Glückskekse

19 11 2018

„Also er hat jetzt zwei zweimal diese Figur mit dem Hütchen bewegt, und die hatten dieselbe Farbe. Ach, das ist beim Schach immer so? Da können Sie mal sehen, wie gut unsere Prognosen sind. Wir beschäftigen uns nicht mit den Einzelheiten und haben deshalb auch immer irgendwie Recht.

Ich war gleich gegen die Schachmeisterschaft, aber machen Sie das mal Wirtschaftsredakteuren klar. Die haben in der Regel Theologie studiert oder andere Sachen, die man nur beweisen kann, wenn man nicht genau weiß, woran man glaubt, oder wenn sie richtig gut sind, haben sie das Studium zwischendurch geschmissen, haben geheiratet oder sich privat mit dem Strafvollzug beschäftigt, weil sie von den anderen Börsentipps wussten, wie man geldgierige Knalltüten nach Strich und Faden betrügt – und nicht, wann man mit der Scheiße aufhören sollte. Einige wenige haben plötzlich ihre moralischen Anwandlungen, die gehen auch ins Fernsehen, aber die machen dann Homeshopping, auch nicht schlecht, da wird man als Arschloch wenigstens fest bezahlt fürs Lügen, oder sie werden Autor für Glückskekse. Glückskekse gehen immer, und Horoskope kriegen Sie mittlerweile billiger aus dem Archiv.

Ja, wir beobachten inzwischen eine Menge sehr unterschiedlicher Variablen, um unsere Datenbasis zu vergrößern und unsere Leistungen ein bisschen wissenschaftlicher zu machen. Was twittert Trump? Hat Kramp-Karrenbauer öffentlich verkündet, dass die geplante Zwangshomosexualisierung durch die linkfaschistischen Abtreibungsveganer Schuld ist an der Kreuzigung vom lieben Jesulein? Und sammelt die AfD schon Spenden, damit sich Weidel für die Knastdusche Korken reinstecken kann? Früher hätte man das Wetter mit einem Laubfrosch analysiert, aber auf Zufälle kann man sich ja heute einfach nicht mehr verlassen.

Man kann ja auch die Anzahl der islamistischen Attentate als Grundlage nehmen, aber das stößt auf ein geteiltes Echo. Die einen beschweren sich, dass die Erdrotation noch nicht als islamistischer Terror gerechnet wird oder die Geburt vom Säuglingen in Guatemala, bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, dass einer von zehn Millionen eventuell mal zum Islam konvertiert, die anderen finden es nicht okay, dass man die neunundneunzig Prozent der islamistischen Attentate einrechnet, nur weil sie in islamischen Ländern stattfinden. Meistens würfeln wir dann, weil die Ergebnisse genauer sind.

Manchmal kann man die Daten extrapolieren – hat nichts mit dem Raumpflegedienst zu tun, echt nicht – wenn man schon die nötigen Zahlen vorliegen hat. Hier haben wir beispielweise einen Anstieg der Börsenkurse, der führt dazu, dass an der Frankfurter Börse die Kantine mehr frequentiert wird, meistens in der Mittagspause, und dann steigt hinterher der Kaffeekonsum bei Schmittchen, das ist der Laden gegenüber, die bieten nicht so einen Urinersatz in Halbschwarz an, sondern richtigen Kaffee, den brauchen Sie auch, wenn Sie diesen Brechreizbeschleuniger aus der Fressetage in Ihren unschuldigen Magen gejagt haben, und dann holen sie sich auch immer einen Schokoladenkuchen. Als Belohnung. Wir nehmen das als Indikator: wenn der Schokoladenkuchen sich gut verkauft, steigen die Börsenkurse.

Wenn man’s genau betrachtet, ist es natürlich umgekehrt, aber noch haben sich die Volkswirte nicht damit befasst, und Betriebswirten fehlt es am Durchblick.

Fußball ist natürlich auch immer gut, da versteht man die Ergebnisse auch einigermaßen schnell, aber das ist dann auch schon der Nachteil: jeder versteht die Ergebnisse. Außerdem kann man das momentan echt nicht bringen. Bisher war die Sache immer klar, die Bayern gewinnen, also gibt es gute Börsenwerte, der DAX steigt, alles gut, morgen sehen wir weiter. Und jetzt? Das ist alles so kompliziert, das kann man auf die einfachen Sachverhalte nicht mehr anwenden. Gut, immer noch besser als Politik, da ist es auch wieder andersherum, aber das war ja jetzt auch nicht die Frage. Sonst könnte man schon die Entscheidungen der Bundesregierung für die Börse verantwortlich machen, aber das wollen Sie nicht wirklich, ich sage nur: Haftung. Die Merkel hat doch dreizehn Jahre lang vermieden, dass sie irgendwas tut, was sich sofort als politisch verwertbar herausstellen würde. Und wenn Sie sich angucken, was da heute so durchs Kabinett kriecht, das ist ja nicht einmal wirtschaftlich für sein Handeln zur Verantwortung zu ziehen.

