Verdachtsunabhängige Aufklärung

6 08 2020

„… keine Notwendigkeit bestehe, den Umgang mit Listen gesetzlich zu regeln. Solange es eine erhöhte Infektionsgefahr gebe, müsse allerdings jeder Gast seine persönlichen Daten in einer…“

„… den Zweck einer Gästeliste immer da zu ändern, wo sich ein Ermittlungsinteresse abzeichne. Dies wolle die Polizei jedoch im Einzelfall bewerten und sehe ebenfalls kein gesetzliches…“

„… sehe das Justizministerium die Problematik, dass die Polizei nur durch Landesrecht auf die Listen zugreifen könne, während strafrechtliche Ermittlungen durch Bundesrecht bestimmt seien. Ein Gesetzesentwurf könne jedoch frühestens 2028, eventuell auch erst im…“

„… es einen präventiven Abgleich geben müsse. Seehofer schlage eine sofortige Vernehmung aller Restaurantbesucher beim Verlassen des Lokals vor, um verdachtsunabhängig Straftaten aufklären zu können, auch wenn diese nicht stattgefunden hätten. Durch diesen Schnelltest erhöhe sich die Quote der erfolgreich aufgeklärten…“

„… zunächst eine standardisierte Gästeliste nach DIN-Norm verwendet werden müsse. Da das Wirtschaftsministerium noch 12,5 Milliarden Euro zur Rettung der Gastronomie vor den Folgen der Pandemie zur Verfügung habe, werde sich die Bundesregierung mit einem zweckgebundenen einmaligen Zuschuss in Höhe von…“

„… dass der Deutsche Anwaltsverein bereits ein Verbot der Datennutzung als notwendig erachtet habe. Die Deutsche Polizeigewerkschaft lehne dies ab, da andererseits Anwälte sich auch durch die Akteneinsicht im Strafprozess einen Vorteil vor der Ermittlungsarbeit der…“

„… werde der Polizei durch zu viele Gesetze ihre Arbeit ohnehin stark erschwert. Herrmann sehe die Gefahr, dass durch zahlreiche neue Gesetze, die die Beamten wegen ihrer vielen Überstunden gar nicht zeitnah lesen könnten, sich auch die Menge der Gesetzesübertretungen exorbitant…“

„… die Listen nicht verwendet würden, weil dies eine Straftat im Amt darstelle und daher von der Polizei gar nicht gemacht werde. Seehofer habe sich mit dem…“

„… dass Spahn darauf bestehe, die Listen nur durch die Gesundheitsämter freigeben zu lassen, so dass im Falle strafrechtlicher Ermittlungen zunächst eine hausärztliche Untersuchung, die aber nicht von den gesetzlichen Krankenkassen…“

„… befürchte die Polizei nicht nur Mehrarbeit, sondern auch ein erhöhtes Infektionsrisiko. Für Wendt sei dies ein von der linksradikalen Merkel-Diktatur eingefädeltes Verbrechen, um Polizisten in Lebensgefahr zu…“

„… halte Seehofer die Verwendung der Gästelisten bei der Verbrechensaufklärung für nicht erforderlich, wolle aber aus präventiven Gründen die Mindestaufbewahrungspflicht von vier Wochen auf bis zu zwei…“

„… seien die rechtlichen Voraussetzungen sehr komplex, wenn der Restaurantbesuch nur noch mit der Corona-Warnapp gestattet werden solle. Spahn sehe außerdem technische Schwierigkeiten, wenn eine Online-Liste vor Ort ausgedruckt und…“

„… nicht für jede Ermittlung eingesetzt werden dürfe. So dürfe man Bestechlichkeit von Politikern, uneidliche Falschaussage oder andere Bagatelldelikte wie etwa das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nicht durch zufällig gefundene Adresslisten…“

„… dürfe eine Gästeliste ohnehin nur auf richterlichen Beschluss ausgewertet werden. Dies stelle eine hohe Hürde dar und werde pro Jahr nur wenige hunderttausend Male bei…“

„… sei den Ermittlungsbehörden überhaupt kein Verstoß gegen den Datenschutz vorzuwerfen, da der Missbrauch nicht durch die Bundesregierung verboten werde und demnach rechtlich gar nicht als missbräuchliche Verwendung von…“

„… es um Delikte im öffentlichen Raum gehe, bei denen die traditionell in Deutschland verbreitete Belastungsfreunde zur Aufklärung genutzt werden solle. Die Polizei setze auf die Listen, um besonders schwere Fälle von Falschparken oder die…“

„… als Gewohnheitsrecht betrachtet werde. Da es den Ermittlungserfolg erhöhe, wie dies auch im Falle von Quellen-TKÜ oder Racial Profiling öfter vorkomme, könne eine Zweckänderung gar nicht illegal sein, da sich dadurch das subjektive Sicherheitsgefühl – in diesem Fall der subjektive Eindruck der Polizei bei den…“

„… in besonderen Fällen auf die Auswertung der Listen verzichten wolle, wenn sich Personen des öffentlichen, insbesondere des politischen Lebens in Gaststätten aufhalten würden. Das Recht auf Schutz der Privatsphäre sei selbstverständlich hier viel höher zu…“

„… würden die Polizeibehörden es begrüßen, wenn die Gastronomiebetriebe die Adresslisten auch ermittlungsunabhängig tagesaktuell an die Dienststellen abliefern würden. Im Gegenzug werde man bei Gesetzesverstößen, beispielsweise im Bereich des Infektionsschutzes, gerne ein Auge zudrücken und den Betreibern noch einmal die…“

„… eine Straftat vorliege, wenn Gäste nicht die korrekten Namen, Adressen und Telefonnummern in die Listen eintragen würden. Die Deutsche Polizeigewerkschaft habe zur Strafverfolgung in diesen Fällen gefordert, eine Zweitliste auszugeben, in der die korrekten Daten eingetragen werden müssten, um dann auf richterliche Anordnung eine Ermittlung wegen vorsätzlicher und…“





Wem Gott will rechte Gunst erweisen

5 08 2020

„Nicht anfassen, klar? Ich sagte: nicht anfassen, heilige Scheiße! Und das Ding heißt Mund-Nasen-Schutz, der hat unter dem Riechkolben nichts zu suchen, verstanden!? – So, und sie wollen mir jetzt ernsthaft erzählen, Personenschützer für Laschet sei ein toller Job, weil man da so viel sieht?

Da sieht man auch viel, aber das meiste von dem, was man sieht, das will man gar nicht gesehen haben. Das war schon vor ein paar Wochen so, als er noch überall durch die Talkshows mit dem… – Ich hatte gesagt, Sie sollen das nicht anfassen. Das ist Hygienebereich, und da dürfen Sie nicht rein. Nein, und für Sie dürfen die auch keine Ausnahme machen. Das ist ja gerade der Sinn der Sache, dass da nicht jeder Depp reinmarschieren darf. Das geht nicht, und jetzt hören Sie auf zu labern, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.

Vor etwa zwei Wochen waren wir noch bei den Küchenbauern, genau dieselbe Show. Er wollte ein paar dufte Fotos in der Fabrik machen, aber bitte nur Luxussegment, Schleiflack und Edelstahl, am besten Currywurst, aber mit Sternekoch. Gut, die Herstellungsleiterin war auch echt kooperativ, aber er wollte einfach nicht in die Fertigung, um sich die neue CNC-Abkantpresse für Titanstahloberflächen im Gastrobereich anzugucken. War ihm zu laut. Außerdem hat ihm einer gesteckt, dass er mit Helm noch bekloppter aussieht. Gab dann natürlich Stress wegen der Presseerklärung, aber dann hat ihm der Wahlkampfmanager beigebogen, dass das ein PR-Termin auf seinen Wunsch war, nicht auf Anfrage des Unternehmens.

