Luftnummer

3 12 2015

„… sei die Bundeswehr gut gerüstet, um die militärischen Auseinandersetzungen in Syrien ganz im Sinne der alliierten Truppen zu…“

„… dass nur ein kleiner Teil der Tornados geeignet sei, um Aufklärungsflüge über der Region zu…“

„… keinesfalls daran liege, dass die Höhenruder aller Kampfflugzeuge defekt seien. Die Steuerung ließe sich sofort mit dem bordeigenen Werkzeug reparieren, ungünstigerweise sei der von der Luftwaffe bereitgestellte Schraubendreher SbT-23o/II-AA (taktisch, verlastbar) bereits nach der Entnahme aus der Verpackung total im… “

„… Wärmebildkameras erprobt hätten, die durch ihre Leistungsfähigkeit überzeugten. Zwar seien auch Straßenlaternen als Waffensysteme erkannt und durch Marschflugkörper…“

„… dabei doch wesentlich robuster als die Bundeswehrhubschrauber sei, da die Flugzeuge erst ab dreißig Sekunden Flug über Seegebiete mit empfindlichen Rostreaktionen…“

„… die Flughöhe entscheidend für die Zielgenauigkeit sei. So müsse man teilweise bei einem Sinkflug um wenige Dutzend Meter mit dem Totalausfall der Ortungssysteme rechnen, was in einer Verwüstung kompletter Überflugrouten resultiere. Von der Leyen werte dies als Tradition, die bereits bei den Einsätzen in Afghanistan und im Irak für viel Sympathie mit den westlichen…“

„… eine starke Geräuschbelastung der Jagdflugzeuge, die zu einem Sicherheitsrisiko werden könne. Des weiteren sei der Tornado auch von außen keine besonders gute…“

„… die Verteidigungsministerin versprochen habe, Krankenhäuser nur in Ausnahmefällen zu…“

„… Schrauben verloren habe, die dann die Kanzeln der nachfolgenden Flieger beschädigt hätten. Die Verteidigungsministerin habe sich bisher nicht entscheiden können, die Aufklärungsmissionen mit französischen und US-amerikanischen Maschinen im hinteren Teil der…“

„… es keine ausreichende Möglichkeit zur fotografischen Beweismittelsicherung gebe. Der Referatsleiter habe den Einbau von Smartphones mit Selfieautomatik empfohlen, um wenigstens eine rudimentäre…“

„… nur über die von der Bundesregierung geleasten israelische Waffensysteme verfügten. Die Flugkörper verfügten jedoch nur über das Zielprogramm Noch nicht tot, was zu Schwierigkeiten in der…“

„… habe das Ministerium davon Abstand genommen, die Flüge unbemannt durchzuführen, da alle Drohnenversuche des Amtsvorgängers bereits in einer technischen Katastrophe…“

„… seien Drohnen in der Lage, über WLAN sehr schnell Informationen zu gesuchten Personen zu liefern. Es ergebe sich daraus jedoch die Schwierigkeit, die Flughöhe der Geräte so anzupassen, dass sie unbemerkt biometrische Porträtfotos der mutmaßlichen Terroristen…“

„… die Türen sich während der Sinkflugphase öffnen sollten. Konstrukteure hätten empfohlen, die Bauteile durch Scharniere aus NVA-Konstruktion zu ersetzen, da diese nur mit Gewalt zu schließen seien, in der Luft jedoch absolut…“

„… die Tornado-Besatzungen jeweils zwei Drohnen mit Klebefilm an den Flügeln der Maschinen befestigen sollten, um sie im Falle eines Undercover-Einsatzes unauffällig im Tiefflug zu…“

„… immer wieder zu Störungen bei der Funkverbindung komme. Bundesinnenminister de Maizière habe die Verantwortung übernommen, da er durch eine Quellenüberwachung verhindern wolle, dass Piloten der Luftwaffe über ein ungesichertes Netzwerk urheberrechtlich geschützte Dateien…“

„… dass in den Probeflügen statt der Echtzeit-Videoüberwachung ein Standbild geliefert worden sei. Die noch auf eine Abmachung von Friedrich und Wendt zurückgehende Speicherung von Google-Landkarten für virtuelle Aufklärungsflüge habe sich zwar als preiswerter, aber nicht als die zuverlässigere…“

„… liefere die Bundeswehr nur das notwendige Bildmaterial für die Ziele der später erfolgenden Flächenbombardements, die von den wirklichen Kriegsparteien…“

