Gezielte Unterwanderung

21 09 2020

„Wir haben hier hart durchgegriffen. Wir haben mit der ganzen Härte des Gesetzes Maßnahmen und mit aller Entschiedenheit Konsequenzen gezogen, um diese Entwicklung zu stoppen. Wir haben den betreffenden Beamten unmissverständlich klar gemacht, dass wir Rechtsradikalismus echt nicht so gut finden.

Unser Problem ist ja derzeit, dass wir gar nicht so schnell auf die vielen Einzelfälle reagieren können, wie das in der Presse bekannt wird. Das ist eine ganz furchtbare Verantwortungslosigkeit, die wir notfalls auch mit juristischen Mitteln bekämpfen werden, wenn wir sehen, dass hier rote Linien überschritten werden. Dass es Pressefreiheit gibt, heißt noch lange nicht, dass man die auch ausnutzen muss. Sonst werden wir auch mal andere Saiten aufziehen.

Der Polizeiberuf ist ja an sich schon sehr stressig und potenziell auch gefährlich. Deshalb wird es auch immer Polizisten geben, die unter der Belastung einer gewissen Situation nicht mehr angemessen reagieren und psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Da gibt es manche, die zum ersten Mal bei einer rassistisch motivierten Personenkontrolle jemanden zusammenschlagen und dann erschrocken sind, dass man sich dabei ganz schön die Hände verletzen kann. Über solche Dinge kann man in der Öffentlichkeit gar nicht so richtig offen sprechen, da es dem Bild widerspricht, das die Öffentlichkeit von der Polizei hat.

Außerdem ist es auch menschlich erklärbar, dass Polizisten immer mal wieder die Hand ausrutscht. Die sind den ganzen Tag von potenziellen Mördern und Terroristen umgeben. Sie müssen sich nur vor Augen halten, dass jede Person, die keine Uniform trägt, eine Gefahr für die Bevölkerung sein könnte. Als guter Staatsbürger sollte man doch in einen Polizisten erst einmal uneingeschränktes Vertrauen haben, nicht wahr? Deshalb gehen wir da auch mit gutem Beispiel voran und erlauben nicht, dass das uneingeschränkte Vertrauen in unsere Kameraden durch diese Flut von Einzelfällen in ein schlechtes Licht gerückt wird. Wir leben schließlich in einem Rechtsstaat, in dem es einen Minderheitenschutz gibt, den auch wir für uns in Anspruch nehmen.

Deshalb ist es ja auch gut, dass Herr Seehofer sich bei einer Untersuchung über Rassismus in Deutschland nicht auf die Polizei beschränken will. Es steht doch außer Frage, dass die Polizei als Teil der Bevölkerung sich nicht wesentlich von deren politischer Überzeugung unterscheiden kann, wenn wir gesellschaftlich repräsentativ sein wollen. Und Sie würden es doch auch nicht beruhigend finden, wenn wir wie der restliche linksgrüne Mainstream Deutschland zu einem kommunistischen Paradies für die Asylindustrie machen. Wir erwarten hier viel mehr Unterstützung durch die Innenminister, sonst können wir mit unserer Rolle als Schützer der öffentlichen Ordnung nicht mehr wahrnehmen. Wir sind schließlich auch Vorbilder.

Als Polizist ist man heutzutage vor allem durch den technischen Fortschritt bedroht. Wir sehen das nicht als Verschwörungstheorie, aber es ist doch merkwürdig, dass man Polizisten, die das Internet benutzen, durch Spuren im Internet überführt werden, während die Politik noch immer eine anlasslose Vorratsdatenspeicherung verhindert. Oder nehmen Sie die Videoüberwachung. Erst werden Polizisten durch Überwachungskameras ersetzt, jetzt laufen ständig irgendwelche Kameras mit, die Straftaten im Dienst dokumentieren. Die Politik will uns mit Schulterkameras ausrüsten, offiziell zur Beweissicherung bei Straftaten. Merken Sie nicht, was hier gespielt wird? So viele Einzelfälle, weil immer irgendwer irgendwelche Spuren hinterlässt? Ist das nicht auffällig, falls man es nicht als gezielte Unterwanderung durch linke Spitzel bezeichnen will?

Und man muss das auch im internationalen Kontext sehen, sonst kommt es leicht zu groben Verzerrungen. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel ist die Situation sehr viel angespannter, da erleben Sie wirklich ein Durchgreifen, das für uns in Deutschland schon fast zu hart erscheint, auch wenn es dort natürlich auch um die Durchsetzung von Recht und Gesetz geht. Man kann immer über die Verhältnismäßigkeit diskutieren, das gestehen wir Ihnen zu. Aber auf der anderen Seite hat die Polizei die volle Rückendeckung der Regierung. Da hören Sie nicht ständig Minister, die sich dafür entschuldigen, dass sie der Polizei misstrauen. Das sollte man hier deutlicher in den Fokus rücken.

Es wird auch viel zu wenig über Gewalt gegen Polizisten geredet. Dazu zählt zum Beispiel auch die Dauerbelastung durch gesellschaftliches Misstrauen und eine drohende Traumatisierung, die bei Gewalttaten auftritt. Polizisten müssen bei den geringsten Regelverstößen bereits mit schweren Sanktionen rechnen, mit der Entfernung aus dem Beamtenapparat oder mit dem Verlust aller Pensionsansprüche. Das sind alles Dinge, die einem außerhalb der Polizei nie drohen würden. Hier wird offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen, und das ist für uns nicht weiter hinnehmbar. Das muss sich ändern, und wir können nicht versprechen, dass wir unser Gewaltmonopol einfach so einschränken lassen von einer Politik, die sich so offensichtlich gegen uns in Stellung bringen lässt von einer Lobby aus linksradikalen Aktivisten, die ständig mit dem Grundgesetz ankommen. Das wird Konsequenzen haben, auch wenn das für uns als Polizei sicher Neuland ist. Denken Sie immer daran: das Gesetz ist immer auf unserer Seite.“





Katastrophenschutz

14 09 2020

„Natürlich gibt es in Deutschland Terror, und es gibt auch Terrornetzwerke. Das steht ja gar nicht außer Frage. Aber mal davon abgesehen, dass es auch nicht immer rechtsextremistische Terroristen sind, die sind ja nicht alle bei der Polizei. So viel Polizisten gibt’s auch wieder nicht.

Schauen Sie sich mal unsere gesellschaftliche Realität an, da hat sich in den letzten Jahren sehr viel verändert, und nicht eben nur zum Guten. Die Bundeswehr ist so gut wie weg vom Fenster, die Wehrsportgruppen wurden vom Verfassungsschutz zugemacht – vielleicht sind die jetzt auch bei der Bundeswehr, so genau weiß ich das auch nicht – und wenn man sich kritisch mit der Geschichte des Vaterlands auseinandersetzen will, gilt man gleich als Reichsbürger oder Verschwörungsideologe. Da wird so viel über einen Kamm geschoren, das ist wirklich eine Schande. Und wir leben wirklich in einer schwierigen Zeit. Wer heutzutage noch ein gewisses politisches Engagement aufbringen will, der muss sich ja zwangsläufig radikalisieren.

Jetzt können Sie natürlich sagen: das geht heute schnell, einfach mal ins Internet, es gibt auch noch die Schützenvereine, aber das sind doch keine Alternativen. Sicher hat man da auch ein gewisses Gemeinschaftsgefühl, im Schützenverein sowieso, im Internet weiß man, dass man teilweise mit Bots zu tun hat, teilweise mit Russen, teilweise auch beides gleichzeitig, aber so als Deutscher mit der typischen Sozialisation braucht man immer eine klare Gruppenzugehörigkeit. Wir und die anderen. So läuft da nun mal, das ist ein bewährtes Muster.