Strompreise? das wäre mal eine Überlegung wert, die haben auch meist nichts mit der Wirtschaft zu tun. Und dann die letzten Prognosen für die SPD – die Kleinigkeiten hinter dem Komma machen oft viel aus, man soll sich da nicht täuschen – und die Einschaltquoten für den Tatort. Das ist für das Geschäftsklima immer ganz wichtig, wenn man die richtigen Zahlen parat hat, und wenn man dann gefragt wird, woher man die hat, einfach sagen: wir haben den Leitindex ausgerechnet, oder das waren die Ergebnisse der letzten fünf Quartale hochgerechnet auf die aktuellen Zahlen. Oder irgendwas halt. Aber gucken Sie mal, der hat wieder eine Figur bewegt, und jetzt hat er sie vom Spielfeld genommen. Fragen Sie mich nicht, was das bedeutet, aber irgendwas bedeutet das. Das bedeutet, dass sich da irgendwas bewegt, und jetzt fragen Sie mich nicht, was und wohin. Das erklärt Ihnen heute Abend diese Tante da im Fernsehen. Die versteht das auch nicht, aber vielleicht etwas genauer als wir.“

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Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXL): Die Verduftung der Welt

16 11 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die gelbe Schlonzbeere roch ganz leicht nach Kadaver, um Insekten anzuziehen, die sich in ihren klebrigen Blüten verfingen wie grenzdebile Deppen im Inneren einer rechtsextremistischen Partei. Die Fliege hatte keine Zeit, ihre empirisch gewonnenen Daten an die nächste Generation weiterzugeben, Uga schon. Nach Verzehr der Frucht stellte sich zu heftigem Magengeräusch Schwallhusten ein, den man so schnell nicht vergaß, falls man ihn denn überlebte. Fortan steckte der gute Genosse seinen Riechkolben nur noch in die Kräuter der Wiese und in die kommunikativen Partien der Artgenossen, die mit ihren Schweißdrüsen Smalltalk machten. Ab und zu schwiemelte er der Holden Blümchen ins Haupthaar, doch aus ganz anderen Gründen. Noch hatte der Mensch die Nase nicht voll.

Eines Tages siegte der Lochfraß im limbischen System und der Hominide erfand den objektungebundenen Duftstoff. Vermutlich hatte die Chemie sich mit der Herstellung von Kampfgas und Karzinogenen bis dato unausgelastet gefühlt, so dass sie nun die Vernichtung der Menschheit auf dem psychologischen Weg einschlug, und wahrlich, es ward so. Mit synthetisierten Essenzen, die ein Schwimmbecken zu Erbsensuppe verwandeln konnten und die Alpen in Graubrot, eroberten die Giftmischer die Großhirne der molekülgesteuerten Triebwesen, konditionierten sie auf allerlei modischen Schnickschnack für die Schleimhäute und trieben sie herdenweise in die heillose Abhängigkeit, bis die amorphe Kundenmasse wie gebannt vor dem Regal stand mit dreiunddreißig Spraydosen, weil es in der Postmoderne auf der Bedürfnisanstalt anders nicht mehr stinken darf als in einem Rosengarten auf Speed.

Eine durchschnittliche Plattenbaubutze ohne Atemschutz zu betreten führt zu psychedelischen Effekten. Leichte Herznoten von Bohnerwachs und Linoleum schwappen noch aus der Außenwelt unter dem Zugluftdackel durch, doch schon watet man in knietiefem Vanillepudding. Meeresbrisen schleifen die Netzhäute plan beim Betreten der Nasszelle, in Wohnzimmernähe wummert ein Armageddon aus Lavendel die Gesichtsebene in den Hinterkopf nebst Riesenbabypuder für Rosmarins Nachgeburt. Heimelig kratzt die Kombi aus Kunstwildleder und Pottwalkotze im Rachen, und während das geneigte Schimmelhirn die Kohle für diesen olfaktorischen Vernichtungsfeldzug gegen die Restsynapsen in die Kasse geholt hat, pfifferte im Dreiminutentakt eine elektronische Aerosolkanone eine Jasminoffensive ins umgebende Gasgemisch, die im abgestandenen Zustand riecht wie getoastete Bonbons nach der Exhumierung. Willkommen zur Stunksitzung.

Das Ergebnis ist der komplette Kontrollverlust, das Gift macht inzwischen die Dosis. Die zivilisierte Welt oder das, was wir noch dafür halten, riecht bei orkanartiger Gegenwindstärke nach Sandelholz mit Erdbeeren, als habe sich das die Evolution persönlich aus den Rippen geleiert, und spricht jeder natürlichen Aromenverteilung Hohn. Was Limettenschale und Koriander an der Haarwurzel zu suchen haben und gemähtes Gras am Küchenboden, weiß der Marketingexperte des Tensidkonzerns, und er behält es zur Vorsicht auch für sich. Bald riechen die Autos von innen nach Kuheuter, aber halt – jede Rostlaube wird im Wert längst verdoppelt von einer Überpopulation an Duftbäumen, die das Wagendach nach vorne unten zieht. Tanne-Topinambur oder die Apfelapokalypse treten an gegen ein manisches Melonenmassaker, um des Lenkers Reflexe zu zerstören. Warum diese Verkleisterung des zentralen Nervensystems nicht mit mobiler Ozonzwangsversorgung seitens der UNO gekontert wird, ist geradezu ruchlos.

