Ist denn schon Weihnachten?

29 04 2020

„150 Euro finde ich jetzt aber schon ganz schön viel.“ „Nee, das reicht doch im wirklichen Leben niemals aus.“ „Sie haben es schon mal kapiert.“ „Was?“ „Wieso haben wir das kapiert?“ „Das ist die Win-Win-Strategie des Konzepts. Jeder kann über die Höhe des Betrags meckern, und wir können die Armen trotzdem weiter abhängen.“

„Es kann doch trotzdem sein, dass sich ein Haushalt einen Computer kauft und dann…“ „Von 150 Euro.“ „Sie müssen an Ihren Pointen arbeiten, die sind etwas klemmig.“ „Vielleicht findet man ja einen gebrauchten, der ist im…“ „Und dann kommt der Papst und schenkt ihnen ein Jahr lang Internet, Blümchen und ein Pony.“ „Man kann auf Dauer die Ärmeren nicht abhängen von der digitalen Welt.“ „Wieso, sehen Sie doch.“ „Aber es geht nicht!“ „Das hat der Koalitionsausschuss jetzt beschlossen, das wird so auch umgesetzt.“ „Und wir können froh sein, dass das von den Schulen ausgezahlt wird.“ „Weil Sie dann nicht mehr mit dem billigen Vorurteil kommen können, dass die Eltern das für Schnaps und Zigaretten ausgeben?“ „Nein, es ist Ländersache.“ „Und wenn es schief geht…“ „Und das wollen wir doch mal hoffen!“ „… dann sind auch die Länder daran schuld.“

„Das ist doch lächerlich: diese 150 Euro sind nie im Leben genug als Digitalteilhabe.“ „Da hat sich der Koalitionsausschuss so seine Gedanken gemacht.“ „Man kann die Kinder jetzt auch nicht zu früh mit teuren Geschenken überhäufen.“ „Ja ist denn schon Weihnachten, Frau Bundeskanzlerin?“ „Hähähä!“ „Das werden dann genau die faulen Arbeitslosen, die alles vom Staat erwarten, weil sie sich nicht selbst helfen wollen.“ „Der Staat ist doch weder an den Kindern interessiert noch an den Eltern.“ „Meine Güte, hat denn etwa der Staat diese Krise verursacht!?“ „Sie haben ja Vorstellungen!“ „Diese Situation haben wir seit Jahrzehnten, das hat mit der Krise gerade mal gar nichts zu tun.“ „Dann sehe ich auch nicht, warum der Staat jetzt plötzlich für ein paar Tage Unterricht zu Hause Milliarden springen lassen soll, nur weil ihre Eltern sich keine kostspieligen Digitalgeräte leisten können.“ „Die werden ja nicht nur für den Unterricht zu Hause benutzt.“ „Von der Leyen hat Ihnen so schöne Versprechungen gemacht!“ „Eine Geigenstunde pro Quartal und freie Mitgliedschaft im Tennisclub!“ „Nur Trainerstunden müssen Sie halt selbst zahlen.“

„Schauen Sie mal, das ist doch pädagogisch durchaus wertvoll.“ „Was denn bitte?“ „Naja, wenn man als Schüler zum Klassenlehrer gehen muss, um sich als Sozialfall zu outen, das ist schon peinlich.“ „Da lernt man fürs Leben.“ „Zum Beispiel, dass man besser kein Sozialfall ist.“ „Oder sich outet.“ „Und dann auch noch Ansprüche stellt.“ „Aber die Teilhabe steht allen zu, die sie beantragen.“ „Ja, das ist eben die Schwierigkeit in dieser Gesellschaft.“ „Alle wollen immer nur haben.“ „Aber selbst für etwas verantwortlich sein, da hat jeder sofort eine Ausrede parat.“ „Jetzt halten Sie mal die Luft an, wir reden hier von Kindern!“ „Merken Sie was?“ „Typisches Ablenkungsmanöver, wenn Sie mich fragen.“ „Aber so was von typisch!“ „Sie können doch Kinder nicht dafür verantwortlich machen, dass ihre Eltern nicht die finanziellen Mittel haben, um ihnen teure technische Geräte zu kaufen.“ „In dieser Gesellschaft ist nun mal nicht alles gerecht.“ „Das kann man natürlich anprangern.“ „Ich finde, irgendwo ist es auch ein bisschen richtig.“ „Dass so viele Kinder in prekären Verhältnissen aufwachsen müssen?“ „Nein, dass man das anprangert. Ab und zu gibt einem das ein schönes Gefühl.“

„Bis jetzt haben Sie doch immer so getan, als sei Bildung das beste Mittel gegen Armut.“ „Das stimmt ja auch.“ „Bildung ist ein sehr hohes Gut!“ „Das darf man doch nicht einfach an irgendwelche Arme verschleudern!“ „Sie wollen also bewusst Ausschlusskriterien bei der Bildung einführen.“ „Ja.“ „Stellen Sie sich das doch mal vor.“ „Wir haben in absehbarer Zeit sehr viel mehr Arbeitslose in Deutschland.“ „Das trifft dann natürlich auch die, die ausreichend Bildungsteilhabe genossen haben.“ „Und wir hätten dann eine direkte Konkurrenz für die, die jetzt durch Bildungsteilhabe das soziale Niveau ihrer Eltern halten können.“ „Auch da, wo es rein von der Bildung eigentlich gar nicht reichen würde.“ „Stellen Sie sich das mal vor, die Kinder benutzen so ein digitales Gerät für Mathematik.“ „Physik!“ „Wirtschaftswissenschaften!“ „Mir wird ganz übel bei dem Gedanken!“ „Die machen mit dem Zeug Abitur!“ „Die kennen gar nichts anderes mehr!“ „Eine sozialistische Einheitsgesellschaft, wo jeder mit seinem Tablet herumläuft!“ „Oh Gott, ich kann das gar nicht mehr hören!“ „Die studieren!“ „Und dann schreiben die Bewerbungen!“ „Und nehmen den anderen die Jobs weg!“ „Das ist das Ende von Deutschland!“ „Sagen Sie mal, hören Sie sich eigentlich selbst zu bei der ganzen Scheiße, die Sie da vom Stapel lassen?“ „Diese 150 Euro holen wir vielleicht früher oder später wieder rein.“ „Das Kindergeld wird ja zum Glück auf Hartz IV angerechnet.“ „Bringen Sie die Sozialfuzzis nicht auf dumme Gedanken!“ „Gut, dass Blüm gerade weg vom Fenster ist.“ „Hähähä!“ „Und was schlagen Sie jetzt als Lösung vor?“ „Schulen auf!“ „Wie?“ „Na, alle Schulen wieder auf! So schnell wie möglich!“ „Das meinen Sie ernst!?“ „Aber ja doch, irgendwie muss man den Gefahren ins Auge blicken.“ „Man sagt, in der Unterschicht sei das Immunsystem signifikant schwächer.“ „Na, dann wollen wir mal schauen, dass das die unsichtbare Hand regelt.“





Auszeit

1 04 2019

„Man hört jetzt also einfach so auf zu arbeiten?“ „Wer hat das denn gesagt?“ „Die Linken.“ „Naja, das ist eben keine Arbeiterpartei.“ „Interessant ist das trotzdem, ich meine, stellen Sie sich das mal vor: man kann bei einem nicht mehr unterscheiden, ob der gerade Pause macht oder für die Wirtschaft komplett nutzlos ist.“ „Gucken Sie sich das Management an, da ist das normal.“

