Gnadenlos

30 11 2017

„Bei einer Kohleausstiegsaufhebungsquote oder so, da hätten wir diskutieren müssen, aber so!? Bazis, das wollen wir doch nicht. Das müssen wir aus der Schusslinie räumen. Sonst geht diese Regierung genau so den Bach runter wie alle anderen davor!

Wenn wir als Christsoziale schon andere Parteien neben uns in einer Koalition dulden, dann müssen wir auch dafür Sorge tragen, dass wir die Zügel in der Hand behalten. Und da hat der Schmidt Christian alles richtig gemacht, verstehen Sie? Man kann nicht immer nachfragen, sonst ist es doch auch kein Alleingang mehr.

Also abgesprochen war es schon, nur mit Seehofer eben. Wir können nicht auch noch mit der SPD koordinieren, wo wir der Kanzlerin vors Knie treten. Das führt jetzt wirklich zu weit. Das läuft nicht mal als Sorge um Deutschland durch. Und das ist das Letzte, was wir gerade gebrauchen können.

Ein generelles Dieselfahrgebot außerhalb Bayerns, auf solche Ideen muss man erst mal kommen! Dafür braucht es die CSU! Wenn das die Sozen akzeptieren, dann sind sie einfach zu heiß gebadet, und wenn sie es nicht akzeptieren, dann läuft alles nach Plan. Wir brauchen hier eine Emser Depesche, sonst landen wir wieder in einer Konstellation, in der wir von Berlin aus regiert werden und nicht aus München. Das können wir uns nicht bieten lassen, damit wäre zumindest die nächste Landtagswahl vergeigt.

Das ist doch eine traumhafte Situation für den Schmidt Christian. Der hat eigentlich keine große Amtsbefugnis mehr, weil er seine politische Zukunft größtenteils hinter sich hat, fachlich hat er eh nichts zu melden, rausschmeißen kann man ihn nicht, es würde aber auch nichts bringen, weil der Schaden bereits entstanden ist, und jetzt warten alle gemeinsam, bis er vom Stuhl kippt. Also Seehofer ohne die Modelleisenbahn, wenn Sie so wollen. Und jetzt müssen Sie sich das mal praktisch vorstellen: der Schmidt Christian ist unsere absolute Allzweckwaffe. Mit dem kriegen Sie alles weg, was nach vernünftiger Regierungsarbeit aussieht. Und das ist derzeit eine Menge.

Den können Sie natürlich gegen das deutsche Reinheitsgebot einsetzen, aber jetzt stellen Sie sich mal vor, der fährt auf einmal dem Steinmeier in die Parade. Oder Gabriel, jedenfalls außenpolitisch. Also überall da, wo nicht Bayern ist, wir definieren die Außengrenze ja ein bisschen anders als der Rest des Landes. Jetzt stellen Sie sich mal vor, jemand wie der Schmidt Christian ruft bei der EU an und sagt zu denen: Buam, sagt er, seid‘s nicht bös, aber wir würden auch gerne raus. Bayxit oder so. Das ist nicht mit der Kanzlerin abgesprochen, welche Meinung sie da vertritt, dürfte auch klar sein, aber wenn das Vertrauen in die Bundesrepublik erst mal ordentlich angeknackt ist, was meinen Sie, was da in Brüssel passiert? Die werden sich alle auf den Bauch schmeißen vor dem Schmidt, in Wehklagen werden die ausbrechen, allesamt, und wenn sie uns dann richtig sauer sind, weil es nur Theaterdonner war, da wird Gabriel das ausbaden müssen, und wir sind fein raus.

Sie müssen ja wissen, der Mann ist eigentlich Experte für Außen- und Sicherheitspolitik. Der weiß, wie er sie aus dem Gleichgewicht bringt. Und das nutzen wir natürlich gnadenlos aus. Gnadenlos an die Macht – eigentlich ein Titel für einen guten Wahlkampfschlager, finden Sie nicht? Der ist so gut, damit könnte sogar der Söder Ministerpräsident werden. Dobrindt eher nicht, aber für Söder würde es reichen. Wahrscheinlich sogar für Aigner.

Im Verteidigungsministerium war der Schmidt Christian übrigens auch, und jetzt überlegen Sie sich mal, was man da theoretisch alles rausholen könnte. Diplomatische Verwicklungen, Irrungen und Wirrungen, und er ist als evangelischer Franke ins Kabinett gekommen. Der genießt derart viel Minderheitenschutz, den können Sie sogar auf Trump hetzen. Das ist immer ganz angenehm, wenn man sich die Leute zu verpflichten weiß. Man muss ihnen dann nicht immer alle Aufgaben diktieren, man gibt ihnen einmal kurz die Direktive, und dann drehen die Deppen durch. Wir haben den Schmidt dazu gebracht, die Grünen wegen des veganen Schnitzels anzupöbeln. Wahrscheinlich würde er auch in den Abendnachrichten erzählen, dass er sich nie die Füße wäscht, wenn man ihn nur deutlich genug an die Belange der Partei erinnert. Wir könnten ihn auch losschicken, dass er in der Öffentlichkeit behauptet, die SPD habe Lindner geschmiert, weil sie unbedingt in eine Koalition mit Merkel will. Dann kriegt er hinterher einen netten Aufsichtsratsposten oder wird in den Rundfunkrat entsorgt. Das muss ja auch nichts Schlechtes sein, wenn man so wie der Chef für die Landespolitik keine große Rolle mehr spielt.

