Gernulf Olzheimer kommentiert (DXLI): Das Recht auf Bildung

20 11 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Manche meinen, es sei Luitpolt der Ausgeleierte gewesen, dem der Gedanke zuerst unterlaufen sei, andere halten Rudolf den Ersetzbaren für den Vater der Idee. Tatsächlich hatten die Soldatenkönige in Preußen einen ihrer philanthropischen Momente, als sie das von dem beliebten Menschenfreund und Befreiungstheologen Martin Luther angedachte Gebot christlicher Pädagogik mit sozial engagierter Verve in die Tat umsetzten – waren seit dem Mittelalter nur wenige angehende Kleriker und die für den Kaufmannsstand ausgewählten Söhne der betuchten Patrizierfamilien in den Genuss eines geregelten Unterrichts gekommen, so pochte 1717 Friedrich Wilhelm I. zeitgleich mit dem kulturellen Kahlschlag auf die Aufstallung der Landeskinder in Bildungsanstalten. Zwar war höchstens die Hälfte des Nachwuchses auch wirklich in den öffentlichen Schulen registriert, aber dafür bekam man dann wenigstens sechs Jahre rudimentär Lesen, Beten und Schreiben eingetrichtert, falls sich in den katholischen Landstrichen nicht der Lehrplan auf Gottesfurcht beschränkte oder aus Angst vor zu viel Gelehrtheit gleich wegfiel. So stolz ist man auf die allgemeine Schulpflicht bis heute, dass noch heute der allwissende Staat sie Landesgesetzen zum Trotz als nationalheilige Kuh anhimmelt. Ein Recht auf Bildung, schwiemelt’s aus dem Wald, ist unser Garant für ein Land der Dichter und Denker.

Wobei manche nicht denken und andere nicht ganz dicht sind, denn die Sache hat historisch einen viel praktischeren Hintergrund. Kinderarbeit, wie sie im damaligen Europa Normalfall war, hinterließ unangenehme Spuren, hielten die ohnehin nicht besonders hohe Lebenserwartung der bäuerlichen Schicht zuverlässig auf niedrigem Niveau und sorgte dafür, dass mit dem Eintritt des Mannesalters ein Großteil der Untertanen körperlich bereits verbraucht waren. Was also tun, wenn man eine der besten Armeen des Kontinents aufbauen und dazu jede Menge Kerls im wehrfähigen Alter verheizen will? Man verbietet die Kinderarbeit, kontrolliert es halbherzig und setzt das Verbot nicht um, und führt den Schulzwang ein, um die Kurzen von der Straße wegzukriegen. Für die Bauern nicht unbedingt eine Win-Win-Situation, aber wenn die Burschen dann mit etwas Einmaleins aus der Penne kamen und zur Truppe stießen, konnte aus ihnen wenigstens etwas werden. Falls sie es einigermaßen überlebten.

Hat sich heute und unter den Vorzeichen eines von Krise zu Krise stolpernden Kapitalismus etwas an den Verhältnissen geändert, dann höchstens der inzwischen zivile Verbrauch von Menschenmaterial zur Ertragssteigerung der Industrie. Militärische Konflikte sind für die westlichen Wirtschaften zwar immer noch ein nicht zu unterschätzender Garant auf ein stetig wachsendes Bruttoinlandsprodukt, der Verbrauch von Rüstungsgütern wurde allerdings in den vergangenen Jahrzehnten überwiegend in die ärmeren Staaten ausgelagert, deren postkoloniales Hadern mit dem Ist-Zustand ein dauerhaft nutzbarer Rohstoff bleibt, wenn man ihn nur sorgfältig genug pflegt. In unseren Alphastaaten bauen wir lieber Autos, verpesten die Luft mit diversen fossilen Energieträgern und verkaufen allerlei überflüssigen Schnickschnack, der schlecht bezahlte und dafür gut verfügbare Logistiklohnsklaven verheizt. Ab und zu verirrt sich ein halbwegs vernünftiger Mensch in systemrelevante Berufe, die allerdings nur dann als solche anerkannt und mit frenetischem Geklatsche bedacht werden, wenn man sich die Bruchstellen dieser Gesellschaftsarchitektur nicht mehr unfallfrei schön koksen kann; kehrt wieder Ruhe ein, dann merkt die Mehrheit, dass Relevanz bloß Investmentbänkern und Börsenspekulanten, allenfalls noch einem Zahnarzt zugesprochen wird, wenn er regelmäßig einen neuen Sportwagen kauft.

Damit die werktätige Bevölkerung für stetig rauchende Schornsteine zumutbarer Beschäftigung nachgehen kann, kämpfen ihre Knirpse an der Klassenarbeitsfront um Betreuung – Hauptsache gut verwahrt, jede Schule, in der sich Kinder und Lehrkörper infizieren, ist einer dieser vielen, vielen Einzelfälle, die man gar nicht zählen oder in einen Zusammenhang bringen darf, weil es dann nämlich keine Einzelfälle mehr wären, und so funktioniert ja unser System nun mal nicht. Die besondere Gewalt gegenüber den Zöglingen zeigt sich schon darin, dass sie nach jahrhundertlang bewährtem Prinzip ausgeübt wird, und was so lange irgendwie noch immer gut ging, kann ja verkehrt nicht sein. Wozu also sollte Bildung, die in erster Linie der widerstandsfreien Durchsetzung eines staatlichen Auftrags zur leistungskontrollierten Sicherung von wirtschaftlichen und sozialkonformen Regularien durch Frontalunterricht dient, auch sonst an die technische und gesellschaftliche Wirklichkeit angepasst werden. Am Ende verhindert sie den Eingang in die selbstverschuldete Unmündigkeit, der zu einer nicht mehr beschulbaren Kaste von Berufspolitikern führte, die die Verwahranstalten mit Abgangszeugnis für die Kategorisierung in die vorhandenen Verwendungszwecke so dringend brauchen, weil sie sonst überflüssig wären. Hätten sie mal etwas Anständiges gelernt.





Brandgefährlich

14 10 2020

„Wir arbeiten gerade an einer Richtlinie, damit das auch alles verfassungskonform ist. Mützen sind im Schulunterricht bisher noch nicht erlaubt, aber das ist wie mit Vermummung auf einer Demonstration. Irgendwann ist die auch Pflicht und unterliegt einer strengen polizeilichen Kontrolle, die aber nicht in allen Bundesländern auch durchgeführt wird.

Sie müssen auch nicht über jedes Stöckchen hüpfen. Kindeswohlgefährdung ist ein rechtlich eher eng ausgelegter Begriff, und wenn Sie jetzt der Meinung sei, eine einheitliche Schulmütze sei als Kindeswohlgefährdung zu werten, dann empfehle ich Ihnen den Gang zum Schulpsychologen. Lieber zu spät als nie. Außerdem darf jeder seine eigene Mütze tragen.

Früher hätte sich auch keiner aufgeregt über die Zustände in den Schulen. Da hätten Sie gefragt, ob die Fortbildung in Lüftungsmanagement eventuell am Sonntag oder in den Ferien stattfindet, damit der Unterricht nicht ausfällt. Jetzt fangen die Eltern ja schon an zu jammern, wenn sich die Fenster in den höheren Stockwerken aufgrund von baurechtlichen Bestimmungen nicht kippen lassen. Und wenn Sie auch erst im Oktober feststellen, dass Frau Merkel die Außentemperaturen heruntergeregelt hat – das hat sie bestimmt wegen des Klimaterrors gemacht, lassen Sie sich da nichts anderes einreden – dann müssen Sie den Kindern auch mal eine dicke Jacke anziehen. Wobei die meisten das von alleine tun.