Die meisten Isoprenoide vertreiben Kleintiere, vermutlich beschießt der Bescheuerte seine eigene Bude grenzwertflexibel mit Geraniol, Limonen und Citral, um die Wirkung schon mal an sich selbst zu testen. Dass das Zeug lustige Allergien auslöst, weil es bis tief in die Lungenäste kriecht und über die welke Oberfläche inkorporiert wird, das weiß der Kunde, aber zum Zelten auf dem intellektuellen Standstreifen hat er noch eben schnell eine Schütte Duftkerzen organisiert, um den Schmodder über die steigende Reizschwelle des Aromatenjunkies zu hieven. Lieblich knallt Benzol an die Schädeldecke, diesmal von innen, und grüßt im Vorbeifluss die anderen Lösungsmittel auf dem Weg zur Leber. Wozu der Behämmerte noch raucht, erschließt sich nicht mehr wirklich. Mit verstörender Intensität imprägniert der Mix aus Chanel Nummer 50.000 und dem Zimttodesstern alle Klamotten, die gute Kinderarbeitsware aus Bangladesch macht in der U-Bahn Fruchtfliegen aus Fernost nervös, und ein leichter Film aus Paraffin und Aloe vera legt sich tückisch-sanft auf die Tapeten. Irgendwann in einer stürmischen Nacht wird irgendein Nachbewohner Stimmen aus dem Inneren der Dielenbretter hören, die ihm befehlen, Bielefeld zu zerstören und in seine Heimatgalaxie zurückzufliegen. So wird’s geschehen, denn wir wissen seit dem Pleistozän: Chemie ist gefährlich, aber Zugluft tötet.





Seppuku

13 11 2018

„… doch Anfang 2019 zurücktreten wolle. Um die Christsozialen mitzunehmen, wolle ihnen Seehofer jedoch auf einem…“

„… moniert habe, dass es keine Nachfolgeregelung für das Amt des Bundesinnenministers gibt. Dobrindt wolle sich gegen die zweitklassige Konkurrenz nicht…“

„… Söder bereits ein Türschild bestellt habe. Vorerst werde er jedoch als CSU-Chef der Herzen im…“

„… nun doch nicht vom Ministeramt zurücktreten, möglicherweise aber seine Mitarbeit einstellen werde. Man habe im Bundesministerium des Innern bemerkt, dass Seehofers sporadische Fehlzeiten so gut wie keine negativen Auswirkungen auf die…“

„… erst den Sonderparteitag abwarten wolle. Es sei für Seehofer mental einfacher, wenn von den Christsozialen aktiv aus seinem Amt entfernt würde, weil damit die Schuldfrage auch in…“

„… habe sich Dobrindt damit bereits hinreichend als Innenminister als Innenminister qualifiziert. Er selbst habe in seiner Zeit in Berlin keinerlei messbare Regierungstätigkeit entfaltet und sei daher der bestmögliche Kandidat für einen…“

„… grundsätzlich nicht als Kritik an der Kanzlerin verstehen dürfe. Seehofer habe aber nochmals klargestellt, dass Merken zwar alle Mitglieder des Bundeskabinetts selbst vorschlagen dürfe, hinsichtlich der CSU-Minister aber keine…“

„… dass nach Seehofers Demissionierung nicht mehr die unionstypische Streitkultur in der Bundesregierung herrsche. Es sei mit einer Aufweichung vieler…“

„… habe Seehofer selbst die disziplinarischen Maßnahmen gegen Maaßen geplant. Im Falle eines vorzeitigen Amtsverzichts fürchte er jetzt allerdings, dass diese auch wie vorhergesehen…“

„… man dem kleinen Mann auf der Straße nicht erklären könne, warum Seehofer für seine bisherigen Intrigen zur Schädigung der Kanzlerin ohne Konsequenzen habe Minister bleiben können, jetzt aber ohne klar ersichtlichem Grund…“

„… Inkompetenz kein Ausschlusskriterium für ein Ministeramt bedeute. Dobrindt sei ein sehr gutes Beispiel, wie er selbst im…“

„… noch auf dem Posten des CSU-Vorsitzenden bleiben müsse, bis abschließend geklärt sei, ob mit einer Rückkehr zu Guttenbergs in die…“

„… sehe sich die CSU insgesamt in der Pflicht, nach Merkel und von der Leyen ein nicht für Frauen geeignetes Amt an eine…“

„… es sich nicht um die Kompensation eines Minderwertigkeitskomplexes handele, da Dobrindt genau wisse, dass die Bayern viel besser als der…“

„… ein schwieriges Ressort wie das Heimatministerium nicht an einen Nachfolger vergeben werden könne, da nur er selbst wisse, was sich dahinter eigentlich…“

„… die Forderung der Grünen nach einem sofortigen Rücktritt vehement zurückgewiesen habe. Im Gegensatz zu den Grünen habe er viel öfter einen Rücktritt als Innenminister angekündigt und wisse daher viel besser, wie man…“

„… nicht von seinen kargen Ruhestandsbezügen und den wenigen Aufsichtsratsposten überleben und noch eine Modelleisenbahn finanzieren könne. Seehofer wolle daher erst eine gut dotierte Position in einem…“

„… sich im Wahlkampf als Stimme der Vernunft begriffen habe. Wer die Bayern kenne, sei nicht verwundert darüber, dass die CSU einen derartig massiven Verlust an…“

„… über einen ablösefreien Transfer an die AfD nicht mehr verhandelt werde. Söder sehe die Schadwirkung Seehofers als so enorm an, dass nur eine hohe Summe für so einen begnadeten Feind der freiheitlich-demokratischen…“

