Dem deutschen Volke

19 10 2017

Es hatte etwas Unterwürfiges an sich, wie er mich an der Tür empfing. Aber wer seit Jahren der Politik, insbesondere der fortschrittlichen Rechten diente, musste dies wohl auch haben. Mit Rückgrat kam man in diesem Gewerbe wohl nicht sehr weit.

„Ich bin ein bisschen erstaunt“, näselte der junge Konstrukteur, „normalerweise sind Sie doch eher inkognito unterwegs.“ „Sie doch auch“, gab ich zurück. „Arschlöcher Ihresgleichen haben sonst auch mehr als die Hälfte ihrer Lebenszeit damit zu tun, ihre Motivation zu verbergen.“ Er versuchte das mit der Augenbraue, aber ich zeigte ihm ein paar Visitenkarten, hinter denen sehr viel Geld steckte. Reflexartig knickte er da ein, wo es kaum auffiel. Die Sessel waren dann sehr bequem und der Tee nach deutschem Vorbild wässrig.

„Wir haben diesen Automaten entwickelt“, erklärte er, „um die politischen Prozesse in den deutschen Parlamenten wenigstens formal über die Bühne zu kriegen.“ Er stellte ein kleines Kästchen auf den Schreibtisch – Glas, drei Ecken waren aber schon abgesprungen – und drehte an einem der beiden Knöpfe herum. Jeden Moment musste er die richtige Frequenz gefunden haben. „Kleinen Augenblick“, murmelte er, „wir haben es gleich – das wird schon noch.“ Er drehte ganz nach rechts, schon blinkte das Lämpchen.

„Man speist hier mit neuester Technologie die Fragen ein“, erläuterte er und wies auf den Schlitz für die Diskette, „und bekommt die Antwort in Sekundenschnelle, manchmal noch innerhalb einer Stunde auf den…“ „Sie verkaufen Wissen von Vorvorgestern für die Fragen der Zukunft“, winkte ich ungerührt ab. „Das ist alles, was Sie zu bieten haben?“ „Immerhin funktioniert dieser Apparat nur in Deutschland“, antwortete er beleidigt, „deshalb müssen wir das Patent auch nur für das Reich in den Grenzen von 1942 anmelden.“

Das Gehäuse war aus gebürstetem Metall, nicht gerade schnittig, doch wertig verarbeitet. Die Prägung Dem deutschen Volke wirkte in ihrer Petitesse seltsam deplatziert, nach zweitem Hinschauen jedoch genau passend: übertrieben, laut und miserabel im engeren Sinne. „Ich muss nur an dem Knopf drehen“, knurrte er. „Wenn ich an dem Knopf drehe, passiert alles andere von selbst.“ Ich ließ ihm den Glauben, vor allem ließ ich ihn am Knopf drehen. Er hatte doch sonst so wenig.

Deutschlands Wirtschaftswachstum stand auf der Fragenliste. Er fütterte das Kistchen – warum hatte man den nationalen Klotz nicht aus Bakelit nachgebaut? – mit einer Plastikscheibe. Wie kann Deutschland die Arbeitslosigkeit überwinden? „Zu viele Ausländer“, schnarrte der Apparat, „alle raus, dann haben alle Deutschen Arbeit.“ „Und wenn das nicht reicht?“ „Sie müssen es ja wissen“, mokierte er sich und versuchte wieder das mit der Braue. „Sie haben das ja bestimmt studiert.“ Ich nickte nachlässig, worauf er in den Stapel mit den vielen altbackenen Datenträgern griff.