Die Maskenpflicht steht übrigens auch nicht im Widerspruch zum Grundgesetz. Der Staat schreibt eine gewisse Bekleidung vor, die in der Schule getragen werden muss, das werden Eltern nicht verhindern können. Wenn Sie es für richtig halten, Ihre Kinder nackt zur Schule zu schicken, ist das ein interessanter Gedanke, aber das werden Sie in einem Sonderrechtsverhältnis nicht realisieren. Ob Sie den Mundschutz nun zum religiösen Symbol erklären, das ist uns verhältnismäßig egal. Damit treffen Sie möglicherweise die eine oder andere Lehrerin, die wegen der besonderen Gewalt nicht mehr mit Kopftuch unterrichten darf, aber kein Kind. Hier wird vernünftig gelüftet, wir haben eine Menge guter Schulen in bürgerlichen Stadtteilen, die noch nicht von Hysterikern lahmgelegt worden sind. Und im Übrigen sind Kinder auch erstaunlich pragmatisch und unterstützen uns, indem sie das Konzept umsetzen. Wenn das rauskäme, wir hätten echt ein Problem.

In den Brennpunktschulen zum Beispiel würden wir damit ganz gefährliche Fehlanreize setzen. Brandgefährlich. Wenn wir da Lüfter aufstellen und Seifenspender und alles das, inklusive kostenloser Tablets für den Heimunterricht, dann ziehen am Ende sogar Deutsche in diese Ballungsgebiete, um auch so eine Versorgung für ihre Kinder zu bekommen. Dagegen sind die Mittelmeerschlepper ein Witz, dann kriegen wir eine Binnenmigration, die haben nicht mal die Schwaben geschafft.

Weil wir dieses Bild von den Kindern brauchen, insbesondere Kinder von sozial Abgehängten. Wir haben immer noch dieses Aufstiegsversprechen, das haben wir jahrelang nicht aus der Bildungspolitik rauszunehmen geschafft, und jetzt hat sich das darin festgefressen. Jetzt brauchen wir diese Kinder, weil wir sonst erklären müssten, dass es immer noch so viele und vor allem immer mehr Kinder gibt, die in Armut leben, obwohl man es mit dem sozialen Aufstieg ja in einer Generation zum Akademiker bringt, der dann allerdings auch wieder arme Kinder hat, weil man da immer nur Jahresverträge bekommt, aber das ist eine andere Geschichte. Und natürlich diese Brennpunktschulen, wo die Kinder alle mehrsprachig aufgewachsen sind und keine deutschen Eltern haben und in Clanstrukturen leben – das stellen Sie sich mal vor, jemand würde nur mit den Leuten aus seinem eigenen Land in einer Siedlung wohnen, die würden alle nur ihre eigene Sprache sprechen, also das ist ein Verhalten, das bis jetzt nur von Ausländern praktiziert wird – die muss es auch geben. Wir sonst wollen Sie bitte einen richtigen Wahlkampf im rechten Lager führen, wenn Sie nicht einen Stadtteil in Ihrem Wahlkreis haben, in dem sofort mal ordentlich durchgegriffen werden müsste. Wenn Sie sich da filmen lassen vor einer abbruchreifen Schule, aber drinnen waschen sich Kinder aus über achtzig Herkunftsländern die Hände mit Seife, mit echter Seife, dann können Sie einpacken! Dann hat der Ausländer gewonnen!

Stellen Sie sich mal vor, das würde einfach so weitergehen – am Ende würden Kinder aufhören, die Schule zu schwänzen, sie würden regelrecht dafür lernen, es gäbe weniger Schulabbrecher, wir hätten noch mehr Absolventen, das heißt doch: wir müssen plötzlich wieder Lehrstellen besetzen und können es nicht mehr auf den Fachkräftemangel schieben! Wir haben nicht mehr eine halbe Million jugendliche Arbeitslose, denen wir auch keine Ausbildung mehr ermöglichen, weil Fabrikarbeit mehr bringt! Das komplette Bildungswesen ist perspektivisch schon mal komplett im Eimer! Wenn wir hier nicht sofort Gegenmaßnahmen ergreifen, steht Deutschland vor einem furchtbaren Chaos. Dagegen ist Corona ein Witz.

Sie halten sich an unser Hygienekonzept, zum Ausgleich bekommen Sie von der Landesregierung aber Gutscheine für Tourismus, Einkauf und Events in Ihrem Bundesland. Oder kurz hinter der Grenze, so genau muss man das nicht nehmen. Letztlich ist es ja auch ziemlich egal, in welchem Krankenhaus man liegt, oder?“





Ist denn schon Weihnachten?

29 04 2020

„150 Euro finde ich jetzt aber schon ganz schön viel.“ „Nee, das reicht doch im wirklichen Leben niemals aus.“ „Sie haben es schon mal kapiert.“ „Was?“ „Wieso haben wir das kapiert?“ „Das ist die Win-Win-Strategie des Konzepts. Jeder kann über die Höhe des Betrags meckern, und wir können die Armen trotzdem weiter abhängen.“

„Es kann doch trotzdem sein, dass sich ein Haushalt einen Computer kauft und dann…“ „Von 150 Euro.“ „Sie müssen an Ihren Pointen arbeiten, die sind etwas klemmig.“ „Vielleicht findet man ja einen gebrauchten, der ist im…“ „Und dann kommt der Papst und schenkt ihnen ein Jahr lang Internet, Blümchen und ein Pony.“ „Man kann auf Dauer die Ärmeren nicht abhängen von der digitalen Welt.“ „Wieso, sehen Sie doch.“ „Aber es geht nicht!“ „Das hat der Koalitionsausschuss jetzt beschlossen, das wird so auch umgesetzt.“ „Und wir können froh sein, dass das von den Schulen ausgezahlt wird.“ „Weil Sie dann nicht mehr mit dem billigen Vorurteil kommen können, dass die Eltern das für Schnaps und Zigaretten ausgeben?“ „Nein, es ist Ländersache.“ „Und wenn es schief geht…“ „Und das wollen wir doch mal hoffen!“ „… dann sind auch die Länder daran schuld.“

„Das ist doch lächerlich: diese 150 Euro sind nie im Leben genug als Digitalteilhabe.“ „Da hat sich der Koalitionsausschuss so seine Gedanken gemacht.“ „Man kann die Kinder jetzt auch nicht zu früh mit teuren Geschenken überhäufen.“ „Ja ist denn schon Weihnachten, Frau Bundeskanzlerin?“ „Hähähä!“ „Das werden dann genau die faulen Arbeitslosen, die alles vom Staat erwarten, weil sie sich nicht selbst helfen wollen.“ „Der Staat ist doch weder an den Kindern interessiert noch an den Eltern.“ „Meine Güte, hat denn etwa der Staat diese Krise verursacht!?“ „Sie haben ja Vorstellungen!“ „Diese Situation haben wir seit Jahrzehnten, das hat mit der Krise gerade mal gar nichts zu tun.“ „Dann sehe ich auch nicht, warum der Staat jetzt plötzlich für ein paar Tage Unterricht zu Hause Milliarden springen lassen soll, nur weil ihre Eltern sich keine kostspieligen Digitalgeräte leisten können.“ „Die werden ja nicht nur für den Unterricht zu Hause benutzt.“ „Von der Leyen hat Ihnen so schöne Versprechungen gemacht!“ „Eine Geigenstunde pro Quartal und freie Mitgliedschaft im Tennisclub!“ „Nur Trainerstunden müssen Sie halt selbst zahlen.“

