So jung kommen wir nie wieder zusammen

24 02 2020

„‚Dass wir als Deutsche nach diesen schrecklichen Ereignissen‘ – haben Sie? Wieso kann man nicht ‚schreckliche Ereignisse‘ sagen? Was hatte ich beim letzten Mal gesagt? Sehen Sie mal, daran können Sie sehen, dass sich meine Haltung seit dem letzten Mal nicht geändert hat.

Natürlich ‚Wir als Deutsche‘, oder stehe ich hier als Ausländer? Ich bin nun mal Deutscher, und ich vertrete ja auch die Gesellschaft, warum soll ich dann nicht ‚Wir als Deutsche‘ sagen? Also ‚Ich als Deutscher‘ wäre doch noch bescheuerter, und ich kann mich selbst hier nicht als Maßstab nehmen. Das ist eine offizielle Rede, deshalb müssen wir die ganze Gesellschaft – nein, eigentlich nicht, es geht ja um uns Deutsche, aber deshalb ist doch ‚Wir als Deutsche‘ erst recht richtig. Das ist mir auch total egal, ob da jemand irgendeine Kollektivschuld in die Formulierung reininterpretiert, ich meine dieses ‚Wir‘ ja inklusiv. Kommt nicht so rüber? Das ist dann Ihr Problem, ich habe Ihnen doch gesagt, Sie sollen da nicht irgendwas reininterpretieren.

‚Was geschehen ist, macht uns fassungslos.‘ Das können Sie doch gar nicht beurteilen, ob ich das schon emotional verarbeitet habe. Meine Güte, Sie müssen doch auch mal… ‚Macht mich traurig.‘ Ja, das ist natürlich viel subjektiver, aber ich kann doch nicht, wissen Sie, wenn wir als Deutsche, da… – ‚Das macht uns zornig.‘ Das klingt doch gleich viel entschlossener. ‚Wir als Deutsche‘, und dann so eine Emotion, das ist viel glaubwürdiger. Na gut, nicht viel, ein bisschen weniger unglaubwürdig, das ist für den Anfang schon mal nicht schlecht. ‚Sie sind voller Trauer, sind ratlos, Sie fühlen sich allein gelassen.‘ Psychologisch ist das doch gar nicht so verkehrt. Die wissen nicht, was gerade passiert ist, ich weiß auch nicht, wo es langgeht. Sie müssen die emotionale Parallele begreifen. Die Leute lieben so etwas, daran merken sie, das wir Politiker auch nur Menschen sind, verstehen Sie?

‚Gerade deshalb tut es gut, hier zu sein an diesem Ort.‘ Ich habe Ihnen doch gesagt, nicht wieder irgendwas reininterpretieren. Man muss das doch subtil ansprechen, nicht so als Wohlfühlzeug, eher auf die feinfühlige Art. Ja, feinfühlig. Ich bin mit mir im Reinen, wir als Deutsche doch auch, und ich kann ganz einfach zu den Leuten… Meine Güte, fällt Ihnen denn etwas Besseres ein? ‚So jung kommen wir nie wieder zusammen‘, bei Ihnen piept’s wohl! Unverschämtheit! Das ist die größte Geschmacklosigkeit, die man sich als Politiker in dieser Rolle, also in der Rolle des Politikers, Sie wissen schon, aber doch nicht so!

‚Wir spüren, dass es diese Gemeinschaft gibt, die Entsetzen und Wut teilt‘ – haben Sie? Was ist denn jetzt schon wieder verkehrt? Natürlich ist das eine Gemeinschaft, man kann doch nicht immer nur als Fußballfreunde zusammenstehen oder wenn man eine Bundestagswahl vergeigt hat, das ist doch der Sinn einer Gesellschaft, und gerade wir als Deutsche sollten doch wissen, wenn man mal so richtig Scheiße baut, dann… – Jetzt werden Sie aber kindisch! Dass wir als Deutsche unsere Wut teilen, das ist doch nicht negativ. Und ich habe das Wort ‚Wutbürger‘ hier mit keiner Silbe erwähnt, das wollen wir mal klarstellen. Mit keiner Silbe! Es geht uns um die Gemeinschaft, und das ist auch als Appell zu verstehen. ‚Eine Gemeinschaft, die aber eben auch Trauer, Anteilnahme und Solidarität zeigt.‘ Was stört Sie jetzt schon wieder? Was ist denn bitte verkehrt an Anteilnahme? Das ist doch praktisch dasselbe wie Solidarität, oder wissen Sie jetzt schon nicht mehr, wie man sich bei solchen schrecklichen Ereignissen verhält? Na also.

