Work-Life-Balance

25 01 2021

„Vielleicht könnte man das hier aufschneiden, dann kann man das Kabel unter dem Belag bis nach vorn zum Fenster führen. Das ist verklebt? Schade. Dann ziehen Sie die Telefonleitung doch einfach so durch und kleben sie fest. Paketband haben Sie noch da?

Ein bisschen improvisieren müssen Sie schon, wenn Sie im Homeoffice arbeiten wollen. Das ist für uns alle im Moment nicht einfach, wir müssen nun mal Abstriche machen. Hätten Sie eine Wohnung gemietet, in der die Telefondose etwas näher am Küchenfenster liegt, dann hätten wir uns jetzt diese Diskussion ersparen können. Schließlich wollen ja Sie die Auftragssachbearbeitung machen und nicht ich. Da kann man von Ihnen auch mal ein wenig Engagement für den Arbeitgeber verlangen. Und wie Sie sich mit Ihrem Vermieter über den Bodenbelag einigen, damit brauchen Sie mir gar nicht erst die Ohren voll zu heulen. Wir haben diese Pandemie schließlich nicht erfunden.

Das kippelt dann halt ein bisschen, aber für die Arbeit brauchen wir einen richtigen Computer mit Monitor und allem drum und dran. Immerhin stellt Ihnen den Ihr Arbeitgeber, und Ihr Küchentisch ist schließlich breit genug. Das langt von der Tiefe her. Wenn der Monitor da nicht sicher steht, Sie hatten doch gesagt, dass Sie noch Paketband da haben? Merken Sie sich das mal: in einer Krisensituation überlebt der am besten, der mit den vorhandenen Mitteln das Beste herausholt. Und die Tastatur kann man auch ganz prima auf dem Schoß halten.

Jetzt beschweren Sie sich nicht, dass das Ihr einziger Tisch ist. Es zwingt Sie ja keiner, an dem auch Kartoffeln zu schälen oder wer weiß was an Küchenarbeit zu erledigen. Dann essen Sie halt mal ein paar Tage lang diese Schälchen. Mikrowelle ist ja vorhanden, wie ich sehe, und Besuch würde ich Ihnen auch nicht empfehlen. Schon aus Gründen des Infektionsschutzes wäre das unverantwortlich, und Sie wollen doch nicht nach zehn erfolgreichen Jahren als Auftragssachbearbeiterin plötzlich unsere Firma verlassen, oder? Wir sehen das nämlich als Beitrag zur Stärkung Ihrer Work-Life-Balance. Ihr Leben geht quasi organisch in Ihre Privatsphäre über. Also halt Ihr Arbeitsleben.

Im Büro hätten Sie vielleicht auch noch ein Kaffeetasse auf dem Tisch abstellen können, aber hier gelten nun mal andere Maßstäbe. Da ist ja gleich der Küchenschrank, da steht die Kaffeekanne und da ist der Kühlschrank, und zu viel Kaffee ist sowieso nicht gesund. Außerdem müssen Sie dann ständig aufs Klo, wer weiß, wie viel Arbeitszeit da wieder flöten geht. Sie müssen sich das mal vor Augen führen, in dieser Zeit ist das hier eben nicht mehr Ihre Küche, sondern Ihr Arbeitsplatz. Da gilt dieselbe Ordnung wie bei uns im Betrieb. Wir sind gehalten, das auch zu kontrollieren, und das heißt auch, dass wir da dieselben arbeitsrechtlichen Vorschriften anwenden. Nach Feierabend können Sie sofort den Schlafanzug anziehen, überhaupt kein Problem, aber während der Arbeitszeit sind die Vorschriften nun mal klar. Wie sieht das denn aus, wenn der Chef mal eine Videokonferenz machen will, und dann sitzen Sie da nicht im Kostüm? Bei Gelegenheit räumen Sie auch mal das Regal da hinten auf, das sieht ja aus wie Kraut und Rüben. Das sieht man gestochen scharf im Hintergrund, wenn Sie die Kamera anmachen. Was sollen denn die Vorgesetzten denken, wie Sie wohnen? Am Ende heißt es noch, ich würde unsere Mitarbeiter zu möglichst großer Unordnung animieren, damit Sie eine Gehaltserhöhung fordern können, weil Sie sich nur diese Wohnküche leisten können. Aber das sage ich Ihnen gleich, das gibt Ärger.

Ich kann mich täuschen, aber hier riecht es nach Rauch. Also nach kaltem Zigarettenrauch. Es geht mich zwar nichts an, und in Ihrer Wohnung können Sie ja grundsätzlich auch tun und lassen, wozu Sie lustig sind, aber hier gelten die Bestimmungen des Arbeitsschutzes, und das schließt für unsere Firma einen rauchfreien Arbeitsplatz ein. Wenn Sie das Thema Arbeitsschutz für nicht so wichtig halten, dann können Sie in der Fleischzerlegung anfangen, da wird immer gesucht. Sie müssen nichts können, nicht mal Deutsch. Ihr Nachbar? Was hat denn Ihr Nachbar mit Fleischzerlegung zu tun, ist der in der CDU? der raucht? Ja, das kommt schon mal vor, dass das vom Balkon rüberzieht, wenn die Fenster nicht ganz dicht sind. Bauliche Mängel. Ich will mal nicht so sein, aber eigentlich müssten Sie Ihren Vermieter auf die Schadstoffbelastung ansprechen und ihn abmahnen, bevor wir arbeitsrechtliche Schritte unternehmen. Also gegen Sie. Wir sind ja nicht für Ihren Arbeitsplatz verantwortlich, wenn Sie unbedingt im Homeoffice arbeiten wollen. Ja, ich weiß, dass das jetzt gesetzlich geregelt wird, also lassen Sie es mich so ausdrücken: da Sie der Ansicht sind, für uns sozialversicherungspflichtig arbeiten zu müssen, halten Sie sich an die Regeln. Wir machen das ja auch nicht freiwillig.

Das mit der Lärmbelastung ist ein Einzelfall. Das müssen Sie als höhere Gewalt auffassen, die wir nicht abstellen können. Auf der anderen Seite verlagen wir von Ihnen auch nicht, dass Sie die Straßenbaustelle da unten beseitigen. Das wummert ein bisschen, aber Sie lassen die Fenster sowieso am besten geschlossen. Zigarettenrauch, Lärm, und dann gebe ich Ihnen noch mal einen guten Tipp: die Lichteinstrahlung ist für den Bildschirmarbeitsplatz in der Fleischzerlegung, Auftragssachbearbeitung wollte ich sagen, Auftragssachbearbeitung – das ist so eigentlich gar nicht gestattet. Aber wenn Sie den Mund halten, ich habe nichts gesagt.

