Niederwild

30 07 2015

„Nee, das ist schon voll blöd. Hundert Pro. Aber auf der anderen Seite, wenn da ein guter Freund kommt und unbedingt ein Nashorn wegzoschen will, ich meine, hallo? schafft so ein Vieh Arbeitsplätze? Ist das für Börsenkurse gut oder für nachhaltige Entwicklung in den Ländern, wo nur Neger herkommen? Das ist ein Schuss, und gut. Da muss man rational planen. Viertelmillion und peng. So was muss man sich ja bezahlen lassen, weil sonst gibt’s ja ohne Nashörner bald kein Business mehr, oder?

Sie buchen dann jetzt einfach mal eine Safari bei uns, die keine bleibenden Schäden hinterlässt. Schießen auf echte Einheimische. Das macht voll Laune! Und wir sind für dieses Jahr auch schon so gut wie ausgebucht. Wenn Sie also kommende Saison nichts vorhaben sollten, immer her mit der Buchung.

Echt, wir verkaufen das sogar als sanften Tourismus, weil im Gegensatz zum Löwen wächst der Neger ja nach. Und das ist wie bei der normalen Jagd, wir dünnen nur etwas den Bestand aus, indem wir die schwachen Mitglieder der Herde schießen. Insofern ist das ökologisch wertvoll. Die baden-württembergischen Grünen haben schon einen Betriebsausflug geplant, und die kennen sich mit der Materie auch bestens aus. Also mit Ein- und Auswanderern.

Kleines Paket? das wären dann zwei Wochen Aufenthalt im Resort, Whirlpool, Frühstücksbüfett, Schießstand zum Üben, Cocktailbar, und die Knarre können Sie günstig mieten. Wir haben da unsere Freunde. Gute Ware, natürlich nur aus Deutschland, denn Sie wissen ja: Qualität zählt.

Unsere europäischen Partner haben es auch ein bisschen übertrieben, die wollten erst so eine Art Survival daraus machen, aber wie gesagt: total übertrieben. Mit der Schreckschusspistole in einen Löwenkäfig. Wegen Tierschutz und so. In der Zeit haben in Bielefeld die tödlichen Unfälle mit landwirtschaftlichem Großgerät aber sprunghaft zugenommen, mein lieber Scholli! Nee, wir wollen da keine zu große Gefährdung für unsere Gäste entstehen lassen. Reicht ja schon, wenn die Bimbos auf dem Mittelmeer absaufen, da muss nicht auch noch der weiße Mann alles nachmachen.

Großes Paket sind drei Wochen mit optionaler Verlängerung, Personal Trainer im Shooting-Bereich, alles inklusive, Waffen plus Munition, und dann kommt noch das Paket Bring your own Gun dazu. Ist für Sie nicht unbedingt so der Brüller – falls Sie nicht sowieso noch ein G36 in der Garage stehen haben oder in Ihrem Wahlkreis ein Rüstungsbetrieb Herbstflohmarkt macht – aber denken Sie mal international. Wir wollen den Amerikaner als Kunden, der Amerikaner bringt uns die Kohle!

Notfalls der Russe. Ob Putin jetzt sibirische Tiger abknallt oder Niederwild in Afrika, uns ist das völlig wumpe. Hauptsache, der Umsatz stimmt. Und man muss ja entwicklungsfähig bleiben. Denn der Saudi, der Dubaier – nee, nicht der, also nicht der Bayer an sich, der Seehofer spielt ja lieber mit seiner Eisenbahn, und dann kippt er vom Stuhl, weil er sich für die Bundeskanzlerin hält – also diese Ölscheiche wollen sich einfach nicht als Zielgruppe zur Verfügung stellen. Ich verstehe das auch nicht, weil zu Hause haben die kein Problem mit Gewalt. Aber kann ja gut sein, dass die nicht kommen, weil die das genauso gut zu Hause machen können. Nur halt nicht mit Negern.

