Wat för e Driss

28 07 2021

„… durch das Gewicht der Gerüstteile in die Tiefe gezogen worden sei. Augenzeugen hätten berichtet, dass die Spitze des Nordturms zunächst in sich zusammengefallen und dann auf die Domplatte gestürzt sei, wodurch das Domforum und die…“

„… dass das Domkapitel schon Stunden vor der Katastrophe die Landesregierung gewarnt habe. Innenminister Reul sei jedoch der Ansicht gewesen, man könne nach einem Einsturz immer noch die Polizei benachrichtigen, wenn dies dann überhaupt noch…“

„… nicht ins Ressort des Landes falle. Der Kölner Dom sei im Besitz sowie unter Verwaltung der Kirche und könne damit keine finanziellen Ansprüche an die Gebietskörperschaft stellen, sondern habe bis zu einer endgültigen Entscheidung über Renovierung oder Abriss des Gebäudes die anfallenden Kosten des…“

„… eine Prozession und einen Bittgottesdienst angekündigt habe, um die Kölner Bürgerinnen und Bürger zu beruhigen. Ein von der Landesregierung angedrohtes Versammlungsverbot wegen Verstoß gegen regierungsseitige Auffassungen zur römisch-katholischen Glaubenslehre fasse man dagegen als nicht im…“

„… den Dom nie wieder aufzubauen. Reichelt habe in seinem BILD-Leitartikel klar zum Ausdruck gebracht, dass das Christentum nicht als steuerfinanzierte Unterhaltung für Frauen, Ausländer, Erwerbslose und andere nicht in der…“

„… dass eine Warnung für ganz Nordrhein-Westfalen außerhalb der Kölner Innenstadt als eine Belästigung der Bürger hätte aufgefasst werden könnte, weshalb die Landesregierung lieber eine weniger aufwändige Form des…“

„… den Abtransport des Dreikönigenschreins androhe, dessen Verkaufserlös für die Stiftung Anus puerorum um regierungsnahe Mitglied von Opus Dei und mehrere in…“

„… die Warntafeln an der Westfassade entfernt habe, da diese nicht im Auftrag des Ministerpräsidenten angebracht worden seien. Wenig später habe ein Steinschlag vom Südturm die polnische Pilgergruppe, die zum Glück ihre Spende bereits vorher im WDR-Funkhaus abgegeben hätten, mit einem massiven…“

„… rate die Landesregierung der Kirche, die CDU mit dem Sammeln privater Spenden zu beauftragen, die diese gegen einen angemessenen Prozentsatz an die jeweiligen…“

„… nun auch keines Krisenstabs mehr bedarf, da die Schäden bereits eingetreten seien. Die für das Gremium veranschlagten Gelder könne man in Bitcoin investieren, um den Kölnern ein vergoldetes Kanzlerstandbild zur Aufstellung auf der Domplatte zu…“

„… keine Auswirkungen auf das Klima habe und daher dem Land erlaube, alle Windkraftanlagen in Köln sofort zu demontieren. Dies würde den notleidenden Energiekonzernen mehr finanzielle Flexibilität zum rechtswidrigen Abholzen von…“

„… habe es den Kölner Dom zur Zeit Karls des Großen noch gar nicht gegeben. Laschet halte die Instandsetzung der Türme daher nicht für politisch notwendig, es sei denn, er werde aufgefordert, in einem neuen Kaiserreich als…“

„… rate die Landesregierung der Kirche, durch den Verkauf der Glocken ein Zeichen zu setzen. Die Stadt Köln könne so wenigstens symbolisch ihren Gemeinsinn zeigen, statt sich wie andere nicht zur CDU-nahen Industrie gehörigen Betriebe nur auf Zahlungen aus Steuermitteln zu…“

„… mehrere Ministerpräsidentinnen und -präsidenten, die Bundeskanzlerin sowie der Bundespräsident anreisen würden. Ebenso werde der polnische Staatspräsident zum Staatsakt auf der Domplatte erwartet. Die nordrhein-westfälische Landesregierung werde von einer offiziellen Teilnahme absehen, da die Stadt Köln es abgelehnt habe, die Anreisekosten für die…“

„… bringe Merz ein innerstädtisches Kraftwerk als neues Wahrzeichen ins Gespräch. Eine Anlage zur Verstromung von Kohle aus dem Hambacher Forst sei vorzuziehen, da bei der Errichtung von Windkraftanlagen weite Teile der Kölner Altstadt aus Gründen des Mindestabstands komplett…“

„… dass der Auftritt des Ministerpräsidenten mit seinem selbst geschriebenen Karnevalslied Wat för e Driss, fickt üch all ehr Jecke nicht im Widerspruch zum Inhalt der Trauerfeier für die dreißig Unfallopfer stehe. Laschet wolle mit ansteckendem Frohsinn das Herz der Wähler für sich gewinnen, denen die Todesfälle genauso egal seien wie…“

„… es sich um ein Erdbeben gehandelt haben müsse, auch wenn zu dieser Zeit keine seismischen Bewegungen gemessen worden seien. Da der Ministerpräsident es ablehne, sich komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge von Personen mit einem Hochschulabschluss erklären zu lassen, werte man die Bauschäden als Folge höherer Gewalt, für die man als Landesregierung ohnehin gar keinen finanziellen…“

„… der neue Dreidrecksäckeschrein mit den Überresten von Reul, Merz und Laschet sich zu einem Anziehungspunkt für Pilger und Touristen entwickle. Auch zahlreiche Schädeltrümmer und Knochenstücke würden mit einem vom Domkapitel initiierten Reliquienhandel die enge Verbindung von Stadt, Kirche und demokratischen Bürgern auf eine neue und dauerhafte…“





Komplexe Sachverhalte

27 07 2021

Es war später Nachmittag, Siebels musste schon eine Menge schlechten Automatenkaffee gehabt haben. „Bedaure“, murmelte er an seinem Zahnstocher vorbei, „sie wollte den Termin auf jeden Fall noch heute.“ So standen wir etwas verloren an der Pförtnerloge des Studiogeländes und warteten, bis jemand uns durchwinken würde.

Spotzke war noch nicht lange im Sender, und so geschah es tatsächlich, dass Siebels, die graue Eminenz des deutschen Unterhaltungsprogramms, ihm den Weg in die Kantine zeigen musste. „Im Grunde genommen haben wir ja eigentlich nicht nur ein Ziel vor Augen, das wir miteinander verbinden wollen.“ Ich schloss reflexartig die Augen; Siebels musste es, obwohl er hinter mir stand, bemerkt haben. „Kommen Sie zum Punkt“, warf er ein, „Sie hatten uns ja ausführlich mitgeteilt, dass Sie keine Zeit haben.“ Spotzke war verwirrt, wahrscheinlich nicht verwirrter als sonst, aber immerhin sah man es ihm an. „Wie gesagt, wir suchen Experten, und wir hatten gehofft, dass Sie und dabei helfen würden.“

Sein Blick, der mich mehr als deutlich musterte, verhieß nichts Gutes; offenbar hatte mich Siebels nicht ohne Grund mitgenommen. „Sie kennen sich doch mit einigen Sachen aus, hat man mir gesagt.“ Ich wand mich. „Sachen“, brachte ich hervor, „was denn für Sachen?“ „Naja“, säuselte Spotzke, „so Sachen eben – was man im Fernsehen halt braucht für ein interessantes Programm. Politik, Wirtschaft, Verbrechen.“ Siebels runzelte die Stirn. „Die Übergänge sind da ja fließend.“ „Und wie soll ich Ihnen da helfen?“ Spotzke deutete eine leichte Verbeugung an. „Hin und wieder senden wir einen Kommentar“, erläuterte er, „eine Einschätzung zur Lage, kurz: eine Expertenmeinung. Und da hatten wir eben an Sie gedacht.“