„Aber die Idee ist gut.“ „Dass man gar nicht mehr arbeitet?“ „Nein, es geht bloß um ein Sabbatical.“ „Um ein was?“ „Sabbatical. Da macht mal zwischendurch einfach mal Pause.“ „Kenne ich, ist bei uns auch so. Dann kommen Sie aus der Pause zurück, der ganze Krempel liegt immer noch herum und Sie dürfen das trotzdem beseitigen.“ „Nein, Sie verlassen Ihren Arbeitsplatz.“ „Ja, das Fachwort heißt Kündigung. Ist den Linken wohl noch nicht so oft passiert, weil die Vögel eh selten zur Arbeit gehen.“ „Nein, das ist eine Auszeit. Sie nehmen sich eine Auszeit und kommen danach an Ihren Arbeitsplatz zurück.“ „So wie Leiharbeiter, die werden zwischendurch für drei Monaten zum Arbeitsamt geschickt, weil die Industrie nicht die Zuschläge zahlen will, und dann müssen Sie zum anderen Betrieb dreißig Kilometer weiter fahre, und wenn Sie einmal zu spät sind, weil unsere tolle Bundesbahn vergessen hat, Waggons für die Züge zu kaufen, dann fliegen Sie raus.“ „Nein, das heißt wirklich so. Sie machen eine Pause und kommen dann wieder.“ „Und wie?“ „Ja, normal halt.“ „Auf welchem Arbeitsplatz?“ „Auf dem alten natürlich.“ „Na toll. Und wie lange dauert das dann so? Zwei Wochen, zwei Monate?“ „Zwei Jahre.“ „Zwei Jahre. Und in der Zwischenzeit bleibt dann das ganze Rechnungswesen liegen und stapelt sich bis zur Decke, weil Sie zwei Jahre lang Selbstfindung betrieben auf Anraten einer kommunistischen Dame mit Artikulationsschwierigkeiten?“ „Nein, das kann man dann sicher schon irgendwie regeln, dass…“ „Na, da bin ich aber mal gespannt. Schießen Sie los, ich tu so, als würde ich Ihnen folgen.“

„Also es ist wie mit der Teilzeitregelung von Nahles.“ „Nahles nur noch in Teilzeit? Halleluja, dass ich das noch erleben darf!“ „Nein, ich meine, das war ihr Vorschlag.“ „Meiner wäre, dass sie ein Sabbatical nimmt, aber eins bis zum Ende ihrer politischen Karriere!“ „Man kann diese Positionen ja durch Umschichtung in der…“ „Super, dass ich darauf noch nicht gekommen bin – Umschichtung der Arbeitskräfte! Wenn uns ein Klempner fehlt, da frage ich mal zwei Bürokaufleute und einen Panzerfahrer, ob sie das eben erledigen können.“ „Aber…“ „Seien Sie froh, dass wir keine Raketen bauen.“ „Ich meine, das ist doch…“ „Oder hier, Kernkraftwerke. Das wird ganz eng.“ „Sie müssen doch die…“ „Ganz eng!“

„Also personalpolitisch müsste man sich da schon auch etwas einfallen lassen, aber das werden wir in der Personalpolitik der Zukunft dann auch lösen.“ „Was macht Sie da so sicher?“ „Dabei haben sich die Politiker doch sicher etwas gedacht, oder täusche ich mich da?“ „Nicht doch, vertrauen Sie denen ruhig. Die müssen sich mit so vielen Sachen gleichzeitig beschäftigen, die haben immer eine Lösung für alle Probleme parat.“ „Na, dann ist es ja gut. Weil, irgendwie muss man ja auch die Posten wieder besetzen.“ „Was Sie nicht sagen!“ „Und wenn die Arbeitnehmer nach so einem Sabbatical den Anspruch auf den alten Arbeitsplatz wieder haben oder auf einen vergleichbaren, was macht man dann in der Zwischenzeit?“ „In einer Behörde ist das ganz einfach, da wird vorher nicht gearbeitet und hinterher auch nicht, also bleibt sich das gleich, wie viele Leute Sie beschäftigen.“ „Naja, aber es ist nicht alles eine Behörde.“ „Das hat Nahles auch festgestellt, als sie mit dem Rechtsanspruch auf Homeoffice gescheitert war. Für einen Staatssekretär kriegen Sie das hin, bei einem Bauklempner wird das schon schwieriger.“ „Dann müsste man das mit einem befristeten Vertrag…“ „Deshalb hatten uns Nahles und die Linken ja auch lang und breit erklärt, dass es in Zukunft viel weniger befristete Arbeitsverträge geben soll. Und dass das alles auf gesetzlicher Grundlage geschieht, hatte ihnen vorher keiner gesteckt, aber das muss man als Ministerin auch nicht wissen.“

„Dann geht das eigentlich nur mit Leiharbeit.“ „Ja, das hatte ich auch so verstanden. Ist ja auch kein Wunder, die Linke war ja schon immer eine Partei, die Leiharbeit fördern wollte und sich öffentlich dafür eingesetzt hat, mehr Arbeit über Entleiher abzuwickeln. Schnell, flexibel und dafür zum Ausgleich sozial unverträglich, also so, wie man die Linken kennt.“ „Ich verstehe es auch nicht, vor allem: was machen denn die armen Leute, wenn die Firma in den zwei Jahren pleite geht und sie dann nicht mehr auf den alten Arbeitsplatz zurück können, weil es den nicht mehr gibt?“ „Was zahlen die Firmen für so ein Sabbatical?“ „65 Prozent des Nettolohns.“ „Fürs Nichtstun? Meine Herren, dagegen ist Hartz IV ja direkt menschenfeindlich.“ „Und wenn jetzt wichtige Fachkräfte fehlen, die die Unternehmen trotzdem Geld kosten, wie soll man denn dann diese Arbeitsplätze überhaupt erhalten können?“ „Wir sammeln.“ „Was?“ „Geld natürlich. Ich bitte Sie, das kriegen wir hin. 65 Prozent sind doch ein Klacks, bedenken Sie nur die Folgen: zwei Jahre lang merken wir nicht, dass bei den Linken nichts folgt, und danach sind sie weg vom Fenster. Ich frage Sie: ist es das nicht wirklich wert?“





Das Opfer oder Alles aus Liebe

6 10 2013

für Frank Wedekind

Das Onkelchen ist alt, doch gut genährt,
in allen Teilen feist und wohl erhalten.
Wir wollen, vor ihm Schlimmes widerfährt,
aus sittlichem Gefühl den Schädel spalten.

Es tut uns selber weh. Doch hin ist hin,
und keiner wird lebendig nur vom Weinen.
Er ist für alle Gläubigen Gewinn.
Man merkt das, schon aus Keuschheit, beim Entbeinen.

Wir geben ihn als Knochen und als Fleisch
zur Suppe, um der Ärmsten Not zu lindern.
Da ist ein Jubel, Aufstand und Gekreisch.
Dank guten Leumunds wird man uns nicht hindern.

Es ist uns gar nicht peinlich, will das Lob,
das man uns zollt, ein wenig dick geraten.
Der Rücken geht, die Rippen etwas grob,
das gibt, wenn man sich anstrengt, guten Braten.

Man heiligt uns. Ihr seht, wenn Ihr uns trefft,
wir segnen täglich ganze Menschenschwärme.
Moral verkaufen, das ist ein Geschäft.
Uns bleibt der Ruhm. Euch bleiben die Gedärme.





