Gefahr erkannt

11 04 2019

„Also man muss doch jetzt endlich mal…“ „Das gefährdet Arbeitsplätze.“ „Sie wissen doch noch gar nicht, was ich Ihnen…“ „Egal. Das gefährdet sicher Arbeitsplätze. Alles, was Sie vorschlagen, gefährdet Arbeitsplätze. Das ist nun mal so in der Wirtschaft.“

„Dann können wir im Grunde genommen nichts tun, weil es sonst Arbeitsplätze gefährden würde.“ „Doch, können wir schon. Es darf nur halt keine Arbeitsplätze gefährden.“ „Dann verraten Sie mir doch mal, was heißt das denn, Gefährdung. Was bedeutet das konkret?“ „Dass so ein Arbeitsplatz nach Meinung eines Experten, manchmal auch nur eines Politikers, in Gefahr sein könnte, sobald es gesellschaftliche Bewegungen gibt, die diesen Arbeitsplatz gefährden.“ „Das ist ein Zirkelschluss, oder?“ „Das mag sein, aber ich möchte nicht darauf eingehen. Es könnte ja Arbeitsplätze gefährden.“

„Nehmen wir nur einmal den Energiesektor, es liegt doch auf der Hand, dass wir durch den Verbleib in der Kohle eine viel größere Anzahl an Arbeitsplätzen in der Erzeugung regenerativer Energie…“ „Nein.“ „Wie, nein?“ „Also erstens ist es diese linksgrüne Solarspinnerei, die die Jobs in der Kohleverstromung gefährdet, und dann kann es ja gar keine Gefahr geben für die Windkraft oder so.“ „Warum nicht?“ „Die Arbeitsplätze gibt es gar nicht, wie sollen die denn dann gefährdet sein?“ „Aber Sire sind doch immer für den technischen Fortschritt, wie können Sie denn dann den…“ „Das täuscht. Wir wollen nichts gefährden. Für eine Entwicklung ist immer noch Zeit genug, wenn alles zu spät ist.“ „Warum ist denn dann die Atomenergie keine Gefahr für die Kohleförderung?“ „Kernkraft ist doch selbst von diesen stalinistischen Schweinen bedroht, die die Sonne verstaatlichen wollen – Sie werfen hier mal wieder Äpfel und Birnen in ein Fass, das schlägt doch dem Boden die Krone aus!“

„Also ist neue Technologie niemals eine reale Gefahr für die Arbeitsplätze?“ „Das würde ich nie sagen, schließlich bringen neue Technologien auch immense Wachstumspotenziale, aus denen ganz neue Jobs entstehen können.“ „Also zum Beispiel die ökologische Landwirtschaft.“ „Naja, das ist nun etwas einseitig gewählt.“ „Weil die Menschen dann länger leben und die Bestatter nichts mehr zu tun haben, richtig?“ „Sie und Ihr Zynismus! natürlich nicht, es hängen Jobs in der Pharmaindustrie dran und bei den Düngemitteln.“ „Und bei der Chemie.“ „Ja, auch.“ „Und bei Onkologen, die den ganzen Krebs wieder wegoperieren dürfen.“ „Die Medizin ist auch ein Wachstumsmotor, vergessen Sie das nicht!“ „Deswegen wollen Sie auch Patienten, die so kerngesund sind, dass sie möglichst noch Organe spenden können, richtig?“ „Ach, lassen wir das.“

„Nein, mal im Ernst: wenn Sie so für neue Technologien sind, warum sträuben Sie sich dann derart vehement gegen den Netzausbau?“ „Tun wir gar nicht.“ „Weil das keine Arbeitsplätze gefährdet, aber Deutschland sämtliche Wettbewerbschancen vermasselt.“ „Das sehen Sie völlig falsch.“ „Ah, jetzt habe ich begriffen: Sie haben dieses uralte Netz noch immer in Betrieb, damit wir niemals mit Robotik und ähnlichen Produktionsinstrumenten konfrontiert werden.“ „Das ist ja nun ausgemachter Unsinn. Sie wissen genauso gut wie ich, dass es mit Robotern ganz neue und viel bessere Möglichkeiten gibt, dem Markt durch qualitative und quantitative Innovation einen eigenen Stempel aufzudrücken.“ „Aber im Bereich der Produktion selbst heißt das erst einmal, dass wir sehr, sehr viele Jobs in den untersten Lohnkategorien verlieren werden.“ „Das mag sein, aber die Politik steuert dagegen, indem sie Arbeitnehmern erlaubt, sich weiterzubilden.“ „Und das schützt Arbeitsplätze in der Produktion?“ „Zunächst einmal in der Weiterbildung. Und dann natürlich auch in der Politik.“

„Im Grunde ist ihr Weltbild doch nichts anderes als permanentes Gejammer, dass es früher besser war.“ „Das kann man so natürlich auch nicht sagen. Es braucht halt immer ein gewisses Korrektiv, aber man tut gut daran, wenn man nicht zu früh alle Überzeugungen über Bord wirft.“ „Wann tun Sie das?“ „Normalerweise warten wir damit, bis es zu spät ist.“ „Es gab noch vor fünfzig Jahren in den USA Verbände, die finanzielle Hilfe vom Staat bekamen, weil die Postkutsche abgeschafft wurde.“ „Der Verbrennungsmotor hat es da in gewisser Hinsicht besser. Den kann sich heute auch der Durchschnittsbürger leisten.“ „Und wenn es eine technologische Entwicklung gäbe, die das Auto überflüssig machen würde?“ „Das wird niemals passieren. Es gefährdet zu viele Arbeitsplätze.“

