Nasser Abriss

5 08 2021

„Vor allem würde man so die Überflutungsgebiete einigermaßen schnell wegkriegen.“ „Allerdings ist das größtenteils außerhalb der Ballungsräume.“ „Dann muss man da auch nicht so viel umbauen.“ „Was ist denn jetzt los, plant Laschet schon wieder neue Küchenstudios?“ „Nee, Olympische Spiele.“

„Entschuldigen Sie mal, der Mann hat doch nicht mehr alle Rillen auf der Erbse!“ „Hat ja auch keiner behauptet.“ „Aber man kann doch nicht so einfach mal…“ „Wissen wir.“ „Eigentlich weiß es jeder, nur er hat’s noch nicht gerafft.“ „Und dass die Spiele in elf Jahren schon an Australien gegangen sind?“ „Das findet in einer Realität außerhalb seiner Birne statt.“ „Nur, weil eine rechtlich bindende Entscheidung getroffen wurde, ändert doch ein Laschet nicht seine Politik.“ „Es sei denn, irgendein Kohlekonzern dreht plötzlich den Arm in seiner Sprechpuppe um.“

„Er hatte doch für die Spiele versprochen, dass 90% der Veranstaltungsstätten bereits existieren?“ „Richtig, aber das heißt ja nicht, dass die auch in vollem Umfang funktionsfähig sind.“ „Das kurbelt ja sonst die Wirtschaft nicht an.“ „Wahrscheinlich wird Küchenbauen dann auch olympisch.“ „Und Motorsport mit Wasserstoffautos.“ „Jetzt bleiben Sie doch mal ernst, das ist doch alles gar nicht mehr planungsfähig.“ „Wissen wir.“ „Deshalb haben wir ja auch den Beratervertrag angenommen.“ „Vorher haben wir dem Bundesverkehrsministerium den größten Bullshit angedreht, den man im Vollsuff hinkriegt.“ „Aber jetzt müssen wir uns halt einen anderen Auftraggeber suchen.“ „Und deshalb wird dieses größenwahnsinnige Ding noch mal aus der Schublade geholt?“ „Realistisch kann ja jeder.“ „Und er hat auch dafür gesorgt, dass so gut wie jede Stadt in Nordrhein-Westfalen etwas vom großen Kuchen abkriegt.“ „Wobei wir das jetzt natürlich neu planen müssen.“

„Zeigen Sie mal her.“ „Das ist erstmal nur eine vorläufige Ideensammlung.“ „Vielleicht fallen uns noch ein paar bessere Vorschläge ein.“ „Skispringen in Erftstadt!?“ „Diese Abbruchkante muss man doch einfach nutzen.“ „Die ist natürlich gewachsen und muss nicht extra abgebaggert werden.“ „Und wir haben auch gleich die Integration von neuen Sportarten, falls wir bis dahin den Klimawandel nicht mehr in den Griff kriegen.“ „Dann kann man da das ganze Jahr über bei dreißig Grad im Schatten trainieren.“ „Das ist eine komplett kaputte Stadt, und Sie wollen da einen olympischen Wettbewerb abziehen?“ „In Fukushima haben die Japaner auch irgendwas gemacht.“ „Sollte in der Zwischenzeit in NRW ein Kohlekraftwerk in die Luft gehen, wären wir sofort dabei.“ „Zumindest kann man dann die Fläche optimal nutzen.“ „Eben, stehen wird danach garantiert nichts mehr.“ „Und Sie wollen die Schwimmwettbewerbe nach Wuppertal…“ „Das ist Geschichte, die Stadt ist ja fast wieder trocken.“ „Da kann man leider nichts mehr machen.“ „Im Bergischen Land ist vielleicht irgendwo noch etwas unterspült, da müsste man jetzt einfach bis zum nächsten Hochwasser warten und dann den Abfluss verstopfen.“ „Also quasi als natürliches Bauprojekt einer Wasseranlage.“ „Oder naturidentisch, wenn Sie so wollen.“ „Sie haben ja nicht mehr alle Tassen im Schrank!“ „Für den Beratervertrag war das die Grundvoraussetzung, wieso?“

„Wenn ich mir das so angucke: Fußball in Bochum, Tennis in Düsseldorf, Mountainbike in Recklinghausen…“ „Das war ja der alte Plan.“ „Die Sportstätten waren auch noch nicht nach aktuellen Sponsoren benannt.“ „Und RWE baut lieber neu.“ „Im Abbauen haben sie ja genug Erfahrung, jetzt wollen sie es mal mit Aufbauen probieren.“ „Sie können doch nicht eine ganze Region planieren, um sie mit Sportstätten zuzubauen.“ „Und warum nicht, wenn ich fragen darf?“ „Sie müssten doch ganze Städte einebnen.“ „Meine Güte, dass er Dörfer und Kirchen ausradiert und den ganzen Hambacher Forst wegbaggern lässt, das hat Laschet doch schon bewiesen.“ „Und da hatte er nicht einmal eine Rechtsgrundlage.“ „Wenn er das jetzt mit seinen Koalitionspartnern aus Handel und Industrie durchs Parlament bringt, dann steht doch den Olympischen Spielen nichts mehr im Weg.“ „Zumindest nichts, was sich nicht mit ein paar Hundertschaften Polizei und ausreichenden Mengen an Schmiergeld aus dem Weg schaffen ließe.“

„Und wie soll das mit dem heutigen Gebot zur Nachhaltigkeit zusammenpassen?“ „Indem wir die Ergebnisse möglichst langfristig anlegen.“ „Dann muss man hinterher ja auch nichts mehr abreißen.“ „Obwohl die Sponsoren das ja auch nicht unbedingt ungern sehen würden, aber Laschet kann sich auch nicht immer nach der Wirtschaft richten.“ „Da baut man einfach etwas strategisch gut in die Landschaft hinein und wartet einfach, bis die nächste Flutwelle kommt.“ „Nasser Abriss.“ „Nach spätestens vier Jahren haben die Deutschen das kapiert und werden diese Politiker zum Teufel jagen.“ „Deshalb sorgen wir im Land für Nachhaltigkeit durch Straßenbau.“ „Was man durch Bundesautobahnen nicht an Schwemmflächen wegkriegt, das zerstören wir halt mit überflüssigen sechsspurigen Schnellstraßen.“ „Damit mittelfristig Gleisanlagen unterspült werden und nicht mehr brauchbar sind.“ „Damit langfristig noch mehr Schnellstraßen gebaut werden können.“ „Damit wir das Freiwasserschwimmen irgendwann in Wuppertal abziehen können.“ „Soll noch einer sagen, wir seien nicht nachhaltig.“ „Bis auf Aachen, das muss trocken bleiben.“ „Wieso Aachen?“ „Da muss das Laschet-Denkmal hin.“ „Lebensgroß.“ „Immerhin der erste Kanzler, der mit Betonschuhen im Duisburger Hafens steht.“





Alarmstufe Tot

26 07 2021

„… bewusst keine Sirenensignale ausgelöst habe, obwohl die betroffenen Orte zu den am meisten gefährdeten in NRW gehört hätten. Die Bürger seien so den herannahenden Fluten so gut wie schutzlos ausgeliefert gewesen und hätten keine Zeit mehr gehabt, sich mit ihrem…“

„… fordere Laschet von der nordrhein-westfälischen Landesregierung, sofort sämtliche Gemeinden mit akustischen Warnanlagen auszustatten, die bei der hoffentlich bald auftretenden Folgekatastrophe ein positives Bild von der Innovationsbereitschaft der CDU in…“

„… müsse man in Deutschland zu alternativen Techniken greifen, die außerdem kostenneutral seien und die Ruhe der Besserverdienenden nicht stören würden. Lindner vertraue darauf, dass eine lautlose Sirene entwickelt werde, die nur von denen gehört werden könne, die sich freiwillig und ohne finanzielle Belastungen für Spitzenverdiener in…“

„… wie zu erwarten nicht der Wahrheit entspreche. Die betroffenen Ortschaften seien flächendeckend mit Alarmsirenen ausgestattet, oft habe man diese nach den misslungenen Aktionen in 2020 sogar durch neue Geräte ersetzt, die jetzt nur nicht ausgelöst worden seien, um die…“

„… dass es zu komplexen wissenschaftlichen Wechselwirkungen komme. Laschet fürchte, dass es bei hohen Schalldruckpegeln in Kombination mit Wasser die Gefahr dauerhafter geistiger Schäden gebe. Er selbst habe durch exzessives Singen unter der Dusche bereits eine…“

„… habe die Politik richtig gehandelt. Reul sei in der fraglichen Nacht davon ausgegangen, dass die Sirenen einen Teil der von der Flut in Gefahr gebrachten Bürger verunsichern würden, daher habe es keine weiteren…“

„… die letztjährige Alarmübung die Menschen bereits so frustriert habe, dass der noch nicht tagende Krisenstab davon habe ausgehen müssen, dass bei einem Sirenensignal gar nicht erst eine Reaktion erfolgt wäre. Angesichts dieser Gefahr für Leib, Leben und die politische Karriere führender CDU-Mitglieder habe man keine Möglichkeit gesehen, einen besseren…“

„… hätte Reul damit rechnen müssen, dass die Notrufe im ganzen Land zusammenbrechen würden, da die meisten Telefonverbindungen gar nicht mehr funktionsfähig gewesen seien. Er müsse den geschädigten Bürgern die Schuld an der Lage geben, da diese die Leitstellen angerufen hätten, obwohl ihnen hätte bewusst sein müssen, dass sie dort überhaupt keine…“

