Postpraktisch

13 12 2016

„… habe die CDU nur noch wenige Chancen, eine rot-rot-grüne Bundesregierung zu verhindern, weshalb sie Möglichkeiten auslote, eine neue Auflage der Koalition ohne Angela Merkel zu…“

„… müsse die Union den rechtskonservativen Kräften auch entgegenkommen, indem sie eine Überprüfung der weiteren Zusammenarbeit mit der Antifa…“

„… erwarte die Junge Union ein klares Bekenntnis zu den Rentnern, die als wichtigste Wählergruppe unabhängig von der Parteiführung…“

„… fühle sich die CDU von Merkel inzwischen massiv provoziert. Insbesondere der rechte Flügel könne nicht hinnehmen, dass die Kanzlerin nun tatsächlich aktiv Handlungen vornehme, die auch so geplant worden seien. Dies widerspreche jeder bisher abgesprochenen…“

„… ein Burka-Verbot wegen fehlender Burkas für Deutschland keine Relevanz besitze. Die Junge Union verlange dennoch von der Kanzlerin, ein Verbot von Schlümpfen, Einhörnern und…“

„… bekomme Merkel die Gelegenheit, den Bundesinnenminister so zu disziplinieren, dass er nicht mehr mit ihr konform gehe, sondern zuerst die Interessen der Partei…“

„… ein Verbot des politischen Islam in Deutschland durchgesetzt werden müsse. Die JU wolle dies auch über Parteigrenzen hinweg im…“

„… dass die Partei die Eigenständigkeit der Kanzlerin betone. Eine Kandidatin, die sich ihre Ansichten von außen vorschreiben lassen, könne von der Union nicht als…“

„… eine Verschärfung des Asylrechts sofort stattfinden müsse, damit rechts der Union stehende Kräfte keine Möglichkeit mehr hätten, um mit der Verfassung zu vereinbarende Forderungen…“

„… habe Merkel nach Auffassung der Partei viel zu stark die Inhalte der Sozialdemokratie übernommen und damit dem Profil der Union geschadet. Sie solle nun zum Ausgleich Inhalt der AfD in ihre…“

„… schrecke die Union nicht mehr vor der Legalisierung von Transgender-Toiletten zurück, wenn dies ein Weg sei, die Kanzlerin zur Aufgabe zu…“

„… solange Merkel der CDU die Bundesregierung sichere. Eigenständige Politik dürfe deshalb nicht auf Kosten von…“

„… dürfe die Kanzlerin in bestimmten Einzelfällen ihre Willkommenskultur weiterhin praktizieren, wenn die Partei diese in Hinsicht auf rechtsnationale Kräfte…“

„… ob in der Frage der doppelten Staatsbürgerschaft von Merkel nur eine Wende, eine Wende von der Wende oder sogar die…“

„… müsse es eine Obergrenze geben. Erst eine Wahl nach Merkel dürfe über vierzig Prozent…“

„… dass die Partei ihrer designierten Kanzlerkandidatin unfaire Methoden wie eine gezielte Ausgrenzung vorwerfe. Sie könne dies nur mit Ausgrenzung der Kanzlerkandidatin…“

„… die Union als Gegenleistung zustimmen werde, wenn sie dafür eine Steuersenkung für Besserverdienende…“

„… zahlreiche Gründe gefunden habe, warum sie als Kanzlerkandidatin nicht mehr in die CDU passe. Die Junge Union habe aus Pietät jedoch nicht gefragt, ob Merkel selbst sich Gedanken gemacht hätte über eine Eignung als…“

„… erste Stimmen laut geworden seien, Merkel aus der CDU auszuschließen. Dies sei auch der politischen Säuberung der Partei vom sozialistisch inspirierten Personenkult der ehemaligen…“

„… sei es für die Junge Union nicht hinnehmbar, wenn die Kanzlerin nach alter Gewohnheit vier Jahre veranschlagt habe, um die Grünen für die kommenden Legislaturperioden…“

„… unter Umständen gegen eigene Interessen handeln würde. Die CDU sehe aber in einer postpraktischen Vorgehensweise auch gute…“

„… es langfristig besser wäre, die CDU von Seehofer erledigen zu lassen, statt Merkel selbst in die…“

„… nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Kanzlerin ihrerseits aus der Partei…“

„… eine gemeinsame Integration der CDU und Merkel in die CSU eventuell für das Wahlergebnis einen positiven…“

„… erkenne die Partei in einem Anfall von Selbstkritik auch eigene Fehler. Die Union sei durch den nunmehr sechzehnjährigen Vorsitz von Merkel inzwischen so selbstbewusst und modern geworden, dass sie nicht mehr zum Profil des…“

„… nicht von Tendenzen der Selbstauflösung sprechen wolle, nur weil Angela Merkel plötzlich angedeutet habe, 2017 nicht mehr als…“

„… zur Konsolidierung der Wahlergebnisse die Integration auch die CDU/CSU mit oder ohne die Kanzlerin in eine…“

„… bisher keinen anderen Kanzlerkandidaten gefunden habe, der ausschließlich den Weisungen der Partei…“

„… einen Krisenparteitag einberufen wolle, um die Abspaltung von der Jungen Union auch ohne vorherige Aussprache vollziehen zu können. Die Regierungsbeteiligung der CDU sei durch Merkels überraschenden Wechsel zur SPD auf ein Minimum…“





Schwerfigur

1 12 2016

„Das heißt, wir können sie schlagen?“ „Logo.“ „Die ist doch total am Ende.“ „Und wieso haben wir erst einundzwanzig Prozent?“ „Das ist das Übergewicht der Union, diesmal werden sie es nicht verkraften.“ „Und dann kommen wir endlich in die Regierung.“ „Wo sind wir denn jetzt?“

„Nein, wirklich.“ „Sie müssen auch mal sehen, dass die SPD die Rolle der CDU komplett ersetzen kann, wenn sie will.“ „Ich weiß aber noch gar nicht, ob wir das…“ „Egal, im Wahlkampf müssen wir das wenigstens versprechen.“ „Hallo!?“ „Er ist mal wieder auf dem moralischen Trip.“ „Typisch linker Flügel.“ „Aber echt!“ „Nein, ich…“ „Wenn Sie sich die Partei seit gut zwanzig Jahren ansehen, dann wissen Sie auch, dass wir das eigentlich schon fast erreicht haben.“ „Sogar besser!“ „Richtig, die SPD ist die bessere CDU!“ „Eben.“ „Und das kommt, weil die CDU die SPD eben auch komplett ersetzt hat.“ „Entschuldigen Sie mal, das ist doch komplett aus der Luft…“ „Mensch, jetzt begreifen Sie es endlich – wenn die Grünen weiter nach rechts rücken, dann müssen sie irgendwann zwangsläufig wieder bei der SPD landen!“

„Das sind doch alles total verrückte Theorien, das können Sie überhaupt nicht…“ „Auf jeden Fall müssten wir mit den Linken reden, damit wir eine Koalition hinkriegen.“ „Auf der anderen Seite könnten wir auch abwarten, bis sie uns konstruktive Kollisions…“ „Hä!?“ „Koalitionsangebote, wollte ich sagen – bis die Koalitionsangebote machen.“ „Sie sitzen immer noch auf dem hohen Ross. Kommen Sie da runter, dann können wir reden.“ „Er hört sich schon an wie die Linken!“ „Armer Kerl.“ „Das kommt davon, wenn man ständig im Kanzleramt abhängt.“ „Wir müssen den Linken nur sagen, dass sie mitregieren dürfen, dann ist alles in Butter.“ „Und der Koalitionsvertrag?“ „Die werden schon nicht so anders sein als die Grünen. Lass sie an die Regierung, dann haben sie sich erledigt.“ „Hat doch Merkel mit der FDP auch so gemacht.“ „Und mit uns.“ „Jetzt werden Sie mal nicht witzig, das zieht bei uns gar nicht.“ „Also wir sagen den Linken, sie dürfen gerne mitregieren, nur eben unter der Voraussetzung, dass sie alle ihre Versprechen brechen muss?“ „Ja.“ „Alle Vorschläge, alle Ideen, alle Reformansätze?“ „Klar.“ „Wozu frage ich das eigentlich?“ „Eben, das würde ich auch gerne mal wissen. Sie haben es doch offensichtlich kapiert.“

