Die Karyatiden

16 01 2022

Zur Linken hebt ein Weib mit bloßen Brüsten
die schlanken Arme. Ihre zarte Hand
bedeckt den Scheitel, den ein Schleier band.
So schaut auf Menschen sie mit Schmerz und Lüsten.

Zur Rechten sieht man auf den Armen tragen
den Mann in voller Reife, wie er starrt
in angestrengter Kraft unter dem Bart
auf Volkes Treiben: Wägen oder Wagen.

Auf ihren Händen und auf seiner Elle,
da ruhen zwei verzierte Kapitelle,
die stützen einen weit und runden Erker.

Halb blicken sie einander an. Sie halten
ein Gleiches, auch in anderen Gestalten
macht Zweisamkeit die beiden vielfach stärker.





Tod und Spiele

19 12 2021

für Erich Kästner

Die Eingeschränkten dürften sich beklagen.
Den anderen ist alles viel zu viel.
Man schränkt sie ein, weil sie zu plündern wagen
und für ihr Recht betrachten, die zu schlagen,
die alles auf sich nahmen für ein Ziel.

Im Nebel ist verhallt die frohe Kunde.
Wir sind viel dümmer, als man von uns denkt.
Man diagnostiziert nur noch Befunde,
die man längst kennt, und sieht die nächste Runde
am Horizont, der sich alsbald verengt.

Und stirbt man selbst nicht, kennt man nur die Tode,
die man sich ausdenkt. Die sind nicht so schlimm.
Was sie als Tod betrachten, ist nur Mode
und weltgeschichtlich eine Episode.
Das ist ein Märchen, schadenfroh und grimm.





Der Jahrkreis (XII). Dezember

5 12 2021

Eine Ende will dem Anfang sich verbinden.
So wird zum Schluss aus allem Dunkel Schein.
Wer lang gewartet hat, den will es finden
und zieht mit Freuden in sein Haus hinein.

Wer schlechte Laune hat, sieht ein Begräbnis.
Ein Jahr vorbei, vertan, und alles hin.
Für alle anderen ist’s ein Erlebnis
und eigentlich des ganzen Jahres Sinn.

Den letzten Tagen und den letzten Stunden
gebührt, dass man noch einmal auf sie blickt
und dann – wie oft dreht man noch diese Runden? –
den Blick voll Zuversicht nach vorne schickt.





Biedermeier

21 11 2021

für Heinrich Heine

Wie ist der Himmel deutsch und bunt
von allen Freiheitsschäumen!
Das reicht dem braven Manne, und
er will nichts andres träumen.

Er hockt, samt Weib und Töchterlein,
den ganzen Tag so friedlich
in seiner Kammer, klein und fein,
und findet sich gemütlich.

Die Holde schmückt er mit Geschmack
mit Hauben und Preziosen,
sich selber stopft er in den Frack
und viel zu enge Hosen.

Das macht, man schreitet steif und stumpf
und unterhält sich kläglich.
Der Herr beugt höchstens seinen Rumpf
und denkt auch unbeweglich.

Das schadet dem Theater nicht,
dort schmunzelt auch der Preuße.
Wer sich auch davon nichts verspricht,
bleibt hockten im Gehäuse.

Das will zu jeder Jahreszeit
ganz ausgesucht ihm schmecken,
mit Ansichtsglas und Hausmannskost
die Pflichtgefühle wecken.

Vor allem ist das Weihnachtsfest
ihm bürgerlich behaglich,
so schlicht und schön – der ganze Rest
bleibt ihm dagegen fraglich.

