Trinkgeld

12 07 2021

„… oft zu ungeklärten Todesfällen gekommen sei. Die Leitung des Klinikums habe allerdings darauf hingewiesen, dass die verdächtige Pflegerin über finanzielle Schwierigkeiten geklagt habe, die durch ihr geringes Entgelt und die…“

„… nicht im Einzelhandel angekommen sei. Die Gehälter der Beschäftigten in den Supermarkt- und Discounterkonzernen seien nicht gestiegen, es habe allerdings auch noch keine Todesfälle beim Kampf um Trockenhefe oder Toilettenpapier in der…“

„… steige allein in Hessen die Zahl der Fehler im OP-Bereich signifikant an. Der Bundesminister für Gesundheit sehe aber keinen Zusammenhang mit den Verhandlungen über einen Tarif für die Pflegerinnen und Pfleger im…“

„… nicht bekannt sei, obwohl die Belastung für Feuerwehrleute gerade durch die zunehmenden Waldbrände und Überschwemmungen ständig ansteige. Keine Wehr habe bisher mitgeteilt, dass sie aus Überlastung nicht zu Unfällen ausgerückt oder sich absichtlich zu einer schlechten…“

„… dass die zunehmende Unzuverlässigkeit in der Anästhesiepflege sich nicht ausschließlich auf den aktuellen Urlaubsstopp im Kreiskrankenhaus zurückführen lasse. Es habe auch im Bereich der Intensivpflege sowie auf der COVID-Station einige strittige Fälle gegeben, die nicht durch den…“

„… auch für Notfallsanitäter nicht zutreffe. Die mangelnde Aufstiegsmöglichkeit habe noch keine Mitarbeiter dazu gebracht, sich absichtlich mit dem Rettungswagen zu verfahren oder einen Einsatz nicht mit der notwendigen…“

„… berichte die Springer-Presse wie immer sehr unsensibel über eine Reihe von Todesfällen durch verunreinigte Folgemilch. Es dürfe jetzt kein Druck auf die Klinikkonzerne aufgebaut werden, da die angestrebte Rendite keine Entgeltsteigerungen mehr zulasse, die für die Sicherheit im…“

„… Busfahrer bisher nicht vermehrt Unfälle provoziert hätten, da sie mit einem zu geringen Trinkgeld bedacht worden wären. Eine Kausalität zwischen Überschreitung der Lenkzeiten, die zum Teil auch durch die Arbeitgeber unter Androhung einer betriebsbedingten Kündigung verursacht worden sei, und der Neigung zu schweren Unfällen bei einer Geschwindigkeit oberhalb von…“

„… es die Krankenkassen ablehnen würden, die Kliniken noch genauer zu kontrollieren. Eine wie bisher stichprobenartig ausgeführte Nachschau nach schriftlicher Anmeldung mit Terminbestätigung sei ausreichend, um die Qualität der Pflege in den meisten Häusern mit einer durchschnittlichen…“

„… dass Paketboten unter den Bedingungen der Pandemie erhöhte Flexibilität und Ausweitung ihrer Arbeitszeiten hätten zugestehen müssen, dies aber oft aus Liebe zu ihrem Beruf nicht hätten aufgeben wollen, um keine volkswirtschaftlichen Schäden zu…“

„… weniger im öffentlichen Fokus stehen solle. Es würden vermutlich weiterhin Unfälle auf der Station geschehen, die man aber nicht durch die Einstellung zusätzlicher Pfleger oder eine bessere Ausstattung mit…“

„… das Taxigewerbe einer Reglementierung im Hygienebereich unterliege. Man erwarte jedoch keine Bluttaten, sofern die Gäste freiwillig auf der Rückbank Platz nähmen, sich nicht durch kritische Nachfragen oder eine…“

„… warne Spahn vor mafiösen Strukturen im Gesundheitswesen. Er meine damit aber nicht seine eigenen Geschäfte mit Masken, sondern Pfleger, die angeblich Bargeld von Patienten nähmen, um diese nicht mit falschen Medikamenten oder einer…“

„… vielen anderen Personen gar nicht klar sei, dass die meisten Küchenbauer mit ihrem Beruf ohnedies schon intellektuell überfordert seien. Man wolle die hoch qualifizierten Fachkräfte daher nicht auch noch mit Gesichtsmasken oder einem…“

„… die Gehälter kürzen wolle. Der Konzern sei bemüht, die Qualitätsstandards aufrecht zu erhalten, habe sich aber dazu entschlossen, die Bezüge schon vor dem Auftreten der ersten gravierenden Fehler zu verringern, um die Drohung gegenüber dem Pflegepersonal so klar wie möglich zu…“

„… ein hohes Risiko tragen würden, das der Öffentlichkeit so gar nicht bewusst sei. Um auf die psychische Gesundheit von Investmentbankern Rücksicht zu nehmen, seien auch ihre Gehälter in der Diskussion, da viele von ihnen immer noch für ihr Geld arbeiten und Steuern zahlen müssten, was sie bei ihren Kunden in einem schlechten…“

„… dass viele an Corona verstorbene Patienten in Wahrheit pflegerischem Fehlverhalten zum Opfer gefallen sein könnten. Streeck habe noch keinen Beweis, aber dies sei für ihn Beweis genug, da er wisse, dass er recht habe, weil er die…“

„… Erzieher schon deshalb nicht besserstellen könne als andere Berufe, da sie keine akademische Ausbildung erhalten hätten. Es widerstrebe einem Großteil der Bevölkerung, dass Kindergärtnerinnen wie Ärzte oder Rechtsanwälte zu…“

„… Pflegerinnen und Pflegern bei einer nicht geplanten gesundheitlichen Verschlechterung die Mehrkosten grundsätzlich vom Gehalt abgezogen werden müssten. Spahn sehe hier einen starken finanziellen Anreiz, eine bestmögliche Versorgung für alle Patienten in den privaten…“

„… die Abgeordnetendiäten in Deutschen Bundestag regelmäßig zu erhöhen seien. Viele der Parlamentarier seien inzwischen so stark durch ihre Beschäftigung belastet, dass sie für bezahlte Nebentätigkeiten überhaupt keine…“





Bundeswehreinsatz im Äußersten

4 02 2021

„Zwanzig Panzergrenadiere übernehmen dann ab etwa zehn Uhr, Oberfeldwebel Schramm verteidigt diese Woche die Stellung. Rückmeldung jeweils hier und in der Kaiser-Wilhelm-Kaserne. Dann werden wir das mal in Angriff nehmen!

Das war jetzt nur für den Außeneinsatz im Seniorenstift St. Wendelin in Oberfriedrichsdorf, das Impfzentrum Bad Gnirbtzschen machen wie bisher unsere Artillerie und die Pioniere. Da läuft die Organisation, die Kameraden sind Anfang des Jahres an der Spritze ausgebildet worden, sämtliche Logistik ist in der Hand des Heeres, es gab bisher weder Zwischenfälle noch einen Grund zur Beschwerde seitens der Impflinge. Die Bundeswehr steht gut da, wir haben unseren Auftrag im Griff und liegen hervorragend in der Zeit. Das ist für uns alle ein hervorragender Einsatz, und das liegt nicht zuletzt daran, dass wir hier mit erstklassigem Fremdmaterial arbeiten. Das mit unserer eigenen Ausrüstung durchzuziehen haben wir Frau Kramp-Karrenbauer nämlich erfolgreich ausreden können.

Das sind natürlich nicht alles Sanitätssoldaten, die da unsere Oldies gegen das Virus schützen, aber wir sind eine flexible und moderne Streitmacht, da muss man auch mal neue Wege gehen. Sie haben doch sicher diese Werbung noch im Gedächtnis:‚Wir dienen Deutschland‘. Das ist doch eine ganz ausgezeichnete Möglichkeit, dass man den Bürgern draußen im Land einmal zeigt, was die Kameraden alles leisten können. Wir können nicht nur Uniform tragen und kostenlos Bahn fahren, wir tragen auch proaktiv zur Sicherheit in Deutschland bei. Unsere Ausbildung ist zwar primär eine militärische, aber das heißt ja nicht, dass wir uns auf das Töten von Menschen anderer Nationen beschränken. Zumal es hier ja größtenteils um unsere Landsleute geht, da scheidet dieses Einsatzziel sowieso aus.

