Volksmischung

8 11 2018

„… Protest an der Verpackung aufgekommen sei. Die Süßigkeit sei mit dem Aufdruck Ja zu Vielfalt und Toleranz in den Handel gebracht worden, was bei deutschnationalen Kunden auf erheblichen…“

„… korrekt, dass es sich um eine Mischung verschiedenfarbiger Schokolinsen handele, genauer: um einzelne Linsen, die nur durch unterschiedlich gefärbten Zuckerguss als solche im…“

„… zum flächendeckenden Boykott von Schokolinsen sowie allen Waren des Konzerns aufgerufen habe. Es werde zeitnah Kundgebungen in allen größeren…“

„… auch gemäßigte Töne aus der Partei vernommen worden seien. So habe Höcke auf den durchgängig tiefbraunen Kern der Linsen hingewiesen, während Weidel die…“

„… die Gefahr eines Linksrucks auf dem Süßwarenmarkt generell weiter bestehe. Auch Fruchtgummibärchen würden in Regenbogenfarben angeboten, was die Homosexualisierung von Kindern und Erwachsenen ebenso…“

„… fordere die AfD deutsche Schokolinsen aus deutschem Kakao. Da dieser Rohstoff größtenteils aus muslimisch geprägten Ländern stamme, fürchte die Rechte eine Islamisierung des…“

„… sei nun eine als Volksmischung angebotene Linse in den Verkauf gekommen, die der Dresdner Fabrikant in Tüten zu je …“

„… die Säuberungsaktion für den 9. November geplant sei. Die AfD rufe in ihrer Pressemitteilung zum nationalen Widerstand gegen linksversiffte…“

„… nicht den Tatsachen entspreche, dass die Volksmischung ausschließlich in Brauntönen gehalten sei. Vielmehr habe das Produkt in Weiß, Schwarz und Rot eine stark überschaubare Palette an…“

„… seien die ersten Produzenten an einem antifaschistischen Verpackungsdesign interessiert. Es gebe inzwischen mehrere Konzerne, die ihren Absatz vermehrt mit…“

„… den Anbau deutscher Kakaobohnen prüfen lasse. Die Bundesregierung verurteile zwar den rassistischen Hintergrund der Initiative, begrüße sie aber aus arbeitsmarktpolitischen und…“

„… deutsche Produkte vermehrt mit einem multinationalen Aufdruck anbieten wolle. Vor allem die Lebensmittelproduzenten seien darin geübt, mehrfach die Grenze überschreitende Stoffe als…“

„… wenigstens auf Gummibärchentüten gedruckt werden müsse, dass das Produkt Gelatine aus Schwein enthalte, um weitere Zuwanderung islamistischer Kulturbereicherer in deutsche Süßwarenabteilungen zu…“

„… müsse es ein Volksbegehren gegen die Absicht des Einzelhandels geben, traditionelle Begriffe wie Schokolinsen durch Wortschöpfungen wie Multikulti, Gutmensch oder…“

„… die Aktion Brot für die Welt von Merkel erfunden worden sei, um sieben Milliarden arbeitslose Schmarotzer ins deutsche Sozialsystem zu locken und durch die Rassenvermischung eine Zersetzung der deutschen Kultur zu forcieren. Storch fordere die sofortige Liquidierung aller…“

„… Familienpackungen aus dem Sortiment genommen werden müssten, da diese auch von ausländischen Sippen, linken Wohngemeinschaften und sozialistischen…“

„… eine Gruppe identitärer Aktivisten in mehreren Supermärkten Süßwaren mit dem Aufkleber Nur für Jiddenlümmel versehen habe. Kretschmer habe vollstes Verständnis gezeigt. Er selbst wehre sich gegen die Überfremdung durch grüne Stalinisten, die das Volk durch diktatorisches…“

„… generell keine Südfrüchte mehr verkaufen dürften, da diese nicht zur traditionellen Nahrung der deutschen Rasse gehörten. Höcke fordere ein sofortiges Verbot von Bananen, um die männliche Wehrhaftigkeit wieder im…“

„… die Verpackungen deutscher Produkte nur noch mit einem amtlichen Siegel in Verkehr gebracht werden sollten, das die Unbedenklichkeit für rassereine…“

„… könnten sich aufrechte Deutsche nicht mehr ausreichend ernähren, wenn auf jedem Lebensmittel die Umvolkung propagiert werde. Dies sei ein mit dem Holocaust vergleichbarer Versuch eines Genozids an der deutschen…“

„… die Tochter einer AfD-Abgeordneten an einem von dunkelhäutigen Messernmännern unter Zwang verabreichten linksfaschistischen Bonbon erstickt sei. Das Kind sei von mehreren in Burka verkleideten Salafisten jeweils mit einer Panzerfaust und einer Neutronenrakete bedroht worden. Nach dem Zerhacken der Leiche habe die Polizei nur noch die Ausweise aller…“

„… auf die Auslage einer Confiserie uriniert habe, in der die Schokoladenmischung Große Vielfalt angeboten worden sei. Maaßen sei mit einem Kieferbruch und Genitalverletzungen in die Intensivstation des…“

„… der Polizei keine derartige Straftat bekannt sei, außerdem habe die Abgeordnete gar keine Kinder. Es handele sich um einen untauglichen Versuch, die Bonbons der Produktlinie Ja zu gemeinsamen Werten zu diskreditieren, um sie vom Markt und in die…“

„… Reichelt in einer internen Mitteilung darum gebeten habe, erst nach dem 1. Advent die Kampagne gegen Merkel, die gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland beschlossen habe, alle Winter-, Jahresend- und Zipfelfiguren mit dem Aufdruck Auf dasz Ihr alle verschwult und die Deutsche Rasze ausstuerbe, zu…“

