Starker Tobak

15 07 2019

„Aber weswegen denn jetzt genau?“ „Das lässt sich so genau gar nicht sagen. Er passt halt nicht mehr.“ „Sehe ich auch so.“ „Das geht doch nicht – mit der Begründung können Sie sich scheiden lassen, aber doch nicht Sarrazin aus der Partei werfen!“

„Der Mann hat ein geschlossen rechtes Weltbild.“ „Obwohl er nicht ganz dicht ist?“ „Ich würde sagen, immerhin hat er eins, in der Partei ist das ja inzwischen auch eher eine Seltenheit.“ „Jetzt kommen Sie mir nicht mit billigen Witzen, der Mann glaubt das, was er sagt.“ „Klar, sonst wäre er ja nicht in der SPD.“ „Lassen Sie mich das präzisieren: dieser Mann glaubt selbst an den ganzen gottverdammten Scheiß, den er da von sich gibt!“ „Lassen Sie mich das präzisieren: sonst wäre er ja nicht in der SPD.“ „Sehe ich auch so.“

„Aber diese Ausländerfeindlichkeit, das ist doch nicht mit unseren Grundsätzen zu vereinen.“ „Wenn es danach ginge, müsste die Partei eigentlich die Hälfte ihrer Mitglieder rauswerfen.“ „Sie meinen die obere Hälfte?“ „Die Führungsspitze würde mir schon genügen.“ „Sehe ich auch so.“ „Wir können es uns als Partei der sozialen Bewegung doch nicht erlauben, dass wir so einen Rassisten bei uns als Mitglied beherbergen!“ „Sogar Helmut Schmidt wollte nicht mehr Ausländer in Deutschland.“ „Aber der will ja gar keine mehr!“ „Das sehen Sie falsch, er möchte nur halt keine Kopftuchmädchen produzierenden Gemüsetürken.“ „Die sind aber wenigstens nicht arbeitslos, schaffen sogar noch sozialversicherungspflichtige Jobs…“ „Aber nur für Türken.“ „Und die laufen alle diesem türkischen Hassprediger hinterher.“ „… und waren früher mal treue SPD-Wähler.“ „Schlimm genug.“ „Und sie sind das Rückgrat des Einzelhandels.“ „Das kann doch wohl kein Argument sein!“ „Sind Ihnen denn Rumänen lieber, die ganze Hochhaussiedlungen verdrecken?“ „Das sind wenigstens Europäer.“ „Stimmt, die gehören zum christlichen Abendland.“ „Im weitesten Sinne, ja.“ „Und gegen die Chinesen hatte ja Helmut Schmidt im Prinzip auch nichts.“ „Wieso nicht? weil die so schön demokratisch regiert werden und ihre Dissidenten hier viele nette Restaurants aufmachen?“ „Naja, das muss man halt auch akzeptieren.“ „Ist halt eine ganz andere Kultur und so.“ „Andere Länder, andere Sitten.“ „Ist doch schön, so als Kontrast – immer nur Sauerkaut und Lederhose ist doch auch viel zu eintönig.“

„Das mit den 4,25 Euro haben Sie bestimmt auch schon vergessen.“ „Da hat er allerdings mal etwas richtig gemacht.“ „Sehe ich auch so.“ „Wie bitte!?“ „Man musste den Leuten doch irgendwie beibringen, dass wir Hartz IV überwinden wollten.“ „Dazu brauchten wir ein glaubwürdiges Gesicht.“ „Ich höre wohl nicht richtig?“ „Das war natürlich strategisch etwas kompliziert eingefädelt, aber irgendwie mussten wir das angehen.“ „Sie glauben bestimmt auch, dass wir seit Jahren vor den Wahlen so viel Müll erzählen, damit wir nicht zu viele Stimmen bekommen.“ „Genau.“ „Wenn man es von uns am wenigsten erwartet, dann wird die SPD zum großen Schlag ausholen, und dann werden wir dies Land gewaltig umkrempeln.“ „Sonst geht es Ihnen aber gut?“ „Natürlich ist das erst mal starker Tobak, dass man sich als Arbeitsloser von 4,25 Euro am Tag ernähren soll.“ „Aber das ist ja auch nur als vorübergehende Lösung gedacht.“ „Und wenn man dann nach ein paar Jahren Mangelernährung und totaler sozialer Isolation wieder ins Arbeitsleben einsteigt, ist man halt schon so geschädigt, dass man nicht lange durchhält.“ „Dafür hat man sich dann aber schon an die Mangelernährung gewöhnt.“ „Das ist also das Menschenbild der SPD.“ „Wer nicht arbeitet, soll halt auch nicht essen.“ „Hat schon Müntefering gesagt.“ „Also in der Hinsicht kann ich echt nicht sagen, dass wir das kritisieren müssten.“

„Das mit den Wohnungen…“ „Das hätte einem Senator von der FDP natürlich auch passieren können, dass er Landeseigentum verscherbelt, damit die Kasse wieder stimmt.“ „Fragt sich dann bloß, wessen Kasse.“ „Stimmt auch wieder.“ „Aber grundsätzlich ist er doch im Wirtschaftsmodell der SPD angekommen, und das ist nun mal neoliberal.“ „Das geht Ihnen so einfach über die Lippen?“ „Wir müssen uns doch alle Optionen offen halten für eine Koalition.“ „Dann wäre ich mal sehr gespannt, mit dem Sie noch koalieren wollen, wenn Sie Sarrazin als Türöffner in der Partei behalten.“ „Wenn er in die AfD eintritt, hat er doch für seine Bücher auch kein Alleinstellungsmerkmal mehr.“

