Containern

19 08 2019

„Welcher Vollidiot hatte diese bescheuerte Idee!?“ „Keine Ahnung, irgendwer muss es wohl gewesen sein, und dann haben sie es einfach gemacht.“ „Na toll!“ „Überrascht Sie das etwa?“ „Sollte es das nicht?“ „Nein, ich meine: dass die SPD irgendeinen Scheiß macht und sofort danach nicht mehr wissen will, dass das Absicht war?“

„Ich würde jetzt ja lieber mal wissen, wer auf die Schnapsidee gekommen ist, die Kandidaten für den Parteivorsitz in so ein Big-Brother-Ding zu sperren.“ „Liegt doch nahe.“ „Verstehe, man sieht vorher schon mal, wer in erhöhter Deppendichte als erstes die Nerven verliert.“ „Nein, ganz anders.“ „Dann die Dauerbeobachtung?“ „Jetzt lassen Sie doch mal.“ „Was soll es denn dann noch sein?“ „Die sind alle vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten und wissen nicht, was da vor sich geht. Und die Reaktion kriegen sie auch immer erst mit, wenn es schon zu spät ist.“ „Okay, aber dafür hätte man die komplette Partei einsperren können.“ „Es wollten ja nicht alle mitmachen.“ „Dann hätte eine Beobachtung in freier Wildbahn durchaus genügt.“ „Die Gefahr ist zu groß, dass da einer wegrennt.“ „Und deshalb hat man sie in diesen Container gesperrt?“ „Das ist medial besser zu managen.“ „Bitte!?“ „Letztlich wissen wir alle, es ist völlig egal, was dabei rauskommt, die Zuschauer erwarten nur schöne Bilder.“

„Das da hinten rechts, das ist doch…“ „Ja. Ich weiß auch nicht, wie der da reingekommen ist, er hat aber gesagt, er fühlt sich immer noch der Partei zugehörig.“ „Der hat doch hier nichts zu suchen!“ „Da gebe ich Ihnen recht, aber es gibt auch solche, die sind der Ansicht, diese ganze Veranstaltung dient nur dazu, der SPD den Gnadenstoß zu geben.“ „Und er will den ganzen Laden auf die Schnelle abwickeln?“ „So ähnlich.“ „Na, das kann ja heiter werden.“ „Wenn er Pech hat, dann driftet die Partei in den Rechtsextremismus.“ „Das ist doch eine total bescheuerte Idee!“ „Ja, aber nicht so bekloppt wie die Toleranz, ihn nicht einfach vor die Tür zu setzen.“

„Jetzt sagen Sie doch mal, wie funktioniert das eigentlich?“ „Also die Teilnehmer werden hier in dem Ding beobachtet.“ „Ach was.“ „Doch, ja. Und dann wird regelmäßig einer rausgewählt.“ „Ich dachte, die treten hier auch schon als Doppel an?“ „Man will sich hier offensichtlich mal sehr flexibel zeigen. Da die Partei in den letzten Jahren…“ „Sagen Sie wenigstens ‚in den vergangenen‘, das hört sich nicht so depressiv an.“ „Meinetwegen. Da hat die Partei schon sehr viel Flexibilität gezeigt. Vor allem moralisch.“ „Und wer am Schluss noch drin ist, hat gewonnen?“ „Nein, hier gibt es ja nur Verlierer. Wer nicht vorher schon rausgewählt wird, muss es machen. Das ist ein kleiner Unterschied, vergessen Sie nicht: das hier ist die SPD.“ „Na gut, meinetwegen. Was ist dann mit dem hier?“ „Der hat gute Chancen, der wollte sowieso nicht.“ „Weil er ja als Bundesminister schon…“ „Aus dialektischen Gründen.“ „Dialektisch?“ „Er will schon, deshalb hat er ja vorher auch schon klargemacht, dass er gar nicht wollen kann, wegen der Verantwortung.“ „Das verstehe ich nicht.“ „Dann haben Sie es ja doch kapiert. Also dialektisch.“ „Meine Güte, jetzt nerven Sie mich nicht mit Ihrem spitzfindigen…“ „Dialektisch, das Wort ist: dialektisch. Deshalb hat er auch gesagt, er würde das nur machen, wenn die anderen ihn dazu auffordern würden.“ „Und, wozu ist er dann in dieser Klausur?“ „Weil da alle sind, die ihn dazu auffordern könnten.“ „Und wenn er nicht von ihnen aufgefordert wird?“ „Dann sagt er, dass er es ja eigentlich gar nicht machen wollte, das hatte er ja schon vorher klargemacht.“ „Und wenn sie es doch tun?“ „Dann sagt er auch , dass er es gar nicht machen wollte, und dass er das klargemacht hatte.“ „Also alles bleibt sich gleich?“ „Richtig. Wenn er den Vorsitz übernimmt, dann bleibt alles gleich. Aber das hatte er ja vorher klargemacht.“

