Naja, weiter halt.“ „Einfach weiter so?“ „Jedenfalls einfach so weiter.“ „Das kann ich nicht glauben.“ „Mal ehrlich, wer sollte es denn sonst machen?“ „Keine Ahnung.“ „Eben.“

„Deshalb muss sie das doch aber nicht weiter machen.“ „Wie gesagt: keine Ahnung.“ „Aber Sie haben doch gerade…“ „Die anderen. Keine Ahnung von nichts. Einer schlimmer als der andere.“ „Da ist sie aber auch nicht ganz unschuldig.“ „Immerhin hat sie Spahn ganz nach vorne gebracht.“ „Damit er jetzt pro Stunde ein Stuhlbein in die Fresse kriegt.“ „Eben, das hätte außer ihr keiner geschafft.“ „Weil es kein anderer geahnt hatte.“ „Das sind halt echte Führungsqualitäten, und deshalb macht sie weiter.“ „Ich weiß ja nicht recht.“ „Überlegen Sie mal, wen sehen Sie da denn jetzt als Alternative?“ „Laschet?“ „Also Söder light.“ „Die Wähler mögen halt echte Macher.“ „Macker, Sie meinen Macker.“ „Das liegt aber auch am Föderalismus, dass sich die Politiker momentan nicht einig werden, weil immer einer querschießt.“ „Nämlich immer die anderen.“ „Das muss man doch jetzt irgendwie regeln können.“ „Wenn Sie sich mit ‚irgendwie‘ zufrieden geben, haben wir alle ein Problem.“

„Und wenn Merz jedoch doch…“ „Nein.“ „Er würde aber schon wollen.“ „Nach dem, was er in den letzten Tagen von sich gegeben hat, muss man der Pandemie fast dankbar sein, dass wir kapieren, welcher Kelch da an uns vorübergegangen ist.“ „Die anderen sind noch schlechter.“ „Und deshalb brauchen wir einen Börsenzocker, der uns erklärt, warum es bei den letzten beiden Versuchen eigentlich hätte klappen müssen?“ „Das ist der Grund, warum sie einfach weitermacht?“ „Nein, aber alles andere wäre doch unverantwortlich.“ „Sie hat vielleicht mal einen Amtseid geschworen, aber das können Sie jetzt wirklich nicht…“ „Das heißt, Sie wollen im Zweifel wirklich Söder als Kanzler?“ „So gesehen, nein.“ „Dann ist ja alles klar.“

„Gibt es denn wirklich nicht genug politischen Nachwuchs in der Union, der bereit wäre, die Regierung zu…“ „Von der Leyen haben wir zum Glück gerade erst in Brüssel entsorgt.“ „Die wäre als Ersatzteil vermutlich früher oder später auch kaputt gewesen.“ „Und bei Klöckner kann man davon ausgehen, dass sie Regierungserklärungen mit einer Werbeeinblendung beginnt.“ „Oder dass sie einen Nutella-Beauftragten im Kabinett sitzen hat.“ „Vermutlich regt sie auch an, dass sich die Abgeordneten vor der ersten Lesung die Gesetze als lizenzpflichtigen Text mit drei Tagen Gültigkeit aus dem Netz herunterladen müssen, um an der Abstimmung teilnehmen zu dürfen.“ „Dann bleibt ja eigentlich nur noch Röttgen.“ „Hä!?“ „Nein, das war ein Witz!“ „Sie sind ja schlimmer als ich.“

„Nur als Frage, meinen Sie, die SPD kann den Kanzler in…“ „Schlimmer als ich. Viel schlimmer.“

„Und warum macht es dann AKK nicht?“ „Raten Sie mal. Aber sagen Sie nicht sofort, dass sie es nicht kann, das wäre dann doch zu einfach.“ „Es muss sich einer um die Bundeswehr kümmern, die kann in diesen Tagen noch mal sehr wichtig werden.“ „Sie meinen, trotz AKK?“ „Wenn sie jetzt einen guten Job macht, kann aus ihr vielleicht doch noch etwas werden.“ „Beispielsweise in der EU, oder wie meinen Sie das?“ „Sie empfiehlt sich für höhere Aufgaben.“ „Verstehe, deshalb hat sie den Parteivorsitz niedergelegt.“ „Weil sie damit mehr Zeit hat, sich um eine gute Kanzlerkandidatur zu kümmern.“ „Wir waren uns aber darüber einig, dass die SPD auch mit sehr, sehr viel Rückenwind keine nennenswerte Rolle in der Wahl spielt?“