Ganz zufällig befand sich ein Mikrofon sowie ein Aufnahmegerät in der Kantine, und wie von ungefähr näherte sich auch eine Tontechnikerin aus der gegenüberliegenden Ecke, als Spotzke ihr zunickte. „Wir wollen doch diese Gelegenheit auch gleich nutzen“, schwafelte er. „Sie könnten uns in ein paar knappen Sätzen die politische Situation beschreiben, in der wir uns gerade befinden.“ Mit so einer präzisen Aufgabenstellung hatte ich nicht gerechnet, deshalb fragte ich noch einmal nach, was genau er sich unter der politische Situation denn vorstellte. „Erklären Sie einfach“, drängte er, „das können wir hinterher dann immer noch schneiden.“ Die Technikerin drehte an zwei Knöpfen und schob einen Regler nach oben. „Die Situation ist aktuell angespannt“, begann ich, „Europa ist auf dem Weg in eine…“ „Bisschen mehr“, zischte Spotzke. „Und bitte!“ „Wir befinden uns aktuell in einer sehr stark angespannten Gesamtsituation, die Europa keinen anderen Weg mehr lässt als eine entschiedene…“ „Nein!“ Er winkte ab. Die Tontechnikerin drückte auf die Pausentaste. „Ich meinte doch nur: etwas lauter, aber ansonsten war es schon ganz gut.“ „Und wenn es nun um Amerika geht, wollen Sie das dann auch senden, wenn es gar nicht dazu passt?“ Er hob beschwichtigend die Hände. „Keine Sorge, wir machen eine Sendung über Deutschland, da passt es auch nicht rein.“

Einige Exkurse später über die angespannte Lage der Wirtschaft sowie diverse internationale Spannungen auf dem Gebiet der internationalen Entspannungspolitik fragte ich nach, wie er sich diese Zusammenarbeit denn nun vorstellen würde. „Wir rufen Sie rechtzeitig an“, versicherte er. „Die moderne Technik würde es auch erlauben, dass Sie von zu Hause aus kommentieren – es sei denn, wir könnten Sie für unseren Fernsehsender gewinnen.“ „Sie schicken dann doch hoffentlich einen genauen Überblick über das Thema“, wandte ich ein. „Wie sonst soll ich komplexe politische Sachverhalte ohne einen Überblick über die Nachrichtenlage…“ Doch er schüttelte den Kopf. „Vergessen Sie das.“ Ich verstand erst nicht. „Zeitung lesen und ab und zu das Radio anschalten, das reicht meistens für die Kommentare aus. Wir sagen ihnen dann Bescheid, ob wir dreißig Sekunden Politik oder zwanzig über die Börsenentwicklung benötigen.“

Siebels beäugte kritisch seinen Kaffeebecher. „Eigentlich“, merkte er an, „hatten Sie ja nur für die Kulturabteilung gesucht.“ Spotzke nickte. „Richtig, da sind die Preise in letzter Zeit auch ein bisschen verrutscht, das heißt, eigentlich zahlen wir da gar nichts mehr.“ Ich wollte mich schon geräuschvoll zum Gehen wenden, da griff er nach meinem Arm. „Wir können es ja mal ausprobieren, der Ton läuft einfach mit. Klavierkonzert von Jorge Kempinski?“ Ich räusperte mich. „Der Solist überzeugte in den Solopassagen durch eindrucksvollen Anschlag.“ Spotzke begann zu strahlen. „Vernissage von Lola Bumsheim.“ „Wo?“ „Galerie Dingsbums“, warf Siebels ein. „Das Werk lebt von seinem nahezu unverstellten Ausdruck.“ Er klatschte in die Hände. „Und nun noch eine neue Ballettinszenierung vom Tanztheater Bad Gnirbtzschen.“ „Die Tanzsprache der Compagnie wird dominiert vom Willen zum eindrucksvollen Ausdruck.“

Siebels hatte es gerade noch verhindern können, dass der Ressortleiter mir um den Hals fiel. So kam ich mit einem nicht besonders lukrativen, dafür aber auch nicht unbedingt anspruchsvollen Nebenjob aus der Sache raus. Vermutlich würde ich schon bald einen Anruf erhalten, um eine Opernpremiere oder einen Erdrutsch zu besprechen. „Ich würde zu gerne wissen, wie dieser Laden bisher Experten besorgt hat.“ Siebels spie das Streichholz im hohen Bogen in den Papierkorb. „Wenn Sie Zeit haben, erzähle ich Ihnen, wie man hier Bundeskanzler wird.“





Katastrophenhilfe

21 07 2021

„… schon Tage vor der Jahrhundertflut davon in Kenntnis gesetzt worden seien. Merkel sehe nun die Einrichtung einer schnellen Eingreiftruppe gegen die Folgen der Katastrophe als notwendigen Schritt auf dem Weg in eine…“

„… lasse sich Laschet nicht von Meteorologen sagen, wie er als zukünftiger Kanzler zu regieren habe. Er werde die Ergebnisse des Krisenstabes aus Nordrhein-Westfalen in einer…“

„… mehrere Jahre dauern werde. Politische Beobachter aus dem Ausland seien nicht überzeugt, dass bis zum Ende der Aufbauarbeiten einer der deutschen Politiker noch auf freiem Fuß, geschweige denn in ihren Ämtern als…“

„… sei der Staatskanzlei nicht bekannt, dass es einen Krisenstab gebe, geschweige denn, dass dieser wegen der Überflutung tage. Möglicherweise habe der Ministerpräsident einen seiner Späße gemacht, um die Unwichtigkeit dieses Gremiums auf deutliche Art in der Öffentlichkeit zu…“

„… dass Scheuer möglicherweise nicht wegen seiner Zuständigkeit für die Verkehrsinfrastruktur zum Leiter der Taskforce berufen worden sei. Es habe Hinweise gegeben, dass er noch über externe Beratungsleistungen im Wert von 600 Millionen Euro verfüge, die bereits bezahlt, aber noch nicht in Anspruch genommen worden seien für eine weitere Klage vor dem…“

„… den Ausfall den Mobilfunknetzes in den betroffenen Gebieten für nicht gravierend halte. Laschet empfehle stattdessen, das Internet zu Hause zu nutzen, sobald die Stromversorgung wieder…“

„… natürlich sofort als Vorsitzender eines nationalen Krisenstabes zur Verfügung stehen werde, wenn dies mit Bundesmitteln für NRW verbunden sein sollte. Andernfalls werde Laschet den Vorsitz eines solchen Arbeitskreises nicht in…“

„… habe Spahn erklärt, er sei mit den letzten beiden Aufträgen zum Management der Testzentren sowie zum Komplettversagen des Managements der Testzentren sehr zufrieden gewesen, da er dort gar nicht erst mitgearbeitet habe. In ähnlichem Maße könne er sich jetzt eine leitende Funktion in der Hochwasser-Taskforce vorstellen, falls sich dies in seinem Gehalt unabhängig von der wirklichen…“

„… die Eindämmung von Hochwassern nur durch konsequente Überbauung aller Flussläufe im Rheinland zu erreichen sei. Scheuer habe die Pläne für ein Netz von 20-spurigen Autobahnen und Schnellstraßen bereits mit einigen gerade neu gegründeten Beratungsagenturen für…“

„… die Abtragung alter Siedlungsgebiete in NRW außerdem eine gute Übungsmöglichkeit sei, wenn Einsatzkräfte gerade keine Jugendlichen verprügeln oder Dörfer niederreißen könnten. RWE hoffe, dass sich unter den Flutgebieten schon in wenigen Jahrmillionen abbaubare Kohle für den…“