„Schauen Sie mal, das ist doch pädagogisch durchaus wertvoll.“ „Was denn bitte?“ „Naja, wenn man als Schüler zum Klassenlehrer gehen muss, um sich als Sozialfall zu outen, das ist schon peinlich.“ „Da lernt man fürs Leben.“ „Zum Beispiel, dass man besser kein Sozialfall ist.“ „Oder sich outet.“ „Und dann auch noch Ansprüche stellt.“ „Aber die Teilhabe steht allen zu, die sie beantragen.“ „Ja, das ist eben die Schwierigkeit in dieser Gesellschaft.“ „Alle wollen immer nur haben.“ „Aber selbst für etwas verantwortlich sein, da hat jeder sofort eine Ausrede parat.“ „Jetzt halten Sie mal die Luft an, wir reden hier von Kindern!“ „Merken Sie was?“ „Typisches Ablenkungsmanöver, wenn Sie mich fragen.“ „Aber so was von typisch!“ „Sie können doch Kinder nicht dafür verantwortlich machen, dass ihre Eltern nicht die finanziellen Mittel haben, um ihnen teure technische Geräte zu kaufen.“ „In dieser Gesellschaft ist nun mal nicht alles gerecht.“ „Das kann man natürlich anprangern.“ „Ich finde, irgendwo ist es auch ein bisschen richtig.“ „Dass so viele Kinder in prekären Verhältnissen aufwachsen müssen?“ „Nein, dass man das anprangert. Ab und zu gibt einem das ein schönes Gefühl.“

„Bis jetzt haben Sie doch immer so getan, als sei Bildung das beste Mittel gegen Armut.“ „Das stimmt ja auch.“ „Bildung ist ein sehr hohes Gut!“ „Das darf man doch nicht einfach an irgendwelche Arme verschleudern!“ „Sie wollen also bewusst Ausschlusskriterien bei der Bildung einführen.“ „Ja.“ „Stellen Sie sich das doch mal vor.“ „Wir haben in absehbarer Zeit sehr viel mehr Arbeitslose in Deutschland.“ „Das trifft dann natürlich auch die, die ausreichend Bildungsteilhabe genossen haben.“ „Und wir hätten dann eine direkte Konkurrenz für die, die jetzt durch Bildungsteilhabe das soziale Niveau ihrer Eltern halten können.“ „Auch da, wo es rein von der Bildung eigentlich gar nicht reichen würde.“ „Stellen Sie sich das mal vor, die Kinder benutzen so ein digitales Gerät für Mathematik.“ „Physik!“ „Wirtschaftswissenschaften!“ „Mir wird ganz übel bei dem Gedanken!“ „Die machen mit dem Zeug Abitur!“ „Die kennen gar nichts anderes mehr!“ „Eine sozialistische Einheitsgesellschaft, wo jeder mit seinem Tablet herumläuft!“ „Oh Gott, ich kann das gar nicht mehr hören!“ „Die studieren!“ „Und dann schreiben die Bewerbungen!“ „Und nehmen den anderen die Jobs weg!“ „Das ist das Ende von Deutschland!“ „Sagen Sie mal, hören Sie sich eigentlich selbst zu bei der ganzen Scheiße, die Sie da vom Stapel lassen?“ „Diese 150 Euro holen wir vielleicht früher oder später wieder rein.“ „Das Kindergeld wird ja zum Glück auf Hartz IV angerechnet.“ „Bringen Sie die Sozialfuzzis nicht auf dumme Gedanken!“ „Gut, dass Blüm gerade weg vom Fenster ist.“ „Hähähä!“ „Und was schlagen Sie jetzt als Lösung vor?“ „Schulen auf!“ „Wie?“ „Na, alle Schulen wieder auf! So schnell wie möglich!“ „Das meinen Sie ernst!?“ „Aber ja doch, irgendwie muss man den Gefahren ins Auge blicken.“ „Man sagt, in der Unterschicht sei das Immunsystem signifikant schwächer.“ „Na, dann wollen wir mal schauen, dass das die unsichtbare Hand regelt.“





Taschenrechner

23 04 2020

„… zur Vorbeugung auf weitere Pandemien oder andere Ausnahmesituationen die Digitalisierung der deutschen Schulen angeregt habe. Merkel sei sicher, dass Karliczek sich bereits ausreichend mit den Grundlagen von Elektrogeräten und…“

„… gebe es noch kein Gesamtverzeichnis der Bildungseinrichtungen. Der Ausschuss gehe aber davon aus, dass in allen Gebäuden mindestens eine freie Telefonsteckdose vorhanden sei, in die ein…“

„… vorsichtig voranschreiten müsse. Scholz sehe die Schulen in der Pflicht, könne aber als Finanzminister nicht sofort Milliardenhilfen in Aussicht stellen, solange die Automobilkonzerne noch nicht mit den Dieselklagen…“

„… starte die Bundesregierung mit einer Umfrage in den Ländern, welches Betriebssystem von den einzelnen Schulen bevorzugt werde. Dies biete die nötige Rechtssicherheit, die für den…“

„… wolle Scholz zunächst die Lehrinhalte in digitaler Form erfassen, so dass eine Verteilung für größere Klassenverbände vereinfacht werde. Er habe angeregt, Schulbücher künftig nur noch als Einzelexemplare zu kaufen und dann zu scannen, so dass sie allen Schülerinnen und Schülern im…“

„… widersprochen habe. Seehofer sei dagegen, dass das christliche Menschenbild nicht mehr die führende Rolle des deutschen Erziehungswesens einnehmen dürfe. Die von Popmusik und amerikanischem Essen dominierte Jugendkultur müsse im Sinne einer dauerhaften Leitkultur so schnell wie möglich aus dem…“

„… wie es auch im Digitalpakt festgeschrieben worden sei. Die Lerninhalt der einzelnen Klassen würden den Schülerinnen und Schülern nach der erfolgreichen Versetzung in Form mehrere CDs zur Verfügung gestellt und könnten zur Wiederholung vor dem Abschluss eine wichtige Hilfe beim…“

„… zuerst mit eigenen Mitteln betrieben werden könne. Im Bildungsministerium überlege man derzeit, ob es für den digitalen Unterricht in den Ballungsräumen einfacher wäre, Schülerinnen und Schüler in zentralen Computerräumen zu…“

„… auch auf die Umsatzeinbußen der Verlage Rücksicht nehmen müsse. Im Gegenzug habe Scholz angeregt, Übungshefte und Lehrmaterialien von den Eltern individuell ausdrucken zu lassen und einen Teil der Gewinne der Papierindustrie an die Schulbuchverlage zu…“

„… die Computerräume in den Schulen zu konzentrieren. So könnten die Schülerinnen und Schüler sich auch ohne Lehrkörper, der sich aus dem heimischen…“

„… habe Seehofer geplant, allen bayerischen Schulen pro Jahrgangsstufe jeweils einen elektrisch betriebenen Taschenrechner zu stiften, mit dessen Hilfe sich die naturwissenschaftlichen Kenntnisse des Nachwuchses wieder in die…“

„… es einfacher sei, Schülerinnen und Schülern die Benutzung der eigenen Geräte im Unterricht zu erlauben. Karliczek habe angeregt, einen Volks-Laptop des Springer-Konzerns zum Standard zu erklären, der zum Listenpreis von…“

„… sich auch große Handelsketten vorerst für den vorwiegend analogen Verkauf entscheiden würden. Es gäbe zwar viele Online-Käufe, eine Umstellung auf größere Mengen sei aber erst dann sinnvoll, wenn möglichst viele Kunden so lange zu Hause blieben, dass sich das Lieferpersonal im…“

„… eine abgestufte Strategie bevorzuge. Aus Kostengründen bevorzuge Scholz für Schultypen unterhalb des Gymnasiums die Wiedereinführung des ISDN-Standards, der bei stark verkleinerten Lerngruppen eine sehr gute…“

„… könne die Industrie der Bundesregierung nicht beim Verkaufspreis entgegenkommen, da sonst die Umsätze der deutschen Wirtschaft bedroht seien. Um keine Gesetzesänderung in die Wege leiten zu müssen, habe die Forschungsministerin auf Transferleistungen angewiesenen Haushalten ein zinsloses Darlehen angeboten, das innerhalb weniger Monate mit einer unbürokratischen…“

„… sehe Seehofer die Gefahr, dass insbesondere im Sportunterricht die Lerninhalte gehackt werden könnten, so dass die Schüler statt Turnen und Schwimmen plötzlich Schießen und Terrortraining auf ihren…“

