Eintopfsonntag

5 10 2017

„Weswegen ich mein Parteibuch zurückgebe? weil die Genossen seit zehn Jahren wissen, dass sie an der Scheiße schuld sind und sich genau diese Scheiße auch noch bunt reden. Da mache ich nicht mehr mit. Punkt!

Erinnern Sie sich noch an diesen Hinterbänkler, wie hieß denn der noch? Gabriel, sonst nie in Erscheinung getreten, aber da konnte er das Mantra der Partei runtersingen. Es gibt kein Freibier, man muss schon arbeiten oder in der Partei sein, dann gibt’s was umsonst, also nicht als Arbeiter, aber wenn man keinen Job hat: hinten anstellen. Da hat sich der Mann schlagartig so beliebt gemacht, ich glaube, aus dem ist doch noch irgendwas geworden, aber genau weiß ich es jetzt nicht. Die laden mich ja seit längerer Zeit nicht mehr ein, der Ortsverein soll links geworden sein, aber ich glaube es nicht.

Das war übrigens derselbe Gabriel, der dann im Wahlkampf plötzlich entdeckt hat, dass Schäuble mit seinem Sparzwang gar nicht an den kaputten Schulen schuld sein konnte, weil die gar nicht aus Bundesmitteln finanziert werden. Hätte man im Wahlkampf ungestraft sagten können, aber da war er ehrlich – dass die Bankenrettung nicht aus den Geldern der Arbeitslosenversicherung gespeist wird, hat er keinem verraten. Oder die Bankenrettung wird tatsächlich aus den Geldern der Arbeitslosenversicherung gespeist. Damit hätte er die besten Einschaltquoten aller Zeiten gekriegt, zumindest für die SPD.

Wir haben da eine Bundeszentrale für politische Bildung, die Adresse sollte man gelegentlich dem Maas mal schicken, aber der Rest der Partei scheint ganz froh, wenn sich keiner mehr dafür interessiert. Es gibt Bund, Länder und Gemeinden – damit wären Sie bei Jauch schon mal ganz weit vorne, wenn Sie den Unterschied erkennen würden – und die haben ihre jeweiligen Rechtskompetenzen in der Finanzierung. Die einen machen Bankenrettung, die anderen retten Flüchtlinge, wenn die EU sie nicht gerade auf Kosten des gemeinsamen Budgets im Mittelmeer hat absaufen lassen, und für die Arbeitslosen ist das von den Mitteln übrig, was die Bundesagentur nicht versehentlich für die eigenen Angestellten zur Jobrettung abzwackt. Das hätte man ganz klar kommunizieren können, aber das war der SPD vermutlich viel zu kompliziert, weil der Kern der Sache zu einfach zu begreifen war. Wie wollen Sie Politik machen, am Ende noch Bundespolitik und dann auch noch im Wahlkampf, wenn die Problematik ein normaler Mensch ohne geistige Einschränkung sofort verstehen kann?

Sie haben diesen ganzen Scheiß immerzu in einem Topf geschmissen, es war bei der SPD wie bei den anderen permanent Eintopfsonntag. Und jetzt erklären Sie mir mal, wie man in einem Ortsverein mit mehrheitlich bewegungsunfähigen Altsozen überhaupt Realpolitik machen soll, wenn die Belegschaft aus Sympathie mit der Konkurrenz schon anfängt, jede Meinung als Lügenpresse zu bezeichnen?

Dieses Wir-Gefühl, Nahles’ hochgerülpste Currywurst und Steinbrücks Fahrradkette, das war der springende Punkt. Wir haben das geschafft, weil der Wähler den Unterschied zwischen Volks- und Betriebswirtschaft nicht kennt, und die Propaganda hat das ausgenutzt. Wir werden nicht mehr gewählt, weil man den Unterschied immer noch nicht in die Menge getragen hat. Wir haben jetzt kein Geld mehr für Kinder von Erwerbslosen, der Flüchtling lebt ja so komfortabel in der Sammelunterkunft und frisst uns die Butter vom Brot. Merken Sie was?

Mir geht’s ja gut, aber wenn ich sehe, dass mir der Ortsverein den sozialen Abstieg einredet, der in dieser globalisierten Arbeitswelt so gut wie jeden treffen könnte, dann müssen wir gar nicht lange verhandeln. An der Lage ist die SPD selbst schuld, und wer war noch mal die Partei, die andere für das Elend der eigenen Wählerschaft verantwortlich macht? Wenn man den Leuten jetzt schon erzählt, unsere Kinder werden nach über fünfundvierzig Berufsjahren auch eine Armutsrente bekommen, weil es uns so gut geht wie nie zuvor nach dem Ende des letzten offiziellen Krieges mit deutscher Beteiligung, dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn sie die wählen, die das erfunden haben.

Es gab mal den Glauben, dass man sich mit Leistung emporarbeiten konnte. Das sagen heute nur noch diese unrasierten Versager von der FDP, und die müssen sich dabei das Lachen verkneifen. Warum sollte man das den eigenen Leuten glauben, wenn sie seit zwanzig Jahren gegen die eigenen Wähler schießen? Wir haben die Mittel in der Hand und die politische Macht, das abzustellen, wenn wir nicht weiter wie bisher gegen die Mittelschicht arbeiten und alles, was darunter ist. Warum sollten wir das glauben, warum sollten wir das tun? Und wenn wir schon kapiert haben, dass wir seit ein paar Jahren gründlich angeschissen werden von einer Herde Bürokraten, denen es nur um die eigene Versorgung geht, warum wählen wir nicht gleich die, denen die Lüge ins Gesicht geschrieben steht? Weil wir dann mit unlauteren Mitteln gegen die antreten müssten, die mit unlauteren Mitteln gegen uns gekämpft haben, als wir sie noch mit unseren Mitgliedsbeiträgen durchgefüttert haben?