Man muss dieses Tourismusding halt immer im Zusammenhang sehen und so. Die Leutchen, die Sie hier erlegen, die kommen nicht mehr in die EU eingewandert. Das ist ein ganz großer Schachzug – wenn wir hier vor Ort die Problematik mit den armen Negern ausdünnen können, quasi lokal handeln, weil wir denken ja auch global, dann haben wir schon wieder ein Problem mehr gelöst und machen damit auch noch Umsatz. Die Idee ist so derart genial, die könnte doch glatt von einem Rüstungskonzern stammen, oder?

Die Eingeborenen, die Sie hier bejagen, die sterben doch für einen humanitären Zweck. Nee, ich meine jetzt nicht so – ob die im Mittelmeer absaufen oder gleich hier im Busch verbluten, das ist verhältnismäßig egal. Mir jedenfalls. Höchstens für die Ökobilanz wäre das ein Fortschritt, aber auch nicht so großartig. Gut, die müssten nicht so viel Schiffsdiesel in die Seeluft pesten, aber andererseits kommen die Lakritznasen ja auch mit Schlauchbooten aus dem Urwald, und an das bisschen Müll hat sich so ein Ökosystem ja schnell gewöhnt. Aber der humanitäre Zweck, der bleibt doch bestehen. Ich meine, wir haben weniger Asylis in Sachsen, und wenn man sich die Folgen ansieht, dann ist das auch gut so. Gut, demonstriert wird immer, und wenn Sie gar keine mehr reinlassen würden, der besorgte Deutsche merkt das meist so innerhalb von zwölf Jahren. Danach stellt er dann fest, dass er eigentlich die ganze Zeit im antifaschistischen Widerstand gewesen sein muss, und dann ist auch wieder gut. Aber denken Sie mal an den Wahlkampf. Wenn unsere besorgte bürgerliche Regierung sagen könnte, hier, gar keine Ausländer mehr rein, und wir könnten trotzdem ab und zu noch mal so eine Hottentottenauffangstation abfackeln, das wär’s doch!

Hier ist noch was frei, Zimmer mit Bad und Balkon. Wäre ein Schnellschuss, wenn Sie wissen, was ich meine. War ursprünglich als Incentive gedacht für Polizisten aus den USA, aber die haben storniert. Wollen Sie reservieren?“





Bleichgesichter

8 07 2015

„… es in der vergangenen Nacht erneut zu schweren Ausschreitungen gegen das Flüchtlingsheim gekommen sei. Die örtliche Polizei habe mehrere Personen mit Brandsätzen und Schusswaffen festgenommen, die gegen die aus der Bundesrepublik Deutschland stammenden…“

„… nach einem Schauprozess beseitigt worden seien. Merkel habe danach wie immer in ihrem Videopodcast verkündet, sie habe mit sich eine gemeinsame Lösung…“

„… habe der Sprecher der lokalen Bürgerinitiative Bedenken geäußert, dass sich die Europäer überhaupt integrieren wollten. Die Familien seien aus einem über Jahrzehnte sozial verwahrlosten Landesteil von Sachsen geflohen und würden absichtlich nicht in die Gesellschaft von…“

„… bereits vor der Flucht über das Mittelmeer in die Illegalität gelange, da Frankreich formell noch ein souveräne Staat sei und die Einreise deutscher Staatsbürger bis auf Weiteres erlaube, so dass die Flüchtlinge bereits hier um Asyl…“

„… nenne es die Bürgerinitiative geradezu pervers, wenn die Einwanderer ihre wöchentlich zugeteilten Gelder fast ausschließlich für Delikatessen wie Kartoffeln, Sauerkraut und Schweinefleisch…“

„… fordere Innenminister Chuknjameya die Asylbewerber auf, sich in der Öffentlichkeit nicht mehr auf Deutsch zu unterhalten, da dies als bewusster Affront gegenüber ihren Gastgebern…“

„… als terroristische Unterwanderung der heimischen Kultur. Die Anwohner hätten das Rathaus gestürmt, sobald sie erfahren hätten, dass sich eine Delegation von Sachsen in der Mitte der dörflichen Struktur um den Bau einer Kirche…“

„… die Bevölkerung durch ihr Aussehen und ihre Kleidungsgewohnheiten – Sandalen und Socken, Trainingsanzüge aus Kunstseide, kurze Hosen – ständig provozierten. Es sei bei einer stark tätowierten Mutter mit zwei kleinen Kindern zunächst nur um die Bitte gegangen, sich im Supermarkt nicht in Hotpants zu zeigen, danach habe ein älterer, untersetzter Deutscher aus…“