Vor allem ist das eine hervorragende Sache, um diesen alten Schlachtruf von linken Pazifisten in die Schranken zu weisen: ‚Soldaten sind Mörder‘. Das glauben Sie auch nur, wenn Sie denken, wir jagen den Damen und Herren Chips in den Arm, damit sie ferngesteuert eine Marionettenregierung wählen, die amerikanischen Milliardären gehört. Das ist reiner Unfug, und das wissen Sie auch. Hier stellt sich die Bundeswehr einmal mehr in den Dienst der guten Sache, und wir müssen dazu nicht mal zum Hindukusch reisen. Deutschlands Freiheit, und dazu gehört auch die Freiheit der Frisöre und des Einzelhandels, wird im Seniorenheim verteidigt. Und das kann auch noch eine ganze Weile so bleiben, wenn das Virus sich nicht freiwillig ergibt.

Denken Sie doch mal weiter, man könnte die Truppe mit so vielen Aufgaben betrauen, um das Land voran zu bringen. Pandemiebezogen wäre es zum Beispiel denkbar, dass wir mobile Schnelltests in den Betrieben durchführen, in Kitas und Schulen und auch im Wohnbereich, wo es sich auf Grund der Siedlungsstruktur anbietet. Da treten dann die Bürger in Reih und Glied an, Teststäbchen rein, und jeder weiß, was Sache ist. Für die Bürger wäre das ein enormer Gewinn an Planungssicherheit, die Ergebnisse lassen sich viel schneller und besser auswerten als in der öffentlichen Verwaltung, zum Beispiel in den Gesundheitsämtern – das ist auch klar, aber unser Verteidigungshaushalt wird ja in letzter Zeit auch deutlich in Richtung Cyberkrieg gelenkt, da könnte man beispielsweise IT-Technik für medizinische Zwecke nutzbar machen. Dass das viel schneller geht als mit einem Faxgerät pro Amt, das muss ich Ihnen ja nicht erklären.

Oder denken Sie weiter, wir als international agierendes Heer sind ja schließlich auch dafür da, die Transportwege der Wirtschaft zu sichern. Das hat damals dieser Bundespräsident schon gesagt, so verkehrt ist das auch gar nicht, die Öffentlichkeit hört es nur so ungern, wenn wir für fossile Energie in die Luft gejagt werden. Da ist es doch geradezu ein Heimspiel, wenn wir Logistik für Supermärkte bereitstellen, damit der Bürger zu Hause mit dem Nötigsten beliefert werden kann. Das ist der Einsatz im Äußersten, anders als der Bundeswehreinsatz im Innern ist das hier auch noch vollkommen legal! Überlegen Sie mal, was da bei einer Strategie der geeinten Kräfte alles möglich wäre: Zero Covid mit militärischem Flankenschutz, herausragende Idee, finden Sie nicht auch? Die Kameraden liefern die Verpflegung direkt an die Haustür, wir haben die nötige Infrastruktur, um Deutschland zwei oder vier Wochen lang komplett unter Manöverbedingungen zu managen, und wer sich unbefugt auf der Straße herumtreibt, der macht Bekanntschaft mit unseren Feldjägern. Wenn Ihnen etwas Besseres einfällt, sagen Sie einfach Bescheid.

Kontaktverfolgung könnte man notfalls an die Polizei auslagern, die sind da besser aufgestellt. Dafür würden wir überall da aushelfen, wo die im Demobereich eingesetzt werden. Wir würden uns auch strikt an die verfassungsrechtlichen Vorgaben halten und nicht zusammenarbeiten.

Wie gesagt, weiterdenken: was könnte man alles im Umweltbereich planen, wir müssen ja nicht im Oderbruch Sandsäcke schleppen oder Spundwände am Rhein hochziehen, die Bundeswehr ist ja auch in der Lage, für den Klimaschutz zu arbeiten, bevor wir alle von den Folgen überrollt werden. Es ist alles nur eine Frage des politischen Willens, das muss sich die Bundesrepublik überlegen. Und es sollte konsequent sein, also Naturschutz auf der einen Seite und auf der anderen Kirchen für neue Kohlegruben plattmachen, das wäre nicht so gut. Es soll sozial verträglich sein.

Mehr Pflegekräfte? Also entschuldigen Sie mal. Jetzt wird’s aber echt unrealistisch!“





Blindgänger

28 07 2020

„Sonntags durchgängig, aber Sie müssten dann schon in die regionalen Verlautbarungen schauen, ob in Ihrem Bundesland, Regierungsbezirk oder Landkreis eine Sonderregelung installiert wurde. Kann ja gut sein, Sie jubeln da gerade für so ein paar Krankenschwestern im öffentlichen Dienst, und in Wirklichkeit sollten Sie für unsere deutschen Küchenbauer applaudieren, die dann gar nicht mitgemeint sind. Wie ungerecht wäre das denn?

Also wir organisieren hier nur die erste Ebene der Kommunikation. Was wir nicht abwimmeln können, wird an die zweite Ebene durchgestellt, und dann kommt die dritte. Und ab da ist es dann auch schon egal, das interessiert die Öffentlichkeit sowieso nicht mehr. Die Hauptsache ist doch, dass Sie auf dem Balkon stehen, so Sie denn einen haben in Ihrer Wohnung, sonst müssen Sie halt zu den Nachbarn. Ist ja wieder erlaubt. Würde auch der raschen Durchseuchung Vorschub leisten, aber das nur nebenbei. Also der Balkon. Je öfter Sie klatschen, desto besser. Allerdings muss das alles korrekt organisiert werden, und hier kommen wir ins Spiel.

Wir haben das mal ausgedruckt, das ist nicht so einfach. Als Ablaufdiagramm ist das natürlich ein bisschen übersichtlicher, aber auch nur für die jeweiligen Kommunen, sonst passt das wieder nicht auf eine Seite DIN A3. Also hier sehen Sie zum Beispiel Dienstag, 14:00 Uhr und Mittwoch ab halb vier bis spätestens sechs, aber nicht an Feiertagen oder in den Schulferien, wobei die beweglichen Ferientage gehen da ja noch mal extra, aber das ist schon wieder auf Landesebene koordiniert. Also Dienstag von 14:00 Uhr bis 15:30 Uhr. Wer? ach so, da muss ich mal nachsehen. Gelb mit Schraffur ist Brummifahrer. Dienstag und Mittwoch, wenn Sie für die Brummifahrer klatschen wollen. Bis zum Mittag können Sie Erzieherinnen und Erzieher mit Ihrer Geräuschentwicklung erfreuen, dann ist Mittagsruhe. Ab zwölf. Das gilt dann aber wieder nicht für Sonntage, weil da keine Mittagsruhe gilt, da müssen die meisten Bürger nicht zur Arbeit, und da sollte auf Empfehlung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen auch applaudiert werden. Ist zwar bundeseinheitlich koordiniert, aber einer muss ja sagen, wo es langgeht, nicht wahr?

Verwechseln Sie das nicht mit innerstädtischen Regelungen, die sind dann noch einmal extra. Die kreisfreien Städte beispielsweise können hier aus der geplanten Planung ausbrechen und selbst planen, in Köln beispielweise ist das am Mittwoch für die Autohändler. Da dürfen Sie dann auch bis acht Uhr durchklatschen, aber nicht in den Herbstferien. Da wird das auf Donnerstag verlegt, und am Mittwoch sind die Lehrer dran. Weil die halt zu Hause sind, wir rechnen ja damit, dass in den Herbstferien in der zweiten Welle eh keiner mehr verreist.