Weswegen ich mein Parteibuch zurückgebe? Die ganz Rechten rücken schon weiter nach rechts, die anderen werden früher oder später nachrücken. Vielleicht ist dann ja irgendwann wieder Platz für eine vernünftige sozialdemokratische Partei. Mal sehen, wie wir die dann nennen.“

Advertisements




Durch die kalte Küche

2 10 2017

„Wir wären bereit für eine Regierungsbeteiligung, aber nur zu unseren Bedingungen, damit das klar ist. Sie werden da keine Spielchen mit uns machen können, weil wir sehr klare Vorgaben haben, und da Sie die Koalitionsverhandlungen nur im Auftrag der Kanzlerin absolvieren, werden wir dieses Verfahren auch ganz konzentriert und in unserem Sinne über die Bühne bringen. Punkt: wir stellen nicht den Regierungschef. Damit das klar ist.

Die CDU stellt die Fachminister, verbunden mit der Kernkompetenz der deutschen Politik. Was keiner Kompetenz bedarf, das könnten wir uns gut für die SPD-geführten Ressorts vorstellen. Nennen wir es mal Altersteilzeit – die SPD ist schon eine recht betagte Partei, und wird haben schon zweimal eine Koalition mit dieser Frau durchgemacht. Mehr können Sie von uns einfach nicht mehr erwarten. Sagen Sie das der Frau Merkel. Als Alternative bieten wir natürlich noch an, als Juniorpartner den Kanzler zu stellen. Wir durchlaufen derzeit einen Verjüngungsprozess, deshalb dürfte das ganz gut klappen, und dann wären Sie die Alte auch los.

Wollen Sie nicht. Auch gut. Dann müsste wir mal sehen, ob wir mit der erste Option nicht doch erfolgreich sind. Natürlich ohne Schäuble. Wir werden uns an einer Regierung nur dann beteiligen, wenn der Mann nicht mehr mitmacht. Ach so, der ist schon anderweitig… – Egal, wir fordern das trotzdem. Sie können dann im Gegenzug auf Maas verzichten, das können Sie als überparteilichen Sieg der parlamentarischen Demokratie verkünden. Und juckt das nicht.

Sie werden nämlich schon noch merken, dass Sie ohne die Leistungen der SPD gar nicht regieren können. Wir können auch Opposition, wir können jeden Mist, aber eine echte Merkel-Regierung, und dann auch noch ohne Merkel, die kriegen Sie nur mit sozialdemokratischer Hilfe zustande. Das liegt am Willen unserer Partei – das kriegen Sie ohne uns nicht hin. Deshalb wird die SPD sich nicht mehr an der Bundesregierung beteiligen. Wir haben auch einen Ruf z verteidigen, und nur mit Herumdoktern an den Hartz-Gesetzen ist das nicht zu machen.

Profil schärfen? ja, das hatten wir auch in Erwägung gezogen, zumindest kurzfristig. Aber der Wähler hat sich nun mal umorientiert, und da ist es für die hart arbeitenden… ’tschuldigung, wir sind immer noch im Wahlkampfmodus, das geht in ein paar Monaten schon wieder, dann sind uns die hart arbeitenden Menschen draußen im Lande wieder scheißegal. Es sei denn, Sie wollen das so in der Regierung, dann machen wir das natürlich. Wir stehen zu unserer Verantwortung, wenn wir nicht den Bundeskanzler… – Wussten Sie schon. Unser Fehler. Aber wir wollten es nur mal wieder gesagt haben, damit wir sagen können, wir haben es ja mal wieder gesagt.

Außerdem wird die SPD nicht erst ein halbes Jahr vor der nächsten Wahl feststellen, dass sie eine linke Partei ist, wir nehmen uns in der Mitte der kommenden Legislatur ein linkes Halbjahr. Da werden wir uns auf Sozialpolitik fokussieren und sämtliche bisher erarbeitete Vorschläge öffentlich in Frage stellen. Da müssen Sie durch. Das geht auch wieder vorbei, es ist ja nur ein halbes Jahr, aber da müssen Sie dann durch. Sie können das gerne in der Fiskalpolitik auch machen, wir sind da flexibel, das macht uns gar nichts. Finanzen macht dann der Altmaier? Das ist gut, da ärgern sich die FDP und die CSU. Und der Tauber. Und der Spahn. Das machen Sie ganz richtig, immer von hinten die Leute in die wichtigen Ämter rein. Immer durch die kalte Küche. Oben können Truppenuschi und die Misere sich die Fußnägel abkauen und unten wird Regierung gemacht. Da fällt das auch nicht so auf, dass die Merkel aus Versehen ein paar Fachleute ranlässt, anstatt die Inkompetenz ihrer Kriecher wegzumoderieren. Genau den Regierungsstil haben wir uns als SPD vorgestellt, so würden wir das auch machen. Warum wir das nicht tun? Doch, wir haben eine kalte Küche.

