Zeitzeichen

23 01 2019

„Wir werden ferngesteuert!“ Drohend schüttelte Herr Breschke die Faust und stapfte durch den schütteren Schnee den Gartenweg entlang, das nachbarliche Haus fest in seinem grimmigen Blick. „Mit einem Wecker fängt es an, und dann werden sie uns irgendwann auch fernsteuern!“

Umständlich putzte sich der Hausherr die Stiefel auf der Fußmatte ab, bevor er mich eintreten ließ. Es duftete nach frisch gebrühtem Kaffee, Frau Breschke hatte einen großen Hefezopf gebacken. Nichtsdestotrotz zog der Pensionär die Stirn in erhebliche Falten. „In der letzten Woche fing es an, da standen auch die Wagen vor der Tür von den Stadtwerken. Hier werden ja alle Nase lang neue Zähler aus- und alte eingebaut – nein, anders: neue eingebaut, und jetzt war Gabelstein dran.“ Dem gehörte das Haus zwar seit dem Verkauf nicht mehr, er genoss aber immer noch lebenslang Wohnrecht in dem renovierungsbedürftigen Bungalow. „Ich habe es erst neulich wieder gelesen“, erklärte Herr Breschke, „sie bauen jetzt überall diese Zähler ein, die über das Internet kontrolliert werden. Und ich sage Ihnen, diese Bande kontrolliert nicht nur die Zähler!“

Der Funkwecker, der seit einigen Tagen auf dem Küchenschrank stand, war das erste Indiz für die Spionagetätigkeit des städtischen Stromversorgers; er ging nach oder setzte, meist mitten in der Nacht, aus. Dass das Gerät so plötzlich seinen Dienst versagte, lag für den ehemaligen Finanzbeamten an der Strahlung, die seither vom Nachbargrundstück ausging. „Ich habe das nämlich auch gelesen.“ Er kramte in einer Mappe mit Kochrezepten, der Abfuhrliste für Sperrmüll und Bauschutt sowie einem Angebot für künstliche Weihnachtsbäume mit Beleuchtung (was seine Tochter nicht unbedingt besser, wohl aber in jeder Hinsicht billiger würde leisten können) einen Artikel hervor, der aus einer Publikumszeitschrift für leichtgläubige, aber zum Ausgleich technisch wenig bewanderte Menschen stammen musste. DCF77 stand in der Überschrift, und der Leser erfuhr alsbald, dass es sich nur um eine Verschwörung größeren Ausmaßes handeln konnte. „Dieses Zeitsignal ist in Gefahr!“ Er blätterte in der Mappe hin und her. „Stellen Sie sich nur die Folgen vor, wenn das entdeckt wird!“

Der Wecker lahmte, und diesmal lag es am Sekundenzeiger, der öfter hakte, als umzuspringen. Ich schaute das Ding argwöhnisch an. „Und Sie sind sich absolut sicher, dass es an einem Smart Meter liegt?“ „Es bleibt keine andere Möglichkeit“, knurrte der Alte. „Diese Technik wird ja bloß eingeführt, um uns lückenlos zu überwachen – wann wir morgens das Licht andrehen, unter die Dusche gehen, das Radio anschalten, den Herd, und wann wir dann abends wieder ins Bett gehen. Aber ohne mich, mein Lieber, ohne mich!“ Es stand offenbar sehr schlimm um sein Vertrauen in die moderne Stromversorgung, denn er war mehr als verärgert. „Der gläserne Bürger“, schrie Breschke unvermittelt. „Wir werden zu gläsernen Menschen, verstehen Sie? Alle!“

Erschöpft hatte er sich auf seinem Küchenstuhl niedergelassen und rührte fahrig in der Kaffeetasse. „Stellen Sie sich das mal vor, die können bald auch die Uhren steuern.“ Ich lehnte mich herausfordernd über die Stuhllehne. „Die? Wen meinen Sie denn damit?“ „Dir Regierung bestimmt nicht“, zischte Horst Breschke. „Die könnte ja, aber sie haben bestimmt noch nicht verstanden, wie man das macht, deshalb treiben jetzt andere ihr Schindluder mit diesen Funkstrahlen.“ Möglicherweise hatte ich ihn endlich verstanden. „Sie denken also, dass ein Geheimdienst oder Schlimmeres unsere Uhren steuert?“ Er nickte. „So ist es. Die senden exakte Zeitzeichen, damit man morgens aufsteht und brav zur Arbeit geht.“ Eine komische Vorstellung, den Ex-Beamten so abschätzig über pünktliche Arbeiter sprechen zu hören. Aber vielleicht hatte er ja auch einen Verdacht? „Vielleicht ist es längst so weit, und sie steuern unseren Verkehr – die einen dürfen zehn Minuten länger schlafen, damit sie nicht gleichzeitig auf die Autobahn fahren, die anderen müssen zehn Minuten früher los, und dann stellen sie in unserer Abwesenheit die Wecker tagsüber einfach wieder zurück.“ Das schien mir ohne ein internationales Komplott nicht machbar, aber sicher hatte ich nur nicht das nötige Hintergrundwissen. „Was, wenn sie einen längst im Minutentakt steuern und regeln können?“ „Wissen Sie“, antwortete ich nachdenklich, „wenn man dieses Land nun unter seine Kontrolle bringen wollte, meinen Sie nicht, man könnte das einfach erreichen, indem man die Uhren in kleinen Abständen immer wieder um ein paar Sekunden zurückstellt, so dass es nie klingelt? Man wacht nachts auf, sieht auf die Uhr, stellt keinen Unterschied fest, schläft einfach immer weiter, und im Nu ist ein ganzes Land besetzt.“ Breschke starrte bleich auf den hakenden Zeiger. „Sie meinen, es hat schon angefangen?“