„Vielleicht nutzt die CDU die Zeit und zieht ein ganz neues Talent heran.“ „Jetzt wird mir einiges klar, die bauen Amthor klammheimlich zum neuen Superstar auf.“ „Wieso klammheimlich?“ „Weil das außerhalb der CDU vermutlich noch keiner gemerkt hat.“ „Dann wäre es doch noch wahrscheinlicher, weil sie quasi unmittelbar vor der heißen Phase des Wahlkampfes einen ganz neuen, unverbrauchten Kandidaten aus dem Hut zaubern.“ „Äh, ja.“ „Der ist ein unbeschriebenes Blatt, er passt sich total an die Einstellung der Wähler an.“ „Konturlos durch die Nacht.“ „Er ist doch der einzige in dem Zirkus, der das noch kann, die anderen sind alle viel zu sehr in ihrer Rolle gefangen.“ „So wie Merkel, die ab und zu sogar weiß, was sie sagt.“ „Merz könnte ihn als zweiten Mann nehmen.“ „Er wollte zwar eine Frau im Team, aber Sie haben recht: Amthor kommt da verdammt dicht heran.“

„Jetzt können uns nur noch die Grünen retten.“ „Mit Merkels Hilfe kann ich mir das ganz gut vorstellen.“ „Nein, ich meinte: jetzt können uns nur noch die Grünen vor Merkel retten.“ „Wieso das denn?“ „Vielleicht setzen die sich irgendwann mit ihren Ideen durch, und wir haben dann viel mehr erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft und Elektromobilität.“ „Eben, mit Merkels Hilfe ist das durchaus realistisch. Sie ist ja schließlich die Klimakanzlerin.“ „Sie meinen nicht, dass Merz die Angst vor der Verbotspartei schürt und dann die nächste bürgerliche…“ „Die Lücke, die der hinterlässt, ersetzt ihn intellektuell vollkommen.“ „Dann bleibt uns wohl wirklich nichts anderes mehr übrig als Merkel.“ „Betrachten Sie es einfach als eine Anpassung an den Zeitgeist.“ „Wie meinen Sie das jetzt?“ „Damit der Laden weiterläuft, müssen die Alten sich opfern. Einfach weiter so.“





Koordinatensystem

30 10 2018

„Ja, das kommt jetzt ein bisschen überraschend. Das ist wie Weihnachten, da hockt man auch die ganze Zeit vor dem Kalender und weiß, irgendwann wird es soweit sein, da weiß man sogar das Datum, und zack! hat die CDU keine Vorsitzende mehr. Ist ja für manche schon wie Ostern und Weihnachten an einem Tag.

Doch, das ist eine enorme Umstellung, was meinen denn Sie? Stellen Sie sich mal vor, auf einmal gibt es einen neuen Papst. Das würfelt Ihr komplettes Koordinatensystem durcheinander, das können Sie glauben! Das ist jetzt ja alles absolut neu, Raider heißt Twix, keiner weiß mehr weiter, und dann auch noch die Frage: was macht Merkel danach? Bleibt sie Kanzlerin oder geht sie richtig in die Politik? Steht sie schon auf der Transferliste für den 1. FC SPD? Das sind doch die Fragen!

Die wollen jetzt ja sogar wieder konservativ werden – also jetzt konservativ-konservativ, nicht wischi-waschi, Homoehe für alle und Diesel für Besserverdiener. Man weiß jetzt auch gar nicht mehr, ist das noch die Kanzlerin, oder ist das schon ihr Nebenjob als Zombie? Da entwickelt sich ja auch so viel, das lässt sich gar nicht abschätzen. Jedenfalls wird die Nachfolge noch sehr lustig. Sie hat ja jahrelang alles eingeebnet, was nicht den Hintern als höchste Erhebung hatte, und das zahlte sich mittelfristig halt auch aus. Für Merkel. Aber eben nicht langfristig. Und darauf kommt es ja an. Hätte die Truppenursel nicht so viel Murks fabriziert, man könnte noch mal darüber reden. Aber so? Wir können nicht bei jedem Staatsbesuch aufpassen, dass sie mit nicht jeder Schwippnichte eine Beraterfirma gründet. Und irgendwann ist auch die Luftwaffe nicht mehr einsatzfähig und sie muss mit dem Linienbus nach Afghanistan. Das kann’s ja nun auch nicht sein. Aber wer das machen soll, das ist nun auch nicht raus. Das wird kompliziert.

