Nazi!

19 04 2018

„… noch ‚Nazi‘ sagen dürfe. Die Sendung wolle klären, ob eine politisch korrekte Bezeichnung auch für Minderheiten im Bereich des…“

„… von den Hörern begrüßt worden sei. Dies könne laut Intendantin Wille jedoch kein Grund sein, eine einmal angesetzte Sendung auch ins Programm zu…“

„… auch ein Recht hätten, als national gesinnte und besorgte Bürger wahrgenommen zu werden. Zum Ausgleich schlage Petry vor, den Begriff ‚völkisch‘ nicht mehr negativ zu…“

„… wenigstens einen freundlichen Umgangston angemahnt habe. Dass ein gewisser Personenkreis die Verbrechen der Zeit des Nationalsozialismus leugne, verharmlose oder wiederholen wolle, sei noch kein Grund, sie als…“

„… die politische Korrektheit laut Weidel auf den Müllhaufen der Geschichte gehöre. Das heiße jedoch nicht, dass plötzlich jede zugewanderte Muselsau das deutsche Volk mit aggressiver…“

„… zunächst ein Gegengutachten einholen wolle, ob die Aussprache des Wortes ‚Nazi‘ im Rundfunk auch phonetisch korrekt sei. Eine fehlerhafte Vokalqualität sei durchaus geeignet, sich nachhaltig auf das Verhältnis der Deutschen zu ihren eigenen Landsleuten am rechten Rand zu…“

„… die Diskurshoheit nicht dem führenden linksversifften Mainstream überlassen, der zu 87 Prozent Deutschland an den Islam verkaufen wolle. Nur die wirklich mit der Materie politisch und historisch vertrauten Experten seien in der Lage, eine Diskussion auf Augenhöhe zu…“

„… es andererseits nicht nur eine negative Bedeutung des Wortes gebe. Wer beispielsweise an den Holocaust denke, so Höcke, könne auch ein…“

„… man in einer Radiosendung nicht gerne mit Betroffenen diskutieren wolle. Als Insassen von in Brand gesteckten Asylbewerberheimen oder linke Landtagsabgeordnete könne man sicher nicht objektiv beurteilen, ob die deutsche…“

„… dass es keinen ‚Nazikuss‘ gebe. Damit sei das deutsche Volk noch weniger vor rassistischen Anfeindungen geschützt als ausgerechnet die afrikanischen…“

„… überhaupt ein linker Begriff sei, wie Steinbach nochmals betont habe. Der sozialistische Anteil an der Nazi-Ideologie habe erst zu den menschenverachtenden Entartungen geführt, wie sie Stalin, Mao, Willy Brandt und die…“

„… posttraumatische Belastungsstörungen zu erdulden habe. Viele nationalkonservative Teil der deutschen Bevölkerung hätten nach einer sehr schwierig verlaufenden Bildungskarriere und zahlreichen Kontakten mit Drogen, Justiz und Gewalt eine geistig eher nicht so…“

„… nachgewiesen habe, dass das Wort nachträglich von der Antifa mit dem Einverständnis der Weisen von Zion in die historischen Dokumente eingefügt worden sei. Steinbach habe selbst alle…“

„… nur innerhalb der historisch relevanten Periode zutreffe. Danach habe man sie nur noch als Neonazis, allenfalls als Neofaschisten zu bezeichnen, da jeder andere Tatbestand nicht korrekt im Sinne der…“

„… dass die Bezeichnung als ‚Deutsche mit nationalistischem Hintergrund‘ nicht mit den Zielen der Bewegung zu vereinbaren sei. Höcke sei der Ansicht, dass jeder echte Deutsche einen…“

„… nicht darum gehe, politische Korrektheit als Kampfbegriff gegen die Vaterlandszersetzer zu etablieren, die schon längst eine Zerstörung des jüdisch-christlichen…“

„… als Volksverhetzung bezeichnet habe. Die AfD wolle einen Gesetzentwurf in den Deutschen Bundestag einbringen, der die Begriffe ‚Nazi‘ und ‚rechts‘ für in vierter Generation deutschblütig arische, weißhäutige und in den Grenzen des Reiches von…“

„… das Konzept der Sendung keine Nazis berücksichtigt habe, um der öffentlichen Meinung keine Möglichkeit zur Kritik zu geben. Meuthen habe angekündigt, den verantwortlichen Redakteuren der demokratieversifften Hetzpresse nach der Machtergreifung ihre Judendreckfressen mit der ganzen Härte des…“

„… eine ausgewogene Diskussionsrunde angekündigt habe, die aus zwei bekennenden Holocaustleugnern bestehe und zwei Kämpfern für die Reinheit des rassischen…“

„… dass viele gewaltbereite Deutsche mit geistiger Behinderung, Störung der Impulskontrolle und Alkoholproblemen keine Schwierigkeiten damit hätten, als Nazis bezeichnet zu werden. Man könne eine Maßnahme aus politischer Korrektheit aber nicht außer Acht lassen, da diese Personen aus eigenen Mitteln nicht in der Lage seien, ihre…“

„… nur als rhetorisch überspitzte Einstiegsfrage gemeint sei. Keiner wolle anständige Deutsche als Nazis bezeichnen, man wolle nur darüber kritisch diskutieren, ob der linksvegane Mainstream, der seinen Stolz, Deutscher zu sein, noch nicht an den Islam…“

