Kokolores

14 12 2017

„Alles raus?“ „Alles.“ „Wir können uns darauf verlassen?“ „Freilich.“ „Können wir uns denn dann auch wirklich auf einen…“ „Also jetzt hören Sie mal, wie sollen wir denn Koalitionsverhandlungen führen, wenn Sie uns nicht schon hier vertrauen?“

„Der Punkt ist doch, dass wir Ihnen nicht generell Misstrauen entgegenbringen wollen.“ „Genau das tun Sie doch gerade.“ „Wir wollen doch keine Streitpunkte in eine Verhandlung einbringen.“ „Die letzten Verhandlungen sind gescheitert, obwohl wir gar keine Streitpunkte hatten.“ „Sehen Sie? Müssen wir das provozieren?“ „Die Menschen draußen im Land wollen eine stabile Regierung.“ „Menschenskinder, Sie rufen doch selbst auf jedem Parteitag und bei jedem Streit zur Geschlossenheit auf!“ „Ja, aber parteiintern.“ „Und wenn wir das als Koalition auch versuchen würden?“ „Das nimmt uns am Ende wieder keiner ab.“ „Wieso nicht?“ „Die letzte Koalition hat uns doch auch keiner abgenommen.“

„Dann sagen Sie doch mal, Kohle?“ „Nein.“ „Wir haben aber doch…“ „Nein!“ „Die Wirtschaft ist sich darüber im Klaren, dass…“ „Das ist mit uns nicht zu machen! Wir werden darüber nicht reden!“ „Also ist noch nicht klar, dass Sie die Kohle als Energieträger mittel- bis langfristig weiter fördern wollen?“ „Wir haben uns noch nicht entschieden, das wird ganz demokratisch auf einem Votum der Parteibasis geschehen, und dann legen wir das dem Parteivorstand vor, und dann sehen wir weiter. Aber wir werden darüber vorerst nicht diskutieren.“ „Aus Angst.“ „Weil Deutschland eine stabile Regierung braucht, und wir wollen uns nicht verschließen.“ „Das heißt also, dass Sie den Schwanz einkneifen und die Sache einfach so weiterlaufen lassen, wenn Sie nicht mehr wissen, wie Sie sich entscheiden wollen, ja?“ „Sie können Ihre verdammte Koalition gleich alleine machen.“ „Schon gut, ich habe doch gar nichts gesagt!“

„Wir bieten Ihnen außerdem an, das Thema Grundeinkommen in der kommenden Legislatur nicht zu behandeln.“ „Hatten wir auch nicht vor.“ „Wir aber.“ „Schön, und was heißt das jetzt?“ „Das impliziert natürlich auch, dass Hartz IV erstmal nicht verändert wird.“ „Klar.“ „Als Regierung muss man sich das sehr genau überlegen. Da steckt eine Menge sozialer Sprengstoff drin.“ „Aha.“ „Nicht nur für den sozialen Bereich.“ „Schön.“ „Auch der Arbeitsmarkt wird natürlich in Mitleidenschaft gezogen.“ „Interessant.“ „Die Regierung wird sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass sie einen Großteil der Menschen überhaupt nicht auf dem Schirm hat.“ „Wissen Sie, seit wann wir das hören? Das hat uns noch nie interessiert.“ „Das war mir ja vorher schon klar.“ „Von wem kamen noch mal diese Hartz-Gesetze?“ „Wer hat sie verschärft?“ „Wollen wir wirklich auf diesem Niveau reden?“ „Sie brauchen eine regierungsfähige Mehrheit.“ „Wir können auch ohne Sie regieren.“ „Ja, das merken wir seit Monaten.“ „Können wir wieder vernünftig miteinander umgehen?“ „Das hängt doch ganz von Ihnen ab.“

„Waffenhandel, noch so ein Thema.“ „Aber das bedeutet auch Arbeitsplätze.“ „Diese Kritik an den ethischen Maßstäben unseres wirtschaftlichen Handelns sollten wir aber mal ernst nehmen, finden Sie nicht?“ „Sie können das gerne ausklammern, aber die Fakten sind doch bekannt. Warum soll sich die Wirtschaft in der Bundesrepublik von ihren größten Erfolgen distanzieren?“ „Wir müssen den Wählern schließlich erklären, warum wir wieder einmal so komplett versagt haben.“ „Das kriegen die früher oder später sowieso raus. Dann geht’s ums Ganze, der Wahlkampf läuft schon, und der Rest ist Geschichte.“ „Das finden Sie gut?“ „Lassen Sie uns doch über das Thema Bürgerversicherung reden.“ „Nein, alles gut. Wir brauchen keine öffentliche Debatte über die Rüstungsindustrie, das verstehen die meisten Bundesbürger sowieso nicht.“ „Da sind wir ganz bei Ihnen.“

