Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXXI): Die zerstörerischen Eliten

14 09 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Geschichte, und das wissen die königlichen Statthalter, wird immer von Lumpenproletariern geschrieben, die in ihrer fortwährenden Diktatur seit Anbeginn der Zeitrechnung aufhetzen zum unnatürlichsten aller Zustände, zum Frieden gegen den anderen. Nur kurz gelingt es den Auserwählten, die ganze Gesellschaft einmal knietief in Blutsuppe zu prügeln, und sei es nur durch vorübergehende Verwüstung vermittelst eines Bürgerkrieges, gerne auch auf den Schlachtfeldern der Missgunst, die in billigem Theaterfeuer sich erschöpft und höchstens ein paar Brandblasen am Arsch der Kanaille lässt. Nichts wäre den Mächtigen fremder als eine Welt ohne Fußvolk, denn wer sollte sonst ihre Stiefel putzen, lecken oder ins Gesicht kriegen? Das Heer der Abhängigen zu schützen und zu mehren ist ihre vornehmste Aufgabe. Allerdings auch ihre einzige.

Denn nicht Bäcker, Bänker regieren diesen Sumpf aus Trägheit und Trotz, dessen Manieren nicht reichen, um Fackeln und Mistgabeln in die Hand zu nehmen für Korrekturmaßnahmen an der Kaste der Plünderer. Denn nicht die Leistung ist für die Dicke der Konten verantwortlich, längst nicht mehr, und eigentlich ist dies nie der Fall gewesen, nur haben sich heute auch Pappnasen unterhalb des Leihadels ihr Geburtsrecht erkauft und geben die Regalien an die missratene Brut weiter – die Lizenz zum Fleddern wird wie in alten Zeiten mit dem goldenen Löffel weitergegeben und fräst sich von Dynastie zu Dynastie quer durch die Schicht, die oben auf dem Tümpel schwimmt, der Unrat mit dem verführerischen Glanz für Schmeißfliegen, der sich nicht mit dem Wasser mischt. Die Eliten aus Management und Führung sind keine Aufsteiger, sie sind nur Kinder der alten Eliten, die keiner in ihre Position gewählt hat.

Und sie sind keine globale Elite, die von einem Staat zum anderen zieht, hier einen Konzern in die Grütze kloppt, dort einer Volkswirtschaft die Kerze auspustet, sie bleiben im eigenen Lande und nähren sich unredlich. Noch reiten die Raubritter unter eigenem Wappen durch die eigenen Pissklitschen, um nicht auf fremdem Territorium das Esszimmer renoviert zu bekommen, denn nicht Ganovenehre gilt, wie bei anderen Staubsaugervertretern auch ist es schnöder Gebietsschutz, der geistig vernagelte Schwachmaten in ihrer kuscheligen Pfütze hält. Sie haben selten den Ausbruch gewagt, wohin auch – lieber sezieren und herrschen sie, weil sie die fremden Märkte, an die man mit Heftzwecken und Spucke Länder geschwiemelt hat, Länder und Menschen, nicht begreifen, ihre batteriebetriebene Logik lässt nichts anderes zu, und so schlagen wir uns mit den Problemen ihrer Dummheit herum, die ihren Status erst rechtfertigen.

Denn ihr Status besteht größtenteils aus reiner Ignoranz. Kein Manager großer westlicher Chemie- oder Textilkonzerne, wobei Übergänge von trag- und untragbaren Zuständen hier meist fließend sind, hat die geringste Ahnung davon, wie die Plempe in den Slums irgendeiner ostasiatischen Billigdiktatur von zärtlichen Kinderhänden in Plastecontainer geschöpft wird und das Zählen von Krebstoten in der Sippe zum Volkssport macht. Kein westlicher Großaktionär, der bloß durch Erben an die Kohle gekommen war, hat je gesehen, wie eine Pflegekraft in seiner an die Bilanz angegliederten Klinik sich zielgerichtet zu Grunde arbeitet, weil er bei seinem letzten Infarkt die Chefarztvisite für wichtiger hielt und in einer anderen Bude eingecheckt hat. Es ist nicht so, dass sie nicht wissen könnten, was sie tun. Es interessiert sie nicht, weil es in ihrem Weltbild keine Kategorien gibt, die dieses Denken zuließen. Was im System relevant ist, wird längst nicht mehr im System entschieden, genauer: es wurde nie in diesem System entscheiden, sondern immer nur von seinen Puppenspielern. Wie also Generale sich flugs einen Krieg aus den verkalkten Birnen popeln, erfindet das Blasen und Zusammenbrüche, um die Vakua der schwarzen Kassenlöcher mit realem Geld stopfen zu können, Geld, das man aus dem Proletariat presst, damit es nicht zu viel Kuchen frisst, wenn der Lohn fürs Brot nicht mehr langt. Sie sind systemrelevant, und mit jeder Bestätigung aus dem System, das ihre politischen Marionetten ihnen bereitwillig liefern, geben sie ihren Ernährern zu verstehen, wie irrelevant diese doch sind.