„… den Niedergang der Rasse durch Einkreuzung europäischen Blutes befürchte. Alle Deutschen, so Mamdereke, seien Träger eines bestimmten Gens, das sich negativ auf die…“

„… keine Person verletzt worden sei. Außer einer zersplitterten Haustür und dem aufgesprühten Schriftzug Kein Asylat für Bleichgesichter habe es nichts…“

„… es unter den Asylbewerbern Personen gebe, die mit ihrem religiösen Fundamentalismus gegen die Verfassung verstießen. Mehrere evangelikale Familien hätten sich abfällig gegen die Öffnung der Ehe für alle geäußert, was nach geltendem Recht bereits als…“

„… vom Verfassungsgericht prüfen lassen wolle, ob man legal eine Auswanderererfassung auf dem Boden der EU – sowie ein Internierungslager für bereits abgewiesene Personen – und eine Datei der Asylanträge…“

„… ständige Mehrkosten durch die Instandhaltung der sanitären Anlagen auftreten würden. Die Flüchtlinge verstopften die Toiletten fast täglich mit Hygieneartikeln, was sie der Heimleitung gegenüber als landestypisches…“

„… könne man nicht voraussetzen, dass Deutsche, die in ihrer Heimat offenbar ohne ausreichende Schulbildung geblieben seien, ohne zusätzliche Maßnahmen für den Arbeitsmarkt geeignet seien. Sozialminister Akinshobeze werbe daher intensiv für Qualifikationskurse, um wenigstens einfache Helfertätigkeiten im…“

„… sei es ein Albtraum für die Mittelschicht, dass die Deutschen ständig neue Lederhosenkinder in die Welt setzten und sich an jeder Straßenecke der Ausländerwohnviertel eine neue Wurstbude…“

„… von scharfen Protesten begleitet sei. Chuknjameya habe im Staatsfernsehen geäußert, die Deutschen hätten ja in Sachsen bleiben können, dann wären sie bei dem Rohrbombenanschlag in der Nacht zum Sonntag auch nicht…“

„… dass die Zuwanderer der Bevölkerung die Arbeitsplätze wegnehmen wollten. Zugleich habe Nsabambelele auf dem Landesparteitag der Nationaldemokraten angemahnt, Sozialleistungen erst nach eingehender Prüfung sämtlicher Dokumente aus der…“

„… nicht verhindern könne, dass junge Deutsche die einheimischen Frauen ansprächen. Man sei förmlich gezwungen, seine Kinder auch bei größter Hitze im Haus einzusperren, was als terroristischer Akt der Einwanderer…“

„… es sich bei den meisten Europäern vermutlich nur um Wirtschaftsflüchtlinge handeln könne, da die seit dem Russland-Konflikt so gut wie ohne Energie verbliebene EU abgesehen von einigen Gesetzesverschärfungen keine politische Verfolgung im engeren Sinne…“

„… dass die Sachsen jetzt anfangen würden, sich gegenseitig abzuschlachten, was vermutlich in einen blutigen Bandenkrieg münden werde. Nsabambelele fordere eine sofortige Rückführung aller deutschen Migranten, bevor es zu Unruhen komme. Das Polizeipräsidium habe dagegen bestätigt, der 74-Jährige sei vorgestern an einem Herzinfarkt…“

„… es statistisch erwiesen sei, dass die Deutschen ihren Genozid durch Zuwanderung unaufhaltsam fortführen wollten. Es werde weniger als zweihundert Generationen dauern, dann seien 99,9999998 Prozent der Bevölkerung…“





Willkommen, Bienvenu, Welcome

4 12 2014

„… dass man Willkommenszentren gleich auf afrikanischem Boden einrichten solle. De Maizière sei sich sicher, dass nur so die sprichwörtliche Herzlichkeit Deutschlands die Einwanderung in…“

„… werde den Schleusern das Handwerk gelegt, wenn sie ausländische Flüchtlinge unter Ausnutzung einer existenziellen Notlage nicht mehr in die EU…“