„… aber nicht gesagt habe, wann der Parteitag stattfinden werde. Eine bis Ostern, also quasi Pfingsten, das heißt bis zur Sommerpause, ungefähr bis zum Herbst oder in die…“

„… die Christsozialen sich erst dann erneuern könnten, wenn die SPD den Prozess so weit abgeschlossen habe, dass die…“

„… im Sinne einer Damnatio memoriae den Namen Seehofers aus den Geschichtsbüchern des Freistaates Bayern tilgen werde. Söder wolle dies noch von seiner Heiligsprechung zum…“

„… nicht die linksfaschistischen Kräfte in der Bundesregierung unterstützen dürfe, Deutschland in einen Satellitenstaat der Taliban zu verwandeln. Friedrich fordere den sofortigen Staatsstreich gegen die Untertanen der Merkeljunta, die wegen Verrat an der christlich-heterosexuellen Rasse in die…“

„… auch die Europa-Wahlen negativ beeinflussen werde. Söder halte den Abgang seines Vorgängers durch Seppuku für die angemessene…“

„… wolle Seehofer im Zuge der Frauenförderung in der CSU erst dann den Vorsitz aufgeben, wenn eine adäquate Nachfolgerin für den Posten des…“

„… nicht als Leiter im Bundesministerium des Inneren, sondern nur noch als Sonderbeauftragter für…“





Themenwoche Gerechtigkeit

12 11 2018

„Ja, was denn!? Das darf man doch wohl noch sagen? Außerdem hat sich unser Ministerpräsident nicht zu konkreten Tatvorwürfen geäußert, sondern ganz allgemein gesprochen. Dass es diese randalierenden Horden gibt, ist ja immerhin möglich , und deshalb ist das auch keine rechte Hetze. Wir müssen nur langsam sehen, dass die Grünen im gesellschaftlichen Mainstream angekommen sind, und da geht’s nun mal robust zu.

Im Grunde wollte Kretschmann auch nur anmerken, dass man nicht immer so auf den üblichen Verdächtigen herumhacken sollte. Wenn Palmer etwas zu Feinstaub sagt, hören Sie dann automatisch weg, weil es Palmer ist? Das muss eine in Ruhe geführte Debatte werden, sonst gleitet das ganz schnell in rechte Fahrwasser ab, und das können wir uns als Grüne nicht erlauben. Wollen wir auch gar nicht. Diese scharfe Kritik an dem Mann, das muss doch nicht sein. Überlegen Sie mal, der war beim Parteitag gar nicht erst dabei. Vermutlich hat er Angst gehabt, dass er mit Kritik, ach was: dass er mit bösartigen Anfeindungen ohne eine tatsächliche Grundlage angefeindet wird. Und was das mit Spitzenpolitikern macht, das haben wir ja jüngst im Fall eines anderen hochrangigen Ministerpräsidenten gesehen. Wochenlang hat sich Seehofer nicht gerührt, und trotzdem hatte er diese sagenhaft schlechte Presse. Wenn man jetzt in den Medien so eine Themenwoche über Gerechtigkeit fährt, aber auf der anderen Seite so eine üble Kampagne fährt, als ich bitte Sie – das geht ja mal gar nicht!

Wir haben rechtzeitig darauf hingewiesen, dass wir uns radikalisieren wollen, weil die Probleme unserer Zeit und noch viel wichtiger: weil die Probleme der Zukunft uns dazu zwingen. Die SPD kann da gerne mitmachen, wenn ich mich erinnere, haben die sich bis heute nicht von diesem Experten für größere Finanzlöcher getrennt; der war noch eine ganze Zeit lang in Berlin tätig, inzwischen hat er ja meistens Finanzlöcher in seinem eigenen Haushalt gestopft, ist ja auch legitim, weil er das Buch schließlich als Privatperson geschrieben hat, das eine, das andere wohl auch, und da muss die SPD tolerieren, dass man Meinungsfreiheit für sich nutzt. Nutzt, nicht ausnutzt, man kann Grundrechte nicht ausnutzen und nicht missbrauchen, beim Asyl gehen die Meinungen etwas auseinander, das ist dann Meta-Meinungsfreiheit – seitdem Schily sich nicht mehr bei den Grünen befindet, haben wir ja auch offiziell einen Beitrag dazu geleistet, dass die Sicherheit wieder als Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommen wurde. Die haben so viel gestrichen, da passte die Sicherheit einfach noch dazwischen.

Und es ist ja auch gar nicht richtig, dass wir als Partei jetzt auch offiziell am rechten Rand fischen wollen. Das sind dann nämlich gleich mehrere Falschbehauptungen in einem Satz, und das lassen wir als Partei nicht auf uns sitzen. Es ging nicht um diese Migrantenhorden, es ging darum, dass wir in den Großstädten nicht mehr mit ihnen konfrontiert werden wollen. Die Ballungsräume mögen ja auf sie attraktiv wirken, da ist Arbeit, da kann man wohnen, es finden genug Deutschkurse statt, man integriert sich auch durch soziale Kontakte mit der deutschen Bevölkerung. Da bleibt doch für den durchschnittlichen Schwaben nicht mehr viel übrig! Gucken Sie sich alleine mal an, wie schwer die es noch in Berlin haben, eine der größten türkischen Metropolen überhaupt, und das auch und vor allem sprachlich. Bald spricht der normale Asylant besser Ostdeutsch als die Binnenzuwanderer. Dann findet der natürlich leichter einen Job, eine Wohnung, die nicht sofort wieder weggentrifiziert wird, weil den Asylbetrüger stören doch die kriminellen Clans aus dem Libanon nicht, der spricht möglicherweise genau seine Sprache, auch im übertragenen Sinne – denkt denn keiner an die Deutschen?