Wie meinen Sie das, die SPD findet das klasse? weil eine geschäftsführende Regierung auf keinen Fall rechtlich bindende Entscheidungen für die Nachfolgerin trifft? Und die Sozen verlangen jetzt von der Kanzlerin, dass sie den Schmidt Christian kurz vor dem Ende noch zum Rücktritt drängt, was er aber nicht tun wird, weil er sonst ein Problem mit der Partei bekommt, und wenn sie es nicht tut, dann verlangen sie eine Kompensation von ihr? Am Ende noch auf Kosten der Christsozialen? Weil das den Preis nach oben treibt? Kann ich das mit den Grünen noch mal sehen!?“

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Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXCIV): Der Kollaps der Leistungsgesellschaft

24 11 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Was haben sie nicht alles versprochen. Wer sich eine Angel kauft, hat immer Fisch. Wer drei Fische fängt, muss nur drei Tage in der Woche raus aufs Meer, einen kann man noch verkaufen, und dann ist irgendwann ein Motorboot drin. Oder eine Angel für den Knalldeppen von nebenan, der bald als Teilzeitkraft Fische fängt. Zwei Motorboote, Fangflotte, Fischfabrik, Aktiengesellschaft. Die Fischmafia. Auswürfeln, wer Papst wird. Vielleicht der Knalldepp von nebenan. Sie haben uns nur nicht versprochen, dass die Aktienkurse immer steigen und immer Gewinne machen, Gewinne, Gewinne. Leistung, haben sie uns versprochen, müsse sich lohnen, wieder, weil sie vorher dafür gesorgt hatten, äußerst gründlich, dass sich Leistung eben nicht mehr lohnt, und das ist auch so geblieben. Dass sie sich nicht mehr lohnt. So wenig wie je zu zuvor. Es gibt nur noch Leistungslose, denen es so gut geht, dass sie die Leistungsträger als Leistungsverweigerer verhöhnen können, ohne zu riskieren, dass man ihren Gesichtsschädel in einem Arbeitsgang einebnet. Wenn etwas längst den Kollaps vollzogen hat, dann jedenfalls die Leistungsgesellschaft.

Diktaturen waren der westlichen Welt immer schon fremd, hier demokratisiert der Chef noch selbst. Nicht einmal die Diktatur des Proletariats vermochte sich Sympathien zu erkämpfen, von den sozialistischen Auswüchsen der ungewaschenen Neidhammel ganz zu schweigen. Was sich aber als angeblich frei aufspielte, der in Parolen vor sich hin dümpelnde Arbeits- und Sozialmarkt, hat nicht mehr viel mit dem eigentlichen Gedanken zu tun. Die Bäcker werden vertröstet mit einem Modell, das sie mit Krumen nährt, die vom Herrentisch fallen, windschief zurechtgeschwiemelt von den Herrenmenschen in ihren Herrensesseln, die die Vollbeschäftigung propagieren, zum Ausgleich mit dem halben Lohn, weil sich die abstrakte Wirtschaft sonst die vielen Arbeiter gar nicht leisten könnte. Man lässt die Alimentierung sinken durch Schleifen des Sozialstaats und träumt herbei, dass davon die Gehälter schon steigen werden. Aber es gibt ja auch Leute, die fest darauf vertrauen, dass Beten bei Vollmond Hirnschäden heilt.

Die Tellerwäscher werden keine Millionäre mehr, und das liegt daran, dass sie längst von der kapitalistischen Wirtschaft ausgespuckt worden sind, der sie sich angedient haben. Man macht ihnen rechtzeitig klar, dass ihre Ersparnisse längst aufgebraucht sein werden, wenn es der nächsten Generation einfällt, den Laden zu übernehmen – sie werden bemerken, dass die Gesellschaft auf ihre Leistungsbereitschaft, die ihnen angeblich Tag für Tag abverlangt wird, pfeift, denn es steht schon der nächste Tellerwäscher in der Tür, wenn dem alten die Puste ausgeht. Sie sind, auch in ihrer Motivation und ihrer Attitüde, ersetzbar geworden, Callcenter- und Krankenhausarbeiter, Pflegekulis, Müllwerker und der andere Dreck, auf den die Pickelfressen aus dem Vorstand so gerne süffisant herabschauen, wohl wissend, dass sie ihrem Nachwuchs diese Ferienjobs nie zumuteten, schon dann nicht, käme man da mit der Unterschicht in Kontakt. Bäh.

Die Schädelvollprothesen aus dem Thinktank, sie schießen in die weiche Masse, fordern vor allem Eigenverantwortung von denen, die sich am Boden der Entwicklung befinden – als hätte der gemeine Mann die Sorge, sich ein Depot mit Risikokapital zu verstopfen, den falschen Chablis zu besorgen oder die Metalliclackierung eine Spur zu weit ins Vulgäre zu wählen. Wo immer sich noch Leistung lohnt, hier jedenfalls nicht, und wenn, dann nicht für den, der sie zeigt. Dass sich das doppelbödige Versprechen, die Anstrengung möge dem selbstgefälligen Betrachter die Taschen blähen, nie bis an die Basis durchgearbeitet hat, spricht vor allem für die tapfer alles ignorierende Mitläuferschwadron, die gezielt Hirnlappen plättet und auf das Bessere hofft, weil sei selbst das Gute nicht zu schaffen vermag. Aus der Idee wird allerhand Getöse geboren, manches davon hat leider überlebt, einiges unter Uniformzwang. Wir haben es in Erinnerung.