„… halte Laschet den Vorschlag Scheuers für ein gutes Konzept. Er werde dafür sorgen, dass der Autobahnbau großen Gewerbeflächen zugute komme, auf denen Küchenstudios und…“

„… stelle die Union ihren Wahlkampf um auf Et hätt noh emmer jot jejange för us, da man mit den Stimmen einiger hundert Todesopfer nicht mehr rechne und daher nicht mehr in ihrem Namen…“

„… die Gesetzeslage in Nordrhein-Westfalen keine Katastrophenhilfe für Privathaushalte mehr zulasse. Obwohl die Landesregierung die Gelder bereits fest versprochen habe, werde man sich an die gesetzlichen Vorgaben halten, um nicht wie die linksgrünen Parteien einen Raubbau an den…“

„… die Binnenschifffahrt mit Schiffsdiesel auf den Autobahnen zu ersetzen. Nach Scheuers Plan sei der Duisburger Hafen dann zwar nur über die Luft zu erreichen, da ein Luftfrachttaxiterminal die Güter auf die Schiffe bringe, von wo aus sie an den neuen unterirdischen Bahnhof und die…“

„… dass Laschet gegen seine eigenen Gesetze verstoßen müsse, wenn er der Bevölkerung die versprochenen Gelder zur Verfügung stellen wolle. Die Landes-CDU gehe jedoch davon aus, dass er sich in diesem Fall aus wahlkampftaktischen Gründen für ein Festhalten an der juristischen…“

„… eine Befragung der Wähler ergeben habe, dass die Mehrheit keinen Wert auf die Taskforce lege. Etwa 95% der Einwohner meinten zur Katastrophenhilfe, dass die meisten Katastrophen nur mit Hilfe der Landesregierung stattgefunden hätten, weshalb sie keine weitere…“

„… die Kosten des Infrastrukturprogramms bis 2080 jährlich 400 Milliarden Euro benötigen würden. Scheuer habe die Finanzierung bereits sichergestellt, da er fest mit den Einnahmen aus der Autobahnmaut sowie einer Wiedereinführung des Solidaritätszuschlages für Zuwanderer und…“

„… für mehr Vertrauen der Bürger in die Maßnahmen der Taskforce werbe. Laschet wolle auch weiterhin nicht, dass Flutwarnungen an die Bevölkerung weitergegeben würden, da nur der mehrmalige Wiederaufbau in den kommenden Jahrzehnten die Mittel für die geplanten Steuersenkungen in der…“

„… der Straßenbau technisch nicht mehr zu bewerkstelligen sei, da auf lange Sicht nicht mit einer ausreichenden Energieversorgung zu rechnen sei. Scheuer habe in Absprache mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung beschlossen, den Bürgern zum Trost eine Verschrottungsprämie für Elektroautos zu spendieren, wenn diese die Fahrzeuge nicht bewegen, sondern statt ihrer alten Kraftwagen auf den geplanten Parkplätzen im…“





Kalte Küche

19 07 2021

„… zwar für eine Beschleunigung der Maßnahmen im Klimaschutz sei, aber den Wohlstand der Automobilindustrie nicht gefährden wolle. Laschet lehne das EU-Verbot von Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotor ab und werde daher die…“

„… nicht für die Bundesrepublik Deutschland sprechen könne. Der für Fall eines Wahlsieges angekündigte Austritt aus der Europäischen Union sei ohne die Zustimmung der Bevölkerung nicht…“

„… ein menschenwürdiges Leben ohne einen benzinbetriebenen Sportwagen nicht mehr möglich sei. Lindner halte die Entscheidung für sehr viel unmoralischer als den Atombombenabwurf über Hiroshima und die ungerechte Behandlung Hitlers durch die sozialistische Propaganda der…“

„… dass das Land Nordrhein-Westfalen mit sofortiger Wirkung aus der BRD austrete und als souveräner Staat außerhalb der EU existiere. Als Staatsoberhaupt werde sich Präsident Laschet vom kommissarischen Staatsrat, dem allein er angehöre, ins Amt wählen und zugleich auf Lebenszeit…“

„… der Absatz der Küchenhersteller sofort auf 0% gesunken sei, da sämtliche Werkstoffe aus dem EU-Ausland importiert werden müssten. Laut Staatsregierung sei dies nicht gravierend, da Laschet in seiner Funktion als Wirtschaftsminister die Prognose herausgegeben habe, dass der Verkauf von Einbauküchen im eigenen Land sich um bis zu 100% in einem…“

„… die Abwanderung der Wirtschaftsbetriebe aus NRW in einem erschreckenden Maß zunehme. Auch die Ausreise der Arbeitnehmer vorwiegend in die westdeutschen Bundesländer verdoppele sich beinahe täglich. Innenminister Laschet habe vor Journalisten von BILD erklärt, von exponentiellem Wachstum spreche er erst, wenn mehr Einwohner in seinem Staat fehlen würden, als es vorher auf dem Gebiet des heutigen…“

„… die Versorgung mit Lebensmitteln ein kritisches Niveau annehme. Die von der EU zuvor angekündigten Zölle seien schuld, dass Lieferungen nach Nordrhein-Westfalen auf den immer noch kaum befahrbaren Straßen nur langsam und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen…“

„… dem Tagebau der Strom zum Abpumpen der voll gelaufenen Gruben fehle, der zu kurzfristigen Ausfällen von Kohlelieferungen zur Verstromung in den Kraftwerken führe, so dass die Versorgung mit Elektrizität höchstens auf zwölf Stunden geplant werden könne. Energieminister Laschet habe dem energisch widersprochen und klargestellt, dass es für mindestens zwölf Stunden und zehn Minuten Strom gebe, in seinem Privathaus sogar für drei bis vier…“

„… eine Einigung mit der Bundesrepublik unter Merkel nicht zu erzielen sei. Die von Innenminister Laschet als Klimaflüchtlinge bezeichneten Bürger, die noch immer in großer Zahl nach Hessen und Rheinland-Pfalz auswandern würden, seien in den Augen von Innenminister Seehofer politische Flüchtlinge, die man schon wegen ihrer deutschen Staatsbürgerschaft nicht einfach wieder in ihr Herkunftsland abschieben dürfe. Damit sei der politische Plan gescheitert, aus NRW ein Land des innovativen…“

„… sei die Wirtschaft komplett gegen die Pläne von Finanzminister Laschet, das von Flutschäden beschädigte Straßen- und Schienennetz bis auf Weiteres in seinem jetzigen Zustand zu belassen. Entwicklungsminister Laschet habe im Absprache mit dem Wirtschaftsminister jedoch betont, dass Nordrhein-Westfalen als Land der Binnenschiffer auch wichtige Innovationsbranchen wie den Küchenbau und die Flugtaxiherstellung mit neuartigen Methoden bis 2045 wieder…“

„… rufe der Ernährungsminister das Volk auf, importierte Ware wie Kartoffeln oder Margarine zu boykottieren und stattdessen heimische Produkte wie Tiefkühlpizza oder Spaghetti zu verzehren. Es gebe eine nordrhein-westfälische Leitkultur, die gegen die Einflüsse des Auslands verteidigt werden müsse, um die nationale Identität wieder zu…“

„… könne es keine Steuersenkungen geben, da die Schulden, die auf der Flutkatastrophe beruhen würden, dies nicht zuließen. Eine Ausnahme werde Finanzminister Laschet allerdings bei Haushalten machen, deren Einkommen oberhalb der…“