Ging dann auch wie zu erwarten in die Hose, als die Belegschaft wissen wollte, ob sein Theater im Fernsehen wegen dieser komischen Studie echt sein musste. Kurzarbeit ist das eine, aber die meisten haben auch Kinder, und wenn die sich in der Schule infizieren, dann können sie selbst auch zu Hause bleiben, und das zahlt ihnen dann keiner. Der hat sich natürlich gar nicht erst auf eine Diskussion eingelassen, würde ich ja auch nicht machen, wenn ich keinen blassen Schimmer hätte, was ich zu den momentan wichtigsten politischen und sozialen Problemen auf der Welt sagen sollte, aber dann… – Sie sollten diese verdammten Handschuhe nicht ausziehen, klar!? Heilige Scheiße, wie viele Brüder muss der Mann haben? Einer alleine kann doch gar nicht so dämlich sein!

Ich weiß auch nicht, was da schiefgelaufen ist. Wahrscheinlich alles. Am Tor hat er plötzlich zu singen angefangen: ‚Wem Gott will rechte Gunst erweisen‘. Sollte wohl irgendwie witzig sein, von wegen Wurstfabrik. Vorgestern in Gütersloh hätten sie ihm dafür noch die Fresse poliert, aber das sind auch seine Wähler. Die kennen ihn. Deshalb fährt er da auch nur mit hochgekurbelter Scheibe durch und vermeidet Blickkontakt mit den Einheimischen. Für die Sicherheit kann da keiner garantieren. Da kann er sich seine blöden Scherze auch in den… – Das ist grob entsehntes Kalbfleisch, steht doch am Bottich. Lesen hilft. Und Sie müssen hier nicht alles anfassen, hatte ich Ihnen das schon mal gesagt? Gut, dann halten Sie sich gefälligst daran. Ob ich hier rausfliege, ist mir ziemlich egal, aber wenn Sie hier rausfliegen, dann wissen Sie, was Phase ist.

Also falls Sie sich fragen, wozu die Nulpe einen Personenschützer braucht: der schützt ihn vor der dümmsten Person im Raum. Vor sich selbst. Wir haben das trainiert, Griff von hinten, Hand vor den Mund, zack! ab nach Düsseldorf. Wir dürfen das leider nicht. Wurde untersagt, und die Order kam von ganz weit oben. Ich weiß nicht genau, was Merkel damit bezwecken will, habe aber eine leise Ahnung. Möglicherweise will sie ihn für immer in Nordrhein-Westfalen verklappen. Da wird er dann ähnlich beliebt sein wie Flüchtlinge in Sachsen.

Er hält sich jetzt schon für den Bundeskanzler. Kann natürlich auch daran liegen, dass er hier am Tor von den Vertragsarbeitern für den Kanzler gehalten wurde. So gut ist mein Rumänisch nicht, es war irgendwas mit ‚Dummes Arschloch‘. Und da wird’s jetzt kompliziert, weil er sofort weg wollte und im… – Das ist kein Streichelzoo, kommen Sie da weg! Die Schweine sind für das nächste Grillwochenende bei Ihren Küchenbauern, und wenn Sie da jetzt nicht die verdammten Flossen rausnehmen, fangen Sie sich irgendeine Seuche ein. Bei dem billigen Vieh können Sie davon ausgehen, dass irgendein Virus mit im Preis inbegriffen ist.

Nein, ich es weiß auch nicht, wer dem Mann gesagt hat, dass jede Knalltüte in die Politik gehen muss. Ich will es auch gar nicht wissen. Wobei sich der Eindruck verfestigt, dass es sich mittlerweile um nackte Verzweiflung handeln muss. Das macht doch kein normaler Mensch. Oder haben Sie Merz je durch Blutlachen stapfen sehen? Also jetzt nicht im übertragenen Sinn, Bilder von ihm an der Börse und in Rüstungskonzernen gibt’s schließlich genug. Was soll das denn jetzt werden? Die katholische Barmherzigkeit, die ihm Röttgen nicht wegsödert? Der Mann ist doch durch!

Und genau das müssen wir jetzt bis zum bitteren Ende durchstehen. Dass der Mann für den Kanzler gehalten wird: geschenkt. Dass er sich selbst für den Kanzler hält, das ist schon anderen passiert. Aber dass er sich selbst für den Bundeskanzler hält, als solcher angesprochen wird und dann auskneift, das ist echt… – Halt, da können Sie auf gar keinen Fall rein, das ist der Viehtunnel, da kommt gleich das Bolzenschussgerät, und dann sind Sie… Langsam gehen, Herr Laschet! Große Schritte! Augen zu und durch!“





Demokratisch unterwandert

4 08 2020

„… sich pessimistisch über die Zukunft der Partei geäußert habe, die nach den kommenden Wahlen zum Deutschen Bundestag erneut nicht die Chance haben werde, die Union als stärkste Fraktion zu beerben. Gauland sei der Ansicht, dass die…“

„… vor allem an der Gespaltenheit der Partei liege. Während ein Flügel die Errichtung eines nationalsozialistischen Einparteienstaates anstrebe, wolle ein zweiter andere rechtsextremistische Vereinigungen erhalten, um durch Koalitionen in den Landesparlamenten die…“

„… habe sich Weidel weniger skeptisch gezeigt. Sie stehe als Nachfolge für den alleinigen Vorsitz sofort zur Verfügung und werde die Einheit der AfD auch nach deren Sieg über die…“

„… die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland durch einen islamistischen Terroranschlag radikalisiert werde, durch den Weggang Maaßens aus der Spitze des Verfassungsschutzes auf null gesunken, was für Gauland der Beweis sei, dass der Staat sich bereits entschlossen habe, die Alternative für Deutschland zu jagen und zu…“

„… werteten Beobachter es als kritisch, dass der Vorsitzende das Urteil des eigenen Schiedsgerichts kritisiere. Es könne aber nicht davon ausgegangen werden, dass die Partei insgesamt demokratisch unterwandert worden sei, da sich viele Mitglieder mit eindeutiger Vergangenheit noch im…“

„… sei Sarrazin derzeit nicht willens, seine Mitgliedschaft in der SPD aufzugeben. Weidel habe nicht auf einem Wechsel bestanden, sei aber daran interessiert gewesen, einen Teil der Einnahmen aus Sarrazins Buchverkäufen als Parteispende für…“

„… eine West- und eine Ost-Partei etablieren wolle. Beide seien fest davon überzeugt, dass sie den ursprünglichen Namen Alternative für Deutschland weiter führen dürften und die jeweils andere Gruppierung durch juristische…“

„… sei Meuthen zuversichtlicher. Er stehe jetzt als Nachfolger für den alleinigen Vorsitz zur Verfügung und werde die Einheit der AfD auch nach deren erfolgreicher…“

„… bisher nur als Verschwörungstheorie werte, dass sich Lucke, Petry und Poggenburg mit der Bewegung Blaue Alfa-Patrioten als alternative Alternative zur…“

„… dass sowohl der West- als auch der Ostteil durch gezielte Informationen die Beobachtung der anderen Gruppe durch das Bundesamt für Verfassungsschutz anstrenge. Der Belastungseifer sei inzwischen so groß, dass Mitglieder auch eigene Straftaten an die…“

„… habe Höcke Vertrauen. Er stehe jederzeit als alleiniger Führer für den Vorsitz zur Verfügung und werde die Ehre des deutschen Blutes auch gegen die so gut wie vollendete Zernichtung der Rasse durch jüdisch versipptes…“

„… warne Gauland vor einer Linksverschiebung der Partei. Durch den Ausschluss zahlreicher Extremisten ergebe sich für die Mitte der AfD der Eindruck, die Partei wolle einen linken Faschismus in die politische…“

