Böses Blut

21 11 2017

„Das haben Sie jetzt richtig verstanden, der Verfassungsschutz hat sich aktiv um die Abwehr terroristischer Gefahren in Deutschland gekümmert. Wobei wir zur Bekämpfung derselben ja auch erstmal eine Gefahr haben müssen.

Der Kollege Amri war da sehr zugänglich, ja. Es ist im Grunde immer dasselbe, man macht diese jungen Leute, die nur einen Sinn in ihrem komplett entwurzelten Dasein sehen wollen, auch einen Sinn geben. Für die einen ist das Geld, bei den anderen arbeiten wir noch daran.

Islamismus, ja… die wenigsten sind wirklich religiös, und die, die wirkich religiös sind, haben mit Fanatismus nichts am Hut. Das ist unsere Herausforderung, da müssen wir einhaken. Wenn die Politik Islam und Islamismus auseinanderhalten will, wo soll das hinführen? Der Staat hat schon so seine Aufgaben, aber sehen Sie mal, wir als Staat im Staat, wir müssen auch sehen, wo wir bleiben.

Der Einstieg ist bei denen ja inzwischen recht einfach. Man spendiert denen den Lkw-Führerschein, und schon hat man den Fuß in der Tür. Alles nicht so kompliziert. Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass wir die Gelder richtig verteilen, damit wir mittelfristig effizient arbeiten. Das hat nichts mit der Finanzierung zu tun, die ist ja im Wesentlichen schon gesichert. Aber sehen Sie mal, Terrorismus ist natürlich auch ein Markt, da gibt es Trends und Entwicklungen, da muss man auch im internationalen Vergleich mitziehen. Wenn die in London jetzt plötzlich komplett auf Lieferwagen umschwenken und wir immer noch Sattelschlepper finanzieren, dann müssen wir uns von der Buchhaltung auch anschnauzen lassen, ob wir unser Geld selber drucken würden. Das schafft böses Blut. Und das will ja am Ende keiner.

Wir suchen uns beispielweise nur die raus, die keinen Pass haben. Wenn wir nämlich die gut integrierten Deutschen nehmen würden, die eh unter dem Raster der anlasslosen Überwachung durchgerutscht wären, was meinen Sie, würde dann passieren? dass dann plötzlich und unerwartet die anlasslose Überwachung abgestellt wird, an Ende noch aus verfassungsrechtlichen Bedenken? Das machen die in Großbritannien falsch, die in Belgien und Frankreich auch. Gut, die haben auch eine andere Kolonialgeschichte, aber das kann man uns nicht auch noch zum Vorwurf machen. Wir gehen mit den Ausländern auch ordentlich um. Naja, manchmal.

Angestachelt… na, wissen Sie: wenn man dem Mann gesagt hätte, er kann innerhalb kurzer Zeit mit geringem Investment zwanzig Prozent Rendite machen, wäre das angestachelt? Terrorismus, das schon. Gemeinschaftsschädlich. Aber angestachelt? Wir haben ihm das übliche Zeugs erzählt von den Jungfrauen, dass der böse Westen den Islam vernichtet und dass der Islamismus daher unbedingt vorher den Westen vernichten muss. Sie sehen, wir können da sehr gut unterscheiden. Wenn die Jungs aus der arabischen Welt das nicht können, ist das ein Problem, aber nicht mehr unseres. Wir haben unseren Job ja getan.

Das mit der Verantwortung möchte ich nicht mehr hören, fragen Sie doch mal die Polizei, ob die sich bei Großdemonstrationen an rechtsstaatliche Spielregeln hält. S 21, G 20, wo auch immer. Oder wenn in Sachsen die Nazis marschieren. Ist doch auch egal. Wir machen hier nur unseren Job, so wie er vorher beschrieben war, und dann ist auch mal gut. Wer kann das denn heute schon noch von sich behaupten? Die Kohleindustrie? Die FDP? Ja, da haben Sie recht. Den Unterschied kapiert keiner mehr.

Die Unterschiede sind nicht mehr zu unterscheiden. Wer Freund und wer Feind ist, kann keiner mehr sagen. Genau da setzen wir an: den Freund so lange verwirren, bis er nicht mehr weiß, ob er nicht doch Feind sein könnte, und dann ihn daran erinnern, dass er doch immer ein so guter Freund war. Wir sind dann ganz auf Augenhöhe mit unseren Freunden, vor allem religiös, oder wie auch immer Sie das bezeichnen wollen. Manche werden dann schon ein bisschen unangenehm aufdringlich, aber die meisten haben schon kapiert, dass sie einen ganz normalen Job machen. Manchen muss man das aber auch immer wieder mal in Erinnerung rufen, sonst werden sie am Ende übermotiviert. Sie kennen das vom Fußballplatz, obwohl: Moral schießt auch keine Tore.

Sie sind da einem sehr gefährlichen Irrtum aufgesessen, aber Sie konnten auch nichts dafür, weil Sie die Verschwörung nicht kennen. Wir werden nicht finanziert, um die Rechten zu füttern, die gegen die bösen Islamisten kämpfen. Wir werden finanziert, aber von den Rechten. Die sind leider immer noch ein bisschen knapp bei Kasse, leider deswegen, weil die Zahlungsmoral ja meist gut ist, also die Zahlungen, aber die Moral ist hier nicht so wichtig, und mehr muss man auch nicht wissen. Solange die Börse noch fest schließt, können Sie in Deutschland bekanntlich machen, was Sie wollen.

