Public Shaming

24 08 2017

„… wolle die Regierung Hassbotschaften im Internet nicht weiter hinnehmen. Es sei angedacht, die Verfasser durch eine spezielle Datenbank, die auf Anfrage auch von Medien und privaten…“

„… in der Bundesrepublik umsetzbar seien, wenn die Justiz Warnschussarrest und Prügelstrafe nicht als einzige Möglichkeiten einer…“

„… nicht wüssten, wie ihre Nachbarn hießen, ob sie einen Migrationshintergrund besäßen oder wie viele Personen sich dauerhaft in ihrem Haushalt aufhielten. Das Bedürfnis der Bürger nach mehr Information über ihre angrenzenden Bewohner sei also gar nicht hoch genug zu…“

„… eine genaue Grenze ziehen müsse zwischen justiziabler Beleidigung und Meinungsäußerung, welche zwar als solche auch dem Ermessen eines Seitenbetreibers unterliege, strafrechtlich aber nur unter ganz bestimmten…“

„… nicht die Schule schwänzten, würden sie rechtzeitig durch einen amtlichen Aushang beim kommunalen Blockbevollmächtigten von den Folgen ihres widerrechtlichen Tuns in Kenntnis gesetzt. So bleibe den Behörden nur die…“

„… den Kompromissvorschlag einiger Internet-Konzerne unter der Führung von Facebook sehr genau prüfen wolle. So sei noch nicht hinreichend geklärt, ob die Auszeichnung mit einem roten Punkt die eindeutig kontroverse Äußerung im Sinne des verfassungsrechtlichen…“

„… Betrug nicht als veröffentlichungswürdiges Delikt gewertet werde, es sei denn, es halte sich um Verdachtsfälle, die im Rahmen einer Sozialleistung in den…“

„… im Gegensatz dazu die rechtskräftige Verurteilung wegen eines Vermögensdeliktes nur auf Antrag bekannt gegeben werden dürfe. Da Ermittlungen oder ein laufendes Verfahren gegen Mitglieder von Parteien, die in Bund, Ländern und Gemeinden in den…“

„… die juristische Bewertung der Kommentare nicht der Mehrheitsmeinung überlassen wolle. Facebook habe vielmehr beabsichtigt, Anwälte aus Neuseeland, Tansania, Saudi-Arabien und der Demokratischen Volksrepublik…“

„… auch Steuerhinterziehung nur dann der Öffentlichkeit publik gemacht werden dürfe, wenn eine dreistellige Millionensumme im…“

„… könne man die Einstufung auch durch ein Ampelsystem mit Punkten ermitteln. Es sei daher erforderlich, die jeweils relevanten Werte für eine Beleidigung, Verleumdung oder Volksverhetzung in einen Algorithmus zu…“

„… die gesamte bayerische Landesregierung Verfassungsbeschwerde eingelegt habe. Noch sei zwar kein Strafverfahren gegen…“

„… die einer Bundes- oder Landesregierung angehört hätten. So sei die straflose Beschäftigung im …“

„… gelte auch für Holocaustleugner. So wolle Facebook nach einer rechtskräftigen Verurteilung wie bei allen anderen potenziellen Straftätern die Persönlichkeitsrechte, zu denen natürlich auch die theoretische Unschuldsvermutung…“

„… die üblichen Forderungen nach drastischen Erhöhungen der Freiheitsstrafen diesmal ausbleiben würden. Der Innenminister habe die Polizei darauf eingestimmt, die öffentliche Zurschaustellung der mutmaßlichen Verdächtigen eigenhändig in den…“

„… das Einhalten von Normen nicht nur von Demonstranten bei der Inanspruchnahme von verfassungsmäßig garantierten Rechten fordere. Die Polizei sei jedoch größtenteils intellektuell zu sehr von den Erfordernissen eines regierungsseitig…“

„… auf vielen Seiten. Daher werde ab sofort bei einer berechtigten Meldung, die zu einer Sperrung der betreffenden Seite sowie zur Weiterleitung der Daten an die Staatsanwaltschaft führe, auch der meldende Account wegen vorsätzlichem…“

„… könne Public Shaming im großstädtischen Bereich durchaus zu einem sozial akzeptierten Event werden, das die…“

„… sich ein starkes Gemeinschaftsgefühl unter den Rechtsradikalen entwickle, wenn Verfahren gegen Hasskommentare zwar angestrebt würden, aber regelmäßig ins Leere liefen. Facebook halte dies allerdings für eine gute Entwicklung, da es zu einer Entwicklung von starkem…“

„… nicht gutheiße. Andererseits sei der sich entwickelnde Volksfestcharakter der Anprangerung ein gerade im Osten erfreulicherweise als…“

