Wahlplakate

21 04 2019

Ihr hängt, und Ihr versprecht uns Brot und Frieden
und zeigt dafür nicht mehr als das Gesicht.
Wir sehen Euch, denn uns ist nur beschieden,
dass wir das glauben, was man uns verspricht.

Darunter stehen Sprüche, rote, gelbe
aus Pflichtbewusstsein für das ganze Land.
Man wählt im Grunde immer nur dasselbe,
denn Tradition ist stärker als Verstand.

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Ungesellschaftliche Zielgruppen

18 04 2019

„Ausländer!“ „Und Radfahrer!“ „Aber erst die Ausländer!“ „Und die Frauen!“ „Wieso Frauen?“ „Wieso dann Radfahrer?“ „Können wir vielleicht mal zum Thema…“ „Ausländer!“

„Wir suchen hier eine Gefahr, für die man die Öffentlichkeit sensibilisieren kann.“ „Einbrecher?“ „Hat Seehofer schon probiert.“ „Hat’s geklappt?“ „Nee, die Leute haben vorher die Statistik gelesen.“ „Kann natürlich keiner ahnen.“ „Aber noch haben wir die Flüchtlinge.“ „Und Ausländer, viel zu viele Ausländer!“ „Abschieben!“ „Seehofer?“ „Mann, Sie sind doch nicht ganz dicht!“ „Sprechen Sie mit ihm? diese Ausländerfeindlichkeit geht mir auch gewaltig auf den…“ „Fühlen Sie sich manchmal auch so müde?“

„Der Dollar war auch mal stabiler.“ „Und der Euro erst!“ „Das liegt an den Ausländern!“ „Ich möchte das nicht mehr hören, verstehen Sie?“ „Aber es ist doch so, die Deutschen sind zunächst total verängstigt, weil es hier so viele Ausländer gibt.“ „Das mag alles sein, aber das können wir nicht steuern.“ „Sie sind doch Soziologe?“ „Aber ich bin bei der Bundesregierung angestellt, da wird man nicht nach seiner Meinung gefragt, und wenn, soll man keine Lösungen finden, sondern nur einen Schuldigen.“ „Ah, verstehe.“ „Das ist ja im Ausland meistens auch nicht anders.“

„Jetzt ist ja gerade wieder diese Sache mit den Schülern in den Medien, da könnte man…“ „Finden Sie nicht auch, dass der deutsche Fußball sich in einer epochalen Krise befindet?“ „Und dass das Brot ständig teurer wird, das kann doch auch keiner wollen!“ „Eben, da müsste mal einer was machen!“ „Wenn Sie Ihren Quatsch nicht sofort in der Tasche verschwinden lassen, dann haben Sie ein Problem mit den Autoherstellern.“ „Was hat das denn mit Fußball zu tun?“ „Ihre Hetze gegen den Diesel ist unter jedem Niveau!“ „Ich habe doch gar keine…“ „Sie wollten hier mit irgendeinem Klimascheiß anfangen, das haben alle gemerkt!“ „Das ist ja gar nicht…“ „Ausländer!“ „Noch so ein Opfer von dieser schwedischen Göre!“ „Widerlich!“ „Igitt!“ „Der Papst hat sogar mit ihr…“ „Bei kleinen Mädchen macht der Vatikan schon mal eine Ausnahme.“ „Das interessiert doch keinen, wir brauchen einen echten Aufmacher, der sich gegen die Aufreger der letzten Monate durchsetzt und keine gesellschaftliche Zielgruppe…“ „Gibt es auch ungesellschaftliche Zielgruppen?“ „Und Sie wollen Soziologe sein?“ „Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst!“ „Wir müssen viel mehr gegen Ausländer tun!“ „Wir regen uns vollkommen zurecht auf wegen der Autokonzerne, die uns ihre Schrottkarren unterjubelt und dann so tut, als ob sie das Klima nichts angehen würde.“ „Und Notre Dame.“ „Was hat das mit Diesel zu tun?“ „Haben Sie eine Ahnung, was bei so einem Brand an Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt?“ „Das ist nicht Ihr Ernst.“ „Und der Vatikan zahlt nicht mal dafür, das ist doch die Schweinerei!“ „Weil die Kirche Frankreich gehört, warum sollte dann der…“ „Der Franzmann blecht für Notter Dam’, weil Päpste halt kein Schotter ham.“ „Lassen Sie sich manchmal auf Ihren Geisteszustand untersuchen?“