„Deutschland muss Deutschland bleiben!“ Ich überlegte einen kurzen Augenblick, das Büro zu verlassen und mich wieder nach draußen in den mäßigen Nieselregen zu stellen. „Sie wollen die Antwort ja bloß nicht hören“, schnarrte er, also hörte ich sie. „Deutschland bleibt Deutschland, wenn die Grenzen geschlossen sind, weil dann die Ausländer aus Deutschland verschwinden.“ Das Gerät zeigte sich flexibel; ob es um die deutsche Außenhandelsbilanz ging, den ansteigenden Milchpreis, die erwartbare Altersarmut für viele Millionen deutscher Rentner, stets war einer an der Misere schuld. „Der Automat urteilt nicht“, erklärte er. „Er denkt linear.“ Das leuchtete mir ein, eine Linie ist schließlich die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten, auch da, wo es gar keine Verbindung gibt.

Gerne hätte ich noch nach zu hohen Mieten gefragt – vermutlich nahmen die vielen Wohnheime für deutsche Niedriglöhner den Bauplatz für die Jugendstilvillen weg, in denen Ausländer residieren – oder nach den überlasteten Ausfallstraßen, für die islamistische Autofahrerinnen verantwortlich sein müssten, die eigens dazu aus Saudi-Arabien in die deutschen Sozialsysteme einwandern, doch ich ließ es lieber. „Der Automat ist ja nicht generell ausländerfeindlich“, beharrte er. „Er zieht nur seine Schlüsse aufgrund der ihm gegebenen Daten und Fakten.“ „Wenn man ihm Fakten gibt“, überlegte ich, „die nicht unbedingt Fakten sind, woraus zieht das Ding dann seine Schlüsse?“ Er hatte keine Antwort. Aber vielleicht waren auch daran die Ausländer schuld.

„Einen Versuch möchte ich noch wagen“, bat ich. „Sagen Sie der Maschine, sie soll mir erklären, warum so viele Ausländer in Deutschland sind.“ Er schob eine Diskette in den Schlitz. Der kleine Metallkasten begann geräuschvoll den Denkprozess einzuleiten, viel zu geräuschvoll. Es ratterte. Zwei Lampen begannen hektisch zu blinken, dann zeigte eine leise aufsteigende Rauchfahne die Überhitzung des Apparats an. Er stellte seine Arbeit ein. „Gut“, konstatierte ich, „das mit den Verbindungslinien klappt nicht, wenn der Standpunkt immer derselbe ist. Aber erklären Sie mir doch mal den Klimawandel.“ Er blickte mich verdutzt an, und ich ging wieder nach draußen, wo der leichte Regen auf mich gewartet hatte.

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Köpfchen, Köpfchen!

18 10 2017

Wie lange ist das her, dass der gute alte Freitagstexter ein halbes Dutzend Antworten beschert hat, um mit stiller Freude und leisem Glucksen auszuwählen unter den Verbaleskapaden…

Hildegard fand es ja fürchterlich, aber auch nur, weil ihre Schwester damals die Figuren gesammelt haben muss. Wahrscheinlich hat sie die Kerle eigenhändig guillotiniert, mir ist manchmal noch so, wenn ich nichts ahnend auf der Chaiselongue zu Mittag schlafe – dieses Blitzen in den Augen ist mir nicht geheuer. Sie hantiert schon wieder so komisch mit dem Klapppodest herum. Nervöse Stille.

Aber fangen wir einfach an. Oskar. Nick Knatterton. Fix und Foxi. Figuren aus Strich und Farbe, die Geschichte schrieben. Was aber aus ihnen wurde? Kein Mensch fragt mehr danach. Keiner? Einer grübelt nicht nur, er hat es längst herausgefunden. Bronze hat derChristoph für Deutschlands einstmals bekanntesten Igel.

Aus der Serie „Was wurde aus…?“: Heute: Mecki. Er ist heute Hipsterbarbier im Herzen Berlins und hat seine Freunde zu einem Gruppenphoto arrangiert.

Und da sind wir auch schon mitten drin in der Debatte. Kopftransplantation, ja oder nein? (Was Hirn angeht, mir fallen spontan jede Menge ein, die sich über eine Spende freuen würden, aber das ist eine andere Sache.) Darf man Haar verpflanzen, oder muss man weiter Fußmatten nehmen? Aufklärung naht, Silber geht an Shhhhh für eine positive Nachricht aus der Kosmetikindustrie.