„… die meisten Schülerinnen und Schüler im häuslichen Umfeld täglich digitale Medien nutzen würden. Sobald im Bundeskanzleramt eine webbasierte Studie in Auftrag gegeben worden sei, könne auch eruiert werden, ob Lehrerinnen und Lehrer sich überhaupt mit…“

„… Video-Tutorials als Chance sehe. Karliczek wolle einen verbindlichen Rahmen aus Filmen produzieren lassen, die die hauptsächlichen Felder der Kernfächer mit sämtlichen…“

„… sich Lehrerfortbildungen nicht mehr rechnen würden, wenn ein signifikanter Teil des Schulpersonals nur noch weniger als zehn Jahre bis zur Pension hätte. Man könne diese Kräfte dann besser in Hauptschulen einsetzen, wo ein Großteil der Absolventen sowieso nicht ins Arbeitsleben…“

„… nicht beachtet habe, dass Filme auf den führenden Videoportalen werbefinanziert seien. Die Bundesregierung sehe darin keinen Grund, das Modell zu hinterfragen, wolle aber vermehrt auf Werbeinhalte der Bundeswehr und…“

„… vorerst nicht weiter verfolgt werde. Das Bundesfinanzministerium habe erkannt, dass das Budget bereits mit der Anschaffung von Kernseife und Papierhandtücher für alle Schulen im…“





Gefahr der sittlichen Verrohung

12 11 2019

„… den Religionsunterricht nicht abschaffen, aber als Alternative das Schulfach ‚Werte und Normen‘ anbieten wolle. Das Kultusministerium werde ab 2025 in allen allgemeinbildenden und…“

„… vehement widerspreche. Weidel sehe die Gefahr, dass aus dem christlichen Abendland bald auf Geheiß der Kanzlerin offiziell das linksversiffte Muselland werde, in dem jeder national gesinnte Deutsche ins Arbeitslager oder gleich in die…“

„… der Ratsvorsitzende Bedford-Strohm das bisher ‚Ethik‘ genannte Ersatzfach nicht akzeptiere, da es vielfach keine schulrechtliche Grundlage für den Unterricht in der Primarstufe gebe. Die EKD schlage daher vor, bis auf Weiteres nur noch den herkömmlichen Religionsunterricht zu erteilen, bis es eine juristisch einheitliche…“

„… könne es auch nach Ansicht der CDU-Vorsitzenden keine andere Lösung als einen bis zum Schulabschluss verpflichtenden Unterricht in konfessionell gebundenem Unterricht geben. Sie habe dabei unter anderem Unterstützung von der soeben gegründeten Werte-und-Normen-Union sowie von den saarländischen…“

„… dass die Darstellung christlicher und abendländischer Bildungs- und Kulturwerte oder Traditionen nicht mehr privilegiert die Gestaltung der Lehrpläne bestimmen dürfe. Weidel sehe das Urteil des Bundesverfassungsgericht von 2015 als von der Islamisierung beeinflusst und könne bereits anhand der zeitlichen Koinzidenz feststellen, dass Merkel dies bestellt habe, um Deutschland durch drogensüchtige, mit Krätze und Husten infizierte Messermänner zu…“

„… schlage Lindner vor, die Lehrpläne mehr mit Wertvorstellungen einer wirtschaftsorientierten Leistungsgesellschaft zu stärken, statt religiöse Wahnvorstellungen wie die Klimakatastrophe oder den Glauben, jeder Migrant könne sich einfach so in der Bäckereischlange auf Englisch einen…“

„… seien die ethischen Systeme der meisten Weltreligionen ohnehin so gut wie deckungsgleich, weshalb Söder für eine Integration des Fachs in den traditionellen Religionsunterricht plädiere. Eine Ausnahme müsse nur der Freistaat Bayern sein, da hier die Ehrfurcht vor Gott als verfassungsmäßig geschütztes Ziel in der…“

„… dass im Saarland bis zum vollendeten 18. Lebensjahr die Teilnahme am Religionsunterricht verpflichtend sei, falls ein Schüler nicht vorher aus der Kirche austrete. Kramp-Karrenbauer werde dies als Bundeskanzlerin ändern, da ein Austritt unter 18 dann nicht mehr…“

„… sehe die Deutsche Bischofskonferenz in einem säkularen Unterrichtsfach die Gefahr der sittlichen Verrohung der Schüler, insbesondere durch die Frühsexualisierung einer wertfreien Erziehung. Hier könne nur ein Lehrkörper, der sich insbesondere mit der fachdidaktischen Ausbildung in katholischer Theologie sowie mit einer…“

„… die Schaffung von bekenntnisfreien Schulen auch heiße, dass dort keine deutschen Flaggen mehr aufgezogen werden dürften. Weidel werde dies in Karlsruhe schnellstmöglich…“

„… sich die SPD mit einem überkonfessionellen Religionsunterricht abfinden könne, wenn zugleich im Schulfach Ethik Waffenexporte in Kriegsgebiete als arbeitsmarktpolitische Notwendigkeit in der…“

„… sehe das Wissenschaftsministerium eine Benachteiligung der Schüler, die durch ‚Werte und Normen‘ erheblich anspruchsvolleren Unterricht als im Fach Religion ertragen müssten, das in der Mehrzahl der Inhalte nur auf einfach zu…“

„… eine Trennung von Staat und Kirche bereits durch die staatliche Bezahlung von kirchlichen Einrichtungen nicht mehr existiere. Die EKD sehe darin die Verpflichtung, durch Religionsunterricht alle Schüler bundesweit systemkonform in den…“

„… der Unterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften im Geiste der Achtung und Toleranz gegenüber anderen Bekenntnissen und Weltanschauungen erteilt werde. Für Meuthen bedeute dies, dass der Werteunterricht den Islam genauso toleriere wie das Christentum, was mittelfristig zu einer Umvolkung durch die wachsenden…“

„… auch an der Bezeichnung Kritik habe. Der Kultusministerkonferenz sei die Nähe etwa zu Abgaswerten zu groß, weshalb sie auch eine Welle der Empörung gegen staatliche Mächte wegen des Verdachts, einen groß angelegten Betrug zu…“

„… den Kindern linksradikale Theorien wie Feindesliebe oder die Gleichheit von Menschen als erstrebenswerte Normen beigebracht würden. Die Union lehne wachstumsfeindliche Parolen ab und werde gegen diese Entscheidung mit allen…“

„… hieße es in letzter Konsequenz, ein von jedem Glauben entfremdetes ethisches Lehrgerüst zu entwerfen, das als Vorlage für das Schulfach dienen solle. Die Deutsche Bischofskonferenz lehne ein solches Ansinnen ab, da nicht religiöse Bürger bereits die Bevölkerungsmehrheit stellten und sich dadurch der Trend zum Atheismus noch mehr in…“





Treibhauseffekte

6 03 2019

„Natürlich soll das Kind Gemüse essen, aber doch nicht aus ideologischen Gründen! Das ist ja so wie Satansanbetung, also schlimmer noch, Sozialismus! Das ist eine Generation, die will den Bürgerkrieg, die will nicht mal heiraten und Kinder kriegen und einen Baukredit, den man bis 70 abbezahlt hat, die wollen die DDR! Warten Sie es nur ab, irgendwann bringt die Sie ins Arbeitslager!

Ja, nehmen Sie das bitte nicht persönlich, Ihre Tochter mag ja sonst ein liebes Kind sein, und dass sie nur Einser hat und diese eine Zwei in Physik, sehen Sie, so wichtig ist das gar nicht. Mit Physik, was kann man da schon werden? Arbeitslos, so als Frau, da gibt’s doch wirklich attraktivere Berufe, oder höchstens Kanzlerin. Aber das ist noch die Frage, was besser ist. Sie ist sonst auch aufmerksam und wird nie krank, und wenn Sie jetzt als Eltern so komplett versagen, dann liegt das natürlich nur an Ihnen, das muss Ihnen auch klar sein. Bei und sind damals auch manche von sozial schwachen Eltern vernachlässigt worden, die haben Hasch geraucht oder sind in den Kommunistischen Bund gegangen, aber so einen Terror dürfen Sie sich nicht gefallen lassen, hören Sie?