Bomben wir die Gesellschaft platt, aus den Trümmern lässt sich bestimmt eine neue Welt basteln, und das auch unter Berücksichtigung der vorhandenen Mittel. Wir, der Souverän, müssen ja nur wollen, und da wir uns grundsätzlich nicht über den Weg trauen, weil nur wir weiterarbeiten würden nach dem Lottogewinn, nicht aber der Nachbar, genau deshalb setzen wir auf die falschen Anreize. Gäbe es Lohn, Rentenpunkte oder eine gute Sachprämie dafür, dem nächsten liberalen Torfschädel eins auf die Mütze zu geben, was wäre diese Nation wieder aktiv. So aber, wo man uns ins Leere laufen lässt, befinden wir uns in einem Hamsterrad, produktiv, aber nutzlos. Warum sollten wir es nicht einmal mit einer Revolution versuchen. Das hatten wir doch noch nicht.





Der Style der Partei

23 11 2017

„Was hat er da gesagt? neu denken?“ „Respekt, Lindner. Zwei Lügen in zwei Worten.“ „Na, dann ist er ja in der SPD goldrichtig.“

„Das ist doch jetzt nicht Ihr Ernst!?“ „Wieso denn nicht, der halt alles richtig gemacht. Die FDP ist wieder da, wo sie hingehört, und die notwendige Marginalisierung der Grünen findet nicht statt.“ „Aber ich verstehe nicht, wieso er jetzt in die SPD soll?“ „Mann, dieses Standing! Was, meinen Sie wohl, brauchen wir jetzt am meisten?“ „Dass die Perspektive, also auf das deutsche Volk, und dann die Partei, die Partei, die uns…“ „Eier! Eier, verdammt noch eins! Da geht doch noch was!“ „Sie können diese Splitterpartei ja wohl nicht mit einer politischen Kraft vergleichen, die Deutschland schon in historischen…“ „Kommen Sie mal runter, Mann. Geschichte ist out! Bedenken, hier, das muss alles neu, digital und so, und dann eine total andere Fokussierung auf den Style der Partei.“ „Wenn sich Schulz das Jackett ausgezogen hat, haben die immer alle gesagt: lass es doch lieber an.“ „Reden Sie doch keinen Mist, Mann – das muss jetzt anders, das muss jetzt alles ganz neu! Wir holen uns den Lindner, dann machen wir Große Koalition, und dann rocken wir den Laden!“

„Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass der Typ so gut wie keine Substanz hat?“ „Sicher, das ist doch der Clou.“ „Sie finden das gut, dass Lindner absolut nichts zu sagen hat außer seinen komplett ausgelutschen…“ „Naja, sind halt Botschaften wie alle anderen auch. Da drehen Sie nichts dran.“ „Man muss doch aber die Wähler überzeugen!“ „Haben wir doch! Der Wähler hat gewählt, der Bundestag hat sich eingerichtet in der trüben Brühe, was soll uns denn da noch passieren, außer dass wir nicht an der Regierung beteiligt sein sollten?“ „Und dann schicken Sie einfach so ein Rumpelstilzchen nach vorne und lassen den sagen: wenn Ihr nicht mit uns spielt, dann wollen wir auch nicht mehr?“ „Klingt stark verkürzt, es ist auch dem Ernst der Lage, in dem sich das Volk befindet, nicht wirklich angemessen, ja mehr noch: es verhöhnt nachgerade die Verfassung, um die sich große Männer wie der Präsident gerade sorgen. Also im Großen und Ganzen haben Sie schon recht.“

„Wir könnten die Fortsetzung einer Koalition mit der Kanzlerin doch ganz einfach auf dem…“ „Eben nicht!“ „Bitte!?“ „Eben nicht, Schulz hat doch sein dummes Maul aufgerissen und alles davon überzeugt, dass er nur unter einer anderen CDU-Führung weiter das Schoßhündchen geben würde. Wie scheiße ist das denn!?“ „Jetzt hören Sie aber mal auf, eine Koalition mit der CDU ohne Merkel ist doch so gut wie…“ „Eben! und Sie alter Theoretiker kommen mal von ihrer Zimmerpalme runter und in der Wirklichkeit an, ja?“ „Aber…“ „Wenn Schulz, oder wer auch immer der nächste sein wird, der da im Namen der starken Sozialdemokratie in Deutschland für eine neue Gerechtigkeit in der Sozialpolitik zu Kreuze kriecht und sich in den Enddarm einer parteiführenden Person rein arbeitet, wenn Schulz ganz am Anfang der Koalitionsverhandlungen gesagt hätte: jetzt passt mal auf, Ihr Volleulen, das ist mir doch wumpe, wer unter mir die Kanzlette gibt! Meinen Sie, die CDU hätte einmal aufgemuckt?“ „Das hätten die doch nie…“ „Wen hätten die denn schicken sollen? etwa Spahn, diese optisch in die Hose gegangene Hohlraumummantelung?“ „Ich weiß ja nicht, machen das die Grünen mit?“