Noch heute sind wir biederlich
vom Scheitel auf die Schuhe.
Die ganze Welt ist liederlich.
Wir wollen unsre Ruhe.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXCI): Verantwortungsdiffusion

19 11 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Im achten Jahrhundert war’s, die englische Landschaft besaß noch ihren anfänglichen Charme – man durfte schon damals nicht viel erwarten – und die Gastronomie war nur wenig schlechter als der Rest der Umgebung. Pippin der Mittlere hatte seinen beiden Außendienstmitarbeitern Suitbert und Willibrord die Adresse eines passablen Gasthofs in Camulodunum mit auf den Weg gegeben, wo diese nun auf in schwimmendem Fett gebratene Rüben warteten, wie es dort Sitte ist. Irgendein Scherge hatte die Bestellung aufgenommen, Bier mäßiger Qualität wurde vom Mundschenk gereicht, doch das Mahl ließ und ließ auf sich warten. Irgendwann wurde es einer der Missionsfachkräfte zu bunt, er sprach den Burschen an, der sich so prompt wie knapp aus der Affäre zog: dies, sagte der Aufwärter, sei nicht sein Tisch. Die beiden verpassten ihm unter Zuhilfenahme des Schlagrings eine fröhliche Auferstehung, wie in besseren Editionen der Gesta Romanorum noch heute zu lesen ist, als Beispiel für die frühe, schon seinerzeit unsinnige Anwendung der Verantwortungsdiffusion und wohin sie führt.

Auch ohne verwaltete Welt ist das Phänomen schnell erklärt: um eine vernünftige Handlung auf Grundlage unstrittiger Gesetze auszuführen, bedarf es einiger Personen, die dieses entschlossen und im Rahmen ihrer Befugnis tun, Ermessensspielräume eingerechnet, Sachzwänge ebenso, aber eben nicht im Vordergrund. Was aber die Zuständigkeit einer verbeamteten Kaste angeht, die sich jede Haftung mit der Übernahme des Postens verbittet, so haben wir uns längst in einen schallschluckenden Korridor begeben, in dem auch schriftliche Anweisungen das Halbdunkel der Befehlskette nicht mehr verlassen. Es liegt eine Notwendigkeit vor, die ad hoc aus der uns bekannten Welt geschafft werden muss, Flut oder Vulkanausbruch, und es bedarf offensichtlich eines Erdbebens, bis einer der Entscheidungsträger aufwacht, um seinen verschissenen Job zu machen.

Geradezu spieltheoretisch lässt sich auch die Aufgabenverteilung in der Organisation kleiner Gruppen erklären, in der vier bis sieben Grützköpfe gemächlich zuschauen, wie das Wasser bis kurz unter die Zimmerdecke steigt, bis sich einer findet, der den Stöpsel zieht – nicht der, der gut taucht, aber er hat nicht die größte Lust, mit den anderen abzusaufen. Die anderen paddeln derweil umher, stets einen klugen Kommentar auf den Lippen, dass sie es schneller und besser gekonnt hätten, eher sowieso, wenn man sie nur nicht durch kollektive Passivität an ihrer kollektiven Passivität gehindert hätte. Nicht umsonst ist das Wort Team längst in Verruf, nur Akronym zu sein für: Toll, ein anderer macht’s. Mit dieser gezielt kontrasozialen Haltung ließen sich ganze Staaten, ja Menschheiten in die Grütze reiten, wenn irgendwo zufällig eine Pandemie um die Ecke linst oder das Klima sich entschlossen hat, ohne diese degenerierten Primaten weiterzumachen.

Natürlich geht im großen Maßstab gewählter Kippfiguren der auf milchmädcheneske Strukturen zurechtgeschwiemelte Plan noch viel besser auf; bevor Passierschein A38 abgestempelt wird, muss der Widerstand der gesamten Materie überwunden werden, der sich gegen die eigenen Vorschriften sträubt. Sonst können auch die Mächtigsten gar nichts tun. Läuft es richtig gut, verstecken sie sich dafür hinter ihrer Verantwortung, die sie gar nicht erst übernehmen, und es geschieht genau nichts. Das muss dann politisch erklärt oder entschuldigt werden, notfalls haben die anderen es verhindert, aber hier sind wir auf Nebenkriegschauplätzen. Die gefühlte Schuld wird durch die große Zahl an Teilnehmenden dividiert immer geringer und damit unfühlbar. Da wir ohnehin nicht mehr in der Lage sind, eigenes Fehlverhalten einzugestehen, erst recht nicht in Machtpositionen, driften Verleugnen und Verdrängen in eine realitätsallergische Form von Selbstrechtfertigung, die mittlerweile als fester Bestandteil der Politikerpsyche vorausgesetzt wird.