Seien Sie froh, dass Sie den Stuhl nicht aus dem Büro mitnehmen mussten. Auf so einem Hocker kann man sehr gut sitzen, man lehnt sich nie aus Versehen mal hinten an, gut, Rollen hat er nicht, aber dafür auch keine Armlehnen. Den können Sie bequem unter den Küchentisch schieben, wenn Sie mal etwas Platz für die Aktenordner brauchen, und naja: Ergonomie ist das, was man daraus macht. Ist auch gleich viel wohnlicher, hier gucken Sie auf ein hübsches Panorama mit Straßenbahnhaltestelle, da hinten ist irgendwo der Friedhof, Kaffeemaschine ist in Sichtweite, Telefon, Klo um die Ecke, Sie müssen nicht mit dem Fahrstuhl zur Mittagspause und nicht mit dem Bus nach Hause – meine Herren, so schön wie Sie möchte ich’s auch mal haben!“





Minus mal Minus

21 01 2021

„… deutlich verschärft werden müssten, um die Inzidenzwerte bundesweit zu senken. Sämtliche Bestimmungen der Ministerpräsidenten seien daher auf die Zusammenarbeit der Länder ausgelegt, wie die Spitzen von Kanzleramt, RKI und…“

„… die Schulen aber unter keinen Umständen schließen würden, da die SPD die Infektionsraten bei Kindern und Jugendlichen falsch gewichtet sähen. Schüler würden sich, so Giffey, nur nach dreizehn Uhr, bei Ganztagsschulen nur nach sechzehn Uhr anstecken, was auch für die…“

„… sich der schwedische Sonderweg als falsch herausgestellt habe. Da im Gegensatz zu deutschen Bestimmungen dort keinerlei Ausgangssperren verhängt worden seien, werde man nun in allen Kommunen die Bürgerinnen und Bürger nach 21:00 Uhr in den…“

„… ab sofort gelte. Dass Personen, die noch nicht in Besitz einer FFP2-Maske seien, kein Ladengeschäft betreten dürften, um FFP2-Masken zu erwerben, habe Laschet als zu vernachlässigende Größe bezeichnet, mit der sich Deutschland als Nation von Sportwagenhändlern nicht…“

„… den Besuch von Kirchen weiterhin nicht einschränken wolle, wenn konsequent auf Gesang verzichtet werde. Dies umfasse allerdings nicht die Kultstätten anderer Religionen, denen mutmaßlich eine sehr viel höhere Infektionsrate durch andere Gebetsriten oder…“

„… gelte eine Plexiglasscheibe zwischen zwei Personen nicht als ausreichender Infektionsschutz und könne durch polizeiliche Maßnahmen sofort entfernt und als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Die Installationen im sächsischen Landtag seien folgerichtig nicht abgebaut worden, da dort sehr viel mehr als nur zwei Personen gleichzeitig in den betreffenden…“

„… genau kontrolliert werde, ob Busfahrgäste erst um 20:59 Uhr zugestiegen seien, um aus Vorsatz die polizeilichen…“

„… müsse man von einer Maskenpflicht bei medizinischem Personal in Arztpraxen absehen, um die Beschäftigten nicht zu verunsichern. Im Gegensatz zu Klinikmitarbeitern sei bei niedergelassenen Ärzten nicht mit Gefahren für…“

„… rate man der Bevölkerung zu Masken mit Ausatemventilen, die für Klinikmitarbeiter zwar nicht untersagt, aber auch nicht empfohlen worden seien. Abgesehen von gesundheitlichen Schäden habe der Bundesgesundheitsminister eher den infektionsbedingten Ausfall von Pflegern in Kauf genommen, da arbeitsrechtliche Konsequenzen noch sehr viel teurer als der…“

„… dass die Probe des Chors der Heilig-Kreuz-Kirche in Bad Gnirbtzschen keinesfalls als Ordnungswidrigkeit gewertet werden könne, falls es ein Öffnungsverbot für Nagelstudios gebe. Nach der theologischen Grundregel Minus mal Minus macht Plus seien hier sämtliche…“

„… auch Verkaufspersonal keinen Mundschutz mehr tragen müsse. Der Einzelhandel nehme dies mit Erleichterung zur Kenntnis, könne aber nicht versprechen, dass bisher freiwillig versprochene Pauschalen zum Kauf von Masken auch weiter von den Arbeitgebern…“

„… hätten die Ministerpräsidenten recht herzlich um eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft gebeten, Heimarbeit statt Anwesenheitspflicht im Betrieb zu erlauben. Bei Zuwiderhandlungen seien sich die Länderchefs einig, dass man mit dem Wohlwollen der Konzerne rechne und auf ein gutes Einvernehmen bei Parteienfinanzierung und…“

„… könne man bei Arztpraxen von einer sehr niedrigen Corona-Rate ausgehen, da kommunale Gesundheitsämter mit erheblichem Einsatz dafür sorgen würden, dass dort keine Untersuchungen, Tests oder anderweitig qualifizierte…“

„… keine Bezuschussung finanziell schwacher Bevölkerungsschichten geplant sei, um FFP2-Masken zu subventionieren. Lindner rate Rentnern und Erwerbslosen zu mehr Engagement am Aktienmarkt, um sich durch solidarischen Aufbau eines Privatvermögens an der Entlastung der Leistungsträger zu beteiligen, die während der Pandemie durch vorbildliche Bereicherung den…“

„… die nächtlichen Ausgangssperren auch zu vermehrter häuslicher Gewalt führen könnten. Die unionsgeführten Länder hätten sich für unregulierte Betriebsöffnungen ausgesprochen, da sich der Frust der Arbeitnehmer so am besten am Arbeitsplatz in eine Steigerung der Wertschöpfung und die…“

„… dass die Schulen in Baden-Württemberg schon zwei Wochen eher geöffnet werden müssten, um eine rechtzeitige Gewöhnung der Bevölkerung an das Erwerbsleben zu gewährleisten. Etwaige Infektionsspitzen bei Kindern könne man tolerieren, da das Alter der Erstwähler sich noch weit über…“

„… erste Urteile erwartet würden, dass eine Maskenpflicht hinter einer Plexiglasscheibe in Sachsen und Hessen grundsätzlich nicht bestünde. Da die Demonstranten der Querdenkersekte in der Innenstadt von Wiesbaden jeweils ein kleines Stück transparenten Kunststoff mitgeführt hätten, sei die von der Union ausgehandelte Ausnahme letztlich als Stärkung der Grundrechte zu verstehen, die auch die FDP als lobenswertes Signal an den…“

„… im Devotionalienhandel weiterhin einfache Stoffmasken benutzt werden dürften. Die Deutsche Bischofskonferenz sei sich sicher, dass allein aus dem Glauben ausreichend Schutz bestehe, wie es auch durch den Innenminister und seine…“





Leithammel

20 01 2021

„Das reicht höchstens für den Trostpreis.“ „Meinen Sie.“ „Ja, meine ich.“ „Aber es hat doch schon mal ganz gut geklappt.“ „Was?“ „Das mit dem Vorsitz.“ „Verzeihung, wenn ich nachfrage: in welcher Partei, bitte!?“

„Laschet wird das schon irgendwie hinkriegen.“ „Genauso wie die Pandemiemaßnahmen oder die Energiewende: irgendwie.“ „Sie müssen das jetzt natürlich schlechtreden, aber er ist ja nun mal eine integrierende Persönlichkeit.“ „Deshalb integriert er auch so viele Millionen in die Tasche der CDU.“ „Einer muss es ja machen.“ „Und zum politischen Programm fällt Ihnen nichts ein?“ „Naja, wir als Deutsche tun uns ja traditionell schwer mit großen Veränderungen, deshalb ist ein Vorsitzender, der auf möglichst viel Kontinuität setzt, auch richtig.“ „Die ganze Karre rast auf den Abgrund zu, und diese Grinsrübe freut sich, dass er sie auf Kurs halten kann.“ „Sie interpretieren da schon wieder Dinge hinein, die gar nicht gefragt waren.“ „Das mit der Kontinuität hat Kramp-Karrenbauer jedenfalls auch schon sehr gut hingekriegt.“ „Sie sind ungerecht, die musste sich damals noch mit Merkel als Bundeskanzlerin herumschlagen.“ „Und wer ist heute Kanzlerin? Olaf Scholz?“

„Jedenfalls müssen wir mit Laschet nicht immer diese Klimaschutzschlagzeilen…“ „Weil dann über Klimaschutz keiner mehr diskutiert.“ „Wir haben das Wirtschaftswunder damals auch nicht allein mit Klimaschutz hingekriegt, schon vergessen.“ „Die Fünfziger haben gerade angerufen, sie wollen ihre Ausreden zurück.“ „Wir haben doch alles in der Hand für einen hervorragenden Aufschwung.“ „Das war der Text von Kohl.“ „Er hat schließlich das Land damit auch geeint.“ „Leider haben sie ihn nur im Osten dafür mit Eiern beworfen.“ „Heute kann man das besser machen.“ „Stimmt, Kohl musste sich ja nicht von Virologen sagen lassen, wie man Entscheidungen in einer Pandemie trifft.“ „Für solche Entscheidungen gibt es jetzt immerhin die richtigen Fachminister, die er…“ „Fällt Ihnen etwas auf?“ „Was denn?“ „Ach, war nur eine Frage.“