„Wir bräuchten jetzt auch so einen atmenden Rahmen.“ „Damit sich die CSU am Ende bei uns bedankt?“ „Wieso denn nicht?“ „Hören Sie mal, diese Freizeitnazis, mit denen ist kein Staat zu machen!“ „Zwei von drei Merkel-Legislaturen haben wir immerhin durchgekriegt auf die Tour.“ „Man kann sich doch nicht immer beugen, wenn man alles unter dem Mantel des Sachzwangs…“ „Wieso denn nicht?“ „Weil das unserer politischen Glaubwürdigkeit schadet!“ „So einer wie Lindner geht breitbeinig auf diese bayerischen Dorfdeppen zu und erklärt ihnen, wo der Hammer hängt – und dann sind sie die besten Freunde, weil es ihm egal ist, ob sie ihn hassen, solange sie sich beim Gedanken an ihn in die Hosen machen.“ „Und dann?“ „Und dann hätte das Merkel erstmal ein größeres Problem, weil die Feinde meiner Feinde bekanntlich meine Freunde sind.“ „Also Merkel und die CDU wären dann unsere Feinde?“ „Nein, wir würden ihr nur klarmachen, dass wir die CSU noch von früher kennen, weil wir die bösen Jungs waren, die im Schulbus immer ganz hinten gesessen haben.“ „Oha!“ „Und genau deshalb brauchen wir jetzt den Lindner. Der hat Biss, der Mann – ich will nicht übertreiben, aber diese Ausstrahlung hatte wohl Schröder zuletzt.“ „Schmidt?“ „Was rauchen Sie denn für einen Dreck!?“ „Entschuldigung, ich wollte doch nur…“ „Sie wollen doch diesen Waschlappen für untenrum nicht mit einem Kanzler vergleichen, der den Namen auch verdient?“

„Und jetzt?“ „Gucken wir mal.“ „Wir können doch nicht warten, bis sich irgendeine Möglichkeit ergibt, diese Koalitionsverhandlungen mit der…“ „Zuhören war jetzt nicht Ihre Stärke? wer hat denn davon gesprochen, dass wir auf irgendwas warten? Wozu brauchen wir denn dann den Lindner, wenn wir zugucken, bis er zu uns kommt?“ „Wir hätten da ein Angebot.“ „Von wem?“ „Rot. Also Rot-Rot.“ „Hm.“ „Wagenknecht.“ „Geben Sie mir mal die Telefonnummer vom Konrad-Adenauer-Haus. Und gucken Sie mal, ob der Gabriel noch irgendwo unten in der Kantine herumschwirrt.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXCIII): Die öffentliche Verwahrlosung

17 11 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Ja, es gab andere Zeiten. Sie haben Paläste gebaut im Zuckerbäckerstil, Dome, Brücken, hier und da Flughäfen, die innerhalb weniger Jahrzehnte vollendet war, schrecklich schöne Autobahnen als Dual-use-Produkte – das Wirtschaftswunder wollte ja verteidigt sein, und wenn nicht in der Praxis, so konnte man wenigstens in der Theorie damit Kohle scheffeln – und alles, was das ökonomische Herz halbwegs befriedigte, denn es war damals noch auf Nachhaltigkeit aus, wie es seit Menschengedenken der Fall war. Kein Renaissancefürst hätte sich eine Kirche to go in die Stadt schwiemeln lassen, kein Potentat bröselnde Monumente, deren Lebensdauer der Architekt überstanden hätte. Sittlichkeit zeigte sich auch im Wert des Gepränges, das nebst einiger repräsentativer Ziele vor allem der allgemeinen Nutzung ausgesetzt war. Wer aber würde sich schon in einem von Grund auf versaubeutelten Areal wie Ninive oder Castrop-Rauxel über Risse im Beton aufregen. Von hier aus spreitet sich die öffentliche Verwahrlosung ins Land hinein.

Mehrfach haben sich Sozio- und andere Paten der publiken Wissenschaft über die zerbrochenen Fensterscheiben verbreitert; ist erstmal eine kaputt, dauert es nicht lange, bis der Reste der Fassade, des Straßenzugs, des Quartiers, des Landkreises und schließlich die komplette Nordhalbkugel aussieht wie frisch von den Vandalen geplättet. Je mehr aber geschieht, desto eher gewöhnt sich der gemeine Mob an die Verhältnisse, findet das ubiquitäre Gebröckel schon fast normal, ja malerisch, und ist geneigt, den Verhältnissen die Schuld zu geben am Niedergang – je mehr um ihn herum in Schutt und Asche sinkt, desto weniger stört es offenbar den Wut- und Spießbürger, der spontan wie die Kontinentaldrift auf schütteren Schotter schaut, der das Gleisbett mählich verlässt und sich in den fußläufigen Zonen des Infrastrukturrandgebietes niederlässt, als wäre es nichts. Man impft dem Volk ein, es müsse sparen, was nur heißt: wir brauchen die Kohle für allerhand Firlefanz, zum Entschulden der Zocker, neue Wummen und viel Sicherheitsbla, aber nicht für die Schulen, die man im maroden Zustand ja auch viel schneller erkennt. Distinktion, impft man uns ein, geht postmoderne Wege. Wohin die Wege führen, verschweigt man aus Peinlichkeit.

Sorgfältig umnachtet quackelt ein Staat aus reiner Schlafmützensubstanz von moralischem Zwang, wo doch letztlich nur der Fetisch einer auf Gedeih und Verderb festgenagelten schwarzen Null konstituierend ist. Die Achterbahn folgt gerne der Schwerkraft, denn hier verspricht es dem sicher im Sattel Sitzenden den besonderen Kitzel, und die Fahrt ist teuer. Warum auch sollte man sich das als Normalbürger leisten können.