„Ich verstehe jetzt nur nicht, warum wollen Sie ihn überhaupt loswerden?“ „Sie haben immer einen, der die Partei in den Schlagzeilen hält.“ „Und Sie müssen nie Sorge haben, dass er tatsächlich bei den Nazis Mitglied wird.“ „Also offizielles Mitglied, bis jetzt ist er ja noch…“ „Ja, ich habe verstanden! Sie müssen es nicht erklären, ich habe verstanden, weil ich den ganzen Mist schon mehrmals gehört habe, als die SPD ihn vor die Tür setzen wollte!“ „Und warum hat sie es nicht längst getan?“ „Weil sich die Partei an die Entscheidungen ihrer eigenen Mitglieder hält.“ „So wie bei der Große Koalition, oder verwechsle ich das wieder?“ „Da ging es aber eher um die Gremien.“ „Geht es hier auch.“ „Dann war das Urteil ja beide Male okay.“ „Aber jetzt ist mal Schluss mit diesem rassistischen Gelaber!“ „Meine Güte, jetzt lassen Sie den alten Mann doch – er hat doch selbst gesagt, der Niedergang der SPD wird nicht zu verhindern sein, und da…“ „Er hat was gesagt!?“ „Wir, die älteste Partei Deutschlands, sollen diesen Nestbeschmutzer in unseren Reihen dulden?“ „Dieser sabbernde Saftsack hat in der SPD nichts zu suchen!“ „Aber…“ „Sehe ich auch so.“ „Fegt das weg!“ „Das muss sich die Partei ja nun nicht bieten lassen.“ „Niederlagen, gut und schön, aber Defätismus? nur über unsere Leichen!“

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Totenstarre

26 06 2019

„Also das ist äh… ja.“ „Ich würde da nichts sagen, aber wir müssen ja.“ „Könnte man da nicht irgendwie so rein strategisch einfach mal die Fresse halten?“ „Die erwarten schon, dass wir uns dazu positionieren, finde ich.“ „Krass.“ „Ja, aber nicht wieder mit irgendwelchen Wortspielen.“ „Wozu das denn? Gesine Schwan ist schon schlimm genug.“

„Sie hat sich selbst ins Gespräche gebracht.“ „Sie hat gesagt, wenn man sie denn fragen täte, würde sie nicht so tun, als würde sie nicht wollen.“ „Also Extrawürstchen.“ „Krass.“ „Das ist doch wieder dieses passiv-aggressive Getue, das einem bei der SPD eh die ganze Zeit auf die Plomben geht.“ „Weil sich da jeder bitten lässt?“ „Weil sie vorher alle so tun, als ob man sie nicht will, weil sowieso jeder weiß, keiner hat so richtig Bock auf diesen Scheißjob.“ „Deshalb will ja auch keiner.“ „Das wissen alle, es will nur keiner wissen.“ „Oder hören.“ „Weshalb es auch keiner weiß.“ „Und wir müssen jetzt die Oma aus dem Osten ranlassen, weil sonst keiner den Arsch nach vorne schiebt.“ „Immerhin ist sie Professorin.“ „Ja, an dieser Homöopathieuniversität Hogwarts an der Oder.“ „Da lernt die Jugend wenigstens noch an Dinge zu glauben, die man nicht sieht.“ „Also hat Kühnert da seinen Dachschaden erworben?“ „Wie kommen Sie denn darauf?“ „So ganz normal kann man doch als junger Mann nicht sein, wenn man mit der eigenen Großmutter eine Partei aufziehen will.“

„Immerhin verlangt sie, dass es erheblicher Unterstützung bedarf, bis sie kandidiert.“ „Tolle Wurst.“ „Was hat sie sonst angedroht?“ „Vermutlich will sie wieder Bundespräsidentin werden, wenn man sie nicht rechtzeitig verhindert.“ „Krass.“ „Wer ist so verzweifelt und stellt diese Frau noch mal auf?“ „Möglicherweise die SPD?“ „Ich sagte ‚verzweifelt‘, nicht ‚meschugge‘.“ „Und dann noch mit Kühnert als Juniorpartner!“ „Immerhin eine Rolle, mit der sich die SPD in Regierung und Opposition inzwischen ganz gut auskennt.“ „Das heißt im Umkehrschluss, dass sie es Kühnert gar nicht zutraut.“ „Also sie hat es ganz klar davon abhängig gemacht, dass Kühnert den anderen Teil der Doppelspitze macht.“ „Und sie hat gesagt, sie sei davon überzeugt, dass Kühnert es nicht will.“ „Das würde nicht mal Schröder wollen, wenn Sie ihn aus dem Flüssiggasparadies entführen würden. „Jedenfalls nicht an der Seite von Gesine Schwan.“ „Und dann haben wir es wieder, sie stellt eine Bedingung auf, von der sie vorher weiß, dass sie nicht erfüllbar ist.“ „Passiv-aggressiv.“ „Krass.“

„Ich frage mich, wie wird man so?“ „Machen Sie das mal mit.“ „Was?“ „Große Koalition. Diesen ganzen Zirkus, wenn Sie eine Chefin haben, die eigentlich ganz vernünftige Ansichten hat, aber eine Reihe von Kollegen, die besser in der geschlossenen Abteilung aufgehoben wären.“ „Stimmt, insbesondere die CSU.“ „Da kann man ja nur mit Renitenz antworten.“ „Oder so unbeweglich werden, wie das unsere Partei seit Jahren ist.“ „Verwechseln Sie das bitte nicht mit der normalen Totenstarre.“ „Dann würde Schwan ja gut zum äußeren Erscheinungsbild der SPD passen.“ „Ich bitte Sie, die Frau ist doch höchstens scheintot.“ „Also Vortäuschung falscher Tatsachen.“ „Dann ist sie auf dem Posten mindestens okay.“

