Volksflugscheibe

22 08 2019

„… wieder Kolonien brauche, um seinen Machtanspruch weltpolitisch zu untermauern. Kalbitz habe vorgeschlagen, von einer Sondersteuer Malta zu kaufen und als Teil Deutschlands im…“

„… nicht erheblich sei, dass die Insel zur EU gehöre. Meuthen werde sich noch in der laufenden Wahlperiode dafür einsetzen, dass die Europäische Union abgeschafft werde, um die völkerrechtlichen Grundlagen einer…“

„… abgeraten habe. Höcke akzeptiere kein Territorium mit einer semitischen Leitkultur und werde die Annexion Maltas mit der männlichsten Härte, die die deutschblütigen Verteidiger der…“

„… sich für einen Außenposten der Festung Europa durchaus eignen würde. Weidel plane das Heinrich-Himmler-Bildungszentrum für maritime Grenzverteidigung vor den afrikanischen…“

„… von der maltesischen Politik auch noch etwas lernen könne. So sei das absolute Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen für von Storch eine vorbildliche Regelung, die auch im deutschen…“

„… die Sondersteuer durch eine Abgabe auf Sozialleistungen eintreiben wolle. Dies laufe dem Parteiprogramm der AfD zwar entgegen, Meuthen sei aber hier kompromissbereit, wenn es um die…“

„… derzeit noch ablehne. Offen sei Seehofer allerdings für eine Internierungseinrichtung, in der Flüchtlinge einen Asylantrag stellen, in Lagerhaft sitzen, versehentlich erschossen werden und wieder zurück ins…“

„… die maltesische Bevölkerung derzeit einen muslimischen Anteil von 0,3% aufweise, was nach Kalbitz’ Überzeugung eine Islamisierung im fortgeschrittenen Stadium darstelle und nur durch die Diktatorin Fatima Merkel gesteuert worden sein könne. Die ethnische Säuberung des Beitrittsgebiets sei deshalb Chefsache und werde von…“

„… es bisher keine Anfrage gegeben habe und eine solche Anfrage gar nicht erst beantwortet werde. Die spanische Regierung habe erklärt, dass weder eine deutsche noch eine britische Absicht, Mallorca zu kaufen, von der…“

„… der Bevölkerung zuerst der Aberglaube an Umweltschäden durch die von Juden und Schweden mit islamistischem Geld propagierte Klimalüge ausgetrieben werden müsse. Dazu werde Kalbitz die von ihm als ‚grünlichtverstrahlte Spasten‘ bezeichneten Schüler in einer Umerziehungsanstalt von der Meinungsdiktatur der bisher im…“

„… werde man die Mittelmeerinsel anlässlich ihrer Heimführung ins Neue Deutsche Reich in Groß-Malta umbenennen und ihr einen Autonomiestatus als Protektorat des…“

„… müsse Deutschland unbedingt eine im Mittelmeer gelegene Insel als Ferienziel haben. Weidel habe erkannt, dass zahlreiche südlich gelegene Länder wie Afrika oder die Schweiz inzwischen vornehmlich durch Messermänner und andere kriminelle Invasoren in die…“

„… ziehe Gauland zur Finanzierung der Kaufsumme auch eine Enteignung migrantischer Gemüseläden in Erwägung. Die Regermanisierung des deutschen Lebensmittelhandels sei außerdem eine notwendige Maßnahme, um den von Muslimen mit jüdischem Kapital finanzierten und von der Diktatorin Sara Merkel geplanten Fäkaliendschihad im letzten Moment zu…“

„… sich Island wegen der Verwandtschaft mit den nordischen Rassen besser eignen würde. Höcke sei sehr davon angetan, dass die Insel als Vorposten der neuen germanischen…“

„… habe die Regierung angekündigt, allen deutschen Schiffen die Landung in maltesischen Häfen zu untersagen und sie notfalls unter Beschuss zu nehmen. Eine Invasion werde es mit der …“

„… den Ökotourismus abschaffen wolle, der nur die Bevölkerung, nicht aber die deutschen Beschützer der Insel unterhalten würde. Weidel wolle mehrere der größten Kreuzfahrtschiffe, die je gebaut worden seien, zu einer durchgehenden Erreichbarkeit von Malta insbesondere für AfD-Mitglieder und verdiente Mitglieder der…“

„… habe Kalbitz bereits Pläne enthüllt, einen isländischen Landeplatz für die Volksflugscheibe und andere nationale…“

„… auch andere Pläne in Erwägung ziehen könne. Gauland sehe nicht unbedingt die Notwendigkeit, Malta auf friedlichem Wege in das deutsche Hoheitsgebiet einzugliedern, es sei angesichts der Weigerung völkerrechtlich ohnehin vollkommen klar, dass es sich um eine…“

„… der Regierung ein Ultimatum gestellt habe, bis Mitternacht Deutschland freiwillig beizutreten. Andernfalls werde eine bewaffnete Bohrflotte die Gasvorkommen in den Hoheitsgewässern Maltas anzapfen und zur Eroberung der Insel und ihrer…“

„… für Steinbach bereits feststehe, dass bei einem Bombenangriff auf Malta der Feind die alleinige Kriegsschuld trage, da bei einer rechtzeitigen Kapitulation Deutschland nicht gezwungen worden wäre, militärische Mittel zu…“

„… im Kampf gegen semitische Aggressoren den Heldentod gefunden hätten. Die Fregatte Björn sei unmittelbar nach dem Eindringen in die Drei-Meilen-Zone von Boden-Luft-Raketen beschossen und innerhalb weniger…“

„… dem maltesischen Widerstand eine radikale Umvolkung androhe. Einen Waffenstillstand biete Gauland nur an, wenn die Wehrmacht sich auf eine bedingungslose…“

„… an eine Tankstelle gehängt hätten. Eine forensische Untersuchung des Internationalen Roten Kreuzes habe ergeben, dass es sich um Höcke, Kalbitz und die…“

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Nachkriegsspiele

14 08 2019

„Schon wieder mehr Masernfälle. Und die Einwanderung kriegen wir auch nicht in den Griff. Es gibt keine bezahlbaren Wohnungen mehr, der Strom wird immer teurer, und können Sie mir mal sagen, was man heute eigentlich noch essen kann, ohne krank zu werden? Gut, dass der Krieg kommt.

