Staatsräson

11 01 2018

„Das ist doch wieder ein gefundenes Fressen für die AfD.“ „Dass Migranten politische Bildung verpasst bekommen?“ „Aber gerade in diesem Punkt?“ „Was wollen Sie denn sonst machen? ihnen den guten, deutschen Antisemitismus kampflos überlassen?“

„Nein, ich gehe da einfach nicht mit. Das ist für mich nicht vernünftig.“ „Stellen Sie sich doch bloß mal die Nazis vor. Ich sehe schon die Schlagzeilen vor mir: Bundesregierung schickt Muslime ins KZ.“ „Purer Neid, dass ihnen das nicht selbst eingefallen ist.“ „Lassen Sie doch die dummen Scherze!“ „Das Problem ist ja nicht, dass sämtliche Asylbewerber durch die Lager geschleift werden. Das ist eine höchst überflüssige Maßnahme.“ „Warum?“ „Etliche Asylbewerber dürften derartige Einrichtungen bereits kennen, mit dem Unterschied, dass sie in deren Heimatländern stehen und noch in Betrieb sind.“ „Und was ist dann das Problem?“ „Dass wir Asylbewerber in sichere Herkunftsländer zurückschicken, in denen Foltergefängnisse und vergleichbare Regierungsstellen die Opposition oder irgendwelche anderen Minderheiten in die Mangel nehmen.“ „Dann muss man das eben aus Staatsräson machen.“ „Indem man den Asylanten noch mal zeigt, wie das richtig gemacht wird?“

„Bremsen Sie doch mal Ihren Zynismus, wir haben es hier mit einem ethisch sehr komplexen Sachverhalt zu tun.“ „Putzig, wie Sie Menschenrechte aussprechen.“ „Nein, ernsthaft: man kann das Zuwanderern doch nicht mit einer angstbewehrten Schocktherapie verordnen.“ „Warum denn nicht? Die deutsche Verwaltung macht das sogar mit Arbeitslosen. Und zeigen Sie mir eine Religion, die nicht mit Angst verkauft wird.“ „Ich sagte, kein Zynismus.“ „Deutschsein lernt man eben größtenteils durch unangenehme Erlebnisse.“ „Sie meinen, dass sich jeder Migrant von der ersten Sekunde an vor Augen führt, wo er hineingeraten ist?“ „Er soll von der ersten Sekunde an vor Augen geführt bekommen, wozu Deutsche fähig sind, wenn Sie seiner Ansicht nach nicht dazugehören. Das prägt.“

„Meinen Sie nicht, dass diese Zwangsbesuche auf lange Sicht kontraproduktiv sind?“ „Würde ich nicht sagen. Eine Gedenk- und Erinnerungskultur muss die Menschen da abholen…“ „Sie könnten Ihre Wortwahl aber auch mal kritisch hinterfragen.“ „Schon gut. Jedenfalls müsste man diese Besuche in den KZ-Gedenkstätten grundsätzlich für alle Deutschen einführen.“ „Als Zwangsmaßnahme?“ „Es gibt viele Schulen, die das bereits machen.“ „Mit dem Ergebnis, dass die Jugendlichen nach Auschwitz fahren, denken, der Holocaust habe irgendwo in Polen stattgefunden, und ganz überrascht sind, dass es in ihrem Bundesland auch eine KZ-Gedenkstätte gibt oder mehrere.“ „Sie meinen, Deutschland betreibt Gedenktourismus? Kann man so sehen, ja.“ „Und das finden Sie gut?“ „Habe ich das gesagt?“

„Das ist doch tatsächlich ein gefundenes Fressen für die Rechten: alle Zuwanderer durch die Konzentrationslager schleifen, bis sie der ganzen Diskussion um Antisemitismus und Holocaust und Rassismus überdrüssig sind.“ „Das sehe ich auch so.“ „Ääääh…“ „Die AfD will doch ein Ende der Diskussion um die deutsche Schuld.“ „Das kann doch nicht Ihr Ernst sein!?“ „Wenn die Erinnerung an den Nationalsozialismus bei den muslimischen Einwanderern einen derartigen Brechreiz auslöst, weil die am allerwenigsten mit der konkreten Schuld der Deutschen im zwanzigsten Jahrhundert anfangen können, dann sind wir auf einem guten Weg. Die werden sich hervorragend in die deutsche Befindlichkeit integrieren können. Zumindest aus der Sicht der AfD.“