„Wieso machen wir dann nichts mit Flugzeugen, die sind doch sowieso an allem schuld.“ „Haben Sie denn die Anweisung nicht gelesen? Wir brauchen eine Schlagzeile, und zwar sofort.“ „Ja.“ „Und zwar eine, auf die sich alle unsere Leser einigen können.“ „Ja.“ „Und die sollen sich so schnell wie möglich darüber aufregen können, damit wir ein neues Gesprächsthema haben und nicht wieder über Sachen reden, die unseren Auftraggebern nicht so gefallen.“ „Sie meinen, Volkswagen und die Deutsche Bank würden sich nicht über die vielen Ausländer beschweren, die gerade hierher kommen, um es sich in der sozialen Hängematte bequem zu machen?“ „Nein, das habe ich nicht gesagt. Es ist nur…“ „Und das darf man jetzt nicht mehr als Thema bezeichnen, über das sich alle aufregen können, weil es uns alle angeht!?“

„Jetzt noch mal ganz langsam. Wir sind eine Zeitung, die eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllt: wir setzen die Agenda, das heißt, wir bestimmen die Gesprächsthemen.“ „Das war klar.“ „Sowieso.“ „Dann sollten Sie auch kapieren, dass wir keine nebensächlichen Dinge wie Klima oder die Verantwortung der Autoindustrie in den Fokus nehmen können, weil sonst unsere Zielgruppe über Dinge redet, von denen sie nicht genug versteht.“ „Von Innenpolitik, Verteidigung oder geostrategischen Interessen haben die Leute doch auch keinen blassen Schimmer?“ „Ja, aber das ist eine ganz andere Problematik. Wir müssen uns hier auf die naheliegenden Themen beschränken, bei denen die Menschen eine reelle Chance haben, sie zu verstehen.“ „Und das kann man nicht mit einer Zeitung machen, die die Agenda so setzt, dass man den Leuten nach und nach vermittelt, was im Interesse unserer Auftraggeber ist?“ „Doch, aber das ist ja nicht der Punkt. Sie sollen eben nicht merken, dass es unsere Auftraggeber sind, die die Agenda setzen und…“ „Und wenn wir jetzt nur als eine Einzelmeinung jemanden zitieren, der die Theorie, irgendjemand habe die Kirche, natürlich nur aus Versehen und natürlich nie im Auftrag eines…“ „Dass die Deutsche Bahn mal wieder die Preise erhöht, das geht auch unter.“ „Und wer hat die Grundsteuerreform vergeigt?“ „Uploadfilter!“ „Ich warte auch immer noch auf schnelles Internet in meinem Betrieb.“ „Wissen Sie, dass Wohnraum in den Großstädten kontinuierlich…“ „Halt! Das reicht!“ „Und jetzt?“ „Ich gebe mich geschlagen. Wir machen jetzt doch das mit den Radfahrern.“





Alternative Interpretationsarten

4 04 2019

„… dass es keine Anhaltspunkte für eine weitere Steigerung der Kriminalität in der Bundesrepublik gebe. Dies bedeute aber, so Innenminister Seehofer, dass auch niemand wisse, wie sich die Kriminalität in den nächsten zehn, zwanzig oder hundert Jahren unter besonderer Berücksichtigung der…“

„… zahlreiche Delikte von ausländischen Tätern begangen würden. Die CSU weise ausdrücklich darauf hin, dass nichtbayerische Deutsche sogar schwere Straftaten unter dem Einfluss von keinem Alkohol im…“

„… auch die Zahl der Handtaschendiebstähle sehr stark zurückgegangen seien. Seehofer halte dies für ein äußerst alarmierendes Zeichen, da jeder einzelne Handtaschendiebstahl nun zu einer quasi explosionsartigen Steigerung der statistischen…“

„… sich ein allgemeiner Trend zu immer weniger Straftaten erkennen lasse, der zudem noch durch eine höhere Bereitschaft der Bevölkerung, potenziell straffällige Personen unmittelbar durch eine Überstellung an die polizeilichen…“

„… stehe für den Bundsinnenminister fest, dass Deutschland eines der sichersten Länder der Welt sei. Dass es dafür keiner umfassenden Beobachtung aller Bürger durch die Polizei bedarf, sei ein sehr gefährlich…“

„… kein einziger Fall bekannt sei, in dem ein buddhistisches Kloster im Freistaat durch illegal aus dem Tschad eingeführte Marschflugkörper am Dachfirst beschädigt worden sei. Die CSU weise darauf hin, dass ein einziger Fall dieser Art eine Steigerung der Statistik um einhundert Prozent bedeute, was geradezu katastrophale Auswirkungen für die gesamte…“

„… weniger als ein Prozent der Bevölkerung von schweren Straftaten betroffen sei. Von einer ausgewogenen Verteilung auf alle Einwohner könne daher keine Rede sein, was eine äußerst ungerechte Verteilung der…“

