Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXXVIII): Die imaginäre Mehrheit

23 08 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wir haben heute keine belastbaren Zeugen mehr für die Entscheidung, die einer Seitenlinie des Stammbaums von Rrt den Weg in das große Dunkel geebnet hat. Zwölf Jäger hockten um das Feuer in der Gemeinschaftshöhle an der östlichen Felswand, und zwölf von ihnen waren der Ansicht, der Bär im angrenzenden Wäldchen sei nicht nur ordentlich zu braten, er sei vor allem einfach zu erlegen. Alle sahen sich schon als große Helden des Waidwerks, von Generation zu Generation wie Halbgötter verehrt, da sie die behaarte Beste furchtlos zur Strecke gebracht hatten. Eine knappe Stunden später verteilte sich ein Teppich aus Fleischbrei und Knochensplittern zwischen Gebüsch und Steppe, wo der grantige Großsäuger die prähistorischen Knalltüten in Einzelteilen entsorgt hatte. Eine nach demokratischen Maßstäben nicht anfechtbare Entscheidung, das muss man ihnen schon lassen, aber die Folgen waren von und für Idioten. Nicht immer ist die Mehrheit segensreich.

Das Totschlagargument des Plärrguts, wer kennt es nicht: es sind die meisten, die schreien, also sind sie im Recht. Ausnahmsweise kommt das Konzept mal ohne die schweigende Mehrheit aus, die immer nur dann auf die Monstranz genagelt werden muss, wenn sich die populistischen Sackpfeifen in ihrem eigenen Sumpf auf die Fresse packen. Wer brüllt, ist die Mehrheit. Interessante Nebeneffekte wie die Entscheidung durch Einzelne, wie sie in jeder politischen Konstruktion außerhalb der Anarchie im Tagesgeschäft vorkommen und den Gang der Gesellschaft ausmachen, sie kommen im Modell der Mehrheit nicht vor, und das aus gutem Grund nicht. Denn nicht nur ist es soziologische Binse, dass jede Mehrheit aus verschachtelt korrelierenden Minderheiten besteht, keiner will auch plötzlich zu einer Minderheit gehören. Nicht und nie.

Das beliebte Beispiel, in einer westlichen Demokratie, die die Todesstrafe konstitutionell abgeschafft hat, diese per Volksbegehren wieder einzuführen, weil es dann ja der Mehrheit als moralisch vertretbar erscheint, zeigt zwei Fehler. Zum einen steht die Mehrheit mitnichten über der Moral – meistens eher darunter – und nicht über dem Gesetz, über der Verfassung schon gleich gar nicht, sonst wäre letztere so unnötig wie erstere. Zum anderen sind Sperrminoritäten nicht umsonst auch da eingerichtet, wo die DNA einer politischen Gesellschaft sich verändern lässt. Was ein Volk oder wenigstens eine wählende Minderheit glaubt, ist noch nicht die Vernunft.

Wäre also bei einer Abstimmung, an der nur ein Prozent der Wahlberechtigten teilnähmen, automatisch die schweigende Mehrheit fähig, das Ergebnis zu bestimmen, und wenn ja, wäre ihr Schweigen zugleich Zustimmung oder doch wieder Ablehnung, weil sie nicht für die Veränderung votiert hat? Wenn je eine Hälfte auf dem Land wohnt und in der Stadt, je eine Hälfte der Hälfte aber bessere Straßen für den Individualverkehr fordert oder den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, gibt es dann eine Mehrheit oder zwei oder nur eine, die keine ist, aber eine ist, wo sie das Gegenteil will? Und sind fünfzig Prozent immer die Mehrheit, wenn die Minderheiten zusammen auf dasselbe Stimmgewicht kommen?

Lustigerweise sind es die Errungenschaften der Aufklärung, die gegen eine unzivilisierte Mehrheit durchgesetzt wurden, die nun einmal die Ränder der Normalverteilung stellen. Könnte ein ansonsten demokratisch verfasstes Volk durch Abstimmung beschließen, einen Genozid an einer Minderheit in ihrer Mitte durchzuführen, so hätte sich damit jeder Anspruch auf Demokratie erledigt – wer auch immer mit der verschwiemelten Denkhülse kommt, eine Partei, die dies plante, müsse man doch als normale politische Größe akzeptieren, wenn sie demokratisch gewählt sei, hat in mehr als einem Fach Tiefschlaf gewählt. Würde ein Dorf mit der Mehrheit von neunzig Prozent beschließen, die restlichen zehn Prozent wegen ihrer Rothaarigkeit umzubringen, könnte das restliche Gemeinwesen sich nicht vielseitig desinteressiert zurücklehnen und die Hinterwäldler mit ihrem trüben Geschäft alleine lassen, weil es sie nun mal nichts angeht? Und sollte man, statt die ethischen Fundamente einer Gesellschaft zu ramponieren, nicht lieber Steuerhinterziehung straflos stellen, weil sie ein Kavaliersdelikt ist, das von der Mehrheit trotz eindeutiger Gesetzeslage zum Volkssport aus Notwehr gegen den bösen Staat erhoben wird? Wichtig ist nur, keine Drogen zu entkriminalisieren, weil die böse Schäden fürs Volk bedeuten – bis auf den Suff, den die Mehrheit als zivilisatorisches Gut anerkennt und ihn also schützt vor Verfolgung und Verbot.