„… seien aus den Niederlanden zollpflichtig importierte Kroketten ab sofort verboten. Es werde auf Justizminister Laschets Anweisung, dass die Bevölkerung mit den Folgen der Befreiung vom europäischen Terrorregime zu leben lernen müssten, eine nachhaltig sich zur kalten Küche bekennende Generation von…“

„… sei der Betrieb von Verbrennern auf den Straßen im Staatsgebiet ohnehin nicht mehr möglich, da der letzte Kraftstoff vor drei Wochen verbraucht worden sei. Die Gewinnung von grünem Wasserstoff aus verstromter Kohle werde laut Präsidialratsminister Lindner noch innerhalb der Lebenszeit der jetzt geborenen Bürger von…“

„… auch niemand die Absicht gehabt habe, eine Mauer zu errichten. Der von Verteidigungsminister Laschet um die nordrhein-westfälische Staatsgrenze gezogene antisozialistischer Schutzwall solle die weitere Flucht des Hauspersonals im Palast des Präsidenten sowie ein Überlaufen von…“

„… und den Staatsbankrott mit dem Gesetz zur Anpassung an die Folgen der Staatsgründung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zu Last lege. Mit der Umbenennung des neuen Staates in Groß-Arminien werde man auch diese Verbindung mit dem Land der Küchenbauer in die Geschichte verweisen und auf ein innovatives…“





Bildungsverständnis

7 07 2021

„Homeoffice ist ja zum Glück bald vorbei, man kann wieder ganz normal mit dem Auto zur Arbeit fahren. Das ist auch ganz gut so, uns fehlen ja nicht nur die Einnahmen aus der Mineralölsteuer, es sind auch die leeren Autobahnen. Wir können doch nicht ständig neue Autobahnen bauen, wenn keiner mehr darauf fährt.

Kommen Sie mir nicht mit Bahnen, die sind viel zu voll – das auch daran, dass die Menschen sich nicht genug Autos kaufen. Deshalb müssen wir die Autos billiger machen, dann lohnt sich ja auch der billige Kraftstoff, und dann haben wir auch einen richtigen Investitionsanreiz, um mehr Autobahnen zu bauen, um den Stau zu vermeiden, der aus der vermehrten Anzahl an Autos resultiert. Das müssen Sie mir nicht vorrechnen, oder denken Sie etwa, die Bundesregierung sei bescheuert?

Haben Sie eigentlich eine Ahnung, was so eine Eisenbahnbrücke kostet? Oder ein Meter Schiene? Das sind enorme Summen, vor allem auch, weil die letzte Bundesregierung die anderen davor nicht im Auge behalten hat, was die Instandhaltung kostet. Wenn man da jahrelang kein Geld ausgibt, muss man irgendwann richtig viel Geld ausgeben. Das ist ein politischer Grundsatz. Das ist so grundsätzlich, damit müssen wir uns noch nicht mal beschäftigen. Und deshalb setzen wir auf den Autoverkehr, weil der viel wirtschaftlicher ist – über so eine Brücke oder diesen Schienenmeter kann ja immer nur ein Zug gleichzeitig fahren, aber über eine Autobahn, da kommt es immer darauf an, wie viele Spuren die hat. Und man kann leichter eine dreispurige Straße fünfspurig ausbauen als eine Eisenbahnbrücke, das muss ich Ihnen doch nicht erklären?

Die Kosten sind übrigens auch viel höher, das kommt noch dazu. Wenn Sie einen Meter Schiene instand halten wollen, müssen Sie auch für Ersatz sorgen. Bei einer Autobahn gibt es einfach eine Umleitung. Und dann haben Sie noch diese Züge, die sind ja auch ganz schön teuer, das kostet den Steuerzahler jede Menge Geld, während so ein Auto der Wirtschaft eine Menge Geld einbringt und ganz nebenbei über die Unternehmenssteuern und die Umsatzsteuer den Steuerzahler netto sogar entlastet. Das entlastet den so sehr, wir könnten eine von den Steuern sogar senken. Dass keine Bundesregierung bisher auf solche Ideen gekommen ist, das wirft nun wirklich ein schwaches Bild auf dies Land.

Wir kommen Sie auf den Gedanken, dass das Auto die Haushalte belastet? Das ist überhaupt kein Thema für den Staatshaushalt, das kaufen Sie sich als mündiger Bürger doch schließlich selbst. Oder erwarten Sie jetzt, dass wir allen Menschen ein Auto kostenlos vor die Tür stellen, nur weil wir ihnen die Autobahnen auch schon kostenlos bis genau an die Anschlussstellen gebaut haben? Sind wir hier im Sozialismus?

Und jetzt kommen Sie mir nicht auch noch mit diesem linksradikalen Tempolimit! Wenn wir das in Deutschland einführen, dann können wir nämlich bald den Laden dichtmachen. Tempo 100 im ICE, da kommen Sie ja nie an! Ich frage Sie ganz direkt, wenn Sie mit dem Bummelzug zum Flughafen fahren, weil Sie nach Mallorca wollen, wie lange wollen Sie denn dann in der Bahn sitzen? Da kann ich ja gleich mit dem Taxi fahren, das ist im Zweifel sogar noch preiswerter als der Zug, weil ich da für den Strom nicht ständig diese unglaublich teuren Windräder in die Gegend bauen muss!

Überhaupt, Windräder – Sie regen sich doch sonst auch immer über Zersiedelung auf und noch mehr versiegelte Flächen, aber haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass man im Umkreis von einem Kilometer um so ein Windrad überhaupt gar nichts mehr bauen darf? Oder ist das für Sie als Verbotsfetischisten dann okay, wenn man dadurch den Verstädterungsprozess fördert, der wieder mehr Straßenbaumaßnahmen in der Stadt erfordert? Das sind alles Folgekosten, oder wie wollen Sie denn bis zur Anschlussstelle kommen? In der Umwelt hängt eben allen mit allem zusammen, aber so weit denkt ja bei Ihnen keiner. Das überlassen Sie wohl lieber der Bundesregierung, die Sie ja ansonsten total ablehnen.

Sie reden doch die ganze Zeit davon, dass diese Klimasache ein globales Problem ist, wieso soll die Bundesregierung sich denn auf eigene Kosten mit regionalen Lösungen daraus verabschieden? Oder gibt es in Ihrer Physik irgendein Modell, bei dem das Abschmelzen der Polkappen durch Windräder in Nordrhein-Westfalen verhindert werden kann? Wobei ich ja eher nicht glaube, dass Sie in Physik irgendwas gelernt haben. Aber das passt ja bestens zu Ihrem Bildungsverständnis, dass Sie die Jugend lieber zu Berufsdemonstranten umerziehen wollen, statt sie etwas Vernünftiges lernen zu lassen, wovon wir diesen ganzen Spaß bezahlen. Oder wollen Sie in Ihrer unendlichen Gnade Ihr Auto verkaufen, um davon ein Windrad zu finanzieren?

