Ja, mir san mit’m Radl da

12 04 2012

„… die Motorhaube des Geländewagens zerkratzt worden sein. Der Landtagsabgeordnete Franz Xaver Pschirlgoiserer (49) war auf dem Weg zu seiner Jagdhütte, als die Radfahrerinnen die mutmaßlich vorsätzlich begangene Sachbeschädigung…“

„… komme es laut Ramsauer immer mehr zu schwersten Rechtsverstößen durch Radfahrer. Der Bundesverkehrsminister sagte, im vergangenen Jahr habe die Zahl der Verkehrstoten eine…“

„… habe es laut Statistik vor allem Unfälle mit tödlichem Ausgang gegeben, wo Radfahrer den Schwerlastverkehr gestört hätten. Für den Aufschwung müsse man jedoch jede Straße, die von Lkw benutzt werden könne, automatisch für Zweiräder sperren, da sonst der Warenverkehr…“

„… nicht geklärt, ob es sich um Unfallflucht seitens der beiden Verkehrsverbrecherinnen gehandelt habe, doch ist sicher, dass diese für eine erkennungsdienstliche Behandlung nach ihrer Straftat nicht zur Verfügung gestanden…“

„… forderte Friedrich eine Klarnamenspflicht für Radfahrer. Anonymisierter Zweiradverkehr leiste dem Chaos auf deutschen Straßen Vorschub und mache die Fahrbahnen zum rechtsfreien…“

„… sei es laut Bundesverkehrsministerium zwar korrekt, dass die überwiegende Mehrzahl der Radfahrer zugleich einen Pkw-Führerschein besäßen, doch könne man dies als eine zufällige…“

„… um zwei Schwestern, die jedoch bis zur Straftat zum Nachteil des Landtagsabgeordneten Franz Xaver Pschirlgoiserer (CSU) nicht polizeilich in Erscheinung…“

„… unterstützte Wirtschaftsminister Rösler den Vorstoß seines Kollegen. Radfahrer seien im Prinzip nur Tankverweigerer und Schädlinge der deutschen Automobilbranche, die die Spritkosten der Leistungsträger in ihren Oberklasselimousinen durch dekadenten Konsumverzicht künstlich in…“

„… mehrere mit bloßem Auge sichtbare Kratzer an Stoßfänger und Nummernschild des Vierrad-Fahrzeugs, das der in seinem Landkreis beliebte Politiker in einer Metalliclackierung…“

„… fördere das Sozialministerium den Zweiradverkehr. Von der Leyen betonte, dass durch konsequentes Ausdünnen des Prekariats bei tödlichen Verkehrsunfälle langfristig mehr Jobs im Niedriglohnsektor an die…“

„…eine Absicherung der Radwege, z. B. durch Lichtzeichenanlagen, unverhältnismäßig teuer wäre. Nur durch die Privatisierung der Radwege in Berlin könne der Senat sicherstellen, dass auf Dauer ein kostendeckendes…“

„… habe Pschirlgoiserer die beiden Fahrerinnen nicht rechtzeitig gesehen. Unklar ist, ob ein Defekt der Lichtmaschine oder ein Fahrfehler dazu geführt hätten, dass der CSU-Parlamentarier ohne Licht in die am Hang gelegene scharfe Rechtskurve…“

„… nehme die Anzahl der getöteten Radler ab. Dies sei, so Schünemann, ein Warnzeichen, das die Gefährlichkeit der Zweiradfahrer unterstreiche und nur den Schluss zulasse, dass in Wirklichkeit die Zahl der getöteten Radler zunehme und…“

„… könne zur Stunde noch nicht abschließend beurteilt werden, ob überhöhte Geschwindigkeit den Unfall des Abgeordneten…“

„… stelle das Statistische Bundesamt im Gegensatz zu Ramsauer eine Steigerung der tödlich verlaufenden Verkehrsunfälle fest, jedoch ebenso eine um zehn Prozent gesunkene Unfallbeteiligung von Radfahrern. Der Minister befand, da jeder verunfallte Autofahrer auch ein potenzieller Radfahrer sei, handele es sich tatsächlich um Zweiradfahrer, die beim Rasen und Drängeln die tödlichen Autounfälle…“

„… die beiden Töchter des ortsansässigen Tischlers Rudolf G. (32). Ob es sich um eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht handele, die Kinder nach Einbruch der Dunkelheit auf ihren Fahrrädern…“

„… sei das gesunkene Regelbewusstsein bei Radlern ein guter Weg, um die Kommunen zeitnah zu sanieren. Der Städtetag sei weit vorangeschritten bei der Planung, das Fahren mit nicht der Vorschrift entsprechenden Helmen hart zu sanktionieren, wodurch sich ein Schuldenabbau innerhalb von…“

„… dass die Polizei inzwischen vollkommen überfordert sei. Die Aufklärung mehrerer Morde im Landkreis Goslar könne erst im Herbst nächsten Jahres weitergeführt werden, da sich keiner der Verkehrsteilnehmer mehr an Beleuchtungspflicht oder das Mitführen von Flickzeug und…“

„… ebenso festzuhalten, dass die um zehn Prozent gesunkene Zahl der verunfallten Radfahrer sich aus Verkehrsteilnehmern zusammensetze, die in Wahrheit ebenso Autofahrer und Fußgänger seien. Ramsauer vertrat die Ansicht, die nicht verunfallten Radfahrer seien tatsächlich nicht verunglückte Autofahrer, wodurch die im Gegensatz zu ihnen zu Schaden gekommenen Verkehrsteilnehmer nur Radfahrer sein könnten oder aber Fußgänger, die aber logischerweise auch auf dem Rad…“