Das Problem ist, hier melden sich alle paar Tage Blindgänger. Die verwechseln uns immer mit einer Beschwerdestelle, weil das anscheinend so ist in Deutschland: wenn einer für die Planung zuständig ist, erwartet man auch immer gleich, dass er dafür sorgt, dass der ganze Kram auch klappt. Also ich bin seit dreißig Jahren hier, das wüsste ich dann. Wie gesagt, Blindgänger – neulich hatten wir hier einen Intensivpfleger, der hat sich beschwert wegen der Schokolade. Wir haben es extra so eingerichtet, dass Spahn die nicht selbst übergibt, aber manche müssen anscheinend immer ein Haar in der Suppe finden. Ich möchte es mal so ausdrücken: in der Position sollte man vielleicht dankbarer sein, dass man sich bei überschaubarem Gehalt ausgewogen ernähren kann. Schokolade zählt jedenfalls nicht zu den Lebensmitteln, die man übermäßig zuführen sollte. Aber was verlangt man schon von einem Intensivpfleger.

Montags ab halb zehn können Sie hier, das ist der grüne Bereich mit Sternchen, das ist für den Einzelhandel. Die sind ja immer froh, wenn sie die Kunden zufrieden stellen können, deshalb reicht bei denen überschaubarer Applaus, ab und zu mal ein Pfandbon zum Selbsteinlösen, das wär’s dann aber auch. Nein, ich sehe gerade, das Sternchen ist erst ab 10:00 Uhr. Ist auch irgendwie logisch, so viel muss man da auch nicht klatschen. Das soll ein sehr begehrter Beruf sein, teilweise sind die Leute schon zufrieden, wenn sie da geringfügig beschäftigt sein dürfen. Da muss man der intrinsischen Motivation auch mal ihren Lauf lassen, sonst verwandelt sich das in eine Art emotionales Grundeinkommen. Wenn Sie jeden Tag gelobt werden, dass Sie noch zur Arbeit erscheinen, dann verliert das irgendwann seinen Reiz und Sie kündigen innerlich. Für den Arbeitsmarkt kann das negative Folgen haben, aber die Konsequenzen für die Rendite sind noch viel schlimmer. Das kann doch keiner wollen.

Wir haben hier noch jede Menge Berufe, mit denen Sie sich auseinandersetzen können, immer dann, wenn Sie mal ’ne Ecke Zeit haben, alles gut lesbar aufgelistet. Teilweise haben wir regionale Unterschiede, hier sehen Sie zum Beispiel die Zellstoffindustrie – einer muss das Toilettenpapier ja herstellen, das Sie da so fleißig wegbunkern. Da können Sie freitags gerne klatschen, das ist hellblau mit Schraffur, oder ist das mit Seitenbalken? Naja, Sie können sich das selbst mal abgucken, ich muss mich jetzt wieder um die Koordination der einzelnen Berufsgruppen in den Zulieferbetrieben der Automobilindustrie kümmern. Das macht sich ja nicht von alleine. Wie jetzt, Krankenschwestern? und auch noch im öffentlichen Dienst? Wieso soll man denn da klatschen? Haben die sich ihren Job nicht selbst ausgesucht?“





Schwester Tupfer

20 04 2020

„Also die Lage ist hoffnungslos, aber dafür auch echt beschissen. Und Sie wissen ja, wie das ist: wenn der Deutsche in der Tinte sitzt, wählt er die, die ihm das eingebrockt haben. Denn sehen Sie mal, die, die ihm das eingebrockt haben, die sollen doch auch in der Verantwortung bleiben, das zu beseitigen, oder nicht?

Deshalb hat das Bundesgesundheitsministerium jetzt auch beschlossen, eine gute konservative Idee wieder aus dem Keller zu holen: den Zivildienst. Es ist noch gar nicht lange her, da hatten wir jede Menge junger, engagierter Männer in den Kliniken, die jeden Dreck weggeputzt haben, weil wir sie sonst zum Bund geschickt hätten. Das ist eine argumentative Basis, die Sie nur mit Lohnzahlung gar nicht haben, und in der Zwischenzeit haben die Leute sich sowieso dank der Hartz-Gesetze daran gewöhnt, dass man alles grundlos sanktioniert, was einem nicht in den Kram passt. Vorausgesetzt, Sie sind auf der Arbeitgeberseite.

Und wenn Sie sich die aktuelle Situation in der Pflege anschauen, dann ist da dasselbe. Noch sind wir nicht am Limit, das heißt: noch steht der Feind nicht an der Grenze und fragt, ob er uns eventuell platt machen dürfte, aber das kann sich jederzeit ändern. Da brauchen wir einen Nachschub. Und da die jetzige Schülergeneration auch nicht weiß, ob sie nach dem Abschluss irgendeine Lehrstelle oder einen Studienplatz kriegt, können wir die jungen Leute erst mal für ein Jahr aus dem Verkehr ziehen. Inzwischen ist die Gleichstellung überall in der Gesellschaft angekommen, auch in der Bundeswehr und erst recht in der Pflege, und deshalb kann man jetzt mit vielen jungen weiblichen Menschinnen, also auf Deutsch: Schwester Tupfer ist auch dabei.

Sie können das gerne direkt mit der Wehrpflicht vergleichen. Das waren ja in dem Sinne so richtig keine Streitkräfte, das waren Soldaten, die den Feind an der Grenze so lange beschäftigen sollten, bis richtiges Militär eintraf. Für richtige Aufgaben, die eine richtige Ausbildung erforderten, da gab es dann auch richtiges Militär. Wenn zum Beispiel ein Starfighter auf den Acker musste, das übernahm der richtige Soldat. Die Wehrpflichtigen wurden nur da eingesetzt, wo sie eine gewisse unterstützende Tätigkeit für die Volkswirtschaft ausüben konnten. Wenn es mal Manöverschäden gab, für die dann die Ausgleichszahlungen an Landwirte ausgeschüttet wurden, die sowieso gerade eine neue Zugmaschine bestellt hatten, die mussten dann ja von irgendwem hergestellt werden. Die Schäden natürlich. Und so war allen gedient, der Traktorfabrik, dem Soldaten und der deutschen Landwirtschaft. Und jetzt sehen Sie sich mal ein Krankenhaus an vor zwanzig oder dreißig Jahren, da wurde ganz ähnlich gearbeitet. Also nicht so sehr auf Verschleiß – die Patienten fielen zwar auch an, aber nachbestellen konnte man die ja nicht direkt. Das ging halt nur bei den Zivis, und da haben wir jetzt ja wieder ordentlich viel Humankapital zum sinnlosen Verschleudern, wie man das aus der Marktwirtschaft so kennt.

Sie müssen jetzt nicht denken, dass es uns um die Rettung von Menschenleben geht, das ist in den Klinken nicht vorgesehen, jedenfalls nicht als das vorrangige Geschäftsziel. Zur Sicherung unserer Rendite reichen genügend Fallpauschalen und nicht zu hohe Personalkosten schon aus. So kann man experimentell Geschäfte, Schulen oder Restaurants wieder öffnen, je nachdem, wie viel nachwachsende Ressourcen sich im Dienst infizieren, und dann schauen wir mal, wie wir diese Situation überleben. Also wir im Sinne von: wir, weil auf die kommt es ja nicht so an.

Wenn wir Glück haben, bleibt ja einer von den Zivis bei uns hängen. Nicht in der Pflege, das ist vom Personalschlüssel gar nicht gut, wenn da auf einmal zu viele Leute im Schichtplan herumturnen, da müsste man am Ende die älteren Kräfte noch entlassen, damit man Platz für die jüngeren hat, aber wenn wir den einen oder anderen mit schweren Komplikationen noch als beatmungspflichtigen Fall auf der Intensivstation hätten, das wäre schon sehr cool. Die kennen sich ja bestens aus im Klinikum, sobald die wieder auf den Beinen sind, können sie sich selbst versorgen, dann haben wir wieder ein bisschen mehr Luft. Vielleicht machen wir für die auch eine eigene Station auf, dann können die ein bisschen aneinander herumdoktern, der eine oder andere möchte danach Medizin studieren, das ist doch mal eine Perspektive. Ich meine, zivilen Ungehorsam haben wir doch in der Geschichte oft genug gehabt, warum versuchen wir es nicht mal mit zivilem Gehorsam?