Ja, Sie haben richtig gehört, ich freue mich auf den Krieg. Freuen Sie sich nicht auf den Krieg? Sie sind auf der sicheren Seite, zumindest solange, wie wir den Krieg gegen die anderen führen. Da ist sich wieder jeder selbst der Nächste, alle gegen alle, und da kann man sich während des Krieges sagen, man hat sich doch nur ganz normal für sein eigenes Land eingesetzt. Hinterher natürlich auch, da wird dann meistens nicht mehr so genau hingeschaut, weil die anderen ja irgendwie auch Schuld haben an der Misere. Wenn Sie vorher irgendwelche Probleme hatten, Rassismus, schlecht ins eigene Grundgesetz integriert, vielleicht waren Sie so ein dummes Arschloch, das Staatsbürger nur auf Grund ihrer Hautfarbe diskriminiert hat, dann haben Sie wenigstens hinterher immer die Möglichkeit zu sagen: das haben vor dem Krieg alle so gemacht. Das ist etwas anderes, als wenn Sie das ein Jahr später erklären, so ein Krieg ist eine historisch viel bedeutsamere Zäsur. Und wenn man Ihnen vorhält, dass Sie sich moralisch vollkommen verroht verhalten haben, dann können Sie ja immer noch sagen, so kurz vor dem Krieg sei das eigentlich gar nicht anders möglich gewesen. Sie sehen, so falsch ist die Sache gar nicht.

Aber auch für die Wirtschaft. Alles redet jetzt schon von Vollbeschäftigung, hier und da haben wir sogar schon Asylanten nötig, damit wir nicht bei der Müllabfuhr arbeiten müssen. Aber so ein Krieg braucht nun mal Menschenmaterial, und das muss in der Fabrik irgendwie ersetzt werden. Das wird für die Wirtschaft auch nicht leicht, die müssen dann die Löhne sehr stark nach unten anpassen, weil sie ja plötzlich keine Arbeitskräfte mehr finden, und dann haben sie auch nur noch ein sehr begrenztes Arbeitsangebot. Natürlich müssen Sie dann in die Rüstungsindustrie, man kann ja nicht einfach so mit Süßwaren und Sportmode weiter das Bruttoinlandsprodukt auf der Höhe halten, wenn das Land von den Feinden der deutschen Rasse, des Grundgesetzes, wollte ich sagen, von den Feinden des Grundgesetzes angegriffen und in seiner Existenz bedroht wird. Da muss man die Variablen schon ein wenig anpassen.

Zugleich sind das aber auch langfristige Jobs mit Bestandsgarantie. Wenn Sie in der Sportmode Tennisröcke nähen, können Sie sich nie sicher sein, ob Ihr Job in zwei Tagen oder zwei Wochen nach Ostasien ausgelagert wird. Bei kriegswichtigen Materialien ist der Nachschub schon gleich ganz anders kalkulierbar als bei den Tennisröcken, das lässt sich aus dem bisherigen Kriegsverlauf jedenfalls erheblich besser extrapolieren. Und dann müssen wir auch nachhaltig denken, so ein Krieg hat ja auch immer eine Nachkriegszeit, die wird diesmal zwar ein bisschen anders aussehen als bei den letzten Versuchen, aber wenn Sie sich mal vor Augen führen, wie allein die deutsche Wirtschaft davon profitieren würde – auf Jahre keine Arbeitslosigkeit mehr zu befürchten, der Sozialstaat ist für keinen mehr zuständig, weil sowieso keiner mehr etwas bekommt, keine überqualifizierten Arbeitnehmer.

Gut, auch keine Wirtschaft. Die oberen Zehntausend können sich noch mit Geldgeschäften über Wasser halten, dazu braucht man ja heute kein reales Vermögen mehr, und wenn man das Geld während des Krieges im befreundeten Ausland parkt, hat man auch nichts zu befürchten. Es wird diesmal keine schnellen Milliardenkredite geben, aber wir kehren sicher schnell zum üblichen Gefüge aus Macht und Einfluss zurück, zumal sich die europäischen Häuser sonst alles gegenseitig in den Knast sperren müsste. Wenigstens die Immobilien sind gerettet, für die Wälder bekommt man nur noch Zeitwert, aber das ist dann nicht mehr halb so wichtig. Wir werden ein neues Wirtschaftswunder schaffen, einen Aufbaupioniergeist, den nicht einmal dieser verdammte Sozialismus hätte erfinden können.