Irgendwann nehmen wir diesen Unfall, den das gesellschaftliche Leben darstellt, nur noch wahr wie einen zufälligen Zusammenstoß, um den man sich auf der Straße schart, ein paar Leute gaffen, manche haben aus Prinzip die Hände in den Hosentaschen, und alle wissen: das wird böse enden. Jeder würde etwas tun, sobald ein anderer vor ihm anfängt. Es ist der einzige Moment, in dem die sonst abhanden gekommene Impulskontrolle einwandfrei klappt, weil sich die Zuschauer beim Zuschauen zuschauen und gar nicht genug bekommen von ihrer Ignoranz. Natürlich lehnen wir diese Einfaltspinselei ab, sind aber von der eigenen Unschuld überzeugt, da auch die anderen sich nicht bewegen. Das ganze System gleicht einem Verantwortungsmikado, das weder Fehler noch Schwächen, nicht einmal ein normales Verantwortungsbewusstsein duldet, schon gar nicht, wenn die Rollen der Verantwortungsträger längst mit intellektabstinenten Quotenwürstchen besetzt sind, die man ab Werk unzurechnungsfähig gekauft hat und von denen man eine Reflexion ihres Tuns nie erwartet hat. Die Welt wird komplexer, die wir uns selbst geschaffen haben, und es genügt, wenn jemand daran schuld ist. Er muss ja nichts damit zu tun haben. Hauptsache, alles bleibt, wie es ist.





Der Jahrkreis (XI). November

7 11 2021

Das Leben stirbt. Da gibt es nichts zu deuten.
Es streut sich welke Blumen auf sein Grab.
Als wollte sich das Dasein einmal häuten,
streift es die Zeit der leichten Tage ab.

Als wär der Regen wütend, peitschen Stürme
ins Nichts ein ganzes gramgebeugtes Land.
Die Welt versinkt im Grau. Nur dunkle Türme,
sie halten diesen Ungewittern stand.

Und ist das nicht genug, geht man zum Trauern
mit Kerze, Kranz und steifem, schwarzem Kleid.
Ach, was verschließt man hinter diesen Mauern!
Ein Spalt, ein Licht – ist dies schon Ewigkeit?





Die Bauernhochzeit

24 10 2021

Da hocken sie in endlos langer Reihe,
die Männer und die Weiber eng beim Wein.
Die Knechte bringen abermals vom Breie,
und wie zu Kana schenkt man ihnen ein.

Zwei Musikanten pfeifen durch die Scheune.
Vor ihnen wird recht munter aufgetischt.
Es hängen an Wand als Schmuck alleine
zwei Ähren und ein Flegel, dass man drischt.

Die Braut sitzt in der Mitte. Eine Krone
zeigt an, dass sie zu keinem Gast mehr spricht.
Wiewohl die Ehe sie dafür belohne,
man sieht es doch an ihrem Schweigen nicht.

Ein Pfaff, ein Edelmann, doch ihrem Gaumen
wird diese karge Kost wohl nicht gerecht –
am andern Ende saugt an seinem Daumen
ein Kindlein, dessen Mutter selig zecht.

Dort an der Tür, da drängen sich die Armen,
und herrscht auch große Not: es ist ein Fest.
Mit ihnen hat der Herr wohl sein Erbarmen,
die er an seine Tafel kommen lässt.





Der Jahrkreis (X). Oktober

10 10 2021

Wie unter einem Teppich liegen Flächen
von Laub bedeckt. Das Tageslicht ist matt,
will dem Betrachter nicht zu viel versprechen.
Wohl dem, der nun Erinnerungen hat.