Kommen Sie, machen Sie sich keinen Kopf. Das wird schon wieder, und es kann ja nicht immer dieselben treffen. Glühwein gefällig? Gegenüber öffnet gerade der Weihnachtsmarkt.“

Advertisements




Loch an Loch

16 08 2017

„Der ist aber arbeitslos.“ „Woher wissen Sie das?“ „Der ist den ganzen Tag zu Hause.“ „Und?“ „Er ist noch nicht im Rentenalter.“ „Und?“ „Kirchensteuer zahlt er auch keine, könnte also ein Muslim sein.“ „Könnte?“ „Solange wir noch nicht das Gegenteil beweisen müssen, kommt er in die Terrordatei. Ich habe keinen Bock, mir noch ein Weihnachtsgeld durch Nachsicht mit Bombenlegern zu versauen.“

„Der Mann ist Klavierlehrer.“ „Mag sein, ich habe nie behauptet, dass es keine muslimischen Klavierlehrer gibt.“ „Aber Sie werden doch nicht behaupten wollen, dass seine Berufstätigkeit in ursächlichem Zusammenhang…“ „Wer sich so oft zu Hause aufhält, ist zunächst mal verdächtig.“ „Was macht Ihre Frau eigentlich?“ „Die arbeitet im Home Office. Aber das Haus gehört schließlich mir, da stellen Sie besser keine dummen Fragen mehr.“ „Nicht?“ „Nein. Ist nur in Ihrem Interesse.“

„Die Nachbarn haben Sie eventuell auch schon durchleuchtet?“ „Das ging schnell, der eine hieß Meuthen und die andere Zschäpe.“ „Bitte!?“ „Gute deutsche Familiennamen, da müssen Sie sich nicht aufregen. Sie sollten das langsam mal begreifen, ich bin schon zehn Jahre hier. Ich erkenne einen Verfassungsfeind, wenn ich ihn sehe.“ „Ich mache das schon seit dreißig Jahren.“ „Und, hat es schon genützt? Na also.“

„Haben Sie sich je interessiert, wie das Umfeld einer Person reagiert?“ „Worauf denn?“ „Egal, haben Sie sich je damit befasst, wie die Menschen in Ihrem Fokus miteinander interagieren?“ „Wozu denn? Wenn wir Täter haben, wussten wir immer schon, dass wir es mit muslimischen…“ „Und was waren die deutschen Rechtsextremisten?“ „Wir können doch nicht alle…“ „Was war Freital?“ „… sächsischen Patrioten, die kurzfristig ein bisschen zu viel Vaterlandsliebe an den Tag gelegt haben, über einen Kamm scheren. Da blieb uns gar nichts anderes übrig, als sie fair und rechtsstaatlich zu behandeln, und zwar als bedauerliche Einzelfälle.“ „Warum macht man das nicht mit Muslimen, die aus vollkommen unterschiedlichen Gesellschaften kommen?“ „Das wäre rechtsstaatlich unkorrekt, die haben alle dieselbe islamistische Ideologie.“

„Und mit den fadenscheinigen…“ „Kleines Wortspiel, haha – nee, ich lasse mir unsere Netzfahndung nicht madig machen, nicht von Ihnen!“ „… Motiven wollen Sie immer noch behaupten, dass die miserablen Datenanalysen der Geheimdienste, der Polizei oder der Behörden, die es offiziell gar nicht gibt, weil sie mit beiden in schöner Eintracht zusammenarbeiten, dass diese Knalltüten irgendeinen Erfolg vorzuweisen hätten in der Terrorbekämpfung?“ „Wir sammeln Daten, das ist unser Job.“ „Und dann?“ „Wie, und dann? Wir sammeln Daten, was ist daran so schwer zu verstehen?“

„Und gelegentlich haben Sie auch mit Spionage zu tun.“ „Ich weiß nicht…“ „Doch.“ „… wovon Sie sprechen.“ „Industriespionage. Der Geheimdienst müsste erst noch geschaffen werden, der nicht beidseitig befahrbar wäre.“ „Pofalla ist bei der Bahn, Dobrindt kriegt seine Hämorrhoidenheizung von BMW, wo ist da das Problem?“ „Sie sind noch im Amt.“ „Wir tun ja alles dafür, frühzeitig Stellen freizumachen, aber das ist nicht immer so einfach.“ „Und dennoch werden alle diese Dienste von externen Stellen gewartet.“ „Unsere Behörde zahlt eben nicht so gut. Wenn Sie überhaupt jemanden kriegen, dann ist er halt unqualifiziert.“ „Woran liegt das?“ „Fachkräftemangel.“ „Also in der Führungsetage des Innenministeriums?“

„Jedenfalls werden wir jetzt nach und nach die Kompetenzen der Geheimdienste erweitern.“ „Wäre es nicht besser, deren Kompetenz zu stärken?“ „Was?“ „Was?“