Und dann fühlen sich auch die Männer, die mit dem Panzer in die taktisch sinnvollen Gebiete einreisen, dann fühlen sie sich endlich wieder gebraucht. Bisher hatten wir ja immer große Schwierigkeiten, und gegen den Feminismus zu wehren, aber wenn nicht hier echte Männer gebraucht werden, um das Vaterland gegen alle zu schützen, die sich unserem Angriff widersetzen, wo denn dann bitte!? Wenn wir das erst einmal als nationale Aufgabe im Bewusstsein der Bevölkerung verankert haben, dann sollte es keine Drückeberger mehr geben, die uns davon abhalten. Wie gesagt, das ist nur so ein Denkmodell. Wir sind durchaus militaristisch eingestellt, denn was für Jahrzehnte in diesem linksradikalen Mainstream als völlig normal galt, das kann doch jetzt nicht total verkehrt sein, wenn wir endlich kapiert haben, dass wir endlich mal wieder eine Gelegenheit haben, das Vaterland zu verteidigen, wenn wir uns nur ein bisschen Mühe geben, denn sonst haben wir ja auch so schnell keine Gelegenheit.

Grundgesetz? Angriffskrieg? Ja, wissen wir. Deshalb verteidigen wir uns ja auch zuerst. Machen Sie sich mal keine Sorgen. Wir haben das bei uns im Wahlprogramm reingeschrieben, sogar ohne Verklausulierung und blumige Umschreibungen, und glauben Sie, dass es jemandem aufgefallen wäre? Wenn Sie wirklich wollen, dass man Ihnen nichts glaubt, erzählen Sie es jedem so, wie es ist. Man wird Ihnen nicht glauben, aber Sie haben nicht gelogen. Und Sie wissen, was das nach dem Krieg bedeutet. Also, worauf warten wir noch?“





Vibrationsalarm

13 08 2019

Man sah ihm die dunklen Augenringe an; dennoch verbarg Siebels sie hinter einer dunklen Brille. „Die letzten Tage waren nicht einfach“, stöhnte er. „Ich hoffe, dass wir bald diese dämliche Sommerpause hinter uns gebracht haben.“ Und er stürzte schon den zweiten Becher mit billigem Automatenkaffee hinunter.

Das Studio war unbeheizt, und die Morgenfrühe unterstützte die Zugluft. Wer nicht gerade im Licht der bläulichen Scheinwerfer saß und demonstrativ entspannt in die Kamera blickte, bewegte sich mit zusammengeschobenen Schulter und steifbeinig durch die Kulisse. „Sie haben den Sessel doch noch rechtzeitig fertiggekriegt“, brummte Siebels, und aus seinen Worten hörte ich eine tiefe Befriedigung. „Das Möbel sieht ein bisschen plump aus“, befand ich. „Warten Sie ab“, murmelte er. „Warten Sie ab.“ Frieder Marx, seit mehreren Jahren schon nicht mehr auf der Mattscheibe zu sehen, führte ein ganz normales Gespräch mit einem der zahlreichen Experten, die für alles und nichts unter jedem beliebigen Stein hervorkriechen, wenn eine Kamera oder wenigstens ein Mikrofon in der Nähe sind. Es sirrte von irgendwo her, ein ganz leiser und sehr hoher Ton, der recht unangenehm in den Ohren nachklang. Siebels nickte.

„Wir müssen die Steuersenkungen unbedingt noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg bringen“, verkündete der Nachwuchspolitiker im billigen schwarzen Polyesteranzug. „Nur wenn die Spitzenverdiener über ein stark ansteigendes Nettohaushaltseinkommen verfügen, kann die…“ Weiter kam er nicht. Das immer noch leise, aber immer deutlicher vernehmbare Summen schwoll unvermittelt an, und dann war auch zu sehen, woher es kam. Der klobige Sessel war nicht einfach nur ein Sitzmöbel, er vibrierte. Und er vibrierte mit solcher Stärke, dass der jugendliche Schwätzer auf dem Sitz durchgeschüttelt wurde und kaum noch verständliche Laute von sich geben konnte. „Wenn ich Sie richtig verstehe“, begann Marx seine nächste Frage, aber er musste sie gar nicht mehr stellen. Niemand konnte noch etwas verstehen.

„Eine Art Vibrationsalarm“, erklärte Siebels. „Wir haben uns diese Möglichkeit überlegt, um den üblichen TV-Formaten wieder ihre journalistische Schärfe zu verschaffen, damit nicht so viel Unfug vor der Kamera geredet wird.“ Er knüllte seinen Pappbecher zusammen und warf ihn in einen der vielen Papierkörbe hinter der Kulisse. „Aber wir haben doch in den meisten Sendungen inzwischen einen Faktencheck“, wandte ich ein. Siebels zog nur leicht die Augenbrauen in die Höhe. „Das stimmt“, antwortete er. „Aber erstens kommt dieser Teil erst nach dem eigentlichen Gelaber in der Glotze, was auch dazu führt, dass er von kaum jemandem auch nur zur Kenntnis genommen wird, und zweitens sind es nicht nur die offensichtlichen Lügen und Verdrehungen, sondern auch Framing oder Hetze durch Kampfbegriffe. Das wird durch einen reinen Faktencheck nicht einmal erfasst.“ Ein Praktikant hielt uns ein Tablett mit Kaffeebechern hin. Wir griffen zu. „So kommt es auch zustande, dass ein Faschist mit aller Unterwürfigkeit in einem groß angekündigten Interview seinen rassistischen Dreck vom Stapel lassen darf, ohne dass ein Redakteur einschreitet und ihm den Saft abdreht.“