Dass in diesem Selbstbedienungssaftladen kaum Demokratie und Menschenrechte gedeihen, wird keinen wundern. Doch wenigstens funktionieren im postdemokratischen Spießbürgerstaat die Ampeln, die Alarme, die Zäune, die Schlagbäume. Wir sind sicher, und bis wir begreifen, dass sich damit die Eliten vor dem Heer der Tagelöhner schützen, haben sie sich ein weiteres Mal an uns bedient. Die Sicherheit eines Gefängnisses lässt sich einfach definieren, es kommt nur darauf an, ob man gerade im Inneren sitzt oder nicht. Die innere Sicherheit, die sie uns bescheren, haben jedenfalls nicht die Handwerker erfunden, die Fabrikarbeiter, die Kulis. Sie nutzten sie auch nicht, weil sie ihnen nichts nützt. Das reden sie uns ein, und wir glauben es. Warum, das ist die Frage. Sie ist zu stellen.

Advertisements




Hase

13 09 2018

„Muss man ein verkokster Soziopath sein, um Präsident des Verfassungsschutzes zu werden?“ „Nein. Es erleichtert die Sache aber ungemein.“

„Dann hat sich Maaßen also jetzt damit aus der Affäre gezogen, dass er das nicht gesagt hat, was er gesagt hatte?“ „Er hatte ja das gesagt, was er gesagt hat, aber er hat eben nicht das gesagt, was er gesagt hatte.“ „Weil?“ „Weil er ganz exakt das gesagt hat, was er gesagt hatte, also kann das nicht richtig sein, weil er es gesagt hatte. Aber so war das ja falsch, weil er jetzt nämlich gesagt hat, was er vorher schon gesagt hatte, und das war vorher natürlich auch richtig, deshalb jetzt der Widerspruch, dass das, was er jetzt gesagt hat, etwas vollkommen anderes ist, weil es nämlich exakt dasselbe ist wie das, was er gesagt hatte, weil es nämlich jetzt korrekt sein muss, da es ja das Gegenteil von der Wahrheit ist, die er, er hatte es ja auch gesagt, gesagt hatte, weil die falsch war, also bewusst falsch, weil er ja jetzt die Wahrheit sagt, die das Gegenteil dessen ist, was er, als er im Bewusstsein, die Unwahrheit zu…“ „Hat der Mann eigentlich den Arsch offen!?“ „Ja. Selbstverständlich. Ohne jeden Zweifel.“

„Ich meine, er greift eine Medienquelle an, die die Hetzjagd als Hetzjagd bezeichnet.“ „Weil das eine Aussage ist, die jetzt als wahr bezeichnet werden kann, obwohl man vorher dem reinen Vorliegen objektiver Beweismittel glauben musste, ohne der eigenen politischen Propaganda vertrauen zu können. Man muss doch die eigene Ansicht vor eine Zwangsobjektivierung, allein das Wort schon, und man weiß nie, wer die Beweismittel sammelt. Am Ende sind das keine linksversifften Juden mehr, sondern Polizisten, die die von der Siegerjustiz dem deutschen Volk aufoktroyierten Gesetze mehr respektieren als den nationalen Widerstand gegen die Systemparteien.“ „Wenn die Menschenjagd auf eine…“ „Wir hatten uns ja vorher mit ihm nicht darauf geeinigt, dass es sich um eine Menschenjagd handeln würde, deshalb musste er ja auch zugeben, dass es sich um eine Tatsache handelt, ein absolut und überprüfbar korrektes Faktum, das folglich falsch war und durch seine Richtigkeit die falsche Annahme untermauert hat, dass es sich um eine Hetzjagd gehandelt hat, die aber deshalb schon keine Hetzjagd gewesen sein kann, da die absolute Wahrheit immer schon feststand, aber erst durch Maaßen als ihr Gegenteil bewiesen werden kann.“