„Und der Kühnert?“ „Würde ganz gut zu ihr passen.“ „Wie soll ich das denn verstehen?“ „Immerhin ist er auch einigermaßen unangepasst.“ „Aber so verzweifelt, dass er sich mit Schwan vor einen Karren spannen lässt, kann man gar nicht sein.“ „Er ist der ideale Kompromisskandidat.“ „Klar, die Kernkompetenz der SPD: Kompromisse finden, wo sie keiner gesucht hat.“ „Das klingt wie die harmonische Verbindung aus Sozialabbau und weniger Klimaschutz, ein Spiel für die ganze Familie von achtzehn bis achtzig.“ „So verbiestert würde ich das gar nicht sehen: sie ist halt die Kandidatin für Leute, die nicht unbedingt nach Fakten gehen, sondern dieses etwas angestaubte Gefühl von Willy-Brandt-Sozialismus wollen.“ „Und er macht uns dann den Helmut-Schmidt-Pragmatismus mit dem etwas spröden Charme der stabilisierenden Mittelschicht, die eine ist, weil sie keine sein will.“ „Ideologisch gesehen?“ „Ja.“ „Krass.“ „Ich meine, jetzt ist es ja auch schon egal, da können wir doch gleich die beiden nehmen.“ „Sie meinen, beschissener wird’s eh nicht mehr?“ „In der Art, ja.“ „Aber das darf doch nicht der Grund sein, jeden Murks zu veranstalten, nur weil man es kann.“ „Dann haben Sie die große Koalition offensichtlich größtenteils verdrängt.“ „Und dazu brauchen wir jetzt eine gescheiterte Leiterin einer Verwaltungsklippschule, die einer strauchelnden Volkspartei die Beine wegtritt.“ „Mit dem Joker im Gepäck.“ „Wenn Sie Kühnert meinen, das ist allenfalls ein Klabautermann auf Süßwasserfahrt.“ „Dabei hat diese Personaldebatte doch auch schon wieder Charme.“ „Finden Sie!?“ „Immerhin spricht man über die SPD, und es geht ausnahmsweise mal nicht um Inhalte.“ „Wie gesagt, die Sache mit der Kernkompetenz.“ „Ich möchte dazu jetzt nichts mehr sagen.“ „Es kann Sie keiner zwingen.“ „Jetzt ändert das ja auch nichts mehr.“ „Wie soll ich das denn verstehen?“ „Ach, das war jetzt nur so als Floskel gedacht. Interpretieren Sie da nichts rein.“ „Hm.“ „Ich meine, so verzweifelt, wie wir gerade sind, warum identifizieren sich da nicht viel mehr Leute mit uns?“ „Wir sind nicht aggressiv genug.“ „Aber passiv.“ „Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.“ „Aber sie stirbt.“ „Das ist das Schöne an unserer Politik.“ „Was?“ „Wir wissen immer genau, wo die Reise hingeht.“





Wieder Vereinigung

13 06 2019

„Das machen Sie doch nur, weil Sie immer recht behalten wollen!“ „Das machen wir, weil wir in diesem Fall tatsächlich recht behalten haben.“ „Aber die Deutschen wollen eine konservative Mehrheit!“ „Und deshalb stellen Sie Ihren Vize als Kanzler auf?“ „Und Sie sind nämlich rassistisch!“

„Ich verstehe nicht, warum Sie so in Rage geraten, es war ein Angebot, mehr nicht.“ „Aber ein vergiftetes, das weiß doch jeder!“ „Naja, Sie müssen es nicht annehmen.“ „Sie wollen aber, dass wir das annehmen!“ „Das ist nun mal eben der Sinn eines Angebots.“ „Ich kenne die Art Angebote, die man nicht ablehnen kann! Sie wollen sich selbst und uns Schaden zufügen!“ „Wenn Sie damit so ein Problem haben, warum sind Sie dann immer noch in der Großen Koalition?“ „Sie und Ihre verdammten rhetorischen Taschenspielertricks, Sie werden uns jedenfalls nicht in die Enge treiben!“ „Wozu auch. Sie stehen doch mit dem Rücken schon halb in der Wand drin.“

„Außerdem, erklären Sie mir doch bitte mal, wozu brauchen wir zwei sozialdemokratische Parteien?“ „Weil es derzeit nicht einmal eine gibt.“ „Das beantwortet meine Frage nicht. Wozu zwei?“ „Weil eine in diesem Land nun mal dringend gebraucht wird.“ „Meine Güte, dann noch mal schriftlich: wozu zwei!?“ „Weil es dann nur noch eine gibt, und die hat ein ausreichendes Potenzial an Wählern, um politisch wieder Boden gutzumachen. Offenbar kommt Ihnen das nach den letzten Jahren am Glockenseil gar nicht mehr in den Sinn?“ „Was?“ „Dass man bei Wahlen antritt, um etwas zu verändern.“ „Wir liefern doch, merkt man das nicht draußen im Land?“ „Allein die Tatsache, dass das für Sie draußen im Land ist, zeigt doch schon, in welchem Elfenbeinturm Sie es sich gemütlich gemacht haben.“ „Tun Sie doch nicht so, als wäre die Wiederwahl für Sie unwichtig!“