„… nicht offenlegen wolle. Ein Algorithmus, der zielgruppenspezifische Werbeanzeigen für rechtsradikale Straftäter steuere, sei ein für die strategische Planung des Unternehmens derart wichtiges Projekt, dass strafrechtliche Ermittlungen nur mit Einwilligung des…“

„… private Daten im Internet nicht veröffentlicht werden dürften. Das Justizministerium sei sich sicher, dass durch den Datenschutz die meisten Straftaten bereits im Keim…“

„… eine Folge der personellen Unterbesetzung sei. Aus arbeitsökonomischen Gründen müsse man vereinzelte Offenlegungen von privaten Daten rechtsradikaler Straftäter schnellstmöglich aus dem Internet entfernen, während die Publikationen der Nationaldemokraten und entsprechender Verbände schon auf Grund ihres Listencharakters keine…“

„… die sozialen Medien gewohnte Standards umsetzen wollten. So dürfe man rechtsradikale Straftäter erst dann melden, wenn sie mehrmals auf Bildern identifiziert worden seien, die aus stark unterschiedlichen Perspektiven oder zumindest…“

„… alle Mitglieder der CSU sowieso ihre Familien, Freunde und Bekannte dritten Grades unter gesetzliche Immunität stellen müsse, da sonst das öffentliche Leben in Bayern sofort…“





Vollbremse

23 08 2017

„Kennzahlen haben wir gerade keine, aber ich kann Ihnen zusichern, Deutschland ist auf einem sehr guten Weg. Ja, das hat die Kanzlerin uns selbst noch gesagt, ich weiß gar nicht mehr, wann das war, aber von uns war sowieso keiner dabei, darum müssen Sie mir das einfach mal glauben. Ist ja eh Wahlkampf, nicht wahr?

Natürlich nehmen wir das mit der Demokratie sehr ernst. Wir sind immer für den Föderalismus, auch dann, wenn es mal nicht den Bund betrifft. Da dürfen die Länder und Gemeinden gerne auch mal ihre eigenen Vorstellungen entwickeln. Es soll da vereinzelt Unternehmen geben, die sehen sich trotz guter Konjunktur schlechter als vor drei Jahren. Wir hatten es vor der Wahl schon gesagt: für die Konjunktur können wir nichts. Aber wir sind trotz allem lernfähig, und deshalb sagen wir heute das Gegenteil dessen, was wir, und das sage ich aus tiefster Überzeugung, damals natürlich auch auf einer sehr guten argumentativen Basis… wo war ich? Ach so, ja.

Das sehen Sie an Dingen wie Reaktorlaufzeiten oder Pkw-Maut oder Wehrpflicht, die Kanzlerin ist sich da treu, weil sie sich ändert.

Man muss das den Wählern anders beibringen, anders als noch vor fünfzig Jahren. Damals hatten wir den Russen, der stand irgendwo in der Zone und wollte uns mit der Planwirtschaft fertigmachen, aber wir hatten auch Coca-Cola und Pershings, und da machte die Sache so einfach. Keine Coca-Cola, kein Fortschritt. Jetzt hat der Russe das Gas, da müssen wir mit einer breiteren Argumentation auf die Wähler zugehen, da wir sonst auf eine Vielzahl schlüssiger Einwände reduziert werden könnten, so wahlkampftechnisch gesehen. Wir haben uns mit den Fachkräften aus dem Innenministerium und den anderen ungeschulten Helfern im Kanzleramt auf eine dreiteilige Taktik geeinigt. Angst, Unsicherheit, Zweifel.

Mal so ganz direkt gefragt, wollen Sie in einem Deutschland leben, in dem Ihr Nachbar Ausländer ist und ein Elektroauto fährt? Ah, tun Sie schon. Wenn Sie mir vorher verraten hätten, dass Sie Unternehmer sind, hätte ich natürlich… ach, egal.

Nein, Sie müssen das mal aus der Perspektive Ihrer Angestellten… woher soll ich denn wissen, wie Sie Ihre Angestellten bezahlen? Gut, also der durchschnittliche Wähler, aber nicht vorbestraft. Der fragt sich natürlich: woher kriegt der da nur ein Luxusauto, der ist doch gar nicht integriert, sieht man doch an der Hautfarbe? Das hat mit Neid nichts zu tun, das ist ganz einfach die Einstellung für ein Deutschland, in dem erstmal dieser Wähler gut und gerne leben möchte, und dann schauen wir mal weiter, klar!? Das ist doch legitim, dass man den Ehrgeiz erstmal für sich selbst produktiv macht, oder sehe ich das so falsch?