Was kommen Sie mir jetzt mit Oppermann? Was haben Sie die ganze Zeit mit Oppermann, der spielt doch keine Rolle mehr. Wir haben seine neue Funktion als funktionsloser Funktionsträger sehr informell andiskutiert. Wir haben ein Problem, das wir nicht lösen können, da kann man es wenigstens schon mal lockern. Ja, es liegt an der Personaldecke der SPD. Da fehlen uns nicht Fachkräfte, aber wir haben für die hart arbeitenden… für die… – Im Bund ist das nicht so einfach, für Landesminister reicht normalerweise ein vernünftiges Studium, und wenn es nur Jura ist, aber für den Bund müssen Sie vielseitig ersetzbar sein, verstehen Sie?

Gut, Sie wollen nicht. Wir nehmen das erst mal so zur Kenntnis und überlegen uns, wie wir die Basis auf eine demokratisch fundierte und sehr verantwortungsbewusste Oppositionsarbeit gegen die Bundeskanzlerin einstimmen, und dann werden wir dem ganzen Land, dem wir uns als Partei auch in historischer Perspektive verpflichtet fühlen, eine über diese Jahre hinaus reichende, soziale und weltpolitische Dimension… eine Dimension zu… also für die… – Sie wollen doch mit uns regieren, wir wissen es doch! Sie haben jetzt noch eine letzte, eine allerletzte Chance, dass wir in einer von der CDU geführten… also ohne… also… – Wenn Sie jetzt einen Fehler machen, Freundchen, dann schicken wir Nahles!“





Zukunftskandidaten

26 09 2017

„… neue Aufgabe und ein neues Selbstverständnis gewinnen wolle. Der Schulzzug sei auch nach der Wahl ein bedeutendes Element des…“

„… sich in der Opposition erneuern müsse. Die Sozialdemokratie sei als politisches Modell nicht obsolet, nur weil es als Idee der Union viel besser von Merkel vertreten werde, die Sozialdemokratie sei jetzt nur eine…“

„… auf Kräfte zurückgreifen könne, die sich seit langen Jahren um die SPD verdient gemacht hätten. Eine Verjüngung könne mit Scholz, Oppermann und Nahles erhebliche…“

„… das Profil der Sozialdemokraten schärfen wolle. Zuvor müsse allerdings ein Arbeitskreis ein Profil, falls es überhaupt in der Partei…“

„… relevante Stärken der SPD auch ganz klar herausarbeiten wolle. So sei die Agenda 2010, die der CDU zu ihren stabilen Mehrheiten in Bund und Ländern verholfen habe, nie ohne eine SPD-geführte…“

„… möglicherweise vorher nicht realisiert habe, dass sie an der Regierung beteiligt gewesen sei, im Augenblick setze sich die Partei aber sehr intensiv auseinander mit dem Gedanken, dass sie in der Opposition als eine…“

„… mehr Gewicht geben wolle. Zwar habe neben Nahles keine Quotenfrau sich für nötige Führungsaufgaben gemeldet, man sei aber aus der Debatte im Wahlkampf sensibilisiert, dass man unbeliebte Führungsaufgaben in der Imagepflege vor allem durch Vervielfachen des Gehalts im…“

„… nach der absoluten Mehrheit im Jahr 2021 die Hartz-Gesetze nicht weiter verschärfen wolle, zumindest nicht gegenüber der in der aktuellen Regierung von Grünen und…“

„… noch nicht geklärt worden sei, ob eine Legislatur ausreiche, um ein persönliches Profil für Schulz ausreiche oder eine Profilierung der ganzen Partei notwendig sei. Roland Berger habe in einem Gutachten für die weitere Entwicklung des politischen Arbeitsmarktes die…“

„… als großes Vorbild gefeiert habe. Die Partei wolle Steinmeier, eben weil er als Bundespräsident nicht in die parteipolitischen Debatten eingreife, auch in der Öffentlichkeitsarbeit sehr stark in den Fokus rücken, da dies die Haltung der SPD zu jeder im Volk verwurzelten Haltung zu Politik und…“

„… den Fraktionsvorsitz basisdemokratisch in einer Urwahl ermitteln wolle. Damit sei ein enorm bedeutsames Moment der Erneuerung im…“

„… angemahnt habe, eine sozialdemokratische Politik zu betreiben, die den Namen auch verdiene. Es sei Verantwortung der SPD, jetzt eine Vision für eine Epoche zu finden, zu der andere Kräfte, die mit der Regierung strategisch und intellektuell noch überfordert seien, nicht fähig seien. Lindner wäre keinesfalls als…“

„… Maas inzwischen bemerkt habe, dass er nicht mehr Bundesminister sei. Damit sei die Riege der Zukunftskandidaten für eine absolute Mehrheit im Bundestag jetzt…“

„… zeitnah durchgeführt werden könne. Dennoch wolle die Partei vorab sicherheitshalber erklären, dass sie sich an das Ergebnis der Urwahl nicht…“

„… Frauen an die Macht zu lassen, um die Trümmer der bisherigen politischen Arbeit zu beseitigen. Mit dieser Strategie sei die Sozialdemokratie auch 1918 und 1945 schon…“

„… erst noch geklärt werden müsse, ob es einen formalen Koalitionsauftrag der Wähler gegeben habe. Schröder wolle durch seinen Rechtsanwalt prüfen lassen, ob es eine…“