„Meinen Sie nicht, wir sollten diesen Vorschlag eher als integratives Konzept ansehen?“ „Also Sie wollen muslimische Migranten und deutsche Schüler gemeinsam ins KZ schicken? Prächtige Idee!“ „Was spricht denn Ihrer Ansicht nach dagegen?“ „Dann haben Sie eine multikulturelle Truppe, die mit Coladosen im Holocaust-Mahnmal herumturnt und Selfies schießt.“ „Meinen Sie?“ „Für eine Pflichtveranstaltung sollte man vielleicht schon zufrieden sein, wenn die Leute sich dabei ruhig und unauffällig verhalten und nicht auch noch israelische Fahnen abfackeln.“ „Sie finden das wohl witzig?“ „Vielleicht machen wir daraus einen eigenen Baustein im Integrationskurs. Man nennt fünf deutsche Mittelgebirge, drei Antworten können durch Namen von Konzentrationslagern ersetzt werden ohne Verlust der erreichten Punktzahl.“ „Jetzt wird es langsam grotesk, finden Sie nicht?“ „Den gemeinsamen Kampf gegen Diskriminierung als Bestandteil einer positiv besetzten Identität zu pflegen, das ist doch ein schönes nationales Ziel, oder?“ „National? haben Sie noch alle Tassen im Schrank!?“ „Am deutschen Wesen kann doch die zivilisierte Welt endlich auch mal positiv teilhaben, oder ist das so kompliziert?“ „Hören Sie auf, das ist doch krank!“ „Im Gegenteil – man müsste endlich mal ein Zeichen setzen, dass der Umgang mit dem Völkermord nicht zu einem Tabu aufgepumpt wird, sondern tatsächlich zu einer politischen Realität wird, und dass Antisemitismus, egal von wem, mit der ganzen Härte des deutschen Strafrechts verfolgt wird, und zwar so lange, bis noch der letzte Holocaustleugner im Knast verschimmelt ist, weil sich keiner mehr für ihn interessiert.“ „Und das machen Sie mit politischer Bildung für alle Beteiligten?“ „Mit einem Unterschied: bei den Asylbewerbern ist politische Bildung gratis. Bei Nazis war sie umsonst. Schon immer.“

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Maximale Distanz

21 08 2017

„Jetzt müssten sich aber alle Hessen distanzieren.“ „Und die Veganer.“ „Wieso denn die Veganer?“ „Wieso die Hessen?“

„So ein schlimmes Attentat – und der Täter hat ja die letzten zehn Jahre in Hessen gewohnt.“ „Er soll aber in Niedersachsen gearbeitet haben.“ „Das macht es nicht besser.“ „Könnten wir dann von den Niedersachsen nicht eine Art von Teildistanzierung verlangen?“ „Wie soll das denn gehen?“ „Moment mal, Sie wollen von allen Hessen…“ „Das habe ich so nicht gesagt!“ „Doch.“ „Ja, aber ich habe das nicht so gemeint.“ „Weil Sie wussten, dass das Unsinn ist und nicht im Ansatz zu realisieren.“ „Ja, aber das wissen doch die Hessen nicht.“

„Was ist eigentlich das Besondere an einem Attentäter, wenn er Hesse ist?“ „Ich habe nichts gegen Hessen.“ „Ich weiß, das haben Sie auch gar nicht gesagt.“ „Habe ich auch nicht!“ „Nein, nicht so.“ „Wie denn dann?“ „Ach, nichts.“ „Sie wollten wissen, ob das etwas Besonderes ist, wenn der Attentäter aus Hessen kommt.“ „Und, ist es das?“ „Sie unterstellen mir eine allgemein gegen Hessen gerichtete Haltung.“ „Nein, ich stelle sie höchstens fest.“ „Das ist doch dasselbe!“ „Eben nicht. Zu einer Feststellung bedarf es nun mal den tatsächlich bestehenden Sachverhalt, in diesem Fall eben, dass Sie gegen alle Hessen eingestellt sind, und zwar vollkommen ohne Berücksichtigung anderer Umstände.“ „Haben Sie noch nie etwas gegen einen Hessen gehabt?“ „Was ist das für eine…“ „Sie haben doch wohl schon mal etwas gegen jemanden gehabt?“ „… bekloppte Frage?“ „Wollen Sie mir jetzt ernsthaft erklären, Sie hatten in Ihrem ganzen Leben noch nie eine ernsthafte Auseinandersetzung mit jemandem? Sie lügen!“ „Das ist eine komplett am Thema vorbeigehende Unterstellung.“ „Das wird ja immer schöner – erst lügen Sie mir hier derart plump ins Gesicht, und dann nennen Sie das eine Unterstellung?“ „Was haben Sie eigentlich gegen Hessen?“ „Gar nichts. Ich habe etwas gegen Attentäter, aber Sie als Gutmenschenarschloch, Sie würden sich das wahrscheinlich noch wünschen, dass alle von hessischen Attentätern umgelegt werden!“ „Haben Sie die Medikamentenausgabe verpasst?“ „Von hessischen Attentätern! Sie nehmen die doch sogar in Schutz, das machen linke Scheißgutmenschen wie Sie!“ „Weiß Ihr Pfleger, dass Sie ohne seine Erlaubnis hier im Stadtpark spazieren gehen?“ „Jetzt werden Sie mal nicht komisch, junger Freund!“

„Sie waren noch nie in Hessen.“ „Was soll ich denn in Hessen? Mr geht’s hier gut, ich habe meine Arbeit, eine schöne Zwei-Zimmer-Wohnung, mit Balkon und Garage, ich kann alle paar Wochen mal meine Kinder sehen, und ich habe viele Freunde.“ „Was Sie nicht sagen.“ „Die kommen von überall her. Von überall!“ „Ach.“ „Meine Nachbarn sind nämlich ursprünglich vom Unterlauf der Ulster, wissen Sie, Kohlbachtal.“ „Kenne ich, das ist ganz dicht an der Grenze zu…“ „Das ist noch nicht Hessen, das ist Thüringen! Das sind noch über drei Kilometer bis zur Grenze! Und das war auch schon immer thüringisches Land, klar!?“ „Und Sie waren auch schon da?“ „Hören Sie mir überhaupt zu? Ich habe keinerlei Veranlassung, zu diesen…“ „Im Kohlbachtal. In Thüringen.“ „Nein, aber ich habe Nachbarn, die kommen da her.“ „Und deshalb fahren Sie nicht mehr ins Kohlbachtal.“ „Sind Sie irgendwie geistig behindert, oder warum kriegen Sie überhaupt nichts mehr mit?“ „Halten Sie es für möglich, dass Ihre Nachbarn mal nach Hessen gefahren sind?“ „Das kann ich mir nicht vorstellen.“ „Warum denn nicht?“ „Das sind ganz normale Leute. Keiner von denen würde einen Anschlag planen. Und im Kohlbachtal ist es doch schön.“ „Deshalb wohnen die jetzt auch in Ihrer Nachbarschaft, richtig?“