„Aber mal im Ernst, gucken Sie sich mal den Altersschnitt in der Runde an.“ „Das hatte ich Ihnen doch erklärt, das ist auch Teil der Verantwortung in der Parteispitze.“ „Sie meinen, die wollen echt alle Verantwortung übernehmen für die Zukunft der…“ „Natürlich nicht. SPD und Zukunft, das wäre jetzt doch ein bisschen albern.“ „Das ist also auch schon wieder so eine dialektische Sache?“ „Nein, es geht bloß um die Vergangenheit. Die Politiker, die die Partei zwanzig Jahre lang in die Scheiße geritten haben, kennen sich doch am besten damit aus.“ „Mit der Sozialdemokratie?“ „Vor allem mit der Scheiße.“ „Und jetzt wollen sie die Partei aus der Vergangenheit retten?“ „Nein, in die Vergangenheit. Die SPD soll doch eines Tages wieder so stark sein wie vor der ganzen Sache.“ „Und deshalb sperrt man nun diese ganzen Arschlöcher in einen Kasten und wartet, wer nicht rausfliegt!?“ „Das ist eine Form des sozialen Handelns.“ „Ah, verstehe. Das ist russisches Roulette.“ „Nein, das ist Containern.“ „Was!?“ „Containern. Es gibt immer gute Gründe, etwas wegzuschmeißen, beispielsweise dann, wenn das Haltbarkeitsdatum überschritten ist und eine Gefahr für die Öffentlichkeit droht.“ „Und dann?“ „Dann gibt es Menschen, die haben derart eigene Ansprüche, dass sie sich aus dem Müll noch etwas Brauchbares heraussuchen wollen.“ „Auf eigene Gefahr selbstverständlich. Aber es bleibt halt immer ein Nervenkitzel.“ „Weil man nicht weiß, was man da rauszieht?“ „Auch. Aber überlegen Sie mal, wenn vor Ihnen schon ein paar Mann am Container waren, was meinen Sie, ist denn dann noch drin?“

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Wieder Vereinigung

13 06 2019

„Das machen Sie doch nur, weil Sie immer recht behalten wollen!“ „Das machen wir, weil wir in diesem Fall tatsächlich recht behalten haben.“ „Aber die Deutschen wollen eine konservative Mehrheit!“ „Und deshalb stellen Sie Ihren Vize als Kanzler auf?“ „Und Sie sind nämlich rassistisch!“

„Ich verstehe nicht, warum Sie so in Rage geraten, es war ein Angebot, mehr nicht.“ „Aber ein vergiftetes, das weiß doch jeder!“ „Naja, Sie müssen es nicht annehmen.“ „Sie wollen aber, dass wir das annehmen!“ „Das ist nun mal eben der Sinn eines Angebots.“ „Ich kenne die Art Angebote, die man nicht ablehnen kann! Sie wollen sich selbst und uns Schaden zufügen!“ „Wenn Sie damit so ein Problem haben, warum sind Sie dann immer noch in der Großen Koalition?“ „Sie und Ihre verdammten rhetorischen Taschenspielertricks, Sie werden uns jedenfalls nicht in die Enge treiben!“ „Wozu auch. Sie stehen doch mit dem Rücken schon halb in der Wand drin.“

„Außerdem, erklären Sie mir doch bitte mal, wozu brauchen wir zwei sozialdemokratische Parteien?“ „Weil es derzeit nicht einmal eine gibt.“ „Das beantwortet meine Frage nicht. Wozu zwei?“ „Weil eine in diesem Land nun mal dringend gebraucht wird.“ „Meine Güte, dann noch mal schriftlich: wozu zwei!?“ „Weil es dann nur noch eine gibt, und die hat ein ausreichendes Potenzial an Wählern, um politisch wieder Boden gutzumachen. Offenbar kommt Ihnen das nach den letzten Jahren am Glockenseil gar nicht mehr in den Sinn?“ „Was?“ „Dass man bei Wahlen antritt, um etwas zu verändern.“ „Wir liefern doch, merkt man das nicht draußen im Land?“ „Allein die Tatsache, dass das für Sie draußen im Land ist, zeigt doch schon, in welchem Elfenbeinturm Sie es sich gemütlich gemacht haben.“ „Tun Sie doch nicht so, als wäre die Wiederwahl für Sie unwichtig!“

„Jedenfalls werden Sie sich dazu ganz kräftig bewegen müssen.“ „Wieso denn wir?“ „Weil wir schon auf dem richtigen Weg sind.“ „Das sieht man ja auch an Ihren Wahlerfolgen.“ „Sie meinen also, eine Partei sei nur dann gut, wenn sie auch gewählt wird?“ „Dann verstehe ich Ihre Kritik an der SPD jedenfalls nicht mehr.“ „Weil Sie sich von Ihrer politischen Idee viel zu weit entfernt haben.“ „Ach, und Sie können ja nur Sozialismus!“ „Sich können ja nicht mal den.“ „Das muss ich mir von Ihnen nicht vorwerfen lassen!“ „Doch.“ „Warum denn?“ „Weil Sie gerade alles über Bord werfen, was an die Ideale Ihrer Partei zu erinnern droht.“ „Man muss sich auch mal von historischen Irrläufern trennen.“ „Also von den Grünen, meinen Sie?“ „Wir werden uns mit denen schon verständigen, dass wir eine vernünftige Bundesregierung unter der Führung der SPD auf die…“ „Das hat in den letzten Koalitionen ja auch ganz prima geklappt.“ „Was?“ „Naja, diese Minderheitsregierung der SPD, ohne dass es die anderen merken.“