Wir arbeiten hier in einer konzertierten Aktion. Das mit den Elektroautos haben wir gemacht, damit die FDP denkt, wir wollen die Grünen ärgern, und das mit dem Breitbandausbau machen wir, damit die Grünen denken, wir wollen der FDP vors Knie treten. Unsere Kanzlerin ist da strategisch äußerst flexibel aufgestellt, sie ist für Koalitionen mit allen zu haben, zeigt es aber keinem. Wenigstens nicht vor der Wahl.

Sie müssen das konzentriert, nein: konzertiert zusammendenken, wir wollen das Elektroauto doch nur als Motivation für die Bevölkerung. Wenn wir da die Vollbremse in Brüssel machen, dann haben wir möglicherweise in ein paar Jahren Wähler, die sehr zufrieden sind, weil die Kanzlerin sich in einem Akt plötzlicher Meinungsvergessenheit total um sich selbst dreht und alles wegdieselt, was vorher noch nach Autoindustrie aussah. Man muss mit der Wirkung von Angst, Unsicherheit und Zweifel arbeiten, dann kriegt man die Wähler auch auf seine Seite.

Wieso wir dann so hohe Subventionen an die Industrie zahlen? Ich habe gerade keine Ahnung, worauf Sie sich beziehen.

Aber wenigstens wirkt es. Die Industrie ist mit der Arbeit der Bundesregierung so unzufrieden, die wollen glatt den Breitbandausbau selbst stemmen, weil sie wissen, dass sie nach noch mal vier Jahren Dobrindt international endgültig am Arsch sind. Angst, Unsicherheit, Zweifel. Wenn wir nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in die Tonne treten, dann entwickelt sich hier eine Art sozioökonomischer Widerstand, verstehen Sie? Das ist eine Art Hartz IV für die Großkonzerne – Fordern, Fordern, Fordern, und irgendwann fangen die an, sich selbst zu fördern. Wir werden blühende Landschaften haben, Windparks, Solaranlagen, Stromautos, Gewerkschaften – und dann machen wir das Netz mit den Ladestationen kaputt, weil das mit irgendwelchen Wohnraumförderungen nicht mehr hinhaut, wenn vor jeder zehnten Haustür eine Stromzapfsäule stehen muss, und dann haben wir lauter Elektroautos und keinen Strom dafür, und dann sind die Dieselfahrer wieder glücklich, und die Grünen, und die FDP, und die… –

Klar bedeutet das Stillstand. Das haben wir nie geleugnet. Aber dann erklären Sie mir mal: wie soll man denn ohne ausreichend langen Stillstand den Wählern erklären, dass es in den nächsten vier Jahren aber endlich mal Bewegung gibt!?“





Hinnere Sicherheit

22 08 2017

„… aus der Europäischen Union austreten wolle. Söder habe angekündigt, im Falle einer Übernahme der Amtsgeschäfte den Freistaat sofort aus der…“

„… ob die CSU ihre Entscheidung durch eine Volksabstimmung legitimieren lassen wolle. Die Landesregierung habe den Eindruck, den Willen der Wähler auch ohne eine vorherige…“

„… dass die Umwandlung Bayerns in eine Erbmonarchie zwar derzeit nicht zur Debatte stehe, im Umfeld des Heimatministers aber auf ein sehr wohlwollendes…“

„… von falschen Voraussetzungen ausgegangen sei. Zwar wolle Bayern die EU verlassen, der Verbleib in der Bundesrepublik Deutschland stehe aber weder jetzt noch in Zukunft ernstlich zur…“

„… das Nordbayerische als offizielle Sprache in die Landesverfassung aufnehmen werde. Da sich nach dem Austritt die CSU nicht mehr an die diktatorischen Regeln der Sprachpolitik gebunden fühle, werde sie ab sofort eine sehr viel…“

„… für eine einfache Lösung sei. Seehofer werde die EU-Außengrenze um Bayern auch künftig bis zur letzten Patrone…“

„… die Spieler des 1. FC Bayern München mit dem Diplomatenstatus ausgestattet werden könnte, um die Einreiseformalitäten wesentlich zu…“

„… bessere Luft-, Wasser- und Bodenqualität gewährleisten könne. Da nach den angekündigten Grenzkontrollen und der Maut für EU-Autos die bayerischen Autobahnen nur noch von den Einwohnern befahren würden, sei eine Reduzierung der Feinstaubwerte zu erwarten, die weit unter…“

„… als Einwanderungsland angesehen werde. Alle EU-Bürger, wozu auch alle Deutschen zählten, die außerhalb Bayerns lebten, müssten sich sofort aus dem…“

„… analog zur Übergangszollunion auch eine gemeinsame Währung beibehalten würde, die aber nur nach einem einseitig von Söder bestimmten Wechselkurs…“

„… immer noch der Bundesrepublik angehöre, folglich den Euro-Raum nicht verlassen werde. Eine mit der EZB abgestimmte Zins- und Währungspolitik lehne der blockfreie Staat aber…“

