Werkseinstellung

6 12 2018

„… eine Lösung gefunden habe, die sich als technisch machbar erweise. Der Parteivorstand der SPD davon überzeugt, dass allein dieses zur Erneuerung der Partei einen entscheidenden…“

„… sich optisch nicht von einem Schuhkarton unterscheide. Da die Maschine den 230-fachen IQ von Steinmeier und…“

„… zwar eine im Kern bürgerliche Partei bleiben, trotzdem aber auf künstliche Intelligenz setzen wolle. Nach Ansicht des Vorstandes sei natürliche nicht mehr in ausreichendem…“

„… Schwierigkeiten habe, die Digitalisierung der Partei durch eine disruptive Technologie zu organisieren. Nahles wünsche sich zwar eine Nachfolgerin, die durch die Produktion langatmiger Redebeiträge auf Parteitagen oder im…“

„… der Wahlkampf leichter zu organisieren sei. Die automatisierten Antworten auf die Anfragen besorgter Bürger könnten ein erster Schritt hin zu einem neuen Erfolg für die…“

„… die 800.000-fache Intelligenz des Ministers aufweise. Scholz habe angedroht, die linkslinke Chaotenkiste mit den Mitteln des Rechtsstaates zu…“

„… noch schwierige Prozesse bevorstehen würden. Die ersten Äußerungen der Maschine seien grammatisch noch nicht ausgereift, was sich in einem Interview mit dem Fernsehen eindeutig negativ…“

„… nicht abgesprochen sei, dass es sich um einen umgebauten Pflegeroboter gehandelt habe. Das Modell könne versehentlich auf Werkseinstellung zurückgesetzt werden und sende dann eine…“

„… und versehentlich Auszüge aus dem Godesberger Programm getwittert habe. Dies sei erst aufgefallen, weil sich die Anfragen nach Neumitgliedschaften plötzlich erheblich von den…“

„… als direkte Schnittstelle zu den Automaten anderer Parteien einsetzen wolle. Die gemeinsame Programmierung mit der Linken werde von den Mitgliedern der SPD allerdings noch sehr…“

„… sich Wählt M42 auf den Plakaten noch sehr sperrig lese. Zusammen mit den Fotos könne man die neue Parteilinie aber schon sehr gut als…“

„… im Vergleich zum Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag inhaltlich sehr umfassend informiert sei. Die Abstimmung erfolge inzwischen so gut, dass sich die Regierungskoalition vorstellen könne, diverse Kabinettsplätze mit Hilfe von…“

„… der Probelauf des Kanzlerduells mit je einer Maschine pro Partei die Erwartungen der Wähler enttäuschen werde. Die Aufstellung werde daher von tatsächlichen Politikern ausgehen, die noch darin ausgebildet werden müssten, die Geräte nach den Fragen zu…“

„… es sich um einen Trojaner handeln könne. Da sich der Bot nur in Stresssituationen mit der Stimme von Andrea Nahles äußere, sei aber auch ein einfacher Kurzschluss als…“

„… Staatsbesuche und Konferenzen ab sofort über das Internet abgewickelt werden könnten. Die Partei werde die Cloud nutzen, um den nächsten Gipfel der…“

„… abgesichert worden sei. So sei die im Facebook-Chat geäußerte Meinung, der Mindestlohn müsse unverzüglich auf fünfzehn Euro angehoben werden, mit Sicherheit auf einen schweren Ausnahmefehler zurückzuführen und nicht auf einen Hack durch Linke, Grüne oder…“

„… das zuverlässig einen Absturz des Betriebssystems provoziere. Fragen nach den Hartz-Gesetzen könnten zwar auf Dauer nicht vermieden werden, die SPD wolle aber vorerst die Diskussion nicht auf der Führungsebene zulassen, bevor es einen irreversiblen Defekt in den…“

„… nicht nur nachgeahmt, sondern auch gesungen habe. Nahles verlange die sofortige Abschaltung des…“

„… aufgefallen sei, dass die Aussetzer des Kommunikationssystems qualitativ weit oberhalb der durchschnittlichen Qualität der von der CSU geäußerten…“

„… nicht mehr auf Parteispenden angewiesen sei, da sich die Software nachts im Online-Poker mit bis zu…“

„… der G-20-Gipfel in Detroit zu erheblichen Schwierigkeiten geführt habe. Die Parteizentrale habe nicht gewusst, dass die US-amerikanischen Stecker nicht für das Ladegerät des…“

„… die wissensbasierte Struktur implementiere, die sämtlicher Äußerungen der Bürger in die parteiinternen Codes übersetzen könne. So werde die Frage nach bezahlbaren Mieten sofort als Forderung nach Steuersenkungen für Spitzenverdiener und einer aktienbasierten Alterssicherung im…“

„… dass Autos inzwischen auch ohne Fahrer fahren könnten. Die Überlegung, ob eine Partei ganz ohne Vorsitz auskomme, sei nicht ganz abwegig, zumal sich die Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren auch mehr oder weniger…“

„… auf der Klausurtagung der Regierung nicht erkannt habe, dass es sich auch beim Vorsitzenden der FDP um einen Bot handle. Der Verdacht sei bereits bei den Koalitionsverhandlungen zum…“

„… auch beim erneuten Gang in die Opposition nicht ausgewechselt werden müsse. Dies entspreche ohnehin dem Prinzip der sozialdemokratischen…“

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CARE

26 11 2018

„Hier oben dann mal bitte ankreuzen für normale Menschen oder Sonderbedarfe. Veganer, Stillzeit, jüdische, Moment: islamistisch motivierte Invasion, das kann man schon mal verwechseln. Seit dem letzten Ruck in die bürgerliche Mitte hat die SPD ein paar Wahrnehmungsprobleme.