„Haben Sie eigentlich gelesen, der hat immer freundlich gegrüßt.“ „Vielleicht macht man da in Hessen so.“ „Der muss doch damals schon etwas im Schilde geführt haben – und dann hat er sich irgendwann gedacht, ich lasse mir jetzt einfach nichts mehr anmerken, dann ahnt keiner etwas von meinen Anschlagsplänen.“ „Das klingt plausibel.“ „Die typische Verschlagenheit, wie man sie bei den Hessen kennt.“ „Nur leider falsch, ich habe mir das eben gerade erst ausgedacht.“ „Aha, und mit diesem Märchen wollten Sie mich aufs Glatteis führen? Sie denken sich irgendwelche Tatbestände aus und wollen damit Verunsicherung schüren? Das sieht Ihnen als typischem Gutmenschen mal wieder sehr ähnlich. Sie denken sich diese ganzen Lügen aus und füttern damit die Presse, die dann kein Wort mehr über die Wahrheit verliert, über die Sie nicht mehr berichten wollen!“ „Meine Güte, sind Sie lächerlich…“ „Mit Ihren ausgedachten Geschichten wollen Sie die Öffentlichkeit manipulieren, und dann wundern Sie sich, wenn das Volk, das sich diese Verräter, wie Sie einer sind, dass sich das Volk diese linksfaschistischen Methoden nicht mehr gefallen lässt, und dann werden wir ja sehen, was mit Euch Volksschädlingen, jawohl, Du bist ein Volksschädling, und ich werde Dir jetzt die…“ „Ihre Mutter wohnt noch in Hessen, richtig?“ „Aber…“





Vollmeise

25 07 2017

„… unterbunden werden müsse, dass durch den massenhaften unkontrollierten Grenzübertritt die Gefahr für Deutschland überhandnehme. Die Alternative für Deutschland werde sich künftig für den Gebrauch der Schusswaffe einsetzen, um die aus dem Ausland kommenden Zugvögel…“

„… sich die Parteiführung gegen eine generelle Massenausweisung einzelner Arten ausgesprochen habe. Die Wähler seien nicht in der Lage, zwischen Kohlmeise und Rauchschwalbe zu unterscheiden, weshalb sich Weidel für eine komplette Vernichtung sämtlicher in den Grenzen von 1937 lebender…“

„… die Auswanderung aus Deutschland sofort unterbunden werden müsse. Scheuer habe sich für eine Obergrenze ausgesprochen, die beim nächsten CSU-Parteitag einstimmig…“

„… die Mönchsgrasmücke wegen ihrer in Europa zunehmenden Population als Risiko für die gerade in Ostdeutschland beheimateten Arten zu…“

„… die Mittelstreckenzieher vorwiegend aus Gebieten kämen, in denen seit Millionen von Jahren der militante Islamfaschismus praktiziert werde, der allein zur Zerstörung der Ehre des deutschen…“

„… nicht zu machen sei, da man eine halbe Milliarde Vögel in Deutschland mit technischen Mitteln nicht kontrollieren könne, abgesehen von den innerhalb der EU ansässigen. Dobrindt habe deshalb fest zugesichert, mit einem Gesetz alle…“

„… der Zilpzalp als Migrant den deutschen Geburtskanal nutze, um das christliche Abendland mit seiner arabischen Genetik zu…“

„… werde es laut Sarrazin wenige tausend Jahre dauern, bis auch die Feldlerche sich zu einer zivilen Art entwickelt haben werde, die nicht mehr zur Verteidigung gegen die Türken vor…“

„… dem Vorbild des islamistischen Autokraten Erdoğan folgen müsse, die Evolution aus den Lehrplänen der weiterführenden Schulen zu streichen, da sie durch unnötig differenziertes…“

„… sinke der IQ der gemeinen Nachtigall, die nicht mit dem Nachbau in der chinesischen Volkswirtschaft Schritt halten könne, pro Saison um mindestens…“

„… sammle die AfD von Privatpersonen Gelder, um sich mit großen Fangnetzen, die quer über das Mittelmeer millionenfach illegale Einwanderung von rassefremden Arten in die arischen Ökosysteme zu…“

„… zur Geschlossenheit mahne. Der rechtsrechte Flügel der Volksvölkischen Plattform innerhalb der Blut-und-Ehre-Fraktion wolle auf keinen Fall die Anti-Storch-Kampagne des…“

„… es wissenschaftlich erwiesen sei, dass der aus afrikanischen Winterquartieren einkehrenden Kuckuck seinen Parasitismus, so ähnlich dieser dem Sozialverhalten der Rechtspopulisten auch sei, immer noch als volksfremde…“