Das belastet den Haushalt sehr, das werden Sie früher oder später auch noch merken, dass Sie für das Kind immer extra kochen müssen, weil sie das Fleisch verweigert. Ach, sie kocht selbst? Sie haben ihr das beigebracht? Das ist ja schon wieder ein verdächtiges Zeichen, dass Sie Kinder in dem Alter schon viel zu viel Selbstständigkeit zumuten, das ist der gesunden Entwicklung einer Vierzehnjährigen ganz bestimmt abträglich. Und Sie müssen ihr dann mal langsam klar machen, dass sie nicht ihr Leben lang in Ihrer Küche stehen und Gemüse putzen kann, irgendwann muss sie raus in die Welt, und da gibt es dann plötzlich nur eine Kantine mit Wurst und Schweinsbraten, und dann kann sie auch nicht an der Kasse stehen und herumheulen, weil sie nur Brokkoli mag. Ja, ich weiß das so genau nicht, ich bin noch nie in einer Mensa gewesen, wir sind in diesem Haus zu wenig Akademiker, meistens reicht ein Parteibuch, oder der Vater hat eins, und dann ist das mit der Ausbildung im Amt kein Problem.

Für den Weltfrieden keine kleinen Lämmchen essen, die Phase haben wir auch mal gehabt. Das ist in dem Alter eigentlich ganz normal. Und wenn ich im Fernsehen wieder so einen Bericht über Wurst sehe, was da alles nicht reingehört und was da trotzdem reinkommt, also wenn das mal wieder im Fernsehen kommt, dann lege ich vier Wochen lang nur Schnitzel auf den Grill. Aber dann geht’s doch auch irgendwann wieder. Ich meine, man muss doch mal die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen und kann nicht immer so tun, als wäre das ganze Leben ein Wolkenkuckucksheim. Fakten, darauf kommt es doch an, nur die Fakten! Und wenn Ihre Tochter nur aus Klimaschutzgründen kein Fleisch mehr essen will, dann fragen Sie sie doch mal, wie viel Wasser eigentlich so eine Tomate braucht, bis sie reif ist, und wie viel Diesel dafür draufgeht, bis die aus Spanien… – Sie züchten die selbst? Im Garten? Ich kann mich des Eindrucks gerade nicht erwehren, dass Sie hier eine ganz subversive Taktik fahren, mein Lieber. Aber ganz subversiv!

Außerdem ist das doch deutsche Leitkultur. Das ist nun mal ein Land, in dem traditionell viel Fleisch verzehrt wird, und warum auch nicht? Gehen Sie in den Supermarkt, das Angebot ist doch da! Und zu den Preisen kann es sich jeder leisten, es ist doch kein Luxus mehr wie im Mittelalter. Ich frage mal ganz direkt, was sollen wir denn mit dem ganzen Fleischangebot machen? Sollen wir das in die Tonne treten, nur weil wir plötzlich alle vegan und klimaneutral sind, oder wie soll man sich das vorstellen? Es werden täglich zwanzig Tonnen Tiere geschlachtet, und das schmeißen wir dann alles weg und essen Erbsen, weil Madamchen keine Salami mehr will? Entschuldigen Sie mal, aber hat die dumme Göre noch alle Tassen im Schrank!?

Der Flächenverbrauch für Feldsalat ist doch viel höher, als wenn man sich auf derselben Fläche eine Kuh halten würde. Außerdem wird man von der auch viel nachhaltiger satt, oder was meinen Sie, wie viel Rapunzeln man sich in die Figur stopfen muss, bis man ein Kilo Steakhüfte raus hat? Und ganz ehrlich, das Zeug schmeckt doch nicht. Haben Sie schon mal Salat geschmort? oder als Braten? Das ist doch nicht normal! Und dann die vielen Ställe, die reißen wir jetzt alle auch ab und ziehen da Tomatenplantagen auf? Ganz Deutschland wird ein Gewächshaus, alles dufte, und dass in so einem Ding Treibhauseffekte herrschen, das hat sich bis zu Ihnen wohl auch noch nicht herumgesprochen? Das kapiert man natürlich nicht, wenn man nur eine Zwei in Physik hat, aber daran sind sicher wieder nur die bösen Lehrer schuld. Ihre Tochter hat in diesem Halbjahr keinen Physikunterricht? Wie kann das denn sein? Unterrichtsausfall? Aber das wird doch sicher durch ein vernünftiges Fach wieder aufgefangen, oder? Religion oder Turnen? Wie jetzt, Freistunden? und das auch noch freitags? Ihre Tochter treibt sich mit anarchistischen Chaoten aus den Parallelklassen außerhalb des Schulgeländes herum, um für das Klima zu demonstrieren? Ich höre wohl nicht recht – sie demonstriert!? Da kommen Sie nicht mehr raus, mein Lieber. Da muss ich mal mit dem Jugendamt sprechen, ob das mit dem Sorgerecht immer noch zu vereinbaren ist. Sie sind ja eine Schande für die Elternschaft, und dass Sie das auch noch auf dem Rücken Ihrer Tochter ausleben – sind Sie denn vollkommen von Gott verlassen? Denken Sie vielleicht auch mal an die Zukunft unserer Kinder!?“





Höhere Lehranstalt

30 08 2018

„Wenn Sie fertig sind, legen Sie Ihre Hände auf den Kopf.“ Dass ich den Eingangstest bestehen würde, daran hatte ich nie gezweifelt, aber ob ich mich in der Schule so wohl fühlen würde, das stand dann doch noch zur Frage. Aber vielleicht war es ja sogar ganz spannend, plötzlich auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen.

„Zunächst mal sollten Sie sich in der Klasse den nötigen Respekt verschaffen.“ Eine ältere Dame, unwesentlich jünger als die Ausbilderin, schnipste mit den Fingern, doch Fräulein Haferstroh – auf die Anrede hatte sie größten Wert gelegt – nahm sie demonstrativ nicht dran. „Wir wollen uns jetzt den Stundenplan der ersten Woche ansehen. Bitte falten Sie die Zettel so auf, dass sie – Frau Schmitt!“ Die Angesprochene hatte das Papier bereits aus ihrer Mappe gezogen und damit die absolut einheitliche Choreografie der Unterrichtsvorbereitung im Nu zerstört. Alle zuckten innerlich zusammen, mich eingeschlossen, und doch wusste keiner so recht, warum eigentlich. Wir sollten Lehrer werden, die kommenden beiden Wochen lang hatten wir Zeit, uns darauf vorzubereiten, dann würde man uns einfach in eine Schulklasse schicken, um das deutsche Bildungswesen zu retten.