„… müsse auch auf diskriminierende Prägungen wie ‚Halbnazi‘ angewendet werden dürfen. Die sächsische Justiz wolle auf jeden Fall die…“

„… Ausnahmen geben solle. Die Bezeichnung ‚Linksfaschist‘ etwa beruhe immer auf Tatsachen und dürfe daher nicht als strafrechtlich…“

Advertisements




Messerwisser

10 04 2018

„… jeder Angriff mit einem Messer grundsätzlich als Mord gehandhabt werden müsse. Eine Körperverletzung, so die Deutsche Polizeigewerkschaft, könne schon wegen der Gefährlichkeit von Klingen im…“

„… es zum Allgemeinwissen gehöre, dass jeder Umgang mit Schneidwaren ein hohes Potenzial an schwersten und teilweise tödlichen…“

„… keine Entschuldigung sei. Förster könnten sich, sollte ein Fangschuss versehentlich nicht tödlich gewesen sein, durch eine schriftlich beglaubigte Kopie und drei Zeugen als legale…“

„… weit gefasst sei. Metall im Sinne des Gesetzgebers sei vieles, vor allem aus Metall gefertigte Gegenstände, die man ohne eindeutige Zuordnung zu Schicht, Partei, Religion und sexueller Orientierung kaum…“

„… niemand ein Messer mit sich führen würde, der nicht auch die Absicht habe, damit jemanden zu töten. Dies sei ohne Ausnahme und…“

„… auch mit einem Hammer schwerste Verletzungen ausgeführt werden könnten. Man müsse daher das seit Jahren von fremdrassigen Arbeitern durchseuchte Handwerk mit eiserner Faust…“

„… der Vergleich sich für jeden Menschen sowie die Mitglieder der Deutschen Polizeigewerkschaft verbiete. Eine Schusswaffe sei generell harmlos und werde erst durch die illegale Beschaffung, unsachgemäße Handhabung und einen nicht sofort als Akt der Verteidigung gegen Feinde des Volkes erkennbaren…“

„… nicht protestiert hätten, als man ihre Handtaschen überprüft habe. Da man die Besucherinnen der Opernpremiere jedoch wegen des Mitführens von Nagelfeilen und Schlüsseln noch im Foyer entkleidet und enthaart habe, werde eine Sprungbeförderung des bayerischen…“

„… vermehrt Kontrollen durchgeführt werden müssten, um einer akuten Gefährdung für alle Bundesbürger durch zumeist ausländische und von anderen Rechtsvorstellungen überzeugte…“

„… man davon ausgehen könne, dass der Besitz legaler Messer keinen Ausländer davon abhalten werde, diese zunächst für gesetzeswidrige Zwecke einzusetzen, da das ausländische Recht üblicherweise keinen legalen Messereinsatz im…“

„… im häuslichen Umfeld geführt würden. Es sei zu bedenken, dass Messereinsatz bei häuslicher Gewalt nur eine weitere Form von…“

„… auch deutsche Bundesbürger vom Besitz abhalten müsse, was aber schlechte Wahlergebnisse zeitigen würde. Der Ausschuss habe sich darauf verständigt, dass die Geburt oder mindestens zehnjährige Staatsangehörigkeit in Abhängigkeit von Hautfarbe, Religion oder…“

„… werde der Kontakt mit einem Messer in einer straftatähnlichen Lage eine Tötungshandlung im strafrechtlichen Sinne. Einzelfälle könne der Gesetzgeber dabei natürlich auf keinen…“

„… Brandstiftung keinesfalls mit dem Besitz eines Messers verglichen werden dürfe. Während ein Brand auch fahrlässig durch das Zurücklassen einer fehlerhaft angezündeten Propangasflasche auf einem Haufen von Stroh mit Benzinkanistern und zerrissenem Zeitungspapier erfolgen könne, erfolge eine Messerattacke immer durch planvolles…“

„… nicht ausreiche, dass man die bestehenden Gesetze anwende, da diese am Modell eines Rechtsstaates orientiert und eine windelweiche…“

„… zusammengeschlagen und mit mehreren aufgesetzten Kopfschüssen habe vernichtet werden müssen, um die Sicherheit der deutschblütigen Rasse zu schützen. Wendt habe es mehrmals als ‚Wahnsinn, wie könne jemand, und dann auch noch eine Frau, so viel Hass auf Deutschland haben‘ bezeichnet, dass eine fremdländisch aussehende Person mit allen Anzeichen muslimischen Terrors einen Angriff auf die freiheitlich-demokratische…“

„… noch immer Gerichte über die Strafhöhe entscheiden dürften, obwohl sie bereits im Vorwege selbst über Schuld und Unschuld gerichtet hätten. Im Falle eines Wahlsieges werde Reichelt dies umgehend zum…“

„… als Kriegerwitwe immer ein Kopftuch und einen schwarzen Mantel getragen habe. Meta F. (104) habe in Sindelfingen im lokalen Einzelhandel nur ein preiswertes…“

„… eine Verschärfung der Sicherheitsgesetz nicht automatisch zu weniger Messerattacken führen werde. Dennoch verzichte Seehofer nicht auf weitere…“

