Atemlos an die Macht

6 09 2018

„… für den kommenden Herbst gerechnet werden könne. Das Management von Helene Fischer wolle den Termin für das Open-Air-Konzert in Chemnitz noch in diesem…“

„… standrechtlich gegen die Lärmbelästigung in der Stadt vorgehen würden. Führende Extremisten wie Höcke, Steinbach, Haverbeck, Kubitschek, Kretschmer und Horst Mahler würden den…“

„… ohne Gage auftreten werde. Trotz der hohen Zahl an Besuchern wolle die Stadt Andrea Berg als zweite Headlinerin für die Veranstaltung im…“

„… als russische Hurensau bezeichnet habe, die man auf dem Weg in die Gaskammer noch einmal ordentlich vergewaltigen und zusammentreten solle. Gauland habe seine Pressemitteilung als ganz normale Reaktion eines Volks bezeichnet, dass durch die Kanzlerdiktatorin genetisch ausgelöscht und dann…“

„… solle auch im Fernsehen übertragen werden, was eine Verschiebung des Spiels Schalke 04 gegen den FC Bayern München erforderlich mache. Beide Mannschaften seien sofort bereit gewesen, sich auf einen Ersatztermin im kommenden Quartal zu.…“

„… sich Sarrazin freuen würde, wenn Howard Carpendale seinen Auftritt bestätige. Er habe als Widerstandskämpfer der weißen Rasse gegen den Ausbreitungstyp negroider Halbaffen schon so viel leiden müssen, dass ihn jeder anständige Deutsche längst als einen ganz normalen…“

„… Patrick Lindner erst bei einem zweiten Konzert auftreten könne. Er habe seine Zusage gegeben, falls ihm Stefanie Hertel und…“

„… sei von einem anderen Mitglied des Landesverbandes geleakt worden. Poggenburg habe Kontakt zu Fischer aufgenommen und ihr ein eindeutiges…“

„… die Kastelruther Spatzen zusätzlich zu einem Konzertauftritt eine Höreraktion im lokalen Privatrundfunk absolvieren wollten, bei dem sie mit dem Migrationsbeauftragten des Landes Sachsen einen…“

„… es bei dem Angebot nicht nur um eine Wunschvorstellung von Poggenburg gegangen sei. Er habe Fischer angeboten, sie für hunderttausend Euro sexuell zu nötigen, da er gerade in größeren Zahlungsschwierigkeiten sei und sonst in den kommenden drei Jahren keine Zeit mehr für den…“

„… nur auftreten werde, wenn sie mit einer halben Stunde Verspätung auf die Bühne kommen dürfe. Der Veranstalter habe dies zugesichert, wenn er im Gegenzug publizieren dürfe, dass Vanessa Mai vor jeder Show dreißig Minuten im Grundgesetz lese und sich über staatsrechtliche Fragen informiere, die ihrem…“

„… zu einem Duett mit der Laiensängerin Weidel erpressen wolle. Die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag habe genügend belastendes Material, um Fischer die Staatsbürgerschaft abzuerkennen und sie nach Sibirien abzuschieben, wenn sie nicht das Duett Atemlos an die Macht im nächsten Wahlkampf zu…“

„… habe Stefan Mross sich bereit erklärt, den Abend gemeinsam mit Florian Silbereisen zu moderieren. Er lege großen Wert darauf, dass er das Publikum mehrsprachig begrüßen und ihm einen besonderen…“

„… habe Kretschmer scharf kritisiert, dass man zu der linksradikalen Hetzveranstaltung nicht auch Neger wie Roberto Blanco oder…“

„… ob er mit dem Line-up kompatibel sei. Heino habe angekündigt, mit einem Death-Metal-Streichorchester aufzutreten, der Veranstalter habe jedoch ein älteres und konservatives Publikum im Fokus und wolle deshalb seine Zustimmung noch nicht vor dem…“

„… eine Gegenveranstaltung organisieren werde. Das Völkische Musikfest werde nationale Künstler wie Frank Rennicke, Kategorie C, Annett Müller und…“

„… Marianne und Michael verärgert gewesen seien, dass sie in einer im Internet aufgetauchten Parodie als Wolfgang und Anneliese den ganzen Auftritt bereits…“

„… wolle die Landesregierung die Existenz eines drei Tage dauernden Festivals nicht anerkennen. Kretschmer habe anlässlich seiner in letzter Minute abgesagten Eröffnungsrede geäußert, es habe überhaupt kein Konzert gegeben, da er dieses nicht habe zur Kenntnis nehmen wollen, und es sei ihm auch egal, welche unter ihm die linken Untertanen regierenden Marionettenkanzlerin dies als Tatsache…“