„Und was ist mit unserem Wahlprogramm?“ „Wir wollten eigentlich weitermachen wie bisher.“ „Sonst nichts?“ „Mensch, wenn wir Merkel mit einer Sache schlagen können, dann mit Kontinuität. Die hat bei ihr noch nie versagt.“ „Und bei der SPD wissen die Leute seit zwanzig Jahren auch, was sie erwartet.“ „Ich hatte es schon mal gesagt, ich mag Ihren sarkastischen Unterton so gar nicht.“

„Dann sollten wir wenigstens vorab klären, wer sich als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf gegen die Schwerfigur Merkel begibt.“ „Schulz?“ „Das ist doch ein Bauernopfer!“ „Sagen Sie das nicht, über den ist so gut wie nichts bekannt.“ „Wenigstens nicht aus der Bundespolitik.“ „Und das wird für die Kanzlerin hochgefährlich!“ „Genau, die weiß dann gar nicht, gegen welchen Gegner sie antreten soll.“ „Und schon macht sie entscheidende Fehler.“ „Das klingt ja alles vollkommen schlüssig.“ „Ja, nicht wahr?“ „Ich hatte Ihnen schon mal gesagt: keinen Sarkasmus!“ „Bis jetzt haben wir doch gar nichts in der Hand gegen einen Wahlsieg der Union.“ „Aber das muss doch gar nicht heißen, dass die noch mal gewinnt.“ „Vielleicht hat ja Seehofer auch einfach keine Lust mehr, sich das noch weiter anzutun.“ „Dann kann sie nur mit uns regieren.“ „Wer sagt das?“ „Erwarten Sie etwa, dass die CDU mit den Linken gemeinsame Sache macht!?“ „Gleich will er uns noch erzählen, die Linken würden das nur tun, um endlich an die Macht zu kommen!“ „Hähähä!“ „Er verwechselt die wohl mit den Grünen, wie?“

„Wie haben Sie sich das eigentlich vorgestellt, das mit der CDU?“ „Naja, die verliert, und dann werden wir…“ „Nein, mit der SPD als neue CDU. Wie wollen Sie das machen?“ „Wir könnten noch ein bisschen weiter nach rechts rücken. Also ein Ohr haben für die Sorgen und Nöte der Menschen, die es nicht so haben mit der Demokratie.“ „Weil wir es auch nicht so haben mit der Demokratie. Schon klar.“ „Das eröffnet uns aber langfristig auch neue Spielräume für Koalitionen.“ „Mit der CSU?“ „Das habe ich jetzt nicht sagen wollen, aber es gibt in der SPD ja auch noch andere Kräfte.“ „Leider.“ „Ich hatte Ihnen schon mehrmals…“ „Jaja.“

„Dann lassen Sie uns die Ärmel aufkrempeln und den Wahlsieg vorbereiten.“ „Gute Idee!“ „Welchen Wahlsieg?“ „Die Kanzlerin ist nach Ansicht ihrer Partei die beste Antwort auf die drohende Politik eines rot-rot-grünen Bündnisses, das die CDU unbedingt verhindern muss.“ „Und wann kommt das mit dem Wahlsieg?“ „Sie wird ja auch als Stabilitätsfaktor gesehen in Europa.“ „Als Retterin der freien Welt!“ „Allerdings!“ „Das ist beachtlich!“ „Hallo? Wahlsieg!?“ „Glauben Sie das etwa?“ „Darauf kommt es doch gar nicht an.“ „Das stimmt, und deshalb glaube ich das erst recht nicht. Die Merkel hat fertig!“ „Und deshalb glaube ich zum Beispiel ganz fest daran, dass wir mit der richtigen Idee, dem richtigen Kandidaten, einem guten Wahlprogramm, einen politischen Neustart in Deutschland hinkriegen.“ „Auf jeden Fall!“ „Na logo!“ „Aber wir haben doch nicht einmal ein Jahr bis zur Wahl. Wie wollen Sie das denn schaffen?“ „Hä!?“ „Wie bitte?“ „Entschuldigen Sie mal – wer redet denn von 2017?“





Gottesteilchen

7 10 2015

„Und Sie wissen wirklich aus absolut sicherer Quelle, dass der Zug abgefahren ist?“ „Man hätte uns doch sonst schon informiert.“ „Und Seehofer hätte auch schon ganz andere Saiten aufgezogen.“ „Wieso Seehofer?“ „Der weiß doch immer alles besser.“ „Aber doch nicht das.“ „Ich weiß es doch auch nicht!“ „Na toll, und wie kriegen wir jetzt raus, ob Merkel im Rennen ist?“ „Abwarten. Diese Friedensnobelpreise sind manchmal echt tückisch.“

„Wieso soll die ihn eigentlich kriegen, die hat doch gar nichts gemacht?“ „Wahrscheinlich kriegt sie ihn, weil sie nie irgendwas gemacht hat.“ „Und alles irgendwie so vor sich hin gewurschtelt hat.“ „Also wie die EU?“ „Nee, eher wie Obama.“ „Falsch, der hat ihn gekriegt, weil er irgendwann mal etwas hätte machen können.“ „Vielleicht.“ „Vielleicht eben auch nicht.“ „Das sähe aber eher nach der CSU aus.“ „Absurd!“ „Dass die CSU den Friedensnobelpreis bekommt?“ „Dass die CSU mal etwas Sinnvolles machen würde.“

„Kann denn die Politik noch etwas tun?“ „Die Politik nicht, aber Merkel vielleicht.“ „Wo ist denn da der Unterschied?“ „Bis jetzt haben die Deutschen die Regierung inhaltlich nicht unbedingt mit Angela Merkel verbunden. Sie waren von der Politik enttäuscht und haben aus lauter Frust weiter die CDU gewählt.“ „Bis jetzt? und was ist dann ab jetzt?“ „Die Wähler bemerken einen Unterschied zwischen der Politik und Merkel, aber sie registrieren erstmals auch einen zwischen Merkel und der CDU.“ „Ah, und da spekulieren Sie jetzt auf den Friedensnobelpreis für die Kanzlerin, um ihr die Wiederwahl zu sichern.“ „Was denn sonst? Sie ist doch sonst als Wissenschaftlerin völlig unbekannt.“ „Wenigstens hat sie ihre Dissertation selbst geschrieben.“ „Woher wollen Sie denn das schon wieder wissen? Sind Sie in der CSU?“ „Die kam halt aus dem Ostblock, die hatten doch nichts.“

„Auf der anderen Seite, wenn wir mit dem Ding noch ein Jahr warten würden…“ „Noch mal eine Million Flüchtlinge?“ „Den Mathe-Nobelpreis haben Sie aber nicht gekriegt, Kollege.“ „Den gibt’s ja auch gar nicht.“ „Wozu denn ein Jahr warten?“ „Physik ist doch dieses Jahr schon durch, und das haben die mit dem Molekulardings gekriegt.“ „Neutrinos.“ „Sind doch auch Moleküle, oder?“ „Fragen Sie mich nicht, ich kenne mich mit Chemie überhaupt nicht aus.“ „Neutrinos sind keine Chemie, das sind Teilchen.“ „Elementarteilchen.“ „Aber Elemente sind doch immer chemisch?“ „Wahrscheinlich nicht in dieser Größenordnung.“ „Dann ist das eher so homöopathisch?“ „Irgendwie, ich habe da auch nicht aufgepasst.“ „Was Sie nicht sagen.“ „Aber wir könnten doch der Kanzlerin jetzt auch mal ein bisschen unter die Arme greifen und sie für einen Physik-Nobelpreis vorschlagen.“ „Und der bringt im Vergleich zum Bundesverdienstkreuz genau was?“ „Sie wäre dann irgendwie belastbar qualifiziert.“ „Im Gegensatz zu von der Leyen?“ „Oder im Gegensatz zu Obama.“