Wenn wir als Sozialdemokraten in der SPD die Zukunft des Sozialstaates noch mitbestimmen wollen, dann müssen wir natürlich in dieser Phase des Umbruchs auch die Probleme ansprechen, die wir mit der Einführung der Hartz-Gesetze und des Raubtierkapitalismus auf Parteiführungsebene zu wenig thematisiert haben. Es ist natürlich richtig, dass sich diese neoliberalen Turbokapitalisten, diese parasitären Heuschrecken eine goldene Rosette an der Zerstörung des deutschen Sozialstaates verdient haben. Es ist auch richtig, dass diese Schmarotzer Schröder und Clement heißen. Bis heute.

Wir haben zu viel Neoliberalismus in dieses soziale Konstrukt einfließen lassen, das haben wir ja jüngst bei der FDP erlebt: bevor sie sich von ihrem eigenen Anspruch überfordert fühlen, nicht ständig die geistig minderbemittelte Kackscheiße von diesem dauerläufigen Polyesterdreitagebart anzuhören, schalten sie auf Durchzug und stopfen sich gegenseitig die Kohle in den Schornstein. Bis zum Ellenbogen. Falls Sie wissen, was ich meine.

Neoliberalismus, das haben wir jedenfalls der Vorsitzenden in einem ihrer seltenen nüchternen Momente beigebracht, ist die Eigenverantwortung für das eigene Leben, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste, zumindest in Bezug auf deren eigenes Leben. Wenn das Scheißpack schon nicht arbeiten will, muss es wenigstens demokratisch aussehen.

Deshalb ja auch das neue 360-Grad-Programm. Das ist nämlich das Consumer Aid Restrictive Empowerment, verstehen Sie? Wir helfen den Arbeitsscheuen, das wird man nach so langen Jahren schon mal sagen dürfen, die Gewerkschaften geben uns lustigerweise recht, und dafür müssen die halt mit unseren Bonusmodellen zurechtkommen. Fordern und fordern. Von nix kommt nun mal nix, abgesehen von Sanktionen.

Gucken Sie, hier haben wir den Jahresbescheid, sich vom Gasanbieter abzumelden, der wird dann abgestempelt, dann suchen Sie sich als staatlich akkreditierter Arbeitsverweigerer einen neuen Anbieter, und dann dürfen Sie innerhalb der nächsten zehn Monate einen neuen Gasvertrag abschließen. Nur mal nebenbei, etwaige Witze mit Gasvertrag und so, die können Sie sich sparen. Wir haben das abklären lassen. Die SPD darf das, die war in der fraglichen Zeit verboten und muss sich wegen solcher Verbrechen nicht mehr rechtfertigen. Wenn Sie keinen Gasanbieter haben, ist das ein Problem, aber nicht unseres. Sie können in der Zeit ihre Elektroheizung selbstverständlich weiter betreiben, auf wessen Kosten auch immer. Wir zahlen dann, wenn wir es für passend halten. Das ist in der Marktwirtschaft auch nicht anders.

Montags sind immer diese Prospektausgaben, ab acht können Sie sich die regionalen Drucksachen der Discounter holen, um die jeweiligen Aktionen des Einzelhandels in Erfahrung zu bringen. Sie sollten nicht auf eigene Faust vorgehen, das wirkt sich negativ auf Ihren Leistungsbezug aus – als Einzelhaushalt ohne Bedarfsgemeinschaft ein nicht entsprechend farbig markiertes Kalbsgulasch zu kaufen könnte den Regelsatz des nächsten Monats erheblich einschränken. Oder hier, Gurken – seit wann isst man im Winter Gurken? Der Staat hat für Sie die Finanzierung übernommen, wir können uns nicht alles leisten.

Deshalb ja auch die Speisepläne von Sarrazin, so schlecht waren die gar nicht. Gut, wir sind danach immer noch an die Pommesbude gefahren, aber wir waren ja auch nie in der SPD. Da kam uns dann auch die Idee mit den einzeln verpackten Aufschnittscheiben, damit sich diese gierigen Scheißschmarotzer nicht ein Pfund Bierschinken in die Fresse pfropfen, nur weil der Sachbearbeiter wegen dieser komplett überflüssigen Verfassung immer noch keinen Haustürschlüssel hat. Ich sage Ihnen, daran arbeiten wir auch noch!

Wo waren wir? Ach ja, die Anspruchshaltung der Wirtschaftsasylanten – Hartz war ja auch eine Zusammenführung aus sozial Benachteiligten und parasitären Dreckschweinen zu parasitären Dreckschweinen, die wir sozial benachteiligen können – wer aus der deutschen Volksgemeinschaft bewusst austritt oder irgendwie zu erkennen gibt, dass es Gründe gibt, ihn gar nicht erst in diese mit einzurechnen, muss schon mit den Konsequenzen rechnen. Dann gibt es auch warme Winterkleidung, aber eben aus der staatliche Sammlung. Die SPD möchte Ihnen die Daseinsvorsorge abnehmen, die Vorsorgte machen wir, ob Sie danach noch da sind, geht der Vorsitzenden am Steiß vorbei, und wenn Sie jetzt noch Alarm machen, weil wir für Sie extra als Zeichen der eingeforderten internationalen Solidarität für sozial unerwünschte Personen einen formschönen Stern auf der Vorderseite angebracht haben, dann haben Sie es einfach nicht besser verdient. Dann gibt’s eben auf die Fresse, so leid es uns tut. Sie haben ein Komplettpaket, fakultative Zusatzleistungen wie die Sozialgerichtsbarkeit trägt sowieso der Staat, wenn Sie obdachlos werden, haben Sie automatisch ein Anrecht auf das Mitleid der Rechtsextremisten – es sei denn, Sie halten sich auf der Straße auf, dann werden Sie aufgeklatscht und angezündet, kann man nix machen – und ansonsten wissen Sie ja: wir leben hier in einer parlamentarischen Demokratie. Wählen Sie. Das kann alles ändern.“





Leichtmatrosenaufstand

7 11 2018

„Das ist eine unglaubliche Unverschämtheit, das hat noch niemand gesagt! Die SPD als linksradikal zu bezeichnen – uns? Radikal, ja, meinetwegen. Aber links!?