Jetzt seien Sie mal nicht gleich eingeschnappt, man kann doch vernünftig über alles reden. Nur halt nicht mit jedem. Wenn Sie ein bisschen mehr Kompromissbereitschaft zeigen würden, wären wir vielleicht auch bereit, uns einen sozialverträglichen Weg zu überlegen, wie man Deutschland ein wenig ökologischer gestalten könnte. Da kommen Sie mit Wissenschaft nicht weiter, das muss man auch für die Zukunft gestalten, und Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Sie jetzt schon wüssten, was die Wissenschaftler in der Zukunft erzählen. Das wäre ja so, als würden Sie einer Wettervorhersage für nächstes Jahr glauben. Nein, lassen Sie uns das gemeinsam anpacken. Jetzt sofort. Uns hält nichts auf, die Pandemie ist ja zum Glück vorbei.“





Nicht mehr vermittelbar

6 07 2021

„… auch von führenden Unionspolitikern scharf kritisiert worden sei. Der Kanzlerkandidat sei für die Aufgabe als Regierungschef nicht geeignet, wenn er nicht einmal in der Lage sei, seine eigene Partei für einen vernünftigen…“

„… aber nur auf demokratische Weise geregelt werde. Laschet habe nach längerem Nachdenken erklärt, dass er sich selbst auf demokratische Weise für den einzigen geeigneten Kandidaten der…“

„… halte auch Maaßen am CDU-Chef fest. Der Wechsel eines Kandidaten kurz vor der wichtigsten Wahl seit 1933 könne nur durch eine von jüdischem Kapital finanzierte Revolution linkslinker…“

„… notwendig sei, da Laschet beim Verlassen des Ministerpräsidentenamtes auch der Verlust der parlamentarischen Indemnität drohe, was angesichts der staatsanwaltschaftlichen Ermittlung in mehreren Fällen von Unterschlagung und Steuerhinterziehung die Wahl zum Bundeskanzler erschwere. Das CDU-Präsidium zeige sich für neue Verhandlungen mit der bayerischen Schwesterpartei daher wieder…“

„… stehe Söder jetzt für eine Übernahme der Spitzenkandidatur nicht mehr zur Verfügung, da er sich um seine Aufgabe als Ministerpräsident zu kümmern habe. Er wünsche seinem ehemaligen Kontrahenten einige angenehme Wochen im Amt, bevor dieser sich an der Realität gründlich den…“

„… vertraue Laschet auf die Umfrage, die die CDU-Basis durchführen werde. Er rechne fest mit einem überragenden Sieg, der seine politischen Positionen nochmals auf eine…“

„… sei das Rechtsverständnis des jetzigen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen in zahlreichen Fällen klar verfassungswidrig. Auch der Wirtschaftsflügel halte ihn für nicht geeignet, die kommende Bundesregierung anzuführen, da der Ruf Deutschlands als zunehmend undemokratischer Staat negative Einflüsse auf Investoren aus…“

„… sich nur drei Prozent der Mitglieder für Laschet als geeigneten Kandidaten ausgesprochen hätten. Der Parteichef sehe darin einen von den Grünen und fremdländischen Geheimdiensten inszenierten Wahlbetrug, bei dem Zehntausende von Briefkästen mit nicht nachweisbaren Strahlen beschossen worden seien. Er erkenne das Ergebnis nicht an und halte weiterhin an seiner…“

„… das Management geschlossen zurücktrete. Mit den von persönlichen Beleidigungen und Lügen geprägten Äußerungen des Kandidaten sei kein Erfolg versprechender Wahlkampf für die Union mehr zu führen, weshalb sich eine sofortige…“

„… fürchte das Präsidium, dass Kompromat in nicht mehr handhabbarer Menge über ausländische Kanäle an die deutschen Medien geliefert werde, mit denen der Kandidat Laschet der bürgerlichen Mitte nicht mehr vermittelbar sei. Es sei noch nicht zu spät für eine deutliche und klar entschlossene…“

„… habe Merz für den Fall eines vorzeitigen Scheitern der Regierung Laschet angeboten, als Kanzler und Führer sämtlicher Bundesministerien die deutsche Nation gegen den…“

„… ein Großteil der Bundestagsfraktion den Parteiausschluss von Maaßen fordere. Wie das ARD-Hauptstadtstudio berichte, würden zahlreiche Abgeordnete von der Haltung des Vorsitzenden abhängig machen, ob in diesem Zusammenhang auch gegen ihn ein…“

„… habe Söder in einem Sommerinterview über seine politischen Pläne gesprochen. Er wolle nach der erfolgreichen Zeit als Ministerpräsident des Freistaates gemeinsam mit seinen Parteifreunden das Fernziel seines großen Vorbildes Franz Josef Strauß verwirklichen und die Christlich-Soziale Union auf ganz Deutschland ausdehnen, um in den künftigen Bundestagswahlkämpfen kein bestenfalls fünftklassiges Personal in den…“

„… sich der Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Industrie gegen eine Kanzlerschaft von Laschet ausgesprochen habe. Das öffentliche Auftragswesen werde bei einem Regierungschef, der auch an guten Tagen nicht an die intellektuelle Leistung eines Grundschülers heranreiche, nicht in erforderlichem Maße zu…“

„… dass sich Söder einen Wechsel nach Berlin gut vorstellen könne. Voraussetzung sei, dass er nach seiner Zeit als CSU-Chef die Wahl das Amt des Bundespräsidenten der…“

„… durchgestochen worden sei. Das Layout der BILD-Titelseite mit der Schlagzeile EINEN TAG NACH DER TAT GRINST DIE DRECKSAU SCHON WIEDER sei ohne einen bestimmten Anlass entworfen worden, um flexibel auf die Anforderungen von Verlag und…“

„… drohe Ziemiak jedem Parteimitglied, das im Wahlkampf über Inhalte sprechen wolle, den sofortigen Parteiausschluss an. Wer sich mit linkem Populismus wie der Forderung nach einem CDU-Wahlprogramm gegen den nächsten Bundeskanzler stelle, der werde die volle Härte der deutschen…“

„… habe Laschet gedroht, dass er im Falle einer erfolglosen Kanzlerwahl im Bundestag die Höhe der Nebeneinkünfte für alle Abgeordneten der…“

„… ihn nie gemocht, weshalb er eine künftige Zusammenarbeit ausschließe. Lindner sei als…“

„… sich mit einer Strumpfhose zu strangulieren versucht habe. Da es sich um Kinderbekleidung gehandelt habe, könne man ein Versehen oder eine unsachgemäße Anwendung beim Anziehen so gut wie ausschließen. Der CDU-Vorsitzende befinde sich derzeit in der…“

„… sich um eine Falschmeldung handle. Die Grünen seien keinesfalls daran interessiert, Habeck zum Spitzenkandidaten zu küren und würden auch weiterhin mit Baerbock als der einzigen…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXI): Politik als Kasperletheater

2 07 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Man stelle sich das vor: Ugas Sippe beklagt das Ableben des Häuptlings im gesegneten Alter von 29 Jahren, organisiert die rituelle Entsorgung und trifft dann die Entscheidung in Übereinstimmung mit der von den Ahnen überlieferten Direktive. Sie prüfen die geistige Leistungsfähigkeit ihrer Truppe – noch muss sich keiner die Schuhe zubinden oder einen Schraubendreher bedienen können, das Pleistozän bietet ganz andere Herausforderungen – und dann entscheiden sie sich für den Tumbklumpen, der das Aussterben der Art geradezu erstrebenswert macht. Er aber hat fortan den Hut auf, darf bestimmen, wer mit welchem Gerät auf Säbelzahnziegen geht, und kriegt die besten Buntbeeren. Man lebt gefährlich unter solchen intellektuellen Aufstockern, die wirre Antworten liefern auf Fragen, die sie nicht verstehen. Mit dem heutigen Personal hätte sich der Hominide schon vor dem Ende der Steinzeit sauber von der Bildfläche entfernt.

Der Selbstdarstellungsdrang des modernen Vertreters einer Kaste zwischen Gestaltung und Verwaltung hätte für einen ganz passablen Mimen gereicht, nicht aber sein Talent; so zieht es ihn nach oben auf die Bühne, um wenigstens zum Volke zu schwatzen, ohne sich mit Sachverstand zu belasten, und es glauben zu machen, der verdübelte Clown da sei schon irgendwie brauchbar, solange nichts Besseres um die Ecke kommt. Die Abwärtsspirale der vergangenen Jahrzehnte hat den Beruf des Politikers zu einem Auffangbecken für Hirnschrott und soziale Glitschigkeit verkommen lassen. Der große Auftritt als Ministrant ist für die Darsteller eine Heldenrolle, die meist nicht mehr hergibt als eine schmierige Knallcharge – aber man steht auf der Bühne, wenn auch Lakaien den Jubel liefern.