„… seien Dora G. (4) und ihre Schwester Klara (3) von dem SUV frontal erfasst und mehrere Meter weit durch die Luft…“

„… sich eine allgemeine Helmpflicht nicht durchsetzen lasse. Zwar werbe Uhl dafür, den Kopfschutz auch unter der Dusche und im Bett zu tragen, es müsse aber erst geklärt werden, welcher Hersteller der Regierung ein Angebot…“

„… sollen sich die Kinder zur Zeit des Tathergangs auf dem elterlichen Grundstück befunden haben. Der Geländewagen habe mit mehr als 120 Stundenkilometern die abschüssige…“

„… nach dem Gutachten des Justizministeriums ein Hauptgrund für Radfahrerunfälle noch immer rechts abbiegende Lkw seien. Einer Spiegelpflicht für Laster erteilte Ramsauer eine klare Absage, sie sei ein sozialistische Bevormundung aller freien…“

„… in den Resten der steinernen Einfassung einzelne Spuren eines Kinderrades identifiziert. Pschirlgoiserer habe keine Erinnerungen mehr an den Unfall. Er war noch in der Nacht wieder nach München…“

„… sich Ramsauer nicht mehr zu Fragen des Zweiradverkehrs in Deutschland äußern wolle. Auf einer Wahlkampfveranstaltung griff er die Piraten scharf an, da die Internetpartei sich noch nicht zu einer nationalen Streusalzreserve positioniert…“

„… mit etwa vier Promille Blutalkohol. Bis auf Weiteres sei das Opfer des schweren Unfalls zur Erholung wieder in die Entzugsklinik am…“





Taube Ohren

11 01 2012

„… dass die Verkehrssicherheit der Deutschen maßgeblich abhänge von der Benutzung von Kopfhörern im Straßenverkehr. Ramsauer unterstrich, dass die Zahl der Verkehrstoten im vergangenen Jahr um ein Viertel zugenommen…“

„… sich der Seniorenschutzbund über das geringe Interesse an Autounfällen beklagte. Immer mehr Autofahrer über 80 seien als Unfallbeteiligte mit den schwersten Folgen zu…“

„… dass gerade die neuen Bundesländer von der Entwicklung betroffen seien. Schon seit 1979 sei den Christdemokraten die aus dem Osten stammende Neigung zu tragbarer Musik…“

„… regte Bundesfinanzminister Schäuble an, die Geräte zu legalisieren, wenn im Gegenzug eine Steuer auf…“

„… keinen stichhaltigen Beweis. Die Untersuchung der Verkehrstoten habe ergeben, dass die Personen im Verlauf des letzten Jahrzehnts kontinuierlich jünger geworden seien, so dass es…“

„… müsse ein Leistungsschutzrecht auf mobil abgespielte Musik…“

„… zwar korrekt, dass Ramsauer ebenfalls im Jahr 2009 den kontinuierlichen Rückgang der Opfer gewürdigt habe. Dies jedoch sei erst kurz nach der Wahl der aktuellen Bundesregierung geschehen und daher unter einem ganz anderen Blickwinkel zu…“

„… könne eine Steigerung der Unfallgefährlichkeit schon deshalb noch nicht als gesichert gelten, da auch die Anzahl der Verkehrsunfälle ohne Beteiligung von Fußgängern seit 2005 zugenommen habe. Kanzleramtsminister Pofalla wertete dies als defätistische Propaganda gegen die Vorsitzende der CDU, die in ihrem…“

„… sich die von RTL II geplante Sendung Tatort Straßenverkehr nicht realisieren ließe. Es fehle nicht nur an einer strafrechtlichen Grundlage, auch sei der moraltheologische Ansatz für die Ex-Minister-Gattin nicht hinreichend…“

„… als positiven Trend sehen. Je mehr Senioren durch Verkehrsunfälle aus dem Rentenbezug fielen, desto stärker sei die Entlastung der Kassen in…“

„… nicht gelten ließ, dass nur 0,00075% der Bundesbürger bei Verkehrsunfällen tödlich verunglückten. Auch Terroranschläge habe es in den vergangenen Jahren so gut wie nie gegeben, dennoch sei die Gefahr, durch Terroranschläge zu sterben, gar nicht hoch genug…“

„… die Unfallopfer zwar ausschließlich Fußgänger gewesen seien, diese jedoch nicht alle nachweislich einen Kopfhörer bei sich getragen hätten. Die Mutmaßung der CSU-Landesgruppe, jugendlichen Menschen außerhalb des Freistaates sei generell alles zuzutrauen, könne weder als gerichtsfest noch als eine…“

„… schlug Westerwelle vor, Ein-Euro-Jobber als Hilfspolizisten für die Ergreifung von Kopfhörerverwendern im Straßenverkehr…“

„… könne laut Innenminister Friedrich nur eine sofortige Vorratsdatenspeicherung…“

„… ein generelles Tempolimit dagegen völlig kontraproduktiv. Nur Höchstgeschwindigkeit sei laut ADAC eine Garantie, dass sich Unfälle mit Kopfhörern genauso häufig ereigneten wie ohne…“

„… warnte Mißfelder vor voreiligen Schlüssen. Nicht der Einsatz der Ohrstöpsel sei die relevante Unfallursache, vielfach sei es die Verrohung der deutschen Jugend durch unpassenden Musikgenuss. Der Bundesvorsitzender der Jungen Union riet zu rein arischer Hörertüchtigung, die mit Richard Wagner oder Bushido zu…“

