Bitte rechts freundlich

7 06 2018

„Also dann über Mieten. Da schlage ich einen Kardinal vor, im Angebot ist dieser Typ aus Köln, den kriegen Sie im Doppelpack mit Spahn, der redet sowieso über jedes Thema, und wenn ihm die Themen ausgehen, redet er weiter, und dann noch einen von der AfD.

Wollten Sie nichts über Wohnungsnot machen wegen der Zuwanderung? Ach so, Sie machen jetzt problemorientierte Kommunikation. Nicht mal mit einem Ex-Rechten? Frauke Petry? Islamismus-Experte? Meinen Sie denn, dass die Leute dabei einschalten? Sie wollen eine Sendung, die die Zuschauer interessiert? Ja, aber das ist noch nicht gleich die Einschaltquote. Sie können eine gute und vernünftige Diskussion über das Thema Mieten zeigen, aber das wird doch nach fünf Minuten auch langweilig. Da entsteht nichts.

Wir können ja erst mal mit den anderen weitermachen. Für die Montagsschiene haben wir noch Sportler, die sind immer gut bei sozialen Themen, dieser Fußballer da ist Ausländer und kommt aus Berlin, Brennpunkt, wenn Sie wissen, was ich meine, und Sie wollten doch irgendwas über Facharbeitermangel machen? Arbeitsmarkt? Passt doch prima, wir haben Scheuer und diese andere Schauspielerin, wie heißt sie noch, der kann dann den Part über misslungene Integration und schnelle Abschiebung übernehmen. Sie müssen in der Sendung schon herausarbeiten, dass der Mangel an Facharbeitern daran liegt, dass wir ungebremste Zuwanderung und… –

Jetzt verstehen Sie mich aber auch mal. Wir haben so viele große Fernsehtalente, gut, der eine oder andere Rohrkrepierer ist auch dabei, die CSU braucht halt die Kohle, und wir garantieren Ihnen eine einwandfreie Produktion. Die Sendung steht in einem Durchlauf, das kann man im Halbschlaf wegmoderieren, wenn da doch mal der eine oder andere intellektuelle Tiefgang drin sein sollte, das versendet sich, und vor allem mit den Themen machen Sie Quote. Das zählt doch. Zählt nicht? Also für uns zählt das.

Nächsten Mittwoch wollten Sie die Folge über mangelnde Schulbildung machen. Da laden Sie sich einen Imam ein, der das deutsche Schulsystem in den Gebetsteppich einwickeln will, dazu eine Nachwuchsschauspielerin, mittwochs sagt Sahra Wagenknecht auch immer so merkwürdige Sachen, vielleicht können wir Bosbach noch exhumieren, auf jeden Fall eine gute Mischung. Explosiv. Macht mindestens zehn Prozent mehr. Sie müssen dann aber schon noch so einen migrationspolitischen Drall reinkriegen, klar. Sie können da nicht einfach einen vom Finanzausschuss hinsetzen, der sagt: wir haben leider keine Mittel, um die Schulen zu renovieren, das mit den Wasserhähnen ging schon vierzig Jahre lang gut, das muss auch die nächsten siebzig Jahre halten, Sie brauchen da Widerspruch, einen, der das Thema wieder interessant macht. Mit einem Bildungsexperten, der Ihnen erklärt, dass das alles von homöopathischer Handystrahlung kommt, kriegen Sie nichts gerissen.

Ich mache Ihnen mal ein Angebot. Spahn und noch eine Schlagersängerin, dazu einen Bischof, Gauland und… –

Doch, probieren Sie das aus. Machen Sie ein ganz einfaches Thema, ‚Ist Deutschland noch zu retten?‘ oder so, und dann schauen Sie mal zu, in welche Richtung sich das Thema entwickelt. Sie müssen den Zuschauer auch mal da abholen, wo Sie ihn in den letzten zehn Jahren hingebracht haben. Sie haben doch mit Ihrem Programm auch eine inhaltliche Verantwortung. Erst anfixen und dann im Regen stehen lassen, das geht gar nicht. Die sind in der Lage und schalten zu den Privaten um. Und da wartet dann Strunz.

Wollen Sie jetzt, oder wollen Sie nicht? Es ist doch letztlich alles eine Frage des Preises. Und die AfD ist nicht mal billiger als andere, die haben auch Kredite zu bedienen. Manche auch anderes. Jedenfalls liefern wir Ihnen eine Sendung, die Sie bedenkenlos ausstrahlen können. Sie wollen doch an der politischen Meinungsbildung in diesem Land gestaltend teilnehmen, oder? Na sehen Sie, dann ist das doch das beste Mittel dazu.

Dann nehmen Sie eben nicht Spahn, wir haben auch noch Lindner, der ist nicht ganz so billig, kostet aber weniger. Da fällt der Ministerbonus weg, und dann haben wir ihn auch nicht mehr so oft im Einsatz. Dazu Höcke und ein Anschlagsopfer vom Breitscheidplatz, und das Thema können Sie frei wählen. Mir würde spontan etwas einfallen wie ‚Dauerthema Islam – Wie sehr dominiert die linke Mainstreamkultur die schweigende Mehrheit?‘. Oder ‚Messermänner, Ehrenmorde Veggie-Day – Ist Deutschland schon eine salafistische Republik?‘. Das zieht. Davon sprechen die Leute am nächsten Tag. Nicht nur im Rundfunkrat.