Und Sie müssen sich überlegen, die meisten, die jetzt noch zur Bundeswehr gehen, die wollen das richtige Abenteuer. Der ganze Laden ist voll im Eimer, Sie können froh sein, wenn Ihnen da nicht das Kasernendach überm Kopf zusammenbricht – aber wenn Sie so richtig Action haben wollen, dann machen Sie ein Jahr lang Pflege. Was wir bieten, dagegen ist die Fremdenlegion doch mittlerweile eine Freizeitveranstaltung. Und es spart natürlich doppelt, weil wir mit weniger Militär auch sehr viel geringere Wehrausgaben haben. Wenn dadurch unsere Rüstungskonzerne die übliche Produktion in Krisengebiete verschachern kann, dann haben wir als Exportnation an der Sache sogar noch etwas verdient. Da stellt sich doch für den Standort Deutschland die Frage: müssen wir eigentlich immer so lange warten, bis die Chinesen fertig sind mit einem Virus? Oder kriegen wir das nicht auch alleine hin?“





Liquidatoren

13 04 2020

„Klatschen reicht doch?“ „Eben, das sind nicht mal Ärzte.“ „Und keine von denen wählt uns.“ „Wieso nicht?“ „Seit wann sind denn Krankenschwestern Beamte?“

„Jedenfalls müssen wir jetzt etwas gegen das Personal…“ „Sie haben die Vorlage nicht gelesen.“ „Wieso, hier steht doch…“ „Personalmangel. Wir sollen etwas gegen den Personalmangel tun.“ „Ist das nicht der Job vom Gesundheitsminister?“ „Wir sind für Arbeit zuständig.“ „Und für Soziales.“ „In dieser Angelegenheit nur für Arbeit.“ „Das trifft sich gut, Soziales kann der Heil ja erst recht nicht.“

„Wir können nicht warten, bis Spahn Pfleger aus Ostasien geholt hat.“ „Außerdem kriegt man die momentan eh nicht über die Grenze.“ „Weil die aus Asien kommen?“ „Ich glaube, Spargel geht erst mal vor.“ „Ach so.“ „Ausbilden ist ja auch nichts.“ „Das dauert ewig.“ „Die Krise aber möglicherweise auch.“ „Und dann ist Corona irgendwann plötzlich vorbei, und wir wissen nicht, was wir mit dem ganzen Pflegepersonal anfangen sollen.“ „Die beantragen dann doch bloß Sozialleistungen.“ „Das kommt uns teuer zu stehen!“ „Sie sehen, das ist der vollkommen falsche Ansatz.“ „Allerdings!“ „Also woher nehmen und nicht stehlen?“ „Wie es die Vorlage vorsieht: längere Arbeitszeiten.“

„Und das hilft jetzt gegen höhere Ausfallquoten wegen der Infektionen?“ „Weil wir dann ja auch proportional mehr Schutzvorrichtungen haben.“ „Wieso mehr Schutz, ich dachte…“ „Proportional, meine ich. Normalerweise muss so ein Mundschutz acht Stunden halten.“ „Vorgesehen war er aber für zwei Stunden.“ „Und dann auch nur, wenn keine neuen Patienten kommen.“ „Wir haben aber keinen neuen.“ „Spahn hatte aber doch welchen bestellt?“ „Darum gibt es ja auch keinen.“ „Verstehe.“ „Und jetzt verlängern wir die Schicht auf zwölf Stunden, dann haben wir proportional mehr Arbeitszeit.“ „Das ist ja deshalb schon betriebswirtschaftlich ratsam, weil die Pfleger dann nicht mehr so oft putzen müssen.“ „Wieso das denn nicht?“ „Bisher haben wir die Pfleger einmal nach der Schicht die Station säubern lassen.“ „Macht das nicht das Reinigungspersonal?“ „Dafür gibt man doch heute kein Geld mehr aus.“ „Und so ein Pfleger kennt die Ecken.“ „Wenn schon putzen, dann doch bitte auch kompetent.“ „Wir reden hier von einer Klinik und nicht von einem Ministerbüro!“ „Ja, ich habe es kapiert!“ „Und das geht ja jetzt alles nicht mehr so von der Arbeitszeit ab.“ „Das heißt aber auch, es wird ein Drittel der Raumpflege nicht mehr…“ „Ja, wir sparen ein Drittel ein.“ „Wir werden ja sehen, ob wir dann auch ein Drittel mehr Tote haben.“ „Und wenn nicht, können wir das den Aktionären als Sparmaßnahme verkaufen.“ „Mehr Netto vom Brutto!“ „Super!“

„Gut, das heißt jetzt allerdings auch, dass wir mehr Infektionen beim Pflegepersonal riskieren.“ „Es wurde doch gerade gesagt, die Sterblichkeit sei geringer als angenommen?“ „Außerdem muss auch nicht jeder gleich tot umfallen.“ „Aber dann haben wir wieder mehr Ausfallquoten.“ „Wenn wir gerade die Arbeitnehmerrechte etwas updaten, wir könnten auch gleich für mehr offene Stellen in der Branche sorgen.“ „Das ist attraktiv für Neueinsteiger.“ „Und es werden mehr eingestellt.“ „Wie das denn?“ „Die Lockerung des Kündigungsschutzes ist nun mal ein hervorragendes Instrument für Arbeitgeber, neue Jobs zu schaffen.“ „Sehr richtig!“ „Wer würde denn die vielen neuen Pfleger in der Krise einstellen, wenn er sie nicht hinterher sofort wieder vor die Tür setzen könnte?“ „Man muss ja auch langfristig denken.“ „Und Personalkosten sind schließlich der entscheidende Faktor für eine vernünftige Rendite im Gesundheitssektor.“

„Wobei auch die geringere Ruhezeit eine sehr schädliche Wirkung auf das Immunsystem ausübt.“ „Also wieder mehr Infektionen.“ „Das ist gut, da es die Empathie mit den Erkrankten fördert.“ „Ich sehe da gewisse Synergieeffekte.“ „Aber es bleibt letztlich die Frage, ob eine verlängerte Schicht nicht zu mehr Fehlern in der Behandlung führt.“ „Das hatte ich auch schon erwogen.“ „Bitte!?“ „Je mehr Patienten versterben, desto schneller werden die beatmeten Plätze auf der Intensivstation wieder frei.“ „Das bedeutet mehr freie Betten.“ „Also alles, was der Gesundheitsminister wollte.“ „Und nicht wusste, wie er das nach dem Bettenabbau wieder auf die Reihe kriegen soll.“ „Und natürlich durch mehr Patienten mehr Fallpauschalen.“ „Also mehr Geld für die Aktionäre.“ „Hervorragend!“ „Damit dürfte unsere Wiederwahl gesichert sein!“ „So weit würde ich noch nicht gehen.“ „Aber auf jeden Fall die Rendite.“ „Da dürften Sie eher recht haben.“

„Das heißt virologisch, dass wir damit auch früher den gewünschten Durchseuchungsgrad für die Herdenimmunität erreicht haben.“ „Ja, das ist ein angenehmer Nebeneffekt.“ „Und wir haben die größten Schwierigkeiten auf dem Arbeits- und auf dem Wohnungsmarkt behoben.“ „Sehr gut!“ „Da wäre jetzt allerdings noch das Problem, dass sich die Pfleger krankschreiben lassen, wenn sie krank sind.“ „Daher der gelockerte Kündigungsschutz als flankierende Maßnahme.“ „Damit die Pfleger…“ „… nicht versehentlich Patienten anstecken.“ „Aber dann bräuchten wir ihnen doch nicht zu kündigen?“ „Es geht um die Fahrlässigkeit.“ „Wenn das mit Absicht okay ist, dann sind wir ja wieder in der Gewinnzone.“ „Großartig!“ „Ich hoffe, dass das Pflegepersonal das auch mitmacht.“ „Aber sicher.“ „Als Helden der Krise!“ „Die werden sich darum reißen, für das Volk da zu sein.“ „Bis zuletzt!“ „Na, etwas gruselig hört sich das ja schon an. Fast so wie die Liquidatoren, die man damals in Tschernobyl in die verstrahlte Scheiße geschickt hat, damit sie die Gefahr beseitigen und dann dabei draufgehen.“ „Das ist die richtige Einstellung!“ „Hurra!“ „Ich wusste es, die brauchen wir!“ „Ja, für später.“ „Wie meinen Sie das denn?“ „Die können doch mit der SPD gleich weitermachen, oder?“





Gewachsene Völkerfreundschaft

14 03 2019

„Na, jetzt wollen wir das mal nicht dramatischer sehen, als es ist. Natürlich gibt es in der Pflege viel Schwarzarbeit. Aber die gibt es im Handwerk auch, und Steuern werden auch ständig hinterzogen von Großkonzernen und Milliardären. Und, sind wir alle schon gestorben deswegen?