„Und wenn wir Kohl… ich meine, das könnte man doch vielleicht irgendwie… Sie wissen schon.“ „Worauf wollen Sie hinaus?“ „Also der Friedensnobelpreis, der wird ja nicht posthum verliehen, nicht wahr?“ „Hä?“ „Wollen Sie damit andeuten, dass wir…“ „Dann wäre einer doch schon mal aus der Schusslinie.“ „Unerhört!“ „Aber jetzt warten Sie doch, wir könnten ihn auch sehr human…“ „Über so etwas wollen wir gar nicht erst diskutieren.“ „Und Sie dürfen auch nicht vergessen, dass die Union in Sachen Sterbehilfe äußerst zerstritten ist, damit würden wir Merkel nicht einmal einen Gefallen tun!“

„Man könnte das mit dem Papst verbinden.“ „Wird denn der Friedensnobelpreis nicht sowieso interkonfessionell vergeben?“ „Aber wegen dieser Moleküldinger.“ „Neutrinos.“ „Ja, meinetwegen.“ „Man kann doch dafür sorgen, dass die beiden jetzt ganz schnell irgendein Teilchen entdecken, das nicht nur Masse verursacht…“ „Ich dachte, das ist immer umgekehrt?“ „Das gilt nur in der klassischen Physik.“ „Also bis Adenauer?“ „… sondern auch eine quantenphysikalische Größe im… – Hören Sie mir eigentlich zu?“ „Sie wollen also dem Papst den Physikpreis verschaffen, damit die Kanzlerin den Friedensnobelpreis kriegt?“ „Irgendwas muss man doch tun.“ „Und dies Gottesmolekül…“ „Teilchen, verdammt noch mal! Gottesteilchen!“

„Eine kleine Chance würde ich doch noch sehen, obwohl…“ „Nämlich?“ „Es ist kompliziert.“ „Das wussten wir schon vorher.“ „Aber es ist echt nicht ganz einfach, und vielleicht finden das die USA auch nicht gut.“ „Pech für Obama, er hat doch auch den Friedensnobelpreis.“ „Und da steht in der Gebrauchsanweisung, dass internationale Konflikte verboten sind?“ „Cool!“ „Ach Quatsch!“ „Müssen wir denn in diesem einen Jahr noch die ganze Welt retten, oder kriegen wir das mit Merkels Gurkentruppe noch halbwegs auf die Reihe?“ „Sie könnte Snowden einladen.“ „Hä?“ „Einladen?“ „Freies Geleit?“ „Und diplomatischen Status. Inklusive verfassungsrechtlicher Implikationen, Sie verstehen?“ „Krass!“ „Das ist ja der Hammer!“ „Irre, das ist ein großartiger Plan! Das machen wir sofort!“ „Ach, war nur so eine Idee.“ „Nein, das ist wirklich fabelhaft! Die ganze Welt wird begeistert sein, wenn Angela Merkel das macht. Absolut begeistert!“ „Jawoll, das ist garantiert der Friedensnobelpreis!“ „Den hat sich die Kanzlerin dann auch verdient.“ „Sagen Sie mal, wer reden denn hier von der Merkel?“ „Wer soll den denn sonst kriegen?“ „Edward Snowden natürlich.“





Mutti Gottes

21 09 2015

„Wenn ich es Ihnen doch sage! Wir haben auch alle nichts gemerkt, sie muss sich den Kopf gestoßen haben oder da war was im Tee, Altmaier hat ja selbst keine Ahnung, aber sie verhält sich eindeutig nicht normal. Dass man sich so verändern kann? Ist das noch die Bundeskanzlerin?

Die Bibeln hatten sie ja schon Kohl regelmäßig zugeschickt, aber er hat sie immer ganz schnell irgendwo verschwinden lassen. Aber sie hat das Ding auf dem Schreibtisch liegen! Und sie darin! Die Büroleiterin hat heimlich ein Foto gemacht, jeden Morgen setzt sie sich hin, und dann blättert sie im Neuen Testament. Wir schieben hier Panik, das können Sie sich doch wohl vorstellen!

Das mit den Flüchtlingen ist nur ein Symptom, das könnte jetzt auch auf andere Art passiert sein. Beispielsweise Schmeichelei. Oder weil ihr unser Wahlkampfstratege gesagt hat, sie solle ein einziges Mal ohne vorherigen Prokrastinationsmarathon einfach nur das Richtige tun, und dann hätte sie die SPD für den Rest ihres Lebens von der Backe.

Sie hat den Sozialstaat total neu berechnet, der Finanzausschuss hat sich selbst in die geschlossene Anstalt einweisen lassen, es gibt jetzt keinen Hauptstadtflughafen mehr und nicht diesen blöden Tiefbahnhof in Stuttgart, die Immobilienfirmen heulen schon beim Zähneklappern, und wir haben jetzt plötzlich genug Geld für das bedingungslose Grundeinkommen. Auch für die Einwanderer. Die Bundeskanzlerin hat die soziale Verantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft betont, und das Thesenpapier hat sie handschriftlich abgeliefert. Handschriftlich! da war nicht mal die Truppentrulla beteiligt, das sind viel mehr als fünf Euro im Monat!

Also Sie werden das merken, wenn Sie sich mit der Bundeskanzlerin unterhalten. Sie hat sich irgendwie mit christlichem Menschenbild infiziert, ganz schlimm – Gut und Böse, die Nummer mit der Schlange und dem Apfel, kennen Sie? Kennen Sie? Ja, da brauchen Sie gar nicht so blöd zu grinsen, von wegen paradiesische Zustände, das ist doch schon das dialektische Verhältnis von… ach egal, aber damit ist doch die ganze Alternativlosigkeit so was von im Arsch! Sie stellen sich doch auch nicht vor den Bundestag und sagen: liebe Fraktion, wir hätten die Kohle zwar eh nicht, aber statt sie trotzdem aus dem Fenster zu schmeißen, lasst und doch mal nach einer Lösung suchen, die nicht ganz so verlogen aussieht. Die würden doch Schäuble auf der Stelle steinigen, wenn sie wüssten, dass das physikalisch möglich ist.

Überhaupt das christliche Menschenbild, wenn das die Bundeskanzlerin immer wieder benutzt, das ist gruselig. Ich habe gestern eine SMS aus der Landesgruppe gekriegt, in der CSU häufen sich ja die Fälle von Schlafmittelvergiftung, manche haben sich da zu strangulieren versucht, einer ist drei Tage lang nüchtern geblieben – der wird eingeäschert und anonym beigesetzt, so eine Schande können Sie im Regierungsbezirk Oberpfalz nicht auch noch in der Öffentlichkeit breittreten, was sollen da die Asylkritiker denken – also ganz furchtbar. Dass die Bundeskanzlerin jetzt Verfassungsrecht für absolut gültig erklärt und auf den Gottesbezug hinweist, mit dem die anderen immer so viel Lärm gemacht haben, das verzeihen sie ihr nie. Das ist schlimmer, als dass sie Dobrindt zum Minister gemacht hat.