„… für eine Erleichterung der Einreise nicht zuständig seien. Mit einem positiven Bescheid seien die Kosten für die Überfahrt nach Lampedusa noch immer von den jeweiligen…“

„… als Ergebnis der Entwicklungspolitik. So sei Steinmeier bereit, einen Teil der deutschen Zahlungen einzustellen, wenn sich die afrikanischen Staaten darauf einigen könnten, ihre Flüchtlinge so schnell wie möglich nach Norden…“

„… müsse man deutsche Willkommenskultur als Inhalt der Landesverteidigung auch…“

„… in einer ersten Stufe für die Begrenzung der Einreisegebühren ausgesprochen habe. Durch die Kürzung der Mittel im öffentlichen Dienst sei eine Kontrolle zwar erst 2027 zu…“

„… schaffe eine strukturell geordnete Einwanderung einen marktähnlichen Prozess, den nur sozial erwünschte Personen mit einer Ausbildung und niedrigen Lohnerwartungen…“

„… ein Bundesgesetz erlassen wolle, nach dem die Einreise nach Deutschland über ein tariflich festgelegtes…“

„… einen Vorschlag von Hans-Peter Uhl (CSU) aufgreife, die Internierungslager für Asylbetrug gleich in den Wirtsländern zu…“

„… nicht möglich, die Maut gleich beim Betreten der EU zu veranschlagen. Dobrindt habe dennoch darauf bestanden, die Kosten für die künftige Straßenbenutzung schon…“

„… plädiere Sarrazin für die Einbettung der WelcomeCenter in die übrige Hartz-Gesetzgebung. Nur so lasse sich bei kulturfremden Elementen frühzeitig eine Auslese der besten Einwanderer in den deutschen Volkskörper…“

„… müssten Ausländer gleich beim Betreten der Bundesrepublik ihre Fingerabdrücke registrieren lassen. Sepp Blatter habe sich energisch gegen diese Art von…“

„… da im Falle einer zeitnahen Abschiebung die Kosten für das Verfahren gleich an die afrikanischen Länder…“

„… als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die sich auch für ausländische Mitbürger eigne. Zwar seien Schleuersdienste illegal, die üppigen Honorare würden aber die bisher arbeitslosen Migranten aus der Transferzahlung…“

„… müsse man Flüchtlinge gemäß ihrer Staatszugehörigkeit aufnehmen. Deutschland habe sich bereiterklärt, Personen aus Katar, Bahrain und Dubai zu beherbergen, wenn diese sowohl Muslime wie auch länger als dreißig Jahre lang durch religiöse Verfolgung in ihren Heimatändern…“

„… den Ausreisewilligen grundlegende Kenntnisse ihres Ziellandes wie Hoyerswerda, Solingen, Buchenwald oder…“

„… werde man intensiv mit den Partnernationen zusammenarbeiten, um viele Ausreisezentren in der Welt anbieten zu können. Geplant seien jedoch vorerst nur Pilotprojekte innerhalb der EU, die sich für türkische und russische Staatsbürger…“

„… die Auswanderungsstellen der Demokratischen Volksrepublik Korea nur mit einem gültig gestempelten Visum sowie der Vorlage 41/N betreten werden könnten. Da dies bisher nicht geschehen sei, schließe die Bundesregierung, dass es sich um eine mustergültige…“

„… sich von der Leyen sehr wohlwollend über die neue ethische Grundlinie der deutschen Politik geäußert habe. Deutschlands Aufschwung werde nicht mehr am Hindukusch, sondern an den Schreibtischen des…“

„… ein Willkommenszentrum in Helmstedt bauen zu können. Die Bundesregierung sei bereit, die Flüchtlinge vorerst in Sachsen-Anhalt zu…“

„… auch andere EU-Länder aufgefordert habe, Asylmeldestellen einzurichten. So könne man eine Auseinandersetzung um Kompetenzen und Zuständigkeiten zu Lasten der Betroffen ganz kundenfreundlich bereits in den Herkunftsländern…“