„Jedenfalls werden Sie sich dazu ganz kräftig bewegen müssen.“ „Wieso denn wir?“ „Weil wir schon auf dem richtigen Weg sind.“ „Das sieht man ja auch an Ihren Wahlerfolgen.“ „Sie meinen also, eine Partei sei nur dann gut, wenn sie auch gewählt wird?“ „Dann verstehe ich Ihre Kritik an der SPD jedenfalls nicht mehr.“ „Weil Sie sich von Ihrer politischen Idee viel zu weit entfernt haben.“ „Ach, und Sie können ja nur Sozialismus!“ „Sich können ja nicht mal den.“ „Das muss ich mir von Ihnen nicht vorwerfen lassen!“ „Doch.“ „Warum denn?“ „Weil Sie gerade alles über Bord werfen, was an die Ideale Ihrer Partei zu erinnern droht.“ „Man muss sich auch mal von historischen Irrläufern trennen.“ „Also von den Grünen, meinen Sie?“ „Wir werden uns mit denen schon verständigen, dass wir eine vernünftige Bundesregierung unter der Führung der SPD auf die…“ „Das hat in den letzten Koalitionen ja auch ganz prima geklappt.“ „Was?“ „Naja, diese Minderheitsregierung der SPD, ohne dass es die anderen merken.“

„Und wenn wir uns regional aufstellen?“ „Wie hatten Sie sich das gedacht?“ „Nach dem Vorbild der Union.“ „Also nach dem Vorbild, nach dem Sie gerade alles an die Wand fahren.“ „Versuchen Sie nicht, witzig zu werden.“ „Sie wollen also eine Art Doppellösung wie mit der CSU?“ „Ja, und wir dachten an Ihren Part als den einer regionalen Ost-SPD.“ „Damit die Nazis in den neuen Ländern besser durchregieren können.“ „Also in Thüringen geht’s doch.“ „In Sachsen auch, da stellen die Nazis inzwischen den CDU-Kandidaten.“ „Jedenfalls könnte ich mir gut vorstellen, dass Sie da die eine oder andere Koalition hinkriegen, weil Sie die bessere regionale Verwurzelung haben.“ „Das liegt daran, dass Sie da Ihre eigenen Wurzeln mit Anlauf ausgerissen haben.“ „Aber da brauchen Sie dann auch keine Konkurrenz zu fürchten.“ „Konkurrenz von der SPD? und Sie denken, Ihre Witze seien besser!?“ „Da können Sie dann ein eigenes Profil erarbeiten, gerne auch rechtssozialistisch, und dann treffen wir uns auf Bundesebene wieder in der Mitte, weil da ja die Wahlen gewonnen werden.“ „In der Mitte?“ „Auf Bundesebene. Jedenfalls von uns, wenn wir uns wieder vereinigen.“ „Sie wollen eine Wiedervereinigung? Also eine Vereinigung wider besseren Wissen?“ „Nein, wir würden das natürlich getrennt schreiben.“ „Aha, einer unserer rhetorischen Taschenspielertricks, der ist nur gut, weil Sie ihn diesmal kopieren.“ „Hätten Sie wieder etwas gegen die Vereinigung?“ „Wir wären dann eher für getrenntes Marschieren.“ „So kann man aber nicht gemeinsam siegen.“ „Mit Ihnen zu siegen ist immer noch schlimmer, als sich selbst eine Niederlage einzuhandeln.“ „Genau dieser linke Separatismus ist es, der unser Land in Gefahr bringt, immer wieder!“ „Richtig, und in Gestalt der Grünen übernimmt dieser linke Separatismus gerade die politische Mehrheit, und das auch noch ganz demokratisch.“ „Das soll für die ja auch wie Demokratie aussehen.“ „Ich glaube, wir sind echt noch nicht so weit.“ „Richtig, da werden Sie sich als Linke doch noch ein ganzes Stück in Richtung Mitte bewegen müssen, bevor wir ein Angebot von Ihnen zur Kenntnis nehmen.“ „Wir können warten.“ „Und genau diese Arroganz ist es, warum ich mich frage, ob diese ganze Diskussion nicht sowieso überflüssig ist!“ „Oder noch sehr viel mehr.“ „Das können Sie als populistische Klientelpartei doch gar nicht beurteilen!“ „Ach, ich hätte da mal eine Frage.“ „Schießen Sie los.“ „Kann ich die Mauer noch mal sehen?“





Agenda 33

10 06 2019

„… jetzt nichts überstürzen wolle. Als Gruppe Die wahre SPD werde man innerhalb der Partei für einen Neuanfang und die deutliche…“

„… nicht auf die linke Propaganda der Grünen setze, sondern die Kanzlerschaft von Scholz mit bürgerlichen Mehrheiten sichern werde. Die Regionalkonferenz in Nordrhein-Westfalen habe sich erneut für eine SPD ausgesprochen, die noch konsequenter auf sozialdemokratische …“

„… positive Signale von der Union erwartet habe. Allerdings sei sich Kramp-Karrenbauer nicht mehr sicher, ob die SPD nicht inzwischen zu einer größeren Gefahr für die…“

„… nicht mehr darum gehe, möglichst viele Partikularinteressen zu befriedigen, sondern die großen Zielgruppen der gesellschaftlichen Mitte anzusprechen, die sich von der CDU nicht mehr vertreten fühlten. Als solche werde man auch die Dieselfahrer wieder zu einer…“

„… müsse die SPD wieder eine ehrliche Diskussion mit den Wählern führen können. So sei es notwendig, Erwerblosen die Wahl einer anderen Partei zu empfehlen, da diese zwar nicht mehr als hauptsächliches Feindbild der Partei seit Schröder betrachtet würden, aber immer noch für die übliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit der…“

„… in einem offenen Richtungsstreit sei. Die Regionalkonferenz werde vermutlich beschließen, den Sozialismus als linksradikalen Irrweg zu bezeichnen und aus der Parteigeschichte seit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins vollständig zu…“

„… in erster Linie eine Partei für Deutschland sei, was gleichermaßen impliziere, dass nicht jeder aus einem afrikanischen Armenhaus eingewanderte Eindringling ins deutschen Sozialsystem auch ein Recht habe, sich auf die grundgesetzlich verbrieften Rechte wie Menschenwürde oder…“