„Wir sollten mal über die Rüstungsindustrie…“ „Das gefährdet Arbeitsplätze!“ „Ohne Rüstung oder Waffenexporte gäbe es weltweit viel weniger Kriege oder Konflikte.“ „Das würde natürlich viele Arbeitsplätze in der Bundeswehr gefährden.“ „Aha, und das bei der miesen Ausstattung.“ „Und die Berater! was meinen Sie, wie viele Berater ihren Job los sind, wenn einer das Ruder herumreißt.“ „Das heißt, bei einer einigermaßen vernünftigen Führung wäre eine komplette Branche plötzlich total überflüssig?“ „Es gibt keinen Beweis für diese Behauptung.“ „Und wenn Sie nicht diese vielen Auslandseinsätze hätten, könnte man auch die vielen Kampfeinsätze des…“ „Die steigern das Bruttosozialprodukt!“ „Und die Menschen in…“ „Jeder Flüchtling, der dadurch zu uns gelangt, braucht eine Wohnung, Brot, Kleider, eine Versicherung, einen Fernseher, ein Auto, eine…“ „Wissen Sie was? Ich möchte Ihnen so gerne eins aufs Maul geben.“ „Nur zu. Machen Sie ruhig.“ „Gefährde ich da nicht einen Arbeitsplatz?“ „Ich bin Politiker. Das wächst einfach nach.“

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Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLVII): Der Rückzug ins Irrationale

29 03 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Aufklärung hat ganze Arbeit geleistet. Die breite Masse ließ den Glauben an Geister und Dämonen und begann, wenn auch in beschränktem Maße, da es sich nicht einfach einstellte, zu denken. Messen, Zählen und Wiegen bestimmten den Umgang mit den Dingen, der Hominide hörte auf, sich die Welt nach vorgefertigten Erklärungen zu deuten, und gewöhnte sich an die Vorstellung, dass das Wissen begrenzt, aber ausbaufähig ist, während das Glauben vornehmlich transzendente Welten zu bieten hat, die nicht zu verstehen sind und daher den Trost der Machtlosigkeit bieten. Kein Mensch muss sich um die Dinge sorgen, die er nicht ändern kann, lautet das besänftigende Credo vor der Wende, und ihrer sind viele. Dass die zunehmend komplexe und ins Unordentliche treibende Welt als Vorstellung trotzdem dem Willen sich entzieht und nicht wie der Baukasten eines sich selbst ermächtigenden Schöpfers planbare Strukturen offenbart, sorgt für die Reprise des Dämlichen; die Aufgabe, Freiheit auszuhalten, braucht ein solides Fundament auf den Gründen der Humanität, und wo sie nicht ist, wird auf Sand gebaut. Nichts ist so logisch in dessen Folge wie der galoppierende Rückzug ins Irrationale.

Nicht die Globalisierung ist das Feindbild der Ängstlichen, sondern die Vorstellung einer gänzlich liberalen Welt, in der jede Entscheidung nicht auch noch hinterlegt werden muss mit dem Goldgrund moralischer Werte; zwar bietet das Bröckeln der ethischen Unterfütterung in Staat und Wirtschaft auch eine gute Vorlage für die Frustration der Massen, doch das ließe sich durch Gegenwehr kompensieren. Allmählich wird es zum sich selbst organisierenden Prozess, dass die Bürger in einer zu sehr verwalteten Welt sich plötzlich besorgen und nach Ordnung schreien, aber nach einer alten, die sie bereits im Scheitern erlebt haben – sie bleiben unbelehrbar, aber wie im Drang, die vertrauten Fehler noch einmal zu perfektionieren, denn der Abgrund, auf den sie zusteuern, ist doch wenigstens bekannt. Und so füllen sie das Vakuum mit neuen Ängsten, die nach altem Muster funktionieren: die Übermacht des Ungewohnten bietet angenehme Machtlosigkeit, in der sich Unterwerfungsfantasien zusammenbasteln lassen, der Sekundenschlaf der Vernunft gebiert Ungeziefer, die subkutan ins Hirn kriechen und ein Weltbild vorfinden, in dem sich allerlei Unfug schwiemeln lässt: homöopathische Ersatzreligionen aus Rassen-, Verschwörungs- und unkritischer Theorie, Führerglaube und das Recht des Stärkeren, kurz: der konzertierte Rückfall in die offenporige Anschauung des Vormodernen, die ein unbeschränktes Dunkel lieferte, um Spielraum für wirre Deutungen zu schaffen. Die liberale Welt, die jedem Deppen die grundsätzliche Freiheit lässt, sich als intellektuelle Randerscheinung zu erfinden und zu benehmen, macht diese Sache nicht einfacher, sie scheint nur so, wenn man sie nicht hinterfragt, und wer, der sich freiwillig für die Rolle des Narren entscheiden würde, täte das schon.

