Braver Soldat, schweig

24 04 2014

„Oder eine warme Mahlzeit mit Ziegenkäseeis für alle? Ich weiß es doch auch nicht! Sie stellen immer so komisch Fragen, und am Schluss bin ich dann wieder schuld, wenn Sie keinen Erfolg haben! Was soll man denn aus Ursula von der Leyen noch groß machen, die Frau ist doch ausgelutscht!

Keine Ahnung, warum sie so abgerauscht ist in der öffentlichen Beurteilung. Vielleicht haben aus Versehen alle eine Woche lang gelesen, was sie so von sich gibt, wenn Mikrofone in der Nähe sind. Normalerweise ist das den Leuten doch auch total wurst, solange die Frisur einigermaßen sitzt. Eben noch die Wehrpflicht abgeschafft, jetzt schon im Libanon, das muss man erstmal bringen. Nicht mal unsere Börsenexperten haben eine Erklärung, und die wissen sonst hinterher immer, weshalb sie sich vorher geirrt haben.

Wenn Sie sich erinnern wollen, eigentlich war unsere Agentur dafür gebucht worden, Ursula von der Leyen zur Bundeskanzlerin zu machen, aber das ist wohl irgendwie in Vergessenheit geraten. Nein, wir hatten das mit der Verteidigungsministerin nicht vorgeschlagen, da verwechseln Sie etwas. Wie bei der Bundespräsidentenwahl, als sie sich mit dem Bundespräsidenten verwechselt hat.

Natürlich ist das schwierig. Sie ist keine Quartalsirre wie Seehofer oder Dobrindt. Dann hätten wir sie jetzt auch schon in den Schlagzeilen. Aber das mit der Popularität klappt irgendwie nicht richtig. Klassenfahrten an den Hindukusch? und auch noch zwangsweise? Nee, das finanziert doch auch keiner. Außerdem wird da niemand mitmachen. Oder eine neue Modelinie von Heidi Klum? Also Lagerfeld fand sie niedlich. Aber der hat auch schon gesagt, dass sie Kriegsministerin ist. Das kann man wieder nirgends zitieren.

Ein Buch? Woanders würden Sie jetzt ein Kochbuch veröffentlichen unter ihrem Namen, aber was schreibt man da? Ursels Feldküche? Uschi kann brauchen, was es gelernt hat? Das glaubt einem doch auch keiner. Können Sie vergessen. Die wird am Ende noch zu Wetten, dass…? eingeladen. In die letzte Sendung, wo sich das ZDF noch mal an allen rächt.

Das Problem an Ursula von der Leyen ist doch nicht, dass sie bis jetzt in so gut wie jedem Amt gewesen ist. Das Problem ist, dass sie in jedem Reichspropagandaministerin war.

Dabei ist die Frau doch bestens geeignet für ein Spitzenamt. Vollkommen maroder Haushalt, keine Personaldisziplin, null Planung, der glaubt man doch sofort, dass sie sich nur für die große Linie interessiert und die Details ihren Untergebenen überlässt. Wenn das keine Kanzlerin ist, wer dann?

Wir könnten jetzt natürlich kommunizieren, dass sie die Gelder für Zukunftsplanungen in ihr persönliches Lieblingspersonal investiert, hat anderen auch nicht geschadet. Niebel zum Beispiel hat eine ganze Legislaturperiode überlebt damit. Und er hat damit einige Leute sehr, sehr glücklich gemacht, die sonst hätten arbeiten müssen. Das ist ein feiner Zug, es erinnert an die warmherzige Art, wie sie seinerzeit ihr Familienministerium geführt hat.

Schauen Sie sich mal dieses Umfragetief an, das die FDP da hingekriegt hat. Das ist unglaublich. Sehr professionell gemacht, muss ich schon sagen. Die Stabilität natürlich, nicht das Tief an sich.