…wolle Alpecin in Zukunft gänzlich auf Tierversuche verzichten, so ein Unternehmenssprecher gestern.

Hildegard löscht die Lichter. Unangenehmer Grusel macht sich breit. Was da in der Küche klappert, ist allerdings nur Herr Breschke, der sich mit einem Rest Streuselkuchen die Zeit vertreibt bis zur Siegerehrung. Derweil schrauben im Hause Meyrink mechanisch begabte Hilfskräfte (einer hat noch bei Frankenstein gelernt, eine ihr Praktikum auf der Scheibenwelt gemacht) auf einem Prager Dachboden Einzelteile zusammen. Aus Lehm bist Du geworden, zu Lehm sollst Du werden. Gold geht an aurorula a. für den mythischen Schluss.

Just-in-Time-Lieferung in der Golemfertigung

Herzlichen Glückwunsch! Den Siegerpokal hat, wenn ich es recht sehe, ein neues Mitglied in der Runde der Text-mit-Bild-Spieler erhalten, und der nächste Freitagstexter steigt bei aurorula a. am Freitag, den 20. Oktober. Ich muss das im Kopf behalten…





Blaue Periode

18 10 2017

„Natürlich kann man das dann in einem konservativ bis freiheitlichen Kontext interpretieren, weil die Formulierung an sich ja viele Spielräume lässt. Und wenn wir jetzt ‚völkisch‘ gar nicht völkisch meinen, sondern vielleicht in einem ganz neuen, liberalen Sinne, muss man auch uns eine neue politische Aussage zubilligen.

Wir beziehen als Blaue ja das Völkische nicht mehr auf die NS-Ideologie, wie das die AfD getan hat. Gut, das hat damals die Vorsitzende Petry nicht davon abgehalten, antisemitische Klischees und Ausländerfeindlichkeit zu bedienen, aber das ging nicht anders. Diese Partei, der sie ja von Anfang an nur vorgesessen hat, um sie vor den vielen Rechten in Deutschland zu schützen, diese Partei wendet sich ganz entschieden gegen einen Begriff vom Völkischen, der die Nichtvölkischen ausgrenzt. Sie können also durchaus Tscheche sein oder Däne, aber eben nicht Neger. Da ziehen wir schon feine Unterschiede. Als Neger sind Sie nicht Teil einer bestimmten Nationalität. Es gibt das Weltnegertum, das ist heute überall stationiert, und wenn Sie einen Neger identifizieren, dann muss dieser nicht unbedingt auch Deutscher sein, der das Grundgesetz für sich in Anspruch nehmen kann. Das unterscheidet uns von anderen Parteien. Wir schießen auch an der Grenze, aber eher so ganzheitlich. Mehr Rente für Mütter, aber nur für deutsche. Das muss schon einen neuen Anstrich bekommen, damit man das Braun darunter nicht mehr so sieht.

Wir sehen uns als eine CSU für Nichtbayern, also nur für Deutsche. Ob wir uns mit denen auf einen Nichtangriffspakt einigen, das steht noch in den Sternen – unser bisheriges Konzept sieht ja so aus, dass wir den Christsozialen eine Politik zubilligen, die weder christlich noch sozial ist, was für uns koalitionstechnisch durchaus praktikable Lösungen bereithalten könnte. Aber bei der Zielsetzung muss schon klar herauskommen, dass die Seehofer-CSU sich klar an den Forderungen der alten AfD orientiert. Nu so macht das ja auch Sinn: wir setzen unser eigentliches politisches Programm mit Hilfe des größeren Partners um, die CSU verleiht uns den Anstrich einer koalitionsfähigen Partei. Damit sind alle anderen raus.