Natürlich darf man Politik, zumal die auf der nationalen Ebene betriebene mit internationaler Verantwortung, nicht einfach mit Entertainment verwechseln; Unterhaltung bedarf der minutiösen Vorbereitung, einer kritischen Reflexion und vor allem der Begabung, die geistige Fallhöhe gegenüber dem Publikum sehr genau einschätzen zu können. Das politische Geschäft wird oft nur betrieben zur Befriedigung persönlicher Eitelkeiten, zur Bereicherung und anschließend zum Schutz vor der Strafverfolgung, während man sich die Fettzellen im Chefsessel breitsitzt, notgewassert im Abklingbecken der Behämmerten.

Wie auch sollte eine Rotte stromlinienförmiger Deppen, die nie in der Wirtschaft gearbeitet haben, weil man sie da nicht einmal als Hilfshausmeister beschäftigen würde, da die Verbindung zwischen Führungsansprüchen und Intellektdefizit selten eine gute ist, mit den Niederungen einer tatsächlichen Arbeit konfrontieren. Das schwiemelt sich lieber eine Parallelwelt mit einem Paralleljob neben der Abgeordnetentätigkeit, der ihnen fürs Nichtstun und die Verwendung offizieller Kontakte eine hübsche Rendite verschafft. Und so geriert sich der schlicht ausgestattete Vogel am Ende noch als erfolgreich und schiebt es auf seine Gabe, vor seinesgleichen sämtliche Aggregatzustände von Beklopptheit zu durchlabern. Die Inszenierung gesellschaftlicher Verhältnisse ist günstigerweise beschränkt auf die Außensicht, bei der nur das Plenumsgeschwätz als Kerngeschäft des Parlamentarismus öffentlich ins Bewusstsein dringt. Nichts ist so attraktiv wie ein Job, in dem der gemeine Koksgnom bar jeglicher Verantwortung als Abrissbirne über einem Staat pendeln dürfen, ohne je mit den Konsequenzen konfrontiert zu werden.

Was aber leistet dieser Zirkus aus Korruption, Schnappatmungsgeplapper und Intrigantenstadl für die Allgemeinheit? Symbolpolitik, die vor allem auf die Wiederwahl schielt, um die demokratische Fassade nicht bröckeln zu lassen, so wie auch nach dem Auftritt Kasperle, Krokodil und Schutzmann wieder im Kasten verschwinden, und nichts hat sich geändert, nicht einmal bei den Laiendarstellern. Sie bleiben bei ihrer arttypischen Beratungsresistenz, die sie sämtliche Belange außerhalb ihres eigenen Körpers gründlich ignorieren und ausblenden lässt, bis auf die Wirtschaft – wobei auch diese letzte Bastion inzwischen fällt, wenn die Konzernlenker begreifen, dass ihnen die Politik die komplette Umwelt um die Ohren fliegen lässt, teils aus Wirklichkeitsblindheit, teils aus Angst, tatsächlich einmal Entscheidungen treffen zu müssen, die die eigene Amtszeit (und damit die Chance auf eine gesicherte Wiederwahl) überdauern. Dazu braucht’s dann eine zivile Gesellschaft, die sich von den Stars nicht blenden und sie ruhig in den Kulissen irren lässt, während die Arbeit an anderer Stelle getan werden kann. Es sei denn, die Histrionen brennen gleich das ganze Theater nieder, weil sie nicht oft genug alleine auf der Bühne stehen können. Und nicht in der Rolle, die ihnen passt.

Jeder ist so lange ein Narr, bis er begreift, dass er ein Narr ist. Aber wir haben uns als Gesellschaft wohl schon so an diese Kasperade gewöhnt, dass wir bei ernsthaften Politikern, die lenken und leiten können, zurückschrecken und hoffen, dass wir es mit den Knalltüten irgendwie überleben, wenn sie uns nicht alle vernichten. Notfalls sind wir es, die die Buntbeeren besorgen. Oder eine Badewanne.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXX): Doomscrolling

25 06 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wir entrinnen ihnen nicht, denn sie sind da. Sie sind überall. Wir können die Augen und die Ohren verschließen, aber nicht vor ihnen. Sie haben sich längst von Raum und Zeit gelöst, indem sie etwas definiert haben, was ohne Zeit und Raum ist, mehr noch: was uns Raum und Zeit nimmt. Es sind die Informationen, Nachrichten, Fakten, aus denen wir auf selbst gewählten Kanälen beschossen werden, geflutet, erschlagen – je mehr wir von ihnen in die Synapsen gedrückt bekommen, desto mehr wollen wir auch haben. Es nimmt kein Ende, das wissen wir, und deshalb ist auch kein Ende in Sicht. Was in unserer Weltsicht, die nun einmal von Katastrophen globalen Ausmaßes geprägt sein muss, nur auf eine Übersättigung mit Desastern hinauslaufen kann. Wir haben alles, darum wollen wir mehr. Wir sind knietief im Doomscrolling.

Das digitale Endgerät und die Plattform unseres Vertrauens haben die News sorgfältig sortiert und aufbereitet. Klimawandel, Delta-Variante, es wird präzise in unsere Hirnrinde geschwiemelt, wo sich derselbe Dreck schon in Überdosis befindet. Dort lagert sich der minimal variierte Schrecken an, der alsbald nachwächst: alle paar Sekunden ein neuer Tweet, alle paar Minuten ein neuer Feed, gerade noch gelesen, jetzt schon veraltet. Aus Angst, die jeweils aktuelle Eskalationsstufe zu verpassen, nehmen wir die Angst vor allem anderen in Kauf. Und auf was wäre unser Leben besser konditioniert als auf die grassierende Angstlust.

Der klassische Fall, sich ein Horrorszenario zu zimmern, besteht ja immer noch daraus, beliebige Symptome in die Suchmaschine zu schmeißen, um die tödlichste Krankheit der Welt an sich selbst zu diagnostizieren. Ohrensausen, Zehenschweiß und Schluckauf: mit Sicherheit ein letaler Wurmbiss, seit gut zweitausend Jahren nicht mehr aufgetreten und daher therapieresistent wie der Dachschaden bei einem Querschwurbler. Gut, dass man’s vorher weiß, so macht sich immerhin der evolutionäre Nutzen der Gruselsucht bezahlt – je mehr man die Gefahren der Umwelt erforscht, desto weniger tödlich können sie sein, das Versterben am reinen Schock einmal ausgenommen. Wir kommen dem denkbar nah durch die Jagd nach dem Stress, der in der untergangsfixierten Jagd nach dem Thrill steckt.

Die optimierungsgestählte Gesellschaft der Facedowner, die ohne ihren Taschen-Rechner kaum zum Latte-macchiato-Laden fände, sie kann schon gar nicht mehr anders, als wenigstens einen kleinen Vorsprung mit dem Daumen herauszuschubbern, wozu auch immer. Die medial gut betankte, sonst aber vorwiegend an die Selbstisolation gewöhnte Generation der Paralleluniversalgenies braucht gar keinen Planeten mehr, der um sie herum untergeht, sie erledigen das online. Was sie im Konsumismus gelernt haben, das sinnfreie Anhäufen immer größer wachsender Quantitäten unter stetiger Ignoranz der Inhalte, übertragen sie bräsig in ihre verzwergte Bildschirmexistenz. Da drinnen hört einen niemand schreien. Was ja nicht einmal schlecht ist.