„Und wenn wir uns regional aufstellen?“ „Wie hatten Sie sich das gedacht?“ „Nach dem Vorbild der Union.“ „Also nach dem Vorbild, nach dem Sie gerade alles an die Wand fahren.“ „Versuchen Sie nicht, witzig zu werden.“ „Sie wollen also eine Art Doppellösung wie mit der CSU?“ „Ja, und wir dachten an Ihren Part als den einer regionalen Ost-SPD.“ „Damit die Nazis in den neuen Ländern besser durchregieren können.“ „Also in Thüringen geht’s doch.“ „In Sachsen auch, da stellen die Nazis inzwischen den CDU-Kandidaten.“ „Jedenfalls könnte ich mir gut vorstellen, dass Sie da die eine oder andere Koalition hinkriegen, weil Sie die bessere regionale Verwurzelung haben.“ „Das liegt daran, dass Sie da Ihre eigenen Wurzeln mit Anlauf ausgerissen haben.“ „Aber da brauchen Sie dann auch keine Konkurrenz zu fürchten.“ „Konkurrenz von der SPD? und Sie denken, Ihre Witze seien besser!?“ „Da können Sie dann ein eigenes Profil erarbeiten, gerne auch rechtssozialistisch, und dann treffen wir uns auf Bundesebene wieder in der Mitte, weil da ja die Wahlen gewonnen werden.“ „In der Mitte?“ „Auf Bundesebene. Jedenfalls von uns, wenn wir uns wieder vereinigen.“ „Sie wollen eine Wiedervereinigung? Also eine Vereinigung wider besseren Wissen?“ „Nein, wir würden das natürlich getrennt schreiben.“ „Aha, einer unserer rhetorischen Taschenspielertricks, der ist nur gut, weil Sie ihn diesmal kopieren.“ „Hätten Sie wieder etwas gegen die Vereinigung?“ „Wir wären dann eher für getrenntes Marschieren.“ „So kann man aber nicht gemeinsam siegen.“ „Mit Ihnen zu siegen ist immer noch schlimmer, als sich selbst eine Niederlage einzuhandeln.“ „Genau dieser linke Separatismus ist es, der unser Land in Gefahr bringt, immer wieder!“ „Richtig, und in Gestalt der Grünen übernimmt dieser linke Separatismus gerade die politische Mehrheit, und das auch noch ganz demokratisch.“ „Das soll für die ja auch wie Demokratie aussehen.“ „Ich glaube, wir sind echt noch nicht so weit.“ „Richtig, da werden Sie sich als Linke doch noch ein ganzes Stück in Richtung Mitte bewegen müssen, bevor wir ein Angebot von Ihnen zur Kenntnis nehmen.“ „Wir können warten.“ „Und genau diese Arroganz ist es, warum ich mich frage, ob diese ganze Diskussion nicht sowieso überflüssig ist!“ „Oder noch sehr viel mehr.“ „Das können Sie als populistische Klientelpartei doch gar nicht beurteilen!“ „Ach, ich hätte da mal eine Frage.“ „Schießen Sie los.“ „Kann ich die Mauer noch mal sehen?“





Schulz & Friends

4 06 2019

„… werde sich die SPD nach dem Rückzug von Nahles schnell erneuern. Die Partei habe die Zeichen der Zeit verstanden und wolle sich in den kommenden Wochen intensiv mit personellen und programmatischen…“

„… zunächst nur auf der Personalebene stattfinden könne, da sich die programmatische Neuausrichtung der Partei nicht ohne ein neues Parteiprogramm gestalten lasse. Auch dieses werde, wie andere Programme zuvor, in der Realpolitik keine nennenswerte Rolle spielen, es sei aber für die Glaubwürdigkeit der Sozialdemokraten von essenzieller…“

„… neue politische Ideen wie eine an der Inflation ausgerichtete Lohnsteigerung nur mit Vorsicht in die Agenda integrieren wolle. Kahrs sehe die reale Gefahr von Arbeitsplatzverlusten und könne sozialistische Ideen nur in Ausnahmen als…“

„… den Parteivorsitz nicht übernehmen könne. Scholz wolle sich ganz auf sein Ministeramt konzentrieren, da er keine Pensionsansprüche für ein parteiinternes…“

„… sich von erfahrenen Krisenmanagern begleiten lassen wolle. Steinbrück habe bereits zugesagt, in einer Fortsetzung der Großen Koalition als Vizekanzler die entscheidenden…“

„… die Vorsitzfrage erst gestellt werden solle, wenn die programmatische Neuausrichtung der SPD erfolgt sei, da man diesmal keinen Vorsitzenden haben wolle, der sich völlig beliebig gegen jede inhaltliche…“

„… dass sich Scholz ganz auf die Kandidatur als Bundeskanzler konzentrieren werde und für die Parteiführung keine…“

„… werde die Partei in einem symbolischen Akt Gerhard Schröder die Würde des Ehrenvorsitzenden antragen, da er maßgeblich daran mitgewirkt habe, die Regierung von 1998 bis 2005 zu einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Epochen für die SPD werden zu…“

„… inhaltliche Fragen sozialdemokratischer Politik erst dann angehen könne, wenn der richtige Vorsitzende seine eigene Vision für die Wahrung der Partei und ihrer…“

„… eine interne Befragung der Parteispitze ergeben habe, dass keine der befragten Personen irgendeiner anderen irgendein Amt zutraue, ganz abgesehen vom Vorsitz der…“

„… sei die Partei sich nicht darüber einig, ob eine Urwahl das richtige Mittel sei, um den Vorsitzenden zu bestimmen. Es bedürfe vielmehr eines Bundesparteitags, der von sehr erfahrenen…“

„… sich nach dem Führungstrio mit einer Doppelspitze profilieren könne. Die Delegierten hätten die Wahl zwischen Schäfer-Gümbel und Dreyer sowie Schulz und Scholz als…“

„… eine durchaus günstige Perspektive zeichne. Die realpolitische Umsetzung der ersten Entwürfe werde in den Ausschüssen noch in dieser Legislatur vorbereitet, wobei nicht auszuschließen sei, dass sich der Koalitionspartner vehement gegen die…“

„… es zunächst um die Sicherung der Errungenschaften der SPD für den Mittelstand gehe. Uneins sei sich die Partei noch, ob auch die Hartz-Gesetze dazu…“

„… könne die SPD nur die eigene politische Wende bewerkstelligen. Das Spitzenduo Scholz und Giffey wolle daher die Koalition mit der CDU nicht…“

„… einhellig abgelehnt worden sei. Man könne eine große Volkspartei mit dem Potenzial zur absoluten Mehrheit nicht wie einen Jugendclub führen, der ausschließlich auf Prozente ziele und so schnell wie möglich zur Kanzlerschaft strebe. Kühnert habe keine Chance, sich als…“