Inzwischen hatte sich die Diskussion fortbewegt und war bei einer Erhöhung der Mehrwertsteuer angekommen. Der Schnösel verteidigte vehement die ermäßigten Steuersätze für Luxusgüter. Man verstand es nur nicht. „Offenbar ist er der Ansicht, wenn man Rennpferde nur steuerlich begünstigt, hat bald jeder Geringverdiener eines im Vorgarten stehen.“ Siebels sah gelangweilt, wie der Sessel den Talkgast durchrüttelte. „Und das hilft?“ „Das werden wir sehen“, brummelte er. „Zur Not muss man mit Druckluftfanfaren arbeiten, um den größten Müll zu übertönen.“ Ich sah das skeptisch. „Das würde aber das Studiopublikum doch ziemlich erschrecken, meinen Sie nicht?“ Der Produzent nahm einen Schluck von der kaffeeähnlichen Brühflüssigkeit. „Wer sagt denn, dass das Publikum die Druckluft abkriegen soll?“

Die Vibrationsmechanik hatte ihren Dienst getan, der Gast war bis beinahe zur Erschöpfung durchgerüttelt worden wie eine Dose Farbe im Baumarkt. Er konnte kaum noch stehen und musste von einer Assistentin in die Garderobe geführt werden. „Vermutlich wird er jetzt in seiner Lieblingszeitung mit den großen Buchstaben das Lied von der Einschränkung der Meinungsfreiheit jodeln“, sagte Siebels ungerührt. „Für die Fraktion ist ja jegliche Kritik ein Grundrechtsbruch, und dass sich keiner für ihr dusseliges Gerede interessiert, wollen sie vermutlich demnächst unter Strafe stellen.“ „Meinen Sie nicht, dass Medien hier ganz klar ihre Kompetenzen überschreiten?“ Siebels stellte den Becher auf den kleinen Tisch neben dem Mischpult. „Haben Medien die Aufgabe, als reine Verstärken den Schwachsinn und die Lügen von Soziopathen zu verbreiten, oder sollen sie das Ergebnis einer Differenzierung darstellen?“ „Das ist eine Frage der Darstellung“, wandte ich ein. Aber er ließ es nicht gelten. „Dann berücksichtigen Sie aber auch, dass Zuschauer intellektuell beschränkt sind.“ Und schon hatte der nächste Gast Platz genommen, ein älterer Herr mit aufgezwirbelten Schnauzbart. „Der deutsche Widerstand ist nötig“, schnarrte er. „Die Flüchtlingskanzlerin hat widerrechtlich die Grenzen geöffnet, um die…“ Wir zuckten unter dem lauten Knall zusammen. Der Alte verkrampfte sich röchelnd in die Armlehnen. „Er wird es sicher überleben“, stellte Siebels fest. „Sehr gut, das gefällt mir. Sie haben meine Idee wirklich zu Ende gedacht, ich sehe eine deutliche Differenzierung, was die Aussagen angeht und ihre Tragweite.“ Er blickte auf die Liste, die auf dem Tischchen lag, und dann über die Schulter. „Nehmen Sie auch noch Kaffee? Gleich geht’s um Klimawandel.“





Die Neigung der Materie

30 07 2019

„… keinen wissenschaftlichen Beweis dafür geben könne. Die Alternative für Deutschland habe sich auf ihrem Reichsparteitag dafür entschieden, die Schwerkraft als eine linksversiffte…“

„… zu differenzierten Diskussionen auffordere. Kretschmer sei schon in seiner Jugend gegenüber dem Physikunterricht gegenüber äußerst skeptisch eingestellt gewesen, was nicht notwendigerweise heiße, dass er die Ergebnisse der Wissenschaft komplett ablehne, obwohl es auf der anderen Seite auch…“

„… kein speziell ostdeutsches Phänomen sei. Patzelt wisse aus seiner Laufbahn, dass sich besonders Intellektuelle aus Sachsen und Thüringen gegen wissenschaftlich nicht haltbare Vorstellungen wie Astrologie, Demokratie oder…“

„… es keinen Beweis für die Schwerkraft gebe, der nicht mit den Mitteln jüdisch-amerikanischer Fake News in die Welt gesetzt worden sei. Meuthen habe dies nicht antisemitisch gemeint, wolle aber darauf hinweisen, dass man das doch wohl sagen dürfen können müsse, ohne gleich als…“

„… in den Schulen eine Deutsche Physik gelehrt werden müsse, die ohne die Vorstellungen einer internationalistischen Lügenkampagne auskommen müsse. Höcke werde nach einer tausendjährigen Leidenszeit der nationalen Größe für die Auferstehung der männlichen Deutschheit in der Tiefe seines…“

„… dass negroide Ballastethnien, deren IQ im Jahr um mindestens achttausend Prozent sinke, die von sozialistischen Sozialpädagogen verbreitete Lehre von der Schwerkraft als Lockmittel benutzt hätten, um Europa durch die Zuwanderung rassefremder Parasiten zu schädigen. Sarrazin sehe sich nicht als Rassisten, aber…“

„… die Relativitätstheorie zunächst nur eine theoretische Überlegung gewesen sei, die nicht auf die praktische Umsetzung formuliert worden wäre. Gauland sehe die Erkenntnisse Einsteins als Vogelschiss in der Wissenschaft und werde die deutsche Identität nicht dem…“

„… aufs Schärfste widerspreche. Tillschneider sehe die Neigung der Materie, sich mit dem Boden der reichsdeutschen Muttererde zu vereinigen, im Gegensatz zur zionistischen Hetzpropaganda, die jede Feindschaft zum arischen…“

„… dass die Gravitation zunächst sich als ein astrophysikalisches Phänomen zeige, dessen Wirkung auf das Sonnensystem, geschweige denn die Erde, noch gar nicht hinreichend bewiesen sei. Storch habe in eigenen Untersuchungen eine…“