Das ist unser Ernst! Haben das die Grünen nicht auch gerade wieder gesagt, sie haben radikale Ansichten? Die erklären das ja nicht nur, denen nimmt man das sogar ab. Fragen Sie mal die AfD, die würden Ihnen sofort bestätigen, dass die Grünen radikal sind.

Hier, Diesel – das wäre doch echt mal ein Testfall für die Rot-Grüne Bundesregierung. Da müssen wir radikal rangehen, wir könnten das auch, und wenn ich mir die Aufgabenverteilung gerade so ansehe, dann haben wir den radikalen Part. Wir werden für Arbeitsplätze sorgen, wir können als Partei des Industriezeitalters sicher dafür sorgen, dass die Autobauer als Schlüsselbranche vor den Einflüssen des toxischen Marktes gerettet werden. Die Grünen können ja dann den linken Part übernehmen.

Oder nehmen Sie den Wohnungsmarkt. Da können die Grünen ruhig für Solarstrom sein und den ganzen Killefit, für energetische Sanierung und barrierefreies Bauen. Machen wir alles mit. Immer unter der Voraussetzung, dass die Mieten stabil sind, sonst haben viele Bürgerinnen und Bürger ihre Altersvorsorge völlig umsonst in Immobilienfonds gesteckt. Dieser Neid auf Leistungsträger muss endlich aufhören. Man kann ja in diesem Land keine Rolex mehr tragen, ohne schief angeguckt zu werden. Das muss aufhören.

Oder der Sozialstaat. Wir wollen das Problem mit Hartz IV ja lösen, aber nicht zu Lasten des Arbeitsmarktes. Sonst sind wir am Ende nicht mehr konkurrenzfähig. Wir brauchen endlich Antworten von den Schuldigen. Die Grünen haben uns ja damals nicht von den Hartz-Gesetzen abgehalten, dann sollen sie nach ihrem Linksruck auch mal sehen, wie sie mit der radikalen Antwort der Politik fertig werden. Das ist doch kein Ponyhof hier!

Bisher haben wir uns immer vor Personalfragen weggeduckt, aber das war falsch. Ab jetzt sind wir radikal und sagen: wir machen trotzdem weiter so. Nur mit einer radikalen Lösung lassen sich die Probleme angehen, die wir bisher ohne radikale Lösungen angehäuft haben. Klingt nicht logisch, aber welche radikale Lösung klingt schon logisch? Das sind doch die Argumente, auf die muss man doch auch mal hören!

Jetzt wird ja auch so viel erzählt, vor hundert Jahren haben die Matrosen den Aufstand geprobt, als hätten sie schon gewusst, dass wir irgendwann eine Mauer bauen, also nicht wir, sondern die anderen halt, die Radikalen. Die radikalen Radikalen, da muss man schon unterscheiden, auch historisch. Nicht, dass Sie uns noch mit den Grünen verwechseln. Das wäre dann nämlich historisch falsch. Aber das muss man genau analysieren: die Radikalisierung ist immer gut, wenn man sie danach wieder in die Tube zurückdrücken kann. Das hat die SPD ja nicht nur vor dem Kriegsende unter Beweis gestellt.

Das heute kann man mit den historischen Verhältnissen gar nicht mehr vergleichen. Es gibt halt nur noch Leichtmatrosen, vorwiegend in der SPD. Wenn wir diese Erkenntnis übertragen können, zum Beispiel auf das Rentensystem, dann ist schon viel erreicht. Wir müssen uns mit den gegebenen Mitteln abfinden, und wenn die SPD hier eine revolutionäre Lösung finden kann, dann ist das in einer viel langsameren, jedenfalls in einer langsameren… Jedenfalls muss es den Bürgerinnen und Bürgern draußen im Land so vorkommen, dass die Verlangsamung der Verlangsamung, also die Absenkung mehreren Stufen sozial verträglich, und die muss für die Arbeitgeber, denen sowieso die Gewerkschaften auf der Nase herumtanzen… –

Herzlichen Glückwunsch! Dann versuchen Sie mal, da eine historische Kontinuität zu schaffen. Die anderen versuchen die ganze Zeit, die Arbeit abzuschaffen, wir haben schon versucht, die Arbeiter abzuschaffen, und wir waren da wesentlich erfolgreicher, also frage ich Sie, wer ist denn hier eigentlich radikaler? Vielleicht müssen wir auch irgendwann die Parteitage regelmäßiger abhalten, das ist noch nicht raus, oder wir brauchen mehr Stellvertreter, wenn die Vorsitzende mal wieder keine Koalitionsgespräche mehr im nüchternen Zustand führen können will, wollen kann, wollte ich sagen, aber noch radikaler kann man doch gar nicht werden, oder wie stellen Sie sich das vor? Wir haben doch auch ein paar Rentner, die sich mit der Situation schwer tun, wie behalten wir die denn?