Sie hat uns neulich eine Diskussion über Primärtugenden aufgedrückt. Nach Dienstschluss. Sie hätten mal Kauder und de Maizière sehen sollen. Ich wusste gar nicht, dass man den Kiefer so weit nach unten hängen lassen kann. Und dann hat sie den Katechismus abgefragt. Den großen. Als de Maizière nicht mal das Glaubensbekenntnis zusammengestoppelt kriegte, da hat sie ihm erst vergeben, und dann hat sie ihn rausgeworfen. Ich bin kein Arzt, aber kann man sich so am Kopf stoßen!?

Jetzt ist sie auch noch am Waffenhandel dran, ich sage Ihnen, das geht nicht gut. Fünftes Gebot und so. Dann hat sie sich auch noch mit den Saudis angelegt. Das geht ja noch, das kann Gabriel wieder glattbügeln, weil sie nur eine Frau ist, aber dann hat sie auch noch angefangen, denen in Katar Druck zu machen. Sie finden das wahrscheinlich lustig, wenn unsere Mutti Gottes die Scheichs zusammenfaltet wegen der unmöglichen Arbeitsbedingungen und der Korruption, die der Beckenbauer ja nie gesehen hat, aber wenn deshalb Deutschland nicht an einer Fußball-WM teilnimmt, dagegen war doch der Untergang des Abendlandes ein Kindergeburtstag!

Wir fassen hier schon nichts mehr an, vielleicht ist das alles eine ganz abgefeimte Strategie, und sie sortiert ihr Mitarbeiter aus, oder in Wahrheit kann sie Gedanken lesen, wird die nächste Päpstin und geht übers Wasser. Wirklich sehr unheimlich. Und sie fliegt ja nächste Woche in die USA, ich würde gerne mal wissen, ob sie Obama exkommuniziert wegen des Irakkriegs und wegen Afghanistan, und ob wir dann auch als Achse des Bösen gelten? Solange die Bundeskanzlerin jetzt nicht auch noch katholisch wird, ist doch alles okay, oder? Oder!?“





Schwebendes Verfahren

25 08 2015

„Haben Sie schon was gehört? Wir auch nicht. Aber wir hatten auch nicht darauf gewartet, weil, wenn man von der Kanzlerin etwas hört, dann ist es doch sowieso nicht mehr wichtig. Sie sagt ja so selten etwas. Sie muss erst hören, was sie sagt, bevor sie weiß, was sie denkt.

Aber ich würde das auch nicht überbewerten, es ist vermutlich noch viel zu früh, sich über die jetzige Situation zu äußern. Deshalb sagt sie auch nichts. Da müssen Sie als Bürger auch Verständnis haben, dass die Kanzlerin einfach mal nichts sagt. Weil wir das ja im Gesamtkontext der politischen Entscheidungen betrachten müssen, sie ist halt die Kanzlerin, und da muss man immer sehr viele Sachen im Kopf haben, und wenn man dann über alle auch noch irgendwas Kluges sagen will – ist das denn wirklich so wichtig?

Also wenn man aus der Fremdenfeindlichkeit aussteigen könnte, dann hätte sie sicher schon was getan. Andererseits erwartet der Koalitionspartner dann den zeitnahen Wiedereinstieg vor der Bundestagswahl, und das wird dann im Ausland wieder schwierig. Diese Sache mit den Flüchtlingen ist eben doch ein bisschen komplizierter als Atom oder Bundeswehr oder irgendwie so anderes Zeugs, das müssen Sie im Kontext sehen. Und außerdem ist sie Kanzlerin aller Deutschen – die meisten sind ja gar keine Nazis, Flüchtlinge übrigens auch nicht, da muss sie auch nicht ständig über so schlimme Sachen wie Rassismus reden. Man will doch als Kanzlerin auch sympathisch rüberkommen.

Vielleicht wegen der Richtlinienkompetenz. Rassismus fällt nicht in ihr Ressort, dafür ist doch immer die CSU zuständig gewesen. Oder der Innenminister. Oder der Innenminister der CSU. Da kann sie sich als Kanzlerin halt nicht einfach so einmischen, sie muss sich an dieselben Spielregeln halten wie die anderen. Gut, die halten sich nie an die Spielregeln, aber das ist doch wohl kein Grund?

Stellen Sie sich bloß mal vor, was da auf sie zukäme, alle paar Tage nach Freital oder Heidenau oder so, und dann alle Mann streicheln, dazu hat sie gar nicht die Zeit. Das hätten die Flüchtlinge eben zeitlich besser einrichten müssen, nicht gerade jetzt in der Euro-Krise und wo die Bundesliga wieder losgeht. Sie hat ja auch schon eine gemeinsame europäische Asylpolitik gefordert. Dann wäre so ein deutscher Alleingang jetzt ganz falsch, wir dürfen uns nicht immer in alles einmischen. Vor allem nicht bei Sachen wie Rechtsradikalismus oder Fremdenfeindlichkeit. Da ist Fingerspitzengefühl gefordert, und das meinen Sie doch nicht ernst, dass das die Sache der Kanzlerin ist, oder?

Es ist ja schon viel zu spät, sich über die jetzige Situation zu äußern. Die anderen haben die Fehler längst gemacht, da nützt es doch auch nichts, wenn sie sich als Kanzlerin jetzt hinstellt und sagt, das ist aber schlimm mit den Ausschreitungen, das finde ich vom Bauchgefühl jetzt nicht so dolle, was weiß ich – das will doch keiner hören. Eventuell interessieren sich die Leute im Augenblick gar nicht so sehr für die Kanzlerin. Der Til Schweiger macht gerade immer diese Interviews und so, und den sehen die viel lieber, und da würden wieder nicht genug einschalten – da muss die Kanzlerin doch jetzt echt nicht auf Konkurrenzkampf aus sein.

Schauen Sie, irgendein Koalitionspolitiker wird als erstes irgendeinen dumpfen faschistoiden Scheißdreck absondern – de Maizière ist außer Konkurrenz, das steht bei dem im Arbeitsvertrag – und dann wird die Kanzlerin den absägen. Also nicht de Maizière, den anderen Nazi halt. Und das wird richtig gut ankommen. Vor allem bei der SPD.

Ich würde das wirklich nicht so hoch hängen. Die Politik ist doch sehr bemüht, in dieser Situation, und das ist auch wirklich eine schwierige Lage, aber eben nicht aussichtslos, wahrscheinlich wird das alles irgendwann auch mal wieder besser. Die haben doch jetzt diese Sicherheitszonen, um die Flüchtlinge vor den Brandstiftern zu schützen. Das muss erst evaluiert werden, dann kann man immer noch sehen, ob es etwas zu sagen gibt. Nicht immer den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Das muss sich alles auch erst einpendeln. Es gab doch bisher auch noch so gut wie keine Festnahmen, da kann man doch nicht von Straftaten ausgehen, und als Kanzlerin kann sie schließlich nicht in ein schwebendes Verfahren eingreifen.

Vor allem muss man doch auch Geschlossenheit zeigen, gerade wir Deutschen sehen das doch im politischen Bereich als Tugend an, dann müssen wir auch mit gutem Beispiel vorangehen. Nicht immer nur die bösen Sachsen an den Pranger stellen, das bringt doch nichts. Möglicherweise versteht die Kanzlerin als Ostdeutsche die Mentalität dieser Menschen besser als wir und weiß auch, dass Einmischung in ihre Angelegenheiten die Sache nur noch schlimmer machen könnte. Da muss man doch nicht alles breittreten, oder?

Und sie hat auch gesagt, dass man Flüchtlingen keine falschen Hoffnungen machen darf. Und wenn sie jetzt damit schon gemeint hat, dass die kein Anrecht auf Demokratie und Rechtsstaat und so ein Zeugs haben, muss sie das denn jetzt jedes Mal wiederholen, wenn irgendwo ein Asylantenheim brennt?