Wir haben ja gar nicht vor, die Zuwanderer in den Städten zu konzentrieren, in Anker-Zentren und hinter Schloss und Riegel, da nützten uns die gar nichts mehr. Aber auf dem Land sind die halt viel besser aufgehoben, da kommt die Feuerwehr auch, wenn man ein Brandanschlag sein sollte, man kann sich die schöne Alblandschaft erobern – andere Leute, zum Beispiel die Berliner! die machen da Urlaub, die fahren auf eigene Kosten hin, genießen die leicht weltabgeschiedene Lage der Fildern und der Bodenseeregion, die freuen sich schon auf den großen Tiefbahnhof und auf die Anbindung an die Balkanroute, die sicher noch vor dem Flughafen in Brandenburg kommt. Wir machen den Menschen, ich nenne sie jetzt einfach mal so, denen machen wir ein großes Geschenk. Da darf man auch eine gewisse Dankbarkeit erwarten. Die gehört auch zur deutschen Leitkultur. Nicht nur die Diesel.

Und schließlich haben wir bei dem Fall am Bodensee ja auch einen deutschen Verdächtigen. Das sollte uns zu denken geben, das müssen wir auf jeden Fall berücksichtigen. Jetzt jeden Deutschen, nur weil er männlich ist, als potenziellen Straftäter, also als vorsätzlichen Gewalttäter hinstellen, damit ist ja auch keinem gedient. Sie müssen das ganz klar abgrenzen. Wenn Sie sich die Partei angucken, auch und gerade jetzt im Wahlkampf, vor dem Hintergrund einer drohenden Konfrontation mit der CDU und anderen nationalsozialistischen Kräften, wenn Sie sich die Parlamente anschauen, dann sehen Sie es doch, was das Problem ist: testosterongesteuerte Männerhorden!“





Leichtmatrosenaufstand

7 11 2018

„Das ist eine unglaubliche Unverschämtheit, das hat noch niemand gesagt! Die SPD als linksradikal zu bezeichnen – uns? Radikal, ja, meinetwegen. Aber links!?

Das ist unser Ernst! Haben das die Grünen nicht auch gerade wieder gesagt, sie haben radikale Ansichten? Die erklären das ja nicht nur, denen nimmt man das sogar ab. Fragen Sie mal die AfD, die würden Ihnen sofort bestätigen, dass die Grünen radikal sind.

Hier, Diesel – das wäre doch echt mal ein Testfall für die Rot-Grüne Bundesregierung. Da müssen wir radikal rangehen, wir könnten das auch, und wenn ich mir die Aufgabenverteilung gerade so ansehe, dann haben wir den radikalen Part. Wir werden für Arbeitsplätze sorgen, wir können als Partei des Industriezeitalters sicher dafür sorgen, dass die Autobauer als Schlüsselbranche vor den Einflüssen des toxischen Marktes gerettet werden. Die Grünen können ja dann den linken Part übernehmen.

Oder nehmen Sie den Wohnungsmarkt. Da können die Grünen ruhig für Solarstrom sein und den ganzen Killefit, für energetische Sanierung und barrierefreies Bauen. Machen wir alles mit. Immer unter der Voraussetzung, dass die Mieten stabil sind, sonst haben viele Bürgerinnen und Bürger ihre Altersvorsorge völlig umsonst in Immobilienfonds gesteckt. Dieser Neid auf Leistungsträger muss endlich aufhören. Man kann ja in diesem Land keine Rolex mehr tragen, ohne schief angeguckt zu werden. Das muss aufhören.

Oder der Sozialstaat. Wir wollen das Problem mit Hartz IV ja lösen, aber nicht zu Lasten des Arbeitsmarktes. Sonst sind wir am Ende nicht mehr konkurrenzfähig. Wir brauchen endlich Antworten von den Schuldigen. Die Grünen haben uns ja damals nicht von den Hartz-Gesetzen abgehalten, dann sollen sie nach ihrem Linksruck auch mal sehen, wie sie mit der radikalen Antwort der Politik fertig werden. Das ist doch kein Ponyhof hier!

Bisher haben wir uns immer vor Personalfragen weggeduckt, aber das war falsch. Ab jetzt sind wir radikal und sagen: wir machen trotzdem weiter so. Nur mit einer radikalen Lösung lassen sich die Probleme angehen, die wir bisher ohne radikale Lösungen angehäuft haben. Klingt nicht logisch, aber welche radikale Lösung klingt schon logisch? Das sind doch die Argumente, auf die muss man doch auch mal hören!