Längst haben ideologische Erfüllungsgehilfen sich zu dem aufgeschwungen, was sie für Macht halten, damit sie anderen die befreiende Sklaverei anbieten können. Dass sie die Erscheinungsformen der neuen Bedrohung nicht nutzen, kommt nicht von ungefähr; natürlich könnten sie die drohende Klimakatastrophe zur Ersatzreligion aufpusten, doch wer würde schon eine Eschatologie der Ohnmacht entwerfen, die komplett ohne Hoffnung auskäme. Sie setzen auf alternative Verfahren und heilen durch Handauflegen, wobei sie trickreich den neoliberalen Turn ausnutzen, dass der nicht geheilt wird, der zu wenig an die Therapie glaubt. Zum Ausgleich ängstigen sie sich vor Chemtrails als Emanation eines infernalischen Machtapparats wie die Steinzeitler beim Anblick des Wetterleuchtens, denn ohne Teufels Beitrag ist die Ordnung einfach nicht zu deuten, wenn sie hinreichend komplex sein soll. Das Böse erfüllt seinen Zweck, wenn es nur genügend abstrakt sein kann, und was wäre besser geeignet als eine Idee, die allein zu diesem Zweck entworfen wird. Als das Fremde, als unbekannte Variable, beliebig einsetzbare Störgröße oder von den selbstverständlich bösen Machthabern verfügte Setzung ist sie der letzte Grund, auf dem sich noch bauen ließe: die Opferrolle lässt den Bekloppten wieder in beschaulicher Ruhe klagen, dass er die Dinge nicht ändern kann, die er gar nicht ändern will, weil er auch gar nicht wüsste, wozu. Aber er hat ein Motiv, sich zu beklagen, und allein das reicht aus, um es laut zu tun, hinter der Monstranz der eigenen Machtlosigkeit schreitend und den gewohnten Abgrund fest im Blick. Dass die Menschheit sich abschafft, ist ausgemacht, es steht nur zu fragen, wie lange sie dazu braucht. Wer daran schuld sein wird, ist eine müßige Überlegung, denn wer wäre hinterher noch da, um es wissen zu wollen. Aber vielleicht hocken wir dann ja alle gemütlich in der Hölle und wundern uns, dass wir nicht eher auf den Gedanken gekommen sind, in einem mies geplanten Gedankenexperiment zu existieren. Jemand muss Schnaps in das Fass gegossen haben, als unsere Gehirne schon darin lagen.





Wegkastriert

12 03 2019

„Weil Du vielleicht einfach nur doof bist? Lern erst mal ordentlich Chemie, dann kannst Du mitreden, aber vorher… Physik? Wieso lernt man das jetzt in Physik? Ist ja auch egal, wir suchen uns nämlich die Argumente aus, mit denen Du Herrn Lindner auf die Nerven gehen darfst, verstandez-vous? Also mach den Kopf zu, sonst klatscht das hier gleich!

Das Tolle an ihm ist ja, der sagt alles genau so, wie er denkt. Gut, er denkt selten, höchstens mal an sich, aber egal. Und er hat ein ganz klares Gespür für junge Wähler: lauter dumme Arschlöcher, und denen muss man das auch ganz klar kommunizieren und sie davon überzeugen, weil sie sonst nämlich gar nicht merken würden, wie scheiße er ist, nein: sie. Ich verwechsle das immer. ’tschuldigung.

Er kann sich in diese Generation auch so gut einfühlen, er meint, er sei auch mal so gewesen: dumm, arrogant, und wenn Sie jetzt noch die Fotos vor Augen haben, wie ein billiger Schlips aus einem Bewegungslegastheniker etwas macht, was das Niveau eines durchschnittlichen Zooaffen beleidigt, dann wissen Sie, wie ich es meine. Das hat echt Wiedererkennungswert, deshalb sind die Leute von Herrn Lindner ja auch so begeistert.

Nein, Herr Lindner besucht Eure bekloppte Schule garantiert nicht. Er war lang genug in der Schule, es hat bei ihm nichts genützt, bei Dir wird es auch nichts nützen, weil Du nur behinderte Fragen stellst, und jetzt ist gut. Schülersprecher? Toll, erzähl mir mehr davon, vielleicht bleibe ich dann wach. Hast Du kein Leben? Dann mach nicht mich dafür verantwortlich, Du Genexperiment.

Man muss den Nachwuchs nämlich auch richtig ansprechen. Die sollen gleich merken, dass es nicht mit ein bisschen Geschwätz getan ist, das ist harte Arbeit. Da muss man sich mit Lobbyisten treffen, da muss man ganz viele Leute anhörten, die einem sagen, dass sie total viel Ahnung haben, und das kann der Herr Lindner total ab, wenn ihm einer sagt, dass er die peinlichste Heißdüse seit Herrn Westerwelle ist. Darauf legt er nämlich ganz großen Wert, der Herr Lindner: dass die FDP damals aus dem Bundestag geflogen ist, das war nicht seine Schuld. Der Herr Lindner hat das getan, was ein echter Deutscher tut, wenn er in größter Gefahr für die Demokratie seine eigene Partei vor dem Untergang retten muss. Er ist ausgekniffen.

Sie rufen uns in Ihrer Funktion als Schulleiterin an? Sozialistenschlampen hat der Herr Lindner ja ganz besonders gern, wahrscheinlich in so einem Brennpunktviertel, wo Ihr degenerierten Spasten alle noch zur Miete wohnt und Euch keinen Porsche leisten könnt, Ihr Winzpimmel. Nein, ich meine das jetzt nicht sexistisch, das ist… – Jetzt legen Sie das nicht so auf die Goldwaage, wir als PR-Team sagen viel, wenn der Tag lang ist, und uns ist es völlig wumpe, wen wir beleidigen. Wir machen das genau so wie der Chef, wir merken gar nichts. Sie dürfen sich natürlich gerne beschweren, aber Sie können auch an den Reichstag pinkeln und warten, bis er davon umkippt.