„… es eine Flutwarnung durch den Deutschen Wetterdienst gegeben habe. Nachdem dieser aber nicht in der Bevölkerung angekommen sei, habe man keinen Katastrophenalarm, der von vielen nicht in den richtigen Zusammenhang mit…“

„… sei Nordrhein-Westfalen wegen des klaren Fehlverhaltens seiner Bürger nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Da die Sirenen nicht geheult hätten, seien die Einsatzkräfte nicht über das Flutgeschehen informiert gewesen und hätten bei einer Benachrichtigung zu lange Anfahrtswege gehabt, wenn die Bürger informiert gewesen wären, weil die Sirenen geheult hätten. Wäre es in dieser Nacht tatsächlich zu Katastrophen gekommen, dann hätten die Einsatzkräfte an diesen Orten gefehlt, was eine schwere Schuld für die Bürger bedeutet hätte, die durch unbedachte Anrufe bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten die…“

„… dass die Feuerwehr gar nicht zuständig gewesen sei und deshalb nicht ausreichend Personal vorgehalten habe, um die Anrufe der Bürger nach einem Sirenensignal zu beantworten. Das bewusste Nichtsignal, so Laschet, habe daher dem besseren Schutz der Bevölkerung vor einem…“

„… nach dem Urteil des Verfassungsgerichts in NRW Sirenen eine akute Gefahr für Leib und Leben der Bewohner des Bundeslandes anzuzeigen hätten. Angesichts der Politik der amtierenden Regierung könne dies nur durch ein tägliches 24-Stunden-Geheul in der Alarmstufe Tot angemessen in den…“

„… auf Empfehlung von Reul die Bevölkerung nicht zu warnen, damit diese bei einer ganz natürlich entstandenen Naturkatastrophe viel natürlicher reagiere und sich instinktiv mit den richtigen Maßnahmen gegen die…“

„… sich Laschet besonders für die Bedürfnisse gehörloser Wählerinnen und Wähler einsetze. Bei einem akustischen Alarm würden diese aufgrund ihrer Behinderung benachteiligt, was für ihn als christlichen Politiker nicht hinnehmbar sei. Er habe daher die Aussetzung der Sirenen gefordert, um nicht wichtige Stimmen bei der Wahl zum…“

„… bisher üblich gewesen sei, bei einem Sirenensignal das Radio einzuschalten. Angesichts der vielen Rundfunksender, unter denen es auch linksterroristische Staatsfeinde wie den WDR gebe, könne man so keine Sicherheit mehr für die…“

„… in einzelnen Ortschaften ausgelöst worden seien, obwohl das Innenministerium dazu keinen Befehl gegeben habe. In diesen Kommunen sei es durch die schnelle Evakuierung vor den Fluten zu keinen Todesfällen gekommen. Reul werte dies als Zeichen vorsätzlicher Insubordination und werde alle rechtlichen Möglichkeiten für eine schwere…“

„… dass Laschet angesichts der zu erwartenden Anrufe beschlossen habe, mit einer Dezimierung der Bevölkerung durch Ertrinken die Belastung für die Feuerwehr zu minimieren. Er werde als der nächste Bundeskanzler eine Regierung wie in NRW anstreben und durch Auslöschen aller Deutschen die Wirtschaft in eine sehr viel bessere…“





Kalte Küche

19 07 2021

„… zwar für eine Beschleunigung der Maßnahmen im Klimaschutz sei, aber den Wohlstand der Automobilindustrie nicht gefährden wolle. Laschet lehne das EU-Verbot von Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotor ab und werde daher die…“

„… nicht für die Bundesrepublik Deutschland sprechen könne. Der für Fall eines Wahlsieges angekündigte Austritt aus der Europäischen Union sei ohne die Zustimmung der Bevölkerung nicht…“

„… ein menschenwürdiges Leben ohne einen benzinbetriebenen Sportwagen nicht mehr möglich sei. Lindner halte die Entscheidung für sehr viel unmoralischer als den Atombombenabwurf über Hiroshima und die ungerechte Behandlung Hitlers durch die sozialistische Propaganda der…“

„… dass das Land Nordrhein-Westfalen mit sofortiger Wirkung aus der BRD austrete und als souveräner Staat außerhalb der EU existiere. Als Staatsoberhaupt werde sich Präsident Laschet vom kommissarischen Staatsrat, dem allein er angehöre, ins Amt wählen und zugleich auf Lebenszeit…“

„… der Absatz der Küchenhersteller sofort auf 0% gesunken sei, da sämtliche Werkstoffe aus dem EU-Ausland importiert werden müssten. Laut Staatsregierung sei dies nicht gravierend, da Laschet in seiner Funktion als Wirtschaftsminister die Prognose herausgegeben habe, dass der Verkauf von Einbauküchen im eigenen Land sich um bis zu 100% in einem…“

„… die Abwanderung der Wirtschaftsbetriebe aus NRW in einem erschreckenden Maß zunehme. Auch die Ausreise der Arbeitnehmer vorwiegend in die westdeutschen Bundesländer verdoppele sich beinahe täglich. Innenminister Laschet habe vor Journalisten von BILD erklärt, von exponentiellem Wachstum spreche er erst, wenn mehr Einwohner in seinem Staat fehlen würden, als es vorher auf dem Gebiet des heutigen…“

„… die Versorgung mit Lebensmitteln ein kritisches Niveau annehme. Die von der EU zuvor angekündigten Zölle seien schuld, dass Lieferungen nach Nordrhein-Westfalen auf den immer noch kaum befahrbaren Straßen nur langsam und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen…“

„… dem Tagebau der Strom zum Abpumpen der voll gelaufenen Gruben fehle, der zu kurzfristigen Ausfällen von Kohlelieferungen zur Verstromung in den Kraftwerken führe, so dass die Versorgung mit Elektrizität höchstens auf zwölf Stunden geplant werden könne. Energieminister Laschet habe dem energisch widersprochen und klargestellt, dass es für mindestens zwölf Stunden und zehn Minuten Strom gebe, in seinem Privathaus sogar für drei bis vier…“

„… eine Einigung mit der Bundesrepublik unter Merkel nicht zu erzielen sei. Die von Innenminister Laschet als Klimaflüchtlinge bezeichneten Bürger, die noch immer in großer Zahl nach Hessen und Rheinland-Pfalz auswandern würden, seien in den Augen von Innenminister Seehofer politische Flüchtlinge, die man schon wegen ihrer deutschen Staatsbürgerschaft nicht einfach wieder in ihr Herkunftsland abschieben dürfe. Damit sei der politische Plan gescheitert, aus NRW ein Land des innovativen…“

„… sei die Wirtschaft komplett gegen die Pläne von Finanzminister Laschet, das von Flutschäden beschädigte Straßen- und Schienennetz bis auf Weiteres in seinem jetzigen Zustand zu belassen. Entwicklungsminister Laschet habe im Absprache mit dem Wirtschaftsminister jedoch betont, dass Nordrhein-Westfalen als Land der Binnenschiffer auch wichtige Innovationsbranchen wie den Küchenbau und die Flugtaxiherstellung mit neuartigen Methoden bis 2045 wieder…“

„… rufe der Ernährungsminister das Volk auf, importierte Ware wie Kartoffeln oder Margarine zu boykottieren und stattdessen heimische Produkte wie Tiefkühlpizza oder Spaghetti zu verzehren. Es gebe eine nordrhein-westfälische Leitkultur, die gegen die Einflüsse des Auslands verteidigt werden müsse, um die nationale Identität wieder zu…“

„… könne es keine Steuersenkungen geben, da die Schulden, die auf der Flutkatastrophe beruhen würden, dies nicht zuließen. Eine Ausnahme werde Finanzminister Laschet allerdings bei Haushalten machen, deren Einkommen oberhalb der…“

„… seien aus den Niederlanden zollpflichtig importierte Kroketten ab sofort verboten. Es werde auf Justizminister Laschets Anweisung, dass die Bevölkerung mit den Folgen der Befreiung vom europäischen Terrorregime zu leben lernen müssten, eine nachhaltig sich zur kalten Küche bekennende Generation von…“

„… sei der Betrieb von Verbrennern auf den Straßen im Staatsgebiet ohnehin nicht mehr möglich, da der letzte Kraftstoff vor drei Wochen verbraucht worden sei. Die Gewinnung von grünem Wasserstoff aus verstromter Kohle werde laut Präsidialratsminister Lindner noch innerhalb der Lebenszeit der jetzt geborenen Bürger von…“

„… auch niemand die Absicht gehabt habe, eine Mauer zu errichten. Der von Verteidigungsminister Laschet um die nordrhein-westfälische Staatsgrenze gezogene antisozialistischer Schutzwall solle die weitere Flucht des Hauspersonals im Palast des Präsidenten sowie ein Überlaufen von…“

„… und den Staatsbankrott mit dem Gesetz zur Anpassung an die Folgen der Staatsgründung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zu Last lege. Mit der Umbenennung des neuen Staates in Groß-Arminien werde man auch diese Verbindung mit dem Land der Küchenbauer in die Geschichte verweisen und auf ein innovatives…“





Kleine Anfrage

14 12 2020

„Der Herr Ministerpräsident unterstützt alle Anregungen aus der Wissenschaft, zumindest die, die ihn selbst unterstützen. Ja, das dürfen Sie so schreiben, wenn Sie den Artikel bis, warten Sie mal, Mittwoch veröffentlichen. Danach müssen wir die aktuellen Entwicklungen in dieser Katastrophe abwarten.