Also noch mehr soziales Engagement? Die Bundeswehr als Arbeitgeber der Zukunft? Wir könnten den Aufschwung natürlich mit mehr Arbeitsplätzen in der Rüstungsindustrie erklären. Oder vielleicht eher die gestiegenen Aktienkurse, das wäre noch etwas ehrlicher. Man kennt das zwar bisher nicht von Ursula von der Leyen, aber so langsam kann man sie ja mal inhaltlich in eine andere Richtung bringen als ihre Kanzlervorgängerin.

Wir haben Ihnen das klar genug gesagt: keine Extratouren. Wir können nicht ständig Krisen-PR machen. Warum? Wenn wir jetzt schon den permanenten Verteidigungsfall ausrufen, was machen wir denn dann, wenn wirklich die Opposition Streichhölzer ins Pulverfass schnippt?

Die allgemeine militärische Lage ist ja gar nicht so schwierig. Die Bundeswehr ist kompliziert. Wir hatten es gleich gesagt. Eine Arbeitsministerin, die Arbeitnehmer nur mit Gummihandschuhen anfasst, was soll die denn der Truppe erzählen? Braver Soldat – schweig? Lächerlich!

Vielleicht ist das ja schon der Absturz, für den wir die Grundgesetzänderung gebraucht hätten. Wenn eine Verteidigungsministerin im Luftraum über den deutschen Stammtischen abschmiert, muss die Regierung schnell und unbürokratisch handeln und schnell einen humanitären Einsatz zur Rettung der Truppe beschließen. Wir können die doch nicht einfach so im Stimmungstief hängen lassen.

Mal einen Bundeswehreinsatz im Inneren, so testweise? Kann ich mir nicht vorstellen. Für die nächste Bundestagswahl könnten wir vielleicht eine Art Großaufgebot an Einsatzkräften organisieren, das kriegen wir notfalls noch hin, aber wie lässt man die Oder überlaufen?

Ja, gut. Wir versuchen da mal etwas. Eine Arbeitsgruppe kümmert sich um die Logistik, eine wird sich die restliche CDU vornehmen, und eine wird beten, damit es nicht schon wieder schiefgeht. Und dann brauchen wir nur noch die Zustimmung des Bundestages. Wie viel Mann wollten Sie denn in der Ukraine haben?“





Neues Deutschland

3 02 2014

„Eine gute halbe Stunde, man muss ja auch mit Applaus zwischendurch rechnen. Ich mache Ihnen das Manuskript so weit fertig, dann müssen wir nur noch die Textbausteine zusammenhauen. Drei, vier Reden, und dann können wir erstmal wieder sehen, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert.

Vor allem klare Verhältnisse. Um Innenpolitik können wir uns hier kümmern, um Außenpolitik kümmern wir uns lieber im Ausland. Und da ist die Bundeswehr nun mal zu Hause. Und da wir ja alle der Meinung sind, dass die hegemoniale Phase Amerikas jetzt vorüber ist, dürfen wir die Welt nicht irgendwelchen kleinen, instabilen Mächten überlassen. China oder Russland oder so. Da muss man auch mal klare Worte wählen, ganz recht. Und dann mal sehen, bis wohin man uns marschieren lässt.

Nein, die Reihenfolge war durchaus okay. Erst Wirtschaft, dann Militär, das kann man als logische Folgerung durchgehen lassen. Schließlich ist die soziale Marktwirtschaft heute auch nichts anderes als Krieg, oder? Sicher, das müssen Sie schon betonen. Die Bundeswehr ist immer noch eine reine Verteidigungsarmee. Aber es steht ja nicht im Grundgesetz, was wir damit verteidigen, oder? Außerdem ist das ungefährlicher. Wenn Sie sich nicht zu politischen Fragen äußern, sondern nur zur globalen Wirtschaft, dann ist das natürlich sehr viel unverdächtiger. Wollte ich nur mal so anmerken.