Millionen Tiere fressen Scheiße und das aus physiologisch gutem Grund, aber noch keiner hat ernsthaft hinterfragt, warum der rezente Mensch so ineffizient in seiner Ernährung isst und die eigenen Ausscheidungen verschmäht. Es sind Aufgeklärte, die im Strahlenkegel der eigenen Erleuchtung auf der Autobahn Geisterfahrer sehen, Tausende von Geisterfahrern. Was soll’s, sie fahren alle gegen die Wand. Aber sie werden Recht haben. Bis zuletzt.

Werbeanzeigen




Volksflugscheibe

22 08 2019

„… wieder Kolonien brauche, um seinen Machtanspruch weltpolitisch zu untermauern. Kalbitz habe vorgeschlagen, von einer Sondersteuer Malta zu kaufen und als Teil Deutschlands im…“

„… nicht erheblich sei, dass die Insel zur EU gehöre. Meuthen werde sich noch in der laufenden Wahlperiode dafür einsetzen, dass die Europäische Union abgeschafft werde, um die völkerrechtlichen Grundlagen einer…“

„… abgeraten habe. Höcke akzeptiere kein Territorium mit einer semitischen Leitkultur und werde die Annexion Maltas mit der männlichsten Härte, die die deutschblütigen Verteidiger der…“

„… sich für einen Außenposten der Festung Europa durchaus eignen würde. Weidel plane das Heinrich-Himmler-Bildungszentrum für maritime Grenzverteidigung vor den afrikanischen…“

„… von der maltesischen Politik auch noch etwas lernen könne. So sei das absolute Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen für von Storch eine vorbildliche Regelung, die auch im deutschen…“

„… die Sondersteuer durch eine Abgabe auf Sozialleistungen eintreiben wolle. Dies laufe dem Parteiprogramm der AfD zwar entgegen, Meuthen sei aber hier kompromissbereit, wenn es um die…“

„… derzeit noch ablehne. Offen sei Seehofer allerdings für eine Internierungseinrichtung, in der Flüchtlinge einen Asylantrag stellen, in Lagerhaft sitzen, versehentlich erschossen werden und wieder zurück ins…“

„… die maltesische Bevölkerung derzeit einen muslimischen Anteil von 0,3% aufweise, was nach Kalbitz’ Überzeugung eine Islamisierung im fortgeschrittenen Stadium darstelle und nur durch die Diktatorin Fatima Merkel gesteuert worden sein könne. Die ethnische Säuberung des Beitrittsgebiets sei deshalb Chefsache und werde von…“

„… es bisher keine Anfrage gegeben habe und eine solche Anfrage gar nicht erst beantwortet werde. Die spanische Regierung habe erklärt, dass weder eine deutsche noch eine britische Absicht, Mallorca zu kaufen, von der…“

„… der Bevölkerung zuerst der Aberglaube an Umweltschäden durch die von Juden und Schweden mit islamistischem Geld propagierte Klimalüge ausgetrieben werden müsse. Dazu werde Kalbitz die von ihm als ‚grünlichtverstrahlte Spasten‘ bezeichneten Schüler in einer Umerziehungsanstalt von der Meinungsdiktatur der bisher im…“

„… werde man die Mittelmeerinsel anlässlich ihrer Heimführung ins Neue Deutsche Reich in Groß-Malta umbenennen und ihr einen Autonomiestatus als Protektorat des…“

„… müsse Deutschland unbedingt eine im Mittelmeer gelegene Insel als Ferienziel haben. Weidel habe erkannt, dass zahlreiche südlich gelegene Länder wie Afrika oder die Schweiz inzwischen vornehmlich durch Messermänner und andere kriminelle Invasoren in die…“

„… ziehe Gauland zur Finanzierung der Kaufsumme auch eine Enteignung migrantischer Gemüseläden in Erwägung. Die Regermanisierung des deutschen Lebensmittelhandels sei außerdem eine notwendige Maßnahme, um den von Muslimen mit jüdischem Kapital finanzierten und von der Diktatorin Sara Merkel geplanten Fäkaliendschihad im letzten Moment zu…“

„… sich Island wegen der Verwandtschaft mit den nordischen Rassen besser eignen würde. Höcke sei sehr davon angetan, dass die Insel als Vorposten der neuen germanischen…“

„… habe die Regierung angekündigt, allen deutschen Schiffen die Landung in maltesischen Häfen zu untersagen und sie notfalls unter Beschuss zu nehmen. Eine Invasion werde es mit der …“

„… den Ökotourismus abschaffen wolle, der nur die Bevölkerung, nicht aber die deutschen Beschützer der Insel unterhalten würde. Weidel wolle mehrere der größten Kreuzfahrtschiffe, die je gebaut worden seien, zu einer durchgehenden Erreichbarkeit von Malta insbesondere für AfD-Mitglieder und verdiente Mitglieder der…“

„… habe Kalbitz bereits Pläne enthüllt, einen isländischen Landeplatz für die Volksflugscheibe und andere nationale…“

„… auch andere Pläne in Erwägung ziehen könne. Gauland sehe nicht unbedingt die Notwendigkeit, Malta auf friedlichem Wege in das deutsche Hoheitsgebiet einzugliedern, es sei angesichts der Weigerung völkerrechtlich ohnehin vollkommen klar, dass es sich um eine…“