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Azyklische Schwingungen

6 11 2018

„… mit sofortiger Wirkung aus dem Amt entfernt werden solle. Maaßen könne nach seinen jüngsten Entgleisungen nicht mehr für eine…“

„… bitte auch die SPD inständig, ihr etwaige linksradikale Mitglieder aufzuzeigen, auch wenn diese nur an der Basis und in unbedeutenden Ortsgruppen zu finden seien. Der Wiederaufbau der Partei könne so viel schneller und…“

„… Beweise für die Abschaffung der deutschen Rasse vorlegen werde. Der ehemalige Chef des Verfassungsschutzes habe in einem Geheimtreffen mit einer Gesellschaft interessierter Ex-Agenten Material erhalten, das die Finanzierung der Umvolkung mit dem Kapital der…“

„… sich Seehofer sofort von Maaßen distanziert habe. Der verhinderte Sonderbeauftragte habe nach Aussage des Bundesinnenministers behauptet, die Mutter aller Probleme sei die Migration, was die Bundesregierung nur als eine extremistische…“

„… nicht dazu befugt sei, ihn aus dem Amt zu entfernen. Das Bundesamt sei durch seine Besetzung mit ehemaligen SS-Kadern hinreichend legitimiert gewesen, Vertreter der BRD GmbH aber besäßen nicht die Macht, ihn als Leiter der…“

„… sei auch Gauland davon überzeugt, dass es in Chemnitz zu keiner Zeit fremdenfeindliche Ausschreitungen gegeben habe. Die einzig erkennbare Hetzjagd sei die gegen Maaßen, der sich konsequent der linksfaschistischen Propaganda der mit jüdischem Kapital bezahlten…“

„… die Vernichtung der NSU-Dokumente notwendig gewesen sei, um seine eigene Familie zu Maaßen habe berichtet, dass mehrere vermummte, aber deutlich als illegale syrische Einwanderer erkennbare Personen sein Büro durch einen Lüftungsschacht betreten ihm angedroht hätten, ihn bei Zuwiderhandlung sofort zur Homosexualität konvertieren zu lassen. Er sei ebenfalls gezwungen worden, seine Hände auf ein Grundgesetz zu legen, was bei ihm eine schwere posttraumatische…“

„… in jeder seiner bisherigen Beschäftigungen als notorischer Lügner und durch Unfähigkeit in Erscheinung getreten sei. Merz freue sich, bei der Machtübernahme im Dezember einen in seiner Radikalität erfrischenden Gefolgsmann mit neuen Aufgaben für die…“

„… die BRD GmbH den Stuttgarter Tiefbahnhof und den Hauptstadtflughafen nur hätten erbauen lassen, um ein Lager für mehrere Milliarden Kubikkilometer Giftstoffe sowie eine Chemtrail-Basis zur Vernichtung der blutsdeutschen Rasse vorzuhalten. Die Fortsetzung der Bauten sei nur ins Stocken geraten, da sich Merkel weigere, den Austausch der Bevölkerung durch Muslime vor der nächsten Bundestagswahl zu…“

„… sich Seehofer sehr enttäuscht gezeigt habe. Es sei seine Sache gewesen, fremdenfeindliche und offen rassistische Meinungen in die Koalition einzubringen, die Einmischung von Maaßen, obwohl sie im Kern durchaus richtig gewesen sei, hätte dieser nur auf Weisung des Bundesministers des…“

„… beispielsweise für Politiker gelte, die ihre wirtschaftspolitischen Erfahrungen später für eine zweite Karriere in der Wirtschaft einsetzen würden. Da Maaßen sich bisher vor allem theoretisch mit dem Thema Rechtsterrorismus befasst habe, liege es nahe, dass er ab sofort als…“

„… die Diktatur unter der russischen Spionin Angela Doroteowna Merkelowa jede seiner Bemühungen torpediert habe, die Fertigung der Reichsflugscheibe in Deutschland zu…“

„… habe Maaßen bewusst das Platzen der Regierungskoalition betrieben und Seehofer als sein Instrument benutzt. Der Innenminister sei sehr traurig, vor allem deshalb, weil er jetzt erst begriffen habe, dass Maaßen nicht in seinem Interesse gehandelt habe, sondern aus reinem…“

„… sich mehrere AfD-Landesverbände gegen eine Aufnahme von Maaßen in die Partei ausgesprochen hätten. Dieser habe nicht mehr die volle Entscheidungsbefugnis, um Akten verschwinden zu lassen, die eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz verhindern könnten. Außerdem könne die Aufnahme des ehemaligen Sonderbeauftragten als ein deutliches Anzeichen für eine weitere Radikalisierung der…“

„… erste Demonstrationen in Dresden Maaßen als Gastredner angekündigt hätten. Nicht bestätigt sei bisher, ob der Verfassungsschützer für die NPD, die AfD oder die…“

„… das gesamte Aluminium im christlichen Abendland mit HAARP-Molekülen in azyklische Schwingungen versetzt worden sei, um das Erbgut der jüdischen Bolschewiken in die Zellstruktur der deutschen Rasse zu implementieren. Maaßen wisse dies von einem Geheimtreffen auf Sirius, das er mit Hitler, mehreren Marsbewohnern und vielen…“

„… der IS für den Gesundheitszustand von Maaßen die volle Verantwortung übernommen habe. Das Schreiben sei bereits am vergangenen Sonntag in der…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXXV): Die Radikalisierung der Debatte