„… sich nicht in die inneren Angelegenheiten der jeweiligen Herkunftsländer einmischen wolle. De Maizière habe sich äußerst zufrieden geäußert, dass nach deutschem Vorbild auch weiterhin eine Diskriminierung ohne Ansehen der Person…“

„… quasi als Ausdehnung des Schengen-Raums zu werten. Sollte eine Person bereits ein italienisches Willkommenscenter betreten haben, so sei die deutsche Dienststelle nicht mehr…“

„… sich beispielsweise Pakistan weigere, eine westliche Nation bei der Einrichtung einer gegen Diskriminierung gerichteten Behörde zu unterstützen. Das Auswärtige Amt habe dies zwar als nicht sehr kooperativ bemängelt, rufe aber ausreisewillige pakistanische Christen, Demokraten oder Menschenrechtsaktivisten dazu auf, zunächst mit einer Reise nach Australien die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens zu…“

„… ein Willkommenszentrum einzuweihen. Das Ziel sei, in angstfreier Atmosphäre die entscheidenden Schritte zu einer Zukunft in einem demokratischen Rechtsstaat zu tun. Das Gebäude in Berlin-Mitte, so der norwegische Botschafter, sei das Symbol einer hoffnungsvollen…“





Fremdarbeiter

11 02 2014

„Ich habe ja gar nichts gegen Ausländer.“ „Aber?“ „Nein, wirklich nicht. Ich verstehe bloß nicht, warum die immer alle zu uns kommen müssen.“ „Wieso sollen die denn nicht kommen.“ „Das sind doch Ausländer, die gehören halt ins Ausland.“

„Was genau stört Sie eigentlich genau an diesen Ausländern?“ „Dass es Ausländer sind.“ „Und dagegen haben Sie erst mal nichts?“ „Nein, wirklich nicht. Einige meiner besten Freunde…“ „So viele haben Sie?“ „Wenn ich welche hätte, darunter wären auf jeden Fall auch Ausländer.“ „Und ansonsten, was finden Sie an den anderen nicht gut?“ „Die wollen doch gar nicht.“ „Was wollen die nicht?“ „Arbeiten!“ „Und deshalb wandern die extra ein, nur um nicht zu arbeiten?“ „Eben, das ist doch das Perfide. Und das Geld, das die hier aus dem Sozialstaat abkassieren, das schicken sie dann nach Hause!“ „Ah, verstehe. Davon kaufen die sich bestimmt die vielen Waren, die für den Export hergestellt werden.“ „Richtig! Das muss doch mal ein Ende haben!“

„Haben Sie sich nie gefragt, warum so viele Ausländer wegen der guten beruflichen Aussichten kommen?“ „Die wollen natürlich alle ohne große Anstrengung reich werden, und wir sollen das ihnen bezahlen.“ „Sie sind also dagegen, dass die alle eine Anstellung finden?“ „Aber strikt! die schaden dem Land!“ „Und wer stellt die ein? ist das am Ende die Wirtschaft?“ „Natürlich die Wirtschaft, Sie stellen vielleicht blöde Fragen.“ „Dann verstehe ich nicht, wie die Migranten der Wirtschaft schaden können. Wenn die Wirtschaft stets nur nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip vorgeht, dann müssen diese Arbeitskräfte…“ „Fremdarbeiter sind das, keine Arbeitskräfte! Das sind Fremdarbeiter!“ „… ja irgendeinen Vorteil haben, der der Wirtschaft nützt, oder?“ „Ich weiß das nicht, ich verstehe nichts von Wirtschaft.“ „Schön, dass Sie es noch mal sagen. Aber dann ist das doch gut für die Wirtschaft, oder? und dann unterstützt das doch den Staat?“ „Ich will aber nicht, dass meine Rente von irgendwelchen Ausländern bezahlt wird, das kriegen wir auch noch ohne die hin!“