Was liegt da näher, als diese problematischen Personen in einer geschützten Umgebung zu verwahren, in der ihr Verhalten nicht so auffällt? Für uns bietet sich da die Polizei an, weil das die Kriminalstatistik nicht verzerrt. Sie wissen ja, falls es doch zu irgendeiner Fehlleistung kommen sollte, als Gesetzesverstoß wird das nur untersucht oder in die Kriminalstatistik aufgenommen, wenn es von der Polizei als Straftat gewertet wird, und wenn es als Straftat gewertet werden sollte, dann kann die Polizei das vermeintliche Opfer immer noch als Täter behandeln und selbst verfolgen. Das macht die Straftat nicht ungeschehen, erhöht aber das Vertrauen der Bürger in die Ausgeglichenheit der Kriminalstatistik.

Es handelt sich ja im Grunde nur um das, was auch außerhalb der Polizei an Alltagsstraftaten zu finden ist. Sie haben doch auch schon mal den Computer Ihrer Frau benutzt, ohne sich mit dem eigenen Passwort einzuloggen. Oder umgekehrt. Oder Sie gucken mal in den Briefkasten der Nachbarin, wie die eigentlich mit Vornamen heißt. Das ist uns allen schon passiert. Obwohl das streng genommen schon ein Verstoß gegen Datenschutz und Persönlichkeitsrechte ist, zum Beispiel dann, wenn sie dadurch ihre Telefonnummer rausfinden und sie mit unterdrückter Nummer nachts anrufen. Alles nicht schön, aber alles durchaus alltäglich.

Die Alternative wäre ja, sich in linksextremen Kreisen zu bewegen. Da haben Sie noch Anschluss an die Gruppe, weil die alle im Untergrund leben und ständig Terroranschläge planen, und da gibt es auch noch Wehrsportgruppen. Wir haben uns lange mit der Frage beschäftigt, ob ein gut organisierter Linksterrorismus eine Möglichkeit wäre, labile Menschen unter Kontrolle zu kriegen. Dafür spricht, dass wir langjährige Erfahrung mit linkem Terrorismus haben, einschließlich Abbau sämtlicher Bürgerrechte für unbeteiligte Bürger, und im Ergebnis war das auch eine ganz gute Zeit. Gut, nicht für die Opfer, aber das ist halt der Preis. Im Endeffekt haben wir uns aber dagegen entscheiden, weil wir es nicht verantworten konnten.

Sie müssen sich auch mal in die Betroffenen hineinversetzen. Das sind ja zum Teil schon sehr arme Menschen, denen lange keiner zugehört hat, und dann haben die auch nicht wirklich etwas in ihrem Leben realisieren können. Der NSU hat zehn Fremde erschossen, eine davon immerhin deutsch, andere haben Flüchtlingsheime in Brand gesetzt, und so ein Mensch, der täglich mit Frustrationen zu kämpfen hat, weil er die öffentliche Ordnung im Amt vertreten muss, der kann nicht nach eigenen Vorstellungen leben. Wenn man Berufsverbot hat, das ist eine Zwangshandlung von linken Spinnern, die überall das Grundgesetz dabei haben, dann darf man wegen seiner Gesinnung seinen Beruf nicht mehr ausüben. Hier ist das andersherum, und das ist noch viel schlimmer. Da nehmen Sie Menschen die Lebensgrundlage. Systematisch. Das ist wie Folter, da müssen Sie sich nicht wundern, wenn so ein Mensch irgendwann explodiert wie eine Zeitbombe. Wir sehen uns da als Katastrophenschutz, weil wir das Schlimmste verhindern.

Also lassen Sie uns das hier zu Ende führen, es ist ja bisher gut gegangen. Lübcke, Halle, Hanau, das waren insofern gar nicht oder nur sehr schwer kalkulierbare Risiken, weil es sich bei den Tätern ja nicht um Polizisten gehandelt hat. Das hätte man mit der anlasslosen Vollüberwachung aller Bürger eventuell verhindern können, aber ich glaube kaum, dass die Bundesregierung dafür die Personalstärke bewilligen würde. Und ich höre jetzt schon die Kritik, dass man damit genau die Rechtsextremisten in die Schnittstellen der Überwachungsbehörden locken würde, die man eigentlich am anderen Ende der Fahnenstange haben möchte. Lassen Sie uns das beobachten, dann sehen wir schon, was rauskommt. Und wenn wirklich mal etwas schief laufen sollte, ist das auch nicht so schlimm. Dann war’s halt ein Einzelfall.“





Mummenschanz

7 09 2020

„Dass das technisch sehr schwierig umzusetzen ist, das wissen wir, aber derzeit sehen wir leider keine andere Möglichkeit für eine globale Aktion. Wenn wir im Anschluss an eine Pandemie gleich wieder ein neues Virus loslassen, wir die Bevölkerung mit Sicherheit skeptisch reagieren. Eine Energiekrise ist die beste Lösung für unser Problem.

Vor allem natürlich, weil das so weit jenseits der normalen Vorstellungen liegt, aber praktisch auch nicht ausgeschlossen werden kann. An einem ganz normalen Freitag versiegen schlagartig sämtliche Erdölquellen. Weltweit. Es gibt kein Öl mehr. Das wird einen riesigen Schock auslösen, in dessen Schatten wir alles durchsetzen können, was wir mit Corona noch nicht geschafft haben. Zum Glück hat es eine Einigung gegeben, alle politischen Kräfte haben sich für dieses Szenario ausgesprochen, wir werden das zumindest am Anfang friedlich und mit möglichst wenig Aufsehen durchziehen. Sobald die Versorgung zusammengebrochen ist, werden wir ein internationales Krisenmanagement ankündigen und dann alles tun, um es zu verhindern. Wie wir das jetzt auch schon gemacht haben.

Primär arbeiten wir jetzt an den Sprengungen der großen Zugänge, und da kommen uns die seit 2001 bekannten Ergebnisse für thermonukleare Versuche im Hochbau sehr entgegen. Da haben wir viel investiert, die Geheimdienste wollen zeigen, dass sie sich seitdem nochmals verbessert haben, also geben wir ihnen doch die Gelegenheit. Für die submarine Förderung nutzen wir die bisher schon verfügbare Technik von Erdbebenmaschinen, nur eben eine Nummer größer. Hoffen wir, dass diesmal nicht wieder ein Tsunami entsteht, da dann auch die EU betroffen wäre. Israel hat ein gewisses Interesse angemeldet, dass wenigstens Deutschland von der Welle verschont bleibt. Wir finanzieren den Staat ja und haben eine historische Verpflichtung.

Die Folgen für den Verkehr werden katastrophal sein, das können Sie sich wohl ausmalen. Kein Öl heißt: kein Benzin, kein Diesel, kein Kerosin, Sie können eventuell noch Rad fahren, die Chinesen werden uns mit billigen Rädern überschwemmen, die sie gerade in Botsuana und Myanmar bauen lassen, und ein paar Blitzmerkern wird auffallen, dass der Strom nicht aus der Steckdose kommt. Das wird unangenehm. Diesmal wird es nach der ersten Hamsterwelle gar kein Toilettenpapier mehr geben, keine Nudeln, keine Tomaten. Monatelang. Sollten wir bis dahin kein halbwegs krisenfestes Netz aus erneuerbarer Energieerzeugung aufgebaut haben – da darf ich in aller Bescheidenheit sagen, dass die Bundesregierung weltweit zu den Vorreitern gehört, um alles zu torpedieren, was in diese Richtung geht, auch auf Kosten von Milliardenschulden, fehlenden Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen – dann haben wir keine Chance mehr, unseren Schlüsselindustrien wie sonst auch durch absurd hohe Geldgeschenke den Arsch zu retten. Ob wir der Lufthansa oder den Automobilbauern die Kohle auf den Hof schaufeln oder sie den Managern gleich auf schwarze Konten überweisen, davon kriegen Sie keinen SUV mehr zusammengeschraubt. Kaufen können Sie auch keinen. Mit etwas Glück reichen die Stromreserven für die Börse, die kann dann weiter ein paar Aktien hin und her schieben und Kapitalismus simulieren, damit ein paar Superreiche glauben, es gäbe noch so etwas wie eine funktionierende Wirtschaft.

