Fingerabdrücke

13 04 2017

„Augenfarbe?“ „Jedenfalls Fingerabdrücke und die Nasenlänge.“ „Nützt gar nichts ohne Nasenbreite, wenn Sie mich fragen.“ „Wegen der Abdrücke?“ „Auf jeden Fall Hautfarbe.“ „Das ist doch ganz klar rassistisch!“ „Sonst erkennt man diese arabischen Terroristen doch nie.“ „Wir reden aber hier von Flügen innerhalb der EU.“ „Ach so.“

„Kann man da nicht die Fingerabdrücke aus einer anderen Datenbank…“ „Meinen Sie, dass sich islamische Terroristen vor der Einreise in Europa freiwillig in eine Datenbank eintragen lassen?“ „Wahrscheinlich nur islamistische.“ „Klar, wegen Nachweis und so. Der IS will doch den…“ „Quark, die hobeln doch ihren Agenten die Finger ab.“ „Das sind die Koreaner.“ „Egal, auch Ausländer.“ „Und die kann man an der Ohrenlänge unterscheiden?“ „Die Buddhisten wahrscheinlich.“ „Das ist doch eine Religion, oder?“ „Kann man an der Nase doch auch.“ „Moment, das ist…“

„Wäre es nicht einfacher, die EU würde gleich einen biometrischen Pass verlangen, wenn jemand einreisen will?“ „Dazu müsste derjenige aber auch erstmal einen biometrischen Pass besitzen.“ „Das ist Sache der Herkunftsstaaten.“ „Moment mal, wenn die USA nach Staaten unterscheiden, warum dürfen wir das dann nicht?“ „Weil die EU auf dem Papier zumindest eine demokratische Verfassung hat?“ „Also bitte, danach sollte man die Ungarn schon an der…“ „Ich hatte gesagt: auf dem Papier!“ „’tschuldigung.“ „Warum macht das Amerika?“ „Weil sie es können.“ „Und warum können wir es nicht?“ „Weil wir es nicht machen.“ „Sie müssen doch immer damit rechnen, dass die plötzlich blaue Kontaktlinsen…“ „Oder Nasenprothesen, wie!?“ „Jetzt hören Sie aber auf!“ „Kann man sich nicht auf dem Passfoto kleiner machen?“ „Dann gehen Sie vielleicht als Italiener durch.“

„Vielleicht sollten wir wieder Grenzkontrollen einführen wie vorher.“ „Also für Dänen, Ungarn und andere Schengen-Verweigerer.“ „Das wird an der deutsch-ungarischen Grenze ganz sicher enorme Turbulenzen erzeugen.“ „Die Frage ist doch: kann man einen Dänen erkennen, wenn er die ungarische Grenze überquert?“ „Das ist eher ein Problem der bereits bestehenden Überwachung.“ „Dann wird man sicherlich die Ungarn erkennen, wenn sie nach Dänemark einreisen.“ „Wir können aber auch den Verkehrsfluss nicht unnötig behindern.“ „Sie lesen manchmal Ihre Papiere?“ „Er ist Verkehrs- und Infrastrukturexperte, er weiß von gar nichts.“ „Hören Sie mal, zwei Jahre unter Dobrindt im…“ „So schlimm?“ „Ich werde Sie…“ „Was meinen Sie wohl, warum die Bahn so eine beschissene Anbindung hat und dauernd ausfällt?“ „Keine Ahnung.“ „Naja, dann kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen.“ „Aber…“ „Stimmt, so kriegen wir den Verkehrsfluss tot.“ „Eigentlich genial.“

„Was machen wir eigentlich gegen Terroristen aus Europa?“ „Abschieben.“ „Sie haben das nicht ganz kapiert. Das sind Europäer.“ „Deswegen ja auch abschieben nach…“ „Wohin denn, verdammt noch mal!?“ „Die Eltern werden doch irgendwann mal eine Nationalität gehabt haben.“ „Also alle nach Belgien?“ „Kann man das nicht auch an der Augenfarbe feststellen?“ „Wohl eher am Akzent.“ „Quark, das sind die Amis.“ „Für die ist Belgien eine Stadt in Frankreich.“ „Verkehrstechnisch ist das ja nicht ganz falsch.“ „Wir müssten dann auch bei der Ausreise eine biometrische Kontrolle an den Grenzen…“ „Bloß nicht!“ „Eben. Hauptsache, die Drecksäcke sind draußen.“ „Damit dann die italienische Polizei einen Attentäter abknallt?“ „Sie müssen das immer dramatisieren, wie!?“

„Kann man da nicht eben mit der Hautfarbe einen gesicherten…“ „Keine Chance, Sie müssen erst die Grenzen übertreten.“ „Wenn wir wenigstens die bayerischen Außengrenzen als…“ „Sie wissen genau, dass Sie mit dem Feuer spielen!“ „Wieso?“ „Spätestens nach der nächsten Wahl erklärt doch die CSU, dass sie die Gleichbehandlung nicht genau geklärter Deutscher verhindern will.“ „Notfalls mit Waffengewalt.“ „Und sie wird die biometrischen Daten aller Zuwanderer fordern, sobald sie die Sammlung der wahren Inhalte auf dem Schirm hat.“ „Halten Sie das für realistisch?“ „Für Bayern reicht das.“ „Und wenn man da jetzt auffällt?“ „Eine Schiffsreise zwischen der Bundesrepublik und dem Freistaat würde ich dann jedenfalls nicht mehr in Betracht ziehen.“