12 10 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Dieser eine kleine, dicke König – der Name ist nicht genau überliefert, aber er wird schon gelebt haben, wenngleich lange vor der Aufklärung, wenn nicht vor der Zivilisation – hatte eine Idee, wie man des Untertanengeplärrs Herr und ledig werden konnte. Alle seine Diener, so dachte er, sollten alle Katzen des Landes zusammentreiben und ins Feuer werfen. Da er aber den Sturkopf der Königin zu gut kannte, wusste er, sie würde ihn herunterhandeln, zunächst auf alle schwarzen Katzen, dann auf alle mit blauen Augen. Mehr brauchte er auch nicht, denn als gewiefter Taktierer, der als Kronprinz die Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft der Folterknechte geführt hatte, wusste er, dass man eine Maximalforderung nicht stellte, um sie durchzudrücken, sondern um dem Gegner die Stirn zu bieten, der seinerseits eine Maximalforderung in den Disput wirft. So weit, so gut. Dann kam die Aufklärung, sah sich um und verschwand.

Denn nichts anderes hat dazu geführt, die westliche Gesellschaft in die Gegenwart zu führen, in der eine Frau ohne Erlaubnis des Ehegatten einen Arbeitsvertrag unterschreiben, ein eigenes Konto eröffnen und über ihr in diese Ehe eingebrachtes Vermögen verfügen konnte, was bis heute den Jammerlappen von der Herrenrasselbande ein Dorn im trüben Auge ist. Bis dato auch gilt alles, was der Befreiung von Jahrhunderte dickem Staub diente, als Vernichtungsangriff auf irgendein Abendland, was ad hoc zu Lufteinlagerungen im Schädelkalk führte. Noch führte die liberal getönte Demokratie, die Schäfchen im Schafspelz, das Ideal vom der gesitteten Debatte im Wappen, nach einer, dann nach zwei Diktaturen pures Hirnschadenkaraoke angesichts eines anhaltend zerstörerischen Furors aus dem rechten Lager, der nun seinerseits die politischen Positionen festsetzte: keine Ostgrenze soll anerkannt, der Holocaust straffrei geleugnet und ein toitscher Schlussstrich gezogen werden unter die Ungnade zu früher Geburt. Die dahinter verborgene Strategie bleibt es nicht lange: die Grenzen des Sagbaren sollen ausgedehnt werden.

Das zivilisierte Gespräch, meist ein preziöses Gepopel um Worthülsen, das rechte Waschweiber als Vorstufe zur Schlammschlacht nehmen, um ihre soziopathischen Feuchtgebiete nachzuspeicheln, wird von ihnen durchaus nicht missverstanden als eine Gelegenheit, alles offen und ohne Angst vor möglichen Folgen herauszukreischen, was sie an Hass- und Gewaltvorstellungen in sich tragen; es wird von ihnen so verstanden, und das nicht ohne nachhaltige Absichten.

Je mehr sich die linksliberalen Utopisten in eine Zukunftswelt zurückziehen mit Ideen, die erst in kommenden Generationen verwirklicht werden (Gleichberechtigung, Ehe für alle), die zumindest nicht ohne gesellschaftliche Umbrüche machbar wären (bedingungsloses Grundeinkommen) oder die schlicht hirnverbrannter Schwachsinn sind (eine Welt ohne asoziale Arschlöcher, die sich mit dem Verkauf von Waffen in Krisengebiete die Rosette vergolden), desto eher heult es auf dem anderen Seite des Grabens, jetzt müsse man aber endlich die Zeit wieder zurückschwiemeln bis ins Mittelalter. Und so geschieht es auch; mit ansehnlichem Gegenschub grätscht der Diskurs in Richtung intellektuelle Finsternis.

Die Absicht der Moorleichenlehrlinge ist es, den Extremismus ohne deutliche Klassifizierung als Undenkbares in einer Dauerschleife zu wiederholen und durch die permanente Präsenz in der Debatte als neue Normalität zu etablieren, in stetem Vertrauen darauf, dass die Mehrheit der Deppen alles für normal hält, worüber ständig gesprochen wird – sonst würde ja nicht darüber gesprochen. Zugleich diskriminiert ihr Gezeter jede sinnvolle Debatte als gemeinschaftsschädlich, zunächst, weil sie angeblich die Selbstverstärkung in der Echokammer als radikaler Gegenentwurf stört, schnell aber nur noch, weil sie sinnvoll ist und den Populismus der Emotionsbulimiker empfindlich mit Geist verwässert. Und schon verkehren sich die Seiten: Rechtsextremismus wird als Normalität hingestellt, wer sich aber normal verhält, gilt als linksextrem. Gleichzeitig hält der Extremismus, der die Mitte repräsentieren will, jeden Gegenwind für eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, auch bei demokratisch nicht mehr verwertbarem Denkmüll aus seiner Blase, und kombiniert dies geschickt mit der traditionellen Opferrolle des in Geschichte und Gegenwart ständig unterdrückten Freiheitskämpfers im Gefängnis seines eigenen Menschenhasses. So radikalisiert sich die Debatte, bis keine Debatte mehr existiert. Ihre Totengräber sind nicht allein die Schreihälse, es sind pseudolibertäre Moderatoren, die den Erdrutsch nicht sehen und eine Position in der Mitte auspendeln wollen, die sozial verträglich sein muss, weil sie ja in der Mitte liegt, und es sind die Ängstlichen, die dem Dauergebrüll zuhören, weil es zwar radikal ist, aber aus der selbst definierten Mitte tönt. Die Radikalen bedienen dabei allenfalls ihr Zerrbild einer schweigenden Mehrheit. Wenn sie mal täte, es wäre schon viel gewonnen.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXXIII): Die gefühlte Unsicherheit

