Gefühle der Verbundenheit

19 09 2017

„Wir leugnen ja gar nicht, dass es diese Netzwerke gibt. Das sind Rechtsradikale, in der Presse sagen sie auch oft, das seien Neonazis, wenn Sie mich fragen, mit dem Begriff können wir leben. Ist ja im Kern nicht wirklich etwas anderes. Und mal ganz ehrlich, wenn sich Reservisten in ihrer Freizeit noch ein bisschen politisch engagieren, ist das nicht auch ein Zeichen von Volksnähe?

Jedenfalls können Sie nicht behaupten, die seien irgendwie abgehoben wie damals die RAF. Die hatten überhaupt keine Verbindung mehr zum Volk, deshalb konnten sie deren Sorgen und Nöte auch gar nicht mehr nachvollziehen. Beim NSU war das freilich ganz anders, aber das ist ja nun leider nicht mehr, da müssen wir wieder auf uns selbst aufpassen. Und da setzt unsere Sicherheitspolitik jetzt an, dass wir gegen diesen unseligen Spartrend der vergangenen Jahre anarbeiten, gegen diese Stellenstreichungen, gegen Videoüberwachung und Bindung der Kräfte in sinnlosen Beobachtungen. Sicherheit gibt es nur, wenn die rechten Leute sich dafür einsetzen.

Wenn wir Arbeitsplätze schaffen wollen, dann müssen wir einfach für die passenden Rahmenbedingungen sorgen. Als Polizist fühlt man sich heutzutage ja so leicht diskriminiert – überall Linke und Demokraten, da braucht man schon ein bisschen Sicherheit, dass wenigstens im Jobumfeld ein einigermaßen rechtes Biotop vorhanden ist. Die nationalistische Gesinnung, vernünftiger Umgang mit Staatsanwälten und Richtern verfolgten Tätern aus völkischer Notwehr, das macht viel aus. Da ist man froh, wenn sich ein paar von den Kameraden als Stabilitätsanker zur Verfügung stellen.

Wir haben da bei der Wehrmacht – heute heißt der Laden ja Bundeswehr, aber die Erfahrungen sind dieselben. Jedenfalls klappt die Integration wesentlich besser, wenn man ein paar Personen an den Schlüsselstellen positioniert. Da weiß man dann beim Erstkontakt am Standort sofort, hier ist man richtig. Du siehst eine Reichskriegsflagge, das gute alte Hakenkreuz, da kommen spontan Gefühle der Verbundenheit auf, mit denen man sich in der Truppe wohlfühlt. Es sind manchmal die kleinen Dinge, verstehen Sie – da hat einer aus Versehen den Stahlhelm zu Hause liegen lassen, und dann hilft man sich eben.

Wenn sich jetzt Rechtsanwälte in diese national engagierten Kreise einklinken, dann ist das für uns durchaus positiv zu sehen. Sie kriegen doch kaum noch einen vernünftigen Strafverteidiger, wenn Sie als Polizeibeamter mal aus Heimatliebe so einen Asylantenschuppen anzünden mussten. Manchmal passiert das schon aus Fahrlässigkeit, aber auf jeden Fall sollte man den Tätern immer eine Chance geben. Oder noch eine. Denn wenn die Gesellschaft es nicht mehr hinkriegt, diese Menschen vor dem Zugriff volksverräterischer Kräfte zu schützen, wer macht das denn dann? Hier müssen wir ansetzen, dafür sollte sich die Politik viel mehr interessieren. Aber das macht die AfD ja demnächst.

Aber um noch mal auf die Personalausstattung der Sicherheitskräfte zurückzukommen, wir haben so viele Personen schon in den Asylantenläden, die ein menschenunwürdiges Arbeitsumfeld erdulden müssen. Da sind ja manche schon, die sagen zu ihren Vorgesetzten, ob man sie nicht wegen guter Führung auch nach Afghanistan abschieben könne, da sei es besser als in diesem Restdeutschland. Lauter kriminelle Ausländer, man hat als deutscher Mann schon Angst, dass die einen vergewaltigen, weil sie ihre Frauen da am Hindukusch gelassen haben zum Kopftuchmädchen machen. Die sind größtenteils einschlägig ausgebildet, manche noch ohne Einblick in den Justizvollzug, aber die meisten sind doch sehr anständige Landsleute, die eine Chance mehr verdient haben als die anderen. Da haben wir den Praxisbezug, die meisten haben Familie und könnten nicht mal eben mit der Truppe in den Busch fahren, und da bietet sich die Polizei wirklich an. Wir müssen da einfach nur wollen.

Vor allem frage ich Sie, wenn diese Leute sich jetzt schon eine Qualifikation nach der anderen draufschaffen, Schießen und Überlebenstraining, das braucht man ja, sobald hier der Bürgerkrieg endlich ausbricht, da haben wir quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Über die Kosten muss man reden können, aber sehen Sie es mal so: wenn wieder ein internationaler Gipfel in einer deutschen Metropole stattfinden sollte, dann sind wir gegen das linke Pack bestens gerüstet. Wenn Sie die Leute alle in Bürgerwehren schieben, können Sie die nur auf kommunaler Ebene nutzen.