„… Dreyer und Hendricks darüber einig seien, dass Schwesig nicht geeignet sei, den Vorsitz alleine im…“

„… die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I um bis zu drei Monate zu verlängern. Als Ausgleich wolle Nahles eine höhere Sanktionsquote in den…“

„… sich nicht die Kopfhaut habe färben lassen. Schulz werde mit allen rechtlichen Mitteln die…“

„… ein Antikorruptionsregister schaffen werde, wie es die jetzige Regierung nie zulassen könne. Ausnahmen lasse die SPD nur in den parteinahen und sonstigen wirtschaftlich oder durch Spenden verbundenen…“

„… mehr sichere Jobs in Deutschland schaffen werde, da durch eine weitere Verschärfung der Sanktionen niemand leichtfertig die Kündigung seines…“

„… den größten Niedriglohnsektor der EU mit dem neuen Mindestlohn von bis zu zehn Euro zu einem sozial verträglichen und vor allem betriebswirtschaftlich erfolgreichen…“

„… nahtlos an die Wahrung der Bürgerrechte in Deutschland anknüpfen werde. Auch in einer neuen linke Mehrheit ohne die Linke werde Maas eine glaubwürdig auf die…“

„… müsse der durchschnittliche Arbeitnehmer vielleicht vorübergehend eine schlechter qualifizierte Arbeit, nicht jedoch linear sinkende Entlohnung hinnehmen. Die SPD wolle während ihrer Opposition mit gutem Vorbild in diesem…“





Ritter Rost

9 08 2017

„Naja, wir müssen die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands besser schützen, insbesondere die der Schlüsselindustrien, und wie könnte man das besser als mit einem Wirtschaftsminister, der nicht Gabriel heißt?

Als Wirtschaftsminister hatte er seinerzeit noch gesagt, dass wir Waffenlieferungen in Krisengebiete zurückfahren müssten. Zurückfahren, ja? von einem generellen Stopp hat er nichts gesagt, und von panzerbrechender Munition oder Streubomben war da nie die Rede. Nicht mal von diesem Urandreck, der sowieso verboten ist, wenn man es sich nicht leisten kann, dass einer genau nachguckt. Das kann man halt als Wirtschaftsminister nichts sagen, weil man da nicht nur für die Wirtschaft zuständig ist, sondern auch Parteivorsitzender. Da haben wir uns gesagt, lassen wir den Dicken machen, wer weiß, was für ein verlogenes Arschloch Parteivorsitzender wird, wenn dieses verlogene Arschloch mal nicht mehr Parteivorsitzender ist. Und jetzt ist er eben Außenminister. Da fällt Völkermord ja automatisch in sein Ressort. Also bei Deutschen, nicht wahr.

Natürlich haben wir die Geschichte dabei nicht aus den Augen verloren. Wir hatten damals eine Menge um die Ohren, nach dem Krieg, ist ja jetzt schon fast hundert Jahre her, aber wie gesagt: das ist Geschichte. Da knüpft unsere in der Tradition verwurzelte Partei auch an. Zum Beispiel diese nicht zu leugnende Neigung, immer die richtigen Leute zum falschen Zeitpunkt, oder umgekehrt, aber bei Brandt und Schmidt hat’s halt nicht so geklappt. Regieren, das ist nämlich den eigenen Kopf durchsetzen und ihn dann auch noch hinhalten müssen. Im Gegensatz zu Opposition ist das schon Mist. Und wenn Sie erst einmal und dann immer wieder damit auf die Nase gefallen sind, dann merken Sie, Politik ist Schrotthandel.

Außerdem ging es sowieso nur um Kleinwaffen, also Buntmetall. Das ist eher Umweltrecht, da hatte Gabriel auch schon gezeigt, dass man als Versager nicht automatisch aus dem Bundeskabinett ausscheiden muss. Man munkelt, er wäre fast zum Verteidigungsminister degradiert worden. Aber da müssen wir uns nicht verstecken, wir sind da ganz schmerzfrei. Vor allem, was uns selbst betrifft.

Wie sollen wir Geschäfte machen, wenn man die stabilen Partner selbst bei der UNO nicht findet, weil man sie nicht mehr sucht? Bekommen Sie sollten jetzt das nicht in den falschen Hals. Gerade unter diesen historischen Gesichtspunkten ist die Schrottdemokratie ein, wir nennen das: retrograde Zukunftsorientierung, und da ist dieser Minister der Garant einer hinten wie auch sonst offenen Haltung gegenüber jedem, ich betone: jedem. Deutschland darf sich in Anbetracht seiner Geschichte nicht zum Moralapostel aufschwingen, das ist Ihnen ja wohl klar, deshalb verzichten wir als Schrottdemokratie konsequent auf jede echt oder auch nicht echte Vortäuschung von Moral. Da sind wir dann auch mal absolut authentisch, wenn Sie verstehen.

Gucken Sie, in der Schrottpartei Deutschlands gibt es die, die sich von Klarsichthüllen ernähren, und dann gibt es die, die sich Büroklammern in die Nase pfeifen. Da muss man sein Profil finden. Für uns heißt das, sich in der langsam progressiver werdenden Landschaft, die nach und nach ins linke Lager sifft, konservative Positionen zu gewinnen. Man weiß ja nie, wo man sich später mal trifft, so koalitionsmäßig – Noske te ipsum, sagte schon der Lateiner, nicht wahr. Wenn wir schon mit Kulturen kooperieren, die Ehebruch unter Strafe stellen oder Homosexualität, dann müssen wir auch die Mittel zur Verfügung stellen, dass diese Gesellschaften sich weiterentwickeln. In welche Richtung auch immer, Hauptsache wirtschaftlich.