28 09 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es muss ein Tier gewesen sein, alles andere war nicht bekannt. Ob es sich um eine großzähnige Grauschlonte gehandelt hat oder um das Nasobēm, das werden wohl auch künftige Generationen nicht mehr herausfinden. Keiner hatte es je zu Gesicht bekommen, nicht einmal die Existenz des Dings war unbestritten. Andere Stämme hätten daraus eine Gottheit gebastelt, hier aber blieb es das brüllende Biest, die grauenhafte Gefahr, die aus dem Dickicht schießt und alles ins Gestrüpp trampelt, das über die Gänseblümchen ragt. Einer der Altvorderen wird es im Off gehört haben, dreißig Grad links oben voll mit Grünbeeren, woraus sich gebar der Mythos des Monsters. Jahrzehnte, ach was: seit Anbeginn der Zeit ließ sich keine Kreatur mehr im Gesträuch blicken, die aussah wie etwas, das nicht mit Zwiebeln und Honig auf den Spieß passt. Aber die Mär vom Bösen in der perfekt umpuschelten Welt war knorke, was brauchte es mehr, die nächste Jugend ruhig zu stellen?

Die Unsicherheit gestaltet sich einerseits nicht aus einer erlebten Gefahr, denn diese könnte der durchschnittliche Homunkulus halbwegs realistisch einschätzen, dass nicht jeder Dunkelhäutige einen Bolzenschneider mitführe und vorlauffrei als Schlagwaffe einzusetzen gewillt sei. Überdies ist die Begegnung begüterter Knalltüten mit fremden Fremden, insbesondere im engeren Wohnumfeld, eine rülpsende Chimäre, der man nicht länger zuhört, als es die eigenen Grütze zum Blubbern bringt. Die Einbruchsdichte, die je um je von den Fachmedien für soziale Exklusion in die Luft geblasen wird, ist zwar ein Randphänomen, gemessen an der Gefahr, in einen Unfall mit einem angetrunkenen Raser verwickelt zu werden, aber die Meldung liest sich so schön, dass man dank viel neuen Klumpatschs aus deutschem Stahl etwas dagegen tun könne; dass sie aus der Werbeabteilung kommt, überliest der verunsicherte Bürger.

Überhaupt ist er nicht, sondern wird er nur verunsichert, denn selten ist die Gefahr, die ihm auf dem Scheitel zu schweben droht, tatsächlich da. Die Kriminalitätsstatistik im freien Fall scheint ihn nicht zu beeindrucken, nicht einmal die Tatsache, dass Delikte der sogenannten Ausländerkriminalität nur deshalb so heißen, weil sie von seinesgleichen nicht begangen werden können; den in Nauen ansässigen Besorgtansässigen auf der Straße nach Plauen zu erwischen führt mitnichten zu einer Strafanzeige, aber wer will das wissen. Die meisten Raucher wissen, dass sie sich einer tödlichen Noxe aussetzen, und preisen den billigen Effekt von kurzfristig abklingenden Suchterscheinungen als geistige Entspannung. Es hält sie nicht davon ab, den nächsten Meteoriten herbeizubeten, nur damit sie Recht behalten vor den Zweiflern.

Gerade die Angst vor dem Terror gestaltet sich als regelrecht ruinöse Verdenkung, die mit Logik gründlich aufräumt, porentief bis endsauber. Die Wahrscheinlichkeit, einem islamistischen Anschlag zum Opfer zu fallen, ist für einen Einwohner der münsterländischen Provinz, wo dreißig Schafe auf einen Rentner kommen, ungefähr in der Preislage, einen Lottogewinn zu erzielen, wobei die meisten Rentner den Eintritt des Ereignisses durch eigenes Verhalten geradezu herausfordern; die Freude am Lotteriespiel unter münsterländischen Rentnern ist nach wie vor ungebrochen. Wer aber begreift, dass vornehmlich Opfer wird, wer in einer bestimmten Konstellation Zeit und Ort wählt, sattsam bekannt etwa die von rechten Sackpfeifen dazu auserkorene Brut der Weihnachtsmärkte, dies in Metropolregion oder zumindest an touristisch schwergewichtigem Platz, wird sich nicht wundern, wenn er keinen Busunfall erleidet, so er den Großteil des Lebens in Wohnstube und Schlafraum verbringt, vor dem TV-Gerät, dem Kugelgrill, der Schallzahnbürste, und braucht den Krebstod nicht mehr zu fürchten als sein quarzender Nachbarino. Dass ab und an Busse oder Sattelzüge in günstiger Lage die Kreuzung als Serviervorschlag betrachten und die Hauswand als Mittel der Schnellentschleunigung, ist bekannt, aber statistisch vernachlässigbar. Nur wenige wohnen so verkehrsgünstig, um in die Abendnachrichten zu kommen.