„… inzwischen doch offen für gemeinsame Auftritte im Bundestagswahlkampf sei. Unklar sei jedoch noch, ob Sarrazin nur über Judengene und den IQ nichtarischer Bevölkerungsteile sprechen oder selbst den Holocaust leugnen wolle, wenn sich dies in den östlichen Bundesländern zur…“

„… durchaus als verzweifelt gelten könne. Meuthen sei inzwischen zur Aufnahme von Geflüchteten in großer Zahl bereit, wenn sich dadurch in der potenziellen Wählerschaft Panik und Ausländerfeindlichkeit stimulieren ließen, die von beiden Teilen der AfD für eine gemeinsame…“

„… Abstand genommen habe. Weidel könne bei der aktuellen finanziellen Lage der Partei nicht auch noch die Honorarwünsche von Sarrazin, die sich weit über dem üblichen Bereich der…“

„… die Bundeskanzlerin in einem Telefonat angefleht habe, noch einmal anzutreten, damit die Merkel-muss-weg-Kampagne als einende Kraft aller Wutbürger weiterlaufen könne. Der Mitschnitt zeige, wie Gauland unter heftigem Schluchzen die ehemalige Vorsitzende der…“

„… die eigentliche Spaltung der AfD sich bereits vor Jahren vollzogen habe. Chrupalla beklage, dass zu viele Mitglieder sich in unnütze politische Sacharbeit verstrickt und zu wenige die finanzielle Absicherung arbeitsscheuer Extremisten in den…“

„… arbeite ein Teil der Parteispitze bereits prophylaktisch an der Propaganda, dass bei einem drastischen Stimmenrückgang Merkel selbst eine Wahlfälschung befohlen habe, um die Umvolkung im Auftrag von Bill Gates und den…“

„… sich auch die Fortführung seiner politischen Tätigkeit in einer eigenständigen Fraktion vorstellen könne. Meuthen bestehe jedoch darauf, dass er sämtliche Bezüge und Entschädigungen für alle Ämter parallel und in voller Höhe…“

„… dass Gauland selbst zur Radikalisierung der Alternative zur Deutschland beigetragen habe. Dies sei ein revolutionär notwendiger Akt gewesen, der jedoch vom deutschen Volk nicht genug unterstützt werde, weshalb der Untergang Deutschlands wie vorhergesagt unmittelbar…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXV): Der Krieg gegen Drogen

31 07 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Prohibition war ein großer Erfolg. Keiner hatte mehr Zugang zu alkoholhaltigen Getränken, nur noch die, die es wirklich wollten. Während sich das Verbrechertum in den Metropolen allmählich zu professionalisieren begann und sein Business mit Gewalt durchsetzte, starben immer mehr harmlose Säufer an Billigfusel, vergälltem Sprit und Hinterhofplempe. Besser scheiterte nur der Krieg gegen Drogen.

Wüste Geschichten kursierten damals in den Gepeinigten Staaten: Afroamerikaner, Latinos und Mexikaner würden im berauschten Zustand über die weiße Frau herfallen, ein Muster, das noch heute von dementen Drecksäcken in Führungsposition für alles benutzt wird, was man sich auf Adderall aus der Hirnrinde rotzt. Weiße, so das Märchen, würden durch Hanfrauchen wahnsinnig und suizidal. Nach einem Zwischenspiel, in dem ein paar Millionen Soldaten auf Panzerschokolade die halbe Welt in Schutt und Asche legten, waren den die Schuldigen schnell gefunden. Linke Pazifisten und Schwarze, die sich kein Meth reinpfeifen wollten, um Vietnam in die Steinzeit zu ballern, mussten so schnell wie möglich diskreditiert werden. Dass von Adenauer bis Kennedy das politische Establishment weiter fleißig Speed schmiss – geschenkt.

Die Auswirkungen auf die Gesellschaft der großen Wirtschaftsnationen waren nie wirklich ein Geheimnis, mehr noch: die Gesetze des Marktes funktionieren geradezu vorbildhaft da, wo sie gar nicht funktionieren sollen. Die Nachfrage bleibt, da man den Drogenkonsum nicht einfach durch eine rationale Verbraucheransprache wegsteuern kann, denn Sucht (falls man partout pathologisieren will) ist eben kein unabhängig von anderen Stellgrößen kontrollierbares Phänomen; sogenannte legale Drogen wie Alkohol oder Nikotin fördern lediglich die kognitive Dissonanz, dass Missbrauch nur da vorliegt, wo eine Regierung sich im Kopfschrott der Ideologie verrennt. Weicht der Kunde auf potentere Produkte aus, steigt auch bei sinkendem Angebot der Preis, Herstellung und Vertrieb von allerhand Betäubungsmitteln wird ein attraktives Geschäft, und wie in der Prohibition weniger Wein und Bier, dafür aber mehr Schnaps erzeugt wurde, da mit raumsparend lager- und transportfähigem Alkohol die Marge optimiert werden kann, so füllen auch Designerdrogen aus dem Baukasten schnell und einfach die Kassen der Kartelle. Volkswirtschaft ist kein Hexenwerk. Wer hätte das ahnen können?

Die Erkenntnis, dass Korruption nicht nur auf Entwicklungsländer beschränkt ist, in denen Mohn und Coca kultiviert werden, ist ebenso neu. Keiner hätte für möglich gehalten, dass sie eine lukrativere Einnahmequelle als Sweatshops wäre oder als der Polizeidienst. Exakt so bekommt Gewaltherrschaft ein stabiles Fundament, allerdings nur da, wo die Industrienationen sie dulden. Die Gewalt in der eigenen Nachbarschaft übernehmen die Gangs, die Kriminalisierung und soziale Ächtung formten, da die Minderheiten eh zum Abschuss freigegeben worden waren. Natürlich schwiemelt sich das auch hier noch eine scheinbar wasserfeste Welterklärung zurecht, dass die ausgegrenzte Unterschicht ja mit dem Drogenkonsum schon angefangen hatte, als der rechtschaffene Herrschaftsapparat seinen Krieg noch nicht erklären wollte. Mit der Stigmatisierung und Kriminalisierung der verhassten Segmente wird der Prozess zum Perpetuum mobile und zum Ideal eines jeden Krieges, der sich selbst und damit die ernährt, die keinen Sinn in ihrem Leben sehen, als andere zu unterdrücken und zu vernichten.

Der angenehme Nebeneffekt, der ökonomisch vor allem der Oberschicht zugutekommt, ist die Gefängnisindustrie, die absurd hohe Haftstrafen für Bagatelldelikte und den sicheren Nachschub an Delinquenten als gute Grundlage für den Reibach feiern. Was die Wirtschaft doppelt schädigt, die Stilllegung hunderttausender Arbeitskräfte bei hirnverbrannten Kosten, unterfüttert dann auch die rassistischen Vorurteile einer Politik, die Schwarze wegen ihrer Haftkarriere deklassiert, während der Drogenkonsum unter Weißen weiter verbreitet ist und von ihnen gesteuert wird. Das wird die Law-and-Order-Bullen in den Entwicklungsländern nicht kratzen, sie kopieren ungeniert die Gewalt der weißen Anführer, nur noch gewaltsamer. Da die Knäste in Kuala Lumpur nicht ganz so sauber sind wie eine JVA in Japan, gleitet das Verfahren oft in Menschenrechtsverletzungen ab, in Säuberungen, Hinrichtungsorgien und Schutzgelderpressung, um das nackte Leben zu retten. Der Mensch ist schlecht und verdient nichts Gutes. Wenigstens das kann man den Militärdiktaturen sofort glauben.