Nein, das ist unappetitlich. Da machen wir nicht mit. Ich meine, hier wird Deutschland wirklich gefährdet. Nicht nur in finanzieller Hinsicht, hier geht es auch um ein Stück nationaler Ehre, wenn Sie wissen, was ich meine. Und da werden Sie außer den üblichen Verdächtigen auch keinen finden, der sich äußern will. Das wird für alle Beteiligten unangenehm, und ich wüsste auch nicht, wie wir das Ding nennen sollten. ‚Deutschland am Scheideweg‘ oder ‚Wie lange haben wir uns selbst in die Tasche gelogen?‘ Das muss eine andere Produktionsfirma für Sie übernehmen. Wir machen das nicht. Doping im Fußball – ohne uns!“

Advertisements




Im Fokus

5 02 2018

„… zu unserer heutigen…“ „Sie haben ja wieder den Mainstream eingeladen, aber die schweigende Mehrheit hat auch ein Recht!“ „Und deshalb sind wir für eine Obergrenze, die…“ „Meine Damen, meine Herren, unsere Frage heute: macht uns die Landwirtschaft krank?“

„Zunächst mal muss man sagen, dass diese ganzen Pflanzenschutzmittel gar nicht die Pflanzen schützen, sondern in erster Linie nötig sind, um die Aussaat von genetisch veränderten Arten…“ „Und die haben in Deutschland nichts zu suchen!“ „Da sind aber auch deutsche Firmen daran beteiligt.“ „Deshalb müssen wir den Export stärken, damit wir den Fachkräftemangel abstellen können.“ „Aber auch andere Pestizide sind gefährlich für die Verbraucher, das müssen wir abstellen.“ „Ich möchte die jedenfalls nicht in meiner Nachbarschaft haben.“ „Es zwingt sie auch keiner.“ „Doch, die fallen in Horden ein in Deutschland und machen hier alles kaputt und werden vom Staat bezahlt, damit wir bald kein rein deutsches Erbgut mehr im Land haben.“ „Also wenn man die Wirtschaft fragen würde, oder die Börse, das ist auch ein ganz erheblicher Teil, wo wir als Staat für die Steuern arbeiten, da muss das Geld, und da kommt es doch her.“ „Sie sind ja wieder vollkommen am Thema orientiert.“ „Sie bezeichnen mich und meine Partei als Nationalsozialisten, aber wir fordern einfach nur eine erbgesunde deutsche Tomate, das wird man doch sagen dürfen in Ihrem linken Hetzsender!“

„Deshalb kann uns mehr Europa helfen, nicht weniger Europa.“ „Aber auch da gilt, dass eine Obergrenze sich an der Aufnahmefähigkeit unserer Wirtschaft orientieren muss.“ „Das ist schon von der Verfassung her sehr…“ „Wir brauchen einen atmenden Deckel, notfalls auf dem Grundgesetz.“ „Lassen Sie uns den zweiten Punkt beleuchten, der gerade durch die Regierungsbildung wieder in den Fokus gerückt ist: Massentierhaltung.“ „Das ist mit emotionalen Dingen wie Wissenschaft nicht zu beantworten, hier muss auch die Wirtschaft ein Wort mitreden dürfen, denn die ist schließlich in einem Land, in dem Steuerzahler leben.“ „Ich will das auch nicht in meiner Nachbarschaft.“ „Dann müssen Sie mithelfen, das in Europa zu…“ „Ich will nicht, dass es einem deutschen Huhn schlechter geht als einem arbeitsscheuen Islamfaschisten, der nur nach Europa gekommen ist, um die deutsche Frau zu vergewaltigen!“ „Wir müssen überall da eine Obergrenze anbringen, wo sie zur Erhaltung der deutschen Leitkultur dient.“ „Wo sehen Sie denn in der Geschichte Massentierhaltung als ein schützenswertes Kulturgut?“ „Wir haben einen Leberkäs und eine Weißwurst, und was meinen Sie, wo die Wirtschaft ihr Fleisch einkauft?“

„Mal abgesehen von der Fleischproduktion, wir sind in Deutschland noch nicht so weit in der Bio-Landwirtschaft, wie wir das noch vor Jahrzehnten sein wollten.“ „Ihre Zwangsislamisierung durch Kantinenessen ohne Schwein haben Sie ja schon zur Genüge im Staatspropagandafunk gebracht, die schweigende Mehrheit lässt sich das aber nicht mehr länger gefallen!“ „Wir brauchen hier mehr Europa, das ist Ihnen doch auch klar.“ „Das sind die Kulturbereicherer, die uns mit veganen Rezepten aus dem vorderen Orient beglücken wollen.“ „Das wird von den Deutschen ganz gut angenommen, die Wirtschaft hat jedenfalls…“ „Ich will das aber nicht in meiner Nachbarschaft!“ „Jetzt bleiben Sie mal auf dem Teppich!“ „Als Deutsche können wir uns das nicht leisten, wir holen uns doch jede Menge Antisemiten ins Land.“ „Sie widersprechen mir gar nicht, auch das lässt sich ganz verfassungskonform mit einer Obergrenze regeln.“

„Bleiben wir doch noch mal einen Augenblick in Europa.“ „Eben, wir brauchen viel mehr…“ „Wie sieht’s mit der Umsetzung von EU-Richtlinien aus?“ „Deutschland darf sich keine weiteren Strafen leisten, wir setzen das konsequent um, da es in der Bundesrepublik keine rechtsfreien Räume geben darf.“ „Dann sollten Sie aber auch Verordnungen umsetzen, die auf eine artgerechte Haltung in allen Betrieben bestehen.“ „Wir haben nie bestritten, dass wir eine Obergrenze auch mit viel Augenmaß und Verständnis gegenüber den Betroffenen…“ „Solange ein antisemitischer Asylant einschließlich Familiennachzug mehr Raum zur Verfügung hat auf deutschem Boden als ein von Ökofaschisten zum Nationalsymbol erklärtes Huhn, werden wir diese Regierung jagen!“