„Meine Güte, wenn man Deutschland endlich wieder nach vorne bringen will, darf man nicht zimperlich sein.“ „Dieser Mann zerstört in seinem Bundesland Dörfer und vertreibt Menschen, um die sowieso dem Untergang geweihte Kohleindustrie noch ein bisschen länger am Leben zu erhalten.“ „Wenn er das mit der Kohleindustrie schafft, rettet er bestimmt auch die CDU vor dem Untergang.“ „Er lässt Gutachten verschwinden, in denen das Abbaggern als vollkommen überflüssige und nur zur Klimaschädigung geeignete Maßnahme zum finanziellen Vorteil der Energiekonzerne erkannt wird.“ „Da haben wir jetzt endlich mal einen Vorsitzenden, der sich gegen diese Hysteriker aus der Klimaterrorbranche zur Wehr setzen kann, und Sie sind immer noch nicht zufrieden.“ „Sie müssen doch auch mal an morgen denken, da brauchen wir solche Persönlichkeiten.“ „Morgen?“ „Da wählen die Deutschen den Bundestag, schon vergessen?“ „Vor allem wählen da nicht nur die Westdeutschen den Bundestag.“ „Ja, warum?“ „Weil wir mit dem grandios abstinken werden. Darum.“ „Jetzt denken Sie doch mal strategisch.“ „Laschet als Vertreter des Ostens!?“ „Natürlich ist er für eine Kontinuität in Deutschland.“ „Das erzählen Sie mal den Typen in Dresden, die heute schon an ihren Laschet-muss-weg-Plakaten pinseln.“ „Aber die wollen doch auch die gute, alte Zeit wieder.“ „Was an den verkalkten Ansichten Laschets mit seinem Klerikalnepotismus gut sein soll, erzählen Sie mir ein andermal.“ „Das hat doch bei Kohl auch…“ „Die Steigerung von Kohl war schon Köhler, und das hat auch nicht ganz hingehauen. Außerdem war das die Nachgeburt des rheinischen Vulgärkatholizismus, und wie Sie den in den Osten transplantieren wollen, bleibt sicher auch Ihr Geheimnis.“ „Man kann das dem Osten sicher als jüdisch-christliches Abendland verkaufen, oder?“ „Dann wissen Sie sicher auch, wie wir dem Osten einen Parteifunktionär ohne nennenswerte Bodenhaftung oder Führungsqualitäten im eigenen Bundesland als neuen Leithammel schmackhaft machen können.“ „Er hat eine sehr deutliche eigene Meinung, das wird man denen doch als osttaugliche Strategie unterjubeln können? außerdem fand er Sarrazin immer schon gut, den könnten wir für den Wahlkampf bestimmt nach Sachsen oder…“

„Gut, Sie wollen also in Sachsen und Thüringen einen Sack aufstellen, der alles wie Merkel macht und eine tolle Zukunft verspricht, solange nur die Fleischindustrie und die Küchenbauer ihre Gewinne nicht einbüßen.“ „Wollen Sie lieber einen asozialen Kapitalisten, der den ganzen Osten an die Banken verscheuert?“ „Dann hätten wir ja gleich Merz nehmen können.“ „Eben, sehen Sie. Ich meine, wir können doch jetzt nicht jede Wahl rückgängig machen, nur weil es im Osten Probleme gibt.“ „Das war mir auch klar, aber Sie verstehen es nicht: wir sind immer noch beim Parteivorsitz, der Rest ist noch gar nicht dran.“ „Mir fällt nichts mehr ein.“ „Mit auch nicht.“ „Spahn hat sich zur Vorsicht auch gleich disqualifiziert.“ „Röttgen?“ „Ich dachte, es ginge hier um den Vorsitz?“ „Auch wieder richtig.“ „Dann bin ich mit meinem Latein am Ende.“ „Warten Sie mal. Hallo, München? Grüß Gott, Herr Ministerpräsident, nur eine kurze Frage: wenn die CSU jetzt doch in ganz Deutschland antreten dürfte – Ihnen wäre das egal, wer unter Ihnen Kanzler wird, oder?“





Sauerland-Gruppe

19 01 2021

„… erstmals durch eine Onlineabstimmung die Führung der Partei habe übernehmen können. Die für Merz abgegebenen Voten seien eindeutig als Zeichen einer erheblich nachlassenden…“

„… dem neuen Vorsitzenden der CDU auch nicht gratuliert habe. Merz gehe davon aus, dass dies bereits als Eingeständnis einer Wahlniederlage gewertet werden könne, die Laschet zum…“

„… die Medien des Springer-Konzerns bereits im Vorfeld der Wahl von internen Chats berichtet hätten, in denen der Kandidat der patriotischen Mitte gezielt beschädigt worden sei. Außerdem habe man die freie Meinungsäußerung erlaubt, was grundgesetzwidrig und…“

„… warne auch die AfD vor den Folgen der fatalen Fehlentscheidung. Die Partei habe sich mit der Verweigerung gegenüber Merz in eine liberale Richtung entwickelt, die am Ende linksextremen Parteien wie den Grünen die Terrorherrschaft über die BRD GmbH als Teil der zionistischen…“

„… dass Laschet im ersten Wahlgang noch mit fünf Stimmen zurückgelegen habe. Dies sei der Beweis für einen von langer Hand geplanten Betrug, den Merz nur deshalb nicht beweisen könne, da die von Merkel bezahlten ausländischen Linksterroristen die Spuren so gründlich…“

„… nicht wieder nach Düsseldorf gelangt sei. Parteifreunde hätten vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten seit Sonntag weder SMS noch Anrufe erhalten, was auf einen ungewöhnlichen…“

„… seien ausländische Hackerangriffe auf die Server der CDU-Wahl gemeldet worden. Nach Informationen von BILD könne es sich nur um Störversuche der von Röttgen und seinen ökofaschistischen Parteikollegen handeln, die die Stimmen auf sein eigenes Konto umlenken und…“

„… dass Merkel die Ablehnung der Besetzung des Ministerpostens mit Friedrich Merz nicht vor dem Parlament verkündet habe. Ihre Weigerung sei damit nicht gültig, Merz habe einen Anspruch auf das Wirtschaftsressort erworben und fordere die Auszahlung der Bezüge rückwirkend zum…“

„… sei bereits die Verschiebung des Parteitags der Tatsache geschuldet gewesen, dass Antifa und radikalislamistische Feministinnen erst genug Geld aus der von Merkel zur Zerstörung der Wirtschaft eingerichteten Kriegskasse…“

„… eine Lösegeldforderung eingegangen sei. Die Organisation, die sich selbst als die Sauerland-Gruppe bezeichne, verlange die sofortige Korrektur der Wahl, wie sie die Bundeskanzlerin 2020 bereits in Thüringen durchgesetzt habe, sowie eine eidesstattliche Versicherung, dass die Pandemie mit sofortiger Wirkung vorbei sei, um die Wirtschaft wieder in vollem Umfang zu…“

„… mit den von WerteUnion und AfD zu Verfügung gestellten Anwälten eine Klage vor dem Volksgerichtshof gegen die Verräter aus der Union vorbereite, die alle Stimmen gegen Merz als schwere Wehrkraftzersetzung in Tateinheit mit linksfaschistischem Terrorismus und…“