„Nur mit Propaganda werden Sie das Problem nicht lösen können.“ „Wie denn sonst? Wir müssen das Volk doch erst mal aufmerksam machen darauf, dass es fünf vor zwölf ist!“ „Fünf vor zwölf – Sie übertreiben ja mal wieder maßlos.“ „Wenn wir uns jetzt nicht zur Wehr setzen, dann werden wir total überfremdet! Dann gibt es uns in hundert Jahren nicht mehr!“ „Bei den erneuerbaren Energien ist Ihnen das doch auch völlig egal, ob es das Land in zwanzig Jahren noch gibt, oder warum wehren Sie sich so vehement gegen Windkraftanlagen und Stromtrassen?“ „Das kann man doch gar nicht miteinander vergleichen, aber wenn wir jetzt nicht aufpassen, dann sind wir in hundert Jahren komplett durchmischt und durchrasst, das sind doch die Fakten!“ „Wo kamen Ihre Verwandten noch mal her?“ „Aus Schlesien, genauer: Niederschlesien. Warum fragen Sie?“ „Ach, nur so.“

„Jedenfalls müssen wir endlich mal das Volk dafür sensibilisieren, dass es hier um seine eigenen Belange geht.“ „Wie beispielsweise Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor.“ „Die nehmen uns doch die Jobs weg, so sieht es doch aus!“ „Deshalb kommen ja auch vorwiegend ausgebildete Fachkräfte, die im mittleren Management arbeiten oder im Handwerk. Oder im Gesundheitswesen.“ „Sehen Sie? das ist doch eine Strategie! Die ohne Ausbildung lassen unser Land ausbluten, und die anderen senken die Löhne!“ „Wenn einer die Löhne senkt, dann doch die Wirtschaft, oder?“ „Aber diese Fachkräfte, die werden irgendwann auch das Lohnniveau in den oberen Bereichen senken. Sie werden schon sehen.“

„Entschuldigen Sie mal, aber Sie reden ja nur Quatsch. Das können Sie doch nicht selbst alles glauben, was Sie da von sich geben.“ „Es funktioniert eben nicht. Europa funktioniert eben nicht, Sie sehen es doch. “ „Wissen Sie, was mich wirklich ankotzt? Dass es derart viele Integrationsverweigerer gibt. Dass alle diese Leute, dass alle diese Einwanderer meinen, sie hätten die Deutungshoheit über unsere Kultur. Über unsere Politik und unser Gemeinwesen. Die denken, sie kommen hier als gesuchte Fachkräfte an und dürfen sich dann sofort wie zu Hause fühlen – gut, ist ja auch nichts dagegen einzuwenden, aber es ist immer noch unsere Heimat, und wenn sie meinen, sie könnten sich hier integrieren, dann müssen sie eben auch mal schauen, dass sie ihre eigene Mentalität innerhalb unserer eigenen kulturellen Grenzen ausleben. Wir haben überhaupt nichts dagegen, wenn einer hier seine kulturelle und meinetwegen auch soziale Identität einbringt, aber es sind unsere Grenzen, und wir verlangen auch nicht mehr als ein bisschen Respekt dafür, dass ein Europa der Vielfalt heißt: hier kann jeder alles tun und sich frei entfalten, aber nur bis zu dem Punkt, wo sich der andere bevormundet fühlt, und das gilt verdammt noch mal auch für Gastgeber.“ „Sehr gut! Bravo! Unterschreibe ich sofort, sehr richtig! Was meinen Sie, wie mich das anwidert – erst die Türken, und jetzt kommen diese ganzen Bulgaren und Zigeuner! Was soll bloß aus Deutschland werden?“ „Das ist mir offen gestanden egal. Es reicht mir schon, wenn Sie und Ihre Landsleute endlich aus der Schweiz verschwinden.“





Staatsbürger Kunde

4 11 2010

„Also entschuldigen Sie mal, Sie können mich doch hier nicht wie einen Verbrecher – ich verbitte mir das! Sie nehmen hier meine Fingerabdrücke und…“ „Das ist alles Routine, wissen Sie, das machen wir grundsätzlich. Auch die Fotos. Wenn Sie übrigens Abzüge haben wollen, die sind preiswert. Können Sie dann unten an der Kasse nachbestellen. Bis einschließlich 2013. So lange bewahren wir die für Sie auf. Dann ist die nächste Staatsbürgerprüfung, und dann machen wir selbstverständlich auch neue Fotos von Ihnen, nicht wahr?“