„… ihr Leben gelebt haben werde, auch wenn sie durch ihr außergewöhnliches Alter dem deutschen Sozialstaat als typische Zuwanderin ostischer Verlustgebiete über Gebühr zur Last gefallen sei. Spahn begrüße den Tod der…“

„… nicht geklärt sei, ob scharfkantige Kugelschreiber und Druckbleistifte in die Klasse der Volkszerstörenden Terrorwaffen, die Seehofers Rassenwarnstelle am…“

„… weiter zurückgehe. Eine Zunahme an rassistisch motivierter Gewalt sei dagegen seit mehreren Jahren vor allem in Sachsen und…“

„… Politiker immer wieder Angriffen ausgesetzt seien. Gauland habe allerdings das Attentat auf Lafontaine verteidigt, da es sich um einen Feind des deutschen Volkes…“

„… zur objektiven Beurteilung der Straftaten eine Erhöhung des Strafrahmens für Messerangriffe nur dann vorgenommen werden könne, wenn gleichzeitig Angriffe auf Zuwanderer ins deutsche Sozialsystem als nationale Notwehr unter die…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDVIII): Irgendwas mit Hitler

6 04 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

In Mosambik kann man abends die Glotze anknipsen und bekommt eine astreine Telenovela. In Litauen wird’s nicht anders sein, es hängt halt vom Anbieter ab. Auch in Österreich besteht noch Hoffnung, beschränkt, aber Hoffnung. In der BRD hockt man vor der Mattscheibe und drischt sich unmittelbar die schönsten Bilder aus dem Bunker in die Birne. Ohne Gnade wird jede Sendelücke mit dem Bettnässer aus Braunau verfüllt. Ob als Sand- oder Gasmännchen, Architekt und Kanzelredner, bis zum weißen Rauschen in der Rinde wird der Deutsche zu einer seltenen Form von Selbstverletzung angehalten, sieben Tage in der Woche, ständig, es gibt ja genügend Sender für den ganzen Müll. Wenn gar nichts mehr geht, geht immer noch irgendwas mit Hitler.

Vermutlich werden um den Gruselclown mit der Zahnbürste im Gesicht ganze Kulturlandschaften in die Geschichte gefräst. Anders ist nicht zu erklären, dass der Diktator sich zum Protagonisten eines ganzen Genres gemausert hat – die Wunderwaffe aus Archivdreck und pseudomoralischem Klarlack über den dialektischen Rissen treibt noch immer die Deppen auf die Couch. Religion und Sport müssen schweigen, wo das Geschwiemel über den Gröfaz jede Dino-Doku plättet. Sie haben die Zuschauer im Blitzkrieg um Marktanteile erobert, jetzt bauen sie eine Festung gegen den angeblich linken Zeitgeist, der sich auch nur noch mit Adolf abgibt, aber von der Unterseite.

Da Hollywood vor dem schreienden Scheitel nicht Halt macht, wurden wir langsam, dafür umso nachhaltiger konditioniert, auf die Wiederkehr des Braunen zu achten in vielerlei Gestalt. Manche Apokalypse des miserablen Geschmacks hätte man durch frühzeitiges Wegbomben noch verhindern können, doch die Brut hat im kortikalen Flokati die ersten Muster eingescheuert. Ein Volk, ein Reich, ein Guckreiz für die Schimmelhirne, die ihre tägliche Gleichschaltung nicht einmal merken.

Dabei ist die Sache doch ein ganz hübscher Wirtschaftsfaktor geworden, dem die Nation blendende Umsätze verdankt, immer neu verpackter Braunbrei in der alten Geschmacksrichtung für nachwachsende Generationen, deren Rezeptoren immer weiter gerundet werden, abgestumpft, ausgelaugt, so dass nur höhere Dosen helfen, mehr Brei, mehr Hitler in allen Variationen. Aus jedem Buch ein neuer Film, aus jedem Film ein neues Buch, das dann, ganz im Sinne einer historisch-unkritischen Aufarbeitung, wieder neu analysiert und eingeordnet und diesmal aber wirklich ganz und gar abschließend beschieden, wie der Führer seinen Pudding aß. Gäbe es für die Abhandlungen über bayerischen Brückenbau, die Schwanzlurche auf der Nordhalbkugel und die Geschichte der deutschen Damenmoden kein Marktpotenzial, mit Hitler und… wächst zack! dem Ding ein Barscheck aus den Rippen, Stoff für drei neue Folgen auf dem Spezialsender oder mindestens eine spektakuläre Headline in der Zeitung mit den dicken Buchstaben.

Manches aus diesem Mustopf wird gar als investigativer Journalismus verkauft, der muffelnde Unterton fix sandgestrahlt und überlackiert, schon steht das komplette Elaborat als stundenlanger Dokuseifenschaum der Schmodderanstalten im Nachmittagsprogramm. Wer dann Zeit hat, sich den Krempel in die Hirnrinde zu drücken, hat diese nicht ohne Grund. Einher geht mit der intellektuell eher schlicht möblierten Dachkammer auch eine Nähe zu zerfahrenem Synapsengebrauch: hätte der Führer Fisch gefressen, vielleicht wäre der Russe an der Elbe stehen geblieben. Der arische Aluhut, das ist mal sicher, wusste immer schon, dass wir in Stalingrad eigentlich gewonnen haben. Aber das darf man ja nicht mehr sagen.