Wohlmeinende Therapeuten bieten allerlei Rat, was man in der Spirale der Nullinformation tun könne: das Telefon nach zehn Minuten weglegen, nur zweimal am Tag die Schlagzeilen checken, die wichtigsten Meldungen nur aus einer Quelle holen, am besten den Schmodder in der Zeitung lesen und gleich darauf alles vergessen. Das aber gliche dem Versuch, einen Säufer mit Weinbrandbohnen in den Entzug zu schicken. Keine Prokrastination ist mit guten Worten zu bekämpfen, erst recht keine, die ihre Zeit- zur Sinnvernichtung ausbaut. Ist unser Hirn längst zu einem Filter mutiert, der nur noch den Schmutz durchlässt, so erklärt dies auch die Sogwirkung der Verschwörungsmythen, die in den Flusenlutschern reichlich Hohlräume zum Siedeln finden. Dem limbischen System ist es wumpe, was seine Belohnungsknöpfe drückt, und so ballern wir uns im Stakkato das hundertste Armageddon in die Birne, weil es auf echtes Informationsbedürfnis ja mitnichten ankommt. Wozu auch, der Stand des Wissens ändert sich permanent.

Wen wundert es da noch, dass im Rieselfeld des Grauengelabers allmählich die Vernunft über Bord geht. Der Bekloppte, der kritiklos jeden Müll glaubt und sich obsessiv damit zuschüttet, wird auch als erstes die relativierende Kraft der Wissenschaft mit falscher Skepsis von sich weisen, bevor er sie als Störsignal auszuschalten versucht. Schrecken ohne Ende, mehr will er nicht. Medial triggert dies die end- und ordnungslose Timeline, die von seicht bis übel gestörten Dummklumpen schreiend gekapert wird und rationale Botschaften ins Grundrauschen zurückdrängt. Wie jede Lust Ewigkeit will, wird die zwanghafte Verstopfung mit schlechten Neuigkeiten nur dann gestoppt, wenn das Mobildingsi die Grätsche macht, das Internet sich verabschiedet oder der Schlaf einsetzt.

Geht es uns nur beschissen, weil wir so viele miese Nachrichten vorgesetzt bekommen, oder lesen wir sie so triebgesteuert, weil es uns eh schon lausig geht? Die Antwort wird viele überraschen, aber keinen zufriedenstellen. Und niemand wird sich darüber freuen. Wie schön.





Es kam zu Störungen

23 06 2021

„Wie konnte das nur passieren?“ „Die Kameraden waren sicher einen Augenblick lang unaufmerksam, und dann haben sich die Dinge irgendwie in die falsche Richtung entwickelt.“ „Das ist doch keine Entschuldigung!“ „Vor allem werden die Gründe wieder nur in einer einzigen Situation gesucht, als würde so ein Fehlverhalten spontan entstehen.“ „Dabei wissen wir, dass dahinter immer eine länger anhaltende Entwicklung steckt.“ „Vermutlich wurde bereits bei der Einstellung geschlampt!“ „Das wird sich ja alles herausstellen, wir wollen erst einmal die Ergebnisse der Untersuchung abwarten.“

„Da muss man doch gar nicht warten, der Fall ist doch sonnenklar!“ „Erst hat er sich im Vorfeld der Kontrolle vollkommen praxiswidrig verhalten, dann hat er den ganzen Vorgang abzubrechen versucht.“ „Das sind die Fakten!“ „Wir haben drei Zeugen?“ „Alles Kameraden.“ „Wir können also davon ausgehen, dass die pflichtgemäß bei der Wahrheit geblieben sind.“ „Ich kenne zwei von denen, für die lege ich meine Hand ins Feuer.“ „Die sind seit Jahren im Dienst, da können wir saubere Arbeit erwarten.“ „Einer von den dreien hat sogar beobachtet, dass sich die betreffende Person derart unauffällig verhalten hat, dass ein dringender Tatverdacht quasi nicht übersehen gewesen wäre.“ „Dazu kam eben, dass der Beschuldigte…“ „Bis zu dem Zeitpunkt war er höchstens Verdächtiger.“ „Aber sehr verdächtig, das müssen Sie zugeben!“ „Also der Mann hatte eine szenetypische Hautfarbe und kam vom Parkplatz.“ „Was muss denn noch alles passieren, um mal richtige Vorschriften zu bekommen, mit denen man auch arbeiten kann?“

„Der erste Zeuge hat ausgesagt, dass unser beschuldigter Obermeister eine Kontrolle der auf dem Parkplatz…“ „Der hatte den Parkplatz bereits verlassen, es hätte sich also um einen Fluchtversuch handeln können.“ „… angetroffenen Person für nicht nötig hielt und dies den Kameraden so auch mitgeteilt hat.“ „Das ist ja die Schweinerei!“ „Da läuft am hellichten Tag so ein…“ „Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass ich in den Diensträumen auch bei informellen Zusammenkünften keinerlei beleidigende Formulierungen dulde.“ „Jedenfalls lief der Typ…“ „Was hatte ich gesagt?“ „Diese, ich würde das mal Person nennen wollen, der lief da also einfach so vom Parkplatz runter.“ „Die beiden Kameraden haben sich nicht an die Ansprache des anderen Kameraden gehalten und haben sofort eine Personenkontrolle durchgeführt?“ „Sie haben es versucht.“ „Es kam natürlich zu Störungen.“ „Und zwar vorsätzlich!“ „Diese Person wurde also von dem hier betreffenden Beamten mit ‚Guten Tag‘ angesprochen?“ „Er hat den gesiezt!“ „Wenn das jeden Tag vorkommen würde, dann hat von denen bald keiner mehr Respekt vor uns!“ „Hätten wir so ein vorsätzliches Fehlverhalten etwa auch noch vor dem entschuldigen sollen?“ „Ich möchte Sie mal sehen, wenn Sie eine Kontrolle mit so einer…“ „Ich hatte mich schon klar genug ausgedrückt, was ich von Ihrem Tonfall halte?“

„Es geht ja auch nur darum, dass wir oft gar nicht wissen, ob die uns verstehen.“ „Und dann kommt der auf die Idee und siezt den auch noch!“ „Die meisten verstehen das ja gar nicht.“ „Da ist dann die Aggression von diesen…“ „Bitte?“ „… also diese Personen, die werden dann sehr schnell aggressiv.“ „Hatten Sie nicht die Möglichkeit, auf die Situation deeskalierend einzuwirken?“ „Wenn der schon mit dem Siezen anfängt, dann will er doch, dass die ganze Sache aus dem Ruder läuft!“ „Man muss doch irgendwo auch mal ein bisschen Ahnung von Ausländern haben!“ „Die kontrollierte Person war aber kein Ausländer.“ „Und wie sollten wir das ohne Kontrolle wissen?“ „Also hellsehen können wir jetzt auch nicht!“