Wir brauchen das natürlich auch. Schließlich ist das eins unserer Feigenblätter, wir erklären damit der Bevölkerung, dass wir immer noch alles im Griff haben. Auf der anderen Seite werden wir mit Schuldzuweisungen sehr vorsichtig umgehen. Dass die Inszenierung der Klimabewegung in die Hände spielt, das werden wir nicht bestreiten. Wir werden nur versuchen, die kommende Ökodiktatur – man muss den alten weißen Männern tatsächlich auch mal dankbar sein, dass sie sich das Wort ausgedacht haben, um zu zeigen, dass sie asoziale Lappen sind – als alternativlos und verfassungsrechtlich absolut notwendig darzustellen. Wir werden diesmal auch auf Autogipfel verzichten, auf Kohlegipfel, auf den ganzen Mummenschanz, den man ansonsten macht, um zu zeigen, dass wir es ernst meinen. Es gibt kein Zurück mehr, es kann keine Normalität mehr geben, keine, die wir bisher als normal ansehen würden. In der Pandemie haben wir eine Menge gelernt über die Anpassungsfähigkeit der Bevölkerung, jetzt ist es eben Zeit, das proaktiv umzusetzen.

Sie denken in die falsche Richtung. Wir werden keine Elektroautos vorschreiben, das sind auch nur Autos, die mit Strom fahren, aber aus Öl gebaut werden. Wir werden der Bevölkerung die Mobilität sinnvoll zuteilen. Homeoffice, das war doch erst der Anfang. Jetzt warten Sie auf Ihre Bewilligung, auf Einkaufstour zu fahren, es sei denn, Sie sind zu Fuß unterwegs. Oder mit dem Rad. Shopping in Dubai, Kreuzfahrt auf dem Pazifik, das ist aus. Kommt auch nicht wieder rein. Unter anderem dafür haben wir 5G installiert, weil wir die materielle Mobilität durch Datentransfer ersetzen wollen. Das wird nach einer gewissen Umgewöhnungsphase auch ganz gut funktionieren, allerdings nicht in Deutschland. Wir lassen die Funklöcher, sonst haben die Leute nichts mehr, worüber sie sich beschweren können.

Wir werden allerdings Überwachungsfantasien aufgreifen, die die sogenannten besorgten Bürger in ihre Kritik einarbeiten. Die wollen kein Öko, die wollen bloß Diktatur, diesmal kommen wir ihnen ein Stück weit entgegen. Schauen wir mal, wie die Proteste aussehen, dann ist auch der Militäreinsatz im Inneren drin. Sie sehen, alles ist möglich, wenn eine internationale Staatengemeinschaft nur das Beste für die Menschen will.“





Krokodile

3 09 2020

„… dass ein Graben rund um den Reichstag für mehr Sicherheit sorgen werde. Zusätzlich prüfe der Bundesminister des Innern, ob die Zugänge auch polizeilich…“

„… werde es in kurzen Abständen mehrere Demonstrationen in Berlin geben, die für eine neue Verfassung anstelle des Grundgesetzes werben würden. Dabei lege der Veranstalter größten Wert darauf, dass die von der Besatzerregierung dem deutschen Volk auferlegte Maskenpflicht bei der Durchführung keine…“

„… müsse der Strafrahmen für tätliche Angriffe auf Polizisten angehoben werden, da sich die Demonstranten vorher oft nicht bewusst seien, dass sie bereits für einen Steinwurf oder Schüsse aus einer scharfen Waffe erhebliche…“

„… solle Artikel 1 der neuen Verfassung darauf hinweisen, dass Menschenrechte nur für weiße Deutsche ohne Zugehörigkeit zum jüdischen oder muslimischen Glauben gelten würden. Die auf arischem Blutsrecht fußende Volkszugehörigkeit ersetze fortan die von Merkel befohlende…“

„… keine baurechtlichen Gründe gegen den Aushub des fünf Meter breiten Grabens bestünden. Als notwendig sehe die Bundesregierung auch einen Zaun mit Selbstschussanlage und Kameras, die mit Hilfe von Gesichtserkennung die…“

„… dass die BRD GmbH eine Diktatur sei. Ein Artikel der Verfassung regle, dass alle, die das Gegenteil behaupten würden, nach der Einführung der Volksdemokratie mit dem Tode…“

„… bereits im Vorfeld die Einreise nach Berlin durch stichprobenartige Personalkontrollen verhindert werden könne. Aus Datenschutzgründen dürfe die Polizei dabei jedoch nicht prüfen, ob es sich bei den Personen um Terroristen oder mit Haftbefehl gesuchte…“

„… die Bundeskanzlerin in Erzeugnissen der freien deutschen Presse ab sofort als ‚Systemhure‘, ‚Islamfaschistische Erfüllungsgehilfin des Volkstodes‘ oder ‚Judensau‘ zu bezeichnen sei. Jede Zuwiderhandlung verstoße damit automatisch gegen die Verfassung und könne mit einem Verbot des gesamten…“

„… dass die Gesichtserkennung durch den vorgeschriebenen Mund-Nase-Schutz nicht mehr funktioniere. Der Sicherheitsdienst sehe als einzige Möglichkeit die Pflicht, den Mundschutz innerhalb der Bannmeile künftig zu verbieten und so eine erhöhte Sicherheit für die…“

„… sämtliche Altparteien mit Ausnahme der vom Verfassungsschutz beobachteten rechten Gruppierungen sofort aufgelöst werden müssten. Deren Zusammenschluss zur Einheitspartei sei mit der neuen Verfassung zwingend geboten und…“

„… eine anlasslose Vorratsdatenspeicherung nicht zu vermeiden sei, da nur so geklärt werden könne, wer eine Reise nach Berlin plane. Alternativen wie die Überwachung von Straßen- und Schienenverkehr halte Seehofer für nicht zielführend, da so auch zahlreiche Personen, die nur auf der Durchreise die Hauptstadt im…“

„… solle eine Generalamnestie für politisch Inhaftierte sofort nach Inkrafttreten der neuen Verfassung erfolgen. Dies umfasse vor allem die wegen Volksverhetzung verurteilten Deutschen, aber auch Personen, die in völkischer Notwehr durch Brandanschläge gegen…“

„… nicht vom Tiergarten übernommen werde. Es sei darüber hinaus nicht möglich, Krokodile in einem Wassergraben um den Reichstag artgerecht zu halten, abgesehen von einer schweren Verletzung mehrerer Artenschutzabkommen, die für diese Reptilien eine sehr strenge…“

„… den Mitgliedern der neuen Regierung einen Ehrensold von jährlich einer Milliarde Neuer Deutscher Volksmark zu entrichten habe. Sie seien ab sofort nicht mehr steuer- oder abgabenpflichtig und könnten auf Lebenszeit nicht mehr vor einem deutschen Strafgericht wegen einer…“

„… dass ein Spezialteam die Smartphones der Berlin-Besucher vor Ort auf gefährliche Inhalte wie Stadtpläne oder Chatprotokolle checke, um nach später begangenen Straftaten wie schwerem Landfriedensbruch, versuchtem Totschlag oder Umweltverschmutzung sofort eine Beschreibung der mutmaßlichen Täter an die…“

„… stimme die Querdenker-Bewegung insofern mit der gängigen Meinung überein, dass Artikel 146 GG nur symbolischen Charakter habe. Die neue Volksverfassung werde von der Regierung daher ohne vorheriges Referendum als vollgültiges…“