Zumindest nicht in diesem, unserem Lande. In anderen Staaten geht man mit dem Nazi noch scheulos um: sie zeigen, dass es Arschlöcher waren, Schicklgruber inklusive, und pusten sie nicht auf zu Dämonen, die vom Himmel fielen, uns alle in den Untergang gezwungen haben, unter denen nicht alles schlecht war und die wir demnächst dringend wieder brauchen. Zum Aufräumen. Kein lähmender Bannstrahl trifft das Publikum. Es herrscht kein Bildverbot, davon abgesehen wird keine aus reinem Riefenstahl geschmiedete Farbkulisse hinter der Ostfront vorbeigezogen, keine Aufmarschmusik schmettert sich das Zäpfchen wund – diese wohlige Angst, dass das, was wir alle so gern wieder hätten, tatsächlich noch mal alle Maschinen auf Todestrieb umstellen könnte, diese Gänsehautkrankheit kennt nur der Deutsche, der sich höchstens noch dagegen wehrt, dass man seine Hitlerverehrung gleich als nationalsozialistisch auslegt. Er will die intimen Momente, die alltäglichen, in denen er Krieg und KZ ausblenden kann, ewigen UFA-Eintopfsonntag, menschelnden Kitsch im Säurebad. Karies aus der Tube. Der nette Drecksack von nebenan. Man sollte mal etwas machen, um ihm als Individuum näher zu kommen. Vielleicht ein Tagebuch.





Erinnerungslücken

5 04 2018

Natürlich hatte ich an meinen Ausweis gedacht. „Sie würden sonst nicht wieder aus der Station kommen“, bemerkte die Schwester am Empfang. „Jedenfalls nicht so einfach.“

Verwirrte saßen auf den Bänken im Innenhof. Verwirrte standen in den Umgängen, die auf den Hof hinausgingen. „Sie sind schon fast fertig“, erklärte die Leiterin. „Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen das gerne mal demonstrieren.“ Ich verneinte. „Üblicherweise arbeitet die Medizin in die andere Richtung.“ Sie zog eine Augenbraue in die Höhe. „Wir sind ja auch Psychologen. Und wir haben diesen Ansatz so gut wie perfektioniert. Schauen Sie sich mal diesen Mann an.“ Ich sah auf den Umgang gegenüber. „Er weiß ab und zu, wer er ist und was er hier macht. Noch eine Woche, und er wird sogar das gezielt verdrängen können.“

Es handelte sich dabei um einen jungen, aufstrebenden Berufspolitiker, der gerade als Landrat Karriere machen wollte. „Vor der Wahl hat er sieben neue Kindertagesstätten, den Bau eines neuen Krankenhauses und die Umgehungsstraße am Plunderbusch versprochen.“ „Natürlich vor Zeugen?“ Sie grinste etwas schief. „Wie lange beschäftigen Sie sich jetzt schon mit Politik? Es geht gar nicht um die Zeugen, es geht um das Versprechen an sich. Er konnte sich eine Woche nach der Wahl noch an jede Einzelheit erinnern.“ Das erschreckte mich. „An jede?“ Die Leiterin seufzte. „Jede. Ein schwerer Fall, wie Sie sehen. Außerordentlich schwer.“ „Das wird das Bild des Berufspolitikers in der Öffentlichkeit massiv beschädigen.“ „Quatsch“, schnaubte sie. „Haben Sie eine ungefähre Vorstellung, was das alles kosten wird?“ Die Partei hatte ihn zügig auf die Station gebracht und sofort der Obhut des psychologischen Personals unterstellt. „Wir bringen ihm grundlegendes Vergessensmanagement bei. Wissen ist bekanntlich Macht, wenn Sie nichts wissen – macht nichts.“

Langsam begriff ich, worum es hier ging. Je mehr wir wissen, desto mehr denken wir nach, je mehr wir über uns reflektieren, desto eher geraten wir in Zweifel – ich denke, also spinn ich. Das Glück der Menschen besteht nicht in der Erkenntnis ihrer selbst. Es lässt sich nur in ihrer vollkommenen Abwesenheit fassen, und selbst hier nicht mit der gewünschten Sicherheit. Wer sich nicht erinnert, dem kann die Erinnerung auch nicht getrübt, verfälscht, genommen werden. Und er stellt keine Gefahr dar für andere, denen diese Erinnerung im Falle eines Falles gefährlich werden könnte. Der erinnerungslose Mensch ist ein idealer Zeitgenosse, leicht zu verwenden, quasi abwaschbar, vollendet gutartig, da zu keiner Schlechtigkeit intellektuell in der Lage, und keiner würde es ihm als Fehler ankreiden. Die meisten hätten wohl ihre Gründe.