„Die Exporte beispielsweise nach Afrika…“ „Wir können uns nicht immer über Obergrenzen unterhalten, jedenfalls nicht außerhalb unserer Wirtschaft.“ „Genau, und mehr Europa heißt nicht automatisch mehr Entwicklungshilfe.“ „Wir haben aber den Markt für Geflügelzucht in Afrika schon komplett zerstört.“ „Mit weniger Europa lässt sich das jedenfalls nicht beheben.“ „Was würden Sie denn tun, wenn man Ihre Volkswirtschaft gezielt an der Wurzel zerstört? Das sind doch die Ursachen für die Flucht übers Mittelmeer!“ „Die Neger sollen gefälligst zu Hause bleiben und ihr Land wieder aufbauen, das haben wir doch nach dem Krieg auch gekonnt!“ „Aber wir führen den Krieg gegen die afrikanischen Volkswirtschaften!“ „Sagen Sie Ihren Nafris, die sollen einmal pro Woche in die vegane Kantine gehen, damit ist jedes Problem gelöst!“ „Als rohstoffarmes Land muss sich Deutschland gegen Wirtschaftspartner wehren, die einseitig nur auf Exporte setzen.“ „Das ist jedenfalls nicht meine Nachbarschaft!“ „Meine Damen und Herren, macht uns die Landwirtschaft krank? Vielen Dank fürs Zuschauen, morgen Abend sehen Sie die…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXXV): Die Talkshow-Demokratie

9 06 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es wird eine Wette zwischen fünf Freunden gewesen sein, die schon zuvor komplett schmerzfrei waren. Sie hockten im Kreis, keiften einander ohne Punkt und Komma an und ersonnen peinlich bis dümmlich wirkende Injurien frühinfantiler Höhe, um sich im Gezänk der Stände wenigstens pro forma Vorteile zu erschleichen. Einer von ihnen tut ab und zu vernünftig, ein zweiter wird später als Rumpelstilzchen mythologisch verklärt. Andere lallen ein Ostinato dümmlicher Fettreste herunter. Zuschauer gibt es, sie hocken hinter einer Wand und klatschen nach jeweils drei Minuten, weil man ihnen Bananen über den Rand schmeißt. Sie nehmen sich der drängenden Fragen ihrer Zeit an: Krieg oder Frieden? und: wen interessiert das? Das Publikum seinerseits begann Steine über die Mauer zu werfen, weil ihnen das unsägliche Geschrei auf die Plomben ging. Der Geist der Tragödie gebar Schlafstörungen, die Demokratie und die Talkshow.

Da eins nicht ohne das andere mehr denkbar ist, hat sich heute der Parlamentarismus mit dem an sich gesitteten Disput aus den Kreis der Gewählten bewegt. Mag die Verlagerung einst unter dem Vorzeichen der Popularisierung geschehen sein, die dem Volk etwas wie Scheinpartizipation zu geben gewillt war, sie hat nichts erreicht, unter dem Gesichtspunkt der politischen Aufklärung noch viel weniger. Denn die windschiefe Projektion einer Zusammenkunft der Klügsten zeigt lediglich Lumpen beim Hadern mit der eigenen Borniertheit. Beide, die Quasselveranstaltung mit abgekartet und abgehangen riechenden Killerphrasen und Scheinargumenten, die von drittklassigem Personal zur besten Sendezeit verbraten wird, um möglichst viel Kohle in private Hosentaschen zu pfropfen, und das Fernsehformat, sind letztlich nicht mehr als kommunikative Hüllen, aus denen sich mit etwas Glück ein rhetorisches Talent über den Bodenstaub erhebt, um das ritualisierte Brimborium mit der Brechstange zu öffnen.

Schon die Auswahl der Themen hegt den Geist der freien Meinung sorgsam in einem rostigen Käfig ein, durch dessen Gitter man das Gehampel der zusammengecasteten Kampfhähne sieht, spontan wie die Kontinentaldrift, überflüssig wie eine Wurzelentzündung. Mit der Beschränkung von Form und Inhalt auf eine nie da gewesene Lautheit macht sich der Klamauk mit dem Untergang der Demokratie gemein, wie er billig geskriptet den Betrieb über die Rampe schiebt. Ein hektisch aus Versatzstücken geschwiemeltes Infotainment in niedermolekularer Bauweise leitet über in die Sphären der Halbwahrheit, die Halbbildung fordert und fördert – Mimesis für den Mistgabelmob, der seinesgleichen sucht und tragischerweise auch findet, wo die Wirklichkeit verendet.