Pflegeleicht

12 09 2013

„… bestehe derzeit ein Mangel von ca. 30.000 qualifizierten Pflegekräften. Bisher habe die Regierung noch kein Konzept, die Kanzlerin wolle sich aber spätestens nach der Wahl informieren lassen, was genau da…“

„… regle der Markt die Versorgung von alleine. Rösler habe vorgeschlagen, die Gehälter des Pflegepersonals um ein Viertel zu kürzen, da durch derartig strukturelle Verbesserungen mehr Arbeitslose freiwillig eine Stelle als…“

„… seien vor allem Pflegekräfte aus China gefragt. Der traditionell niedrige Standard in deutschen Heimen sei ihnen vertraut, da sie auch in ihrer Heimat keinen Wert auf Menschenrechte…“

„… zur Konsolidierung der Haushalte durchzusetzen. Bahr habe vorgeschlagen, optionale Leistungen wie Körperpflege und medizinische Versorgung aus den Pflichtleistungen zu streichen, um durch eine kürzere Verweildauer in der Pflegeeinrichtung eine wirtschaftlichere…“

„… weitere Sparmaßnahmen durchzusetzen. Schäuble habe die Streichung sämtlicher Sozialleistungen sowie eine Steigerung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel empfohlen, um Arbeitsplätze im deutschen Niedriglohnbereich nicht nur für Spanier, sondern auch für Griechen attraktiv zu…“

„… dass Pflegekräfte in ihrer Heimat für eine Vollzeitstelle 350 Euro erhielten. Von der Leyen regte an, das Lohnniveau der osteuropäischen Staaten beizubehalten, um die Harmonisierung innerhalb der EU schneller zum…“

„… müsse die Pflegeversicherung immer wieder verbessert und dem Bedarf angepasst werden. Den Personalmangel könne nur eine Erhöhung der Beitragssätze auffangen, da die Besserverdienenden sonst gezwungen wären, aus Deutschland zu…“

„… ebenfalls verantwortlich, dass deutsche Arbeitnehmer in Pflegeberufen in Drittländer wie Norwegen und die Schweiz auswanderten. Rösler habe angeregt, eine Verbesserung der Arbeit im coolsten Land der Welt etwa nach norwegischen Maßstäben vorzunehmen, abgesehen vom Gehalt, um eine bessere…“

„… die Ausbildung verkürzt werden könne. Künftig sollten Ausländer auch ohne Ausbildung in Pflegeberufen arbeiten dürfen, sofern sie im Gegenzug auf Sozialversicherungsbeiträge verzichteten und…“

„… seien bis 2025 wegen der weiter steigenden Zahl von Pflegebedürftigen mindestens 400.000 zusätzliche Pflegekräfte vonnöten. Merkel habe sich vorsichtig optimistisch geäußert, dass durch künftige Austeritätsmaßnahmen erhebliche Personalressourcen in Italien und Frankreich als…“

„… das von der CSU geplante Pflegebetreuungsgeld ausgezahlt werde, wenn eine pflegebedürftige Person darauf verzichte, in einer Pflegeeinrichtung gepflegt zu werden und sich stattdessen zu Hause…“

„… die bereits zu Erzieherinnen umgeschulten Schleckerfrauen nicht ausreichten. Man müsse daher noch mehr Erzieherinnen durch Fortbildung zur Schleckerfrau aus dem Arbeitsprozess nehmen, um sie dann für den Pflegeberuf zu…“

„… Asylanten nur noch dann zu dulden, wenn sie neben einer Ausbildung in einem Pflegeberuf bei Verwandten wohnen könnten, die die Differenz bis zum Existenzminimum aus eigener Tasche…“

„… mehr als 15.000 Stellen gestrichen würden. Das Personal sei jedoch für Pflege sowie andere Sozialberufe nicht mehr zu verwenden, da die Kräfte zuvor als Investmentbanker…“

„… das Pflegebetreuungsgeld zur Hälfte auszuzahlen, wenn dem Pflegebedürftigen zuzumuten sei, dass er sich selbst pflege, anstatt in einer Pflegeeinrichtung zu…“

„… komme es durch Abwerbung von Pflegepersonal von den Philippinen dort bereits zu ernsthaftem Notstand. Niebel begrüße die strukturellen Verbesserungen und rege an, den durch die Globalisierung gewonnenen Anschluss an die westlichen Industrienationen durch vermehrte Waffenkäufe…“

„… als Verpflichtung zum Bundesarbeitsdienst. Die Leistungen seien als Sozialstunden, Ein-Euro-Jobs und Arbeit für Strafgefangene ein neuer…“

„… das anteilige Pflegebetreuungsgeld auf die Grundsicherung im Alter voll anzurechnen, so dass es möglich sei, armen Rentnern bis zuletzt ihre persönliche Freiheit…“

„… die Zahl der Ausbildungsplätze im Pflegebereich zu erhöhen. Zur Entlastung der Wirtschaft schlage Brüderle vor, die Kosten zu gleichen Teilen von Pharmaunternehmen und den Auszubildenden…“

„… über eine Schnellqualifikation deutscher Arbeitnehmer nicht debattiert habe. Von der Leyen habe die im Wahlprogramm ausgeführte Politik der Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme so interpretiert, dass zunächst die Arbeitslosenzahlen stabilisiert werden sollten, um der Leih- und Zeitarbeit wieder ausreichend Potenziale zu…“

„… auch aus Tunesien berichtet, dass die Pflegesituation angesichts massiver Abwerbungen sich rasch verschlechtert habe. …“

„… mindestens 30.000 Arbeitslose innerhalb einer Woche in Vollzeitjobs zu vermitteln. Von der Leyen habe angeregt, die ALG-II-Bezieher als Pflegehilfen nach Tunesien und Polen, China und auf die Philippinen zu…“





Konsumlust

14 08 2013

„Entschuldigung, das ist doch Unsinn!“ „Finden Sie? Dabei vertreten Sie doch sonst auch immer genau das, was die Regierung sagt?“ „Aber Ihre Schlussfolgerungen sind vollkommen falsch.“ „Und das sagen gerade Sie?“

„Ich bleibe dabei. Deutschland geht es so gut wie nie zuvor.“ „Woran machen Sie das fest? Etwa an der gesteigerten Konsumlust der Bundesbürger?“ „Sie brauchen das gar nicht mit so einem ironischen Unterton zu sagen.“ „Käme mir nie in den Sinn.“ „Wir haben genug Arbeit. Es müsste sie bloß mal einer machen wollen.“ „Das ist sicher der Grund, warum für die Beseitigung der Flutschäden Ein-Euro-Jobber herangezogen werden.“ „Natürlich, das ist ja auch Arbeit, die zusätzlich entsteht.“ „Ah, richtig. Weil sie ohne die Flut nicht anfallen würde. Verstehe.“ „Sollen wir denn zusehen, wie die von der Flut beschädigten Gebiete unbewohnbar werden?“ „Die waren vor der Verwüstung durch die Neubauten auch unbewohnt, und die Folgen sehen wir jetzt.“ „Das beantwortet meine Frage nicht.“ „Und warum schaffen wir keine sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze?“ „Die Leute wollen ja gar nicht arbeiten.“ „Also bekommen sie für die Arbeit, die sie trotzdem leisten, zum Ausgleich auch keinen Lohn?“ „Das ist doch gar nicht miteinander zu vergleichen!“