Natürlich könnte man den Markt austrocknen, indem man die Verbote aufhebt, die Konsumenten sozial betreut, den Stoff einer Qualitätskontrolle unterwirft, ihn hoheitlich abgibt und besteuert. So, wie man in einer ohnehin fragilen Wirtschaft auch die Existenz der Bevölkerung durch die Zahlung eines bedingungslosen Grundeinkommens sichern könnte. Aber der schöne Krieg an allen Fronten, um die verdammten Minderheiten, die in der Summe eine Mehrheit sind, um sie alle zu knechten – denkt denn keiner an den schönen Krieg?





Stammbaumforschung

29 07 2020

Hier war schon länger nicht mehr gelüftet worden. Aber das passte zu der düsteren Kneipe, in deren Ecke Doktor Doppler den Inhalt seines Köfferchens ausbreitete. „Die ersten werden gleich da sein“, erklärte der Politologe. „Bestellen Sie sich schon mal ein Bier, dann können wir gleich anfangen.“

Unter einem Dorfkrug hatte ich mir etwas anderes vorgestellt, aber auch das hier war durchaus bezeichnend. Aus dem Hintergrund dudelte kratzig und monoton ein Spielautomat, die Aschenbecher wurden vermutlich einmal im Jahr grob gesäubert, das Getränkeangebot entsprach in etwa der Genfer Konvention: wer hier reingeriet, verdurstete nicht. Damit war der Kultur aber auch Genüge getan. Der Wirt, ein faltiger Mann von undefinierbarem Alter in einer Lederweste, die noch älter sein musste als er selbst, ließ in stoischer Ruhe Bier in die Gläser laufen. Langsam betraten die Gäste den Raum, einer nach dem anderen, und setzten sich missmutig auf Bank und Stühle. „Lahnstein“, murmelte einer der Herren, eher verärgert als erfreut, mit der halben Andeutung eines Kopfnickens. Er und der zweite, der sich später als ehemaliger Postbote zu erkennen geben sollte, hatten schon die Gläser vor sich stehen. So hätte der Abend enden können.

„Sie haben dies sicher schon gelesen“, begann Doppler die Runde, indem er ein Schriftstück in die Mitte des Tischers schob. „Tja“, sagte Jensen, „da macht man nun so Aufhebens davon, dabei ist da gar keiner zu Schaden gekommen.“ Der seit Jahren pensionierte Verwaltungsbeamte, der überwiegend im Rathaus seinen Dienst versehen hatte, wiegelte ab. „Dass die das nicht als Postbrief verschicken, sondern als elektronische E-Mail, das ist ja auch zu bedenken. Das hätte man einfach löschen können.“ „Jedenfalls hätte ich einen Drohbrief sofort bei der Polizei angezeigt. Sofort!“ Theodor Motzfeld, als Feuerwehrmann mit 64 im Ruhestand, sank in den Stuhl. „Ich will gar nicht wissen, woran Du einen Drohbrief erkannt hättest“, warf er ein. Hubert kniff beleidigt die Augen zusammen. „Am Umschlag. Nach spätestens zwanzig Jahren weiß man, was in einem Brief steht, und muss ihn nicht mehr…“

„Und einen Doppelten“, brummte Zeisig. „Wie immer“, bestätigte der Wirt und stellte die beiden Gläser vor den Pferdewirt. „Es handelt sich hierbei um schwerste Straftaten“, wandte Doktor Doppler ein. „Na“, sagte Motzfeld bedächtig, „es sind nicht nur Ausländer gewesen.“ „Die können doch wieder nach Hause ziehen“, gab Jensen zurück, doch Karl-Friedrich Lahnstein wusste es besser. „Manche von denen sind hier geboren.“ „Dann sind es eben keine Ausländer“, beharrte Zeisig und kippte den Kurzen. „Deshalb auch die Mails“, bestätigte Jensen. „Wenn man Ausländern schreibt und nicht weiß, wo die sich gerade aufhalten, macht man das per Mail, weil die überall zugeschickt wird.“ Keiner konnte der Logik widersprechen. Sie schauten beruhigt in ihre halbvollen Biere.

„Der Skandal ist doch aber“, mischte sich der Doktor erneut ein, „dass es sich um einen Polizisten gehandelt hat, und um seine Frau.“ Motzfeld legte die Stirn kraus. „Um einen ehemaligen“, korrigierte er. „Ein ehemaliger Polizist, also handelt es sich nicht mehr um ein Dienstvergehen.“ „Und wie kam er dann an einen Polizeicomputer?“ „Das muss er doch wissen“, stichelte Lahnstein. „Wer einmal zur Verwaltung gehörte, der ist immer noch gern als Gast gesehen und kann, nur mal so als Beispiel, den Pritschenwagen vier Wochenenden hintereinander als nicht fahrtauglich melden, weil seine Tochter gerade am Waldpark das Häuschen baut.“ Jensen grinste. „Ich wäre ganz vorsichtig“, antwortete der bullige Brandmeister. „Sonst kommt noch raus, dass einer seit 1975 die Fotokopien fürs Archiv des Anglervereins im Bürgermeisterbüro macht.“

„Sagen Sie mal“, ergriff Zeisig das Wort, „Sie sind doch einer von der Staatspresse, richtig?“ „Wie kommen Sie darauf?“ Doktor Doppler war ehrlich entrüstet. „Ich arbeite für das Bundesministerium des Innern!“ Der Wirt begann sofort, die Schnäpse wieder nachzufüllen. „Das ist doch fast dasselbe“, motzte der Briefträger. „Entweder Sie finden raus, was die am nächsten Tag im Fernsehen sagen sollen, oder das Fernsehen sagt Ihnen, was Sie am nächsten Tag rausfinden müssen!“ Zeisig goss den Korn in den Hals. „Wollen Sie uns denunzieren, weil wir uns von dieser kommunistischen Diktatur nicht den Mund verbieten lassen?“ „Das darf man ja alles in der Öffentlichkeit schon gar nicht mehr sagen“, ereiferte sich Motzfeld. „Ich kenne genug, die sind von der Polizei abtransportiert worden!“ Ich stellte das Glas ab. „Gut, wen denn?“

„Es hat keinen Zweck.“ Doktor Doppler ging noch einmal die Anweisungen des Protokolls durch, bevor er den Koffer schloss. Es war auch schon dunkel geworden. Jeden Augenblick musste das Taxi kommen, das uns bis zum Bahnhof in der Kreisstadt fahren würde. „Dennoch halte ich es für eine gute Idee, wenn man in diesen politisch so unruhigen Zeiten den Konflikten auf den Grund geht und sich genau überlegt, woher diese irrational aufgeladene Haltung kommt und wie sie sich auf die sozialen Spannungen auswirkt.“ Hastig zündete er sich eine Zigarette an. Nach ein paar Zügen wirkte er schon entspannter, aber auch resigniert. „Wir müssen es wohl zugeben, es gibt immer noch eine gewisse Schicht, die sich nicht integrieren will und auch gar nicht integrieren kann. Was meinen Sie, so als verfassungstreuer Staatsbürger – ob man die einfach aufgeben soll?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXIII): Der Zug der Idioten

17 07 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Man kann ihnen viel vorwerfen, aber im Wesentlichen blieben sie sich immer treu. Oder wie sonst sollte man es nennen, dass Ugas Sippe immer wieder trockenes Holz in der Nähe des gemütlichen Feuers innerhalb der Höhle aufbewahrte, das nur zu schnell in Flammen aufging und für ein bisschen Bequemlichkeit die komplette Behausung samt des Nachwuchses abfackelte. Zur Steigerung der Ernte griff der Hominide nicht nur zur sattsam bekannten Buntbeere, sondern klaubte auch allerhand Zeugs am Wegesrand ab, woraufhin der Kalorienbedarf für die dezimierte Familie sich messbar senkte. Ganz ohne Furcht nutzte die Bande auch den Weg am westlichen Hang, der nach starken Regengüssen munter bröckelte und den freien Fall in die sanften Täler freigab – Gleitschirmflieger wissen diese Landschaft noch heute zu schätzen, haben aber die weniger harte Landung. Sie sehen das Verderben, aber sie halten die kausalen Zusammenhänge für Singularitäten. Jedes mal wieder, vor der Erfindung der Sprache und bis in die Gegenwart. Der Zug der Idioten marschiert ungehindert durch die Zeit.