„Zahnschema?“ „Geruchsproben wären aber zu kompliziert.“ „Vielleicht scannen wir erstmal die Wohnungstüren, damit wir wissen, ob jemand gar nicht zu Hause ist.“ „Das hilft aber nicht gegen Eindringlinge aus…“ „Hallo!?“ „Ja, meinetwegen: Einwanderer.“ „Touristen?“ „Oder so.“ „Aber die kommen doch sowieso aus der EU.“ „Das sind dann die Terroristen.“ „Wir müssten also die EU überwachen?“ „Das ließe sich eventuell sogar machen.“ „Wir müssen ja nur sicherstellen, dass keiner die Grenze überquert, der eine Bedrohung für die öffentliche Ordnung oder die innere Sicherheit darstellt.“ „Also doch Seehofer.“ „Da kriegen wir doch nie Fingerabdrücke.“ „Egal, auf der Konzeptebene reicht das erstmal.“ „Kann man das finanzieren.“ „Kommt darauf an, wo man kürzt. Aber das ist nicht unsere Aufgabe.“ „Okay.“ „Gut, dann kommen wir zu Punkt zwei. Fußgängerzonen. Vorschläge?“





Störungsstelle

10 04 2017

„Erstmal Steglitz, obwohl das auch nicht sinnvoll ist, aber: dann haben wir erstmal Steglitz. Danach kann man immer noch mal sehen, wie wir das machen, nachdem uns einer das Problem erklärt hat.

Von wegen Gefahren. Man muss informiert sein, was aus einer Lage entwickelt werden kann, auch und gerade verwaltungsseitig. Der Bürger an sich ist meist nicht fähig, die Konsequenzen aus seinem Handeln für die Bundespolitik zu begreifen. Da muss die Bundespolitik für ihn als salvatorisches Fallbeil eingreifen, das werden Sie verstehen, oder?

Wenn wir jetzt nicht den Wannsee abriegeln, dann ist der Russe innerhalb weniger Stunden direkt im Reichstag und wird Merkels Pläne durchwinken, richtig? Da muss die Bundesrepublik… ja, ich sagte das schon. Also wir müssen das jetzt weiträumig abriegeln. Unsere Einsatzstelle ist natürlich in Alarmbereitschaft, wir haben das Grundgesetz immer auf dem Schreibtisch und sind besser aufgestellt als diese Typen aus der Regierung, ich kann mir die Namen von diesen Parteien nicht merken, aber so groß ist der Unterschied wohl auch nicht – jedenfalls braucht heute kein Mensch mehr diese Idioten, und wenn die Kohle stimmt, wer fragt da noch nach dem Grundgesetz? Schäuble? Machen Sie sich nicht lächerlich! Wir sind hier als realpolitische Einheit aufgestellt, also das, was der Cybermarsch von der Reichsgebärmutter nicht getrötet kriegt, und die Sicherheitspolitik ist… –

Wenn wir jetzt auch noch Wilmersdorf absperren, dann müsste Tempelhof… Nee, das ist zu kompliziert. Das kriegen wir auch logistisch nicht hin, schon von der Verhältnismäßigkeit, weil das ja kein Gefahrenbereich ist, und dann erzählt uns die Verwaltung hinterher wieder, dass das gar nicht hätte abgesperrt werden dürfen, wir haben ja gar keine unklare Sicherheitslage im Bereich Schmargendorf, deshalb könnten wir eigentlich nicht einmal stichprobenartige Kontrollen bei den Passanten durchführen, und wenn wir dann den einen oder anderen… Gut, wir sperren erstmal Tempelhof und Wilmersdorf, und dann sehen wir mal weiter.

Das sorgt schon für Unruhe, schließlich fühlt sich dann ein Teil der Bevölkerung als Störer und eskaliert vielleicht in die falsche Richtung? Wir haben ja keinen Bankraub, genau genommen liegt nicht einmal der Verdacht einer Straftat vor, da können wir jetzt keine Straßensperren in Mitte aufziehen, sonst wird uns die Polizeiführung wieder die Verhältnismäßigkeit der Lage erklären, wenn der Eingriffscharakter unserer Sperren oberhalb der einfachen Kontrollen liegen sollte, aber wir hatten ja auch nicht vor, die Anwohner direkt in ihren Wohnungen, beziehungsweise dann aus ihren Wohnungen heraus, aber das ist dann schon wieder ein anderes Problem. Das ist mit einer gründlichen Durchsuchung von Mitte nicht getan, da müssen Sie vermutlich gleich Friedrichshain-Kreuzberg mit abriegeln, und dann haben wir wieder das Problem, dass wir sehr viele Auswärtige mit drin haben, aber das kann Ihnen woanders auch passieren, insofern sehe ich das nicht als Problem. Also nicht in Bezug auf die Sicherheit. Rechtlich ist mir das egal.

Natürlich müssen wir auch präventiv tätig werden können. Oftmals ist es ja so, dass Sie eine Straße erst nach dem Unfall absperren – hätten Sie die früher abgesperrt, der Unfall wäre gar nicht erst passiert! Da denkt aber keiner dran, und wir müssen das dann ausbaden! Wenn da jemand flüchtig sein sollte, man muss ja immer mit allem rechnen, dann setzt der sich doch in Richtung Reinickendorf ab, und ehe wir hier in der Störungsstelle reagieren können, haben wir einen mutmaßlichen Straftäter, der den Behörden wahrscheinlich vorher schon bekannt gewesen sein dürfte, aber das sage ich ja immer: wenn man die Bürger zu gut überwacht, dann gibt es immer Straftäter, die einem schon vor der Tat bekannt waren, und dann sagen alle, wir machen unseren Job nicht ordentlich. Aus dem Dilemma kommen Sie erstmal wieder raus!