„Und jetzt wüsste ich dann gerne noch, warum diese Flitzpiepe…“ „Er ist immerhin ein ranghoher politischer Beamter…“ „Warum verhält er sich dann nicht auch so?“ „… und ausschließlich dem Innenminister unterstellt.“ „Ja, das hatten wir schon gemerkt.“ „Also ist es die Frage, ob er korrekt gehandelt haben sollte?“ „Seit wann kann man das denn noch annehmen?“ „Immerhin ist er ja auch ein ranghoher politischer Beamter.“ „Ah, ich vergaß.“ „Das hat natürlich den Vorteil, dass er auch nicht mit irgendwelchen gewählten Politikern in Konflikt geraten kann. Meistens weiß seine Dienststelle sehr genau, warum man die größten Versager nach ganz oben katapultiert.“

„Und er hat definitiv kein Interview gegeben?“ „Der BILD? Nein, das war nur ein Gespräch. Wenn man mit einer Zeitung spricht, dann spricht man ja nicht mit einer Zeitung, also mit einem Redakteur oder Journalisten, sondern man spricht mit einem Journalisten, und das ist ein Gespräch mit dem Ziel einer Veröffentlichung durch Redakteure, eventuell auch Journalisten, weshalb man ja mit Journalisten spricht, damit die Redakteure, die mit den Journalisten, also mit den Journalisten, mit denen man spricht, oder irgendwie so. Aber das ist eben ein Unterschied.“ „Er hat doch damit rechnen müssen, dass eine Zeitung, mit der man spricht, auch darüber schreibt?“ „Sehen Sie, es gibt so viele, die sind der Meinung, BILD sei gar keine Zeitung, die würden sich bloß so nennen, obwohl sie sich eigentlich gar nicht so nennen dürften, aber sie nennen sich eben so, und deshalb sei das keine Zeitung. Deshalb hat er mit der Zeitung ja auch gesprochen.“ „Weshalb hat BILD das dann trotzdem ein Interview?“ „Zeitungen nennen das Interview, wenn einer mit ihnen spricht, also mit Journalisten, die dann mit den…“ „Dann hat BILD das wahrheitsgemäß als Interview bezeichnet?“ „Wie, wahrheitsgemäß? also damit konnte bei BILD nun wirklich keiner rechnen!“

„Und er hat bewusst von Mord gesprochen, obwohl die Staatsanwaltschaft überhaupt keine Anhaltspunkte für einen Mord sieht?“ „Das musste er, weil sonst die Öffentlichkeit den Fall falsch beurteilt hätte. Wenn man nämlich weiß, dass es sich um einen Totschlag hätte handeln können, dann hätte man es auch falsch behandelt, weil man es dann für einen Mord hätte halten können, deshalb hat er gleich von Anfang an davor gewarnt, dass das Tötungsdelikt sonst heruntergespielt werden könnte.“ „Er hat also, alles in allem, gelogen.“ „Ja. Aber das war notwendig, weil so viele mögliche Falschinformationen in Umlauf waren, dass man gar nicht mehr wissen konnte, welche denn die richtigen Falschinformationen sind, und jetzt wissen wir wenigstens: wenn Maaßen bewusst die Öffentlichkeit und den Innenminister und den Bundestag und das Kontrollgremium belügt, dann kann man das wenigstens erwarten.“ „Also wird er jetzt aus dem Amt entfernt?“ „Noch nicht.“ „Was muss denn noch passieren?“ „Schauen Sie, einer muss doch noch den Reichstag anzünden.“





Scharfmacher

12 09 2018

„… ein striktes Verbot von Messern in den Innenstädten fordere. Die sächsische CDU werde dies in ganz Deutschland…“