Denn zu vieles ist neu, unkontrollierbar, in einer chaotischen Struktur, in seinen Folgen nicht und wahrscheinlich nie absehbar und deshalb Fluch und Segen zugleich, Segen aber nur, wenn man sich der Umstände bewusst ist und mit der richtigen Menge an Kompetenz und Nüchternheit an die Sache geht. Die Rede ist, wer wüsste es nicht, vom Internet, das sämtliche bisherigen Kommunikationskanäle in den Schatten schubst und eine vollkommen andere Sicht auf Sender, Empfänger und Botschaften erlaubt, ermöglicht, erzwingt. Niemand weiß, ob sich nicht sein Dackel ein Katzenprofil zurechtgeschwiemelt hat und aus dem eigenen Keller die Weltherrschaft plant, gleichzeitig die Opposition spielt und mit Fake News über die Versorgung mit Hundefutter das Herrchen im Hochparterre aufwiegelt. Das Wesen der Gefahr ist es, real zu sein und trotzdem berechenbar in ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit, die aber nie bedacht wird. Sich den Fuß abzusägen mit dem neuen Werkzeug scheint dank handwerklicher Selbsteinschätzung des durchschnittlichen Depps unmöglich zu sein, aber ein Kometeneinschlag im Vorgarten? Sicher eine alltägliche Sache, sie wird nur von denen da oben verschwiegen. Und so hilft auch am besten eine solide Verschwörungstheorie, die Praxis wieder ins Lot zu kriegen, weiter mit der Ruhe zu leben, dass man sich maßlos aufregen darf ob der Dinge, die man nicht begreift, die deshalb aber erst recht Gefahr sind. Wenn man schon umkommt, und das ist die gute Nachricht, dann doch am besten wild. Und gefährlich.





In Bausch und Boden

14 08 2018

„Drei Minuten!“ Schwatzke fuchtelte erregt mit den Händen vor seinem Gesicht herum. „Haben Sie eine Vorstellung davon, was das bedeutet?“ Der Mann war offensichtlich in seinem Element. Und ich war einfach nur zu früh gekommen.

„Unsere Redaktion sorgt für die richtige Wirkung“, erklärte Schwatzke. „Sie meinen, Sie bauschen alles auf.“ Er schüttelte den Kopf. „Nein, das sehen Sie falsch. Ich würde eher sagen, wir machen die Nachrichtenlage interessanter für eine Zielgruppe, die uns als Endverbraucher besonders am Herzen liegt.“ „Also die, die nicht nachdenken, sondern nach Lautstärke sortieren?“ Befriedigt lehnte er sich in seinen Drehsessel zurück. „Das ist vollkommen übertrieben, mein Lieber. Vollkommen übertrieben. Also absolut richtig.“

Schwatzke kramte eine Liste aus dem Stapel auf seinem Schreibtisch. „Da haben wir’s ja. Sehen Sie mal, 34 Prozent Diebstahl von Rumänen – das lässt sich doch brillant verwerten.“ Er zeichnete mit der offenen Hand bereits die Schlagzeile in die Luft. „Was halten Sie davon? ‚Klauen uns die Zigeuner bald die Ferienhäuser?‘“ „Gar nichts.“ Meine Antwort irritierte ihn. „Worauf beziehen Sie das jetzt?“ „Sie hatten mich gefragt, was ich davon halte, ich habe Ihnen wahrheitsgemäß geantwortet.“ Er sah mich angestrengt an; wahrscheinlich wusste er längst nicht mehr, was Wahrheit ist. „Zunächst mal geht es in dieser Statistik um Kriminalität in Rumänien.“ Schwatzke nickte. „Schlimm. Die Quote der Straftaten liegt konstant bei 100 Prozent, das ist doch nicht hinnehmbar.“ „Es handelt sich um Diebstähle, die alle Personen, möglicherweise nur Rumänen, an anderen begehen, die sich in Rumänien aufhalten.“ „Interessante Formulierung“, grübelte er. „Sie wollen damit andeuten, es könnte sich um Ausländerkriminalität handeln, weil andere Leute dazu gezielt nach Rumänien einreisen, um kriminelle Handlungen auszuführen? Interessant!“ Ich überhörte es. „Sie lesen hier eine Statistik, die sich ausschließlich um Rumänien dreht. Von den Straftaten, die in diesem Land begangen werden, sind etwa ein Drittel…“ „34 Prozent“, protestierte Schwatze, „das sind sehr viel mehr als ein Drittel! Bleiben Sie gefälligst bei der Wahrheit, wir wollen doch keine Falschmeldungen in die Welt setzen!“

Ein Assistent hatte Papiere reingereicht, war schnell wieder verschwunden und hatte uns mit der Meldung alleine gelassen. „Wie gesagt“, sagte Schwatze, wie er es ja schon gesagt hatte. „Diese 34 Prozent sind…“ „Egal“, fiel ich ihm ins Wort, „ob es hundert, tausend oder hunderttausend Verbrechen sind, 34 Prozent bleiben 34 Prozent.“ „Sie sind mir zu spitzfindig“, moserte Schwatzke. „Wenn man Ihnen das Fahrrad hundert oder tausendmal klauen würde, das würden Sie merken, mein Lieber!“ Er warf fast seine Kaffeetasse um, machte einen Fleck auf die Statistik, aber das schien ihn überhaupt nicht zu stören. „34 Prozent sind Diebstähle, der Rest teilt sich auf die…“ „Das ist mir völlig egal“, schrie Schwatzke plötzlich, „Tatsache ist doch: es handelt sich bei diesen Ausländern um…“ Schwatzke hätte sich fast verschluckt, so hickste er nur und sprach normal weiter. „Also alle diese Rumänen sind ja auch Ausländer, zumindest vom Inland aus gesehen, wobei wir als Inland natürlich nicht unbedingt diese Ausländer, die aus dem Ausland – egal, es sind böse, gefährliche Ausländer, die Sachen tun, die in unserem Inland gar keine Relevanz haben! Was im Ausland stattfindet, das ist…“ „Wenn zwei von drei Rumänen Bratkartoffeln essen“, gab ich ungerührt zurück, „dann ist das für Deutschland bereits eine Gefahr?“ Schwatzke wedelte hektisch Linien in die deutsche Luft. „Wie finden Sie denn ‚Vorsicht!‘“, kreischte er, „‚Der balkanische Kindergeldkassierer will an Dein politisch korrektes Sintischnitzel!‘ Na, wie finden wir denn das, Herr Gutmensch!?“