In der Küchenschublade hatte ich zwei passende Batterien gefunden, sie in den Wecker eingelegt und das Fach zugeklappt. Surrend stellte sich die Uhr, und kurz darauf zeigte sie wieder die exakte Zeit. Herr Breschke guckte ungläubig. „Darauf hätten Sie kommen können“, sagte ich in verschwörerischem Ton. „Nicht am Stromnetz anschließen, dann wird er auch von den Zählern nicht erfasst.“ Er trank einen großen Schluck aus seiner Kaffeetasse. „Man kann heutzutage nicht vorsichtig genug sein. Gut, dass wir uns mit solchen Sachen auskennen!“

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Toter Winkel

16 01 2019

„Das kommt ganz auf den Preis an. Im Basispaket haben wir das Kantholz, das wird ja auch von den Linken gerne genommen, zumindest erzählen wir das in der Propagandaabteilung. Gegen Aufpreis hauen wir aber auch den Gewehrkolben an den Hinterkopf. Das wird ja gerne genommen.

Wissen Sie, man muss den Markt bedienen, wo er seinen Bedarf zeigt. Mein Kollege zum Beispiel hatte eine gute Erpresserei, ich war bis vor ein paar Jahren im Falschgeldsektor, dann kam mir etwas dazwischen, und jetzt haben wir dieses Startup in einer alten Lagerhalle gegründet. Einer unserer freien Mitarbeiter war früher Polizist, dann hat er eine Auszeit genommen, jedenfalls kennt der sich mit Gewalt aus, und das geht ja immer. Wenn sonst nichts geht, Gewalt geht immer. Und dann gibt eben ein Wort das andere, und dann ist auch schon die Geschäftsidee geboren, und deshalb machen wir heute unseren Attentatsservice.

Auftragsmörder, das klingt so banal. Erstmal muss das natürlich kein Mord sein, wir sind da im Gegensatz zu den meisten Dummschwätzern schon sehr professionell unterwegs und geben unseren Mitarbeitern eine exzellente juristische Schulung mit auf den Weg. Also Körperverletzung, schwere Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung, Körperverletzung mit Todesfolge, das sind so die hauptsächlich gebuchten Leistungen. Wenn wir das als Service bezeichnen, dann können Sie sich auch sicher sein, dass Sie die passende Dienstleistung für Ihr Geld bekommen. Wir haben einen Ruf zu verteidigen, das ist Ihnen hoffentlich klar. Wenn Sie mal einen Blick in unsere Referenzliste werfen möchten, wir liefern erstklassige Qualität.

Ihr Kandidat kommt also immer hier aus der Querstraße? Ich frage nur, weil der Eingang zum Parkhaus nämlich dort drüben liegt, und da hängen normalerweise zahlreiche Überwachungskameras. Das müssten wir dann hier an der Ecke erledigen, da bei dem Verkehrsschild ist auch noch ein toter Winkel – ja, das würde schon passen, aber wir gehen die Sache ernsthaft an, das ist schließlich unsere Profession – und da haben wir eine Strecke von etwa fünf bis sechs Metern, die wird nicht von der Kamera erfasst. Es kommt immer darauf an, ob Sie die Videoerfassung für die Dokumentation in Betracht ziehen, dann müssen Sie nicht mehr hier auf der anderen Straßenseite stehen oder aber da im dritten Stock am Fenster, da ist eine Zahnarztpraxis und das Wartezimmer geht auf die Straße, oder ob Sie die Zeugenaussagen lieber gleich selbst in die Pressemitteilung schreiben wollen. Dann müssen Sie nämlich damit rechnen, dass die Polizisten ihren Job auch nicht erst seit drei Tagen machen.

Natürlich helfen wir Ihnen bei der PR, wir haben ja die Fachleute. Im Basispaket ist ein Leitfaden für Zeugenaussagen, den können Sie gerne nutzen, aber Sie müssen das halt stimmig gestalten. Also nichts von einem Raubüberfall erzählen, wenn Sie Videoaufnahmen haben, die einen wegrennenden Täter zeigen, der dem Opfer nicht einmal in die Manteltaschen greift. Damit haben Sie ganz schnell die Öffentlichkeit gegen sich, und das muss doch nicht sein.

Am besten ist es immer, wenn Sie nicht alle Tatbeteiligten briefen. Den Typen mit dem Werkzeugkasten, den kriegen Sie für kleines Geld dazu. Der ist ein bisschen doof auf einer Backe, der hat zum Beispiel hier zufällig nachts ein brennendes Auto entdeckt, das zufällig dieser einen Tante aus Ihrer Partei gehörte. Wenn man nachts dreihundert Kilometer durch die Gegend fährt und pünktlich um halb vier in einer Seitenstraße ist, und es fällt einem nicht auf, dass man dafür hundert Euro kriegt und plötzlich brennt genau das Auto mit demselben Nummernschild wie auf dem Zettel im Briefkasten, wo auch die hundert Euro drin waren, dann hat man auch als erstes den Impuls, ein Opfer vom Gehweg zu ziehen und die Polizei zu rufen. Wenn Sie dem erst erklären müssen, wie er sich zu verhalten hat, dann haben Sie schnell ein Problem mehr als nötig.