Auf der anderen Seite ist es doch ein schönes Zeichen von Solidarität, wenn man Pflege zum kleinen Preis bekommt, oder? In einer Gesellschaft, in der alle nur noch ans Geld denken, können wir uns doch glücklich schätzen, wenn solche Bereiche vom Gewinnstreben verschont bleiben, nicht wahr? Sehen Sie, man muss das Positive im Leben entdecken, dann können wir uns auch entwickeln und diese Gesellschaft positiv beeinflussen. Das ist doch großartig, dass wir alle zusammen diese Möglichkeit finden können, meinen Sie nicht auch?

Wir müssen alle mehr miteinander machen, da haben Sie ganz recht. Vor allem mehr mit diesen polnischen Pflegekräften. Die können ja zu einem Preis arbeiten, dafür kriegen Sie keine deutsche Hilfskraft, von den Fachkräften ganz zu schweigen. Das ist aber andererseits auch gut für den Markt, denn Sie wissen ja, Konkurrenz belebt das Geschäft und die Preise bleiben annehmbar. Man muss nur aufpassen, dass die sich nicht gegenseitig die Arbeit wegnehmen, aber da können wir Deutschen ja ein wachsames Auge drauf haben, nicht wahr? Die unsichtbare Hand, so funktioniert unsere soziale Marktwirtschaft. Damit haben wir doch noch alles geregelt bekommen, was?

Als Arbeitgeber haben Sie da natürlich auch Rechte, das ist ja klar. Stellen Sie sich mal vor, jetzt kommen die ganzen Türken auf den Markt, das war bei den Gastarbeitern damals ähnlich, und nehmen den Polen die Jobs weg. Damit der Arbeitsmarkt funktionsfähig bleibt, braucht er auch Lenkung, und da ist es gut, wenn Sie das direkt mit übernehmen. Sie haben das Angebot, da können Sie die Nachfrage auch direkt regeln. Das dient letztlich auch der Qualitätskontrolle. Außerdem leben ja viele Ausländer schon so lange in Deutschland, die gehen ja fast automatisch zum Arbeitsamt, wenn sie einen Job haben, und melden sich da ab. Das kann man natürlich als sozial verantwortlich handelnder Arbeitgeber nicht unterstützen, das werden Sie doch sicher verstehen.

Außerdem wissen wir doch die Arbeit unserer polnischen Freunde zu schätzen. Die sind ehrlich und treu, die klauen nicht, höchstens Autos, aber Sie werden ja ihres vorher verkaufen, sonst können Sie sich ordentliche Pflege sowieso nicht leisten. Vom Schonvermögen müssen wir erst gar nicht reden, nicht wahr? Also finanziell ist das eine prima Sache. Und wenn Sie jetzt auch noch so eine gut qualifizierte Kraft bekommen, die ist vielleicht im früheren Leben Lehrerin gewesen oder Ärztin, das ist eine Win-Win-Situation. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt nützt uns die polnische Lehrerin ja nicht, da können wir sie auch für wichtigere Aufgaben benutzen, nicht wahr?

Natürlich muss man auch gemeinsam dafür Sorge tragen, dass diese Situation nicht plötzlich kippt. Stellen Sie sich mal vor, der Zoll kontrolliert jetzt flächendeckend die Haushalte und spürt die polnischen Hilfskräfte auf. Das wäre in der Tat katastrophal. Stellen Sie sich mal vor, was das für diese gewachsene Völkerfreundschaft bedeuten würde. Wir deutschen würden doch sofort wieder als Nazis dastehen, als die bösen Bürokraten, die sich nicht für den Menschen interessieren, sondern nur für seine Papiere. Kein Wunder, wenn dann alle wieder auf die EU schimpfen, die die Menschen mit Verwaltungskram überzieht und Jobs verhindert.

Außerdem sorgt das ja auch für ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft, nicht nur unter den Völkern. Wenn Sie hier mal eine gute Pflegekraft aus Polen haben, das spricht sich doch herum, gerade in ländlich geprägten Strukturen. Da können Sie immer auf erhöhte Nachfrage hoffen, und am besten ist ja, keiner verpfeift Sie. Wenn da mal jemand gebraucht wird, können Sie Ihre Pflegehilfe einfach mal zum Probearbeiten rüberschicken, das ist ordentlich Reklame, und letztlich entsteht so in der Gesellschaft auch wieder ein Zusammenhalt, den wir uns angesichts dieser politisch doch sehr strapazierten Bedingungen eigentlich nur wünschen können, nicht wahr?

Wir gehen hier von einem riesigen Markt aus, das sind vermutlich zweihunderttausend Haushalte, also ein lukratives Geschäft, und das kann man ja auch erst mal regional aufziehen. Wenn Sie da Ihre polnischen Partner entsprechend vermarkten, dann könnte das sogar Arbeitsplätze für deutsche Fachkräfte bedeuten. Gerade jetzt, wo wir auch nicht mehr auf Waffenexporte als Mittel deutscher Wirtschaftspolitik setzen können, müssen wir uns für die internationalen Verbindungen langsam neue Wege überlegen, denn irgendwann kommt wieder die Rezession, und dann haben wir ein gewaltiges Problem. Da ist es doch ein Segen, dass wir immer schon Sozialministerinnen mit dieser Weisheit hatten, die uns klargemacht haben, was wirklich Phase ist und was unser Land retten kann vor dem ganz großen Absturz: Pflege kann doch echt jeder Volltrottel. Ist das nicht toll?“





Pflegestufe Null

24 09 2018

„Gratuliere, Sie haben den Job! Wobei – ein paar Sachen müssten wir doch noch besprechen. Das soll hier ja auch reibungslos funktionieren, deshalb muss das eine oder andere Zugeständnis von Ihrer Seite schon sein, damit wir Sie erfolgreich einsetzen können.

Also das mit den vier Stunden Mehrarbeit, das ist so nicht ganz richtig, das stimmt. Da hat sich der Minister mal wieder versprochen. Oder er hatte wieder keine Ahnung. Oder aus irgendeinem anderen Grund, ich weiß auch nicht, warum man so einen Schrott erzählt. Die Mehrarbeit muss man nämlich anordnen, und das machen Sie mal in einer Klinik, in der ein Tarifvertrag gilt. Außerdem muss das alles hinterher natürlich wieder durch Freizeit ausgeglichen werden, und die Folge ist, dass nach drei Monaten alles wieder beim Alten ist und der Effekt schlicht verpufft. Gut, das beschreibt die Arbeit des Ministers einigermaßen erschöpfend, aber wir machen das besser. Bei uns dürfen Sie gern ein bisschen mehr arbeiten, aber wir nennen das dann nicht Mehrarbeit. Wir nennen das so, wie man es nennen darf: Überstunden.

Alles arbeitsrechtlich abgesichert, wir verstoßen gegen kein Gesetz, Sie machen einfach ihre drei bis sieben oder zehn, ich weiß nicht, wie viele Sie hier in der Woche schaffen, auf jeden Fall sind die mit dem dann Lohn auch abgegolten. Da müssen Sie sich keine Sorgen machen, egal, wie viel Sie im Endeffekt arbeiten, Sie haben Lohngarantie. Die Summe bleibt nämlich garantiert immer dieselbe. Sie dürfen das auch als ein Zeichen unseren Entgegenkommens betrachten, damit machen wir Ihre Zukunft auch ein Stück weit planbar.

