Bla Bla Land

23 03 2017

„Super, das ist ja richtig supidupi, hundert Prozent sind ja voll total oberkrass! Dufte! Ich bin so was von absolut total begeistert, Martin! Damit werden wir übers Wasser gehen!

Er macht gerade Siegerpose? Dann ist ja gut. Sie haben Ihren Stift im Anschlag? Notieren Sie mal: soziale Gerechtigkeit. Wie man’s spricht. Bei der SPD wird das schwierig, die sprechen nur über Gerechtigkeit, wobei da meist Selbstgerechtigkeit gemeint ist. Soziales eher selten. Prägen Sie sich den Begriff gut ein, Sie werden größere Probleme haben, bis Schulz kapiert, was gemeint ist. Er ist halt in der SPD, da findet dieser Diskurs nur noch statt, wenn man einem die Karriere versauen will.

Wenn die SPD soziale Gerechtigkeit fordert, ist das ungefähr so, als würde der Papst dazu aufrufen, allen Kardinälen aufs Maul zu geben, die sich gegen die Gleichbehandlung von Atheismus im Religionsunterricht an katholischen Internaten aussprechen. Theoretisch finden sie die Idee nicht schlecht und würden auch nicht die Inquisition von der Leine lassen, aber praktisch freuen sie sich, wenn Ihnen jemand dafür Brandsätze durch die Schlafzimmerfenster schmeißt. Das geht sehr tief in den Markenkern hinein.

Martin, Du bist der Größte – wissen wir doch! Aber jetzt entspann Dich mal. Du musst doch jetzt die Bundestagswahl gewinnen, da brauchen wir jedes einzelne Etappenziel mit hundert Prozent, und zwar Minimum. Das schaffst Du!

Sie wissen ja, die SPD ist eine alte Partei. Die verlässt sich auf ihre alzheimernde Wählerschaft. Und aus lauter Identifikation mit denen alzheimert sie ihre sozialen Wurzeln weg. Ganz abgesehen davon hat sie natürlich bis heute nicht gemerkt, dass sie von den letzten neunzehn Jahren fünfzehn an der Regierung war. Sie wollen noch mehr Bundesverantwortung, merken aber nicht, dass sie damit die Verfassung aushebeln müssten. Was man als Regierung halt tut, wenn man seinen Job nicht kapiert hat. Wobei, notieren Sie sich das: Schulz genießt Welpenschutz. Etatmäßigen Schwachsinn zum Grundgesetz hat bis jetzt Gabriel abgesondert, von Schulz kam nur die Erkenntnis, dass eine Tüte Streusalz mehr von Europarecht versteht als er.

Ja, richtig so! Wir müssen unbedingt die hart arbeitenden Menschen, also die müssen wir in den Mittelpunkt unserer Überlegungen stellen!

Klar dürfen Sie ihn als bemerkenswert dummes Arschloch bezeichnen. Jeder von uns macht das, seitdem er aus Brüssel gekommen ist. Die meisten empfinden die Wortwahl inzwischen aber als nicht mehr angemessen. Ihre Meinung hat sich erheblich verschlechtert. Sie können Hartz IV korrigieren, das ist eine gute Idee. Sie sollten nur den Arbeitslosen nicht unbedingt sagen, dass die verfassungswidrige Streichung des Existenzminimums bis zur staatlich verordneten Obdachlosigkeit medial aufgebauscht wird, um von den hart arbeitenden Menschen in Deutschland abzulenken. Sie können das sagen, aber dann sind Sie halt ein asoziales Stück Dreck. Schulz sagt das. Seine Entscheidung.

Nein Martin, jetzt komm mal wieder runter. Wir können nicht immer über Wachstum durch mehr soziale Gerechtigkeit reden oder über die soziale Gerechtigkeit, die aus mehr Wachstum entsteht. Die beiden Sachen haben nichts miteinander zu tun, und diesen Wachstumsfetisch kannst Du Dir gepflegt in die… – Wie auch immer. Wir haben da ein paar Skripte gemacht, die solltest Du bis zur Wahl mal ganz genau lesen. Es hat was mit Politik zu tun. Wenn Du keine Ahnung hast, frag einfach. Wir erklären es Dir schon.

Tanzen Sie ihm gegebenenfalls die föderale Struktur der Bundesrepublik vor und erklären Sie ihm, dass die SPD auch auf Landesebene existiert. Er kapiert es sonst nicht. Ja, das hatten wir uns auch gedacht, aber damit ist es nicht getan. Man braucht halt eine gewisse Zuverlässigkeit, dass er nicht aus der Rolle fällt. Wir haben eher die Gewissheit, dass er es tut. Mehr Bildung mit dem Wunderkanzler, das ist das Happy End im Bla Bla Land. Hauen Sie ihn ein paar Mal mit den Gesichtsresten gegen die Tischkante, dann kriegt er schon mit, dass Bildung immer noch Ländersache ist. Aber beschädigen Sie ihn nicht zu sehr. Er sollte irgendwann schon noch zur Kenntnis nehmen, dass die SPD in dreizehn Landesparlamenten am Ruder ist und Jahrzehnte Zeit hatte, Deutschland zur Bildungsrepublik zu machen. Aber wer weiß, vielleicht hängt ja auch demnächst ein Bild von ihm in jedem deutschen Klassenzimmer, und jede Lehrkraft sagt: wenn Ihr weiterhin faul und aufsässig seid und in Eurem Leben nichts gebacken kriegt, dann endet Ihr wie dieser Klassenclown.