„… die Steigerung der statistischen Häufigkeit auch bei zehntausend Marschflugkörperangriffen auf buddhistische Klosterdachfirste nur hundert Prozent betrage. Seehofer habe hier eine von offensichtlich linksextremistischen Mathematikern gesetzlich festgelegte Täuschungsstrategie entdeckt, die automatisch zu einer riesigen Unsicherheit in der gesamten…“

„… wenn weniger als ein Prozent der Menschen von schweren Straftaten betroffen sei. Dass diese Quote geringer sei als beispielsweise der Anteil von Migranten, deute darauf hin, dass kein ursächlicher Zusammenhang bestehe, den man aber bestimmt noch anhand alternativer Interpretationsarten…“

„… noch nicht ausgerechnet habe, wie wahrscheinlich ein Lichtschwertangriff von einem dreibeinigen Außerirdischen im Münchener Personennahverkehr sei. Für Scheuer stehe zum Zeitpunkt der Entscheidung nur fest, dass man das Geld für eine Aufrüstung aller Bürgerwehren mit Machete und Panzerfaust so schnell wie…“

„… der Anteil an Ausländerkriminalität seit Jahren konstant bleibe. Da es aber immer weniger Ausländer gebe durch die Sicherheitspolitik der CSU, müsse der einzelne Ausländer krimineller geworden sein oder proportional mindestens so kriminell wie vorher sein, da sonst eine nicht proportionale Verteilung der gleichbleibenden Straftaten auf eine nicht konstante Menge aller…“

„… die gefühlte Anzahl der Straftaten von Ausländern ebenfalls steige, obwohl dies keine Entsprechung finde in der Anzahl der tatsächlichen Straftaten, was für Seehofer ein Indiz für eine schleichende Gefahr durch Ausländer sei. Um sich wieder der Realität anzunähern, bedürfe es einer erheblichen Steigerung von Ausländerkriminalität, was der Bundesminister als äußerst…“

„… Wohnungseinbruchsdiebstähle in Häuser mit mehr als neunzig Zimmern überhaupt nicht verzeichnet seien. Würde man die Überwachung des Internets ausweiten können, erwarte das Ministerium einen Rückgang der Taten auf minus zehn Prozent, was zugleich den Wirtschaftsstandort Deutschland für fremdländische Investoren um einen wesentlichen…“

„… das Gefühl der Verunsicherung bei den Bürgern im Allgemeinen zugenommen habe. Seehofer verdanke dies der Aufklärungsarbeit seines Ministeriums, das immer wieder vor den Gefahren eines Atomkrieges, vor einer Übernahme der Staatsgewalt durch einige der vielen tausend noch unbekannten linksradikalen Terroristen oder einer von Nichtbayern verursachten Grippe, die weite Teile der biobajuwarischen Bevölkerung in einen regelrechten…“

„… sich das Unsicherheitsgefühl der nicht von Straftaten betroffenen Bürger auf einem sehr hohen Niveau bewege, da sie immer in der Erwartung leben müssten, als nächste von möglicherweise durch Ausländer verursachten Straftaten zu…“

„… es keinen Grund zur Entwarnung gebe, da jederzeit mit einem Anstieg aller Straftaten auf ein bisher nicht nachzuweisendes Rekordniveau gerechnet werden müsse. Das Bundesministerium verdanke dies der ausgezeichneten Arbeit der Polizei, die sich ganz im Dienste der rechtsstaatlichen…“





Doppelter Widerspruch

3 04 2019

„Rollen Sie ihn rein. Immer reinrollen, im Krankenhaus ist kein Platz, aber hier haben wir was frei. Solange sie noch warm sind, heißt das.

Wenn er den Zettel nicht dabei hat, wird’s natürlich kompliziert, aber wir finden immer eine Lösung für jedes Problem, das wir nicht erkennen – lustig, so funktioniert ja fast alles in der deutschen Gesundheitspolitik, nicht nur im Krankenhaus. Also der Zettel. Nicht der am Zeh, den kriegen Sie erst, wenn Sie den anderen Ausgang nehmen, den Fahrstuhl nach unten. Diesen hier. Da steht normalerweise drauf, ob Sie einen Spenderausweis haben. Wenn Sie einen haben, ist die Sache klar, dann sind Sie Organspender. Wenn Sie keinen Ausweis haben, dann ist klar, Sie sind Organspender, weil Sie keinen Ausweis haben, auf dem klar niedergelegt ist, dass Sie keine Organe spenden wollen. Und wenn Sie keinen Ausweis haben, dann haben Sie auch keinen Ausweis, auf dem klar niedergelegt ist, dass Sie keine Organe spenden wollen. Das ist zwar in doppelter Hinsicht und auch noch in sich total widersprüchlich, aber genau deshalb heißt es ja auch doppelte Widerspruchslösung. Die Lösung haben wir, und dann erfinden wir den doppelten Widerspruch.