Betrachten Sie das jetzt aber nicht als blaue Periode, wir werden natürlich langfristig sämtliche inhaltlichen Positionen der AfD neu besetzen und sie damit komplett überflüssig machen, so wie das die Christsozialen jetzt schon in Bayern tun. An Personal mangelt es nicht, wir hätten zwar gerne noch Steinbach gehabt, aber der sind wir zu links. Mal sehen, vielleicht tritt noch der eine oder andere aus oder wir könnten ihn durch die Möglichkeit eines doppelt honorierten Fraktionsvorsitzes auf unsere Seite bringen. Das wird sich zeigen.

Und natürlich haben wir eine freiheitliche Komponente in unserer Politik. Wenn Sie zum Beispiel irgendwas mit dem Islam zu tun haben, dann steht es Ihnen frei, Deutschland zu verlassen. Deshalb setzen wir auf den Dialog, besonders mit den ostdeutschen Wählern, die diese Dialogformen erst richtig in die Öffentlichkeit getragen haben, etwa in Dresden. Da werden uns die Politik und die Medien schon zuhören, weil wir schließlich eine politische Meinung äußern und nicht die AfD sind.

Politisches Programm? Wir müssten das erst abstimmen, sonst wird eine Tolerierung durch die CSU in Bayern schwierig, und wir wollen ja langfristig wenn nicht die Regierung übernehmen, so doch mitregieren. Außerdem muss der Mann unserer Vorsitzenden ja auch irgendwas zu tun haben, als Vater die ganze Zeit zu Hause sitzen und Bankrott machen ist ja auf Dauer auch nichts.

Also sehen Sie uns als anschlussfähige Partei – das hat jetzt nicht mit Österreich zu tun, klar? – die die Forderungen der schweigenden Mehrheit befriedigt. Damit sind wir natürlich nicht automatisch auch politischer Mainstream, das werden wir ja erst, wenn wir dann tatsächlich an der Regierung beteiligt sind. Und selbst da werden wir dann nicht die Systempartei, die wie die AfD unter ihrer Ex-Vorsitzenden lediglich Mandate und Diäten haben will. Hier wird sich Petry jetzt ganz anders verhalten, weil sie weiß, dass sie eine echte politische Chance hat, mit den in der AfD erprobten Mitteln der parlamentarischen Demokratie dieses Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Da werden dann wir sie jagen und vor uns hertreiben, und wenn sie der Meinung sein sollte, dass es sich für eine Koalition eventuell lohnen sollte, ihre eigenen Positionen beizubehalten, dann sind wir diejenigen, die das letzte Wort darüber haben. Ist doch nicht so kompliziert, oder?

Wieso die Wehrmacht? und Buchenwald? Dazu können wir uns erst nach dem Bundesparteitag äußern, solange müssen Sie mit Ihrer Berichterstattung dann halt warten. Das werden Sie auch noch lernen müssen, dass wir nicht wie die anderen Parteien ständig in den Talkshows sitzen und die Schlagzeilen der Lügenpresse anführen wollen. Oder warum wollten Sie dieses Interview?“





Schwarzsehen

17 10 2017

„… nicht mehr aufnehmen könne. Dazu komme die unübersehbar große Menschenflut, die weiterhin über das Mittelmeer einfalle. Afrika könne sich vor den europäischen Flüchtlingen nur durch…“

„… aus rohstoffarmen Regionen kämen. Dennoch sei die Aufnahme der Ausländer auch aus humanitären Gründen keine wirkliche…“

„… zum Scheitern verurteilt sei. Viele der Flüchtlinge sei Zahnarzt, Ingenieur oder Beamter im gehobenen Verwaltungsdienst und damit für Aufgaben in der Landwirtschaft nicht zu…“

„… bereits jetzt sehr arm sei. Malawi könne die Europäer nicht in die Sozialsysteme integrieren, da diese keine Leistungen in den…“

„… gegen die Schleuserkriminalität vorgehen werde. Mittelmeerkreuzfahrten von Schleppern wie TUI oder AIDA müssten umgehend mit militärischen Maßnahmen…“