Nein, das wird nicht passieren. Da können Sie warten, bis Sie schwarz werden. Und Sie haben die Sicherheit, dass Sie garantiert nichts von ihr verpassen werden. Kein Wort. Also wenn das nicht verantwortungsvolle Politik ist, dann weiß ich auch nicht!“





An Tagen wie diesen

19 08 2015

„Aber das ist Superman!“ „Das ist Volker Kauder.“ „Wenn man jetzt nicht so ganz genau hinguckt, dann könnte man vielleicht, ich würde sagen, und das ist auch durchaus nicht als…“ „Kauder. Volker Kauder.“ „Sie können immer nur meckern! Eine bessere Idee, die CDU jünger zu machen, haben Sie doch auch nicht!“

„Klar könnte man die ganze Gurkentruppe in Superheldenkostüme quetschen, aber wozu denn?“ „Schon wegen der Identifikation.“ „Sie meinen, wenn die Jugendlichen demnächst ein Computerspiel…“ „Solche Proleten wollen wir gar nicht haben.“ „… oder einen Comic…“ „Igitt, dieser kulturlose Schund!“ „Was wollen Sie denn?“ „Den Wiedererkennungswert.“ „Also wie bei Helene Fischer?“ „Wieso Helene Fischer?“ „Sie müssen jedes Mal kotzen, wenn Sie es hören, aber Sie haben den Namen sofort parat.“ „Das wird uns in der Wahlkabine bestimmt eine langfristige…“ „Ich dachte, Sie arbeiten an der Zukunftsfähigkeit der internen Parteistrukturen?“ „Das kommt dann im nächsten Schritt, wir wollen bis 2017 erstmal die Mehrheitsfähigkeit sichern.“

„Warum wollen Sie überhaupt die CDU so stark…“ „Davon kann gar keine Rede sein. Wir haben die Absicht, die Altersstruktur moderat an die Erfordernisse auf dem deutschen Politikmarkt anzupassen.“ „Politikmarkt?“ „Wie gesagt, die Mehrheitsfähigkeit will ja auch bedacht sein.“ „Und deshalb soll die CDU jetzt doch nicht verjüngt werden?“ „Schon, aber man muss das ja immer in Relation zu den bestehenden Verhältnissen sehen. Ohne die Seniorenunion wählt und doch keine Sau mehr.“ „Und Sie wollen die CDU trotzdem noch verjüngen?“ „Warum nicht? Dann haben wir mit etwas Glück einen Wahlkampf, bei dem wir nicht ständig Sanitäter in die Fußgängerzonen schicken müssen, weil uns die alten Säcke wieder wie die Fliegen umkippen.“

„Und die Migranten?“ „Wir sind da offen.“ „Haben Sie denn schon eine Bevölkerungsgruppe ins Auge gefasst?“ „Noch nicht so richtig. Die Hauptsache ist doch, es müssen Abendländer sein.“ „Also keine Ausländer?“ „Meinetwegen auch das, man kann zum Beispiel Bayer und trotzdem für Deutschland…“ „Jetzt hören Sie aber auf, diese Strategie wird Ihnen die CSU um die Ohren hauen.“ „Dann lassen wir es eben bleiben, und dann ist uns die CSU wieder etwas schuldig. Machen wir jedes Mal, haben Sie das etwa noch nie gemerkt?“ „Doch.“ „Sehen Sie? die CSU nämlich nicht.“

„Aber trotzdem, Sie wollten doch integrativ auf Migranten wirken.“ „So war das jetzt gar nicht gemeint, wir wollen eben für den…“ „Verstehe schon, der deutsche Politikmarkt und seine Erfordernisse.“ „Exakt. Wir würden beispielsweise auch solche nehmen, die hier in Deutschland nichts zu suchen haben.“ „Sie werben jetzt also auch schon um Flüchtlinge!?“ „Ach was, Griechen sind schon schwierig genug. Die sind nicht direkt Abendländer, aber so schlimm wie Russen sind die nicht gerade.“

„Bliebe das Thema Frauen.“ „Wir sind ja sehr für eine Quote, aber…“ „Dachte ich mir schon. Warum diesmal nicht?“ „Lauter Emanzen, die Karriere machen wollen. Und wer kriegt in der Zwischenzeit die Kinder? wollen Sie etwa ein paar Tausend arbeitslose Kopftuchmädchen, nur weil die alle Merkel spielen müssen?“ „Ich dachte, die CDU will unbedingt weiblicher und jünger werden?“ „Ja, eben. Deshalb wollen wir uns doch auch gezielt von Merkel und der Bundesuschi und diesem ganzen Trockenlager entfernen.“

„Und was machen die Mitgliederbeauftragten in der CDU?“ „Wenn Sie jetzt beispielweise in Ihrem Kreisverband sind und Sie wollen da wieder austreten, dann wird Sie der Mitgliederbeauftragte innerhalb von vier Wochen wieder zurückholen.“ „Wie das denn?“ „Naja, möglicherweise wird Ihnen sonst die Wohnung gekündigt oder Sie sind Ihren Job los. Oder Ihr Auto geht in die Luft, obwohl Sie gerade nicht drinsitzen.“ „Was versprechen Sie sich denn davon?“ „Wir vereinheitlichen die Partei. Wenn Sie auf der Kreisebene oder im Ortsverein nicht spuren, dann werden Sie genauso behandelt, als ob Sie im Bundestag plötzlich eine eigene Meinung haben. Das wertet doch unsere Parteibasis ungemein auf, oder?“ „Und Sie wollen ernsthaft ein Wahlprogramm auf zehn Seiten?“ „Endlich mal Bürgernähe, nicht wahr?“ „Ich weiß gerade nicht, was zehn Seiten mit Bürgernähe zu tun haben sollten. Vor allem im Wahlkampf.“ „Hören Sie mal, dreißig oder fünfzig Seiten nicht lesen, das ist das eine – aber zehn Seiten nicht lesen, das geht doch viel leichter.“ „Weil Ihre Politik dann nicht so kleinteilig und detailversessen wirkt, schreiben Sie?“ „Richtig! Wir orientieren uns ab sofort viel mehr an den Wählern. Wir ignorieren wieder die allgemeinen Dinge.“

„Und wie wollen Sie die Wähler erreichen?“ „Es gibt da so eine neue Erfindung.“ „Internet?“ „Nein, irgendwas mit Online.“ „Damit kenne ich mich leider so gar nicht aus.“ „Oh, großartig! Sie sind ja unsere Zielgruppe – würden Sie uns als Berater aushelfen?“ „Ich wollte gerade zur SPD, aber…“ „Auch gut. Das Ergebnis dürfte wohl dasselbe sein.“





Völlig losgelöst

4 08 2015

„Absurd.“ „So ist nun mal Demokratie.“ „Aber dass zwei Drittel der Deutschen das wollen? Hallo? zwei Drittel!?“ „Zwei Drittel möchten, dass die SPD wieder einen eigenen Kanzlerkandidaten aufstellt.“ „Das ist doch total krank!“ „Im Gegenteil, das ist echt prima.“ „Die sind doch gestört! Zwei Drittel!“ „Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein Drittel keine sadistischen Neigungen haben. Ist doch toll.“

„Einen eigenen Kanzlerkandidaten, die haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank!“ „Jetzt regen Sie sich nicht auf, das hat die FDP auch schon mal gebracht.“ „Aber die hatte immerhin ein klares Profil: die sind eine Spaßpartei, die rund um die Uhr neoliberalen Scheißdreck erzählt und einen profilneurotischen Vollversager nach dem anderen an die Parteispitze hievt.“ „Mir erschließt sich jetzt der Unterschied gerade nicht.“ „Fünfzehn Prozent für diesen Schwachsinn rufen bei denen große Begeisterung hervor.“ „Nein, ich hab’s immer noch nicht verstanden.“ „Sie haben das verlogenste Arschloch auf dem Außenministersessel festgeklebt, das sich gerade finden ließ.“ „Bedaure, wir haben da wohl gerade ein kommunikatives Problem.“ „Ich geb’s auf.“ „Ja, jetzt verstehe ich Sie. Die Sozialdemokraten, richtig?“