Pankow können Sie vergessen. Da soll’s in den letzten Jahren mal eine Demo gegeben haben, die Kollegen können Ihnen da Genaueres sagen, wir riskieren jedenfalls nichts. Kontrollen wären schon machbar, wir führen die auch durch, das heißt: wir lassen die durchführen. Wenn es doch vereinzelt zu Straftaten kommen sollte, rein theoretisch, dann ist das sicherer, und wir müssen nicht hinterher sagen, wir hätten es vorher kommen sehen. Man könnte beispielsweise die Infrastruktur abschalten, alle Ampeln auf Rot, dann stehen da ein paar Tausend Fußgänger, die lassen sich leichter kontrollieren als in Bewegung, und man könnte Verkehrspolizisten in den Bezirk senden, vielleicht als SEK getarnt, dann merken die Anwohner nicht sofort, worum es bei dem Einsatz geht. Das bedeutet automatisch mehr Rechtssicherheit für die Leute, die irgendwie nachweisen können, dass sie als Straftäter nicht in Frage gekommen wären, und dadurch natürlich auch eine vergrößerte Freiheit, die man als Bürger auch erstmal aushalten können muss. Das dürfen Sie nie vergessen, der Bürger gewöhnt sich daran, und dann müssen wir als Störungsstelle unter den gegebenen Umständen verhältnismäßig reagieren. Das ist auch so eine Sache, an die niemand denkt, und wir müssen mit der Entwicklung… –

Ein illegaler Download? In Friedrichsfelde? Bleiben Sie, wo Sie sind! Wir sperren zur Vorsicht Brandenburg!“





Gotteslohn

5 04 2017

„Keine Kirchenglocken mehr!“ „Aber dann auch kein Ostern.“ „Wieso?“ „Die Eier können nichts dafür.“ „Aber die sind doch religiös?“ „Nein, das ist so eine Überformung heidnischer Inhalte durch einen kultischen Brauch.“ „Wieso?“ „Das ist eben so!“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Jetzt regen Sie sich mal nicht auf. Noch hat die Bundesregierung das nicht zur Chefsache erklärt.“

„Und wir sind echt ermächtigt, eine komplette Säkularisierung für die Bundesrepublik zu machen? so richtig mit Bundesgesetz, Verfassungsänderung und allem Schnick und Schnack?“ „Jetzt warten Sie doch mal ab, vielleicht ist das auch wieder nur so ein rechtspopulistischer Scheiß.“ „Wieso soll denn der Seehofer eine Trennung von Staat und Kirche fordern?“ „Leuchtet mir auch nicht ein.“ „Vielleicht will er bei den Protestanten Präsident werden?“ „Die haben von Gauck genug.“ „Vielleicht könnte man bei dem ansetzen: keine öffentlichen Gebete, schon gar nicht im Fernsehen.“ „Und der Papst?“ „Der ist ja kein Staatsoberhaupt.“ „Wieso?“ „Der Vatikan gehört nicht zur EU.“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Jedenfalls keine ausufernden Darstellungen mehr in den Medien, das ist nicht gut für die neutrale Haltung des Staates, und dann müssen wir die humanistische Tradition immer beachten.“ „Wie denn das?“ „Er wollte Kants Geburtstag zum Nationalfeiertag machen.“ „Ist nicht wahr!“ „Doch, wollte ich.“ „Wegen der Aufklärung?“ „Nö, aber irgendwann wollen die Leute halt auch mal unter der Woche ausschlafen.“

„Man müsste den Leuten mehr Vorschriften machen.“ „Weil sie von denen nicht genug haben?“ „Alle mögen Regeln.“ „Die von der Kirche ganz besonders, sonst wären sie ja nicht in der Kirche.“ „Das ist jetzt religionsfeindlich.“ „Kritisch.“ „Das ist feindlich!“ „Kritisch!“ „Ist das nicht dasselbe?“ „Kommt darauf an, was man kritisiert.“ „Und bei Religionen, ist das nicht automatisch dasselbe?“ „Kommt darauf an, ob Sie kritisieren oder kritisiert werden.“ „Aber mit den Religionen an sich ist das zu vereinbaren, oder?“

„So ein Kirchenregister…“ „Gibt es längst, das wird seit Jahrhunderten gepflegt.“ „Nein, ich meine natürlich eine Kirchendatei, also für Mitglieder.“ „Und das bringt was?“ „Man weiß sofort, wie viele Mitglieder diese Religion hat.“ „Man weiß auch sofort, wo die wohnen.“ „Das ist natürlich ganz klar verfassungswidrig.“ „Wieso?“ „Weil es gegen den Datenschutz verstößt.“ „Wusste ich doch nicht!“ „Deshalb sage ich es ja.“ „Seit wann interessiert uns als Regierungspartei Datenschutz?“ „Im Prinzip ist das egal, aber wir brauchen halt vor der Wahl keine negative Publicity.“ „Auch wieder wahr.“ „Wie wär’s mit einem Kirchen-Ranking?“ „Mit was!?“ „Man hat alle Kirchen in einer Datei, aber sie dient halt offiziell nur zum…“ „Was für ein Quatsch!“ „Eben!“ „Die Mitglieder!“ „Aber das ist doch verboten?“ „Können Sie gerade mal eben den Aschenbecher vom Tisch nehmen, bevor ich einen Wutanfall kriege?“ „Wieso?“