„Wir werden jetzt sehr dünnfädig…“ „Loch an Loch?“ „… die bestehenden Strukturen analysieren. Wenn wir damit fertig sind, können wir und an die Aufarbeitung machen, der dann die Auswertung folgt, nach der wir dann…“ „Immer vorausgesetzt, dass die Regierung Sie dann noch lässt.“ „Da müssen Sie keine Sorge haben, wir betrachten uns als Staat im Staat.“ „Hatten Sie das bisher nicht immer bestritten?“ „Ja, aber.“ „Wie?“ „Wir sind uns relativ sicher, dass die Demokratie in Gefahr ist, aber wir wissen auch als erstes, wer dafür verantwortlich zu machen ist.“ „Und woher?“ „Wir sitzen an der Quelle. Irgendwo muss das technische Wissen halt herkommen.“ „Das heißt letztlich, dass ein Regime…“ „Das ist ein Hirngespinst, wir haben schließlich noch keine Anzeichen dafür entdeckt.“ „… die Mittel nutzen kann, die Sie da gerade aufbauen.“ „Wie gesagt, alles Einzelfälle. Darüber kann man nicht sprechen, und wir müssen darüber sowieso schweigen.“ „Sie interessieren sich also lieber für Klavierlehrer?“ „Man muss für jede sich abzeichnende Katastrophe gerüstet sein, sogar in der Theorie.“ „Auch dann, wenn alle Anzeichen dagegen sprechen?“ „Ich erkenne einen Verfassungsfeind, wenn ich ihn sehe.“ „Ich auch, Kollege. Ich auch.“





Mit Schuss

23 08 2016

„… komplett einzäunen wolle. Die Stadt München sehe derzeit keine andere Möglichkeit mehr, als das Oktoberfest mit rigorosen Maßnahmen zum…“

„… Sicherheitskonzepte entwickelt worden seien. So habe man bereits die auf zahlreichen Weihnachtsmärkten erprobten Maßnahmen im…“

„… es viel wichtiger sei, Taschen und Rucksäcke zu verbieten, in denen potenzielle Attentäter mehr als drei Liter Milch auf die…“

„… zusätzliches Personal eingestellt werden müsse. IM Herrmann habe vorgeschlagen, die Ressourcen durch sächsische Bürgerwehren und…“

„… setze die Stadt vor allem auf Abschreckung. Die Christsozialen seien dennoch nicht bereit, zu diesem Zweck Markus Söder täglich mehrere Stunden lang vor dem…“

„… problematisch sei, Ausländer grundsätzlich nicht auf die Theresienwiese zu lassen, da sich wie jedes Jahr viele japanische Reisegruppen…“

„… bei einem Ortstermin Probanden verhaftet hätten, die Milch in einer Handtasche mit sich zu führen versuchten, allerdings Bierdosen und Schnapsflaschen nicht als gefährliche…“

„… wolle Seehofer zur Vorsicht ein absolutes Burka-Verbot durchsetzen. Es bestehe die Gefahr, dass sich unter der islamischen Vollverschleierung auch männliche Personen auf die…“

„… die Kontrollmaßnahmen auf dem Gelände nicht mit auswärtigen Kräften besetzen wolle, da schon leicht angetrunkene Bayern sich nicht klar verständlich…“

„… sei das Verbot von Rucksäcken keinesfalls einer abstrakten Terrorgefahr geschuldet. Die Stadt wolle lediglich verhindern, dass Touristen heimlich selbst gebratene Mastochsen oder ganze…“

„… nicht ausreichten. Die von der AfD Bayern vorgeschlagene Verstärkung der Personaldecke aus der Türsteherszene sei kaum möglich, da nicht alle gleichzeitig als Freigänger auf der…“

„… in diesem Herbst temperaturbedingt auch Punsch angeboten werde. Es gebe allerdings starke Sicherheitsbedenken, dass das Schild Mit Schuss manche Besucher zu panikartigen…“

„… auf Software zur Gesichtserkennung zurückgreifen wolle. Das Landeskriminalamt habe geraten, für die Dauer des Festes ein Verbot von Schlägereien zu erlassen, um verdächtige Personen auch nach einem…“
„… dazu die Einlasskontrolle für Wirte stärker praktizieren wolle. IM Herrmann könne nicht ausschließen, dass Waffen etwa in Spanferkeln oder Bierfässern ausländischer…“

„… die Mitarbeiter jeden Festbesucher melden sollten, der keinen Alkohol konsumiere. Nur so könne man islamistische Attentäter bereits im…“

„… vorab keine Personenkontrolle durchführen könne, so dass sämtliche Sicherheitsüberprüfungen vor Ort erledigt werden müssten. Nach vorläufigen Berechnungen des Landeskriminalamts könne die Wartezeit dabei mehrere Tage bis höchstens eine…“

„… den Schmuggel mit Waffen und Munition eindämmen werde, indem ab sofort kein Döner mehr auf dem…“

„… schon bei einem kleineren Unfall auftreten könne. Die Einsatzleitung rechne aber mit einer geringeren Anzahl als auf der Loveparade, so dass die Zäune in ihrer bisherigen Planung weiterhin…“

„… wolle nun vermehrt auch auf internationale Sicherheitslösungen zurückgreifen. Der Freistaat habe in den vergangenen Jahren durch intensive Wirtschaftskontakte zu Nordkorea ein breites…“