„… nicht geklärt sei, ob Jürgen Drews zu seinem Auftritt kommen könne. Er werde derzeit noch künstlich beatmet, wolle aber so schnell wie möglich mit dem Privatjet nach…“

„… abgesagt habe, da man ihm verboten habe, über die Unterdrückung der weißen Rasse durch die jüdisch-vegan-homosexuelle Besatzungsmacht aufzuklären. Die Veranstalter seien irritiert gewesen, da sie nie eine Einladung an Xavier Naidoo oder seinen…“

„… das Management versichert habe, dass man den Auftritt des Wendlers in letzter Sekunde habe verhindern können. Das Interesse sei dadurch explosionsartig in die…“

„… sich um Chemnitz postieren wolle. Storch wolle anreisende Besucher notfalls mit der Schusswaffe hindern, in den…“

„… trotzdem teilnehmen werde. DJ Ötzi sei zwar Österreicher, angesichts der aktuellen Entwicklungen suche er aber den Anschluss an Deutschland, da hier die Regierung noch keinen menschenrechtsfeindlichen Kurs steuere und im…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CXIV): Körpermodifikationen

29 07 2011
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Sanftmütig ist das Rind, wie es uns muhend Milch gibt, Fleisch und die Haut, aus der unzählige Handtaschen und Schuhe entstehen, ohne die das Gespons des Hominiden die wichtigen Dinge durch kontinuierliche Lautabgabe verdürbe, Fußball, Motorsport oder die Pendelhubstichsäge. Das edle Hornvieh will also umworben sein, gefestigt in seiner Beziehung zum Menschen, ganz in Besitz genommen durch Nasenring und Brandzeichen, die da sagen: ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein.

So auch der Bekloppte. Längst ballert er sich die Abfälle der metallurgischen Industrie in sämtliche unvorteilhaft den Körperumriss verbeulenden Ausstülpungen, peikert die Fibroblasten mit schwiemeliger Gebrauchsgrafik voll und pumpt sich Silikon in die Regionen, die definitiv besser entwickelt sind als sein Kalotteninhalt. Schaudernd sieht der geistig gesunde Jetztzeitler, wie sich vollgekritzelte Gliedmaßen mit immer derselben Individualität aus dem Katalog des Tätowierers vor ihm an der Supermarktkasse winden, als hätte sich ein volltrunkenes Kleinkind an der Werkbank des nichts ahnenden Vaters mit Schnitzmesser und Stempelkissen aufgehübscht. Adipöses Welkfleisch umschwallt zu erahnende Bauchfalten, deren Speck in Maschendrahtmaterial eingefassten Zirkonia ein klebrig-verschwitztes Heim bieten, auf dass die Trägerin der Schmiernippeldurchdübelung mit einem bauchfrei geschnittenen Einmannzelt in geblümter Waschseide dem Betrachter jegliche Hoffnung raube, seinen Chymus bei sich zu halten, der doch spätestens dann brüllend emporsprudelt, wenn der Gedanke an das Raumzeitkontinuum sich einstellt: auch dieses Bindegewebe wird dereinst die Gravitation höhnisch in die Tiefe zerren.

Wie die naturnah lebenden Völker, so verspürt auch der Bescheuerte früher oder später den Drang, sich fingerdicke Holzpflöcke in die Ohrwascheln zu dengeln und die Zunge spalten zu lassen; kein postmodernes Schnitzelkind aus der Kulturnation, deren Präsident sich über Konflikte an der polnisch-schweizerischen Grenze auslässt, würde bei genug finanzieller Deckung länger als nötig auf eine nach dem Durchschnitt geknetete Nase warten – schnell noch das Gesäuge ins Bolzenschussgerät, den kleinen Finger abgesägt, die Rübe mit Teflon auf Marsmännchen getrimmt, die Bindehaut mit Feilspänen unterfüttert, fertig ist die authentische Dutzendfresse, genauso einmalig wie alle anderen.