Jetzt wird ja auch so viel erzählt, vor hundert Jahren haben die Matrosen den Aufstand geprobt, als hätten sie schon gewusst, dass wir irgendwann eine Mauer bauen, also nicht wir, sondern die anderen halt, die Radikalen. Die radikalen Radikalen, da muss man schon unterscheiden, auch historisch. Nicht, dass Sie uns noch mit den Grünen verwechseln. Das wäre dann nämlich historisch falsch. Aber das muss man genau analysieren: die Radikalisierung ist immer gut, wenn man sie danach wieder in die Tube zurückdrücken kann. Das hat die SPD ja nicht nur vor dem Kriegsende unter Beweis gestellt.

Das heute kann man mit den historischen Verhältnissen gar nicht mehr vergleichen. Es gibt halt nur noch Leichtmatrosen, vorwiegend in der SPD. Wenn wir diese Erkenntnis übertragen können, zum Beispiel auf das Rentensystem, dann ist schon viel erreicht. Wir müssen uns mit den gegebenen Mitteln abfinden, und wenn die SPD hier eine revolutionäre Lösung finden kann, dann ist das in einer viel langsameren, jedenfalls in einer langsameren… Jedenfalls muss es den Bürgerinnen und Bürgern draußen im Land so vorkommen, dass die Verlangsamung der Verlangsamung, also die Absenkung mehreren Stufen sozial verträglich, und die muss für die Arbeitgeber, denen sowieso die Gewerkschaften auf der Nase herumtanzen… –

Herzlichen Glückwunsch! Dann versuchen Sie mal, da eine historische Kontinuität zu schaffen. Die anderen versuchen die ganze Zeit, die Arbeit abzuschaffen, wir haben schon versucht, die Arbeiter abzuschaffen, und wir waren da wesentlich erfolgreicher, also frage ich Sie, wer ist denn hier eigentlich radikaler? Vielleicht müssen wir auch irgendwann die Parteitage regelmäßiger abhalten, das ist noch nicht raus, oder wir brauchen mehr Stellvertreter, wenn die Vorsitzende mal wieder keine Koalitionsgespräche mehr im nüchternen Zustand führen können will, wollen kann, wollte ich sagen, aber noch radikaler kann man doch gar nicht werden, oder wie stellen Sie sich das vor? Wir haben doch auch ein paar Rentner, die sich mit der Situation schwer tun, wie behalten wir die denn?

Jetzt tritt der Maas schon in Lederjacke auf, demnächst hält er sich für Brecht und seinen Lampenladen für das Berliner Ensemble, mehr Radikalität kriegen wir wirklich nicht hin, und mehr als eine Grundsatzdebatte können wir nicht machen. Das müssen Sie doch wohl einsehen, wenn jetzt eins weniger verständlich, von außen überflüssiger und komplett an den populistischen Forderungen der Öffentlichkeit vorbeigedacht wäre, was fällt Ihnen denn da ein außer einer Grundsatzdebatte?

Ich sage Ihnen mal eins: Ihnen kann man es einfach nicht recht machen!“





Rückabwicklung

1 11 2018

„Aber zumindest jetzt könnte man doch erst mal die wichtigen Dinge erledigen und den…“ „Welche wichtigen Dinge?“ „Und wer erledigt das?“ „Und warum erst jetzt?“ „Heilige Makrele, haben Sie denn die letzten Jahre geschlafen?“ „Ich meine, wenn wir die SPD nicht in die Regierung kriegen, dann sollten wir sie jetzt raus nehmen.“ „Und das bezeichnen Sie als Erneuerung?“

„Wenn wir uns jetzt für ein Linksbündnis öffnen wollten, müssten wir auch linke Politik machen.“ „Ach was!“ „Gut, dann eben nicht.“ „Und damit ist das dann schon abgehakt für Sie?“ „Wir haben die Koalition jetzt schon mal für uns als beendet erklärt.“ „Sie haben den Pofalla gemacht?“ „Aber nur intern, es muss ja irgendwie weitergehen.“ „Das heißt nicht, dass wir in dieselbe Richtung gehen müssen, in die wir bisher gegangen sind.“ „Nicht?“ „Im Prinzip nicht.“ „Aha.“ „Also müssen wir in die Richtung zurück, aus der wir kommen.“ „Das dürfte aber eine lange Reise werden.“ „Naja, der Weg ist halt auch das Ziel.“ „Aber wie manchen wir das den Wählern klar?“ „Wir könnten das als unsere Abwicklung bezeichnen.“ „Ich weiß ja nicht.“ „Als Rückabwicklung?“ „Meinen Sie, das kommt an?“ „Eher als wir, schätze ich.“

„Vielleicht sollten wir die Werbung ein bisschen besser gestalten.“ „Ein bisschen?“ „Heilige Makrele, wir sind kurz vor dem Absaufen, und er will in Zeitlupe nach oben schwimmen?“ „So viel Geld haben wir gar nicht!“ „Was heißt denn überhaupt: ein bisschen?“ „Naja, wir müssen nicht gleich so mit der Tür ins Haus fallen, sonst verwechseln die uns mit den Linken.“ „Also keine explizit linken Inhalte.“ „Das dürfte bei der jetzigen SPD verhältnismäßig einfach zu machen sein.“ „Und natürlich die Personalfrage, die ist im…“ „Endlich mal Fortschritt!“ „Jau, weg mit Nahles!“ „Also ich hatte eher gemeint, wir brauchen neue Gesichter.“ „Das hatte ich auch so verstanden.“ „Auf den Plakaten.“ „Meine Güte, was soll denn der Unsinn wieder? Wen wollen Sie denn da noch plakatieren?“ „Vielleicht jemanden, der eher so die jungen Leute anspricht. Richtige Sympathieträger halt.“ „Und an wen hatten Sie da so gedacht?“ „Peter Maffay.“ „Entschuldigung, wen!?“ „Peter Maffay.“ „Meine Güte, der kann doch unterm Tisch durchlaufen!“ „Da passt er ja wenigstens zu den Umfrageergebnissen.“ „Meine Güte, ist Ihnen klar, wie alt der Mann ist?“ „Also wir fanden den ja früher toll, und der ist auch…“ „Der vergrault uns noch die letzten Pensionäre!“