Die kontroverse Debatte wird mit glitschiger Rhetorik an den Parlamenten vorbeigelotst, die ihrerseits nicht viel mehr sind als das Sprechzimmer vor den Ausschüssen: ein falsches Bild von öffentlicher Sachwaltung entsteht, wie man auch den Akten lesenden Kommissar nicht ertrüge, der einen ganzen Krimi lang ballistische Berichte oder Abhandlungen über postmortalen Mageninhalt läse. Mehrfach kippt das Konzept, zuletzt in der dümmlichen Hoffnung, der Pöbel würde die schale Inszenierung willig schlucken, nicht aber den Auftrieb der Sündenböcke, die bunt getanzten Klischees und den lauernden Populismus, wie er sich zum Gesellschaftsbild emporarbeitet, um die Differenzierungen aus der Hirnrinde zu bügeln. Nicht die kompetenten Personen, sondern die wenigen talentierten Polarisierer werden im Ringelpiez durch die Talkshows gereicht, eine Rotte Flüstertüten im Dauereinsatz, sekundiert von Steuerhinterziehern, Koksern, Sprechblasebälgern, Schwerversprechern, Handpuppen und ähnlichen Treuepunktsammlern einschließlich der obligaten Frau in Burka, ohne die keine Polemik über EU-Milchquoten mehr möglich ist. Welche Rolle aber haben die Marionettenspieler, die Schmiere sitzen in diesem Kinderquatsch für Beknackte mit der Aufmerksamkeitsspanne von in Schnaps sozialisierten Goldfischen? Und warum haben sie der Salonfähigkeit für Extremisten nichts mehr entgegenzusetzen?

Sie verfolgen dieselben Ziele. In einer hohlen Form scheppert es lauter, sie haben alle immer wieder dasselbe so nie gesagt, sagen aber, dass man das ja mal sagen müsse, weil man das ja gar nicht sagen dürfe, und das dürfe man ja wohl noch sagen. Eine Riege von Sagengestalten tingelt trotzig mit verbalem Gerümpel im Gepäck von einem Flohmarkt der Eitelkeiten zum anderen, voller Sendungsbewusstsein, immer dicht an der intellektuellen Nahtoderfahrung, manche auch nur dicht, manche nicht ganz dicht, alle etabliert und deshalb erklärte Feinde des Establishment, weil sie genau das schon immer tun wollten, was sie ihnen vorwerfen. Sie machen es für Geld. Was hätten sie sonst auch zu bieten.





Fressefreiheit

7 02 2017

„… den Ex-Schalker zum neuen HSV-Coach machen würden. Der VfL Wolfsburg sei ebenfalls an einer Verpflichtung des…“

„… auch Kinder mit der Schusswaffe von der Grenze der Bundesrepublik fernzuhalten. Trotzdem habe sich die Redaktion entschlossen, von Storch nicht in die…“

„… habe neben ihrer langjährigen Rolle in der Lindenstraße bereits am Berliner Ensemble in Jelineks…“

„… keinen Widerspruch gelten lasse. Meuthen wolle nicht aus Prinzip Tabus brechen, wünsche sich jedoch mehr Öffentlichkeit für seine Idee, den linksverkrusteten Diskurs in der von den Alliierten installierten Staatssimulation auf deutschem…“

„… der Kohlrabiverbrauch in Norddeutschland steige, in der südlichen Landeshälfte jedoch eher stagniere, was nicht nur auf klimatische…“

„… Begriffe wie Nigger wieder zur sprachlichen Normalität würden. Petry habe mehrmals angefragt, ob sich dies auch im Rahmen einer Magazinsendung…“

„… der Hauptstadtflughafen auch in diesem Jahr nach menschlichem Ermessen nicht…“

„… plädiere Höcke dafür, Jude zur justiziablen Beleidigung zu erheben. Gleichzeitig habe er Strafanzeigen angedroht gegen jeden Sender, der ihm nicht sofort eine…“

„… ein weiteres Erdbeben in den Abruzzen nicht als Spätfolge der Regierung Berlusconi verstanden werden dürfe, da diese lediglich die für mehr Erdbebensicherheit investierten Gelder in die eigene…“

„… sei es bereits erwiesen, dass bereits ein auf der anderen Straßenseite gehender Syrer mit Pest und Keuchhusten anstecken könnten. Die Pflicht der Medien zur Volksaufklärung gebiete es, dass von Storch ab sofort jede Woche im ZDF an einem mehrstündigen…“

„… vor allem Weiß und Blautöne, gerne in Schurwolle und Kammgarn trage. Der Mann von Welt verzichte auch im Herbst nicht auf einen…“

„… sei bereits Zensur. Gedeon wolle auf dem Gerichtsweg erzwingen, dass der Deutschlandfunk eine Sondersendung über die Protokolle der…“

„… schon fest geschlossen habe. Die Börse sei noch nicht überzeugt, steige aber aus vollster Überzeugung, was aber einen rapiden Sturz der Verkäufe bei stark nachlassenden Werten nur…“

„… der wahre Grund sei, warum sämtliche Regionalprogramme nur noch Lügen ausstrahlen würden. Es müsse zu jedem kulturellen Thema ein Mitglied der AfD-Spitze eingeladen werden, um deren Wichtigkeit für das Deutschtum in Zeiten der Bedrohung durch Islam, Demokratie und den…“

„… müsse man die Elbphilharmonie doch als überbewertet ansehen. Das in der Raumwirkung der Concerti von Giovanni Gabrieli getrübte Gefühl von venezianischer Weite habe zu einem tiefen…“

„… die arische Herrenrasse durch eine jüdisch-arabische Blutvernichtung schwächen wolle. Höcke werde seine Angriffe auf die ARD erst einstellen, wenn ihm eine Sondersendung nach den…“

„… die Curling-Mannschaft nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen werde. Da die Sportförderung die Beihilfe für das deutsche Team mit der Begründung beschnitten habe, es sei in internationalen Qualifikationen sowieso ohne jede Chance, müsse man nun auf einen letzten…“

„… das Hausrecht durchgesetzt habe. Pretzell sei mit einem Kieferbruch und Schusswunden aus dem Studio der Sportschau…“