Schlagring? haben wir auch im Programm, aber ich warne Sie. Ab hier wird’s richtig teuer. Reizgas, linke Parolen, eventuell bringt noch einer seinen Kampfhund mit, das ist ja alles möglich, aber jede Leistung hat ihren Preis, nur, dass Sie es wissen. Wir müssen das alles akribisch planen, das geht nicht von jetzt auf gleich, und Sie wollen doch nicht für irgendeinen Dilettantenkram bezahlen. Das machen Ihnen irgendwelche Suffköppe aus Dresden billiger? Glückwunsch, dann können Sie sich die Mischpoke hinterher im Landgericht angucken, wie sie vom Staatsanwalt in die Tonne getreten werden. Entweder billig oder professionell, eins geht nur.

Dann haben wir hier noch die Pressekonferenz, die begleiten wir im Basispaket nicht, aber gegen Aufpreis können wir eine Kommunikationsstrategie entwerfen. Es gab eine Videoaufzeichnung? Die Polizei wird sie nicht rausrücken. Die Polizei veröffentlicht die Aufnahmen? Das Video ist im Auftrag der Antifa zurechtgeschnitten worden. Es gibt drei identische Aufnahmen von drei Kameras? Merkel hat das Attentat angeordnet und von den Juden bezahlen lassen. Außerdem war das Attentat vorher angekündigt, weil die ganze Presse seit Jahren alle Mitglieder Ihrer Partei ins Arbeitslager stecken will. Eine gute Kommunikationsstrategie kriegt das hin, jede Wette. Ansonsten ist das nur eine Frage des Honorars.

Nur eins, Finger weg von Bekennerschreiben. Dazu sind Sie, und das nehmen Sie mir jetzt bitte nicht übel, einfach zu dämlich.“





In Westen nichts Neues

3 12 2018

„Und immer raus aus der UNO, und Märchensteuer abschaffen, und der Papst muss katholisch sein. Wenn Sie das Gefühl bekommen, Ihr Haustier hat einen höheren IQ als das da, dann sind Sie hier richtig. Aber so was von.

Wir würden dieses Wochenende schon mal als Traumstart bezeichnen, das war viel besser, als es je zu erwarten gewesen wäre. Die haben alle brav ihre gelben Westen angezogen, haben Volk gespielt, die Polizei hat sie aus dem Verkehr gezogen – ja, ich weiß, doofes Wortspiel, aber ich kann gerade nicht anders – und wir können das jetzt in aller Ruhe für unsere Hetzpropaganda gegen alle die verhassten Sachen wie Demokratie, Rechtsstaat und gesunden Menschenverstand ausschlachten. Ich würde sagen, das ist ganz im Sinne unserer Auftraggeber, und es lief sogar besser als damals mit der Querfront.

Sie erinnern sich vielleicht, damals waren Sie schon mal hier, und wir hatten Ihnen unsere Pläne vorab zugeschickt. Sie waren skeptisch, dass wir das schaffen, aber wir schaffen das. Wir schaffen das immer, weil wir wissen, mit wem wir es zu tun haben. Genau das ist nämlich unsere Zielgruppe, die dümmsten Dummklumpen, die da draußen noch frei herumlaufen dürfen und nicht ihren Pfleger fragen müssen, bevor sie irgendwas unterschreiben.

Dass das keine Rassisten sind, erkennen Sie schon daran, dass sie alle Rassen zur Teilnahme an den Kundgebungen aufgefordert haben. Auch die ausländischen. Dann wollen sie die Abschaffung von Patentgesetzen – also nicht die Patente, den Unterschied hat ihnen keiner erklärt – und vom Urheberrecht. Jetzt muss Sarrazin sein nächstes Buch, in dem er den Untergang der unbesiegbaren christlichen Herrenrasse durch die homosexuellen Neger in spätestens 50.000 Jahren vorhersagt, auf eigene Kosten drucken und arischen Analphabeten schenken lassen. Sie wollen die Pharmakonzerne verstaatlichen und gleichzeitig alle Impfungen abschaffen; das ist so ähnlich wie eine staatlich kontrollierte Schweinezucht für billigere Schnitzel bei gleichzeitig verordnetem Zwangsveganismus. Wenn sie dann noch freie Energie erzeugen, da die Illuminaten und andere Geheimgesellschaften diese Relativitätstheorie und andere Naturgesetze vom Judenlümmel Einstein nicht mehr zur physikalisch-technischen Knechtschaft des Volkes gebrauchen können, dann ist auch endlich das Problem mit der letzten Heizkostenrechnung gelöst. An der waren ja sowieso nur die Asylbetrüger schuld.