Das ist die Kanzlerin, Sie müssen das auch mal in Betracht ziehen. Die FDP hatte schon damals einen Außenminister, der sich als Hampelmann der Rüstungsindustrie – egal, Hampelmann war er sowieso, und das Fliegengewicht, das die jetzt hochpusten, ist auch nicht besser. Wenn Gabriel als Ritter Rost gegen die bürgerliche Gesellschaft zu Felde zieht, dann ist das sicher auch im Sinne der deutschen Wähler. Erhöhte Eingriffsbefugnisse für Sicherheitskräfte und Militär, also für die Polizei, das muss man dann sehr verantwortlich an sich selbst testen. Gott sei Dank, dass dieses verdammte Pazifistenpack sich in Hamburg zur Verfügung gestellt hat, da mussten wir in Katar keine Kanaken mehr vom Gerüst klatschen. Sehen Sie, auch das ist Globalisierung – wir hatten uns Februar 2014 für eine Neuausrichtung der Ausfuhren von Kriegsgerät ausgesprochen, da kann auch schon mal etwas in Vergessenheit geraten. Vielleicht dachte Gabriel damals, es ginge bloß um die Neuausrichtung von Kriegsgerät, und da wollte er als Außenminister nichts versprechen, was er halten kann.

Jetzt seien Sie mal nicht so aufgebracht, denken Sie lieber mal an die ganzen Erfolge. Munition, bis der Arzt kommt – Sie brauchen gar nicht so zu gucken, wenn der nicht kommt, kommt eben ein anderer – und jede Menge Kopflocher für den Irak, für Indonesien, also alle Länder, in dem man noch Wachstumspotenzial für islamistischen Terror fürs Bruttosozialprodukt mobilisieren kann. Und für die Wiederwahl. Man muss den Prozess in Gang halten, sonst gibt es Leute, die unangenehme Fragen stellen oder möglicherweise die richtigen. Man muss den Prozess in Gang halten, welchen auch immer. Wir leben das vor. Wer rastet, der rostet.“





Chancenkonto

20 07 2017

„Vor allem ist der Stimmungsumschwung wichtig.“ „Sehr gut!“ „Sie meinen, dass der Schulz-Hype endlich weg ist?“ „Sie sind hier in der SPD, Mann!“ „Na und?“

„Der Wähler will endlich etwas Neues!“ „Sehe ich auch so.“ „Das alte Konzept ist ausgelutscht, das Land braucht frische Ideen!“ „Und mehr Mut für Veränderungen!“ „Aber gleichzeitig auch eine stabile und verlässliche…“ „Man muss doch aber auch mal etwas Neues wagen?“ „… Regierung, die sich von diesen linken Chaoten nicht auf ihrem Weg beirren lässt.“ „Ja, da haben Sie allerdings recht. Das kann Merkel nur mit den Grünen liefern.“

„Ich möchte dennoch zu bedenken geben, dass wir Gerechtigkeit als eine…“ „Hören Sie sich auch mal selbst zu?“ „Eigentlich ständig, warum?“ „Er meint, jemand anders würde das nicht aushalten.“ „Aber…“ „Gerechtigkeit ist kein Thema für die Sozialdemokraten.“ „War es in den vergangenen zwanzig Jahren eh nie.“ „Ja, nur hatten wir da noch eine Mittelschicht, der wir den Angst auf dem Weg nach unten machen konnten. Das ist heute futsch.“ „Die Angst?“ „Nee, der Weg nach unten.“ „Aha, verstehe.“ „Sehr gut!“ „Und letztlich brauchen wird auch mehr Zeit für unsere Politik, die die Gerechtigkeit… nee, ich komme noch mal rein.“

„Diese Beitragsbemessungsgrenze muss endlich abgeschafft werden.“ „Sehr gut!“ „Hervorragende Idee!“ „Jawoll, das hätte die Merkel längst fordern müssen!“ „Wieso Merkel?“ „Und warum fordern?“ „Weil das ein SPD-geführtes Ministerium war.“ „Waren wir etwa mit Fördern dran?“ „Die ist als Kanzlerin einfach nicht durchsetzungsfähig gewesen, daran sieht man’s doch mal wieder.“ „Moment, da muss ich doch noch mal nachfragen: weil Nahles das nicht umgesetzt hat, war die Kanzlerin…“ „Jetzt bringen Sie uns nicht aus dem Konzept!“ „… überfördert?“ „Überfordert, meinen Sie.“ „Nein!“ „Aber für mehr Gerechtigkeit, da kann man doch die Beitragsbemessungsgrenze…“ „Wir müssen schließlich auch an unsere Zielgruppe denken.“ „Aber Deutschland besteht doch nicht nur aus Beamten.“ „Wie jetzt, das haben wir immer noch nicht geschafft!?“