Genau hier setzt an, was die Haltung ebendieses Bürgers ausmacht: nichts. Er hat einfach keine. Indem er die Fußgängerzone behandelt wie sein eigenes Wohnzimmer – es handelt sich tatsächlich um dasselbe Benehmen, nur kann der Bescheuerte nicht in der Halbzeit aufstehen und barfuß zum Kühlschrank schlurfen – trägt er wesentlich dazu bei, wie sich das Ensemble zu rational befreite Zone wandelt und nach kurzer Zeit schon äußerlich so wirkt, wie man sich innerlich den sozial Exkludierten vorzustellen hat. Er fühlt sich wohl im Fluidum des Kaputtbaren, ja er feiert den Verfall, den er anders kaum kennt. Dass er sich in diesem Dreiklang aus materiellem, sozialem und allgemein kulturellem Tiefstand regelmäßig um ein fahrlässig herbeigeführtes Szenario handelt, dessen hässliche Fratze die zur Flucht aktiviert, die verantwortlich sind für das Verhängnis, ist kein Geheimnis und wird gewöhnlich auch nicht verschwiegen; es ist aber als Sachzwang kostümiert allezeit präsent und dient der Monstranz, mit der die Politik uns weismachen will, wie schlecht es der Welt gerade geht – wer würde angesichts dieses Trauerspiels nicht freiwillig auf eine schönere Stadt verzichten, auf klappende Brücken und fahrende Züge?

Der Staat versagt nicht als Idee, sondern in der Erscheinung seines Personals. Es lässt sich einlullen in der Vorstellung, demolierte Straßen seien die unabdingbare Folge eines im Durchschnitt großartigen Landes: wenn so die untere Kante ist, wie viel Gold mag dann in der oberen Schicht auf den Scheiteln der hochweisen Eliten lasten? Keiner bezweifelt das, der zurückkehrt aus der kruden Gleichung, die unten mit Unterrichtsausfall und miserablen Bedingungen für Heerscharen von Müll- und anderen Pflegekräften beginnt und schnell unterm Strich in den öffentlichen Sektor selbst einsickert, als gäbe es noch etwas wie Solidarität im Menschenbild der Mächtigen. Ach was, es gärt lustig vor sich hin, denn erst jetzt ist unter dem dünnen Firnis der Zivilisation sichtbar: es ist, als würde man die Verrohung der Eliten hier dialektisch gespiegelt sehen, demontiert bis zur Abrissreife, ekelhaft und todgeweiht. Welch eine Ironie, dass man sich in den Ruinen der neuen Welt den besseren Menschen so nahe fühlt. Vielleicht ahnt man, Geschöpf das man doch ist, gerade hier, ob es nicht doch Nachhaltigkeit gibt, aber anders, als man es für möglich hielt. Ganz, ganz anders.





Kriechtiere

15 11 2017

„Also ich kann diese Angst schon verstehen.“ „Wer hat denn Angst?“ „Die Politiker natürlich.“ „Klar, die sollten auch Angst haben – jahrelang holen sie uns diese Leute in die…“ „Ich meine aber nicht die Regierung.“ „Wie, die!? Die haben doch aber alles getan, um das deutsche Volk vor dem…“ „Ich meine diese Sondierungstrupps. Die Liberalen und diese Dummköpfe aus Bayern.“

„Wieso sollten die denn Angst haben?“ „Weil sie in einem jähem Moment der Nüchternheit gemerkt haben, dass der Wahlkampf schon seit Stunden vorbei ist.“ „Stunden?“ „Sie müssen doch aber die Aufmerksamkeitsspanne eines Insekts berücksichtigen.“ „Kein Kriechtier?“ „Die, die seinen Abgang in Nordrhein-Westfalen schon hatten kommen sehen, weil sie seinen Abgang bei der Partei in Erinnerung hatten.“ „Eine handelsübliche Lobotomie würde da reichen.“ „Die geschieht meist aus Einsicht.“ „Tja, damit ist bei der FDP nicht zu rechnen.“ „Schon aus Kostengründen.“

„Aber das ist doch nicht Lindner alleine?“ „Sie vergessen Kubicki.“ „Dem sollte mal einer sein Maul stopfen!“ „Inhaltlich schaffen Sie das mit einer Stecknadel.“ „Aber warum machen die das?“ „Was erwartet man von einer neoliberalen Partei?“ „Dass sie auf Befehl in jede Pfütze fällt, wenn die Summe stimmt.“ „Was machen die Kriecher vom Rechtsrand gerade?“ „Die verteidigen Deutschland gegen die… nee, doch nicht.“ „Sehen Sie?“ „Mir war jetzt nicht klar, dass das so einfach ist. Also dass sie für Kohle arbeiten, das war mir schon klar, aber…“ „Aber?“ „… dass der Lindner das so wörtlich nimmt, das ist doch schon überraschend.“