Jetzt tritt der Maas schon in Lederjacke auf, demnächst hält er sich für Brecht und seinen Lampenladen für das Berliner Ensemble, mehr Radikalität kriegen wir wirklich nicht hin, und mehr als eine Grundsatzdebatte können wir nicht machen. Das müssen Sie doch wohl einsehen, wenn jetzt eins weniger verständlich, von außen überflüssiger und komplett an den populistischen Forderungen der Öffentlichkeit vorbeigedacht wäre, was fällt Ihnen denn da ein außer einer Grundsatzdebatte?

Ich sage Ihnen mal eins: Ihnen kann man es einfach nicht recht machen!“





Rückabwicklung

1 11 2018

„Aber zumindest jetzt könnte man doch erst mal die wichtigen Dinge erledigen und den…“ „Welche wichtigen Dinge?“ „Und wer erledigt das?“ „Und warum erst jetzt?“ „Heilige Makrele, haben Sie denn die letzten Jahre geschlafen?“ „Ich meine, wenn wir die SPD nicht in die Regierung kriegen, dann sollten wir sie jetzt raus nehmen.“ „Und das bezeichnen Sie als Erneuerung?“

„Wenn wir uns jetzt für ein Linksbündnis öffnen wollten, müssten wir auch linke Politik machen.“ „Ach was!“ „Gut, dann eben nicht.“ „Und damit ist das dann schon abgehakt für Sie?“ „Wir haben die Koalition jetzt schon mal für uns als beendet erklärt.“ „Sie haben den Pofalla gemacht?“ „Aber nur intern, es muss ja irgendwie weitergehen.“ „Das heißt nicht, dass wir in dieselbe Richtung gehen müssen, in die wir bisher gegangen sind.“ „Nicht?“ „Im Prinzip nicht.“ „Aha.“ „Also müssen wir in die Richtung zurück, aus der wir kommen.“ „Das dürfte aber eine lange Reise werden.“ „Naja, der Weg ist halt auch das Ziel.“ „Aber wie manchen wir das den Wählern klar?“ „Wir könnten das als unsere Abwicklung bezeichnen.“ „Ich weiß ja nicht.“ „Als Rückabwicklung?“ „Meinen Sie, das kommt an?“ „Eher als wir, schätze ich.“

„Vielleicht sollten wir die Werbung ein bisschen besser gestalten.“ „Ein bisschen?“ „Heilige Makrele, wir sind kurz vor dem Absaufen, und er will in Zeitlupe nach oben schwimmen?“ „So viel Geld haben wir gar nicht!“ „Was heißt denn überhaupt: ein bisschen?“ „Naja, wir müssen nicht gleich so mit der Tür ins Haus fallen, sonst verwechseln die uns mit den Linken.“ „Also keine explizit linken Inhalte.“ „Das dürfte bei der jetzigen SPD verhältnismäßig einfach zu machen sein.“ „Und natürlich die Personalfrage, die ist im…“ „Endlich mal Fortschritt!“ „Jau, weg mit Nahles!“ „Also ich hatte eher gemeint, wir brauchen neue Gesichter.“ „Das hatte ich auch so verstanden.“ „Auf den Plakaten.“ „Meine Güte, was soll denn der Unsinn wieder? Wen wollen Sie denn da noch plakatieren?“ „Vielleicht jemanden, der eher so die jungen Leute anspricht. Richtige Sympathieträger halt.“ „Und an wen hatten Sie da so gedacht?“ „Peter Maffay.“ „Entschuldigung, wen!?“ „Peter Maffay.“ „Meine Güte, der kann doch unterm Tisch durchlaufen!“ „Da passt er ja wenigstens zu den Umfrageergebnissen.“ „Meine Güte, ist Ihnen klar, wie alt der Mann ist?“ „Also wir fanden den ja früher toll, und der ist auch…“ „Der vergrault uns noch die letzten Pensionäre!“

„Aber wir können jetzt nicht alle zurücktreten.“ „Warum denn nicht?“ „Sie sind vielleicht schon abgesichert, aber ein paar Leute müssten regelrecht arbeiten gehen.“ „Igitt!“ „Schlimm!“ „Und das in einer Arbeiterpartei!“ „Warum werden wir denn nicht mehr gewählt?“ „Weil wir beschissene Politik machen?“ „Weil in dieser Partei dieselben Idioten seit zwanzig Jahren eine zunehmend beschissene Politik machen, die keiner mehr sehen will.“ „Die Politik?“ „Ich glaube, er meint die Idioten.“ „Wie groß muss der Leidensdruck sein, dass man statt uns die Linken wählt?“ „Heilige Makrele, das ist doch überhaupt nicht miteinander vergleichbar!“ „Sollen wir uns jetzt alle selbst abschaffen?“ „Da wüsste ich wenigstens einen, der uns erklärt, wie das funktioniert.“ „Wieso haben wir den eigentlich noch nicht abgeschafft?“ „Solidarität und so. Macht man ja in der Partei mit seinen Genossen.“