„… es auch kein Interesse gebe, den Wahlsieger aus der Gefangenschaft der Antiantifaschistischen Armee zu befreien, wenn nicht gleichzeitig der unterlegene Kandidat zur Verantwortung gezogen werde. Söder werde deshalb keinen…“

„… Angriffe auf den Deutschen Bundestag angekündigt habe. Wenn Steinmeier ihn nicht sofort zum Kanzler ernenne, plane Merz einen Marsch der Getreuen, um die Rettung des Volkes vor einer linksgrünen Gewaltherrschaft notfalls mit den Mitteln einer…“

„… sich Ziemiak als erster der Polizei gestellt habe. Er sei sehr enttäuscht gewesen, dass Merz ihn trotz seiner Herkunft aus einer sozial schwachen Familie und fehlender Berufsausbildung nicht zum Beauftragten für Propaganda und…“

„… das Volk durch insgesamt neun Personen vertreten worden sei, die sich gemeinsam mit ihrem Führer Zutritt zum Reichstagsgebäude hätten verschaffen wollen. Unter Sprechchören wie ‚Deutschland den Aktien – Merkel ins Gas‘ sei der Trupp bereits auf der Rasenfläche vor dem …“

„… die im Internet anonym eingestellte Petition an den scheidenden US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump gerichtet sei. Unklar sei jedoch bis zur Stunde, ob Merz die Forderung, die BRD GmbH zur Rettung vor radikal linken Demokraten durch einen nuklearen Erstschlag auszulöschen, mit Absicht von seinem E-Mail-Account aus dem Wahlkreis 147 oder nur durch eine technische…“

„… in einem Keller in Schmellede gefunden worden sei. Laschet trage keine Verletzungen davon, werde aber nicht von einer Strafanzeige gegen den Mitbewerber absehen und halte am Votum der Christdemokraten fest, die ihn auch in der Briefwahl mit großer Mehrheit zum…“

„… die AfD ihre Unterstützung angeboten habe. Für Höcke stehe es fest, dass die Wahl zum CDU-Vorsitz nur Teil einer größeren Verschwörung zur endgültigen Islamisierung der von den Alliierten zugelassenen Restgebiete des Reiches und der…“

„… nach Aufnahmen der Sicherheitskamera die Sicherungsposten vor dem Reichstag mit einer abgesägten Schrotflinte bedroht habe. Merz habe hingewiesen, dass er den Umgang mit Frauen in subalternen Positionen nicht problematisch sehe. Nachdem er die Polizistin mehrmals an die Brust gefasst habe, sei durch den mehrmaligen Gebrauch ihrer Dienstwaffe die Situation sehr schnell…“

„… keiner gewusst habe, wie es zu einer derartigen Radikalisierung habe kommen können. Die Union werde daher alle geplanten Aktivitäten im Internet bis auf Weiteres nicht mehr zum…“





Schutzzone

18 01 2021

„Die Polizei!? nee, auf die ist doch hier schon lange kein Verlass mehr. Oder würden Sie bei einer Bande von Autoknackern anrufen, wenn Sie nachts auf der Landstraße liegen bleiben?

Man muss den Behörden das nur klar genug machen, dann spielen die auch mit. Wir haben uns jetzt organisiert und auf eigene Kosten ausgerüstet, wir haben alle Waffenschein, Waffenbesitzkarte und ordnungsgemäß aufbewahrte Waffen samt Munition in gesicherten Schränken außerhalb der Wohnung, und nichts aus Bundeswehrbeständen. Und jetzt sichern wir unseren Ort eigenständig mit unserer Bürgerwehr. Der nächste Querdenker, der sich hier blicken lässt, kriegt ordentlich aufs Maul.

Das dürfen Sie im Antrag natürlich nicht so formulieren, sonst haben Sie keine Chance. Da drin muss stehen, dass Sie für die Einhaltung von Recht und Ordnung einschließlich der auf kommunaler und Landesebene erlassener Verordnungen sind und diese mit legalen Mitteln durchsetzen wollen, um die Einsatzkräfte der Polizei zu unterstützen und sie vor allem nachts sowie an Sonn- und Feiertagen zu entlasten. Also immer dann, wenn diese verstrahlten Bumsköppe hier durch die Gemeinde ziehen und ihre Nazifahnen schwenken, weil die Regierung uns ihrer Meinung nach die ganze Pandemie vorspielt, um das deutsche Reich in den Grenzen von 1937 zu zerstören. Ich würde den Leuten ja sonst Tabletten geben, aber das wollen sie nicht. Vermutlich waren beim letzten Mal die Nebenwirkungen nicht korrekt dosiert. Da muss man eben zur Selbsthilfe greifen, sagt ja die Politik auch. In der Corona-Krise muss die Bevölkerung sich solidarisch zeigen, damit die Gefahr eingedämmt werden kann.

Wir haben hier schon eine fürchterlich hohe Inzidenzzahl, da kommt es auf die Reduktion von Kontakten an. Die Ausgangssperre ist eine Form der Maßnahmen, die wir gerne unterstützen, und die Einhaltung des 15-Kilometer-Radius kommt hinzu. Wenn wir beispielsweise sehen, dass sich zu den Kundegebungen auch Einwohner aus anderen Bundesländern einfinden, manche auch mit dem Bus angereist, dann sorgen wir natürlich für einen seuchentauglichen Empfang. Unsere Freiwillige Feuerwehr hat im letzten Jahr ein neues B-Rohr angeschafft. Wir verzichten auf den Stützkrümmer, damit der Druck nicht verloren geht, und unsere Kameraden kriegen das zu dritt ganz gut hin. Mit etwas Glück überlebt man so einen Einsatz ohne bleibende Schäden. Also als Demonstrant.

Offiziell haben wir das natürlich als hygienische Maßnahme begründet, und was soll ich sagen, die Verwaltung hat sich nicht damit beschäftigt, weil sie die Vorschriften nicht kennt. Die Polizei hat eh keine Lust mehr, ständig über die Dörfer zu fahren, und wir haben die Lage mittlerweile auch im Griff. Wenn Sie mich fragen, wir sind hier sicher.

Dann hatten wir noch den Schriftverkehr mit dem Amtsgericht, die uns bestätigt haben, dass wir sie bei der Verhinderung des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen tatkräftig unterstützen dürfen. Wir hatten hier einen Bauern, der zu Führers Geburtstag gerne mal die Hakenkreuzfahne aus dem Schuppen geholt hat. Der hat ja erstaunlich lange überlebt, dann wurde sein Sohn Ortsvorsteher, und kaum war er wieder aus dem Knast raus, saßen die auch schon im Landtag. Damit wir uns nicht falsch verstehen, man kann die Pandemiemaßnahmen durchaus als nicht ausreichend parlamentarisch kontrolliert kritisieren, aber wenn diese Herrschaften hier mit Kriegsflagge einmarschieren, zeigt ihnen unsere Dorfjugend gern mal, wie schnell man in eine Prügelei verwickelt werden kann. Bei uns wird ja Schlagball noch ganz groß geschrieben. Und in Hessen soll es vorzüglich ausgestattete Gesichtschirurgen geben, habe ich mir sagen lassen.

Manchmal haben wir allerdings auch kleinere Probleme, zum Beispiel mit dem Ortsvorsteher. Der ist ja im Hauptberuf Frisör, und deshalb hat er auch letzten Samstag den Salon wieder geöffnet. Gegen die Dauerwelle, wie er das nennt. Ihn selbst hat das ein hübsches Bußgeld gekostet und die Lizenz zum Föhnen. Außerdem schützt unsere Bürgerwehr die Läden jetzt sehr effektiv. Vor allem gegen plötzliche Inbetriebnahme, wenn die Besucher aus anderen Bundesländern uns Broschüren in den Briefkasten schmeißen, dass die Regierung der BRD GmbH gar nicht befugt sei, uns die Ladenschließungen zu befehlen, damit hinter unserem Rücken der Islam die Scharia einführen kann. Wir sind in Sachsen, da kann es dauern, bis sich die Polizei für Äußerungen des gesunden Volksempfindens interessiert.