Erinnern Sie sich noch, das mit den Chemtrails und der Umvolkung? Ja, die Umvolkung ist schon auch wichtig, das verankert unser Reservoir an Volksdarstellern – ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass das Volk seit der Show im Sportpalast ganz schön geschrumpft ist? – ideologisch bei unseren Auftraggebern, das sichert uns den Nachschub an geistig minderbemittelten Trotteln in permanenter Opferhaltung, die Sie brauchen, um im Parlament fürs Nichtstun und Stören Kohle abzugreifen von einem Staat, den Sie genau dafür bekämpfen, weil er ja dem Volk damit die Lebensgrundlage nimmt. Da ist dieses Märchen von den Chemtrails doch erheblich geschmeidiger. Da braucht’s keinerlei Beweise, und wen Sie erst mal dazu bringen, für Kondenswasserverbot zu marschieren, der blökt auch ‚Die Juden sind unser Unglück‘. Alles nur eine Frage von Zeit und Gelegenheit.

Ja, auf der anderen Seite tun einem die auch fast schon wieder leid. Wenn unsereins nicht mehr groß darüber nachdenkt, ist er die los, aber die Leutchen müssen mit dieser Grütze zwischen den Ohren ihr ganzes Leben aushalten. Ihr ganzes Leben! Gut, Sie werden jetzt sagen, das sind größtenteils Reflexe, da ist wenig Großhirn im Spiel, und wenn, dann lässt sich das ganz prima konditionieren. Die sind wahrscheinlich glücklich, wenn sie am Abend nach Hause kommen und sagen können, wir sind bei Nieselregen für die Rettung des deutschen Volkes vor der antifaschistischen Lügenpresse über den Zebrastreifen gelatscht, und dass der Kamerad Hütentüten dafür von einer Taxifahrerin voll eins in die Fresse gekriegt hat, ist doch schon der Beweis, dass wir im Recht sind. Dass wir alle dafür vom Staatsanwalt nach §315b StGB eins auf die Rübe kriegen, ist nur der letzte Beweis, dass die von den Linksfaschisten gesteuerte Diktatur die Freiheit nur noch mit Waffengewalt unterdrücken kann.

Also nehmen Sie’s mir nicht übel, aber ich finde das großartig. Die sind wirklich gut abgerichtet, so gut, dass sie nicht einmal merken, wie sie in diesem Kasperletheater die B-Besetzung spielen. Das ist doch kein Remake der französischen Revoluzzer, die billiges Benzin haben wollen, das sind genau dieselben Idioten, die durch die Innenstädte ziehen und als Scharia-Polizei Medienwirbel verursachen. Und ob Sie jetzt ‚Allahu akbar!‘ plärren oder ‚Ausländer raus!‘, die Botschaft ist doch: ‚Ich bin ein gesellschaftlich nicht mehr integrierbares Stück Scheiße, habe mir eine gelbe Weste angezogen, um alle anderen zu provozieren, und wenn sich einer provoziert fühlt, dann werde ich gewalttätig, weil die Unterdrückung von den anderen ausgeht!‘ Sie kennen das doch: erst ignorieren sie Dich, dann lachen sie über Dich, dann bildest Du Dir ein, sie würden Dich hassen, damit Du herumtröten kannst, dass sie Dich bekämpfen, und bis zum Schluss hast Du nicht gerafft, dass sie Dich immer noch ignorieren, weil das die einzige adäquate Art, mir Dir umzugehen. In den Westen steckt nichts Neues.

Betrachten Sie diese Vollidioten einfach als nachwachsenden Rohstoff. Das stirbt nicht aus, und solange die chronisch unzufriedenen Krachmacher sich nicht plötzlich in der Diktatur wiederfinden, für die sie hier gerade Reklame laufen, haben wir auch kein Problem, unseren Auftraggebern das Vieh vor die Schlachtbank zu treiben. Hauptsache, uns gehen die Lügen nicht aus.“





Statistische Unwahrscheinlichkeit

27 11 2018

„… nicht die Glaubwürdigkeit verlieren dürfe. Deshalb sei es gerade für die Zukunft sehr wichtig, dass das Bundeskriminalamt weniger die tatsächliche als die gefühlte Kriminalität in der…“

„… wolle die Behörde in Zukunft die Angst vor Kriminalität als Bedrohung werten, die genau wie die aktenkundigen Fälle eine…“

„… dass das BKA vom Bundesamt für Verfassungsschutz lernen könne, real existierende Kriminalität als faktisch nicht vorhanden zu werten, um die weite Teile der Bevölkerung weder zu verunsichern noch die…“

„… es für Münch nicht reiche, dass in Teilen der Verbrechensstatistik ein erheblicher Rückgang zu verzeichnen sei. Da diese Statistik in ihrem Ergebnis nicht in der besorgten Bevölkerung anzukommen scheine, müsse die Polizei viel mehr Straftaten selbst begehen, um wenigstens den Anschein zu erwecken, dass die Ängste sich auf einem realen…“

„… einer besseren Kategorisierung bedürfe. So müsse jeder Ehrenmord, der ohne Täter aus einer Feindrasse verübt worden sei, in der Statistik als Familientragödie bezeichnet werden, damit die Einordnung der Ehrenmorde ausschließlich für Personen, die wegen ihrer minderwertigen…“

„… aber nicht unreflektiert alle Befürchtungen gleich als Fakten werten dürfe. So gebe es keine Anzeichen für einen zunehmenden Rechtsruck in der deutschen Politik, da im Bundestag noch immer die freie Äußerung von…“