„… werde bei einer Haltung von Krokodilen als Schutztiere bestimmt früher oder später der Vorwurf erhoben, dass die Bundesregierung selbst zu den Reptiloiden gehöre und sich mit dem…“

„… gelte die Verfassung in Deutschland in den Grenzen vom 31.12.1937, um die treuhänderische Verwaltung durch die Alliierten endgültig zu…“

„… ob unbemerkt auf die Telefone aufgespielte Software wie ein Staatstrojaner bei allen Geräten die gewünschten Ergebnisse bringen würden. Die Corona-App habe gezeigt, dass es durch veraltete Hardware oder Betriebssysteme zu Fehlern im…“

„… das Verbot von Chemtrails und 5G als Sicherung der Volksgesundheit verfassungsrechtlich geregelt werden müsse, um die deutschen…“

„… sich die Sicherheitsbehörden vermehrt um die Gefahr durch anwachsenden Linksextremismus kümmern müssten. Ohne linke Gewalt, so Seehofer, werde auch Rechtsextremismus als Reaktion nicht mehr so deutlich hervortreten, weshalb es dann viel mehr freie Polizeikräfte geben würde, die man zum Beispiel zur Eindämmung antifaschistischer…“





Im kleinen Kreis

2 09 2020

„Hundert Personen? Das können Sie sich in die Haare schmieren. Fünfzig auch. Es sei denn, wir können uns auf einen Deal einigen, dann ist Ihre Geburtstagsfeier auch mit fünfhundert Nasen null problemo. Oder hatten Sie ernsthaft gedacht, dass wir diesen Corona-Scheiß ernstnehmen?

Einer der Gründe, warum uns die ganzen EU-Schwachmaten beneiden: Deutschland ist nun mal Deutschland. Geh mir ab mit Einheit und so, das ist nur der Zwischenstand. Wer glaubt, dass das auch nur verwaltungstechnisch so eingehalten wird, kann sich an der Kasse einen Lutscher abholen, und dann kriegt er zwei Luftballons vom Weihnachtsmann gratis dazu. Wissen Sie schon mal, was hier Tango ist. Wir entscheiden hier nicht nur nach Bundesland, wir entscheiden hier nicht nach Regierungsbezirk, hier kommt es auf die Kommune an. Hört sich jetzt dreckig an, ist aber noch viel dreckiger. Sie haben den Plan, wir ziehen das durch. Sonst alles klar?

Logisch, dass wir hier den Überblick behalten. Deshalb haben wir immer den Draht nach drinnen, wo die Regeln gemacht werden. Ein falscher Schritt in der Pandemie, und die Virusscheiße haut einen aus der Steilwand. Kein Scherz. Zwanzig Personen auf der Trauerfeier sind gerade noch erlaubt, und zweihundert auf einem Konzert mit Tanzeinlage, wenn Sie wissen, was ich meine, die sind legal, da tränt dem geneigten Geschäftsmann doch das trübe Auge, oder nicht? Aber nicht verzagen, Ede fragen – Ede ist die coole Sau, die jede Verwaltung mit Anlauf und Ansagen in Rückenlage bringt, damit der Prozess sich nicht unbedingt in die Länge zieht. Ede war bis zur Pensionierung Regierungsdirektor.

Unser Zauberwort: kleiner Grenzverkehr. Es fängt ja manchmal schon an mit den Masken, die im Schulunterricht aufgezogen und abgesetzt und wieder angelegt werden – das geht Ihnen doch auch derbe auf die Plomben? Sage ich ja. Deshalb bieten wir unsere Dienstleistungen für Ihre Events auch regional so an, dass Sie in Ihrer Planung nicht auf die Medikamentenausgabe irgendwelcher geistig zurückgebliebener Hackfressen warten müssen.

Momentan haben wir einen noch nicht ganz abgerissenen Gebäudekomplex im Rhumspringe im Angebot, sieht richtig scheiße aus, hält also, was er verspricht. Da sind Sie ratzfatz von Niedersachsen über die Zonengrenze in Thüringen, mit unserer Heliflotte sogar noch eine Ecke fixer. Ist alles nur eine Frage des Preises. Wo Sie sich treffen, ist Ihre Entscheidung, wo Sie feiern, das lassen Sie mal unsere Sorge sein. Zwinge hört sich erst mal doof an, aber das täuscht. Da tanzen die Puppen, weil wir da die Puppen tanzen lassen. Klärchen?

So funzt das eben, ob Ihnen das in den Kram passt oder nicht. Wir machen die Regeln nicht, wir halten uns nur daran. Jeder Strafverteidiger und jeder Steuerberater wird Ihnen das verklickern, das ist viel schlimmer. Gesetze sind das, was zwischen den Lücken stattfindet, und mit dem Rest verdienen wir unsere Kohle. Nicht unbedingt viel besser als Bundesminister, aber weniger verlogen.

Sie planen Ihre Geburtstagsfeier im kleinen Kreis, das wären dann maximal dreihundert Gäste? Super, fast so intim wie bei der Konfirmation von Onkel Max, und der saß damals schon im Knast. Dann finden Sie mal raus, wer von wo kommt, und dann organisieren wir eine ganz intime Location. Bremen können wir empfehlen, da ist man auch rapide über der Landesgrenze und in einem Kaff, das trotzdem dreimal so hohe Infektionszahlen duldet, wenn die nicht gemeldet wurden. Kann sein, dass ich das jetzt mit dem Saarland verwechsle, aber letztlich ist das ja auch wumpe. Hauptsache Italien. Dann besorgen wir eine Feierabendcombo, die kann irgendwo im Untergeschoss vor sich hin schrammeln, und Sie setzen sich gepflegt ab. Die drei Gitarrenheinis kosten auch nicht die Welt, aber wir brauchen die eben, weil wir den ganzen Bums als Konzert anmelden, das ist eine geschlossene Veranstaltung, und wir haben da einen Typen in Delmenhorst, der macht den Festsaal klar. Das mit dem Treffen organisieren wir auch gerne, aber nicht wieder als Trauerfeier. Beim letzten Mal haben sie und nicht abgekauft, dass Onkel Max schon wieder beerdigt wird, dabei wird der hier jeden Mittwoch beerdigt, und dann kommen immer hundert Leute für Kaffee und Kuchen. Der war halt beliebt, kann sich so eine Flitzpiepe vom Amt nicht vorstellen.

Oder wir organisieren für Sie den Discowagen von Bahn. Haseloff, dieser Klapskalli aus Sachsen-Anstalt, hat ja schon gejammert, dass man im Zug alle paar Kilometer die Masken auf und ab und auf und absetzt, wenn man die Landesgrenzen passiert. Typisch für so einen Sprallo mit akutem Hirnaua. Die Deutsche Bahn AG ist ein Staatsunternehmen, da gelten dieselben Beförderungsbedingungen auf der ganzen Strecke, aber das Beste ist doch, das kümmert keine Sau, weil das ein Staatsunternehmen ist. Da können Sie dann gemütlich als mobile Druckbetankung durch die Republik heizen und sich vom Schaffner einen einschenken lassen, und zwar auf Nummer sicher: die Eumel da tragen auf jeden Fall Maske zur Uniform, weil das ist ja ein Staatsunternehmen. Brüller, oder?