Haben Sie das alles? Sehr gut. Hauptsache, Sie machen ihm keine Hoffnungen. Wir sollten alle nicht so tun, als hätte dieser Mann, der ohnehin als Kanzler so gut geeignet ist wie eine Planierraupe für eine Ballettaufführung, auch nur den Hauch einer Chance auf den Einzug ins Kanzleramt. Damit wir uns nicht falsch verstehen: wir wollen schon gestalten. Und wir wollen auch deutliche Akzente setzen mit einer richtigen Politik. Dazu würden wir natürlich noch erheblich mehr fordern. Aber damit warten wir am besten, bis wir wieder in der Opposition sind.“





Strohfeuerwehr

28 02 2017

„Auch keine Fake News?“ „Wir sind ja nicht dafür verantwortlich, was unsere Anhänger alles so über ihn verbreiten.“ „Und wir sollten unseren Wählern deutlich machen, dass sie auch dann im Sinne der Partei handeln, wenn wir uns mit ihren Aktionen nicht solidarisch erklären oder sie sogar auf das Schärfste verurteilen.“ „Das ist moralisch aber ein heftiger Spagat.“ „Genau!“ „Verdammt, fällt Ihnen denn sonst irgendwas ein, wie wir Schulz von der Backe kriegen!?“

„Aber man kann ihn doch nicht mit Trump gleichsetzen!“ „Ist das der neue Hitlervergleich?“ „Ich würde das unterstützen.“ „Bei dem Angriff muss er mit Gegenattacken rechnen!“ „Ich würde es trotzdem nicht tun, schon gar nicht im rechten Flügel der Union.“ „Weil die sonst immer nur das nachplappern, was die AfD vorgibt?“ „Genau!“ „Die sind von Trump begeistert, weil er nach der Wahl genau das tut, was er versprochen hat.“ „Das ist gefährlich.“ „Man kann doch einen Politiker nicht an dem messen, was er vor der Wahl versprochen hat.“ „Ja, reiben Sie ruhig Salz in die Wunden.“ „War das jetzt irgendwie falsch?“ „Das kam damals von der SPD.“

„Der Bundesvorstand hat jedenfalls Material für eine wirksame Kampagne geordert.“ „Und wir sollen uns da jetzt etwas einfallen lassen?“ „Man könnte sagen, Schulz ist gar kein richtiger Politiker. Das mögen die Leute gar nicht.“ „Bei Trump waren sie noch dafür.“ „Und es stimmt auch nicht.“ „Der war mal Bürgermeister von Würselen.“ „Das ist doch so ein Provinznest, da ist noch nie etwas Gutes hergekommen.“ „Abgesehen von Jupp Derwall.“ „Frings.“ „Der Graf.“ „Auf welcher Seite stehen Sie eigentlich!?“ „Reicht das denn nicht für eine komplette Demobilisierung, wenn man den mit irgendwelchem Popschrott in Verbindung bringt?“ „Er soll ja angeblich Dienstreisen nicht richtig abgerechnet haben.“ „Und so einer will Kanzler werden!“ „Wenn wir gar nichts mehr finden, dann haben wir den Beweis!“ „Wie soll das denn funktionieren?“ „Das ist dann der Beweis, dass er alles vernichtet hat!“ „Geniale Idee!“ „Und wenn einer fragt, wie Schäuble…“ „Danke, gestorben.“

„Wir müssen ihn an seiner Kernkompetenz packen!“ „Genau!“ „Die da wäre?“ „Natürlich soziale Gerechtigkeit!“ „Ich dachte, der sei in der SPD?“ „Ja, warum?“ „Wie kann man in der SPD und für soziale Gerechtigkeit sein?“ „Er betont das Soziale halt nicht so.“ „Ah, verstehe. Das ist ja tatsächlich Kernkompetenz.“ „Nein, ich meinte, wir sollten ihm nachweisen, dass er diese ständige Überbetonung von Gerechtigkeit eigentlich gar nicht ernst meint.“ „Er will doch das Arbeitslosengeld länger auszahlen.“ „Warum?“ „Weil man dann später in Hartz IV endet.“ „Aber man endet doch in Hartz IV?“ „Aber eben nicht so schnell.“ „Und wenn man dann in Hartz IV ist?“ „Dann ist das auch solidarisch, schließlich muss man ja die vielen Arbeitsplätze für die Menschen frei halten, die hart arbeiten wollen.“

„Was genau will Schulz denn jetzt erreichen?“ „Dass die Wähler ihm eine kritische Haltung zur Agenda 2010 abnehmen.“ „Genau!“ „Aber das tut doch niemand.“ „Korrekt. Außerdem gilt das alles immer nur bis zur Wahl. Hinterher kann er sich bestimmt nicht an seine Kritik erinnern und will die Agenda 2010 uneingeschränkt fortführen, weil er das Wohl der Wirtschaft über das Wohl der Bürger stellt.“ „So sind sie halt, die Asozialisten!“ „Warum hat dann die Bundeskanzlerin die Agenda 2010 so gelobt?“ „Jetzt lenken Sie nicht ab!“ „Die macht das clever, die sagt genau das, was alle denken, dass es Schulz so macht, und dann zieht sie der SPD die Wähler ab!“ „Genial!“

„Aber eine Schmutzkampagne müsste man doch irgendwie hinkriegen?“ „Der Mann hat kein Abitur, was wollen Sie denn da machen?“ „Hat er eventuell einen Ehrendoktor gefälscht?“ „Hm.“ „Wenn wir jetzt nicht irgendwas finden, das…“ „Rassismus!“ „Hä!?“ „Irgendeine Äußerung von Schulz wird man doch so hinbiegen können, dass sie ganz entfernt irgendwie rassistisch klingt.“ „So wie Sarrazin?“ „Den müssen Sie schon mit der Brechstange auf links ziehen, damit er nicht nach Rassismus stinkt.“ „Aber irgendwas müssen wir machen!“ „Gucken Sie mal hier, da fordert einer die Frauenquote für Flüchtlinge!“ „Aufmerksamkeitsjunkie, der.“ „Nee, das ist dieser linke Multikultiwahn, den müssen wir mit aller…“ „Gucken Sie noch mal genau hin.“ „Was ist denn?“ „Der sitzt für uns im Bundestag.“

„Wir können doch jetzt nicht ohne eine gute Kampagne zuschauen, wie dieses Strohfeuer sich nach und nach durch die politische Landschaft frisst und die Sozen immer weiter nach vorne schiebt.“ „Und wie stellen Sie sich das vor?“ „Das mit dem Saufen müsste man produktiv nutzen können.“ „Er hat es doch selbst gesagt.“ „Dann müsste man das vielleicht anprangern.“ „Oder dass er 840 Euro für einen Mitarbeiter für einen langjährigen Mitarbeiter ausgegeben hat! Steuerfrei!“ „Genau!“ „Wenn das Pofalla wüsste!“ „Will der auch Kanzler werden?“ „Dann müsste er ja arbeiten fürs sein Geld.“ „Auch wieder wahr.“ „Aber irgendwie müssen wir den Mann einhegen!“ „Der Haushaltskontrollausschuss hat ihn gerügt, weil er im Wahlkampf zumindest indirekt die Hilfe von Parlamentsmitarbeitern…“ „Das würde die CSU natürlich nie machen.“ „Aber was machen wir denn jetzt?“ „Nichts.“ „Wie, nichts?“ „Nichts.“ „Wie denn: nichts? Man kann doch nicht nichts machen?“ „Was macht denn die Kanzlerin seit zwölf Jahren?“ „Genau!“ „Naja, so gesehen – okay.“ „Sehen Sie, es gibt doch für jedes Problem eine Lösung.“