„… der Regierung ein Ultimatum gestellt habe, bis Mitternacht Deutschland freiwillig beizutreten. Andernfalls werde eine bewaffnete Bohrflotte die Gasvorkommen in den Hoheitsgewässern Maltas anzapfen und zur Eroberung der Insel und ihrer…“

„… für Steinbach bereits feststehe, dass bei einem Bombenangriff auf Malta der Feind die alleinige Kriegsschuld trage, da bei einer rechtzeitigen Kapitulation Deutschland nicht gezwungen worden wäre, militärische Mittel zu…“

„… im Kampf gegen semitische Aggressoren den Heldentod gefunden hätten. Die Fregatte Björn sei unmittelbar nach dem Eindringen in die Drei-Meilen-Zone von Boden-Luft-Raketen beschossen und innerhalb weniger…“

„… dem maltesischen Widerstand eine radikale Umvolkung androhe. Einen Waffenstillstand biete Gauland nur an, wenn die Wehrmacht sich auf eine bedingungslose…“

„… an eine Tankstelle gehängt hätten. Eine forensische Untersuchung des Internationalen Roten Kreuzes habe ergeben, dass es sich um Höcke, Kalbitz und die…“





Vibrationsalarm

13 08 2019

Man sah ihm die dunklen Augenringe an; dennoch verbarg Siebels sie hinter einer dunklen Brille. „Die letzten Tage waren nicht einfach“, stöhnte er. „Ich hoffe, dass wir bald diese dämliche Sommerpause hinter uns gebracht haben.“ Und er stürzte schon den zweiten Becher mit billigem Automatenkaffee hinunter.

Das Studio war unbeheizt, und die Morgenfrühe unterstützte die Zugluft. Wer nicht gerade im Licht der bläulichen Scheinwerfer saß und demonstrativ entspannt in die Kamera blickte, bewegte sich mit zusammengeschobenen Schulter und steifbeinig durch die Kulisse. „Sie haben den Sessel doch noch rechtzeitig fertiggekriegt“, brummte Siebels, und aus seinen Worten hörte ich eine tiefe Befriedigung. „Das Möbel sieht ein bisschen plump aus“, befand ich. „Warten Sie ab“, murmelte er. „Warten Sie ab.“ Frieder Marx, seit mehreren Jahren schon nicht mehr auf der Mattscheibe zu sehen, führte ein ganz normales Gespräch mit einem der zahlreichen Experten, die für alles und nichts unter jedem beliebigen Stein hervorkriechen, wenn eine Kamera oder wenigstens ein Mikrofon in der Nähe sind. Es sirrte von irgendwo her, ein ganz leiser und sehr hoher Ton, der recht unangenehm in den Ohren nachklang. Siebels nickte.

„Wir müssen die Steuersenkungen unbedingt noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg bringen“, verkündete der Nachwuchspolitiker im billigen schwarzen Polyesteranzug. „Nur wenn die Spitzenverdiener über ein stark ansteigendes Nettohaushaltseinkommen verfügen, kann die…“ Weiter kam er nicht. Das immer noch leise, aber immer deutlicher vernehmbare Summen schwoll unvermittelt an, und dann war auch zu sehen, woher es kam. Der klobige Sessel war nicht einfach nur ein Sitzmöbel, er vibrierte. Und er vibrierte mit solcher Stärke, dass der jugendliche Schwätzer auf dem Sitz durchgeschüttelt wurde und kaum noch verständliche Laute von sich geben konnte. „Wenn ich Sie richtig verstehe“, begann Marx seine nächste Frage, aber er musste sie gar nicht mehr stellen. Niemand konnte noch etwas verstehen.

„Eine Art Vibrationsalarm“, erklärte Siebels. „Wir haben uns diese Möglichkeit überlegt, um den üblichen TV-Formaten wieder ihre journalistische Schärfe zu verschaffen, damit nicht so viel Unfug vor der Kamera geredet wird.“ Er knüllte seinen Pappbecher zusammen und warf ihn in einen der vielen Papierkörbe hinter der Kulisse. „Aber wir haben doch in den meisten Sendungen inzwischen einen Faktencheck“, wandte ich ein. Siebels zog nur leicht die Augenbrauen in die Höhe. „Das stimmt“, antwortete er. „Aber erstens kommt dieser Teil erst nach dem eigentlichen Gelaber in der Glotze, was auch dazu führt, dass er von kaum jemandem auch nur zur Kenntnis genommen wird, und zweitens sind es nicht nur die offensichtlichen Lügen und Verdrehungen, sondern auch Framing oder Hetze durch Kampfbegriffe. Das wird durch einen reinen Faktencheck nicht einmal erfasst.“ Ein Praktikant hielt uns ein Tablett mit Kaffeebechern hin. Wir griffen zu. „So kommt es auch zustande, dass ein Faschist mit aller Unterwürfigkeit in einem groß angekündigten Interview seinen rassistischen Dreck vom Stapel lassen darf, ohne dass ein Redakteur einschreitet und ihm den Saft abdreht.“