„Immerhin haben wir noch einen Aktenordner voll.“ „Aber das sind doch Nebenkriegsschauplätze, oder sehe ich das falsch?“ „Türkei?“ „Solange die nicht in der EU sind, sehe ich das als Nebensache.“ „Ehegattensplitting sollte man auch nicht weiter verfolgen.“ „Abgesehen von der Steuerreform.“ „Verbrennungsmotoren?“ „Haben wir die Grünen in der Koalition?“ „Auch wieder richtig.“ „Wozu regen wir uns dann auf?“ „Solange wir uns nicht über ein Einwanderungsgesetz streiten müssen?“ „Mindestlöhne?“ „Rechtsextremistische Gewalt?“ „Haben Sie nicht irgendwann mal einen Ordner mit Kram angelegt, den Sie in der Regierung machen wollen?“ „Ja, Sie etwa auch?“ „Wir haben da ‚Kokolores‘ draufgeschrieben.“ „Lustig!“ „Aber wir sollten uns nicht auf solche Kleinigkeiten…“ „Der Hauptstadtflughafen?“ „Ist Ländersache.“ „Dann sollten wie den Terrorismus nicht zu sehr in den Fokus nehmen.“ „Die Netzneutralität.“ „Überhaupt den Netzausbau.“ „Also Netzpolitik.“ „Ja, das kann man als Gesamtpaket ignorieren.“ „Dann die Sozialpolitik?“ „Arbeitnehmer.“ „Den Wohnungsbau.“ „Und den Umweltschutz.“ „Die Bahn.“ „Aber nur, was den Fahrgast an sich betrifft.“ „Versteht sich.“ „Autobahnmaut?“ „Geht ihren Gang.“ „Dann haben wir die Grenzen…“ „Obergrenze!“ „Stimmt, den CSU-Quatsch.“ „Aber jetzt haben wir’s, oder?“ „Sollten wir, ja.“ „Dann verhandeln wir worüber?“ „Höhere Diäten.“ „Das ist vernünftig.“ „Deshalb nennen wir es ja auch Konsens-Koalition.“ „Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“ „Wie wahr…“

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Ergebnisoffene Maßnahmen

7 12 2017

„… dass die Durchsuchungen generell gegen Extremisten gerichtet seien. Man habe nur mit einer Razzia gegen Linke begonnen, da diese in den letzten Monaten vermehrt im Fokus der…“

„… kein milderes Mittel eingesetzt werden könne. Gerade eine Hausdurchsuchung, bei der auch Kinder von Polizeigewalt betroffen seien, übe eine besondere pädagogische Wirkung für die politische Bewusstseinsbildung des…“

„… vermisse auch die Bundeswehr größere Bestände an Spähpanzern und Flugabwehrraketen. Solange nicht geklärt sei, ob sich Linksradikale Waffensysteme für den bundesweiten Einsatz gegen demokratische Umtriebe angeeignet hätten, müsse man in alle Richtungen…“

„… und sich deshalb nicht über körperliche Auseinandersetzungen beschweren könne. Plan der Polizeiführung sei schließlich ein Schlag gegen die…“

„… könne auch eine ergebnislose Fahndung letztlich als Ergebnis gewertet werden. Damit sei gesichert, dass der Staat die mutmaßlichen Terroristen wegen gezielter Vernichtung von Beweismitteln vor das…“

„… müsse man die Fahndungen auf jeden Fall als legal bezeichnen, solange noch kein gerichtliches Verbot von…“

„… zahlreiche gespitzte Bleistifte sichergestellt worden seien. Da diese nicht zur Ausfertigung rechtlich bindender Dokumente verwendet werden dürften, liege der Verdacht nahe, dass damit Betrug, Urkundenfälschung oder eine…“

„… nur auf Befehl gehandelt habe. Es sei während der Durchsuchung zu zahlreichen schweren psychischen Beeinträchtigungen der Beamten gekommen, die durch die Brutalität ihrer Kollegen nachhaltig traumatisiert worden seien. Dies sei ein erschwerendes Moment, für das man die Linksextremisten mit der vollen Härte des…“

„… dass der Tatvorwurf des schweren Landfriedensbruch durchaus aufrecht erhalten werde. Wer die aktuellen Verhaltensauffälligkeiten bei Vorschulkindern kenne, der wisse sehr genau, dass es auch minderjährige Verdächtige im…“

„… im Umkehrschluss das Auffinden von Bleistiften ein Indiz für die linksradikale politische Ausrichtung von Personen sei, die bisher noch nicht strafrechtlich in…“

„… müsse es für die zahlreichen spontanen Aktionen zwingend eine gemeinsame Planung gegeben haben. Auch der Bundesminister des Innern könne bei der Auswertung von Straftaten durch Polizisten keinen…“

„… vermute die Polizei vorwiegend ausländische Täter, weshalb auch die Suche in Göttingen und…“

„… dessen ungeachtet jede Art von Schreibgerät zwingend als Waffe zu betrachten sei. Der Staat habe daher das Recht und die Pflicht, jeden, der als Terrorist in diesem Sinne in der…“

„… eine Baumsäge beschlagnahmt habe. Da der Baumbestand auf der Elbchaussee allerdings bisher nicht angetastet worden sei, gehe man von einer weiteren, möglicherweise in der Vorweihnachtszeit geplanten…“

„… zur Verfügung stellen müsse. Öffentlich-rechtliche Medien, die ihr Bildmaterial nicht an die Bundespolizei lieferten, seien Verräter, die von der Volksgemeinschaft nur eine…“

„… ein Verurteilter zwar aus der Untersuchungshaft habe entlassen werden müssen, was aber nicht im Sinne einer rechtsstaatlichen…“

„… auch nach zwei Tagen keinen der unbekannten Täter identifiziert habe. Dennoch habe die Aktion bewiesen, dass die Polizei keinerlei Einmischung in…“

„… nicht im Vorfeld geklärt werden müsse, ob es sich um eine sinnvolle Aktion handeln müsse. Vielmehr könne eine ergebnisoffene Maßnahme ebenso für die politische Entscheidung einer…“

„… Bäume absägen könne, um aus dem Holz gefährliche Tatwerkzeuge in Form von Bleistiften und…“

„… sei ein Großteil der verdächtigen Personen der Polizei bereits namentlich bekannt. Die Hausdurchsuchungen hätten daher nur den Zweck gehabt, den Aufenthaltsort und das Umfeld der Beschuldigten informell zu…“