„Aber mal ehrlich, zwei Drittel wollen einen Kandidaten, der sich nur aufstellen lässt, damit Merkel ihm eine reinsemmelt.“ „Das machen die Deutschen jedes Jahr so, dann gibt’s diesen komischen Schlagerwettbewerb, den sie alle nie im Fernsehen gucken – daher auch die hohen Einschaltquoten – und dann sind wir plötzlich wieder Vorletzter mit einem Trostpunkt aus Kasachstan, und das versendet sich dann innerhalb von zwei Wochen.“ „Sie können doch den Song Contest nicht mit einer Bundestagswahl vergleichen!“ „Das volkswirtschaftliche Ergebnis dürfte doch irgendwie gleich sein, oder?“ „Nee, beim ESC fiebern doch die Menschen mit – bei der SPD dagegen…“

„Aber mal ehrlich: das sind doch demokratische Spielregeln. Sie würden doch als Biertrinkerpartei oder Bund Westdeutscher Erbsenzähler niemals auf das große Spektakel verzichten wollen, oder?“ „Dass sich Gabriel mit elf Prozent vor die paralysierte Masse stellt und brüllt, er werde Merkel jahrzehntelang vor sich hertreiben, bis die SPD die Weltherrschaft an sich reißt? Am Arsch!“ „Ein bisschen Tradition muss doch sein.“ „Die würde bei uns ja bedeuten, dass man die politische Linie von diesem zartrosa Lachsersatz in die Tonne tritt und als Sozialdemokraten wieder ganz von vorne anfängt.“ „Und genau deshalb brauchen Sie ja die nächste Bundestagswahl. Mit zwei Dritteln, die ganz fest daran glauben, dass zwanzig Prozent doch irgendwie möglich sein könnten.“

„Lassen wir doch dieses Theater. Das führt zu nichts mehr, ich sage es Ihnen.“ „Wollen Sie denn den Leute im Wahlkampf erzählen, dass die SPD sich vollkommen aufgegeben hat?“ „Sie meinen, das erfahren die Wähler noch früh genug? Na toll.“ „Nein, aber lassen Sie ihnen doch die Illusion, dass das Ganze letztlich doch noch zu irgendwas gut sein könnte.“ „Das sagt doch die CDU ihren Wählern auch die ganze Zeit schon, und zwar noch wesentlich länger als wir.“ „Ist doch super, wenn Sie gleiche Voraussetzungen haben, ist die nächste Koalition schon so gut wie geritzt.“

„Jetzt fangen die sogar schon an mit der absoluten Mehrheit. Absolute Mehrheit! Ich frage Sie, was soll denn das sein?“ „Eine absolute Mehrheit ist eben ganz ab von allen anderen. Die können machen, was sie wollen.“ „Das geht doch jetzt schon: die Kanzlerin sitzt herum, die SPD tut, was sie will.“ „Die Sozialdemokraten?“ „Nein, die Kanzlerin.“ „Also tut Merkel, was die Sozialdemokraten wollen?“ „Ja, aber die sind ja heute längst nicht mehr in der SPD, deshalb – ach, vergessen Sie’s einfach.“

„So eine absolute Mehrheit ist doch gar nicht schlecht. Dann kann die SPD sich endlich wieder auf das Kerngeschäft der Opposition…“ „Opposition ist Mist.“ „Und was, glauben Sie, hat die SPD seit dem Ende von Kohl produziert?“ „Jedenfalls fordert Gabriel immer wieder, dass…“ „Der hat nicht zu fordern, der hat zu machen. Ist doch kein Oppositionsführer.“ „Gefühlt schon.“ „Aber mit einer absoluten Mehrheit ist man doch gleich so losgelöst.“ „Alternativlos?“ „Eher absolutistisch, aber völlig losgelöst.“ „Also doch ziemlich abgehoben.“ „Jedenfalls ohne die Bodenhaftung, und das kann man doch politisch auch nutzen, oder?“ „Wer nutzt denn das?“ „Machen Sie’s doch. Sagen Sie Ihrem Parteichef, er soll mit der absoluten Mehrheit als Ziel in den Wahlkampf ziehen.“ „Geht’s noch!?“ „Echt, sagen Sie das Gabriel: absolute Mehrheit für die SPD ist die einzige Rettung für Deutschland und Europa und die Welt und das Klima und überhaupt. Absolute Mehrheit.“ „Haben Sie’s eventuell eine Nummer kleiner?“ „Absolute Mehrheit.“ „Entschuldigung, das ist eine Schnapsidee! Eine absolute Mehrheit für die SPD…“ „… ist immerhin eine Vision.“ „Soll ich mit Gabriel dann auch noch zum Arzt gehen?“ „Warum nicht? wenn Sie Glück haben, behält er ihn gleich da.“





Kopfgefühle

15 07 2015

„Jetzt machen Sie hier mal nicht so eine Welle. Die Bundeskanzlerin hat für Sie eine halbe Stunde, und wenn es Ihnen nicht passt, haben wir überall in Sichtweite Türen eingebaut. Also setzen Sie sich da hin, lesen Sie das vor, und halten Sie die Klappe. Sie wären nicht der erste.

Behalten Sie ruhig Ihre Mütze auf, die Kanzlerin wird sich Ihretwegen auch nicht gerade in Schale werfen. Sie sind halt so eine lustige Figur und dürfen hier mal dreißig Minuten lang hampeln, das regt hier keinen auf, weil es auch niemanden interessiert. Solange Sie sich an die Hausordnung halten, dürfen Sie tun, was Sie wollen. Die Hausordnung? Da steht drin, dass Sie zu tun und zu lassen haben, was wir wollen. Aber Sie dürfen das natürlich gerne übernehmen.

Sie müssen nicht unbedingt so tun, als hätten Sie ein total neues Konzept. Sie haben nämlich keins. Wir haben auch keins. Und deshalb werden Sie Ihre Fragen stellen, und dann ist gut. Antworten? wieso Antworten? Sie sind hier bei der Bundeskanzlerin. Sie können nicht ein Interview mit der Bundeskanzlerin machen und dann auch noch Antworten verlangen. Wie stellen Sie sich das vor? Sie bekommen Bürgerdialog. Die Kanzlerin stellt sich dem Selbstgespräch, und der Bürger darf dabei zuhören. Wenn Sie unfreiwillige Komik haben wollen, dann mieten Sie doch den Regierungssprecher. Der Mann ist viel billiger, als Sie ahnen.

Kann ich mal sehen? Also das mit dem Atomausstieg geht ja gar nicht, das lassen wir weg, und dann dies hier zur Ukraine, die meisten Zuschauer haben da eh keinen Durchblick, warum, die sehen halt auch immer nur Interviews mit Merkel, und da lernt man eben nichts über Politik. Also lassen Sie doch den ganzen Kram da von vornherein weg, umso weniger müssen wir hinterher wieder rausschneiden. Und so eine halbe Stunde kann auch in wenigen Augenblicken plötzlich vorbei sein.

Aber klar können Sie hier neue journalistische Maßstäbe setzen. Gehen Sie dahin, wo es so richtig wehtut. Sie können die Kanzlerin ja mal fragen, warum sie in ihrem Alter immer noch Ski läuft und ob sie keine Angst hat, sich noch mal den Hintern zu brechen.

Keine privaten Fragen ansonsten, das ist hier ein ernsthaftes Medienformat. Wenn Sie mit Johannisbeertorte anfangen, brechen wir sofort ab. Immerhin muss sich das die ganze CDU anhören, der hängt das sowieso schon zum Hals raus. Die politischen Fragen sind gerade noch verkraftbar, da schalten die meisten ab oder haben ohnehin keine eigene Meinung, aber Menschlichkeitsduselei – das passt einfach nicht in die Partei rein, das werden Sie verstehen. Und in die Bundesregierung eh nicht.