„… die regelmäßige Einwanderung der Küstenseeschwalben in antarktische Regionen kein Problem darstelle. Diese sei im Gegensatz zu anderen Regenpfeiferartigen nur in den leider kaum unter deutscher Herrschaft stehenden Gebieten…“

„… als Humbug betrachtet werden müsse. Eine wissenschaftliche Erklärung, so Meuthen, sei mit der als richtig anerkannten Meinung des gesunden Volksempfindens auf keinen Fall zu…“

„… die Rotflügel-Brachschwalben im Freistaat Sachsen vorsichtshalber zu fangen. Nach dem Vorbild der bayerischen Gesetzgebung müsse man auch Arten als Gefährder einstufen, wenn diese noch keine Hinweise auf eine ökologisch nicht einwandfreie…“

„… die Vögel als autonome Gruppe zu einer vom Staat verfolgbaren volksfeindlichen…“

„… das Boot Finis Germaniæ auf dem Rhein eingesetzt werde. Höcke sei zwischen Dormagen und Zonser Grund mit einem Megafon an Bord gekommen, um die biologische Zerstörung der tausendjährigen…“

„… Thermiksegler mit Hilfe der Luftsicherheit unschädlich machen wolle. Eine Überwachung sicherheitsrelevanter Bereiche, so Wendt, könne nur durch Kriminalisierung und frühzeitig großflächige Desinformation des…“

„… Kranichnistgebiete in Biosphärenreservaten nicht mehr zu den förderungswürdigen Attraktionen rechnen wolle, solange nicht geklärt worden sei, ob es sich hier um eine ungewollte fremdländische Kulturbereicherung im Sinne einer von Multikulti gesteuerten…“

„… keine Gewalt gegen Vögel gebe. Die von der Freien und Hansestadt nur zu Testzwecken versuchte Ausrottung der Vollmeise habe gar nicht stattgefunden, sei nicht dokumentiert worden, die Dokumentation sei nur für den internen Gebrauch bestimmt gewesen und die Pressekonferenz des Ersten Bürgermeisters über die Ergebnisse der Dokumentation sei eine nicht für die Öffentlichkeit oder andere linkschaotische…“

„… mit männlichster Härte und Entschiedenheit alle schicksalhafte Zernichtungen des ewigen Deutschtums bis zum gottgewolltesten Endsieg mitleidlos auslöschen wolle. Bedauerlicherweise habe man Höcke nach wenigen Minuten mit schweren gesundheitlichen…“





Soziale Gewohnheit

10 05 2017

„Ja, das ist auch alles ganz nett, aber wenn Sie jetzt nicht die Lederhose anziehen, kriegen Sie eins auf die Fresse. Das hat hier Tradition, bis zu einem gewissen Grad entspricht es der Lebenswirklichkeit und dem kulturellen Erbe, und irgendwie sind wir auch dem Bild verpflichtet, das wir im Ausland mit unserer Kultur hinterlassen haben. Was für die Lederhose übrigens auch gilt, Herr de Maizière.

Hier gilt der Leistungsgedanke. Und das heißt nicht, dass Sie sich alles leisten können. Wir sehen Leistung als etwas an, auf das jeder Einzelne stolz sein kann. Also leisten Sie mal etwas. Ziehen Sie gefälligst den Bauch ein. Bauch einziehen, rede ich Chinesisch? Sie dürfen gerne die Klappe halten während der Untersuchung, auf die Privatmeinung dahergelaufener Zivilisten legen wir hier keinen besonderen Wert. Leisten Sie etwas. Das kommt für Sie genau so zu spät wie überraschend, aber darauf nehmen wir hier nun mal keine Rücksicht. Ihre aus religiösen Gründen eingewanderten Vorfahren hätten sich ein anderes Land aussuchen können. Dann hätten wir jetzt nicht die Scherereien mit einem Blindgänger wie Ihnen.

Essen Sie gefälligst die Wurst, es gibt nichts anderes. Jedenfalls nicht für Sie. Und seien Sie froh, dass Biofleisch inzwischen als politisch in Deutschland erwünscht gilt. Spargel? Bürschchen, ich lache mal, wenn ich Zeit habe. Sie fressen jetzt Ihre verdammte Bratwurst, und das war’s dann für heute. Spargel, ich glaube es nicht – machen Sie hier einen auf Elite? diese liberalen Fuzzis, die als Warmduscher nicht mehr in der Lage wären, Polen den Krieg zu erklären, die können gerne Spargel essen, so viel sie wollen. Für Sie gilt die Leitkultur. Sie kriegen Wurst wie die anderen Idioten. Sehen Sie es meinetwegen als soziale Gewohnheit an, Herr de Maizière. Wie das Vermummungsverbot.

Es entzieht sich meiner Kenntnis, warum Sie wieder ständig dazwischenreden. Verwechseln Sie mich etwa mit jemandem, den das interessiert? Oder ist das bei Ihnen auch schon so eine soziale Gewohnheit? Wir, Herr de Maizière, legen Wert auf einige soziale Gewohnheiten, nicht weil sie Inhalt, sondern weil sie Ausdruck einer bestimmten Haltung sind. Für Sie ist es das Vermummungsverbot – ob Sie zu einer Haltung im engeren Sinne fähig sind, lasse ich an dieser Stelle mal außen vor, aber da es Ihrem Weltbild aus sozialer Gewohnheit entspricht, empfehle ich Ihnen den Besuch einer Fankurve in einem deutschen Fußballstadion. Sollte es Ihnen in den Sinn kommen, die größtenteils nicht vorbestraften Staatsbürger – Staatsbürger, Herr de Maizière, Sie dürfen das nicht mit Reichbürgern verwechseln, die haben einen vergleichbaren Anteil an Faulschlamm im Schädel – für das Tragen von Schals zu kriminalisieren, dann richten Sie sich auf das Experiment ein, wie viele Vorderzähne sie mit zwei gebrochenen Händen vom Betonboden aufheben können. Kleiner Tipp: Sport gehört als Kultur zum Amtsbereich eines zurechnungsfähigen Ministerialbeamten, dessen Vertretung der Vertretung der Vertretung der Vertretung Sie gerade aushilfsweise bestücken.