„… könne eine zukunftsfähige SPD dem ehemaligen Vaterlandsverräter Brandt nur den Ehrenvorsitz aberkennen, da er sich in der für das Deutsche Reich so schwierigen Situation gegen die nationale Aufgabe gestellt habe, den Endsieg gegen die sowjetischen Invasoren zu…“

„… wie vorhergesehen einen sehr deutlichen Zuwachs an Stimmen gebracht habe. Auch der von Gabriel angemahnte Rechtsruck der SPD könne mit skandinavischen Ergebnissen als erfolgreichere…“

„… so nie gesagt worden sei. Sarrazin sei von der SPD im Freistaat Bayern nie als Vorsitzender vorgeschlagen worden. Darüber hinaus wolle er selbst nicht einer Partei vorstehen, in der zentrale Positionen von Negern, Juden, Frauen oder…“

„… auch im Osten wieder stärkste Kraft werden wolle. Scholz lege bei einer Koalition mit der AfD großen Wert darauf, dass die Sozialdemokraten nicht als Juniorpartner im…“

„… einen Linksruck schon darin erkennen wolle, dass überhaupt mit Parteien wie den Grünen Gespräche geführt würden. Scholz und Gabriel seien sich darin einig, dass eine Kanzlerschaft auch bei einem erwartbaren Stimmenschwund der SPD nur durch die Sozialdemokraten als Stabilitätsanker in einer bürgerlichen…“

„… Sozialleistungen nicht kürzen wolle, aber sie neu verteilen müsse, um die gesellschaftliche Spaltung zu überwinden. Es müsse stärker darüber diskutiert werden, ob Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund überhaupt einen Rentenanspruch oder…“

„… urheberrechtliche Bedenken angemeldet habe. Die AfD habe angesichts der These, neun von zehn Flüchtlingen seien nur nach Deutschland eingewandert, um möglichst viele erbgesunde und rassereine deutsche Frauen zu vergewaltigen, ihr Parteiprogramm als das Original und die von der SPD genannten Diskussionsinhalte als eine…“

„… gehe es der Sozialdemokratie vermehrt darum, die Inhalte der politischen Agenda zu setzen. Wolle die SPD auch in Zukunft erfolgreich sein, so müsse sie ihre natürliche Dominanz über die Rechtspopulisten wieder…“

„… nicht unabsichtlich geschehen sein könne. So habe man die Plakate mit dem Slogan Mut zur Wahrheit sicher in vollem Bewusstsein geplant, als Gabriel dies auf der Regionalkonferenz als kommunikationstechnisch sehr guten und…“

„… auf ein gutes Einvernehmen mit Polizei, Militär und anderen, neu zu gründenden Sicherheitsorganen als Kernthese der Agenda 33 setze. Scholz könne dies aus eigener Erfahrung als wichtiges politischen Ziel im Kampf um die…“

„… zusätzliche Kompetenz durch erfahrene politische Kräfte aus dem rechten Spektrum an die SPD binden werde. Als Sonderberater Ost wolle Maaßen bereits den Wahlkampf unterstützen und die internen Strukturen der Partei durch Verbände aus Freiwilligen und autonomen Kampfgruppen der…“

„… eine weitere Zusammenarbeit ablehne. Die Union sei durch Merkel zu einer Partei des linken Mainstreams geworden, die nur noch durch die klar konservative Linie der SPD an der Regierung bleiben könne, um die Kanzlerin zu stellen. Dies weise Scholz ganz klar zurück und werde sich auch nach den Wahlen zum Deutschen Bundestag so positionieren, dass die CDU keinen…“





Schulz & Friends

4 06 2019

„… werde sich die SPD nach dem Rückzug von Nahles schnell erneuern. Die Partei habe die Zeichen der Zeit verstanden und wolle sich in den kommenden Wochen intensiv mit personellen und programmatischen…“

„… zunächst nur auf der Personalebene stattfinden könne, da sich die programmatische Neuausrichtung der Partei nicht ohne ein neues Parteiprogramm gestalten lasse. Auch dieses werde, wie andere Programme zuvor, in der Realpolitik keine nennenswerte Rolle spielen, es sei aber für die Glaubwürdigkeit der Sozialdemokraten von essenzieller…“

„… neue politische Ideen wie eine an der Inflation ausgerichtete Lohnsteigerung nur mit Vorsicht in die Agenda integrieren wolle. Kahrs sehe die reale Gefahr von Arbeitsplatzverlusten und könne sozialistische Ideen nur in Ausnahmen als…“

„… den Parteivorsitz nicht übernehmen könne. Scholz wolle sich ganz auf sein Ministeramt konzentrieren, da er keine Pensionsansprüche für ein parteiinternes…“

„… sich von erfahrenen Krisenmanagern begleiten lassen wolle. Steinbrück habe bereits zugesagt, in einer Fortsetzung der Großen Koalition als Vizekanzler die entscheidenden…“

„… die Vorsitzfrage erst gestellt werden solle, wenn die programmatische Neuausrichtung der SPD erfolgt sei, da man diesmal keinen Vorsitzenden haben wolle, der sich völlig beliebig gegen jede inhaltliche…“

„… dass sich Scholz ganz auf die Kandidatur als Bundeskanzler konzentrieren werde und für die Parteiführung keine…“

„… werde die Partei in einem symbolischen Akt Gerhard Schröder die Würde des Ehrenvorsitzenden antragen, da er maßgeblich daran mitgewirkt habe, die Regierung von 1998 bis 2005 zu einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Epochen für die SPD werden zu…“

„… inhaltliche Fragen sozialdemokratischer Politik erst dann angehen könne, wenn der richtige Vorsitzende seine eigene Vision für die Wahrung der Partei und ihrer…“