„Der ganze Themenbereich Hartz IV…“ „Was ist damit?“ „Könnte man das nicht irgendwie nur auf die SPD münzen?“ „Sehr…“ „Sie sind wohl verrückt geblieben!?“ „Das ist glatter Selbstmord!“ „Die Verschärfungen kamen doch größtenteils aus der Union, oder habe ich das falsch in Erinnerung?“ „Aber insgesamt kann man das als großen Erfolg für die deutsche Wirtschaft sehen.“ „Man kann’s auch lassen.“ „Wenn wir als Wirtschaftspartei diesen Erfolg für unser Image nutzen könnten…“ „Sie meinen als Kümmererpartei?“ „Haben Sie noch alle Tassen im Schrank!?“ „Mein Gott, Milliardäre sind halt auch nur Menschen!“ „Sehr richtig!“ „Aber es gibt nun mal so wenige davon.“

„Und die innere Sicherheit?“ „Wir sind immer noch besser als die Grünen!“ „Sehr gut!“ „Aber das wird doch nicht gewählt, der Wähler will jetzt eine neue Politik!“ „Wer sagt das denn?“ „Schulz, oder?“ „Hat er das gesagt?“ „Hatten wir doch so gesagt.“ „Wegen Wechsel?“ „Wir brauchen doch einen Grund, weshalb man uns wählen sollte.“ „Aber wenn Gabriel schon die Kanzlerin verteidigt, weil sie die innere Sicherheit vor der SPD…“ „Das zeigt doch, dass die Kanzlerin weg muss!“ „Weil Gabriel das fordert?“ „Weil Sicherheitsprobleme Sache der SPD sind.“ „Das verstehe ich jetzt nicht ganz.“ „Vielleicht meint er, sie muss sich damit gar nicht mehr abgeben.“ „Oder dass sie so sicher ist, dass sie damit keine Probleme mehr hat.“ „Sehr gut!“ „Jetzt überlegen Sie doch mal, wenn die Union sich schon einen Innenminister wie diesen hier leistet, dann…“ „… hat sie gar nichts mehr zu verlieren, wollten Sie sagen?“ „Oder eher, dass sie sich höchst sicher fühlt.“ „Auf jeden Fall sicher vor der SPD.“ „Das zeigt doch aber auch, dass der Wechsel dringend erforderlich ist.“ „Soll ich das jetzt so ins Programm reinschreiben?“ „Dass der Innenminister ein Sicherheitsproblem ist?“

„Und wenn die Wähler jetzt Obergrenzen wollen?“ „Für die Einkommensteuer?“ „Für Ausländer.“ „Sie meinen Flüchtlinge?“ „Nein.“ „Das können wir mit unserer Geschichte als große deutsche Volkspartei nicht vereinbaren.“ „Sehr gut, damit fliegen Sie glatt aus der…“ „Nächster Punkt.“ „Aber…“

„Das Chancenkonto muss doch noch mehr in den Vordergrund gestellt werden.“ „Sie meinen das von Schulz?“ „Nahles wäre eher dran.“ „Die hat noch nicht so viele Punkte wie von der Leyen.“ „Die hat halt keine Chance mehr.“ „Ich dachte, das sei irgendwas für den Bürger?“ „Ist das von uns?“ „Ja, wieso?“ „Weil es da um den Bürger geht. Ich wusste gar nicht, dass wir solche Sachen im Programm haben.“ „Man muss sich immer mal ein paar innovative Ansätze einfallen lassen, die man für den Paradigmenwechsel auf dem Weg in die postindustrielle Gesellschaft sozialplanerisch nutzen kann, damit man das Narrativ der Partei ideologisch nachschärfen kann.“ „Sie meinen jetzt das Chancenkonto?“ „Nee, dass die SPD irgendwas für Bürger macht.“ „Ach so.“ „Aber gerade hier könnte man in Hinblick auf den Wechsel mal schauen, dass wir konkrete Potenziale für eine Umsetzung der…“ „Hä?“ „Denken Sie denn gar nicht an die Wahl.“ „Ja, schon. Aber wieso denn auch noch: umsetzen!?“





Fundamentalopposition

27 06 2017

„… als einen Anschlag auf die Demokratie bezeichnet habe. Durch ihre Verweigerung von Zukunftsdebatten habe die Kanzlerin für den SPD-Kandidaten eine schwere…“

„… bisher keine Reaktion gegeben habe. Merkel sei nach einem Vortrag mit den Spitzen der Industrieverbände in den…“

„… die Qualität der Regierungspolitik nicht nach herkömmlichen Maßstäben beurteilt werden könne, da die Bundeskanzlerin in der vergangenen Legislatur nichts geleistet habe. Oppermann sei nur aus parteipolitischen Gründen noch im…“

„… das Gerücht gestreut werde, Merkel wolle diesmal kein Fernsehduell gegen den SPD-Herausforderer austragen. Dies sei zwar weder bestätigt noch widerlegt, im Willy-Brandt-Haus werde die Ablehnung allerdings bereits jetzt als vollkommen sicheres Zeichen einer…“

„… sich zur bestehenden Koalition weiterhin bekenne. Gabriel werte dies bereits als Zeichen von Schwäche und Regierungsunfähigkeit, da eine richtige Kanzlerin sich von einer Partei wie der SPD mit größtmöglicher…“

„… dem Kanzleramt vorgelegen habe. Merkel sei aus Termingründen noch nicht in der Lage gewesen, die Äußerungen des Sozialdemokraten für eine Pressemitteilung zu…“

„… müsse sich die Regierungschefin nicht wundern, wenn die übrigen Parteien das unkonkrete Auftreten als Auftakt für eine weitere ideenlose Wahlperiode, an deren Ende die Bürgerinnen und Bürger noch enttäuschter als…“