Welches Wort, Herr de Maizière, welches Wort von Schnauze hatte Sie intellektuell gerade überfordert?

Wir sehen Bildung und Erziehung als Wert und nicht allein als Instrument. Schüler lernen – manchmal zu ihrem Unverständnis – auch das, was sie im späteren Berufsleben wenig brauchen. Ich muss Sie nicht unbedingt daran erinnern, wer den Schwachsinn verzapft hat. Immerhin hat es sich bei Ihnen bewahrheitet. Ihnen hat man jede Menge Dreck in den Schädel gepfropft, weil man wusste: der größte Teil kleckert eh zu den Ohren wieder raus, das wird in der Klippschule vom Linoleum gefeudelt, aus die Maus. Vielleicht hätten eine Nulpe wie Sie mal ins Grundgesetz reinschauen können. Oder überhaupt mal in etwas anders als Landserheftchen, oder womit haben Sie sich so die Zeit im Geschichtsunterricht vertrieben?

Doch, das ist noch Ihr Deutschland. Wir leben in einem Sozialstaat, der jedem Brechreiz erregend dummen Arschloch, das sich in jeder Situation als peinlicher Versager erwiesen hat, einen Ministerposten nach dem anderen zuschiebt, um immer wieder zu sehen, dass ein Eimer Streusand den Job erheblich kompetenter erledigen könnte.

Für Sie gehören Bach und Goethe der ganzen Welt und waren Deutsche. Was den Begriff von Deutschland angeht, will ich dann lieber nicht wissen, mit welcher Hand Sie Ihre Heftchen im Geschichtsunterricht bedient haben. Aber dass Sie Brecht und Hindemith als Vaterlandsverräter bezeichnen würden – geschenkt. Wir sind ja Erben unserer Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen. Was für den unteren Rand wie Sie nicht unbedingt gilt, oder?

Schuhe putzen. Herr de Maizière, bräuchten Sie eventuell eine schriftliche Einladung? Wir haben in unserem Land eine Zivilkultur bei der Regelung von Konflikten. Ich werde ganz entspannt dabei zusehen, wie man Ihnen die Gräten bricht. Danach haben Sie eine Strafanzeige wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte am Hals. Zivilkultur, Sie verstehen. Wir verknüpfen Vorstellungen von Ehre nicht mit Gewalt. Andere schon.

Sie sehen, wir meinen es stellenweise etwas ernster als Sie. Wo wir gerade dabei sind, Herr de Maizière, zeigen Sie mir doch mal Ihre Fingernägel. Wäre doch ein Zufall, wenn die der behördlich akzeptablen Toleranzgrenze für unerwünschte Elemente entsprächen. Oder?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXXI): Moralische Panik

5 05 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Am Anfang war es vermutlich ein Zwerg mit roten Haaren. Lederjacken kamen später, Pilzköpfe erst danach. Vielleicht war der eine oder andere Typ schon seltsam dunkel, man kann ja nie wissen. Aber die moralische Panik suppte erst dann über die Gesellschaft, als die sich schon für aufgeklärt hielt.

Es ist so einfach. Wer sich selbst nicht sofort als Beleidigung für den Durchschnitt begreift, sucht sich eine möglichst artfremde Eigenschaft wie Schmalztolle, Hautfarbe oder Migrationsstatus, erklärt sie zum quasi-heterogenen Gruppenmerkmal und bezeichnet sie als bedrohlich – so bedrohlich, dass man ihr unterstellen kann, die moralische Ordnung einer ganzen Zivilisation untergraben zu wollen. Im guten Fall entwickelt sich eine hübsche Raserei, die nach einzwei Anschlägen in dumpfes Brüten abkippt, aber keine Hysterie, die weite Teile der Bevölkerung energetisch überfordert. Nur die soziale Kontrolle soll verstärkt werden, und zwar mit einer pfeifenden Rückkoppelung auf negative Werte, damit alles wieder so wird, wie es nie war.

Die Zutaten sind bereitet für eine überwältigend niveaulose Inszenierung, die die Medien für den Mistgabelmob erledigen. Was objektiv auch beim schlechtesten Willen niemals bedrohlich ist und nichts sozial verschiebt, etwa langhaarige Burschen oder Erwerbslose, gerät in den Hallraum einer auf Moral montierten Maschine, die Lärm erzeugt, um ihn gewinnträchtig zu verkloppen. Alle sind sie dran, Verbrecher aus verlorener Ehre, Personen, die andere Drogen konsumieren als die Oberschicht, schließlich: der Fremde. Die Mechanik vergrößert, vergröbert und verzerrt, verkauft ihr eigenes Drama und schwiemelt aus vorhandenen Versatzstücken die Lüge zurecht, die zum konsistenten Weltbild gestapelt wird, gut verlastbar, ein Mitnahmeprodukt für den Einzelhandel. Was der Apparat auskotzt, bewirbt er mit der eigenen Schallentfaltung: zur Absatzsteigerung entwerfen Ressentimentsorgane dystopische Zustände aus der Fertigbackmischung. Sie prognostizieren den Weltuntergang, wenn nicht gar Steuererhöhungen oder die Eroberung der westlichen Welt durch böse Neger, wenn es in Bad Gnirbtzschen drei Einbrüche pro Jahr gibt. Die Stützen der Gesellschaft hängen sittlich gestärkt über dem elektrifizierten Gartenzaun, Waschweiber der eigenen Totenhemden, aber untenrum.