Und wenn Sie mal richtig einen draufmachen wollen, regeln wir das vor Ort: Vorglühen in Mitte, amtliche Höllenparty in Kreuzkölln und danach Abklingbecken mit körpernahen Dienstleistungen in Tiergarten. Hier in Berlin müssen Sie echt schon ’ne rote Fahne im Gepäck haben, bevor Sie für irgendwas kontrolliert werden.“





Amtliche Version

1 09 2020

„… auf mehreren Kanälen verbreitet habe. Ein kleiner Kreis von Verschwörungsgläubigen sei fest davon überzeugt, dass am 6. September durch einen von Bill Gates geplanten Photonenstrahl das ganze Universum innerhalb einer Sekunde zu…“

„…nicht den Plänen der russischen Regierung entspreche. Vereinzelte russlanddeutsche Sprecher seien aus der Gruppe ausgetreten, da Präsident Putin bisher keine Befehl zur Vernichtung des…“

„… die Frankfurter Börse leicht anziehe und fest schließe. Analysten würden den beginnenden Kursanstieg durchaus begrüßen, da dies sicher eine Menge Neuinvestitionen nach sich zöge, die zur Steigerung des DAX auf ein neues…“

„… durch einen Fackelzug vom Brandenburger Tor bis zum Reichstag verhindert werden könne. Die Bundesregierung verschweige den Hinweis mit Absicht, da sie die von den Rothschilds beauftrage Umvolkung Deutschlands nicht rechtzeitig vollendet habe und die ihr im Voraus gezahlten Silberlinge nur durch eine gewaltsame Vernichtung des gesamten…“

„… habe auch das Weiße Haus dementiert. Zwar sei Trump in der Lage, das komplette All in einer Sekunde zu zerstören, es werde auch die beste und großartigste Zerstörung, die es je gegeben habe und die es je gegeben habe, und der Präsident weise darauf hin, dass die linksradikalen Demokraten das nie hinkriegen würden, da sie immer alles zerstören wollten, was er aber als der größte Zerstörer unter den amerikanischen Präsidenten besser als jeder…“

„… sich nicht mit den aus der Bibel abgeleiteten Daten vertrage. Zwar werde es einen Weltuntergang geben, dieser finde jedoch an einem noch nicht bekannten Tag statt, der zwischen den Vertretern der einzelnen Religionsgemeinschaften bisher noch Gegenstand einer laufenden Diskussion vor dem…“

„… als unsinnig bezeichnet habe. Xi werde sicher keine globalen oder universalen Untergänge dulden, an denen die Volksrepublik China nicht federführend beteiligt sei. Sollte es Überlegungen zu einer Vernichtung des Universums geben, werde die Kommunistische Partei es das befreundete Ausland rechtzeitig wissen lassen, um die nötigen Vorkehrungen zu…“

„… erwachse aus einem Versammlungsverbot das verfassungsmäßige Widerstandsrecht, wenn nur durch den bewaffneten Kampf gegen die von Merkel zur Vernichtung der deutschen Rasse eingesetzte Polizei der Weltuntergang verhindert werden könne. Die Querdenker-Ideologen böten Unbedenklichkeitsbescheinigungen zum Download ab, mit denen das deutsche Waffengesetzes nicht mehr gültig sei, so dass jede…“

„… Hildmann, Höcke und Naidoo in Berliner Krankenhäuser eingeliefert worden seien. Die zum Teil durch Schuss- und Stichwunden schwer Verletzten seien in Streit geraten, wer als Messias Führer und Reichskanzler des Vierten…“

„… wenigstens in Brandenburg und Sachsen nicht mehr zu finden seien. Nach einer kurzen Schockwelle im Groß- und Einzelhandel gebe es neben Toilettenpapier und Nudeln auch keine Alufolie mehr, was wiederholt zu gewaltsamen…“

„… sich nicht eindeutig zu den Vorwürfen geäußert habe. Laut Regierungssprecher Seibert entspreche die Vernichtung des Universums nicht der amtlichern Versionen der Bundesregierung, weshalb es auch keinen Kommentar zu den…“

„… ziehe eine von Maschmeyer gesteuerte Drückerkolonne durch Niedersachsen und NRW, um 80-Jährigen Risikolebensversicherungen zu verkaufen, die per Vorkasse bezahlt werden müssten. Im Falle höherer Gewalt sei der übliche Haftungsausschluss die…“

„… die verfassungsgebende Versammlung die Zusicherung des Bundesamts für Verfassungsschutz habe, dass sie auch bei einem Militärputsch ohne Strafe bleibe, da sie im Namen von Jesus und der deutschen Herrenrasse handle. Maaßen habe ihnen darüber hinaus versprochen, als Vorsitzender des Volksgerechtigkeitshofs kurzen Prozess mit…“

„… sei von einem Insider der Jüdischen Weltverschwörung durchgestochen worden, dass der Islam die Entwicklung von 5G finanziert habe, um das Sonnensystem mit Gammablitzen zu neutralisieren, so dass nur Deutschland als quantenlokales Polynomquarkradialfeld in eine hundert Trilliarden Lichtjahre entfernte Parallelwelt gebeamt und vollständig zur DDR umgepolt werde, in der Impfchips aus Kinderblut und…“

„… der Bundesverband praktizierender Maya die Darstellungen als Spinnerei geistig vollkommen weggetretener Knalltüten bezeichnet habe. Man werde gerichtlich gegen diese Bekloppten…“

„… werde von Verschwörungsideologen die Botschaft verbreitet, der deutsche Kaiser sei gar nicht nach Berlin gereist, um mit zehn Millionen im Untergrund lebenden Freiheitskämpfern die Junta der BRD GmbH zu überwältigen. Dies sei ein nicht bewiesenes Gerücht und dürfe nicht daran hindern, die in Artikel 20 des Grundgesetzes für die…“

„… werde der Termin wegen organisatorischer Gründe vorerst verschieben müssen, da neue Beweise für eine Steuerung der Vernichtung des Satans im Auftrag von Microsoft und der Deutschen Bahn AG aufgetaucht seien. Die Leitung des Kaiserlichen Widerstandes werde ab sofort von Alpha Centauri aus mit der Befreiungsfront der deutschen…“





Gesundes Misstrauen

16 07 2020

„Wir können ja jetzt nicht davon ausgehen, dass es sich um rechte Netzwerke handelt.“ „Haben wir die Polizei schon mal befragt, ob sie sich so etwas in ihren eigenen Reihen überhaupt vorstellen kann?“ „Das interessiert doch nicht, wir können uns das nicht vorstellen, und damit basta!“

„Man könnte doch trotzdem mal…“ „Nein, das verbittet sich!“ „Sie wollen doch wohl nicht der Polizei in den Rücken fallen?“ „Es ist ja auch nur als ergebnisoffene Frage gedacht, ob die Polizei das überhaupt für möglich halten könnte.“ „Wird sie aber nicht.“ „Eben, und deshalb kann man sie doch einfach mal ergebnisoffen fragen, und wenn sie dann sagt, dass es bei ihnen auf gar keinen Fall Nazis gibt, dann…“ „Moment mal, wie kommen Sie jetzt auf Nazis?“ „Es handelt sich um rechte Netzwerke, und die…“ „Dann sind es im Zweifel höchstens, und ich sage: höchstens rechte Polizisten und keine Nazis.“ „Das ist doch dasselbe.“ „Sie wollen hier wider besseres Wissen einfach so in die Welt setzen, dass es bei der Polizei Netzwerke von Rechten gibt?“ „Ich möchte bloß mal wissen, aus welchem Interesse man sich so etwas ausdenkt.“ „Vermutlich eine schwere Kindheit.“ „Kommen Sie aus der DDR?“ „Aber…“ „Zunächst mal ist diese Gleichsetzung von Nazis mit rechten Netzwerken vollkommen abzulehnen.“ „Sie werden doch wohl nicht leugnen, dass es in der Polizei Nazis gibt?“ „Das hat auch niemand behauptet, aber ich möchte mal wissen, woher Sie Ihr Wissen nehmen, dass die netzwerkartig organisiert sind?“