Natürlich können die Querdenker gerne weiter zum Demonstrieren herkommen. Gerne auch mit Polizisten an ihrem freien Tag. Hier zählt die robust ausgetragene Meinungsverschiedenheit über Themen aus dem Staatsrecht zur Folklore, und wer das nicht glaubt, darf sich gerne die benachbarten Ortschaften anschauen. Da wurde seinerzeit eine Schutzzone geschaffen für die Einwohner, die sich von importierter Kriminalität durch Feinde des Heimatvolks gefährdet sahen. Bedrohungslage klar erfassen, nicht auf den Staat warten, proaktiv selbst handeln. Wenn von uns Eigenverantwortung verlangt wird, um die Krise einzudämmen, dann werden wir das eben in die eigene Hand nehmen. So einfach ist das.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXLVII): Der Aluhut als Ersatzreligion

15 01 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Irgendwann werden sie angefangen haben, sich die Welt zu erklären: warum jeden Tag die Sonne aufging, die Jahreszeiten wechselten und das Gras wuchs, wenn man Körner auf den Acker streute, unter dem die Ahnen lagen. Die ersten ethischen Fragen schienen auf. Wächst das Gras schneller, wenn wir die Verwandtschaft frühzeitig unter die Scholle schieben? Haben die Jagdtiere eine Seele, die uns für den Verzehr bestraft? Hat der Hominide in der Natur eine Sonderstellung, weil er sich für intelligenter hält als andere Wesen, die ohne seine Existenz ein wunderbares Leben hatten und es auch weiter gehabt hätten, würde er nicht immerzu seine dämlichen Griffel in alles reinstecken und es für Fortschritt halten? Irgendwann muss der Mensch die Zusammenhänge in mythologische Formen geschwiemelt, mit rituellen Handlungen verknüpft und in ein systematisches Konzept gepresst haben, das er fortan für wahr hielt, wenngleich sich diese Wahrheit nicht empirisch begründen ließ – abgesehen vom Wahrheitsbegriff, den jede Religion für sich beansprucht, die durch Götzen, Geister und Götter geformt die Opfergabe von Tierblut als unerlässlich für die nächste Ernte ansah oder den Genuss von Backwaren und Alkoholika als bindend betrachtete für ein feinstoffliches Weiterleben nach der Rückkehr des Körpers zur Biomasse. Irgendwo zeigt sich dann der Bruch, die Wissenschaft dringt jäh ein in die Zaubererzählungen, es gilt keine Geschichte vom Weihnachtsmann mehr und kein Fantasyelaborat von Männern, die übers Wasser laufen und in den Himmel reiten. Dann aber muss schnellstens Ersatz her.

Spätestens durch den Einbruch protestantischer Tugendethik, die mühsam als Markt verkleidet die Gesellschaft mit ihrem Selbsthass terrorisiert, ist der Glaube eine säkularisierte Veranstaltung, die nur noch aus Gründen der Opportunität stattfindet. Ostern und Zuckerfest sind ökonomische Marker im Einzelhandelsjahr, Platzanweiser für korrekten Konsum und ansonsten private Events, die unter Beobachtung des sozialen Nahbereichs ablaufen. Die ordnende Kraft des Religiösen, die das Glauben an sich bestimmt, ist fundamentalmaterialistischen Anschauungen gewichen, unter denen sich auch moralische Ansprüche kommod verstauen lassen. Ob die Risse im Gebälk der Aufklärung auch die Unsicherheit zeigen, mit der sich die realistische Geisteshaltung der Postmoderne herumschlägt? Wir sind uns dessen zumindest nicht bewusst, neigen zu Übersprungshandlungen und Übertreibungen.

Eine der psychologisch wichtigen Aufgaben von Religion ist die Bewältigung existenzieller Krisen; der Verlust eines Länderspiels, lebensbedrohliche Erkrankungen oder die Aussicht auf das eigene Ableben sind Grenzerfahrungen, mit denen wir nur ungern konfrontiert werden. Geht uns nun der stabilisierende Rahmen des Grundvertrauens in eine metaphysische Ordnung verlustig, was zusätzlich eine geistige Krise provoziert durch den Einbruch des nicht mehr Fassbaren – ein Paradox, das sich bei Verfügbarkeit strafender Gottheiten gar nicht erst zeigt und bei gleichzeitig barmherzigen in ein lustiges Logikwölkchen löst – bedürfen wir rasch eines tauglichen Substitutionsgutes. Hier kommt die Verschwörungsideologie in ihrer praktischen Form des leicht Begreifbaren ins Spiel, beispielsweise in Gestalt des Aluhutes, Querbommels oder einer beliebigen Flagge, die man beliebig hochhält.

Die faktische Kraft des Irrationalen erlaubt uns, alle möglichen Sperenzchen zu einem Synkretismus aus geistigem Bauschaum und sozialverträglichen Wahnvorstellungen zu vermengen, der gleichzeitig die Schuldfrage klärt, wenn wir für unsere eigene Beklopptheit nicht bestraft werden wollen, und die Irritation unserer elementaren Überzeugungen durch Externalisierung auf böse Mächte schieben lässt. Sinn stiftet das nicht, aber darauf kommt es vorrangig nicht an; es erlaubt dünn angerührten Kaspern, sich an der selbst zusammengekloppten Krücke einigermaßen durch den Morast der eigenen Ängste zu schleppen, ohne übermäßig rational zu werden, da dies Rechenkapazität zieht und die hedonistisch geprägten Gewohnheiten durch lästige Fragen stört. Hat sich die Schwurbelgurke erst einmal mit der Problematik beschäftigt, welche Konsequenzen sein normiertes Spießerdasein mit sich bringt, für ihn und für andere, besteht immer die Gefahr, dass die Fragen nicht mehr aufhören. Beten und Büßen wären eine nette Übung, sich zu exkulpieren, leider ist die himmlische Instanz gerade im Nirwana verdampft.

So unternehmen die Rotte der Stumpfstullen wütende Wallfahrten, latschen pöbelnden Priestern hinterher und spenden eine Menge Kleingeld für eine Erlösung, die man nicht sehen kann und an die man besser nur glaubt, nachdem man sie als absurd anerkannt hat. Wir sind verloren, wenn wir nicht begreifen, dass diese Ansammlungen fanatischer Flusenlutscher der Untergang der freien Welt ist, wenn wir sie nicht in ihre Löcher zurück stopfen. Die Erleuchtung kam noch nie aus dem Dreck, und die Auffassung allein, dies als legitimen Glauben zu tolerieren, macht nichts besser. Nicht einmal da, wo das Pathos des Unbedingten wirkt.