Inzwischen hatte sich die Diskussion fortbewegt und war bei einer Erhöhung der Mehrwertsteuer angekommen. Der Schnösel verteidigte vehement die ermäßigten Steuersätze für Luxusgüter. Man verstand es nur nicht. „Offenbar ist er der Ansicht, wenn man Rennpferde nur steuerlich begünstigt, hat bald jeder Geringverdiener eines im Vorgarten stehen.“ Siebels sah gelangweilt, wie der Sessel den Talkgast durchrüttelte. „Und das hilft?“ „Das werden wir sehen“, brummelte er. „Zur Not muss man mit Druckluftfanfaren arbeiten, um den größten Müll zu übertönen.“ Ich sah das skeptisch. „Das würde aber das Studiopublikum doch ziemlich erschrecken, meinen Sie nicht?“ Der Produzent nahm einen Schluck von der kaffeeähnlichen Brühflüssigkeit. „Wer sagt denn, dass das Publikum die Druckluft abkriegen soll?“

Die Vibrationsmechanik hatte ihren Dienst getan, der Gast war bis beinahe zur Erschöpfung durchgerüttelt worden wie eine Dose Farbe im Baumarkt. Er konnte kaum noch stehen und musste von einer Assistentin in die Garderobe geführt werden. „Vermutlich wird er jetzt in seiner Lieblingszeitung mit den großen Buchstaben das Lied von der Einschränkung der Meinungsfreiheit jodeln“, sagte Siebels ungerührt. „Für die Fraktion ist ja jegliche Kritik ein Grundrechtsbruch, und dass sich keiner für ihr dusseliges Gerede interessiert, wollen sie vermutlich demnächst unter Strafe stellen.“ „Meinen Sie nicht, dass Medien hier ganz klar ihre Kompetenzen überschreiten?“ Siebels stellte den Becher auf den kleinen Tisch neben dem Mischpult. „Haben Medien die Aufgabe, als reine Verstärken den Schwachsinn und die Lügen von Soziopathen zu verbreiten, oder sollen sie das Ergebnis einer Differenzierung darstellen?“ „Das ist eine Frage der Darstellung“, wandte ich ein. Aber er ließ es nicht gelten. „Dann berücksichtigen Sie aber auch, dass Zuschauer intellektuell beschränkt sind.“ Und schon hatte der nächste Gast Platz genommen, ein älterer Herr mit aufgezwirbelten Schnauzbart. „Der deutsche Widerstand ist nötig“, schnarrte er. „Die Flüchtlingskanzlerin hat widerrechtlich die Grenzen geöffnet, um die…“ Wir zuckten unter dem lauten Knall zusammen. Der Alte verkrampfte sich röchelnd in die Armlehnen. „Er wird es sicher überleben“, stellte Siebels fest. „Sehr gut, das gefällt mir. Sie haben meine Idee wirklich zu Ende gedacht, ich sehe eine deutliche Differenzierung, was die Aussagen angeht und ihre Tragweite.“ Er blickte auf die Liste, die auf dem Tischchen lag, und dann über die Schulter. „Nehmen Sie auch noch Kaffee? Gleich geht’s um Klimawandel.“





Räder müssen rollen

12 08 2019

„Gut, es ist nachhaltiger als Fliegen, man macht nicht so viel Kohlendioxid in die Atmosphäre, und es schon auch den Haushalt. Das ist die Ministerin alles bereit hinzunehmen, notfalls würde sie sogar darauf verzichten, dass die Soldaten zwangsweise zwei Pfund Schweineschnitzel verzehren auf der Heimreise. Hauptsache, der Bürger in Uniform kann endlich in vollen Zügen… nee, streichen Sie das mal bitte wieder.

Wir haben wirklich alles schon gehört. Die Deutsche Bahn gibt ja inzwischen schon zu, dass ihre eigenen Züge ihnen viel zu unpünktlich sind, und dass das zu einem schweren Imageschaden für die Truppe würde, wenn man die am Wochenende auf die Schiene bringen würde. Als der Vorstand dann irgendwann witzig wurde und von ‚auf die schiefe Bahn bringen‘ anfing, sind wir einfach rausgegangen. Das ist nun mal ein Staatskonzern, deshalb funktioniert da auch nichts richtig, aber wir sind als Bundesregierung immer noch mehrheitlich daran beteiligt. Deshalb sollte sich die Deutsche Bahn mal mit dem Gedanken anfreunden, dass der deutsche Soldat in Zukunft wieder vermehrt zum Zug kommt, wenn Sie wissen, was ich meine.

In Uniform natürlich, immer in Uniform. Darauf legt die Ministerin sehr großen Wert, schließlich muss man die Truppe doch erkennen. Das hat ja auch seine Vorteile. Stellen Sie sich mal vor, es gibt wieder irgendwelche Auseinandersetzungen auf dem Bahnsteig, irgendein Kulturbereicherer fühlt sich psychisch unwohl und hat aus reinem Zufall ein Küchenmesser in der Jackentasche – wollen wir da erst lange verfassungsrechtliche Bedenken ausdiskutieren oder den Bundeswehrwehreinsatz im Innern einfach mal machen? Sie können ja noch ein paar Tode abwarten, wenn da plötzlich wieder ein Kind ins Gleis geschubst wird, aber das sage ich Ihnen, wir sind effektiver als Seehofer. Das ist die ordnende Kraft des uniformierten Auftretens. Wenn Sie nämlich Mitfahrgelegenheiten für die Soldaten organisieren würden, damit die auch am Heimatort ankommen und nicht irgendwo zehn Kilometer entfernt oder einen Tag später, dann hätten Sie nicht diesen Sicherheitseffekt, den wir heute brauchen. In Vierreihe zum nächsten Hauptbahnhof, dann hätte sich auch so manches Problem mit unerwünschter Zuwanderung schnell erledigt. Oder was, meinen Sie, hätte das für eine Wirkung, wenn man sich übers Mittelmeer schleppen lässt, und dann wird man hier statt von Bahnhofsklatschern erst mal von einem ganzen Bataillon in Flecktarn empfangen?