„Fakt ist jedenfalls, dass vor allem in Hessen immer wieder…“ „Was heißt denn ‚immer wieder‘, das ist doch nicht an der Tagesordnung.“ „Warum müssen Sie immer so übertreiben?“ „So kann man die Debatte nämlich auch ins Lächerliche ziehen, wollte ich nur mal anmerken.“ „Warum kommen die Morddrohungen schon wieder aus der Polizei?“ „Das war von einem Polizeicomputer, aber damit ist doch noch gar nichts bewiesen.“ „Es könnte ja rein theoretisch auch ganz jemand anders diese Mails verschickt haben.“ „Meine Freundin zum Beispiel, wenn die mein Handy sieht, die guckt da auch nach.“ „Ein bisschen gesundes Misstrauen ist nie verkehrt.“ „Sie wollen mir doch wohl nicht weismachen, dass in einer Polizeidienststelle jeder Hans und Franz an einen Computer gehen und sich sensible Daten rausziehen darf?“ „Na, so sensibel war das jetzt auch nicht.“ „Die Frau wusste ja zum Beispiel selbst, wo sie wohnt.“ „Wenn Sie Dinge aus dem Polizeicomputer erfahren, die Sie über sich noch nicht gewusst haben, dann wird’s lustig.“ „Hähähä!“ „Wenn Sie das für komisch halten, wer war dann der Täter?“ „Da müssen Sie dann schon die Polizei befragen.“ „Am besten ergebnisoffen.“ „Man steht doch nicht immer daneben, wenn man mal eine Abfrage tätigt, oder?“ „Vielleicht war es auch technisches Versagen, dass der Computer ganz plötzlich abgestürzt ist, bevor sich der Kamerad hatte abmelden können.“ „Das passiert.“ „Und genau deshalb sollte man mit Verdächtigungen sehr vorsichtig sein.“ „Das ist ein ganz ungesundes Misstrauen, was Sie da an den Tag legen.“

„Für Sie noch mal im Klartext: wir haben hier einen handfesten Skandal, der den Innenminister den Kopf kosten kann.“ „Das ist bedauerlich.“ „Wäre er mal lieber Polizist geworden, da passiert das nicht ganz so schnell.“ „Hähähä!“ „Es ist unsere Aufgabe, diese Vorgänge so umfassend und schnell wie möglich aufzuklären.“ „Das geht aber nicht ohne die Mitwirkung der Polizei.“ „Haben Sie das mal durchdacht, was Sie hier fordern?“ „Übrigens nicht zum ersten Mal, wenn ich mich erinnere.“ „Sie können doch nicht die Polizei, bei der Sie Anhaltspunkte für Nazi-Netzwerke vermuten, zur Aufklärung von Nazi-Netzwerken in der Polizei einspannen.“ „Übrigens meint das ja auch eine ganze Reihe Ihrer Kollegen, wenn ich mich recht erinnere.“ „Es verfestigt sich so ein bisschen der Eindruck, dass Sie die Polizei lächerlich machen wollen.“ „An Ihrer Stelle würde ich mir das sehr gut überlegen.“ „Warum wird nicht wie in anderen EU-Ländern jede Abfrage von Polizeicomputern protokolliert, einschließlich sämtlicher abgefragter Daten?“ „Datenschutz.“ „Stellen Sie sich mal vor, in so einem Protokoll stünden dann Daten, die die abgefragte Person überhaupt nicht kennt.“ „Kann es eigentlich sein, dass Sie nur einen Grund suchen, die deutsche Polizei verächtlich zu machen?“ „Das ist typisch für dieses Verhalten: eine Täter-Opfer-Umkehr konstruieren, damit man von seinem eigenen Versagen ablenken kann.“ „Deshalb auch die schnelle Ausflucht von gewaltbereiten Nazi-Netzwerken, obwohl bisher noch kein einziger Terroranschlag gegen diese kommunistischen Dreckschweine stattgefunden hat!“ „Das gehört sicher in dieses antifaschistische Narrativ, dass man einen Gegner erfindet, den es gar nicht gibt, damit man dann mit der Staatsmacht demokratische Strukturen zerschlagen kann.“ „Sie sollten sich mal vor Augen führen, mit wem Sie sich hier gerade anlegen.“ „Ich lasse mir dieses impertinente Verhalten von Ihnen nicht länger gefallen, ich fordere ab sofort rund um die Uhr Polizeischutz!“ „Das erste vernünftige Wort, das ich von Ihnen höre.“ „Ach, wirklich?“ „Das ist das Mindeste, was man einer demokratisch gewählten Parlamentarierin im Landtag…“ „Wer redet denn von diesem linken Pack? ich fordere Schutz für die deutsche Polizei!“





Achtelkanaken

15 07 2020

„… bisher nur bei der Stuttgarter Polizei praktiziert werde. Für die Stammbaumforschung spreche, dass sie eine wesentlich genauere Statistik erzeuge, die vor allem vermeintlich deutsche Täter entlaste und die wahren Ursachen für die…“

„… zurückweise. Seehofer sehe im Vorgehen der Polizei keinerlei rassistischen Hintergrund, da die Ahnenforschung ohne antisemitische Motive betrieben werde. Außerdem sei Antisemitismus in Deutschland gesetzlich verboten, deshalb könne er bei der Polizei auch überhaupt nicht im…“

„… könne jeder deutsche Staatsbürger vor einer geplanten Straftat das Verfahren beschleunigen, indem er seinen Abstammungsnachweis bei der Bundesstelle für Sippenforschung beantrage. Dieser sei künftig auch bei Eheschließungen und in der…“

„… sehe das Landeskriminalamt keine Gründe, die gegen eine Migrantenkartei sprächen. Solange die Daten nur von Polizisten eingesehen werden könnten, sei mit einem Missbrauch nicht zu…“

„… es sich um historisch erprobte Mittel der kriminalistischen Erfahrung handele. Bereits vor 1945 habe die deutsche Polizei die Abstammung von Straftätern erfasst und statistisch klar bewiesen, dass einige rassische Sondergruppen so gut wie immer gegen Gesetze verstoßen hätten, weshalb sich der Staat in der Folge auch zu konsequenter Härte gegen den…“

„… dass Tätern, die sich den deutschen Pass durch Abstammung von einem inländischen Urgroßelternteil heimtückisch erschlichen hätten, auch nachträglich noch die Staatsbürgerschaft aberkannt werden könne. Seehofer halte eine präventive Abschiebung ohne vorherige Straftat für durchaus begrüßenswert und wolle gegen das…“

„… sich nun auch die AfD strikt gegen die polizeilichen Maßnahmen ausgesprochen habe. Weidel sehe es als erwiesen, dass bei Straftaten zum Nachteil reinblütig deutscher Volksgenossen immer ein Migrantenbonus zum Tragen komme, der vor allem bei schwersten…“

„… dass die Familienverhältnisse nur durch das Gericht eruiert werden dürften. Dies verschiebe den Fokus in Richtung Justiz und führe dazu, dass die Polizei als zu schwach wahrgenommen werde, weil sie den Täter nicht selbst im kurzen Prozess den…“

„… wolle Polizeipräsident Lutz zunächst aus technischen Gründen an den Kategorien für Täter und Tatverdächtige festhalten. Die Computer seien so programmiert, dass zum Beispiel die Einordnung von ‚Halbschwarzen‘ oder ‚Achtelkanaken‘ für einen selbsttätigen Abgleich mit dem…“

„… verlange die AfD, dass die Gleichheit vor dem Gesetz auch in der Täterermittlung gewahrt bleibe. Auch Personen, die sich der nichtdeutschen Staatsbürgerschaft strafbar gemacht hätten, müssten mit einer genetischen Untersuchung ihrer…“

„… nicht jeden Migrationshintergrund gleich bewerten dürfe. Innenminister Strobl sehe eine dänische Mutter als nicht strafverschärfend an, ungefährliche Großeltern seien bei Österreichern, Kanadiern und…“