„Und wenn es so viel Arbeit gibt, warum gibt es dann immer noch so viele Arbeitslose?“ „Weil die Arbeit niemand machen will.“ „Ich dachte immer, weil die Arbeit keiner bezahlen will.“ „Falsch. Wer in diesem Land Arbeit finden will, findet auch Arbeit.“ „Weshalb wir auch derart viele Bürger mit Nebenjobs haben.“ „Richtig.“ „Und Sie denken, das sei ein Zeichen von Konsumlust.“ „Vollkommen korrekt.“ „Die Menschen wollen sich wieder etwas gönnen und menschenwürdig leben.“ „So weit würde ich noch nicht gehen, aber…“ „Sie meinen, die Bürger arbeiten für den Konsum.“ „Warum denn nicht? Wir leben schließlich in einer kapitalismuskonformen Demokratie, da wird das doch wohl erlaubt sein.“ „Und sie können sich das von ihren regulären Gehältern nicht leisten?“ „Das gibt der Markt eben nicht her.“ „Und sie brauchen dazu Zweitjobs?“ „Warum beschweren Sie sich? Es gibt doch genug Arbeit, wie Sie sehen.“ Dann arbeiten diese Menschen ja freiwillig?“ „Warum denn nicht?“ „Sie haben doch eben bestritten, dass Menschen freiwillig arbeiten?“ „Aber diese Menschen arbeiten ja, weil sie konsumieren können.“ „Und wenn man arbeitslosen Menschen eine Arbeit verschafft und sie dafür anständig bezahlt?“ „Wozu das denn? Die sind doch imstande und geben das ganze Geld sofort wieder aus!“

„Das finde ich jetzt ja schon sehr mutig von Ihnen, sich so entschieden für ein bedingungsloses Grundeinkommen stark zu machen.“ „Wie bitte?“ „Sie haben doch eben gerade gesagt, dass Sie die Voraussetzungen dafür sehen.“ „Wer hat das wann gesagt?“ „Es findet doch jeder Arbeit, oder?“ „Wenn man will, ja.“ „Und wenn nun die einen den anderen die Arbeit wegnehmen?“ „Wer nimmt denn wem was weg?“ „Man könnte doch die Arbeit, die die einen zusätzlich machen, denen geben, die keine haben.“ „Aber die Leute wollen doch gar nicht arbeiten.“ „Eben haben Sie noch das Gegenteil behauptet.“ „Weil die ja keine Arbeit haben, die bezahlt wird.“ „Es gibt doch genug Arbeit, die keiner macht, weil sie keiner bezahlt?“ „Man kann doch nicht alles bezahlen, so viel Geld haben wir doch nicht.“ „Sie erwarten aber, dass die Arbeit getan wird, wenn man sie bezahlt?“ „Natürlich.“ „Und weil die Leute so furchtbar gerne Geld haben, arbeiten sie auch noch zusätzlich?“ „Sicher, das würde doch jeder.“ „Also sind die einen zufrieden, weil sie mehr arbeiten können und etwas dafür bekommen, und die anderen sind unzufrieden, weil sie arbeiten müssen, aber nichts dafür bekommen?“ „Moment, das habe ich gar nicht…“ „Sie meinen, dass jeder gerne konsumiert und dafür freiwillig mehr arbeitet?“ „Weil die Leute eben arbeiten wollen – das war jetzt eine Fangfrage, oder?“ „Und Sie sind der Meinung, dass man auch Leute arbeiten lassen sollte, wenn es nicht bezahlt wird?“ „Aber die wollen doch gar nicht…“ „Dann arbeiten die einen freiwillig, aber die einen werden nicht dafür bezahlt.“ „Worauf wollen Sie jetzt hinaus?“ „Dass Arbeit und Geld nichts miteinander zu tun haben.“

„Also ich verstehe das immer noch nicht.“ „Wir haben eine Gruppe, die zu viel arbeitet, und eine, der die Arbeit fehlt.“ „Und was soll man dagegen machen? den einen die Arbeit wegnehmen und den anderen geben?“ „Warum nicht?“ „Das kann doch keiner bezahlen!“ „Das bezahlt doch schon jemand. Sie.“ „Ich?“ „Glauben Sie denn, der eine Euro für die Fluthelfer wird vom Papst gespendet?“ „Dann bezahle ich jetzt schon die, die gar nicht arbeiten?“ „Sie bezahlen sogar die, die arbeiten und davon gar nicht leben können.“ „Und was machen die alle mit dem Geld?“ „Konsumieren.“ „Ist das denn schlimm?“ „Wäre ich Sie, würde ich sagen: nein.“ „Und dann haben alle Arbeit?“ „Wen interessiert das? Die wollen doch alle gar nicht arbeiten.“ „Aber Sie haben doch gerade das Gegenteil… oh, Moment mal…“





Innere Unsicherheit

18 03 2013

„Die Putzfrauen?“ „Und die Hausmeister. Und die Krankenschwestern.“ „Meine Güte, das darf doch nicht wahr sein!“ „Ist es aber.“ „Aber das ist doch – das ist doch gefährlich. Das ist ja Terrorismus!“

„Wir sind von höchst gefährlichen Menschen umgeben.“ „Es ist nicht auszudenken, welche Risiken sich dadurch für uns ergeben.“ „Sie sehen, die Hysterie, die um Bombenanschläge geschürt wird, ist völlig übertrieben.“ „Wenn man sich das mal ausmalt!“ „Wir sind ständig von Risiken umgeben, das ist wahr.“ „Aber wir sind doch noch nie darauf aufmerksam gemacht worden, das ist ja geradezu skandalös!“ „Unsere Sicherheitsbehörden sind eben auch nicht vollkommen, sie finden weder das Naheliegende noch das, was man mit gesundem Menschenverstand eigentlich sofort finden müsste.“ „Und der Verfassungsschutz?“ „Ist auch nicht besser, aber weshalb sollte man jede Putzfrau vom Verfassungsschutz überwachen lassen?“ „Es könnte doch immerhin sein, dass sich eine Putzfrau bei mir einschleicht, und die lässt dann die Fenster offen stehen für Einsteigediebe – ich werde in eine geschlossene Wohnanlage umziehen, da gibt es wenigstens einen Wachschutz!“ „Und Sie denken, diese Wachmänner seien ungefährlich?“ „Wieso, sind die etwa – Sie meinen, auch Wachmänner?“ „Warum gerade die nicht?“ „Das ist doch ein Beruf mit einer besonderen Vertrauensstellung.“ „Und was erwarten Sie von einer Krankenschwester?“

„Die Vorstellung, dass ich in meinem eigenen Haus von meinem eigenen Wachpersonal angegriffen werde – nein, das ist doch absurd.“ „Die Vorstellung, dass sich ausländische Terroristen als Wachpersonal oder Rettungssanitäter oder Krankenschwestern verkleiden, ist die auch absurd?“ „Natürlich nicht, sicher sind die Geheimdienste schon längst hinter uns her.“ „Weil man als Putzfrau eben leicht in Ihre Nähe kommt. Oder als Hausmeister. Und dann haben Sie ein Problem.“ „Nicht, wenn ich ausreichend Wachleute in meinem – wie war noch mal die Frage?“