Man schreitet durch die Zeit. Auf einer Lichtung
verliert sich Vorwärts, Rückwärts wird vergehn.
Gleichwohl hat jeder Gang auch eine Richtung.
Wer sie behält, erkennt: dort ist es schön.

Gut möglich, dass man am Gedenken leidet.
Wo man vermisst, hat man einmal begehrt.
Entscheidend ist, wer sich dafür entscheidet,
dass uns bald wieder Gutes widerfährt.





Hausmittel oder Weiter so

26 09 2021

für Wilhelm Busch

Es geht dem Michel gar nicht wohl,
er fühlt sich kraftlos, müd und hohl.
Zunächst versucht er’s treu und brav
mit einem Gläschen Wein und Schlaf,

und wenn er auch in Schlummer sinkt,
es ist nichts, das ihm Tröstung bringt.
Dem Michel wiegt der Kopf gar schwer.
Jetzt muss der Onkel Doktor her.

Es kommt sogleich der gute Mann
und sieht ihn aus der Nähe an.
Dass er sein Leiden nicht verschleppt,
bekommt der Michel dies Rezept:

„Die beste Speise, die es gibt,
ist kräftig, deftig, wie man’s liebt,
doch nur, was hier im Garten sprosst,
kurzum: zuvörderst leichte Kost.

Auch braucht es reine, klare Luft,
der Bergeshöhen Kräuterduft,
und da es dort zumeist recht kalt,
geht man, wenn’s warm ist, in den Wald.

Vor allem härte man sich ab
und bleibe alleweil auf Trab,
wobei man achte, wenn man satt,
dass man viel Ruh und Schonung hat.“

Da sich der Doktor niemals irrt,
stutzt Michel und ist schwer verwirrt.
Doch insgeheim ist er nun froh,
die Botschaft lautet: weiter so.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXXII): Denkmäler

17 09 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Kurz bevor das ganze Reich unterging, ließ sich Aššur-bāni-apli noch mal in voller Montur samt Krönchen ins Relief dengeln, wie er mit Pfeil und Bogen Großwild jagte. Als Ganzfigur mit Bart und Korb warb er für assyrischen Wohnungsbau, dann war auch bald Schicht im Schacht. Mehr noch als in der Antike, im Mittelalter, erst recht in der Neuzeit war den Völkern des Altertums klar, dass alles recht vergänglich ist. Dynastien kamen, Dynastien gingen und wurden von Schutt und Asche bedeckt, damit kommende Herrscher auf rauchenden Trümmern neue Verwaltungseinheiten organisieren konnten, die die Machtverhältnisse gründlich neu ordneten und schon durch das Erscheinungsbild monumental angelegter Kunst im öffentlichen Raum änderten, was es zu ändern galt. Hier und da meißelten die dienstbaren Geister die Grinsrüben aus dem Fels, wie sie noch heute in jedem besseren Personenkult von Mauern und Fassaden hängen, sofort guckte der neue König so gütig wie machtvoll aufs Volk, kurz: der alte Klotz war weg, der neue Klotz war da. Wozu braucht es da heute noch Denkmäler?

Die Herren der Macht, und es sind immer nur Männer, Ottokar der Dehnbare, Kurfürst Heribert von der Klappstulle und irgendein Friedrich von Dingenskirchen mit Pelz und Perücke, haben sich größtenteils in Eisen gießen lassen, lungern nun auf steinernem Podest mit güldener Inschrift, damit sie keiner mit dem Gründer der städtischen Hunde-Wasch- und Reinigungsanstalt verwechselt, in den fußläufigen Zonen nahe Kirchen und Rathäusern herum, werden fotografiert, mit Pappnasen und Altpapier verschwiemelt und dienen allenfalls als Treffpunkt für Jugendliche, die vorabends alleine in modischer Kleidung mit flamboyantem Schuhwerk auf ihresgleichen warten. Trostlos fürwahr, und da ist das Denkmal nicht einmal mit eingerechnet. Die knöterigen Staubfänger längst vergangener Epochen stehen störrisch im Stadtbild, ohne die Aufschrift wüsste kein Passant, ob es sich um einen Kaiser, einen König oder den Erzherzog einer nicht mehr existenten Provinz handelt – mit Aufschrift weiß es auch keiner, aber wen kümmert das schon.