„Auflagen!“ „Was denn für Auflagen?“ „Alles vorher unter Auflagen genehmigen lassen. Taufe, Gottesdienst, Kirchweih. Natürlich kostenpflichtig und mit langer Vorlaufzeit.“ „Und was soll das bringen?“ „Leuchtet mir auch nicht so ein.“ „Die sollen sich nicht wohlfühlen hier, wir brauchen die subtilen Ausgrenzungsmechanismen.“ „Und das ist verfassungsrechtlich okay?“ „Schauen wir mal.“ „Ja, finde ich gut.“ „Wieso?“ „Weil wir damit nicht gegen das Grundgesetz verstoßen“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Am besten noch mit einem Katalog für Recht und Pflichten!“ „Sehr gut!“ „Wobei man dann schon unterscheiden müsste, ob es sich bei der Fastenzeit um ein Recht der Kirchenmitglieder handelt oder um eine Pflicht aus religiösen Gründen.“ „Was macht das für einen Unterschied?“ „Je mehr Pflichtverstöße man sieht, desto unangenehmer wird es für die Brüder.“ „Ja, finde ich gut. Das reduziert die Anzahl derer, die nicht direkt zu diesem Verein gehören.“ „Und wird die anschließenden verwaltungsrechtlichen Schritte sicher auch enorm straffen.“

„Durchleuchtung sämtlicher Führungskräfte!“ „Am besten schon vor Amtsantritt!“ „Oder gleich aller, die jemals eine Führungsposition bekleiden könnten! präventive Selektion und Überwachung!“ „Selbstverständlich auch aller Laien, mit denen er Kontakt aufgenommen haben könnte.“ „Klar, wenn schon Fahndung, dann aber richtig.“ „Keine Chance für die religiöse Indoktrination!“ „Verfolgung…“ „Aber sonst sind Sie noch ganz knusper, oder was!?“ „… aller Kommunikationswege, auch im Internet!“ „Ach so.“ „Keiner soll sich außerhalb der Kirchen radikalisieren!“ „Wieso?“ „Da fallen die Verfassungsschützer unangenehm auf.“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Strafsteuern und anlasslose Hausdurchsuchung!“ „Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft!“ „Terrorverdacht bei allen Konfirmanden in die Personenakte!“ „Wir haben doch gar keine Personenakte?“ „Dann wollen wir eben wieder welche!“ „Wieso? Aua!“ „Stellen Sie sofort den Kristallascher wieder auf den Tisch!“ „Ich meine, wir sollten…“ „Übrigens ist das gar nicht…“ „Reden Sie nicht ständig durcheinander!“ „Ich wollte bloß sagen, dass das hier keinen…“ „Bis zur Wahl werden wir fertig.“ „Wieso?“ „Was steht denn da in der Vorlage? Zeigen Sie mal her.“ „Islamgesetz.“





Weißblauhelme

4 04 2017

„… bewaffnete Ordnungshüter in den Münchener Trambahnen einsetzen wolle. Da die CSU in der bayerischen Landeshauptstadt von steigendem Bedarf an Sicherheitskräften ausgehe, müsse man schon jetzt erhebliche…“

„… vollkommen unsinnig sei. Die aktuelle Sicherheitslage biete für die Stadtverwaltung keinen Anlass zum…“

„… fühle sich die Bevölkerung nicht bedroht, da es im ÖPNV nur selten zu Straftaten komme. Die einzige Unzufriedenheit sei in Bezug auf die ständig steigenden Fahrpreise des…“

„… könne eine Ausrüstung mit Kurzwaffen nur der erste Schritt sein. Man müsse langfristig für jeden Bus der Münchener Verkehrsgesellschaft einen bis drei…“

„… dass eine Finanzierung der zusätzlichen Straßenbeleuchtung nicht mit den Plänen der CSU-Rathausfraktion vereinbar sei. Mit mangelhafter Ausleuchtung sei jedoch die flächendeckende Videoüberwachung der Innenstadt nicht mehr…“

„… die auch gegen mögliche Gefahren durch Fremde vorgehen wolle. Die MVG habe jedoch strikt abgelehnt, die Planung eigenverantwortlich für die Christsozialen…“

„… exponentiell explodierende Kriminalität der Hauptstadt eingedämmt werden müsse. Um die stetig steigenden Zahlen bei Delikten wie Einbruch und Steuerhinterziehung wieder auf ein normales Maß zu…“

„… offen getragene Schnellfeuergewehre einen wirksamen Schutz gegen Taschendiebe darstellen könnten. Notfalls müsse man auch im Vorfeld eines rein theoretischen Verdachtsfalles schon einen…“

„… dass das Reizgas sämtliche Passagiere einschließlich des Busfahrers betroffen habe. Die Verdächtige, eine 87-Jährige, die provokativ in fränkischem Dialekt auf die beiden…“

„… könne ein angemessenes subjektives Sicherheitsgefühl für bessere Umfragewerte sorgen, zumindest für die kommenden Kommunalwahlen in der…“

„… schnellstens abrüsten müsse. Das martialische Auftreten der Sicherheitskräfte habe dazu geführt, dass neben ihnen nur noch selten andere Fahrgäste in den…“

„… das Gewaltmonopol beim Staat bleiben müsse. Die CSU lehne dies allerdings vehement…“