Humanität, das ist das Stichwort. Die deutsche Bundeswehr leistet humanitäre Dienste am deutschen Volk. Und ansonsten weiche Wortwahl würde ich vorschlagen. Nicht so sehr auf die Fehler der Vergangenheit fokussieren, mehr auf die der Zukunft, auf die Zukunft, wollte ich sagen. Mehr Mut, verstehen Sie? Neues Deutschland. Dann noch ein paar Absätze Freiheit und so Zeugs halt, das hören die Leute ja immer gerne, und dann kann man den historisch-kritischen Teil auch mal gut sein lassen. Es soll doch niemand behaupten, wir Deutschen wollten immer nur über uns selbst sprechen.

Und dann auch wieder öfter mal betonen, dass Ungerechtigkeit gerade dort gedeiht, wo Wettbewerb eingeschränkt wird. Das kommt immer gut. Doch, das muss sein. Schließlich haben wir als Waffenexporteur keine Monopolstellung auf alle Krisengebiete dieser Welt. Mehr Waffen für die Stabilitätsanker im arabischen Raum, die uns im Gegenzug mit den nötigen Terroristen versorgen, ohne die wir diese Demokratie einführen müssten. Mehr Mut zum Wettbewerb in der Wahl der politischen Systeme. Das Kind muss doch einen Namen haben.

Ich würde auch mehr herausarbeiten, dass man unsere amerikanischen Freunde und den globalen Kapitalismus nicht immer als große Bedrohung ansieht. Die wollen doch nur spielen. Also an der Börse größtenteils, aber immerhin. Und dann sind das ja vor allem Botschafter des Friedens, das muss man auch mal so klar und deutlich sagen. Frieden und marktkonforme Demokratie. Kuba, Vietnam, Chile, Afghanistan, der Irak, und der Iran wartet noch sehnsüchtig. Aber wir schreiben ja keinen ab.

Sie sollten sich auch mal sozial äußern. Das kommt an. Wir haben das beste Deutschland, das ist die frohe Botschaft. Uns geht’s total dufte. Immer mehr Arbeitnehmer zahlen Steuern und können die Staatsschulden schultern. Immer mehr Kommunen sind in der Lage, eine Tafel für Vollzeitbeschäftigte zu unterhalten. Weniger Lehrer in den Schulen geben den jungen Menschen viel mehr Freiheit, sich in einer Gesellschaft mit zunehmenden Herausforderungen zu beweisen, wovon letztlich auch unsere Bundeswehr profitieren wird, denn wer nimmt einen sonst noch ohne Schulabschluss. Wir haben Tausende von Arbeitsplätzen zu besetzen, beispielsweise bei der Polizei, und das wird auch noch lange so bleiben. Unsere Psychiatrien sind die besten der Welt, hier sitzt jeder gerne länger ein. Und das ist auch gut so. Meinen Sie nicht, dass das für ein gesundes Nationalbewusstsein sorgen wird?

Klar Stellung beziehen, das ist unserer Aufgabe. Massenmord, Völkermord, Gewaltexzesse dürfen einfach nicht mehr stattfinden. Zumindest nicht ohne technische oder personelle Unterstützung aus unseren Ressourcen. Klar Stellung beziehen, im Zweifel Gefechtsstellung. Deutsches Wesen. Wir haben eine Verantwortung, und wenn die Völker dieser Welt das nicht einsehen wollen, dann gibt’s halt eins aufs Maul. Wir vertreten eine wehrhafte Demokratie, nein: wir sind wehrhaft und Vertreter, und wir haben die Demokratie, und wir kennen deren Eckpfeiler, den freien Markt und den freien Wettbewerb.

Vor allem in Konfliktsituationen sollten wir sehr präsent sein. Das muss ganz deutlich werden. Zum Beispiel, wenn es in einigen Entwicklungsländern zwar gut läuft, aber trotzdem keine Bodenschätze zu holen sind. Das führt nun mal zu Spannungen, und da dürfen wir niemanden alleine lassen. Weder die Waffenindustrie noch unsere transatlantischen Verbündeten. Man weiß ja nie.

Alles klar, dann mache ich das mal so fertig. Ach ja, und nicht vergessen, Herr Bundespräsident: nächste Woche sind wir in Tel Aviv!“





Friedensengel

27 01 2014

„Und Sie haben alle Papiere dabei? Geburtsurkunde und Impfpass und Organspendeausweis? Getauft? Nein, das ist nicht Pflicht, aber Sie wissen ja, als Soldat ist man immer ein bisschen vorsichtig. Na, wird schon schiefgehen.