Rechenschieber

14 01 2021

„… habe die ARD beschlossen, während des Lockdowns drei Stunden täglich Lernformate im Fernsehen anzubieten, die für alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen…“

„… nicht mit der Kultusministerkonferenz abgestimmt worden sei, so dass sich teilweise eine Redundanz zu den Lehrplänen der Fächer Deutsch, Gemeinschaftskunde und Physik in Hessen und dem Saarland, in Mathematik und Biologie unter besonderer Berücksichtigung der Untersekunda in Baden-Württemberg sowie in Englisch und…“

„… habe Scheuer gegen die TV-Übertragungen entschieden protestiert. Deutsche Schulen seien erst seit etwa zwanzig Jahren an das Interwebnetz angeschlossen, die verfrühte Informationsdominanz durch das lineare Fernsehen könne schnell alle Fortschritte des Netzkompetenzaufbauprogramms der Bundesregierung im Keim…“

„… werde der Bayerische Rundfunk die von der ARD und ihren Spartenkanälen angebotenen Lerninhalte nicht mittragen. Ein für alle Klassen verpflichtender katholischer Religionsunterricht müsse in ausreichendem Maße berücksichtigt werden, um die sittliche Verrohung durch den außerschulischen Unterricht möglichst…“

„… auch Sendungen des BBC in den täglichen Lehrplan aufnehmen wolle. Nach Ansicht der Kultusminister könne man so das Fach Englisch komplett einsparen und habe mehr Freiräume, die Schüler durch praxisnahe Inhalte wie Latein und…“

„… befürchte Buhrow den Rückgang von Werbeeinnahmen. Es sei allerdings möglich, die pädagogischen Formate durch beliebte Sendungen wie Sturm der Liebe aufzulockern, um eine nachhaltige Zuschauerbindung bereits jetzt zu…“

„… bestehe der Plan der von Merkel dirigierten Systemmedien darin, das Jungvolk moralisch zu versiffen. Die Häufung der Beiträge im Fach Kunst über jüdische oder homosexuelle Maler sei der Versuch der von Bill Gates gesteuerten Kanzlerin, eine ganze Generation zum Hass auf die deutsche Kultur zu erziehen. Gauland werde dem nicht ohne eine Klage vor dem…“

„… aus Kostengründen alte Sendungen aus dem Schulfunk der dritten Programme wiederholen wolle. Thüringen und Sachsen hätten jedoch empört gegen eine neuerliche Vernachlässigung ihrer Bundesländer gefordert, den Rundfunkbeitrag nicht mehr an die…“

„… dass die politische Gliederung Deutschlands in sechzehn Bundesländer zwar wichtig sei, im Lehrplan der Klassenstufe 5 jedoch zwingend die Größe der Regenwälder sowie die Nebenflüsse des Amazonas und der…“

„… kritisiere die Kultusministerkonferenz vor allem die mangelnde inhaltliche Tiefe der Beiträge. Ein Film über die moderne Großstadt als Wohn- und Naturraum müsse unbedingt einen Exkurs über die Notwendigkeit ständiger Mietsteigerungen beinhalten, da sonst falsche Vorstellungen vom Sinn des Schulunterrichts bei den…“

„… es allerdings nicht mehr möglich sei, die mathematisch-naturwissenschaftlichen Sendungen von 1970 zu wiederholen, da der zur Durchführung der Übungsaufgaben erforderliche Rechenschieber nur noch in wenigen Haushalten im…“

„… nur wissenschaftliche Einzelmeinungen abbilde. Der Verband Kritischer Eltern wolle nicht hinnehmen, dass die Evolutionstheorie als absolute Wahrheit dargestellt werde, ebenso fordere die Bundessprecherin eine Wahlfreiheit, ob die Erde als Scheibe oder…“

„… den Geschichtsunterricht bewusst entstellt habe, um alle Deutschen in den Schuldkult zu treiben, der nur in der ewigen Befriedigung gieriger Juden enden könne. Höcke werde sich vor dem…“

„… es mehr Kontrollen über den Lernerfolg geben müsse. Söder mahne an, dass für die frei verfügbaren Lerninhalte keine Erfolgskontrolle und eine kommentierte Lehrerausgabe der Filme im Netz zu finden sei. So könne sich jeder Schüler eine freie Meinung bilden, was nicht im Sinne des…“

„… die Beiträge deutlich straffen und mit erhöhter Geschwindigkeit abspielen müsse. Die Kultusminister würden befürchten, dass sich die Verkürzung der Schulzeit auf maximal zwölf Jahre sonst nicht abbilden lasse, was zu einer drohenden Untauglichkeit der Schüler für das Arbeitsleben…“

„… bedürfe es lediglich eines Fernsehers oder eines digitalen Endgerätes, um den Sendungen zu folgen. Es sei für Heil nicht Aufgabe des Staates, sozial schwachen Familien diese Technik über den ALG-II-Regelsatz zu finanzieren, außerdem liege es natürlich im Ermessen jedes einzelnen Bürgers, ob er sich Kinder anschaffe oder weiterhin als…“

„… die Filme über den Reichstagsbrand, den Polenfeldzug sowie die Judenverfolgung und den Holocaust als sehr gute Aufbereitung des Materials für die gymnasiale Mittelstufe bezeichnet habe. Es sei jedoch erforderlich, so Seehofer, dass nach jedem dieser Clips ein Warnhinweis vor der Antifa, die sogar Autofenster zerstören würden, um ihre menschenverachtenden und…“

„… scharfe Kritik an den Aussagen der ARD geübt habe, dass die Kinder die Lerninhalte von den Eltern begleitet anschauen sollten. Dies könne auf Dauer aber dazu führen, dass ihre wirtschaftliche Leistung durch die ständige Betreuung ihrer…“

„… beides verbinden wolle. Die Kultusminister hätten angeregt, alle Schüler im privaten Rahmen zu versammeln, um den Schulfunk zu sehen. Eltern seien damit wieder arbeitsfähig und hätten keine Infektionen im schulischen Rahmen mehr zu…“





Nicht ohne meine Katze

13 01 2021

„Und Sie haben dann ganz bewusst das Hack aus der Fleischfabrik gekauft, die europäische Zerleger mit Werkverträgen beschäftigt? weil die Politik der Wirtschaft das nicht befehlen darf, dass Ihr Fleisch teurer wird, damit diese Ausländer an Deutschen verdienen? Ja, das ist eine Widerstandshandlung. Lassen Sie sich da bloß nichts anderes einreden.

Es war uns von Anfang an klar, dass das einen gewissen sozialpädagogischen Aufwand bedeuten würde, aber wir hängen uns da wirklich rein. Seit die ersten Idioten mit Sophie-Scholl-Plakaten fürs Einkaufen ohne Gasmaske demonstriert haben, hört das hier quasi nicht mehr auf. Alles ist Widerstand, alles ist gegen das System, wir können das nur noch an den Rändern einhegen. Die Leute kleben sich ja inzwischen einen gelben Stern auf die Jacke, damit sie gegen die Lügenpresse schwarzfahren und als Erwachte im Supermarkt Schnaps klauen dürfen.

Beratungsstelle Widerstand, wie kann ich Ihnen helfen? Das ist richtig. Sie dürfen sich in Gebieten mit entsprechender Inzidenzzahl nicht weiter als fünfzehn Kilometer von Ihrer Wohnsitzgemeinde entfernt aufhalten, es sei denn, es liegt ein triftiger Grund vor. Arbeit wäre beispielsweise einer. Gut, das trifft auf sie nicht zu. Ich wollte ja auch nur mal gefragt haben. Polizeikontrolle, aha. Ja, die dürfen nach dem Grund Ihrer Autofahrt fragen. Es handelt sich um eine Kontrolle im Straßenverkehr, da kann ein Kennzeichen schon mal verdächtig aussehen. Sie können den Grund Ihres Aufenthaltes natürlich verschweigen, das ist richtig. Allerdings müssen Sie dann auch die Konsequenzen für Ihr Verhalten tragen. Die Polizei? warum soll jetzt die dafür bestraft werden? Weil ein Polizist Ihnen neulich auf der Demo erzählt hat, dass die Merkelsau in die Gaskammer gehört, und ein anderer Polizist will Sie wegen einer Ordnungswidrigkeit belangen? Sie wollen das dann lieber vor dem Volksgerichtshof von Ihrem Reichsanwalt verteidigen lassen? Das ist Widerstand, da haben Sie recht.