„… teilweise die Fahrgäste schon im Wartehaus belästigt habe. Das Alkoholverbot sei von den meisten nicht durchsetzbar, unbayerisch und…“

„… den Kunden nur noch nach einer ausführlichen Sicherheitsüberprüfung Zutritt zu den Bussen gewähren wolle. Problematisch sei dies für Berufspendler, die sich wegen des Andrangs bereits am Abend vor Fahrtantritt in die betreffende…“

„… dass Panzerabwehrwaffen aus Platzgründen nicht in den Straßenbahnzügen transportiert werden könnten. Angesichts der kontinuierlich wachsenden Terrorgefahr in Sendling und Trudering-Riem müsse allerdings eine bedingungslose Abwehr auch im Stadtgebiet weiterhin für…“

„… eine öffentlich-private Partnerschaft zur Verwaltung der Weißblauhelme schließen wolle. Die Polizei sei laut CSU nicht in der Lage, ausreichend Personal für eine vollständige…“

„… möglichst schwere Waffen tragen sollten. Bei Pistolen bestehe immer noch die Gefahr, dass sie von potenziellen Straftätern entwendet oder gegen die Wachmannschaft…“

„… Langzeitarbeitslose eine Chance erhielten, da zahlreiche Sicherheitsfachkräfte für den Aufbau der Schutztruppe…“

„… situationsflexibel die Quote der Wachleute zu erhöhen. Während des Oktoberfestes könne dies jedoch zu Transportengpässen führen, da dann mindestens hundertzwanzig Prozent der Plätze in den Verkehrsmitteln mit Waffen ausgestattetes…“

„… zu einem großen Andrang gekommen sei, der das Zehnfache der benötigten Personalstärke ausgemacht habe. In Kooperation mit dem Freistaat Sachsen wolle Bayern nun sämtliche abgelehnten Bewerber, die nicht als Hilfspolizisten in der…“

„… die Videoüberwachung einzelner Sitzplätze in den Bussen für eine Wahnvorstellung halte. Sie sei weder technisch machbar noch für eine…“

„… für eine ‚linkslinke Schwuchtelrotte‘ halte, die ‚mit Sicherheit von den Salafisten bezahlt werde‘, um ‚das christliche Bayern auszulöschen‘. Der Polizeipräsident weise die Anschuldigungen auf das Schärfste zurück, er habe bereits rechtliche Schritte gegen die christsoziale Fraktion im…“

„… bis Bogenhausen gefahren sei. Er habe bereits wegen seiner Hautfarbe verdächtig gewirkt, die spätere Obduktion habe jedoch keine Hinweise auf einen…“

„… könne aber keine Rücksicht mehr auf die Verfassungskonformität der Planungen nehmen. Die Christsozialen hätten den Einsatz mehrerer Nacktscanner am Münchener Hauptbahnhof vertraglich bereits vollständig unter…“

„… nicht gewusst habe, dass der ständige Anblick schwer bewaffneter Sicherheitskräfte die Münchener noch unsicherer machen würde. Da das subjektive Sicherheitsgefühl sich messbar nach unten bewege, habe die CSU empfohlen, die Anzahl der bewaffneten Wachleute nochmals zu…“





Hamburger Modell

28 03 2017

„… mit einem Küchenmesser schwer verletzt habe. Mutmaßungen auf ein terroristisches Motiv seien zur Stunde jedoch noch nicht in den…“

„… gemeldet worden sei, dass sich der Islamische Staat bereits zum Attentat bekannt habe. Allerdings seien in den sozialen Medien drei unterschiedliche Fotos von jeweils nicht aus…“

„… sich der Verletzte bereits auf dem Wege der Besserung befinde. Er sei zwar vernehmungsfähig, wolle aber keine Angaben zum…“

„… die Abgabe von Küchenmessern an Gefährder nicht gesetzlich geregelt sei. Der Täter sei zwar polizeilich bekannt gewesen sein, habe aber zuvor noch keinen Anschlag mit einem…“

„… keine Verständigungsschwierigkeiten gebe. Der mutmaßliche Täter spreche fließend Deutsch, was einerseits für eine gelungene Integration in…“

„… zwei Zeugen syrisches Arabisch, zwei andere Zeugen Englisch, eine weitere Zeugin akzentfreies Tscherkessisch gehört haben wollten. Dies sei von den Vernehmungsbeamten so nicht…“

„… das Tatwerkzeug einer Analyse im rechtsmedizinischen Institut zufolge vorher für Gemüseputzarbeiten verwendet worden sei. Dies werfe ein kritisches Licht auf die Sicherheitslage, da unter diesen Umständen nicht nur der Erwerb, sondern bereits der Besitz von Haushaltswaren eine erhebliche Bedrohung für den…“

„… es bisher nur Videoüberwachung ohne Tonaufzeichnung gebe. Möglicherweise habe der Täter seine Deutschkenntnisse nur vorgetäuscht, um näher an den…“

„… und nicht der Wahrheit entspreche. Das Bundeskriminalamt habe in den vergangenen Jahren keine Statistik über Delikte mit der Tatwaffe Küchenmesser geführt, könne keine Korrelation mit Tätern mit Migrationshintergrund herstellen und weise die Behauptungen der AfD-Vorsitzenden entschieden…“

„… eine Ausbildung als Metallfacharbeiter in einem ortsansässigen Betrieb abgeschlossen und danach fast zehn Jahre dort gearbeitet habe. Die Kollegen hätten keine Form von Radikalisierung bemerkt und ihn als eher unauffälligen…“