Was da knirscht, muss zwanghaft kultiviert sein, also entwerfen die Fachblätter für soziale Exklusion eine esoterisch anmutende Symbolik. Was früher bösartige Kutten waren und die spitzen Schuhe des Satans, ist uns heute die direkt im Höllenfeuer geschmiedete Burka, Abzeichen des Butzemanns höchstselbst, das in Europa so gut wie nie gesichtet wurde, nur an der weiblichen Begleitung saudischer Geschäftsfreude, die ihre Waffendeals gerne selbst durchziehen. Wie jede Allegorie lebt auch dieses hastig zusammengezimmerte Hassfigurenkabinett von der Verkürzung und gleichzeitiger Ignoranz ihr gegenüber. Nur zu gerne greift der stinkende Sumpf aus Politik und besorgten Bürgern die Zutaten für eine Schockstarre auf und schnitzt sich daraus eine repressive Grundhaltung, alles, jeden anprangernd, um nach Belieben eine Hexenjagd improvisieren zu können. Natürlich spielt die Schuldumkehr dabei eine herausragende Rolle. Wie auch sonst sollte der brave Bürger den Bimbos Brandsätze in die Bude schmeißen, wenn diese durch marktkonformes Verhungern in ihrer rohstoffreichen Heimat diese eklatante Störung des öffentlichen Friedens hätten verhindern können.

Die Getöseproduzenten suchen sich sorgfältig aus, worüber sie berichten, bestimmen Wortwahl, Inszenierung, Bilder, dramatische Strukturen und Themenmanagement. Damit machen sie sich zum Anwalt der öffentlich-rechten Sache; welches Schmierblatt fragt nicht in akkurat einstudiertem Affekt, ob das Volk neben Einwanderern leben will, weil denen ja bekanntlich alles zuzutrauen ist. Die schrille Abwärtsspirale aus Schuldzuschreibung und Tollwut beißt sich in den eigenen Arsch, dreht sich immer schneller und verliert irgendwann die selbst postulierte Mitte. Mit tödlicher Sicherheit kommt es unter klammheimlicher Freude zu den gewünschten Gewaltausbrüchen, aber daran ist das Opfer schuld. Besorgte Bürger speicheln sich selbst ein Feindbild zurecht, grenzen sich im Krampf von allem ab, was ihnen symbolisch nicht entspricht oder entsprechen sollte, und wissen: wir sind anders. Mit letzter Kraft hat sich der Bourgeois in die Ecke gemalt, er steht mit dem Rücken zur Wand. Endlich sicher!

Natürlich erkennt der objektive Beobachter die ans Lächerliche grenzende Disproportionalität, die zwischen Lederjacke oder Kopftuch und dem Fortbestand des Rechtsstaates herrscht. Aber wen interessieren schon Fakten, wenn jemand endlich mal den Mut zur Wahrheit hat. Das wird man doch wohl noch sagen dürfen oder, weil anständige Leute diese Worte nicht in den Mund nehmen dürfen, lesen wollen. Wo wären wir achtbaren Leute nur ohne einen Täter-Opfer-Ausgleich.





Gotteslohn

5 04 2017

„Keine Kirchenglocken mehr!“ „Aber dann auch kein Ostern.“ „Wieso?“ „Die Eier können nichts dafür.“ „Aber die sind doch religiös?“ „Nein, das ist so eine Überformung heidnischer Inhalte durch einen kultischen Brauch.“ „Wieso?“ „Das ist eben so!“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Jetzt regen Sie sich mal nicht auf. Noch hat die Bundesregierung das nicht zur Chefsache erklärt.“

„Und wir sind echt ermächtigt, eine komplette Säkularisierung für die Bundesrepublik zu machen? so richtig mit Bundesgesetz, Verfassungsänderung und allem Schnick und Schnack?“ „Jetzt warten Sie doch mal ab, vielleicht ist das auch wieder nur so ein rechtspopulistischer Scheiß.“ „Wieso soll denn der Seehofer eine Trennung von Staat und Kirche fordern?“ „Leuchtet mir auch nicht ein.“ „Vielleicht will er bei den Protestanten Präsident werden?“ „Die haben von Gauck genug.“ „Vielleicht könnte man bei dem ansetzen: keine öffentlichen Gebete, schon gar nicht im Fernsehen.“ „Und der Papst?“ „Der ist ja kein Staatsoberhaupt.“ „Wieso?“ „Der Vatikan gehört nicht zur EU.“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Jedenfalls keine ausufernden Darstellungen mehr in den Medien, das ist nicht gut für die neutrale Haltung des Staates, und dann müssen wir die humanistische Tradition immer beachten.“ „Wie denn das?“ „Er wollte Kants Geburtstag zum Nationalfeiertag machen.“ „Ist nicht wahr!“ „Doch, wollte ich.“ „Wegen der Aufklärung?“ „Nö, aber irgendwann wollen die Leute halt auch mal unter der Woche ausschlafen.“