À propos Scheiße, wenn der Herr Lindner im Interview erzählt, dass er den Motor vom Porsche im Stand noch mal weiterlaufen lässt, weil ihn das so geil macht, dann faxen Sie den autorisierten Text nicht durch und lassen den Schmierzettel vom Urologentermin im Stapel liegen. Da sind Sie als Praktikant ganz schnell wegkastriert. Aber ich bin der Ansicht, auch in diese Lage kann sich der Herr Lindner super einfühlen.

So Matheschüler, die haben es schon leichter beim Herrn Lindner. Wenn einer sofort ausrechnen kann, da ist eine Bäckerschlange, jeder Erbkranke, nein: Asylant, ich verwechsle das auch immer. ’tschuldigung. Jeder Asylant kostet das deutsche Volk im Jahr eine Summe von, weißnicht, ist ihm auch völlig egal, jedenfalls muss sich das ganz böse anhören, und das kann er auch. Schwieriger wird es dann schon, wenn er ausrechnen kann, wie das ist, wenn man Subventionen von drei Millionen Euro für eine Scheinfirma abzockt und sich davon einen Sportwagen kauft, um auf dicke Hose zu machen. Wenn man dann den Laden in die Scheiße reitet und plötzlich feststellt, die Schulden kleben an anderen, das wird gefährlich, wenn man das nachrechnen kann. Niemand mag Streber. Herr Lindner auch nicht, die wissen nämlich zu viel.

Und weil Ihr Bumsköppe jetzt seit einem Jahr keinen Physikunterricht mehr habt, willst Du mir Thermodynamik beibringen? Deine Eltern sind Geschwister? Professor für Festkörperphysik? Ich krk-krrk-krrk kann krrk-krrk Dich krrk ganz krk-krrk krk-krrk schlecht krrk-krrk-krrk. Ruf hier nie wieder an.

Also wir müssen jetzt erst mal gegen die Erhöhung des Briefportos mobil machen, das ist ja für die Wirtschaft einfach nicht zu stemmen. Die Haushalte können das schon, vor allem die kleinen und mittleren Verdiener werden davon ja nicht so sehr belastet, aber da wir keine Steuerstreichung für Reiche bekommen, müssen wir die Diskriminierung natürlich auch öffentlich machen und dürfen uns nicht scheuen, die Folgen für alle anderen Bürger anzusprechen. Dass wir dabei ruhig und vernünftig bleiben und uns nicht zu populistischen Aktionen hinreißen lassen, die uns letztlich wieder auf die Füße fallen, wenn Wahlkampf ist, das ist unser Markenzeichen als liberale Partei. Und beten Sie, dass Lindner dazu seine dumme Fresse hält.“





Beratespiel

11 03 2019

„… in Zukunft vermehrt auf externe Berater setzen wolle. Die Bundesregierung habe im Bereich Verteidigung bereits einige Erfahrungen sammeln können, die nun auch im Gesundheitswesen für…“

„… es entgegen der angekündigten privaten Beratungs- und Unterstützungsleistungen auch um Bereiche gehe, die sich an Kassenpatienten…“

„… nicht geplant sei, ganze Gesetzespakete von Beraterstäben schreiben zu lassen. Spahn wolle vorerst nur einzelne Berater mit einzelnen Gesetzen beauftragen und verstehe daher nicht, warum die damit verbundenen Haushaltsmittel nicht im…“

„… auch als Kombi-Pakete anböten. Da das Ministerium an einer generellen Kostensteigerung arbeite, um wirtschaftliche Mittel effizienter für einen schlanken Gesundheitsbereich einzusetzen, seien Berater wesentlich schneller in der Lage, den Kostensteigerungsbedarf beispielsweise bei den Beratern zu lokalisieren und durch beschleunigte Prozesse auch eine erheblich effizientere…“

„… es im Kern um eine bessere Versorgung im Gesundheitswesen gehe. Spahn könne jedoch nicht ausschließen, dass es dabei um die Versorgung der Berater in finanzieller und…“

„… seien Beratungsunternehmen besser geeignet, besondere Problemstellungen in der Verwaltung zu erkennen, da sie gleichzeitig damit beauftragt würden, diese Problemstellungen eigenständig zu definieren. Dies bedeute eine doppelte Entlastung der…“

„… auch das Gesetz, das Berater berechtige, eigene Beratungsleistungen vorzuschlagen, von Beratern vorgeschlagen und ausgearbeitet worden sei. Spahn lege aber sehr großen Wert darauf, dass diese Vergünstigungen nicht nur den Beratern, die das Gesetz initiiert hätten, zugute kämen, sondern auch Beratern, die er erst danach in den Stab des…“

„… die Leistungen aus einer Hand beziehen könne. Die Beratungsgesellschaften seien in der Lage, den von ihnen erkannten Bedarf selbst zu erzeugen und würden in stetiger Kooperation mit Krankenkassen und Gesundheitsbetrieben eine lückenlose Fortschreibung der…“

„… sich nicht selbst um die Kosten der Beratungsleistungen kümmern könne, da er mit der Rekrutierung neuer Berater zu viel zu tun habe. Spahn sei immerhin einen ganzen Tag pro Monat im Ministerium und könne sich nicht mehr als dreißig bis maximal Sekunden um fachliche…“

„… nicht korrekt dargestellt werde. Spahn habe die meisten der Chefberater aus seinem engsten persönlichen Freundskreis eingestellt, da er derart verantwortungsvolle Positionen nicht einfach über eine Ausschreibung oder aus dem Telefonbuch…“