„… sehe sich die designierte Doppelspitze Stegner/Barley im Konflikt mit den Grünen, ob man als Minderheitsregierung vom stärkeren Bündnispartner toleriert werde oder weiter mit Hilfe der CDU eine klimafeindliche, aber für den Mittelstand sehr viel…“
„… in beratender Funktion zurückkehren könne, um den fließenden Übergang aus der Regierung ins so palliativ wie möglich zu gestalten. Nahles werde dafür allerdings nicht von der Partei bezahlt, sondern von einem Interessenverband der…“

„… auch einen Wechsel des Namens nicht ausschließen könne. Das Präsidium wolle noch keine endgültige Aussage machen, sehe aber eine Änderung in Schulz & Friends als europafreundliche…“

„… eine linke, nicht verheiratete Frau mit Migrationshintergrund, die in den neuen Bundesländern aufgewachsen sei. Paritätisch dazu wolle Scholz selbst eine der beiden…“

„… eine neue Vereinigung mit der Linkspartei nicht für ratsam erachte. Diese wolle sicher rein sozialistische Inhalte in die SPD einbringen, was mit der derzeit noch verbliebenen Kernwählerschaft allerdings keine ausreichend großen…“

„… einstimmig beschlossen wurde. Die Partei selbst habe es als fundamentalen Schritt in eine neue Richtung gewertet und wolle sich jetzt auf eine total gewandelte Politik einstimmen, die auch die Menschen draußen im Land mitnehmen werde. Der Beschluss, statt Lila wieder zu Rot als Farbe der Sozialdemokratie zurückzukehren, war nach einer hart umkämpften Debatte in der…“





Kevin allein zu Haus

13 02 2019

„Ob die Frau Nahles zu sprechen ist, wollte ich wissen. Die ist doch jetzt, also zumindest müsste sie um diese Uhrzeit, ich rufe ja immer so am späten Vormittag durch, dann ist sie – wie? Homeoffice? Das ist doch ein Scherz, oder?

Ja, ich warte. Hallo? Meine Güte, ich kann doch dieses Dossier nicht alleine rausgeben, ich muss doch Rücksprache halten mit dem… – Hallo? Gut, dass ich Sie dran habe, Frau Nahles, ich wollte den Teil über die Qualifizierung von Arbeitslosen über 58 noch mal… – Hallo? Hört mich überhaupt einer in diesem Saftladen? Ich meine, es ist die SPD, da redet sich jeder irgendeinen Quatsch zusammen und weiß, dass sowieso keiner zuhört, aber ich muss das hier bis morgen verschicken!

Hallo? Na endlich, ich warte hier ja nun schon eine halbe… – Ach, Sie sind es gar nicht. Dann geben Sie mir doch mal Herrn Scholz, irgendeiner muss den ganzen Spaß doch bezahlen. Mäht gerade den Rasen? Haben Sie im Willy-Brandt-Haus jetzt keine Gärtner mehr, die Sie zum Mindestlohn befristet beschäftigen können? Irgendwer wird sich doch finden lassen, der mir sagen kann, wie wir die berufliche Bildung von Arbeitnehmern mit mehr als einem Vermittlungshemmnis… – Klar, wenn’s ans Eingemachte geht, ist wieder keiner zuständig, und wenn die Sache in die Hose geht, sind sie alle nicht schuld, weil von Anfang an keiner zugehört hat. So müsste ich mal arbeiten, dann säße ich aber schon längst unter der Brücke. Hallo? Ja, hier auch, jetzt stellen Sie mich gefälligst zu Herrn Scholz durch, der ist doch da? Sie haben doch eben gerade gesagt, der ist draußen und mäht den… Wie, zu Hause? Der ist nicht zu sprechen? Der Bundesfinanzminister ist ab sofort mittwochs im privaten Arbeitszimmer und nur nach Rücksprache erreichbar? Haben Sie noch alle Tassen im Schrank!?

Das musste ja irgendwann so kommen, Gabriel hat das damals schon vorexerziert. Samstags gehört Vati mir. Jetzt lassen sich die feinen Herrschaften gar erst nicht mehr im Büro blicken, jetzt haben sie alle die digitale Arbeitswelt entdeckt, die sie bei anderen so schön abwürgen können, weil es für eine anständige Infrastruktur kein Geld gibt. Ganz groß!

Hallo? So, und jetzt stellen Sie mich gefälligst an Herrn Heil durch, der ist doch für Soziales noch zuständig? Also gestern war er’s noch, was er heute treibt, will ich gar nicht… Joggen? Ganz davon abgesehen, dass ich die Bilder nicht mehr aus dem Kopf kriege, wieso joggt der Mann? Haben Sie mal auf die Uhr geschaut? Nein, das hat nichts damit zu tun, dass es für die SPD immer zu spät ist, ich will wissen, wie ein Minister am helllichten Tag, am Werktag wohlgemerkt, wie der jetzt joggen kann? Mobiles Arbeiten? Wie soll ich mir das vorstellen, Herr Heil schleppt sich schwitzend durch den Tiergarten und zwei Staatssekretäre rennen mit dem Notizblock hinter ihm her, um seine Geistesblitze mitzuschreiben? Wollen Sie mich verarschen!?

Ja, ich warte. Wir können das den ganzen Tag machen, meine Zeit ist das ja nicht, die hier gerade abläuft. Erklären Sie mir doch einfach mal, was der ganze Kram hier soll, die einen sitzen zu Hause, die anderen arbeiten von unterwegs aus, keiner ist mehr erreichbar – das soll die Zukunft dieser Republik sein? Sie wollen das erst mal an sich selbst testen? Sonst haben Sie keine Sorgen? Ja, ich weiß auch, dass es um die Zukunft Deutschlands geht, aber Sie verwechseln das mit der Zukunft der SPD. Obwohl ich auch hier nicht gerade das Gefühl habe, dass Sie wissen, was Sie da tun. Langsam habe ich den Eindruck, diese Partei ist ein Zombie. Die übersteht jeden Suizid.