„Stellen Sie sich vor, Sie müssten in ein Krankenhaus eingeliefert werden.“ „Das dürfte doch zu verhindern sein.“ „Fragen Sie Ihre Putzfrau, die Ihre Kellertreppe mit Schmierseife präpariert, am Ihren Bürostuhl die Schrauben lockert und Ihren Wasserhahn unter Strom setzt.“ „Das muss man doch verhindern können! Wir werden die Krankenschwestern in Zukunft viel genauer durchleuchten müssen, damit wir nicht plötzlich von einer Welle der Gewalt überrollt werden!“ „Und das wird helfen?“ „Was können wir denn sonst tun?“ „Fällt Ihnen nichts ein?“ „Aber natürlich, man könnte das ganze Personal einfach austauschen. Aber dazu müsste man dann wieder eine Menge ausländischer Arbeiter ins Land holen, man müsste die Abschlüsse hier anerkennen, und dann braucht man ein Amt, das die ganzen Leute überwacht, und dann…“ „Und Sie wissen genau, dass Sie damit das Problem gelöst kriegen?“ „Haben wir dann nicht mehr innere Sicherheit?“ „Wir haben vor allem mehr innere Unsicherheit. Jeder Hausmeister, der Ihnen Sprengsätze unter den Tisch basteln kann, wird seinen Grund dafür haben. Es ist vollkommen gleichgültig, wen Sie einstellen, solange Sie die Gründe nicht beseitigen.“

„Wir leben in einer ständigen Gefährdungslage, das ist doch nicht hinzunehmen!“ „Was würden Sie vorschlagen?“ „Die Gefahr beseitigen. Aufspüren und einfach beseitigen.“ „Sie haben das Problem erkannt. In diesem offiziell als Demokratie deklarierten Marktsystem gibt es einen störenden Einfluss: das Volk hat die Macht. Auch dann, wenn man es beschissen bezahlt, wenn man es ständig unter Druck setzt, dass es arbeitslos wird, wenn man die Steuern und Abgaben vor allem für die Kleinen erhöht, seine Ersparnisse verpulvert, seine Bildung verjuxt, seine Altersvorsorge verplempert und jedem von ihnen täglich klarmacht, dass er ein überflüssiges Stück Dreck ist. Das Volk hat die Macht, nicht, weil es alle paar Jahre ein bis zwei Kreuzchen macht oder demonstriert oder streikt, weil ihm Selbstverständlichkeiten vorenthalten werden wie der Umstand, dass man von einer Vollzeitarbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, ohne sich zusätzlich auf einem vollkommen maroden Amt bis auf die Knochen zu entblößen, fern jeglicher Vorschriften für Datenschutz, fern aller Menschenrechte oder der Grundrechte, die selbst für Strafgefangene gelten. Das Volk hat die Macht, weil einer von ihnen Ihre Wohnung putzt und das Taxi fährt, in dem Sie sitzen, weil einer von ihnen die Pizza liefert, die Sie bestellt haben, einer von denen beschützt Sie, wenn Sie wichtig genug sind, vor den anderen, ein anderer repariert an Ihrem Auto die Bremsen, und wenn Sie Glück haben, macht er das ordentlich, weil er nicht gehört hat, dass Sie ihn ein paar Tage zuvor als dekadentes Arschloch bezeichnet haben, weil er für seine Kinder genug zu essen kaufen will. Jeder von ihnen hat eine Waffe, und ein Schraubenschlüssel, eine Spritze, eine Rasierklinge, Toilettenreiniger, das kann so wirksam sein wie eine Pistole.“ „Und man kann da nichts machen?“ „Sie könnten anfangen, das Volk wie Menschen zu behandeln.“ „Ich diskutiere nicht mit Terroristen!“





Kinder haften für ihre Eltern

15 11 2012

„Ja, wissen wir. Wissen wir längst. Aber das sollte so sein, glauben Sie mir. Wir haben uns da wirklich Gedanken gemacht – der Sozialstaat in Deutschland ist genau so, wie er sein sollte. Das war so gewollt. Und das Betreuungsgeld auch.

Wir können da keine neue Verwaltungsstruktur aufbauen für das Betreuungsgeld. Das wird uns auf Dauer zu teuer. Dafür fehlen uns im Haushalt einfach die Mittel. Warum? Habe ich Ihnen doch gerade erklärt. Wir zahlen jetzt das Betreuungsgeld aus, deshalb haben wir kein Geld mehr für eine Behörde, die den Anspruch prüft. Wissen Sie, das ist ein sorgsam ausbalancierter Prozess, den wir da fahren. Das sorgt in der Verwaltung für sehr viel mehr Arbeit, und das sichert Arbeitsplätze, und das ist sozial, und das ist natürlich viel zu viel Arbeit, und dann bauen wir das wieder ab. Klingt das nicht alles logisch? Sehen Sie, so war das gedacht.

Wir haben da Praxiserfahrung eingebracht. Es läuft wie bei der Arbeitslosigkeitsverwaltung. Es wird so viel Geld für unnütze Sachen verpulvert – Arbeitsvermittlung, Bewerbungstraining, Ein-Euro-Jobs, Pressekampagnen für Frau von der Leyen, wissen Sie, da bleibt ja gar nichts mehr übrig, wenn das ganze Geld immer nur für Arbeitslose ausgegeben wird. Wir haben daraus unsere Lehren gezogen und beenden diese Umverteilung. Das Geld muss bei denen ankommen, für die es auch gedacht war. Der Sozialstaat in Deutschland ist so, wie er sein sollte. Das war so gewollt.

Das wird jetzt ganz unbürokratisch ausgezahlt. Doch, das machen wir. Wir hatten ja vorher zwei Optionen – entweder vorher alles prüfen oder vorher alles nicht prüfen. Oder nicht alles prüfen, kommt ja auf dasselbe hinaus. Wahrscheinlich dann eher nicht alles prüfen. Sonst würden wir es ja auch gar nicht mehr auszahlen können. Aber wie gesagt, wir werden das dann ganz unbürokratisch nicht ganz prüfen, damit wir es auszahlen können – wenn wir dann hinterher feststellen, dass das zu teuer wird und nicht klappt, dann wissen wir auch ganz unbürokratisch, woran es gelegen haben wird. Die Frau Bundeskanzlerin hat uns da Rechtssicherheit versprochen. So machen wir das jetzt.

Man muss den Eltern doch auch mal Vertrauen entgegenbringen. Stellen Sie sich mal das politische Klima in diesem Land vor, wenn wir überall nur Misstrauen hätten. Stellen Sie sich einmal so ein Land vor: Staatstrojaner, Rasterfahndung, Online-Durchsuchung, Funkzellenabfrage. Essensmarken für Asylanten und andere Arbeitslose. Chipkarten für Eltern, die vorsätzlich in Armut leben. Wollen Sie in so einer Gesellschaft leben? Das wollen wir doch alle nicht. Nein, wir setzen ein radikales Grundvertrauen dagegen. Immer vorausgesetzt, Sie haben nichts zu verbergen.

Das ist ja gerade für die jüngere Generation sehr wichtig. Die haben gerade so viele neue Ideen, die sind alle begeistert von einem bedingungslosen Grundeinkommen – lassen wir ihnen doch mal die Idee. Wissen Sie, das war auch so gedacht. Ein bedingungsloses Grundeinkommen für Kinder, das ist doch eine ganz tolle Sache, oder? Aber natürlich nur, wenn Sie gewisse Bedingungen erfüllen. Beispielsweise, dass Sie die Kohle nicht brauchen.