„… sich durch Lewandowski die Position an der Tabellenspitze gesichert habe. Vor einem Wechsel wolle der Verein ihm eine Prämie von…“

„… beim S-Bahn-Surfen mit dem Kopf gegen den Signalmast geprallt sei. Da die Ermittler wegen Poggenburgs Ankündigung im Internet von einem Suizid überzeugt seien, wolle man die Meldung nicht in den…“

„… ab 2019 mehr Quizshows im deutschen Fernsehen zeigen wolle. Der Qualitätsunterschied zu den anderen Sendern sei zwar deutlich, man müsse aber auch die Bedürfnisse der schweigenden Zuschauermehrheit in die Programmgestaltung…“

„… sich von Storch mit dem Plakat Seit 866 Tagen Gefangene des Genderwahn-Schweigekartells habe fotografieren lassen. Das Bild sei außer in den Publikationen des Kopp-Verlags sowie in der National-Zeitung nicht…“

„… als neue Trendfarben der Saison vorstelle. Die bisherigen Strickaccessoires seien durch Lack und Seide ersetzt worden, kombiniert mit leicht verspielten Baumwollapplikationen, deren…“

„… die AfD eine zweistellige Millionensumme angeboten habe für den Fall, dass ein bundesweit bekanntes Mitglied eine eigene Interviewsendung bekäme. Eine Integration in Formate wie das Dschungelcamp sei jedoch für die Partei nie…“

„… neue Forschungsergebnisse die Hypothese unterstützten, dass Hitler nur einen…“

„… sich auf den Stufen des Reichstags mit Benzin übergossen und angezündet habe. Für den bekennenden Nationalsozialisten sei jede Hilfe zu spät gekommen, der Notarzt habe nur noch den…“

„… zwar das Drehmoment beim Anziehen der Schrauben an den Türscharnieren prüft habe, nicht aber die Höhe der Abweichungen beim Abgastest. Winterkorn sei mit der Begründung, privat würde er nie VW fahren, in einen komplizierten…“

„… in den Umfragen deutlich werde, seitdem die Sender auf rassistische und wahrheitswidrige Politikerstatements verzichten würden. Auch die CSU habe in den letzten drei Monaten nicht…“





Mein Kampf

3 02 2016

„… und das sind heute Abend meine Gäste.“ „Ich möchte aber nicht neben dem…“ „Jetzt zieht er auch noch eine…“ „Bitte, meine Damen und…“ „Aber das ist eine Reichskriegsflagge!“

„So, wir haben ja eine hochinteressante Runde heute, deshalb gleich meine erste Frage: Deutschland, ja oder nein?“ „Wie oft fährt nicht unser Bürgertum in aller moralischen Entrüstung empor, wenn es aus dem Mund irgendeines jämmerlichen Landstreichers die Äußerung vernimmt, dass es sich ihm gleich bleibe, Deutscher zu sein oder auch nicht, dass er sich überall gleich wohl fühle, soferne er nur sein nötiges Auskommen habe.“ „Das ist so widerlich, dass…“ „Also noch mal ganz klar, es ist für Sie nicht denkbar, dass andere keine Deutschen sein wollen?“ „Dieser Mangel an Nationalstolz wird dann auf das Tiefste beklagt und dem Abscheu vor einer solchen Gesinnung kräftig Ausdruck gegeben.“ „Ich höre mir das nicht mehr…“ „Wie viele haben sich aber schon die Frage vorgelegt, was denn nun eigentlich bei ihnen selber die Ursache ihrer besseren Gesinnung bildet? Wie viele begreifen denn die Anzahl einzelner Erinnerungen an die Größe des Vaterlandes, der Nation, auf allen Gebieten des kulturellen und künstlerischen Lebens, die ihnen als Sammelergebnis eben den berechtigten Stolz vermitteln, Angehörige eines so begnadeten Volkes sein zu dürfen?“

„Also fürs Protokoll, das sind ja alles auch bloß Einzelmeinungen, und…“ „Können wir nicht mal eine sachliche…“ „Eine Debatte, Klammer auf: sachlich, Klammer zu, da muss man auch nach den Werten, die dieses Abendland…“ „Wer sein Volk liebt, beweist es einzig durch die Opfer, die er für dieses zu bringen bereit ist. Nationalgefühl, das nur auf Gewinn ausgeht, gibt es nicht. Nationalismus, der nur Klassen umschließt, gibt es ebenso wenig.“ „Dann ist Ihnen also die Integration von, ich sage es mal so, wie ich es verstehe, diese Menschen, die Sie ja in unserer abendländischen – Ihre Worte, ich will das nur mal zitieren, die Sie…“ „Wie grenzenlos die heutige Menschheit in dieser Richtung sündigt, mag noch ein Beispiel zeigen. Von Zeit zu Zeit wird in illustrierten Blättern dem deutschen Spießer vor Augen geführt, dass da oder dort zum ersten Mal ein Neger Advokat, Lehrer, gar Pastor, ja Heldentenor oder dergleichen geworden ist.“ „Ich finde das zum…“ „Ich frage nach, meine Mutter hat das eventuell noch nicht verstanden: das ist doch auch ein Statement, dass wir bereit sind, uns für neue Fachkräfte zu…“ „Merken Sie eigentlich noch was!?“ „Unerhört!“ „Meine Damen und Herren, liebe Zuschauer – eine hochemotionale Runde!“