„… kurzfristig geplante Attentate verhindern müsse. So solle der bayerische Verfassungsschutz die Internetcafés im Großraum München dahin gehend überwachen, dass das Darknet nicht mehr im bisherigen Leistungsumfang für die…“

„… Alkoholtests beim Betreten der Festzelte durchführen wolle. Die Wiesnwirte hätten dies in einer gemeinsamen Erklärung als ausgemachten…“

„… zahlreiche Drohnen getestet habe. Die Versuche seien vollständig am Boden durchgeführt worden, der nordkoreanische Hersteller habe dem Landesinnenministerium jedoch versichert, so schnell wie möglich flugtaugliche Geräte nach…“

„… zwar korrekt, dass auch mit kleinen am Körper getragenen Sprengstoffmengen bereits eine Detonation von gefährlichem Ausmaß verursacht werden könne, der Einsatz von Nacktscannern sei jedoch aus logistischen Gründen viel zu…“

„… sich das Attentat im Jahr 1980 unmittelbar vor dem Hauptgang ereignet habe. Das LKA sehe die Kompletteinzäunung daher als sinnvolles Element zum Schutz der Besucher hinter dem…“

„… setze die Landesregierung auf größtmögliche Transparenz im Vorfeld. Nur so könne man den Gefährdern vermitteln, dass ihre Anschlagspläne nicht…“

„… müsse man vor allem weiblichen Personen erhöhte Aufmerksamkeit schenken, da diese oft in kleinsten Handtaschen derartige Mengen an Material mitführten, dass jede Sicherheitskontrolle von vornherein…“

„… entschieden widerspreche. IM Herrmann halte die Gefährdung durch Frauen, die ohne Verschleierung auf die Wiesn gingen, für so gut wie gar nicht im Bereich des…“

„… dass ein Anschlag in der Warteschlange verheerende Folgen haben könne. Seehofer fordere eine sofortige Zaunschließung und habe angeregt, Zutritt nur noch mit amtlicher Genehmigung des…“

„… eine kalkulierte Massenpanik durch einen Kanonenschlag und einen Terroristen, der ‚Allahu akbar‘ rufe, ausgelöst werden könne. CSU-Generalsekretär Scheuer habe nochmals bekräftigt, dass für Araber in der Öffentlichkeit strengste Deutschpflicht gelte, so dass diese Tat legal gar nicht…“

„… ein Ticketsystem statt des üblichen Einlasses versuchen wolle. Dobrindt wolle die für seine Autobahnmaut entwickelte Software auch für den Zutritt auf die…“

„… Arbeitslose verpflichtet werden könnten, die im Fall eines Anschlagsverdachts den Zaun sofort auseinanderbauen könnten. Diese müssten jedoch von einer bewaffneten Eingreiftruppe überwacht werden, um nicht missbräuchlich die…“

„… den ersten Praxistest damit erfolgreich überstanden habe. Das Oktoberfest könne wie geplant bald nach der Fertigstellung des Projekts im Jahr 2033 wieder…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCI): Die Nichtnazis

28 08 2015
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Zu gerne wird als Generalabsolution, als das metaphysische Scheuermittel der pseudopolitischen Unkorrektheit die Einschränkung genommen, wie sie nur die Beschränktheit hervorbringt. Jene feucht-völkische Auskenneria, die sich aus dem Schmierkäse ihrer zu späten Geburt die überflüssige Entschuldigung für ihre soi-disant freie Meinung schnitzt, jenes meinungs- und ahnungs-, jedenfalls komplett wissensfreies Gelalle, dessen der Durchschnitt mit Leichtigkeit enträt, keiner hat darum gebeten, keiner würde dieses Pack nur eine Sekunde länger als nötig im Radius der eigenen Faust lagern lassen. Wieso eigentlich nicht? Sie sind doch keine Nazis?

Sie sind keine Nazis, aber: sie bestimmen das immer noch selbst. Kackbatzen, die Deutungshoheit über den eigenen Status als Kackbatzen verlangend. Bis zum 8. Mai haben sie sich keuchend das bisschen Schwellkörper hochgerubbelt, der übelste Faschistenscheißdreck zu sein, einen Tag später waren sie entweder verführte Lämmchen oder wild im Widerstand, größtenteils beides. Einen Teil des Untermenschenmaterials führte Nürnberg der Verwendung als Biomasse zu, der Rest machte Karriere in Baden-Württemberg. Oder in der FDP.

Natürlich waren das nicht alles Nazis. Wenn einer nach geltendem Recht Regimegegner an die Wand stellen ließ, die den Endsieg in Zweifel zogen: geschenkt, sonst wäre ja Hitler nie so groß rausgekommen, wenn nicht alle Menschen ihn unterstützt hätten, und da wir ja wissen, dass das nicht alles Nazis gewesen sein können – man frage seine Verwandtschaft, die Nachbarn, die Partei- und Stadt- und Pressearchive, und das mit dem Widerstand kommt noch hinzu – so gab es die eigentlich nie. Nicht mal zur Nazizeit. Nix da.