„… könne aber eine auf den Punkt fixierte Schwerkraft gar nicht wirken. Die Rotation der Erdscheibe sei zwar noch nicht erwiesen, Meuthen sei jedoch davon überzeugt, dass die Fliehkraft an den Rändern viel größer als auf dem…“

„… habe auch die stalinistische UdSSR fest an die Existenz der Schwerkraft geglaubt. Weidel werde keinen deutschen Staat akzeptieren, der sich mit dem wissenschaftlichen Grundlagen eines linksfaschistischen…“

„… könne die Anerkennung der Schwerkraft in drei Schritten durchaus denkbar sein. Scholz sehe in der grundsätzlichen Überlegung kein Hindernis, um die Koalition wieder für eine erfolgreiche…“

„… als geistigen Sondermüll bezeichnet habe. Die Grünen seien nicht davon zu überzeugen, dass Kramp-Karrenbauer die Gravitationslüge als Thema des Koalitionsvertrages zu einem erfolgreichen…“

„… aber wirklich nur in ganz kleinen Schritten vollzogen werden dürfe. Altmaier könne sich ein Wirtschaftswachstum bei langsamer Anerkennung der Schwerkraft bis 2055 durchaus vorstellen, solange dies nicht gleichzeitig Bedingung für einen Koalitionsvertrag mit der…“

„… nur bei geöffneten Fenster bei Zugluft in Süd-Süd-Nord-Richtung auftrete. Kachelmann habe keinen Beweis für seinen Annahme, sehe aber alle Kritiker als dumme Arschlöcher, denen er in die…“

„… halte Meuthen die friedliche Koexistenz der Union mit den nationalen Widerstandskräften nun endgültig für gescheitert. Der Blaubraune habe den Altparteien mangelnde Bodenhaftung vorgeworfen, was sie in der Diskussion um Schwerkraft als linksfaschistisches.…“

„… die Gravitation nur erfunden worden sei, um den Alliierten die Zerstörung des Volkes mit Hilfe nach unten fallender Bomben zu ermöglichen. Steinbach sehe darin einen Beweis für die jüdische Kriegsschuld, da Einstein 1939 bereits nicht mehr die Staatsbürgerschaft der…“

„… ein gravitationstheoretisches Theorem nur außerhalb der Erde untersucht werden könne. Storch wolle dies nicht ausführen, da ihre Fachkenntnisse viel zu weit fortgeschritten seien, um durchschnittliche Professoren mit den…“

„… sich die internationale Verschwörung mit einer Gravitationskonstante bis in die Schulbücher durchgefressen habe. Lindner habe die sofortige Abschaffung des Physikunterrichts gefordert, um im Gegenzug Hauptfächer wie Religion oder Marktwirtschaft in den erzieherischen…“





Unveränderliche Kennzeichen

29 07 2019

„Dritter Stock links, richtig? Wir wollen ja im Falle eines Falles auch korrekt informiert sein, und da ist so ein Detail manchmal ganz hilfreich. Seien Sie froh, dass wir an den Bürgern ein so großes Interesse haben.

Und wenn Sie bei Walther & Söhne arbeiten, dann immer wochenweise die Früh- und die Tagschicht, richtig? Ich muss es nur wissen, wir möchten eben im Vorwege sehr genau informiert sein, falls etwas passiert. Natürlich wollen wir auf gar keinen Fall, dass etwas passiert – aber dazu ist es eben unsere Aufgabe, dass wir vorher schon so viel wie möglich über Sie wissen. Da lassen sich dann auch Zusammenhänge besser erkennen, und man hat einen besseren Überblick über die Akten. Eine Behörde, die sich umfassend für die Sicherheit ihrer Bürger einsetzt, ist doch auch beruhigend, oder? Also ich finde das sehr beruhigend, dass wir so eine Behörde sind.

Aber wie gesagt, Sie haben alle zwei Wochen die Früh- und dann die Tagschicht. Ab halb neun fährt ja von Ihrer Straße aus der erste Bus in Richtung Innenstadt, wie kommen Sie denn dann in der Frühschicht hin? Die Maiblumenstraße durch und dann ab Maximilianplatz mit der Siebzehn in Richtung Bahnhof? Auch im Winter? auch im Sommer? Interessant, und da gehen Sie bestimmt immer morgens noch zum Bäcker und holen sich etwas zum Frühstück, richtig? Nein, das war jetzt bloß so eine Vermutung, die hätte überhaupt nicht stimmen müssen. Aber wo Sie das jetzt schon einmal so sagen, da kann man es doch auch gleich aktenkundig machen, oder? Schauen Sie, es ist doch kein Straftatbestand, wenn Sie am Morgen bei der Bäckerei belegte Brötchen holen und eine Zeitung. Das gehört halt zu Ihrem Leben dazu, so als eine Art unveränderliches Kennzeichen. Wir alle haben unveränderliche Kennzeichen, das weiß schließlich jeder.

Waren Sie mal Mitglied in einer Systempartei? oder haben Sie vielleicht in der jüngeren Vergangenheit mal eine gewählt? Ich frage das nur aus Routine, wir haben das in unserem Formular, und ich würde gerne einen vollständigen Datensatz haben. Selbstverständlich haben wir immer noch das Wahlgeheimnis, Sie müssen also gar nichts sagen, aber solange Sie keinen vollständigen Datensatz abliefern, kann es Ihnen natürlich passieren, dass wir Sie mehrmals nachbefragen, bis Sie uns alle notwendigen Auskünfte geliefert haben, und da wäre es doch klüger, wenn Sie uns gleich alles sagen, was wir brauchen, nicht wahr?