Sie machen mich noch porös mit Ihrem ewigen Gemecker. Nein, Anteilnahme ist nicht dasselbe wie Solidarität, auch nicht umgekehrt. Aber zwei starke Begriffe hintereinander sind eben sprachlich viel stärker als einer. Sprachlich? ja, ich habe das so… – Es geht doch hier um Sprache, oder wollen Sie das auch noch hinterfragen? Ich kann in dieser Situation doch nicht den Kölner Dom tanzen, oder wie stellen Sie sich das vor? ‚Eine Gemeinschaft, die wir alle brauchen, die jede Gesellschaft braucht – eine Gemeinschaft, die zusammenhält.‘ Wir als Deutsche sind eine Gemeinschaft, die… – Wie soll ich das jetzt verstehen? Sie halten die Deutschen für eine Gemeinschaft, die die Gesellschaft… – Das würde letztlich bedeuten, dass wir nicht die Gesellschaft sind, sondern nur… – Sie bringen mich total durcheinander. Natürlich sind wir die Gesellschaft, aber im Moment solidarisieren wir uns als Deutsche aus Anteilnahme mit den… –

Okay, dann noch einen drauf: ‚Heute ist die Stunde, in der wir zeigen müssen: Wir stehen als Gesellschaft zusammen.‘ Natürlich müssen wir das, jetzt fangen Sie nicht auch noch da mit Ihrer doofen Krittelei an! Als Deutsche! wir als Gesellschaft! Das schließt auch andere Gemeinschaften ein, die sonst nämlich nicht ausgeschlossen… Nee, Moment mal, das ist ja gar nicht, ich muss das anders, aber nicht wie am Anfang.

‚Darum bitte ich Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, im Angesicht des Grauens heute und in dieser schweren Stunde.‘ Ich kann nicht wieder mit ‚schrecklichen Ereignissen‘ kommen, das geht pro Rede nur einmal. Sonst denken die Leute doch, das sei nicht authentisch gemeint. Wir müssen von der Bevölkerung auch verlangen, dass sie uns ernst nehmen, aber dafür müssen wir dann halt auch authentisch sein. Und mit ‚Grauen‘ muss ja keine unlösbare Aufgabe gemeint sein, die Leute gruseln sich vor Gott weiß was. Und hier muss dann der Aufruf zur Entschlossenheit kommen, hier ist der Moment, wo wir als Betroffene den anderen Betroffenen in unserer Betroffenheit ganz klar sagen: ‚Zeigen Sie Rücksichtnahme, zeigen Sie Solidarität!‘ Nicht Anteilnahme, das haben Sie schon ganz richtig gehört, hier brauchen wie eine bessere Vokabel. Solidarität, das ist ein ethisch gut vertretbares Ziel, jeder kann das auf seine Art in den Alltag integrieren, und es kostet nichts. Wenn nicht das, was dann? ‚Wir als Deutsche‘ – da bin ich in der Zeile verrutscht. Das ist auch kein guter Schluss, das Aktivierende muss am Ende noch mehr in den Vordergrund. ‚Wir stehen zusammen.‘ Ja, ich finde das richtig. Wir haben das schon öfter so gesagt, es ist ja auch nie verkehrt, wenn man bei solchen Gelegenheiten, und gerade bei solchen Gelegenheiten, die nach schrecklichen Ereignissen kommen, dass man da zusammensteht. Das macht man halt so, und es ist auch richtig, weil wir damit unsere Verbundenheit zeigen, wir als Deutsche, mit einer Gesellschaft, die wir so erhalten wollen, wie sie ist. – So, und jetzt drucken Sie die Scheiße aus, heften Sie es ab, und sagen Sie mir mindestens eine Stunde vorher Bescheid, wo ich die Rede halte.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CLVI): Der Nazivergleich