Natürlich Katastrophe. Laschet als Pandemie zu beteichnen, so weit kommt’s noch. Da überschätzen Sie seine Möglichkeiten nun doch ein wenig, und das kann er schon ganz gut alleine. Er ist ein sehr flexibler Politiker, der seine Wirklichkeit immer schnell und unbürokratisch an das anpasst, was er gerade als seine Meinung ansieht – und nein, das ist eben nicht genau umgekehrt, das macht er wirklich so. Sie sehen ja, dass er dadurch enorm authentisch wirkt. Seiner Meinung nach.

Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland, welches Anliegen haben Sie? Ist uns nicht bekannt, aber das hat die AfD vor vier Monaten schon gesagt, da war es noch ganz richtig, jetzt wollen sie das absolute Gegenteil, also muss es komplett falsch sein, und Herr Laschet hat gerade das Gegenteil vom Gegenteil – ja, ich weiß, aber lassen Sie mich den Satz erst zu Ende bringen, danach ist der Rest von Deutschland dran – und das Gegenteil war aber schon vor drei Monaten bei ihm falsch, weshalb er jetzt nämlich das Gegenteil vom Gegenteil vom Gegenteil fordert. Wie vor sechs oder sieben Monaten, das wissen wir nicht mehr so genau. Aber von einer gemeinsamen Absprache mit anderen demokratiefeindlichen Parteien kann keine Rede sein. Der Herr Ministerpräsident erledigt seine Geschäfte immer ganz alleine.

Dazu stehen wir jetzt auch in engem Kontakt mit mehreren Wissenschaftsorganisationen. Da sich Laschet nicht von irgendwelchen Wissenschaftlern vorschreiben lässt, was er Wissenschaftlern erklären soll, lässt er sich von Wissenschaftlern erklären, was er Wissenschaftlern vorschreibt. Das ist eine sehr kluge Haltung, und das findet Laschet auch. Er kann sich das wahrscheinlich sogar erklären. Dieser Lockdown vor Weihnachten war nämlich eigentlich seine Idee, er hatte es nur nicht so kommuniziert. Es wurde ja auch schon mehrfach angemerkt, dass die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Politik nicht vernünftig funktioniert hat. Das hat die Politik auch schon festgestellt, und deshalb wird die ja wohl kaum selbst schuld sein daran. Wir können als Politik immer nur das umsetzen, was uns von den Wissenschaftlern vorgegeben wird, und wenn die Wissenschaft bei ihren Vorschlägen die Wünsche der Politik nicht berücksichtig, ist das dann etwa unsere Schuld?

Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland, welches Anliegen haben Sie? Ah, die Bildungsministerin. Sie ist ja nicht explizit für die Wissenschaft zuständig, deshalb kann sie auch nicht in Entscheidungen des Herrn Ministerpräsidenten eingreifen, Erkenntnisse der Wissenschaft als Basis seiner Entscheidungen zu nehmen, um dadurch seine Entscheidungen für etwaige Erkenntnisse der Wissenschaft… – Rufen Sie einfach später noch mal an, in diesem Ressort ist jetzt niemand mehr in vernehmungsfähigem Zustand.

Den klugen Landesvater, der später einmal der zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland werden wird, zeichnet seine hervorragende Personalwahl aus. Er hat das jahrelang in Berlin beobachtet, dass die geistig nicht ganz so gesegneten Mitarbeiter knapp unterhalb der eigenen Position ein sehr gutes Signal sind: man kann auch wenig Intelligenz mit anderen Qualitäten ausgleichen, wenn man nicht bis an die Spitze kommen will. Jetzt messen wir diese Intelligenz im Abstand zum Ministerpräsidenten, die Ergebnisse sind dementsprechend. Man sollte die Bürger nicht für dumm verkaufen, dafür eignen sich die eigenen Mitarbeiter meistens viel besser, da man für die auch mehr bekommt.

Wenn jetzt die Wissenschaft Maßnahmen gegen die Pandemie empfiehlt, die so nicht mit Laschet abgesprochen sind, weil Laschet sich nicht von den Wissenschaftlern vorschreiben lassen will, wann er sich mit ihnen abzusprechen hat, dann ist in erster Linie sein Personal gefragt. Deren Fehlleistungen werden ja nicht von ihm getätigt, und deshalb muss auch nicht er zurücktreten, wenn Mist rauskommt.

Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland, welches Anliegen haben Sie? Harter Lockdown ab dem 14. Dezember? Das hat der Herr Ministerpräsident nie gefordert, das ist eine bloße Unterstellung der Medien, die sich ausschließlich auf Wissenschaftler berufen, die vorher nicht bei… – Ich bekomme gerade noch eine Verfügung rein, es handelt sich doch um eine richtige Aussage, die die Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland so gemacht hat, aber das war erst auch erst heute, und wir wussten nicht, ob das, was der Herr Ministerpräsident heute gesagt hat, auch heute noch gilt oder erst wieder gestern, weil dann das richtig ist, was er morgen gesagt hat. Nein, ich bin nicht besoffen. Ich bin ja kein Ministerpräsident.

Als zukünftiger Kanzler muss man auch mal Härte zeigen. Wenn es zum Beispiel nach Ansicht der Schulministerin keine Schulschließungen geben darf, obwohl man selbst als Ministerpräsident der Wissenschaft befohlen hat, genau das dem Ministerpräsidenten zu befehlen, dann muss einer den Kopf dafür hinhalten. Und da kommen Sie ins Spiel. Der hier, Dings… Verbraucher ist nicht das richtige Wort, irgendwas anderes. Nicht Wähler. Die Bürger, genau. Die Bürger. Dazu sind die ja da.“





Der Cherusker

3 12 2020

05:30 – Der Radiowecker piepst. Der Landesvater von Nordrhein-Westfalen lässt sich nicht von einem Radiowecker sagen, wann er aufzustehen hat, und steht auf.

05:32 – Laschet dreht an diversen Knöpfen in der Einbauküche. Der Herd lässt sich einfach nicht entzünden, obwohl sich der Ministerpräsident mit Entzündungsherden sehr gut auskennt. Gut, dann eben wie an allen anderen Tagen auch kalter Kaffee.

05:42 – Der CDU-Politiker ärgert sich wieder einmal unter der Dusche, weil er nicht zwei Regler gleichzeitig drehen kann, wenn er mit einer Hand den Duschkopf hält. Im nächsten Jahr wird er ein neues Konzept für Duscharmaturen fordern.

05:55 – Der Aachener steht grübelnd vor dem Kleiderschrank. Einerseits passt der von einer großen Einzelhandelskette zur Verfügung gestellte Anzug nicht zur Farbe seiner Gesichtsmaske, andererseits beißt sich die Krawatte mit dem Logo eines Autohauses auf dem Kragenspiegel. Wie soll man so für die Gesellschaft des größten deutschen Bundeslandes zukunftsorientierte Politik machen?

06:03 – Der nächste Unionsvorsitzende entnimmt dem Kühlschrank ein Päckchen Jagdwurst, das ihm am Vortag als Präsent ins Büro geliefert worden war. Das Fleischerzeugnis ist erwartungsgemäß von ganz exquisiter Qualität, denn es wurde nicht in Nordrhein-Westfalen hergestellt.

06:11 – Das zweite Wurstbrot packt Laschet ein und legt es in seinen Aktenkoffer. Dann zieht er sich rasch einen Mantel über und verlässt die Wohnung. Der Dienstwagen erwartet ihn bereits. Der Fahrer wurde bereits angewiesen, den Ministerpräsidenten mit ‚Herr Bundeskanzler‘ anzureden, damit er sich daran gewöhnen kann. Also Laschet.

06:45 – Kurz vor der Fahrt über die Rheinkniebrücke fällt dem MP auf, dass er alle Unterlagen für einen Pressetermin auf dem Schreibtisch im häuslichen Arbeitszimmer hat liegen lassen. Es geht um Skiurlaub im Sauerland. Er kritzelt rasch eine Notiz auf einen Aktendeckel: die Skilift-Betreiber sollen ihm eine Stellungnahme zufaxen, die er für sie verlesen kann.

06:48 – Laschet googelt noch schnell, wo dieses Sauerland liegt.

07:02 – Auf dem Weg in sein Büro im Landtag von Nordrhein-Westfalen wird der Ministerpräsident von mehreren Personen mit ‚Herr Ministerpräsident‘ angesprochen. Er ist nachhaltig verärgert und denkt sich, dass Wirtschaft und Gesellschaft noch ein weiteres Jahr wie dieses nicht durchhalten werden. Er muss damit aufhören, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen zu sein.

07:14 – Kurzes Telefonat mit seinem Sohn: Laschet bekommt im Laufe des Tages mehrere Container mit Schutzmasken geliefert. Versehentlich wurde die Menge der Masken verdoppelt, auch der Preis liegt um 30% über dem vertraglich vereinbarten. Hektisch sucht der Landeschef in seinen Unterlagen nach einem geeigneten Plan, um sich im Stil von Söder mit ein paar Millionen Masken fotografieren lassen zu können.

07:28 – Der Kaffeeautomat im Landtag funktioniert nicht ordnungsgemäß. Der automatische Auswurf der Kunststofftrinkbecher klemmt. Laschet fordert sofortige Lockerungen.