„… auch in der Kriminalprävention eingesetzt werden solle. Die Polizei in Baden-Württemberg werde ab sofort alle Jugendlichen aufklären, dass die deutsche Staatbürgerschaft nicht vor Rassismus und Nachteilen vor Gericht schütze. Diese Sensibilisierung werde bestimmt innerhalb des…“

„… sich bestätigt sehe und die linksradikale Hetze endlich Lügen strafen könne. Seehofer halte die Stammbaumforschung für Rassismus gegen Deutsche, der tatsächlich existiere und ein sehr schwerwiegendes Problem in der heutigen…“

„… befürworte Meuthen die Einführung der Stammbaumerhebung. Diese werde zeigen, dass sich Ausländer auch nicht durch das Geschenk eines deutschen Passes integrieren würden, da sie nicht in der Lage seien, die echte deutsche…“

„… werde von interessierter Seite immer wieder behauptet, ein Migrationshintergrund sei der Grund für zahlreiche Diskriminierungserfahrungen, die ihrerseits ein Kriminalitätspotenzial erzeugten. Wendt sehe in dieser Theorie eine typische geistige Fehlleistung, wie sie nur von fremdrassigen…“

„… nicht an die Öffentlichkeit gegeben würden. Um die Täter zu schützen, werde man natürlich in den Pressemitteilungen der Polizei nur sehr grobe Anhaltspunkte wie ‚Afrikaner‘, ‚Arabisches Umfeld‘ oder…“

„… bestritten habe, dass ein Staatenloser durch seine erkennungsdienstliche Behandlung den Absturz der Stuttgarter Polizeicomputer ausgelöst habe. Das Polizeipräsidium habe die sofortige Einbürgerung nur auf Wunsch des…“

„… beispielsweise die italienische Herkunft problematisiert werde. Für Strobl sei dies eine rechtlich unzulässige Verallgemeinerung, da nicht jeder Italiener automatisch der Mafia angehöre oder sich in einer…“

„… könne eine Kriminalitätsstatistik wesentlich genauer gefasst werden, wenn die Herkunftsländer der Vorfahrengenerationen proportional als zu Verbrechen neigende Nationalitäten im…“

„… letztlich alle Menschen aus Afrika stammen würden. Mit Hilfe einer ausreichend großen Menge an Vorfahrendaten wolle Seehofer nun beweisen, dass Kriminalität überhaupt nur von Ausländern erzeugt werde, die man deshalb alle sofort aus…“

„… gegen die fremdenfeindliche Behandlung durch die baden-württembergische Polizei protestiert habe, da er einen Versippungsfragebogen für elf Generationen, mindestens aber bis 1650 habe vorlegen müssen. Ziemiak sei wegen Falschparkens vor dem Gebäude des…“





Dienst nach Vorschrift

2 07 2020

„… Listen geführt habe, auf denen die Namen und Privatanschriften zahlreicher Politiker verzeichnet gewesen seien. Eine kriminelle Absicht habe man dem Reservisten jedoch noch nicht…“

„… bisher nur Namen gefunden worden seien, von denen öffentlich bekannt sei, dass es sich bei ihnen um Politikerinnen und Politiker handele. Eine geheimdienstliche Tätigkeit könne man daher zum jetzigen Zeitpunkt bereits…“

„… dürfe man von Angehörigen der Armee auch erwarten, dass sie sich mit den politischen Vertretern der Bundesrepublik befassen würden. Bei einer Liste ausländischer Staatsmänner wolle der Geheimdienst aber gerne noch mal auf den…“

„… auf dem Computer des Unteroffiziers auch Daten sichergestellt worden seien, in denen ein neuer Holocaust angekündigt werde. Da keine der gelisteten Personen jüdischen Glaubens sei, könne man derzeit zu den Dokumenten auch nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob sie echt oder nur…“

„… nicht in Verbindung zu jüngsten Funden von Waffen und Sprengstoff stehe. Auch habe man bei dem beschuldigten Soldaten keine ausrangierten Helikopter, Drohnen, einsatzbereite Panzer oder…“

„… ob es eine Kompetenzüberschreitung des Militärischen Abschirmdienstes gegeben habe. Für Rechtsradikale sei eigentlich das Bundesamt für Verfassungsschutz, das selbst viel mehr Personal aus den Reihen ehemaliger und praktizierender…“

„… sei es unter besonders patriotisch gesinnten Bundeswehrangehörigen unter Umständen möglich, dass sie Politikern kleine Geschenke zu Oster, zu Weihnachten oder zum Geburtstag schicken würden und daher eine Sammlung ihrer…“

„… dass es sich um einen Reservisten gehandelt habe. Da diese Gruppe nicht im KSK beschäftigt werde, könne das Bundesverteidigungsministerium Entwarnung für das…“

„… der Beschuldigte kein Polizist sei. Seehofer wolle daher von einer Strafanzeige gegen die ermittelnden Beamten absehen und jeden…“

„… auch Mobilfunknummern der potenziellen Opfer verzeichnet worden seien. Dies werte das Parlamentarische Kontrollgremium aber nicht als gefährlich, da über ein Telefon keine Gewalttaten zu verüben seien und man nicht erwarten könne, dass etwaige Drohungen durch die Beschuldigten wieder von ihren eigenen Geräten…“

„… sich mit zahlreichen Daten decke, die 2017 beim rechtsextremen Oberleutnant entdeckt worden seien, der auch Anleitungen zum Bombenbau bei seinen Gesinnungsgenossen verteilt habe. Seehofer sehe dies allerdings als gutes Zeichen, dass es zwischenzeitlich nicht noch mehr Namen und…“

„… möglicherweise um geplante Beleidigungen zum Nachteil der Politikerinnen und Politiker. Da stichprobenartige Befragungen der Personen jedoch noch keine derartigen Straftaten hätten nachweisen können, müsse man erst abwarten, ob die Listen in einer WhatsApp-Gruppe geteilt worden seien, so dass es von anderen Tätern eine erwartbare…“

„… bedauere der Bundesinnenminister die mediale Berichterstattung, da diese geeignet sei, in der Bevölkerung Nachahmungstaten zu motivieren, die dann auch andere Personen als die hier…“

„… moniere der Verfassungsschutz, dass die meisten linken Politiker, die eine lückenlose Aufklärung und harte Strafen fordern würden, noch nicht einmal selbst auf den sichergestellten…“

„… nur eine einzelne Person betreffe sowie eine noch nicht als gefährlich groß eingestufte Anzahl an Unbekannten. Der MAD habe sich deshalb darauf verständigt, weiterhin Dienst nach Vorschrift zu…“

„… auch einen Schauspieler als Zielperson führe. Den Sicherheitsbehörden sei es aber bis zur Stunde noch nicht gelungen, das Pseudonym Til Sch zu identifizieren, so dass ein Polizeischutz vorläufig noch nicht…“

„… dass rechte Tendenzen auch unter Sportlern, Handwerkern und Wissenschaftler bestünden. Die Bundesverteidigungsministerin sehe sich deshalb in ihrem Urteil bestätigt, dass die Bundeswehr als Querschnitt der deutschen Bevölkerung keine…“

„… hätten Aussteiger berichtet, dass innerhalb der 115.000 Mann starken Gruppe der Reservisten ein rechtsextremistisches Netzwerk existiere. Die Sicherheitsbehörden hätten bisher jedoch bei einer Befragung ausgewählter Angehöriger noch kein Geständnis aus den…“

„… plädiere der Innenminister dafür, auch den Bundeswehrangehörigen abhörsicherer Telefone zur Verfügung zu stellen, da im Falle eines von Ausländern geplanten Hackerangriffs keine militärische Geheimhaltung in den…“