Der Messias

14 02 2017

06:00 – Aus dem Innenhof erklingt weihevoll Ludwig van Beethovens Ode an die Freude, intoniert von den Berliner Philharmonikern sowie dem Wiener Singverein unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Der designierte SPD-Vorsitzende hebt die Gardine mit der Linken beiseite, während er mit der anderen Hand dem Ensemble huldvoll winkt. Martin Schulz ist wach und kann nun sein Tagwerk beginnen.

06:05 – Die ersten Berichterstatter sind auf der Straße zu sehen. Abhängig von der Krawattenfarbe des ehemaligen Parlamentspräsidenten sollen bis spätestens halb elf die internationalen Börsenkurse feststehen. Da keine Informationen nach außen dringen, einigt sich der Aktienmarkt auf einen sehr stabilen Tag, der vor allem die deutsche Wirtschaft sehr positiv für die SPD einnimmt.

06:21 – Schulz bricht das Brot, dankt und gießt sich noch einen zweiten Kaffee ein. Nebenbei kürzt er seine Nasenhaare, liest sieben Tageszeitungen parallel und hört einen Radiokommentar zur weltpolitischen Lage. „Wer weise ist“, spricht er zu seinem Weib, „der hört zu und bessert sich; wer verständig ist, der lässt sich raten.“ Das auf dem gegenüberliegenden Balkon installierte Richtmikrofon der Christdemokraten fängt die Worte des großen Vorsitzenden auf und befördert sie sogleich in die Wahlkampfzentrale, wo ein Team aus erstrangigen Krypto-, Sozio- und Politologen sie mit Quantencomputern analysiert.

06:54 – Schulz verlässt das Haus. Er winkt ein Taxi heran, dessen Fahrer vor zwanzig Jahren aus dem Irak nach Deutschland eingewandert war, um dereinst den Kanzlerkandidaten ins Büro zu fahren. Vor lauter Rührung bekennt der Chauffeur seine Sünden, konvertiert spontan zum Protestantismus und kauft auf Schulz’ Geheiß in einem kleinen Tabakladen auf dem Weg ein Rubbellos. Mit dem Gewinn von 50.000 Euro unterstützt er den Bau von Brunnen und Mädchenschulen, die wegen der Einstufung Afghanistans als sicheres Herkunftsland jetzt vermehrt von den Taliban bombardiert werden.

07:22 – Der Ortstermin auf Schloss Bellevue, das Schulz für den kommenden Bundespräsidenten Steinmeier sozialdemokratisch einsegnen soll, muss verschoben werden: die Lutherbrücke ist wegen eines Fahrbahnschadens beidseitig gesperrt. Der kommende Kanzler zahlt den Taxilenker an der Anne-Frank-Schule aus, schreitet ans Ufer und geht über die Spree.

07:49 – Der Hausmeister des Präsidentenschlosses öffnet die Pforten. Schulz erkennt sofort, dass dies ein Mann ist, der hart arbeitet. Er verspricht ihm, dass sich in seinem Leben nichts ändern wird. Der ehemalige Handwerker schleicht weinend in den Geräteschuppen, um sich an seinen Hosenträgern zu erhängen.

08:10 – Rasch hat Schulz ein paar SPD-Broschüren ausgelegt, den Mindestlohn beschworen und mehr Gerechtigkeit gefordert. Durch Handauflegen erweckt er eine vertrocknete Topfpflanze wieder zum Leben. Aus dem Hintergrund ist leise ein zehntausendstimmiger Engelschor zu hören.

08:55 – Kurz vor dem Kanzleramt erblickt Schulz unter einer Brücke einen Hohlraum, in welchem lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Verdorrte, die warteten, wann sich das Wasser bewegte. Der neue Prophet der Mitte aber packt einen am Kragen. „Steh auf und wandle“, raunzt er ihn an, „und such Dir einen Job, in dem Du hart arbeiten kannst, weil wir sonst kein Geld haben für einen Wehretat, der den Aktionären hilft, ihr Geld hart für sich arbeiten zu lassen!“ Zehn bis zwölf Jünger winden sich in Ekstase auf dem Kiesweg und verkünden neue Spitzenwerte für die SPD.

09:12 – Die Rentnergruppe aus Würselen will sich unbedingt von Schulz segnen lassen. In Streit um den Platz in der ersten Reihe beginnen erst verbale Auseinandersetzungen, bis Handgreiflichkeiten einsetzen. Der Heilsbringer aus Brüssel betrachtet die Situation aufmerksam.

09:26 – Erste Senioren sind zu Boden gegangen, es wird langsam kritisch. Schulz erläutert der Menge, dass es auf jede gesellschaftliche Gruppe ankommt, die für die gerechte Verteilung der Mittel ihre Stimme erhebt und gegen die Ungerechtigkeit der bisherigen Regierung vorgeht. Ein seit zehn Jahren erwerbsloser Zwangsrentner wirft einen Schuh, der den Retter des Sozialismus nur um Haaresbreite verfehlt. Von oben ertönt die Stimme Helmut Schmidts, der verkündet, dies sei sein lieber Sohn, an dem er Wohlgefallen habe.

09:57 – Schulz setzt seinen Weg mit der U-Bahn fort. Beim Betreten des Bahnsteigs wird er von einem Nichtsesshaften gefragt, ob er mal eine Mark habe. Der designierte Friedensnobelpreisträger macht den Bürger ohne Mandat darauf aufmerksam, dass es inzwischen eine friedensstiftende Währung für hart arbeitenden Europäerinnen und Europäer gibt, die auch weiterhin den Frieden sichere und die Aussicht, dafür hart zu arbeiten.