„… für die Baumsäge aber keine Quittung beibringen könne oder wolle. Da es sich nach Einschätzung der Polizei dabei auch um ein Eigentumsdelikt handeln könne, müsse man von einer international agierenden kommunistischen…“

„… es sich bei der linksradikalen Verschwörung um ein durch moderne Kommunikationsmittel gesteuertes Komplott handele, dem nur durch eine anlasslose Speicherung sämtlicher…“

„… sich Scholz eindeutig geäußert habe. Er werde alle linken oder als links anzusehenden oder als politisch zu verstehenden Aktivitäten oder deren Versuche oder Neigungen, die man als Aktivitäten, die als Versuch oder eine Art einer Form, die man als Form, die links oder versuchsweise oder gegen das Bürgertum oder auf eine Art, die als Form, die als eine Art von Versuch von Form als…“





Schafkopf

6 12 2017

„Alles, nur nicht die!“ „Wen sonst?“ „Ihnen ist klar, dass wir mit unserer Haltung als sexistische Partei einen Großteil der Wählerinnen verlieren werden?“ „Ja, meinetwegen!“ „Hören Sie mal, wenn wir jetzt in eine Regierungskoalition wollen, muss unsere Führung eine…“ „Alles, auch Wurzelbehandlung oder Auspeitschen – aber nicht Nahles!“

„Die hat doch bis jetzt einen ganz guten Job gemacht.“ „Naja, wenigstens hat sie nicht so viel verraten, was uns noch tiefer reinreiten könnte.“ „Und sie hat diesmal noch nicht gemeckert, dass es bei den Koalitionsverhandlungen keinen Alkohol gibt.“ „Weil es noch keine Koalitionsverhandlungen gab.“ „Müssen Sie uns mit Nebensächlichkeiten aufhalten?“ „Jetzt machen Sie mal einen Punkt!“ „Wer hat denn angefangen!?“ „Ruhe jetzt! Der Auftrag von der Parteispitze ist klar, wir brauchen ein Tandem, eine Hälfte weiblich, und das muss bis zum…“ „Wer wird denn die andere Hälfte?“ „Ich ging bisher von Schulz aus.“ „Der kann ja auch die Frauenrolle ausfüllen.“ „Trotz Bart?“ „Diese ewige Unentschlossenheit, dieses divenhafte Getue, das ist doch anziehend, oder?“ „Haben Sie eine Ahnung!“ „Dann würde sich die FDP ja nicht vor Angeboten retten können.“ „Haben Sie eine Ahnung!“ „Bei denen liegt es am Geld.“ „Ach so.“

„Dabei haben wir doch eine ganze Reihe guter Politikerinnen.“ „Mir fallen jetzt gerade keine ein.“ „Die Dings.“ „Genau.“ „Äh…“ „Ja, an die hatte ich auch gleich gedacht. Die wäre fast mal Kandidatin geworden, ich weiß nur nicht, wofür.“ „Sie meinen sicher Schwesig?“ „Nee, die war älter.“ „Die ist doch aber noch recht jung.“ „Ich meine die andere.“ „Klar, die ist dann natürlich älter.“ „Aber auch nur im Vergleich.“ „Und mit dieser Diskriminierung wollen wir hier auch gar nicht erst anfangen.“ „Weil die andere zu jung ist?“ „Ach, egal.“

„Dabei hatte Schulz doch gesagt, er wolle ein Kabinett im Falle seines Wahlsieges paritätisch besetzen.“ „Da ist er ja fein raus.“ „Wieso?“ „Weil wir die Wahl nicht gewonnen haben.“ „Er wollte eh nur Kanzler werden, wenn die Merkel verzichtet.“ „Also gar nicht.“ „Das sagen Sie!“ „Vermutlich hat er das gesagt, weil er wusste, dass man mit Merkel einfach keine Frauenquote machen kann.“ „Haben wir denn wenigstens genügend Quotenfrauen?“ „Wie kommen Sie denn jetzt darauf?“ „Schauen Sie sich doch die anderen Parteien an: eine Frauenquote führt zwangsläufig zu Quotenfrauen.“ „Wenn wir die CDU wären, könnte man das annehmen.“ „Sind wir aber nicht!“ „Ja, schade.“ „Bitte!?“ „Naja, dann wären wir ja an der Regierung und könnten ein Kabinett ohne Quotenfrauen… nee, ich komm noch mal rein.“

„Es geht ja jetzt vornehmlich darum, dass wir auf dem Parteitag…“ „Dann ist das gar nicht für die politische Praxis bestimmt?“ „Seit wann hat das, was ein Parteitag beschließt, Relevanz für die politische Praxis?“ „Haben Sie Nachsicht mit dem Kollegen, er ist erst seit zehn Jahren Genosse.“ „Na, dann…“ „Höre ich da einen ironischen Unterton?“ „Müssen Sie das immer thematisieren?“ „Ich möchte Sie ungern zurechtweisen, aber wir haben hier eine Mission zu…“ „Dann lassen Sie sich doch was abschneiden und kandidieren Sie selbst!“