„… abgelehnt habe, Asylanten auf den Kaffeeplantagen zu beschäftigen. Dies sei nur möglich, wenn die Bewerber mindestens drei Jahre lang ortsansässig seien und sich keine einheimische Arbeitskraft für den…“

„… hätten afrikanische Klimaforscher bereits seit Jahrzehnten vor einer Masseneinwanderung gewarnt. Europa sei durch den ansteigenden Meeresspiegel innerhalb kurzer Frist so weit überflutet worden, dass die meisten Metropolen nicht mehr als…“

„… habe der Uranabbau in Namibia ein großes Arbeitskräfteangebot. Qualifizierte Jobs seien jedoch nicht in der…“

„… die meisten Flüchtlinge keine Papiere mit sich führten. Die von den Staaten der Europäischen Union ausgestellten Ausweise seien entgegen der Behauptung nicht fälschungssicher und könnten schon für wenige hundert Dollar auf dem Schwarzmarkt in…“

„… zu Massendemonstrationen in Bujumbura geführt habe. Auf der Avenue de l’Imprimerie sei es zu schweren Ausschreitungen zwischen Hutu und Tutsi auf der einen sowie der Militärpolizei auf der anderen Seite gekommen. Der Grund liege in der Bevorzugung der weißen Flüchtlinge, die in Wellblechhütten wohnen dürften, statt sich in den Randgebieten von…“

„… das AfrEx-Programm von der AU mit zehn Milliarden Dollar ausgestattet werde, um die größtenteils in Schlauchbooten reisenden Personen noch vor dem Betreten der nordafrikanischen Küste notfalls mit Waffengewalt…“

„… als warnendes Beispiel sehe. Südafrika habe durch weiße Besatzer über eine lange Zeit keine politische Stabilität und wirtschaftlich sehr schlechte…“

„… dass die Verbrechensbekämpfung vor großen Herausforderungen stehe. Die lokalen Polizeistationen könnten oftmals ihre Aufgaben bei der Strafverfolgung nur unzureichend wahrnehmen, da die Weißen alle gleich aussähen und sich…“

„… Asylanträge nur noch dann bearbeiten werde, wenn diese noch vor der Überfahrt in einem EU-Land oder einer…“

„… die Abbauhelfer im Uranbergbau eine erhöhte Erkrankungsrate durch mangelnden Gesundheitsschutz beklagten. Die in Niamey zusammengetretene Konferenz wolle daher auf die Einhaltung gesetzlicher Standards dringen, falls sich die Regierungen der EU-Staaten finanziell an den Kosten für die…“

„… nicht in der Gesellschaft akzeptieren würden. Der Parlamentspräsident habe in einer Fernsehdiskussion geäußert, er würde Mario Götze nicht in seiner Nachbarschaft…“

„… eine Anerkennung sich sehr schwierig gestalte. Viele traditionelle Berufe wie Schamane, Ziegenhirt oder Missionar seien in Nordeuropa nicht mit ausreichender…“

„… eine Obergrenze nur dann funktioniere, wenn sich alle afrikanischen Staaten daran hielten, da sonst die Stabilität der Wirtschaft nicht mehr…“

„… der Familiennachzug langfristig die somalische Wirtschaft zerstören werde. Es sei nicht möglich, 82 Millionen Deutsche in der…“

„… sich die Kommunikationsbarrieren nur durch aufwändige Maßnahmen bekämpfen ließen. Die Einwanderer beherrschten zwar meist Englisch und Französisch, das Erlernen einer afroasiatischen Sprache wie Hausa oder Yem scheitere bereits nach wenigen Jahren an der komplexen…“

„… die Rentenkassen der Elfenbeinküste aufgefüllt würden, wenn die Einwanderer sofort einer sozialversicherungspflichtigen…“

„… zu einem Rechtsruck führe. Der Senegal sei an exponierter Stelle, da die Christianisierung durch weiße Einwanderer zu breitem Widerstand im…“

