Tourorismus

27 08 2014

„… dass Fahrradtouren in Schleswig-Holstein künftig angemeldet werden müssten, so dass das jeweils zuständige Straßenverkehrsamt die…“

„… fürchte die Landesregierung unter anderem die bei größeren Radlergruppen unabdingbar auftretende Konzentration an Drogen, die eine erhebliche Gefahr für die Bevölkerung…“

„… die Einrichtung einer Zweiradgruppenfahrgenehmigungsstelle im Ministerium für…“

„… gehe der Staatssekretär im Verkehrsministerium Nägele unabhängig von der Teilnehmerzahl davon aus, dass erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen nicht ausgeschlossen werden könnten. So reiche ein einziger Radfahrer auf der Bundesautobahn aus, um einen Rückstau bis weit hinter die Alpen zu…“

„… noch nicht entschieden, ob die Zweiradgruppenfahrgenehmigungsstelle als Genehmigungsstelle für Zweiradgruppenfahrten auch eine individuelle Fahrgenehmigungsstelle für alle behördlich gemeldeten Zweiradgruppen…“

„… massive Gegenwehr gegen die Bedrohung durch Fahrradfahrer. Nägele habe angekündigt, pünktlich zu den nächsten Sommerferien das gesamte Bundesland mit tausenden von Baustellen zu überziehen, so dass Radfahrer zu Hause blieben, wodurch sofort eine erhebliche Verbesserung des Autoverkehrs…“

„… eine von der Zweiradgruppenfahrgenehmigungsstelle ausgestellte Gruppenfahrgenehmigung erst bei Vorlage einer von den Mitgliedern einzeln beantragten Fahrgenehmigung, die wiederum auf eine zuvor für die Mitgliedschaft in Zweiradgruppen…“

„… außerdem erhebliche Gefahren für die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein sehe. Nägele habe in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass ein Stück Milchvieh bereits nach dem Verschlucken eines einzigen nicht angemeldeten Fahrrades durch möglicherweise scharfkantige Teile gravierende gesundheitliche Schädigungen…“

„… sich das schleswig-holsteinische Innenministerium zunehmend über landfremde Radler beklage, die ohne hinreichend nachgewiesene Ortskenntnisse mitunter stundenlang durch die eigentlich nur für Traktoren und Fernbusverkehr ausgebaute Landschaft …“

„… weniger ein Problem mit den einheimischen Verkehrsteilnehmern, da diese zur Schonung der Umwelt und der Straßen meist Kraftwagen benutzten. Die Schwierigkeiten gingen von nicht zum Land gehörigen Radlern, die den Begriff Fremdenvekehr offenbar wörtlich…“

„… das Zweiradgruppenfahrgenehmigungsverfahren durch eine verwaltungsrechtliche Sonderstellung erschwert werde. Die eigentliche Zweiradgruppe im Sinne der genehmigungsfähigen Zweiradgruppenfahrt, die von der Zweiradgruppenfahrgenehmigungsstelle als Gruppe einzelner Zweiradführer einer genehmigten Zweiradgruppe genehmigte Gruppe natürlicher Personen in Benutzung eines genehmigten Zweirades, seien in der Regel nur als Führer eines motorisierten Zweirades…“

„… der Ministeriumssprecher betont, natürlich habe die Verwendung der Straßen für die zahlenden Besucher eine große Bedeutung. Ein nachhaltiges Konzept müsse jedoch viel mehr dazu animieren, die Verkehrsinfrastruktur nur zu zahlen, nicht aber durch gleichzeitige Nutzung zu…“

„… würden auch immer mehr Radler sich durch gewollte Vereinzelung dem verwaltungsrechtlich festgeschriebenen Gruppenzwang entziehen, was die Sicherheitskräfte des nördlichsten Bundeslandes nur durch konsequente Straßensperren auf allen öffentlich zugänglichen…“

„… sehe die Landesregierung als einzige Möglichkeit eines verwaltungsrechtlich wirksamen Verfahrens zur Gruppenfahrgenehmigung genehmigter Zweiradgruppen, wenn sich nicht motorisierte Zweiräder durch die genehmigten Fahrer in den jeweils für Gruppenfahrten genehmigten Zweiradgruppen mit einem Hilfsmotor, der jedoch ebenso genehmigungspflichtig durch die… “

„… plane Verkehrsminister Meyer (SPD) zur Abschreckung des Tourorismus Reißnägel, Glasscherben sowie gezielte Warnschüsse in die…“