Ein Paket Papiertaschentücher später hatte er sich beruhigt. Schwatzke blättere seine Papiere durch, als sei nichts geschehen. „Natürlich muss man hier und da ein bisschen leserorientiert mit den Fakten umgehen, auch dann, wenn es keine sind. Fakten, nicht Leser.“ „Sie setzen damit die Moral der gesamten Presse aufs Spiel“, warf ich ein. Er lächelte tatsächlich. „Ach. Moral.“

„Ihre Redaktion ist nur damit beschäftigt“, befand ich, „Zusammenhänge zu verfälschen und einen Eindruck zu erwecken, der mit der Wirklichkeit nicht mehr viel zu schaffen hat.“ Schwatzke nickte, mehr nicht. „So ähnlich steht das in meinem Vertrag. Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, weil ich immer nur das lese, was ich lesen will. Aber genau deshalb wurde ich ja auch engagiert.“

Ich hatte es nicht übers Herz gebracht, einen so idealistischen Redakteur vom Fleck weg zu kündigen. Vor der Tür herrschte geschwätziges Treiben, keiner nahm niemanden zur Kenntnis. Der Chefredakteur stürmte auf mich zu, einen Stapel Papiere in der Faust schwenkend. „Passen Sie auf“, brüllte er mich an. „Passen Sie auf, es hat wieder einen Skandal gegeben mit Asylbetrügern. Alle rechtmäßig in Deutschland!“ Er schlug mir die Papiere in den Bauch. „Sie wissen, was Sie zu tun haben, Schwatzke?“





Hotel Europa

16 07 2018

„Hilfe! Hilfe!“ „Was?“ „Da! das Kind ertrinkt!“ „Wahrscheinlich kann es nur nicht schwimmen.“ „Sie müssen…“ „Ich muss was? Ich muss gar nichts.“ „Wir müssen sofort die…“ „Sie müssen auch gar nichts. Das ist ein Hotelpool, da steigt man normalerweise nur rein, wenn man schwimmen kann und schwimmen will. Und ich nehme nicht an, dass das Ihr Hotel ist.“ „Nein, aber die…“ „Also nicht. Könnte ich dann jetzt bitte in Ruhe meinen Sportteil lesen?“

„Da ertrinkt ein Kind, und Sie lesen Zeitung!“ „Ihre Aufmerksam in allen Ehren, aber mir war das vorher schon bekannt. Danke und auf bald.“ „Sie können doch nicht tatenlos zusehen, wie dieses Kind da…“ „Tue ich ja auch nicht. Wie Sie soeben ganz richtig bemerkt hatten, bin ich nicht untätig, stattdessen lese ich meinen Sportteil. Wenn ich dann jetzt um Ruhe bitten dürfte?“ „Wir haben doch eine Verantwortung für dieses Kind!“ „Ach Gott, eine Grundsatzdiskussion… ja, erzählen Sie’s der Kellnerin da hinten, die soll mir dann beim nächsten Kännchen Kaffee eine schriftliche Notiz reinreichen.“ „Wir müssen dieses Kind retten!“ „Zunächst mal: wir müssen hier gar nichts. Ich für meinen Teil habe nicht vor, mich in die inneren Angelegenheiten anderer Familien einzumischen, da ich nicht annehme, dass dieses Kind sich ohne Familie hier aufhält. So weit angekommen?“ „Sie können die Verantwortung nicht einfach abschieben wie eine…“ „Ich schiebe nicht ab, das ist mir zu vulgär. Ich grenze auch nicht aus oder urteile über Personen, die mir nicht bekannt sind.“ „Weil Ihnen das auch völlig egal ist!“ „Sie denken ja mit, ich bin begeistert! Aber mal im Ernst, genau das ist der Punkt. Ich sehe hier keinerlei Notwendigkeit, diese Familie in der Ausübung ihres freien Willens zu beschneiden. Wenn einer von ihnen in den Pool will, soll er halt reinsteigen.“

„Jetzt kommen Sie endlich, dieses Kind da ist am Ertrinken!“ „Sie haben die üble Angewohnheit, Dinge immer vom Ende her erklären zu wollen. Warten Sie erst mal ab, vielleicht ertrinkt es tatsächlich ab, dann können Sie immer noch sagen, Sie hätten es ja kommen sehen. Aber Sie sollten vielmehr einmal den jetzigen Status hinterfragen. Warum liegt dieses Kind am Grunde des Pools.“ „Weil es nicht schwimmen kann, verdammt!“ „Schon wieder so eine Aussage, die nur auf reiner Spekulation beruht. Haben Sie das Kind befragt?“ „Ich…“ „Also haben Sie’s nicht getan. Haben Sie sich vorab wenigstens die Eltern vorgenommen, um deren Motivation und die ethischen Grundlagen der Kindererziehung in Erfahrung zu bringen? Auch nicht? Was versauen Sie mir dann den Vormittag mit Ihrem dusseligen Geschrei?“ „Weil da ein Kind ertrinkt, und Sie lesen Zeitung!“ „Machte ich stattdessen einen Handstand oder malte die Mona Lisa auf einen Bierfilz, ginge es dem Kind dann besser? Oder würden Sie zumindest mit Ihrem verfluchten Geschrei aufhören? Bitte!?“