Warten Sie mal eben, wir müssen noch schnell rausfinden, was wir gerade alles brauchen. Es ist ja nicht so, dass wir den Mann hier aufmachen und alles rausholen, was geht. Schließlich ist das kein Kassenpatient, der wird natürlich etwas anders behandelt, da warten wir einfach ab, und dann schauen wir mal, ob es sich überhaupt noch lohnt. Von Ausschlachten kann da keine Rede sein, wenn Sie so einen Kassenpatienten vor sich haben, etwa siebzig Jahre Regelversorgung, das ist die Art von Medizin, dass Sie nicht direkt an den Folgen der Therapier versterben, also wenn Ihnen so einer unters Messer rutscht, da können Sie nicht mehr viel verwerten. Ab und zu hat sich mal eine Niere ganz gut gehalten, aber mehr ist auch nicht drin.

Es sei denn, Sie sind Privatpatient wie der Herr hier. Scheckheftgepflegt, Porschefahrer, Leitplanke, Freunde der Nacht, es ist Samstag, da geht noch was! Der hier sieht ganz okay aus, offensichtlich für längere Zeit im Koma, äußerlich ganz normal, und dann schauen wir mal auf die Liste. Da steht dann, was wir gerade brauchen. Und da können wir dann nur A-Ware nehmen, das ist Ihnen schon klar. Wer in Deutschland privat krankenversichert ist, der hat auch Anspruch auf ein qualitativ hochwertiges Spenderorgan. Also das mit der Zwei-Klassen-Medizin ist tatsächlich so, aber sehen Sie darin jetzt einen Nachteil?

Die Schwester könnte mal langsam mit dem Datenbankzugriff kommen, das heißt: normal ist, dass sie keinen Zugriff auf die Datenbank hat oder keinen Eintrag findet. Wenn wir nämlich auf dem Zettel keine eindeutigen Informationen finden, dann müssen wir in der Spenderdatenbank nachschauen, ob jemand als Spender eingetragen ist. Das können wir üblicherweise schon ausschließen durch den Spenderausweis, aber in wenigen Fällen müssen wir diesen Weg gehen. Und da muss ich sagen, da hat die Bundesregierung endlich mal gezeigt, dass sie den Datenschutz ernstnimmt. Die nimmt den so ernst, die schützt sämtliche Daten derart vor jedem Zugriff, dass wir quasi gar nicht erst rausfinden können, ob jemand nun Organspender ist oder nicht, und da gilt natürlich im Sinne der doppelten Widerspruchslösung: im Zweifelsfall für den Angeklagten, also den Spender. Wir unterstellen ja jedem erst mal, dass er im Sinne der Gemeinschaft handelt. Sonst wäre das ja ein Widerspruch, aber ein einfacher, und der ist in dieser Lösung so nicht vorgesehen.

Verwechseln Sie das jetzt bitte nicht mit den Wartelisten für Empfänger. Die sind für uns nicht relevant. Das hieße nämlich, dass wir jeden potenziellen Spender nach seiner Spendefähigkeit klassifizieren und dementsprechend therapieren müssten, aber das ist ja eine Verschwörungstheorie, dass Sie hier reingerollt werden, Beinbruch, und der Chefarzt sagt beim Röntgen so ganz beiläufig: schöne Leber hat der Mann, da weiß der Pfleger dann sofort, was Phase ist, dann wird der Tropf falsch angeschlossen und die Hinterbliebenen kriegen dieses hübsche Informationsblatt, was für die Bestattung übrigbleibt. Ist natürlich totaler Quatsch. Das passiert Ihnen wie gesagt nur als Privatpatient, und auch da nur unter sechzig. Ich lasse mir ja auch keine Falten transplantieren, wenn ich nicht geliftet aussehen will.