„… noch einmal bekräftigt, dass es keine Obergrenzen mehr geben dürfe. Für Seehofer heiße dies, dass ausnahmslos alle Nicht-Bayern sofort aus dem Gebiet des Freistaates…“

„… offen damit gedroht habe, als Teil der Bundesregierung sofort wieder die Deutsche Mark als gesetzliches Zahlungsmittel in der ganzen…“

„… durchgerechnet habe. Die Einfuhrzölle würden dazu führen, dass bayerisches Bier einen Literpreis von bis zu 58 Euro und einen Steuersatz von mindestens…“

„… die Tschechische Republik gewarnt habe, die EU-Außengrenze zwischen Trojmezí und dem Pleckensteiner Wald militärisch zu besetzen. Verteidigungsminister Stropnický habe dies in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den bundesdeutschen Stellen in Berlin und…“

„… das Abwandern von Industriebetrieben nach Baden-Württemberg in der Presse viel zu negativ dargestellt werde. Seehofer sei im Gegenteil sehr erfreut, dass sich nun ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen viele neue für Kultur und Freizeit geeignete Areale inmitten der idyllischen…“

„… beklage Herrmann die Ankündigungen der Europäischen Union, Bayern bei der internationalen Verbrechensbekämpfung künftig nicht mehr in vollem Umfange zu unterstützen. Daraus erwachse für den Freistaat eine noch hinnere Sicherheit, die sich katastrophal auf die Wahlergebnisse für die…“

„… die Bayerischen Motoren Werke keine ausländischen Kredite mehr bekomme. Es finde sich kein Investor, der auf der neu gegründeten Bayerischen National-Bank mehr als die…“

„… möglich sei, dass Flüchtlinge über den Bayerischen Wald in das tschechische Grenzgebiet eindrängen. Sollten diese über den Luftweg nach Bayern gelangt sein, so würde ihr Eintritt in den Schengenraum automatisch zu einem Asylverfahren nach den Regeln des…“

„… damit begründet habe, dass die Einpendler nun der bayerischen Wirtschaft nicht mehr zur Verfügung stünden. Kommissionspräsident Juncker habe Seehofer dagegen zu verstehen gegeben, dass angesichts der rapiden Deindustrialisierung des Freistaates eine Vermehrung der Bevölkerung um mehrere Tausend Personen täglich nicht mit den…“

„… dass die EU nicht auf bayerische Produkte verzichten könne und daher den Forderungen der CSU ohne weitere Bedingungen…“

„… möglicherweise zu einem Geschäft für den Freistaat Bayern entwickeln könnte. Finanzminister Söder sei nach wie vor nicht bereit, Bankgeschäfte wie in Luxemburg zuzulassen, zeige sich aber recht aufgeschlossen, wenn der internationale Tourismus sich mit einer neuen Facette des…“

„… von der Europäischen Union ein sofortiges Verkaufsverbot von tschechischem Bier verlange. Andernfalls drohe Söder mit einem Handelskrieg, der weit über die Grenzen des…“

„… im Erdinger Moos zahlreiche günstig gelegene Baugrundstücke veräußert habe. Diese seien für eine gut zehn Quadratkilometer große Containersiedlung mit Shuttle-Anbindung an den Flughafen der perfekte…“

„… die auf dem Starnberger See aufgebracht worden seien. Die Identitären unter der Leitung des Österreichers Sellner hätten die Rettungsaktion für ein flüchtlingsfreies Bayern mit einem Fischkutter, dessen Fäkalienbehälter nach dem Durchrosten direkt in den Tank des…“





Maximale Distanz

21 08 2017

„Jetzt müssten sich aber alle Hessen distanzieren.“ „Und die Veganer.“ „Wieso denn die Veganer?“ „Wieso die Hessen?“

„So ein schlimmes Attentat – und der Täter hat ja die letzten zehn Jahre in Hessen gewohnt.“ „Er soll aber in Niedersachsen gearbeitet haben.“ „Das macht es nicht besser.“ „Könnten wir dann von den Niedersachsen nicht eine Art von Teildistanzierung verlangen?“ „Wie soll das denn gehen?“ „Moment mal, Sie wollen von allen Hessen…“ „Das habe ich so nicht gesagt!“ „Doch.“ „Ja, aber ich habe das nicht so gemeint.“ „Weil Sie wussten, dass das Unsinn ist und nicht im Ansatz zu realisieren.“ „Ja, aber das wissen doch die Hessen nicht.“