„Bei manchen haben wir eine Menge Arbeit“, erklärte sie. „Sie sind zu begriffsstutzig und wissen gar nicht, was sie vergessen sollen. Bei manchen haben wir einfach nur eine Menge Arbeit.“ Mir kam dieses Gesicht gleich so bekannt vor. „Ist das nicht…“ „Doch“, antwortete sie trocken. „Sonst sehen Sie den Mann aus den Abendnachrichten, er ist jetzt schließlich Bundesminister, aber sonst hat sich nicht viel geändert.“ Wie normal das aus ein paar Metern Entfernung aussah; geistig war er nicht mehr in der Lage, seine Schuhe vernünftig zuzubinden, aber er erzählte noch immer denselben Unsinn, den er seit Jahren erzählte. „Er macht meist das Amt für sein Versagen verantwortlich, dem er einige Jahre lang vorgestanden hatte.“ Die Leiterin schob gelangweilt ihre Brille zurecht. „Außerdem hat er vollkommen vergessen, was er in dieser Position von der Führung seines jetzigen Ministeriums verlangt hatte.“ Der Mann hatte leichte Gleichgewichtsstörungen und hielt sich an der Brüstung des Umlaufs fest; immerhin wusste er noch genau, dass er Bundesminister war, und so trat er nach den Pflegern, spuckte sie an und schrie, sie sollten gefälligst arbeiten gehen, statt sich im Krankenhaus auszuruhen.

„Wenn Sie wüssten, wen wir hier haben, Sie wären entzückt.“ Ich konnte mir schon vorstellen, wer sich in Behandlung begab, höhere Beamte, eine Menge Würdenträger aus allerhand Parteien und anderen Kirchen, wahrscheinlich auch Künstler mit verdrängungswürdigem Vorleben. „Und sie haben alle ein Bedürfnis nach Vergessen.“ „Wie man’s nimmt.“ Wieder schob sie sich die Brille zurecht. „Ein paar von ihnen leben sowieso schon längst im Wolkenkuckucksheim, denen kann man nicht mehr viel ausreden, die nehmen keine Art von Realität wahr. Da muss man höchstens daran arbeiten, die Mauern noch ein bisschen höher zu ziehen.“ Offenbar hielt sie nicht viel von den Patienten, auf die das zutraf. „Aber einige von ihnen haben doch das Bedürfnis nach Verdrängung, weil sie sonst nicht mehr leben könnten. Sie müssen ausschalten, was sie dazu bringen könnte, ihr ganzes bisheriges Leben noch einmal neu zu überdenken. Oder etwas anders zu machen. Oder überhaupt einmal zu handeln, statt immer nur zuzuschauen, wie etwas geschieht, das sie nicht begreifen.“ Die kleine Gruppe von Verwirrten kam wieder aus dem Hof zurück. Einer von ihnen blieb stehen und sah mich aus leeren Augen an. „Autoindustrie“, sagte sie. „Seit gestern weiß er nicht einmal mehr, was ein Dieselmotor ist.“





Leipziger Allerlei

3 04 2018

„… für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft unabdingbar sei. Ohne einen Zugang zu den großen Wasserstraßen könne die sächsische Industrie keinen Beitrag für den…“

„… der Aufbau Ost jetzt auf die Wiederanlage des Leipziger Hafens setze. Die Verkehrsprojekte seien seit längerer Zeit bekannt und müssten nur noch von Scheuer durch die zuständigen…“

„… als vollkommen überflüssig ansehe, da er die Beschäftigungssituation der sächsischen Arbeiter nicht verbessern werde. Diese seien mit dem Anzünden von Flüchtlingsunterkünften schon derart ausgelastet, dass sie für eine geregelte Erwerbstätigkeit ohnehin keinen…“

„… für einen Heimatbegriff stehe, den auch Ausländer nachvollziehen könnten. Für Scheuer stehe das Bauprojekt darum vor allem für die Führungsrolle des christlich-abendländischen…“

„… in einer Koalition aus CSU, AfD, NPD und anderen fortschrittlich gesonnenen Kräften, die in Sachsen das Zentrum eines zukünftigen…“

„… und bis 2033 eine Anbindung an die Elbe erreichen müsse, um rentabel zu bleiben. Eine Steigerung der deutschen Containerschifffahrt um 800% setze die Bundesregierung daher als notwendiges…“

„… sich Zuwanderung wieder lohne. Gauland habe der Bundesregierung vorgeworfen, zu wenig Kriege zu führen, in deren Folge regelmäßig Arbeitswillige als Flüchtlinge nach…“

„… mit Elster und Saale zwei der bedeutendsten Flüsse des Kontinents zu epochalster Größe verbunden würden, die die großdeutsche Wirtschaft als bestimmenden Faktor im ganzen Welthandel…“

„… die Umbenennung von Leipzig in Germania, wie es Höcker gefordert habe, am breiten Widerstand der Bevölkerung gescheitert sei. Vorerst müsse das Bauvorhaben, da es aus Mitteln des Landes finanziert werde, noch eine rein sächsische…“

„… und dazu nur ein jährlicher Anstieg der Umsatzsteuer um zwei Prozentpunkte angedacht sei. Mit der Streichung des Kindergelds rücke die Finanzierung des Bauvorhabens bereits innerhalb weniger Jahrzehnte in greifbare…“

„… Umweltschutzmaßnahmen eine steigende Bedeutung erhielten. So könne man auf den bisherigen Schwemmflächen des Pissener Grabend zwischen Kötzschau und Witzschersdorf keine Windkraftanlagen errichten, da dies ein zu großer Eingriff in die natürliche Umgebung des…“

„… nicht mit den Auswirkungen auf den internationalen Handel gerechnet habe. Scheuer habe bei der chinesischen Regierung ein Protest eingelegt, da diese den Bau von Schiffen zulasse, die wegen ihrer Breite nur noch in Seehäfen und…“