10:23 – Kaum am Ziel angekommen, da schart sich um den Visionär aus dem Rheinland schon die Menge der Gläubigen. Schulz habe verwahrloste Schulen angeprangert, nun sei er in der Pflicht, den Zustand zu ändern. Per Geistheilung materialisiert der Rasputin des Sozialstaats Landesmittel, die eine Sanierung des Leni-Riefenstahl-Gymnasiums in Bad Senkelteich ermöglichen. Verzückte Schüler streuen Palmwedel auf seinen Weg.

11:04 – Die letzten Wahlumfragen bestätigen, dass die Union keine Chance mehr hat, als Juniorpartner in einer erneuten Koalition mit der Schulz-SPD die Bundesregierung zu stellen. Der Kandidat bleibt jedoch vorerst bescheiden. In einem telefonischen Interview mit der New York Times gibt er zu verstehen, dass er vorerst nur die Führung über die freie Welt anstrebt.

11:33 – Das Büro meldet eine weitere Einladung zu einer Talkshow an. Schulz darf einen Teil der Fragen selbst formulieren. Um die hart arbeitende Mitte zu erreichen, dreht sich das Gespräch nun um Fußball, Alkohol, Verwaltungsrecht und die hart arbeitende Mitte.

11:35 – Gerade noch rechtzeitig ist Schulz im Willy-Brandt-Haus eingetroffen. Ein Maskenbildner, eine Stylistin, ein Psychologe und ein Therapeut machen den Überflieger der neuen Hoffnung in Deutschland fit für eine Aufzeichnung, die in den nationalen Boulevardmagazinen gezeigt werden soll: Martin Schmidt sitzt in der Mitte und arbeitet hart. Die Herausforderung ist immens, ja übermenschlich, doch das Team leistet einen Schwur, hart daran zu arbeiten.

11:36 – Drei Sekunden Videomaterial halten für die Nachwelt fest: Martin Schmidt arbeitet hart, für wen auch immer.

11:37 – Eine empörte Besucherin der Parteizentrale will den Kanzlerkandidaten sprechen, der ihr trotz des Aufstiegsversprechens, eines mit Auszeichnung absolvierten Studiums, einer Promotion summa cum laude, mehrerer Fortbildungen und eines Bildungsgutscheins zur Förderung mangelhaft qualifizierter Arbeitskräfte, die älter als dreißig sind und ihre Erwerbsbiografie durch Schwangerschaft sowie den mutmaßlich vorsätzlichen Unfalltod des Ehegatten sozialschädlich beeinflusst haben, wegen einer nicht zugestellten Vorladung des Jobcenters die vollständige Kürzung der Kosten der Unterkunft sowie der Regelsätze für die Bedarfsgemeinschaft streichen will. „Der Herr aber sprach zu dem Satan“, deklamiert Schulz, „wo kommst du her? der Satan antwortete dem Herrn und sprach: ich habe das Land umher durchzogen.“ Sofort ist die Bürgerin exorziert; sie schmeißt ihm ihr Parteibuch vor die Füße und verschwindet.

12:02 – Bei einem Arbeitsfrühstück im Borchardt, zu dem Milchkalbentrecôte an Auberginenkaviar gereicht wird, serviert die Fachkraft körperwarmen Riesling. Der Messias von Mitte verwandelt den Inhalt der Karaffe durch andächtiges Handauflegen wieder in Wasser.

12:19 – Zwischen Salat und Ananaskaltschale staucht Schulz die israelische Staatsführung am Telefon derart zusammen, dass Premier Netanjahu verspricht, bis Sonnenuntergang die Gründung eines autonomen Palästinenserstaates von der UNO zu erbitten.

12:21 – Steve Bannon meldet sich via Twitter. Er weiß nicht, wie er nach diesen außenpolitischen Schlägen mit Trump verfahren soll. „Setze Gottlose über ihn“, gibt Schulz zurück, „und der Satan müsse stehen zu seiner Rechten.“

13:07 – Der wartenden Menge vor dem Restaurant verkündet Schulz, man hätte den Mindestlohn mit der Einführung der Agenda 2010 verbinden sollen. Die Segensrufe der offensichtlich hart arbeitenden Mitte nehmen kein Ende, da sie nicht hart arbeiten und daher viel Zeit für öffentliche Kundgebungen haben. Außerdem sind sie Angestellte des SPD-Landesverbandes.

13:28 – Im improvisierten Interview mit dem Feministischen Radiokollektiv Berlin fordert der Heiland der irgendwie Roten, unsere Frauen in Ruhe zu lassen. Auf die Nachfrage, in welchem Besitzverhältnis sich welche Frauen befänden, gibt Schulz zu wissen, weder Nationalität noch Glaube, geschweige denn Religion oder das Bestehen eines harten Arbeitsverhältnisses sei für ausschlaggebend, es gehe ihm nur um unsere Frauen. Die zufällig anwesende Justiziarin der SPD stellt klar, dass Vergewaltigungsdelikte durch Asylanten nicht viel häufiger begangen würden. Der Kandidat wird in der Zwischenzeit schon von seinen Frauen mit Blumen beworfen.

13:59 – Die hart arbeitende Mitte hat in einer Mitteilung mitgeteilt, dass sie die Bankenrettung nicht toleriert und Steuerflucht ins Ausland für eine juristisch unbedingt zu erfolgende Straftat erachtet. Der Befreier der hart arbeitenden Mitte nimmt die Botschaft zur Kenntnis. Mehr kann man von ihm nicht erwarten, er muss ja den ganzen Tag lang hart für die Mitte arbeiten, damit ihn die hart arbeitende Mitte auch als hart für die Mitte Arbeitenden Arbeiter wahrnimmt, der hart für die Mitte arbeitet.

14:04 – Um die transatlantische Wertegemeinschaft zu stützen, verkündet der hart für die Mitte arbeitende Kandidat die sofort nach der Wahl zu erarbeitende Gesetzesvorlage, nach der die Gleichheit von Mann und Frau auch gesetzlich als Gesetz gesetzlich Gesetzeskraft haben soll. Alle Zuwiderhandlungen werde Schulz mit mehr Zeit für noch mehr Gerechtigkeit bekämpfe, wenn nicht begegnen.