„… noch nicht hinreichend geklärt sei. Da der Täter selbst aus Eimsbüttel stamme, könne man möglicherweise nicht von einem Migranten oder einer Person mit…“

„… als ersten Ansatzpunkt sehe, dass der Täter zwar regelmäßig Sportveranstaltungen besucht, aber nie Alkohol getrunken habe. Dies sei für die Fahnder eine der Unregelmäßigkeiten, die einen besonderen Tätertypus vom…“

„… sich Opfer und Täter schon einmal begegnet seien. Beide hätten weniger als einen Kilometer voneinander entfernt gewohnt, was eine zufällige Begegnung am Hauptbahnhof so gut wie…“

„… auf dem Tatwerkzeug auch DNA-Spuren einer bisher nicht identifizierten Frau gefunden hätten. Ein Zusammenhang mit dem NSU könne zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigt noch…“

„… auch in Eimsbüttel geboren, wobei die Eltern des Attentäters aus Wandsbek stammen sollten. Ein Einwanderungshintergrund im engeren Sinne ist bei ihnen jedenfalls nicht zu…“

„… es sich beim Verletzten um einen Bürger aus einem der ehemaligen GUS-Staaten handle, der seit mehreren Jahren geduldet werde. Er sei wegen einiger Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz mehrfach in…“

„… gebe es keine Polizeistatistik, dass Lokstedt als No-go-Area geführt werde. Da der Bürger im Vorfeld seiner Tat keine Gesetzesverstöße begangen habe, müsse man eventuell…“

„… habe den Täter eindeutig als deutschen Staatsangehörigen identifiziert. Er sei Brillenträger, dies habe aber bisher bei ähnlich gelagerten Taten keinen kausalen…“

„… eine hohe Bevölkerungsdichte aufweise. Den Bezirk abzusperren oder zum Gefahrengebiet zu erklären sei im Falle eines deutschen Gefährders nur möglich gewesen, wenn es sich um linke oder mit Sachbeschädigung verbundene…“

„… nicht um eine illegale Waffe im Sinne des Waffengesetzes handle. Deshalb könne eine polizeiliche Durchsuchung zur Prävention nicht ohne richterlichen…“

„… juristisch nur schwierig durchzusetzen sei. Wer bisher mit dem Gesetz noch nie in Konflikt gekommen sei, dürfe nicht automatisch als mutmaßlicher Terrorist oder…“

„… Bücher über vegetarische Ernährung und Wandern im Schwarzwald sichergestellt worden seien. Die Polizei könne einen Zusammenhang mit der Tat zumindest beim jetzigen Stand der…“

„… zwar als Protestant bekannt gewesen sei, aber nur ein- bis zweimal im Jahr eine Kirche besucht habe. Fraglich sei, ob er sich selbstständig im Internet mit fundamentalistischen…“

„… sich schon vor der Tat unsicher gefühlt habe. Sie kenne den Täter zwar nicht, sei ihm auch nie begegnet, habe aber zur Vorsicht Angaben bei der Polizei gemacht, um die Ermittlungen…“

„… könne man dem mutmaßlichen Täter nicht nachweisen, dass er sich vor den Messerstichen bewusst habe provozieren lassen. Die Videoaufzeichnungen seien an dieser Stelle zu…“

„… nur durch konsequente Abschiebung von Flüchtlingen und eine Obergrenze eingedämmt werden könne. Die Zerstörung Deutschlands durch fremdländische Personen sehe man gerade an solchen…“





Anlasslos

21 03 2017

„Guten Tag.“ „Äh…“ „Sie wissen, warum ich Sie anhalte?“ „Nein.“ „Schade.“ „Aber…“ „Ich hatte gehofft, Sie könnten mir einen Grund nennen.“

„Sie winken hier einfach so Fahrer raus, ohne einen Grund zu haben!?“ „Natürlich nicht.“ „Na also, ich dachte schon, Sie würden sich über mich lustig machen.“ „Aber keinesfalls!“ „Dann bin ich ja beruhigt.“ „Sehen Sie?“ „Und welchen Grund haben Sie?“ „Der Bundesinnenminister.“ „Was?“ „Das ist jedenfalls das, was ich Ihnen sagen kann.“ „Der Bundesinnenminister ist der Grund, warum Sie mich hier rauswinken? Wie soll ich das denn bitte verstehen?“ „Sie müssen gar nichts verstehen, das hat keiner von Ihnen verlangt.“ „Wie bitte!?“ „Jedenfalls ist mir bisher noch nie zu Ohren gekommen, dass der Bundesminister erwartet hätte, dass irgendjemand das versteht, was er da von sich gibt.“ „Aber…“ „Das ist aber insofern auch gut, weil sowieso keiner versteht, was der Mann will.“ „Und darum halten Sie mich an?“ „Unter anderem.“ „Was heißt das: unter anderem?“ „Ich kann Ihnen das auch nicht so genau sagen.“ „Lassen Sie mich raten: ein Teil Ihrer Antworten könnte mich verunsichern?“ „Nein, der Bundesinnenminister muss wohl der Ansicht gewesen sein, dass ich von einem Teil seiner Gründe verunsichert werden könnte, deshalb hat er sie mir vorsichtshalber gar nicht erst genannt.“