„… den Vorteil habe, dass von der Polizei geplante und ausgeführte Straftaten viel leichter von der Polizei selbst aufgeklärt werden könnten. Auch hier könne Maaßen als Berater für den…“

„… jeder, der Angst habe, automatisch im Recht sei. Münch wolle daher die sozialen Hintergründe für die Kriminalitätsfurcht nicht mehr aufarbeiten, sondern den Ängstlichen mehr zuhören, um ihre Befürchtungen noch mehr in die…“

„… sich die angezeigten Straftaten in vielen Fällen als vorgetäuscht herausgestellt hätten. Das BKA wolle dies vorsichtig als Alarmzeichen aus Angst vor der tatsächlichen Möglichkeit eines Gesetzesverstoßes werten und die Straftaten daher als faktisch vollzogen in die…“

„… liege die tatsächliche Wahrscheinlichkeit eines Wohnungseinbruchdiebstahls weit unter drei Prozent. Die Ängste der Angestellten der deutschen Sicherheitsindustrie seien jedoch von der Politik viel zu…“

„… gleichzeitig die Gewichtung immer im Auge zu behalten. Da nur sehr wenige Personen durch Steuerhinterziehung in Millionenhöhe, Cum-Ex-Geschäfte oder ähnliche Vermögensdelikte die Allgemeinheit schädigten, dürfe man diese Taten guten Gewissens aus der Statistik nehmen, während Verbrechen wie Beförderungserschleichung nur durch eine erhebliche Verschärfung des…“

„… dass durch Erfindungen wie das Internet jederzeit deutsche Ziele von jedem anderen Ort auf der Welt angegriffen und vernichtet werden könnten. Das Bundeskriminalamt plädiere daher für den Einsatz der Bundeswehr in Fußgängerzonen, Kitas und anderen kommunalen…“

„… nicht für einen Spitzelstaat werben wolle. Es sei jedoch oft richtig, dass ein falsch geparktes Auto das erste Anzeichen für die Bildung einer linksextremistischen Bande sei, die den Bürgerkrieg gegen die freiheitlich-demokratische…“

„… dem Bürger gegen eine gefühlte Bedrohung keine reale Sicherheit geben könne. Daher wolle Münch eine Aufstockung der Polizei durch Bürgerwehren und andere privatrechtlich…“

„… das Strafgesetzbuch überarbeitet werden müsse. Indem die Anzeige einer nicht verübten, sondern nur als theoretisch möglich empfundenen Straftat die Vortäuschung einer Straftat und damit selbst eine Straftat sei, nehme man den Bürgern eine wesentliche Möglichkeit zur Gegenwehr gegen einen Staat, der die empfundene Gefährdungslage nicht mehr mit den Mitteln einer…“

„… nicht die entsprechenden Kenntnisse mitbrächten und auch nicht zu bezahlen seien. Münch wisse allerdings, dass es in Deutschland so viele arbeitslose Schauspieler gebe und sich die Rekrutierung von Hilfspolizisten innerhalb von…“

„… mäßigend auf die Bürger einwirken wolle. Nicht jeder, der einen erfundenen Überfall von fremdländischen Messermännern zur Anzeige bringe, besitze kriminelle Energie. Die meisten seien sehr gut in ihren Parteien organisierte…“

„… die statistische Unwahrscheinlichkeit für die Bildung einer rechtsterroristischen Bande gemessen an den Ermittlungsergebnissen der vergangenen Jahre sehr hoch sei. Deshalb werde das BKA in diese Richtung vorerst nicht mehr ermitteln, da die etwaigen Erkundungen zu einer tiefen Krise in der politischen…“

„… müsse der Bürger auch zur Eigeninitiative ermutigt werden, die sich etwa bei der Ergreifung und Bestrafung von Einbruchdienstählen als tatkräftige Hilfe der Polizeikräfte im…“

„… sich die Politik seit Jahren den Sorgen der Bevölkerung verweigere. So existiere weder auf Bundes- noch auf Landesebene ein Plan, wie bei der Entführung von Bürgern durch Außerirdische die Polizei zu…“

„… es sich um interessengelenkte Hysterie einer populistischen Gruppierung handele. Die Zunahme an sexualisierter Gewalt gegenüber Frauen könne zwar statistisch erklärt werden, liege aber oft daran, dass Frauen durch die Wahl ihrer Unterwäsche die Vergewaltigung geradezu…“





Volksmischung

8 11 2018

„… Protest an der Verpackung aufgekommen sei. Die Süßigkeit sei mit dem Aufdruck Ja zu Vielfalt und Toleranz in den Handel gebracht worden, was bei deutschnationalen Kunden auf erheblichen…“

„… korrekt, dass es sich um eine Mischung verschiedenfarbiger Schokolinsen handele, genauer: um einzelne Linsen, die nur durch unterschiedlich gefärbten Zuckerguss als solche im…“

„… zum flächendeckenden Boykott von Schokolinsen sowie allen Waren des Konzerns aufgerufen habe. Es werde zeitnah Kundgebungen in allen größeren…“

„… auch gemäßigte Töne aus der Partei vernommen worden seien. So habe Höcke auf den durchgängig tiefbraunen Kern der Linsen hingewiesen, während Weidel die…“

„… die Gefahr eines Linksrucks auf dem Süßwarenmarkt generell weiter bestehe. Auch Fruchtgummibärchen würden in Regenbogenfarben angeboten, was die Homosexualisierung von Kindern und Erwachsenen ebenso…“