„Man kann doch jetzt nicht die erstbeste…“ „Mit der Skatrunde im Hinterzimmer war das auf Ladesebene früher immer einfacher.“ „Lange her.“ „Aber für die politische Praxis war’s dufte.“ „Wem sagen Sie das!“ „Vielleicht spielen die Herren jetzt mal eine Runde Doppelkopf?“ „Unsinn, was soll das denn bringen?“ „Vielleicht finden sie dann raus, wer in diesem Spiel der Schafskopf ist?“ „Das ist doch lächerlich!“ „Geht denn Ulla Schmidt als neue Ehrenvorsitzende durch?“ „Dreyer ist doch auch noch da.“ „Oder Kraft.“ „Die will ja nicht mehr.“ „Wieso nicht?“ „Weil sie es kann.“ „Dann könnten wir Nahles nehmen.“ „Weil sie es nicht kann?“ „Ja, aber sie will.“

„Mit dieser… hier, Dings…“ „Ich kann den Namen auch nicht aussprechen, aber mit der kann man auch die Ausländerquote abfrühstücken.“ „Eben, das zeigt doch, wie integrativ wir sind!“ „Immer dann, wenn es um nichts mehr geht.“ „Es geht immerhin um unsere Beteiligung an einer…“ „Sage ich ja, es geht um nichts mehr.“ „Das ist doch echt eine…“ „Was regt Sie an einer realpolitischen Einschätzung denn überhaupt so auf?“ „Nichts, aber ich kann doch mal sagen, dass ich das nicht gut finde!“ „Also sind Sie ausländerfeindlich?“ „Jetzt platzt mir aber gleich der Kragen!“ „Sehen Sie, eine typische Verschiebungsreaktion, er will nur von seiner rechten Gesinnung ablenken!“ „Ich verlasse die Partei!“ „Das finde ich jetzt aber übertrieben.“ „Naja, vielleicht ist er noch nicht emanzipiert genug für eine Parteichefin.“

„Also es geht um nichts mehr.“ „Ja, aber das…“ „Also: ja!?“ „Ich würde es nicht direkt so sagen, aber es ist eben eine…“ „Er meint, wir müssten uns damit abfinden, dass unsere Entscheidungen nicht mehr berücksichtigt werden. Keine von unseren Entscheidungen, damit wir uns richtig verstehen.“ „Alles weg?“ „Wenn wir sowieso am Ende sind, dann sollten wir…“ „Verschonen Sie uns mit Ihren Ratschlägen, das ist unsere Sache!“ „Nein, ich wollte es nur wissen: wir sind im Arsch?“ „Naja, es ist…“ „Ja oder nein!?“ „Wenn Sie so fragen: ja.“ „Und wer verwaltet den ganzen Mist?“ „Hm.“ „Die Frage ist interessant.“ „Stimmt!“ „Kann ich die Nahles noch mal sehen?“





Schule der Hausmeister

29 11 2017

„Aber nicht unter Merkel!“ „Was bleibt uns denn anderes übrig?“ „Wir sollten als die ältere Partei den Kanzler stellen, dann wird diese Koalition auch etwas!“ „Das meint der ernst!?“ „Das meint der ernst.“ „Ach du lieber Gott…“

„Meinen Sie nicht auch, dass Schulz direkt nach der Wahl ein bisschen zu impulsiv reagiert hat?“ „Großartig, nicht wahr?“ „Er hätte besser die Schnauze gehalten.“ „Das meint der doch nicht ernst!“ „Ich fürchte, doch.“ „Aber dann wären wir endgültig in der Versenkung verschwunden.“ „Wo, meinen Sie, sind wir jetzt?“ „Jedenfalls ist eine Regierungsbeteiligung in greifbarer Nähe.“ „Wenn Sie damit meinen, dass die Kanzlerin uns am Schlafittchen hat, könnten Sie durchaus recht haben.“ „Sie braucht uns eben, und als Partei der Staatsverantwortung…“ „Ihnen geht’s gut, ja?“ „Er spricht jetzt aber nicht von der SPD, oder?“ „Nicht von der, die ich kennen, und die kenne ich schon seit ein paar Jahren.“

„Wir dürfen uns den Gesprächen jetzt nicht verschließen.“ „Und dann?“ „Er meint, dann wird erstmal gesprochen.“ „Und dann?“ „Kann man ja mal sehen, ob man redet.“ „Die Parteiführung ist da eng beieinander.“ „Das kennt man, die liegen im Schwitzkasten.“ „Jedenfalls halten wir durchaus Kontakt zu Schulz, der könnte ja als Kanzler einer SPD-geführten Minderheitsregierung…“ „Also ich glaube nicht mehr, dass der das ernst meint.“ „Doch, warten Sie es nur ab.“ „Wir stellen den Bundeskanzler, obwohl die Union in der Mehrheit ist?“ „Deshalb ja Minderheitsregierung.“ „Das könnte sich stabilisierend auswirken.“ „Aber nur auf die Union.“

„Wir müssen erstmal sehen, ob wir uns auf die Dinge einigen können, die wir in einer Koalition durchsetzen wollen.“ „Hatten wir nicht etwas vor der Wahl gefordert?“ „Ja, aber das war nur fürs Wahlprogramm.“ „Ich nehme an, das meint der auch ernst?“ „Ja, aber nur programmatisch.“ „Das heißt, wir müssen darüber noch mal reden.“ „Also nach der Sondierung?“ „Brauchen wir die denn?“ „Parteiintern würde das schon Sinn machen.“ „Wer will denn intern? Wir müssen endlich wieder an die Regierung!“ „Und wo waren wir die letzten vier Jahre?“ „In der Minderheit.“