Es ist natürlich, und wie könnte es anders sein, der ungeheure Distinktionsgewinn, wenn die urbane Vollbrezel sich einen Ascher in die Unterlippe schiebt, während die übrigen Hipster noch Handgriffe zum Wegschmeißen am Steiß tragen. Schnell noch etwas Stahlschrott unter die Epidermis geschoben, damit in der Resonanzröhre der Schädel schneller platzt, und zur Vorsicht ein Sonnenbrillen-Tattoo geordert, weil sich das Augapfelpiercing sonst entzündet. Und es ist ja auch dialektisch unheimlich tricky, sich mit den Insignien der sozial Ausgestoßenen zu schmücken, um deren Rolle als dekonstruierte Bohémiens des Neuen Primitiven mit radikaler Opposition zu füllen, praktischerweise als materialistische Mainstream-Arschlöcher und von Papas Kohle. Der transkulturelle Habitus wird denn auch bloß wie ein Einkaufswagen im Tran vor sich hergeschoben, allenfalls lässt man sich in asiatischer Kalligrafie Mindestens haltbar bis: siehe Enddarminnenseite ins Nierenrevier stanzen. Wer da en vogue sein will, müsste seine Physis ohnehin als Baukasten benutzen, Arm ab, Beule dran, hier ein Loch in die Fußsohle, dort eine Hautverschnipselung für die Ewigkeit, die nach spätestens einer Saison wieder weg muss. Das ganze Branding, Amputating, Hirnwegpusting ist nur das Torkeln auf dem schmalen Grat zwischen Knallverdeppung aus Eitelkeit und ausgelebter Dysmorphophobie: wenn die angeborene Physis das bisschen Grütze im Schädel überfordert, weil Selbstbewusstsein nicht auf dem Stundenplan stand, macht man ein Date mit der Änderungsfleischerei und pimpt die Reste vor der Gesichtsrückgabestelle wieder auf Gebrauchswert.

Denn das ist das von jeglicher Rücksicht auf Verluste befreite Motto der geschmacksverkalkten Readymade-Ästheten: Wanst und Waden werden aufgepimpt, als gälte es einen Wettbewerb um die übelste Homo-sapiens-Parodie zu gewinnen, die im Karneval mit Bravour noch als Zombie-Imitat durchrutscht. Selbstverständlich eitert das vielfarbig misslungene Schmierakel als blumenkohlesker Keloid irgendwann wieder aus den Halsfalten, mit Sicherheit entzündet sich der Stahlstift im Gemächt, ohne Zweifel wird die aufgemotzte Zahnspange einem bunten Cocktail an Bakterien trautes Heim sein, bis das Blut aus dem Zahnfleisch rauscht und Kollege Karies aus den Beißern jodelt. Die Zeit naht, da die Seniorenheime sich füllen mit den Opfern des Kevinismus, gezeichnet von schlecht weggelaserten Tribals auf Arsch und Armen, schlaffe Haut, daran die Pfleger sich mit den eigenen Widerhaken verfangen, verknorpelte Wülste, für die das Krematorium eine Abwrackprämie kassiert. Höchstwahrscheinlich zahlen sie die mit dem Schrottwert der Herzschrittmachers. Er wird das einzige Originalteil an ihnen sein.





Schöne Grüße vom Murmeltier

27 02 2009

Als Anne rechts rüberzog – sie geht vor Autobahnausfahrten immer schön rechtzeitig auf 180 herunter und bremst dann in der Kurve ab, einige Leute, die es überlebt haben, sagen, sie fahre wie ein Henker; manche äußern sich weniger zartfühlend – als Anne also rechts rüberzog, schloss ich die Augen. Man kann mit dieser Frau nicht diskutieren, das heißt, man kann schon, aber nicht im Auto. Also nicht, wenn sie fährt. Ist auch besser so, denn ich möchte nicht wissen, wie oft sie die Hände vom Steuer nimmt. Anne argumentiert gerne manuell, was bei 297 Kilometern in der Stunde ein merkwürdiges Gefühl in der Herzgegend auslöst.

Die Statistiker der Diözese sollen errechnet haben, dass die Zahl der Kircheneintritte signifikant zunimmt, wenn Anne eine Mitfahrgelegenheit anbietet. Ich hätte den Erwerb einer Busfahrkarte in Erwägung ziehen sollen. Lebend kriegen sie mich nicht. Er oder ich – und meines Wissens hatte der Papst seinen Golf längst eingemottet.

Noch ein kleines Stündchen Stadtverkehr, bis wir die 500 Meter zum Ärztehaus zurückgelegt hatten. Anne wollte noch eben schnell ein Rezept abholen. Eine gute Gelegenheit, sich die Beine zu vertreten, das Hemd auszuwringen und den Puls langsam wieder auf 130 zu bringen.