„… fordere die AfD deutsche Schokolinsen aus deutschem Kakao. Da dieser Rohstoff größtenteils aus muslimisch geprägten Ländern stamme, fürchte die Rechte eine Islamisierung des…“

„… sei nun eine als Volksmischung angebotene Linse in den Verkauf gekommen, die der Dresdner Fabrikant in Tüten zu je …“

„… die Säuberungsaktion für den 9. November geplant sei. Die AfD rufe in ihrer Pressemitteilung zum nationalen Widerstand gegen linksversiffte…“

„… nicht den Tatsachen entspreche, dass die Volksmischung ausschließlich in Brauntönen gehalten sei. Vielmehr habe das Produkt in Weiß, Schwarz und Rot eine stark überschaubare Palette an…“

„… seien die ersten Produzenten an einem antifaschistischen Verpackungsdesign interessiert. Es gebe inzwischen mehrere Konzerne, die ihren Absatz vermehrt mit…“

„… den Anbau deutscher Kakaobohnen prüfen lasse. Die Bundesregierung verurteile zwar den rassistischen Hintergrund der Initiative, begrüße sie aber aus arbeitsmarktpolitischen und…“

„… deutsche Produkte vermehrt mit einem multinationalen Aufdruck anbieten wolle. Vor allem die Lebensmittelproduzenten seien darin geübt, mehrfach die Grenze überschreitende Stoffe als…“

„… wenigstens auf Gummibärchentüten gedruckt werden müsse, dass das Produkt Gelatine aus Schwein enthalte, um weitere Zuwanderung islamistischer Kulturbereicherer in deutsche Süßwarenabteilungen zu…“

„… müsse es ein Volksbegehren gegen die Absicht des Einzelhandels geben, traditionelle Begriffe wie Schokolinsen durch Wortschöpfungen wie Multikulti, Gutmensch oder…“

„… die Aktion Brot für die Welt von Merkel erfunden worden sei, um sieben Milliarden arbeitslose Schmarotzer ins deutsche Sozialsystem zu locken und durch die Rassenvermischung eine Zersetzung der deutschen Kultur zu forcieren. Storch fordere die sofortige Liquidierung aller…“

„… Familienpackungen aus dem Sortiment genommen werden müssten, da diese auch von ausländischen Sippen, linken Wohngemeinschaften und sozialistischen…“

„… eine Gruppe identitärer Aktivisten in mehreren Supermärkten Süßwaren mit dem Aufkleber Nur für Jiddenlümmel versehen habe. Kretschmer habe vollstes Verständnis gezeigt. Er selbst wehre sich gegen die Überfremdung durch grüne Stalinisten, die das Volk durch diktatorisches…“

„… generell keine Südfrüchte mehr verkaufen dürften, da diese nicht zur traditionellen Nahrung der deutschen Rasse gehörten. Höcke fordere ein sofortiges Verbot von Bananen, um die männliche Wehrhaftigkeit wieder im…“

„… die Verpackungen deutscher Produkte nur noch mit einem amtlichen Siegel in Verkehr gebracht werden sollten, das die Unbedenklichkeit für rassereine…“

„… könnten sich aufrechte Deutsche nicht mehr ausreichend ernähren, wenn auf jedem Lebensmittel die Umvolkung propagiert werde. Dies sei ein mit dem Holocaust vergleichbarer Versuch eines Genozids an der deutschen…“

„… die Tochter einer AfD-Abgeordneten an einem von dunkelhäutigen Messernmännern unter Zwang verabreichten linksfaschistischen Bonbon erstickt sei. Das Kind sei von mehreren in Burka verkleideten Salafisten jeweils mit einer Panzerfaust und einer Neutronenrakete bedroht worden. Nach dem Zerhacken der Leiche habe die Polizei nur noch die Ausweise aller…“

„… auf die Auslage einer Confiserie uriniert habe, in der die Schokoladenmischung Große Vielfalt angeboten worden sei. Maaßen sei mit einem Kieferbruch und Genitalverletzungen in die Intensivstation des…“

„… der Polizei keine derartige Straftat bekannt sei, außerdem habe die Abgeordnete gar keine Kinder. Es handele sich um einen untauglichen Versuch, die Bonbons der Produktlinie Ja zu gemeinsamen Werten zu diskreditieren, um sie vom Markt und in die…“

„… Reichelt in einer internen Mitteilung darum gebeten habe, erst nach dem 1. Advent die Kampagne gegen Merkel, die gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland beschlossen habe, alle Winter-, Jahresend- und Zipfelfiguren mit dem Aufdruck Auf dasz Ihr alle verschwult und die Deutsche Rasze ausstuerbe, zu…“





Azyklische Schwingungen

6 11 2018

„… mit sofortiger Wirkung aus dem Amt entfernt werden solle. Maaßen könne nach seinen jüngsten Entgleisungen nicht mehr für eine…“

„… bitte auch die SPD inständig, ihr etwaige linksradikale Mitglieder aufzuzeigen, auch wenn diese nur an der Basis und in unbedeutenden Ortsgruppen zu finden seien. Der Wiederaufbau der Partei könne so viel schneller und…“