„Warum riskieren wir keine Neuwahlen?“ „Weil wir uns dann ein neues Programm ausdenken müssten.“ „Ist doch prima!“ „Das glauben aber auch nur Sie.“ „Stimmt, dann würden uns die Leute fragen, warum wir diese Forderungen nicht gleich hatten.“ „Weil eine Beteiligung an der Regierung damals nicht realistisch erschien.“ „Hätte man dann nicht noch mehr fordern können?“ „Sie meinen, rein programmatisch?“ „Dann könnten wir doch jetzt mit Maximalforderungen kommen.“ „Wieso das denn?“ „Weil jetzt die Beteiligung an der Regierung wieder realistisch ist.“

„Lassen Sie mal die Kirche im Dorf, wir werden sicher nicht alleine eine Regierung auf die Beine stellen können.“ „Gucken Sie sich doch die letzten Sondierungen an, in die Regierung kommt doch jeder.“ „Ja, aber nur als Hausmeister.“ „Für eine Arbeiterpartei ist das keine Schande.“ „Also jetzt nehme ich ihn nicht mehr ernst.“ „Gut, das mit der Arbeiterpartei war vielleicht nicht so gelungen.“ „Obwohl man programmatisch…“ „Gerade das ist doch der Pferdefuß: gegen die Merkel-Union hat man als Arbeiterpartei doch keine realistische Chance mehr.“ „Als Liberaler aber auch nicht.“ „Da haben wir ja noch mal Glück gehabt.“

„Und jetzt kommen Sie alle mal wieder runter, diese Führungsdebatte schadet uns doch langfristig nur.“ „Wieso langfristig?“ „Und wieso Führungsdebatte?“ „War denn Schulz nicht als Spitzenkandidat gesetzt?“ „Aber gegen Merkel.“ „Die hört ja dann auf, wenn Schulz kommt.“ „Müsste sich Schulz dann nicht selbst entsorgen?“ „Sie haben das mit dem Hausmeister irgendwie auch noch nicht ganz kapiert.“ „Einer muss es ja machen.“ „Die SPD ist sich vollständig ihrer Verantwortung in der momentan schwierigen Lage bewusst.“ „Sagt Schulz.“ „Wer nimmt das denn jetzt noch ernst!?“

„Dass wir mal als Anker der Stabilität und Verlässlichkeit für dieses Land durchgehen könnten, hätte ich mir auch nicht träumen lassen.“ „Bei der Arbeiterpartei weiß man immerhin: die fallen um. Nur wohin, das ist die Frage.“ „Kommen Sie jetzt gleich mit einer Dolchstoßlegende um die Ecke?“ „Programmatisch?“ „Wie gesagt, wir sollten uns jetzt alle mal am Riemen reißen, sonst haben wir ein gewaltiges Problem, Neuwahlen hin oder her.“ „Ich weiß gar nicht, was Sie haben. Deutschland geht es doch gerade fantastisch! Die Wirtschaft boomt, der Arbeitsmarkt läuft regelrecht heiß, die internationalen Entwicklungen, denken Sie nur an den Brexit, das bedeutet natürlich Wachstum, und dann der Euro, stabil wie nie, das sind gewaltige Synergieeffekte, die muss man erst mal nutzen, und dann unsere Vorreiterrolle in Europa, das bedeutet Stabilität, richtige Stabilität bedeutet das!“ „Genau. Und alles ohne Regierung.“





Der Style der Partei

23 11 2017

„Was hat er da gesagt? neu denken?“ „Respekt, Lindner. Zwei Lügen in zwei Worten.“ „Na, dann ist er ja in der SPD goldrichtig.“

„Das ist doch jetzt nicht Ihr Ernst!?“ „Wieso denn nicht, der halt alles richtig gemacht. Die FDP ist wieder da, wo sie hingehört, und die notwendige Marginalisierung der Grünen findet nicht statt.“ „Aber ich verstehe nicht, wieso er jetzt in die SPD soll?“ „Mann, dieses Standing! Was, meinen Sie wohl, brauchen wir jetzt am meisten?“ „Dass die Perspektive, also auf das deutsche Volk, und dann die Partei, die Partei, die uns…“ „Eier! Eier, verdammt noch eins! Da geht doch noch was!“ „Sie können diese Splitterpartei ja wohl nicht mit einer politischen Kraft vergleichen, die Deutschland schon in historischen…“ „Kommen Sie mal runter, Mann. Geschichte ist out! Bedenken, hier, das muss alles neu, digital und so, und dann eine total andere Fokussierung auf den Style der Partei.“ „Wenn sich Schulz das Jackett ausgezogen hat, haben die immer alle gesagt: lass es doch lieber an.“ „Reden Sie doch keinen Mist, Mann – das muss jetzt anders, das muss jetzt alles ganz neu! Wir holen uns den Lindner, dann machen wir Große Koalition, und dann rocken wir den Laden!“

„Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass der Typ so gut wie keine Substanz hat?“ „Sicher, das ist doch der Clou.“ „Sie finden das gut, dass Lindner absolut nichts zu sagen hat außer seinen komplett ausgelutschen…“ „Naja, sind halt Botschaften wie alle anderen auch. Da drehen Sie nichts dran.“ „Man muss doch aber die Wähler überzeugen!“ „Haben wir doch! Der Wähler hat gewählt, der Bundestag hat sich eingerichtet in der trüben Brühe, was soll uns denn da noch passieren, außer dass wir nicht an der Regierung beteiligt sein sollten?“ „Und dann schicken Sie einfach so ein Rumpelstilzchen nach vorne und lassen den sagen: wenn Ihr nicht mit uns spielt, dann wollen wir auch nicht mehr?“ „Klingt stark verkürzt, es ist auch dem Ernst der Lage, in dem sich das Volk befindet, nicht wirklich angemessen, ja mehr noch: es verhöhnt nachgerade die Verfassung, um die sich große Männer wie der Präsident gerade sorgen. Also im Großen und Ganzen haben Sie schon recht.“