„… lasse der TÜV die Anregung Aigners prüfen, Fußgänger ab sofort nur noch mit Begleitperson auf die Straße zu lassen. Der Gedanke, Passanten mit einem Sicherheitsgurt zu versehen, wurde jedoch als zu kostenintensiv…“

„… habe Friedrich sichere Beweise, dass die Musikabspielgeräte als Kommunikationsinstrument fremdländischer Nachrichtendienste genutzt…“

„… gebe es sichere Anzeichen für die Verwendung von Kopfhörern im Straßenverkehr vor der Jahrtausendwende. Ramsauer schlug vor, zunächst ein grundsätzliches Verbot gesetzlich zu regeln und danach zu erforschen, seit wann die…“

„… dass 4.000 Tote pro Jahr eine alarmierende Zahl darstellten. Sollte sich der Trend verfestigen, so kündigte Sarrazin bereits in weniger als 600.000 Jahren ein völliges Aussterben der Deutschen…“

„… ein Nummernschild für Fußgänger nur dann sinnvoll, wenn es durch Überwachungskameras und elektronisch lesbare Funkchips zu…“

„… erst das Verbot von Kopfhörern. Es sei jedoch vorgesehen, Ausnahmegenehmigungen zu erteilen, die gegen eine großzügige Spende von der Partei jederzeit eine Genehmigung zum…“

„… durch die CSU-Landesgruppe. Solange weniger Bürger durch Kopfhörer verunfallten als von nationalbewussten Jugendlichen verprügelt würden, sei noch kein Handlungsbedarf zu…“

„… schon das Tragen von Ohrhörern als Akt der undeutschen Gesinnung zu verfolgen sei. Friedrich nahm aber die V-Personen des Verfassungsschutzes ausdrücklich von dieser Regelung…“

„… dass der Anstieg der Verkehrstoten zwar erst eine Prognose sei, Ramsauers Forderungen jedoch weiterhin auch ohne statistische Grundlage für die Bundesregierung verbindlich…“





Mauthelden

24 11 2011

„… die Einführung einer Autobahnmaut unter der unionsgeführten Regierung ausgeschlossen. Merkel empfahl nur, die Anreize zum Klimaschutz als…“

„… lehnte auch Seehofer die Maut, wenigstens für Pkw, vorerst entschieden ab – was keinesfalls bedeuten dürfe, dass man eine Gebühr für Lkw…“

„… wollte Ramsauer ein vorzeitiges Ende der schwarz-gelben Koalition zwar nicht ausschließen, gab jedoch zu bedenken, dass mit einer schnell und unbürokratisch eingeführten Maut die…“

„…würde nach Aussage von FDP-Chef Rösler die Autobahnmaut nur dann gerecht sein, wenn sie automatisch zu Steuersenkungen führt, die dann durch die Maut wieder…“

„… eine Vignettenlösung als die beste Ersatzmaßnahme. Sie werde ebenso wie die Kfz-Steuer ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Verbrauch bezahlt, sei sinnlos, bürokratisch und ein damit sich harmonisch ins deutsche Gesetzesumfeld einbettendes…“

„… würde nach Plänen von Kretschmann als satellitengesteuerte Technologie zum Abbau der Druckkosten für Aufkleber aus biologisch nicht abbaubarer Kunststofffolie…“

„… brachte Seehofer die Idee einer EU-weiten Pkw-Maut ins Spiel. Die in Bayern hergestellten technischen Güter würden beim Export in den ganzen Euro-Raum einen Wirtschaftsaufschwung nach sich ziehen, der zwar die Sparmaßnahmen in den übrigen Ländern nicht…“

„… für den ADAC nicht diskutabel. Der Verband beharrte darauf, man würde einer neuen Dieselbesteuerung und strengeren Lärmgrenzwerten ohnehin nicht zustimmen, könne aber bei der Aufhebung aller Geschwindigkeitsbegrenzungen in Deutschland eine Lkw-Maut auch in die…“

„… nur dann einverstanden, wenn die mit der Überwachung der Lastkraftwagen aufgezeichneten Daten auch einer Mindestspeicherfrist unterlägen. Bundesinnenminister Friedrich betonte, es bedürfe der Daten unbedingt auch bei Personenkraftwagen, da nur so eine wirksame Bekämpfung des Terrors auf den deutschen Autobahnen…“

„… nannte Seehofer den Anteil ausländischer Fahrzeuge auf deutschen Straßen alarmierend, da ohne belastbare Statistiken keine Aussage darüber getroffen werden könne, ob etwa niederländische Autos mehr Asphaltschäden verursachten als…“

„… würde für den Bundeswirtschaftsminister eine Maut nur dann sinnvoll sein, wenn sie auf Kleinwagenfahrer beschränkt bliebe, da sich Besitzer leistungsstarker Autos bereits durch die Absenkung der Kraftfahrzeugsteuer an den…“

„… schlug Schäuble vor, die bei der Entlastung eingesparte Summe wie gewöhnlich durch eine erhöhte Tabakbesteuerung, ansteigende Krankenkassenbeiträge und den doppelten Soli…“

„… sich nicht ausschließen – Bosbach schlug vor, die eigentlich zur Überwachung der Ruhezeiten von Lkw-Fahrern aufgezeichneten Daten auch zur Überwachung von Pkw zu verwenden und im Gegenzug auf die Datenerhebung in Lastern zu verzichten, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Speditionsunternehmen nicht…“