„… sich das Außenhandelsdefizit schneller als geplant vergrößere. Um täglich 15.000 Kubikmeter Erdreich zu verlasten benötige man mehr Baumaschinen, als es die Berechnung des Planungsstabes für den…“

„… nicht relevant sei. Alle Pläne, einen unterirdischen Hafen in der sächsischen Schweiz zu errichten, hätten sich durch einfache Berechnungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge als so personalintensiv erwiesen, dass die Bauleitung davon Abstand…“

„… den Durchbruch zum Bodensee vorerst nur theoretisch in Erwägung ziehen wolle. Die Rheinschifffahrt sei zwar aus logistischen Gründen nicht außer Acht zu lassen, die Fahrtwege dürften aber auch dann nicht länger als…“

„… einem Zirkelschluss aufsitze. Zwar sei der Handel mit den ostasiatischen Industrieländern in den vergangenen Jahren kontinuierlich angewachsen, doch rühre dies vor allem von der großen Anzahl der Erdbaumaschinen her, die zum Ausbaggern des sächsischen…“

„… dass die Wasserstraßen erst nach der Fertigstellung von Schleusenanlagen, Hafenbecken und Umschlagzentren angelegt würden. Dies sei durch den Bundeshaushalt vorgegeben und dürfe nicht mit dem…“

„… die digitale Wasseranzeige in sämtlichen Bauabschnitten veraltet sei und neu installiert werden müsse. Insgesamt erhöhe dies die Kosten um einen Betrag von mehr als…“

„… Schienenanbindung nicht vorgesehen sei. Der Leipziger Hafen könne durchaus gut von der Wasserseite erreicht werden und besitze das Potenzial, in weniger als dreißig Jahren eine…“

„… nicht genug Arbeitskräfte für den Betrieb des Hafens vorhanden seien. Da es in Deutschland für viele Jahre keine qualifizierten Ausbildungen mehr gegeben habe, um genug Bauhelfer nach Sachsen entsenden zu können, sei der aktuelle Fachkräftemangel im weltweiten Vergleich noch viel schlimmer als…“

„… die Frachtkosten bei zehntausend Euro pro Tonne und Kilometer lägen, was im internationalen Wettbewerb so gut wie keinen sinnvollen…“

„… aber nicht mehr geflutet werden könne. Das Ingenieurbüro, das die Zuleitungen erstellt habe, sei in Wirklichkeit eine aus Rumänien stammende…“

„… die Brandschutzauflagen nicht einhalten könne. Eine endgültige Betriebserlaubnis werde das Bundesamt daher bis auf Weiteres…“

„… wasserdurchlässig sei. Ein im Jahr 2020 erstelltes Bodengutachten habe auf die Schichten hingewiesen, die eine Kanalanlage problematisch hätten erscheinen lassen, doch sei der damalige Minister für Verkehr, Migration und gesundes Volksempfinden nie auf die Einzelheiten des…“

„… den Kanal großflächig mit Beton verfüllen könne. Dies schaffe nochmals mehrere Millionen Jobs, wie es in den letzten neun Wahlkämpfen…“

„… umwidmen wolle. Mit etwas Glück, so Altkanzler Scheuer, werde man den Großflughafen Berlin-Brandenburg in weniger als…“





Scheißdeutsche

27 03 2018

„… Rassismus vorgeworfen habe. Indem sich der Sohn des Tennisstars gegen den AfD-Abgeordneten Maier und seine Äußerungen auf…“

„… Ausländer generell fremdenfeindlich seien. Weidel habe selbst erlebt, dass sie nicht in die deutsche Gesellschaft integriert würden, was nur an ihrer rassistischen Einstellung liegen könne. Die Vorsitzende kenne dies ja auch von deutschen Jugendlichen, die eine ebenso…“

„… strukturellen Rassismus unter Flüchtlingen. Für Gauland seien bereits die Spannungen zwischen verfeindeten syrischen Bürgerkriegsparteien ein Anzeichen für Probleme mit anderen Ausländern, die er als deutliches Anzeichen von…“

„… Berlin als weiße Stadt bezeichnet habe. Damit sei für Maier eine Tatsachenbehauptung, wie jede andere Tatsachenbehauptung von Angehörigen eines negroiden Fremdvolks, bereits falsch und bewusst gegen die Interessen der Deutschen formuliert, was unweigerlich als…“

„… die Partei die Wähler der bürgerlichen Mitte für sich gewinnen und dauerhaft an sich binden wolle. Daher werde sie sich in Zukunft nicht weiter rassistisch, sondern nur noch ausländerkritisch äußern und rassistische Inhalte den Ausländern überlassen, die sich als Feind der bürgerlichen…“

„… das deutsche Volk als identitäre Einheit betrachtet werden müsse, weshalb jeder Ausländer, der sich kritisch über einen einzigen Deutsche äußere, eine hochgradig kriminelle…“

„… die man beispielsweise an der Antifa und anderen rassefremden Elementen sehe. Maier habe viele Beleidigungen als ‚Scheißdeutscher‘ erhalten und könne damit alle linksfaschistischen Kräfte, die bewusst ihre nationale Herkunft ablegen wollten, als Gegner des Volkes und damit als rassistische…“