So, da haben wir’s. Der Melderegisterauszug ist da, und den finden wir immer, weil der ohne Ihr Zutun erstellt wird, denn der ist in einem gut organisierten Staat eine Selbstverständlichkeit. Da steht nichts über Sie drin, aber der sagt uns, dass es Sie gibt, und dann müssen Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch in der Spenderdatenbank sein, so dass sich eine weitere Kontrolle aus Gründen der Wirtschaftlichkeit so gut wie erübrigt. Und damit haben wir dann einen Spender. Das ist widersprüchlich? Ja, stimmt. Noch nicht doppelt, aber wir arbeiten daran. So, dann lassen Sie uns mal schauen. Anforderungsprofil, Name, Alter, die Versicherungsnummer – Leute, wollt Ihr mich verarschen? Wir brauchen Spenderhirn, und Ihr rollt mir den Spahn rein!?“





Totschlagargument

2 04 2019

„… der Rechtsstaat schnellstens reagieren müsse. Es sei nicht zu dulden, dass so viele Straftaten in der Bundesrepublik mit dem Auto verbunden seien, daher sei ein generelles Verbot von…“

„… keine rechtsfreien Räume dulde. Seehofer fordere eine Null-Toleranz-Obergrenze für Raser und Drängler auf deutschen Autobahnen, wenn sie nicht gleichzeitig zum Brauchtum des…“

„… die Liberalen ein 60-Stundenkilometer-Auto vollkommen ablehnen würden, auch wenn es viele Menschenleben auf der Autobahn retten würde. Es sei besser gar nicht zu fahren als zu langsam, so Parteichef…“

„… zu schweren Streitigkeiten zwischen Realos und Fundis geführt habe. Immerhin sei es klar, dass auch elektrisch angetriebene Fahrzeuge sich als Waffen im Straßenverkehr für zahlreiche…“

„… sich die Sozialdemokraten zwar für die Eindämmung automobiler Straftaten, wenn diese nicht in Ausnahmefällen, die zwar durch die Straßenverkehrsordnung nicht gedeckt, wohl aber in einer diskussionswürdigen Grauzone des Strafrechts, das allerdings nicht zwangsläufig…“

„… dass das Auto ab sofort verboten sei. In der Bibel stehe davon nichts, deshalb wolle Kramp-Karrenbauer das Auto aus dem christlich-abendländischen…“

„… das Strafgesetzbuch noch Lücken aufweise für den Gebrauch von Kraftfahrzeugen. Die Bundesregierung müsse über eine umfassende Überwachung des Autoverkehrs entscheiden, da sich nur so Straftaten, die mit Hilfe eines…“

„… nicht mehr als Rechtsstaat ansehen könne. In einem Land, so Wendt, in dem Waffen in privater Hand noch immer nicht vollständig verboten seien, stelle ein Auto ein vom Gesetzgeber toleriertes und zum Wohle gewisser betrügerischer Industriezweige geradezu gefördertes Gefährdungswerkzeug dar, das sofort und unter hoher Androhung von…“

„… eine Kompromisslösung anbieten werde, um den Koalitionsfrieden nicht unnötig zu gefährden. Die SPD wolle Produktion, Verkauf und Erwerb sowie Besitz von Kraftfahrzeugen dulden, das Bewegen auf öffentlichen Straßen müsse aber weiterhin als…“

„… gebe es keine charakterliche Prüfung für Autofahrer, die den unsachgemäßen Gebrauch des Fahrzeugs gleich im Vorfeld ausschließen könne. Seehofer werde eine Methode entwickeln, die die ungeeigneten Personen noch vor der…“

„… zahlreiche Staatsfeinde, unter ihnen auch Anhänger der Reichsideologie, im Besitz von Pkw seien, womit sie jederzeit schwerste und…“

„… bei jedem Auffahrunfall mindestens ein Kraftfahrzeug beteiligt sei. Scheuer wolle mit seinem Vorstoß, fahrende Autos auf deutschen Straßen zu verhindern, für eine Senkung der Kriminalitätsrate um mindestens…“

„… nur die Werbung für Autos einschränken wolle, beispielsweise auf 16-Jährige, die dann aber zwingend in Besitz einer Erlaubnis für assistiertes Fahren sein müssten, um sich rechtssicher in die…“

„… den Linksradikalismus eindämmen werde. Durch ein komplette Autoverbot, so Meuthen, würde es keine brennenden Fahrzeuge mehr geben und damit keine linken Extremisten mehr, die alle freiwillig aus der BRD GmbH in den…“

„… es nur sehr selten einen Bankraub gebe, bei dem nicht ein Fluchtfahrzeug vorgesehen sei. Die als Tatwerkzeuge beurteilten Autos müsse der Steuerzahler auch im Falle eines vorherigen Diebstahl ersetzen, was die Solidargemeinschaft um eine erhebliche…“

„… fordere Dobrindt, dass Autos nicht mehr von Jugendlichen gefahren werden dürften, sondern nur Erwachsene sich in…“

„… habe es vor fünfhundert Jahren keine Autos gegeben, so Kramp-Karrenbauer, und die Menschen hätten auch überlebt. Deshalb müsse man durch die Werte der…“

„… habe Dobrindt eine gesetzliche Regelung gefordert, dass zum Führen von Kraftfahrzeugen künftig eine amtlich amtliche Erlaubnis, die eine…“