„Wir könnten die Fortsetzung einer Koalition mit der Kanzlerin doch ganz einfach auf dem…“ „Eben nicht!“ „Bitte!?“ „Eben nicht, Schulz hat doch sein dummes Maul aufgerissen und alles davon überzeugt, dass er nur unter einer anderen CDU-Führung weiter das Schoßhündchen geben würde. Wie scheiße ist das denn!?“ „Jetzt hören Sie aber mal auf, eine Koalition mit der CDU ohne Merkel ist doch so gut wie…“ „Eben! und Sie alter Theoretiker kommen mal von ihrer Zimmerpalme runter und in der Wirklichkeit an, ja?“ „Aber…“ „Wenn Schulz, oder wer auch immer der nächste sein wird, der da im Namen der starken Sozialdemokratie in Deutschland für eine neue Gerechtigkeit in der Sozialpolitik zu Kreuze kriecht und sich in den Enddarm einer parteiführenden Person rein arbeitet, wenn Schulz ganz am Anfang der Koalitionsverhandlungen gesagt hätte: jetzt passt mal auf, Ihr Volleulen, das ist mir doch wumpe, wer unter mir die Kanzlette gibt! Meinen Sie, die CDU hätte einmal aufgemuckt?“ „Das hätten die doch nie…“ „Wen hätten die denn schicken sollen? etwa Spahn, diese optisch in die Hose gegangene Hohlraumummantelung?“ „Ich weiß ja nicht, machen das die Grünen mit?“

„Wir bräuchten jetzt auch so einen atmenden Rahmen.“ „Damit sich die CSU am Ende bei uns bedankt?“ „Wieso denn nicht?“ „Hören Sie mal, diese Freizeitnazis, mit denen ist kein Staat zu machen!“ „Zwei von drei Merkel-Legislaturen haben wir immerhin durchgekriegt auf die Tour.“ „Man kann sich doch nicht immer beugen, wenn man alles unter dem Mantel des Sachzwangs…“ „Wieso denn nicht?“ „Weil das unserer politischen Glaubwürdigkeit schadet!“ „So einer wie Lindner geht breitbeinig auf diese bayerischen Dorfdeppen zu und erklärt ihnen, wo der Hammer hängt – und dann sind sie die besten Freunde, weil es ihm egal ist, ob sie ihn hassen, solange sie sich beim Gedanken an ihn in die Hosen machen.“ „Und dann?“ „Und dann hätte das Merkel erstmal ein größeres Problem, weil die Feinde meiner Feinde bekanntlich meine Freunde sind.“ „Also Merkel und die CDU wären dann unsere Feinde?“ „Nein, wir würden ihr nur klarmachen, dass wir die CSU noch von früher kennen, weil wir die bösen Jungs waren, die im Schulbus immer ganz hinten gesessen haben.“ „Oha!“ „Und genau deshalb brauchen wir jetzt den Lindner. Der hat Biss, der Mann – ich will nicht übertreiben, aber diese Ausstrahlung hatte wohl Schröder zuletzt.“ „Schmidt?“ „Was rauchen Sie denn für einen Dreck!?“ „Entschuldigung, ich wollte doch nur…“ „Sie wollen doch diesen Waschlappen für untenrum nicht mit einem Kanzler vergleichen, der den Namen auch verdient?“

„Und jetzt?“ „Gucken wir mal.“ „Wir können doch nicht warten, bis sich irgendeine Möglichkeit ergibt, diese Koalitionsverhandlungen mit der…“ „Zuhören war jetzt nicht Ihre Stärke? wer hat denn davon gesprochen, dass wir auf irgendwas warten? Wozu brauchen wir denn dann den Lindner, wenn wir zugucken, bis er zu uns kommt?“ „Wir hätten da ein Angebot.“ „Von wem?“ „Rot. Also Rot-Rot.“ „Hm.“ „Wagenknecht.“ „Geben Sie mir mal die Telefonnummer vom Konrad-Adenauer-Haus. Und gucken Sie mal, ob der Gabriel noch irgendwo unten in der Kantine herumschwirrt.“





Butterpreisbremse

8 11 2017

„Das können die uns doch nicht antun!“ „Sehen Sie doch.“ „Aber die Partei…“ „Die hat halt immer recht, das ist ja das Problem.“ „In der Opposition auch?“ „Gefühlte Opposition zählt dazu?“ „Keine Ahnung, ist das bei der SPD ein Unterschied?“

„Wenn Scholz den Mindestlohn heraufsetzen will, was bleibt dann noch für Schulz?“ „Der kann vielleicht erklären, dass das nur für hart arbeitende Menschen gilt.“ „Und die Wirtschaft macht da mit?“ „Sie wollen damit andeuten, dass sich die Sozialdemokraten in eine Wirtschaftspartei verwandeln?“ „In eine wirtschaftsfreundliche vielleicht.“ „Das wäre ja noch zu verschmerzen.“ „Warten Sie mal ab, bis Sie die Definition von Wirtschaftsfreudlichkeit merken!“