07:55 – Das ARD-Morgenmagazin fragt an, ob der zukünftige CDU-Vorsitzende sich einem Duell mit Friedrich Merz stellen würde. Laschet sagt sofort zu unter der Bedingung, dass das Sauerland keine Rolle in der Diskussion spielen dürfe. Stattdessen wolle er über Skigebiete in Nordrhein-Westfalen und die Zukunft der regionalen Wirtschaft befragt werden.

08:13 – Die Masken wurden nach Neuss geliefert und in einem Logistikzentrum auf mehrere Posten für einzelne Klinikkonzerne verteilt. Leider ist die Location wenig fototauglich, dazu würde ein rein zufälliger Besuch von Laschet auf der linken Rheinseite viel Aufsehen erregen. Die CDU-Landtagsfraktion soll eine Lösung finden.

08:26 – In NRW werden vier neue Chats bekannt, in denen insgesamt dreihundertzehn Polizisten eine Anschlagsserie gegen Synagogen im Bundesgebiet planen. Der katholische Teiljurist empfindet dies als Diffamierung der christlichen Religion und kündigt den jüdischen Gemeinden ein Weihnachtsfest an, das sie so schnell nicht vergessen werden.

08:40 – Die Düsseldorfer Fußballarena gibt bekannt, dass das Impfzentrum noch zwei Tage bis zur Inbetriebnahme durch das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt und die Feuerwehr braucht. Auf Nachfrage bestätigt die Sprecherin jedoch, dass man für einen Fototermin mit Gesundheitsminister Spahn den Betrieb bereits simulieren könne. Laschet ist einverstanden. Mehr als simulieren kann er sowieso nicht.

09:00 – Die Infektionszahlen des Robert-Koch-Institutes treffen ein. Mehrere neue Hotspots in Nordrhein-Westfalen lassen den Schluss zu, dass der Präsenzunterricht in den Regelschulen auch viele Kinder zu Überträgern des Virus gemacht hat. Laschet zeigt sich zuversichtlich, dass das mit einer neuen Studie eines befreundeten Virologen alles in Ordnung kommen wird.

09:11 – Laschet lässt sich für seinen Auftritt in die Staatskanzlei fahren. Auf dem Weg verzehrt er sein Wurstbrot. Nebenbei telefoniert er mit einem der durch die Corona-Krise schwer angeschlagenen Fabrikanten, der für seinen Fleischzerlegebetrieb keine Subsubsubsubsubunternehmer mehr findet. Der Landesvater verspricht eine Gesetzesänderung auf Bundesebene, sobald er Kanzler geworden ist.

09:28 – Der Ministerpräsident tritt vor die Presse und verkündet, dass er einen normalen Betrieb von Skiliften und anderen touristischen Einrichtungen in Österreich und Frankreich derzeit nicht für sinnvoll hält, da die Infektionsgefahr insbesondere für Reisende aus dem Ausland viel zu hoch ist und zu unkontrollierter Ausbreitung des Virus führt. Da es sich bei den Besuchern der Skigebiete im NRW aber um ausländische Ausländer handelt, die für Deutschland keine zusätzlichen Risiken nach ihrer Abreise darstellen, plädiert er für eine sofortige Öffnung aller Pisten, die für das Sauerland als wichtigstes Wintersportgebiet der Bundesrepublik unerlässlich sei.

09:56 – Auf der Fahrt zur CDU-Landtagsfraktion hört der NRW-Kabinettschef im Radio eine Stellungnahme des RKI zu seinen Ausführungen in der Frage der Schulöffnungen. Laschet ist sehr verärgert, dass die Frage der Kinderbetreuung zur Sicherung eines ungestörten Arbeitseinsatzes der betreffenden Eltern nicht einmal angerissen wurde. Er lässt sich seine Wirtschaftspolitik nicht von irgendwelchen Virologen diktieren und verweist auf die vielen Lehrkräfte, die ihm täglich begeisterte Briefe schreiben würden, wenn sie dazu Zeit hätten.

10:43 – Der Führungszirkel der Fraktion ist ratlos. Es steht für alle außer Frage, dass der nächste Kanzlerkandidat der Union aus NRW stammen muss, die meisten sind sich aber sicher, dass das auf den künftigen Bundeskanzler ganz sichern nicht zutreffen wird. Offenbar hat es Laschet gegenüber noch keiner so deutlich geäußert. Er ist nur sehr überrascht über die Armin-Laschet-Poster, die in Wechselrahmen an den Wänden des Konferenzsaals hängen.

11:02 – Die Fußballarena bestätigt den Termin, mit etwas Glück wird auch Spahn für ein gemeinsames Foto anwesend sein. Das WDR-Studio Düsseldorf fragt an, ob ein kurzer Filmbericht mit einem anschließenden Statement in der Düsseldorfer Ausgabe der Lokalzeit möglich ist. Der Ministerpräsident sagt sofort zu.

11:28 – Vorgezogene Mittagspause. Das Wurstbrot ist schon weg, also lässt sich Laschet bei einem Grillimbiss unter dem Rheinturm eine Bratwurst reichen. Das Objekt ist erheblich angebrannt und sieht nicht mehr verzehrtauglich aus. Er besteht allerdings darauf, diese Wurst vor den Augen des Imbissbesitzers zu essen und fügt hinzu, dass er als Kanzlerkandidat alles für die Kohleförderung in Nordrhein-Westfalen unternehmen wird.

11:46 – Die Vorwürfe aus der SPD-Fraktion werden lauter. Vereinzelte Abgeordnete bezeichnen den ersten Beamten des Bundeslandes als schäbig und unanständig. Laschet weist in einem Telefonat mit seinem Rechtsanwalt darauf hin, dass er für die von NRW gekauften Masken kein Geld erhalten habe. Die Provision sei ausschließlich an seinen Sohn Joe geflossen und werde in Übereinstimmung mit den diesbezüglichen Vorschriften der Union auf den Cayman-Inseln landen, wo sie leider nicht von den bundesdeutschen Steuerbehörden gefunden werden kann.

12:09 – Das Telefonat wurde nicht durchgestellt, Angela Merkel ruft direkt in der Staatskanzlei an. Laschet springt aus seinem Drehsessel und hört schwitzend die Ansage der Bundeskanzlerin. Er versucht mehrmals, sie zu unterbrechen, stellt jedoch fest, dass sie offenbar gar nicht vorhat, ihn zu Wort kommen zu lassen. Besonders verängstigt ihn ihre Drohung, beim geplanten Parteitag noch einmal als CDU-Vorsitzende zu kandidieren und sich vom Gastredner Söder als alternativlos für die erneute Kanzlerschaft bezeichnen zu lassen. Sie legt einfach auf.

12:24 – Der Ministerpräsident hat sich schnell eine frische Hose angezogen. Der Bürostuhl wird in den kommenden Tagen gesäubert.

12:53 – Die WDR-Journalisten möchten vorab wissen, ob Laschet beim Interviews am Nachmittag eine Aussage zur Maskenaffäre tätigen will. Er verweist darauf, dass sein Sohn als Influencer die Corona-Artikel im Internet gekauft habe, um ein Modellprojekt für digitalen Infektionsschutz zu starten. Da es ihm gelungen sei, die Meinung und das Kaufverhalten eines der wichtigsten und besten Politikers in der EU zu beeinflussen, könne man das Experiment als gelungen betrachten.

12:58 – Der neue Standort der Maskenlieferung trifft ein. Der Ministerpräsident händigt seinem Fahrer das Fax aus und sucht in seiner Manteltasche nach einer Maske. Er findet keine. Egal, vor Ort werden sehr, sehr viele auf ihn warten.

13:39 – Es ist kalt in der Lagerhalle in Flingern-Süd. Bedauerlicherweise ist nur eine Euro-Palette zu sehen, auf der sich ein paar hundert neutral verpackte Kartons befinden. Laut Aufschrift handelt es sich um Fleischwaren aus einem Betrieb mit vorwiegend rumänischen Leiharbeitern. Laschet droht den gerade eintreffenden Fotografen mit einer Klage, wenn sie ihn vor den Mettwurstkartons aufnehmen.

14:35 – In einem gemeinsamen Statement wenden sich über dreitausend Lehrerinnen und Lehrer an den Ministerpräsidenten. Sie stellen klar, dass sie die derzeitige Unterrichtssituation für vollkommen kontraproduktiv und infektionshygienisch extrem gefährlich halten. Außerdem erneuern sie eine schon mehrmals gestellte Forderung, die digitalen Unterrichtsmöglichkeiten an den Schulen des Landes umgehend auszuweiten. Laschet schmeißt das Fax verärgert in den Papierkorb. Er wird sich bestimmt nicht von Pädagogen erklären lassen, wie der Schulbetrieb abzulaufen hat.

14:58 – Der designierte CDU-Chef hat seinen Kugelschreiber in der Landtagsfraktion liegen lassen. Grußlos geht er in den Konferenzsaal, wo Hilfskräfte gerade hektisch die Wechselrahmen mit Friedrich-Merz-Fotos bestücken. Neben dem Schreibgerät befindet sich auch seine Ersatzmaske, die er sonst immer in der Manteltasche mit sich führt. Laschet wertet dies als Gedächtnislücke und damit weiteren Grund seiner Kanzlertauglichkeit.