Nur danach, da müssen sie ex post eine Art virtuelle Existenz begonnen haben, wie ein zweites erfundenes Mittelalter in die Zivilisationsgeschichte eingeschwiemelt, passgenau zwischen Röhmputsch und Kapitulation, hermetisch abgepackt gegen alle Fingerabdrücke, die sakrosankte Hitlerei gegen die übergriffige Gegenwart geschützt. Das Nazisein als Nazisosein geht dem Nazihaften voraus als die Bewandtnis des Uneigentlichen. Es gibt den Nazi, denn es gibt ihn nicht, denn es gibt ihn.

Die typische Reductio ad Hitlerum ist und war schon immer eine grandiose Art, seine eigene erektile Dysfunktion auch im intellektuellen Sektor krachend unter Beweis zu stellen. Mit der Masche ließe sich jeder beliebige Vegetarier zum Drecksack par excellence erklären, nur weil der Bettnässer aus Braunau außer Eva kein Fleisch zu sich nahm. Das Entscheidende ist jedoch die Hinterseite; so lässt sich letztlich auch das Atmen als Sünde aburteilen (bei Pol Pot beobachtet), körperliche Ausscheidung (wurde Stalin so gut wie nachgewiesen), Herzschlag (gilt bei Nero als praktisch erwiesen). Wenn es eine Entwertung der Argumente gibt, dann im Umkehrschluss: jäh wird man sich bewusst, dass der Faschist auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut war, nicht etwa eine kosmische Seuche, die auf den Planeten herabgekotzt wurde. Auch Göring hatte Darmbakterien – gut möglich, dass sie den eigentlichen Teil seiner Intelligenz ausmachten, aber als gesichert gilt, dass er weder Gott noch Dämon war. Die Nazis waren Menschen.

Sie sind es noch, und was gleichfalls gilt: die Menschen haben noch immer dieselbe Anlage, Nazis zu werden. Und so gibt es das Nazihafte sehr wohl, und was leichter ist: man kann es entdecken. Wo immer Nazis die Entfernung Andersdenkender, Andersfarbiger, Andersstämmiger mit Sabber und Geprügel fordern, sind es Nazis. Wo immer Nazis Gebäude anzünden, um den Tod billigend in Kauf zu nehmen, sind es Nazi. Wo immer Nazis ihren eigenen zivilisatorischen Rotz, die Geburt in Taka-Tuka-Land samt der Heldenleistung, dreißig Jahre lang nicht herausgeschmissen worden zu sein, als Kristallisationspunkt der Evolution feiern, sind es Nazis. Und nicht Brauchtumskritiker, Lautsprecher, chronisch besorgte Schwurbelgurken, abendländische Wuthupen, Dumpfnulpen, Hasenhirne, Laberlurche, Querkämmer, es sind Nazis. Jeder, der den Begriff für masturbatorische Hütchenspielereien verbrennen will, ist lediglich in steter Panik um die Hörbarkeit seines Geplärrs.

Sie sind keine Nazis. Aber sie sind welche. Und wer sie so nennt, macht qua Hitlervergleich die alten Nazis, die ja keine waren, aber wenigstens auf ihre Art absolut schuldig, zu den wahren Nazis, mit denen man die neuen keinesfalls vergleichen dürfe, denn: es sind ja keine Nazis. Aber sie sind welche, und wer verkennt, dass rhetorisches Tischfeuerwerk alleine den Unterschied macht, in welcher Generation man schießt, abfackelt, hetzt und den Mord zur nationalen Befreiungstat hochjagt, der wird auch nicht begreifen, dass dem ethischen Versagen völlig wumpe ist, in welchem nationalen, historischen oder ökonomischen Setting man es aus dem Hut zieht. Wer sich wie ein Nazi verhält, ob auf dem Mars oder in Heidenau, ist ein Nazi. Und wer das verneint und jegliche Parallele mit dem Nationalsozialismus, der hat dazu in der Regel einen hinreichenden Grund.





Der Vater aller Dinge

15 01 2014

„Natürlich können Sie das auch selbst in die Hand nehmen, aber wir sind nun mal die Profis. Das geht viel schneller, Sie haben keine Arbeit, und letztlich haben wir auch die Kontakte. Zu allen Seiten. Terror ist Vertrauenssache. Vertrauen Sie uns.

Allerdings, wir sind ein Wirtschaftsförderungsunternehmen. Wir fördern Ihre Wirtschaft da, wo die Erfolge entstehen: in der Region. Ja, klingt bescheuert, ist aber so. Wir setzen auf regionale Strukturen und eine ganz klare, transparente Agenda. Also transparent für Sie, klar? Sonst ist das ja mit dem Terror nicht zu machen.

Wissen Sie, Terror wird ja als tragende Säule der zeitgemäßen Wirtschaftsförderung noch immer unterschätzt. Hier liegen noch so viele ungenutzte Möglichkeiten, so viele Chancen und unentdeckte Synergien, da geht ganz bestimmt noch eine ganze Menge.

Das fängt doch schon an, wenn Sie ein Straßenfest planen. Oder einen Weihnachtsmarkt. Bratwurst, Bier, gut und schön, aber dafür fließen doch keine öffentlichen Gelder. Da kann man doch nicht mit ein paar Taschendieben warnen, die haben Sie in jedem Urlaubsort, und wahrscheinlich kommt so ein durchgeknallter Polizeipräsident auch noch auf die Idee, die Bürger sollten sich selbst schützen. Blödsinn! Wir schützen die Bürger, im Zweifel auch gegen ihren Willen, und wenn’s mal ganz hart kommt, dann schützen wir sie auch vor sich selbst. Dieser ganze Freiheitsdrang, Menschenrechte, Demokratie, hören Sie doch auf – wenn die Leute immer mit dieser Gefühlsduselei kommen, dann müssen wir das eben selbst in die Hand nehmen. Sicherheitsdienst, Leitsysteme, Personenvereinzelung, massive Polizeipräsenz, ohne das kann man doch als Wirtschaftsförderung heute gar nicht mehr in Ruhe feiern.