„… Beweise für die Abschaffung der deutschen Rasse vorlegen werde. Der ehemalige Chef des Verfassungsschutzes habe in einem Geheimtreffen mit einer Gesellschaft interessierter Ex-Agenten Material erhalten, das die Finanzierung der Umvolkung mit dem Kapital der…“

„… sich Seehofer sofort von Maaßen distanziert habe. Der verhinderte Sonderbeauftragte habe nach Aussage des Bundesinnenministers behauptet, die Mutter aller Probleme sei die Migration, was die Bundesregierung nur als eine extremistische…“

„… nicht dazu befugt sei, ihn aus dem Amt zu entfernen. Das Bundesamt sei durch seine Besetzung mit ehemaligen SS-Kadern hinreichend legitimiert gewesen, Vertreter der BRD GmbH aber besäßen nicht die Macht, ihn als Leiter der…“

„… sei auch Gauland davon überzeugt, dass es in Chemnitz zu keiner Zeit fremdenfeindliche Ausschreitungen gegeben habe. Die einzig erkennbare Hetzjagd sei die gegen Maaßen, der sich konsequent der linksfaschistischen Propaganda der mit jüdischem Kapital bezahlten…“

„… die Vernichtung der NSU-Dokumente notwendig gewesen sei, um seine eigene Familie zu Maaßen habe berichtet, dass mehrere vermummte, aber deutlich als illegale syrische Einwanderer erkennbare Personen sein Büro durch einen Lüftungsschacht betreten ihm angedroht hätten, ihn bei Zuwiderhandlung sofort zur Homosexualität konvertieren zu lassen. Er sei ebenfalls gezwungen worden, seine Hände auf ein Grundgesetz zu legen, was bei ihm eine schwere posttraumatische…“

„… in jeder seiner bisherigen Beschäftigungen als notorischer Lügner und durch Unfähigkeit in Erscheinung getreten sei. Merz freue sich, bei der Machtübernahme im Dezember einen in seiner Radikalität erfrischenden Gefolgsmann mit neuen Aufgaben für die…“

„… die BRD GmbH den Stuttgarter Tiefbahnhof und den Hauptstadtflughafen nur hätten erbauen lassen, um ein Lager für mehrere Milliarden Kubikkilometer Giftstoffe sowie eine Chemtrail-Basis zur Vernichtung der blutsdeutschen Rasse vorzuhalten. Die Fortsetzung der Bauten sei nur ins Stocken geraten, da sich Merkel weigere, den Austausch der Bevölkerung durch Muslime vor der nächsten Bundestagswahl zu…“

„… sich Seehofer sehr enttäuscht gezeigt habe. Es sei seine Sache gewesen, fremdenfeindliche und offen rassistische Meinungen in die Koalition einzubringen, die Einmischung von Maaßen, obwohl sie im Kern durchaus richtig gewesen sei, hätte dieser nur auf Weisung des Bundesministers des…“

„… beispielsweise für Politiker gelte, die ihre wirtschaftspolitischen Erfahrungen später für eine zweite Karriere in der Wirtschaft einsetzen würden. Da Maaßen sich bisher vor allem theoretisch mit dem Thema Rechtsterrorismus befasst habe, liege es nahe, dass er ab sofort als…“

„… die Diktatur unter der russischen Spionin Angela Doroteowna Merkelowa jede seiner Bemühungen torpediert habe, die Fertigung der Reichsflugscheibe in Deutschland zu…“

„… habe Maaßen bewusst das Platzen der Regierungskoalition betrieben und Seehofer als sein Instrument benutzt. Der Innenminister sei sehr traurig, vor allem deshalb, weil er jetzt erst begriffen habe, dass Maaßen nicht in seinem Interesse gehandelt habe, sondern aus reinem…“

„… sich mehrere AfD-Landesverbände gegen eine Aufnahme von Maaßen in die Partei ausgesprochen hätten. Dieser habe nicht mehr die volle Entscheidungsbefugnis, um Akten verschwinden zu lassen, die eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz verhindern könnten. Außerdem könne die Aufnahme des ehemaligen Sonderbeauftragten als ein deutliches Anzeichen für eine weitere Radikalisierung der…“

„… erste Demonstrationen in Dresden Maaßen als Gastredner angekündigt hätten. Nicht bestätigt sei bisher, ob der Verfassungsschützer für die NPD, die AfD oder die…“

„… das gesamte Aluminium im christlichen Abendland mit HAARP-Molekülen in azyklische Schwingungen versetzt worden sei, um das Erbgut der jüdischen Bolschewiken in die Zellstruktur der deutschen Rasse zu implementieren. Maaßen wisse dies von einem Geheimtreffen auf Sirius, das er mit Hitler, mehreren Marsbewohnern und vielen…“

„… der IS für den Gesundheitszustand von Maaßen die volle Verantwortung übernommen habe. Das Schreiben sei bereits am vergangenen Sonntag in der…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXXV): Die Radikalisierung der Debatte

12 10 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Dieser eine kleine, dicke König – der Name ist nicht genau überliefert, aber er wird schon gelebt haben, wenngleich lange vor der Aufklärung, wenn nicht vor der Zivilisation – hatte eine Idee, wie man des Untertanengeplärrs Herr und ledig werden konnte. Alle seine Diener, so dachte er, sollten alle Katzen des Landes zusammentreiben und ins Feuer werfen. Da er aber den Sturkopf der Königin zu gut kannte, wusste er, sie würde ihn herunterhandeln, zunächst auf alle schwarzen Katzen, dann auf alle mit blauen Augen. Mehr brauchte er auch nicht, denn als gewiefter Taktierer, der als Kronprinz die Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft der Folterknechte geführt hatte, wusste er, dass man eine Maximalforderung nicht stellte, um sie durchzudrücken, sondern um dem Gegner die Stirn zu bieten, der seinerseits eine Maximalforderung in den Disput wirft. So weit, so gut. Dann kam die Aufklärung, sah sich um und verschwand.