Ich meldete mich. „Ich habe da mal eine Frage“, informierte ich das Fräulein Haferstroh. Das hätte ich besser nicht getan. „Erstens“, knurrte sie, „weiß ich das, sonst hätten Sie sich nicht gemeldet, und zweitens hätte ich mal die Frage, warum Sie reden, bevor ich Sie drangenommen habe.“ So lange hatte ich nicht warten wollen, aber das konnte ich jetzt nicht mehr sagen. Ich nahm den Finger runter. „Warum findet bei Ihnen kein…“ „Sie sollen nicht ständig dazwischenquatschen“, fuhr sie mich an. „Aber…“ „Was habe ich gesagt!?“ Ich erhob mich, dabei stellte ich fest, dass Fräulein Haferstroh gar nicht mal so groß war; eine Erkenntnis, die man früher oder später fast mit jeder Lehrkraft macht. „Sie wollen mir jetzt also erzählen, dass Sie sich mit einem Schüler unterhalten, obwohl Sie ihn nicht drangenommen haben, und dass ich eine Frage habe, nehmen Sie nicht zur Kenntnis?“ Sie wirkte plötzlich etwas verwirrt. „Ich glaube“, sagte sie, „es muss gerade zur Pause geläutet haben.“

Die Direktorin unterrichtete selbst. „Eigentlich mache ich das nicht, aber hier geht es nicht anders. Wir haben nämlich auch Unterrichtsausfälle, also muss jeder mithelfen.“ Sie hatte einen ganzen Stapel mittelalter, teils auch mittelalterlicher Bücher auf das Pult gelegt. „Das wird Ihre Erstausstattung sein“, erläuterte sie, „aber machen Sie sich keine Hoffnungen, das werden auch die einzigen Bücher bleiben, die Sie in die Hand bekommen. Mehr gibt es nicht.“ Immerhin gab es in dem Taschenatlas, der als Erdkundebuch fungierte, das Deutsche Reich nicht mehr, dafür war die Karte leicht ausgeblichen. Es ließ sich nicht so schnell feststellen, ob die mit Punkten markierte Linie eine innerdeutsche Grenze darstellen sollte oder nur die Demarkation der Ost- und Westtarife. „Das ist eine verlässliche Ausgabe, der können Sie vertrauen. Da gibt es die DDR noch.“ „Warum“, fragte ich beim Anblick der Karte, „steht dann hier ‚Chemnitz‘?“ Sie blickte in das aufgeschlagene Buch. „Das war die Ausgabe für westdeutsche Schulen, da wurden die Namen nach 1945 nicht geändert.“ Das leuchtete ein, der Unterricht änderte sich ja auch nicht.

Frau Schmitt war schon bei der Mathematik-Fibel, die offensichtlich einen Fehler enthielt. „Da muss es ‚geteilt‘ heißen und nicht ‚multipliziert‘“, erklärte sie, „außerdem ist der Aufbau unlogisch.“ Die Direktorin nickte. „Logik bekommen unsere Schüler kurz vor dem Schulabschluss.“ „Aber es brechen doch so viele die Schule ab?“ Sie nickte. „Und wie bringe ich den Schülern jetzt Rechnen bei?“ „Sie haben doch ein Buch“, sprach die Direktorin sanft. „Alles, was die Schülerinnen und Schüler verstehen sollen, steht doch in diesem Buch drin, und Sie sind die Lehrerin. Wo ist das Problem?“ Frau Schmitts Oberlippe begann ein bisschen zu zucken. „Aber wenn ich es auch nicht verstehe?“ „Dann schauen Sie ins Buch, außerdem sind Sie die Lehrerin. Solange Sie recht haben, müssen Sie auch nichts erklären.“

Neben Physik, Religion und Deutsch wurde auch ein bisschen Geschichte unterrichtet, aber nicht zu viel. „Das könnte sonst zu einem Bruch der Kontinuität führen“, meinte die Direktorin, „wir haben das schon immer so gemacht, und deshalb können wir es nicht anders machen, nur weil wir in der Vergangenheit verschiedentlich gemerkt haben, dass man es auch hätte anders machen können, aber das ging nicht, denn dann hätte man es ja immer so machen müssen, also anders, und Sie sehe ja selbst, das ist bereits ein innerer Widerspruch.“ Es war, wie gesagt, ein bisschen verwirrend.

Die anderen Schüler verliefen sich ein bisschen auf den Gängen und schlenderten in den Pausenhof. „Sie sollten eigentlich gar nicht in dieser Klasse sitzen“, meinte die Direktorin unvermittelt zu mir. „Habe ich etwas falsch gemacht?“ Sie schüttelte den Kopf. „Wir haben noch eine Zusatzausbildung, die auf einem etwas anderen Qualifikationsniveau startet, und das wäre doch etwas für Sie. Sie haben eine ganz normale Klasse, bereiten den Unterricht vor, drei Klassen, und am Nachmittag haben Sie frei. Wir brauchen diesen Kurs wirklich. Der ist noch viel mehr nötig als alle anderen.“ „Und das wäre was genau?“ Sie legte den Bücherstapel aufs Pult. „Sie bilden die vielen Lehrer aus, von denen dann keiner mehr in die Schule will. Wie gesagt, es wäre sehr dringend.“





Staatsbürgerkunde

26 07 2017

„Wenigstens ein kleines bisschen könnte man doch aber die…“ „Nein!“ „Sie müssen doch die Kosten im Auge behalten.“ „Interessiert mich nicht.“ „Aber die Kosten haben immer Vorrang bei Ihnen? wann hat sich das denn bitte geändert?“ „Jedenfalls nicht mit Werbung. Ich werde das nicht zulassen.“

„Denken Sie doch auch mal an die Kinder!“ „Das war mein letztes Wort. Keine Werbung in den Schulen.“ „Sie sind wohl gegen Werbung, wie?“ „Sind Sie gegen Bier?“ „Nein, warum?“ „Ich auch nicht. Trotzdem hat es an deutschen Schulen nichts zu suchen.“ „Typisch, wieder so ein Spießer, der die innovativsten Ideen ausschlägt, nur weil er mit der Ethikkommission so ist.“ „Quatsch.“ „Uuh, wie qualifiziert!“ „Werbung ist schlicht mit den Aufgaben einer staatlichen Schule nicht zu vereinbaren.“ „Sie wollen den Religionsunterricht abschaffen? bitte, nur zu. Ist nicht meine Karriere.“ „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“ „Es handelt sich in beiden Fällen um…“ „Manipulation, wollten Sie sagen?“ „Das haben Sie gesagt! das lasse ich mir von Ihnen nicht unterschieben!“ „Mit dem Unterschied, dass das eine den Kindern ein Weltbild vermitteln will, welches auch immer, und das andere lediglich Konsumanreize wecken soll.“ „Das macht doch der Religionsunterricht auch, oder zahlen Sie keine Kirchensteuer?“

„Jedenfalls nehmen Sie Ihre Gutscheine mal wieder mit, und dann machen wir weiter in Ruhe Unterricht.“ „Dafür erhalten Sie im Kaufi-Markt ein kostenloses Geodreieck, und für den hier sogar einen Wasserball. Das ist wichtig, in Deutschland können immer weniger Kinder schwimmen.“ „Ich mache bei Ihnen also einen Mindestumsatz von fünf Euro, und dann kriege ich so ein lumpiges Stück Plastik nachgeworfen.“ „Damit können Sie Winkel messen, Sie können rechte Winkel und…“ „Egal.“ „… linke auch, ich kenne mich da nicht so aus, aber auf jeden Fall ist das kostenlos und…“ „Wie gesagt, wir wollen es nicht.“ „Aber die Kinder holen sich ihre Schokoriegel sowieso beim Kaufi, da kann man doch mit der Kundenbindung gar nicht früh genug ansetzen.“ „Verstehe, Sie sehen Ihre Maßnahme als Gegenbewegung zur Servicewüste Deutschland.“ „Richtig, Sie haben es erfasst! Man muss das Konzept Staatsbürgerkunde nur etwas wirtschaftsfreundlicher gestalten, dann hat auch die Binnenkonjunktur etwas vom…“ „Vergessen Sie’s.“