„Aber wir können jetzt nicht alle zurücktreten.“ „Warum denn nicht?“ „Sie sind vielleicht schon abgesichert, aber ein paar Leute müssten regelrecht arbeiten gehen.“ „Igitt!“ „Schlimm!“ „Und das in einer Arbeiterpartei!“ „Warum werden wir denn nicht mehr gewählt?“ „Weil wir beschissene Politik machen?“ „Weil in dieser Partei dieselben Idioten seit zwanzig Jahren eine zunehmend beschissene Politik machen, die keiner mehr sehen will.“ „Die Politik?“ „Ich glaube, er meint die Idioten.“ „Wie groß muss der Leidensdruck sein, dass man statt uns die Linken wählt?“ „Heilige Makrele, das ist doch überhaupt nicht miteinander vergleichbar!“ „Sollen wir uns jetzt alle selbst abschaffen?“ „Da wüsste ich wenigstens einen, der uns erklärt, wie das funktioniert.“ „Wieso haben wir den eigentlich noch nicht abgeschafft?“ „Solidarität und so. Macht man ja in der Partei mit seinen Genossen.“

„Und dann haben wir natürlich noch das Problem mit den Migranten.“ „Also wenn Sie mit denen ein Problem haben, ich habe keins.“ „Naja, ich auch nicht, aber der öffentliche Diskurs ist doch insgesamt eher in die Richtung gerutscht.“ „Das hat die CSU auch gedacht.“ „Gegen die SPD würde aber keiner auf die Straße gehen.“ „Nicht mehr.“ „Wieso nicht?“ „Wenn ich der SPD beim Sterben zugucken will, bleibe ich zu Hause und warte ab, wann es passiert.“ „Aber Migration ist nun mal ein höchst problematisches Thema.“ „Also höchst problematisch ist eher, wie mit dem Thema in der Öffentlichkeit umgegangen wird.“ „Und in den Medien.“ „Brauchen wir mehr Medienpräsenz?“ „Jedenfalls nicht beim Thema Migration, das wird doch eh alles in die rechte Ecke gedrückt.“ „Wir könnten doch hier als linkes Gegengewicht…“ „Heilige Makrele, wenn Sie in irgendeine Talkshow kommen, dann ist doch der Grüne schon da, der Ihnen erklärt, wie man’s richtig macht!“

„Vielleicht müsste man die Partei tatsächlich mal umvolken.“ „Bitte was!?“ „Sagt doch jeder, dass das sowieso gerade passiert.“ „Sie meinen, wir sollten alles austauschen, Programm und Richtung und Vorstand und Köpfe und alles?“ „Ja, aber Nahles muss natürlich bleiben.“ „Ah, verstehe. Sie hat uns in die Bredouille gebracht, sie darf die Suppe jetzt auslöffeln.“ „Nein, aber ich dachte, ein bisschen Kontinuität könnte uns doch nicht schaden. So als Wiedererkennungswert.“ „In der Geisterbahn hängen immer noch die alten Köpfe, und er spricht von Wiedererkennungswert!“ „Heilige Makrele!“

Wir bräuchten eben eine Person, die das Land wirklich verändern will.“ „Einen, der von den Bürgern respektiert wird.“ „Sozial eingestellt.“ „Ein Mensch mit einer Perspektive.“ „Mit politischem Weitblick.“ „Und Anstand!“ „Genau, eine echte Persönlichkeit!“ „Authentisch!“ „Aber…“ „Und mit Vernunft!“ „Aber…“ „Aber, aber – was aber?“ „Warum sollte so einer noch in der SPD sein?“





Koordinatensystem

30 10 2018

„Ja, das kommt jetzt ein bisschen überraschend. Das ist wie Weihnachten, da hockt man auch die ganze Zeit vor dem Kalender und weiß, irgendwann wird es soweit sein, da weiß man sogar das Datum, und zack! hat die CDU keine Vorsitzende mehr. Ist ja für manche schon wie Ostern und Weihnachten an einem Tag.

Doch, das ist eine enorme Umstellung, was meinen denn Sie? Stellen Sie sich mal vor, auf einmal gibt es einen neuen Papst. Das würfelt Ihr komplettes Koordinatensystem durcheinander, das können Sie glauben! Das ist jetzt ja alles absolut neu, Raider heißt Twix, keiner weiß mehr weiter, und dann auch noch die Frage: was macht Merkel danach? Bleibt sie Kanzlerin oder geht sie richtig in die Politik? Steht sie schon auf der Transferliste für den 1. FC SPD? Das sind doch die Fragen!