Ich löste den Anschnallgurt, öffnete die Beifahrertür und muss mir wohl den Kopf gestoßen haben. Jemand hatte die Beleuchtung ausgeknipst und ich fiel in etwas hinein. Es war wie Magnesiumlicht, nur ungefähr hundert Mal so hell. Drüben vernahm ich erst verzerrte Stimmen, dann wurde es deutlicher. Was war das? Akustische Leuchtreklame? Die Klingelton-Charts? Es war alles zusammen, es war Britney Spears. Oder doch Alexander Klaws? So genau war das nicht auszumachen. Was keine Frage des Lichts war. Und es schien hier unten verdammt glitschig zu sein.

Das Schild oberhalb des Abgrunds hatte ich flüchtig gesehen, als ich die Balance verlor, und es hatte sich mir in die Netzhaut eingebrannt: Eingang zur Cover-Hölle. Ich ließ alle Hoffnung fahren. Hier also landet das alles. In einer gigantischen Recycling-Anlage, die die Musik von Jahrzehnten einsaugt und zentrifugiert und als komprimierten Popschrott wieder ins Universum zurückkotzt.

An den Wänden des Schlunds klebten Cindy & Bert. Zwar nur als Plakat, aber das machte die Sache keineswegs angenehmer. Knapp oberhalb der Hörschwelle sang Jürgen Drews etwas von Doppelkorn und Feldbett. Die Feedbackschleife lief rückwärts – was mir zunächst gar nicht auffiel – und wurde von Marusha überlagert. Kein Zweifel, das war nicht die Oldschool-Version nach Dante, hier waren Techniker am Werk gewesen. Diese Hölle war selbst eine aufgebohrte Cover-Version.

Einem Meteoritenschauer gleich kamen mir auf der linken Spur Glasballons entgegen. Tausende unförmiger Kugeln voller Klumpen, die mit den Hüften wackelten, gewandet in Zweimannzelthosen und behangen mit riesigen Gartenschläuchen aus Bling-Bling. Es waren Retorten-Rapper, die aus dem Inferno katapultiert wurden und nur eine Aufgabe hatten: unschuldigen Menschen die Gehörgänge zu verstopfen. Der Fahrtwind säuselte noch einmal leise Say Yo Motherfucker, dann waren sie an mir vorbei.

Die Bilder begannen sich zu überlagern. Zehn Tenöre besangen zehn nackte Frisösen. Tokio Hotel moshten den Erzherzog-Johann-Jodler. Andy Borg interpretierte Herbert Grönemeyer. Die Spirale beschleunigte sich. Eine Allstar-Band mit Bela B. am Schlagzeug, der linken Hälfte des Goldried Quintetts und Kirk Hammett begleitete Karl Moik bei einem Nena-Medley. Zu den unangenehmeren Momenten gehörte der Anblick von Bro’Sis, die in einer Las-Vegas-Variante von Glücksrad auftraten und sich selbst nachmachten – vermutlich hatten sie niemanden gefunden, der den Job freiwillig übernehmen wollte. Zur Strafe drehten Céline Dion und Anastacia abwechselnd am Konsonanten-Roulette. Ich versuchte, die Augen zu schließen, konnte es aber nicht. Musste nicht bald der Aufprall kommen? Und was dann? Dieter Bohlen mit einer Ralph-Siegel-Maske? Oder umgekehrt?

In meinem Schädel hämmerte es. Schon wieder Billigtechno aus der Tiroler Skihütte? Vor meinen Augen erschien ein überdimensionales Murmeltier, das sehr langsam und mit Rückwärtshall auf mich einredete. Es griff nach meinem Hinterkopf. Das also war das Jenseits? Ich hatte es mir irgendwie ganz anders vorgestellt. Woher kamen diese komischen Geräusche? Warum stank es hier so nach Alkohol? „Er ist tot, Herr Doktor Klengel!“

Das Murmeltier hatte die Sonnenbrille in die Stirn geschoben und blickte mich aus schreckgeweiteten Augen an. Faszinierend. Der Mann mit dem Spitzbart tupfte an meiner Schläfe herum und meinte, es sei nur eine Platzwunde. Immerhin bestehe starker Verdacht auf eine Gehirnerschütterung, weshalb der Patient nun in die Klinik verbracht werden müsse. Ich hätte zuletzt unaufhörlich gesungen, unter anderem obskure Lieder wie das vom Wiedehopf im Mai.

Anne fragte Doktor Klengel, wie ernst es wirklich sei und was das mit dem Wiedehopf auf sich habe. Der replizierte trocken: „Ich bin Arzt und kein Schallplattenverkäufer.“ Aber was versteht Anne schon von guter Musik. Sie denkt ja bis heute, den Scotch habe eine alte Dame in Leningrad erfunden.