15:22 – Kurzer Zwischenstopp in der Staatskanzlei. Der Ministerpräsident bricht auf zum Ortstermin im neuen Impfzentrum. Aus Zeitgründen muss er ein Telefoninterview mit einem Boulevardblatt aus dem Springer-Konzern im Auto führen. Es geht um die angebliche Abstammung Laschets aus einem cheruskischen Adelsgeschlecht, die er jedoch als nicht erwiesen ansieht. Er möchte lieber, dass die Schlagzeile auf seine direkte Abkunft von Karl dem Großen Bezug nimmt.

15:46 – Während die gepanzerte Limousine durch Pempelfort rollt, öffnet Laschet seinen Aktenkoffer und entnimmt ihm eine Packung hochfeine Salami. Die Wurstscheiben haben einen angenehm fettigen Geschmack mit leicht ranziger Kopfnote. Leider greift er gedankenverloren nach seiner Ersatzmaske in der Manteltasche, um sich die Finger zu säubern.

16:03 – Laschet trifft in der Fußballarena ein und wird von einem Mitarbeiter des Gesundheitsamtes begrüßt. Leider ist Bundesminister Spahn noch nicht eingetroffen, was aber dem künftigen Kanzler sehr gut gefällt. Zumindest ist er im Moment der ranghöchste Politiker und wird auf jedem Foto zu sehen sein. Jedoch hat niemand einen Fotografen bestellt, so dass Laschet sich die Ausführungen der Mitarbeiter alleine anhören muss.

16:32 – Gesundheitsminister Spahn betritt den Fußballplatz. Er weist den Ministerpräsidenten auf die allgemeine Maskenpflicht hin und fordert ihn auf, umgehend Mundschutz anzulegen. Andernfalls droht er damit, sich nicht mit ihm ablichten zu lassen und gegebenenfalls auf ein gemeinsames Interview mit dem WDR zu verzichten.

16:45 – Die Maske mit den Fettflecken droht die Nase des CDU-Granden auf den Fotos unangenehm glänzen zu lassen. Er schiebt sich das Gewebe mit vorsichtigen Fingern unters Kinn, bevor er den Journalisten Bilder erlaubt. Spahn hat sich bereits verabschiedet. Er hat Besseres zu tun.

16:50 – Die WDR-Mitarbeiter haben ein tragbares Pult und ein paar Scheinwerfer aufgebaut, um den Ministerpräsidenten für die Abendsendung zu interviewen. Die Visagistin braucht ungewöhnlich lange, um seine fettglänzende Nase abzudecken. In einem kurzen Statement verkündet Laschet, dass er parallel zum Impfbetrieb in anderen Stadien in Nordrhein-Westfalens wieder Sportveranstaltungen erlauben wird, da Bewegung an der frischen Luft gesund ist und das Immunsystem stärkt. Je größer das Stadion ist, desto mehr Personen können seiner Ansicht nach davon profitieren. Auch Skisport im Rheinstadion ist für ihr eine tolle Option, die die Wirtschaft sehr nachhaltig stärken wird. Dass die Journalistin vom Augenrollen fast bewusstlos wird, wertet er als Zeichen seiner Ausstrahlung als zukünftiger Regierungschef Deutschlands.

18:03 – Auf der Rückfahrt in die Staatskanzlei erreicht Laschet ein Telefonat mit unterdrückter Rufnummer. Da er die Auseinandersetzung mit kritischen Journalisten scheut und nicht nochmals über die aktuellen Fallzahlen des RKI reden will, schreit er den Anrufer an. Er bedroht den Schreiber damit, dass er seinen Sohn vorbeischickt, wenn er weiterhin gestört wird.

18:50 – Nach einem kurzen Umweg über die Landtagsfraktion, wo eine weitere Ersatzhose für den großartigsten Kanzler seit Bismarck besorgt wird, kann sich Laschet in seinem Arbeitszimmer in der Staatskanzlei zurückziehen. Die Rücksitze des Dienstfahrzeugs dürften innerhalb weniger Tage wieder benutzbar sein.

19:22 – Für die Lokalzeit soll ein weiterer O-Ton aufgezeichnet werden. Laschet gibt unumwunden zu, dass er sich wie viele andere Länderchefs auch viel zu optimistisch über die Wirkungen des lockeren Lockdowns geäußert hat und nun erschrocken ist über die hohen Fallzahlen. Da man bei den vielen Infektionen allerdings nie wissen kann, wo sie stattgefunden haben, möchte er am liebsten so schnell wie möglich eine totale Lockerung in allen Bereichen durchsetzen, um aus dem Gesamtergebnis der Todesfälle die verlässliche Rückverfolgung der Infektionsketten zu erstellen. Im Hintergrund des Beitrags ist ein deutliches Augenrollgeräusch zu vernehmen.

20:04 – Ein Ersatzwagen war so schnell nicht zu beschaffen, daher muss der Ministerpräsident auf einer Plastikfolie sitzen. Er diktiert noch schnell das Interview mit dem Springer-Blatt, das er am nächsten Tag vom Chefredakteur freigeben lassen will. Darin zeigt er sich überzeugt, dass es im kommenden Jahr einen sachlichen Wahlkampf geben wird, in dem er als der einzige Kandidat mit überdurchschnittlich guten Umfragewerten wegen seiner historisch einzigartigen Kompetenzen alle anderen Politiker in ihre Schranken verweisen wird.

21:09 – Armin Laschet ist vor seiner Wohnung angekommen und sucht den Schlüssel in seiner Manteltasche. Leider befindet sich dort nur eine stark mit Wurstfett verschmierte Gesichtsmaske. Zum Glück hat der Fahrer im Handschuhfach stets einen Ersatzschlüssel, da diese Situation im Schnitt zweimal im Monat vorkommt. Der große CDU-Leader zieht sich zurück.

21:12 – Auf dem Anrufbeantworter fragt ein zufällig aus Medien und Gerichtsakten bekannter Fleischmogul nach, ob Laschet ‚über die Festtage seine verkackte Fettfresse vorbeischwingt‘. Leider sind seine Freizeitaktivitäten schon so verplant, dass es für ihn das härteste Weihnachtsfest der Nachkriegszeit wird.

22:01 – Nach einer weiteren Packung Trüffelsalami (MHD 01.01.2003) erbricht sich der Superkanzler brüllend in seine noch immer nicht neu konzipierte Duschtasse. Er ruft noch kurz eine Sprachnachricht ab, dass Joe Flugzeugträger als Außendienstchef der arabischen Friedensgesellschaft ordert. Gut, dass einer mitdenkt, wenn der Vater als größter lebender Politiker in die Geschichte des Weltalls eingehen wird. Laschet sucht nach einer sauberen Hose, schläft zwischendurch aber auf dem Sofa ein. Der Radiowecker ist gestellt. Schließlich lässt sich ein Ministerpräsident nicht von einem Radiowecker sagen, wann er aufzustehen hat.





Bedauerlicherweise

14 05 2012

„Ja, tut uns echt Leid. Da fühlen wir ganz mit Ihnen. Richte ich gerne aus. Grüße an die Frau Kanzlerin vielleicht noch, oder eine… Gut, keine. Bitte sehr um Verzeihung.

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für Sie tun? Sie haben Röttgen gewählt? Ach, das ist ja traurig. Also ich meine, das ist ja traurig, dass Sie ihn… Nein, ich hatte mich da nur falsch aus-… Das war doch jetzt gar nicht ironisch gemeint, ich wollte Sie bloß…

Das können Sie als Trauerbewältigungsarbeit verstehen. Wir sind für den Bürger da, der muss nun aufgefangen werden, weil die Leute den Wechsel in Nordrhein-Westfalen wollten, und dann hat’s eben nicht geklappt. Bedauerlicherweise. Da können wir jetzt sehen, wie wir damit fertig werden. Diese Demokratie, das ist ja einfach nichts. Und dann auch noch Sozialdemokratie, da kann man ja nur noch depressiv werden!

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für Sie tun? Leider nein, das geht nicht automatisch. Als Bundesminister muss man extra zurücktreten, und ich wüsste auch nicht, wo wir so schnell die Doktorarbeit von Röttgen herbekommen sollten. Das müssen Sie schon im Präsidium zur Sprache bringen, Herr Pofalla. Ja, Sie mich auch. Auf Wiederhören.

Es ist schon eine Krux, dass nicht einmal die Partei selbst damit umgehen kann. Ich meine, wir haben doch alles getan, was wir nur konnten – beziehungsweise in dem Fall eben nicht, obwohl wir getan gehabt gekonnt gehaben hatten sollen können müssen! Da ist seit Wochen nichts mehr passiert, das Bundesamt für Naturschutz ist quasi schon im Weihnachtsurlaub, das Bundesamt für Strahlenschutz können Sie unter einer Staubschicht suchen, im Bundesamt geht gar nichts mehr. Hat sich die Frau Kanzlerin gesagt: machen wir kurz vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen keine Politik mehr, hat ja letztes Mal auch schon so toll geklappt. Guter Plan, da kann man dann wenigstens die Sozialdemokraten nach dem Wahlsieg dafür verantwortlich machen, dass hier jede Menge unerledigte Arbeit herumliegt. Sehr guter Plan.

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für… Schreien Sie doch nicht so! Ja, wir sind natürlich auch ganz bestürzt. Furchtbar. So ein unglaublicher Dreck, eine Gemeinheit, solche Gerüchte über unseren geliebten Landespolitiker Röttgen, nein: Röttgers, halt: Rüttgers hieß der, Rüttgers. Ach so, Sie meinen das von uns? Nein, wir haben das gar nicht in die Welt gesetzt. Unglücklicherweise stimmte das ja auch gar nicht. Schlimm, oder? Ich bin untröstlich.