Sie meinen doch nicht ernsthaft, dass sich die Bundeswehrangehörigen von der Deutschen Bahn abschrecken lassen? Das haben die ernsthaft ins Feld geführt, man muss sich das mal vorstellen! Wir haben Truppenteile, die waren in Afghanistan und auf der Gorch Fock, denen können Sie weder mit einer defekten Klimaanlage noch beschissenen sanitären Einrichtungen Angst machen. Wenn Sie meinen, dass unsere Soldaten vor dem Bordbistro wegrennen, weil sie keinen Quinoasalat mehr sehen können, dann haben Sie sich aber geschnitten. Die kennen den Feind, oder was meinen Sie, warum wir jahrelang den Laden heruntergewirtschaftet haben? Wenn der Laden jetzt denkt, weil ab und zu ein paar Triebköpfe nicht funktionsfähig sind, weil die Türen entweder nicht schließen, nicht rechtzeitig aufgehen oder sowieso komplett blockiert sind, dann haben die sich geschnitten. Wir überhaupt nichts, was auch nur halbwegs funktionsfähig fliegt oder fährt oder schwimmt, klar!?

Früher hat man ja noch ganze Kompanien ins Theater geschickt, wenn das Haus nicht ausverkauft war. Wenn Sie sich heute ansehen, wie die Züge ausgelastet sind, dann ist es doch viel vernünftiger, dass man sie auch bis zum letzten Stehplatz mit Fahrgästen belegt – so ein Zug, der mit 140 Prozent Belegung auf der Strecke bleibt, ist immer noch viel umweltfreundlicher als hundert Mofas, mit denen man sowieso nicht auf die Autobahn darf.

Wenn wir nämlich jetzt diese ganzen Kosten, die durch die Truppentransport entstehen, auf das Militärbudget anrechnen lassen, dann kommen wir auf die zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes und die NATO ist zufrieden – wobei wir dabei ja genau genommen auch das Bruttoinlandsprodukt steigern, so dass wir mehr Zug fahren müssen, um die zwei Prozent zu erreichen, und immer so weiter. Aber das ist ein logisches Problem, damit dürfen Sie der Ministerin nicht kommen. Und wenn Sie jetzt noch berücksichtigen, dass die Truppe ja auch irgendwie an die Front kommen sollte, dann haben wir schon mal eine Einnahmequelle für die Bahn gefunden, die einem Einfaltspinsel wie Scheuer nie in den Sinn käme. Mit dem ICE bis an die Front – Räder müssen rollen, na ja, wie auch immer. Und wenn die Bundeswehr bisher immer dazu gedient hat, um der Wirtschaft das Geschäft aufrecht zu erhalten, dann wird man das doch von der Politik auch mal für die Bundeswehr erwarten dürfen, nicht wahr? Da kann die Ministerin in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende der größten Regierungspartei gerne mal die Weichen stellen. Wir müssen rauskriegen, wie man in der Berufsarmee kostenlose Fahrten als geldwerte Leistung versteuert – das kann uns nun wieder der Scheuer verraten, irgendwas muss da bei der Ausländermaut auch gewesen sein in die Richtung – und welche Uniform man da tragen muss, damit die als Fahrkarte gilt. Und ob es da Sitzplätze gibt. Aber so weit sind wir noch nicht. Die Ministerin weiß nicht, was das soll und wie es geht, aber sie weiß wenigstens, dass Deutschland untergeht, wenn wir das nicht schaffen. Wenn das nicht Fortschritt ist, ich frage Sie: was denn dann?“





WLAN-Kabel und Lederhose

8 08 2019

„Es sieht vielleicht so aus, ist aber kein Misthaufen. Und das ist ja das Großartige, es wird das überall in Bayern geben, nicht nur in den Großstädten, wo man es vielleicht erwarten könnte, nein: auch in den kleineren Dörfern im Freistaat wird es die geben, dafür sorgt der Söder schon. Sie sollen mal sehen!

Weil es eben kein Misthaufen nicht ist. Der besteht aus Plastik, das man nicht gleich wieder in den Stoffkreislauf integrieren kann – Integration wird sowieso von einer ganz anderen politischen Instanz verhandelt, das wissen Sie in Bayern aber – und das man nicht gleich wieder nach Afrika zurückschicken kann. Ah, jetzt haben Sie’s! So ist das in der CSU, Sie wollen alles integrieren, aber letztlich landet doch alles wieder in Afrika.

Aber wie gesagt, die Misthaufen. Die sind ja bis jetzt traditionell in einem jeden Dorf in Bayern vorzufinden, das findet der Söder ganz großartig, und deshalb soll es ab sofort auch für Recycling diese Haufen geben, statt der Säcke, die gehen ja meistens schon bei einer Milchtüte kaputt, aber in Bayern kommt die Milch nicht aus der Tüte, sondern aus der Kuh, und deshalb brauchen wir auch keine Säcke. Deshalb machen wir dann diese Misthaufen, die keine sind. Nein, das haben Sie in den falschen Hals bekommen – wenn es großer Mist ist, aber nicht so aussehen soll, dann macht das der Scheuer.