„… nicht genug von der Materie verstehe, um die Preise für Beratungsdienstleistungen korrekt einschätzen zu können. Spahn vertraue darauf, dass die Berater ihre veranschlagten Kosten immer nach ökonomisch korrekter und vernünftiger…“

„… eine Verbesserung der Ergebnisqualität sicherstellen könne. Sollte die Ministeriumsarbeit mittelfristig komplett in die Obhut von Beratern gelegt werden, so könne die Beraterbranche von sich sagen, dass sie viel mehr Ergebnisse als die…“

„… für einige Prüfungen Spezialkenntnisse im IT-Bereich nötig seien. Da das Ministerium in diesem Bereich keine eigenen Ressourcen vorhalte, müsse man auch keine zusätzlichen Computer anschaffen, die dann ohnehin nicht im…“

„… dass Prüfungen von Betriebsabläufen bei börsennotierten Krankenhauskonzernen erheblich beschleunigt werden können, wenn man sie ausfallen lasse. Die notwendigen Vorarbeiten könne der Beraterstab selbsttätig durchführen, um keine weitere Arbeit in den ministeriellen…“

„… keinen Mitarbeiter einsetzen wolle, der die veranschlagten Kosten vorab prüfe und nur nach Rücksprache mit dem zuständigen Fachreferat bewillige. Spahn habe sich von einem Berater die dafür anfallenden Personalkosten in einem groben Überblick zusenden lassen und könne diese Überschreitung des Budgets nicht mit seinem…“

„… die Prüfdauer in Genehmigungsverfahren stark herabgesetzt werden könne, indem auf eine Prüfung generell verzichtet werde. Dies beeinflusse letztlich auch die Ergebnisqualität, die sich wiederum positiv auf Berater und…“

„… strategisch verwertbares Insiderwissen auf die Beratungsfirmen übergehe, das sich schnell monetarisieren lasse. Spahn weise diese Kritik zurück, da die Berater ihrerseits eine Gegenleistung in Form von Beratungen und…“

„… keine Schwierigkeit darin sehe, dass die Beratungsfirmen auch für Krankenkassen und Pharmakonzerne arbeiteten. Die Bundesregierung freue sich über konzentrierte Wirtschaftskompetenz in einem Gebiet, das ansonsten kaum den…“

„… dass er für die Personalkosten für eine interne Revision von dreieinhalb Vollzeitstellen einschließlich Krankheitsvertretung ausgegangen sei, die für die nächsten fünfhundert Milliarden Jahre mit einer jährlichen Gehaltssteigerung von hundert Prozent angestellt würden. Dies stehe in Anbetracht der verfügbaren Mittel in keinem Verhältnis zu den Preisvorstellungen der…“

„… alle hinreichend inkompetenten Mitarbeiter durch Berater ersetzen wolle. Damit werde das Gesundheitsressort künftig nicht mehr von einem Minister, sondern von einer renommierten Agentur aus dem…“





Goldene Worte

7 03 2019

Ich nickte leicht zur Begrüßung. Er hatte mich wohl nicht erkannt, ließ es sich aber nicht anmerken. „Wir haben Sie erwartet.“ Ein recht unmöbliertes Büro mündete in eine Art Lagerraum, in dem eine Couch stand, daneben ein Schreibtisch und eine Tafel. „Es wirkt alles noch ein wenig improvisiert“, druckste er heraus, und in der Tat, das war nicht zu übersehen. Immerhin war ich richtig.

„Die wichtigeren Arbeiten werden ja ohnehin vom Stab erledigt“, stellte er fest. „Deshalb sind wir auch froh, dass wir immer wieder Fachleute finden, die wir als Sachverständige in Ausschüsse senden können, in Gremien und teilweise sogar in die Arbeitskreise.“ Ich nickte anerkennend. „Das sind schwierige Einzelfallentscheidungen, die wir nur den Experten anvertrauen, und wir hoffen, dass Sie sich mit dieser Aufgabe identifizieren können.“ „Ich werde mein Bestes tun“, versicherte ich, „auch wenn ich noch nicht so genau weiß, worum es hier eigentlich geht.“ „Das sehen wir später“, beruhigte er mich. „Wir müssen das Problem erst einmal sehr gründlich analysieren, damit wir auch eine Lösung erarbeiten können, die sich juristisch trägt und für die Öffentlichkeit akzeptabel ist.“ Ich nickte. „Wie“, fragte er vorsichtig, „würden Sie denn diese Problematik nun im Einzelnen angehen?“

Möglicherweise hatte ich mich in der Tür geirrt, denn eigentlich hatte mich ein Fernsehsender mit der Planung einer Samstagabendshow über alle Schweizer Kantone beauftragt. Hier aber schien es sich um eine weniger bedeutsame Angelegenheit zu handeln, an der höchstens ein paar Ministerien zu hängen schienen. „Wir müssen die Fakten klar aus den zur Verfügung stehenden Materialien ziehen“, begann ich. „Vorher würde sich eine Reaktion in der Öffentlichkeit als ungeschickt erweisen, Sie wissen ja, wie die Medien reagieren.“ Er schreib eifrig mit. „Vor allem lege ich großen Wert auf ein akkurates Framing – wir leisten immer und überall Aufklärungsarbeit, der Gegner ist nur bestrebt, die Tatsachen zu verdrehen.“ „Bedenken Sie“, wandte er fast schüchtern ein, „wir haben es hier mit einem Oberstaatsanwalt zu tun, der sich gegen die…“ Mit einer heftigen Bewegung wischte ich den Satz vom Tisch. „Ich werde das nicht zulassen, wir sind als Träger der Handlung immer in der Verantwortung und wollen uns das nicht nehmen lassen.“