„„… ein Aufkommen von bis zu fünf Prozent ausländischem Verkehr auf deutschen Straßen vermutet. Spekulationen, der Anteil deutscher Fahrzeuge in den Niederlanden sei proportional höher, wies Ramsauer als irrelevant…“

„… dürfe, so Rösler, nur dann von der Koalition beschlossen werden, wenn im Gegenzug eine Senkung der Mineralölsteuer um 0,3 Prozentpunkte durchgeführt und von der Kanzlerin ein epochales Ereignis und gehaltenes Wahlversprechen genannt würde, am besten im Rahmen eines ökumenischen Dankgottesdienstes während der von den Liberalen veranstalteten…“

„… drohte Ramsauer der CDU damit, den Güterverkehr langfristig ganz auf die Schiene zu verlagern. Die Deutsche Bahn AG lehnte diese Überlegung entschieden ab; man könne erst bei einer Auslastung des Zugverkehrs nahe der Null-Prozent-Marke auf einen baldigen Börsengang…“

„… entwarf Uhl ein satellitengestütztes Sicherungssystem für die deutschen Autobahnen. Der Vorteil, so der CSU-Innenexperte, sei der integrierte Trojaner, um bei Reisebus-Entführungen durch Fernsteuerung des Navigationssystems die Täter in die Falle zu…“

„… werde nach Aussage Ramsauers auch dann möglich sein, wenn die Lkw-Maut ausschließlich auf Personenkraftwagen erhoben würde – im Gegenzug bliebe die Pkw-Maut wie vorgesehen den Personenkraftwagen vorbehalten. Ein Mehraufkommen sei so lediglich bei der Kfz-Steuer zu…“

„… mit der Lösung für das Speditionsgewerbe, dass eine Maut nicht mehr erhoben würde, eine Speicherung der Verkehrsdaten jedoch als Ausgleich bei Telefon- und Internetanschlüssen vorgenommen werden solle, da dies eine wirksame Aufklärung von Auffahrunfällen noch…“

„… doch wiegelte René Obermann alle Sicherheitsbedenken bereits im Vorfeld ab: die Deutsche Telekom AG werde wie vereinbart zum Preis von 15 Milliarden Euro, zahlbar in mehreren Raten zu je 20 Milliarden sowie einem Abschlag von 33 Milliarden Euro, mit höchstens fünf Jahren Verspätung ein komplett funktionsunfähiges System liefern, mit dem eine Datenübermittlung so gut wie ausgeschlossen…“





Die Bahn kommt

10 01 2011

04:45 – Im Bahnbetriebswerk Düren gießt sich Erwin K. (58) einen Pfefferminztee auf. Ein langer Tag an der Schnellfahrstrecke Köln–Aachen steht an. Die Außentemperatur lässt den Betriebsdirektor mit den Zähnen klappern. Es läuft ihm eiskalt den Rücken herunter: +2 °C. Dies wird eine harte Bewährungsprobe sein für Mensch und Maschine. Der Einsatzzug nach Rothe Erde steht bereit. Die Abfahrt verzögert sich wegen einer technischen Störung um zehn bis fünfzehn Minuten.

05:22 – Synergieeffekte kündigen sich in mehreren deutschen Großbahnhöfen an. Weder in Essen noch in Mainz, Heidelberg oder Koblenz sind die Fahrkartenautomaten in der Lage, Fahrkarten zu verkaufen. Eine Planungskommission nimmt sich der Sache an. Erste Ergebnisse werden für April erwartet.

06:42 – Dankbar nimmt Betriebsleiter K. das Angebot des Veteranen Juri Profirjewitsch L. (86) an, den noch immer nicht fahrbereiten Zug in den Bahnhof einzuschleppen. Der russische Bahner, der noch die Munitionstransporte des Vaterländischen Krieges an den Rand des Stalingrader Kessels miterlebt hatte, findet sich auf der Kleinlokomotive Leistungsgruppe II rasch zurecht; bereits elf Minuten nach dem Anwerfen des Dieselaggregats befinden sich zwei komplette Zugeinheiten im Dürener Gleis.

07:16 – Im ZDF-Morgenmagazin gibt Bahnchef Rüdiger Grube neuen Zündstoff in der Diskussion um den Stuttgarter Bahnhofsbau. Er räumt zunächst erhebliche Defizite ein, überrascht dann aber mit einer wirklich tollen Nachricht. Stuttgart 21 werde keinen einzigen Euro kosten. Man werde dazu die baden-württembergische Landeshauptstadt einfach weiträumig umfahren und sich auf diese Art einen Bahnhof ersparen.

08:05 – Das improvisierte Meeting in der Agentur Schräubele Beißling Friends & Partner deckt erhebliche Kommunikationsdefizite auf. Der versehentlich durchgesickerte Entwurf Alle reden vom Wetter. Die Bahn nicht, das wäre auch zu peinlich hat bereits den Kunden erreicht. Köpfe sollen rollen. In aller Eile überlegen sich die Leiter der PR-Abteilung eine Ausrede. Das Fax wird gelesen, abgeheftet und ignoriert. Glück gehabt. Die Deutsche Bahn interessiert sich nicht für das, was Beraterfirmen ihr sagen.