Wir verhindern damit effektiv, dass der ganze Müll in den Weltmeeren schwimmt. Das ist insofern auch sehr uneigennützig, da ja Bayern gar nicht an einem Weltmeer liegt. Und wir verbinden es mit der Tradition, die wir in unserem schönen Bayernland haben, verstehen Sie? Genau so wie bei den Kühen, die unsere Alpenmilch geben, die werden jetzt auf Veranlassung vom Söder umgerüstet. Die sind noch nicht klimaneutral, aber passen Sie auf, der Söder hat befohlen, dass bis 2022 die erste bayerische Katalysatorkuh gezüchtet wird. Da kommt hinten nur noch Heißluft raus, und selbst die kann man in der Staatskanzlei noch recyceln, wenn die CSU mal wieder Lieferschwierigkeiten hat.

In nicht allzu ferner Zukunft wird der Söder die bayerischen Bienen derart gerettet haben, die können mit dem eigenen Flugtaxi zur Arbeit summen. Das ist ein sehr innovativer Mann, der Söder, und vor allem hat der einen Weitblick. Vor zehn Jahren, da hat noch keiner gedacht, dass der einmal die Geschicke des Freistaates lenken würde – gut, tut er auch nicht, das macht immer noch die Autoindustrie, und auch die nimmt lieber so einen Wegwerfkasper wie den Scheuer als Marionette, aber er kriegt das Gehalt des Ministerpräsidenten und ist bis auf Weiteres auf seinem Amtssessel festgeschraubt. Und da er ja ein ungeduldiger Mensch ist, der Söder, gibt er sich nicht mit solchen Kleinigkeiten wie dem Weltklima zufrieden wie die Grünen, der geht gleich aufs Ganze. Bayern oder gar nichts, verstehen Sie?

Es geht ja das Gerücht um, dass diese Kruzifixe in Wirklichkeit nur der Verbreitung von freiem Internet in sämtlichen bayerischen Dienstgebäuden gedient haben. Seitdem der Söder da alle Gebäude hat inspizieren lassen, ist nicht ein einziges WLAN-Kabel gesichtet werden. Verstehen Sie, Laptop und Lederhose war gestern. Jetzt müssen wir uns auf die Zukunft vorbereiten, und die fängt ja bekanntlich heute schon an.

Überhaupt muss mehr für den Umweltschutz in Bayern getan werden, nehmen Sie nur einmal die ganzen Handystrahlen. Es gibt keinen bis heute keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die unschädlich sind, und da muss der Söder streng auf die Einhaltung der Normen achten. Wenn man zum Beispiel Wechselwirkungen mit Feinstaub ins Auge fasst, dann ist es ganz klar, dass das Verbot, im SUV mit dem Handy zu telefonieren, noch viel strenger durchgesetzt wird. Da können furchtbare Unfälle passieren, wir dürfen das nicht zulassen. Ich will ja nicht wissen, wie der Dobrindt zustande gekommen ist, aber meinen Sie nicht auch, das wäre eine plausible Erklärung?

Bienenschutz, Waldschutz, Plastikschutz, mehr Brutto vom Netto, nein, das war die FDP, aber der Bürger braucht auf jeden Fall eine deutliche Entlastung, damit die privaten Haushalte auch mehr in den Umweltschutz investieren können, und zur Sicherheit greift der Söder auch in den Flugverkehr ein. Er hat jetzt angeordnet, dass Flugzeuge so schnell wie möglich raus aus bayerischen Luftraum herausfliegen müssen, damit die Emissionen in Bayern reduziert werden. Ich finde das ganz toll, das zeigt nämlich, dass wir alle etwas für den Umweltschutz und für das Klima tun können, wenn es nur einen gibt, der für uns die großartigen Ideen hat.

Aber natürlich sind das generationsübergreifend gute Pläne, da können Sie absolut sicher sein. Wenn Sie sich mal anschauen, was das alles für Folgen für die Bevölkerung haben wird, dann werden Sie das schon begreifen. Höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch, Abgabe auf Kohlendioxid, Strom wird teurer, die Preise für Bahnreisen werden aus Solidarität mit den anziehenden Kosten für den Autoverkehr nach oben korrigiert, dazu kommt doch noch eine Maut, die muss nur irgendwie in den Umweltschutz fließen, bis dahin finanzieren wir einfach ein paar Flughäfen damit, dann noch die Erhöhung für Gas und Wasser, und dann gucken Sie mal auf Ihren Gehaltszettel: das ist der komplette Kohleausstieg. Den schafft der Söder, wetten?“





Erholungsregression

7 08 2019

„… nicht die Grundschule besuchen dürften. Linnemann sei strikt dagegen, dass Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund ohne ausreichende Kenntnisse der deutschen…“

„… auch aus den Reihen der Union kritisiert worden sei. Der Vorschlag sei geeignet, den Rechtsstaat zu untergraben, da sich dann Migranten nicht an die Schulpflicht halten und ihre Kinder einfach zu Hause im…“