„Fragen Sie den doch lieber mal nach seinen Hetzreden auf dem…“ „Das Stichwort ist gefallen, Sie sind mehrfach auch in Dresden in Erscheinung getreten, und seit hat der Protest auch nicht mehr…“ „Das konnten wir schon damals, am ersten Tage unseres öffentlichen Auftretens, erfahren. Wir haben wahrlich nicht um die Gunst der Massen gebuhlt, sondern sind dem Wahnsinn dieses Volkes entgegengetreten, überall.“ „Das meinen Sie doch nicht ernst!“ „Jetzt kommt gleich wieder die Nummer mit der Meinungsfreiheit und dass man angeblich in Deutschland nicht…“ „Also zum Verständnis, wir haben hier auch schon gehört, dass Sie sehr kontrovers…“ „Ich habe damals in kurzer Zeit etwas Wichtiges gelernt, nämlich dem Feinde die Waffe seiner Entgegnung gleich selber aus der Hand zu schlagen. Man merkte bald, dass unsere Gegner, besonders in Gestalt ihrer Diskussionsredner, mit einem ganz bestimmten Repertoire auftraten, in welchem immer wiederkehrende Einwände gegen unsere Behauptungen erhoben wurden, so dass die Gleichartigkeit dieses Vorgangs auf eine zielbewusste einheitliche Schulung hinwies. Und so war es ja auch.“ „Unglaublich!“

„Ihre Ausführungen hatten bis jetzt ja schon viel Rasse, hahaha, da will ich auch mal juristisch fragen. Integration, das heißt im Idealfall auch irgendwann Einbürgerung. Können wir Menschen mit Migrationshintergrund besser in die…“ „Ein einfacher Federwisch, und aus einem mongolischen Wenzel ist plötzlich ein richtiger Deutscher geworden.“ „Widerlich!“ „Ich höre mir das nicht mehr länger mit an! Ich…“ „Aber nicht nur, dass man sich um die Rasse eines solchen neuen Staatsbürgers nicht kümmert, man beachtet nicht einmal seine körperliche Gesundheit. Es mag so ein Kerl syphilitisch zerfressen sein wie er will, für den heutigen Staat ist er dennoch als Bürger hochwillkommen.“ „Das ist ja genug Material für einen Shitstorm, wie man das jetzt auf Neudeutsch nennt, ich würde aber…“ „Merken Sie eigentlich noch irgendwas!?“

„Im Nachgang der Silvester-Ereignisse, da müssen wir aber auch mal kritisch werden. Haben wir die, ich sage mal: Frauenrechte zu lange nicht…“ „Das deutsche Mädchen ist Staatsangehörige und wird mit ihrer Verheiratung erst Bürgerin. Doch kann auch den im Erwerbsleben stehenden weiblichen deutschen Staatsangehörigen das Bürgerrecht verliehen werden.“ „Empörend!“ „Es ist doch schon mal ein Denkansatz, dass sich die Positionen in punkto Frauenrechte gar nicht so sehr unterscheiden.“ „Ich werde mir das nun keinesfalls länger…“ „Das ist ja eine hochinteressante Entwicklung, und da wären wir auch bei einem zentralen Punkt. Reden wir doch mal über Autobahnen.“





Kontra

9 10 2014

„Sie sind ein bisschen spät dran.“ Siebels kaute mit ungewohnt hoher Frequenz an seinem Zahnstocher, aber sonst war er die Ruhe selbst, wie er an seinem Automatenkaffee nuckelte. Malottke griente recht säuerlich aus der Maske herüber; Siepenstihl würdigte wie immer keinen auch nur eines Blickes. Wir waren ja beim Fernsehen, da gewöhnt man sich an alles.

„Ich weiß gar nicht, was ich hier soll.“ „Auffallen natürlich“, antwortete Siebels mit einer leicht gelangweilten Härte, die kaum eine Spur von Ironie zu verbergen suchte. „Sonst hätte ich auch einen von der Straße holen können.“ Es handelte sich tatsächlich um die kulturpolitische Diskussion, und ich hatte schon gehofft; einerseits hatte ich an einer solchen Veranstaltung schon teilgenommen, mein Gesicht war also nachhaltig verbrannt, andererseits war es nicht das politische Programm, das sie Siebels, dem Altmeister der TV-Produktion, niemals in die Finger gäben. So würde ich wohl auftreten müssen, aber warum? „Sie werden einen der Teilnehmer nicht rechtzeitig angerufen haben“, mutmaßte er. „Oder sie haben ihn angerufen, und als das Gespräch auf das Honorar kam, hat er wortlos aufgelegt. Ich kenne doch meine Intellektuellen.“ Und das erwartete er jetzt also von mir, dass ich seine Sendung rettete. Meine Laune stieg merklich. „Ich glaube“, meinte er, „schlimmer wird’s nicht. Sie machen das schon.“

Die Anmoderation war kaum verklungen, als die Diskussionsleiterin auch schon die erste Frage provokativ in Richtung des konservativen Ministers stellte. „Nun“, begann er, „wir müssen uns immer wieder vorhalten lassen, dass wir uns nur an den althergebrachten Positionen messen lassen wollen, aber ich sage: ist das denn so verkehrt? Brauchen wir nicht immer auch eine Selbstvergewisserung in der eigenen Moral? Hat die…“ „Schnickschnack!“ Siebels zuckte zusammen. Das hatte er sich so gedacht, einfach einen Anzugträger in die Sendung einschleusen und warten, bis die Auflaufprämie im Kasten ist. „Der Punkt ist doch, dass Sie und Ihre Koalitionspartner keine Gelegenheit ausgelassen haben, um Ihre Inkompetenz unter Beweis zu stellen.“ Malottke sagte vorerst gar nichts. Er musste noch die Mehrheitsmeinung abwarten, bis er sich auf eine Seite schlug.