14:05 – Nach Auskunft identitärer Kreise hat sich Höcke eine Kugel durch den Kopf gejagt, nachdem er den Hoffnungsträger Schulz als das Licht der sozialistisch-nationalen Erneuerung bezeichnet hat.

14:34 – Die Kaffeerunde im SPD-Hauptquartier ist so fidel wie selten. Schulz und Oppermann, Gabriel und Steinmeier liegen sich in prustendem Gelächter in den Armen. Das Volk redet wieder einmal Scheiße. Zum Glück braucht vorerst keiner auf das Geseier zu hören. Gut, dass außer dem künftigen Bundespräsidenten keiner politisch für die Agenda verantwortlich gemacht werden kann.

15:19 – Der Besuch beim Reiterverein Wublitz geht gründlich in die Hose. Erneut versucht der Erlöser, über die Wogen zu schreiten, doch der aufgestaute Seitenarm der Havel teilt sich, als Schulz die Wasser betritt. Nie war es ihm peinlicher, noch nicht Parteichef zu sein anstelle des Parteichefs.

15:56 – Auf der Wahlpressekonferenz gibt Schulz zu Protokoll, dass sicher viele Wählerinnen geneigt seien, nicht mehr SPD zu wählen. „Von den Jungfrauen aber habe ich kein Gebot des Herrn“, erklärt der Sozialistenführer, „ich sage aber meine Meinung, als der ich Barmherzigkeit erlangt habe von dem Herrn, treu zu sein.“ Die Kampagne wird sich demnach eher auf die hart arbeitende Mitte konzentrieren.

16:02 – Das Statistikteam hat ein deutliches Loch in der hart arbeitenden Mitte entdeckt, und zwar die hart arbeitende Mitte, die weiblich ist, aber gar nicht erst hart arbeiten kann, da sie weiblich ist und trotzdem sozialpolitisch vom Parteiprogramm der SPD überzeugt zu werden wünscht. Schulz knallt die Tür hinter sich zu.

16:51 – Die Deutsche Bischofskonferenz ist daran interessiert, den Gedenktag für Sankt Martin zwar parteipolitisch nicht einseitig auszurichten, ihn aber mit humanitärem Gedankengut zu befüllen, wenn dies nicht zu auffällig repräsentiert wird. Den jetzigen SPD-Kanidaten könne man gut mit dieser Rolle betrauen, so der Vorstand; eine deutliche sozialere Ausrichtung werde sich wohl im Laufe der Jahrzehnte entwickeln.

18:09 – Schulz ballert sich im Sturz die dritte Flasche Bourbon in die Rübe. Da die Mikrofone abgestellt und die Reporter ferngehalten werden, gelangen weder seine Forderungen nach sofortiger Rückabwicklung der Agenda 2010, von CETA und TTIP oder die SPD-gestützten Sicherheitsgesetze an die Öffentlichkeit. Auch unschöne Interna über die Waffenverkäufe der amtierenden Bundesregierung bleiben verborgen. Keiner interessiert sich für das Privatleben diverser Minister. Die Sicherheitsleute ziehen Schulz routinemäßig die Schuhe aus, lagern ihn auf die Matratze, ziehen die Vorhänge vor die Fenster, legen eine Krawatte über die Stuhllehne und verlassen den Raum. Morgen ist auch noch ein Tag.





Kochrezepte

29 01 2017

für Kurt Tucholsky

Luise wässert Linsen fein
und wiegt bedächtig Speck.
Dazu ein Löffel Senf, ganz klein
hackt sie die Zwiebel weg.
Wie nun die Brühe wallt und dampft,
rührt sie mit viel Geschick.
Mit zwei Kartoffeln, durchgestampft,
macht sie die Suppe dick.
    Danach ist Emil ganz vernarrt,
    wenn sie nach alter Väter Art
    ihm Eintopf in den Teller gibt –
    das ist’s, was er an ihr so liebt.
    So viel Rezepte, und dies weckt
    den Appetit, weil es ihm schmeckt.

Herr Doktor Finck, der lädt zum Mahl.
Es gibt Forelle blau.
Stets legt er Wert auf erste Wahl,
er misst und wiegt genau.
Behutsam tupft er ab den Schleim
und präpariert den Fisch.
Ein Duft von Essig zieht durch’s Heim –
schon geht das Mahl zu Tisch.
    Er selbst serviert, und dies im Frack.
    Sein Gast genießt den Wohlgeschmack,
    den man ihm nie zutraute, doch
    er ist ein vorbildlicher Koch.
    So viel Rezepte, und dies weist
    eindrücklich hin, wie man gut speist.

Da steht mit Flecken auf dem Schurz
die SPD und rührt.
Was in den Topf kommt, ist ihr schnurz
und auch, wohin das führt.
Am Anfangs sieht’s nach Grütze aus,
doch das ist schnell vorbei.
Brennt’s an, zieht sie den Löffel raus.
Der Rest verkocht zu Brei.
    Was dort im Kessel landet, ist
    schon vor der Küche nichts als Mist.
    Hauptsache, dass die Mütze sitzt,
    auch wenn sie nichts beim Kochen nützt.
    So viel Rezepte, und dies wirbt
    nicht für den Koch, der es verdirbt.





Das letzte Gefecht

26 01 2017

„… sich bereits zuvor parteiintern gegen eine Kanzlerkandidatur entschieden haben solle. Die SPD habe von seinem Verzicht auf den Vorsitz allerdings auch erst aus den Medien…“

„… der bundesweite Absatz von Champagner stark angezogen habe. In unmittelbarer Nähe zum Willy-Brandt-Haus melde Aldi einen Ausverkauf an sämtlichen…“

„… sei die Mehrheit der Sozialdemokraten für Schulz als Spitzenkandidaten gewesen. Dieser Modus rufe in der Partei noch Befremden hervor, da bisher alle Entscheidungen ohne jede…“

„… man einen besonders schweren Fall von Führungsversagen sehe. Petry dagegen sei die…“

„… nicht vorauszusehen gewesen sei. Kraft habe deshalb schwere Vorwürfe gegen den…“

„… scharf zurückgewiesen, dass die SPD mit sehr guten Imageberatern und Wahlkampfmanagern zusammenarbeite. Die Idee zum Rücktritt sei zuerst von Gabriel selbst im…“