„Hören Sie mal, was soll das denn werden hier? Sie lassen mich von zwei Polizisten abholen!“ „Wir mussten sicherstellen, dass Sie der Aufforderung zum Erscheinen auf der Prüfdienststelle auch Folge leisten.“ „Sie hätten mich doch ganz einfach nach meinem Ausweis fragen können. Ich hätte Ihnen auch gerne meine Geburtsurkunde geben können. Oder das Stammbuch. Oder die Familienpapiere, wissen Sie, wir sind doch seit fast sechshundert Jahren…“ „Das interessiert doch keinen, Mann – das ist völlig egal! Staatsbürgerschaft wird heute ganz anders gehandhabt. Wenn Sie sich zur deutschen Leitkultur bekennen, dann sind Sie ein richtiger Deutscher.“ „Sie hören mir ja gar nicht zu – hier, schauen Sie sich doch meinen Pass an! Ich bin Deutscher, da sehen Sie’s doch!“ „Wie gesagt, das interessiert heute nicht mehr. Da kann viel drinstehen, Geburtsort Alma-Ata oder wohnhaft in Gabun, das ist alles nicht mehr wichtig.“ „Das mag sein, ich bin ja auch für die Integration, aber…“ „Sehen Sie? Wir nämlich nicht.“

„Es ist eine Frechheit! Ich bin 58 Jahre alt, ich bin hier geboren und aufgewachsen, ich bin der stellvertretende Bauamtsleiter! Das ist doch alles nicht mehr normal!“ „Jetzt regen Sie sich mal ab.“ „Ich will mich aber nicht abregen!“ „Das ist mir klar, es wird nur nichts an der Gesamtsituation ändern. Kommen wir mal zur ersten Frage: ‚In Deutschland dürfen Menschen offen etwas gegen die Regierung sagen, weil hier Religionsfreiheit gilt – weil die Menschen Steuern zahlen – weil die Menschen das Wahlrecht haben – weil hier Meinungsfreiheit gilt.‘“ „Antwort vier.“ „Das halten Sie für komisch, was?“ „Komisch? Was soll daran komisch sein? Religionsfreiheit haben wir nicht, solange dieser versoffene Schnappatmer aus Bayern seine Deportationsfantasien auf dem CSU-Parteitag ausspucken darf. Wer in diesem Land überhaupt noch Steuern zahlt, wird sich hüten, etwas gegen die Regierung zu sagen. Das Wahlrecht ist noch keine Entschuldigung, die Regierung hat sich noch nie darum gekümmert, ob ihre Wähler etwas gegen sie hat. Und die Meinungsfreiheit, na gut, die kann man wohl gelten lassen.“ „Leider keinen Punkt. Sie sollten wissen, dass die freie Meinungsäußerung nur noch gilt, wenn Sie wirre Vorstellungen von Populationsgenetik haben und der Nachtfrost öfter mal Gebrauchsspuren in der Rübe hinterlassen hat. Wenn Sie eine Regierung kritisieren wollen, suchen Sie sich eine. Diese hier steht nicht zu Ihrer Verfügung, kapiert!?“ „Ich werde Ihnen… ich… das ist doch die Höhe!“

„Dann kommen wir mal zum landeskundlichen Teil. Können Sie mir die Nebenflüsse der Donau nennen?“ „Die was?“ „Ja, ich bitte Sie – sind Sie denn nicht wohnhaft in Ingolstadt?“ „Aber was hat das denn damit zu tun?“ „Dann müssen Sie sich auch landeskundlich in der Region auskennen. Also, welche Nebenflüsse hat denn die Donau? Na?“ „Ich verbitte mir entschieden diesen Ton!“ „Iller…“ „Was?“ „Iller… Lech…“ „Was wollen Sie von mir?“ „Isar? Na? Und?“ „Was wollen Sie denn überhaupt von mir?“ „Tut mir Leid, mehr darf ich Ihnen nun wirklich nicht helfen. ‚Iller, Lech, Isar, Inn fließen rechts zur Donau hin, Altmühl, Naab und Regen kommen ihr entgegen‘ – das wäre die korrekte Antwort gewesen. Das war also auch nichts. Null Punkte. Schade.“