„… könne man mit Drohnen wegen der stark erhöhten Abschussgefahr nur in völlig menschenleeren Gebieten operieren, was zwar keinerlei Ergebnisse zeitige, der Opposition aber als Sicherheitsmaßnahme für die Soldatinnen und…“

„… betone Gabriel, die Lieferung von Zielfotos sei so ähnlich wie der Handel mit Kriegswaffen in Spannungsgebiete und an faschistische Staaten. Die SPD setze sich sehr für den Weltfrieden ein, müsse aber anderen Völkern den freien Willen lassen, damit Kriege zu…“

„… habe die türkische Regierung darauf hingewiesen, dass auch NATO-Flugzeuge den syrischen Luftraum nicht verlassen dürften, insbesondere dann nicht, wenn sie über den Handelsrouten der…“

„… könne von der Leyen derzeit nicht mit Sicherheit sagen, ob der für die EU gültige Flugschein auch über den syrischen…“

„… seien die Piloten in den Kampfjets viel besser ausgerüstet, unmittelbare Gefahren am Boden zu erkennen, im Gegensatz zu Drohnen würden sie Abwehrraketen allerdings erst mindestens fünf Kilometer nach einem als Ziel identifizierten…“





Kriechspiele

9 09 2013

„Sehr schön. Runter mit dem Kopf. Ganz runter. Tiefer. Noch tiefer. Noch tiefer. Sehr schön. Und jetzt ganz langsam zur Seite kippen. Hervorragend. Ich bin sehr zufrieden mit Ihnen, Herr Westerwelle.

Wir machen dieses Yoga ja schon länger. Seit vier Jahren. Inzwischen geht’s auch ganz gut. Er hat seine Lektion gelernt und setzt sie konsequent um. Schauen Sie sich mal sein Syrisches Kamel an. Wie aus dem Bilderbuch. Er kann inzwischen aus jeder, ich wiederhole: aus absolut jeder Position umfallen. Wirklich perfekt. Und sehr zuverlässig.

Kinn am Boden lassen. Jetzt den Hintern anheben und dabei das Rückgrat ganz durchbiegen, Herr Westerwelle. Weiter. Weiter. Noch weiter. Ganz durchbiegen. Sehr schön. Die Starke Antwort können Sie, Herr Westerwelle. Hat zwar etwas gedauert, aber das lag ja nicht daran, dass Sie es nicht wollten, oder? Mutti hat’s Ihnen erst jetzt erlaubt. Und noch tiefer runter. Und noch tiefer. Sehr schön. Mutti kann stolz sein auf Sie.

Wir hatten ja so unsere Anfangsschwierigkeiten. Er wollte immer seine eigenen Übungen machen. Den Hysterischen Höckerschwan. Den Berliner Brüllaffen. Richtig, es sah albern aus. Und es führte auch zu nichts. Vernünftiges Yoga verleiht Kraft und hat nachweislich positive Effekte auf die psychische Gesundheit. Wie gesagt, wenn man es auch vernünftig macht. Aber er wollte halt nicht besonders effektiv sein, es sollte nur jeder staunen, dass er sich so toll verrenken kann. Ich weiß auch nicht, woher er das hat.

Man ist ja großem Druck ausgesetzt. Das muss man dann auch irgendwie kompensieren. Manche würden jetzt spezielle Atemübungen ausführen oder Baum-Yoga – aber in dem Kurs waren ein paar Grüne, und das wollte er nicht. So Übungen mit Energieaustausch. Wollte er einfach nicht. Und dann der Kurs für Kleinkinder. Da ist ihm Rösler immer über den Weg gelaufen, den hätte ich auch nicht mitgemacht. Also haben wir uns für eine ganz individuelle Methode entschlossen. Kriech-Yoga. Es kommt seiner natürlichen Körperhaltung sehr entgegen, wir riskieren weniger Verletzungen beim Aufwärmen, und die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Sehr schön. Jetzt die Hände ganz fest an den Leib und langsam weiterbewegen. Immer hier an der Markierung auf dem Boden entlang. Stellen Sie sich vor, dass das die Fünf-Prozent-Hürde ist, Herr Westerwelle. Sehr schön machen Sie das. Sehr schön. Sehr gut. Lieber Aal liegt Ihnen.

Außerdem spart das Kräfte. Beim Power-Yoga, da muss man richtig arbeiten. Haben Sie schon mal einen von der FDP arbeiten sehen? Eben. Dann kann ich meine Bude hier zumachen. Bekenntnis zur Wertegemeinschaft, Souveränität, Grundgesetz für Anfänger, Basteln mit Speckstein, können Sie alles an der Volkshochschule buchen. Wir haben uns halt auf andere Sachen spezialisiert und fahren ganz gut damit.

