Leichte Sprache

6 03 2018

„… als Landessprache zwingend in die Verfassung aufzunehmen sei. Daher werde die Alternative für Deutschland bis nach Karlsruhe gehen, um den…“

„… würde in spätestens zehn Jahren der Kameltreiber Mohammed Ötzfötz die Scharia als Leitkultur einführen. Poggenburg lehne jeden Kompromiss über eine…“

„… bereits an den durch die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützten Idiomen scheitern werde. Diese seien per Dekret als…“

„… sehe sich die deutsche Sprache seit Jahren einer Verdrängung durch andere Sprachen ausgesetzt. So würden fremdländische Begriffe wie Döner, Burka, Niqab oder…“

„… die dänische Sprache an deutschen Schulen unterrichtet werde. Dies sei Bestandteil einer geschichtlichen Entwicklung, in der Hochdeutsch erst spät und als Fremdkörper…

„… nicht möglich sei. Reichelt werde diese Begriffe auch weiterhin verwenden, um Komposita wie Burka-Terror oder Döner-Asylant für die Titelseite der…“

„… nach §19 SGB X als Amtssprache der Bundesrepublik Deutschland bereits festgelegt sei. Die AfD-Fraktion sei sich jedoch nicht sicher, ob ein für die BRD GmbH erlassenes Gesetz auch Geltung für das Deutsche Reich und seine…“

„… das Beispiel geeignet zu zeigen sei, wie die mangelnde Sprachkenntnis als Symptom rassischer Minderwertigkeit die deutsche Kultur entwerte. Er sei jedoch nicht darauf aufmerksam gemacht worden, dass es sich um einen Originalbeitrag von Beatrix von…“

„… das Niederfränkische kein Dialekt des Ripuarischen sei. Es werde wie das Limburgische und das Luxemburgische als eigenständige…“

„… die Verwendung von Romanes dadurch gerechtfertigt sei, dass es sich um eine arische Sprache handele. Dennoch empfehle Gedeon, diese Sprache nur außerhalb der deutschen Grenze zu sprechen, da sie bei zukünftigen Äußerungen des Volkszornes schnell zu einem Merkmal des…“

„… dass Weidel vor den kommenden Polls Leadership ankündige, um dem Topic crossmedial zu mehr Bandwidth zu verhelfen, wie sie vor dem Kick-off auf einem Prio-Meeting mit den…“

„… sich sehr gut mit der Forderung der Rechten vertrage, dass Deutsche im Ausland ihre Sprache und Kultur beibehielten und allen Versuchen zur Integration widerständen. Das Deutsche, so Maier, habe die Berechtigung, sich gegen den Volkstod auch mit den Mitteln nationaler…“

„… niederdeutsche Sprachen über eine längere historische Kontinuität verfügten als oberdeutsche. Die AfD täte also gut daran, das Plattdeutsche als Amtssprache in sämtlichen…“

„… nicht ausgeschlossen habe, dass die AfD Mundarten gleichfalls als Teil der nationalen Sprache anerkennen wolle. Es müsse sich dabei aber um einen Minderheitenschutz handeln, der ausschließlich deutschen…“

„… die zweisprachigen Bezeichnungen im Landkreis Nordfriesland an allen öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen verbleiben würden. Kiel werde auch die niederdeutsche Version der Landesverfassung nicht…“

„… das Deutsche so wunderbare Begriffe wie Wehrmacht, Gauleiter oder Rassenschande hervorgebracht habe. Der heutige Sprachgebrauch, so Höcke, sei ein Denkmal der…“

„… die Gerichtssprache gemäß §184 GVG bereits Deutsch sei. Dies sei der AfD allerdings bisher nicht mitgeteilt worden, da sie deutsche Gerichte ausschließlich als Angeklagte im…“

„… in einem Akt nationaler Notwehr auch muslimische Zuwanderer gezielt beim Besuch von Deutschkursen hinrichten dürfe. Maier betrachte jeden Schutz für die wehrlose deutsche Sprache vor dem Zugriff minderwertiger…“

„… habe die Union noch vor wenigen Jahren dieselbe Forderung gestellt. Spahn gestehe aber, dass dies wie vieles andere nur geschehen sei, um AfD-Wähler wieder zurück zur…“