„Was ist eigentlich das Besondere an einem Attentäter, wenn er Hesse ist?“ „Ich habe nichts gegen Hessen.“ „Ich weiß, das haben Sie auch gar nicht gesagt.“ „Habe ich auch nicht!“ „Nein, nicht so.“ „Wie denn dann?“ „Ach, nichts.“ „Sie wollten wissen, ob das etwas Besonderes ist, wenn der Attentäter aus Hessen kommt.“ „Und, ist es das?“ „Sie unterstellen mir eine allgemein gegen Hessen gerichtete Haltung.“ „Nein, ich stelle sie höchstens fest.“ „Das ist doch dasselbe!“ „Eben nicht. Zu einer Feststellung bedarf es nun mal den tatsächlich bestehenden Sachverhalt, in diesem Fall eben, dass Sie gegen alle Hessen eingestellt sind, und zwar vollkommen ohne Berücksichtigung anderer Umstände.“ „Haben Sie noch nie etwas gegen einen Hessen gehabt?“ „Was ist das für eine…“ „Sie haben doch wohl schon mal etwas gegen jemanden gehabt?“ „… bekloppte Frage?“ „Wollen Sie mir jetzt ernsthaft erklären, Sie hatten in Ihrem ganzen Leben noch nie eine ernsthafte Auseinandersetzung mit jemandem? Sie lügen!“ „Das ist eine komplett am Thema vorbeigehende Unterstellung.“ „Das wird ja immer schöner – erst lügen Sie mir hier derart plump ins Gesicht, und dann nennen Sie das eine Unterstellung?“ „Was haben Sie eigentlich gegen Hessen?“ „Gar nichts. Ich habe etwas gegen Attentäter, aber Sie als Gutmenschenarschloch, Sie würden sich das wahrscheinlich noch wünschen, dass alle von hessischen Attentätern umgelegt werden!“ „Haben Sie die Medikamentenausgabe verpasst?“ „Von hessischen Attentätern! Sie nehmen die doch sogar in Schutz, das machen linke Scheißgutmenschen wie Sie!“ „Weiß Ihr Pfleger, dass Sie ohne seine Erlaubnis hier im Stadtpark spazieren gehen?“ „Jetzt werden Sie mal nicht komisch, junger Freund!“

„Sie waren noch nie in Hessen.“ „Was soll ich denn in Hessen? Mr geht’s hier gut, ich habe meine Arbeit, eine schöne Zwei-Zimmer-Wohnung, mit Balkon und Garage, ich kann alle paar Wochen mal meine Kinder sehen, und ich habe viele Freunde.“ „Was Sie nicht sagen.“ „Die kommen von überall her. Von überall!“ „Ach.“ „Meine Nachbarn sind nämlich ursprünglich vom Unterlauf der Ulster, wissen Sie, Kohlbachtal.“ „Kenne ich, das ist ganz dicht an der Grenze zu…“ „Das ist noch nicht Hessen, das ist Thüringen! Das sind noch über drei Kilometer bis zur Grenze! Und das war auch schon immer thüringisches Land, klar!?“ „Und Sie waren auch schon da?“ „Hören Sie mir überhaupt zu? Ich habe keinerlei Veranlassung, zu diesen…“ „Im Kohlbachtal. In Thüringen.“ „Nein, aber ich habe Nachbarn, die kommen da her.“ „Und deshalb fahren Sie nicht mehr ins Kohlbachtal.“ „Sind Sie irgendwie geistig behindert, oder warum kriegen Sie überhaupt nichts mehr mit?“ „Halten Sie es für möglich, dass Ihre Nachbarn mal nach Hessen gefahren sind?“ „Das kann ich mir nicht vorstellen.“ „Warum denn nicht?“ „Das sind ganz normale Leute. Keiner von denen würde einen Anschlag planen. Und im Kohlbachtal ist es doch schön.“ „Deshalb wohnen die jetzt auch in Ihrer Nachbarschaft, richtig?“

„Haben Sie eigentlich gelesen, der hat immer freundlich gegrüßt.“ „Vielleicht macht man da in Hessen so.“ „Der muss doch damals schon etwas im Schilde geführt haben – und dann hat er sich irgendwann gedacht, ich lasse mir jetzt einfach nichts mehr anmerken, dann ahnt keiner etwas von meinen Anschlagsplänen.“ „Das klingt plausibel.“ „Die typische Verschlagenheit, wie man sie bei den Hessen kennt.“ „Nur leider falsch, ich habe mir das eben gerade erst ausgedacht.“ „Aha, und mit diesem Märchen wollten Sie mich aufs Glatteis führen? Sie denken sich irgendwelche Tatbestände aus und wollen damit Verunsicherung schüren? Das sieht Ihnen als typischem Gutmenschen mal wieder sehr ähnlich. Sie denken sich diese ganzen Lügen aus und füttern damit die Presse, die dann kein Wort mehr über die Wahrheit verliert, über die Sie nicht mehr berichten wollen!“ „Meine Güte, sind Sie lächerlich…“ „Mit Ihren ausgedachten Geschichten wollen Sie die Öffentlichkeit manipulieren, und dann wundern Sie sich, wenn das Volk, das sich diese Verräter, wie Sie einer sind, dass sich das Volk diese linksfaschistischen Methoden nicht mehr gefallen lässt, und dann werden wir ja sehen, was mit Euch Volksschädlingen, jawohl, Du bist ein Volksschädling, und ich werde Dir jetzt die…“ „Ihre Mutter wohnt noch in Hessen, richtig?“ „Aber…“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCLVI)