Sicherheit und Waffen, merken Sie sich das. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich unsere Leistungsfähigkeit für die Wirtschaft. Sicherheit und Waffen. Mehr Sicherheit bekommt man nur durch mehr Waffen, und mehr Waffen stellen natürlich eine potenzielle Gefahr dar, die man womit bekämpft? Mit mehr Sicherheit. Steigen Sie einmal ein in unser Marketingsystem, dann haben Sie für den Rest Ihrer politischen Karriere ausgesorgt. Mehr bekommen Sie nicht hin. Nicht für Geld.

Vor allem müssen Sie sich um alles kümmern. Koffer, Sprengstoff, Zünder, die Bombe muss genau im Winkel der Sicherheitskamera stehen und darf erst im letzten Augenblick entdeckt werden, es muss alles zufällig abgesperrt sein, damit kein Passant an die Bombe drangeht, und dann brauchen Sie einen islamistisch aussehenden Mann unter dreißig, der bei Facebook biometrische Fahndungsfotos in guter Druckqualität hochgeladen hat, damit die Presse sofort einen Schuldigen präsentieren kann. Und was machen Sie, wenn die Sache mal schiefgeht? Wollen Sie dann behaupten, Sie hätten das zum ersten Mal geplant und das sei alles nicht so gemeint gewesen?

Früher haben wir auf Sturmfluten gehofft, auf Erdbeben, Großbrände, aber was ist das schon? Ein bis zwei Orkane pro Jahr, das ist doch lächerlich. Das hat bestimmt irgendeiner von den Grünen heimlich nach Ostasien outgesourct, glauben Sie mir das, denen ist alles zuzutrauen, und wir gucken jetzt in die Röhre. Kein Tsunami, nichts. Aber das Schlimmste ist, wir haben hier einfach keine gewachsene Angstkultur. Wenn wir den Bürgern sagen, da kommt bestimmt das Hochwasser, dann ziehen die an die Elbe. Ist denen völlig egal. Aber wenn man denen erzählt, in den nächsten zehn Jahren werden statistisch drei Dutzend Deutsche an Terror sterben, dann haben Sie die.

Und denken Sie jetzt nicht nur an Sicherheit und Waffen. Denken Sie auch an den Straßenbau. Denken Sie an öffentliche Gebäude. Denken Sie an die Infrastruktur. Das ist eine hervorragende Strategie, um die Wiederwahl zu sichern – zerstören Sie das öffentliche Leben nachhaltig und bauen Sie beispielsweise einen neuen Flughafen, um die neuen Sicherheitsstandards umzusetzen. Das sichert Arbeitsplätze, das verbessert die Region, das stärkt die Nachhaltigkeit. Ohne Terror würden Sie das nicht auf die Reihe kriegen. Lassen Sie es mich so sagen: der Terror ist der Vater aller Dinge. Ist das nicht unheimlich motivierend?

Dann müssen es eben neue Sicherheitsschleusen sein und ein neues Fahrgastvereinzelungssystem und neue Verhörräume für Bahnpassagiere ohne gültigen Reisepass. Man muss mit der Zeit gehen. Heute baut man unterirdisch, da hat man oben mehr Platz und sieht nicht, was unten abgeht. Wir liefern Ihnen da das komplette Know-how, um Ihr Projekt durchzuziehen – auch während des Bauvorhabens, wir haben das passend Personal an der Hand – und begleiten Sie bis zur Fertigstellung. Mit der entsprechenden Unternehmensverschränkung, damit Sie auch morgen noch kraftvoll zupacken können.

Paket C? Gute Wahl, wirklich. Den Zielort schicken Sie uns noch zu, wir sprechen das dann mit den Amis ab, dann können die hinterher auch sagen, sie hätten es schon vorher gewusst.“





Aus absolut sicherer Quelle

8 10 2013

„… angesichts der guten deutsch-amerikanischen Beziehungen nicht denkbar sei, dass die NSA die 54 verhinderten Terroranschläge einfach erfunden habe. Vielmehr sei dies Teil einer Strategie, die nur noch nicht…“

„… weise die US-amerikanische Regierung die Darstellung entschieden zurück. Die von IM Friedrich zitierte Version sei nur akkreditiert für den Wahlkampf der…“

„… beharre der Bundesnachrichtendienst auf der Darstellung, von den insgesamt 54 verhinderten Terroranschlägen seien allein 262 in Europa…“

„… nicht bestätigt worden sei. Drei bis vier Terroranschläge pro Woche seien zwar durchaus im Rahmen des Erwartbaren, doch könne nicht geklärt werden, ob die nordkoreanischen Informanten…“