„… eine interne Befragung der Parteispitze ergeben habe, dass keine der befragten Personen irgendeiner anderen irgendein Amt zutraue, ganz abgesehen vom Vorsitz der…“

„… sei die Partei sich nicht darüber einig, ob eine Urwahl das richtige Mittel sei, um den Vorsitzenden zu bestimmen. Es bedürfe vielmehr eines Bundesparteitags, der von sehr erfahrenen…“

„… sich nach dem Führungstrio mit einer Doppelspitze profilieren könne. Die Delegierten hätten die Wahl zwischen Schäfer-Gümbel und Dreyer sowie Schulz und Scholz als…“

„… eine durchaus günstige Perspektive zeichne. Die realpolitische Umsetzung der ersten Entwürfe werde in den Ausschüssen noch in dieser Legislatur vorbereitet, wobei nicht auszuschließen sei, dass sich der Koalitionspartner vehement gegen die…“

„… es zunächst um die Sicherung der Errungenschaften der SPD für den Mittelstand gehe. Uneins sei sich die Partei noch, ob auch die Hartz-Gesetze dazu…“

„… könne die SPD nur die eigene politische Wende bewerkstelligen. Das Spitzenduo Scholz und Giffey wolle daher die Koalition mit der CDU nicht…“

„… einhellig abgelehnt worden sei. Man könne eine große Volkspartei mit dem Potenzial zur absoluten Mehrheit nicht wie einen Jugendclub führen, der ausschließlich auf Prozente ziele und so schnell wie möglich zur Kanzlerschaft strebe. Kühnert habe keine Chance, sich als…“

„… sehe sich die designierte Doppelspitze Stegner/Barley im Konflikt mit den Grünen, ob man als Minderheitsregierung vom stärkeren Bündnispartner toleriert werde oder weiter mit Hilfe der CDU eine klimafeindliche, aber für den Mittelstand sehr viel…“
„… in beratender Funktion zurückkehren könne, um den fließenden Übergang aus der Regierung ins so palliativ wie möglich zu gestalten. Nahles werde dafür allerdings nicht von der Partei bezahlt, sondern von einem Interessenverband der…“

„… auch einen Wechsel des Namens nicht ausschließen könne. Das Präsidium wolle noch keine endgültige Aussage machen, sehe aber eine Änderung in Schulz & Friends als europafreundliche…“

„… eine linke, nicht verheiratete Frau mit Migrationshintergrund, die in den neuen Bundesländern aufgewachsen sei. Paritätisch dazu wolle Scholz selbst eine der beiden…“

„… eine neue Vereinigung mit der Linkspartei nicht für ratsam erachte. Diese wolle sicher rein sozialistische Inhalte in die SPD einbringen, was mit der derzeit noch verbliebenen Kernwählerschaft allerdings keine ausreichend großen…“

„… einstimmig beschlossen wurde. Die Partei selbst habe es als fundamentalen Schritt in eine neue Richtung gewertet und wolle sich jetzt auf eine total gewandelte Politik einstimmen, die auch die Menschen draußen im Land mitnehmen werde. Der Beschluss, statt Lila wieder zu Rot als Farbe der Sozialdemokratie zurückzukehren, war nach einer hart umkämpften Debatte in der…“





Selbstzerstörungssequenz

29 05 2019

„Aber man muss das doch nicht gleich als reine Personalfrage…“ „Das sagen Sie!“ „Aber wenn die Partei sich in einer völlig falsche Richtung entwickelt, dann muss man doch gegensteuern?“ „Ich finde, dass die Vorsitzende ihre Kompetenzen sehr viel besser für…“ „Schon falsch.“

„Das halte ich jetzt aber für ziemlich daneben.“ „Entschuldigen Sie mal, sich so hinzustellen und einen derartigen Dreck vom Stapel zu lassen – wir sind eine Volkspartei, wir haben Traditionen!“ „Eben.“ „Das nehmen Sie zurück!“ „Leute, jetzt reißt Euch mal am Riemen!“ „Es ist zwar noch keine existenzielle Frage, aber langsam sollten wir uns als Volkspartei eine…“ „Das sagen Sie!“ „Es wird immer den einen oder anderen Nostalgiker geben, der uns wählt.“ „Aber der Parteinachwuchs ist doch nicht mehr derselbe.“ „Naja, als wir jung waren, da hatten wir schon andere Ideen.“ „Hehe, das kann ich mir vorstellen!“ „Trotzdem muss man in der gesellschaftlichen Wirklichkeit ankommen und die strukturellen…“ „Uh, strukturell!“ „Er hat mal Soziologie studiert.“ „Deshalb ist er auch nicht bei einer vernünftigen Partei gelandet.“ „Ihre reaktionäre Attitüde…“ „Was hatte ich gesagt?“ „Tja.“ „… ist doch genau der Beweis dafür, dass wir dauerhaft im Arsch sind, wenn wir uns nicht sofort und auf der Stelle umkehren!“ „Da ist was dran.“ „Sagt ja die Vorsitzende auch immer.“ „Ihre Ironie können Sie sich schenken.“