Die Tür ging auf. Er tuschelte kurz mit dem Kollegen und entschuldigte sich; so saß ich alleine, bis ein Mitarbeiter hineinsah, um einen großen Stapel Akten auf dem Tisch abzuladen. „Schön“, ätzte ich. „Halb elf durch, und wir sind auch schon da.“ „Das sagt der Alte auch immer“, knurrte er, „aber was soll ich denn machen, wenn Berlin den Scheiß immer zu spät schickt? Ich kann doch auch nicht hexen!“ Mit einer weitläufigen Bewegung hieß ich ihn niedersetzen. „Sie wissen“, hub ich an, „dass wir die Abteilung sehr genau strukturiert haben, damit die Informationsflüsse genormt sind.“ Er nickte. „Deshalb brauchen wir auch ein System, das auf drei Säulen beruht: kein Kompetenzstreit, keine sich überdeckenden Wissensbereiche, und eine sehr genaue Planung des Zeitplans mit Hilfe eines Plans, der die Zeit plant. Können Sie mir folgen?“ Eifrig nickt er; immerhin hatte er bereits begonnen, sich Notizen zu machen. Er tat recht daran, so schnell würde er nicht wieder goldene Worte hören. „Dazu bedarf es einer genauen Planung der einzelnen Komplexitätsstufen – können Sie mir folgen?“ „Komplexitätsstufen.“ Noch schrieb mein junger Freund mit, aber ich war nicht mehr so ganz davon überzeugt, dass er auch genügend bei der Sache war.

„Kommen Sie jetzt erst?“ Der Abteilungsleiter hatte offensichtlich nicht mich gemeint. Dennoch regte mich die Frage auf, mit der er plötzlich in die Besprechung geplatzt war. „Ihnen ist es also lieber“, stellte ich leicht indigniert fest, „wenn wir ohne ein personelles Konzept in die erste Projektphase starten und die Implementierung notwendiger Kontrollen irgendwann zwischendurch erledigen?“ Sein Gesicht rötete sich. Darauf konnte ich jetzt aber keine Rücksicht mehr nehmen, wer hatte denn die ganze Zeit die Koordination zwischen Stab und Ministerium schleifen lassen? „Ohne eine vorherige Machbarkeitsstudie müssen wir doch das ganze Änderungsmanagement in Frage stellen.“ Sie nickten. So schwer war es also doch nicht, mit ein bisschen Vernunft war der Laden offenbar zu retten. „Machen Sie mir bis morgen eine Kosten-Risiken-Matrix und dann schicken Sie das an den Stab. Ich werde immer in CC: gesetzt, auch bei finanziellen Umstrukturierungen unterhalb einer Milliarde.“ Sie schluckten, aber was sollte ich denn machen. Einer musste es ihnen doch beibringen.

„Sie haben schon Anschluss gefunden“, sprach mich die Empfangskraft an, als ich gerade vor den Lieferantenmanagern in der Lobby die generelle Neuverhandlung aller Qualitätsprozesse anregte. Er störte, aber das nahm ich in diesem Augenblick hin; schließlich muss man qualifizierte Kräfte auch mit neuen Entwicklungen alleine lassen können, ohne gleich an eine Katastrophe zu denken. „Haben Sie sich schon entschieden?“ Ich blickte einen Moment in die Ferne. „Was ich mir vorstellen könnte“, sagte ich mit Tatkraft, „das ist eine Restrukturierung der Entscheidungsprozesse. Ich werde Ihre Berater beraten.“ Bewundernd blickte er mich an, die große Erkenntnis des Moments begreifend. Wir schieden als strategische Partner mit einer großen Sache, die Geschichte schreiben würde. Jetzt müsste ich nur noch herausfinden, worum es ging. Aber man kann sich eben nicht mit jeder Kleinigkeit aufhalten.





Freiwillige Selbstkontrolle

5 03 2019

„… die Ausbeutung der Paketboten nicht mehr länger hinnehmen wolle. Heil habe angekündigt, dass er gegen die schlechten Arbeitsbedingungen in der Paketbranche mit einer gesetzlichen…“

„… nichts mit dem Mindestlohn zu tun habe. Das Ministerium habe in diesem Zusammenhang nochmals klargestellt, dass dessen Zahlung sowieso schon gesetzlich geregelt sei und nicht durch weitere Kontrollmaßnahmen durch eine…“

„… die Großunternehmen ab sofort verpflichtet seien, nur Unternehmen zu beschäftigen, die sich an die gesetzlichen Mindeststandards hielten. Heil wisse zwar nicht, ob dies auch für Subunternehmer, Subunternehmer von Subunternehmern, Subunternehmer von Subunternehmern von…“

„… es weiterhin erlaubt bleibe, Überstunden und Mehrarbeit durch das einzelvertraglich bestimmte Gehalt abzugelten. Sollten Paketdienste durch zunehmenden Einsatz von Überstunden diese Regelung aushebeln, seien die Arbeitsgerichte für die Angestellten immer eine richtige…“

„… würden sehr oft Langzeitarbeitslose in der Paketlogistik beschäftigt, die keinen Anspruch auf einen Mindestlohn hätten, weil sie viel zu schnell wieder entlassen werden müssten, da sie zu lange arbeitslos gewesen seien, da sie als Paketfahrer beschäftigt worden seien und keine qualifizierte…“