Da darf man jetzt aber nicht mit Taijiquan verwechseln. Das ist erstens chinesisch und zweitens ist es Kampfkunst. Und mit allen drei Sachen hat das hier nichts zu tun.

Den Herrn de Maizière hatte ich neulich mal. Probehalber. Es blieb aber dabei. Ich hatte das Gefühl, er würde das hier nicht ernst nehmen. Er hatte irgendwas von Kriechspielen gehört, aber da muss er wohl etwas verwechselt haben. Fliehender Falke. Nie gehört.

Gruppenunterricht? Wäre irgendwie schwierig. Nicht wegen des Platzbedarfs, aber stellen Sie sich mal vor, das ganze Kabinett würde bei mir auf der Matte stehen. Alle machen dasselbe, Mutti macht’s nach, und dann sagt sie plötzlich, sie hätte es erfunden. Meuternder Mautesel. Kopfwackeldackel. Das geht doch so nicht.

Und die Knie zusammen. Sehr schön, Herr Westerwelle. Ganz zusammen. Und krümmen. Krümmen, habe ich gesagt. Sehr schön, diese Blindschleiche. Ich könnte mir keine bessere Übung für Sie vorstellen, Herr Westerwelle.

Wir wissen natürlich noch nicht, wofür es überhaupt gut ist. Bisher hat er sich nur gerne in Bodennähe bewegt, weil er sich dann nicht immer auf sein intellektuelles Niveau herabbegeben musste. Aber wenn es jetzt auf die Schnelle etwas Größeres zu tun gibt, Robben im Dreck, Wüste oder Stacheldraht, dann muss man vorbereitet sein. Da sind Fähnchen im Wind und Größenwahnsinniger Gockel nicht so gefragt. Da braucht es Kriechtiere. Zünglein an der Waage. Winselnder Wurm. Man wird dadurch so schön flexibel. Da kann man auch mal Sachen mitturnen, die man nicht begreift. Oder Standhaftigkeit hinter dem Rücken der Amerikaner demonstrieren. Bis einer aus Versehen den Ventilator anschaltet.

Sehr schön, Herr Westerwelle. Fein gemacht. Ich würde sogar sagen, Sie haben sich diesmal selbst übertroffen. Und gut, dass Ihnen das vor der Wahl passiert ist. Jetzt brauchen Sie sich keine Sorgen mehr zu machen, dass Sie hinterher keine Zeit mehr für solche Übungen haben.“





Rote Linie

29 08 2013

„Keine Ahnung, noch ist ja nichts passiert. Aber so schlimm wird’s nicht sein. Rein, Bomben abwerfen, raus. Drei Tage oder so. In etwa wie Afghanistan.

Sie müssen dabei sein! Die USA haben schon viel zu lange keinen neuen Krieg angefangen, und angesichts unserer kleinen Verstimmungen sollten wir auch ein bisschen Mitleid mit den Amis haben. Betrachten Sie es als humanitäre Geste, dass wir die Luftschläge gegen Syrien mittragen. Sonst fängt Obama noch an zu weinen, und das wollen Sie doch sicher nicht, oder? Oder!?

Meinetwegen können das die Rebellen gewesen sein, das ändert nichts daran, dass wir schnell eine militärische Intervention brauchen. Ja sicher, gegen Syrien. Was bitte ist daran denn so kompliziert? Als irgendwelche afghanischen Taliban 9/11 verübt haben, sind die doch auch in den Irak einmarschiert. Was ist daran unlogisch? Hier, das sollten Sie mal in Ihre Überlegung miteinbeziehen: das sind doch Völker, bei denen seit Menschengedenken keine Ruhe ist, die muss man zu ihrem Glück zwingen. Ja, auch wir! Das ist ein Bündnisfall! Die USA greifen an, da sind wir als Bündnispartner doch automatisch beteiligt? Und überhaupt, Gasangriff – die machen was mit Gas, und Deutschland ist nicht dabei? Ich bitte Sie!