„Ich rufe jetzt die Polizei!“ „Damit sich die Eltern hinterher rechtfertigen, weil Sie sie nicht rechtzeitig informiert haben? Bitte, nur zu.“ „Ich rufe jetzt die Polizei, dann werden Sie schon sehen, was Sie von Ihrem Verhalten haben!“ „Sie wollen mir drohen? Also langsam wird’s aber lächerlich. Haben Sie sich schon mal mit dem Gedanken getragen, dass dieses Kind ganz im Einklang mit den Werten der Aufklärung handelt?“ „Sie können mir nicht erzählen, dass ich…“ „Offenbar haben Sie auch davon wieder keine Ahnung, stimmt’s? Ich sagte es bereits, in einen Hotelpool steigt man, wenn man schwimmen kann und schwimmen will. Was sehen wir hier?“ „Das Kind liegt jetzt schon seit zwei Minuten unter Wasser!“ „Und ich hätte sei zwei Minuten meinen Sportteil weiterlesen können, falls Sie es vergessen haben. Das Kind wollte schwimmen, korrekt?“ „Das können Sie doch nicht wissen.“ „Also bestreite ich mit meiner Annahme die Willensfreiheit einer anderen Person, um einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen?“ „Welchen Vorteil denn?“ „Sie würden mich endlich in Ruhe lassen mit Ihrem Moralgeschwätz. Dieses Kind hat seinem eigenen Willen gemäß gehandelt und ist in den Pool gestiegen. Welches Recht habe ich, mich in diese Angelegenheit einzumischen?“ „Es war ein Unfall, sehen Sie das nicht!?“ „Bin ich ein Richter oder ein Staatsanwalt? oder sehen Sie aus wie ein Notarzt? Über solche Befindlichkeiten lassen Sie doch bitte die urteilen, die sich damit auskennen.“ „Das ist doch vollkommen offensichtlich! Das Kind kann gar nicht schwimmen, deshalb ist es auch klar, dass es in den Pool gefallen ist!“ „Ihre logische Folgerung ist jetzt also, dass alle Kinder, die nicht schwimmen können, in den Pool fallen. Das ist ja mal eine großartige intellektuelle Leistung. Wenn Sie mir die Nachfrage gestatten, wenn alle Kinder, die noch nicht schwimmen können, zwangsläufig ertrinken, wie lernen diese Kinder dann hinterher zu schwimmen?“ „Ich finde das zum Kotzen, wie Sie mir die…“ „Also erst wirres Zeug reden und dann beleidigend werden. Wenn ich dann jetzt bitte wieder mit meinem Sportteil…“ „Da, das ist der Vater!“ „Ach, wie nett. Da sind dann ja endlich mal Personen involviert, die mit der Sache etwas zu tun haben.“ „Das Kind ist tot, und Sie wollen jetzt einfach wieder Zeitung lesen!?“ „Erstens handelt es sich einmal mehr um eine reine Behauptung, und zweitens, meine Güte – das regelt halt der Markt. Wenn man nicht schwimmen kann, weg vom Pool.“ „Sie sind ekelhaft!“ „Meine Güte, kommen Sie mal wieder runter. Wissen Sie was? Ich bestelle uns noch ein Kännchen Kaffee, und dann beruhigen Sie sich.“ „Ich denke gar nicht daran!“ „Haben Sie das gesehen?“ „Was?“ „Dieser Neger da unten, der hat die Kellnerin belästigt!“ „Ich sehe nichts.“ „Da, der Typ da unten. Spricht der die Frau einfach so an!“ „Wir sind hier in einem spanischen Hotel, was haben Sie denn mit dem Personal zu schaffen? oder mit den anderen Gästen?“ „Dem haue ich jetzt eine rein! Solange wir hier als Deutsche vor Ort sind, herrscht hier gefälligst Zucht und Ordnung! Meine Meinung!“





Science Non-Fiction

9 07 2018

„Guten Tag. Etwas zu verzollen?“ „Das geht Sie nichts an.“ „Moment mal, Sie sind auf einer…“ „Wen interessiert das?“ „Aber Sie passieren gerade die Grenze zur…“ „Ja, und?“

„Also entschuldigen Sie mal, Sie wollen doch gerade in die Bundesrepublik…“ „Sagt wer?“ „Das ist hier ein Zug, der über die Grenze von Österreich nach…“ „Erzählen Sie mir etwas, was mich gerade interessieren könnte.“ „Ich muss Sie kontrollieren.“ „Augen auf bei der Berufswahl!“ „Ich muss Sie jetzt aber wirklich kontrollieren, sonst…“ „Sonst?“ „Sonst kriege ich Ärger, und das wollen Sie doch nicht?“ „War das etwa eine Drohung?“ „Aber nein, ich wollte nur…“ „Sie kündigen also an, dass Sie den Ärger, den Ihre Vorgesetzten machen, genau so an Ihre Kontrollobjekte weitergeben? Interessant!“ „So war das doch gar nicht gemeint!“ „Also wieder nur diese typische emotionale Erpressung, wie?“ „Jedenfalls muss ich Sie jetzt kontrollieren, und dazu benötige ich zuerst einmal Ihren Ausweis.“ „Lächerlich.“ „Wie meinen?“ „Lä-cher-lich.“ „Sie zeigen mir jetzt sofort Ihren Ausweis, sonst…“ „Also nichts mehr mit Zoll? Sie suchen sich die Prioritäten Ihrer hoheitlichen Kontrollaufgaben aus, wie Sie Lust und Laune haben, ja?“ „Sie zeigen mir jetzt sofort Ihren Ausweis, sonst werfe ich Sie aus dem Zug!“ „Während der Fahrt? Ich wusste gar nicht, dass Sie dazu befugt sind. Aber bitte, zeigen Sie mal, dass Sie mehr haben als leere Drohungen.“