„… dürfe die Politik nicht das Überleben der deutschen Autoindustrie als Totschlagargument ins Feld führen, wenn es um das Verbot einer der gefährlichsten Waffen der zivilisierten Welt gehe. Die SPD verspreche jedoch auch, im nächsten Wahlkampf einen Rettungsschirm anzukündigen, den sie im Falle einer Regierungsübernahme gemeinsam mit der…“

„… sich für einen Kompromiss einsetzen würden. Lindner bevorzuge eine Regelung, nach der nur Besserverdienenden der Gebrauch von Fahrzeugen gestattet werde, die dann auch über eine Höchstgeschwindigkeit von mindestens…“

„… habe Dobrindt eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht angekündigt, dass die private Benutzung des Pkws zugleich mit dem Verbot der Berufskraftfahrer einhergehe, was eine nicht zu duldende Gleichsetzung und sozialistischer Unfug im Sinne des…“

„… könne für Barley die Lösung so aussehen, dass Produktion und Verkauf von Automobilen weiterhin erlaubt seien, so dass wesentliche Wirtschaftszweige in Deutschland weiterhin im Rennen bleiben würden, während der Erwerb von Kraftfahrzeugen künftig nicht mehr auf legalem…“





Auszeit

1 04 2019

„Man hört jetzt also einfach so auf zu arbeiten?“ „Wer hat das denn gesagt?“ „Die Linken.“ „Naja, das ist eben keine Arbeiterpartei.“ „Interessant ist das trotzdem, ich meine, stellen Sie sich das mal vor: man kann bei einem nicht mehr unterscheiden, ob der gerade Pause macht oder für die Wirtschaft komplett nutzlos ist.“ „Gucken Sie sich das Management an, da ist das normal.“

„Aber die Idee ist gut.“ „Dass man gar nicht mehr arbeitet?“ „Nein, es geht bloß um ein Sabbatical.“ „Um ein was?“ „Sabbatical. Da macht mal zwischendurch einfach mal Pause.“ „Kenne ich, ist bei uns auch so. Dann kommen Sie aus der Pause zurück, der ganze Krempel liegt immer noch herum und Sie dürfen das trotzdem beseitigen.“ „Nein, Sie verlassen Ihren Arbeitsplatz.“ „Ja, das Fachwort heißt Kündigung. Ist den Linken wohl noch nicht so oft passiert, weil die Vögel eh selten zur Arbeit gehen.“ „Nein, das ist eine Auszeit. Sie nehmen sich eine Auszeit und kommen danach an Ihren Arbeitsplatz zurück.“ „So wie Leiharbeiter, die werden zwischendurch für drei Monaten zum Arbeitsamt geschickt, weil die Industrie nicht die Zuschläge zahlen will, und dann müssen Sie zum anderen Betrieb dreißig Kilometer weiter fahre, und wenn Sie einmal zu spät sind, weil unsere tolle Bundesbahn vergessen hat, Waggons für die Züge zu kaufen, dann fliegen Sie raus.“ „Nein, das heißt wirklich so. Sie machen eine Pause und kommen dann wieder.“ „Und wie?“ „Ja, normal halt.“ „Auf welchem Arbeitsplatz?“ „Auf dem alten natürlich.“ „Na toll. Und wie lange dauert das dann so? Zwei Wochen, zwei Monate?“ „Zwei Jahre.“ „Zwei Jahre. Und in der Zwischenzeit bleibt dann das ganze Rechnungswesen liegen und stapelt sich bis zur Decke, weil Sie zwei Jahre lang Selbstfindung betrieben auf Anraten einer kommunistischen Dame mit Artikulationsschwierigkeiten?“ „Nein, das kann man dann sicher schon irgendwie regeln, dass…“ „Na, da bin ich aber mal gespannt. Schießen Sie los, ich tu so, als würde ich Ihnen folgen.“

„Also es ist wie mit der Teilzeitregelung von Nahles.“ „Nahles nur noch in Teilzeit? Halleluja, dass ich das noch erleben darf!“ „Nein, ich meine, das war ihr Vorschlag.“ „Meiner wäre, dass sie ein Sabbatical nimmt, aber eins bis zum Ende ihrer politischen Karriere!“ „Man kann diese Positionen ja durch Umschichtung in der…“ „Super, dass ich darauf noch nicht gekommen bin – Umschichtung der Arbeitskräfte! Wenn uns ein Klempner fehlt, da frage ich mal zwei Bürokaufleute und einen Panzerfahrer, ob sie das eben erledigen können.“ „Aber…“ „Seien Sie froh, dass wir keine Raketen bauen.“ „Ich meine, das ist doch…“ „Oder hier, Kernkraftwerke. Das wird ganz eng.“ „Sie müssen doch die…“ „Ganz eng!“