19 08 2017

Otilia versuchte in Bodeln
trotz spärlichen Schnees, sich beim Rodeln
mit hölzernem Schlitten
zu halten. Inmitten
der Abfahrt begann sie zu jodeln.

Hachim schaufelt Heu in Thiès.
„Wenn ich diese Ballen nun press
mit Kraft und mit Mühe,
erwarten die Kühe,
dass ich sie zum Schluss selber fress.“

Iolanda kommt sonntags in Netz
zur Messe. „Wenn ich mich nun setz
bei Schwestern und Tanten
und andern Verwandten,
gibt’s wieder ein schlimmes Geschwätz.“

Scharawyn geht in Tosontsengel
mit Tüten durchs dichte Gedrängel.
Bald fallen die Waren.
Mit mildem Gebaren
hebt er sie auf als Unschuldsengel.

Zsolt fummelt gefährlich in Klitz
mit Drähten herum in dem Schlitz
des Brotröstgerätes.
Ein doch ziemlich spätes
Getöse kommt, sowie ein Blitz.

Zvi putzt in der Kneipe in Gisch
tagtäglich Bank, Stühle und Tisch.
„Wie oft ich auch lüfte,
es ziehen die Düfte
der Küche durchs Haus – und der Fisch.“

Grigore grillt fleißig in Eisch,
meist Mais und Fisch, doch niemals Fleisch.
Ihn ärgern nicht Schnitzel
noch die Grillrostspitzel,
ihn stört nur das Nachbargekreisch.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXXXIII): Boulevardmagazine

18 08 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wahrscheinlich war die dritte Zweitfrau von Rrt schuld. Sie war dumm, hatte aber bemerkenswert dreidimensionale Fettreserven – dem damaligen Schönheitsideal lief das nicht gerade entgegen – sowie den unerschütterlichen Drang, sich vor der Siedlergemeinschaft an der westlichen Wand zu blamieren. In jeder Höhle wurde ihr Geschwabber zum allfälligen Tagesgespräch. Was sie aus den Resten einer Säbelzahnziege an Schurz und Röcken schwiemelte, fand zunächst keiner statthaft, der sich mit ihrer beruflichen Tätigkeit beschäftigte, die zu regem Kontakt mit halb unbekannten Hominiden aus dem Umland führen musste, und doch wurde der Fummel mit allerlei Applikation von Knochen und Gehörn nachgeahmt, verfeinert und schließlich, wenn das noch möglich sein sollte, proletarisiert. Auch heute sollte uns dies Interesse nicht zu sehr verwundern, haben wir doch einen florierenden Medienzweig geschaffen, dem Nullinformation aus dieser Richtung ein gutes Auskommen macht. Die Boulevardmagazine beleben den Schlamm, der sich unter der Gesellschaft wälzt.

Zunächst interessiert sich derlei grell bedrucktes Zeugs für den Klatsch intellektueller Heckenpenner, wie sie auf Sozialentzug vegetieren und sich nicht um die faktischen Zusammenhänge kümmern. Im Gegenzug sind es wieder diese Parallelexistenzen, denen man mit etwas zusammengekratztem Schrott das bisschen Wartezeit vor der Endablagerung zu verkürzen versucht, die moralfrei abgerissenen Jahre zwischen Hirnverlust und Biomasse. Wer da Glamour schwitzt, Glitzer und Lärm, der taugt automatisch zum Vorbild der Kriecher, und sei es ein epochenübergreifend degenerierter Adelszweig, dessen Blödheit langsam zum Markenzeichen wird. Gerne gesehen sind Filmgrößen, ab und zu die trällernde Zunft, ansonsten speist sich das aus niederschwelligen Angeboten der grassierenden Hirnkirmes, dümmliche Dödel im steten Kampf um die größtmögliche Beknacktheit, die mit klinischen Mitteln nachzuweisen ist. Natürlich interessiert den Deppen in erster Linie der Phänotyp, gründlich misslungene Diäten, schlampiger Hautschmuck auf welker Epidermis, völlig verseifter Nachwuchs, das Armageddon der Oberbekleidung in zu kleinen Größen bei künstlicher Beleuchtung. Wer könnte es den Nachtjacken verdenken, das ärmliche Theater der angeblich wichtigen Gartenzwerge für voll zu nehmen. Wer täte das schon. Und warum.