„Und dann haben wir natürlich noch das Problem mit den Migranten.“ „Also wenn Sie mit denen ein Problem haben, ich habe keins.“ „Naja, ich auch nicht, aber der öffentliche Diskurs ist doch insgesamt eher in die Richtung gerutscht.“ „Das hat die CSU auch gedacht.“ „Gegen die SPD würde aber keiner auf die Straße gehen.“ „Nicht mehr.“ „Wieso nicht?“ „Wenn ich der SPD beim Sterben zugucken will, bleibe ich zu Hause und warte ab, wann es passiert.“ „Aber Migration ist nun mal ein höchst problematisches Thema.“ „Also höchst problematisch ist eher, wie mit dem Thema in der Öffentlichkeit umgegangen wird.“ „Und in den Medien.“ „Brauchen wir mehr Medienpräsenz?“ „Jedenfalls nicht beim Thema Migration, das wird doch eh alles in die rechte Ecke gedrückt.“ „Wir könnten doch hier als linkes Gegengewicht…“ „Heilige Makrele, wenn Sie in irgendeine Talkshow kommen, dann ist doch der Grüne schon da, der Ihnen erklärt, wie man’s richtig macht!“

„Vielleicht müsste man die Partei tatsächlich mal umvolken.“ „Bitte was!?“ „Sagt doch jeder, dass das sowieso gerade passiert.“ „Sie meinen, wir sollten alles austauschen, Programm und Richtung und Vorstand und Köpfe und alles?“ „Ja, aber Nahles muss natürlich bleiben.“ „Ah, verstehe. Sie hat uns in die Bredouille gebracht, sie darf die Suppe jetzt auslöffeln.“ „Nein, aber ich dachte, ein bisschen Kontinuität könnte uns doch nicht schaden. So als Wiedererkennungswert.“ „In der Geisterbahn hängen immer noch die alten Köpfe, und er spricht von Wiedererkennungswert!“ „Heilige Makrele!“

Wir bräuchten eben eine Person, die das Land wirklich verändern will.“ „Einen, der von den Bürgern respektiert wird.“ „Sozial eingestellt.“ „Ein Mensch mit einer Perspektive.“ „Mit politischem Weitblick.“ „Und Anstand!“ „Genau, eine echte Persönlichkeit!“ „Authentisch!“ „Aber…“ „Und mit Vernunft!“ „Aber…“ „Aber, aber – was aber?“ „Warum sollte so einer noch in der SPD sein?“





Schauprozess

16 10 2018

„Aber jetzt müssten wir mal die…“ „Wir!?“ „Also wir alle.“ „Das können wir ohne den Vorstand gar nicht beschließen.“ „Wenn wir nicht jetzt die…“ „Ich würde ja sagen, es ist schon viel zu spät.“ „Dann ist es doch auch egal, was wir machen.“

„Wir könnten erst mal die nächst Wahl abwarten und dann eine Strategie für die…“ „Strategie?“ „Er meint so Sachen, bei denen man sich vorher überlegt, was man sagt.“ „Dann ist Nahles schon mal raus.“ „Mhm.“ „Das finde ich aber sehr gut, so actionmäßig und so.“ „Dass wir jetzt strategisch vorgehen?“ „Dass wir erst mal abwarten. So was kommt bei den jungen Leuten dufte an, die nennen das Prokrastination.“ „Was ist ‚dufte‘?“ „Das war cool, bevor es mega wurde.“ Aha.“ „Aber selbst wenn wir bis nach der nächsten Wahl warten, wir können uns doch jetzt nicht einfach hinsetzen und nichts tun.“ „Ohne den Vorstand würde ich da jetzt keine Prognose wagen.“ „Es muss doch irgendwas passieren!“ „Wir könnten ja aus der Regierung gehen.“ „Meinen sie denn, dass die Pensionen für unsere Minister bisher ausreichen?“ „Und dann sind da natürlich auch jede Menge Staatssekretäre.“ „Die wissenschaftlichen Mitarbeiter im Bundestag nicht zu vergessen.“ „Die Fahrer.“ „Referenten!“ „Und das sage ich Ihnen gleich, ohne den Vorstand…“

„Kann man denn nicht mal eine ordentliche Politik machen?“ „Wir haben leider nicht das Verkehrsministerium, sonst hätten wir es der Autoindustrie schon gezeigt.“ „Alter, hätten wir es denen gezeigt!“ „Wenn man nur Ressorts wie Justiz und Umwelt hat, was soll man denn groß machen? Das ist doch ein Fehler, den der Koalitionspartner macht!“ „Dann muss sich die Partei auch mal zu einer konsequenten Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit…“ „Na, ob Sie das beim Vorstand durchkriegen?“ „Wir müssten bei der Rente viel weiter sein!“ „Vielleicht ist das Parteiprogramm ja auch zu alt.“ „Immerhin sind wir eine sehr alte Partei.“ „Dann müssten wir von der Rente doch mehr verstehen.“ „Bei uns heißt das Pension.“ „Wo ist da der Unterschied?“ „Sie sind noch nicht so lange in der Partei, oder?“ „Lassen Sie ihn, das ist unser Quotenarbeiter. Den brauchen wir noch für den Wahlkampf.“

„Wir könnten doch wenigstens mal vor die Presse gehen und sagen: tut uns leid, aber da haben wir mal Mist gebaut.“ „Sie sind Ossi?“ „Nein, warum?“ „Ich dachte nur. Erst die öffentliche Selbstkritik, danach kommen wieder Ehrungen der Partei.“ „Genossen wie Sie sind daran schuld, dass wir die…“ „Nennen Sie mich nicht ‚Genosse‘!“ „Jetzt hören Sie mal!“ „Gehen Sie doch nach drüben, wenn es Ihnen hier nicht passt!“ „Was soll er denn in der CDU?“ „Wie kommen Sie jetzt darauf?“ „Naja, wo soll man denn heute noch hin. Also als Sozialdemokrat.“