„… dass Brandner die Durchsetzung eines Anglizismenverbots für alle Medien fordere. Dies sei noch schlimmer als die drohende Islamisierung, da bereits Kinder aus rassisch nicht vorbelasteten Sippen ein grundlegendes Verständnis für die…“

„… die Kooperation mit der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag wesentlich verbessern würde, wenn sie ihre Arbeitsanweisungen künftig in leichter Sprache oder wenigstens mit vielen bunten…“

„… mit der CDU nicht umgesetzt werden könne. Allerdings behalte sich Spahn vor, Lokale behördlich überprüfen zu lassen, in denen er auf Saterfriesisch…“

„… das Sprechen anderer Sprachen nicht verbieten wolle. Es sei jedoch ein Zertifikat dazu erforderlich, dass der Mundartsprecher auch in der Lage sei, das Neuhochdeutsche in Wort und Schrift vollkommen fehlerfrei und weitestgehend…“

„… in der Autonomen Provinz Bozen die deutsche Sprache nicht mehr berücksichtigen werde, da die wirtschaftliche Entwicklung eine bessere Ausrichtung auf die…“

„… nicht mehr auf Friesisch antworten könne. Poggenburg habe bereits die erste der insgesamt neun Grammatikprüfungen mit einem derart schlechten Ergebnis abgeschlossen, dass von ihm ab sofort weder mündliche noch schriftliche…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCXVIII): Antirassistische Sprache

1 11 2013
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Machen wir uns nichts vor, diese Population besteht aus Dummklumpen. Die eine Hälfte leidet an Fehlbildungen der Synapsen, anders ließe sich ihr Alltagsrassismus nicht erklären; die andere Hälfte zeigt, dass sie nicht besser ist, weil sie den Alltagsrassismus klaglos hinnimmt. Nur eine kleine Gemeinschaft nörgelnder Nervzwerge grätscht in die Grütze und hat das Allheilmittel zur Hand: die antirassistische Sprache.

Es gibt viele Ansätze, die politische Gesundheit einer Gesellschaft zu erhalten, zu fördern oder, sollte es sich nicht um eine gesunde Verfassung handeln, wieder zu restaurieren. Sozialpädagogik ist einer, Reeducation ein anderer, Bildung gehört zu den vornehmsten, doch will man es gründlich versaubeuteln, fängt man da an, wo die ehrenwerten Mitglieder der privilegierten Besserwisserkaste ihren Zeigefinger in die Luft recken: Kritisches Weißsein, jene ostentative Demutsgeste im Schaufenster der akademischen Aluhütchenspieler. Der Brauchtumsterrorismus für totdekonstruierte Soziologen, der Pigmentierung für ein politisches Statement und unentschuldbar hält, befasst sich folgerichtig weiterhin mit Erscheinungsformen, zum Beispiel mit sprachlichem Rassismus. Populär geworden ist sein Furor um das N-Wort, der ihm allenfalls als Sprungbrett diente, mit linguistischen Kenntnissen im Gegenwert eines Bausparerabiturs den generell gutwilligen Bürger in den Wahnsinn zu treiben. Ist ein Ausländer, will sagen: Mensch mit Migrationshintergrund, wobei auch nicht klar ist, ob der Hintergrund im Vordergrund steht, weil er sich bereits vor längerer Zeit ereignet hatte, mithin also ein Ein- bis Mehrheimischer, ist jener also in Zentralafrika geboren und sieht aus, wie alle aussehen, die in Zentralafrika geboren wurden, dann ist er für manche der Schwurbelgurken auf keinen Fall farbig, sondern ein Schwarzer; praktisch und gut, die andere Fraktion sieht es ganz genau andersherum. (Was zu beiden Teilen Unsinn ist, denn Weiße sind so wenig weiß wie Schwarze schwarz sind, und farbig sind wir alle, es bliebe nur zu klären, in welcher jeweils.) Höchstens dürfe man den, der ja auf keinen Fall ein Schwarzer ist (und doch Black Power erfunden hat) und auch kein Farbiger, als Person of Colour verschwiemeln – semantisch voll klar, da auch gleich wieder in der sexismusproofen ungeschlechtlichen PC-Form und, yeah, ganz streng sprachpflegerisch auf Englisch. Wir schaffen die bösen Sachen ab, indem wir ganz einfach die Augen zumachen. Ganz fest zu.