08:28 – Nach knapp dreieinhalb Stunden Wartens auf dem Bahnsteig dürfen die ersten Fahrgäste den Einsatzzug betreten. Betriebsleiter K. hatte sich schon seit einer halben Stunde gefragt, welcher Zug dort Gleis 2 blockiert – Zugchef Klaus O. (34) sah vor einer Aufforderung, die Türverriegelung der Zugeinheiten zu lösen, keine Veranlassung, den Einsatzzug nach Rothe Erde in Betrieb zu nehmen. Nach einer lautstark ausgetragenen Diskussion vor allen Zuggästen, in denen sich beide Mitarbeiter eine weitere halbe Stunde lang übel beleidigen, scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

08:41 – Die Konzernzentrale der Deutschen Bahn AG gibt stolz bekannt, dass zum ersten Mal die Hartmut-Mehdorn-Medaille verliehen wird. Bahnchef Grube, der als einziger Kandidat zur Wahl stand, verleiht sich die mit 500.000 Euro dotierte Auszeichnung gleich selbst.

09:03 – Lokführer Jens P. (44) teilt dem übrigen Bahnpersonal mit, dass die Heizung eingefroren sei. Man könne wegen der strengen Minusgrade die Lokomotive nicht in Betrieb nehmen, die Fahrt müsse ausfallen. Zugchef O. macht P. darauf aufmerksam, dass sich die Temperaturanzeige bereits bei +3,5 °C befindet und sich dessen Diagnose auf ein mit Heckleuchte an/aus beschriftetes Messinstrument bezieht. P. korrigiert sofort seinen Fehler. Im Zuge eines guten Betriebsklimas unter den Mitarbeitern einigen sich beide auf eine Verzögerung der Abfahrtzeit wegen technischer Störung um dreißig bis vierzig Minuten.

09:32 – Überraschend haben sich ganz neue Synergieeffekte mit defekten Fahrkartenautomaten und den selten auftretenden Zugverspätungen im einstelligen Stundenbereich ergeben: die Toiletten im Bahnhof Aschaffenburg sind nicht zu benutzen. Die Planungskommissionen haben beschlossen, zur Nutzung von Synergieeffekten ihre Planungen zusammen zu planen.

10:17 – Neuigkeiten aus der Konzernzentrale. Zahlreiche effektive Sparmaßnahmen haben den Bahnkilometer derart verbilligt, dass er brutto nur noch 1,37 € kostet – woran sich der Fahrgast mit bescheidenen 7,82 € (netto) beteiligt. Mehr Kundenfreundlichkeit, so das Gremium, sei dem Verbraucher nicht zuzumuten.

10:33 – Lokführer Jens P. hatte nur die Seite in der Bedienungsanleitung für den 406 x01–x13 verwechselt, doch jetzt laufen die Heizungen auf Hochtouren, wenngleich nur im vorderen Teil des Zuges. Der zweite Halbzug wird nur von der Menge der Fahrgäste gewärmt, die dank eines fehlerhaften Reservierungssystems in anderthalbfacher Menge vorhanden sind und die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges stehend verbringen.

10:44 – Ramsauer tobt. Er will die Schweizerische Staatsbahn wegen unlauteren Wettbewerbs verklagen. Die Züge der SBB fahren, obwohl eine drei Millimeter dicke Eisschicht die Bahnhofsuhren bedeckt. Der Bundesverkehrsminister kündigt an, die Eidgenossen aus der EU zu schmeißen, wenn sie nicht sofort die vielen ausländischen Wörter aus ihrem Fahrplan entfernen.

10:58 – Die Direktion Köln gibt ihre Zustimmung, Erwin K. darf einen neuen Halbzug anfordern, dessen Heizungssystem garantiert gewartet wurde. Direktionsmitarbeiter Stefan W. (41) verschweigt, dass die letzte der halbjährlichen Prüfungen im März 2001 stattgefunden hat. Aber danach war er ja auch nicht gefragt worden.

11:03 – Die gemeinsamen Planungen der synergetisch zusammenarbeitenden Kommissionen werden zur Planung neuer Synergieeffekte jetzt von einer gemeinsamen Planungskommission geplant. Ihr Eintreffen wird sich allerdings um ein bis zwei Stunden verzögern, da sie mit dem Zug anreisen.

11:40 – In Abstimmung mit der Deutschen Bahn spricht sich auch der baden-württembergische Ministerpräsident Mappus ganz objektiv für eine sofortige Fortsetzung von Stuttgart 21 aus, da nur so eine Unabhängigkeit von den katastrophalen Eiszeitbedingungen zu erwarten sei. Wenn wegen der zu erwartenden Streckenstilllegung ohnehin kein Zug mehr Stuttgart werde anfahren können, erspare man sich sämtliche Unterhaltsmaßnahmen für den geplanten Tiefbahnhof. Dadurch verteuere sich der Bau auch nicht, wie zuerst angenommen, auf 88,9 Milliarden, sondern nur auf 88,87 Milliarden Euro.

12:18 – Bahnchef Grube eilt nach Potsdam. Private Ermittler hatten die Überreste eines Schneehaufens ausgemacht. Während sich der Unternehmensleiter vor dem zwanzig Zentimeter hohen Konglomerat aus kristallinem Matsch und Straßenschmutz von einem Kamerateam filmen lässt, arbeitet die PR-Abteilung der Deutschen Bahn AG bereits an der Pressemitteilung: große Schneemengen schmelzen ab, es ist unmöglich, unter diesen Bedingungen den Bahnverkehr aufrecht zu erhalten.