Und passen Sie sich doch bitte den neuen rhetorischen Mustern an. Das heißt nicht: ‚Sind Sie eigentlich zufrieden mit dem Ausgang der Demontage der griechischen Gesellschaft?‘, sondern: ‚Wie zufrieden sind Sie damit?‘ Das werden Sie in jedem Politmagazin hören, das macht man heute so. Wir haben es den Journalisten über Jahre hinweg anerzogen, und endlich spuren sie. Schließlich sollten Sie immer wissen, dass Sie etwas von uns wollen. Nicht Sie geben uns ein Interview, sondern wir Ihnen.

Dann üben wir die Frageformulierung gleich noch einmal, ja? ‚Wie sehr vertrauen Sie Wolfgang Schäuble bei der Rettung deutscher Großaktionäre durch Hilfsgelder für Griechenland?‘ Sehr gut, gleich noch einer. ‚Wie sicher sind Sie sich, dass Sie die Verschlechterung des deutsch-französischen Verhältnisses ignorieren werden?‘ Wunderbar, und noch einen. ‚Wie egal sind Ihnen eigentlich die deutschen Wählerinnen und Wähler?‘ Glänzende Ausdrucksweise, ich kann schon hören, wie die Kanzlerin auf jede Frage ganz ausführlich nicht antwortet.

Haken Sie nach, aber bitte auch ganz thematisch konzentriert. ‚Hmja‘ ist beispielsweise ganz okay, und vielleicht könnten Sie ein- bis zweimal ‚Hmja, Frau Bundeskanzlerin‘ versuchen. Als Überleitung auf die nächste Frage, die sie an sich abprallen lässt. Und vor allem, keinen Widerspruch. Wenn sie zu Ihnen sagt, dass der Mond aus grünem Käse ist, dann ist das so. Nehmen Sie das zur Kenntnis. Wir haben hier auch einen Fraktionszwang und ein Parteiprogramm und Wolfgang Schäuble, bei uns wird nicht diskutiert, ob jemand Recht hat. Wir haben Recht, und mit Diskussionen verschwenden Sie nur unsere Zeit.

Sie dürfen gerne nach dem Bauchgefühl der Bundeskanzlerin fragen. Sie hat nur größtenteils Kopfgefühle. Damit Sie das Gefühl haben, sie hätte etwas im Kopf. Und das muss dann auch reichen. Schließlich sind Sie als Journalist ja nur an Fakten interessiert. Und es wäre doch absolut schade, wenn Ihre Karriere aufhören würde, noch bevor sie so richtig angefangen hat.

So, und jetzt setzen Sie sich da hin, nicht bewegen, dann stehen Sie noch mal auf, dann setzen Sie sich wieder hin, und dann stellen Sie die erste Frage. Nein, die nicht. Die zweite. Die erste ist gestrichen. Und was dann kommt, wissen Sie ja.

Doch, das wird gut. Das wird sogar sehr gut. Ein dummes, plumpes Aufziehäffchen, das permanent Verbalbrei aus Worthülsen absondert. Und Angela Merkel. Das wird sehr, sehr gut.“





Mad Men

13 07 2015

„Sofort eine Million neuer Arbeitsplätze? und dreißig Prozent Mehrwertsteuer?“ „Eben.“ „Das ist doch, entschuldigen Sie mal, das ist doch der größte Blödsinn, den je ein…“ „Ihnen kann das doch völlig egal sein, wir fordern es doch nicht von den Deutschen.“ „Aber von Griechenland, und da macht das doch erst recht keinen Sinn.“ „Deshalb fordern wir es ja.“

„Wie soll man denn eine Million Arbeitsplätze aus dem Boden stampfen?“ „Das ist mir doch egal.“ „Sie fordern also, obwohl Sie überhaupt nicht wissen, wie das realistisch umzusetzen wäre?“ „Das ist schließlich nicht unsere Aufgabe. Wir stellen nur die Forderungen, und die Griechen sind bisher immer so ein kreatives Volk gewesen, die können sich mal überlegen, wie sie mit den deutschen Forderungen zurechtkommen.“ „Und wenn die es gar nicht schaffen?“ „Das dürfte ein Problem sein, zum Glück nicht meins.“ „Sie sind ja komplett wahnsinnig.“ „Ja, warum?“ „Weil ich langsam den Eindruck bekommen, dass Ihr Wahnsinn Methode hat.“ „Nicht ganz, er ist die Methode selbst. Wahnsinn ist unsere Methode.“

„Ein methodisches Vorgehen auf der Basis von Wahnsinn?“ „Was stört Sie daran? Dass es nicht funktioniert?“ „Im Gegenteil, es funktioniert seit Jahren.“ „Dann verstehe ich nicht, warum Sie so aufgebracht sind.“ „Es ist absolut unvernünftig, sich in einer solche Situation so zu verhalten!“ „Ach was, das kommt Ihnen nur so vor. Wir gehen dabei äußerst planvoll vor und ziehen alle möglichen Konsequenzen in Erwägung.“ „Das müssen Sie mir erklären.“ „Ein kleines Kind im Supermarkt will Bonbons, es will sie unbedingt. Was wird es tun?“ „Schreien?“ „Schreien, sich auf den Boden werfen, die Gurkengläser aus den Regalen fegen. Warum?“ „Weil es dann die Bonbons kriegt?“ „Falsch. Die sind ja bloß ein Etappenziel. Wir arbeiten jedoch an einer längerfristigen Strategie und wollen uns ihren immerwährenden Erfolg sichern.“ „Also immer Bonbons?“ „Und jedes Stofftier, Eis, länger Aufbleiben, ins Schwimmbad, und so weiter, und so fort.“ „Dann bedarf es doch nicht unbedingt solcher extremen Aktionen wie die im Supermarkt.“ „Doch. Sie ist der Grundstein unserer Strategie. Wissen Sie, warum das Kind sich auf den Boden wirft und die Gurkengläser zerdeppert?“ „Weil es seinen Willen unbedingt durchsetzen will, ohne Rücksicht auf Verluste?“ „Wieder falsch. Weil es nicht verantwortlich ist.“

„Sie sind gar nicht verantwortlich, wenn Sie von den Griechen die Kürzung ihres Militärbudgets verlangen, gleichzeitig aber darauf bestehen, dass die deutschen U-Boote, die keiner braucht, weiter gekauft und bezahlt werden?“ „Natürlich nicht. Der Vorschlag ist, entschuldigen Sie, der größte…“ „Ich weiß. Wer so etwas öffentlich äußert, ist ein geistig zurückgebliebenes Arschloch.“ „Aber…“ „Doch, das sind wir. Und damit sind wir definitiv nicht mehr zurechnungsfähig.“ „Das kann doch nicht ihr Ziel sein.“ „Warum nicht? Wenn jemand nicht mehr zurechnungsfähig ist, und Sie wissen es, geben Sie ihm dann die Bonbons?“ „Ich weiß es nicht. Vielleicht. Doch, ja.“ „Weil Sie nicht wollen, dass Sie das Kind immer wieder in diese furchtbaren Situationen bringt und immer tiefer reinreitet und Ihren guten Ruf beschädigt. Sie sind verantwortlich für das Kind. Ihr Problem.“