Können Sie mich nicht einfach mal an jemanden durchstellen, der wenigstens körperlich anwesend ist? Ist da überhaupt noch jemand? Herr Kühnert? Ach Gottchen, Kevin allein zu Haus – nee, lassen Sie mal gut sein. Der schreibt es auch nur auf einen Zettel und der nächste schmeißt den dann in den Schredder. Das können wir uns sparen.

Meine Güte, wer hat denn Telefondienst in diesem Saftladen? Herr Maas? Das ist doch nicht zu fassen, der Mann ist… – Nachmittags? Was genau heißt das bei Ihnen? Der Botschafter? Wie, Sie haben den afghanischen Botschafter ins Saarland gefahren, weil der Außenminister am Vormittag das diplomatische Personal nur in seinem Bungalow empfängt? Was kommt denn als nächstes, alle Staatssekretäre nur noch in Teilzeit? Und der Bundespräsident macht das dann als geringfügige Beschäftigung? Ich schätze mal, das macht den Job dann auch für Alleinerziehende wieder attraktiv, richtig? Hallo? Hallo?

Wenn sie wenigstens nicht diese verfluchte Musik in der Warteschleife hätten – ‚Brüder, zur Sonne, zur Freiheit‘, ja, das könnte Euch passen, ich hocke hier im Büro und Ihr macht Euch einen gemütlichen Tag, was? Das soll der Linksruck sein? dass ich nicht lache! Mehr haben Sie nicht zu… – Sie haben ein Beschwerdemanagement? Verstehe, und wie soll das funktionieren? Wer macht das? Herr Steinbrück? Entschuldigen Sie mal, das ist doch… – Wie, schriftlich? Ich soll die Beschwerde schriftlich einreichen, und dann entscheidet der Vorstand, wann ich noch mal anrufen soll? Sagen Sie mal, hören Sie mir überhaupt zu? Sie haben dieses verdammte Dossier zum Arbeitslosengeld bei mir angefordert und mir gesagt, wenn ich nicht bis… –

Warteschleife. Jetzt wird es mir aber zu bunt hier, stopfen Sie sich doch den Mist sonst wo rein! Und wenn Sie irgendwas vorher selbst ausprobieren wollen, dann nehmen Sie gefälligst Ihre verfluchte Grundrente!“





Ostschutzmittel

30 01 2019

„Und diese Strategie ist schon ausgereift?“ „Das, was davon existiert, ist tatsächlich schon sehr, sehr gut.“ „Muss ich auch sagen.“ „Jawoll.“ „Und was existiert davon?“ „Also bisher – wissen Sie da nicht schon irgendwas?“

„Das soll jetzt ja nicht irgendein Schnellschuss werden, wir setzen da schon auf Nachhaltigkeit.“ „Wegen der strategischen Wirkung und so.“ „Aha, und was verstehen Sie so unter Nachhaltigkeit?“ „Dass das länger nachhält.“ „Also vorhält.“ „Also wenigstens bis zu den Landtagswahlen.“ „Das klingt ja mal wieder höchst professionell.“ „Ja, nicht wahr?“ „Und die CDU macht das auch mit?“ „Wenn wir die sozialdemokratischen Mehrheiten in Ostdeutschland zurückgeholt haben, dann kann uns doch die CDU egal sein.“ „Jawoll.“

„Die Infrastruktur könnte man zum Beispiel schon mal vergessen.“ „Sie meinen ‚verbessern‘.“ „Da habe ich mich wohl verlesen.“ „Vergessen können Sie die jetzt schon, da muss sich gar nicht viel ändern.“ „Deshalb ja auch.“ „Und erst mal ist es natürlich gut, dass wir da auf einem Parteitag einen Beschluss fassen…“ „Wann findet der statt, kurz nach 2020?“ „… was wir als Infrastruktur und als verbesserungswürdig sehen.“ „Die Autobahnen sind ja teilweise schon ganz gut.“ „Dann sollten wir da auch kein Tempolimit mehr andenken.“ „Macht sowieso nur Unruhe.“ „Und dass sich die Leute gar kein Auto leisten können?“ „Da sehen Sie es, die ganzen Asylanten kriegen Unterkünfte und noch Taschengeld, und die Arbeiter müssen für ihre Sozialleistungen anstehen!“ „Sind Sie sich ganz sicher, dass Sie in der richtigen Partei sind?“ „Sie können mich ja rauswerfen lassen, im Osten dauert das doppelt so lange!“ „Jetzt lassen Sie ihn doch mal, er ist seit der Wiedervereinigung ein bisschen enttäuscht, dass das mit dem Sozialismus nicht so recht geklappt hat.“ „Deshalb probiert man es hier jetzt ja auch eher mit Nationalsozialismus.“ „Die Leute können sich schlicht keine Autos leisten, Kollegen.“ „Und deshalb sollen wir jetzt die Tram über die Autobahn fahren lassen?“ „Sie sind lustig, das lernt man also in Berlin?“ „Wir wäre es denn dann mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln?“ „Das rentiert sich nicht.“ „Eben, die Fabriken sind so weit außerhalb, da bauen wir doch jetzt keine Autobahnen mehr hin.“ „Obwohl, wenn der Höcke das versprechen würde…“