„… eine Gesetzesvorlage noch in diesem Jahr in den Landtag einbringen wolle. Damit sei es Personen ohne erkennbares Bekenntnis zum Grundgesetz verboten, mit Stichwaffen in die…“

„… juristisch nicht zu beanstanden sei, dass die Rentnerin sich im Haushaltswarengeschäft ein Küchenmesser gekauft habe. Da sie mit der Waffe das Geschäft jedoch auch verlassen habe, sei ihr Ableben durch das SEK vielleicht vorschnell, aber nicht entgegen der für die innere Sicherheit notwendigen…“

„… Migranten beobachtet worden seien, die an Marktständen Plastikbesteck benutzt hätten. Da es keine Rechtsgrundlage gebe, Personen mit undeutschem Aussehen den Verzehr von Wurstwaren und Crêpes zu untersagen, müsse man die gesamte Außengastronomie in Sachsen auf Fingerfood umstellen oder aber gleich alle Geschäfte…“

„… dass bei einer Polizeikontrolle in Dresden mehrere Springmesser sichergestellt worden seien. Die Täter seien unbehelligt mit den Stichwaffen entlassen worden, da es sich bei ihnen um Reichsbürger gehandelt habe, denen man weder einen gefährlichen Migrationshintergrund noch Hinweise auf…“

„… Plastikbesteck an der Kette bereitgehalten werden müsse. Dies verstoße gegen Hygiene- und Umweltstandards, diese müssten aber der inneren Sicherheit geopfert werden, was die sächsische Landesregierung bereitwillig im…“

„… mit Protesten der AfD gerechnet werde. Höcke habe die Menschenrechtseinschränkungen der Merkel-Junta gegenüber den freien Deutschen scharf kritisiert. Es sei das Recht jedes Deutschen, so Höcke, sich nicht an Gesetze zu halten, wenn dies der Verteidigung des Reiches gegen alle Feinde aus den…“

„… das elektrische Messer geeignet sei, lebensbedrohliche Verletzungen zu verursachen. Rechtsgerichtete Kräfte hätten den Kebabstand am Görlitzer Obermarkt aus Notwehr auftreten und den türkischen Besitzer zusammenschlagen müssen, um die Islamisierung der…“

„… sei ein Taschenmesser bei einem deutschen Schüler nicht per se unverdächtig, es dürfe nur nicht in der Innenstadt getragen werden. Wer ein Messer außerhalb der Bannmeile mitführe, etwa in den sozialen Brennpunkten am Stadtrand, sei dagegen vollkommen rechtskonform und brauche keine Konsequenzen zu…“

„… fordere Pro Chemnitz als Schutz vor der Umvolkung, dass jeder arische Bürger deutscher Herkunft eine stehende Klinge von mindestens fünfzehn Zentimetern Länge mitführen könne, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Es sei den durch ständiges Trauern, Alkohol und Psychopharmaka vorbelasteten Volksgenossen nicht zuzumuten, Einwanderer mit Tritten gegen Kopf und Brustkorb zu verjagen, da dies bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schweren…“

„… falsch wiedergegeben worden sei. Der Überfall in Görlitz habe zum Jahrestag an den Tod von Enver Şimşek stattfinden sollen und sei deshalb als nationale Brauchtumspflege strafrechtlich nicht zu verfolgen. Die sächsische Polizei könne bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht das Gegenteil beweisen und wolle daher durch gezielte Kontrollen von Ausländern auf Stichwaffen die bisheriges…“

„… setze sich die AfD für ein Migrationsverbot in allen deutschen Kommunen ein, damit Deutsche endlich wieder mit einem Messer durch die…“

„… mindestens so gefährlich sei wie ein Messer. Die Polizei habe den Elektriker, der mit einem ganzen Satz Schraubendreher in Freiberg festgenommen worden sei, sofort in den…“

„… ein nordafrikanischer Einwanderer eine siebzig Zentimeter lange Machete aus der Hosentasche gezogen haben solle. Der Abgeordnete des Sächsischen Landtags habe dies in einer Tatortskizze auf einer Papierserviette festgehalten, die von Maaßen als authentisch bezeichnet worden sei, da sich am Zellstoff Spuren vom mutmaßlichen Tatort befunden hätten. Seehofer vertraue der Aussage des…“