„Was muss ich mich hier überhaupt von Ihnen examinieren lassen? Ist Ihnen eigentlich klar, dass ich deutscher Staatsbürger bin? Kein Asylant? Kein Gastarbeiter, Moslem, Jude oder sonst was?“ „Ich bitte Sie – Sie sind Kunde! Hat man Ihnen nicht dieses hübsche Faltblatt ausgehändigt?“ „Diesen Wisch? Dass ich mich hier als Kunde vorzustellen habe? Allerdings!“ „Dann stellen Sie sich gefälligst vor, dass Sie Kunde sind. Bei den Arbeitslosen geht es doch auch.“ „Die werden von Ihnen aber auch nicht gerade anständig behandelt.“ „Das wollen wir auch gar nicht erst einreißen lassen – Hauptsache, wir können sie als Kunden bezeichnen, dann haben wir unsere Pflicht getan. Sie sind bei uns Kunde. Staatsbürger Kunde.“ „Und Sie lassen mich hier Staatsbürgerkunde lernen, was?“ „Keinesfalls, wir machen Sie nur mit dem neuen Staatsbürgerrecht vertraut. Wenn Sie sich nicht integrieren, fliegen Sie raus.“ „Aber ich bin Deutscher, verdammt noch mal!“ „Zu diesem Land gehören Christentum, Judentum und Islam. Von Ingolstadt hatten Herr Bundespräsident in seiner Rede gar nichts gesagt.“ „Ich kann mich doch wohl schlecht hier um meine eigene Staatsbürgerschaft bewerben!“ „So, können Sie nicht? Wollen Sie nicht? Was bilden Sie sich eigentlich ein? Überall in dieser schwer arbeitenden Nation bewerben sich regelmäßig Fachkräfte auf ihre eigenen Arbeitsplätze, statt sich mit lähmenden Fesseln wie dem Kündigungsschutz abzufinden. Da werden Sie doch mal aktiv sein können, wenn das Boot langsam voll wird, was?“ „Aber ich bin Deutscher, verflucht noch mal! Ich habe einen…“ „Ja, jetzt lassen Sie mich mit Ihrem Pass in Ruhe, Sie sind eben auf Grund der Antidiskriminierung nicht mehr Wert als ein Kümmeltürke. Tut mir Leid, ist aber so. Ich kann’s nicht ändern.“ „Das ist doch eine bodenlose Frechheit! Ich lasse mich doch von diesem… das ist ja… Ich lasse mich doch von Ihnen nicht ausbürgern! – Was sind denn das da für Fragen? ‚Welches Recht gehört zu den Grundrechten, die nach der deutschen Verfassung garantiert werden?‘ ‚Welches Amt gehört in Deutschland zur Gemeindeverwaltung?‘ ‚Was bedeutet soziale Marktwirtschaft?‘ Haben Sie noch alle Tassen im Schrank?“ „Was haben Sie daran auszusetzen? Sind die Fragen zu kompliziert?“ „Wenn Sie sich auf die Art ein paar Einwanderer heranzüchten wollen, die auswendig lernen können – gut, aber fragen Sie die Leute auf der Straße, die werden die Antworten nicht wissen.“ „Das mag sein.“ „Wollen Sie etwa Super-Ausländer, die Ihnen die Antworten herbeten, und depperte Deutsche, die durch die Prüfung fallen?“ „Nein, wir sorgen nur für Chancengleichheit. Bewerben Sie sich für einen Platz in Deutschland – ob stammverwandt, ob Asylant, Sie haben alle drei Jahre die Gelegenheit, Ihre Befähigung zum deutschen Staatsbürger testen zu lassen. Wir wollen nur die besten Kräfte in diesem Land, deshalb können wir auch leider keine Rücksicht mehr auf die Bewerber nehmen.“ „Ich will auf der Stelle Ihren Vorgesetzten sprechen! Holen Sie mir auf der Stelle den Dienststellenleiter! Ich werde mich beschweren! Ich werde Sie verklagen! Ich werde…“ „Na also – es geht doch! Volle Punktzahl! Das ist ja schon ein mustergültiges Verständnis der Landessitten, wie man es nicht schöner als Leitkultur bezeichnen könnte. Herzlich willkommen in der Bundesrepublik!“