Von Siepenstihl war nichts zu hören. Er hatte auf die Anfrage der Moderatorin denn auch nur eine ziemlich dürftige Antwort. „Vom Standpunkt der Familie aus ist es eine Frage der Chancengleichheit, wenn wir für uns eine Steuersenkung…“ „Das muss Sie ja freuen“, höhnte ich. „Zwei Millionen, und dann rechtskräftig verurteilt, und Sie wollen mir etwas über Steuergerechtigkeit erzählen?“ Er wollte gerade aufbrausen, verschluckte sich aber. „Man kann das auch ein bisschen sensibler anfangen“, nörgelte Malottke. Ich hatte nicht gewusst, dass seine Chancen auf ein Landtagsmandat derart im Argen lagen. Die Moderatorin transpirierte. Siebels schien sich zu beruhigen.

„Wir brauchen gerechte Lastenverteilung und die Wachstumsorientierung der Mittelschicht, um die Großkonzerne zu entlasten, aber wir müssen auch Lohnzurückhaltung üben.“ Malottke war in seinem Element. „Denn nur dann hat die Wirtschaft wieder genügend Spielräume, um auch die Löhne zu erhöhen.“ Irgendetwas knirschte da. Zu meiner eigenen Verwunderung stellte ich fest, dass es meine Zähne waren. „Aber die deutsche Familie“, greinte Siepenstihl, „muss ausreichend versorgt werden, sonst…“ „Sonst ist sie nicht mehr deutsch?“ Er starrte mich entgeistert an. „Oder zerlegen sich Ihre Sippenhaftungskräfte sonst in Wohlgefallen und der Niedergang setzt ein? weil der eigentlich nur für nichtdeutsche Familien gedacht war?“ Siebels rieb sich den Bauch.

„Wir hatten nicht immer Gelegenheit für einen Konsens“, brachte sich die Gastgeberin in Erinnerung. „Deshalb nun meine Frage, ob wir…“ „Nein“, antwortete ich schlankerhand, „warum auch. Die finanziellen Spielräume für eine solche Aktion, die ich nebenbei nicht verfassungskonform finde, sind ja nicht endlos dehnbar.“ Das war zu viel. Siepenstihl explodierte. „Das ist eine Missachtung der wirtschaftlichen Anstrengungen der Wirtschaft!“ Einstweilen schwieg Malottke, man hatte ihm den Text geklaut. „Die deutsche Familie“, schrie Siepenstihl, „und das sage ich hier in aller Deutlichkeit!“ „Das wäre doch ein gutes Stichwort für einen…“ „In einer Deutlichkeit, die an Härte Ihren Intellekt wohl weit übersteigt!“ „Und lassen Sie mich noch…“ „Gar nichts werde ich Sie lassen!“ „… verdeutlichen, dass ich einerseits ganz genau so eine…“ „Gar nichts!“ „… und dass ich das, was ich jetzt auch so meine, dennoch kritisieren muss, weil ich auf der anderen Seite für den Mittelstand und die Industrie…“ „Sie sollten, wenn Sie – gehen Sie doch nach drüben!“

„Hübsch“, sagte Siebels tonlos. „Ganz hübsch gemacht.“ Man hatte die zankenden Kontrahenten erst hinter der Kulisse getrennt, Malottke sagte nichts, während sein Widersacher die Garderobe in ihre Einzelteile zu zerlegen drohte. „Ach was.“ So viel hatte ich ja auch nicht zur Unterhaltung beigetragen. „Es ging übrigens um die Frage, ob man in den Kindergärten Fremdsprachenunterricht geben solle.“ Siebels knüllte seinen Pappbecher zusammen. „Wie gesagt, hübsch gemacht. Wenn Sie wollen, übermorgen diskutieren die beiden wieder. Studio D. Bereiten Sie sich bloß vor, dann wird’s bestimmt politisch.“





Hart, aber fair

15 01 2013

„Für einen Altmaier kriegt man aber schon zwei Kubickis.“ „Da kommt ja auch nur Heißluft.“ „Dann schon lieber Gröhe.“ „Da kommt ja nicht mal Heißluft.“ „Leute, so kriegen wir das doch nie fertig!“ „Und welcher Sender kauft uns das ab?“ „Ist doch Banane. Hauptsache, wir haben die Leute hier am Haken.“

„Die Redaktion will Konzepte sehen.“ „Hatte ich mir gedacht.“ „Weil sie selbst keine mehr haben?“ „Man könnte doch mal…“ „Au nee!“ „Bloß nicht!“ „Hören Sie auf, das kauft keiner!“ „Aber Sie wissen doch noch gar nicht, was ich vorschlagen wollte.“ „Sie wollten was vorschlagen, das reicht.“ „Das will keiner.“ „Die wollen Personal mit möglichst viel Musik drin.“ „Musik?“ „Naja, die sollen sich nicht gleich an die Kehle gehen, aber für eine Runde Beleidigungen muss es schon reichen.“ „Und das kaufen die einfach so?“ „Was sonst? Aus mehr besteht doch eine Talkshow nicht.“