Also Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, aber wenn er mich nicht ausreden lässt, ist das nicht mein Problem. Wir sind hier nicht die Lebenshilfe für unterbelichtete Profilneurotiker. Das kommt bei denen ja meist raus, wenn sie jahrelang den ganzen Nachmittag vor der Glotze hocken und Hitlerdokus bingen: intellektueller Kriechstrom, wenn Sie mich fragen. Die wissen genau, welche Panzendivision der Führer wo gegen Stalin hat aufrollen lassen, aber nicht, wann die aufs Maul gekriegt hat. Das sind historische Unkosten, aber sie kapieren es nicht.

Beratungsstelle Widerstand, wie kann ich Ihnen helfen? Die Genehmigung der Gemeinde liegt vor, sagen Sie – Sachsen? Verstehe, da darf man sich ‚Volksstandarte Reichssturm 1933‘ nennen. Ihr Schwager ist Staatssekretär und saß mehrfach ein? Das steht in keinem ursächlichen Zusammenhang? Das hat ja auch keiner behauptet, wir kennen ja die Ursache auch noch nicht.

Sie dürfen selbstverständlich eine Bürgerwehr gründen, die die Polizei zum Feindbild hat – meist ist die Bürgerwehr attraktiver als die Polizei, weil man dann in Sachsen gesellschaftlich nicht mehr so ausgegrenzt ist. Sie müssen nur Ihre Mitglieder darauf hinweisen, dass staatsfeindliche Propaganda während der Dienstzeit nicht als Widerstand gilt. Ob es da für Reichsbürger Sonderregelungen gibt, ist mir nicht bekannt, wäre aber logisch. Wenn Sie schon einen Staat abschaffen wollen, der gar nicht existiert, dann sollten Sie sich von ihm wenigstens den Lebensunterhalt finanzieren lassen.

Ja, das ist alles ein bisschen wirr mit diesen Leuten. Die demonstrieren unter Polizeischutz gegen die Regierung, um zu zeigen, dass sie in einer Diktatur leben, die ihnen die Grundrechte entzieht. Und da sie der Ansicht sind, dass diese Grundrechte für sie sowieso nicht gelten – es gibt ja gar keine richtige Verfassung, die wurde uns von den Feindmächten nach der Zerstörung des Reiches einfach aufgezwungen – berufen sie sich ständig auf das Grundgesetz für die gar nicht vorhandene BRD. Was kommt als nächstes? Generalstreik für Freibier? Nicht ohne meine Katze?

Beratungsstelle Widerstand, wie kann ich Ihnen helfen? Sie wollen sich tätowieren lassen? Das ist ja mal etwas ganz Neues. Was soll es denn werden, irgendwelche SS-Runen, Hakenkreuze, Nazikram in falsch buchstabierter Fraktur? Ach so, das ist ja verboten. Also den Akt des Tätowierens selbst als Widerstandshandlung definieren, das kann man schon machen. Das kostet den Tätowierer dann wohl ein ordentliches Bußgeld, weil er sein Studio entgegen der Verordnung betreibt. Natürlich kann man das auch zu Hause am Küchentisch stechen, keine Frage. Dann kann der gute Mann allerdings gemäß Gewerbeordnung seine Zulassung verlieren, dann ist das vielleicht Widerstand gegen den bösen Kapitalismus, in dem Läden betreiben muss. Oder Widerstand gegen das Gesundheitswesen, falls Sie sich dabei infizieren und mit einer Sepsis in die Klinik eingeliefert werden, die Sie nicht aufnimmt, weil alle Betten wegen einer nicht existierenden Pandemie belegt sind. Also ich würde das an Ihrer Stelle machen. Das führt zu Marktbereinigung, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Ja, so geht’s hier zu. Das ist ein ganz normaler Arbeitstag in der Beratungsstelle. Zum Glück hatten wir heute nicht den Typen, der alle paar Stunden durchruft, wenn er aus Widerstand pinkeln geht. Wenn Sie keine Fragen mehr haben, ich mache jetzt Feierabend, weil morgen ein langer Tag ist. Da helfe ich aus im Einsatzzentrum Meinungsfreiheit.“





Antijudäische Volksfront

12 01 2021

„… dass eine Radikalisierung der sogenannten Querdenker-Bewegung durchaus möglich sei. Söder sehe zwar noch keine Beweise für einen Anschluss der Szene an rechtsextremistische oder…“

„… zwei Fahrzeuge mit Motorschaden auf der Autobahn liegen geblieben seien. Die Auslieferung des Serums sei aber nach Aussage der regionalen Gesundheitsämter nicht gefährdet, da zwischen den beiden Vorfällen in Baden-Württemberg und im Saarland keine ersichtlichen…“

„… müsse der Staat sofortige Vorkehrungen treffen, um die Gefahr eines kommunistischen Umsturzes zu bannen. Seehofer fordere daher ein sofortiges Verbot der Antifa, deren Mitglieder sich durch ausländisch finanzierte Spenden und…“

„… nach dem Vorwurf des gemeinschaftlich verübten Totschlags in drei Fällen vom Einsatz im Asylbewerberheim abgezogen worden sei. Es sei jedoch keine Absicht, alle noch auf freiem Fuß befindlichen Mitglieder des Wachschutzes im Impfzentrum des…“

„… dass die Polizei künftig auch ohne Anlass Personen, die theoretisch verdächtig aussehen könnten, durch einen finalen Präventivschuss in den Hinterkopf ausschalten müsse. Wendt habe auch ein Gesetz angeregt, dass Passanten mit undeutscher Hautfarbe und gefährlichen Namen so schnell wie möglich in den…“

„… etwa dreitausend Handzettel in mehreren Stadtbezirken verteilt habe, die vor der Impfung gewarnt hätten. Unter dem Briefkopf mit dem Stadtwappen von München sei jedoch versehentlich der Schriftzug Antijudäische Volksfront und eine Telefonnummer des…“

„… fürchte der bayerische Ministerpräsident eine ‚Corona-RAF‘, die sich im Untergrund radikalisiere, der deutschen Wirtschaft erhebliche Schäden zufüge und die politische Stabilität der Union noch vor den…“

„… einen Impfstofftransport mit Waffengewalt an der Weiterfahrt habe hindern wollen. Das LKA Sachsen gehe weiterhin von einem missglückten Überfall auf einen Geldtransport aus, da es im Vorfeld keine Hinweise auf derartige…“

„… seien auch die Lehrerinnen und Lehrer in die Pflicht zu nehmen. Aiwanger fordere sämtliche Pädagogen auf, ihre Spring- und Klappmesser auch in der Schule mit sich zu führen, um jeden Versuch einer maoistischen Hetzpropaganda in den unteren Klassenstufen sofort zu…“

„… seien bereits an mehreren Impfzentren Rohrbomben gefunden worden. Das BKA sei in diesem Fall sicher, dass es sich um einen linken Anschlag handle, da ein aufgesprühtes Hakenkreuz zweifelsfrei als Tarnung durch Symbole des…“

„… die Querdenker als linksextremistische Terrororganisation verbieten lassen wolle. Der Bundesinnenminister habe jedoch beschlossen, mit dem Verbot so lange zu warten, bis es zu eindeutig als links interpretierbaren Äußerungen von Seiten der…“

„… könne man den Brandanschlag auf die Fertigungsstätte in Idar-Oberstein mit ziemlicher Sicherheit dem trotzkistischen Aktivisten Jens D. (89) nachweisen. D., der seit 2007 in einem Demenzpflegeheim in der Nähe von Husum lebe, habe den Verdacht auf sich gelenkt, da er keinen Antrag auf Impfung bei der zuständigen…“

„… die Treffen der Pandemiekritiker nicht mehr mit vollem Polizeischutz ausstatte. Herrmann wolle nicht zulassen, dass sich mehr Beamten als nötig der Gefahr einer Virusinfektion aussetzen müssten. Stattdessen sei nur noch eine Begleitung für die Gegendemonstrationen geplant, die sich teilweise durch Masken der Gesichtserkennung entzögen und daher leicht dem linksterroristischen Spektrum…“