Die kognitiv naturbelassene Schicht, die ihre Bildung auf ebendiesem Pflaster bezogen hat und seltener in möblierten Räumen, sie braucht einen Anlass, nach oben zu blicken, und was ist von dort aus nicht alles oben. Nicht viel bleibt vom Gewölle in Hirnhöhe, was nicht durch niederste Instinkte motiviert wäre, Guck-, Juck- und Spuckreiz, eine von Fettfingern gründlich begriffelte Mangelmoral, da sie die zu Ikonen lackierten Wassersuppenkasper auch nur braucht, um sie auf sein erbärmliches Niveau herunterzuzerren. Was sich als artifiziell aufgepumptes Wunschbild hat an die Wand nageln lassen, wird phasenweise verehrt und mit Biomasse beschmissen, teils auch simultan, denn nichts braucht ein adipöser, schielender Knalldepp so sehr wie den millionenschweren Promi, den er als adipösen, schielenden Knalldeppen entlarven kann, und sei es nur in seiner schmutzigen Vorstellung, die das auf Halbwahrheiten abonnierte Schmierblatt zum Vorzugspreis liefert. Sie zerren uns die Idole wieder zurück in den Staub, zeigen Orangenhaut und Plattfüße, als sei der gemeine Filmstar alterslos ohne regelmäßig reingedrücktes Nachfüllpack aus der Änderungsfleischerei.

Wer behauptet, es ginge den Sternchen auf die Plomben, für die Fotografen immerzu heile Welt zu mimen, der weiß nichts von deren schlechthinniger Abhängigkeit zu Wille und Zwangsvorstellung. Nichts ist ihnen verhasster als die ewig dienernde Menge, mit einer Ausnahme: die amorphe Masse, die sie ignoriert, weil sie sich das mühsam auf Gesicht geschminkte Epithel einfach nicht merken kann. Dies Spiel kennt keine Gewinner, höchstens den, der die Schmonzetten turnusmäßig mit hanebüchenem Quark bestückt, kein Gericht und keinen Geschmack fürchtet und sowieso einen allgemeinen Hass auf die Menschheit hegt, weil er sonst nicht so planmäßig an ihrer kompletten Vertrottelung mitarbeiten könnte.

Noch immer kauft sich der Dummbatz die Heftchen, Woche für Woche, und ist für Schläge auch nicht davon abzubringen, denn was wäre er ohne plumpe Flunkereien, die er am Wasserloch bereitwillig als Früchte seiner eigenen Narrheit zum Besten gibt. Lassen wir sie in ihrem Geblubber allein, keiner wird ihre Fabulierexzesse ernst nehmen, geschweige denn sie weitertragen. Und sollte es wirklich, wirklich einmal den geistig noch halbwegs gesunden Zeitgenossen nach Schmadder unterster Kajüte gelüsten: der Gang zum Zahnarzt steht jedem frei. Wenigstens ins Wartezimmer.





Im Auge des Betrachters

17 08 2017

„Der Verband wollte das so.“ Die junge Dame an der Fleischtheke unterdrückte ein Würgen, bevor sie sich umdrehte und schleunigst in Richtung Ausgang verschwand. Den Einkaufswagen ließ sie stehen. „Schade“, murmelte Kennichkeit, „aber wir kriegen das ersetzt. Hoffentlich.“

Mir war ein wenig flau im Magen, aber das lag wohl daran, dass ich schon seit einer Viertelstunde – anders als Kennichkeit, der seit drei Jahren in dieser Filiale arbeitete – diese Filmschleife sehen musste. Ein Kälbchen wurde in den Schlachthof geführt, vielmehr: mit Gewalt getrieben, nach einer halben Minute wurde das, was übrig geblieben war, fachgerecht zerlegt und unter Schutzatmosphäre in Plastikschalen verpackt. „Absolut hygienisch“, schwärmte der Fachmann, „wir könnten damit jeden Preis gewinnen.“ Direkt neben dem kleinen Bildschirm verkündete eine Tafel Hackfleisch im Sonderangebot. „Ist das nicht ein bisschen krank?“ Kennichkeit lächelte. „Ich bitte Sie – wachsen denn Ihre Schnitzel im Balkonkasten?“