„Das mit den Plakaten brauche ich Ihnen dann wohl gar nicht weiter zu erläutern?“ „Ich habe es mir durchgelesen.“ „Oh, doch?“ „Schwachsinn.“ „Was spricht denn dagegen? Gucken Sie mal: Mehr Spaß am Sport mit…“ „Es gibt noch sehr viel mehr Marken, wir brauchen dieses Sponsoring nicht an der Turnhallentür.“ „Und was ist mit der Sporthilfe?“ „Das ist gezielte Förderung der Spitzenkader.“ „Sie wollen die Kinder, die das Beste sind, was wir der Zukunft zu bieten haben, ohne die Segnungen einer…“ „Kommen Sie zum Punkt, Mann.“ „Gerade die einkommensschwachen Schichten müssen doch gefördert werden, das hat sich die Sozialministerin auf die Fahne geschrieben. Nicht erst diese übrigens.“ „Dass Nahles mehrere Fahnen hat, weiß ich selbst.“ „Nein, ich meine…“ „Wenn wir sinnvolle Produktunterstützung für die Kinder bereithalten, haben wir die Gewährleistung, dass wir Chancengerechtigkeit herstellen.“ „Aha. Sinnvolle Produktunterstützung für den Unterricht hätte es nicht getan?“ „Wie soll die aussehen?“ „Sie könnten in die Schulen beispielsweise Turngeräte hinstellen, die Lehrkräfte in Supervision schulen oder in Talentförderung.“ „Umverteilung, das ist alles, was Ihnen dazu einfällt?“ „Umverteilung?“ „Wenn sich die Kinder aus einkommensschwachen Schichten diese Turnschuhe leisten wollen, müssen sie sich halt ein bisschen dafür anstrengen.“ „Ich sehe, Sie nehmen das mit der Staatsbürgerkunde ernst.“ „Wir wollen eben das Beste aus den Kindern herausholen.“ „Richtig. Ihre Kohle.“

„Dann jedenfalls schon mal herzlichen Dank für das Gespräch, ich werde mir den…“ „Nicht so schnell, können Sie nicht Ihre Werbespots noch mal zeigen?“ „Ich dachte, Sie wären gegen Werbung in der Schule?“ „Bin ich auch. Das heißt aber nicht, dass man nicht Werbung für die Schule machen sollte.“ „Wie soll das funktionieren?“ „Sie können Ihre Reklame ein bisschen umschneiden, und dann werden die Filmchen halt für Fremdsprachen oder Erdkunde. Oder überhaupt mal dafür, sich in die Schule zu begeben.“ „Und mit welchem Nutzen? Denken Sie doch mal nach, die Kinder müssen doch einen konkreten Nutzen sehen, sonst spricht sie die Werbung gar nicht an.“ „Schulausbildung. Lernen. Weshalb man eben in die Schule geht und nicht auf der Straße hockt.“ „Und wie bekommen wir dafür Sponsoren?“ „Sie arbeiten nur sporadisch mit der Wirtschaft zusammen, stimmt’s?“ „Sollen wir die Schüler etwas nur als bewusste Verbraucher bilden?“ „Wäre ein Anfang.“ „Aber wie verkaufen wir dann Kekse und Klamotten?“ „Indem Sie die Kinder frühzeitig zu vernünftigen Staatsbürgern erziehen, die genug für die Binnenkonjunktur tun.“ „Super Idee! Und das kriegen wir vernünftig hin?“ „Selbstverständlich, unter einer Bedingung.“ „Ja?“ „Halten Sie die Banken raus.“





Nicht fürs Leben

16 02 2016

„… für Flüchtlinge bis zum vollendeten 25. Lebensjahr, die keinen anerkannten Abschluss vorweisen könnten, die allgemeine Schulpflicht einführen wolle. Der CDU-Vorstand wolle damit alle nach Deutschland kommenden Menschen…“

„… es nicht primär um Sprachkenntnisse gehe, wie sie die Sozialdemokraten vermitteln wollten, sondern um den landestypischen Bildungsstandard, wie er von Industrie und Handwerk…“

„… sich der Philologenverband Sachsen-Anhalt geschlossen weigere, dunkelhäutige Invasoren in der Muttersprache der hochdeutschen Herrenrasse zu unterrichten. Aus Solidarität fordere der ehemalige Vorsitzende weibliche Asylantinnen auf, soweit sie nicht als potenzielle Vergewaltigerinnen in einen zivilisierten Rechtsstaat gelangt seien, auf einen Unterricht in der Bundesrepublik ebenfalls Verzicht zu üben, um nicht die…“

„… eine Elterninitiative gründen wolle. Die Präsenz muslimischer Schüler stelle grundsätzlich eine Gefährdung deutscher Kinder dar. Dass die Erwachsenen nur nachmittags den Unterricht besuchten, sei kein Argument, sondern eine von den linksgrünen Medien gezielt gestreute…“

„… ohnehin schwierig sei, da die wenigsten Einwanderer Schulzeugnisse mit sich führten. So sei es durchaus möglich, dass alle Flüchtlinge zu einem Besuch der Primarstufe…“

„… man die Flüchtlinge da abholen wolle, wo sie sich befänden, gleichzeitig aber auch integrative Maßnahmen einfließen lasse. So wolle man Schülerinnen nicht mit schwierigen Fächern wie Mathematik oder…“

„… empfehle Bundesbildungsministerin Wanka den Asylbewerbern, sich schriftlich an ihre Heimatschulen zu wenden, um Kopien ihrer Abgangszeugnisse beibringen zu können. Die Bundesregierung werde zur Unterstützung unbürokratisch Gutscheine für Postwertzeichen und andere Hilfsmittel…“

„… aus der Zusammenarbeit der Bundesagentur mit dem BAMF erwachse. Zur Förderung des Schulbesuches durch das eine Amt, so Weise, müsse man jeweils einen positiven Bescheid des anderen Amtes vorweisen. Dies sichere in beiden Behörden je fünftausend Planstellen und belege, dass der Aufschwung durch die Flüchtlinge auch für unqualifizierte Mitarbeiter segensreiche…“

„… wobei er sich auf der Dresdner Kundgebung erneut zum Wortführer des Protestes erklärt habe. Dem dahergelaufenen Krimigrantendreckspack, so Bachmann, stecke man aus Steuergeldern der hart arbeitenden Volksgemeinschaft die Mittel zur Erlangung eines Hilfsschulabschlusses hinten und vorne hinein, während er selbst in seinem ganzen Leben noch nicht einen einzigen…“

„… kritisiere die baden-württembergische Integrationsministerin, dass man die Flüchtlingen nach einem Schulabschluss zu schnell in die Arbeitswelt aufnehme. Die Sozialdemokratin Öney moniere, man den müsse außerhalb Deutschlands geborenen und sozialisierten Muslimen zeigen, dass sie ihre Ausbildung nicht fürs Leben, sondern für die…“

„… gleichzeitig die Bedingungen für einen unbefristeten Aufenthalt derart erschweren wolle, dass dieser quasi unmöglich werde. Nur so sei eine erfolgreiche schulische Weiterbildung zu…“

„… Fehlanreize setze. De Maizière zeige sich sehr besorgt, wenn man Asylanten vermittle, in Deutschland seien Bildung, Rechtsstaat, Wohlstand und Sicherheit erstrebenswerte Ziele. Er selbst wisse aus eigener politischer Erfahrung, dass die wenigsten Deutschen dies…“

„… weniger als erwartet angenommen werde. Nahles könne derzeit noch nicht genau sagen, ob es an der Versorgung mit einem Schulplatz auf neun angemeldete Schülerinnen und Schüler liege oder ob abzüglich der saisonalen Schwankungen falsche Anreize zur…“

„… müsse man insbesondere besser auf Schüler aus der muslimischen Parallelkultur eingehen. Zahlreiche von ihnen hätten katholische Religion als freiwilliges Fach gewählt, was für die CDU im süddeutschen Raum weder vorhergesehen noch…“

„… warne de Maizière eindringlich davor, den Flüchtlingen durch Schulbildung die Werte unserer Gesellschaft zu vermitteln, da die meisten nur gekommen seien, um genauer kennenzulernen, was sie später gewaltsam…“

„… nach statistischen Untersuchungen etwas unterhalb des bisherigen Bundesdurchschnitts liege, jedoch weit oberhalb der für PEGIDA gemessenen Werte. Das syrische Bildungssystem sei damit durchaus…“