29 06 2012
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wie viele Dinge gibt es nicht, in denen jeder Anfänger, einschließlich des kompletten Ignoranten sowie des von jeder Sachkenntnis ungetrübten Großmauls, sich bereits als Meister wähnt: Fußball, Kraftfahrzeuge, ja selbst Unangenehmes wie Politik bleibt nicht von der Hybris des Banausen verschont. Am wenigsten verzeiht der Dünkel den Vorwitz im weiten Feld der Rhetorik – wer keine tauglichen Gründe gefunden hat, muss noch nicht fähig sein, sie ins Gefecht zu führen. Früher oder später tappt jeder in die Falle, die ihn grinsend erwartet mit dem Rotzfleckchen unter der Nase, der Nazivergleich.

Der durchschnittliche Nazivergleich trifft alles und jeden, die Bedienung im Gartenlokal wie den beschränkten, aber harmlosen Provinzpolitiker. Wo immer der intellektuelle Luftraum sich dem Vakuum nähert, werden der Bettnässer aus Braunau samt seiner Helfer aus der Jokerschublade gezerrt, dürfen gegen Außenpolitik, Menschenrechte oder den Bierpreis antreten und verschwinden klein und stinkend wieder im Modder des Irrationalen. Was da plötzlich alles wie Hitler ist – drittklassiges Ministermaterial, inkompetente Bankster, Richter und Staatsanwälte, geistliche Vorturner diverser Weltanschauungsvereine, kurz: jeder – und wie Hitler spricht und Sachen macht, die Hitler entweder getan hat, getan hätte, hätte tun können, sicher getan haben wird, auch wenn man es ihm beim besten Willen nicht nachzuweisen vermag. Der Bibliotheksdirektor, der ohne Vorwarnung die Benutzer von Mobiltelefonen aus seinen Haus werfen lässt, ist mindestens so hitler (die Benutzung als Adjektiv greift ja inzwischen Raum) wie was auch immer. Und so soll es ja auch sein.

Der Depp im Braunrausch ist nicht einmal Nazi, auch wenn er von Geschichte im Allgemeinen nicht viel und vom Zeitalter des Faschismus meist noch weniger Ahnung hätte (was mit einer NS-Tapete im Schädelinneren bestens zusammengeht), er popelt nur gerne alles und jeden aus dem historischen Kontext heraus und wählt die auf dem kognitiven Abenteuerspielplatz einfachste Methode, den Superlativ. Wie der Jugendliche seinen Sturm und Drang mit echt, voll und total vor der milderen Wirklichkeit schirmt, so lässt der Pseudogebildete gerne den Wort-Führer komparierend aufmarschieren ad usum Adolphini, und er drückt die ganz dicke Tube dazu, weil er sonst hinten nicht mehr hochkäme. Ein Totschlagargument, das den Weg frei räumen soll, jedoch einen eingebauten Bumerang besitzt. Mit der Nazikeule semmelt sich vor allem der Träger eins in die Gesichtsreste.

Abgesehen davon, dass Nazivergleiche meist aus der Rede derer stammen, die sich für politisch begabt und korrekt ausdrucksfähig halten, sind sie in zweierlei Hinsicht zweifelhaft verschwiemelter Verbalmüll, der lediglich die Fanalität des Blöden unterstreicht. Er ist nur ein sinnloses Aufpusten minderwertiger Schwurbelei, dem das laute Entweichen folgt, begleitet von Faulgerüchen und Knallgas. Wer sich als hampelnde Beilage am Bühnenrand wohlfühlt, während die Eier fliegen, wird diese Situation schätzen. Denn mit tödlicher Sicherheit folgt im öffentlichen Wettbewerb um Aufmerksamkeit im Getöse der reinen Vernunft, die schmachvolle Entzauberung durch den Skandal, der die Verhältnisse ohne Rücksicht wieder ordnet. Noch keiner hat diese Niederungen ohne freigiebige Nasenblutspende verlassen, meist mit der doppelten Blöße, für den Eigenseich auch noch peinlich um Entschuldigung bitten zu müssen, was eine weitere Schwäche der rhetorischen Position darstellt. Andererseits reiht sich mit der historischen Niedervoltleistung der Verbreiter der Botschaft freiwillig ein in eine Riege der Vorbelasteten, alle mit dem Mal versehen, den Lebensunterhalt mit dümmlichem Gerümpel zu fristen und für höhere Aufgaben nicht wirklich geeignet zu sein.