„Bleiben wir doch mal beim Thema.“ „Sie wollen ernsthaft ein Schuldeingeständnis der SPD, damit wir sauber aus der Sache rauskommen?“ „An diesem Hartzscheiß waren die Grünen aber auch beteiligt.“ „Und wir haben Nahles wirklich immer zurückgehalten, wenn sie es noch bescheuerter machen wollte.“ „Das stimmt.“ „Dann würde es doch reichen, dass sie sich aus der Parteispitze zurückzieht, nicht wahr?“ „Mhm.“ „Wenn das der Vorstand wüsste!“ „Ich finde die Idee gar nicht mal so schlecht.“ „Richtig, wenn man bedenkt, auf was für bescheuerte Ideen sie bisher gekommen ist.“ „In jedem Ressort.“ „Und unter jeder Regierung.“ „Ich würde so einen gut inszenierten Schauprozess ganz gut finden.“ „Das ist doch nicht Ihr Ernst!?“ „Wann ist das eigentlich in Mode gekommen, dass man alles an die Wand fährt und immer ohne Rücktritt aus der Nummer rauskommt?“ „Also jetzt doch Neuwahlen?“

„Da bleibt uns jetzt nur noch, die Mitglieder zu befragen.“ „Das macht der Vorstand nicht mit.“ „Verdammt noch mal, gerade darum geht es doch! die Flitzpiepen wissen doch gar nicht mehr, was da in den Niederungen der Politik vor sich geht!“ „Vielleicht könnte man das mal analysieren.“ „Also das ist mal ein guter Plan.“ „Ich will ja nicht unken, aber wenn wir das vor der Wahl machen, dann versauen wir uns möglicherweise die Chancen auf ein besseres Ergebnis.“ „Also doch erst abwarten?“ „Wir können doch nicht nach Antworten suchen, wenn wir nicht wissen, was aktuell gefragt wird!“ „Auch wieder wahr.“ „Meine Güte, es ist doch schon zweimal so gewesen: die Merkel-CDU macht uns kaputt, wir müssen da raus!“ „Dann müssten wir aber irgendwann auch wieder regieren.“ „Das kann doch keiner wollen.“ „Zum Glück ist da auch der Wähler davor.“ „Sehen Sie, auf den stabilen Rechtsstaat ist eben Verlass.“ „Naja, wer weiß, wie lange dieser Segen hält.“ „Wir sollten uns diese Option auf jeden Fall weiterhin offen halten, und dann sehen wir auch, was wir in der Zukunft an Gestaltungsmöglichkeiten finden.“ „Und bis dahin?“ „Konzentrieren wir uns selbstverständlich auf die Sacharbeit.“ „Und in den letzten Monaten?“ „Haben wir uns auch auf Sacharbeit konzentriert. Es kam nur nichts davon in den Medien.“ „Mhm.“ „Das heißt, wir sollten jetzt wieder so eine BILD-BamS-Glotze-Schiene fahren?“ „Solange wir nicht den geeigneten Kanzler haben, müssen wir’s eben auf die harte Tour…“ „Ach was, Sie haben doch alle die Hosen gestrichen voll – harte Tour? Ich gebe Ihnen harte Tour! Ein Grundsatzparteitag muss her, das ganze Präsidium gehört in die Tonne, das neue wird per Urwahl eingesetzt, und dann machen wir vollkommen unabhängig von der Regierung ein komplett neues Programm für eine Zukunft! So muss man das machen, so und eben nicht anders, Genossinnen und Genossen!“ „Das klingt gut!“ „Jawoll!“ „Brüder, zur Sonne, zur…“ „Genau so!“ „Ich bin damit einverstanden.“ „Sie auch?“ „Immer vorausgesetzt, Sie haben das schon dem Vorstand vorgelegt.“





Personaldebatte

26 09 2018

„Und Kauder?“ „Kanzleramtsminister.“ „Haben wir schon.“ „Generalsekretär auch.“ „Zur besonderen Verwendung?“ „Aber nicht als Staatssekretär.“ „Ich glaube, da verwechseln Sie etwas.“

„Jedenfalls ist Klöckner auch überflüssig.“ „Und Kramp-Karrenbauer.“ „Aber die eine ist noch überflüssiger als die andere.“ „Aber die ist schon so überflüssig, die müsste man befördern.“ „Man kann doch nicht jeden befördern, nur weil er überflüssig ist.“ „Hat Pofalla das schon beendet?“ „Für beendet erklärt, wenn schon.“ „Wo ist da der Unterschied?“ „Bei einem ist es zu Ende.“ „Ach so.“ „Aber wenn man jeden befördert, nur weil er überflüssig ist, wer macht denn die Arbeit?“ „Die, die nicht im Weg herumstehen. Das ist doch der Sinn der Sache.“ „Aber trotzdem müssen wir jeden mit durchfüttern, der überflüssig ist?“ „Haben Sie sich schon mal gefragt, warum man jeder allein erziehenden Mutter und jedem, der nach einem Arbeitsunfall nicht mehr erwerbstätig sein kann, eine Vollkaskomentalität vorwirft?“

„Bei de Maizière hat das doch auch geklappt.“ „Bloß nicht!“ „Wieso?“ „Wenn Sie den befördern, dann wird der wieder Innenminister.“ „Einer muss doch hier die Arbeit machen?“ „Aber doch nicht de Maizière!“ „Wir haben einen Innenminister?“ „Das müssen Sie falsch verstanden haben, der macht seine Arbeit jedenfalls nicht.“ „Deshalb muss man doch nicht gleich de Maizière befördern.“ „Wir versuchen es noch mal im Guten.“ „Mal schauen.“