„Also personalpolitisch müsste man sich da schon auch etwas einfallen lassen, aber das werden wir in der Personalpolitik der Zukunft dann auch lösen.“ „Was macht Sie da so sicher?“ „Dabei haben sich die Politiker doch sicher etwas gedacht, oder täusche ich mich da?“ „Nicht doch, vertrauen Sie denen ruhig. Die müssen sich mit so vielen Sachen gleichzeitig beschäftigen, die haben immer eine Lösung für alle Probleme parat.“ „Na, dann ist es ja gut. Weil, irgendwie muss man ja auch die Posten wieder besetzen.“ „Was Sie nicht sagen!“ „Und wenn die Arbeitnehmer nach so einem Sabbatical den Anspruch auf den alten Arbeitsplatz wieder haben oder auf einen vergleichbaren, was macht man dann in der Zwischenzeit?“ „In einer Behörde ist das ganz einfach, da wird vorher nicht gearbeitet und hinterher auch nicht, also bleibt sich das gleich, wie viele Leute Sie beschäftigen.“ „Naja, aber es ist nicht alles eine Behörde.“ „Das hat Nahles auch festgestellt, als sie mit dem Rechtsanspruch auf Homeoffice gescheitert war. Für einen Staatssekretär kriegen Sie das hin, bei einem Bauklempner wird das schon schwieriger.“ „Dann müsste man das mit einem befristeten Vertrag…“ „Deshalb hatten uns Nahles und die Linken ja auch lang und breit erklärt, dass es in Zukunft viel weniger befristete Arbeitsverträge geben soll. Und dass das alles auf gesetzlicher Grundlage geschieht, hatte ihnen vorher keiner gesteckt, aber das muss man als Ministerin auch nicht wissen.“

„Dann geht das eigentlich nur mit Leiharbeit.“ „Ja, das hatte ich auch so verstanden. Ist ja auch kein Wunder, die Linke war ja schon immer eine Partei, die Leiharbeit fördern wollte und sich öffentlich dafür eingesetzt hat, mehr Arbeit über Entleiher abzuwickeln. Schnell, flexibel und dafür zum Ausgleich sozial unverträglich, also so, wie man die Linken kennt.“ „Ich verstehe es auch nicht, vor allem: was machen denn die armen Leute, wenn die Firma in den zwei Jahren pleite geht und sie dann nicht mehr auf den alten Arbeitsplatz zurück können, weil es den nicht mehr gibt?“ „Was zahlen die Firmen für so ein Sabbatical?“ „65 Prozent des Nettolohns.“ „Fürs Nichtstun? Meine Herren, dagegen ist Hartz IV ja direkt menschenfeindlich.“ „Und wenn jetzt wichtige Fachkräfte fehlen, die die Unternehmen trotzdem Geld kosten, wie soll man denn dann diese Arbeitsplätze überhaupt erhalten können?“ „Wir sammeln.“ „Was?“ „Geld natürlich. Ich bitte Sie, das kriegen wir hin. 65 Prozent sind doch ein Klacks, bedenken Sie nur die Folgen: zwei Jahre lang merken wir nicht, dass bei den Linken nichts folgt, und danach sind sie weg vom Fenster. Ich frage Sie: ist es das nicht wirklich wert?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLVII): Der Rückzug ins Irrationale

29 03 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Aufklärung hat ganze Arbeit geleistet. Die breite Masse ließ den Glauben an Geister und Dämonen und begann, wenn auch in beschränktem Maße, da es sich nicht einfach einstellte, zu denken. Messen, Zählen und Wiegen bestimmten den Umgang mit den Dingen, der Hominide hörte auf, sich die Welt nach vorgefertigten Erklärungen zu deuten, und gewöhnte sich an die Vorstellung, dass das Wissen begrenzt, aber ausbaufähig ist, während das Glauben vornehmlich transzendente Welten zu bieten hat, die nicht zu verstehen sind und daher den Trost der Machtlosigkeit bieten. Kein Mensch muss sich um die Dinge sorgen, die er nicht ändern kann, lautet das besänftigende Credo vor der Wende, und ihrer sind viele. Dass die zunehmend komplexe und ins Unordentliche treibende Welt als Vorstellung trotzdem dem Willen sich entzieht und nicht wie der Baukasten eines sich selbst ermächtigenden Schöpfers planbare Strukturen offenbart, sorgt für die Reprise des Dämlichen; die Aufgabe, Freiheit auszuhalten, braucht ein solides Fundament auf den Gründen der Humanität, und wo sie nicht ist, wird auf Sand gebaut. Nichts ist so logisch in dessen Folge wie der galoppierende Rückzug ins Irrationale.