Ist der Nazivergleich noch Warnmeldung der klar Sehenden? Selten bis gar nicht verwenden die geistig Zurechnungsfähigen das zur Tranfunzel verkommene Lichtschwert des politischen Rhetors, da sie um die Abnutzungseffekte im Diskurs wissen und sich nicht mit dem populistischen Geplärr von Schiefmündern und Rollklumpfüßen gemein zu machen suchen. Die Zeiten sind vorbei, in denen ein lebender Diskutant seinen Zuhörern noch vom Wiedererstarken der alten Kräfte erzählen konnte, der postmoderne Vergleicher will ausschließlich den Popanz, um ihn mit wie auch immer gearteten Moralfragen behängen zu können: Babycaust, Iran, Parteispenden. Der politisch korrekte Impetus, wie er nach 1945 berechtigt gewesen sein mag und notwendig war, verkehrt sich ins Gegenteil.

Nur manchmal, ganz manchmal, wenn die Stille die Druckfehler in den Folianten knistern lässt, dann entpuppt sich ein Hitlervergleich als wahr. Saddam, die Marionette der Industrienationen? Ein drittklassiger Diktator, den man drohen und rüsten lässt, dem man seine kleinen Privatkriege vor der Haustür erlaubt, wenn er dafür nur die Befreiung durch den Kommunismus zurückdrängt? Ein schnauzbärtiger Psychopath, den man erst in die Schranken weist, wenn er sich nicht mehr an die Abmachungen hält? Seien wir vorsichtig, wen dieser Vergleich träfe. Er sollte wenigstens Hunde mögen. Oder in München gelebt haben. Aber da soll’s ja noch andere gegeben haben.





Und alle Fragen offen

22 08 2011

„Deshalb gleich zu Anfang unsere wichtigste Frage: Wie kommen wir aus der Krise?“ „Ja, das ist richtig und das muss man auch so sagen, wir haben das immer schon, und da können wir auch als die Partei, die sich von Anfang an ausgesprochen hat für eine stärkere und vor allem, dass wir jetzt endlich auch Maßnahmen ergreifen, die man dann aber auch umsetzen muss, denn es hilft ja nicht, dass man dann immer nur darüber redet, man muss dann endlich jetzt auch mal etwas ganz konkret, so wie wir das auf unserem letzten Parteitag im Juni beschlossen haben.“ „Ja, aber wie kommen wir aus der Krise?“