12:21 – Vollkommen unbemerkt synchronisiert das Medienteam den Film neu. Für den Fall, dass Grube im kommenden Winter noch beruflich mit der Deutschen Bahn AG zu tun haben sollte, teilt die Tonspur mit, die enormen Schneemengen seien Vorboten einer interstellaren Klimakatastrophe, die jeden Bahnverkehr unmöglich machten.

12:25 – Kurz vor der endgültigen Order des neuen Zugteils entdeckt Betriebsdirektor K. das Memo, dass nur noch Zugeinheiten oder das zum Betrieb desselben erforderliche Zugpersonal angefordert werden dürfen, da eine doppelte Anforderung mit den Sparzielen des Unternehmens nicht mehr zu vereinbaren sind. Direktionsmitarbeiter Stefan W. bestätigt dies zeitnah. Während der unbeheizte Halbzug sich langsam wieder der Außentemperatur annähert, ist nicht in Erfahrung zu bringen, wie sich das Innere der beheizten Hälfte macht. Die Türen sind nicht mehr zu öffnen.

12:50 – Die Pressemitteilung zur flächendeckenden Einführung der neuen FAB (Fahrkarten-Abreiß-Blocks) aus Recycling-Papier lässt aufhorchen. War man bisher von Mobilendgeräten abhängig, die in Synergie mit nicht funktionierenden Fahrkarten-Ausgabeterminals versagten, so werden ab sofort kleine Pappkärtchen mit Kugelschreiber ausgefüllt, einem Gerät, das sogar von der Bundesregierung höchste Wertschätzung erfährt. Die Deutsche Bahn, so die Deutsche Bahn, sei gut gerüstet für den Wettbewerb: bei weiter voranschreitendem Tempo könne man die für das Jahr 2015 vorgesehenen Entwicklungsschritte tatsächlich schon bis 2027 erreichen und hätte damit knapp Bangladesch eingeholt – falls es nicht zwischendurch regnet.

13:59 – Der reine Wagemut bringt Zugchef Klaus O. dazu, eine seit 2007 zur Wartung der Radreifen ausgesonderte Einheit vom Abstellgleis entfernen zu wollen; es scheitert letztlich daran, dass er sich nicht in der Lage sieht, den Triebkopf in Gang zu setzen. Die Abfahrt dieses Zugteils wird sich wohl aus Gründen auf unbestimmte Zeit verzögern.

14:08 – Eine Planungskommission stellt fest, dass sämtliche Züge mit Elektroantrieb zusätzlich mit Dieselaggregaten ausgerüstet sein müssten, um im Notfall die Stromversorgung für Heizung, Beleuchtung und Klimaanlage sicherzustellen. Der Vorstand greift die Anregung dankend auf. Für den kommenden Winter empfiehlt er den Probelauf einer neuen Serie von Kühlkompressoren, für den übernächsten Sommer eine temperaturgeregelte Hochleistungsheizung. Alternativ wird empfohlen, nur die nötigen Finanzbedarfe zu ermitteln und das Geld in die Fassadengestaltung der Berliner Bahnhöfe zu investieren.

14:21 – Mit einem heiseren Wutschrei drischt O. auf die Armaturen im Führerstand ein. Dabei trifft er versehentlich den mit Hauptschalter beschrifteten Hauptschalter. Rumpelnd schaltet sich das Dieseltriebwerk ein. Verwirrt betätigt der Zugchef freistilmäßig diverse Knöpfe, Hebel und Kippschalter. Ruckelnd fährt der Zug an. Wäre da nicht die Tatsache, dass die Bremsen nicht ganz gelöst sind, alles wäre in Ordnung.

14:28 – Ohrenbetäubendes Kreischen begleitet den Zug, der langsam durch den Bahnhof gleitet. Doch das kann die Fahrgäste auf dem Bahnsteig nicht davon abhalten, die über das Gleisbett kratzende Zugeinheit zu entern – sie besteigen den Zug, denn sie wollen nur eins. Raus aus Düren. Weg von hier.

15:43 – Da in der kompletten ICE-Flotte die Kühlschränke ausgefallen sind, werden die Vorräte in die Bordbistros zwar eingeräumt, die rollenden Gastbetriebe sind jedoch nicht geöffnet. Am Zielbahnhof, so Konzernchef Grube, entsorge man selbstverständlich rückstandsfrei alle Lebensmittel. Ein Unternehmen, das bald zu den modernsten an der Börse gehören werde, so der oberste Führer, dürfe nie ohne ausreichende Verpflegung unterwegs sein. Dies sei unprofessionell.

16:39 – Keiner hatte Erwin K. davon informiert, dass ausgerechnet heute Außenminister und Vizekanzler in seinem Stammland auf Achse ist. Mit einer südkoreanischen Gesandtschaft im Schlepp betritt er den Dürener Bahnhof, Gleis 1, wo sich eine knallheiße, mit keifenden Passagieren vollgepfropfte Blechwurst befindet. Die Gäste können mit Mühe davon abgehalten werden, dies für einen experimentellen Nachbau der Tokioter U-Bahn zu halten.

16:49 – Die Mannschaft, inklusive Sicherheits- und Pressepersonal, besteigt den ausrangierten Zweitzug und bereitet sich auf die versprochene Reise im Hochgeschwindigkeitsexpress vor: die Fenster werden verhängt. Der eilig herbeigeschaffte FDP-Ortsverband Düren ruckelt von unten an den Waggons, um eine Turbo-Fahrt durch Deutschland zu simulieren. Die Hälfte skandiert U-Tschu-Tschu zur Simulation des Fahrgeräuschs, vereinzelte Personen mischen im Sekundentakt mit Ka-takkatakk Schweißstellenstöße ins akustische Panorama. Westerwelle unterhält sich blendend. „They will go on the Germans’ purse“, kündigt der Außenwirtschaftsminister seinen fernöstlichen Gästen an.