„… kein Konzept für die Finanzierung der zahlreichen Krötentunnel in Deutschland vorgelegt habe. Nahles werte dies als ein skandalöses Wegducken, das schnellstens von Karlsruhe als nicht mit dem Grundgesetz…“

„… sich auch nicht zu den zahlreichen Grundgesetzverstößen der Agenda 2010 geäußert habe, die die SPD quasi im Alleingang anprangere. Schröder vertrete die Meinung, Merkel könne einfach kein…“

„… auf eine Stellungnahme noch warten müsse, da die geopolitischen Interessen Europas unter der besonderen Berücksichtigung Frankreichs vorerst den Terminplan der Bundeskanzlerin bestimmen würden. Mit einer Reaktion dürfe die SPD jedoch spätestens bis zum…“

„… Verfassungsklage einreichen werde. Gabriel habe sich entschlossen, der Demobilisierung der deutschen Massen durch einen Sitzstreik in der uckermärkischen…“

„… den Regierungswechsel als nationale Aufgabe ansehe, an dem alle fortschrittlichen Kräfte des Landes mitarbeiten müssten. Durch ihre Verweigerung, so Oppermann, unterstreiche die Kanzlerin einmal mehr die Notwendigkeit, diese sozialdemokratisch geführte Regierung ohne eine Beteiligung der Union zu…“

„… dass die CDU außer Merkel kein Programm habe. Die Sozialdemokraten seien deshalb entschlossen, mit allen strafrechtlichen Mitteln eine Einlassung der…“

„… die Gespräche mit den Vertretern einer Handelsdelegation Vorrang gehabt hätten. Vor der angekündigten Konferenz mit dem Koalitionspartner werde Merkel jedoch noch einen weiteren Termin mit chinesischen und…“

„… dass die Bürgerinnen und Bürger keinen Vertrauensschutz genössen, wenn sich die Bundeskanzlerin nicht zu ihren geplanten Plänen in der Planung der Regierungspolitik äußern würde. Die SPD sehe sich daher gezwungen, durch eine Fundamentalopposition alles zu bekämpfen, von dem sie annehmen müsse, dass es in den kommenden vier Jahren von Interesse für die…“

„… die Demokratie bereits jetzt schweren Schaden genommen habe, da Merkel keine einzige Wahlkampfattacke gegen die SPD gestartet habe. Es dürfe nicht sein, dass nur eine einzige Partei in Deutschland die Wähler mit unausgegorenen Hirngespinsten und unfinanzierbarem…“

„… halte es für gesetzeswidrig. Müntefering habe betont, man dürfe Merkel nur an ihren vor der Wahl geäußerten Versprechen beurteilen, nicht aber an den nach der…“

„… einklagen wolle. Oppermann werde die Herausgabe eines wahltaktisch motivierten Statements vor dem Bundesverwaltungsgericht, zur Not auch vor dem Europäischen Gerichtshof für…“

„… einen Sonderparteitag einberufen werde, um die vorläufige Übernahme der Regierungsgeschäfte der Bundesrepublik durch die Sozialdemokraten zu proklamieren. Da sich die Kanzlerin inzwischen nicht mehr über die politische Lage äußere, sei auch nicht mehr anzunehmen, dass sie Teil einer legitimierten Bundesregierung sei, was zur Folge habe, dass der noch aktive Partner der Koalition automatisch in die Rolle des…“

„… das Misstrauensvotum nur noch eine Frage von Tagen sei. Da ihm bisher keiner zugehört habe, werde Oppermann dies in einer schriftlichen Fassung an die Redaktionen des…“

„… die Absetzung des Terrorregimes fordere. Wenn sich Merkel nicht binnen vierundzwanzig Stunden äußere, werde Gabriel den Einsatz der Bundeswehr im Innern…“

„… den SPD-Spitzenkandidaten schon lange und gut kenne. Sie habe Schulz ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen und werde mit ihm als Vertreter der Koalitionspartei eine auch in Zukunft sehr…“





Rächer der Gerechten

21 06 2017

„Irgendwas mit Mehr.“ „Hä?“ „Also das mit mehr Gerechtigkeit haben wir ja schon.“ „Die Zeit nicht zu vergessen.“ „Und die Frauen.“ „Aber erst kommt die Gerechtigkeit.“ „Warum nicht die Frauen?“ „Weil die Zeit… – ach, egal.“

„Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber wir müssen den Auftritt von Schulz jetzt irgendwie auf Masse trimmen.“ „Hä?“ „Massenkompatibel. Den Mann massenkompatibel machen.“ „Wir haben da noch etwas von der hart arbeitenden…“ „Ich will weder ‚hart‘ noch ‚arbeiten‘ in Ihrem verdammten Konzept lesen, hatte ich mich da klar ausgedrückt?“ „Das war aber vor dem…“ „Also ich finde das immer noch gut.“ „Eben. Das klingt so scheiße, das muss von der SPD kommen.“ „Echt, den Wiedererkennungswert kriegen Sie nicht für sehr viel Geld.“ „Ich hatte Ihnen ganz klar gesagt, dass ich das nicht mehr sehen will.“ „Wir dachten, bis zur Wahl kippen Sie eh noch dreimal…“ „Raus hier. Den nächsten Wahlkampf können Sie in Nordrhein-Westfalen machen.“ „Nein! Gnade!“