„… müsse man im Schnitt mit einem Terroranschlag pro Tag rechnen, der durch einen nicht näher bekannten Zufall nicht ausgeführt werden könne. IM Friedrich beziffere daher für das vergangene Jahr die Anzahl auf 367 Attentate, die verhindert wurden durch…“

„… müsse erst errechnet werden, wie viele Drohnen pro Quadratmeter auf das Gebiet der Bundesrepublik passten. Vorab reiche Regierungssprecher Seibert die Information, dass ein Angriff zwar technisch unmöglich, aber nicht auszuschließen…“

„… dass die NSA dafür gesorgt habe, die Schäden durch den verlängerten Winter zu minimieren, da sie vermittels ständig glühender Drähte die transatlantischen…“

„… zuzüglich der Anschläge, die durch nicht näher bekannte Zufälle gar nicht erst geplant würden. Eine genaue Statistik wolle IM Friedrich erst nach der…“

„… plane das Bundesministerium des Innern zur Sicherheit, alle öffentlichen Veranstaltungen bis einschließlich 2038 zu untersagen. Da Deutschland dadurch nicht zum Austragungsort von Olympischen Spielen würde, sei auch die Einreise krimineller Ausländer wesentlich…“

„… eine Zusammenstellung der 54 beliebtesten Anschlagziele in Europa gefunden habe. Wie aus Geheimdienstkreisen verlaute, sei die Akte versehentlich von der CIA aus den eigenen Beständen…“

„… habe die NSA täglich mehrere Hundert Verkehrsflugzeuge, Fesselballons, Drohnen, Hubschrauber und Segelflieger nicht starten lassen, so dass die Gefährdungen im internationalen Luftraum erheblich…“

„… der Bundesnachrichtendienst erfahren, dass sich Geflügelpest auf Pferde übertragen lasse. Zur Vorsicht wolle das Verbraucherschutzministerium ein Komplettverbot terroristischer Fertiggerichte…“

„… den fälschungssicheren elektronischen Personalausweis so schnell wie möglich einführen wolle, da dann sämtliche Terroristen anhand der gefälschten Ausweise identifiziert und…“

„… aus sicherer Quelle erfahren habe, dass eine militärische Intervention abgesagt werden solle. Die NSA habe betont, dies liege nicht daran, dass die Bundeswehrtruppen aus Afghanistan abzögen, sondern nur aus Vorsichtsmaßnahmen der…“

„… sich IM Friedrich für eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen ausspreche, da jeder nicht vor Lampedusa bekämpfte Eindringling in der Lage sei, täglich einen Terroranschlag in Europa zu…“

„… sich der aktuelle NSA-Chef General Keith B. Alexander aufgeschlossen gezeigt habe. Theoretisch sei es möglich, dass alle 54 Anschläge auch von Deutschen…“

„… die NSA auch künftig auf Luftschiffe verzichten wollen, um für noch mehr Sicherheit im europäischen Luftraum…“

„… habe der Verfassungsschutz aus absolut sicherer Quelle erfahren, dass der gesamte Atommüll des Montgomery-C.-Burns-Kraftwerks zum Bau von…“

„… werte IM Friedrich die Äußerungen der NSA-Führung als Bestätigung. Da sämtliche 54 Terrorakte verhindert worden seien, sei es durchaus logisch, dass Deutsche daran beteiligt gewesen wären, da diese niemals mit Absicht Bomben gegen…“

„… habe Alexander die Bundesregierung bewusst falsch informiert, um Arbeitsplätze in der Sicherheitsindustrie sowie Aktienkurse nicht zu gefährden, was als edles Ziel…“

„… da der Verfassungsschutz durch einen geheimen Informanten davon erfahren haben will, dass der Deutsche Bundestag durch energetisch negative Wasseradern zu einer destruktiven Kraftquelle umgepolt werden solle. IM Friedrich halte es daher auch für möglich, terroristische Wünschelrutengänger und…“

„… es auch Attentatspläne geben solle, die den nicht geplant Habenden durch nicht existente Zufälle oder unbewusstes Nichtplanen als nicht geplante Verhinderung oder verhinderte Nichtplanung von nicht…“

„… sich nicht als Geplantheit des Planenden in das Sosein des In-die-Existenz-Geplanten entplant, wenn die Nichtung des Geworfenen sich als Anschlag…“

„… aus absolut sicherer Quelle, wie IM Friedrich betont habe. Der Einmarsch der DDR-Grenztruppen stehe unmittelbar…“





Systemrelevant

24 07 2013

„Ja, mit Ihren Noten würde ich auch studieren. Aber nur mit einer guten Perspektive – ganz recht, man sollte immer den Arbeitsmarkt im Auge haben. Entscheiden Sie sich nicht für irgendeinen Beruf. Entscheiden Sie sich für eine Lebensaufgabe. Werden Sie Terrorist.

Ich würde es jetzt nicht unbedingt als staatlich geförderte Ausbildung bezeichnen, dafür ist das Berufsbild noch viel zu durchlässig. Die Branche ist offen für Quereinsteiger. Wenn Sie beispielsweise vorher Militärerfahrung gesammelt haben oder bei einer Sicherheitsbehörde waren, stehen Ihre Chancen genauso gut wie mit dem klassischen Maschinenbaustudium oder als Elektrotechniker. IT-Kenntnisse werden in letzter Zeit auch zunehmend geschätzt, man macht sich fit für eine integrierte Kriegführung. Am Internet kommt man heute nicht mehr vorbei, ganz recht. Hier in Deutschland haben Sie außerdem den Vorteil der dualen Ausbildung, Sie können eine Universität besuchen und sich zugleich in ideologischen Kursen radikalisieren. Gerne auch im Internet. Wir haben grundgesetzlich verankerte Religionsfreiheit. Wenn Sie die Demokratie als katholischer Fundamentalist hassen, das steht Ihnen frei.