„Sie winken mich heraus, weil Sie nicht wissen, was das soll?“ „Nein, nur anlasslos.“ „Das ist doch wieder Wortklauberei.“ „Ja, aber rechtsstaatlich ist das durchaus möglich.“ „Dass Sie mich hier rauswinken?“ „Zumindest die Wortklauberei.“ „Und Sie winken mich einfach so raus, labern mir einen Blumenkohl ans Ohr und lassen mich dann weiterfahren?“ „Nein, ich brauche schon gewisse Anhaltspunkte, um eine anlasslose Kontrolle an Ihrem Fahrzeug durchzuführen.“ „Zum Beispiel welche?“ „Dass kein Anlass besteht.“ „Wozu?“ „Na zu einer Kontrolle. Ist doch logisch, wenn nämlich ein Anlass bestehen würde, dann wäre es ja schlecht eine anlasslose Kontrolle.“ „Hä?“ „Sehen Sie, jetzt sind Sie auch mit der Situation überfordert.“ „Wie Sie?“ „Das habe ich damit nicht sagen wollen.“ „Aber Sie haben es gesagt.“ „Aber nicht gewollt!“ „Egal.“ „Sie machen mich verantwortlich dafür, dass ich hier nur meinen Job erledige?“ „Jetzt fängt die Leier an!“ „Ich kann doch nichts dafür – Sie haben dieser Regierung gewählt!“ „Habe ich nicht.“ „Dann müssen Sie sich in einer Demokratie nun mal damit abfinden, dass sie rechtmäßig im Amt ist und die Sicherheit in Deutschland anlasslos sicherstellt.“ „Was ist das denn für eine bescheuerte Formulierung?“ „Von mir kommt die nicht. Sie wählen wahrscheinlich die falschen Leute.“

„Also jetzt noch mal Klartext.“ „Gerne! Ich bin immer für Sie da, solange Sie die Hände auf dem Lenkrad haben und keine leichtfertigen Bewegungen machen.“ „Und Sie haben natürlich keinerlei Anlass, um mich hier festzuhalten.“ „Nein, sonst hätte ich Sie nicht festhalten dürfen.“ „Das heißt, Sie halten mich fest, weil sie genau wissen, dass ich nichts gemacht habe?“ „So einfach dürfen Sie das nun auch wieder nicht sehen. Man muss schon bedenken, dass man mit einer anlasslosen Inhaftierung sehr gute Ergebnisse erzielen kann.“ „Aha, ich bin also schon verhaftet?“ „Natürlich nicht! Ich kann Sie doch nicht anlasslos verhaften, schließlich leben wir in einem Rechtsstaat.“ „Von dem in der Vorstellung des Bundesinnenministers nicht besonders viel übriggeblieben ist.“ „Sie sind aber empfindlich!“ „Sie werden lachen, es besteht auch jeder Anlass dazu.“

„Sie werden doch sicher Verständnis haben, dass wir auf die Sicherheit achten müssen.“ „Sehe ich etwa aus wie ein Bankräuber?“ „Sie sehen nicht aus wie ein Terrorist.“ „Bitte, was?“ „Sie sehen für mich nicht wie ein Terrorist aus, deshalb habe ich Sie herausgewunken.“ „Sind Sie noch ganz dicht!?“ „Im Zuge der Schleierfahndung müssen wir vor allem Schlepper und Terroristen ins Visier nehmen. Die bedrohen uns, sagt der Bundesinnenminister.“ „Und ich sehe aus wie ein Schlepper, wie?“ „Ach wo, in Ihren Kleinwagen passt ja nur ein Beifahrer, und der Kofferraum ist auch zu klein.“ „Also kein Schlepper.“ „Definitiv nicht. Deshalb habe ich Sie auch…“ „Und Terrorist bin ich zufällig auch keiner, oder wie ist das jetzt?“ „Selbstverständlich nicht, ich sage Ihnen doch: Sie sind absolut unverdächtig. Ich habe Sie kontrolliert, weil ich absolut keinen Anlass dazu sehe.“ „Wollen Sie mich verarschen?“ „Das müssen Sie den Bundesinnenminister fragen, ich mache die Regel nicht. Ich mache nur meinen Job.“ „Sie halten mich an, weil Sie nicht wissen, ob ich…“ „Nein, eben nicht: weil ich weiß, dass Sie kein Terrorist sind, deshalb halte ich Sie an.“ „Und das ist Ihr Job?“ „Sagen wir so, damit sichere ich meinen Job, vielmehr: ich sichere den Job des Bundesinnenministers.“ „Indem Sie mich anhalten und anlasslos kontrollieren?“ „Klar. Wenn wir alle kontrollieren, bei denen wir mit einiger Sicherheit annehmen können, dass sie ungefährlich sind, haben wir genug zu tun, das sichert unseren Job, die Öffentlichkeit fühlt sich auch sicher, weil jeder weiß, wir machen hier nur unseren Job, und wenn jemand tatsächlich…“ „Ach, rutschen Sie mir doch den Buckel runter!“ „Moment mal, Sie können doch jetzt nicht einfach… – Guten Tag! Sie wissen, warum ich Sie anhalte?“





Dunkelfeld

15 03 2017

„Im Prinzip haben Sie recht, aber so verwerflich ist unser Geschäftsmodell auch wieder nicht. Wir sind ja keine Rechtspopulisten, und links sind wir schon gleich gar nicht. Wir sind nicht mal in irgendeiner Polizeigewerkschaft. Wir haben einfach nur gerne Angst.