Außerdem, das sind doch alles Islamisten. Ja, alles Islamisten, zumindest sind die alle islamisch. Ist doch sowieso alles dasselbe. Richtig, und ob da jetzt der Iran oder der Sudan oder die Türken sich auf den Schlips getreten fühlen – ich weiß selbst, dass Schlipse westlich sind, aber das ist doch jetzt auch egal – die Hauptsache ist doch, wir haben mal klare Kante gezeigt gegen die. Das rettet uns die Wahlen! Stellen Sie sich das mal vor, auf der Wahlkampfveranstaltung in Hellersdorf: ‚Solange diese Kuffnucken zu Hause Krieg spielen, kommen uns von denen keine Asylanten rein!‘ Ich sage Ihnen, da tobt die Masse! Da kann die AfD sich zu den Schlägerdarstellern gleich das Publikum dazukaufen, damit überhaupt einer zusieht, wie sie diesen Magermilchgoebbels von der Rampe schubsen.

Alles Islamisten! Sie, da können Sie Bomben schmeißen, auf wen Sie wollen, da treffen Sie immer den Richtigen! Und das Tolle ist, die sind untereinander so richtig gut vernetzt. Wie diese Islamisten halt so sind, am Ende ist es doch wurst, ob das Sunniten oder Schiiten oder Saudis sind, Hauptsache ist doch, die fühlen sich angegriffen. Und wer sich angegriffen fühlt, der plant auch Terroranschläge. Doch, echte Terroranschläge. So richtig mit Bomben und Fernzündern, in Zügen und Flugzeugen, im Reichstag und im Einkaufszentrum. Was weiß ich, wo. Bin ich Terrorist? Mir ist das doch piepe. Hauptsache, wir können endlich diesen ganzen Datenschutz abschaffen und mein Schwager verkauft mehr Videokameraattrappen. Ich habe ihm nämlich die Hälfte vom Betriebskapital geliehen, und jetzt bin ich Anteilseigner. Also kommen Sie mal in die Gänge, sonst macht diese ganze Krise ja gar keinen Spaß mehr.

Überhaupt, wenn wir jetzt in konstanter Furcht vor islamistischen Terroranschlägen leben müssen, dann machen doch die Waffenlieferungen zu den Saudis auch wieder Sinn. Doch, ehrlich: wenn uns mehr Terroranschläge drohen, muss man durch mehr Waffen die Stabilität fördern – und wenn die Waffen zu mehr Bürgerkrieg führen, dann erhöht sich automatisch die Gefahr von neuen Terroranschlägen. Ist das nicht einsame Spitze?

Machen Sie bloß keinen Rückzieher! Wenn wir jetzt hinter die rote Linie zurückweichen, dann haben wir alles verloren, was wir uns in den letzten Jahren so mühevoll aufgebaut haben. Abgesehen von der Mineralölsteuer, wenn die Konzerne wieder die Benzinpreise anziehen, wir können endlich wieder Bundeswehrstandorte aufbauen. Aufbauen, hören Sie? aufbauen! Nicht schließen, aufbauen! So nah waren wir nie an der finalen Vollbeschäftigung durch explodierenden Binnenkonsum! Ist Ihnen nicht klar, dass dies der allerletzte Strohhalm zum Glück ist?

Um Himmelswillen, stecken Sie jetzt nicht den Kopf in den Sand! Es eröffnen sich uns große Chancen – wir reden hier von Jahrzehnten der Stabilität! Die Amis wollen doch den Assad gar nicht weghaben, ist Ihnen denn das gar nicht aufgefallen? Ach wo, das Regime ist ihnen ganz egal. Und da liegt doch der Hase im Pfeffer begraben: ob da Assad weitermacht oder seine Getreuen, ob da die einen ans Ruder kommen oder die anderen die Macht übernehmen, Demokratie wird es da auf unter gar keinen Umständen geben. Jedenfalls nicht auf absehbare Zeit. Und was heißt das? Richtig, wir können so lange Waffen liefern und vor Terroranschlägen warnen, wie wir lustig sind. Nichts wird sich ändern, abgesehen von den Aktienkursen der deutschen Stahlindustrie. Eben, und wenn es tatsächlich die Rebellen gewesen sein sollten, dann ist es doch sowieso gleichgültig, wen wir da plattmachen.

Außerdem können wir den ganzen NSU-Mist noch eine Weile kochen lassen, irgendwo fliegen mit Sicherheit wieder Brandsätze, und dann müssen wir uns nicht mehr darum sorgen, ob es irgendwo in der Welt Länder gibt, in denen man uns nicht mehr mag. Vor allem, wenn man noch größere Schulden bei uns hat. Also machen Sie endlich mal Nägel mit Köpfen. Noch so eine Pleite wie in Libyen will hier im Aufsichtsrat keiner mehr sehen. Hatte ich mich diesmal klar genug ausgedrückt, Frau Bundeskanzlerin?“