„Haben Sie es jetzt begriffen?“ „Sie meinen, die FDP arbeitet bewusst auf Neuwahlen hin?“ „Was sagt Ihnen das?“ „Erstmal muss ich wissen, ob das wirklich so ist. Die wären doch gekniffen, wenn sie plötzlich wieder knapp oberhalb der Fünf-Prozent-Hürde herumkrebsen müssten.“ „Schon richtig.“ „Oder vielleicht sogar unterhalb?“ „Auch nicht verkehrt.“ „Dann frage ich mich ernsthaft, was das soll – sind die komplett bescheuert?“ „Was wäre denn die Alternative?“ „Weidel und Gauland und…“ „Ich meinte: realistisch.“ „Ach so. Neuwahlen und wieder raus aus dem Bundestag.“ „Das heißt?“ „Keine Mandate mehr für den…“ „Realistisch im Sinne der FDP.“ „Ah, verstehe. Keine Verantwortung mehr.“ „Sehr gut, und noch?“ „Weiterhin von der Partei bezahlt und…“ „Aha, bezahlt?“ „Meinetwegen: ausgehalten, aber dann trotzdem als Fundamentalopposition unterwegs und stets bemüht, sich von der AfD abzugrenzen, wenn es möglicherweise passen können würden täte.“ „Wir kommen der Sache langsam näher.“

„Meinen Sie, es könnte so eine Art Wutbürger von oben geben?“ „Damit Nazis mit Schulabschluss nicht mehr die Rechten wählen müssen? Lässt sich schwer sagen, das Problem hat sich in den letzten neunzig Jahren immer nur in Österreich gestellt.“ „Bleiben Sie doch mal ernst!“ „Die AfD ist auch in erster Linie eine neoliberale Clique, die den Sozialstaat einstampfen will, damit die Wirtschaft sie dafür durchfüttert.“ „Das geht aber nicht mit den Grünen.“ „Das ist ein Problem, aber noch nicht das entscheidende.“ „Und das wäre?“ „Es gibt für sie nicht mehr genug Wutbürger.“

„Das klingt jetzt logisch: sie hauen lieber in den Sack, als sich vor den Grünen zu blamieren und von Merkel endgültig verheizen zu lassen.“ „So ist es.“ „Aber warum haben die sich dann überhaupt in den Bundestag wählen lassen?“ „Denken Sie noch mal scharf nach.“ „Ach so, ja.“

„Und deshalb halte ich es auch für durchaus denkbar, dass die FDP als turbokapitalistisches Auslaufmodell in der AfD auf- und untergeht, weil sie weniger Stimmen- als Stimmungsfang betrieben hat.“ „Sie meinen, die sind diesmal endgültig weg vom Fenster?“ „Haben Sie diesmal irgendeine neue Forderung gehört, die nicht schon in den letzten FDP-Wahlkämpfen herumgekräht wurde?“ „Dass Merkel Griechenland aus dem Euro rausschmeißen soll.“ „Weil sie das nicht kann. Rechtspopulisten stellen immer nur Forderungen wie ‚Alle Ausländer raus‘ oder ‚Wir wollen die D-Mark wieder‘, weil man damit garantiert an der undemokratischen Mehrheit scheitert und allen anderen die Schuld für sein Versagen geben kann.“ „Deshalb auch die Sache mit den Steuersenkungen.“ „Richtig. Und die Partei kann eine ganze Regierungszeit durch weiter im Oppositionsmodus verharren und kommt mit ihrem infantilen Geplärr in jede Talkshow.“ „Sie beschreiben gerade die AfD.“

„Jedenfalls dürfte damit klar sein, wer in der künftigen Koalition Juniorpartner ist.“ „Moment, erst müssen sie verhandeln, ob es überhaupt zur Koalition kommt.“ „Das ist ja das Paradoxe. Sie müssen einer Regierung angehören, um nicht die letzten Wählerstimmen zu verlieren, und verlieren sie auch, wenn sie es überhaupt so weit kommen lassen.“ „Schreckliche Vorstellung.“ „In jeder Hinsicht, ja.“ „Eine inhaltlich komplett entkernte Gurkentruppe, die einfach nur regieren will, obwohl sie oft genug gezeigt hat, dass sie dazu einfach nicht in der Lage ist, weder programmatisch noch personell. Wo wir gerade davon reden, warum meinten Sie, dass die CSU Angst hat?“ „Haben Sie in den letzten Wochen mal Seehofer gesehen?“





BA-BA-Banküberfall

13 11 2017

„Das wäre dann quasi mal so eine von unseren Kassen, an denen wir das machen. Sie können sich jetzt Geld auszahlen lassen, gleich so beim Einkauf, und dann verrechnen wir Ihre Gutschrift mit dem Beleg, und dann können Sie wieder einkaufen. Nein, so einfach ist das nicht. Sie müssen schon arbeitslos sein, um in den Genuss dieser Leistungen zu kommen.

Da sehen Sie auch mal wieder, dass das mit den ganzen Vorurteilen, mit den Schikanen und der sozialen Ausgrenzung, dass das einfach nicht stimmt. Die Politik kümmert sich schon um die Unterschicht, die Unterschicht will das nur nicht immer annehmen. War bei den Chipkarten damals dasselbe, bis vors Bundesverfassungsgericht sind die gelaufen. Da machen Sie mal serviceorientierte Kundenpolitik, die auch noch sozial verträglich ist mit dem Rest der Bevölkerung, die das ganze Zeug finanzieren darf.

Und hier haben wir auch schon unseren ersten Fall. Bon vorzeigen, davon gehen drei Euro dreißig ab für ein paar Lebensmittel, von denen sich ein Mensch, der statt zu arbeiten die ganze Zeit zu Hause herumliegt, sicher tagelang satt wird. Und der Rest wird dann eben ausbezahlt. Es hält sich ja hartnäckig das Gerücht, Springer hat das neulich mal wieder als Schlagzeile verbraten, dass man die Bons dann bei der Bank einreichen kann, damit das Konto wieder aufgefüllt wird. Ist natürlich Quark, die Leute haben ja gar kein Konto, sonst müssten sie ihr Geld nicht im Laden holen. Den Beleg reicht man beim Amt ein, das ist doch klar.