Die wollen jetzt ja sogar wieder konservativ werden – also jetzt konservativ-konservativ, nicht wischi-waschi, Homoehe für alle und Diesel für Besserverdiener. Man weiß jetzt auch gar nicht mehr, ist das noch die Kanzlerin, oder ist das schon ihr Nebenjob als Zombie? Da entwickelt sich ja auch so viel, das lässt sich gar nicht abschätzen. Jedenfalls wird die Nachfolge noch sehr lustig. Sie hat ja jahrelang alles eingeebnet, was nicht den Hintern als höchste Erhebung hatte, und das zahlte sich mittelfristig halt auch aus. Für Merkel. Aber eben nicht langfristig. Und darauf kommt es ja an. Hätte die Truppenursel nicht so viel Murks fabriziert, man könnte noch mal darüber reden. Aber so? Wir können nicht bei jedem Staatsbesuch aufpassen, dass sie mit nicht jeder Schwippnichte eine Beraterfirma gründet. Und irgendwann ist auch die Luftwaffe nicht mehr einsatzfähig und sie muss mit dem Linienbus nach Afghanistan. Das kann’s ja nun auch nicht sein. Aber wer das machen soll, das ist nun auch nicht raus. Das wird kompliziert.

Ich finde, jetzt muss mal ein Mann ran. Damit scheidet natürlich Spahn schon mal aus, der hat sich ja plangemäß als dümmstes Arschloch westlich der Belastbarkeitsgrenze in seine Einzelteile zerlegt. Wenn Typ der öffentlich zugeben würde, zur Entspannung Katzenbabies abzuschlachten, würde sein Beliebtheitswert durch die Decke gehen. Gegen den ist Klöckner ja intellektuell, und gegen Klöckner hat eine Tüte Paniermehl Weltniveau. In jeder Hinsicht, falls Sie fragen.

Und jetzt will auch noch Merz Kanzlette werden. Das Spezial-Dragee für jede beliebige Körperöffnung. Hasst Gewerkschaften, pöbelt bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufs Grundgesetz und hat seinerzeit die Leitkultur als Worthülse angeschoben. Der hatte sein Mandat halt, damit er besser an die Nebeneinkünfte gekommen ist.

Wissen Sie, ich mache mir nur Sorgen um die AfD. Die haben seit Jahren nur eine einzige Platte gespielt. Merkel muss weg, Merkel muss weg – jetzt ist sie weg, also ein Stück weit, Ausstieg in zwei bis drei sozial verträglichen Schritten, damals hat Merkel das beim Rot-Grün-Kohl noch als den kompletten Kontrollverlust attackiert, sie macht das natürlich sehr viel demokratietauglicher, wenn man eine marktkonforme Demokratie noch als solche bezeichnen möchte, aber wenn man genug Schnaps in der Birne hat, kümmert einen das wohl auch nicht mehr. Wie gesagt, Gauland. Keine Ahnung, ob dem schon der Pfleger die Hose hochzieht, aber wenn er sich jetzt nicht die Flinte ins Gesicht drückt – wobei, Gasherd wäre die bessere Alternative für den Tatortreiniger.

Diese Braunalgen können ja nichts anderes als herumjammern und Unsinn fordern, aber jetzt haben sie die Arschkarte gezogen. Merkel ist weg, Merkel ist weg. Was machen die, wenn Merkel weg ist? Was Nazis halt machen, wenn alle Ausländer raus sind. Nazischeiße. Gut, mehr machen diese Knalltüten eh nie. Danach muss man eben zugeben, dass es nur die Fleischtöpfe der Politik waren, an die die einschlägig vorbestraften Bankrotteure wollten. Sie müssen sich nur schnell eine neue Erzählung aus den Rippen schwitzen. So wie dieses Merkel-hat-die-Grenzen-aufgemacht-Geplärr. Dann hat Merkel jetzt nicht auf die Kandidatur verzichtet, sie ist zurückgetreten und hat trotzdem gesagt, dass sie vorerst im Amt bleibt, weil sie nicht vorhatte zurückzutreten. Wenn Sie den durchschnittlichen IQ von Nazis kennen, denken Sie sich noch schnell was mit hohler Erde und Weltjudentum aus. Passt schon.

Das macht ja auch einen neuen Aufbruch möglich. Wenn so ein bis in die Knochen korrupter Rassist – Sie kennen Kretschmer? dann müssen wir hier ja nicht mehr um den heißen Brei herumreden. Der wird dann nicht mehr so viele Gelder in den KZ-Gedenkstätten stopfen, der wird dafür sorgen, dass bei einem Ausländeranteil von 4,2 Prozent und 72,6 Prozent Ungläubigen nicht die explosive Zwangsislamisierung des christlichen Abendlandes stattfindet. Wahrscheinlich wird er noch für ein paar Jahrzehnte die standrechtliche Erschießung der Kanzlerin fordern, damit er als Juniorpartner der Nazis nicht versehentlich sonderbehandelt wird.

Nein, so insgesamt finde ich die Situation schon ganz gut. Wenn man merkt, dass man am Ende der Fahnenstange angekommen ist, sollt man sich einfach mal vom Acker machen. Es ist doch für alle das Beste, und es gibt so viele Dummschwätzer, die einfach nicht mitkriegen, wann der Gong zur letzten Runde gekommen ist. Also bis wann ist Seehofer noch im Amt? und warum?“