„Außerdem müsste man mal das Netz in den Osten bringen.“ „Damit die Jugendlichen nur noch aufs Handy starren?“ „Genau dafür bringen die Einwanderer doch ihre Smartphones mit, wollen Sie, dass die Sachsen und Thüringen auch noch islamisieren!?“ „Vielleicht würde das ja ein paar Fachkräfte anlocken, die die Pflegesituation in den Bundesländern entspannen.“ „Hätte, könnte, wäre!“ „Dann hätten wir auch mehr Geld für die Renten.“ „Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun.“ „Das denken Sie, aber die Bevölkerung im Osten ist halt durch Niedriglöhne und die Teilzeitfalle in eine schlechte Ausgangsposition geraten, was die Altersvorsorge angeht.“ „Dabei ging es uns noch nie so gut seit der Wiedervereinigung.“ „Schon mal überlegt, dass das eine mit dem anderen zu tun haben könnte?“

„Und über künstliche Intelligenz redet natürlich wieder mal keiner.“ „Was wollen Sie denn im Osten mit künstlicher Intelligenz?“ „Wenn Sie sich die letzten Wahlen anschauen, dann sehen Sie, mit der natürlichen kommt man hier nicht weit.“ „Das ist der Wandel durch Innovation.“ „Und wer wird da eingesetzt?“ „Ich dachte, das könnten wir mit der Einwanderung aus dem Westen irgendwie steuern?“ „Woher nehmen Sie denn da die Fachkräfte?“ „Die im Osten haben nicht genug Ausbildungsplätze, also könnte man die …“ „Das mit dem Vergessen war doch keine schlechte Idee.“ „Diese künstliche Intelligenz könnte man ja auch in der bürgernahen Verwaltung einsetzen.“ „Und zur Kinderbetreuung, oder was meinen Sie?“ „Ich weiß ja nicht. Roboter in der Krippe?“ „In der DDR war’s auch nicht anders.“ „Für das Geld kriegen Sie jedenfalls keine Erzieherin.“ „Und die macht auch noch Urlaub und wird krank.“ „Oder schwanger.“ „Sag ich doch.“ „Dann können die Frauen sich wieder ganz auf ihre Karriere konzentrieren.“ „Sehen Sie, Kollege, so geht nämlich Frauenförderung.“ „Jawoll!“

„Wenn wir erst mal die Kindergrundssicherung im Osten ausprobiert haben, dann können wir ja die Bahnpreise erhöhen.“ „Wie passt das denn bitte zusammen?“ „Mehr Geld für den Konsum, dann kann man auch die Preise anpassen.“ „Und je mehr Umsatz, desto mehr Gewinn.“ „Und Arbeitsplätze.“ „Arbeitsplätze!“ „Jawoll!“ „Die sind das optimale Ostschutzmittel.“ „Also bald boomt es hier, davon kann sich der Westen eine Scheibe abschneiden.“ „Irre!“ „Außerdem wird ja die Infrastruktur für die Kinder sowieso kostenlos.“ „Dann bezahlen nur die Eltern?“ „Die haben dann ja wieder Jobs und können sich die Bahn auch leisten.“ „Und der Staat sollte endlich aufhören, das Engagement der Schulen zu beschneiden.“ „Finde ich auch.“ „Nur diese Freitagsdemos, die sind weiterhin verboten?“ „Sie können ja am Montag nach Dresden fahren, wenn es Ihnen nicht passt.“ „Wir machen das schon, Kollege.“ „Eben, und dann haben wir ja auch noch die CDU.“ „Und Sie wollen ernsthaft mit denen…“ „Na, die machen doch sowieso alles wie die AfD, damit sie nichts machen müssen und trotzdem keine Wähler verlieren.“ „Sehen Sie, so ist das hier im Osten. Wir lernen halt immer noch gerne vom Sieger.“





Schnauze

14 01 2019

„Und er hat tatsächlich gesagt, dass er sich die Kanzlerkandidatur zutraut?“ „Meine Güte, diese Springerschmierlappen haben ihn gefragt, da kann er schlecht nein sagen.“ „Warum eigentlich nicht?“ „Weil sonst die SPD endgültig weg ist.“ „Und was ist sie jetzt?“

„Ich verstehe ja, dass Sie das kritisch sehen, aber dann müssen Sie auch konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation…“ „Nicht schon wieder die alte Leier!“ „Haben Sie Lösungsvorschläge, ja oder nein?“ „Den ganzen Laden in die Tonne treten, aber mich fragt ja wieder keiner.“ „So leicht dürfen wir es uns auch nicht machen, schließlich haben wir staatspolitische Verantwortung.“ „Für die SPD?“ „Nein, für… ach, ist ja auch egal jetzt.“ „Dann sagen Sie’s halt, ich meine, Sie glauben doch noch an das Wunder von Berlin, oder?“ „Erstmal müssen wir uns erneuern, das sagen doch alle.“ „Sehen Sie es mal positiv, wenn wir das eh nicht schaffen, dann sollten wir es wenigstens glaubwürdig beenden.“ „Wie das denn?“ „Na gucken Sie, Scholz gibt uns das gute Gefühl, mit diesem Kandidaten tun wir alles für eine Erneuerung – und wir verhindern gleichzeitig wirksam, dass sie stattfindet.“ „Sie meinen, das geht?“ „Das hat die SPD bisher mit dem Sozialismus auch hingekriegt.“