„Aber es gibt doch auch Ausnahmen, schauen Sie sich beispielsweise mal Löw an.“ „Was hat jetzt Jogi Löw zu tun mit dem Innenminister?“ „Zum Glück nichts, aber haben Sie schon mal gesehen, dass der befördert wurde?“ „Naja, aber höher geht nun mal nicht.“ „Der hat vielleicht die höchste Stufe seiner Inkompetenz erreicht.“ „Also kann der nur noch Bundeskanzlerin werden?“ „Theoretisch ja, aber praktisch nicht. Wir nehmen da lieber einen, der keine praktischen Führungserfahrungen vorweisen kann.“ „Lassen Sie das bloß nicht Nahles hören.“ „Wird die dann Bundestrainer?“

„Überhaupt, die SPD.“ „Nee, das bringt nichts. Das gibt Personaldebatte ohne Ende.“ „Kann man die Partei nicht als Ganzes befördern?“ „Ich wüsste schon, wie.“ „Nämlich?“ „Nach links.“ „Das wählt doch keiner mehr.“ „Die Mitte ist jedenfalls zu weit nach rechts gerückt.“ „Und dahin wollen Sie die SPD befördern?“ „Wenn das Personal das hergibt, dann sehe ich da eine echte Chance.“ „Ich weiß ja nicht.“ „Wollen Sie lieber Nahles als Kanzlerin haben in einer Koalition mit den Grünen?“ „Seit wann stellt der Junior den Kanzler?“ „Vielleicht wäre da eine Chance für die SPD, eine Beförderung zum…“ „Müsste aber eine Sprungbeförderung sein.“ „Hauptsache, es kostet nicht mehr Geld als vorher.“ „Ach was, das wird angepasst.“

„Könnten wir dann nicht auch von der Leyen befördern?“ „Brandmeisterin?“ „Das liegt bei der Truppe ohnehin nahe.“ „Dann kann sie Scheuer gleich mitnehmen.“ „Das wäre dann aber eine Strafversetzung.“ „Für Scheuer?“ „Auch.“ „Da könnte man doch interdisziplinär arbeiten.“ „Sie meinen, alle in einen Sack?“ „Scheuer, Dobrindt, die AfD, den…“ „Also den Sack gibt’s schon, fragt sich nur noch, wer den irgendwann zumacht.“ „Söder.“ „Von innen?“ „Das ist doch Seehofers Baustelle.“ „Wer weiß, wie lange dieser Segen noch währt.“ „Jetzt werden Sie mal nicht mild ironisch, dass hat Deutschland noch nie etwas gebracht.“ „Aber Bayern auch nicht, und davon profitieren wir auch nicht.“ „Sie meinen, weil die von Deutschen zu Bayern befördert wurden?“ „Das machen Sie mal den Sachsen klar.“ „Die könnte mal einer zu Deutschen machen, wenn wir gerade dabei sind.“

„Bliebe noch der Mittelbau im Kabinett.“ „Spahn?“ „Das ist Unterbau.“ „Ach, den würde ich schon gerne befördern.“ „Wohin?“ „Raus.“

„Ja verdammt noch eins, Sie reden hier immer schön um den heißen Brei herum – was wird denn jetzt mit Seehofer?“ „Den können Sie doch nur noch zum Ministerpräsidenten machen.“ „Dem ist doch wurst, wer unter ihm Ministerpräsident ist.“ „Also wird er auch nicht Bundeskanzlerin.“ „Dann wäre der Weg für Nahles tatsächlich frei.“ „Oder gleich Bundespräsident.“ „Das wird problematisch, Sie können Steinmeier nicht einfach so aus dem Weg räumen.“ „Was der im Kanzleramt alles eingefädelt hat…“ „Jedenfalls keinen faulen Kredit, und seine Frau ist nicht mal tätowiert.“ „Und seine Karriere ist nach Bellevue sowieso vorbei.“ „Das wäre doch mal ein Argument für Seehofer: ab in die präsenile Endablagerung.“ „Als parteipolitisches Abklingbecken?“ „Jedenfalls kann er hier so viel Unsinn erzählen, wie er lustig ist, auf den hört keiner mehr.“ „Da muss er sich ja nicht groß umgewöhnen.“ „Aber für Deutschland wär’s schon sehr schön.“ „Und für Bayern erst!“

„Und… sie?“ „Wer?“ „Naja, die.“ „Ach so. Na, was soll schon sein.“ „Aber wenn sie nun mal nicht will?“ „Glauben Sie mir, danach wird man nicht gefragt.“ „Irgendwann muss es doch mal sein.“ „Stimmt, aber man kann das doch nicht einfach so entscheiden.“ „Wir bräuchten da eine gemeinsame Lösung.“ „Als Lösungsprozess.“ „Gegen die Auflösungserscheinungen.“ „Da erscheint mir ein Prozess nicht als Lösung.“ „Nein, das ist auch gar nicht vorgesehen.“ „Also für mich steht das nicht zur Debatte.“ „Und was schlagen Sie vor?“ „Es müsste eine schnelle Lösung sein.“ „Lassen Sie uns doch abstimmen.“





Ausstieg in Fahrtrichtung

4 09 2018

„Sie können Nahles ja viel vorwerfen, aber dass sie Ahnung von den Sachen hat, von denen sie gerade spricht – unterbrechen Sie mich nicht – das muss man einfach mal so annehmen. Man kann nicht immer alles beweisen, das ist ja schließlich Politik und keine Glaubensfrage.