Sie haben ja auch noch eine Schwester, ist das richtig? Sie müssen uns die Anschrift nicht geben, wir finden das schon ohne Sie raus. Es gab nur in den letzten Monaten keinen besonders engen Kontakt mehr zwischen Ihnen, war da irgendwas vorgefallen? Also das müssen Sie und nun wirklich nicht sagen, das wollen wir tatsächlich nur rein vorsorglich wissen. Es kann ja wirklich mal etwas vorfallen, und dann ist es immer gut, wenn man es vorher schon hat kommen sehen, nicht wahr?

Es gibt eben so bestimmte Dinge, die sind nicht von vornherein klar. Bei Ihnen sehe ich jetzt keine besonderen Merkmale, Ihre Daten werden also aller Voraussicht nach einfach nur gespeichert, und dann werden wir auch keine Verwendung mehr dafür haben – falls nicht ein besonderer Fall eintritt, den wir heute natürlich noch nicht genau definieren können, deshalb brauchen wir ja eben so viele Daten von so vielen Bürgern. Weil man ja nie weiß, wann etwas interessant werden könnte. Oder auch gefährlich, für wen auch immer oder in welchem Zusammenhang jetzt genau. Aber davon verstehen wir auch nichts, und da ist es doch besser, wir lassen die Experten ihre Arbeit machen.

Das mit den Listen ist auch stark aufgebauscht worden in den Medien. Deshalb haben wir uns als Reaktion auf diese Hysterie auch überlegt, dass wir einfach ein generelles Verzeichnis mit den wichtigsten Eigenschaften unserer Bürger anlegen, damit die, die jetzt schon mit allerhand Einzelheiten auf so einer Liste stehen, nicht mehr das Gefühl haben müssen, sie würden als einzige auf so einer Liste stehen. Ich sehe das durchaus als praktizierten Minderheitenschutz. Und jetzt müssen wir eben so viele Informationen wie möglich sammeln, damit wir ein so großes Projekt auch ordentlich im Sinne der Bürger zu Ende bringen.

Die Daten sind bei uns auch in guten Händen, da können Sie absolut sicher sein. Die liest nur die Polizei, vielleicht wird irgendwo mal etwas an die Geheimdienste weitergegeben, wenn es die Ermittlungen im Inland erleichtern sollte, aber sonst ist da nichts vorgesehen. Die Bundeswehr könnte noch ein Interesse haben, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, für welche Art von Dienstgebrauch das sein sollte. Aber da fragen Sie mal bei der Bundeswehr nach, die erklären Ihnen das bestimmt.

Dann bräuchten wir eigentlich nur noch einen Kontakt, wen wir im Falle eines Falles verständigen können, und wir müssten auch ein paar Auskünfte haben über diese Person. Man soll ja nichts dem Zufall überlassen.“





Tri-Tra-Trullala

16 07 2019

Summchöre quollen über den Schallschutzzaun. Hier war ich wohl richtig. Dabei sah man dem mitten in der sächsischen Landschaft gelegenen Wäldchen samt Einfriedung aus Maschendraht und Selbstschussanlagen gar nicht an, dass sich die Insassen dort so wohl fühlten.

„Zunächst einmal sind das keine Insassen“, stellte Doktor Goebbels fest. Sie musterte mich über den Rand ihrer randlosen Brille mit deutlicher Missbilligung. „Diese Leute zahlen, warum, das hat uns nicht zu interessieren, schließlich sind wir ein kapitalistischer Betrieb. Und deshalb bevorzugen wir es, sie als Gäste zu bezeichnen.“ Ich schaute mich um; wer sich hier als Gast fühlte, musste wohl mehr als ein Problem mitgebracht haben. Doktor Goebbels nickte. „Wir beherbergen bis zu hundert Personen mit autoritärer Persönlichkeit, und sie alle fühlen sich hier sehr wohl.“ Ich deutete nach oben. „Deshalb auch die Attrappen.“ Sie lächelte. „Wenn Sie herausfinden wollen, ob das Attrappen sind, gehen Sie gerne nach Einbruch der Dunkelheit auf den Grünstreifen vor dem Zaun. Einmal klappt es.“

Auf dem inneren Platz war unterdessen ein Zug bunt bewimpelter Demonstranten aufgezogen. „Freiheit“, plärrte es herüber, und: „Muss weg! Muss weg!“ Manche schwenkten rot-blau-orange Fahnen, manche weiß-braune, und fast alle trugen grotesk geformte Kappen aus Aluminiumfolie mit einer albern in die Höhe gezipfelten Spitze auf dem Scheitel. Vielleicht hatte ich hier schon genug gesehen, dachte ich. Vielleicht sollt ich wirklich nicht tiefer in diesen Morast eindringen. Doktor Goebbels lächelte maliziös. „Sie sind doch nicht den ganzen Weg gefahren, um jetzt vor dem Volk den Schwanz einzukneifen.“

„Wir sind das Volk“, bestätigte ein enthemmtes Duo alternder Herren mit dünnem Haar und dicken Armen ihre Selbstwahrnehmung. „Wir sind das Volk!“ „Schön, dass in Ihr Lager inzwischen ein ganzes Volk hineinpasst. Dazu brauchen ja andere gleich einen ganzen Sportpalast.“ Sie guckte etwas sauertöpfisch. „Das lassen Sie mal meine Sorge sein.“ Unterdessen hatte ein gutes Dutzend älterer Männer – es gab hier überhaupt nur ältere Männer, aber das war wohl der Sinn der Sache – sich mit hastig bemalten Transparenten in den Mittelpunkt gestellt. „Freiheit“, johlten sie, und: „Deutscher Käse auf deutschem Brot“, und: „Tri-Tra-Trullala!“ Es war kaum zu ermessen, schon gar nicht Worten, erst recht nicht in vernünftigen, wie viel Inbrunst in diesem Gelalle mitschwang. Vielleicht hatte man den Männern im Schlaf ihr Gehirn durch die Nase abgesaugt, um eine Mumifizierung vorzubereiten – alt genug waren sie ja – vielleicht waren es aber auch einfach Idioten, zumindest solche, die sich auf Grund dieser Tatsache schon für ein eigenes Volk hielten.