„… komme die Zweiradgruppenfahrgenehmigungsstelle den Zweiradfahrern insofern entgegen, als dass sie für die verwaltungsrechtlich wirksame Genehmigung von Zweiradgruppenfahrten an den nicht motorisierten Gruppenzweirädern auch nicht aktiv motorisierende Imitate ohne motorisierende Wirkung verwaltungsrechtlich wirksam gestatte, falls sich die ganze genehmigten Zweiradgruppe auf der genehmigten Gruppenfahrt mit Gruppenzweirädern der jeweils…“

„… bisher nicht eindeutig erklärt habe, ob eine Fahrradmaut in Koordination mit der Bundesregierung sich…“

„… weise die Zweiradgruppenfahrgenehmigungsstelle vorsorglich darauf hin, dass bereits motorisierte Gruppenzweiräder trotz eines verwaltungsrechtlich wirksamen Zwangs zur Motorisierung von Zweiradgruppen für Zweiradgruppenfahrten keine Zweiräder im Sinn des fahrgenehmigten Gruppenzweirades zur Genehmigung von…“





Kielgeholt

7 05 2012

„Und sonst so?“ „Och, muss ja.“ „Bleibt dabei?“ „Amtliches Endergebnis ist schon durch?“ „Weiß nicht. Aber soll wohl.“ „Dann können wir doch.“ „Könnten wir eigentlich.“ „Große Koalition?“ „Kann man machen.“ „Na denn.“

„Aber mal wirklich, wir sollten das hier doch auf die Reihe kriegen.“ „Finde ich aber auch.“ „Wir sind schließlich vernünftige Politiker.“ „Ganz meine Meinung. Und unabhängig.“ „Von Berlin.“ „Und von den Wählern.“ „Ja, erst recht von denen.“ „So weit kommt’s ja noch!“ „Kommt’s ja gar nicht, da passen wir schon auf.“ „Meine ich aber auch.“ „Lassen Sie uns das hier mal gemütlich alleine durchziehen.“ „Also zu zweit.“ „Gemeinsam.“ „Eben.“ „Da können wir eben alles das machen, was wir schon immer machen wollten.“ „Und wir können alles das nicht machen, was wir schon immer nicht machen wollten.“ „Mein Reden.“ „Ganz meine Meinung.“ „Und das klappt.“ „Diesmal klappt das.“

„Meinen Sie, dass man die Grünen ohne großes Theater wegkriegt?“ „Wenn wir das machen? Klar.“ „Wir können das ja auch.“ „Weiß ich doch.“ „Aber Sie wollen wohl mit denen koalieren?“ „Wenn die mit uns koalieren wollen?“ „Wollen die?“ „Weiß nicht.“ „Die haben doch was gesagt.“ „Ja, aber das sind nun mal die Grünen.“ „Stimmt. Und wenn wir uns ein bisschen am Riemen reißen, dann könnte rein theoretisch ein Koalition mit denen unmöglich sein.“ „Wollen wir das Beste hoffen.“ „Mit etwas Glück reißen alle Stricke.“ „Da sagen Sie was.“

„Hat der Maas eigentlich gerade was vor?“ „Der müsste frei sein.“ „Gut, ich frage nur.“ „Wegen Wowereit?“ „Der wollte ja eh kommen.“ „Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.“ „Das wird auf jeden Fall klappen.“ „Und wer führt nun die Koalitionsverhandlungen mit den Grünen?“ „Na, Sie.“ „Oder Sie. Wir hatten da zwar beide eine Aussage, aber Sie kennen doch die Grünen.“ „Ist auch wieder wahr.“ „Können wir uns die nicht teilen?“ „Wie meinen Sie das? jeder darf einmal mit denen koalieren?“ „Nein, ich dachte: Sie führen die Verhandlungen mit denen, dann bieten wir denen Koalitionsverhandlungen an – und dann lassen wir sie umkippen.“ „Sie verwechseln das schon wieder mit der FDP.“ „Ach was, gar nicht.“ „Aber die Idee ist nicht schlecht. Wir könnten auch mit denen koalieren…“ „Sie meinen: verhandeln.“ „… oder verhandeln, und dann kippen die um, oder wir kippen um, und Sie verhandeln, und dann kippen wir um…“ „Sie verwechseln das doch mit den Liberalen.“

„À propos FDP, muss man die ernst nehmen?“ „War das als rhetorische Frage gedacht oder ist das eher allgemeiner Natur?“ „Eher so auf Schleswig-Holstein bezogen.“ „Dann können Sie das knicken. Kubicki wird sicher noch gebraucht, aber nur in der Geisterbahn.“ „Er wollte doch das mit der Ampel.“ „So oder so. Mit uns oder mit Ihnen.“ „Oder mit Ihnen oder mit uns.“ „Also völlig egal, was und wie, aber Hauptsache Kubicki.“ „Weil er so scharf auf die Grünen ist?“ „Ist er nicht. Die sind doch genau so eine inhaltlose Umfallerpartei, die für jede Mehrheit die Röcke hebt.“ „Also Eifersucht.“ „Er will halt dabei sein.“ „Schade für ihn, dass er keine Mehrheiten mehr beschafft.“ „Und dass keiner von uns die Grünen braucht.“ „Oder will.“ „Und darum ist es ja auch völlig wurst, ob Kubicki nun drinnen ist oder draußen.“