„… auf eine strikte Kontrolle setze, die alle in der Bundesrepublik angestellten Paketfahrer regelmäßig in Augenschein nehmen würden. Sobald ein Fahrer den Kontrolleuren bestätige, dass er keine Beanstandungen habe, dürfe er weiterhin…“

„… dass Arbeitnehmer vereinzelt bis zu 13 Stunden am Tag beschäftigt, aber nur für fünf Stunden im Rahmen einer Teilzeitstelle bezahlt würden. Der Dienstleister habe eine sofortige Prüfung des Einzelfalls angeordnet, die allerdings nicht mehr in diesem Jahr mit den…“

„… kritisch gegenüberstehe. Ein Arbeitskampf sei zwar grundsätzlich durch die Verfassung gedeckt, die Paketboden müssten dabei jedoch bedenken, dass sie damit ihre Jobs gefährdeten, was durch den Fachkräftemangel sofort zum totalen Niedergang der Branche in der…“

„… für alle Paketfahrer zuständig seien. Das Ministerium habe aber bestätigt, dass die Task Force von drei auf vier Teilzeitstellen aufgestockt werde, sobald sich die ersten Ergebnisse der…“

„… zwar korrekt sei, dass der Paketbote sowie mehrere Hundert seiner Kollegen täglich acht nicht bezahlte Überstunden ableisteten. Die Regionalleiter wiesen jedoch darauf hin, dass das Entgelt für die verbleibenden fünf Stunden um fast zwanzig Cent über dem allgemeinen Mindestlohn liege und damit ungefähr an die Bezahlung als Leiharbeiter heranreiche, die man nur aus organisatorischen Gründen noch nicht im…“

„… entgegen der ursprünglichen Idee der Kommission um reine Bürotätigkeiten handele. Die Kontrolleure befänden sich im Arbeitsministerium und würden von dort aus versuchen, in brieflichen Kontakt mit den Fahrern zu treten, da eine Telefonbefragung wegen datenschutzrechtlicher Bedenken nicht im…“

„… werde die SPD als Digitalpartei dafür sorgen, dass nicht mehr so viel im Internet bestellt werde, so dass die Paketfahrer vorwiegend regional gekaufte Güter in den…“

„… im Zuge einer freiwilligen Selbstkontrolle ihre Angaben zur arbeitsrechtlichen Situation machen würden. Die Arbeitgeber würden diese dann in anonymisierter Form einmal jährlich an das Bundesministerium weiterleiten, wo nach einer eingehenden Prüfung durch das…“

„… Werkverträge, die mit Subunternehmern ausgehandelt worden seien, nicht vom Mindestlohn tangiert würden. Heil habe zwar schon von dem Unterschied gehört, müsse sich aber erst juristisch beraten lassen, bevor er eine…“

„… stelle man den Fahrern immerhin ein Auto zur Verfügung, das diese in ihrer Freizeit waschen und auftanken dürften. Mehr Zugeständnisse wollten die Arbeitgeber nicht machen, da sich in Deutschland sonst der Sozialismus wieder im…“

„…sich wegen Terminschwierigkeiten nicht an der Sitzblockade gegen Unternehmen beteiligen, die keine Sozialversicherungsbeiträge entrichteten. Heil habe aber angekündigt, in Gedanken ganz fest an die…“

„… feste Untergrenzen pro Paketlieferung in die Gesetzesvorlage aufnehmen wolle. Eine Sendung koste den Vertragnehmer etwa drei Euro, so dass mit einer Pauschale von einundzwanzig Cent ein guter Kompromiss für alle…“

„… ein Gesetz zu erlassen, nach dem illegale Dinge verboten seien. Die Bundesregierung werde zwar nicht alle Straftatbestände des Steuer- und Sozialversicherungsrechts im Entwurf berücksichtigen können, weise aber gleichzeitig darauf hin, dass auch dieser nur ein Vorschlag sei, der frühestens…“

„… die Kritik der Gewerkschaften an den freiwilligen Maßnahmen zurückweise. Heil sehe auch bei der Landwirtschaftsministerin, dass viele Ideen, auf die sonst keiner gekommen wäre, sehr schnell bekannt und…“

„… einen guten Konsens gefunden habe. Da die Konzerne jetzt beispielsweise auch die Auslieferung kompletter Windkraftanlagen mit einundzwanzig Cent (einschließlich Umsatzsteuer) abrechnen könnten, sei die Wirtschaftlichkeit ihrer Arbeit und damit die Garantie auf viele befristete Jobs im…“





Triller unterm Pony

17 12 2018

„Sie können die Hand aber noch bewegen? Na, dann ist ja halb so wild. Ich sage immer, Hand verstaucht ist kein Beinbruch, hahaha!

Ich bin Sachbearbeiter und kein Arzt, und deshalb kann ich vermutlich auch die bessere Kosten-Nutzen-Rechnung erstellen. Im Prinzip ändert sich da ja auch gar nichts im Vergleich zu vorher: Sie übernehmen die Kosten, wir haben den Nutzen. Also liefern wir als Krankenversicherung auch eine Mischkalkulation, die alle Interessen gleichermaßen befriedigt. Gut, nicht immer Ihre, aber versetzen Sie sich zum Beispiel mal in die Lage eines Aktionärs, oder in die Lage eines Ministers. Der Aktionär wird sehr genau auf die betriebswirtschaftliche und die juristische Leistung der Kassen achten, und dann wird er auch den Minister genau informieren, was er zu tun hat. Und da muss man praxisorientiert vorgehen, sonst orientiert sich bald der ganze Medizinbetrieb weg von den Praxen.