Nicht die Globalisierung ist das Feindbild der Ängstlichen, sondern die Vorstellung einer gänzlich liberalen Welt, in der jede Entscheidung nicht auch noch hinterlegt werden muss mit dem Goldgrund moralischer Werte; zwar bietet das Bröckeln der ethischen Unterfütterung in Staat und Wirtschaft auch eine gute Vorlage für die Frustration der Massen, doch das ließe sich durch Gegenwehr kompensieren. Allmählich wird es zum sich selbst organisierenden Prozess, dass die Bürger in einer zu sehr verwalteten Welt sich plötzlich besorgen und nach Ordnung schreien, aber nach einer alten, die sie bereits im Scheitern erlebt haben – sie bleiben unbelehrbar, aber wie im Drang, die vertrauten Fehler noch einmal zu perfektionieren, denn der Abgrund, auf den sie zusteuern, ist doch wenigstens bekannt. Und so füllen sie das Vakuum mit neuen Ängsten, die nach altem Muster funktionieren: die Übermacht des Ungewohnten bietet angenehme Machtlosigkeit, in der sich Unterwerfungsfantasien zusammenbasteln lassen, der Sekundenschlaf der Vernunft gebiert Ungeziefer, die subkutan ins Hirn kriechen und ein Weltbild vorfinden, in dem sich allerlei Unfug schwiemeln lässt: homöopathische Ersatzreligionen aus Rassen-, Verschwörungs- und unkritischer Theorie, Führerglaube und das Recht des Stärkeren, kurz: der konzertierte Rückfall in die offenporige Anschauung des Vormodernen, die ein unbeschränktes Dunkel lieferte, um Spielraum für wirre Deutungen zu schaffen. Die liberale Welt, die jedem Deppen die grundsätzliche Freiheit lässt, sich als intellektuelle Randerscheinung zu erfinden und zu benehmen, macht diese Sache nicht einfacher, sie scheint nur so, wenn man sie nicht hinterfragt, und wer, der sich freiwillig für die Rolle des Narren entscheiden würde, täte das schon.

Längst haben ideologische Erfüllungsgehilfen sich zu dem aufgeschwungen, was sie für Macht halten, damit sie anderen die befreiende Sklaverei anbieten können. Dass sie die Erscheinungsformen der neuen Bedrohung nicht nutzen, kommt nicht von ungefähr; natürlich könnten sie die drohende Klimakatastrophe zur Ersatzreligion aufpusten, doch wer würde schon eine Eschatologie der Ohnmacht entwerfen, die komplett ohne Hoffnung auskäme. Sie setzen auf alternative Verfahren und heilen durch Handauflegen, wobei sie trickreich den neoliberalen Turn ausnutzen, dass der nicht geheilt wird, der zu wenig an die Therapie glaubt. Zum Ausgleich ängstigen sie sich vor Chemtrails als Emanation eines infernalischen Machtapparats wie die Steinzeitler beim Anblick des Wetterleuchtens, denn ohne Teufels Beitrag ist die Ordnung einfach nicht zu deuten, wenn sie hinreichend komplex sein soll. Das Böse erfüllt seinen Zweck, wenn es nur genügend abstrakt sein kann, und was wäre besser geeignet als eine Idee, die allein zu diesem Zweck entworfen wird. Als das Fremde, als unbekannte Variable, beliebig einsetzbare Störgröße oder von den selbstverständlich bösen Machthabern verfügte Setzung ist sie der letzte Grund, auf dem sich noch bauen ließe: die Opferrolle lässt den Bekloppten wieder in beschaulicher Ruhe klagen, dass er die Dinge nicht ändern kann, die er gar nicht ändern will, weil er auch gar nicht wüsste, wozu. Aber er hat ein Motiv, sich zu beklagen, und allein das reicht aus, um es laut zu tun, hinter der Monstranz der eigenen Machtlosigkeit schreitend und den gewohnten Abgrund fest im Blick. Dass die Menschheit sich abschafft, ist ausgemacht, es steht nur zu fragen, wie lange sie dazu braucht. Wer daran schuld sein wird, ist eine müßige Überlegung, denn wer wäre hinterher noch da, um es wissen zu wollen. Aber vielleicht hocken wir dann ja alle gemütlich in der Hölle und wundern uns, dass wir nicht eher auf den Gedanken gekommen sind, in einem mies geplanten Gedankenexperiment zu existieren. Jemand muss Schnaps in das Fass gegossen haben, als unsere Gehirne schon darin lagen.