Das heißt natürlich nicht, dass Sie oder die anderen Kollegen auf der Station pünktlich in den Feierabend gehen können, wie es Ihnen gerade passt. Ein gewisses Engagement erwarten wir schon von Ihnen, gerade als neue Arbeitnehmerin in der Probezeit, und Sie wollen ja auch nicht gleich das Team als Aufwieglerin betreten, oder? Wir erwarten eine gewisse Anpassung an die Gegebenheiten, wenn Sie verstehen, was ich meine. Die eine oder andere Stellekürzung müssen wir ins Auge fassen, das ist leider trotz Pflegeschlüssel nicht anders zu bewerkstelligen, aber zum Glück scheidet die eine oder andere Kollegin ja zwischendurch auch aus. Burnout, Rücken, Suizid, vielleicht heiratet ja die eine oder andere auch mal den Chefarzt, wer weiß das schon, aber wir können uns eben nicht auf diese Entwicklungen verlassen und müssen proaktiv die Entscheidung suchen. Wenn wir mehr Stellen kürzen, dann haben wir natürlich auch die Chance auf bessere Rücklagen, falls es der Pflege mal richtig schlecht gehen sollte. Börsentechnisch etwa.

Wir könnten uns aber auch vorstellen, Sie mit einem neuen Arbeitsplatzmodell an unser Haus zu binden. Viele Pflegekräfte machen nach Feierabend zu Hause gleich weiter, ein sehr gutes Zeichen für professionelles Engagement, und das ist für uns der Ansatzpunkt. Überall reden sie von Homeoffice, die Nahles hat das ja jahrelang gefordert, mal sehen, vielleicht hockt sie ja selbst bald wieder zu Hause, aber jedenfalls ist das eine großartige Idee. Wenn Sie sich etwas Arbeit mit nach Hause nehmen und die Dokumentation am Küchentisch erledigen, dann ist allen geholfen. Sie müssen Ihre Überstunden nicht im Betrieb verbringen, die Kollegen sind damit auch ein Stück weit entlastet, und wir können gleich viel besser planen.

Wenn es gut läuft, könnten Sie beispielweise auch den einen oder anderen Patienten bei sich auf der Couch ein bisschen betreuen. Sie kommen nicht mit dem Auto? Na, dann haben Sie jeden Abend eine lustige Fahrt mit der S-Bahn. Omi Möller, die ist etwas tüdelig, aber wenn Sie ihr mit dem Gehwagen ein bisschen helfen, dann schafft sie den Weg bis zu Ihnen nach Hause sicher. Und wenn die Fahrt dann halt länger dauert, ist doch prima – das können Sie dann zur Hälfte auf Ihre Stunden anrechnen.

Wir könnten uns beispielsweise auch vorstellen, Sie in Vollzeit zu beschäftigen. Wollen Sie nicht, weiß ich doch, Sie hatten sich auch extra in Teilzeit beworben. Verstehe ich, mit zwei kleinen Kindern ist das schon mal hart, und wenn es das Angebot gibt, warum nicht. Aber ich würde es halt gerne sehen, wenn wir einen Teil der Teilzeitkräfte wieder an Vollzeitarbeit gewöhnen könnten. Das macht hier im Betrieb natürlich auch ein sehr viel besseres Standing, wenn doch mal wieder der Stellenabbau droht, denn Sie wissen ja, wo man ehesten sparen kann, da spart man auch.

Dann könnten wir natürlich auch die Gehälter mal kritisch überdenken. Also nicht meins, ich bin ja nicht davon betroffen, aber vielleicht haben Sie ja eine Lösung? Ein bisschen Gemeinsinn haben sicher noch niemandem geschadet, aber wenn Sie auf einen gewissen Prozentsatz von Ihrem Lohn verzichten würden, beispielsweise bei einer der nicht erfolgenden Beförderungen, dann könnten wir auch ganz anders kalkulieren. Davon könnten wir neue Kolleginnen einstellen, die dann wiederum durch Lohnverzicht neue Kolleginnen, die dann auch auf einen Teil vom… – Wird jetzt klar, worauf ich hinauswill?

Also Sie könnten dann morgen anfangen? Das ist gut. Ihr Vorgängerin ist heute krank geworden, und das in der Probezeit. Wir geben hier jedem eine Chance, und wenn Sie Ihre ab morgen wahrnehmen wollen, um die Pflege in Deutschland ein bisschen stärker zu machen – nur zu!“





Ringelreihen

5 06 2018

„Was kann denn der, was der nicht kann?“ „Wer?“ „Also die. Die anderen.“ „Alle anderen?“ „Nicht alle, aber eigentlich kann ja jeder was.“ „Gut, aber wer passt in der Zwischenzeit auf die Kinder auf?“

„Man kann doch die Stellen schon irgendwie besetzen.“ „Mit wem denn?“ „Na, Fachkräfte halt.“ „Auf jeden Fall!“ „Notfalls könnten wir mal sehen, ob sich nicht andere Fachkräfte finden.“ „Wie meinen Sie das denn jetzt schon wieder?“ „Ich dachte immer, in der Kita arbeiten Erzieherinnen?“ „Ab und zu auch Erzieher.“ „Ach was!“ „Deshalb könnte man doch als Teil einer größeren Strategie einen erweiterten Personenkreis mit den Aufgaben der Kinderbetreuung betrauen.“ „Sie meinen, dass wir Flüchtlinge in die…“ „So weit kommt’s noch!“ „Aber…“ „Damit unsere Kinder frühzeitig lernen, Konflikte mit dem Messer zu lösen!?“ „Und die vielen Vergewaltigungen!“ „Islamisierung!“ „Jetzt hören Sie doch mal…“ „Ich bin kein Rassist, aber sobald meine Sheela-Geneviève von einem Neger angefasst wird, hole ich den Staatsschutz!“ „… zu! Man kann doch Pfleger einsetzen, so weit ist das Berufsbild gar nicht entfernt!“

„Also ich fände das nicht gut.“ „Immerhin kann man die Erfahrungen aus der Altenpflege mit in die Kita bringen.“ „Ob Sie nun einem Zweijährigen die Windeln wechseln oder einem 92-Jährigen, das ist doch auch nicht so unterschiedlich.“ „Die meisten Senioren sind ja auch intellektuell nicht mehr so anspruchsvoll, was die Kommunikation angeht.“ „Und Kauen können die wenigsten.“ „Und woher holen Sie die Leute?“ „Das meint er ernst?“ „Klar, woher wollen Sie die bekommen?“ „Meine Güte, gehen Sie halt ins nächste Pflegeheim – die liegen überall herum!“ „Ich meinte Pfleger.“ „Ich auch.“

„Man könnte natürlich auch auf die ausweichen, die ihren Burnout schon hinter sich haben.“ „Um die negativen Schwingungen auf unsere Kinder zu projizieren?“ „Ausgeschlossen!“ „Ich bitte Sie!“ „Also der Vorschlag ist wenigstens interessant, da wir möglicherweise nicht genug aktive Kräfte einbinden können.“ „Braucht man die nicht in der Pflege?“ „Doch, aber wenn man aus dem Job einmal raus ist, wird man schnell ersetzt.“ „Das wusste ich nicht.“ „Vielleicht kann man hier mit den Lehrern etwas anfangen.“ „Mit denen, die in den Schulen fehlen?“ „Ich dachte eher an die, die am Beruf vorbeistudiert haben.“ „Die sind doch aber in der Kita auch nicht geeignet.“ „Die sollen ja dann auch in die Pflege.“

„Und das geht gut?“ „Ich weiß ja nicht.“ „Für Lehrer wäre das sicher eine Entlastung, wenn sie mal nicht ständig mit Kindern zu tun haben, die immerzu Widerstand leisten.“ „Die Senioren haben kein Smartphone, die lesen nicht unter der Bank und können keine Hausaufgaben vergessen.“ „Aber sie hören auch nicht mehr zu.“ „Damit müssen Sie als Lehrer zurechtkommen, Sie erzählen ja sowieso immer dasselbe.“ „Stimmt auch wieder.“