„Wenn wir ganz viel Glück haben, dann haut die Alte nächste Woche von alleine in den Sack, und wir können den Laden endlich neu aufbauen.“ „Ich würde auf vieles wetten, aber nicht darauf.“ „Selbsterhaltungstrieb?“ „Meiner oder ihrer?“ „Sie haben ganz einfach keinen Anstand. Wer Anstand hat, kann auch Niederlagen einstecken.“ „Das sagen Sie der Alten mal, wenn Sie ihr über den Weg laufen.“ „Witzbold!“ „Im Grunde sehen wir gerade zu, wie ein gesellschaftlich nicht mehr tragbares Konstrukt volle Möhre an die Wand klatscht.“ „Hätte man mal auf die gehört, die sich mit so was auskennen.“ „Also alle, die nicht nur von der Vergangenheit zehren.“ „Sie tun so, als hätten wir in unserer Partei lediglich ein Personalproblem.“ „Das habe ich nie behauptet.“ „Ach, und was ist das dann?“ „Wir haben ein Personalproblem, ein Führungsproblem und ein gewaltiges Problem mit der Kommunikation, insbesondere zu allen, die sich als politisch interessiert ansehen.“ „Das machen Sie jetzt aber nicht nur an der Vorsitzenden fest, oder?“ „Nein, mir ist schon klar, dass unter ihr auch jede Menge Sackpfeifen hocken, die in der freien Wirtschaft als Schiffschaukelanschubser rausfliegen würden, weil man ihre dumme Fresse nach drei Tagen nicht mehr sehen will.“ „Ach!“ „Schauen Sie mich nicht so an, ich habe die nicht gewollt! Wenn es nach mir ginge, wäre sie längst weg!“

„Auf der anderen Seite sollten wir jetzt auch nicht so tun, als gäbe es nicht einen ziemlich guten Gegenkandidaten.“ „Wie jetzt, den!?“ „Das ist nicht Ihr Ernst!“ „Lachhaft, einfach lachhaft.“ „Das sagen Sie!“ „Der Mann war doch immer schon ein peinlicher Sonntagsredner.“ „Und noch dazu ein kompletter Außenseiter.“ „Naja, der hätte dann eben frischen Wind in die…“ „Ohne jede Sachkenntnis von Parteipolitik?“ „Aber er hat…“ „Machen Sie sich doch nicht lächerlich!“ „Leute, es ist langsam mal genug! Ihr solltet wirklich mal überlegen, wie wir aus der Nummer rauskommen.“ „Wir sind doch freiwillig drin!“ „Eben, alles demokratisch und ordnungsgemäß gewählt.“ „Ja, man kann sich halt auch mal verwählen.“ „Und das muss ich mir von Ihnen anhören? Sie haben doch auch für die Alte gestimmt, als es nach Katastrophe aussah.“ „Das war etwas ganz anderes.“ „Sie haben nur an die Partei geglaubt und nicht daran, dass wir mit der Bude auch mal die eine oder andere Wiederwahl sichern müssen, was!?“ „Lassen Sie ihn doch, er ist doch auf einem sicheren Listenplatz.“ „Das soll ja manchen so gehen, die das Parteiprogramm noch nie von innen gesehen haben.“ „Boah, ich bin echt so was von…“ „Jetzt seid halt kompromissbereit, wir müssen uns doch auf die nächsten Wahlen vorbereiten!“ „Indem wir gemeinsam als Mantra die Selbstzerstörungssequenz nachträllern, oder was?“ „Sie gehen mir echt auf den…“ „Leute!“

„Also irgendwas muss ja jetzt auch passieren.“ „Aber nur personalmäßig ist auch doof.“ „Passt sich halt dem Personal an.“ „Im Prinzip müssten wir dann den ganzen Knalltüten aus der zweiten Etage die Stühle vor die Tür stellen.“ „Vielleicht sollten wir uns erst mal überlegen, wie wir mit wirklich wichtigen Zukunftsfragen überhaupt umgehen.“ „Vielmehr, ob wir uns das überhaupt zutrauen.“ „Das meinen Sie doch nicht ernst!?“ „Dann schauen Sie doch mal auf die Wahlergebnisse der jungen Generation, die sind eine Katastrophe!“ „Man muss doch auch mal berechnen, dass die jungen Leute ein sehr emotionales Verhältnis zur…“ „Das sagen Sie!“ „Ich würde jetzt gerne den…“ „Die blöde kuh muss endlich weg!“ „Hören Sie mal, das geht gar nicht!“ „Entschuldigung, wann ist denn…“ „Sie brauchen hier gar nicht zu…“ „Aber ich wollte nur den…“ „Meinen Sie das ernst!?“ „Wann kommt die dumme Kuh denn jetzt? Soll ich denn hier den ganzen Tag auf die Nahles warten?“ „Pardon, aber haben Sie aufs Türschild geschaut? Hier ist jetzt gleich Klausurtreffen der CDU.“





Die Entdeckung der Langsamkeit

6 05 2019

„Der Mann muss raus. Der ist nicht mehr tragbar.“ „Kühnert?“ „Ja, Kühnert. Der ist einfach nicht mehr tragbar.“ „Für die Gesellschaft?“ „Doch, schon. Aber nicht mehr für die Partei.“

„Ich meine, was hat er gemacht? Bahnverkehr nur für die arische Herrenrasse gefordert? Oder hasserfüllte Toilettenwitze über Transsexuelle von sich gegeben?“ „Hören Sie doch auf, Sie wissen das ganz genau.“ „Er will doch nicht etwa die Kirche verstaatlichen? oder gleich die SPD?“ „Jetzt stellen Sie sich nicht dümmer an, als Sie sowieso schon sind, das ist wird für uns langsam gefährlich, wenn wir nicht auf Sicht fahren können.“ „Auf Sicht fahren? Sie meinen den Nebel, den der Schulzzug hinterlassen hat?“ „Meine Güte, Schluss mit diesen blöden Witzchen! Kühnert fordert den Sozialismus, das ist unser Ende, verstehen Sie das? Unser Ende!“