„… bis zu zwei Drittel der Stimmen an die rechtsnationale Präsidentschaftspartei gingen. Ihr Kandidat habe im Wahlkampf versprochen, jeder deutsche Einwanderer müsse einen Mercedes mitbringen, um sich im Land zu…“

„… keinen Asylkompromiss geben könne. Die Gambia wolle ab sofort nur noch muslimische Flüchtlingen…“

„… allein die Kindergeldansprüche der Südeuropäer eine Belastung für den kongolesischen Haushalt darstellten, die zu einer Nettokreditaufnahme von mindestens…“

„… einmalig hundert Personen aufnehmen wolle. Damit sei Algeriens Kapazität jedoch endgültig erschöpft, es werde keine weitere…“

„… oder aber ungezielt Hybridvölker erzeuge. Die Ostafrikanische Gemeinschaft wolle um jeden Preis die Vermischung mit weißhäutigen…“

„… bei der Zentralen Einwanderungsstelle in Brüssel einen Sprachtest in einem afroasiatischen Dialekt absolvieren müsse. Die Prüfung werde abwechselnd von der CEMAC sowie den…“

„… im Schnitt um 20 Punkte niedriger liege als der IQ der Bantu. Tansania werde durch die Geburt vieler weißer Zopfmädchen in spätestens dreihundert Jahren keine…“

„… dass Swasiland Swasiland bleiben müsse. Das Königshaus wünsche keine weiteren…“





Original und Fälschung

16 10 2017

„Können wir die rechte Flanke denn jetzt endlich mal schließen?“ „Wir müssen viel breiter aufgestellt sein!“ „Also mehr Angriffsfläche?“ „Aber die…“ „Wir können keine Toleranzgrenze für Intoleranz tolerieren.“ „Aber eine Obergrenze für…“ „Das ist mir jetzt zu viel.“ „Dann brauchen wir weniger.“ „Toleranz, oder wie jetzt?“

„Wieso wollen Sie denn die Alternative rechts überholen?“ „Wo denn sonst, etwa links?“ „Da ist im Moment wenigstens noch Platz.“ „Aber nicht für uns.“ „Wir dulden keine linken Spinnereien.“ „Und rechte?“ „Solange es nicht unsere eigenen sind, könnten wir uns in der Beziehung tolerant zeigen.“ „Und das heißt?“ „Im Wahlkampf wird doch auch viel gelogen.“ „Sie meinen, die Alternative macht ihre Politik grundsätzlich als Wahlkampf…“ „Sie inszeniert ihn als solchen.“ „… und deshalb müssen wir das auch?“ „Solange wir nicht unsere eigenen Spinnereien hinterher aufgeben müssen, ist das doch tolerierbar, oder?“

„Ich wäre für die maximale Provokation.“ „Wen sollen wir denn provozieren?“ „Die Alternative vermutlich.“ „Die doch nicht, die wissen, dass eine Provokation bloß eine Provokation ist.“ „Aber der Wähler, der weiß das nicht.“ „Deren Wähler oder unserer?“ „Da das dieselben sind, brauchen wir uns darüber keine Gedanken zu machen.“ „Wir müssten eher sehen, wie wir danach die Situation wieder in den Griff kriegen.“ „Das wäre mal eine positive Entwicklung, da gebe ich Ihnen recht.“ „Weil wir uns damit von der Alternative abgrenzen?“ „Weil wir das bisher nicht wirklich konnten.“