Das kommt Ihnen nur so vor. Irgendwann ist es eben an der Zeit, da suchen sich unsere Kleinen einen Beruf für Leben – doch, das bietet Ihnen die Bundeswehr. Immer mehr Soldaten kommen lebend von bewaffneten Freiheitsmissionen zurück, so rein statistisch, weil ja auch immer mehr da hinfahren, jedenfalls mehr als früher. Jetzt haben unsere Lieben die Möglichkeit, als Friedensengel ganz neue Chancen wahrzunehmen. Für Deutschland, für Europa, und wenn sie bei der richtigen Tour dabei sind, vermutlich auch irgendwie für den Frieden.

Wir haben die Verteidigungsministerin gefragt, ob das eine Modernisierung ist. Sie hat nicht widersprochen. Okay, sie gut knapp anderthalb Stunden lang irgendwas geredet, aber sie hat es nicht ausdrücklich bestätigt. Damit wären Sie rein rechtlich aus dem Schneider. Wir dürfen uns nicht mehr ständig mit diesen überkommenen Strukturen zufriedengeben, wenn wir die Truppe modernisieren wollen. Über die Hälfte der Frauen werden immer noch belästigt, das ist wirklich erschreckend. Das muss sich ändern. Wissen Sie, ich halte Kinder auch aus dem Grund für eine sehr gute Erweiterung unserer Personalbestände, weil – nein, haben wir nicht. Nur einen Militärbischof, aber der jetzt ist unverdächtig.

Das ist sehr wohl eine sozialverträgliche Aktion. Angehörige der Wehrmacht sind schließlich moralisch viel gefestigter, das wissen wir schon aus der deutschen Geschichte. Daher kann man mit der Wehrerziehung gar nicht früh genug anfangen. Genau, ‚Wehr; wie, was‘. Sehr guter Punkt. Damit kriegt man die jungen Leute. Sittlich auf den Punkt gebrachte Nachwuchsbürger in Uniform, die dann auch nicht mehr so asoziale Sachen wie Ballerspiele brauchen.

Wir bilden die Jugendlichen zwar schon an der Waffe aus, also theoretisch, das heißt: sie werden praktisch theoretisch, weil das ist ja theoretisch für den Praxisbezug, also ist das praktisch in der Theorie auch besser, und dann setzen wir sie aber erst ein, wenn die Voraussetzungen wegfallen. Also die Voraussetzungen, dass wir sie nicht einsetzen können. Nein, das muss man nicht verstehen. Das ist wie mit dem Führerschein, den kann man ja auch schon früher machen, und wenn man ihn dann hat, dann darf man noch nicht fahren, aber wenn man es dann tut, muss man unter Aufsicht sein, weil man sonst ja nicht fahren dürfte ohne Führerschein. Eben, ganz meine Meinung. Warum sollten junge Menschen, die noch nicht fahren dürfen, nicht schon mal praktisch mit der Waffe –

Das ist wegen des internationalen Dialogs, weil die Bundeswehr ja immer mehr im Dialog mit anderen Staaten, und wirtschaftlich, weil das eine der Aufgaben der Freiheit für – wo war ich? Demokratie, danke. Weil in Pakistan nämlich auch Kinder als Soldaten eingesetzt werden, und wenn wir Brunnen bauen und Mädchenschulen bohren, nein: umgekehrt, dann brauchen wir interkulturelle Kompetenz, und daher müssen wir uns mit einer jüngeren Armee vertraut machen. Weil sie die Zukunft unseres Landes ist. Und damit sind wir dann für neue Kontakte gerüstet, beispielsweise mit dem Iran. Oder wo unsere amerikanischen Freunde sonst so einmarschieren. Als Kinderüberraschung.