So schön ersichtlich an berittenen Deppen in rostiger Wehr, wie sie Reklame für den nächsten Krieg machen, für Preußens Gloria und Schlesiens Untergang, so zweifelsfrei stehen die dominanten Hohlkörper für nichts mehr, was mit der Gegenwart auch nur entfernt zu tun hätte. Allein die in alle teutonischen Weichbilder gerummsten Bismarcke verkünden nur noch mit Getöse die Apotheose von Pickeln auf der Haube, neben denen der Deutsche gerade noch genug Zeit für Kolonialismus hatte und den Platz an der Sonne mit Leichentüchern sicherte. Die Erinnerungskultur richtet sich an unterkomplex denkende Weichstapler, die mit Geschichte nicht viel am Hut haben, sonst müssten sie das präpotente Säbelrasseln der nationalen Besoffenheitsapostel ganztägig reflektieren. Womit schon.

Das Denkmal hat vielmehr die Aufgabe, alles an Geschichte zahnschonend zu verklittern, was den künftigen Generationen Probleme beim Schlucken verursachen könnte. Steht irgendwo am König vor dem Katasteramt, dass er ein mieser Militarist war, ungewaschen, versoffen und rassistisch dazu? Da das, was auch immer das ist, früher nun mal so war, müssen wir uns eben damit abfinden, dass man auf dem Weg zum Supermarkt an Antisemiten vorbeiradelt, an Arschlöchern, die zur Finanzierung eines neuen Lustschlosses mit Menschenhandel und Zwangsarbeit ihre eigenen Untertanen in den sicheren Tod trieben oder auf der Jagd durch Privatwälder ihre Tage herumbrachten, während das Volk nicht einmal Brennholz sammeln durfte. Es fehlt an den einordnenden Hinweisen, die Kriegsherren und Fürstbischöfe als zwielichtige Egoleptiker kennzeichnen, die hinter den blinden Flecken der Historie in Deckung gehen.

Interessant nun, dass man Saddam und Stalin, Hitler und Pol Pot sauber abgesägt, Putschisten wie Lettow-Vorbeck oder die Nagelbirne Hindenburg ordentlich entschuldigt, Wissmann, den Schlächter von Ostafrika, allenfalls einlagert, sobald sich eins an den Sklavenhandel als Grundlage für deutschen Wirtschaftsaufschwung erinnert. Überhaupt ist es die germanische Eigenheit, Wohlstand auf Kosten fremder Ethnien, jenes deutsche Wesen, das die Welt gerade noch überlebt hat, als Errungenschaft der Eliten in Erz zu kippen und irgendwo in eine Grünanlage zu stellen. Jede Gesellschaft vererbt ja die Vorbilder, die sie für geeignet hält, über ihre Tage hinaus zum Idol zu taugen, rituell angebetet zu werden und zur intellektuellen Auseinandersetzung in der Gegend herumzustehen – in der Reihenfolge. Es geht ja weniger um Authentizität, erst recht nicht in den übrigen Randbereichen des Erinnerns, Krieg oder Genozid, sondern um die Sakralisierung, die unsere Säulenheiligen im säkularen Umfeld notfalls museumstauglich macht, irgendwo eingeklemmt zwischen Pathos und Kitsch. Wenn sich der Spießer schon Bismarck als Aschenbecher und Bierhumpen in die Bude stellt, warum dann nicht auch Hitlern als Klobürste, wie es seine Kriegsgegner taten? Es gäbe da, um die objektive Verwertbarkeit der Geschichte zu gewährleisten, manche Möglichkeit.