„… sei Schule auch ein sozialer Ort. Dieser müsse jedoch allen Kindern offen stehen, weshalb eine einseitige Konzentration auf volksfremde Elemente nicht hinzunehmen sei. Meuthen…“

„… habe Linnemann auf Nachfrage erklärt, dass die Quote von 16 Prozent, die bei Schulbeginn keine Kenntnisse der deutschen Sprache besäßen, zwar ausgedacht sei, er habe aber während einer privaten Unterredung mit Sarrazin den Eindruck gewonnen, dass 14 Prozent viel zu niedrig seien und sich nicht mit dem Eindruck der gefühlten Mehrheit des…“

„… genau im Auge behalten müsse, wer in Deutschland eingeschult werden dürfe. Gerade die CDU dürfe nicht leichtfertig Nachwuchs für die klimahysterischen Freitagsdemonstranten schaffen, die ihre Schulpflicht absichtlich…“

„… der Erwerb der deutschen Sprache zu einer besseren Bildung führe, die sich auch in mehr abgeschlossenen Berufsausbildungen bei Kindern von Migranten niederschlage. Palmer sehe ein generelles Schulverbot daher positiv, da es die Arbeitsmarktchancen der deutschen Bevölkerung erheblich…“

„… habe Lindner vorgeschlagen, Kindern, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen seien, den kostenlosen Besuch von Privatschulen zu ermöglichen. Als Voraussetzung sehe der FDP-Vorsitzende neben einem gesicherten sozialen und finanziellen Status auch, dass die Kinder nicht mit Arabisch oder ähnlichen Sprachen als…“

„… die Sprachtests bei Fünfjährigen dennoch zu einem signifikanten Ergebnis gekommen seien. Laut Linnemanns Unterlagen hätten Kinder mit rein deutscher Herkunft sofort Worte wie ‚Ball‘, ‚Auto‘ und ‚Sonne‘ den entsprechenden Bildern zuordnen können, während die Kinder mutmaßlicher Wirtschaftsasylanten bereits mit Begriffen wie ‚Erholungsregression‘, ‚Strafverfahrensrecht‘ oder…“

„… dass bei einer gleichbleibenden Quote von Schülern ohne Deutschkenntnisse in spätestens 30.000 Jahren Arabisch als Amtssprache eingeführt werde. Sarrazin habe ausreichend empirische Beweise, die auf seinen eigenen…“

„… die spätere Teilnahme an Sprachkursen zur Integration nicht in Korrelation dazu stehe. Wichtig sei es für die CDU-Vorsitzende, dass eine drastische Reduzierung der Teilnehmerzahl bei Sprachkursen auch ein finanzpolitisches Signal für eine gute und nachhaltige…“

„… würden immer mehr Kinder mehrsprachig aufwachsen. Dies müsse durch strikte gesetzliche Vorgaben erschwert werden, um nicht eine…“

„… erste Schulverweise gegeben habe. So sei einem in Oberbayern geborenen und in Bremen eingeschulten Mädchen der Besuch der Primarstufe verweigert worden, da sie nur Dialekt und keine…“

„… es sehr wohl öffentliche Förderprogramme für Kinder mit Spracherwerbsproblemen gebe. Die CDU wolle aber dabei bleiben, dass diese Art der Unterstützung nur für richtige Bürger, die bereits in der Bundesrepublik…“

„… dass die Mehrsprachigkeit für den rechten Unionsflügel zu einer großen Gefahr werde. Es dürfe keine Anreize geben, sich freiwillig einer Parallelgesellschaft anzuschließen, die dann durch undeutsche Umtrieb die…“

„… den Fall der kleinen Luisa F. (6), die nach dem Vorstoß der CDU vom Schulbesuch ausgeschlossen worden sei, als Folge der Islamisierung bezeichnet habe. Linnemann wolle die Schlechterbehandlung deutscher Staatsbürger nach geltendem Recht nur dann dulden, wenn sie wie im Fall der gescheiterten Ausländermaut mit steuerlichen Kompensationen für die…“

„… dass jetzt schon Kinder mit Schwierigkeiten beim Spracherwerb länger in Kitas und Vorschulen bleiben würden. Dies sei zwar nur etwas weniger als ein Prozent, die Union wolle aber zum Schutz der Mehrheit Anreize zur Rückführung in die…“

„… müsse man leider auch dem kleinen Carl-Friedrich (4) den Frühchinesisch-Kurs verbieten, da die Eltern sonst riskierten, ihr Kind zur Ablehnung der deutschen Leitkultur zu…“

„… dass unter den sprachlichen Spätentwicklern in der Vorschulstufe auch reinblütig deutsche Kinder seien, bei denen sich eine Ausbürgerung in verfassungsrechtlicher Hinsicht schwieriger als erwartet gestalte. Linnemann sei jedoch überzeigt, dass es ausreichend sichere Herkunftsländer gebe, in denen eine Ansiedlung der…“





Terror GmbH & Co. KG

5 08 2019

„Wir bräuchten dann erst mal zwölf Mann für die Montage, plus einen Servicetechniker, der in die Bedienung der Geräte einweist. Die Fahrzeuge sollten nach Möglichkeit innerhalb von zwei Wochen komplett umgerüstet werden, dann können wir die Technik zentral einschalten, und dann sehen wir mal, was passiert.