„Ich meine es doch nur gut mit Ihnen.“ „So viel Geld habe ich gar nicht.“ „Nein, wirklich!“ „Und das alles im Rahmen Ihrer Dienstvorschriften!“ „Ich muss doch jetzt bitten, dass Sie mir sagen, ob Sie etwas zu verzollen haben.“ „Wie das denn?“ „Der Zug ist doch gleich in Deutschland, und da muss ich dann eine…“ „Ich reise doch gar nicht ein, wie soll ich dann etwas verzollen?“ „Sie haben diesen Zug bestiegen in der klaren Absicht, in die…“ „Ach, Gedanken lesen können Sie auch noch? Da sind Sie ja ein echter Glücksgriff für den Zoll.“ „Sie müssen doch vor dem Passieren der Grenze zur…“ „Hören Sie doch mal auf mit diesem Gefasel – ich passiere keine Landesgrenze, ich bin auf einer fiktionalen Nichteinreise.“ „Auf einer…“ „Nichteinreise. Damit überquere ich keine Grenze, muss nichts verzollen, brauche keinen Ausweis, und Sie dürfen jetzt wegtreten.“ „Was ist denn eine, also was Sie da gerade, diese Nichteinreise, was ist denn das?“ „Eine Nichteinreise ist, wenn man nicht einreist, verstanden?“ „Ja.“ „Dann ist ja jetzt alles klar.“ „Aber das heißt doch, dass Sie jetzt gar nicht im Zug sind?“ „Ich will Ihnen nicht zu nah treten, aber nehmen Sie es als guten Ratschlag: versuchen Sie es nicht mit Philosophie, die Dienstvorschriften sind für Sie schon kompliziert genug.“ „Aber diese Einreise, also wenn man nicht einreist, das ist doch dann nur für, wie sagt man…“ „Asyltouristen.“ „Ich habe das Wort nicht benutzt!“ „Habe ich auch nie behauptet.“ „Aber Sie sind doch kein Asyltourist, oder?“ „Haben Sie schon mal einen gesehen?“ „Nein.“ „Das passt. Es haben ja auch immer alle Angst vor Ausländern, die nur alle drei Wochen mal einen im Fernsehen entdecken.“ „Sie sehen aber auch nicht aus wie einer.“ „Wie sehe ich denn aus?“ „Normal halt.“ „Also sind die alle unnormal?“ „Das habe ich ja gar nicht gesagt!“ „Doch.“ „Dann habe ich es aber nicht so gemeint.“ „Und deshalb haben Sie es so gesagt?“ „Sind Sie jetzt so ein Asyltourist oder nicht!?“ „Erstens schreien Sie mich gefälligst nicht so an, und zweitens, wer von uns beiden ist denn beim Zoll?“ „Ich weiß es doch auch nicht!“

„Wie stellen Sie sich denn den typischen Asyltouristen vor?“ „Schon irgendwie asylmäßig.“ „Wie sieht denn das aus?“ „Mehr wie ein Tourist.“ „Dann könnte also jeder ein Flüchtling sein?“ „Das weiß ich nicht.“ „Haben denn Touristen ihre ganze Habe dabei?“ „Eher nicht.“ „Das heißt, Sie können die Touristen und die Flüchtling schon ganz gut auseinanderhalten?“ „Wir haben hier ja kaum welche. Also Flüchtlinge.“ „Aber ich könnte doch theoretisch einer sein.“ „Das glaube ich nicht.“ „Ich sehe nicht aus wie ein normaler Tourist?“ „Wenn ich es recht bedenke, dann…“ „Also wäre es möglich, dass ich gerade eine Nichteinreise vornehme mit dem Grenzübertritt?“ „Ja, aber…“ „Was fehlt Ihnen denn noch?“ „Wenn Sie jetzt nicht einreisen, dann reisen Sie doch aber aus?“ „Nein.“ „Wieso das denn jetzt schon wieder nicht?“ „Wenn ich hier fiktional nicht einreise, habe ich dann die Grenze passiert?“ „Nein, aber…“ „Wenn ich die Grenze nicht passiert habe, dann bin ich auch nicht ausgereist. Fertig.“ „Aber dann kann ich Sie doch trotzdem kontrollieren?“ „Wie kommen Sie denn darauf?“ „Falls Sie etwas zu verzollen haben.“ „Eben war es doch noch der Personalausweis?“ „Ja, der auch. Aber wenn Sie gar nicht einreisen, dann…“ „Dann könnten Sie höchstens meine Papiere kontrollieren.“ „Warum?“ „Weil man dazu keine Grenze passieren muss.“ „Haben Sie denn überhaupt Papiere?“ „Ja.“ „Darf ich die denn bitte einmal sehen?“ „Ich bin EU-Bürger.“ „Das glaube ich Ihnen nicht.“ „Also bin ich jetzt schon mit sehr viel höherer Wahrscheinlichkeit ein Asyltourist?“ „Jetzt zeigen Sie mir doch endlich den Ausweis, dann können wir das endlich…“ „Na gut, wenn es Sie glücklich macht – bitte sehr.“ „Sie sind Deutscher?“ „Macht das irgendeinen Unterschied?“ „Wenn Sie das gleich gesagt hätten, niemand hätte Sie für einen Asylanten gehalten. Ein Deutscher, der kann doch kein Flüchtling sein.“ „Warten Sie mal ab…“