„Aber an den Kündigungsschutz ist noch keiner gegangen?“ „Reine Vorsichtsmaßnahme.“ „Wozu das denn?“ „Die Linken würden denen sofort wieder ein Koalitionsangebot machen.“ „Ah, verstehe. Deshalb haben sie auch bei der Einschränkung der Leiharbeit nur so lala reagiert.“ „Doch, das sehe ich hier.“ „Scholz?“ „Schulz.“ „Ach so.“ „Außerdem eine Wahlkampfrede.“ „Das ist freilich etwas ganz anderes.“ „Nicht wahr?“ „Aber Equal Pay hatte er doch irgendwo genannt?“ „Wahrscheinlich auch so ein Versehen.“ „Das würde uns das Genick brechen.“ „Ich stelle mir das schon vor, Schulz und Wagenknecht auf dem…“ „Aufhören! Die Bilder kriege ich doch nie wieder aus dem Kopf!“

„Mietpreisbremse?“ „Schlagen Sie mich, aber ich habe da einen Verdacht. Die wurde nur so schlampig gestrickt, damit man sie wieder in der Versenkung verschwinden lassen kann.“ „Also wie die Ausländermaut?“ „Inwieweit die SPD hier ein ausländerfeindliches Interesse hatte, entzieht sich meiner Kenntnis, aber: ja.“ „Das würde dann aber doch für eine gewisse Regierungsfähigkeit der Partei sprechen.“ „Staatsrechtlich oder nur in politischer Hinsicht?“

„Wir müssen das mal systematisch betrachten, vielleicht kommen wir dahinter, was die alles vorhaben.“ „Sie meinen, was die alles vorhaben könnten?“ „Oder so.“ „Butterpreisbremse?“ „Das wäre gar nicht mal so verkehrt, schließlich leiden unter den steigenden Lebensmittelpreisen vor allem die… ach so!?“ „Eben.“ „Wenn jetzt die Butter billiger werden soll, stattdessen aber durch zahlreiche Ausnahmen am Markt und nicht vorhersehbare Gesetzeslücken teurer wird, dann ist das doch für die Wirtschaft ein stabilisierender Faktor, oder?“ „Au weia, denken Sie mal an Brot!“ „Denken Sie mal an den Sprit.“ „Mensch, das merke ich jetzt erst!“ „Strompreise, verstehen Sie?“ „Das hieße , dass der Strom für die Industrie…“ „Also im Gegensatz zur Butter macht sich die Wirtschaft ihre Strompreise immer noch selbst.“

„Das müssen Sie sich aber ansehen.“ „Was denn?“ „Sie wollen gegen die Automatisierung angehen.“ „Eine Art moderner Maschinensturm?“ „Jedenfalls ist das eine Kampfansage gegen die globale… nein, doch nicht.“ „Kein Kampf?“ „Schon, aber sie wollen im Zuge der Exporte natürlich vorerst nur gegen die Automatisierung in Deutschland sein.“ „Das macht dann auch richtig viel Sinn.“ „Eben, und dann wäre auch die Frage nach einem bedingungslosen Grundeinkommen wieder offen.“ „Sie meinen, es wird gezahlt, weil wir gegen den Abbau von Arbeitsplätzen nichts tun können?“ „Ich meine, es wird nicht gezahlt, weil im Zuge der globalen Billigarbeit soziale Standards keine Gültigkeit mehr haben.“ „Doch, aber wenn man in Bangladesch für dreißig Cent am Tag überleben kann, müssen wir das dem DGB schonend beibringen.“ „Immerhin ist dieser Kelch an uns vorübergegangen.“ „Der DGB?“ „Das Grundeinkommen.“

„Gucken Sie noch mal genau in der Post nach.“ „Wir haben nur E-Mails ausgedruckt, die Zentrale wollte das so.“ „Sonst nichts?“ „Nee.“ „Keiner hat eine solidarische Altersrente…“ „Doch, Mütter sollen auch etwas bekommen, theoretisch ist der Seehofer auch dafür.“ „Aber das Solidarische!“ „Arisch, das ist momentan ganz schwer, solange Seehofer und die AfD ihre…“ „Ich will das gar nicht hören!“ „Mann, das ist doch eine verdammte und…“ „Ich bitte Sie!“ „Auf jeden Fall zugenäht, das muss man doch mal sagen: wenn jetzt sogar die Taxifahrer angefressen sind, weil sie wegen ihrer mangelnden Fachkenntnisse aussortiert werden, was bleibt denn dann noch übrig?“ „Meinen Sie das jetzt generell auf die Arbeiterschaft bezogen oder haben Sie doch eher die SPD im Blickwinkel?“

„Hier kommen gerade noch Faxe rein.“ „Neue Parteilinie?“ „Kann ich nicht beurteilen, ich suche noch nach den Einzelteilen.“ „Das liest sich gar nicht gut.“ „Was ist das mit der Mindestrente?“ „Sagen Sie, dass das nicht wahr ist!“ „Die wollen über eine Börsenumsatzsteuer diskutieren!“ „Und hier, höhere Spitzensteuersätze!“ „Vermögenssteuer!“ „Das muss eine Fälschung sein!“ „Nein, sehen Sie den Absender?“ „Was zum…“ „Ich verstehe das nicht, ich verstehe das einfach nicht!“ „Da!“ „Was?“ „Das ist die echte SPD! Halleluja!“ „Was, wo? Was?“ „Hartz IV bleibt! Alles beim Alten!“ „Dann sind die Spenden aus der Wirtschaft gesichert!“ „Was für eine Zitterpartei!“ „Partei, meinen Sie?“ „Ja, egal. Hauptsache, die tun nur so.“





Wiederaufbau West

31 10 2017

„Nicht der Sturm, das ist doch in ein paar Tagen vorbei, dann zieht die Feuerwehr ab, man kann sich jahrelang mit den Versicherungen herumschlagen, weil die plötzlich merken, dass sie Kunden haben, aber da geht’s doch wenigstens mal voran! Also beim Sturm. Aber in der SPD?