„… aber vor Verallgemeinerungen warne. Die meisten Ausländer seien kriminell, so Weidel, ein Großteil lebe aber außerhalb Deutschlands, was für eine Strafverfolgung keine wesentlichen…“

„… sehr wohl wisse, dass der Hauptfeind des deutschen Wirtsvolks der muslimische Schmarotzer sei, der nach tausend Jahren des heroischsten Aufstiegs zur größten Kulturnation der Welt die Zwangsislamisierung des christlichen Abendlandes beschlossen habe. Höcke habe jedoch nie gehört, dass sein Freund Jens Maier den kraushaarigen Bimbo, den Sohn eines US-amerikanischen Niggerflittchens, der Zugehörigkeit zum Islam oder einer anderen Straftat…“

„… jede von Ausländern zum Nachteil der Deutschen getätigte Äußerung als Volksverhetzung ansehen müsse. Da aber die reine Existenz von Negern innerhalb der deutschen Grenzen eine sträfliche…“

„… gar nicht für einen Tweet verantwortlich gemacht werden könne, den er selbst nicht abgesetzt habe. Maier stehe auch hinter den Inhalten von Mein Kampf, könne aber, da nicht Autor dieser Schrift, nicht juristisch…“

„… es sich zwar nur um eine Feststellung handle, dass Berlin eine weiße Stadt sei, jedoch sei die Behauptung, der Holocaust habe stattgefunden, auch nur eine unbewiesene Anmerkung. Vor diesem Hintergrund müsse Becker sofort strafrechtlich wegen des Leugnens des…“

„… eigentlich um eine rassistische Wertung der Berliner handele. Da aber diese Angehörige des deutschen Volkes seien, könne nur die Alternative für Deutschland sich als Rechtsvertreter mit der Wahrung der deutschen Ehre und des…“

„… die Unschuldsvermutung für Becker nur gelte, da dieser in einem Zivilverfahren, das nach dem Recht der BRD GmbH für Neger und…“

„… gleichzeitig London als weniger weiß bezeichnet habe. Für Maier sei nun juristisch zu prüfen, ob diese Wertung einer aktuell noch zur Europäischen Union gehörenden Hauptstadt nicht ebenfalls einen rassistischen…“

„… der Rassist der natürliche Feind des Patrioten sei. Dies könne als historisch gewachsene Gewissheit in sämtlichen Zusammenhängen zwischen den Deutschen und ihren Feinden…“

„… sich die Partei mit etwaigen negerkritischen Aussagen höchstens selbst schaden könne, wogegen ein Angehöriger einer Fremdrasse mit sämtlichen Worten oder Taten das deutsche Volk beschmutze und daher als biologisch nicht zur Integration fähiges Leben unverzüglich aus dem…“

„… wenn der Rassist der natürliche Feind des Deutschen sei, auch jeden Nichtdeutschen – zu denen man Neger, Halbneger und andere Typen des Volksfremden rechne – als rassistisches…“

„… sein Vater seinen Lebensmittelpunkt nicht mehr in der BRD GmbH habe. Deshalb sei der inkriminierte Halbneger auch nicht berechtigt, vor einem deutschen Gericht zu…“

„… dass die AfD ihren eigenen Abgeordneten abmahne. Dies bedeute dann jedoch, dass eine Partei, die keine rassistischen Äußerungen in ihren Reihen dulde, selbst automatisch antirassistisch sei, wodurch alle anderen, so auch Becker, sofort im Verdacht stehe, ein…“

„… kein Parteiausschlussverfahren nach sich ziehe. Rassistische und antisemitische Äußerungen, wie sie bereits Höcke und Gedeon gemacht hätten, würden zwar in der Alternative für Deutschland nicht geduldet, spiegelten aber die Meinung der schweigenden Mehrheit wider und könnten daher in einer Partei der bürgerlichen Mitte niemals…“





Quasimonopol

26 03 2018

„Kurzzüge.“ „Kurzzüge?“ „Das sind dann halt kurze Züge, die…“ „Das war mir schon klar, ich will nur wissen, wozu wir Kurzzüge einsetzen.“ „Na, die sind halt kurz.“ „Aha.“ „Und brauchen nicht so viele Wagen.“ „So, so.“ „Deshalb dachte ich, wir könnten die einsetzen. Damit wir nicht so viele Wagen brauchen.“ „Das löst aber unser Problem jetzt nicht.“ „Das ist richtig. Aber wir sind ja auch die Deutsche Bahn.“

„Fakt ist, wir haben zu wenig Waggons für das Fahrgastaufkommen.“ „Toll, oder?“ „Was finden Sie an dieser katastrophalen Lage toll?“ „Dass wir mehr Fahrgäste haben, als wir transportieren können.“ „Wir haben nicht mehr Fahrgäste, als wir transportieren können, sondern schlicht zu wenig Waggons.“ „Dann haben wir schon Kurzzüge? das ist ja toll!“ „Meine Güte, jetzt kapieren Sie’s halt mal: wir haben eine Nachfrage, die wir nicht befriedigen können.“ „Das ist insofern nicht weiter tragisch, als wir ein Monopol auf Schienenverkehr haben.“ „Das ist verkehrt, und das wissen Sie ganz genau.“ „Ein Quasimonopol.“ „Aber wir sind nicht die einzige Transportmöglichkeit für die Fahrgäste. Das wird uns über kurz oder lang das Geschäft beschädigen.“ „Das bedeutet ja auch, wenn wir so weitermachen, dann haben wir mittelfristig wieder nur noch so viele Fahrgäste, dass wir jeden mit den Wagen befördern können, die wir haben.“ „Ja schon, aber das kann doch nicht der Sinn der Sache sein.“ „Wir stellen nur die Fahrgäste zufrieden, die auch unsere Leistungen in Anspruch nehmen. Ich finde das betriebswirtschaftlich vollkommen in Ordnung.“ „Das klären Sie dann bitte mit der Zentrale, ja?“