„… den Messermarsch durch Köthen inhaltlich nicht billige, die Veranstaltung der Identitären mit organisatorischer Unterstützung der AfD im Landtag aber als ordnungsgemäß angemeldete Demonstration nicht verhindern wolle. Kretschmer habe betont, Meinungsfreiheit bedeute im Freistaat auch, seine eigene Meinung, die mit der Verfassung meist nicht viel gemein habe, für eine durchaus radständige und asoziale Schicht der…“

„… selbst mit dem Gesetz in Konflikt komme, da inzwischen auch Kugelschreiber als potenzielle Stichwaffe eingestuft würden. Nur die Indemnität könne den Abgeordneten der Alternative für…“

„… da Rechte meist mit hoch erhobenem Arm demonstrieren würden. Eine Verletzung durch einen Messerstich sei in dieser Körperhaltung nicht zu erwarten, weshalb man das Mitführen von Messern bei der Veranstaltung gerichtlich nicht einfach…“

„… diskutiere die sächsische CDU intensiv über ein Verbot des Grundgesetzes. Das Mitführen der Verfassung in deutschen Innenstädten könne nur noch als Provokation gewertet werden und müsse so schnell wie möglich auch mit strafrechtlichen…“





Schmidt oder Einer muss es ja sein

9 09 2018

für Erich Kästner

Es ging den Leuten endlich gut.
Sie konnten täglich essen,
man war gesund und hatte Mut.
In manchen aber kochte Wut,
sie konnten nicht vergessen.

Nicht alles war wie Sonnenschein,
es gab wohl kleine Mängel.
Sie hieben in die Kerbe rein,
das soll die reine Lehre sein:
wir selbst sind nämlich Engel.

Doch diese einen, die sind schuld,
an allem, was beklagt war.
Schon damals nahm man ihnen Huld
und keiner hatte noch Geduld,
der heute recht betagt war.

Nun war das Volk vollständig gleich,
man kann es schon erkennen.
Sie waren alle blond und bleich,
und ebenmäßig, mild und weich,
man kann den Feind nicht nennen.

Der Frieden war schon in Gefahr.
Es ist kein Übeltäter,
und als man fast am Ende war,
Vernunft war aus und Denken rar –
es wurde immer später.

Da hatten sie’s. Der eine Schmidt,
der war zwar nicht verdächtig,
doch schwang hier schon der Argwohn mit,
und zwischen ihnen war wohl Kitt,
sonst wären sie nicht mächtig.

Es gab so viele Schmidts im Land,
die nur sich selbst gehörten,
doch als bei einem Schuld man fand,
hat man sie alle gleich erkannt,
dass sie das Volk zerstörten.

Man hat sie an die Wand gestellt,
der Name nur genügte
den andern, denen das gefällt,
worauf auch gleich die halbe Welt
die Sache leise rügte.

Jetzt hat die liebe Seele Ruh,
die dieses Unrecht mitreißt,
doch schließlich sieh ein jeder zu,
ein Mensch, ein jeder, ist partout
auch selbst schuld, wenn er Schmidt heißt.





Gruß aus Sachsen

26 08 2018

für Kurt Tucholsky

September bald, die Weihnacht naht.
Da schöpft man aus dem Vollen
und kauft in Dresden in der Tat
den guten Butterstollen.
Man muss sich dieses Feingebäck
ein ganzes Jahr verdienen,
die Butter bleibt im Sommer weg,
desgleichen die Rosinen.
Doch wie er an der Scheibe kaut,
wird unser Sachse furchtbar laut,
er schmeißt den Stollen wieder hin,
darauf ist kein Verlass.
Da ist noch was ganz andres drin,
  das passt
    wie dies auf das.

Man wählt. Das kommt ja schon mal vor
und ist nicht ungewöhnlich,
so auch in Sachsen. Mancher Tor
nimmt das sogar persönlich,
denn hat er einmal eine Wahl,
wählt er von dreien, vieren
ganz anders als beim letzten Mal.
Wohin soll das noch führen?
Man findet in der Urne glatt
zehn Leute, die diesmal anstatt
nur rechts Demokratie im Sinn.
Der gute Mann wird blass.
Da ist noch was ganz andres drin,
  das passt
    wie dies auf das.