Also die Arbeit. Da war ja gar nichts mehr. Aber wir dürfen das auch nicht überbewerten, auf die Art hatte dann Rot-Grün auch viele Möglichkeiten, große Fehler zu machen. So theoretisch. Ich meine, diese Piraten hätten das damals nur kaputt gemacht. In den sechs Wochen hätten die ihre Mitglieder befragt und dann einfach irgendetwas gemacht. Die hätten da etwas entschieden! Politik! Ich meine, man geht doch nicht in die Politik, um einfach so mal etwas zu…

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für Sie tun? Ja, es ist ein Jammer. Ich kann Ihren Schmerz nachfühlen. Das ist wirklich eine herbe Enttäuschung. Da hatten Sie sich in Berlin schon so sehr gefreut, und jetzt kommt der Röttgen einfach zurück. Tragisch, tragisch.

Ungünstigerweise kriegt er ja auch nie wieder eine Chance, noch irgendetwas zu machen. Der ist wie Atommüll: ob Sie den hierhin packen oder dorthin, egal, der bleibt da. Bis zum bitteren Ende. Das kriegen Sie nie wieder weg. Nicht mal als Kanzler. Erst recht nicht als Kanzler.

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für Sie tun? Mein Beileid! Das wollten wir wirklich nicht! Ach Gott, wie konnte das denn bloß – Ihre Frau Mutter hat gar nicht gewusst, dass Röttgen der Kandidat von uns ist? Die wusste gar nicht, wen sie diesmal wählen soll? Nervenzusammenbruch!? Und dann hat sie was gewählt? Tierschutzpartei? Na, ist ja wenigstens nicht im Gulli. Wie bei der FDP.

Aber eins müssen Sie Röttgen doch lassen, er hat wirklich ein Händchen für die richtigen Signale. Diese Landtagswahl zu stilisieren als ultimative Abstimmung über Merkels Krisenpolitik, das ist ja echt ein Coup. Wirklich schade, dass er letztlich auch noch Recht hatte.

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für Sie tun? Ja, das mit den 40 Prozent ist nichts geworden. So traurig. Ach, Sie meinten die SPD?

Das Problem war ja, dass die Bürger in Nordrhein-Westfalen sich das Gesicht von Röttgen gar nicht merken konnten. Als Landeschef war er so gut wie nie da, bei den Plakaten musste man automatisch weggucken – aber schade auch, dass er erst recht weg vom Fenster ist. Scheint einer von seinen Sparvorschlägen gewesen zu sein.

Christdemokratische Seelsorge, was… Frau Kanzlerin? Nein, keine Ahnung. Gestern war er noch hier. Also wir haben jetzt nicht noch einmal überall durchgesehen, aber hier ist er nicht. Denke ich. In Berlin ist er nicht angekommen? Haben Sie mal bei Koch geguckt? bei Wulff angerufen? bei von Beust oder Merz? Nicht? Schade eigentlich.“





Streberparty

10 04 2012

„Ob Sie etwas für die große Torte haben. So ein Knalleffekt, verstehen Sie, etwas Pfiffiges. Mit Pep. Sie wollen eine Dame da drinnen verstecken? Und die ist nur halb bekleidet? Das kann ich mir nicht vorstellen. Echt nicht. Wir hatten da eher an etwas gedacht wie bunte Zuckerschrift. Zweifarbig, das würde Herr Röttgen möglicherweise mitmachen.

Der kann ja auch nicht alles selbst machen, der Herr Röttgen. Er ist ja einer der ganz modernen Leute bei uns, müssen Sie wissen. Der arbeitet jetzt Teilzeit. Die eine Hälfte hat er keine Zeit für sein Ministerium, die andere Hälfte erledigt er NRW. Ganz moderner Mann. Deshalb wollen wir hier auch ein absolut fortschrittliches Fest für ihn organisieren. Also eins, das voll auf der Höhe der Zeit ist. Mit dem sich jeder hier im Land infiziert, nein, falsch: identifiziert. Bis auf die Gäste.

Getränke gehen natürlich extra. Nüchtern ist das ja auch gar nicht zu ertragen. Haben Sie da etwas im Angebot? So halbwegs modern? Vielleicht irgendeine Art Szenegetränk? Was man auch mit Geschmack nicht stehen lässt? Nein, bloß nicht schon wieder Rüttgers Club! Das muss doch zum Kandidaten passen! Also Überraschung ja, aber bitte nichts Überraschendes! Eher so etwas ganz ungewöhnlich Normales. Ja, gut. Alt ist okay. So sieht Herr Röttgen auch schon aus.

Das ist hier nämlich so eine ganz moderne Wahlparty, die Herr Röttgen macht. Alles regional organisiert. Der Saal, die Getränke, Luftschlangen, alles. Nur die Gäste bringt er selbst mit. Das ist, weil Herr Röttgen so modern ist. Und wir hier im Landesverband nicht.

Und bitte dieses Jahr mal keinen Lachs auf die Schnittchen, das würde sonst doch zu sehr nach FDP aussehen. Erbsensuppe mit Lachs. Und dieser billige Sekt aus dem Discounter. Eingeschlafene Füße mit Blubber. Lassen Sie das dem Lindner, der hat’s doch auch nicht leicht. Ist nicht sonst etwas Bodenständiges im Repertoire? Ah so. Beleidigte Leberwurst.

Er stellt halt gerne mal ein paar Leute in den Schatten. Nein, anders: sein Kabinett hat einen – wieder falsch, also ich meine: er stellt sich vor sein Schattenkabinett. Er stellt sich vor, er habe ein Schattenkabinett. Jedenfalls haben die auch schon alle zugesagt. Soweit sie bis jetzt wissen, dass sie da drin sind. Die meisten erfahren das ja eher so durch Zufall. Das nennen wir jetzt Transparenz. Weil das alles ziemlich durchsichtig ist, was Herr Röttgen da veranstaltet.
Haben Sie eigentlich die Adresse? Nicht, dass Sie da noch falsch liefern. Das macht doch schon die FDP. Haben Sie die Adresse? Gut, wir nämlich nicht. Haben Sie das? Ja. Nein, nicht Labour Party. Streberparty.

Die Einladungen dann auf Karton. Strapazierfähig. Den Karton meine ich. Goldrand, wenn’s geht. Und mit Aufdruck, selbstverständlich. Verantwortung statt Verschuldung. Das müssen wir schon so kommunizieren, damit der Eintrittspreis nicht ganz so hoch aussieht. Wenn wir jetzt etwas von Stargästen und kaltem Büfett auf die Karte schreiben, dann denken die sich am Ende, für die Kohle hätte man ja auch gleich eine vernünftige Party schmeißen können, aber wenn gar nichts draufsteht, gibt es auch keine Erwartungen. Clever, nicht? Ja, Herr Röttgen kann was. Glaube ich.

Bisschen Unterhaltungsmusik wäre auch nett. Haben Sie vielleicht einen Kinderchor, der das Steigerlied kann? Gut, hätte ja sein können. Herr Röttgen will sparen, da können wir uns kein großes Programm leisten. Die Windkraftwerke werden jetzt doch nicht plattgemacht, obwohl das Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor versprechen könnte – wir müssen zur Entlastung des Landes viel Geld ausgeben. Und dann die Pendlerpauschale. Brauchen wir unbedingt. Vor allem zwischen Berlin und Düsseldorf. Wäre einfacher gewesen, wir hätten ihm die Rückfahrkarte von Künast in die Hand gedrückt, aber bei einem von der CDU im Rheinland weiß man nie. Was Sie dem in die Hand drücken, das ist erstmal weg.

Tolle Sache, haben Sie gelesen? Eröffnungsrede von Friedrich Merz, der Parteibezirk Mittelrhein tanzt Polonaise, und Axel E. Fischer fordert Gewässerschutz für Flussdiagramme – alles weg. Frisch gestrichen. Fällt aus wegen ist nicht. Ist doch großartig, wenigstens in dem Punkt kann Herr Röttgen dann mal zeigen, dass wir die Kostenseite ernst nehmen. Man muss am richtigen Ende sparen.

Haben Sie die Luftballons vielleicht in extra robuster Qualität? Dass da irgendwann die Luft raus ist, damit muss man rechnen, aber dass das alles vorzeitig platzt – diese Dünnhäutigkeit, verstehen Sie, das macht uns ein bisschen Sorgen. Können Sie die Materialproben nicht gleich in die Parteizentrale schicken? Zur Vorsicht. Kann ja sein, dass die da noch viel dringender gebraucht werden.

Ja, gut. Bestuhlung extra, Putzfrauen macht die Arbeitsagentur, Cocktailschirmchen haben wir noch von 2010, und die Gästeliste ist ein parteiinterner Vorgang, der außerhalb der Partei nicht kommentiert werden muss. Es reicht, dass der Saal voll ist, wer sich da aufhält, kann man hinterher immer noch aus dem Polizeibericht erfahren. Man muss sich an Regeln halten. Aber nicht unbedingt an die eigenen.