„Man müsste den Leuten mehr Vorschriften machen.“ „Weil sie von denen nicht genug haben?“ „Alle mögen Regeln.“ „Die von der Kirche ganz besonders, sonst wären sie ja nicht in der Kirche.“ „Das ist jetzt religionsfeindlich.“ „Kritisch.“ „Das ist feindlich!“ „Kritisch!“ „Ist das nicht dasselbe?“ „Kommt darauf an, was man kritisiert.“ „Und bei Religionen, ist das nicht automatisch dasselbe?“ „Kommt darauf an, ob Sie kritisieren oder kritisiert werden.“ „Aber mit den Religionen an sich ist das zu vereinbaren, oder?“

„So ein Kirchenregister…“ „Gibt es längst, das wird seit Jahrhunderten gepflegt.“ „Nein, ich meine natürlich eine Kirchendatei, also für Mitglieder.“ „Und das bringt was?“ „Man weiß sofort, wie viele Mitglieder diese Religion hat.“ „Man weiß auch sofort, wo die wohnen.“ „Das ist natürlich ganz klar verfassungswidrig.“ „Wieso?“ „Weil es gegen den Datenschutz verstößt.“ „Wusste ich doch nicht!“ „Deshalb sage ich es ja.“ „Seit wann interessiert uns als Regierungspartei Datenschutz?“ „Im Prinzip ist das egal, aber wir brauchen halt vor der Wahl keine negative Publicity.“ „Auch wieder wahr.“ „Wie wär’s mit einem Kirchen-Ranking?“ „Mit was!?“ „Man hat alle Kirchen in einer Datei, aber sie dient halt offiziell nur zum…“ „Was für ein Quatsch!“ „Eben!“ „Die Mitglieder!“ „Aber das ist doch verboten?“ „Können Sie gerade mal eben den Aschenbecher vom Tisch nehmen, bevor ich einen Wutanfall kriege?“ „Wieso?“

„Auflagen!“ „Was denn für Auflagen?“ „Alles vorher unter Auflagen genehmigen lassen. Taufe, Gottesdienst, Kirchweih. Natürlich kostenpflichtig und mit langer Vorlaufzeit.“ „Und was soll das bringen?“ „Leuchtet mir auch nicht so ein.“ „Die sollen sich nicht wohlfühlen hier, wir brauchen die subtilen Ausgrenzungsmechanismen.“ „Und das ist verfassungsrechtlich okay?“ „Schauen wir mal.“ „Ja, finde ich gut.“ „Wieso?“ „Weil wir damit nicht gegen das Grundgesetz verstoßen“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Am besten noch mit einem Katalog für Recht und Pflichten!“ „Sehr gut!“ „Wobei man dann schon unterscheiden müsste, ob es sich bei der Fastenzeit um ein Recht der Kirchenmitglieder handelt oder um eine Pflicht aus religiösen Gründen.“ „Was macht das für einen Unterschied?“ „Je mehr Pflichtverstöße man sieht, desto unangenehmer wird es für die Brüder.“ „Ja, finde ich gut. Das reduziert die Anzahl derer, die nicht direkt zu diesem Verein gehören.“ „Und wird die anschließenden verwaltungsrechtlichen Schritte sicher auch enorm straffen.“

„Durchleuchtung sämtlicher Führungskräfte!“ „Am besten schon vor Amtsantritt!“ „Oder gleich aller, die jemals eine Führungsposition bekleiden könnten! präventive Selektion und Überwachung!“ „Selbstverständlich auch aller Laien, mit denen er Kontakt aufgenommen haben könnte.“ „Klar, wenn schon Fahndung, dann aber richtig.“ „Keine Chance für die religiöse Indoktrination!“ „Verfolgung…“ „Aber sonst sind Sie noch ganz knusper, oder was!?“ „… aller Kommunikationswege, auch im Internet!“ „Ach so.“ „Keiner soll sich außerhalb der Kirchen radikalisieren!“ „Wieso?“ „Da fallen die Verfassungsschützer unangenehm auf.“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Strafsteuern und anlasslose Hausdurchsuchung!“ „Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft!“ „Terrorverdacht bei allen Konfirmanden in die Personenakte!“ „Wir haben doch gar keine Personenakte?“ „Dann wollen wir eben wieder welche!“ „Wieso? Aua!“ „Stellen Sie sofort den Kristallascher wieder auf den Tisch!“ „Ich meine, wir sollten…“ „Übrigens ist das gar nicht…“ „Reden Sie nicht ständig durcheinander!“ „Ich wollte bloß sagen, dass das hier keinen…“ „Bis zur Wahl werden wir fertig.“ „Wieso?“ „Was steht denn da in der Vorlage? Zeigen Sie mal her.“ „Islamgesetz.“





Reigschmeckte

6 12 2016

„Haben die Pässe? ich weiß es doch auch nicht, in der Dienstvorschrift steht nur was mit Pässen, und die Abteilungsleiterin war zwanzig Jahre lang Schreibkraft im Veterinäramt, und dann hatte sie ein Parteibuch, und dann war sie Ressortleiterin, dann kam der Staatsanwalt, ganz tragischer Selbstmord, und wir sitzen immer noch mit dieser blöden Dienstvorschrift herum. Da muss man doch jetzt mal entscheiden können!