Doch die Sache hat einen gewaltigen Haken: sie funktionierte nur, wäre Sprache nicht Beschreibung des Ist-Zustandes, sondern ausschließlich genormte Bezeichnung der Objekte. Der Plan, einen abwertenden Ausdruck für Menschen mit auffälligem Phänotyp gewaltsam aus dem aktiven Wortschatz der Masse auszurotten und damit zugleich die gruppenbezogene Feindschaft zu beenden, ist zum Scheitern verurteilt, bevor er noch zu Ende gedacht werden könnte, was offenbar auch noch keiner der humanitären Karnevalsprinzen in Angriff genommen haben wird. Wer auch immer das N-Wort nicht benutzen will, sich aber sonst nach Belieben rassistisch zu artikulieren wünscht, dem steht eine breite Palette widerlichster Injurien zur Verfügung, die sich wie Maden vermehren und fröhlich die Sache ad absurdum führen, da das Mitgedachte, das sich jeglicher Kontrolle entzieht, auch in nicht einschlägig bekannten Ausdrücken Urständ feiert. Wie anders kann antisemitische Propaganda als erfolgreich erklärt werden, wenn das Wort Jude selbst zur Herabsetzung wird. Den Ausdruck allein verbieten zu wollen ist reine Symptombekämpfung.

Überdies ist Sprache kein in Beton gegossener Bau, der bis zum mählichen Bröckeln die feste Kontur behielte und sich nie bewegte. Sie lebt und schlägt Haken, bisweilen auch Hakenkreuze, und sie verändert sich schneller, als die herrschende Indoktrinationskommission dem Volk in die Zunge zwicken könnte. Zudem hätte pseudomoralistische Sprachlenkung mit der Reaktion der vox populi zu kämpfen, die sich nicht das Maul verbieten lässt und, kommt es einmal so weit, erst recht die Klappe aufreißt. Zudem ist der Laie nie zu überzeugen von der Rationalität einer lenkenden Maßnahme – was ihm nicht in den Kram passt, wird ignoriert.

Die Therapeuten haben sich untereinander noch nicht ausgetobt, sie gebären Postmigranten und Mehrheimische und Afrodeutsche, indem sie jede Differenz leugnen, indem sie sie lautstark überbetonen. Was bleibt, ist eine Rotte Realitätsallergiker, die alles, was qua Geburt Mehrheitsgesellschaft ist, wahnhaft für moralisch defekt hält – eine durch und durch faschistische Gesinnung, in der sich uns die Sittlichkeitsstrolche als die Rassisten zeigen, die sie nun mal sind. Was aber auch zu erwarten war.





Der Maulkorb

2 02 2010

Der Winter hatte Deutschland fest im Griff. Schneewehen fegten übers Glatteis, hier und da fuhren Zeitarbeitsfirmen mit der kompletten Belegschaft Schlitten, manche munkelten sogar etwas von sozialer Kälte. Ursula von der Leyen nagte an ihrem Kugelschreiber und zerbrach sich den Kopf. Wo sollte das alles noch hinführen? Würde es ihr gelingen, eine Klimakatastrophe abzuwenden und das wichtigste Ziel der christlich-liberalen Koalition: ein gutes Wirtschaftsklima zu erreichen? Die Ministerin grübelte lange, da fiel ihr die Lösung ein. Hei, wie war doch Regieren leicht, wenn man sich auf seine Kernkompetenzen verließ!

Gleich anderntags verkündeten die Zeitungen den Erlass aus dem Arbeitsministerium: Hartz IV müsse weg, so schnell wie möglich. Man habe da einen schweren Fehler begangen, schlimmer noch: man habe den Dingen ihren Lauf gelassen, nur zugesehen, nicht eingegriffen, die Entwicklung wider besseres Wissen nicht gestoppt, sondern eher noch verschärft – man habe die Falschen für Fehler und Versagen verantwortlich gemacht, Unschuldige bestraft, schließlich das Ansehen Deutschlands im Ausland so schwer geschädigt, dass man die Folgen für die internationalen Beziehungen noch gar nicht absehen könne. Hartz IV sei nach allem, was gewesen sei, nur als Irrweg zu bezeichnen.

Wer das BMAS-Bulletin gelesen hatte, wusste, es handelte sich um den Namen. Nur darum.