Abgemacht, wir lassen hier eine Party mit Gegenwartsbezug steigen. Die CDU kriegt eins auf die Mütze. Total auf der Höhe der Zeit.“





Auf Kohle geboren

18 05 2010

„Das hat meines Erachtens keinen Zweck. Wenn wir hier laufende Meter Bewerber ohne jede Qualifikation ins mittlere Management reindrücken, gefährden wir den Wirtschaftsstandort Deutschland. Nein, wirklich nicht. Es geht so nicht. Ja, das will ich Ihnen gerne verraten: weil wir momentan mit solchen Leuten die Ruhr zukippen können. Haben Sie in den letzten fünfundzwanzig Jahren mal so etwas wie eine Arbeitslosenstatistik in die Finger gekriegt, Kollege? Na, da bin ich aber beruhigt.

Das hat ja auch schon sehr viel Schönes, aber was genau soll ich mir jetzt darunter vorstellen? Soso, ein Studium der Rechtswissenschaft? das qualifiziert noch mal genau wozu? Hat nie in dem Beruf gearbeitet, also kann ihm das auch nicht als Qualifikationshindernis angerechnet werden? Sagen Sie mal, wollen Sie hier witzig werden, Männeken?

Museumsführer? Da können Sie den doch nicht von den Exponaten unterscheiden. Und wieso wollen Sie den überhaupt in den Publikumsverkehr rein haben, ich dachte, er verzieht sich jetzt endlich mal und geht dahin, wo er hergekommen ist? Was mit Medien? dann lassen Sie den Typen doch Zeitungsverkäufer werden. Medien, hallo – wir hier in NRW oder was? Noch alle Latten am Zaun, Sie Torfkopp? Was wird das denn hier? Das Ekel von Datteln? Was mit Medien, an was hätten Sie denn da so gedacht? Regionalfernsehen? Ach, ZDF? Da bringen Sie ihn unter, wenn seine Parteifreunde was ausgeguckt haben? Mann Gottes, Sie haben Humor – allein dies Gebissgezische, das geht doch nicht!

Laienprediger, so sehen Sie aus. Da war wohl Ihr Bauchgefühl mit im Spiel, was? Oder glauben Sie, der Alte recycelt seine Karnevalsrede noch mal im Kölner Dom? Spendensammler in der Kirche, Sie sind wohl mall – dem Mann drückt doch nicht mal der Erzbischof von Paderborn noch freiwillig den Klingelbeutel in die Hand! Und überhaupt Kirche, was soll das Ganze. Der Mann ist zu allem fähig? Das meinen Sie. Der ist vor allem zu nichts mehr zu gebrauchen.

Musiklehrer? Unser Denkzettel als Musiklehrer, was soll denn das nun wieder werden? Wollen Sie die Kinder jetzt schon im Vorschulalter in den Wahnsinn treiben? Sofortprogramm zur Rettung des deutschen Volksliedes? Diesen Rohrkrepierermist haben Sie immer noch auf dem Radar? Wie wäre es denn mit Bergbau? Er ist doch unser Arbeiterführer! Auf Kohle geboren, auf Kies gefurzt, der Onkel Jürgen, da kann er wullacken, oder? Bis jetzt hat er ja immer nur gegen die faulen Rumänen gehetzt, dann drücken Sie ihm mal ’ne Hacke in die Hand. Da kann er mal zeigen, was er in’n Pütt drauf hat. In den Schacht mit dem Mann! Mit dünner Luft kennt er sich ja bestens aus!

Losverkäufer, das wäre noch was. Ahnungslos, taktlos, geschmacklos, und jetzt zur Abwechslung mal arbeitslos. Soll er eben seinen Nachbarn fragen, den Brummifahrer. Ja, sagt er. Er fragt immer den Nachbarn, wenn er politische Entscheidungen treffen muss. Die Landespolitik in unserem schönen NRW wird von einem anonymen Lasterfahrer aus Pulheim gestaltet. Wozu wir hier noch einen Ministerpräsidenten brauchen? Was fragen Sie das denn mich, Sie Flitzpiepe?

Mann, was interessiert mich das – Sie sind doch hier der Berater! Wenn Sie den Wahlkampf für Ihren Herrn Ministerpräsidenten nicht rund gekriegt haben, weil auf einmal alle Ihre Angestellten zu den Ruhrbaronen überlaufen, ist das Ihr Problem oder ist das Ihr Problem? Hätten Sie sich halt ein paar Chinesen kaufen sollen, die sind kritikresistenter. Ja, ich kann das Schwarze auch nicht mehr sehen…

Dann machen Sie mal. Bestimmt ist in der Verwaltung irgendwo noch ein angemessener Spitzenposten frei. Die Kanzlersche soll ja ganz scharf sein auf Kohlreste. Die wird bestimmt einen Zukunftsminister von vorvorgestern ins Kabinett holen, jede Wette. Sicher. Das Luftkotelett wird bestimmt sofort der Vize vom Vize, was?

Tagesmutter, Taxifahrer, Möbelpacker, ist doch egal. Hauptsache, sie vermieten den und am Ende sind Sie ihn wieder quitt. Sie können den ja in die Lehre geben beim Westerwelle, der kann doch als Mietschnacker die schönen Hoteleröffnungen machen von der dritten Preiskategorie abwärts. Oder als Stimmungssänger mit Bauhelm und Zwangsjacke. Ist doch eh total am Verkinschen, der Alte, da kriegen Sie die Überreste wenigstens schnell aus dem Fernsehen, weil sich keiner mehr traut, den Typen noch zur normalen Sendezeit auf die Mattscheibe zu bringen. Keine gute Idee? Na, hätte ich mir denken können.

Haben sie denn den völlig umsonst geschruppt? Sollen wir den bis in alle Ewigkeit durchfüttern? Wo er doch gegen die SPD ganz alleine das ALG I durchgeboxt hat, das die FDP, die das auch ganz alleine gegen ihn durchgeboxt hat, wieder abschaffen will, damit er mit ihnen weiter koaliert? Ist das überhaupt realistisch? Und wer macht das wieder weg? Wissen Sie was? Doof aussehen, Scheiße erzählen, dafür jede Menge Kohle abzocken, und wenn’s nicht klappt, sind immer die anderen schuld – machen Sie doch eine Unternehmensberatung auf, am besten mit dieser anderen Luftpumpe, mit dem Krautscheid. Na sehen Sie, geht doch! Man muss nur wollen, dann findet selbst der größte Idiot noch einen Job.“





All inclusive

24 02 2010

„… doch sehr angenehm, dass wir mit dem Herrn Ministerpräsidenten am Tisch zu sitzen kamen. Kaczielski meinte, die 20.000 Euro seien auch gut angelegt gewesen. Spätestens auf dem nächsten Landesparteitag könne sich dann Herr Rüttgers (wir hatten das jetzt zum dritten Mal gebucht) an Karl-Theodor erinnern, und hätte er trotz seiner Vorstrafe doch noch Chancen, als Schatzmeister zu…“

„… mit allen Mitteln zu verhindern. Dieser Zahnbürstenfabrikant ist zwar ein ausgebufftes Schlitzohr, typischer Rheinländer, aber wir hatten die besseren finanziellen Mittel. Gutes Timing, Herr Wüst schickte uns die Pressevertreter just in dem Moment an den Stand, als das Fernsehteam kam – Winkel und Söhne hatten also fünfzehn Minuten zu 6.000 gebucht, aber es hat sich nicht besonders…“

„… schon für Aufsehen gesorgt – dass der Herr Außenminister wieder eine Stunde lang über die staatsbürokratische Bevormundung schimpft, war ja klar, doch hat er es meines Erachtens diesmal doch deutlich übertrieben. Schön und gut, unsereins muss seine Gelder auch zusammenhalten, da hilft einem Liechtenstein ja kaum noch, aber dass Westerwelle jetzt zwei Werbeunterbrechungen in seinen Vortrag macht und diese Prospekte verteilen lässt, das ist in meinen Augen nun wirklich keine…“

„… wenigstens tofte amüsiert! Pro Nase 6.000, aber wir haben zusammengelegt, heißt: noch 4.000 Euro, und dann ihm Fragen gestellt. Meine Herren! da steht diese Nulpe, der quatscht und quatscht: ‚Ja Wirtschaft, pff, weiß nicht‘ und ‚Innenpolitik, keine Ahnung‘ oder ‚Sozialhaushalt, äääh, ist nicht mein Tisch‘ – war das ein Spaß! Der Rüttgers hat sich da zum Affen gemacht, wir so gelacht, und diesen Blödian sollen wir im Mai…“

„… keinerlei rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Die Veranstaltung, die laut Protokoll gar nicht stattgefunden hat, hielt sich streng an die gesetzlichen Vorschriften, insbesondere legte der Herr Wüst als Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen Wert darauf, dass von Beratungs- oder gar Einflussnahmegesprächen keine Rede sein könne; gleich nach dem Redebeitrag zur Eröffnung der Landwirtschaftsmesse habe Herr Rüttgers schon gar nicht mehr gewusst, wo er sich aufhielte, so dass von einem vorsätzlichen…“

„… wir Ihnen gerne ff. Politiker zur Verfügung stellen. Ab Juli können Sie ebenfalls Roland Koch mieten, garantiert zweimal verfassungsfeindliche Äußerungen, gegen geringen Aufpreis auch jeweils einmal Ausländerpack, Hartz-Abschaum und ähnliche…“