Weil wir das dem Strobl zu verdanken haben. Ich habe nichts gegen den Schäuble, also nichts Wirksames, aber der Strobl hat uns das eingebrockt. Die Aufnahmelager, gut und schön, das ist ja auch egal, wo die sitzen, aber die Hauptverwaltung in Esslingen anzusiedeln, das ist doch ein deutliches Zeichen, dass der Mann ein dummes Arschloch ist! Christliches Verwaltungsbild, das können Sie dem Oberförster erzählen. Der hat vermutlich auch noch mehr Zeit, sich das durchzulesen. Wir machen unsere Akten ja inzwischen im Stundentakt, aber das interessiert die Herrschaften nicht. Hauptsache, die Abschiebezahlen sind einigermaßen korrekt, dann klappt das mit der Wiederwahl.

So, gucken wir mal. Vater, Mutter, Kind – können wir also schon mal davon ausgehen, dass keine Klage wegen Abschiebung kommt, weil im Herkunftsgebiet wegen abweichender sexueller Orientierung gefoltert wird. Und wenn, dann muss einer der erwachsenen Partner sich bereits vor der Eheschließung – das ist ganz wichtig, unbedingt vor der Eheschließung, dann ist das nämlich auch eine Scheinehe, und dann werden die abgeschoben, so schnell können die sich gar nicht an der deutschen Türklinke aufhängen – also dann müssen die bereits vor der Eheschließung, also vor der Absicht, sich in der Bundesrepublik Deutschland, weil das dann ja Scheinasylanten sind, wenn keine Anhaltspunkte vorliegen, eine Betrugsabsicht ausschließen zu können. Das tut einem natürlich immer auch weh, wenn man diese Leute zurückschickt, aber der Strobl will halt seine Rüstungsaktien halten. Muss man als Christ verstehen.

Also drei Personen, Palästinenser, da wäre die Prüfung normalerweise schon beendet, da würde ich mich als Beamter mit Pensionsanspruch, der seine Pension auch erleben will, da würde ich mich doch schon mal fragen, was machen die denn bloß in Ägypten? Wenn’s der Normalfall ist, da würde ich sagen, ist halt der Normalfall, und fertig, und wenn es nicht der Normalfall wäre, würde ich fragen, was halten sich Palästinenser in Ägypten auf? Haben die familiäre Konflikte? Schulden? Kann die Deutsche Bank nicht rechtzeitig nachweisen, dass sie für eine strafrechtliche Verfolgung zu großen politischen Einfluss haben? Man muss sich absichern, auch als Verwaltungsbeamter – wir leben derzeit ja noch in einer Art Demokratie, aber warten Sie mal ab, wie sich die Wahlen in Europa verhalten. Wer weiß, wie lange das noch hält.

Joseph heißt der, richtig? Maria? Reigschmeckte natürlich. So heißt man doch hier nicht mehr. Und jetzt kommen Sie mir nicht mit diesem Ding von wegen Eurozentrismus, da heißen die ja alle so, die heißen Mohammed und Aische, und wir als Beamte einer deutschen Verwaltungsbehörde, die… nein: eine Verwaltung, die die Behörde einer deutschen… also deutsch ist dieses Lager jetzt nicht, nur von der Planung und dem Namen nach, und wir haben natürlich das Hausrecht, es gibt ja keinen, dem man sonst die Hoheit über europäische Belange in die Finger geben sollte, könnte meine ich, könnte, und das ist für uns hier im Schwabenland eine ganz bittere Erkenntnis. Seit langem war uns klar, wir dürfen überall hin, wir sind die Deppen der Nation, aber es gibt keinen rechtlich sattelfesten Grund, uns rauszuschmeißen, auch wenn jeder dafür wäre – diese Schmach, dieses Gefühl, wir gehören nicht zu denen, obwohl wir genau wissen, das ist alles nur populistisches Geseier, das geben wir den anderen. Weil die anders sind. Ist doch nicht unser Problem?

Auffanglager in der ägyptischen Wüste? Das können die gerne schreiben, aber wenn einer aus der Region kommt, glauben wir ihm das nicht. Hängt immer vom Namen ab, dann könnten wir geneigt sein, ihm ein Bleiberecht in der Region zu gewähren, aber so? Mann, Frau, bei der Trennung bleibt vermutlich ein unbegleiteter Minderjähriger übrig, der… – Zwei Jahre? Das ist ja das sensible Alter, da wird er ratzfatz religiös indoktriniert und wir im Abendland haben diese Scheiße irgendwann auszubaden, haben Sie sich das mal überlegt!? Nee, da muss man anders reagieren. Aufnahmestopp, wir können uns nicht um Werte kümmern, solange wir unsere eigenen offensichtlich nicht im Griff haben, und wenn die Medien darüber nicht berichten, ist das auch bald weg vom Fenster.

Sie kümmern sich um die Pässe? Wenn sie keine haben, dann ist das sehr bedauerlich und wir sind sicher bestürzt, können aber nichts machen, so um die fünfzehn Minuten, der Betrieb muss irgendwie weitergehen, und wenn die doch welche haben, dann lassen Sie sich gefälligst etwas einfallen. Ob das Flüchtlinge sind oder Flüchtlinge, das entscheiden doch nicht wir!“