Natürlich war man in der Wilhelmstraße auf Nachfragen gut vorbereitet und freute sich auf die Pressekonferenz. Eine bessere Sprachregelung, so die Ministerin, sei geeignet, das Wirtschaftklima in Deutschland endlich angenehm zu gestalten. Die Frage eines niederländischen Journalisten, wem die Annehmlichkeiten denn gelten sollten, beantwortete von der Leyen mit der Auskunft, sie vertraue auf sich selbst, da sie ja auf sich selbst vertraue.

Erste Irritationen traten auf, als in den ARGEn einige Leistungsempfänger nach stundenlangem Schlangestehen herausgeworfen wurden. Sie hatten den ab sofort verbotenen Begriff ausgesprochen und arbeitsmarktpolitische Wachstumshoffnungen damit nicht ausgehebelt, aber doch verletzt. Auf einer nordrhein-westfälischen Kaffeefahrt gab die Ministerin ihrer Überzeugung Ausdruck, dass sich das Bild der Bevölkerung durch einen neuen Namen zum Besseren wenden könne. Man müsse vor allem die armen Kinder im Auge behalten, die sich ausgegrenzt fühlten, wenn sie den anderen Kita-Insassen erzählten, Papa sei ein Hartz IV.

Kaum eine Woche verging, der Gesetzesentwurf lag dem Kabinett vor und wurde eifrig diskutiert. Kristina Köhler, die noch genug von der Amtsvorgängerin aufzuarbeiten hatte, meldete neue Begehrlichkeiten an. Gerade für gewisse Senioren sei es ratsam, auch die Jugend in einem anderen Licht zu sehen; Rentenkürzungen seien mit den Pflichtbezeichnungen Maid und Bursche besser zu verkraften, die obligate Pluralform Jungens gebe sogar heimelige Wärme. Von der Leyen mahnte einen achtsamen und wachen Umgang miteinander an; der Boykotthetze der jungen Generation könne man derzeit mit rechtsstaatlichen Mitteln begegnen.

Die Junge Union Paderborn fragte an, ob man im Zuge der neuen Kommunikationstransparenz nicht Homosexuelle wieder als Schwuchteln, Schwarzafrikaner als Bimbos und die Ehe mit nicht katholischen Frauen als Rassenschande bezeichnen dürfe. Die christliche Partei lehnte Stellungnahmen vor Jürgen Rüttgers Wahlsieg allerdings ab. Im Gegenzug biss die Bürgerinitiative auf Granit, die per Petition anregte, Korruption statt Parteispende, Schmiergeld für Reiche statt Kopfpauschale und Krieg statt Militäreinsatz zu sagen. Immerhin stellte die Kanzlerin eine gemeinsame Lösung in Aussicht. Mehrere Hersteller erwogen den Rückzug vom deutschen Schokoriegelmarkt, um langwierigen Rechtsstreitigkeiten wegen der ständig wechselnden Markennamen zu entkommen.

Beobachter monierten, zwar sei der Begriff Hartz IV nicht mehr gestattet, es mangele aber an Gegenvorschlägen. Die Ministerin ließ ausrichten, sie wisse, wie Gesetze gemacht würden. Das hatte nichts mit der Frage zu tun, fiel aber im Qualitätsjournalismus nicht weiter auf.

Doch wie nun weiter? Sprachforscher der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main äußerten sich pikiert, Hartz IV stehe überhaupt nicht zur Debatte; die Rechtsgrundlage heiße Viertes Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt, die daraus entstehende Sozialleistung Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung für Arbeitssuchende. Die nach dem rechtskräftig verurteilten Straftäter Peter Hartz benannte Hilfe zum Lebensunterhalt sei hingegen reine Schöpfung des Volkes und ein Maulkorb nichts weiter als Sprachlenkung.

Von der Leyen hatte nicht gleich geschaltet, aber dann begriff sie es doch. So einfach ließ sich das gesunde Volksempfinden nicht durchsetzen. Wieder musste sie in sich gehen und fand einen kleinen Wink, als sie mit der Kinderschar lustig Verstecken spielte: wenn man ganz fest die Augen zumacht, sind alle anderen plötzlich weg. Schnell beschloss sie, einen Kreativwettbewerb im Ministerium auszuschreiben, um ihren Einfall als fremden Geistesblitz verkaufen zu können. Doch die Zweifel blieben. Und würde Roland Koch seinen Namen wirklich dafür hergeben?