„Der hat dann in die Jackentasche gegriffen.“ „Der Kamerad war also quasi gezwungen, mit der Schusswaffe die Situation abzusichern.“ „Er hat hinterher ausgesagt, er habe nur Ihrer Aufforderung nachkommen wollen, seinen Personalausweis zu zeigen.“ „Da wurde er von einem der Kameraden auch schon sehr professionell abgesichert.“ „Er hat die Person zu Boden gerissen.“ „Das ist üblich, um die anschließende Durchsuchung effizienter zu gestalten.“ „Wenn man jemanden schon als Dieb oder Drogenhändler verdächtigt, kann man sich fast immer sicher sein, dass er auch illegale Waffen mit sich führt.“ „Die muss er weggeschmissen haben.“ „Das Kraftfahrzeug auf dem Parkplatz wurde ja leider nicht mehr durchsucht.“ „Weil es das Gericht nicht mehr für nötig hielt.“ „Ein Grund mehr, dass wir den laufen lassen mussten.“ „Die kontrollierte Person sah nach Aussage Ihres Kameraden gar nicht nach einem Dealer aus.“ „So einen Anzug kriegt man heutzutage schon im Kaufhaus.“ „Für Hartz IV.“ „Oder aus dem Container.“ „Eher aus dem Kaufhaus, da kann man den leichter mitgehen lassen.“ „Leider wurde der angeblich Verdächtige bei Ihrem Versuch einer Festnahme erheblich verletzt.“ „Der Rechtsstaat muss nun mal mit aller Härte durchgesetzt werden.“ „Da wir nicht davon ausgehen können, dass dieser Herr arbeitet, wird da kein volkswirtschaftlicher Schaden entstehen.“ „Ein Tag Krankfeiern ist jetzt auch nicht so wild.“ „Er ist in therapeutischer Behandlung.“ „Ja, das haben wir gerne: illegal einwandern, Kinder Heroin verticken – aber die bösen Deutschen!“ „Diese uniformierte Drecksau hat sich auch noch bei ihm entschuldigt!“ „Ja, das wird dann alles der Staatsanwalt erfahren.“ „Also den Kameraden so in den Rücken fallen…“ „… und unsere Arbeit torpedieren!“ „Da muss man rigoros sein.“ „Ich glaube, wir sind uns einig: so etwas hat in der Polizei nichts zu suchen!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXIX): Krise und Populismus

18 06 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Seitdem sich die Hominiden auf das Konzept Zivilisation eingelassen hatten, waren sie eigentlich immer im Krisenmodus. Nicht immer haben sie es gemerkt, mit einer etwas pessimistischen Haltung kann man Fortschritt ja auch schon mal mit Krise verwechseln, und das schwiemelt sich durch die Geschichte wie Neigung des Menschen, immerzu recht haben zu wollen und anderen die Schuld zu geben, wenn es mal nicht stimmt. Ein Zeitalter ohne Postkutschen wäre vor zweihundert Jahren wie ein Alptraum erschienen, ohne Schreibmaschine aber war noch Leben möglich. Die Europäer, besser: das, was von ihnen noch übrig ist, sterben vermutlich in naher Zukunft aus, weil sie nicht in der Lage sind, ohne zweimal im Jahr auf die Balearen zu fliegen, diesen Kontinent weiter zu besiedeln. Das reicht für eine weitere Krise, die das eine oder andere Land bis kurz vor den Umsturz bringt. Man munkelt, das Volk sei bereits gerüstet, den Rasen zu betreten. Es folgt doch nur der Weisheit, dass jede Krise in den Populismus mündet, unweigerlich.

Dass sich eine Gruppe in Problemsituationen den starken Mann herbeiwünscht und dabei allem hinterläuft, was nur laut genug brüllt, ist nicht nur durch die Aufmerksamkeitsökonomie Konfliktstoff zwischen kurzfristigen Interessen und Vernunft. Das Paradox entsteht, wenn die Frustrierten zwar in ihrer Sorge nach denen suchen, deren Kompetenz sie vor den Konsequenzen einer nicht behobenen Gefährdung schützen könnte, aber nur die finden wollen, die gleich zur vollständigen Säuberung des Gemeinwesens antreten: missliebige Minderheiten marginalisieren, Feindbilder aufpusten, konstant im Opferrollenspiel den Präventivschlag gegen den Rest der Welt rechtfertigen. Die Krise verzwergt die Person und engt ihren Blick um den eigenen Nabel erheblich ein, bis sich jeder selbst der Nächste ist – und weil die Gesellschaft im Paradox lebt, lässt sie sich die Haltung als Ausweg verkaufen, die nur in der großen Gemeinschaft funktioniert. Natürlich nur für die, die man nicht vorher schon rauswirft.

Die rein ausweglose Lage, die bei rationaler Betrachtung gar nicht so ausweglos ist, spült einen Typus an die Oberfläche, der bereits vorher in der Politik reüssieren konnte, jetzt aber als Rolemodel taugt für den Ritt in die untergehende Sonne: den Ego-Shooter, der ein Land auch dann zur Beute und in Geiselhaft nimmt, wenn er sich schon die Justiz zum Feind gemacht hat und nur noch das Ziel sieht, mit heiler Haut aus der Nummer zu kommen. Er treibt das billige Einer-gegen-alle-Spiel, das sich auch nicht zu blöd ist, eine Minderheit als gefühlte Mehrheit zu adressieren, bis es die Mehrheit als gefühlte Minderheit weiter aufhetzen kann. Da die zum Auffalten kognitiver Dissonanzen, ohne die keine populistische Ideologie besteht, zwingend notwendigen Verschwörungsrauner das alsbaldige Ende der Welt verkündet haben, bleibt die Skepsis als unsicheres Terrain, auf dem sich die Zweifler bewegen müssen. Noch schwieriger wird es, wo die Auswirkungen der Krise sich im Rahmen hielten, während die populistischen Führer sich auf die Fahne schreiben, das unausweichliche Weltende verhindert zu haben. So schrumpft und verdichtet sich das Gefolge der Knalldeppen bei jeder Runde, Arbeitsmarkt und Euro, Pandemie und Klima, und radikalisiert sich.

Nach der Krise aber ist vor der Krise, erst recht in einem durchgängigen Tanz auf der Rasierklinge, dem sich der neoliberal geschärfte Konsumismus als Staatsreligion unterwirft. Und so schüttelt sich eine gebeutelte Gesellschaft, stellt fest, dass es noch einmal gut gegangen ist, jedenfalls haben sich die Schäden in Grenzen gehalten, und geht allmählich zur Tagesordnung über, wohl wissend, dass sich am Horizont die nächste Katastrophe zusammenbraut. Am deutlichsten sichtbar wird es in den Spätfolgen für die demokratische Teilhabe, wo man gelernt hat, dass es, wenigstens vorübergehend, auch mit dem starken Mann funktioniert hat. Und so sinkt die Zeit der einen Krise gemach in die rosige Erinnerung ab, die noch jeden Morast der Geschichte erträglich macht, wenn man ihn denn überhaupt erlebt hat.

Und so lässt sich der gemeine Bekloppte auch nach der Sintflut von den folgenden Herrschern als dumpfer, materiell orientierter Armleuchter in jedes beliebige Bockshorn jagen, der nicht selbst denkt, es sich aber wenigstens einbildet. Die Normen der liberalen Gesellschaft haben sie irgendwann über Bord geworfen, das Andenken daran verblasst, bis die soziale Zusammenrottung sich selbst nicht mehr als Gesellschaft begreifen würde, wenn man es ihr nicht unaufhörlich sagen würde: zu Weihnachten, im Wahlkampf, vor dem Krieg. Wie der Populismus sich aus der Krise speist, gebiert er neue Krisen, die zunehmend den kleinen Mann auf der Straße treffen und es notwendig machen, ihm uniforme Meinung und konformes Verhalten vorzuschreiben. Was in einer Volksmasse ohne Pluralität auch recht einfach geht. Wenn erst einmal alles am Boden liegt, ist halt auch ein stabiler Zustand erreicht. Aber das ist dann halb so schlimm, denn dafür wird dann keiner mehr verantwortlich sein wollen, weshalb auch keiner mehr dafür verantwortlich sein wird. Und das geht auch erstaunlich gut. Bis zur nächsten Krise.