Das Berufsbild ist vielschichtig, ganz recht. Sie können sich frühzeitig spezialisieren, Sie können nach der Ausbildung auch erstmal in die zivile Wirtschaft gehen oder in die Verwaltung – wie gesagt, das Berufsbild ist vielschichtig – oder sich selbstständig machen. In wenigen anderen Berufen ist man so flexibel. Selbstverständlich lassen sich Beruf und Familie sehr gut in Einklang bringen. Die meisten Arbeitgeber ermöglichen Ihnen schon frühzeitig eine Elternzeit, die Sie als Schläfer im Home Office verbringen können.

Auch unter bildungspolitischem Aspekt kann ich Ihnen das nur empfehlen. Stellen Sie sich mal vor, Sie studieren Verfahrenstechnik, und dann landen Sie nach zwei bis drei Jahren Praktikum in einem mittelständischen Unternehmen, wo Sie bis zum Burnout für einen Lohn arbeiten, für den vor zwanzig Jahren kein Klempner den Arsch bewegt hätte. Da bleibt nicht viel Zeit für Weiterbildung. Das ist nichts. Nicht, wenn man wirklich einen erfüllenden Beruf haben will. Werden Sie Terrorist, da haben Sie was Eigenes, etwas fürs Leben.

Gerade Auslandserfahrung wird sehr geschätzt. Ein paar Gastsemester im Nahen Osten, dann haben Sie gleich eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Oder Sie erwerben ein paar Zusatzqualifikationen in der Berufspraxis bei international tätigen Anbietern. Alles auf höchstem technischem Niveau, alles sehr gut organisiert. Sie werden sofort in einem Netzwerk aus Fachkräften sein, wo man Ihre Spezialkenntnisse sehr zu schätzen weiß. Mehr jedenfalls als hier in der Industrie.

Natürlich ist das volkswirtschaftlich auch eine Branche, die schon lange im Fokus steht. Vom Auto hängt ja heute auch eine Menge ab, ganz recht. Aber haben Sie eine Ahnung, was vom Terrorismus alles abhängt? Sicherheitsdienste, Geheimdienste, Rüstungskonzerne, Trojanerprogrammierer, die ganze Telekommunikationsbranche, Briefträger, der Innenminister, meine Güte – eigentlich alles! Wenn da einer einen Nacktscanner hinstellt, der hat doch auch Spulen und Transistoren drin und Zahnräder, und wissen Sie, wer die herstellt? Sie sind eine Schlüsselindustrie, ganz recht, das hat Zukunft! Sie sind systemrelevant, und Sie leben nicht einmal mit dem Makel, Investmentbanker zu sein!

Arbeitsschutz steht an erster Stelle. Das dürfen Sie glauben, ganz recht. Zeitweise werden wir so tun, als würden wir Sie suchen und jagen, aber das werden Sie schnell merken, dass das nur eine Art Ritual ist wie die Terrorwarnungen vor den Wahlen. Kein Grund, sich Sorgen zu machen. Aufgespürt? aber von wem denn? Von der Polizei? Vom Verfassungsschutz? Sie haben ja einen goldigen Humor. Ach was. Sie werden nicht aufgespürt. Schauen Sie mal, diese Schnüffelprogramme sind doch nur für Falschparker und Regierungskritiker. Wir brauchen ein bisschen Propaganda, PR meine ich, damit man uns den Rechtsstaat abnimmt, aber nach Verbrechern googeln? Das würde unseren gesamten Beamtenapparat intellektuell vollkommen überfordern. Außerdem machen wir das schon so lange – 11. September, Madrid, London, Boston, Bali, Oslo, der NSU, merken Sie was? Na also.

Werden Sie Terrorist. Das ist ein Beruf, auf dem die gesamte Sicherheitsarchitektur der westlichen Staaten ruht. Werden Sie Terrorist, denn dies Land braucht Sie. Tun Sie es für Deutschland. Oder wenigstens für diese Regierung. Oder den Bundesnachrichtendienst. Oder die Qualitätsmedien und das Staatsfernsehen. Die wissen doch sonst gar nicht, wem sie Angst einjagen sollten. Tun Sie es für die Hersteller von Videokameraattrappen. Je größer die Gefahr ist, die theoretisch von Ihnen ausgehen könnte, desto höher wird der Aufwand, den wir zu Verteidigung vor der Gefahr treiben können, und je höher der Aufwand, desto größer die dadurch erzeugte Sicherheit. Sie machen Deutschland sicher. Wirklich sicher. Todsicher.

Werden Sie Terrorist, dann sind Sie auf unserer Seite. Machen Sie mit. Entscheiden Sie sich für die gute Sache. Ihre Rüstung dient dem Frieden. Wenn Sie bitte hier unterschreiben wollen?“