„Wir sollten eher herausarbeiten, dass unsere bayerischen Werte denen der Alternative sehr ähneln.“ „Das sehe ich anders.“ „Aber die…“ „Wenn etwas etwas ähnelt, dann ähneln die Werte der Alternative unseren bayerischen Werten.“ „Sie meinen das historisch gesehen?“ „Er meint das eher in Bezug auf die Zukunft.“ „Wo sehen Sie da einen Widerspruch?“ „Wenn man so eine Geschichte hat, wozu braucht man dann…“ „Bleiben Sie mal sachlich, meine Herren!“ „Vielleicht kann man das auf unser politisches Führungspersonal beziehen?“ „Ich sehe da vor allem ungebildete, arrogante Arschlöcher, korruptes Scheißpack und widerliche Stammtischnazis, bei denen ich spontan Brechreiz bekomme.“ „Naja, die Alternative hat auch keine besseren Leute zu bieten.“

„Beispielsweise die Familienpolitik.“ „Was ist mit der?“ „Die muss grundgesetzlich gestaltet werden, damit wir den Ausländern nicht zu viel Geld in den Hintern schieben.“ „Dazu müsste man sie aber wieder nicht grundgesetzlich gestalten.“ „Kann man nicht irgendwie eine Obergrenze für Grundgesetzlichkeit…“ „Aber die…“ „Das hat beim Formelkompromiss auch geklappt, und wenn man die Merkel mit irgendwas wegkriegt, schaffen wir die Alternative auch.“ „Wie, wir haben Merkel rechts überholt?“ „Also bei der Familienpolitik schon.“ „Beziehungsweise ist wieder links an uns vorbeigezogen.“ „Und das war grundgesetzlich so in Ordnung?“ „Wenn man uns überholt, ist das nie in Ordnung, merken Sie sich das!“

„Könnten wir nicht etwas von ihr lernen?“ „Ich verstehe, Sie wollen den politischen Gegner am Ende totkoalieren.“ „Die CSU ist nicht die CDU, merken Sie sich das!“ „Aber die…“ „Genau da sehe ich aber das Problem.“ „Wir müssten sonst auf die Alternative inhaltlich zugehen.“ „Eher eingehen.“ „Wenn wir auf die Alternative zugehen, gehen wir also ein?“ „Das habe ich jetzt nicht gesagt.“ „Wir können uns an die Inhalte inhaltlich…“ „Wie denn auch sonst?“ „Wie gesagt, nicht die CDU!“ „Dann müssen wir uns um Inhalte sowieso keine Sorgen machen, oder was wollten Sie damit sagen?“

„Lassen Sie uns das praktisch durchspielen.“ „Als Provokation oder inhaltlich?“ „Kirchtürme statt Minarette!“ „Wie gesagt, inhaltlich oder als Provokation?“ „Kirchturmpolitik können wir doch viel besser.“ „Mit uns gibt es kein Minarett in den bayerischen Dörfern!“ „Kirchtürme haben wir doch schon, wo wollen Sie da neue bauen?“ „Ohne uns würde es nur noch Minarette…“ „Aber die…“ „Übrigens rechte Flanke: dass die Alternative den Anschein erwecken will, sie sei die bessere CSU, das können wir aber auch nicht dulden.“ „Da brauchen wir eine Toleranzuntergrenze.“ „Aber die…“ „Der Wähler wird das denen nie durchgehen lassen.“ „Stimmt, weil er Original und Fälschung unterscheiden kann?“ „Die Alternative jedenfalls versucht wie eine bürgerliche Partei zu wirken – das können wir aber besser!“ „Wie eine bürgerliche Partei wirken?“ „Jetzt machen Sie es doch nicht komplizierter, als es nicht ist!“ „Die Alternative hat doch bisher immer versagt.“ „Und das können wir auch besser?“ „Also jetzt wird’s langsam komisch.“ „Finde ich gar nicht.“ „Wir können uns nicht ständig mit dieser Partei messen, die ist in ein paar Jahren weg vom Fenster.“ „Dann können wir von denen vielleicht noch etwas lernen.“