Der eine von der Polizei
ist Bürger seines Reiches.
das ist dem andern einerlei,
er finde für sich Gleiches.
Der eine schwenkt den Hut zum Hohn
auf Grundgesetz und Recht.
Der andere beschützt ihn schon,
dann geht’s ihm niemals schlecht.
Das dient den Staat? und gibt ihm Schutz?
der Klumpen, der aus Schund und Schmutz,
ganz fröhlich fett sein Doppelkinn –
für die Verfassung Hass.
Da ist noch was ganz andres drin
  …
    …





Ein Volksfeind

20 08 2018

„… immer auch im Blick haben sollten, dass ihre Entscheidungen dem Rechtsempfinden der Bevölkerung entsprächen. Die Landesregierung dulde keine Ausreden bei der Durchsetzung des…“

„… begrüße es Seehofer sehr, dass die Wahrung der Sicherheit nicht nach komplizierten Regeln, sondern nach klar verständlichen Gesichtspunkten, die jeder anständige Deutsche sofort…“

„… Wasser auf die Mühlen der Extremen sei, wenn die Bürger Gerichtsentscheidungen nicht mehr verstünden. Nicht geklärt worden sei jedoch, ob Reul damit die Union direkt oder indirekt als…“

„… und es als dramatisches Versagen des Rechtsstaates bezeichnen müsse, wenn deutsche Gerichte anhand von Gesetzestexten, nicht aber an Abschiebungen von Personen, die möglicherweise in der Zukunft strafrechtlich…“

„… an die Garagenwand seines Hauses gesprüht worden sei. Das Amtsgericht Bergisch Gladbach betrachte DRECKSAU GEH STERBEN nicht als Beleidigung, sondern als den legitimen Ausdruck des Volkswillens, zumal sich keine direkte Bedrohung für den Innenminister feststellen lasse, der von weiten Teilen seiner eigenen Partei als ausgesprochen…“

„… die Justiz nicht mehr als Teil des deutschen Volkes betrachte, da sich deren Rechtsauffassung zu stark von der gefühlten Meinung des…“

„… sich auch nicht mehr wundern müsse, wenn Demonstrationen einzelne Richter mit Drohungen überzögen. Andere EU-Länder, so Dobrindt, seien nicht untätig, wenn es um eine Säuberung der Justiz von den schädlichen…“

„… er auf Plakaten als korruptes Schwein bezeichnet werde. Reul dürfe darin jedoch nur die Reflexion des Volkes sehen, die Politiker allgemein und solche der Unionsparteien im Besonderen als deutlich überdurchschnittlich…“

„… nicht zugemutet werden könne, dass ein anständiger Deutscher vor der Kritik an einem Gerichtsentscheid erst noch die Urteilsbegründung läse. Dies führe für Scheuer zu einem derart hohen Grad an Abstraktion, die nur gebildeten oder im…“

„… sein Auto in der Tiefgarage des nordrhein-westfälischen Landtages mit Säure übergossen worden sei. Da sich kein Täter feststellen ließe, so das Polizeipräsidium, müsse man auch keinen ermitteln, denn diese offensichtlich aus Abneigung gegen einen verfassungsuntreuen Politiker begangene Tat könne man nur als eine Manifestation des gesamten…“

„… für die Vereinfachung des Strafrechts offen sei. Seehofer wolle damit eine Beschleunigung der Abschiebungen bewirken, da es seiner Ansicht nach Verwaltungsmaßnahmen geben müsse, die ganz ohne Zutun von rechtlichen und…“

„… müsse Reul einen Eierwurf auf einer Wahlkampfveranstaltung als legitime Form der gesellschaftlichen Kritik hinnehmen, da sie nicht geeignet sei, den Rechtsfrieden in der gesamten Bundesrepublik nachhaltig zu…“

„… dass Volk und Gesetz eine Einheit bilden müssten. Nach Ansicht der AfD habe auch die von den Alliierten dem Reich als Zeichen der Schmach verordnete Verfassung nur die Aufgabe, ganz in der Volkheit der Herrenrasse aufzugehen. Höcke sei…“