„… die Geiselnahme in Erfurt unblutig beendet worden sei. Die AfD-Landtagsfraktion habe die Aktion im Gesundheitsamt verurteilt, gleichzeitig aber auch Verständnis dafür geäußert, dass ein unbeugsamer Volksgenosse sich gegen die von Bill Gates befohlene Zwangsdigitalisierung des…“

„… dass friedlicher Protest auch weiterhin möglich bleibe. Seehofer empfehle den Medien, stilisierte Judensterne oder Plakate, auf denen die Vergasung der Bundesregierung angekündigt würden, nicht mehr so deutlich zu zeigen, damit es nicht zu Nachahmungstaten oder…“

„… keinen Grund zur Strafverfolgung sehe. Die Forderung der Demonstranten, ein ausländerfreies Reich zu schaffen, könne nach Ansicht des OLG Bamberg auch metaphorisch gemeint sein und sei offensichtlich wegen der verfassungsmäßig verankerten FDGO nicht auf den deutschen…“

„… die Vorratsdatenspeicherung auch gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts schnellstens implementieren werde. Scheuer wisse aus absolut sicherer Quelle, dass es keine weitere juristische Auseinandersetzung vor einem europäischen…“

„… die Wehrsportgruppe Corona Kretschmer eine Einladung ausgesprochen, die dieser gerne angenommen habe. Zur Sicherheit werde man das Treffen mitstenografieren, da es fraglich sei, ob sich der sächsische Regierungschef an das erinnern könne, was er während des…“

„… sehe der Verfassungsschutz derzeit keine Gefährdungen für die Öffentlichkeit. Solange die beobachteten Gruppen noch historische Personen wie Stauffenberg als Vorbilder bezeichneten, könne man keine Anzeichen für einen gewaltsamen…“





Supernanny

11 01 2021

„Das ist ja vorwiegend wegen der sozial schwachen Familien. Manche können sich ja nicht mal einen SUV leisten, manchen geht es derart dreckig, da hat die Frau eine Berufsausbildung. Und die muss noch arbeiten. Für die erhalten wir die Präsenzpflicht aufrecht, damit nicht auch noch den DAX verreckt.

Das Problem hätten wir kaum, wenn nicht derart viele Kinder in staatliche Regelschulen gehen würden. Abgesehen von dem Geld, das das kostet – das ist mindestens eine Steuersenkung – das ist ein Verwaltungsaufwand, und dann müssen wir zum Schluss auch noch irgendwas für die Kinder tun. Also für die von den armen Leuten. Wenn Sie eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben, dann erwarten Sie doch auch nicht, dass man Ihnen das Geld aus der Tasche zieht und davon gesetzlich Versicherte durchfüttert, oder?

Natürlich tun wir auf die Art etwas gegen die Armut. Es leben so viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze, nur ein Auto, teilweise nicht mal mit Wohneigentum, und in solchen Familien groß zu werden, das muss man sich gut überlegen. Den Kindern selbst kann man die Entscheidung ja nicht zumuten, die meisten sind wahrscheinlich subjektiv schon in diesem Bodensatz verhaftet – da ist es doch gut, die oberen Einkommensgruppen durch noch mehr Lohnarbeit in den unteren zu fördern, weil wir sonst bei den Kindern aus den besseren Haushalten den sozialen Abstieg auslösen könnten. Stellen Sie sich mal vor, so ein ganz normales Kind kriegt irgendwann mal mit, in der Nachbarschaft gibt es Eltern, die sind zu Hause, wenn ihre Söhne und Töchter aus der Schule kommen. Was würden wir uns da für ein Volk heranziehen!

Bildung ist immer noch der wichtigste Schlüssel für dieses Problem. Man muss ja nicht unbedingt etwas damit anfangen können, es darf auch nicht zu lange dauern, deshalb ja G8, aber wenn man den Nachwuchs so bis sechzehn aus dem beschäftigt kriegt, dann ist das doch ein ganz vernünftiger Mittelweg. Ab dann können die sich auch selbst versorgen, notfalls müssen sie sich dann einen Job suchen, eventuell sogar eine Lehrstelle, aber das ist dann nicht unser Problem. Sonst könnten wir die Kinder vor die Glotze setzen, das reicht heute für einen durchschnittlichen Abschluss in so einer staatlichen Schule aus. Es muss halt jemand die Drecksarbeit machen.

Man kann ja leider die Blagen nicht einfach in den Hort verfrachten. Mir fällt auch gerade nichts Besseres ein, Kindermädchen vielleicht, das kann sich doch jeder Regierungsdirektor leisten, oder als Bankvorstand oder Staatssekretär. Ich verstehe gar nicht, wie sich die Leute überhaupt erst Kinder anschaffen und dann nicht mal das Geld für eine professionelle Betreuung haben. Man muss doch auch Prioritäten setzen, dann kauft man sich halt den Maserati, wenn die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind, dann ist ja auch meist Zeit für die nächste Scheidung und man hat den besseren Überblick über die Finanzen. Immer nur vom Staat verlangen, dass wir die Supernanny spielen, das ist doch echt unsolidarisch. Das müssen diese Bürger einsehen.

Wir haben seit Jahren alles dafür getan, dass das Thema Digitalisierung in den Köpfen ankommt. Erst die Vorratsdatenspeicherung, Uploadfilter, wir haben teilweise in einigen Regionen nur noch ganz kleine Funklöcher, und die sind noch nicht mal in Industriegebieten, und jetzt planen wir Flugtaxis. Wenn Sie sich andere Länder anschauen, die sind vielleicht hier und da schon viel weiter, aber so weit wie wir sind die bestimmt noch nicht. Weil wir ja ein Technologiestandort sind, und das heißt, wir sind sowieso viel besser als andere.

Das heißt natürlich noch nicht, dass wir heute alles mit Digitalisierung hinkriegen wollen, da müsste man erstmal die Pädagogen fragen, ob sie das auch möchten. Wir können ja nicht über deren Köpfe hinweg entscheiden – das sind ja schließlich keine Eltern. Deshalb überlegen wir uns das gut, ob wir sie fragen, und dann noch mal, wann wir sie fragen werden. Bis dahin ist Präsenzunterricht in der Regelschule absolut alternativlos.

Und dann haben wir auch das Problem mit der häuslichen Gewalt. Das könnte theoretisch in allen Schichten auftreten, aber es gibt gesellschaftliche Schichten, die man nicht als Schicht bezeichnen sollte. Eher als Sphäre. Wenn da mal Konflikte auftreten sollten, dann belästigt man damit eher nicht die Schule, und wenn doch, dann hat man die notwendigen Mittel, um die Schäden zu beseitigen. Wir müssen also auch hier eine soziale Auslese durchführen, und wieder sind es die unteren gesellschaftlichen Bereiche, die uns zu diesem Schritt zwingen. Damit tun wir uns keinen Gefallen, das dürfte allgemein bekannt sein, aber anders können wir dem Problem nicht begegnen. Und alles das muss man nun abwägen gegen ein anderes Rechtsgut, nämlich die Gesundheit unserer Leistungsträger. Wir haben uns also zu diesem Schritt entschlossen, dass wir die Präsenzunterricht ausschließlich für die Regelschulen beibehalten, in denen die Schülerinnen und Schüler bis zur unteren Mittelschicht sich infizieren. Das kann und muss ihnen zugemutet werden, schließlich kann Schule als Bildungsvermittlung und soziale Institution nicht das Versagen von allen Elternhäusern auffangen. Und wenn wir jetzt noch eine Lösung finden, die Kinder ganz aus ihrem familiären Umfeld herauszulösen, damit die Wertschöpfung für unsere Wirtschaftsbetriebe unvermindert erhalten bleibt – also ich bin da sehr zuversichtlich. Vermutlich beim nächsten Lockdown.“