Denn nichts anderes hat dazu geführt, die westliche Gesellschaft in die Gegenwart zu führen, in der eine Frau ohne Erlaubnis des Ehegatten einen Arbeitsvertrag unterschreiben, ein eigenes Konto eröffnen und über ihr in diese Ehe eingebrachtes Vermögen verfügen konnte, was bis heute den Jammerlappen von der Herrenrasselbande ein Dorn im trüben Auge ist. Bis dato auch gilt alles, was der Befreiung von Jahrhunderte dickem Staub diente, als Vernichtungsangriff auf irgendein Abendland, was ad hoc zu Lufteinlagerungen im Schädelkalk führte. Noch führte die liberal getönte Demokratie, die Schäfchen im Schafspelz, das Ideal vom der gesitteten Debatte im Wappen, nach einer, dann nach zwei Diktaturen pures Hirnschadenkaraoke angesichts eines anhaltend zerstörerischen Furors aus dem rechten Lager, der nun seinerseits die politischen Positionen festsetzte: keine Ostgrenze soll anerkannt, der Holocaust straffrei geleugnet und ein toitscher Schlussstrich gezogen werden unter die Ungnade zu früher Geburt. Die dahinter verborgene Strategie bleibt es nicht lange: die Grenzen des Sagbaren sollen ausgedehnt werden.

Das zivilisierte Gespräch, meist ein preziöses Gepopel um Worthülsen, das rechte Waschweiber als Vorstufe zur Schlammschlacht nehmen, um ihre soziopathischen Feuchtgebiete nachzuspeicheln, wird von ihnen durchaus nicht missverstanden als eine Gelegenheit, alles offen und ohne Angst vor möglichen Folgen herauszukreischen, was sie an Hass- und Gewaltvorstellungen in sich tragen; es wird von ihnen so verstanden, und das nicht ohne nachhaltige Absichten.

Je mehr sich die linksliberalen Utopisten in eine Zukunftswelt zurückziehen mit Ideen, die erst in kommenden Generationen verwirklicht werden (Gleichberechtigung, Ehe für alle), die zumindest nicht ohne gesellschaftliche Umbrüche machbar wären (bedingungsloses Grundeinkommen) oder die schlicht hirnverbrannter Schwachsinn sind (eine Welt ohne asoziale Arschlöcher, die sich mit dem Verkauf von Waffen in Krisengebiete die Rosette vergolden), desto eher heult es auf dem anderen Seite des Grabens, jetzt müsse man aber endlich die Zeit wieder zurückschwiemeln bis ins Mittelalter. Und so geschieht es auch; mit ansehnlichem Gegenschub grätscht der Diskurs in Richtung intellektuelle Finsternis.

Die Absicht der Moorleichenlehrlinge ist es, den Extremismus ohne deutliche Klassifizierung als Undenkbares in einer Dauerschleife zu wiederholen und durch die permanente Präsenz in der Debatte als neue Normalität zu etablieren, in stetem Vertrauen darauf, dass die Mehrheit der Deppen alles für normal hält, worüber ständig gesprochen wird – sonst würde ja nicht darüber gesprochen. Zugleich diskriminiert ihr Gezeter jede sinnvolle Debatte als gemeinschaftsschädlich, zunächst, weil sie angeblich die Selbstverstärkung in der Echokammer als radikaler Gegenentwurf stört, schnell aber nur noch, weil sie sinnvoll ist und den Populismus der Emotionsbulimiker empfindlich mit Geist verwässert. Und schon verkehren sich die Seiten: Rechtsextremismus wird als Normalität hingestellt, wer sich aber normal verhält, gilt als linksextrem. Gleichzeitig hält der Extremismus, der die Mitte repräsentieren will, jeden Gegenwind für eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, auch bei demokratisch nicht mehr verwertbarem Denkmüll aus seiner Blase, und kombiniert dies geschickt mit der traditionellen Opferrolle des in Geschichte und Gegenwart ständig unterdrückten Freiheitskämpfers im Gefängnis seines eigenen Menschenhasses. So radikalisiert sich die Debatte, bis keine Debatte mehr existiert. Ihre Totengräber sind nicht allein die Schreihälse, es sind pseudolibertäre Moderatoren, die den Erdrutsch nicht sehen und eine Position in der Mitte auspendeln wollen, die sozial verträglich sein muss, weil sie ja in der Mitte liegt, und es sind die Ängstlichen, die dem Dauergebrüll zuhören, weil es zwar radikal ist, aber aus der selbst definierten Mitte tönt. Die Radikalen bedienen dabei allenfalls ihr Zerrbild einer schweigenden Mehrheit. Wenn sie mal täte, es wäre schon viel gewonnen.