So unterschiedlich ist das nun nicht, Sie zeigen Ihren Bescheid vor, dann zeigen Sie Ihren Ausweis – die Kassiererinnen sind selbstverständlich zu strenger Diskretion verpflichtet, die sagen das keinem weiter. Es sei denn, Sie sind beispielsweise aus der direkten Nachbarschaft. Oder Sie kommen häufiger mal zum Einkaufen. Oder waren früher mal Erwerbslos und zahlen jetzt bar, das kriegen Sie einfach nicht mehr weg. Sie können nicht jedes Mal mit der Gehaltsbescheinigung an die Kasse gehen und denen zeigen, dass Sie keine Leistungen mehr beziehen.

Die junge Dame ist hier ein Sonderfall, da muss der Filialleiter Rücksprache halten, weil die sich ihren Regelsatz vollständig auszahlen lässt. Das ist legal, aber wir machen den ganzen Aufstand hier ja auch gerade, um den Leuten den Umgang mit ihrem eigenen Geld ein bisschen, sagen wir, prekär zu gestalten. Zielgruppengerecht halt. Sie sollen ja nicht an der Kasse einfach so Geld abheben, wie das anständige Menschen am Automaten tun, der Unterschied soll spürbar bleiben. Vor allem für die anderen Kunden hier in der Kassenschlange.

Die Banken freut das ungemein, und das ist ja auch der Sinn der Sache. Die können ab jetzt reine Guthabenkonten für ihre Kunden führen, in entsprechender Höhe versteht sich, und die Hartzer dürfen bei ihren Kreditinstituten mit den hohen Gebührensätzen unter sich bleiben. Ganz davon abgesehen schafft das natürlich auch jede Menge Jobs. Sehen Sie die beiden Herren da am Eingang? Nein, nicht die mit den Kornflaschen, die im Kampfanzug. Was meinen Sie, was wir seit der Einführung hier an Bargeldbestand lagern müssen – da lohnt sich doch kein Banküberfall mehr, die Räuber kommen gleich in den Discounter, einmal Kippen holen, dann die Knarre auspacken, und die Tragetasche ist auch noch umsonst!

Dass die Bundesagentur übrigens das Verfahren unter dem Projektnamen ‚Banküberfall‘ geplant hat, ist nur ein Witz. Das können Sie mir glauben.

Die technischen Schwierigkeiten haben wir inzwischen in den Griff gekriegt, diese Schilder da oben haben Sie gesehen? nicht? Gut, dann läuft es nach Plan. Wir müssen die da hinhängen, wie in der Apotheke oder auf der Post, damit die anderen Kunden Diskretionsabstand halten. Wenn Sie einen Brief an die Schufa schicken oder Warzensalbe kaufen, soll das auch keiner wissen. Aber die da hängen so weit oben, da liest sie keiner. Und wenn sie einer liest, dann ist es den Leuten auch egal, und unser Betriebsablauf wird durch rechtstreue Kunden nicht weiter in Mitleidenschaft gezogen.

Sehen Sie, der macht’s richtig. Großeinkauf für exakt 137,66, alles Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke, das muss man einmal am Monatsanfang machen, da spart man die Kontoführungsgebühr und belastet nicht noch die Kassierer durch sozial unverträgliche Mehrarbeit, dafür wird man eben von der Gesellschaft belohnt, weil man nur einmal im Monat als Kostgänger des Systems den Ablauf der Konsumgesellschaft stören muss. Das ist auch ein wenig ein Anreiz, sich einen Arbeitsplatz zu suchen, statt sich ständig an der Kasse zu outen. Stellen Sie sich das mal vor, Sie kommen hier kurz vor Geschäftsschluss, vor Ihnen sind zwei Rentner, die einem die Einkaufswagen in die Hacken schieben und dann Kleingeld zählen, und dann hält Sie einer für einen Obdachlosen. Da können Sie Ingenieur sein oder Philosoph, da wünschen Sie sich aber ganz schnell in die Produktion!

Also Sie kaufen immer noch gerne ein hier? Das hören wir gern. Als Discounter ist man immer froh, wenn man vom Schmuddelimage wegkommt, auch wenn die Bundesagentur sich sicher Gedanken gemacht hat, warum sie gerade uns beauftragt hat mit der Einführungsphase. Doch, es ist eine Einführungsphase. Wer würde denn sofort übergehen zu Lebensmittelmarken?“





Missionarsstellung

2 11 2017

„Dann stimmt das also, dass die Kirche bei der Islamisierung mitmacht?“ „Haben Sie wieder Ihre Pillen nicht genommen?“ „Steht hier doch: der Papst klagt über zu wenig Kinder.“ „Das kann bei der Kirche ja auch ganz andere Gründe haben.“

„Aber wir sollen doch furchtbar…“ „Fruchtbar, das Wort ist: fruchtbar.“ „Egal, jedenfalls sollen wir uns im christlichen Abendland doch vermehren.“ „Gilt das auch für Protestanten?“ „Ich bin auch gegen diese rassefremden Invasoren, die haben doch keine andere Freizeitbeschäftigung, als die Herrenrasse durch den Geburtskanal zu…“ „Also gilt das nicht für Protestanten?“ „Sie können hier so viel protestieren, wie Sie wollen, aber deshalb muss doch der deutsche Export erhalten bleiben.“ „Gut, ich geb’s auf – Sie und der Papst werden in diesem Leben sicher keine Freunde mehr.“ „Das will ich dem aber auch geraten haben! Dieser Jesus, der soll ja damals in einer jüdischen Moschee beschnitten worden sein! Schweinerei!“