„Könnte sein, dass der Dicke sich querlegt.“ „Gabriel? Was hat denn der noch zu melden?“ „Er hält sich für den nächsten Kanzler.“ „Sein Problem, wenn die Krankenkasse die Pillen nicht zahlt.“ „Jedenfalls ist er strikt gegen große Koalitionen.“ „Er wird noch dankbar sein, überhaupt in einer mitspielen zu dürfen.“ „Als Hofnarr?“ „Höchstens. Er meint ja, Politik müsse Alternativen definieren, sonst könne sie abdanken.“ „Das nenne ich Stil.“ „Durchaus, man kann seinen Suizid kaum eleganter ankündigen.“ „Was will der Trauerkloß eigentlich?“ „Ist wohl ziemlich sauer, dass ihm das mit dem Einheitsprofil nicht selbst eingefallen war.“ „Er will jetzt eben mehr CDU sein als Merkel.“ „Und die will mehr SPD sein als die SPD.“ „Wobei die ja auch nicht mehr weiß, wie sich gegen den rechten Rand abgrenzen soll.“ „Deshalb grenzt sie sich ja auch nur noch gegen den linken ab.“

„Müssen wir diese Piraten jetzt noch in die Rechnung einbeziehen?“ „Wozu, es ist doch alles gesagt.“ „Wegen der Mehrheit.“ „Wir haben doch eine.“ „Aber die Piraten könnten ja sagen, dass sie die zustande gebracht hätten.“ „Das würden die doch nie machen.“ „Wieso denn nicht?“ „Bringt denen doch nichts.“ „Dann könnten wir doch sagen, dass die das gesagt haben.“ „Und das glaubt dann einer?“ „Was erwartet man schon von einer Partei, die ein vernünftiges Regierungsbündnis unmöglich macht.“ „So dass wir einspringen müssen, um eine vernünftiges Regierungsbündnis zu schließen.“ „Eben. Die sind doch nur an Macht interessiert.“ „Sehe ich auch so. Keine Inhalte.“

„Also, dann lassen Sie uns mal kurz sondieren für die Koalitionsverhandlungen: Wir wollen mehr Investitionen in Bildung und Forschung.“ „Wir werden das verhindern. Dafür fordern wir eine neue Verkehrs- und Infrastrukturpolitik.“ „Die Sie leider dank unserer Weigerung nicht bekommen. Und wir wollen den Mittelstand entlasten.“ „Und wir wollen, dass Sie das nicht schaffen.“ „Und wir werden den Mindestlohn – oder wollten Sie?“ „Einer fordert.“ „Und der andere macht nicht mit. Hölzchen?“ „Ach, verloren.“ „Dann fordert Sie mal schön.“ „Nichts überstürzen. Erstmal zur Presse und den Durchbruch verkünden.“ „Und wir gehen erst zu den Grünen.“ „Einverstanden, wir kommen dann morgen nach.“ „Dann haben Sie mich schon informell informiert, dass Sie sich mit mir über die Dinge unterhalten wollen, die wir heute besprochen haben.“ „So machen wir das.“ „Na denn.“





Martje Flor

24 04 2010

für Klaus Groth

Sie schmissen Tisch und Bänke um.
Aus Schwertern stoben Funken.
Sie tasteten um sich herum,
sie krochen und sie lallten dumm,
so waren sie betrunken.

Die Offiziere rauften wild,
sie fraßen und sie droschen.
Der Hof, der war in Qualm gehüllt,
doch ihre Gier war nicht gestillt,
das Feuer nicht erloschen.

Sie plünderten auch gar nicht faul,
es gab kein sichres Fädchen.
Dem Bauern schlugen sie aufs Maul,
die Tochter zerrten sie vom Gaul,
und Martje hieß das Mädchen.

Wie Teufel tobt das Pack so toll,
dass sie den Trinkspruch sage;
allein sie goss den Becher voll,
und Martje sprach: Dat gah uns wol
up unse olen Dage.

Da schwiegen sie. Denn was sie spricht –
und heut noch ist’s im Ohr –
war Mahnung, Warnung und Gericht.
Wer das versteht, vergisst es nicht.
Ihr Spruch war’s, Martje Flor.