Ja, hier ist auch alles kaputt. Die meisten hatten sich den Klimawandel ganz anders vorgestellt – den gesellschaftlichen, aber das ist dasselbe. Es wird eben nicht leichter, wenn man jederzeit damit rechnen muss, dass da eine Flut über uns schwappt, die alles mit sich reißt. Ein richtiger Kanzler hätte ja Gummistiefel getragen, aber Schulz zieht sich höchstens die Jacke aus. Überhaupt frage ich Sie, was wollen wir denn mit so einem Vorsitzenden anfangen, der einem vorher erzählt, warum man die Wahl auf alle Fälle gewinnt, und der hinterher genau weiß, warum wir sie verloren haben?

Kommunikationspolitik. Die SPD braucht jetzt mehr Kommunikationspolitik, das heißt doch: noch einen Festredner, der Lila vom Himmel verspricht, oder nicht!? Man kann doch nicht immer die anderen dafür verantwortlich machen, wenn man auf die Schnauze fliegt – stellen Sie sich mal vor, das wäre als Grundsatz der Hartz-Gesetze durchgekommen, dann hätten wir heute aber ein Grundeinkommen, dass dem Schröder die Augen tränen! Überhaupt Kommunikation, das kann doch nicht das Ende der Sozialdemokratie sein, dass sie jetzt erst bemerken, dass sie mit ihren Wählern seit zwanzig Jahren nicht mehr geredet haben? Ach so, das Ende war schon. Dann habe ich nichts gesagt.

Die machen da oben so weiter wie bisher, da wird ein konservativer Ausleger aus dem Wirtschaftsflügel durch einen konservativen Ausleger des Wirtschaftsflügels ersetzt – es gibt ja manchmal Überraschungen, zum Beispiel, dass die sich das überhaupt trauen – und dann hat sich auf einmal alles geändert. Hat es sich auch, weil ja von der Weiter-so-Strategie seit dem Wahlabend nie die Rede gewesen war. Dass diese Partei wie kaum eine andere für inhaltliche Konsistenz steht, das wird ja gemeinhin stark unterschätzt, und dann auch noch von den Falschen. Schade eigentlich.

Haben Sie sich eigentlich mal gefragt, warum die SPD gerade flächendeckend in die Knie geht? Die reden über die Veränderung, die das Land so dringend braucht, und werden trotzdem nicht Kanzler? Eben, die reden darüber, aber das wär’s dann auch gewesen. Die versprechen einen tief greifenden Prozess der Erneuerung, aber alles, was sich erneuern wird, greift tief in die… nee, lassen wir das mal.

Wir können doch nicht auf den Wiederaufbau West warten, bis die SPD mal wieder in einer Regierung vertreten sind, und zwar so, dass es den Namen auch verdient? Schauen Sie, das hier sind ja offiziell noch keine richtigen Orkane, das sind ein paar kräftig ausfallende Herbstwinde – der eine knickt ein, den anderen muss man umsägen, weil er es alleine nicht schafft, die Schäden sind alles andere als angenehm, aber zum Glück recht schnell beziffert – aber dann überlegt man sich doch auch mal, woher das alles kommt und was man beim nächsten Mal dagegen tun wird? Das mit den Gummistiefeln hatten wir schon, lassen Sie mich mit dem Kram gefälligst in Ruhe!

Kapitalismuskritik! das haben Sie doch auch gehört? Kapitalismuskritik, da hätte es mir fast die Schuhe ausgezogen! Kapitalismuskritik, das hört sich aus dem Munde eines Sozialdemokraten an, als ob der Metzger die Fleischwurst unter Naturschutz stellen will! Kapitalismuskritik! Haben Sie dem erzählt, dass das Geld nachwächst, wenn man es nur gründlich genug abschafft? Sie hätten es ihm vor zwei Jahren erzählen sollen, mit etwas Glück hätte er es nach einem Jahr verstanden. Erklären Sie dem Mann bloß nicht die soziale Marktwirtschaft, der ist imstande und will sie mit Neuwahlen durchsetzen!

Das ist eben das Problem mit der Gründung einer neuen Existenz – Sie finden ein einigermaßen preiswertes Grundstückchen, das liegt vielleicht am Fluss, vielleicht auch direkt am Wasser, das ist deshalb so preiswert, weil es diverse Nachteile hat, die verkauft man Ihnen aber gleich als Vorteile, mit Ausnahme der Versicherung, die müssen Sie abschließen, die Prämien sind hoch, und dann wird Ihnen irgendwann klar: im Vertrag steht drin, dass die nie auch nur einen Cent werden zahlen müssen, weil sie sich dagegen abgeschottet haben. Und dann warten Sie, ob als erstes der Fluss über die Ufer tritt oder der Sturm kommt. Erdrutsch geht auch, aber das interessiert wieder die Versicherung nicht. Die wollen nur wissen, ob die Ihnen wegen eines nicht verschuldeten Schadens die Beiträge verdoppeln können. Und dann sitzen Sie da und denken sich: was hätte man anders machen können? Hätten wir vielleicht der Versicherung gegenüber klarer kommunizieren können, dass wir den Vertrag nicht aus Spaß geschlossen haben? oder dass wir uns auf das geltende Recht beziehen?

So, und jetzt machen Sie hier bitte man in den Ecken sauber. Der Fraktionsvorsitzende hat sich neulich schon beschwert, man kann hier ja gar nicht die Hosen herunterlassen. Arbeiterpartei hin oder her – solange wir hier Ihr Gehalt zahlen, kann man vom Fußboden essen, war das klar?“