Der Energieaufwand, mit dem reale Gefahren abgewendet werden könnten, wird fleißig genutzt, genau die Gefahren zu ignorieren, und dann, wenn sie augenscheinlich vor allen stehen, sie weiterhin zu leugnen. Dies scheint das Grundproblem der Erkenntnistheorie, mit den Schimmelhirnen der bereits verbrauchten Generation in die Jetztzeit zu wanken in der steten Hoffnung, dass sich durch Zufall die Naturgesetze verändert haben. Natürlich ist der Mensch Risiken ausgesetzt, siedelt er doch von alters her in so frucht- wie furchtbarer Nähe der Vulkane, die ihn fördern und auslöschen. Allein der arttypische Intellekt und seine intermittierende Lernfähigkeit sorgen dafür, dass er auch alternative Möglichkeiten in Betracht zieht. Aber nicht immer.

Ein Musterbeispiel für die verschwiemelten Vorstellungen von Unterkomplexität ist das stetige Hereinfallen auf die Denkmuster des Faschismus in Gestalt einer fälschlicherweise als konservativ verstandenen Gesellschaftsentwicklung. Reichlich Bauernschläue und einäugiger Zweckoptimismus helfen dem Nappel, noch letzte Rest von Geist zu plätten, und schon geht der Ritt wieder los, wie er immer schon aussah: sein Plan, die Vorteile des Totalitarismus ausnutzen wollen, ohne aber seine tödlichen Gefahren in Kauf nehmen zu müssen, geht erwartungsgemäß schief und endet in einer Katastrophe, die es nach hastigen Berechnungen der Berater gar nicht hätte geben dürfen, worauf ein paar Exorzisten den Schutt beseitigen und sich auf die nächste Runde freuen.

Das Verschieben von Gefahren auf vermeintlich beherrschbare Lösungen birgt den großen Fehler, dass damit meist ein früher Zustand vor der Havarie gemeint ist, als könne man einen Tsunami mit zehn Minuten mehr Zeit zum Fliehen noch ungeschehen machen. Idioten erkennen nicht, wann Kipppunkte erreicht sind und was diese für die Entwicklung bedeuten. Als ob vorsichtiges Vorantasten ganz am Rande des Strudels Schutz brächte, entwickeln die Bescheuerten eine Art von Gottvertrauen, die an Realitätsallergie auf klinischem Niveau grenzt. Dazu entwickelt gerade die populistische Schicht, für die noch immer alles gut ausging – meist war sie erst nach dem letzten Desaster geboren oder gar nicht von einem großen Unglück betroffen – eine Verachtung der Gelehrten, die ihresgleichen sucht. Es muss eine kognitive Verzerrung geben, die den sattsam bekannten Dunning-Kruger-Effekt weit hinter sich lässt und die Stars der Bräsigkeitsliga zu Meinungsführern macht, deren Dämlichkeit die ganze Gesellschaft an die Wand fahren lässt. Der Zug der Idioten klingelt an jeder Tür, und er findet jede Menge Gefolgschaft.

Diese kollektive Fehlleistung lässt sich mühelos auf viele andere Dummheiten übertragen. Solange die Einkaufszentren und Freizeitparks noch nicht abgesoffen sind, dieseln wir beschwingt über die Autobahn. Wenn noch keiner in der Familie sein pandemiebedingtes Frühableben zelebriert hat, muss man Freizeitparks und Einkaufszentren auch nicht mit Stofflappen vor dem Gesichtsübungsfeld betreten. Die Deppenpolonäse wälzt sich behäbig durch die von Passivität geprägte Zusammenrottung der Zufallsgeburten, denen alles außerhalb ihres Körpers sowieso gleichgültig scheint, es sei denn, sie hätten dafür bezahlt.

Eine gewisse Meisterschaft hat der Mensch darin erworben, seine Art vor den bizarrsten Folgen gemeinsam praktizierter Torheit zu schützen, indem er eine Reihe bemerkenswert primitiver Knalltüten in herausgehobene Stellungen wählt, um mit ihnen auch gleich den geistigen Dreckrand der Spezies aus der Inkarnation zu kärchern. Bei konstanter Gründlichkeit könnte das gelingen, doch mangelt es vielen Teilnehmern am Populationsexperiment an der erforderlichen Kooperationsbereitschaft, von der Fähigkeit zur Mitarbeit ganz zu schweigen. Es ist nicht auszuschließen, dass sich diese Spezies in einem Arbeitsgang komplett selbst beseitigt, alle Voraussetzungen dazu sind optimal erfüllt und das Procedere ist lückenlos dokumentiert. Was man uns auch vorwirft, darin bleiben wir uns treu.





Darknet

13 07 2020

„… dass der Stadtbezirksbeirat Dresden-Neustadt beschlossen habe, das Internet an einzelnen Tagen abzuschalten. Noch herrsche zwar keine Klarheit darüber, wie das technisch umzusetzen sei, die Räte seien aber fest entschlossen, sich noch vorher zu…“

„… den Internethandel kontrollieren müsse. Da die Konkurrenz für die lokalen Geschäfte zu groß werde, müsse man auch durch Maßnahmen wie diese eine abschreckende Wirkung auf die…“

„… die statt der geplanten verkaufsoffenen Sonntage ausgewählt würden. Man wolle an diesen Tagen das Internet von zwölf bis achtzehn Uhr ausschalten, um durch Umsatzeinbußen bei den…“

„… verteidige die FDP Sachsen den Vorschlag. Man sei im Osten dankbar für jedes Angebot, bei dem Rechtsradikale ihre Zustimmung oder eine…“

„… sei die Aktion ja nicht als Bestrafung der Händler zu verstehen. Es handele sich vielmehr um eine pädagogische Maßregel, mit deren Hilfe die Bürger dazu gebracht werden sollten, ihr Geld wieder vermehrt im…“

„… nicht verstanden habe. Die Bezirksräte seien jedoch zwischenzeitlich darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass es weder einen Ausschaltknopf noch einen Stecke gebe, mit dem man einfach die…“

„… wolle die AfD-Fraktion im Stadtrat die Aktion nur mittragen, wenn diese ausschließlich dem deutschen Einzelhandel diene. Falls deutsche Geschäfte am Sonntag geschlossen seien, müsse man ausländische Geschäfte doppelt schließen, um die Zerstörung der völkischen Wirtschaft durch die linksextremistisch-islamistische Merkel-Junta in…“

„… kaum verhindern könne, dass alle Dresdner ihre Onlinekäufe dann nach achtzehn Uhr tätigen würden. Die FDP Sachsen wolle dies jedoch durch Steuererhöhungen für Geringverdiener so wenig attraktiv wie…“

„… zu einer Gefährdung der Bürger komme, da von einer Abschaltung auch die Infrastruktur des Universitätsklinikums an der TU Dresden betroffen. Die Landesregierung sehe dies aber weniger als Problem, da zahlreiche Patienten sowieso an Corona und anderen Erkrankungen des…“

„… aber keine Internet GmbH & Co. KG im örtlichen Branchenbuch gefunden habe. Die Bezirksrätin der Grünen wolle deshalb beim CCC nachfragen, ob es sich eventuell um eine nur im Ausland arbeitende…“