„… gleichzeitig den Mindestlohn von 8,50 Euro für Flüchtlinge herabzusetzen. So könne gesichert werden, dass die zugewanderten Neubürger sich nicht nur ins deutsche Bildungssystem integrierten, sondern auch in die wirtschaftlichen…“

„… habe Festerling außerdem zum bewaffneten Widerstand gegen die Umvolkung der Schülerschaft aufgerufen. Mit Maschinenpistolen und Mittelstreckenraketen werde das deutsche Volk gegen die Teilung deutscher Kultur und deutscher Bildung an eine Semitenrasse…“

„… wiegele der Bundesverband der Deutschen Industrie ab. Es werde nicht zu einer Konkurrenz mit einheimischen Fachkräften kommen, da sie Asylanten ohnehin nur dazu vorgesehen sein Hilfstätigkeiten für ungelernte Arbeiter zu…“

„… hätten Polizei und Staatsschutz bis zum Morgen achtundachtzig Brandanschläge auf Grund- und Hauptschulen gezählt. Das von einem Kommando Tatjana verfasste Bekennerschreiben mit der Kernforderung ‚Kein Bildung für dem Islamische Asylat‘ sei an sämtlichen Tatorten…“

„… den anerkannten Flüchtlingen sowie den Asylberechtigten den Schulbesuch erst dann zu gestatten, wenn diese nachweisen könnten, dass sie ausreichend Deutsch sprächen, Kenntnisse der deutschen Rechts- und Gesellschaftsordnung besäßen, keine Straftaten begangen hätten und ihren Lebensunterhalt selbstständig sichern könnten, kurz: wenn sie den Schulunterricht eigentlich gar nicht mehr…“





Wissen ist macht nichts

11 06 2015

„Aber handwerkliche Fähigkeiten müssen unbedingt rein.“ „Wir haben das als Schulfach, Kollege.“ „Ich weiß, aber die Bildungsministerin will es unbedingt.“ „Die ist ja auch Mathematikerin und hält die Realität für eine Art Paralleluniversum, in dem sie Gastauftritte absolvieren kann.“

„Fakt ist, die Bundesbildungsministerin will Alltagswissen als neues Schulfach.“ „Mit prüfungsrelevanten Fragen?“ „Nein, aber…“ „Dann will unsere tapfere Parteisoldatin nur mal Sondermüll unter sich lassen, damit sie laut genug für die Boulevardmedien wird?“ „Das haben Sie gesagt.“ „Das habe ich gesagt. Aus Gründen.“ „Vielleicht ist sie auch nur sehr besorgt, wie sich die Jugend von heute auf dem Arbeitsmarkt behaupten kann.“ „Deshalb ist es ihr auch egal, ob sich die Jugend von heute überhaupt benehmen kann. Das lehnt sie ja in der schulischen Ausbildung vehement ab.“ „Aus gutem Grund. Wenn man sich halbwegs zivilisiert gebärdet und die Klappe hält, wenn man nichts zu sagen hat, wird man schließlich nie Ministerin, schon gar nicht in dieser Partei.“
„Unsere heilige Johanna der Schulhöfe denkt etwa an Fallen in Handyverträgen.“ „Das ist sehr vernünftig: lassen Sie die Jugendlichen auswandern.“ „Weil Deutschland ein digitales Entwicklungsland ist?“ „Sie werden ja vornehmlich dann über den Tisch gezogen, wenn Sie in einem Land telefonieren müssen, wo sie das Fünfzigfache des üblichen Preises für ein Datenvolumen zahlen.“ „Sehr gut, das werden die Jugendlichen bestimmt auch ohne ein juristisches Staatsexamen lösen können.“ „Warten Sie ab, bis TTIP kommt, dann können Sie sich ihr rechtsstaatlich orientiertes Jura-Studium in den…“ „Können Sie jetzt schon. Nur weiß das Wanka nicht.“ „Sie ist halt in Deutschland zur Schule gegangen.“

„Die Jugendlichen kennen sich ja auch mit Steuern und Rente gar nicht mehr aus.“ „Was auch besser so ist. Sobald sie wissen, wie das mit der Rente funktioniert, sind sie doch für jede Erwerbsarbeit schon so gut wie verloren.“ „Dann ist das mit der Gedichtanalyse in vier Sprachen vielleicht gar nicht so verkehrt.“ „Da kann man wenigstens auswandern, bekommt Handyverträge, bei denen man die Fallen nicht so teuer bezahlt, und hat sogar Chancen auf eine anständige Rente.“ „Und erwirbt nebenbei sogar handwerkliche Fähigkeiten.“ „Wenn Sie ständig Ikea-Regale in fremden Ländern aufbauen müssen, kommt das irgendwann ganz zwangsläufig.“

„Vermutlich ist das auch nur ein Trick, die Drittmittelfinanzierung anzukurbeln.“ „Sie meinen, Ikea sponsert den Werkunterricht dann direkt?“ „Für die Handyverträge sollte sich sicher auch ein Partner finden lassen, und wenn Sie die Versicherungskonzerne erstmal in die Schulen reinlassen, dann verstehen die Schüler das auch mit der Rente.“

„Jetzt wäre auch noch nach der Fachkompetenz zu fragen.“ „Was bei einer Ministerin erwartungsgemäß zu lustigen Ergebnissen führt.“ „Nein, ernsthaft: wird einem dann der Handyvertrag in Mathematik beigebracht oder in Sozialkunde?“ „Schwierig. Religionsunterricht ist ja freiwillig.“ „Sonst bräuchte man für diesen Alltagsunterricht auch noch neue Lehrer.“ „Schwierig, Wanka hat ja die alten noch nicht mal aufgebraucht.“ „Und dann müsste noch eruiert werden, welche Ausbildung die Kollegen durchlaufen haben müssen, um das neue Fach unterrichten zu dürfen.“ „Vielleicht greift man auf nichtakademisches Lehrpersonal zurück?“ „Also das nächste JobCenter?“ „Denkbar. Pro Schule ein Arbeitsloser, bei dem es für den Einsatz in der Pflege nicht gereicht hat.“ „Gute Idee. Der kann dann auch gleich die Ikea-Regale im Lehrerzimmer mit aufbauen helfen.“

„Man müsste diesen Ansatz nur konsequent genug zu Ende denken.“ „Stimmt, dann können wir irgendwann Goethe und die Geografie an den Nagel hängen, weil Handy und Hämmern angesagt ist.“ „Und wir machen das Abitur dann in Fahrradreparatur und Kochen.“ „Nur, was wollen Sie mit so einem Abitur denn dann noch anfangen? Das qualifiziert Sie doch gar nicht mehr ausreichend.“ „Aber klar doch – wenn Sie mal arbeitslos werden, und damit werden Sie es ganz sicher irgendwann, können Sie wenigstens Ikea-Regale aufbauen.“ „Vielleicht sogar als Hilfskraft an einer deutschen Schule.“ „Und das ganz ohne Studium.“ „Finde ich prima. Da lernt man dann nicht mehr nur für die Schule, sondern endlich auch mal fürs Leben.“ „Und zur Not, wenn Sie das mit dem Leben auch nicht so ganz auf die Reihe gekriegt haben, können Sie immer noch Bundesbildungsministerin werden.“

„À propos Bundesministerin, Bildung ist in Deutschland doch Ländersache?“ „Natürlich.“ „Also ist diese Ministerin gar nicht zuständig für den Unterricht, weil die Länder die Lehrpläne selbst machen.“ „Absolut richtig.“ „Dann ist das auch wieder nur Heißluft, was diese offenbar mit Ausatmen intellektuell überforderte Sprechpuppe da von sich gibt?“ „Immerhin macht sie es nicht in vier Sprachen.“ „Glück gehabt.“ „Wieso?“ „Mir schwant nämlich schon Übles, wenn ich mir ausmale, wie dieses neue Schulfach geheißen hätte.“ „Worauf tippen Sie?“ „Staatsbürgerkunde.“