„Naja, ich verstehe schon, wenn Sie jetzt Angst haben, dass die SPD ernsthaft Schaden nimmt.“ „Das könnte unser Untergang sein.“ „Erinnern Sie sich noch an die Forderung nach Teilverstaatlichung der deutschen Industrie, um den Kapitalismus als Kriegsauslöser einzudämmen?“ „Ja, das war nach der Bankenkrise, aber das kam von Steinbrück.“ „Das war das Neheim-Hüstener Programm von 1946, als der CDU nach tausend Jahren plötzlich der Arsch auf Grundeis ging.“ „Die waren doch aber auch gegen Sozialismus?“ „Das lag halt an ihren Erfahrungen mit der nationalen Spielart. Die haben sogar ernsthaft behauptet, Flüchtlinge seien Menschen – das haben denen die Deutschen damals schon übelgenommen.“

„Wir Sozialdemokraten haben uns immer gegen den Kommunismus ausgesprochen!“ „Dann sollten Sie den Kevin Kühnert nicht aus der Partei schmeißen, der ist auch kein Kommunist.“ „Der will einen Autokonzern verstaatlichen! Das ist doch Kommunismus!“ „Das ist Sozialismus.“ „Das ist mir scheißegal, wie Sie das nennen, auf jeden Fall macht uns das die komplette Strategie kaputt!“ „Ich bin ein bisschen irritiert.“ „Dass wir noch zwischen Sozialismus und Kommunismus differenzieren?“ „Nein, weil Sie gesagt haben, die SPD besäße noch so etwas wie eine Strategie.“ „Sparen Sie sich Ihre Witze, dazu ist es zu ernst!“ „Naja, ich wüsste jetzt schon gerne, worin denn die Gefahr für die SPD bestehen könnte.“ „Das merken Sie nicht? Wir verlieren unsere Zielgruppe.“ „Sie überraschen mich jetzt aber wirklich – erst eine Strategie, und jetzt haben Sie auch noch eine Zielgruppe?“ „Aber ja doch, die Facharbeiter.“ „Ich dachte immer, die SPD sei längst eine reine Beamtenpartei. Vor allem in Bezug auf den Pensionärsanteil.“ „Lästern Sie nur, wir gehen mit der Zeit!“ „Das ist korrekt – da im Zuge der Digitalisierung die Facharbeiter mehr und mehr ersetzt werden, wird die SPD mit der Zeit schon gehen, wohin auch immer.“ „Wir sind doch keine klassische Arbeiterpartei mehr, das müssen Sie doch selbst mal einsehen.“ „Dann haben Sie mit dem Niedriglohnsektor also bewusst ein Prekariat erschaffen, das von vorneherein als Wählerklientel gar nicht erst in Betracht kommen sollte?“ „Das würde ich so nicht sagen, aber… naja, irgendwie ist es schon so.“ „Das ist jetzt nicht Ihr Ernst?“ „Doch. Das ist der Plan.“

„Noch mal zur Sicherheit, damit ich Sie nicht falsch verstehe: die SPD will sich gezielt zugrunde richten?“ „Wir wollen den politischen Prozess nur entschleunigen.“ „Vollbremsung bei der Schussfahrt in den Abgrund?“ „Nein, wir wollen es nur nicht auf Biegen und Brechen erreichen. Sie sehen doch, was 1949 passiert ist.“ „Wir hatten plötzlich eine Verfassung und die Demokratie, dann kam das Wirtschaftswunder und im…“ „Nein, im Osten. Da gab es auf einmal Sozialismus. Grauenvoll!“ „Ja, das hat nur einen Schönheitsfehler.“ „Richtig, weil das ja gar kein richtiger Sozialismus war sondern nur ein total kaputter Marionettenstaat im Schatten Moskaus.“ „Wenn Sie es schon wissen, warum haben Sie dann so viel Angst vor dem Sozialismus? Weil Sie dann zwanzig Jahre auf Ihren BMW warten müssen?“ „Sie gehen mir auf die Nerven.“

„Was genau wollen Sie denn jetzt langsamer machen?“ „Den ganzen politischen Prozess. Wenn wir unsere Ziele zu schnell erreichen, dann haben wir uns ja quasi abgeschafft. Erledigt. Überflüssig gemacht.“ „Dann haben wir den Sozialismus.“ „Ja, genau das ist das Problem.“ „Also demokratischen Sozialismus.“ „Deshalb haben sich die Linken ja damals umbenannt – man kann doch nicht ein Ziel so klar verfolgen und dann riskieren, dass man es erreicht!“ „Ich verstehe es irgendwie immer noch nicht.“ „Stellen Sie sich das vor: komplette Wende. Sozialismus jetzt.“ „Großartig!“ „Eben nicht! Das ist ein schönes Ziel, aber dann sagen die Leute: das war damals besser, warum auch immer. Dann sind wir erledigt.“ „Hm. Und dann?“ „Irgendeine CDU-Schnepfe wird Kanzlerin und regiert seelenruhig im Sozialismus weiter, und der nimmt man es ab, weil sie ihn nicht eingeführt hat.“ „Stimmt, das war bei der Agenda 2010 auch so.“ „Wir sind verloren, wenn Kevin Kühnert ein Bein auf den Boden kriegt in der SPD!“ „Sie meinen, das wird dann so wie bei den Grünen?“ „Eben, die tragen auch jede Menge neoliberalen Scheißdreck mit, Stuttgart 21, allein diese ganzen halbherzigen Asylkompromisse, die Internetzensur, was auch immer.“ „Oder wie bei den Nazis, die wollen alle Ausländer abschieben, aber wenn sie damit fertig sind, wissen sie nicht, was sie noch auf ihre Plakate schreiben sollen.“ „Das ist echt ein Dilemma.“ „Zumindest eins habe ich jetzt verstanden.“ „Nämlich.“ „Warum das Ausschlussverfahren gegen Sarrazin genau so gelaufen ist.“