17:17 – Auf die Presseanfrage, ob es in den ICE-Zügen wenigstens intakte Kaffeemaschinen gebe, reagiert der Vorstand verschnupft. Man teilt den Journalisten mit, die technischen Schwierigkeiten der Deutschen Bahn seien größtenteils eine Folge der Umweltschützer, die einen zu starken Beschnitt von Baumkronen in Oberleitungsnähe verhindern. Durch die vielen Schneebrüche komme es zu kaum tragbaren Verspätungen, die sich im Laufe der Jahrzehnte aufsummierten. Der Weltuntergang stehe unmittelbar bevor.

17:28 – Die Illusion ist perfekt, der Dürener Bahnhof rauscht inzwischen direkt näher an München heran; Stoibers Vision wird Wirklichkeit. „This have all we from the FDP upbuilt“, informiert Westerwelle die Delegation. „Special I, who am the allgreatest Top-Politician under the Outside Ministers, have maked that here in Germany now all many, many better is! And I speak it out“ Die Südkoreaner sind zu höflich, um die drittklassige Schmierenkomödie zu bemerken, diese ist allerdings so offenkundig, dass Westerwelle sie für wirklich hält. Er beschließt, gleich nach der Ankunft in Berlin, eine Pressekonferenz zu geben, damit die Nation weiß, dass er, Guido Westerwelle, ganz allein mit vielen Ausländern Tut-Zug fährt.

18:00 – Der Vorstand stellt das neue Wellness-Angebot der Deutschen Bahn vor: die BahnCard StehPlatz. Eine Reservierung entfällt ab sofort, so kann sie auch nicht mehr schiefgehen.

19:40 – Die hereinbrechende Dunkelheit verunsichert die Mitarbeiter. Auf Anfrage der Konzernleitung gibt die Münchener Universitäts-Sternwarte bekannt, dies sei ein vollkommen normaler Vorgang, der weder bedrohlich noch sonderlich bemerkenswert sei, sondern immer schon so stattgefunden habe. Bahnchef Grube bezeichnet dies als sozialistische Spekulationen und kündigt juristische Schritte an. Nichtsdestoweniger kann er nicht verhindern, dass dreizehn Züge aus dem Verkehr gezogen werden müssen: die Batterien waren schon vor Tagen als defekt gemeldet worden und versagen der Zugbeleuchtung den Dienst. Die Anweisung von ganz oben, die Zugeinheiten mit der Taschenlampe durch die Lüneburger Heide zu lotsen, lehnen die Zugführer kategorisch ab. Grube droht Konsequenzen an.

21:24 – Beim Versuch, die Stromversorgung mit Bordmitteln zu reparieren, gibt es im ICE 25 kurz vor Augsburg einen Kurzschluss; die Verriegelung löst sich, so dass eine Tür in voller Fahrt abreißt. Die Eisenbahndirektion teilt dem Zugchef mit, dass von den Fahrgästen für die nicht im Preis inbegriffene Spezial-Aircondition ein Aufschlag zu erheben sei.

23:39 – Seit dem Ichenberger Tunnel sind zwei Fahrgestelle aus dem Gleis gesprungen. Der Zug stuckert wie ein mobiler Schüttelrost durch die Nordeifellandschaft, allein er erreicht Rothe Erde nie. Eine festgefressene Weiche im Bahnhofsgleis von Stolberg lenkt die Wagen im Schneckentempo auf Gleis 4. Es hätte nicht schlimmer kommen können.

23:44 – Mit einem dumpfen Stoß, gefolgt von verröchelndem Knirschen und tieffrequentem Gepolter, setzt der Einsatzzug auf dem Ende von Gleis 4 auf. Der Prellbock verhält sich physikalisch durchaus vorschriftsmäßig, er beendet die Fahrt mit einem unelastischen Stoß. Bange Minuten der Stille liegen in der Luft, nächtlich rauchende Trümmer knarzen unter dem eigenen Gewicht, bis sich Zugchef Klaus O. aufrappelt und leicht benommen noch aus dem geborstenen Seitenfenster beugt, um mit zittriger Stimme die Fahrgastinformation ins Dunkel zu rufen: „Meine Damen und Herren, wegen einer technischen Störung endet die Fahrt bis auf weiteres in Stolberg Hauptbahnhof. Ssänk ju for träwwelink wiss Deutsche Bahn!“





Eis? Ätsch!

8 02 2010

Die politische Großwetterlage, befanden Experten, sei gerade etwas unterkühlt. Die Binnenkonjunktur fröstele, die Stimmung im Gesundheitswesen sei geradezu eisig, und sollten die Verfassungsrichter Hartz-IV-Sätzen für Kinder ein Hoch bescheren, so begebe sich ganz Deutschland aufs Glatteis. Das Land, diagnostizierten die Fachleute, friere am Boden fest. Handeln sei jetzt dringend nötig. Darum beließ es der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung bei Absichtserklärungen und fand vor dem Hintergrund kommender Landtagswahlen den Schuldigen: Peter Ramsauer machte den anhaltenden Winter verantwortlich für die Umfragewerte, die der Regierung miserable Arbeit bescheinigten. Da nun der Zusammenhang auf der Hand liege, müsse man schnell reagieren.