„… eine unzulässige Verallgemeinerung sei. Da laut Einschätzung des Landgerichts Köln die meisten Bürger gesetzes- und verfassungstreu seien, dürfe man nicht alle als Gefahr für die körperliche Unversehrtheit eines einzelnen Ministers sehen, der damit selbst gegen den Willen der breiten Mehrheit des deutschen…“

„… bedauert habe, dass sich die Richter einer anhaltenden Kritik ausgesetzt sähen. Andererseits habe die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen dem Gericht auch nicht verboten, sich für dieses Urteil zu entschuldigen und anzukündigen, im erneuten Fall eine…“

„… Deutschland noch nicht wie die USA seien, wo deren Präsidentschaftskandidat angekündigt habe, ein Wahlergebnis nur dann nicht als illegal zu bekämpfen, wenn es positiv für ihn ausfalle. Leider, so Dobrindt, sei die Wahl der Richter in der BRD noch immer eine zu unsichere…“

„… grundsätzlich der besonderen Gesetzgebung bedürfe, da die Verfassung viel zu unspezifisch sei. Seehofer habe angekündigt, dass ein generelles Rückführungsgesetz für alle Personen, die dem Volk nicht genehm seien, noch in dieser…“

„… niedergeschlagen worden sei. Der Täter, ein 28-jähriger Rechtsreferendar aus Düsseldorf, sei wieder auf freien Fuß gesetzt worden, da er sich direkt nach seiner Festnahme in vollem Umfang zur FDGO bekannt habe, was eine Schädigung des Rechtsstaates faktisch nicht mehr als…“

„… die Grundsätze des Rechtsstaatsprinzips für Reul selbstverständlich seien. Er wolle sie aber nur da akzeptieren, wo sie nicht nur zum Nachteil für den Rechtsstaat und seine politischen…“

„… es grundsätzlich ein gefährlicher Trend sei, dass Karlsruhe bisher jeder Bundesregierung viele Gesetzesvorhaben verunmöglicht habe. Scheuer und Gauland hätten sich darauf verständigt, nach der Landtagswahl eine Koalition der…“

„… sich mit den Ergebnissen der Ermittlungen sehr zufrieden gezeigt hätten. Die Splitterbombe habe den Innenminister und seine Familie sofort getötet. Die Generalbundesanwaltschaft gehe von staatsrechtlich ehrenwerten Motiven des Täters aus und sehe eine besondere Schwere der Schuld beim Opfer, das sich bewusst außerhalb der deutschen Rechtsgemeinschaft als…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXVII): Die europäische Abschottung

17 08 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die erste Grenze bestand aus einem Haufen unbehauener Steine, die Uga mit den Seinen in die Steppe schleppte. Es sah imposant aus, wenigstens dann, wenn man unmittelbar davor stand. Mit etwas Distanz schwand der Eindruck, denn die Schwäche des Projekts wurde rasch offenbar. Man konnte die Maue mühelos umgehen. Was mit einem kleinen Stück Grasland zwischen einem Tümpel und einer Felswand mühelos funktionierte, nämlich den Beweis zu erbringen, dass die Abschottung nur in den grottoiden Gedanken tiefstbegabter Choleriker sinnvoll ist, lässt sich ebenso einfach auf ganze Kontinente übertragen, vornehmlich auf Europa, den angeblich von Werten zusammengehaltenen Flickenteppich kriegsdurstiger Völker, die vom letzten Durchgang genug Hass in der Schublade haben, um dem Nachbarn eins über die Rübe zu ziehen. Die Zäune hoch, die Reihen fest geschlossen – billiger ist das nicht zu haben.