Wir wissen das ja. Und wir wussten das alles auch schon vorher. Und das ist doch auch mal sehr entspannend, wenn wir jetzt nicht so typisch deutsch alles verplanen, sondern hier auch mal ganz entspannt einfach die Sache laufen lassen. Glauben Sie, das hätten wir so hingekriegt, wenn wir nur die Kitaplätze ausgebaut hätten?

Man könnte das Geld auch in eine verlängerte Elternzeit stecken. Aber die würde dann ja jeder bekommen. Wollen Sie das?

Natürlich haben wir da auch einen gewissen Mitnahmeeffekt im Auge. Wie etwa bei der Steuerhinterziehung im Bedarfsfall, oder wenn man als Fluggesellschaft Agrarsubventionen einsteckt. Da ist es uns halt lieber, dass wir vorher wissen, wenn wir hinterher beschissen werden. Das läuft bei uns hier völlig unbürokratisch.

Uns schwebte da so eine Art Melderegister vor. Also nicht für die Eltern, sondern für die Kitas. Jeder bekommt das Betreuungsgeld ausbezahlt, es sei denn, er wurde von einer Kita im zentralen Betreuungsgeldnichtauszahlungsbundesregister eingetragen. Wir haben uns da eine Menge Gedanken gemacht, wissen Sie – das war so gewollt. Für das Betreuungsgeld? Ja, das auch. Aber Hauptsache, wir haben erstmal die Daten.

Das mit den Chipkarten? Könnte man nochmals probieren. Aber ich glaube, Sie haben das Konzept nicht ganz verstanden. Der Sozialstaat ist genau so, wie er sein sollte. Das war so gewollt. Diese ganze Überregulierung sollte man doch langsam beenden. Zu viel Bürokratie, wie gesagt, und dann der ständige Kontakt zum Bürger. Das schafft eben nicht nur Vertrauen. Dann weiß man, dass man kontrolliert werden könnte. Das Grundvertrauen fehlt.

Wer das bezahlt? Sie wissen ja, es ist ein Projekt unserer vorausschauenden Bundesregierung. Kinder haften für ihre Eltern.“





Lebensleistung

7 11 2012

„Das war jetzt der Durchbruch!“ „Was meinen Sie genau?“ „Der Koalitionsgipfel, der war jetzt der Durchbruch.“ „Doch, Sie haben recht. Wenn Sie die Kuh vom Eis holen wollen und sich dabei zu weit hinauswagen – dann war das der Durchbruch.“

„Aber mal Spaß beiseite. Dies Betreuungsgeld – was soll das denn?“ „Wissen Sie das nicht?“ „Ich weiß es nicht.“ „Schade, sonst wären Sie jetzt bestimmt schlagartig berühmt.“ „Wieso jetzt dies?“ „Weil keiner weiß, was das soll. Und die, bei denen man so leicht das Gefühl haben könnte, dass sie etwas damit zu tun haben, dass es doch jemand weiß, die sagen nichts.“ „Weil sie es nicht wissen?“ „Doch – aber die wissen es besser.“ „Deswegen sagen die nichts?“ „Kein Wort. Die glauben höchstens daran.“ „Das ist schon wieder mehr zu verstehen.“ „Dass die daran glauben?“ „Weil die ja sonst dran glauben müssten.“ „Auch wieder wahr.“

„Aber ich verstehe nicht, warum kommt denn das Betreuungsgeld erst im August?“ „Das ist Taktik.“ „Wegen der Finanzen?“ „Wegen der Bundestagswahl. Wenn es so kurz vor der Wahl kommt, danken die Profiteure umso freudiger der Union, und die Gegner haben sich noch nicht warm geärgert.“ „Und das wird jetzt als großes Sozialprojekt in den Himmel gehoben – wem nützt denn das etwas?“ „Denken Sie doch einmal an die Verwaltung.“ „Das muss doch geprüft werden?“ „Ja, das ist wie mit den Hartz-Gesetzen. Das muss alles vorher geprüft und dann bewilligt werden, dann wird gemeldet und kontrolliert, und dann haben wir einen schönen neuen Wasserkopf in der Behörde, der mindestens die Hälfte des Geldes wieder auffrisst.“ „Und das nennen Sie sozial?“ „Es schafft schließlich viel mehr Arbeit im öffentlichen Dienst.“ „Es gibt dort neue Arbeitsplätze?“ „Nein, aber darum geht’s ja auch nicht. Sozial ist, was Arbeit schafft. Und wenn der Beamtenapparat wegen der ganzen Formulare durchglüht, ist das doch richtig sozial. Auch, wenn unten nichts mehr von der Kohle ankommt.“ „Also doch wie Hartz.“

„Immerhin ist das jetzt in Europa wieder ein Zeichen für mehr Gerechtigkeit.“ „Wie bitte!?“ „Unsere Europa-Kanzlerin kann endlich vor unseren Landsleuten verkünden, dass sie für Gerechtigkeit gesorgt hat.“ „Ich höre immer nur Gerechtigkeit, wie erklären wir denn den anderen Euroländern, dass sie sparen sollen, wenn Deutschland die Kohle mit beiden Händen zum Fenster rausschmeißt?“ „Das ist ja die Gerechtigkeit. Wir haben so viel für Europa ausgegeben, jetzt müssen wir den Rest eben für uns behalten. Zum Ausgleich.“

„Was soll denn eigentlich der Müll mit der Lebensleistungsrente?“ „Dann denken Sie mal scharf nach.“ „Diese Lebensleistungsrente bringt zehn Euro mehr als die Mindestrente.“ „Kleinvieh macht auch Mist.“ „Müssen Sie jetzt so über den Rösler herziehen?“ „Keinesfalls, ich wollte nur –“ „Und das nur, wenn Sie eine Privatversicherung abgeschlossen haben.“ „Wo ist denn das Problem?“ „Die Arbeitnehmer, die diese Rente brauchen, können sich eine private Absicherung überhaupt nicht leisten!“ „Die Arbeitnehmer, die diese Rente brauchen, würden auch mit zehn Euro mehr im Alter weiter am Hungertuch nagen.“ „Dann frage ich mich, wozu wir diese blöde Rente überhaupt noch brauchen.“ „Die staatliche oder die private?“ „Das ist doch alles völlig unrealistisch.“ „Natürlich, aber das ist doch der Punkt. Keiner braucht diese Renten. Die Arbeitnehmer sollen ja schließlich sparen.“ „Und warum gibt es dann diese Privatversicherung überhaupt?“ „Weil der Bürger schließlich mehr Eigenverantwortung übernehmen muss. Auch für zehn Euro mehr im Monat.“

„Aber jetzt mal Hand aufs Herz: warum heißt dieser Schrott denn Lebensleistungsrente?“ „Weil die Bundesregierung endlich für klare Verhältnisse sorgt.“ „Wie, klare Verhältnisse?“ „Zum einen macht sie uns klar, dass sie immer noch denkt: Leistung lohnt sich wieder.“ „Seit wann denn das?“ „Das dachte sie schon im letzten Wahlkampf.“ „Geschenkt, ich will wissen, seit wann sich Leistung lohnt. Hat sich Leistung je gelohnt?“ „Das entzieht sich meiner Kenntnis, zumindest in Bezug auf die Bundesrepublik Deutschland. Es geht ja nur darum, dass die Bundesregierung immer noch das glaubt, was sie schon immer geglaubt hat.“ „Und was bitte ist daran klar?“ „War Ihnen nicht klar, dass diese Regierung außerstande ist, irgendeine adäquate Reaktion auf Tatsachen zu zeigen?“