„Schauen Sie, wir können jetzt ja nicht so an die Märkte herangehen und sagen: ‚Wir gehen an die Märkte heran‘, und dann haben wir letztlich nichts erreicht, weil das eine internationale, und auch die Fiskalpolitik, Steuern und auch die gemeinsamen Finanzen in der Eurozone, wobei das ja noch gar nicht raus ist, ob wir hier eine Einigung erzielen, die die Märkte dann, wenn wir das – ich betone: wenn wir überhaupt ohne nochmaligen, ohne einen Rettungsschirm, der zum jetzigen Zeitpunkt natürlich auch vollkommen undenkbar, und da möchte ich dann noch mal die Kanzlerin zitieren, dass wir da so schnell wie möglich zu einer gemeinsamen Lösung finden werden, die wir auch als internationale Partner, hier in Europa und dann auch in der gemeinsamen Eurozone.“ „Und wie kommen wir dann aus der Krise?“ „Wir können jetzt zwei Wege einschlagen. Der eine Weg, das ist auch der, den die Kanzlerin, und die Koalition sieht ja im Moment so aus, dass das wieder nicht klappt, also werden wir noch ein paar Wochen länger warten, bis wir eindeutige Ergebnisse, die dann auch zehn bis maximal fünfzehn Milliarden mehr kosten, weil dadurch die Märkte leichter wieder Vertrauen fassen, dass wir es diesmal, und das hoffe ich sehr, dass wir es, diesmal wenigstens, auch ernst meinen, und diese fünfzig, maximal sind es dann vierhundert Milliarden Euro, die müssen dann auch reichen, weil wir ja sehen, dass wir das ohne eine entschlossene Regierung gar nicht können.“ „Gut, und wie kommen wir aus der Krise?“ „Weil wir als eins der Länder in der Eurozone, die auch mit dem Binnenkonsum, auch mit der Staatsquote und einem Anteil von, das sind aktuelle Zahlen, ungefähr genau, maximal bis zu mindestens 6.000 Punkte, und wir müssen auch sehen, dass wir die Märkte, die ja selbst abhängig sind von den Rohstoffen, vom Parketthandel an internationalen und teilweise sind es ja auch Handelsplätze außerhalb von Deutschland und London, und da müssen wir dann sehen, ob die Reaktion bei Offshore-Investments überhaupt etwas bringen, sonst ist das für uns keine Lösung, weil wir damit auch keinen deutschen Sonderweg riskieren.“

„Wie werden wir aus der Krise kommen?“ „Ich weiß nicht, was die Kanzlerin und Herr Sarkozy da im Einzelnen verabredet haben, damit diese Titel so schnell abstürzen, aber es war ja auch ein Schritt in die richtige Richtung, weil wir jetzt sehen, dass wir ohne eine vorgefertigte Lösung für die Probleme, die sich aus einem weiteren Rettungsschirm, den wir von Anfang an nicht ohne eine Einigung mit den EU-Ländern, mit den Partnern in der Eurozone, aber auch mit der EZB und den Kreditgebern, weil wir die Zinsen da nicht bestimmen, dazu müssten sich die Märkte bewegen, und es sieht im Moment nicht aus, als würde hier nur eine internationale, von allen angestrebte Lösung, die auch die Partner in der Eurozone, und auch die EU-Ländern, aber das wird sich letztlich zwischen Herrn Sarkozy und der Kanzlerin abzeichnen.“ „Wie kommen wir aus der Krise?“ „Lassen Sie mich da einen Aspekt ganz bewusst hervorheben, den seit der Kreditklemme der deutschen Banken, und das betrifft ja auch unsere eigene Finanzpolitik, die Zinspolitik, Basel III, weil auch der Stresstest nicht immer so, wie wir uns das gewünscht hätten, wenn die Anleger hier das Sagen hätten, aber das können wir nicht mit der Politik regeln, das sind Eingriffe in Regulierungen, die die Märkte dann so regulieren, dass wir wieder in eine Krise kommen, weil wir die Regulierung, für die die Anleger ja den Staat, der hier mit Recht eine Schutzfunktion, die wir brauchen.“ „Konkret: Wie kommen wir aus der Krise?“ „Wie gesagt, das sind die Aufgaben, die jetzt anstehen, für die Koalition, aber auch die Kanzlerin muss jetzt Farbe bekennen – und das auch in der Eurozone, in den bilateralen, in den trilateralen und in multilateral-internationalen Gesprächen innerhalb der EU und Europa, was die gemeinsame Haushaltspolitik mit sich bringen wird.“ „Wie kommen wir aus der Krise?“ „Dazu brauchen wir drei Dinge, erstens das Vertrauen der Märkte, die uns mit täglich neuen Hiobsbotschaften versorgen, dass wir im Moment auch eine leichte Rezession haben, solange der Aufschwung noch anhält, und zweitens, weil wir die Sache schnell entscheiden müssen.“ „Wie kommen wir aus der Krise?“ „Indem wir das nicht überstürzen, sondern uns auf dem kommenden EU-Gipfel mit allen internationalen Partnern in der EU, aber auch die Eurozone, soweit wir eine Union nicht als Transferunion, die sie faktisch ist, für eine effektive Stärkung, die dem Nullwachstum etwas entgegensetzen könnte.“ „Und wie kommen wir aus der Krise?“ „Mit diesen Mechanismen im Gepäck dürfen wir nicht weiter warten, die Kanzlerin als Regierungschefin muss jetzt handeln, und es gibt hier, und die Koalition weiß das, und sie müsste es auch wissen, nur eine Frage: Wie kommen wir aus der Krise?“ „Vielen Dank für das Gespräch.“ „Bitte, keine Ursache.“