„… natürlich nicht in den Einzelhandel gehen könnten, da die verkaufsoffenen Sonntage ja schon abgesagt worden seien. Die Stadt vertraue deshalb auf die Vernunft der Bürger, dass sie ihre Käufe an den jeweils folgenden Werktagen in den…“

„… habe die Partei Die Partei zu verantworten. Oberbürgermeister Hilbert halte das Vorhaben für ‚geisteskranke Scheiße‘, die ‚nur von zugekoksten Hohlschädeln‘ ernst genommen werden könne und habe angeregt, dies auch auf Bundesebene mit Parteichef Lindner zu…“

„… die zuständigen technischen Einrichtungen einzeln schließen lassen wolle. Die Polizei habe bereits zugesagt, verdachtsunabhängig die Deutsche Telekom AG mit mehreren Hundertschaften zu stürmen, wenn sie dabei straffrei bis zu…“

„… sei es beispielsweise für Unternehmen in der Produktion so gut wie unmöglich, den Betrieb für sechs Stunden ruhen zu lassen, da eine Vielzahl der Maschinen in der Industrie 4.0 ohne eine durchgängige Netzanbindung nicht mehr rentabel betrieben werden könnten. Hilbert habe sich dafür ausgesprochen, die Netzpause flexibel auch an einem anderen Tag in den…“

„… die Straßenbeleuchtung in der sächsischen Landeshauptstadt netzgesteuert arbeite. Die CDU-Fraktion warne eindringlich vor einem Darknet, das durch die Unterbrechung der…“

„… wolle sich die Partei Die Partei nicht dazu äußern. Die Stadtverwaltung habe den Vorschlag, statt des Internets lieber überflüssige Politiker abzuschalten, zunächst ohne Prüfung auf die verwaltungsrechtliche Machbarkeit des…“

„… sich der Verein Silicon Saxony entschieden gegen den Vorschlag ausspreche, da die Wirtschaftsregion Sachsen schon durch wenige gezielte Selbstbeschädigungen einen erheblichen Vertrauensverlust bei internationalen Investoren erleiden könne. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer habe zugesichert, dass für den Bereich Mikroelektronik ein kleines bisschen Internet aus Resten vom jeweiligen Vortag in den…“

„… verteidige die FDP den Plan. Man wolle ja das Internet deshalb abschalten, damit die Bürger ausreichend Gelegenheit bekämen, sich die von den Geschäftsleuten präsentierten Waren anzusehen. Da es außerhalb der Wohnung ja kein Internet gebe, werde man bei gutem Wetter eine sehr…“

„… nicht zutreffend sei, dass der Stadtrat keine Möglichkeit sehe, den Einzelhandel in Dresden in den Zeiten der Pandemie zu unterstützen. Es müsse allerdings ausgeschlossen werden, dass von den Aktionen der Onlinehandel profitiere, auch wenn er in der Region Dresden ansässig sei oder den…“

„… habe die AfD-Fraktion nochmals darauf gedrungen, dass bis zur Montagsdemonstration die technische Infrastruktur wieder vollständig…“

„… dass eine Stärkung des regionalen Handels für Online-Vertriebskanäle das Problem nicht löse. Hilbert verstehe nicht, wie man beispielsweise eine Pizza über das Internet versenden wolle, und werde eine Steuersenkung daher nicht als…“

„… das Konsumklima wieder so ändern werde, dass nur der stationäre Einzelhandel gestärkt aus der Krise hervorgehe. Der Stadtrat werde durch die Abschaffung der Maskenpflicht eine positive…“





Eigenverantwortung der Staatsbürger

7 07 2020

„Das tritt nach meiner Kenntnis… – Also erst mal nur in Mecklenburg-Vorpommern, und dann muss man mal gucken, ob Sachsen und Thüringen, aber das ist ja noch nicht entschieden. Wenn wir jetzt die Sicherheitsgurtpflicht aufheben, sind die Menschen immer noch sicher genug.

Die Faktenlage ist ja so, dass wir in den letzten Jahren einen starken Rückgang an Verkehrstoten hatten, was zum Beispiel auch sekundäre Folgen für die Versicherungswirtschaft hatte, für die Planung von Klinikkapazitäten, und so weiter. Da wäre es jetzt volkswirtschaftlich und ordnungspolitisch ja geradezu leichtsinnig, nicht die Konsequenzen zu ziehen und die Sicherheitsmaßnahmen an die neue Normalität anzupassen. Und wir wollen auch nicht verschweigen, dass diese neue Freiheit uns auch die eine oder andere Wählerstimme mehr einbringt. Die Leute können ja schließlich selbst denken.

Selbstverständlich bleibt da ein Restrisiko, das lässt sich nicht eliminieren. Wer das ausblendet oder aber zu stark in den Vordergrund stellt, geht mit der Wirklichkeit nicht ausgewogen genug um, und das führt letztlich auch zur Verunsicherung in der Bevölkerung. Rein rechtlich ist es jetzt ja so, dass Sie eigentlich Ihr Auto nicht einmal umparken dürfen, wenn Sie sich nicht anschnallen. Das würde ich als Hysterie bezeichnen, oder haben Sie in den letzten Jahrzehnten mal die Schlagzeile von den Millionen Verkehrstoten beim Umparken gelesen? Dann fragen Sie sich mal, warum nicht. Wer das behaupten würde, den würden die mündigen Bürger nämlich nicht mehr ernstnehmen, das wissen Sie ganz genau. Also unterstellen Sie uns hier keinen rechtspopulistischen Schwachsinn, den wir niemals gefordert haben, klar!?

Die meisten Autofahrer, und damit meine ich eine Mehrheit von mehr als der Hälfte, fahren vernünftig. Geschwindigkeitsüberschreitungen sind zwar hier und da noch zu verzeichnen, dazu haben wir ja die Polizei, aber es kommt nur selten vor, dass das mal mehr als zwanzig Kilometer in der Stunde zu schnell ist. Das ist gefährlich, und das weiß auch jeder, der sich mit der Materie auf wissenschaftlichem Niveau auseinandersetzt. Wir sind ja auch nicht blöd. Aber die Sicherheit hat in den letzten Jahren solche Fortschritte gemacht, auch in technischer Hinsicht, dass die meisten Risiken schon einmal ausgeschlossen werden können. Die moderne Technik ist inzwischen so weit, dass sie die Gefahren noch vor dem Menschen erkennt und abstellt. Wir müssen darauf eigentlich nur noch reagieren, und das ist dann die Eigenverantwortung der Staatsbürger. Man kann den Menschen auch nicht jede Gewissenhaftigkeit nehmen, das ist sonst Sozialismus. Wenn Sie das wollen, sagen Sie Bescheid, aber dann sind nicht mehr wir zuständig. Nordkorea soll auch sehr schön sein.