In der CSU-Parteizentrale bildeten sich alsbald drei Gruppen. Einige hatten die Wechselbeziehung von Winterwetter und Volksbefindlichkeit nicht recht kapiert und machten weiter, als sei nichts passiert; andere nannten die jähe Erkenntnis des Bayern-Kuriers grundsätzlich richtig, übten aber scharfe Kritik, dass man der FDP die geheimen Erkenntnisse koalitionären Regierens einfach so in die Hände spielen würde; die dritte, die größte Fraktion schließlich, hatte nichts mitbekommen, fand es vollkommen richtig und verbat sich jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Christsozialen. Man war voll des Lobes; Edmund Stoiber hatte schon Stunden später einen Hauptsatz lebend überstanden, in dem er den analytischen Scharfsinn des Traunsteiners pries und stolz zum Ausdruck brachte, nur mit derartigem Sachverstand bringe man es zu Spitzenämtern in der Volkspartei. Auch außerhalb bayerischer Bierlokale nahm man sich des Politikers an. Schließlich wollte man sich die Chance nicht entgehen lassen, Ramsauer als den dastehen zu lassen, für den er im Bundesgebiet galt: ein Musterbeispiel dessen, was man von einem CSU-Minister intellektuell erwarten könne.

Die Debatte nahm an Fahrt auf, als man ihre inhaltlichen Bestandteile entdeckte. 16 Milliarden Tonnen Eis und Schnee seien eine große nationale Aufgabe, ließ sich Guido Westerwelle vernehmen. Man könne sie nur mit einer Kopfpauschale richtig in den Griff bekommen – wobei klar sei, dass die Leistungsträger dieser Republik gerne Verzicht zu üben bereit waren, ihre 200 Tonnen dürfe man auf die vaterlandstreuen Steuerzahler verteilen. Die SPD wies den Vorschlag glatt von sich. In einer flammenden Rede warf Parteichef Gabriel der Regierung soziale Kälte vor. Claudia Roth höhnte, bei Ramsauer habe der Nachtfrost eingeschlagen. Der deutsche Qualitätsjournalismus wähnte den Müllermeister in der politischen Tiefdruckzone gefangen. Nichts deutete auf außergewöhnliche Umstände hin.

Da platzte die Bombe wie ein Wasserrohr im Permafrost: hatte Ramsauer, als er die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie versagte, einen schweren meteorologischen Ausnahmefehler begangen? Waren die jahrelangen Kaltfronten aus dem Osten am Ende seine Schuld? Hatten sie vielleicht sogar die Linken wie eine Schneewehe aufgetürmt? So recht schien nichts mehr undenkbar. Es roch nach Entmachtung, der Winter übernahm das strenge Regiment; sogar die Behauptung, die Tigerenten machten ihre Politik für das ganze Volk, bekam nun einen gefährlichen Beiklang von Wahrheit.

Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. Roland Koch schlug vor, Hartz-IV-Empfänger sollten sich durch Rundlutschen von Eiszapfen um die Wiedergesundung des Staates bemühen. In aller Eile erstellte Schneefiguren von Merkel, Westerwelle und Seehofer, die die Koalitionsspitzen mit jeweils heruntergelassener Hose zeigten, irritierten jedoch die Öffentlichkeit. Die Wetterfrösche in der Regierungsmannschaft schüttelten ein ums andere As aus dem Ärmel. Wirtschaftsminister Brüderle orakelte, wenn der FC Bayern München nicht das nächste Auswärtsspiel gewönne, fiele der DAX. Ursula von der Leyen brauchte mehrere Hähne, um durch Krähenlassen den todsicheren Wetterwechsel herbeizuhexen. Im Zorn riss sie den Mistkratzern meist vorher den Kopf ab, wie sie es auf den Voodoo-Abenden im FDP-Ortsverein kennen gelernt hatte.

Auch Ramsauer selbst begegnete dem kalten Grausen tatkräftig. Anlässlich des jährlichen Wasservogelsingens in Berchtesgaden hob der Hobbyklavierspieler hervor, die Bundesregierung habe sich ausländische Kompetenz ins Boot geholt, um der politischen Herausforderung zu begegnen. Die unter der Choreographie eines tungusischen Schamanen erarbeitete Wetterzauber-Performance des Wirtschaftsfachmanns hob die Laune der Betrachter flugs in frühlingshafte Hochstimmung. Es war auch zu putzig anzusehen, wie der Bayer zum Wohle des Souveräns in einem Baströckchen barfuß im Schneematsch herumhüpfte und kehlige Grunzlaute ausstieß. Mehrere westafrikanische Auslandskorrespondenten meldeten in ihre Heimatländer, in Europa hätten endgültig die Deppen die Macht übernommen.

Nur Angela Merkel konnte man es wieder nicht recht machen. Da hatte Kanzleramtsminister Pofalla bereits die Rede geschrieben, dass der fürchterliche Stimmverlust der christlich-liberalen Mitte an der ungebremsten Erderwärmung läge, und jetzt kam dieser Schneemensch ihr in Nordrhein-Westfalen dazwischen! Die Stimmung sank auf den Gefrierpunkt. Man befürchtete schon, sie wolle den Spitzenkandidaten der Schwesterpartei kaltstellen, doch die Regierungschefin bekam die Kuh vom Eis. Und Entschuldigungen für die Folgen des maroden Bahnverkehrs, das war auch ein angemessener Job für Peter Ramsauer.