„Und zweitens?“ „Zweitens dürfen Sie davon ausgehen, dass Sie Leistungsträger sein müssen, bevor Ihnen das vergolten wird.“ „Sie meinen, ich muss in meinem Leben etwas geleistet haben?“ „Sie hören mir nicht zu.“ „Wo höre ich Ihnen denn nicht zu? Leistung, oder?“ „Sie sind kein Leistungsträger. Ob Sie etwas leisten oder nicht, ist dafür unerheblich.“ „Was soll denn diese Wortklauberei, außerdem – Leistung tragen? wie soll das bitte funktionieren?“ „Sie haben es erfasst, es funktioniert eben nicht.“ „Und den Stuss denkt sich eine Physikerin aus!?“ „Naja, eigentlich hat sich Westerwelle den Blödsinn ausgedacht, aber der ist halt vielseitig ungebildet.“

„Und drittens?“ „Drittens sehen Sie hier das Leistungsprinzip in seiner ganzen Lebendigkeit.“ „Reden Sie doch keinen Quark! Wer leistet denn hier etwas?“ „Wir uns die Bundesregierung. Und die leistet sich eine ganze Menge.“ „Verdammt, was ist daran klare Kante? was hat das alles mit Lebensleistung zu tun? Zehn Euro!?“ „Damit sie mal klar sehen.“ „Was denn?“ „Was der Regierung Ihre Lebensleistung wert ist.“





Volk ohne Raum

5 11 2012

„Thailand wäre doch hübsch. Da kann man sich für umgerechnet zwei Euro am Tag pflegen lassen. Und Sie haben auch schnell Familienanschluss. So eine Wellblechhütte am Strand ist eben viel persönlicher als eine stationäre Einrichtung in Deutschland, meinen Sie nicht auch? Na, dann wäre das Problem mit der Pflegeversicherung ja geritzt.

Wir müssen uns mal freimachen von diesen ganzen Scheuklappen. Keine Denkverbote! Was wir hier für Pflegeleistungen abdrücken, das geht doch auf keine Kuhhaut mehr. Das muss man einfach mal effektiver organisieren. Da müssen wir jetzt mal sehen, dass sich Leistung auch wieder lohnt, und zwar richtige Leistung. Aktien. Oder das, was davon übrigbleibt.

Das ist zu teuer in Deutschland. Pflege ist hier einfach zu teuer, sehen Sie’s mal ein. Und kommen Sie mit jetzt nicht mit deutscher Wertarbeit. Das ist doch rührseliges Zeugs, Sie! So eine Oma mit Alzheimer, die ist doch kein Spähpanzer! Da muss man schon mal Prioritäten setzen, das kann man nicht alles gleichzeitig bezahlen. Wir müssen an die Zukunft denken. Und das ist eben der Finanzplatz Deutschland, das ist unsere Rüstungsindustrie, die Versicherungskonzerne, da haben Sie mit Ihren philanthropischen Spinnereien keine Chance. Wir können uns keine Pflege für jeden erlauben. Die Pflegeversicherung? Natürlich brauchen wir die. Wer soll denn sonst die Pflege bezahlen für die, die sie sich auch ohne leisten könnten?

Das fand der Zylajew auch. Ja, der Mann ist in der CDU. Katholisch. Und Sozialarbeiter. Da weiß man den Wert eines Menschen noch sachgerecht zu schätzen. Wie meinen? Ach so, ja. Den Zeitwert. Aber auf jeden Fall eine gute Idee, wir sollten das weiterentwickeln. Wie gesagt, keine Denkverbote. Die Aktionäre lassen uns da völlig freie Hand.

Arbeitsplätze? Klar vernichtet das Arbeitsplätze, so war das doch auch gedacht. Oder glauben Sie, dass irgendwas, das diese Bundesregierung als sozial bezeichnet, was auch nur einen Arbeitsplatz schaffen könnte? Na, Sie sind mir ja vielleicht einer – Arbeitsplätze! Um konkurrenzfähig zu sein, muss man eben die Gehälter in der Pflegeberufen auf ein erträgliches Maß herunterfahren. Also auf null. Dann können sich die ganzen Pisspottschwenker schon mal seelisch darauf vorbereiten, wie so ein Leben im Dreck aussieht, wenn sie erstmal unter der Zumutbarkeitsregelung stehen.

Zumutbarkeit. Wir definieren das erstmal als Zumutbarkeit, und die Praxis erledigt dann den Rest. Gottchen, dann ist eben allen alles zuzumuten. Ungerecht? Sie haben ja echt jede Menge Humor. Ungerecht, das hört sich aus Ihrem Mund geradezu nach einem Vorwurf an. Empfinden Sie es auch als ungerecht, wenn einer vierzig Jahre lang in die Arbeitslosenversicherung einzahlt, um nach einem Jahr wie Dreck behandelt zu werden? Ich empfinde das als eine staatliche Notwendigkeit. Weil eben die Leistungsträger, die so viel leisten, dass sie nicht arbeiten müssen, weil, die sind eben dagegen. Weil sie das ja können, weil sie Leistungsträger sind. Ist ja klar. Und da kann man dann auch nicht immer auf jeden Rücksicht nehmen, von wegen Recht und Verträge und so Sachen, das muss man dann auch mal flexibel sehen. Zeigen Sie mal ein bisschen Eigenverantwortung! Wir kümmern uns ja auch nur um uns selbst.

Wissen Sie zufällig, wie die medizinische Versorgung in Weißrussland ist? Kasachstan? Da geht doch noch was, das kann man doch mal in Erwägung ziehen? Na eben, das meine ich doch. Wenn wir die Alten rausschmeißen können, dann könnte man doch auch die Kranken an die frische Luft setzen? Natürlich nur die schweren Fälle. Die, die ihre Behandlung nicht mehr selbst bezahlen können. Die kippen wir dann ins Mittelmeer. Soll sich Frontex darum kümmern. Die schieben eh jeden Scheiß nach Afrika zurück.

Alleinerziehende Mütter in die Südsee? Jetzt machen Sie aber mal einen Punkt! Das ist doch kein Therapieurlaub – wenn Sie Ihre Gutmenschenader ausleben wollen, gründen Sie einen Jugendknast, aber verschonen Sie mich mit Ihren Kuschelorgien! Das war nicht als Wellnessprogramm für humanen Ballast gedacht, wie sollen wir denn mit diesem sozialen Klotz am Bein die Renditen steigern? Wir müssen expandieren! Wir sind eine Exportnation, wir sind doch ein Volk ohne Raum! Wenn wir die Arbeitslosen nicht nach Nordkorea exportieren können, dann werden diese Schmarotzer sich damit abfinden, dass es kein Paradies auf Erden gibt für sie.

Nein, wir sind keine Unmenschen. Natürlich gibt es auch für uns eine moralische Schranke. Man darf ja nicht gleich der Beliebigkeit verfallen. Für vorbestrafte Manager beispielsweise wäre ich sehr dafür, sie gleich nach Singapur auszufliegen. Oder in die Schweiz. Man verträgt ja nicht immer jedes Klima.