Natürlich ist das freiwillig. Die können ja nichts dafür, dass ihre Eltern arbeitslos sind. Auf der anderen Seite können wir auch nichts dafür, dass ihre Eltern arbeitslos sind. Und wenn wir alle etwas für die deutsche Wirtschaft tun können, dann sollten wir diese Chance nutzen, ganz familienübergreifend halt. Das ist ja auch eine Chance für den Frieden, und wir könnten mit dem gesparten Geld den Euro retten und die Einkommensteuer senken. Schauen Sie, jedes Volk braucht doch eine gute Perspektive, oder? Lauter ordentliche junge Leute, fleißige Schüler, kein Kontakt mit Schnaps, Drogen oder Rechtsradikalismus, nicht vorbestraft, klar im Kopf. Naja, wir nehmen dann halt die anderen.

Doch, das hat Zukunft. Wir bilden auch nicht über Bedarf aus, im Gegenteil. Wenn Sie bei uns anfangen, dann bleiben Sie auch für den Rest Ihres – jedenfalls ist Ihr Arbeitsplatz bei uns erstmal sicher. Und mit der Ausbildung kann man zwar später im zivilen Leben nicht viel anfangen, aber sehen Sie es mal so: wenn die ersten Jahrgänge durch sind, wird anspruchsloses Personal mit einem leichten Hang zur Selbstverleugnung mehr als je zuvor gefragt sein. Und die Prothetik wird ja auch immer besser. Also für Privatpatienten.

Dann wäre das also geklärt. Und ich kann Ihnen bestätigen im Namen der Freiheit und der freien Menschen in der freien Welt, des freien Welthandels und der europäischen Freiheit, die wir ja überall, und im Hindukusch sowieso, und hier noch eine Unterschrift, wen wir im Falle eines Falles, möglichst mit Handynummer. Prima. Warten Sie, ich hefte das nur eben ab. – Kevin, komm doch mal rein.“





Lehrkraftzersetzung

25 09 2012

„… sich die Kooperation der Bundeswehr mit der 2. Grundschulklasse nicht mit dem Bildungsauftrag des Lehrkörpers vertrage. Die Schule schließe nicht aus, die Pädagogen von ihrem Dienst zu…“

„… weise Bundesbildungsministerin Schavan entschieden zurück. Natürlich obliege es den Eltern, die Lehrinhalte an öffentlichen Schulen zur Kenntnis zu nehmen, in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels – wozu auch das Soldatentum gehöre – sollten sich die Erziehungsberechtigten nicht mehr als nötig in die staatliche geregelte Charakterbildung…“

„… überhaupt nicht um bewaffnete Konflikte. Die Bundeswehr, so Bundeswirtschaftsminister Rösler, sei lediglich vor Ort, um zu überwachen, ob auch keine verbotenen Waffengeschäfte mit bundesdeutschen…“

„… als natürliche Folge der Umwandlung der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee. Die Truppe wolle daher die potenziellen Soldatinnen und Soldaten bereits auf dem intellektuellen Niveau ansprechen, das sie zehn Jahre später als…“

„… habe sich Joachim Kardinal Meisner besonders gegen die Behandlung von Wehrinhalten im Religionsunterricht ausgesprochen. Themen wie Tod und Sterben würden damit, so der Erzbischof von Köln, nur mehr als nötig mit negativen Assoziationen und…“

„… könne man von einer kriegerischen Auseinandersetzung gar nicht reden. Es sei, so Bundesaußenminister Westerwelle, eine reine Image-Kampagne, die europäischen Werte auch in die Länder von Minderleistern zu…“

„… zu einer Kommunikationspanne. Der ehemalige Militärbischof habe die Frage wegen einer alkoholbedingten Unpässlichkeit akustisch nicht verstanden, so dass er empfohlen habe, Blutspenden gleich an der Front zu…“

„… die Möglichkeit bestehe, ab der Sekundarstufe II die Beschäftigung auch in Erd- oder Gemeinschaftskunde zu unterrichten. So hätten die Schüler auch mehr Gelegenheit, die wirtschaftlichen Interessen, die allerdings überhaupt nicht existierten, zu reflektieren und Argumente zu finden gegen eine…“