Man ist ja als Verkehrsunternehmen immer etwas vorsichtig, vor allem auf der Kostenseite. Alles, was wir an Technik einbauen, muss sich auf der anderen Seite auch wieder rentieren, und hier ist es ganz besonders schwierig, weil man Sicherheit nicht unbedingt sofort merkt an den Einnahmen. Aber wir haben schon oft die Erfahrung gemacht, dass wir der Politik einen Gefallen tun und dann mittelfristig von Subventionen profitieren, also muss man das irgendwie in die wirtschaftlichen Überlegungen mit aufnehmen. Es kann ja nicht verkehrt sein, nur weil es sich nicht sofort rechnet.

Wir hatte die Auswahl zwischen einer mobilen Gesichtserkennung, die ist nicht sicher, weil die Daten natürlich gehackt werden können, und einem transportablen Körperscanner im Eingangsbereich. Der ist wegen seiner Fehleranfälligkeit eigentlich überhaupt nicht tauglich für den Masseneinsatz, im Grunde nicht einmal unter Laborbedingungen. Wir haben uns kurz mit dem Innenministerium beraten, die haben uns gesagt, was sie unter ökonomischen Gesichtspunkten davon halten, und wir haben uns dann für beides entschieden. Das klingt jetzt erst einmal sehr radikal, aber das ist es ja letztlich auch. Unter wirtschaftlicher Perspektive werden Sie jetzt einwenden, das zahlt alles wieder der Steuerzahler, aber das ist so nicht ganz richtig. Zunächst einmal geben wir die Kosten natürlich an die Fahrgäste weiter, das ist einfach sicherer. So langfristig kann man ja im Sicherheitsbereich gar nicht planen. Die Innenminister haben da immer mal wieder viel Bedarf zur Nachrüstung, man weiß ja nie, was noch so alles kommt, und dann brauchen wir auch unsere Reserven. Wir müssen die Busse mit den Scannern und der Gesichtserkennung auch irgendwie fahren lassen, obwohl das für die Politik hier nicht primär ausschlaggebend war. Die Hauptsache ist, das Zeug ist erst mal irgendwo eingebaut.

Ich würde es auch nicht unbedingt nur negativ sehen, mit der Neuanschaffung von Komponenten dieser Art entstehen in der Fertigung auch viele Jobs, das muss man anerkennen. In diesem Fall zwar ausschließlich in China, aber immerhin bauen Sie die ja ein. Das sichert auch Ihre Arbeitsplätze, zwar jetzt nur für zwei Wochen, aber auch das ist ja schon mal etwas. Man muss auch mal kleinschrittig denken, schließlich ist das ein gesellschaftlicher Prozess, der gerade erst in vollem Gange ist. Regen Sie sich doch nicht so auf, in Amerika ist es ja viel schlimmer. Wenn da irgendein Ausländer – und die Amerikaner sind ja größtenteils Ausländer und meisten sogar Zuwanderer, sie haben es halt besser verdrängt als wir Europäer – mit der Waffe durch den Supermarkt ballert, dann plärrt am nächsten Tag dieser demente Kasper im Fernsehen, dass die Waffenindustrie noch viel mehr Umsätze machen muss, weil sonst Amerika nicht sicher ist. Wir kommen da bestimmt auch irgendwann mal hin, aber das dauert noch.

Nächstes Wochenende zum Beispiel, hat uns der Verfassungsschutz gesagt, könnte es zu einem Anschlag in einem Linienbus kommen. Der Täter ist aus Afrika, da muss man noch gar nicht mal viel machen, um als gefährlicher Krimineller in die Springerpresse zu kommen, die Hautfarbe reicht im Grunde schon aus, und sie haben ihm auch eine Schusswaffe besorgt. Und Drogen. Ich kann das schon verstehen, wenn man eigentlich überhaupt keine Neigungen hat, in einem Bus herumzuballern, dann muss man sich wenigstens mit Drogen helfen können, sonst klappt das ja nie. Und wir können die Sachen hier letztlich nicht einbauen, das heißt, wir könnten das schon, aber wir haben dann ja nicht den Innenminister, der sofort radikale Maßnahmen fordert. Und dann können wir auch keine radikalen Maßnahmen durchführen.

Sie können das als die letzte Freiheit verstehen, die uns noch bleibt, wenn wir uns die Gesetzgebung und die Sicherheitsmaßnahmen nicht von der Terror GmbH & Co. KG vorschreiben lassen wollen. Das müssen wir schon alleine hinbekommen. Deshalb bleiben wir hier auch selbstbestimmt. Wir könnten ja auch einfach Grenzkontrollen fordern oder die Ausweisung sämtlicher dunkelhäutiger Fahrgäste, aber das würde nichts bringen. An Grenzkontrollen verdient keiner, und wenn wir alle Afrikaner rauswerfen, haben wir bald niemanden mehr, der bei uns Bus fährt. So ein Afrikaner kann sich ja statistisch gesehen gar kein Auto leisten und wohnt sehr weit außerhalb, wir würden uns auf Dauer die Geschäftsgrundlage damit entziehen.

Also erst mal zwölf Mann für die Montage, und Sie bekommen eine Extraprämie, wenn Sie mit dem Auftrag schneller fertig werden. Was das aktuelle politische Klima betrifft, man kann ja nie wissen, ob man es nicht schon eher braucht.“