Ach, jetzt fangen Sie mit den Gefährdeten an? Haben Sie denn nicht zugehört, was ich gerade zum Thema Eigenverantwortung gesagt hatte? Dann muss man auf gewisse Risikofaktoren eben auch verzichten können. Fahrradfahren ist dann nicht drin. Wenn Sie für Ihre eigene Sicherheit sorgen wollen, dann fahren Sie eben SUV. Das ist meines Wissens nach nicht verboten. Im Gegenteil, wir leben in einer Gesellschaft, in der wir auch Verkehr zusehends als Lifestyle begreifen. Da müssen wir dem Wähler Möglichkeiten eröffnen, auch lustvoll am Straßenverkehr teilzunehmen. Sonst haben wir irgendwann vollkommen leere Straßen. Vor dem Hintergrund, dass wir enorme Summen für den Straßenbau ausgeben, dass dahinter eine komplette Automobilbranche steht, die auch für den Export verantwortlich ist, wäre das eine rein unglaubliche Verschwendung von Steuergeldern. Wir brauchen ein Verkehrsklima, in dem sich die Leistungsträger verwirklichen können.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Taxifahrer zum Beispiel, wenn wir denen jetzt alles erlauben, nur weil es rein rechtlich möglich wäre, das wäre nicht vernünftig. Vor allem wäre das eine vollkommen falsche Signalwirkung, dass jeder tun kann, was er lustig ist. Wie gesagt, Sozialismus. Außerdem sucht man sich seinen Beruf aus, dann muss man mit den Folgen auch leben. Die sind das ja gewohnt, den ganzen Tag mit Sicherheitsgurt zu fahren, damit bestreiten sie schließlich ihren Lebensunterhalt. Es wäre doch Wahnsinn, wenn man für diese Bürger in selbst gewählten Berufen Ausnahmetatbestände konstruieren würde. Das endet letztlich in einer Art Parallelgesellschaft, in der jeder seine eigenen Regeln definieren kann, aber so funktioniert öffentlicher Straßenverkehr nun mal nicht. Das ist eine komplexe Angelegenheit mit vielen Akteuren, die immer wieder aufs Neue ihre individuellen Freiheitsvorstellungen gegeneinander aushandeln müssen. Der Staat kann hier nur die eingreifen, wenn er Anlass zur Vermutung hat, hier könnte sich eine gravierende Fehlentwicklung anbahnen. Aber das machen wird auch nicht ad hoc, dafür muss man ganz objektiv beobachten, welche Folgen sich aus den Einzelbestimmungen ergeben.

Was das für Ihre Urlaubsreise heißt? Da müssen Sie sich schon selbst schlau machen, es gibt ein ausreichendes Informationsangebot, und wenn Sie Fragen haben, wird man Ihnen bei den öffentlichen Stellen selbstverständlich gern weiterhelfen. Wenn Sie dieses Jahr in Deutschland bleiben wollen, kann ich Ihnen übrigens Bayern wärmstens empfehlen. Sehr schöne Landschaften, man kann da auch mit dem Auto alles prima erreichen. Aber ich warne Sie, halten Sie sich an die Vorschriften. Fahren ohne Anschnallgurt wird teuer. Wenn man Sie erwischen sollte.“





Erweiterte Normalität

1 07 2020

„Die Strategie mit Zuhören hat nicht geklappt, weil sie eigentlich immer nur gepöbelt und gedroht und Lügen verbreitet haben. Die Strategie mit Reden war auch nicht erfolgreich, weil sie immer nur Lügen verbreitet und gedroht und gepöbelt haben. Aber wir sind jetzt der festen Überzeugung, wenn wir Faschisten als ganz normale Leute behandeln, dann sind die ganz schnell verschwunden.

Gerade in den regionalen Strukturen und im Osten haben wir da eine Durchlässigkeit erreicht, die wir so vorher noch nicht für möglich gehalten hätten. Auf Landesebene oder in der Bundespolitik muss man ja immer auf die Parteigrenzen achten, da kann man als Linker nun nicht einfach rassistische Sprüche… – Ich komm noch mal rein. Wenn Sie bei den Grünen sind und nicht ausgerechnet Palmer heißen, dann fällt so eine Volksverhetzung ganz oft mal negativ auf. Ja, jede Partei hat da ihr Problem, die SPD hat den Sarrazin, die FDP diese Glatze aus Thüringen, die CDU hat die CSU, aber das geht in der Masse auf. Es fällt nicht weiter auf, wenn man es nicht ständig zum Problem hochstilisiert. Und auf kommunaler Ebene, da zählen doch sowieso nur Überzeugungen, da kann man nicht immer mit dem Parteiprogramm kommen, da muss es menscheln, verstehen Sie? Sonst könnten Sie in Sachsen so eine CDU ja gar nicht erst aufmachen.

So ein Gesangsverein, der der AfD nahe steht, der wird als öffentliche Kultur natürlich auch mit öffentlichen Geldern gefördert. Ob die da jetzt nur deutsches Liedgut singen oder auch mal zur Feier des Tages die eine oder andere nationalsozialistisch zu verstehende Einlage geben, ist doch jetzt nicht das Problem. Das hat ja auch Ventilfunktion, wenn da ein paar junge Männer das Horst-Wessel-Lied schmettern. In der Zeit, in der die proben, natürlich immer infektionsgeschützt, zünden die wenigstens keine Behausung von Merkels Gästen an. Wenn das ein Schützenverein wäre, dann hätten wir da auch nichts einzuwenden. Das haben wir doch bei den ganzen Attentaten schon durchdiskutiert, es sind doch nicht die Waffen, es sind immer Einzeltäter mit psychischen Problemen, und damit die hier gar nicht erst einen Knacks wegkriegen, weil sie sich in ihrem Heimatland von Dutzenden von Afrikanern aus Afghanistan und Syrien in ihrer völkischen Reinheit bedroht fühlen, deshalb dürfen sie auch einem sehr anspruchsvollen Sporthobby nachgehen, das dann eben auch gefördert wird. Wir sprechen heute überall von der Normalität, die wir nach der Krise wieder erreichen wollen, aber es muss dann eben auch eine erweiterte Normalität sein. Bisher haben wir die Nationalsozialisten immer als Gefahr für die Gesellschaft wahrgenommen, aber das ist ein falsches Bild. Wir sollten uns mal fragen, ob die, die sich von ihnen gefährdet fühlen, wirklich zu unserer Gesellschaft gehören sollten.

Und wir sehen ja schon die ersten Ergebnisse. Als Nationalsozialist, so mit Hakenkreuzfahnen und Holocaustleugnen und illegalen Waffen für den Putschversuch, da können Sie heute nicht mehr als Straßenbahnschaffner arbeiten oder auf dem Bau. In der Zivilgesellschaft ist das mittlerweile regelrecht geächtet. Da müssen Sie schon zur Bundeswehr gehen, damit das nicht mehr so auffällt. Gut, Ihre bürgerliche Existenz lassen Sie dann zwar hinter sich, aber wenn ich die Bundesregierung und ihre Verteidigungsministerin richtig verstanden habe, dann ist das ja für eine moderne Armee genau das gewünschte Image. Da dürfen sie dann ein bisschen mit kaputten Hubschraubern spielen, sind immer unter Kontrolle und richten bisher noch keinen Schaden an. Kann man auch mal positiv sehen.

Wenn wir es jetzt nach und nach schaffen, die Parteigrenzen verschwimmen zu lassen, damit die Faschisten nicht mehr so auffallen, dann können wir sie assimilieren. Dann brauchen die ihre Partei bald gar nicht mehr, die Verbände verschwinden und die Organisationen, die wir ansonsten mühsam einen nach dem anderen vom Verfassungsschutz beobachten und vom übereifrigen Innenminister verbieten lassen müssten. Wenn wir das, was noch immer von einigen Teilen der Gesellschaft als krude Verschwörungsideologie betrachtet wird, in den Mainstream integrieren, dann fühlen sich die Reichsbürger zum Beispiel nicht mehr ausgegrenzt. Das ist auch eine Form vom Gewaltprävention, wir wissen zwar noch nicht, ob es wirkt, aber man kann sich ja mal darauf einlassen. Jedenfalls bringen uns Verurteilungen jetzt nicht weiter, nur weil der eine oder die andere eventuell ein kleines Problem mit dem Grundgesetz hat, auch in der Landesregierung, muss man nicht gleich von einer Verfassungskrise sprechen. Das wäre auch fatal, ausgerechnet der politischen Führung ihr Recht auf Meinungsfreiheit abzusprechen, meinen Sie nicht?