Ich finde, jetzt muss mal ein Mann ran. Damit scheidet natürlich Spahn schon mal aus, der hat sich ja plangemäß als dümmstes Arschloch westlich der Belastbarkeitsgrenze in seine Einzelteile zerlegt. Wenn Typ der öffentlich zugeben würde, zur Entspannung Katzenbabies abzuschlachten, würde sein Beliebtheitswert durch die Decke gehen. Gegen den ist Klöckner ja intellektuell, und gegen Klöckner hat eine Tüte Paniermehl Weltniveau. In jeder Hinsicht, falls Sie fragen.

Und jetzt will auch noch Merz Kanzlette werden. Das Spezial-Dragee für jede beliebige Körperöffnung. Hasst Gewerkschaften, pöbelt bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufs Grundgesetz und hat seinerzeit die Leitkultur als Worthülse angeschoben. Der hatte sein Mandat halt, damit er besser an die Nebeneinkünfte gekommen ist.

Wissen Sie, ich mache mir nur Sorgen um die AfD. Die haben seit Jahren nur eine einzige Platte gespielt. Merkel muss weg, Merkel muss weg – jetzt ist sie weg, also ein Stück weit, Ausstieg in zwei bis drei sozial verträglichen Schritten, damals hat Merkel das beim Rot-Grün-Kohl noch als den kompletten Kontrollverlust attackiert, sie macht das natürlich sehr viel demokratietauglicher, wenn man eine marktkonforme Demokratie noch als solche bezeichnen möchte, aber wenn man genug Schnaps in der Birne hat, kümmert einen das wohl auch nicht mehr. Wie gesagt, Gauland. Keine Ahnung, ob dem schon der Pfleger die Hose hochzieht, aber wenn er sich jetzt nicht die Flinte ins Gesicht drückt – wobei, Gasherd wäre die bessere Alternative für den Tatortreiniger.

Diese Braunalgen können ja nichts anderes als herumjammern und Unsinn fordern, aber jetzt haben sie die Arschkarte gezogen. Merkel ist weg, Merkel ist weg. Was machen die, wenn Merkel weg ist? Was Nazis halt machen, wenn alle Ausländer raus sind. Nazischeiße. Gut, mehr machen diese Knalltüten eh nie. Danach muss man eben zugeben, dass es nur die Fleischtöpfe der Politik waren, an die die einschlägig vorbestraften Bankrotteure wollten. Sie müssen sich nur schnell eine neue Erzählung aus den Rippen schwitzen. So wie dieses Merkel-hat-die-Grenzen-aufgemacht-Geplärr. Dann hat Merkel jetzt nicht auf die Kandidatur verzichtet, sie ist zurückgetreten und hat trotzdem gesagt, dass sie vorerst im Amt bleibt, weil sie nicht vorhatte zurückzutreten. Wenn Sie den durchschnittlichen IQ von Nazis kennen, denken Sie sich noch schnell was mit hohler Erde und Weltjudentum aus. Passt schon.

Das macht ja auch einen neuen Aufbruch möglich. Wenn so ein bis in die Knochen korrupter Rassist – Sie kennen Kretschmer? dann müssen wir hier ja nicht mehr um den heißen Brei herumreden. Der wird dann nicht mehr so viele Gelder in den KZ-Gedenkstätten stopfen, der wird dafür sorgen, dass bei einem Ausländeranteil von 4,2 Prozent und 72,6 Prozent Ungläubigen nicht die explosive Zwangsislamisierung des christlichen Abendlandes stattfindet. Wahrscheinlich wird er noch für ein paar Jahrzehnte die standrechtliche Erschießung der Kanzlerin fordern, damit er als Juniorpartner der Nazis nicht versehentlich sonderbehandelt wird.

Nein, so insgesamt finde ich die Situation schon ganz gut. Wenn man merkt, dass man am Ende der Fahnenstange angekommen ist, sollt man sich einfach mal vom Acker machen. Es ist doch für alle das Beste, und es gibt so viele Dummschwätzer, die einfach nicht mitkriegen, wann der Gong zur letzten Runde gekommen ist. Also bis wann ist Seehofer noch im Amt? und warum?“