Müßig zu sagen, wie das Eierregal ausgestattet war. Neurotische Hühner pickten sich gegenseitig die Schnäbel blutig, eingepfercht in dreckige Käfige aus scharfkantigem Metall. Zwischendurch sah man Mastgeflügel als gackernden Mahlstrom durch die Freilaufzonen treiben. „Das muss man natürlich auch sauber halten“, erklärte mein Begleiter. „Wenn Sie da nicht alles ausprobieren – aber sonst kann man die Preise von elf Cent im Einzelhandel nicht gewährleisten.“ Auch hier im Supermarkt wurde offensichtlich gespart; dieselben Aufnahmen liefen an der Kühltheke mit abgepackten Hühnerbeinen. „So versteht der Verbraucher die Zusammenhänge besser“, erklärte Kennichkeit. „Zumindest hoffen wir, dass er sie irgendwann bemerkt.“ Ich blickte angestrengt auf den Monitor in Augenhöhe. „Und Sie meinen, dass sich die Kunden überhaupt die Schockfilme ansehen?“ Er nickte. „Schauen Sie mal nach oben – genau da.“ Ich bemerkte die Kamera knapp unter der Hallendecke. „Blickerfassung. Wenn Sie nicht lange genug hingeguckt oder dabei die Augen geschlossen haben, dann öffnet sich die Kühltruhe nicht. Wir setzen schon auf zunehmende Messwerte, sonst hätten wir den Versuch nicht branchenintern so angekündigt. Aber kommen Sie, ich möchte Ihnen gerne ein paar überraschende Dinge zeigen.“

Der Gang ans Schokoladenregal erforderte hohe Konzentration. Drei Dutzend Marken mit einer schier unübersichtlichen Anzahl an Sorten waren bis in äußerste Griffhöhe gestapelt, dazwischen ein grellbunter Bildschirm mit Plantagenarbeitern. „Wir haben hier strikt produktbezogen gearbeitet“, gab Kennichkeit zu wissen. „die Kinder, die hier auf den Plantagen beschäftigt sind, ernten tatsächlich nur Kakaobohnen. Drei Viertel unserer Importe kommen aus Ghana und der Elfenbeinküste, wo die Quoten der Kinderarbeiter konstant steigen. Sehen Sie genau hin.“ Konzentriert betrachtete er den kleinen Bildschirm. „Sehen Sie? Etliche der Kinder sind fünf, sechs Jahre alt. Die Kosten sind gut zu beherrschen, und wenn Sie die Arbeitskräfte in so jungem Alter bereits einsetzen, werden sie auch nie in größerem Umfang wegbrechen, weil sie einfach für nichts anderes zu gebrauchen sind.“ Auch über dem Kaffeeregal waren die Bilder zu sehen. „Aber wie gesagt, rein produktspezifisch. Kakao, Kaffee, Gewürze, Schnittblumen, wir haben für alles einen eigenen Erzeugerweg, die Produktionsbedingungen sind jeweils anders. Bei den Blumen haben wir noch echte Sklaverei, rechtlose Frauen in Kenia und Uganda, die für 500 Tonnen Blumen pro Tag bis zum Hals in toxischen Dämpfen stehen und bei einem Arbeitsunfall entsorgt werden wie ein Stück Einwickelpapier.“ Er zupfte die Plastikfolie um die billigen Rosensträuße zurecht, auf dem Monitor sah man, wie sich eine Frau in zerrissener Schürze in einem Gewächshaus heftig auf den Boden erbrach. Die Blumen waren heute Nacht aus der Kühlhalle des Flughafens in einen Großmarkt verfrachtet und mit reichlich Nachlass verkauft worden; in wenigen Stunden würde die Filialleiterin sie in den Müll schmeißen, weil sie nur noch einen Tag lang haltbar waren.

„Sie meinen, das hilft?“ Kennichkeit blickte mich verwundert an. „Haben Sie das Konzept auch wirklich verstanden?“ „Warum denn nicht“, gab ich zurück, „es geht doch um Verbraucheraufklärung, oder? Oder!?“ Sein Lächeln hatte etwas Hilfloses, mit dem ich gar nicht rechnen konnte. „Natürlich, das ist schon korrekt, nur haben wir eigentlich einen ganz anderen Ansatz.“ Er zog mich am Arm, und leicht widerstrebend folgte ich ihm an die Kassen. Hier lagen Zigarettenschachteln in großen Drahtkörben. Kennichkeit griff ein Päckchen heraus und hielt es mir ins Gesicht. „Und?“ „Verstehen Sie denn nicht?“ Vielleicht fehlte mir der Humor, aber ich begriff nicht, was er von mir wollte. „Wenn Sie rauchen“, fing er an, aber ich musste bedauern: ich rauche ja gar nicht. „Wenn Sie rauchen, dann ist es Ihnen irgendwann egal. Sie haben es so oft gesehen, dass es Sie nicht mehr interessiert. Wir setzen auf die Abstumpfung des Betrachters. Meinen Sie nicht, dass das funktioniert?“