Den Rest der Mischpoke könnten wir eigentlich auch nach China schicken, oder? Schauen Sie sich das doch mal an, in Italien. Berlusconi können sie nicht einsperren, weil die Gefängnisse überfüllt sind. Da gibt es doch wesentlich effektivere und preisgünstigere Methoden, um mit denen fertig zu werden. Und wenn wir dies ganze Gelichter erst mal draußen haben, dann werden wir erst richtig –

Was, wen? Wen wollen Sie bitte deportieren? Politiker!?“





Mehr weniger

31 10 2012

„Dann eben 47 Prozent.“ „Nicht 43?“ „Ist doch eh wurst, es sollen nur nicht weniger als 43 sein.“ „Aber mehr werden es doch auch nicht.“ „Darum soll’s ja auch nicht weniger sein.“ „Aber wenn es nicht weniger als 43 sind, kann man dann nicht auch sagen, es sollen 47 sein?“ „Dann müsste man doch sagen: höchstens 47.“ „Aber nicht weniger.“ „Doch, aber eben höchsten nicht weniger als 43.“ „Ist das kompliziert!“ „Und Sie meinten noch, Rente sei einfach.“

„Deshalb muss man die jetzigen Arbeitnehmer später besser bezahlen.“ „Damit sie noch später mit höchstens 43 Prozent nicht arm sind?“ „Die sollen die Renten für die jetzigen Rentner finanzieren, und damit das langt, muss man die Bezahlung schon heute anpassen.“ „Wäre es da nicht klüger, man würde sofort die Löhne und Gehälter anpassen?“ „Wieso das denn?“ „Weil sie dann jetzt mehr hätten und höhere Beträge in die Rentenkasse einzahlen könnten.“ „Das reicht doch, wenn man sie später mal besser bezahlt.“ „Dann haben sie aber keine ausreichende Versicherung für sich selbst erworben, oder?“ „Darum geht es doch gar nicht. Schauen Sie, die Rente ist doch ein Solidarsystem – die einen zahlen jetzt dafür ein, dass es später den anderen mal…“ „Halt! Sie verwechseln da zwei Dinge: Sie zahlen jetzt ein, damit Sie später etwas rauskriegen, richtig?“ „Ja, warum?“ „Und in Wirklichkeit zahlen Sie jetzt ein, damit die jetzigen Rentner etwas rauskriegen, richtig?“ „Wer sagt das denn?“ „Die Rentenversicherung. Das ist ganz einfach ein Umlagesystem.“ „Wenn ich jetzt mehr einzahle, dann bekommen die Rentner später gar nicht mehr?“ „Doch, aber…“ „Also was denn jetzt!?“

„Okay, noch mal. Sie zahlen jetzt ein, und daraus werden die jetzigen Rentner…“ „Eben haben Sie doch schon gesagt, dass die Renten gar nicht erhöht werden, wenn ich jetzt mehr einzahle.“ „Nein, aber sie werden eben auch nicht abgesenkt. Sie müssen nicht abgesenkt werden, wenn Sie mehr in die Rentenversicherung einzahlen.“ „Dann liegt es gar nicht an den jetzigen Löhnen, dass das Rentenniveau später mal steigt?“ „Sie haben das schon wieder falsch verstanden. Es soll nicht steigen, es soll nur nicht noch weiter abgesenkt werden.“ „Jetzt?“ „Nein, später natürlich.“ „Und dafür müsste man dann die Löhne auch jetzt steigen lassen, wenn jetzt die Renten nicht sinken sollen?“ „Noch sinken sie ja gar nicht.“ „Aber sie sollen doch nicht unter 43 Prozent sinken.“ „Deshalb müssen ja auch die – Sie machen mich noch wahnsinnig!“

„Also die Löhne müssen steigen.“ „Richtig.“ „Aber warum kann man die Löhne nicht sinken lassen?“ „Wie soll denn das funktionieren?“ „Dann würde man jetzt die Löhne senken, also nicht sofort, sondern stufenweise.“ „Wieso das denn?“ „Weil das dann einfacher wäre.“ „Was wäre einfacher?“ „Wenn man die Löhne auf nicht unter 43 Prozent senkt.“ „Wieso 43 Prozent?“ „Nicht 43 Prozent, sondern: nicht unter 43 Prozent.“ „Nicht unter – was ist denn das schon wieder für…“ „Weil das dann auch 47 Prozent sein könnten, also höchstens 47, weil das dann auch nicht unter 47 Prozent sein würde.“ „Stop! Ich will jetzt wissen, wie Sie auf diese bekloppte Lohnsenkung kommen! Erklären Sie mir das!“ „Wenn man die Löhne jetzt senkt, dann muss man doch die Renten später nicht mehr senken. Verstehen Sie?“ „Was ist denn das für eine…“ „Verstehen Sie das nicht?“ „Wieso überhaupt eine Lohnsenkung?“ „Weil, wenn Sie jetzt die Löhne senken, beispielsweise auf nicht unter 43 Prozent, dann müssen Sie die Renten später überhaupt nicht senken. Sie können die Renten dann sogar erhöhen auf 100 Prozent.“ „Welches Milchmädchen hat Ihnen das denn ausgerechnet!?“ „Rechnen Sie doch mal nach: 43 Prozent von 100 Prozent sind? Na?“ „43 Prozent.“ „Eben, und 100 Prozent von 43 Prozent sind 100 Prozent.“ „Aber doch nur von den 43 Prozent.“ „Macht nichts, dafür müssen Sie eben die Renten nicht mehr senken.“ „Was soll das denn bringen?“ „Dann werden die jetzigen Arbeitnehmer sich viel leichter an die niedrigen Renten gewöhnen, weil sie wissen, dass es im Alter auch nicht mehr gibt.“ „Das ist doch Unsinn – wer bezahlt denn den jetzigen Rentnern die Renten?“ „Die jetzigen Arbeitnehmer.“ „Von den 43 Prozent?“ „Immerhin haben die jetzt schon 100 Prozent von 43 Prozent. Von mindestens 43 Prozent.“

„Hören Sie mal, das ist ja alles gut und schön, aber Sie vergessen doch, dass 43 Prozent Lohn bedeuten, die Sozialleistungen werden immer geringer, keiner zahlt mehr ausreichend in die Rentenkasse ein, und dann ist auch gar kein Geld mehr für die Rentner da.“ „Deshalb bekommen die dann ja auch nur 43 Prozent.“ „Aber das bekommen die doch jetzt schon!“ „Wirklich? Ich dachte immer, die Absenkung sei erst später vorgesehen?“ „Meine Güte, Sie sind schwer von Begriff – das ist doch deshalb, weil die jetzige Generation nicht stark genug ist, für die Generation der Rentenempfänger die vollen Rentenbezüge zu erwirtschaften.“ „Und deshalb wollen wir die ja auch senken, richtig?“ „Genau.“ „Und warum machen wir das nicht mit den Löhnen.“ „Warum, verdammt, mit den Löhnen?“ „Dann kann man doch über das Lohnabstandsgebot die Sozialleistungen kürzen und hat wieder mehr Geld für die Rente.“ „Und die jetzige Generation würde mehr vom Staat kriegen?“ „Und die Löhne sinken, und wir haben weniger Arbeitslose, der Wirtschaft geht’s gut, und dann sind die Rentenkassen wieder so voll, dass wir…“ „Halt, ich hole eben was zum Schreiben. Der Plan ist genial, das müssen wir machen. Diesmal stimmt es wirklich.“ „Was?“ „Die Renten sind sicher!“