„Können wir uns jetzt doch auf etwas einigen?“ „Müssen wir?“ „Sollten wir schon.“ „Man könnte jetzt nach außen kommunizieren, dass die Sozen die Alternative groß gemacht haben.“ „Aber die…“ „Und wenn es sie nicht geben würde, dann müssten wir nicht so sein.“ „Wie die Sozen?“ „Das macht schon die Kanzlerin.“ „Weshalb wir auch nicht sein wollen wie die CDU.“ „Weil die Sozen wie die CDU ist.“ „Eher umgekehrt.“ „Da soll noch einer durchblicken!“ „Gut, dann haben wir’s jetzt?“ „Sagen Sie das der Presse: die Christsozialen lassen sich nicht von kurzfristigen politischen Ideen beeinflussen. Wir bleiben eigenständig.“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCLXIV)

14 10 2017

Wenn Péter beim Rodeln in Theiß
zu weit fährt, gerät er aufs Eis.
Das knackt zwar gefährlich,
doch stört ihn das ehrlich
gesagt nicht. Er sieht eh nur Weiß.

Gualberto in Pedra de Lume
hat Rasen, jedoch keine Blume.
Er wässert und schneidet’s,
das Gras stumm erleidet’s
und zieht sich zurück in die Krume.

Lässt Éva in Lederergraben
die Pferdchen gemächlicher traben,
wird’s für sie gemütlich,
sie tun sich dann gütlich
am Gras und an anderen Gaben.

Zulaikha, die Hirtin in Fuheis
spricht: „Dass ich besonders die Kuh preis,
liegt nicht an der Leistung,
sie produziert meist Dung,
ansonsten macht sie im Stall ‚Muh‘ leis.“

Aletta begrenzte in Pahl
und hämmerte Pfahl ein um Pfahl
ein Stück Land als Weide.
Sie traf alle beide –
die Daumen. Sie hat zwei zur Wahl.

Lorenzo in Puerto Tirol
holt eine Gitarre vom Zoll.
Den Deckel dann lupft er,
enttäuscht aber zupft er –
das Instrument spielt nur in Moll.

Als Tibor beim Sägen in Naane
vom Ast fiel der alten Platane,
stand unten sein Laster.
Den Boden verpasst er,
er fiel nur hinab auf die Plane.





42

13 10 2017

Freitagstexter

Wenn schon eine Antwort, dann die Antwort auf alle Fragen. Dauert etwas, ist aber einigermaßen erschöpfend. Wie beispielsweise so ein Freitagstexter, bei dem auch keine Fragen offen bleiben. Herzlich willkommen!

Die Taube als Kulturfolgerin, Symbol von Frieden, drohender Fassadenerneuerung und innerstädtischem Flächenbewuchs, wie sie Anhoras Bild zeigte, bot dann doch eine reiche Auswahl an Antwortmöglichkeiten. Dass ausgerechnet eine im Sektor Feinwaschmittel gewonnen hat? Vermutlich Federlesens, wer weiß das schon.

Unser traditionsbehafteter Blogringelreihen hat so oft neue Kreise erschlossen, auch diesmal wird wieder der eine, die andere hereinschauen, um sich zum ersten Mal mit einem Beitrag zu beteiligen. In den (un)geschriebenen Regeln des Wortmischers findet sich nichts, was dem entgegenstünde. Es sind alle gereimten und ungereimten, ernsten und (halb) lustigen, philosophischen, betriebswirtschaftlich sinnlosen oder kunsthistorisch irrelevanten Beiträge gleichermaßen erwünscht, auch die ohne Bezug zur Geschichte Panamas. Kuchen muss auch keiner darin vorkommen. Wir sind ja unter uns.

Bis Dienstag, den 17. Oktober 2017 um 23:59 Uhr wird gewartet, dann fällt die Tür ins Schloss und wir – Hildegard, Bismarck und ich – leeren den Pokal auf das kleine Teebrett, um den Siegerbeitrag zu ermitteln. Es wird keine offenen Fragen mehr geben.

Bei dem von mir so geschätzten James Vaughan (CC BY-NC-SA 2.0) gab es diesmal eine Kopfnuss. Knacken wir’s. Klick macht, wie immer, groß.