„Und was ist mit Kfz-Mechatronikern?“ „Was soll mit denen sein?“ „In der Branche wird doch auch berichtet, dass wir einen enormen Mangel an Fachkräften haben.“ „Wollen Sie denn noch mehr Zuwanderung?“ „Man könnte die Pfleger, also die, die sowieso nicht mehr in ihrem Job geblieben sind, doch für die…“ „Sind Sie wahnsinnig!?“ „Das ist doch nicht Ihr Ernst!“ „Jeder dahergelaufenen Idiot darf dann einfach so an Autos herumschrauben?“ „An deutschen Autos auch noch!“ „Aber die…“ „Ich habe nichts gegen neuartige Denkansätze, aber das geht doch nun wirklich zu weit.“ „Ich nenne das verantwortungslos, jawohl!“ „Wir können den Menschen wenigstens eine berufliche Perspektive im…“ „Jawohl, verantwortungslos!“

„Wobei wir dann auch wieder das Problem haben, dass wir zu die vakanten Lehrerstellen irgendwie ausgleichen müssen.“ „Das wird sehr schwierig.“ „Wie wäre es mit Fortbildung?“ „Sie wissen, dass das enorm lange dauert?“ „Und was das wieder kosten würde!“ „Also ich bewillige die Gelder dafür nicht.“ „Und wenn Sie uns wieder mit Elektrikern kommen, die setzen wir hier auch nicht ein.“ „Absurder Gedanke!“ „Haben wir nicht irgendwo noch eine größere Bevölkerungsgruppe, die wir motivieren können, sich wieder aktiv für den Schulbereich zu engagieren?“ „Sie meinen die Rentner?“ „Solange es keine Elektriker sind, kann man das machen.“ „Dann lieber Pensionäre.“ „Das müsste man natürlich mit den Rentenkassen auch irgendwie abklären können.“ „Sie meinen wegen der höheren Besteuerung der Altersbezüge?“ „Zum Beispiel.“ „Das wird aber zum Problem, wenn viele von denen nur in Altersteilzeit einsteigen.“ „Ja, das stimmt.“ „Aber irgendwo muss man doch mal anfangen.“ „Und wir sind es unseren Kindern schuldig, dass wir nur die besten Kräfte an ihre Ausbildung lassen.“ „Ganz meine Meinung.“ „Alles andere wäre auch nicht zu verantworten.“ „Nur, woher nehmen und nicht stehlen?“ „Und wenn wir…“ „Verwaltungsbeamten könnten schon mal ein Schritt sein, von denen sind immer mal wieder welche frühpensioniert.“ „Steuerfahnder?“ „Klingt gut.“ „Gerne auch aus dem Bankbereich.“ „Und wenn wir…“ „Oder mittleres Management.“ „Bahn oder so?“ „Da lernen die Kinder wenigstens was fürs Leben!“ „Oder Erzieher?“





TO-34b

28 05 2018

„Ichkann. Sienichtver. Stehen.“ Das Ding sah ein bisschen aus wie ein futuristischer Mülleimer, der sich als Droide verkleidet hatte. Es hörte offenbar nicht gut, wackelte mit den Stummelärmchen und drehte sich schnell um die eigene Achse. „Das sind Kinderkrankheiten“, wiegelte die Ingenieurin ab. „Diese Serie wird schon sehr viel besser sein als alle bisherigen Pfleger.“

Der Kasten wusste nicht, was er sollte. „Siesind. Hierneu.“ Ich konnte nicht widersprechen. „Nein“, murmelte sie. „Er meint mich. Es hapert noch ein bisschen an der Gesichtserkennung, aber das kann auch der empathische Schaltkreis sein.“ Wieder drehte sich die Tonne surrend, nickte und drehte die Armfortsätze hin und her. „Dieses Modell ist für die Altenpflege gedacht, deshalb haben wir ihm ein besonderes Einfühlungsvermögen für Demenz mit in die Module gegeben. Es wirkt sich leider nicht vorteilhaft aus.“

Hinten in der Werkstatt wurden die anderen Prototypen montiert, ein ständiges Bohren und Klappern drang aus dem Raum. Nicht alle sahen so aus wie TO-34b, einige waren größer, grüner, mehr aus Plastik oder hatten nur einen Arm. „Die Form folgt natürlich immer der Funktion“, erklärte die Konstrukteurin, „es sind Roboter, und man muss es ihnen ansehen.“ „Verstehe“, antwortete ich. „Sonst würde man einen giftgrünen Papierkorb in einem Pflegeheim leicht mit einem Hund verwechseln.“ Sie runzelte die Stirn, nahm es aber ohne Widerspruch hin. „Können. Wirjetztan. Fangen.“ „Er ist auf das Nachmittagsprogramm vorbereitet“, erläuterte sie. „Die Tablettenausgabe funktioniert schon sehr gut, wollen Sie mal…“ Schon hatte sich ein kleines Schubfach an seinem Rücken geöffnet, in dem eine hellblaue Kapsel lag. Der elektrische Pfleger drehte sich ruckartig um die eigene Achse, so dass die Pille herausgeschleudert wurde, quer durch das Zimmer, und unter den Tisch rollte. „Sie denken aber auch an alles“, lobte ich. „Gleichzeitig macht unser kleiner Freund eine Mobilisierung – das erhöht bestimmt das Algemeinbefinden, wenn unsere Bewohner ihre Medikamente vom Boden aufsammeln.“ Konsterniert blickte sie mich an. „Ich hätte ein paar Anregungen fürs Frühstück, bestimmt kriegt man da ein komplettes Sportprogramm hin.“

Sie überspielte die Situation; wenigstens gab sie sich alle Mühe. „Natürlich kann dies Modell noch nicht alles so perfekt“, befand sie. „Aber für die wesentlichen Aufgaben können wir es schon jetzt erfolgreich einsetzen. Denken Sie nur an die vielen Möglichkeiten zur Entlastungen für Fachkräfte!“ Wie auf Befehl spritzte TO-34b ihr aus den Augen – oder war man bei dieser Plastebüchse dafür hätte halten können – einen Strahl heißes Wasser ins Gesicht. „Schönstill. Halten.“ Der rechte Stummel schnellte in die Waagerechte, und mit Knirschen fuhr er seine Extremität aus. Der Schwamm traf sie unglücklich, so dass ihre Brille halb heruntersank. „Kinderkrankheiten“, bemerkte ich, „sicher sind das nur Kinderkrankheiten.“ Sie hatte viel Seifenwasser im Auge, wobei es mehr Seife als Wasser gewesen sein musste, denn sie reagierte deutlich gereizt. „Wir können auch einen elektrischen Teddy bauen“, keifte sie, „der brummt dann zur Beruhigung, und wir müssen die Insassen… Bewohner, wollte ich sagen, die Bewohner nicht mehr so oft versorgen.“ „Das ist fantastisch“, bekannte ich, „man stellt die Menschen einfach ruhig, es braucht keine Pillen und keinen Anschnallgurt, und falls es doch ein Problem geben sollte, haben sie bis ganz zuletzt wenigstens etwas im Arm gehabt, das brummt. “

Immerhin hatte dieses Spitzenprodukt eine Bedienungsanleitung, die sehr genau Funktionen und Bedienelemente erklärte. „Wir haben recht viel aus der Überwachungstechnologie übernommen – Sie sehen, die Entwicklungen waren nicht ganz umsonst – und können jetzt sehr schnell atypisches Verhalten klassifizieren. Bei der geringsten Gefahr schlägt TO-34b Alarm und sendet dem Pfleger einen Alarm auf den Monitor, wenn das persönliche Eingreifen notwendig sein sollte. Dann…“ „Und was macht er, wenn es zwei Personen gleichzeitig betrifft?“ Sie schwieg irritiert, also fragte ich weiter. „Oder wenn der Alarm anschlägt, während er sich gerade in einem anderen Zimmer befindet?“ Sie ruderte hektisch mit ihren gar nicht so stummeligen Armen. „Das hatten wir im Testbetrieb noch nie, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das in der Praxis jemals vorkommen wird.“ Sie schwieg, trotzig und verstockt. „Außerdem weiß man es sowieso nie. Das sind alles alte Leute, bei denen kann man meistens nicht mehr viel machen.“