„Unser Programm hat viele Facetten“, erklärt Doktor Goebbels. „Zunächst einmal ist es für diese Herren ganz offensichtlich ein entspannendes Moment, ganz unter sich zu sein.“ Das wäre noch keiner Erwähnung wert gewesen, aber es wirkte doch recht plausibel. „Dann“, fuhr sie fort, „hören Sie sich einmal an, was die Menge da vollführt.“ „Huhu-huhu“, drang es durch die Fenster, „Tri-Tra-Trullala!“ „Wenn man mit ihnen zu tun hat“, berichtete die Therapeutin, „hört man sonst immer nur dieselben Sprüche, irgendwas mit Deutschland, irgendwas mit Gas, Sie wissen schon.“ Noch immer tönte das Geschrei hinein. „Aber hier können wir sie wenigstens eine Zeit lang umkonditionieren, um sie vor der kompletten Verblödung zu schützen.“ Ich blieb skeptisch. „Sie nutzen aus, dass diese Leute noch immer das nachgeplappert haben, was man ihnen vorgibt.“ Sie nickte. „Und dann wollen Sie sie vor Verblödung schützen?“

Man sah, dass die Männer auch mit schlechter Marschmusik zufrieden waren, jedenfalls stolperten sie eifrig über den Grasplatz. „Sie verkennen eine wesentliche Tatsache“, erläuterte Doktor Goebbels. „Schauen Sie sich noch einmal ganz genau an, was wir hier aufgebaut haben.“ Es sollte ein Ferienlager sein, aber nach Ferien sah es hier nun wirklich nicht aus. „Und genau das ist der Punkt. Sie wollen es. Ihnen ist es nur noch nicht klar, denn sie sind sich nicht bewusst, dass es eines Tages darauf hinauslaufen wird.“ Irgendjemand musste gerade auf den Grünstreifen gelaufen sein. Etwas knatterte leise. Mehr war nicht zu vernehmen.

„Jedenfalls leben sich unsere Herren hier bestens aus.“ Draußen blökte das Demokollektiv noch immer irgendetwas von Freiheit. Vielleicht war dieser Drang auch zu tief eingewurzelt in diesen Menschen, man bekam ihn ebenso wenig aus ihnen heraus wie die Erkenntnis in sie hinein, dass sie nicht im geringsten wussten, wofür sie hier eigentlich ihre fahnen schwenkten. Für die Freiheit jedenfalls nicht. „Wir setzen ja auch eher auf den Langzeiteffekt.“ Doktor Goebbels reichte mir den Mantel. „Sie kapieren nicht, warum sie das eigentlich machen, jeden Montag – aber sie fühlen sich nachhaltig verstört. Und mit etwas Glück merken sie, dass das alles vollkommen überflüssig ist.“ Die unauffällige Tür im Schallschutzzaun hatte sich schon wieder hinter mir geschlossen. Drinnen war nur noch ein heiser diffuses Gemurmel zu vernehmen, müde geschrieene Stimmen, Parolen, und dann ein Knattern. Freiheit, die sie meinten.





Starker Tobak

15 07 2019

„Aber weswegen denn jetzt genau?“ „Das lässt sich so genau gar nicht sagen. Er passt halt nicht mehr.“ „Sehe ich auch so.“ „Das geht doch nicht – mit der Begründung können Sie sich scheiden lassen, aber doch nicht Sarrazin aus der Partei werfen!“

„Der Mann hat ein geschlossen rechtes Weltbild.“ „Obwohl er nicht ganz dicht ist?“ „Ich würde sagen, immerhin hat er eins, in der Partei ist das ja inzwischen auch eher eine Seltenheit.“ „Jetzt kommen Sie mir nicht mit billigen Witzen, der Mann glaubt das, was er sagt.“ „Klar, sonst wäre er ja nicht in der SPD.“ „Lassen Sie mich das präzisieren: dieser Mann glaubt selbst an den ganzen gottverdammten Scheiß, den er da von sich gibt!“ „Lassen Sie mich das präzisieren: sonst wäre er ja nicht in der SPD.“ „Sehe ich auch so.“