„Haben wir jemanden für…“ „Erstmal nicht, haben wir ein Thema für Bosbach?“ „Wieso werden die Themen jetzt schon für die Gäste ausgesucht?“ „Raten Sie mal.“ „Dann schlagen die Ihnen die Themen vor und werden dann eingeladen, wenn es passt?“ „Sie haben das offensichtlich noch nicht so ganz kapiert.“ „Die geben Ihnen die Themen vor und sagen, wenn Sie Zeit haben?“ „Waren Sie schon mal beim Fernsehen?“ „Ich bin vom Bundesrechnungshof, ich…“ „Ach Gottchen, das ist ja putzig!“ „Sagt ihm bloß nicht, was hier ein Intendant verdient.“ „Wir sagen ihm, was die anderen Arbeitskräfte bekommen, dann ist er wieder zufrieden.“ „Was schlagen Sie denn den Gästen jetzt vor?“ „Nichts.“ „Nichts?“ „Nichts. Wir sagen ihnen, was sie hier zu tun haben.“ „Und das lassen die einfach so mit sich machen?“ „Mann, was haben Sie denn gedacht?“ „Aber das sind doch Politiker?“ „Und? Was hatten Sie gedacht, wie Lobbyismus funktioniert?“ „Klingt hart.“ „Aber fair.“

„Bundespolitik für übernächsten Monat?“ „Rente.“ „Hier steht was mit Arbeitsmarkt und Energiewende.“ „Brüderle.“ „Okay, der kann alles nicht.“ „Und weshalb laden Sie ihn dann ein?“ „Weil wir die Roth schon drin haben.“ „Hat die nicht mit Lafontaine getauscht?“ „Nur einmal, aber dafür muss die Wagenknecht zu Lanz.“

„Wir brauchen eine Betroffenheitssendung.“ „Was bitte ist eine Betroffenheitssendung?“ „Ist die Käßmann schon wieder auf dem Markt?“ „Und dann noch irgendeinen Schlauschwätzer.“ „Der Yogeshwar macht doch diesen ganzen Müll.“ „Was ist eine Betroffenheitssendung?“ „Oder Heiner Geißler.“ „Meine Güte noch mal, was ist eine Betroffenheitssendung!?“ „Ja, nach irgendeiner Katastrophe halt.“ „Der Geißler guckt aber so schön philosophisch.“ „Der ist einfach nur alt.“ „Aber philosophisch.“ „„Was ist betroffen an dieser Betroffenheitssendung, kann mir das mal bitte einer erklären?“ „Ja, Katastrophen halt. Erdbeben, Zug entgleist, so Sachen halt.“ „Oder Amoklauf.“ „Nee, Amok macht der Innenminister.“ „Dann kommt aber Geißler nicht.“ „Eben, deshalb machen wir bei Amok auch keine Betroffenheitssendung.“ „Und die Leute heulen da öffentlich herum?“ „Sie suchen irgendeine Erklärung.“ „Oder rechtfertigen sich.“ „Aber für ein Erdbeben gibt es doch keine Rechtfertigung.“ „Deshalb sitzen da auch so Leute wie die Käßmann.“

„Dieser Programmpuffer…“ „Die Neubauer macht ja auch alles mit.“ „Kann man die Ferres nicht auch wieder mal einplanen?“ „Nur im Abstand von zwei Wochen zu der Ex von Wulff.“ „Das pufft ja auch schon ganz gut.“ „Soll aber puffern.“ „Also dieses ‚Hilfe, mein Hamster bohnert‘, oder was?“ „So ähnlich.“ „Zwei Politiker, zwei aus der Wirtschaft, ein Künstler, und ein Typ, von dem keiner weiß, wer den immer einlädt.“ „Das wäre das Ding von der Wulff?“ „Oder eben von der Ferres.“ „Können wir Nahles und Söder?“ „Hm, lieber Dobrindt und Leutheusser-Schnarrenberger.“ „Ich wäre ja für Gottschalk.“ „Als Künstler?“ „Nee, hat jetzt ja eher mit Wirtschaft zu tun.“ „Plus Ilse Aigner.“ „Nicht ausgewogen“ „Ist die auch aus den USA?“ „Aus Bayern sind die doch.“ „Stimmt, die reden ja auch beide so einen Schmarrn.“ „Oder Seehofer.“ „Weil der auch aus Bayern kommt?“ „Weil der auch einen Schmarrn redet.“ „Und dazu die Katzenberger.“ „Das gibt ein Niveaugefälle!“ „Dann erklären wir Seehofer am Anfang alles ganz langsam.“ „Westerwelle und Bushido?“ „Igitt!“ „Nee, dieses asoziale Schwein will doch keiner mehr sehen.“ „Aber…“ „Nix, diesen widerlichen Populismus kann er sich sonst wo reinstecken.“ „Bescheuerte Idee, so ein Profilneurotiker.“ „Äh, Bushido und Gabriel?“ „Na also, geht doch!“

„Und das Terrorspecial?“ „Können wir das noch näher an die Wahl heranrücken?“ „Bloß nicht!“ „Wieso denn nicht?“ „Mensch, sind Sie denn des Wahnsinns?“ „Man muss doch die Zuschauer warnen, wenn es eine…“ „Eben nicht!“ „Aber warum heißt das Ding dann Terrorspecial?“ „Rahmenvertrag.“ „Rahmenvertrag?“ „Die Gäste unterschreiben einen Rahmenvertrag, dass sie einmal im Jahr eine Sendung abdrehen müssen, in der sie nichts als die Wahrheit sagen.“ „Wie, die Wahrheit? Und das wird dann gesendet?“ „Eben nicht. Sonst hätte man ja nichts gegen sie in die Hand. Und wo bekäme man sonst Talkgäste her?“