„Mehr Gerechtigkeit kann man doch auch mit einer Perspektive verknüpfen.“ „Zum Beispiel?“ „Perspektive für Gerechtigkeit.“ „Klingt gut!“ „Das sagt gar nichts.“ „Eben, deshalb ist es ja so toll.“ „Haben Sie das aus dem Steinbrück-Baukasten für gemäßigte Rohrkrepierer geklaut?“ „Ich finde, wir sollten die hart…“ „Bitte?“ „… kämpfenden Genossen im Dings, hier… Wahlkampf sollten wir die nicht…“ „Perspektiven für mehr Zeit?“ „Mehr Zeit für Perspektiven.“ „Überhaupt mal eine Perspektive, das wäre ja mal an der Zeit.“ „Wäre ja auch nur gerecht.“ „Der Mitte eine Perspektive geben.“ „Ach, Sie wollen auch nach NRW?“

„Gerechte Perspektive – der engagierten Mitte eine neue Gerechtigkeit…“ „Jetzt schon doppelt?“ „Soll ja mehr Gerechtigkeit sein.“ „Ach so, klar.“ „Noch mehr Perspektive?“ „Mehr Gerechtigkeit, weniger… weniger…“ „Was, weniger?“ „Was wollte er?“ „Soli kürzen.“ „Weniger solidarischer Zuschlag?“ „Also weniger Perspektive für mehr Solidarität?“ „Weniger Solidarität.“ „Weil Schulz zuschlägt.“ „Sie können sich gleich alle nach Düsseldorf abmelden.“ „Aber das ist doch SPD, wie man sie kennt!“ „Sogar die Perspektive!“

„Sie scheinen überhaupt nicht verstanden zu haben, worum es hier eigentlich geht.“ „Schulz will den Soli kürzen für äääh…“ „Sagen Sie es ruhig.“ „Also die, die hart… das sind die, die in der Mitte… die da …“ „Also die unteren Einkommen, die dank der Solidarität der SPD…“ „Hä?“ „… mit den höheren Einkommen von den mittleren zu den kleineren Einkommen geworden sind.“ „Das ist doch gut, oder?“ „Ich wusste nicht, warum.“ „Wegen der Perspektive vermutlich.“ „Weil Schulz endlich mal selbst mehr Zeit für Gerechtigkeit…“ „Sie meinen, die SPD hat endlich mal wieder Zeit für mehr Selbstgerechtigkeit?“ „Hatte sie vorher auch immer.“ „Aber ohne Perspektive.“ „Kommt darauf an, für wen.“ „Jedenfalls nicht für die unteren Einkommen.“ „Die haben ja mit dem Soli bisher auch keine Perspektive gehabt.“ „Deshalb hat Schulz jetzt keine Perspektive auf die unteren Einkommen.“ „Weil das gerecht ist?“ „Nein, weil die eh keinen Soli zahlen.“ „Dann ist ja endlich mal Zeit für Gerechtigkeit.“

„Also haben wir mit weniger Perspektive…“ „Nein, mehr.“ „Aber es muss doch weniger sein, sonst haben wir nicht mehr Gerechtigkeit.“ „Auch wieder richtig.“ „Dann könnten wir die Perspektive auf mehr Zeit für…“ „Hä?“ „Ich stehe gerade auf dem Schlauch.“ „Solidarität mit den Rächern, nein: die Gerächten sind solidarisch mit der Zeit, die segnen das Solidarische.“ „Holen Sie ihm mal ein Glas Wasser, sein Hirn hat gerade einen Platten.“ „Er hat doch solide gerechnet.“ „Sagt wer?“ „Sagt Schulz.“ „Das hat doch nichts mit Solidarität zu tun.“ „Hört sich aber ähnlich an.“ „Er will ja auch mehr Gerechtigkeit, ohne die Mitte zu verlieren.“ „Wegen der Perspektive?“ „Nein, weil die den ganzen Scheiß bezahlen werden.“

„Meine Güte, jetzt lassen Sie sich doch endlich mal etwas einfallen!“ „Wir arbeiten doch schon hart an dem ganzen…“ „Gleich ist hier zappenduster, war das klar!?“ „Dann machen Sie doch Ihren Dreck gefälligst alleine, das ist jetzt der vierte Wahlkampf in Folge, den Sie in den Sand setzen!“ „Ich…“ „Haben Sie etwa Perspektiven zu bieten?“ „Oder die Mitte?“ „Wir können doch…“ „Jetzt kommen Sie mir wieder mit Mehr-Wert-Hülsen, das ist so was von 2005!“ „Aber…“ „Mehr, mehr, das will doch keine Sau mehr hören!“ „Immer dasselbe Gefasel!“ „Außerdem nimmt das der SPD keiner ab!“ „Vor allem nicht in perspektivischer Hinsicht, wenn Sie mich fragen.“ „Da muss jetzt echt etwas anderes kommen.“ „Weniger! die Leute wollen endlich den Ballast loswerden!“ „Innere Sicherheit, Hartz-Gesetze, Nullzins, Bundeswehr-Einsätze, das geht doch nicht so weiter!“ „Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit?“ „Und wenn Sie uns nicht glauben, wir schicken Sie gerne nach Nordrhein-Westfalen!“ „Aber was soll man denn da machen? Wir können den Spitzenkandidaten nicht einfach so im…“ „Steuersenkungen?“ „Steuersenkungen.“ „Na also. Geht doch.“