„… warte die Partei nun auf eine kritische Würdigung der Entwicklungen aus dem linken Lager. Bei Ablehnung der Linken auf Bundesebene dürfte sich die Befürchtung, der Rücktritt sei vollkommen umsonst gewesen, mit einer neuen…“

„… als schwarzen Tag für die Sozialdemokratie bezeichnet habe. Lindner sei sehr erfreut, dass er das noch…“

„… es sich auch um eine undeutlich formulierte Pressemittelung gehandelt haben könne. Möglich sei, dass Gabriel vorerst nur den Verzicht auf das Amt des Vizekanzlers…“

„… inzwischen erklärt habe, was ein Internet sei. Zypries wolle vorerst keine neuen…“

„… nicht bestätigt worden sei, dass Gabriel erst nach mehreren Rhetorik-Seminaren und Teilnahme an einer Gewichtsreduktionssendung seine Kanzlerkandidatur für 2021…“

„… von Merkel nicht weiter kommentiert worden sei. Sie wolle für den Rest der laufenden Legislatur in einem gewohnten Verhältnis zur SPD weiterhin sämtliche…“

„… auch eine Veränderung des Politikstils sich nicht vermeiden lasse. Die EU-Erfahrungen von Schulz würden es nahelegen, dass die Partei auch auf Bundesebene Inhalten überwinden und sich für eine stabile Machtposition im gesamten…“

„… müsse die Partei dabei auch an den Kandidaten glauben, wenn nicht, so müsse sie auch dran glauben, aber ohne einen…“

„… habe sich die CDU sehr verärgert über die eigenmächtige Entscheidung gezeigt. Die Union müsse nach dem Rücktritt des konservativen SPD-Anführers jetzt allein mit der sozialdemokratischen Parteichefin fertig werden, die sich als nächste…“

„… als eine sehr gute schlechte Lösung bezeichnet habe. Die Grünen seien damit einer Annäherung an die Union wieder um ein ganzes…“

„… die Zukunft der Partei momentan auf der Kippe stehe. Internen Berichten zufolge habe sich Peter Hartz geweigert, aktivierende Maßnahmen für eine selbstverantwortliche…“

„… sei Gabriel mit seiner Dreifachbelastung als Minister, Parteivorsitzender und Bahnfahrer überbelastet gewesen. Da Reisen des Auswärtigen Amtes größtenteils im Flugzeug bestritten würden, sei in Zukunft mit sehr viel mehr…“

„… es unklar sei, ob Gabriel Nahles und Oppermann ebenfalls in ihren Ämtern ersetze und welche Forderungen er dafür…“

„… erwarte die SPD zwar intern innerhalb der ersten Woche, dass der Vizekanzler noch zwei- bis fünfmal umfalle, bevor er sich zwar umentscheide, dann aber nicht, weil er, obwohl sich trotzdem…“

„… werde Gabriel als Außenminister eine stabilisierende Position einnehmen. Er habe sich vorgenommen, vielen internationalen Partnern zu erklären, warum ausschließlich deutsche Waffen langfristig für Entspannung auf dem…“

„… erste Kritik am Vorsitzenden geäußert habe, da er sein Exklusivinterview als Sternstunde des politischen Journalismus in…“

„… für Unruhe in der Parteizentrale gesorgt habe. Wegen lauter Störgeräusche habe man nicht verstanden, ob Gabriel Schulz oder Scholz zum neuen…“

„… für hohe Staatsaufgaben bestens geeignet sei, da er seinen Amtsverzicht nicht über die BILD, sondern eine richtige…“

„… zur offizielle Übergabe in der Parteizentrale auf die Internationale verzichtet werden solle, da es sich keinesfalls um das letzte Gefecht der…“

„… die Knistergeräusche in der Telefonleitung derzeit sehr hoch seien, so dass auch Schwesig unter Umständen in die engere Wahl zur…“

„… man die letzten Reste der Personaldecke mit voller Absicht als unerfahrene Führungsgruppe in den Wahlkampf werfe, um auf die Überraschung der rechtspopulistischen…“

„… dass Altersarmut, Arbeitslosigkeit und Diskriminierung sozial abgehängter Bürger zu den dringendsten Problemen gehörten. Dazu sei jeder SPD-Kandidat gleichermaßen geeignet, da hier die Kernkompetenz für sozialen Abstieg, prekäre Beschäftigungen und…“

„… könne Schulz als völliger Neuling in der Bundespolitik immer noch Kanzlerkandidat der Herzen werden und sich einen Listenplatz für…“

„… aus Sicherheitsgründen aufgezeichnet worden sei. Leider sei der eigentliche Wunsch Gabriels, Helmut Schmidt als Kandidaten zu…“





Niedrig qualifiziert

5 12 2016

„… für mehr Flexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt sorgen wolle. Nahles sehe große Chancen durch noch mehr Lockerungen für die…“

„… die Bedürfnisse der Arbeitnehmer wieder in den Mittelpunkt stellen wolle. Die Möglichkeit, im Homeoffice arbeiten zu können, sei nun auch für Bautischler, Bestatter, Chirurgen sowie kaufmännische…“

„… ein Gesetz geben müsse, das Angestellten in Teilzeit eine Rückkehr in Vollzeit garantiere. Die Arbeitgeberverbände seien zuversichtlich, dass eine garantierte Rückkehr derselben Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit mit Nahles ohne Probleme…“

„… dass die Arbeitszeit nicht mehr durch Tarifverträge begrenzt werden dürfe. So sei eine 70-Stunden-Woche für Pfleger auch heute schon durch Bereitschaftszeiten sehr gut zu…“

„… durch Überstunden und Überlastung am Arbeitsplatz vermehr erkranken würden. Dies sei nun durch flexibilisierte Krankheiten und…“

„… eine bessere telefonische Netzabdeckung für Arbeitnehmer im Homeoffice zu gewährleisten. So sei es auch für Klempner und Straßenbauer möglich, Aufträge unabhängig vom Standort zu…“

„… dass Zeiten der Nichtbeschäftigung grundsätzlich zu Weiterbildungen genutzt werden müssten. Laut eines Referentenentwurfs plane Nahles in der zu erwartenden Arbeitslosigkeit mit neunzig Prozent Rechtsstreit über Bewilligung und Finanzierung der Weiterbildung durch die Bundesagentur für Arbeit, die dann in den verbliebenen zehn…“