Und so weiter

14 06 2010

„Du lieber Gott, das wollen Sie ernsthaft erzählen? Sind Sie denn von allen guten Geistern verlassen? Dieser ganze Wortsalat hier, wer hat sich denn das ausgedacht? Sie selbst? Großartig! Exzellent, Frau Bundeskanzlerin, einfach exzellent! Mehr Blödsinn haben Sie nicht in einen einzelnen Satz gequetscht bekommen! ‚Dass wir das jetzt Realität werden lassen‘ – Herrgott noch mal, das ist die Meldung des Tages, dass Sie Ihre Beschlüsse eventuell auch mal in die Tat umsetzen? Wobei, Ihr Regierungsstil legt es nah, dass man irgendwas, was sich in diesem Land bewegt, zur Sondermeldung aufblasen muss.

Also Sie wollen dann ‚die Arbeitsvermittlung zielgerichteter ausrichten‘, schön. Zielgerichteter als zielgerichtet geht nicht, weil dicht daneben ist auch vorbei, klar? Und wenn Sie irgendwelche Ziele im Auge hätten – hätten!, Frau Merkel, hätten! – dann wäre das Ding bereits ausgerichtet, und zwar worauf? aufs Ziel, gut aufgepasst. Und das wollen Sie der deutschen Öffentlichkeit als eine bahnbrechende Konsolidierungsmaßnahme auf den Tisch bringen, dass die Argen künftig frei Schnauze Leistungen verweigern können? Was für eine Eselei ist das denn, was für ein Etikettenschwindel! Ich höre immer Sparpaket, Sparpaket – wird denn hier auch nur ein Cent gespart? Pustekuchen, das haben Sie noch nie getan! Immer raus die Marie, immer zum Fenster mit beiden Händen! Deutsche Bank, Abwrackprämie, Hoteliers, Griechenland, immer noch eine Schippe, immer raus! Ist das Sparen? Sie sparen nicht, Sie kürzen höchstens!

Und wo wir gerade beim zielgerichteten Kürzen sind – unterbrechen Sie mich jetzt nicht! – Ihr auf Schwanzwedeln der FDP durchgewunkener Rabatt für die Mövenpicks kostet den Staat doppelt so viel, wie Sie durch die Streichung des Elterngeldes für sozial Benachteiligte bekämen. Hat Ihnen da Herr Westerwelle einen Schwank aus Ihrer FDJ-Zeit erzählt, der Ihnen zwischenzeitlich entfallen war?

Gott, was ist das für ein Gestammel? Wer hat denn das da verbrochen? ‚Deshalb ist die Zeit gekommen, hier wirklich in eine Phase einzutreten, wo wir sehr konkret sagen, was müsste gemacht werden‘ – haben Sie noch alle Tassen im Schrank? ‚Wirklich‘, das heißt doch: bis jetzt haben Sie nur so getan, als ob? Was bis zu diesem Umschwung ablief, das sollen wir jetzt alle mal verdrängen, weil es die Unwirklichkeit war? Frau Merkel, fand das alles bisher nur in Ihrem Kopf statt? Hier wird nicht in Phasen eingetreten – Phasen, das sind labile Übergangszustände, Frau Merkel, was haben Sie eigentlich während Ihres Physikstudiums getrieben, dass Sie das nicht wissen? Den Klassenfeind mit Ihrem Doppelkinn in Depressionen getrieben? Hier wird nicht Phasen eingetreten, Frau Merkel, hier wird nicht eingetreten, hier wird vorgerückt, agiert, gehandelt, beschlossen, umgesetzt, angepackt und durchgegriffen! Was ist das für ein seniler Quark, den Sie hier vorjammern – Sie unterbrechen mich noch genau einmal, dann haben Sie ein Problem – soll ich Ihnen Funktionsverbgefüge servieren, damit sich das Geschwätz noch eine Ecke hohler anhört? Zur Durchführung bringen? In Anwendung nehmen und zur Beschleunigung kommen lassen, was?