„Woran liegt das denn, dass sich die Deutschen nicht mehr vermehren?“ „Die kriegen kein Kindergeld mehr, wenn die Nordafrikaner hier einwandern.“ „Die sind doch ohne Kinder?“ „Aber die beantragen das, und dann wird das denen auch sofort ausgezahlt. Steht im Internet.“ „Und deshalb haben die Deutschen keine Kinder mehr.“ „Es kann natürlich auch daran liegen, dass die Kirche inzwischen heimlich Verhütungsmittel verkauft, um die Umvolkung voranzutreiben.“ „Das steht auch im Internet?“ „Könnte ja, aber die Politik würde das niemals zugeben.“

„Der Papst sagt doch selbst, dass die Menschen keine ausreichende wirtschaftliche Perspektive mehr haben.“ „Dann gucken Sie sich mal die ganzen Einwanderer an, die haben auch keine wirtschaftliche Perspektive, und trotzdem sind da lauter Kinder.“ „Dann müssen die ihre Kinder ja präventiv bekommen haben, bevor sie in die wirtschaftliche Unsicherheit in Europa gekommen sind.“ „Denen geht’s doch nicht wirtschaftlich unsicher, die kriegen doch alles nachgeschmissen in Deutschland!“ „Deswegen wollen Sie die auch wieder weghaben, stimmt’s?“ „Natürlich, aber das ist doch auch in deren Interesse. Die haben hier doch keine wirtschaftliche Perspektive!“

„Und dass die Deutschen nun keine Kinder mehr kriegen?“ „Wir machen die doch selbst!“ „Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheit?“ „Die wird bald abgeschafft.“ „Wann?“ „Wenn wir endlich wieder mehr Kinder haben, dann können die auch mehr arbeiten und zahlen mehr Steuern, und dann sind wir nicht mehr wirtschaftlich unsicher in unserem eigenen Land.“ „Hm.“ „Sie glauben das nicht? Dann sind Sie genau wie der Papst!“ „Macht der die Kinder?“ „Der glaubt das auch nicht und redet die ganze Zeit davon, dass wir kein Geld haben.“ „Also von der wirtschaftlichen Unsicherheit.“ „Genau. Und dass wir nur mehr Geld brauchen, dann gibt es auch wieder mehr Kinder, aber das ist total falsch.“ „Wieso?“ „Dann gucken Sie sich doch mal diese ganzen Ausländer an, die haben kein Geld, aber die machen trotzdem ständig Kinder.“ „Wie das denn?“ „Die wollen uns umvolken.“ „Ich dachte immer, das machen die Politiker?“ „Die Kirche auch!“ „Also handeln die Flüchtlinge, die größtenteils muslimisch sind, im Auftrag der Kirche?“ „Oder umgekehrt, wer weiß das schon?“

„Und wenn man einfach die Löhne anhebt?“ „Dann kommen doch noch mehr von denen!“ „Aber dann können sich auch mehr Deutsche eine Familie leisten.“ „Dann haben wir noch mehr Arbeitslose, weil die uns die Jobs wegnehmen, wenn sie alle nach Deutschland kommen.“ „Wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit?“ „Genau, sollen die doch lieber in Arabien arbeitslos sein. Dann bricht da auch kein Krieg aus und die müssen nicht immer nach Deutschland fliehen.“ „Jetzt habe ich das verstanden.“ „War doch damals bei Hitler genau so, alle waren arbeitslos, deshalb haben die einen Krieg geplant.“ „Die Deutschen?“ „Die Nazis. Also Hitler, aber die meisten wissen nicht, dass der aus Österreich kam.“ „Jetzt wird mir ja einiges klar.“ „Stellen Sie sich mal vor, der hätte für eine Umvolkung Ausländer nach Deutschland geholt – dann hätte er nie einen Krieg anfangen können.“ „Vielleicht brauchte er die ja gar nicht, weil er Osteuropa umvolken wollte?“ „Meinen Sie?“ „Man kann es nicht ausschließen.“ „Deshalb ging es dem Ostblock auch damals so schlecht. Die hatten ja gar keine wirtschaftliche Sicherheit.“ „Das könnte aber auch am Krieg gelegen haben.“ „Das glaube ich nicht, der Russe war doch daran beteiligt.“ „Und die haben deshalb so viele Kinder gekriegt, weil der Krieg…“ „Das verwechseln Sie jetzt. Außerdem hat das der Papst gar nicht gemeint, der ist doch für die Russen gar nicht zuständig.“ „Ah, das wusste ich nicht.“ „Der ist nur im Vatikan, und wahrscheinlich hat er jetzt nicht mehr genug Kinder für den Religionsunterricht.“ „Es ist aber auch verwirrend!“ „Der hat da ja eine Missionarsstellung, und die wirkt sich auf Russland gar nicht aus.“ „Auf Arabien auch nicht?“ „Da bin ich überfragt.“ „Auf jeden Fall wissen wir es jetzt, es liegt alles an der Wirtschaft.“ „Das war doch von Anfang an klar.“ „Wenn das nur jeder einsehen könnte…“