Man stelle sich vor, eine internationale Behörde, den Resten des weströmischen Reichs entsprungen, hätte während der Völkerwanderung Pässe und Nationalitäten kontrolliert. Wo man heute oft weder an der Kenntnis der jeweiligen Hochsprache noch der dazu gehörigen Kultur den Dänen, Deutschen oder Polen erkennt, war dem Cherusker seinerzeit reißpiepenegal, ob der Chatte oder Chauker in der Grenzregion Dialekt sprach. Er verstand ihn eh nicht. Bis in die Gegenwart fräst sich der Mythos in den Stammhirnen fest, die Vandalen seien mit Sack und Pack in einem langen Feldzug plündernd und brandschatzend über Land gewalzt, die Blaupause für das, was der geneigte Nationalsozialist heute als Umvolkung bezeichnet. Krieg haben alle geführt, alle gegen alle, aber wie den anderen schlossen sich auf Geschäftsreise manche durchziehenden Horden an, kamen ein bisschen später dazu, stiegen etwas früher wieder aus, und dieser bunt verschwiemelte Haufe, der für außenstehende Historiker amorph und also vollkommen einheitlich aussehen musste, erreichte tatsächlich die afrikanische Nordküste. Es fällt leicht, sich auszumalen, dass die heutige Migration die einen oder anderen DNA-Bestände osteuropider Herkunft über das Mittelmeer wieder an seinen Ursprungsort zurückführen, aber das wollen genetikbekiffte Blut-und-Boden-Deppen ja lieber nicht hören. Sie glauben an ein historisches Konstrukt, das war schon immer einfacher.

Was folgt, ist die konsequente Demontage der Souveränität. Die regierenden Heißdüsen in den bisher noch demokratisch angestrichenen Staaten schleifen sich ungezwungen selbst, sägen ihr Recht in handliche Stücke, die sich leichter verklappen lassen als die noch existierenden Verfassungen. Um Grenzen durch Europa zu ziehen, setzen die politischen Konglomerate enorme Geldmengen ein, die ihnen angeblich durch die Aufnahme fremder Menschen verlustig ginge. Um eine europäische Wertegemeinschaft vor dem Einfall minderwertiger Migranten zu schützen, schaffen die herrschenden Schädelvollprothesen jeden Anflug von Werten, die mit den Waffen der Aufklärung gegen Mittelalter und Feudalismus erkämpft worden waren, einfach ab, um sich in der vorsintflutlichen Gesellschaft wiederzufinden, deren infektiöse Wirkung man den Migrierenden in die Schuhe schieben wollte. Sie hängen mit dem Hals im Eisenzaun fest, die Säge in der Hand, und entfernen zur Sicherheit den Kopf.

Der Staat lässt blindlings geschehen, dass sich die Zivilgesellschaft in seine ureigensten Aufgaben einmischt, um beknüppelt und in paramilitärischer Formation durch die Landschaft zu ziehen, echte und ausgedachte Marken zu verteidigen als vom Gesetz nicht vorgesehene Bürgerwehren. Dass auch waffenrechtlich kritische Auftritte gern gesehen werden, hat seinen Grund, drischt die Mischpoke doch in einem eh als rechtsfrei deklarierten Raum sich lustig den Volkswillen aus der Birne. Nur da, wo wirklich Werte betroffen sind, wo Menschen im Meer ertrinken oder auch nach dem verquasten Rest an Asylrecht noch bleiben dürften, schreiten die Realitätsallergiker ein – sie meinen damit das letzte Stück Rechtsstaat wiederherstellen zu können, das ihnen der braune Mob längst unter dem Hintern hat wegziehen können, um sich in Parlamenten und Staat gemütlich einzurichten auf die nächste Runde Gulagsuppe für die ganze Belegschaft.

Der geistig längst wieder im Militarismus der Nationalstaatsepoche angekommene Hominide preist seinen Bunker für die Blümchentapete auf Staatskosten. Mehr bleibt ihm nicht, denn der Rest geht für seine innere Sicherheit drauf. Solange er nicht vor die Tür muss, ist draußen alles Feind, und es scheint ihn nicht mehr zu kümmern, dass die Grenze in zwei Richtungen wirkt. Wer einmal hier ist, seine Freiheit aber massiv eingeschränkt sieht, wird nicht gehen, um wiederzukommen. Er passt sich an, ohne sich zu integrieren, denn ein eigenes Gefängnis findet sich schnell. Der Kriegszug der marodierenden Völker bleibt aus, wie er auch in der Antike an der Schwelle zum frühen Mittelalter ausblieb. Kommende Generationen werden den täglichen Ausnahmezustand als Schmierenkomödie erkennen. Fraglich ist, ob ein ordentlicher Krieg die bisherigen Maßnahmen rechtfertigen könnte. Aber wer wissen will, wie sich Geschichte wiederholt, sollte nicht die Geschichtsschreiber fragen. Sie sind zu dicht dran.