„… versehentlich veraltetes Material. Die Jugendoffiziere hätten in der Vorlesestunde Berichte aus Ypern und…“

„… protestiere die CSU strikt gegen Werbung für die Bundeswehr in Egoshootern. Killerspiele seien lediglich dazu geeignet, das Töten zu trainieren, so dass schon einmaliges Spielen genüge, um die staatsbürgerliche Verantwortung zur Friedensmission zu untergraben, die den Soldaten in Auslandseinsätzen und…“

„… wolle man wegen des anhaltend geringen Erfolges die Kurse auch auf Waldorfschulen ausdehnen. Derzeit würden noch Offiziere ausgebildet, die den Kampf gegen fremde Wurzelrassen vortanzten und die Schüler für…“

„… durchaus kein Krieg. Merkel habe betont, neben dem üblichen Bohren von Brunnen habe die Bundeswehr eigentlich überhaupt keinen Anlass, sich in der…“

„… zu einer verwaltungsrechtlichen Frage. Die Klasse habe ihre Schutzengel nach Anleitung der Lehrkraft gebastelt, bei der Versendung der Gaben nach Mazār-i Scharif jedoch habe Til Schweigers Produktionsfirma Lizenzgebühren in Höhe von…“

„… natürlich auch aus Kundenfreundlichkeit. Der Allianz-Konzern biete bereits Quartanern eine günstige Sterbegeldversicherung für den…“

„… die Bundeswehr bereits mehrfach vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes aufgefordert worden, keine Minderjährigen zu rekrutieren. De Maizière habe dies mit der Verwendung von Kindersoldaten auf der gegnerischen Seite gerechtfertigt. Man dürfe mit volljährigen Bundeswehrkriegern nicht auf die…“

„… als coole Beachparty beschrieben worden (die Außenaufnahmen seien aus Basra). Die Rechtsabteilung des Reiseveranstalters habe ihre einstweilige Verfügung gegen das Bundesministerium für Verteidigung mit einer…“

„… man den Abgängern gleich erklären wolle, dass es eine Wahlmöglichkeit zwischen Hartz IV und Afghanistan gebe. Es sei nicht einmal erheblich, ob der Schulabschluss tatsächlich…“

„… private Angelegenheit der Pädagogen, die Einsätze der Bundeswehr, die man volkstümlich als Krieg bezeichnen könne, auch im Unterricht als kriegerische Einsätze zu bezeichnen. Jede weitere Verfehlung werde das Verteidigungsministerium als gezielte Lehrkraftzersetzung…“

„… unangenehmer Bumerangeffekt. Man habe den Schülern so oft von der Friedensmission der deutschen Truppen erzählt, dass diese nun ganz traumatisiert seien von der Vorstellung, in der Nähe ihrer Wohnsiedlung werde eine Mädchenschule…“

„… für mehr Kinderschutz. Gerade im Internet, das einen weitestgehend rechtsfreien Raum darstelle, würden Kinder und Jugendliche auf der Suche nach den Angeboten der Streitkräfte durch gefährliche Dinge wie zuckerhaltige Limonaden oder Informationskampagnen der Piratenpartei…“

„… spreche sich auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages für eine kritische Begleitung der Informationsveranstaltungen aus, sofern dabei weder unzulässige Kritik geäußert noch die Bundeswehr als solche…“

„… sei nicht geklärt worden, zu welchem Kurs die Engel von den Kunstgewerbehändlern genommen würden. Niebel habe jedoch angegeben, zu seinem neuen Teppich nichts dazubezahlt…“





Cacatum non est pictum

17 06 2012

für Heinrich Heine

Es bleibt, was es auch grunze, stets ein Schwein.
Dem Spießer ist die Freiheit, es zu achten,
hochheilig. Er fällt gerne darauf rein:
das Schwein, es wisse alles übers Schlachten.