„Aber diese Ausländerfeindlichkeit, das ist doch nicht mit unseren Grundsätzen zu vereinen.“ „Wenn es danach ginge, müsste die Partei eigentlich die Hälfte ihrer Mitglieder rauswerfen.“ „Sie meinen die obere Hälfte?“ „Die Führungsspitze würde mir schon genügen.“ „Sehe ich auch so.“ „Wir können es uns als Partei der sozialen Bewegung doch nicht erlauben, dass wir so einen Rassisten bei uns als Mitglied beherbergen!“ „Sogar Helmut Schmidt wollte nicht mehr Ausländer in Deutschland.“ „Aber der will ja gar keine mehr!“ „Das sehen Sie falsch, er möchte nur halt keine Kopftuchmädchen produzierenden Gemüsetürken.“ „Die sind aber wenigstens nicht arbeitslos, schaffen sogar noch sozialversicherungspflichtige Jobs…“ „Aber nur für Türken.“ „Und die laufen alle diesem türkischen Hassprediger hinterher.“ „… und waren früher mal treue SPD-Wähler.“ „Schlimm genug.“ „Und sie sind das Rückgrat des Einzelhandels.“ „Das kann doch wohl kein Argument sein!“ „Sind Ihnen denn Rumänen lieber, die ganze Hochhaussiedlungen verdrecken?“ „Das sind wenigstens Europäer.“ „Stimmt, die gehören zum christlichen Abendland.“ „Im weitesten Sinne, ja.“ „Und gegen die Chinesen hatte ja Helmut Schmidt im Prinzip auch nichts.“ „Wieso nicht? weil die so schön demokratisch regiert werden und ihre Dissidenten hier viele nette Restaurants aufmachen?“ „Naja, das muss man halt auch akzeptieren.“ „Ist halt eine ganz andere Kultur und so.“ „Andere Länder, andere Sitten.“ „Ist doch schön, so als Kontrast – immer nur Sauerkaut und Lederhose ist doch auch viel zu eintönig.“

„Das mit den 4,25 Euro haben Sie bestimmt auch schon vergessen.“ „Da hat er allerdings mal etwas richtig gemacht.“ „Sehe ich auch so.“ „Wie bitte!?“ „Man musste den Leuten doch irgendwie beibringen, dass wir Hartz IV überwinden wollten.“ „Dazu brauchten wir ein glaubwürdiges Gesicht.“ „Ich höre wohl nicht richtig?“ „Das war natürlich strategisch etwas kompliziert eingefädelt, aber irgendwie mussten wir das angehen.“ „Sie glauben bestimmt auch, dass wir seit Jahren vor den Wahlen so viel Müll erzählen, damit wir nicht zu viele Stimmen bekommen.“ „Genau.“ „Wenn man es von uns am wenigsten erwartet, dann wird die SPD zum großen Schlag ausholen, und dann werden wir dies Land gewaltig umkrempeln.“ „Sonst geht es Ihnen aber gut?“ „Natürlich ist das erst mal starker Tobak, dass man sich als Arbeitsloser von 4,25 Euro am Tag ernähren soll.“ „Aber das ist ja auch nur als vorübergehende Lösung gedacht.“ „Und wenn man dann nach ein paar Jahren Mangelernährung und totaler sozialer Isolation wieder ins Arbeitsleben einsteigt, ist man halt schon so geschädigt, dass man nicht lange durchhält.“ „Dafür hat man sich dann aber schon an die Mangelernährung gewöhnt.“ „Das ist also das Menschenbild der SPD.“ „Wer nicht arbeitet, soll halt auch nicht essen.“ „Hat schon Müntefering gesagt.“ „Also in der Hinsicht kann ich echt nicht sagen, dass wir das kritisieren müssten.“

„Das mit den Wohnungen…“ „Das hätte einem Senator von der FDP natürlich auch passieren können, dass er Landeseigentum verscherbelt, damit die Kasse wieder stimmt.“ „Fragt sich dann bloß, wessen Kasse.“ „Stimmt auch wieder.“ „Aber grundsätzlich ist er doch im Wirtschaftsmodell der SPD angekommen, und das ist nun mal neoliberal.“ „Das geht Ihnen so einfach über die Lippen?“ „Wir müssen uns doch alle Optionen offen halten für eine Koalition.“ „Dann wäre ich mal sehr gespannt, mit dem Sie noch koalieren wollen, wenn Sie Sarrazin als Türöffner in der Partei behalten.“ „Wenn er in die AfD eintritt, hat er doch für seine Bücher auch kein Alleinstellungsmerkmal mehr.“

„Ich verstehe jetzt nur nicht, warum wollen Sie ihn überhaupt loswerden?“ „Sie haben immer einen, der die Partei in den Schlagzeilen hält.“ „Und Sie müssen nie Sorge haben, dass er tatsächlich bei den Nazis Mitglied wird.“ „Also offizielles Mitglied, bis jetzt ist er ja noch…“ „Ja, ich habe verstanden! Sie müssen es nicht erklären, ich habe verstanden, weil ich den ganzen Mist schon mehrmals gehört habe, als die SPD ihn vor die Tür setzen wollte!“ „Und warum hat sie es nicht längst getan?“ „Weil sich die Partei an die Entscheidungen ihrer eigenen Mitglieder hält.“ „So wie bei der Große Koalition, oder verwechsle ich das wieder?“ „Da ging es aber eher um die Gremien.“ „Geht es hier auch.“ „Dann war das Urteil ja beide Male okay.“ „Aber jetzt ist mal Schluss mit diesem rassistischen Gelaber!“ „Meine Güte, jetzt lassen Sie den alten Mann doch – er hat doch selbst gesagt, der Niedergang der SPD wird nicht zu verhindern sein, und da…“ „Er hat was gesagt!?“ „Wir, die älteste Partei Deutschlands, sollen diesen Nestbeschmutzer in unseren Reihen dulden?“ „Dieser sabbernde Saftsack hat in der SPD nichts zu suchen!“ „Aber…“ „Sehe ich auch so.“ „Fegt das weg!“ „Das muss sich die Partei ja nun nicht bieten lassen.“ „Niederlagen, gut und schön, aber Defätismus? nur über unsere Leichen!“