„… einen Anteil von einem Viertel Heimarbeit in Aussicht stellen wolle. In Absprache mit den Arbeitgebern sei dies bereits mit Krankheitszeiten und gesetzlichem Urlaub…“

„… eine Bildungsoffensive für alle in Aussicht stelle. So plane Nahles unbefristet Beschäftigte und Unternehmer präventiv zu Bewerbungskursen zu verpflichten, um nach dem Jobverlust so schnell wie möglich eine…“

„… durch Homeoffice bei den Arbeitnehmern eine bessere Kundenorientierung zu erreichen. Die Servicequalität in der Gastronomie lasse sich laut Nahles dadurch um bis zu fünf Prozent…“

„… nicht zahlen könne. Bereitschaftsdienst sei vielmehr durch eine Aufwandsentschädigung zu vergüten, der sich höchstens auf…“

… Telearbeit zu den Zukunftsmodellen gehöre, die Nahles fördern wolle. Arbeitnehmer in der Süßwaren- oder Klobürstenproduktion seien durch moderne Technologien wie Modem und Router von jedem Ort der Welt aus in der Lage, Maschinen zu programmieren, die ihre Arbeitsplätze komplett überflüssig…“

„… den Stundenlohn in den Pflegeberufen einschließlich der Aufwandsentschädigungen zu mitteln, so dass eine Bruttovergütung von weniger als vier Euro zur Sicherung der Wirtschaft…“

„… könne eine kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit auch im Homeoffice genutzt werden. Es stehe Arbeitnehmern selbstverständlich frei, ihre Wohnung außerhalb der Arbeitszeiten im Rahmen des jeweiligen Mietverhältnisses an Dritte…“

„… die Zahl der Aufstocker in Pflegeberufen voraussichtlich zunehmen werde. Nahles wolle gemeinsam mit den Arbeitgebern eine Kürzung der Löhne diskutieren, um mehr Anreize für Arbeitslose und Teilzeitbeschäftigte zu…“

„… sich moderne Telearbeit ohne geeignete Computer nicht verrichten ließe. Die Löhne seien nun so anzupassen, dass sich die Betroffenen ein geeignetes Gerät in weniger als dreißig Monatsraten zu je…“

„… werde die Ausweitung des Homeoffice in den niedrig qualifizierten Berufen sicher dazu führen, dass die Arbeitnehmer mehr Zeit für eigene Interessen bekämen, was zu einer Steigerung der Geburtenrate im…“

„… die Einführung von Nachtschichten in der Pflege Alleinerziehenden zugutekomme, die für die Erziehungsarbeit nur die Tage ganz frei und…“

„… gleichzeitig Homeoffice und die neue Freiheit einer Selbstständigkeit verbinden könne. Dies sorge beispielsweise dafür, dass früher abhängig Beschäftigte nun als Unternehmer einfach ihre Arbeit von ebenfalls mit Werkverträgen in ein Kleinunternehmen mit ebenfalls abhängig Beschäftigten und…“

„… auch den Arbeitsort besser auf die Bedürfnisse von Arbeitnehmern abstimmen solle. Nahles sei sicher, dass die Jobcenter innerhalb eines Jahres für jeden Erwerbslosen einen Arbeitsplatz innerhalb eines Umkreises von wenigen hundert…“

„… dass Homeoffice-Lösungen beispielsweise in manchen Wohnsituationen vertragsrechtlich nicht realisierbar seien. Nahles habe die Idee entwickelt, in diesen Fällen in der Nähe der Arbeitgeber kleine Arbeitsplätze zu schaffen, die die Arbeitnehmer als Mieter mit einer kreditbasierten…“

„… doch Korrekturen geben müsse. Das Bundesministerium gehe davon aus, dass es in einigen wenigen Einzelfällen Erwerbslose gebe, die nicht innerhalb eines Jahres einen Job in ihrem Landkreis finden würden, mit dem sie ihren Lebensunterhalt…“

„… davor warne, dass an den Bedürfnissen der Arbeitgeber vorbei gefördert werde. Da es bereits sehr viele überqualifizierte Arbeitssuchende gebe, müsse man in Zukunft auch vor überflexiblen…“

„… es alternative Jobförderungsmodelle geben müsse. Nahles habe den Jobbus erarbeitet, mit dem Erwerbslose zu Beginn einer Woche in drei zufällig ausgewählte Betriebe in mindestens fünfhundert Kilometern Entfernung gefahren würden, um sich mit ihren Bewerbungsunterlagen…“

„… die Höchstarbeitszeit von 48 Stunden ausweiten und gleichzeitig mehr Teilzeitjobs schaffen werde. Es sei ihrer Partei ja auch gelungen, mehr Teilzeitjobs und gleichzeitig mehr arme, überschuldete und…“

„… dass mehr Flexibilisierung auch mehr Eigenverantwortung mit sich bringe. Eine generelle Lockerung des Arbeitsrechts, von Angestellten auch nicht vertraglich vereinbarte Leistungen ohne Lohnausgleich verlangen zu können, dürfe nicht durch einseitige Besitzstandswahrung der…“

„… Lohnkosten und Lohnnebenkosten künftig wieder gemeinsam zu verrechnen, so dass auch der Nettolohn anteilig mit fünfzig Prozent vom Arbeitnehmer…“





Schwerfigur

1 12 2016

„Das heißt, wir können sie schlagen?“ „Logo.“ „Die ist doch total am Ende.“ „Und wieso haben wir erst einundzwanzig Prozent?“ „Das ist das Übergewicht der Union, diesmal werden sie es nicht verkraften.“ „Und dann kommen wir endlich in die Regierung.“ „Wo sind wir denn jetzt?“