„Also fordern Sie Dinge von Griechenland, die nicht oder nur sehr schwer überhaupt zu realisieren sind.“ „Keiner hält uns mehr für ansatzweise vernünftig – wir sind tobsüchtige, durchgeknallte Irre, denen man besser nicht zu nah kommt.“ „Sie setzen also ganz bewusst darauf, dass verschuldete Nationen Sie für wahnsinnig halten.“ „Richtig, wir streuen das Gerücht, dass ein paar unserer Minister mit Schaum vorm Mund regieren und regelmäßig in die Kabinettstischkante beißen.“ „Und mit welchem Erfolg?“ „Sie nehmen jeden unserer Vorschläge an und tun, was wir ihnen befehlen. Ihnen ist klar, sobald wir noch mehr am Rad drehen, wird es unter Umständen noch schlimmer.“ „Ist das überhaupt noch vorstellbar?“ „Denken Sie immer daran: wir sind unzurechnungsfähig. So viel blühende Fantasie können Sie als vernünftiger Mensch gar nicht haben, wie sich unser Wahnsinn gebärdet.“

„Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ist das denn glaubwürdig?“ „Warum nicht?“ „Wir schaden doch langfristig unseren eigenen Interessen, wenn wir diese Maßnahmen gegen Griechenland durchsetzen – wir sind doch nicht mehr glaubwürdig.“ „Eben. Aber es ist immerhin Verlass darauf, dass wir uns gleich bleiben. Worauf wird man eher vertrauen: darauf, dass ein Vernünftiger immer und überall die Nerven behält, oder darauf, dass ein Verrückter irgendwann eine Bombe schmeißen könnte?“ „Ich weiß nicht.“ „Drücken Sie einem verrückten eine Bombe in die Hand, das gibt Ihnen Sicherheit. Er wird nicht erst überlegen, ob er sich mit dem Ding selbst in die Luft sprengen könnte, und Sie können eine entscheidende Größe in der Rechnung vernachlässigen. Wir sind absolut unberechenbar, und deshalb sind wir ein so zuverlässiger Partner – im Gegensatz zu den anderen.“ „Und wenn die Griechen jetzt noch mal so eine Abstimmung machen und…“ „Geben Sie sich keine Mühe. Die Griechen sind nicht gefährlich.“ „Warum nicht?“ „Raten Sie mal: wer hat die Bombe?“





Ommmm!

17 06 2015

„Ommmm! Ommmm! Ommmm! Setzen Sie sich und haben Sie teil, junger Freund, und dann – Fraktionsvorsitz? meine Güte, Sie gehen mir echt auf die Plomben. Vor Buddha sind doch alle Menschen gleich, was wollen Sie eigentlich von mir?

Wo ist für Sie der Unterschied? vor diesem Dings, wie hieß er doch – es heißt übrigens ‚Christentum‘, das sollte in Ihrer Partei bekannt sein, aber Sie kriegen das sicher erst noch in der dritten Klasse. Wir richten uns auf Wunsch der Parteispitze global aus, und da haben wir uns für eine buddhistische Neudefinition entschieden. Gucken Sie nicht so doof. Das ändert nichts, wenn Sie noch an der Materie haften.

Es ist halt so. Wir haben eine Kanzlerin, für die der Quietismus adrenalingesättigte Hyperaction darstellt. Urknall in Extremzeitraffer. Beim absoluten Stillstand kriegen ihre Schweißperlen Beschleunigungsstreifen. Das muss man doch irgendwie hinkriegen, haben wir uns gedacht. Und dann war’s auch so.

Nein, nicht einfach nur dasitzen. Sie müssen aber noch sehr viel lernen, bis die Erleuchtung an Ihnen vorbeizieht. Versenken Sie sich mal. Nein, nicht ins Mittelmeer. Asse? Meine Güte, jetzt lassen Sie doch diesen politischen Mist mal weg, das belastet doch nur die Seele. Lehnen Sie sich einfach mal zurück, denken Sie: Ommmm! Ommmm! oder denken Sie einfach mal nichts, so wie das CDU-Präsidium. Das hat sich bewährt!

Der Buddhismus lehrt uns ja die ewige Wiederholung der ewigen Wiederholung der ewigen Wiederholung. Wir sind jetzt gerade wieder bei den moralisch-sozialen Bestandteilen der Adenauer-Ära angekommen, was war noch mal das Problem? Gut, ich wollte nur noch mal gefragt haben. Aber wichtig ist, Sie müssen sich um die spirituelle Integrität dieser Bundesregierung nie wieder Sorgen machen, wir sind ab sofort immer gerüstet für die Veränderungen der Zukunft.

Einerseits natürlich, weil es gar keine Veränderungen sind, nicht wahr? Sie sehen es eventuell so aus Ihrer Einzelperspektive der Inkarnation als Parlamentarischer Staatssekretär, aber was genau kümmert das mich, wenn ich nur das große Ganze im Auge habe? Kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Balken, das ist die typisch christentümliche Ausgrenzungsrhetorik, die ich nicht tolerieren kann. Bei Griechen oder Schwulen, die den Unterschied zwischen Bundesrat und Bundestag noch nicht bemerkt haben, kann man noch etwas sagen, aber bisher würde ich sagen: Sie sind ein bekennender Rassist, aber das nützt Ihnen nichts, solange Ihnen keiner zuhört? Arschkarte. Wären Sie mal lieber in einen von diesen alternativen Clubs gegangen, obwohl: was Ihnen da zuhört, ist ja auch keiner Erwähnung wert.

Zweitens rücken wir von dieser verstaubten Idee einer christlichen Volkspartei ab. Jetzt stellen Sie sich mal vor: hier werden teilweise Muslime Mitglieder, weil die nicht begriffen haben, dass uns diese Religionsmasche langsam selbst auf den Sack geht. Das wollen Sie doch nicht wirklich?

Jetzt setzen Sie sich mal, machen Sie es sich bequem, falten Sie die Hände – nein, nicht so, zur Raute natürlich – und denken Sie an gar nichts. Machen Sie den Kopf leer. Ganz leer. Sie haben das Parteiprogramm drin? Na, das ist ja fast gar nichts. Kann man gelten lassen. Aber erst, wenn sich gar nichts mehr bewegt, haben Sie eine Chance auf Erleuchtung.

Das macht die Kanzlerin genau so. Und dann können Sie auch diese schönen Paradoxa lösen. Sind Sie bereit? Wir müssen alle weniger Geld ausgeben, damit wir mehr Geld ausgeben können. Na? Wir müssen alle viel mehr arbeiten, damit wir mehr arbeiten können. Merken Sie schon was? Wir müssen alle viel weniger arbeiten, damit wir weniger zu arbeiten brauchen. Noch nicht? Deutschland ist ein Einwanderungsland.

Sitzen Sie gerade. Mit dieser Körperhaltung kommen Sie nie auf den Bundesparteitag. Und verwechseln Sie den Buddhismus bitte nie mit irgendeiner Spaßreligion, wir sind schließlich keine Katholiken hier. Gerade sitzen, habe ich gesagt. Mehr Achtsamkeit. Sonst kommen Sie nie ins Präsidium. Oder halt ins Nirwana. Ist ja dasselbe. Da passiert halt auch nicht viel mehr, es fühlt sich nur nicht ganz so langsam an.

Sie müssen loslassen. Lassen Sie einfach mal los. Merken Sie, wie Sie komplett losgelöst und in einem ganz neuen Absolutheitsanspruch in dieser Welt existieren? Dann haben Sie ja schon einen ungefähren Eindruck, wie man sich als Kanzlerin fühlt. Ommmm! Ommmm!

Und wie fühlen Sie sich jetzt? Haben Sie die Inhalte schon überwunden? Lassen Sie sich freiwillig abhören und zahlen Sie noch Einkommensteuer? Dann sind Sie auf einem guten Weg.

Das? Nein, das ist nicht Buddha. Das ist zwar auch dick und golden angemalt, aber wenn Sie ganz genau hinschauen, dann entdecken Sie die typische Handhaltung. Gewöhnen Sie sich schon mal daran, dass die Dinger jetzt überall stehen. Ommmm! Ommmm! Ommmm!“