Wir haben auch Probleme, so ist es ja nicht. Wenn ich mir diese ständigen Entbehrungen ansehe von den Leuten, die fühlen sich seit fünfzig Jahren benachteiligt. Erst gab es keine Bananen, weil alles nach Berlin kam, die Verwandtschaft wollte keine Westmark rüberschicken, wir hatten Angolaner und Vietnamesen, die haben uns sofort die Arbeitsplätze weggenommen, deshalb gab es dann pünktlich zur Wiedervereinigung auch keine mehr, und jetzt, wo wir noch weniger haben, kommen die Flüchtlinge und wollen gar nicht arbeiten. Damit kommt doch ein gesundes Volk mit einer ordentlichen Ideologie eigentlich zurecht, wenn man denen erklärt, dass sie alles richtig gemacht haben, aber ich frage mich: was ist da schiefgelaufen?“





Extrem

30 06 2020

„Und Sie sind…?“ Bevor ich noch der Dame am Empfang meine Karte hatte reichen könne, kam Minnichkeit aus dem Aufzug, mausgrau wie immer und noch ein bisschen tollpatschiger als sonst. „Wir freuen uns“, strahlte er. „Lassen Sie uns sofort in die Redaktion fahren, er erwartet Sie schon!“

Seit Trends & Friends, der leicht überkandidelten Agentur, hatte er nicht mehr so ein Vergnügen gehabt. Der Bürojob hatte ihn für ein paar Jahre beruhigt, doch nun zog es den Kreativen zurück in sein Metier. „Ich habe ihn entdeckt“, sagte Minnichkeit nicht ohne Stolz. „Wir sind so gut wie ausgelastet, es läuft großartig.“ Der Lift bimmelte, wir hatten das Stockwerk erreicht. Kaum rollten die Türen zur Seite, sahen wir ihn auch schon, wie er aufgeregt mit einem leeren Becher über den Flur stürmte. „Kaffee-Wahnsinn“, keuchte er, „schon wieder leer!“ Minnichkeit nickte. „Er ist in seinem Element. Eigentlich die ganze Zeit.“ „Und was ist noch mal genau seine Aufgabe?“ Der alte Freund zog die Brauen empor. „Er ist unser Schlagzeilenspezialist.“

Wir hatten uns schon im Büro niedergelassen, da kam der Spezialist zurück. „Super-Sommer“, verkündete er. „Was Sie jetzt gegen Monster-Hitze tun können!“ Und er kippte das Fenster. „Ich sehe“, bestätigte ich, „Sie sind ein Meister Ihres Faches.“ „Wir sind auch sehr zufrieden“, sagte Minnichkeit. „Ein komplett neues Geschäftsmodell, und es hat sofort wie eine Bombe eingeschlagen.“ „Business-Killer“, erklärte der Redakteur, „Wahnsinns-Umsatz im ersten Quartal – das Start-Up, das Sie kennen müssen!“ Ich schlug die Pressemappe auf. „Das sind also die Titel der letzten Wochen.“ Doch Minnichkeit rümpfte die Nase. „Ich bitte Sie, das machen wir an einem Vormittag!“

„Chaos-Wirtschaft!“ Offenbar hatte unser Schreiber wieder eine Eingebung. „Deutschland geschockt von Merkel-Plan!“ „Ich kann damit jetzt nicht viel anfangen“, bemerkte ich. Möglich, dass es neue Entwicklungen in der Europäischen Union gab, von denen ich noch nichts gelesen hatte. „So werden wir von Ekel-Ausländern abgezockt!“ „Da lag ich dann wohl falsch.“ Minnichkeit knetete die Hände. „Manchmal ist er ein bisschen, wie soll ich sagen – direkt.“ Ich nickte. „Sie richten sich ja auch nicht gerade an eine intellektuelle Zielgruppe.“ „Noch mehr Hartz IV!“ „Ist das jetzt gut oder schlecht?“ „Bezahlt Merkel Corona-Drosten?“ Ich merkte, dass ich eine Pause brauchte. Zum Glück war ihm auch der Kaffee ausgegangen. Wir konnten uns auf dem Balkon ein wenig die Beine vertreten. Dort draußen war die Sommerluft sogar angenehm.

„Klopapier-Terror“, stöhnte er und setzte sich wieder in seinen Drehsessel. „Ist Steuer-Irrsinn jetzt noch Deutschland?“ Ich nippte nur einen kleinen Schluck aus meiner Tasse, aber Minnichkeit lief rot an. „Wir hatten das doch gerade erst“, stöhnte er, „das kann doch jetzt nicht schon wieder… – “ „Hitler-Gold!“ Ich schielte nach dem Fenster. „Vielleicht ist es doch ein bisschen warm hier.“ Ich hatte recht, und der Werbekaufmann erklärte es mir sogleich. „Er läuft ab und zu heiß, dann bleibt er an einer Ecke hängen und wir müssen ihn langsam wieder beruhigen.“ Ich stellte die Tasse zurück auf den Tisch. „Scheint sich um die rechte Ecke zu handeln.“ Minnichkeit räusperte sich mit einer Art von Bestimmtheit, die ich von ihm gar nicht kannte. „Sie wissen, aus welcher Branche ich komme, und da muss man schon darauf achten, dass man sein Produkt auch verkaufen kann – wir würden doch sonst die Leser gar nicht erreichen.“ Ich lehnte mich zurück und wollte gerade antworten, aber ich kam nicht dazu. „Sex-Schock! Extrem-Ausländer! Wird Deutschland von Feministinnen vergewaltigt?“ „Ihr Problem“, antwortete ich kühl, „ist nicht Ihre Branche, Ihr Problem sind Ihre Kunden.“

Minnichkeit blieb eingeschnappt; er rührte noch ein bisschen in seiner Tasse herum, dann blätterte er wieder in der Mappe. „Wir müssen ja heute noch ein bisschen arbeiten“, sagte er schmallippig. „Von alleine macht sich das ja nicht, auch wenn es Ihnen so scheint.“ „Klinik-Skandal“, setzte der Redakteur ein. „Impf-Irrsinn! Merkel fordert neue Risiko-Milliarden für EU! Corona-Wurst tötet Rentner! Ist Autofahren bald verboten?“ „Vielleicht sollten Sie die Installation einer Klimaanlage in Erwägung ziehen.“ „Ruhig“, zischte Minnichkeit. „Das sind die besten Titel, die uns pro Stück mindestens…“ „Lügen-Virologe kriegt Geld vom Staat! Drama im Freibad – Kinder schwimmen in den Tod! Fußball-Entzug für Hartz-IV-Schnorrer! Asylanten fordern Milliarden für Drogen!“ Er hustete kräftig; nicht auszuschließen, dass es psychosomatisch war. „Randale-Migranten – Prügelstrafe jetzt! So viel Geld kosten uns Arbeitslose! Linke wollen alle Polizisten ins Lager schicken! Deutsch-Terror – Grüne schaffen Zigeunerschnitzel ab!“ „Schön“, lobte Minnichkeit, „sehr, sehr schön. Das ist einer der besten Tage seit langem, und ich muss sagen, ich bin wirklich zufrieden mit Ihnen.“ Fast hätte man sagen können, dass ein Lächeln über das Gesicht des Schlagzeilenproduzenten gehuscht wäre, aber vielleicht hatte ich mich auch nur getäuscht. „Wie Sie sehen, haben wir mit unserem Geschäftsmodell eine große Lücke im Journalismus geschlossen und sind auf dem Weg zum großen Erfolg.“ Ich lächelte. „Minnichkeit, nehmen Sie es mir nicht übel, aber dass jemand die Schlagzeilen zu Zeitungsartikeln…“ Er winkte ab. „Nein, Sie haben das nicht verstanden. Er liefert die Titel. Was die Zeitungen dann für Artikel schreiben, das ist nicht mehr unser Problem. Wie gesagt, ein ganz neues Geschäftsmodell.“