„Seien Sie doch nicht so negativ, wir haben noch jede Menge Möglichkeiten.“ „Als da wären?“ „Schienenersatzverkehr.“ „Wie meinen Sie das?“ „Man muss die Fahrgäste doch nicht unbedingt schienengebunden transportieren, wir können auf jede andere Verkehrslösung ausweichen.“ „Und was schwebt Ihnen da genau vor?“ „Taxi, Fahrrad…“ „Fahrrad?“ „Genau, Fahrrad. Das ist nicht nur eine sehr preiswerte Sache, die ist auch nachhaltig. Und gesund!“ „Toll.“ „Ja, nicht wahr?“ „Sie wollen also Leihräder an jedem Bahnhof aufstellen?“ „Wer hat denn das gesagt? Viel zu viel Aufwand, und dann bekommen Sie keins mehr, wenn alle weg sind, und außerdem vertraut man einem geliehenen Rad nicht so wie dem eigenen.“ „Und welche Räder nehmen wir dann?“ „Die Leute bringen halt ihres mit.“ „Die bringen ihre Räder mit und fahren dann von Flensburg bis zum Bodensee.“ „Wir können das ja erst mal im Regionalverkehr antesten. Vielleicht merken die Fahrgäste, dass ihnen ein Fahrrad nicht ausreicht, und dann wollen sie lieber ein Moped.“ „Ein Moped.“ „Motorrad ginge natürlich auch, aber da wird’s dann langsam kritisch.“ „Kritisch.“ „Die Schadstoffemissionen, Sie verstehen. Da sind wir mit dem Rad weiter vorne, und als Unternehmen Zukunft sind wir uns das einfach schuldig.“

„Die Leute kommen also mit dem eigenen Rad zum Bahnhof und fahren dann gleich weiter.“ „Ohne Umsteigen, das ist ein enormer Service – das bietet Ihnen kein Busbetreiber.“ „Toll.“ „Ja, nicht wahr? Wir haben hier ein Geschäftsmodell am Wickel, dagegen ist das autonom fliegende Taxi doch ein Witz.“ „Sie sehen mich begeistert.“ „Und wir können die Preismodelle flexibler gestalten. So genau wie mit dem Fahrrad kriegen Sie das mit dem Zug ja nie hin – die Bahnhöfe stehen halt da, aber Ihr Fahrziel ist wesentlich besser zu planen.“ „Das klingt ja nach einer Revolution. Warum ist mir das nicht eingefallen.“ „Ach, Sie sind schon seit ein paar Jahrzehnten im Geschäft. Vielleicht wird man da irgendwann betriebsblind?“

„Und wie wollen Sie das berechnen?“ „Nach angefangenen hundert Metern. Das wird sich doch technisch irgendwie machen lassen.“ „Das heißt, wir bezahlen unsere Fahrgäste?“ „Wieso denn? Die nutzen schließlich einen Service der Deutschen Bahn, dafür müssen sie auch ordentlich in die Tasche greifen. Man kann doch nicht einfach aufs Fahrrad steigen und so tun, als würde man Bahn fahren?“ „Aha, also eine lizenzrechtliche Sache. Das klingt ja spannend.“ „Toll, oder?“ „Toll. Da soll sich unsere Rechtsabteilung gleich mal schlau machen, wie wir das am besten verkaufen.“ „Eben, die wissen das viel besser als wir.“

„Und wo soll das Ihrer Ansicht nach hingehen?“ „Wir können den Service ausweiten, beispielsweise mit Heißgetränken während der Fahrt – also vorerst nur im Bahnhofsbereich, die Radler können unsere Gastronomiebetriebe ansteuern und bekommen einen preiswerten Kaffee to go.“ „Coffee to bike.“ „Ja, das klingt gut. Hätte von mir sein können.“ „Das unterschreibe ich sofort.“ „Ach, ich wusste es. Sie verstehen mich einfach.“ „Aber ich meine, wo soll das hin? Betriebswirtschaftlich? Und dann auch unternehmerisch?“ „Die Einnahmenseite kann man auf die Art natürlich enorm steigern.“ „Und dann?“ „Wie, und dann? Mehr Einnahmen, solides Geschäft, vielleicht kann man das als Lizenzmodell an andere nationale oder regionale Bahnbetreiber verkaufen.“ „Und mit dem Geld werden wir reich.“ „Ja, aber wir bilden auch Rücklagen.“ „Rücklagen? Wofür denn Rücklagen?“ „Für neue Wagen. Dann haben wir endlich wieder so viele Wagen, dass wir alle Fahrgäste mit der Eisenbahn transportieren können. Toll, oder?