Aus der Nummer kommen Sie eben nicht mehr raus, Frau Merkel. Sie wollten Kanzlerin sein. Sie wollten die CDU als dominierende Partei und die FDP als billigen Mehrheitsbeschaffer. Sie wollten das. Nicht die anderen. Nur, dazu muss man auch etwas auf der Pfanne haben. Gestalten, wie Sie so gerne sagen, Frau Merkel. Wege einschlagen. Und nicht, wie Sie es aus guten alten Zeiten in der DDR kennen, zurücklehnen und warten, dass der nächste Zehnjahresplan im VEB Realsozialismus kommt. Da karrt man Ihnen eine Horde Knalldeppen in die Wahlkampfarena, die mit ihren orangefarbenen Schals einstudierte Ekstase nachturnen, und was macht die Kanzlerin? ‚Die Staatsratsvorsitzende der CDU freut sich über diese Begeisterung der Bevölkerung, die eine Ungeheure gewesen ist!‘

Was wird das? ‚Dass wir in den Jahren 2013 und 2014 dann auch sichtbare Erfolge sehen in Form von geringeren Leistungen für Hartz-IV-Empfänger.‘ Die Erfolge kommen in der nächsten Legislatur? Und: sichtbare Erfolge, die so sichtbar sind, dass man sie sehen kann? Sie sehen als Erfolg, dass Sie die vom Bundesverfassungsgericht als Existenzminimum bezeichneten Leistungen noch kürzen können? Sie sehen es also als Aufgabe für die kommende Wahlperiode an, mit Ansagen das Grundgesetz auszuhebeln, damit Sie den Banken mal wieder den Arsch retten können? Habe ich das richtig verstanden, Frau Merkel?

Sie wollen, dass es weitergeht? Egal was, nur: weiter? immer weiter? So? Weiter? Es interessiert Sie also schon gar nicht mehr, was in zwei, in fünf, in zehn Jahren sein wird, weil Sie sowieso eine Marionette sind? Weil Sie in Ihrer Partei nichts anderes können als Intrige und Machenschaft, damit Sie alles wegtreten können, was ansatzweise mehr im Schädel hat als Sie selbst? Und jetzt spielen Sie dem Volk die Kanzlerin vor? Ja, Sie spielen, zu mehr hat es doch nie gereicht. Nur, dass es jetzt ernst ist, Frau Merkel. Wortsalat, das können Sie absondern – wenn es darum geht, hätten wir auch Stoiber nehmen können. Unter ihm hätte es dieses Kindergartentheater garantiert nicht gegeben.

Und jetzt gehen Sie da raus. Ich habe es Ihnen oft genug gesagt: Klartext. Schluss mit diesem elenden Geschwurbel. Laut und deutlich. Sonst ist Ihre politische Karriere innerhalb der nächsten Viertelstunde zu Ende, haben wir uns verstanden? Gut. Dann gehen Sie da raus. – Meine Damen und Herren: die Bundeskanzlerin!“

„Wir haben ganz klar gesagt, wir müssen jetzt zeigen, 2011, 2012, 2013, 2014, die gesamte mittelfristige Finanzplanung muss überschaubar sein, und damit kommt Stabilität und Verlässlichkeit auch in diese Dinge hinein. Trotz aller schwieriger Entscheidungen sage ich: dieses ist notwendig. Notwendig für die Zukunft unseres Landes. Auch wenn, das will ich ganz deutlich sagen, es ernste Stunden waren und ich es auch für eine durchaus ernste Situation für unser Land halte, aber ich bin optimistisch, dass wir das schaffen können, wenn wir das jetzt auch so umsetzen, und das ist uns in harter Arbeit gelungen.“