Pfaffentheater

13 06 2012

„Er ist wirklich ein Staatsmann, dieser Gauck.“ „Ein Mann, der die Macht des Wortes hat.“ „So würde ich das nicht sehen.“ „Sondern?“ „Er ist eher für die Worte der Macht.“

„Es geht ihm aber doch nur um die Verteidigung unserer Interessen.“ „Ob diese Interessen überhaupt unsere, geschweige denn legitim sind, hat er zur Vorsicht nicht gefragt.“ „Es ist ja unser Öl.“ „Und unsere amerikanischen Verbündeten – dann scheint es sich doch um unsere Interessen zu handeln.“ „Im Grunde genommen hat Gauck doch nicht sehr viel mehr als ein bisschen Heroismus eingefordert – mit Herzblut und mehr Offenheit für Deutschland.“ „Was bei dem Mann offen ist, will ich gar nicht wissen. Ansonsten glaube ich kaum, dass er sein eigenes Herzblut hergäbe für Mädchenschulen oder Brunnenbau, oder wofür man sonst ein ganzes Land in die Steinzeit zurückbombt.“ „Und wenn dafür ein Krieg entbrennt?“ „Darf er nicht auf deutschem Boden ausgehen.“

„Wobei, dies ist ja gar kein Krieg. Nicht einmal umgangssprachlich.“ „Es wird ja auch nicht umgangssprachlich gestorben. Vermutlich haben wir nur Personalverluste.“ „Das ist doch reine Wortklauberei!“ „Was erwarten Sie von einem Theologen anderes als Pfaffentheater am offenen Grab der Demokratie?“ „Immerhin, ‚Mutbürger in Uniform‘ – so ein Schwachsinn muss einem erst einmal einfallen.“ „Er hält sich in nüchternen Momenten für Luther.“ „Das heißt, er schaut dem Volk aufs Maul?“ „Nein, er ist ein Kriecher, der im Auftrag der Obrigkeit jegliche Form von Gewalt für metaphysisch gerechtfertigt erklärt, damit er selbst nichts aufs Dach kriegt. Eben Freiheit.“

„Ist es eigentlich ein Zufall, dass er die Soldaten anspricht wie Hartz-IV-Empfänger?“ „Durchaus nicht. Die Parallelen liegen ja auf der Hand, sie sollen sich gefälligst nicht so anstellen, sondern die Zähne zusammenbeißen und Opfer bringen, damit ein paar Reiche mehr Rendite machen.“ „Immerhin hat er sie nicht als unsäglich lächerlich bezeichnet.“ „Das täte er nur, wenn sie Grundrechte in Anspruch nehmen sollten. Aber es stimmt, er verwechselt die beiden.“ „Weil weder für Arme noch für Soldaten das Recht auf körperliche Unversehrtheit gilt?“ „Weil er als Berufschrist seine Klappe vorwiegend da aufreißt, wo er nicht betroffen ist. Die Soldaten kennen den Krieg, er nicht.“

„Was heißt überhaupt ‚glückssüchtig‘?“ „Das steht gar nicht im Manuskript.“ „Richtig – er hat es nur gesagt.“ „Dumm, wenn das gesprochene Wort gilt. Man sollte als Staatsoberhaupt schon wissen, was man von sich gibt.“ „Was bedeutet das denn nun?“ „Zunächst, dass Gauck seinen eigenen feudal orientierten Freiheitsanspruch nur für sich selbst reklamiert, damit er ihn anderen absprechen kann.“ „Hat man das nicht vorher wissen können?“ „Deshalb ist es ja um so interessanter, wenn nun alle so tun, als habe er plötzlich zugegeben, ein Marsmensch zu sein. Interessant ist doch, wie er selbst die ganze Gesellschaft verkennt.“ „Weil er auch ihr Glückssucht vorwirft?“ „Weil er noch immer glaubt, diese Gesellschaft akzeptiere einen Krieg als notwendiges Übel der Politik, nur weil eine Regierung da mehr oder weniger rein rutscht. Weil er die Gesellschaft für so dumm und borniert hält, dass sie in ihrer Scheuklappenmentalität die Toten und Verwundeten ausblenden oder gar nicht mehr wahrhaben wollen, was ein gefallener Sohn, Vater, Gatte ist.“ „Eine hübsch verräterische Verbeugung vor dem üblichen Frontbericht, in dem es nie eigene Verluste gibt.“ „Und ein deutlicher Reflex seiner Sozialisation in einem totalitären Staat, der jede Katastrophe vor der Öffentlichkeit verbarg und sich vorlog, keiner würde es wissen, wenn man nicht öffentlich darüber spräche.“