Starke Kopfschmerzen, sagen Sie? schon seit gestern? Sie rufen erst jetzt an? Ja gut, die Hotline ist manchmal schon sehr dicht, aber wenn Sie die Warteschleife mit Werbung nehmen, dann sind Sie im Schnitt bis zu zwölf Stunden schneller bei einem Mitarbeiter. Die andere Leitung gibt es nicht mehr? Da sehen Sie mal, was der Minister für eine betriebswirtschaftlich herausragende Arbeit macht. So ein Preis-Leistungs-Verhältnis zu einer Seite aufzulösen, also alles in Richtung Preis, das ist bestmögliche Politik. Hören Sie? Kopfschmerzen sind nicht tödlich, ich habe gerade noch mal nachgeschlagen, für den Fall der Fälle liegt hier immer noch ein altes Gesundheitslexikon. In den Siebzigern gab‘s ja auch schon Kopfschmerzen, da brauchen Sie für den heutigen Kostensatz keine Hexerei zu erwarten.

Schwierig wird es ja bei Hypochondern, also bei Krankheiten, die man nicht an den Symptomen nachweisen kann. Depressionen beispielsweise, oder wenn jemand eine schwere schizoide Störung hat. Triller unterm Pony. Erkennt man auch nicht sofort, und wenn Sie ein bisschen findig sind, werden Sie damit sogar Minister.

Nee, Krebs machen wir jetzt auch mit. Haben Sie schon Erfahrung damit? wir nämlich nicht. Für Hautkrebs hatten wir bis vor sechs Wochen eine Kollegin, die hat sonst die ganzen Solariumskunden betreut, aber Lunge sagt mir jetzt nichts. Nächste Woche haben wir einen Finanzexperten da, der hatte schon mal einen Hinterwandinfarkt, aber das wird Ihnen jetzt auch nicht groß weiterhelfen.

Wie gesagt, Depressionen. Bei der aktuellen Stimmungslage kann man ja nur noch schwermütig werden. Insofern ist da genug Vergleichspotenzial vorhanden und Sie können mit Ihrem Knacks auch zum Hausarzt. Wie gesagt, es spart alles Kosten, und die Zusatzbeiträge für die obere Mittelschicht, die sich noch nicht privat versichert hat, können auch gesenkt werden. Wenn Sie vorher noch ein paar Fachleute überzeugen müssen, dass wirklich ein medizinisches Problem vorliegt, dann stärkt das unter Umständen sogar Ihr Selbstbewusstsein, und dann kommen Sie als geheilt wieder raus. Also etwa wie bei einer Abtreibung.

Wissen Sie, wir hatten noch nie einen Patienten mit Impotenz. Wissen Sie woran das liegt? Das bilden die sich nämlich alle nur ein. Wenn sie echt davon betroffen wären, dann würden sie doch hier anrufen. Wir sind kostenlos, anonym, hier werden keine Gespräche aufgezeichnet, also warum sollte man hier nur anrufen, wenn man gerade Grippe hat? Wir hatten hier kürzlich den Fall von einer Frau, natürlich alleinerziehende Mutter, die klagte über Erschöpfungszustände. Damit geht man doch heute nicht mal mehr zum Allgemeinarzt, ich bitte Sie – der sagt Ihnen doch, beste Frau, wenn man nicht frieren will, dann duscht man eben nicht kalt. Wir sind ja als Instanz des Gesundheitswesens hier nicht nur eine zusätzliche Kostenstelle, wir stecken auch bis zum einem gewissen Maß den Rahmen ab, innerhalb dessen ein Gesundheitswesen überhaupt funktionieren kann. Wenn wir dann später mal eine gewisse Praxistauglichkeit eruiert haben, können wir sicher auch sagen, welcher von den Vorschlägen hier ernsthaft in Betracht kommt, aber bis dahin ist für uns dies Modell erstmal die Arbeitsgrundlage.

Sinnlose Aggressionen? Kann ich verstehen, das haben wir öfters. Haben Sie es schon mal mit Sport versucht? Ausländerhass? Hm, das hört sich nicht so gut an. Sicher sind Sie durch Ihre momentane Erwerbslosigkeit im – Sie haben Arbeit? Eigener Handwerksbetrieb? Was wollen Sie denn noch? Da kann Sie ja nicht mal der Chef absägen, sondern nur die Bank, hahaha!

Er ist bis jetzt noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, da müssen wir sehr vorsichtig sein. Wegen der Folgekosten. Außerdem steht in der Zeitung sonst bestimmt wieder, dass manisch-depressive Verstimmungen in die geschlossene Abteilung gehören, auch außerhalb Bayerns. Das ist sicher kontraproduktiv.

Sind Sie noch dran? Also Sie würden jetzt gerne jemanden mit dem Schraubenschlüssel totschlagen, richtig? Schraubenschlüssel, habe ich notiert. Ja, totschlagen. Gut. Waren Sie schon mal bei uns? Dann müssten wir eine Akte haben. Erstanamnese? Warten Sie mal. Sie werden jetzt sofort jemanden um die Ecke bringen, wenn Ihr Antrag nicht bearbeitet wird? Ich könnte Ihnen, warten Sie, ich habe hier… Ach, wissen Sie was? Zimmer 1.44, das ist der Gang rechts und bei der Treppe nach oben. Da sitzt der Minister.“