Schauen Sie sich doch mal den Kurs der Grünen an, das ist doch viel zu undifferenziert. Die haben erkannt, dass Braunkohle sehr viel Kohlendioxid erzeugt und die Erderwärmung beschleunigt und unsere Lebensräume zerstört, Versteppung fördert, zu immensen Gesundheitsbelastungen für alle Menschen führt und Waldbrände in ganz Europa verursacht, und was fällt denen ein? Einfach mal die Braunkohle verbieten! Aber ohne Strom, da können wir dann endlich unsere Elektrowagen über die Autobahn schieben, oder wie jetzt!? Dann gehen die Lichter aus! Dann kommt kein Grüner mehr zu seinem Billigflieger nach Mallorca, das sind doch die Fakten! Wir sehen das differenzierter, sehr viel differenzierter. Natürlich könnte man die Kohle von heute auf morgen weglassen, aber diese Ökofuzzis sehen doch gar nicht, was da für ein Rattenschwanz an politischen Entscheidungen dranhängt. Wir als SPD haben schweren Herzens dafür gesorgt, dass man Menschen ihre Heimat unterm Arsch wegzieht, wir haben ganze Dörfer untergepflügt, Kirchen in die Luft gejagt, wir haben Demonstranten, die der Meinung waren, ihre persönliche Ansicht sei wichtiger als die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik und ihrer Aktiengesellschaften, denen mussten wir schweren Herzens von der Polizei die Fresse zertreten lassen, und das soll jetzt alles umsonst gewesen sein!?

Naja, Ansichten halt. Persönliche Ansichten von Demokratie und Grundgesetz. Rein persönlich, das hatte mit der Meinung der Sozialdemokraten nichts zu tun. Wir haben viel Scheiße fabriziert, wir haben Deutschland in drei Stufen in die Gosse gekloppt, wir als Sozialdemokraten – Sie fallen mir jetzt noch einmal ins Wort, dann lutschen Sie Blut – das sind doch alles Vorurteile. Wer ist denn mit kurzer Unterbrechung seit Kohls Ende an der Macht? Sie sollten mal nachdenken, warum. Da kommen Sie auch noch drauf. Dauert bei Ihnen nur länger.

Die Gefahr bei den Grünen ist doch, die meinen das ernst! Die haben teilweise Politiker, die haben regelrecht den Durchblick und wollen das dann auch machen, was die versprechen! Das führt doch zu Kosequenzen: die schaffen alles ab, was uns schadet, und dann sind die irgendwann fertig mit der ganzen Scheiße, dann geht’s uns irgendwann regelrecht gut, aber wie soll man denn so überhaupt eine Wiederwahl organisieren? Ich muss doch meine ganzen Versprechen unrealistisch und ohne jede Sachkenntnis formulieren, inhaltlich so schnell wie möglich torpedieren, anderen die Schuld dafür geben und dann an der Regierung bleiben wollen, damit man das in den nächsten Jahren verschleppen und noch schlimmer machen und wegen der großen Notwendigkeit der Problemlösung Steuern erhöhen und sinnlose Gesetze erlassen kann. Meine Güte, das ist doch das Geschäftsmodell der SPD!

Wenn Sie im Bus sitzen, dann ist doch klar, wie das funktioniert: Ausstieg in Fahrrichtung rechts. Da können wir nicht einfach so eine Partei mit in die nächste Bundesregierung holen, auch wenn die Chancen auf eine absolute Mehrheit, und das sage ich ganz ehrlich, eher gering sein dürften. Wir können nicht alle Baggerseen renaturieren, das schafft Arbeitsplätze, für die wir wieder Migranten nach NRW importieren müssen, und dann haben wir vielleicht eine lebendige Windsurferszene, aber die AfD stellt den Gauleiter. Die sägen uns dann die Windräder ab, weil sie begriffen haben, wenn der Deutsche etwas kann, dann vom Dach springen und dann behaupten, die böse Schwerkraft sei schuld, und weil die eh nicht an den Klimawandel glauben, haben wir Vollbeschäftigung mit Afrikanern, die dann auch wieder abgeschoben werden müssen, am besten von der Asylindustrie, und das ganze Geld war umsonst investiert. Ich meine, da kann man die Einkommensteuer senken, davon haben auch nicht alle was, aber das weiß man wenigstens vorher.

Wir könnten uns eventuell auf eine Kommission verständigen, das hat noch immer geklappt, dass da am Ende nichts rauskam – welches Wort von Schnauze haben Sie eigentlich nicht kapiert!? – ist ja nun mal der Regelfall, weil wir das nicht alleine entscheiden können, sondern immer erst eine Kommission brauchen. Vielleicht steigen dann die Energiepreise in sozial verträglicheren Schritten und wir brauchen nicht mehr so viel an Transferleistungen zu zahlen, weil die Menschen, die keinen Job in der Braunkohlefolgenbeseitigung gefunden haben, nicht mehr heizen können, womit auch, und wer erfriert, kann wenigstens nicht mehr verhungern. Ist doch auch ganz praktisch.

Nein, schlagen Sie sich das aus dem Kopf. Die Grünen werden sie definitiv nicht zur Hausfrau im Größenwahn degradieren. Da werden ganz andere – ich will jetzt nichts hören! – also wir hätten uns vor fünfzehn Jahren darum kümmern müssen, aber da waren wir halt mit Regieren beschäftigt, und wie soll man den Kohleausstieg vernünftig planen, wenn man mit den Grünen dafür sorgen muss, dass die Unterschicht die größte Bevölkerungsgruppe in Deutschland wird? Außerdem, können Sie sich das vorstellen, dass Nahles als Bundeskanzlerin – halten Sie jetzt endlich das Maul, Sie linkes Arschloch!“