Gerne hätte ich an dieser Stelle noch mehr erfahren über die technische Ausstattung des kleinen grünen Männchens, wie lange seine Batterie halten und wie viel er zu tragen vermöchte, doch er ließ plötzlich quiekend die Ärmchen sinken und schaltete sich aus. Ein gelbes Notlicht zeigte noch an, dass er nicht ganz defekt sei, aber das war es dann auch. Weder durch Tasten noch durch die Funksteuerung ließ sich der Kasten aktivieren, er blieb stumm und stur und blinkte langsam vor sich hin, an, aus, an, aus. Die Ingenieurin grinste schief. „Lebensecht, oder?“ Ich stutzte. „Was ist daran lebensecht?“ Sie tätschelte die Kunststoffhaube und dreht ein bisschen an den Reglern. „Er sollte ein gutes Teammitglied werden und sich perfekt in das übliche Betriebsklima einpassen. Keiner kann sagen, wann und warum, aber irgendwann kriegt er halt einen Burnout.“





Pendlerpauschale

2 05 2018

„… mindestens 13.000 Pflegekräfte einstellen werde. Spahn werde die Stellen bis zum Ende des Jahres mit einem…“

„… es sich allein bei den examinierten Kräften um einen Personalmangel von fast 14.800 Personen handele, zu denen noch einmal 8.500 Helfer…“

„… vielen Teilzeitkräften die Rückkehr in eine Vollzeitbeschäftigung ermöglichen wolle. Dies Privileg sei für den Minister allerdings nur für Mitarbeiterinnen, die nicht durch sozial unverträgliches Verhalten wie Kindererziehung…“

„… es mehr als 13.000 Einrichtungen gebe. Damit sei jedoch gesichert, dass fast jedes Pflegeheim mindestens einen halben…“

„… dass alle Angaben der Bundesregierung grundsätzlich falsch seien, da es sich nicht um eine Regierung handele, in der Spahn als Kanzler die Richtlinien von Volksaufklärung und…“

„… Hartz-IV-Empfänger sich für den Einsatz in der Pflege nicht eignen würden. Sie würden durch jahrelange Verweichlichung, ständiges Prozessieren gegen den inzwischen quasi sturmreif geschossenen Sozialstaat und in manchen Extremen geradezu menschliche Behandlung durch die JobCenter ein vollkommen falsches Bild von der…“

„… auch mit Teilzeitstellen beginnen könne. Der Personalbedarf einer Pflegeeinrichtung werde so mit 0,1 Vollzeitäquivalenten, was real sechs Stunden pro Woche im…“

„… eine Rückkehr in Vollzeit auch nicht vorsehe, wenn Pflegekräfte selbst häusliche Pflege von Angehörigen übernommen hätten. So wie Spahn es ablehne, dass Arbeitsscheue, die neben ihrer fürstlichen Apanage als Kostgänger einer Nation von Leistungsträgern bei den Tafeln ihresgleichen mit Delikatessen versorgten, dürfe auch eine Pflegekraft nicht in ihrer Freizeit…“

„… das Gehalt von Pflegekräften generell auf das Niveau von ALG II absenken müsse. So werde der Übergang ins Arbeitsleben für viele vorrangig erlebt, dass nicht das Geld, sondern ihre politisch erwünschte Tätigkeit ihnen das Gefühl gibt, wieder als anerkanntes Subjekt im…“

„… keinen Anspruch auf eine Beschäftigung innerhalb einer Kommune hätten. So seien das Saarland, Bremen und Thüringen an einer Kooperation interessiert, die zum Ausgleich mit einer Pendlerpauschale den Fachkräftemangel…“

„… es Pflegekräften grundsätzlich verbiete, häusliche Pflege zu leisten. Diese wolle der Minister künftig als Schwarzarbeit einstufen, da sie in doppelter Weise eine gemeinschädliche Wirkung auf das Nationaleinkommen in…“

„… das Modell im Ministerium nur funktioniert habe, weil Spahn zur Vereinfachung der Statistik jeweils zehn Pfleger pro Heim eingeplant hätte, die in einem stündlichen Wechsel zwischen den…“

„… sich für eine größere Durchlässigkeit in den Bereichen Kranken-, Alten- und Behindertenpflege ausspreche. Bei entsprechender Behandlung sei jeder Alte irgendwann krank oder unter günstigen Bedingungen sogar behindert, was für Spahn auch im Ausbildungsbereich so wünschenswert wie…“

„… sich das Pendlermodell trotzdem rechne, wenn man die Pflegebedürftigen in wenige, dafür aber dafür effizienter arbeitende Heime…“

„… nur da ausländische Fachkräfte anwerben wolle, wo der lokale Pflegemarkt nicht nachhaltig geschädigt oder…“

„… nicht bedeute, dass man die Heime größer gestalten werde. Die durchgehende Auflösung von Mehrbettzimmern in befahrbare Etagen könne nicht nur eine schnellere Pflege, sondern auch eine drastische Senkung von Kosten für Hygiene und…“

„… ausländische Fachkräfte nur in sehr beschränktem Maße einsetzen werde. Ein regelmäßiger Verkehr zwischen der Bundesrepublik auf der einen und Bulgarien oder Griechenland auf der anderer Seite sei nicht zu…“

„… nur noch auf dem Festland geleistet werden müsse. Die rechtzeitige Einlieferung in eine Einrichtung könne so einen erheblichen…“

„… die Arbeitnehmerfreizügigkeit vielen EU-Bürgern die Chance eröffne, sich durch kostenlose Arbeit in den ersten fünf bis zehn Jahren eine Ausbildung bis zur Angleichung an deutsche Standards zu…“

„… das Pendlermodell nicht aufgeben werde, wenn theoretisch eine Vollzeitstelle in der Einrichtung entstünde. Dies beuge einer zu starken Bindung der Fachkräfte an die Pflegebedürftigen vor und schütze sie damit vor emotional unangenehmem…“

„… dass Pflegeassistenten auch weiterhin keine eigenverantwortliche Arbeit leisten dürften. Im Gegenzug werde man daher ihr Gehalt wegen des Lohnabstandsgebotes nochmals um die Hälfte…“

„… auf jeden Fall eine Zusatzqualifikation erwerbe, die über das Fachliche weit hinausgehe. Durch das Beibehalten ihrer ortsunabhängigen Schichtverteilung lege jede Pflegekraft eine notwendige Flexibilität und Mobilität an den Tag, der sich nach Auslaufen ihres befristeten Arbeitsvertrages möglicherweise positiv auf ihre Weiterverwendung als…“

„… sich die stufenweise vollzogene Absenkung der Qualifikationen zunächst nur auf Zuwanderer auswirken dürfe. Man werde daher das weitere Vorgehen gegen die südeuropäischen Länder in der Bundesregierung mit einer konzertierten…“

„… den Fahrdienst bundesweit zu organisieren, was einen weiteren Flexibilisierungsschub für die Pflegebranche bedeute. Da die Pflegekräfte nun während des Transportes schlafen könnten, sei auch die Zahlung von…“

„… die Streichung der Entgelte in der Pflege auch viele positive Aspekte mit sich bringe. So wolle Spahn verhindern, dass Ausländer nur wegen unangemessen hoher Löhne in einen Beruf gingen, in dem Empathie und Leidenschaft sehr vieles…“

„… Ruhezeiten neu überdacht werden sollten. Da die Transporte als übertarifliche Sozialleistung gedacht seien, könne man die Pause zwischen den Arbeitstagen auch auf eine bis zwei Stunden…“

„… nach einem Burnout immer noch im Bereich der Personallogistik aufgebraucht werden könne, um arbeits- und sozialrechtliche…“

„… versehentlich versprochen habe, dass durch eine vollständige Privatisierung sämtliche Probleme gelöst würden. Auf der Aktionärsversammlung habe Spahn überrascht festgestellt, dass es sich bei dem Krankenhauskonzern bereits um ein…“