„Warum beißen sich jetzt alle an diesem Mann so fest?“ „Weil er dieses gewisse Etwas hat.“ „Wie bitte?“ „Naja, knapp unterhalb von Charisma.“ „Entschuldigen Sie mal, was haben Sie denn da wieder geraucht!?“ „Dann hören Sie sich mal an, was der sonst so von sich gibt. Wenn Sie nicht so genau hingucken, dann kann man den Eindruck kriegen, Schmidt hätte sich in der Hausnummer geirrt.“ „Oder in der Partei.“ „Ach was, das ist doch seine Masche.“ „Sie meinen, der macht das mit Absicht?“ „Alles.“ „Alles?“ „Zunächst: Hamburg. Wenn ein Kanzler irgendwo herkommt, dann aus der Hansestadt.“ „Die Merkel ist doch aber aus der Zone?“ „Und in Hamburg geboren.“ „Ach so.“ „Eben. Und dann dieses weltmännische Verstehen von Volkswirtschaft, da merkt man doch: der hat so einen preußischen Chic, der macht das nicht für Geld.“ „Der wandert hinterher in die Wirtschaft ab, darauf können Sie aber Gift nehmen.“ „Was er danach macht, ist schnurzegal. Und dies harte, man möchte sagen: männliche Durchgreifen in höchster Gefahr für seine Stadt!“ „Sie wollen jetzt nicht die Sturmflut 1962 mit dem Polizeieinsatz bei der Kapitalistenparty vergleichen?“ „Schmidt hat auch aufs Grundgesetz gepfiffen.“ „Aber doch nicht auf Artikel 1!“

„Wissen Sie, so eine Koalition mit der Union kann ganz lustig sein, man muss nur die richtige Konstellation finden.“ „Sie meinen ernsthaft, dass die SPD den Kanzler stellt und die CDU den Junior macht?“ „Andersrum will’s der Wähler nicht mehr, so viel steht schon mal fest.“ „Jetzt verlieren Sie langsam den Boden unter den Füßen.“ „Und mit der Sachpolitik machen wir es dann wie mit der Erneuerung.“ „Die findet also auch nicht statt?“ „Zumindest nicht so, wie sich die Opposition aus Grünen und Linken das vorstellt. Mit einem echten Wirtschaftskanzler kann man doch Hartz IV nicht abschaffen.“ „Wirtschaftskanzler?“ „Merz hätte das auch nicht gemacht.“ „Entschuldigen Sie mal, das ist doch Realsatire! Von einem SPD-Kanzler wird man erwarten, dass er sich um die Mieten kümmert und um die Löhne, um Kitas und Pflege und…“ „Macht er doch, jede Wette. Unsere Kampa wird der Knaller, sollen Sie mal sehen!“ „Also wieder nur ein Wahlkampfkanzler?“ „Denken Sie an sein Vorbild, wir werden ein politisches Beben sehen, das geradezu an einen Ruck erinnert. Jetzt erleben wir Scholz-Schnauze.“ „Schnauze?“ „Naja, die Schnittmenge mit Schmidt ist nicht gerade groß, aber irgendwo muss man doch anfangen.“ „Ich wäre sehr vorsichtig mit dem Spitznamen, gerade in Hamburg hat man seinen Brechmitteleinsatz gegen Kleinkriminelle immer noch gut im Gedächtnis.“ „Das wäre eher eine parteiinterne Bezeichnung.“

„Wenn ich das richtig verstanden habe, ist er innerhalb der eigenen Partei auch umstritten.“ „Das kann man so sehen, es halten sich ja noch andere für kanzlertauglich.“ „Weil?“ „Na, aus Gründen halt.“ „Nein, ich meine… ach, vergessen Sie’s.“ „Schauen Sie mal, in dieser Hinsicht ist doch Scholz ein absolutes Multifunktionswerkzeug.“ „Das verstehe ich nicht.“ „Klar, das muss man auch erlebt haben, aber…“ „Nein, nicht so.“ „Sehen Sie, der Sozialismus, politische Inhalte, die Erneuerung, und jetzt auch noch die Kanzlerschaft – das ist ein Zukunftsmodell für die Sozialdemokratie!“ „Also wir träumen von der Kanzlerschaft, aber wir wissen genau: mit dem Mann kann man sich das langfristig in die Haare schmieren.“ „Jawohl, und dann kommt erst die Zukunft: wir haben eine Perspektive, von Wahl zu Wahl.“ „Von Ewigkeit zu Ewigkeit, das wollten Sie doch sagen?“ „Oder so, jedenfalls ist mit solchen Kanzlerkandidaten ausgeschlossen, dass wir je auch nur in die Nähe der politischen Verantwortung geraten.“ „Ab jetzt Ausruhen auf der Oppositionsbank?“ „Für den Rest des Lebens, oder wenigstens solange, wie es die SPD noch gibt.“ „Und danach?“ „Wie, danach?“ „Das muss ja nicht unbedingt zusammenfallen.“ „Stimmt, aber wenn man erstmal die richtige Erfahrung gesammelt hat, ein Profil, ein Image, verstehen Sie, was sich auch in der Öffentlichkeit gut verkaufen lässt, dann kann man das doch wirklich auch mal einsetzen und sich für die Gesellschaft, also die Wirtschaft, verstehen Sie, die braucht solche Köpfe immer.“ „Was soll ich in der Wirtschaft?“ „Wer redet denn von Ihnen? Ich rede von Olaf Scholz!“





Rückabwicklung

1 11 2018

„Aber zumindest jetzt könnte man doch erst mal die wichtigen Dinge erledigen und den…“ „Welche wichtigen Dinge?“ „Und wer erledigt das?“ „Und warum erst jetzt?“ „Heilige Makrele, haben Sie denn die letzten Jahre geschlafen?“ „Ich meine, wenn wir die SPD nicht in die Regierung kriegen, dann sollten wir sie jetzt raus nehmen.“ „Und das bezeichnen Sie als Erneuerung?“