„… noch sehr gut weg. Als beispielsweise in der letzten Saison Sarrazin und Sinn ihre Thesen zum Einfluss von Mangelernährung und Infektionen auf den Wohnungsmarkt vorgetragen hatten, war noch ein verhältnismäßig anständiges Publikum im Saal, Bankiers, Philanthropen, mehrere Bischöfe sogar, aber jetzt? Mag sein und wir sind inzwischen zu sehr aus der Zeit gefallen, mein teurer Freund, aber unter den ganzen Parvenüs zu sitzen, um diesen rheinischen Juristen über ein paar Banalitäten etwas Luft machen zu lassen, das war kein Genuss, zumal wir ins Parkett sahen, wo sich zwischen ein paar Schnöseln, laut, naseweis, in gelber Krawatte, kaum Kandidaten wohl, höchstens erstes Staatsexamen, doch schräg vor uns Sloterdijk setzt. Stein von Stein hatte den ganzen Abend dann die grässlichsten Kopfschmerzen. Wir werden diese Gesellschaft in Zukunft meiden, denn…“

„… und nach dem zwölften Mal auch einfach stinklangweilig ist. Aber trotzdem ist neulich ein Ding passiert, ich sag’s Dir! Hat doch der Rüttgers auf der Bestattermesse aus Versehen in den falschen Koffer gegriffen, ich sehe das noch hinten, im Schminkzelt, wie Hendrik Wüst ihm die Pappnase anmontiert, und da stürmt der Trottel doch johlend in den Saal rein, wo die Särge stehen und die Urnen und will zum x-ten Mal die verschissene Büttenrede wider den tierischen Ernst abkaspern – Junge, ich sag’s Dir, wir haben uns bepisst, und der Wüst…“

„… passend, kongenial sogar! Hatten uns unter dem Thema Der Nationalstaat und seine überfällige Säuberung genau eben diese Stoßrichtung versprochen zur Eröffnung von Schloss Trebnitz – dass Vorsitzender Voigt einiges klarstellen würde in Bezug auf Wehrmacht, das war zu erwarten gewesen, aber dann Westerwelle! Hat man früher immer gespottet, er sei nur ein kleiner Kläffer, wir fanden, Goebbels hätte keine schönere Hetzrede über Abschaffung des Parasitentums im deutschen Volkskörper halten können – glänzend, wie er das machte, zwar spuckte er bisschen viel, aber insgesamt wollen wir das wieder, wenn zur Gedenkfeier für Kameraden Rieger…“

„… künftig Abstand nehmen von Ihrer Firma. Unser Seniorchef fühlte sich vom Auftritt Ihres Herrn Rüttgers peinlich berührt und hatte spontan den Eindruck, im Tingeltangel fünfter Ordnung zu sitzen, wo Rex Gildo auf die Bühne tritt, um dann volltrunken geschmacklose Scherze zu…“

„… bodenlose Schweinerei zu bezeichnen! Wir fanden das hip, den ehemaligen FDP-Vorsitzenden zu unserem Kindergeburtstag einzuladen, nach der Haftentlassung braucht er ja auch jeden Euro, und wir wissen, dass ALG-II-Bezieher wirklich auch für kleine Sachen dankbar sind. Aber es fing gleich mit der Torte für Shaleen an: Westerwelle wollte die für sich selbst. Er meinte ganz dreist, die Kinder hätten doch noch gar nichts geleistet! Als auch Cara-Elea und Lennja-Malin heulten, sagte er: lasst Euch von der Mutti doch ’nen Gutschein geben! Da sind bei Jochen die Sicherungen durchgebrannt und er hat dem Westerwelle derart eins in die Fresse…“





Völker, höret die Signale

7 09 2009

Das Publikum pfiff. So hatte man sich den Wahlkampf nicht vorgestellt. Jürgen Rüttgers versuchte zwar, die Lufthoheit zu behalten, brachte aber keinen Satz mehr zu Ende. Da griff der Landesvater tief in die Trickkiste. „Im Unterschied zu den Arbeitnehmern hier im Ruhrgebiet“, brüllte er in die Mikrofone, „kommen die in Rumänien eben nicht morgens um sieben zur ersten Schicht und bleiben bis zum Schluss da. Sondern sie kommen und gehen, wann sie wollen, und wissen nicht, was sie tun.“ Die paralysierte Starre der Parteisoldaten hinter der Bühne zeigte es: der Coup war gelungen. Von Steuererhöhungen sprach an diesem Tag niemand mehr.

Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag rieb sich die Hände. Man würde jetzt einfach abwarten müssen. Innerhalb einiger Tage würde sich der Ministerpräsident selbst sturmreif schießen, denn es gab noch jede Menge Termine zu absolvieren. Und sie sollten sich nicht getäuscht haben.

Während der stellvertretende Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen die markigen Sprüche als ungeheuerliche Entgleisung auf unterstem Stammtisch-Niveau bezeichnete, verwahrte sich eine Abordnung von Stammtischbrüdern aus dem Kohlenpott energisch gegen diese Gleichsetzung. Man sei regelmäßig heftig alkoholisiert, das sei ja wohl auch Sinn der Sache, aber man ließe sich nicht in die Ecke rassistischer Propaganda rücken. Der rumänische Botschafter äußerte sich nicht. Nokia schwieg ebenfalls.

Die Christdemokraten waren sichtlich um Ausgleich bemüht. Generalsekretär Hendrik Wüst gab den Pressevertretern zu verstehen, der mit der Wahl kämpfende Rüttgers habe sich noch immer nicht über den Nokia-Weggang beruhigt. Eine allergische Reaktion. Er befinde sich bereits unter ärztlicher Aufsicht, um nicht erneut derartige Symptome zu zeigen.

Auch die Sozialdemokraten gaben noch einmal kräftig Feuer. Fraktionsvize Ralf Jäger teilte mit, er halte die getätigten Äußerungen für nahe an der Volksverhetzung. Die Stimmung war blendend. Als besondere Aufmerksamkeit schickte man der CDU ein Fläschchen Rüttgers Club. Mühsam unterdrückte Wut und das Splittern einer Glastür, dem die Rot-Grünen genüsslich an der Wand lauschten, zeigten an, dass die Prickelbrause angekommen war.

Auch Roland Koch schäumte. Nicht, dass sein Amtskollege mit plumpen ausländerfeindlichen Sprüchen den Wahlkampf aufgemischt hatte, machte den Hessen wütend. Es ärgerte ihn viel mehr, dass ihm das nicht selbst eingefallen war.

Einzig von Martin Sonneborn erhielt Rüttgers Rückendeckung; der PARTEI-Chef attestierte dem Parteichef, eine richtige Analyse geliefert und die korrekten Schlüsse gezogen zu haben. Der Eiserne Vorhang habe für Jahrzehnte die osteuropäischen Arbeitskräfte vom überlasteten westdeutschen Markt ferngehalten, so dass man die heimtückische Überfremdung in den Fabriken nicht habe hinnehmen müssen. Der Rumäne, der in diesem ideologischen Konzept als Trick- oder auch Asylbetrüger vorgesehen sei, dürfe jetzt nicht durch unlautere Machenschaften wie Erwerbsarbeit oder den Aufbau einer funktionierenden Volkswirtschaft aus seiner Rolle fallen. Der Wiederaufbau der Mauer, größer, höher, undurchdringlich, und die endgültige Teilung Deutschlands zur hermetischen Abschottung des nationalen Arbeitsmarktes sei nun das Gebot der Stunde. Die PARTEI stehe für eine Regierungsbeteiligung darum auch jederzeit zur Verfügung.

Widerspruch kam vom Wirtschaftsflügel der NRW-Unionisten. Der finnische Elektronikkonzern habe nicht etwa wegen des schnöden Mammons ein Werk in der strukturschwachen Gegend errichtet; vielmehr sei es die Naturschönheit der Industrie rund um Bochum, die Nokia bewogen habe, den Standort auszuwählen. Solch idyllisch gelegene Gegenden wie die Niederungen des Knöselbachs suche man in den Karpaten nun mal vergeblich.

Für den Fall, dass es mit Schwarz-Gelb trotz der Überhangmandate doch noch einmal eng werden könnte, sondierte Guido Westerwelle behutsam in der PARTEI-Zentrale, wie man eine Koalition zustande bekäme. Sonneborn lehnte ab. Man sei für eine Mehrheit immer zu haben und wolle mit allen koalieren, aber nicht mit der FDP. Man sei schließlich keine Spaßpartei.

Noch einmal wiegelte der Generalsekretär ab. „Was ist schlimm daran“, sagte er zur Presse, „wenn sich Jürgen Rüttgers vor diesem Hintergrund vor die Arbeitnehmer in NRW stellt?“ Wie sich erst jetzt herausstellte, hatte der Inderschreck in seinem Standardmanuskript auch die Steuerehrlichkeit der deutschen Bürger verteidigt – hier dienten die Polen zum Vergleich – und mit Hilfe der Türken die enge Verflechtung von Deutschland und der EU gepriesen. Berlin machte Druck. Noch ein falsches Wort, so die Parteizentrale, und Rüttgers könne sich darauf gefasst machen, im Iran Pionierdienste zu leisten beim Aufbau einer christlichen Volkspartei.

Bochum blieb ein heißes Pflaster, aber man konnte auf den Ministerpräsidenten nicht verzichten. Noch stand eine Rede im Opel-Werk I auf dem Programm. Rüttgers’ Auftritt wurde mit Spannung erwartet. Wie die Schießhunde lauerten die Aufpasser hinter dem Podium. Jetzt galt es. Jürgen Rüttgers tastet sich zum Rednerpult. „Meine Damen und Herren“, begann er, „der Thüringer an sich…“