Genauer gesagt, wir haben es gerne, wenn die anderen Angst haben. Deshalb haben wir dieses Unternehmen ja auch gegründet. Die Menschen wollen Sicherheit, und wer bietet mehr Sicherheit als eine Versicherung? Da muss man natürlich erst einmal Angst machen, sonst entsteht kein messbar ansteigendes Bedürfnis nach Sicherheit – wir verstehen nicht viel von Politik, aber da verstehen wir uns schon ganz gut – und wenn die reale Gefahr sich als viel geringer herausstellt im Vergleich zur behaupteten dann steigt die subjektive Sicherheit analog zur tatsächlichen. Das können wir nicht zulassen.

Man nennt das Dunkelfeld. Die Straftaten, die normalerweise überhaupt nicht angezeigt werden, weil eine Aufklärung nicht erwünscht ist oder sogar noch mehr Probleme mit sich bringen könnte als die Straftat an und für sich. Da muss man als Bürger doch schlaflose Nächte haben? Ich jedenfalls hätte welche, wenn die Bürger da keine hätten. Es ist doch auch wirklich schlimm in unserem Land, vor allem in diesem Dunkelfeld, von dem keiner weiß, ob es so groß ist, wie wir uns das vorstellen. Ist das nicht erschreckend? Ja, großartig.

Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit der Wahrscheinlichkeit, dass Sexualdelikte größtenteils im verwandtschaftlichen Nahbereich begangen werden. Das weiß ich selbst. Aber wenn man schon mal die Möglichkeit hat, seine Kundschaft darauf hinzuweisen, dass es möglicherweise eine nicht abzuschätzende Zahl an Vergewaltigungen gibt, die von nicht näher bezeichneten Tätern verübt werden, dann muss man das auch tun. So ein Umsatz kommt nicht von alleine.

Unser Geschäftsmodell ist wirklich innovativ. Wir arbeiten mit den Vorstellungen der Kunden, auch und gerade in deren Vorstellungen, was sich im Dunkelfeld tatsächlich abspielt. Sie nennen uns Ihr Verbrechen, und wir versichern Sie dagegen.

Natürlich setzen wir auf soziale Medien. Eine bessere Werbung kriegen Sie ohne Geld nicht auf die Beine gestellt. Es gibt gar nicht genug Straftaten für eine ordentliche Hysterie, da muss man auf die medialen Multiplikatoren zurückgreifen. Sie sehen ständig die Bilder von irgendeinem Autodiebstahl, bei dem noch nicht mal geklärt ist, wer der Täter ist oder ob es sich tatsächlich um einen Autodiebstahl handelt, und sie nehmen die Bilder immer wieder neu wahr, bis Sie irgendwann davon überzeugt sind, dass es sich um einen neuen Autodiebstahl handelt. Das ist das Schöne an der medialen Vervielfachung, man lässt sie einfach für sich arbeiten und freut sich, wenn man die Kontrolle über sie verliert. Und wenn Sie jetzt noch bedenken, dass ein Großteil der Straftaten Delikte wie juristisch umstrittener Gebrauch von weichen Drogen, Schwarzfahren und Ladendiebstahl sind, dann haben die sozialen Medien endgültig gewonnen. Stellen Sie sich mal vor, Sie steigen morgens in die Tram, sind Sie ganz sicher, dass da niemand ohne Fahrschein mitfährt? Vor solchen Straftaten ist kein Bürger sicher, da werden Sie schneller Opfer, als Sie gucken!

Es gibt auch Versicherungsbetrug. Wenn da ein deutsches Mädel von bösen Flüchtlingen entführt wurde, was nur den Schönheitsfehler hat, dass es weder die Flüchtlinge noch die Entführung gab, dann geht das zu unseren Lasten. Es schadet uns schon langfristig, denn stellen Sie sich mal vor: eine Gesellschaft, in der alle Bürger Vertrauen in den Staat und die Menschen haben. Grauenhaft!

Stellen Sie sich das nicht zu einfach vor. Die Kriminalität sinkt beständig, es gibt immer weniger Gewaltdelikte, andere Versicherungen verlangen nicht einmal mehr eine Strafanzeige, wenn Sie den Schaden aus einem verwüsteten Vorgarten melden. Wir versinken im Chaos! Und alles nur, weil wir unbedingt eine Frau als Kanzlerin haben wollten! Zum Glück haben wir die Fernsehkrimis, in denen jeden Tag mehr Morde stattfinden als in hundert Kilometern Umkreis. Das wirkt, glauben Sie mir. Wir sind inzwischen so weit, dass die jungen Leute wieder Angst haben. Doch, die Jungen haben Angst, richtige Lebensangst, Zukunftsangst, Angst vor dem Jobverlust, Rentenkürzungen, Altersarmut, alle diese schönen Schreckgespenster, gegen die wir uns nichts zur Wehr setzen können, weil wir verpasst haben, sie rechtzeitig zu bekämpfen. Dagegen kriegen Sie natürlich auch keine Versicherung, das ist das Gute – also bieten wir ihnen Verbrechen an, Flüchtlinge, Islamisierung, also alles, wogegen man sich versichern lassen kann. Von uns. Diese Leute sind unsere besten Markenbotschafter. Die meisten Straftaten passieren zu Hause, im geschützten Bereich, und wo verkriechen die sich? In der eigenen Wohnung. Alles richtig gemacht!

Nennen Sie es subjektive Risiken, meinetwegen auch alternative Gefahrenwahrnehmung. Darauf basiert unser Geschäftsmodell. Was unsere Kunden in ihrem ganz persönlichen Lebensbereich als bedrohlich empfinden, das können sie gegen einen entsprechenden Betrag von uns… – Autofahren? Sind Sie noch ganz dicht? das versichern wir nicht. Viel zu gefährlich!“