„Wenn wir uns jetzt für ein Linksbündnis öffnen wollten, müssten wir auch linke Politik machen.“ „Ach was!“ „Gut, dann eben nicht.“ „Und damit ist das dann schon abgehakt für Sie?“ „Wir haben die Koalition jetzt schon mal für uns als beendet erklärt.“ „Sie haben den Pofalla gemacht?“ „Aber nur intern, es muss ja irgendwie weitergehen.“ „Das heißt nicht, dass wir in dieselbe Richtung gehen müssen, in die wir bisher gegangen sind.“ „Nicht?“ „Im Prinzip nicht.“ „Aha.“ „Also müssen wir in die Richtung zurück, aus der wir kommen.“ „Das dürfte aber eine lange Reise werden.“ „Naja, der Weg ist halt auch das Ziel.“ „Aber wie manchen wir das den Wählern klar?“ „Wir könnten das als unsere Abwicklung bezeichnen.“ „Ich weiß ja nicht.“ „Als Rückabwicklung?“ „Meinen Sie, das kommt an?“ „Eher als wir, schätze ich.“

„Vielleicht sollten wir die Werbung ein bisschen besser gestalten.“ „Ein bisschen?“ „Heilige Makrele, wir sind kurz vor dem Absaufen, und er will in Zeitlupe nach oben schwimmen?“ „So viel Geld haben wir gar nicht!“ „Was heißt denn überhaupt: ein bisschen?“ „Naja, wir müssen nicht gleich so mit der Tür ins Haus fallen, sonst verwechseln die uns mit den Linken.“ „Also keine explizit linken Inhalte.“ „Das dürfte bei der jetzigen SPD verhältnismäßig einfach zu machen sein.“ „Und natürlich die Personalfrage, die ist im…“ „Endlich mal Fortschritt!“ „Jau, weg mit Nahles!“ „Also ich hatte eher gemeint, wir brauchen neue Gesichter.“ „Das hatte ich auch so verstanden.“ „Auf den Plakaten.“ „Meine Güte, was soll denn der Unsinn wieder? Wen wollen Sie denn da noch plakatieren?“ „Vielleicht jemanden, der eher so die jungen Leute anspricht. Richtige Sympathieträger halt.“ „Und an wen hatten Sie da so gedacht?“ „Peter Maffay.“ „Entschuldigung, wen!?“ „Peter Maffay.“ „Meine Güte, der kann doch unterm Tisch durchlaufen!“ „Da passt er ja wenigstens zu den Umfrageergebnissen.“ „Meine Güte, ist Ihnen klar, wie alt der Mann ist?“ „Also wir fanden den ja früher toll, und der ist auch…“ „Der vergrault uns noch die letzten Pensionäre!“

„Aber wir können jetzt nicht alle zurücktreten.“ „Warum denn nicht?“ „Sie sind vielleicht schon abgesichert, aber ein paar Leute müssten regelrecht arbeiten gehen.“ „Igitt!“ „Schlimm!“ „Und das in einer Arbeiterpartei!“ „Warum werden wir denn nicht mehr gewählt?“ „Weil wir beschissene Politik machen?“ „Weil in dieser Partei dieselben Idioten seit zwanzig Jahren eine zunehmend beschissene Politik machen, die keiner mehr sehen will.“ „Die Politik?“ „Ich glaube, er meint die Idioten.“ „Wie groß muss der Leidensdruck sein, dass man statt uns die Linken wählt?“ „Heilige Makrele, das ist doch überhaupt nicht miteinander vergleichbar!“ „Sollen wir uns jetzt alle selbst abschaffen?“ „Da wüsste ich wenigstens einen, der uns erklärt, wie das funktioniert.“ „Wieso haben wir den eigentlich noch nicht abgeschafft?“ „Solidarität und so. Macht man ja in der Partei mit seinen Genossen.“

„Und dann haben wir natürlich noch das Problem mit den Migranten.“ „Also wenn Sie mit denen ein Problem haben, ich habe keins.“ „Naja, ich auch nicht, aber der öffentliche Diskurs ist doch insgesamt eher in die Richtung gerutscht.“ „Das hat die CSU auch gedacht.“ „Gegen die SPD würde aber keiner auf die Straße gehen.“ „Nicht mehr.“ „Wieso nicht?“ „Wenn ich der SPD beim Sterben zugucken will, bleibe ich zu Hause und warte ab, wann es passiert.“ „Aber Migration ist nun mal ein höchst problematisches Thema.“ „Also höchst problematisch ist eher, wie mit dem Thema in der Öffentlichkeit umgegangen wird.“ „Und in den Medien.“ „Brauchen wir mehr Medienpräsenz?“ „Jedenfalls nicht beim Thema Migration, das wird doch eh alles in die rechte Ecke gedrückt.“ „Wir könnten doch hier als linkes Gegengewicht…“ „Heilige Makrele, wenn Sie in irgendeine Talkshow kommen, dann ist doch der Grüne schon da, der Ihnen erklärt, wie man’s richtig macht!“

„Vielleicht müsste man die Partei tatsächlich mal umvolken.“ „Bitte was!?“ „Sagt doch jeder, dass das sowieso gerade passiert.“ „Sie meinen, wir sollten alles austauschen, Programm und Richtung und Vorstand und Köpfe und alles?“ „Ja, aber Nahles muss natürlich bleiben.“ „Ah, verstehe. Sie hat uns in die Bredouille gebracht, sie darf die Suppe jetzt auslöffeln.“ „Nein, aber ich dachte, ein bisschen Kontinuität könnte uns doch nicht schaden. So als Wiedererkennungswert.“ „In der Geisterbahn hängen immer noch die alten Köpfe, und er spricht von Wiedererkennungswert!“ „Heilige Makrele!“

Wir bräuchten eben eine Person, die das Land wirklich verändern will.“ „Einen, der von den Bürgern respektiert wird.“ „Sozial eingestellt.“ „Ein Mensch mit einer Perspektive.“ „Mit politischem Weitblick.“ „Und Anstand!“ „Genau, eine echte Persönlichkeit!“ „Authentisch!“ „Aber…“ „Und mit Vernunft!“ „Aber…“ „Aber, aber – was aber?“ „Warum sollte so einer noch in der SPD sein?“