„Nein, wirklich.“ „Sie müssen auch mal sehen, dass die SPD die Rolle der CDU komplett ersetzen kann, wenn sie will.“ „Ich weiß aber noch gar nicht, ob wir das…“ „Egal, im Wahlkampf müssen wir das wenigstens versprechen.“ „Hallo!?“ „Er ist mal wieder auf dem moralischen Trip.“ „Typisch linker Flügel.“ „Aber echt!“ „Nein, ich…“ „Wenn Sie sich die Partei seit gut zwanzig Jahren ansehen, dann wissen Sie auch, dass wir das eigentlich schon fast erreicht haben.“ „Sogar besser!“ „Richtig, die SPD ist die bessere CDU!“ „Eben.“ „Und das kommt, weil die CDU die SPD eben auch komplett ersetzt hat.“ „Entschuldigen Sie mal, das ist doch komplett aus der Luft…“ „Mensch, jetzt begreifen Sie es endlich – wenn die Grünen weiter nach rechts rücken, dann müssen sie irgendwann zwangsläufig wieder bei der SPD landen!“

„Das sind doch alles total verrückte Theorien, das können Sie überhaupt nicht…“ „Auf jeden Fall müssten wir mit den Linken reden, damit wir eine Koalition hinkriegen.“ „Auf der anderen Seite könnten wir auch abwarten, bis sie uns konstruktive Kollisions…“ „Hä!?“ „Koalitionsangebote, wollte ich sagen – bis die Koalitionsangebote machen.“ „Sie sitzen immer noch auf dem hohen Ross. Kommen Sie da runter, dann können wir reden.“ „Er hört sich schon an wie die Linken!“ „Armer Kerl.“ „Das kommt davon, wenn man ständig im Kanzleramt abhängt.“ „Wir müssen den Linken nur sagen, dass sie mitregieren dürfen, dann ist alles in Butter.“ „Und der Koalitionsvertrag?“ „Die werden schon nicht so anders sein als die Grünen. Lass sie an die Regierung, dann haben sie sich erledigt.“ „Hat doch Merkel mit der FDP auch so gemacht.“ „Und mit uns.“ „Jetzt werden Sie mal nicht witzig, das zieht bei uns gar nicht.“ „Also wir sagen den Linken, sie dürfen gerne mitregieren, nur eben unter der Voraussetzung, dass sie alle ihre Versprechen brechen muss?“ „Ja.“ „Alle Vorschläge, alle Ideen, alle Reformansätze?“ „Klar.“ „Wozu frage ich das eigentlich?“ „Eben, das würde ich auch gerne mal wissen. Sie haben es doch offensichtlich kapiert.“

„Und was ist mit unserem Wahlprogramm?“ „Wir wollten eigentlich weitermachen wie bisher.“ „Sonst nichts?“ „Mensch, wenn wir Merkel mit einer Sache schlagen können, dann mit Kontinuität. Die hat bei ihr noch nie versagt.“ „Und bei der SPD wissen die Leute seit zwanzig Jahren auch, was sie erwartet.“ „Ich hatte es schon mal gesagt, ich mag Ihren sarkastischen Unterton so gar nicht.“

„Dann sollten wir wenigstens vorab klären, wer sich als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf gegen die Schwerfigur Merkel begibt.“ „Schulz?“ „Das ist doch ein Bauernopfer!“ „Sagen Sie das nicht, über den ist so gut wie nichts bekannt.“ „Wenigstens nicht aus der Bundespolitik.“ „Und das wird für die Kanzlerin hochgefährlich!“ „Genau, die weiß dann gar nicht, gegen welchen Gegner sie antreten soll.“ „Und schon macht sie entscheidende Fehler.“ „Das klingt ja alles vollkommen schlüssig.“ „Ja, nicht wahr?“ „Ich hatte Ihnen schon mal gesagt: keinen Sarkasmus!“ „Bis jetzt haben wir doch gar nichts in der Hand gegen einen Wahlsieg der Union.“ „Aber das muss doch gar nicht heißen, dass die noch mal gewinnt.“ „Vielleicht hat ja Seehofer auch einfach keine Lust mehr, sich das noch weiter anzutun.“ „Dann kann sie nur mit uns regieren.“ „Wer sagt das?“ „Erwarten Sie etwa, dass die CDU mit den Linken gemeinsame Sache macht!?“ „Gleich will er uns noch erzählen, die Linken würden das nur tun, um endlich an die Macht zu kommen!“ „Hähähä!“ „Er verwechselt die wohl mit den Grünen, wie?“

„Wie haben Sie sich das eigentlich vorgestellt, das mit der CDU?“ „Naja, die verliert, und dann werden wir…“ „Nein, mit der SPD als neue CDU. Wie wollen Sie das machen?“ „Wir könnten noch ein bisschen weiter nach rechts rücken. Also ein Ohr haben für die Sorgen und Nöte der Menschen, die es nicht so haben mit der Demokratie.“ „Weil wir es auch nicht so haben mit der Demokratie. Schon klar.“ „Das eröffnet uns aber langfristig auch neue Spielräume für Koalitionen.“ „Mit der CSU?“ „Das habe ich jetzt nicht sagen wollen, aber es gibt in der SPD ja auch noch andere Kräfte.“ „Leider.“ „Ich hatte Ihnen schon mehrmals…“ „Jaja.“

„Dann lassen Sie uns die Ärmel aufkrempeln und den Wahlsieg vorbereiten.“ „Gute Idee!“ „Welchen Wahlsieg?“ „Die Kanzlerin ist nach Ansicht ihrer Partei die beste Antwort auf die drohende Politik eines rot-rot-grünen Bündnisses, das die CDU unbedingt verhindern muss.“ „Und wann kommt das mit dem Wahlsieg?“ „Sie wird ja auch als Stabilitätsfaktor gesehen in Europa.“ „Als Retterin der freien Welt!“ „Allerdings!“ „Das ist beachtlich!“ „Hallo? Wahlsieg!?“ „Glauben Sie das etwa?“ „Darauf kommt es doch gar nicht an.“ „Das stimmt, und deshalb glaube ich das erst recht nicht. Die Merkel hat fertig!“ „Und deshalb glaube ich zum Beispiel ganz fest daran, dass wir mit der richtigen Idee, dem richtigen Kandidaten, einem guten Wahlprogramm, einen politischen Neustart in Deutschland hinkriegen.“ „Auf jeden Fall!“ „Na logo!“ „Aber wir haben doch nicht einmal ein Jahr bis zur Wahl. Wie wollen Sie das denn schaffen?“ „Hä!?“ „Wie bitte?“ „Entschuldigen Sie mal – wer redet denn von 2017?“