„… keine AfD-Mitglieder auf der Liste gestanden hätten. Der Militärische Abschirmdienst sei daher überzeugt, dass es sich nur um gezielte persönliche Abneigungen gegen einzelne Politiker, nicht aber um eine generell staatsfeindliche…“

„… das Ausschließen ertappter Täter von Reservistenübungen auch zu Kurzschlussreaktionen führen könne. Kramp-Karrenbauer fürchte Klagen von Armeeangehörigen, die in den kommenden Monaten mit einer posttraumatischen…“

„… sehe auch die CDU-Bundestagsfraktion ein großes Problem. Solange immer wieder derartige Taten aufgedeckt würden, könne man den Einsatz der Bundeswehr im Innern nur gegen sehr großen Widerstand mit dem Koalitionspartner in eine…“





Extrem

30 06 2020

„Und Sie sind…?“ Bevor ich noch der Dame am Empfang meine Karte hatte reichen könne, kam Minnichkeit aus dem Aufzug, mausgrau wie immer und noch ein bisschen tollpatschiger als sonst. „Wir freuen uns“, strahlte er. „Lassen Sie uns sofort in die Redaktion fahren, er erwartet Sie schon!“

Seit Trends & Friends, der leicht überkandidelten Agentur, hatte er nicht mehr so ein Vergnügen gehabt. Der Bürojob hatte ihn für ein paar Jahre beruhigt, doch nun zog es den Kreativen zurück in sein Metier. „Ich habe ihn entdeckt“, sagte Minnichkeit nicht ohne Stolz. „Wir sind so gut wie ausgelastet, es läuft großartig.“ Der Lift bimmelte, wir hatten das Stockwerk erreicht. Kaum rollten die Türen zur Seite, sahen wir ihn auch schon, wie er aufgeregt mit einem leeren Becher über den Flur stürmte. „Kaffee-Wahnsinn“, keuchte er, „schon wieder leer!“ Minnichkeit nickte. „Er ist in seinem Element. Eigentlich die ganze Zeit.“ „Und was ist noch mal genau seine Aufgabe?“ Der alte Freund zog die Brauen empor. „Er ist unser Schlagzeilenspezialist.“

Wir hatten uns schon im Büro niedergelassen, da kam der Spezialist zurück. „Super-Sommer“, verkündete er. „Was Sie jetzt gegen Monster-Hitze tun können!“ Und er kippte das Fenster. „Ich sehe“, bestätigte ich, „Sie sind ein Meister Ihres Faches.“ „Wir sind auch sehr zufrieden“, sagte Minnichkeit. „Ein komplett neues Geschäftsmodell, und es hat sofort wie eine Bombe eingeschlagen.“ „Business-Killer“, erklärte der Redakteur, „Wahnsinns-Umsatz im ersten Quartal – das Start-Up, das Sie kennen müssen!“ Ich schlug die Pressemappe auf. „Das sind also die Titel der letzten Wochen.“ Doch Minnichkeit rümpfte die Nase. „Ich bitte Sie, das machen wir an einem Vormittag!“

„Chaos-Wirtschaft!“ Offenbar hatte unser Schreiber wieder eine Eingebung. „Deutschland geschockt von Merkel-Plan!“ „Ich kann damit jetzt nicht viel anfangen“, bemerkte ich. Möglich, dass es neue Entwicklungen in der Europäischen Union gab, von denen ich noch nichts gelesen hatte. „So werden wir von Ekel-Ausländern abgezockt!“ „Da lag ich dann wohl falsch.“ Minnichkeit knetete die Hände. „Manchmal ist er ein bisschen, wie soll ich sagen – direkt.“ Ich nickte. „Sie richten sich ja auch nicht gerade an eine intellektuelle Zielgruppe.“ „Noch mehr Hartz IV!“ „Ist das jetzt gut oder schlecht?“ „Bezahlt Merkel Corona-Drosten?“ Ich merkte, dass ich eine Pause brauchte. Zum Glück war ihm auch der Kaffee ausgegangen. Wir konnten uns auf dem Balkon ein wenig die Beine vertreten. Dort draußen war die Sommerluft sogar angenehm.

„Klopapier-Terror“, stöhnte er und setzte sich wieder in seinen Drehsessel. „Ist Steuer-Irrsinn jetzt noch Deutschland?“ Ich nippte nur einen kleinen Schluck aus meiner Tasse, aber Minnichkeit lief rot an. „Wir hatten das doch gerade erst“, stöhnte er, „das kann doch jetzt nicht schon wieder… – “ „Hitler-Gold!“ Ich schielte nach dem Fenster. „Vielleicht ist es doch ein bisschen warm hier.“ Ich hatte recht, und der Werbekaufmann erklärte es mir sogleich. „Er läuft ab und zu heiß, dann bleibt er an einer Ecke hängen und wir müssen ihn langsam wieder beruhigen.“ Ich stellte die Tasse zurück auf den Tisch. „Scheint sich um die rechte Ecke zu handeln.“ Minnichkeit räusperte sich mit einer Art von Bestimmtheit, die ich von ihm gar nicht kannte. „Sie wissen, aus welcher Branche ich komme, und da muss man schon darauf achten, dass man sein Produkt auch verkaufen kann – wir würden doch sonst die Leser gar nicht erreichen.“ Ich lehnte mich zurück und wollte gerade antworten, aber ich kam nicht dazu. „Sex-Schock! Extrem-Ausländer! Wird Deutschland von Feministinnen vergewaltigt?“ „Ihr Problem“, antwortete ich kühl, „ist nicht Ihre Branche, Ihr Problem sind Ihre Kunden.“

Minnichkeit blieb eingeschnappt; er rührte noch ein bisschen in seiner Tasse herum, dann blätterte er wieder in der Mappe. „Wir müssen ja heute noch ein bisschen arbeiten“, sagte er schmallippig. „Von alleine macht sich das ja nicht, auch wenn es Ihnen so scheint.“ „Klinik-Skandal“, setzte der Redakteur ein. „Impf-Irrsinn! Merkel fordert neue Risiko-Milliarden für EU! Corona-Wurst tötet Rentner! Ist Autofahren bald verboten?“ „Vielleicht sollten Sie die Installation einer Klimaanlage in Erwägung ziehen.“ „Ruhig“, zischte Minnichkeit. „Das sind die besten Titel, die uns pro Stück mindestens…“ „Lügen-Virologe kriegt Geld vom Staat! Drama im Freibad – Kinder schwimmen in den Tod! Fußball-Entzug für Hartz-IV-Schnorrer! Asylanten fordern Milliarden für Drogen!“ Er hustete kräftig; nicht auszuschließen, dass es psychosomatisch war. „Randale-Migranten – Prügelstrafe jetzt! So viel Geld kosten uns Arbeitslose! Linke wollen alle Polizisten ins Lager schicken! Deutsch-Terror – Grüne schaffen Zigeunerschnitzel ab!“ „Schön“, lobte Minnichkeit, „sehr, sehr schön. Das ist einer der besten Tage seit langem, und ich muss sagen, ich bin wirklich zufrieden mit Ihnen.“ Fast hätte man sagen können, dass ein Lächeln über das Gesicht des Schlagzeilenproduzenten gehuscht wäre, aber vielleicht hatte ich mich auch nur getäuscht. „Wie Sie sehen, haben wir mit unserem Geschäftsmodell eine große Lücke im Journalismus geschlossen und sind auf dem Weg zum großen Erfolg.“ Ich lächelte. „Minnichkeit, nehmen Sie es mir nicht übel, aber dass jemand die Schlagzeilen zu Zeitungsartikeln…“ Er winkte ab. „Nein, Sie haben das nicht verstanden. Er liefert die Titel. Was die Zeitungen dann für Artikel schreiben, das ist nicht mehr unser Problem. Wie gesagt, ein ganz neues Geschäftsmodell.“