„Glückssucht klingt ja auch schon fatal. Ob der Mann zu oft am Messwein genippt hat?“ „Glaube ich nicht. Vermutlich eher eine besondere Art von Gottvertrauen bei militärischen Aktionen.“ „Das klingt nach durchdachter Strategie.“ „Nein, eher nach verbalem Blitzkrieg.“

„Dass er seine ganze linke Vergangenheit aber auch so über Bord werfen kann.“ „Ach was. Eine Nationale Volksarmee hätte er hier auch gerne.“ „Aus historischer Sicht wäre zu erwarten, dass er Offenheit für Auslandseinsätze der Bundeswehr wünscht.“ „Aus heutiger Sicht dürfte er sich bald auch Offenheit für Inlandseinsätze wünschen.“

„Kann es sein, dass der Mann seine Bedeutung etwas überschätzt?“ „Weil er sich so vehement für die deutsche Exportwirtschaft einsetzt?“ „Das ist als Bundespräsident nicht seine Aufgabe.“ „Aber es ist doch nett, dass er gerade die Freiheit zum Exportschlager machen will.“ „Vielleicht sollte er sich bei Gelegenheit das Grundgesetz zu Gemüte führen.“ „Schenken Sie ihm lieber einen Stahlhelm. Er scheint häufiger mal etwas an den Kopf zu kriegen.“ „Da ist er in bester Gesellschaft, Lübke hatte dasselbe Problem.“ „Vielleicht wird man ihn auch vorzeitig entfernen. Das soll anderen auch schon passiert sein.“ „Ob Merkel sich darum kümmert?“ „Keine Ahnung, bisher war sie nur für marktkonforme Demokratie. Ob marktkonforme Militärschläge auch in ihr Ressort fallen, entzieht sich meiner Kenntnis.“ „Und was machen wir mit dem Mann?“ „Außenpolitisch wird man einen Profilneurotiker wie ihn verkraften. Westerwelle nimmt auch keiner ernst.“ „Und innenpolitisch?“ „Ich denke mal, es dürfte den einen oder anderen Teilnehmer dieser Kreuzzüge ins Glück geben, der mit einem Arm oder Bein weniger nach Hause kommt, nach einem bisschen Reha als lästiger Kostenverursacher abgehängt wird und so peu à peu erfährt, wofür er den Kopf hat hinhalten dürfen. Er kann mit Schusswaffen umgehen und wird nicht zögern, es auch zu tun. Aus Interesse und in großer Offenheit für einen kurzen, gezielten Einsatz für Volk und Vaterland.“ „Sie meinen, er schießt?“ „Wenn wir Glück haben.“





Gebrauchsanweisung zum Strammstehen

27 06 2009

für Erich Kästner

Nehmt zur Kenntnis, dass Ihr dumm sein.
Strapaziert nicht die Geduld.
Lebt gefälligst in der Dummheit,
schließlich seid Ihr selbst dran Schuld.

Mischt Euch nicht in alle Sachen,
manches ist für Euch zu hoch.
Lasst die Sache mit Euch machen.
Protestiert nicht. Sie kommt doch.

Ehrt und achtet die da oben.
Ob sie dumm sind? oder faul?
ob sie lügen? Sie zu loben
ziemt Euch. Haltet sonst das Maul.

Haltet überhaupt die Klappe.
Stört nicht. Duldet. Hungert. Steht.
Nehmt zur Kenntnis, dass Ihr schlappe
Würstchen seid, die man verbrät.

Du bist nichts. Dein Volk ist alles.
Haltet Euch daran gut fest,
weil im Falle eines Falles
Dummheit gut Soldat sein lässt.