Etwas Schwund gibt’s halt immer, der eine steigt aus, der andere tarnt sich als Flüchtling und besorgt sich Sprengsätze, aber sehen wir die Sache doch mal pragmatisch: die Waffen, die hier aus den Kasernen verschwinden, die werden definitiv nicht in Drittweltländer verschoben, Deutschland gilt noch nicht als Krisengebiet, und für jeden Musel, dem wir hier die Birne wegpusten, kommen zehn andere gar nicht erst. Das ist volkswirtschaftlich gut angelegtes Geld, mal ganz davon abgesehen, dass keine Waffe ohne Munition schießt – ein astreiner Vertriebskanal, wenn Sie mich fragen. Wie gesagt, wir sichern nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch unser Heimatland. Meinen Sie, das täte jemand anderes für uns?“

Advertisements




Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXXXV): Helikoptereltern

8 09 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Rrt hatte alles im Griff. Zwei Nachkommen waren im Vollkontakt mit der Säbelzahnziege zu Biomasse geworden, zwei weitere hatten sich mit gängigen Vorgartenpflanzen ins Nirwana gekaut. Die Gattin ließ die Brut kaum an den Steilhang jenseits der großen Schuttfläche, denn dort lauerten die wirklichen Gefahren: Sonnenbrand, Käferbiss und Brennnesseln ohne dreisprachige Warnschilder. Noch hielt die Reproduktion keine besonderen Erfordernisse bereit. Weiter so, das war die Devise. Aber schon bald sollte sich das Blatt wenden. Die Zivilisation ließ nicht mit sich spaßen. Dunkel rattert es am Horizont entlang: die Helikoptereltern.

Bereits der durchschnittliche Kinderspielplatz bringt Pädagogen an die Grenze der Hirnembolie. Im Windschatten modisch vermummter Latte-macchiato-Väter und teilbartfreier Hipstermütter bohrt die nächste Runde im Generationenvertrag Dellen in den Sand, hektisch beobachtet von auf primäre Pädagogik gedrillten Hysteriefachkräften, denen kein armageddonöses Szenario zu blöd wäre für eine prätraumatische Belastungssimulation. Alle sind sie überdurchschnittlich höchstbegabt, ohne Ausnahme für Frühkantonesisch und Fagott, den Bundesliga-Kurs und ein Diktatorentraining beim Dieselkonzern geeignet. Kinder, rülpst das üble Gewissen, an die Macht. Weil die meisten der als Eltern firmierenden Schädelvollprothesen sich nicht imstande sehen, das Ergebnis ihrer genetischen Laienexperimente zu akzeptieren, leidet eine ganze Generation unter ihren verquasten Vorstellungen von Perfektion, die dann doch wieder nicht reicht.

Die allzeit bereiten Verziehungsgerechtigten sind nach eigener Aussage in der Pflicht, das Balg möglichst schnell zu makellos funktionierendem Gesellschaftsmaterial reifen zu lassen: ohne jede Auseinandersetzung mit Umwelt oder Staunässe, Wind und Mückenstichen. In der Grundschule wirkt es ja noch putzig, wenn der Abkömmling mit dem SUV ins Institut gekarrt wird, weil auf den Straßen zu viel gefährlicher Autoverkehr herrscht, doch spätestens im Hauptseminar II über Riemanns wirre Vermutungen sind alle väterlichen Versuche als überwältigend niveaulos zu betrachten – sollte sich der Jungmann irgendwann einem signifikanten Anderen nähern, hier wohl Objekt klein a kursiv, sind Mangel und Begehren aus der Illusion des Bekloppten schnell zusammengeschwiemelt und erklärt. Der Fötus hat nach Maßgabe der Alten stets die embryonale Stellung einzunehmen, aus der die Ernährungsberechtigung erwächst, ohne Rücksicht auf Verluste. Was kann eine Konserve, was diese Blödkolben nicht könnten?

Man kann seinen Kindern jedenfalls nicht klarer kommunizieren, dass man sie für grundsätzlich voll verkackt per Design hält, unfähige Würstchen im Strafrock, die schon als Ausschuss auf die Welt gekommen waren, um sich hernach noch einmal stattlich zu blamieren. Das Grundbedürfnis nach Kompensation ist bei den Erzeugern offenbar derart dominant, dass man den Ablösungskonflikt sogar ohne Drogeneinsatz an die Wand möllert – an der Reife von Reis und Blüte erkennt der Bescheuerte dumpf den Fortschritt des eigenen Welkens, der unweigerlich in nicht mehr behandlungsbedürftige Formen des Schweigens mündet. Alles hat ein Ende, nur will das keiner hören. Das Blag als die letzte Aufgabe fürs gelungene Projektmanagement voller kritischer Fluchtpunkte ist auch nur eine eigene Form der Hilflosigkeit, die ausnahmsweise keinen eigenen Namen mit sich herumschleppt. Die wird flockig an die neurotische Kreatur vererbt wie eine Laktoseintoleranz, wie Leistungsdruck im Gewand einer gnadenlosen Auslese, der die Alten nicht ansatzweise mithalten könnten. Lediglich ihre missratenen Methoden prägen das Erlebnis von Entkräftung und Selbsthass, der sich entweder in billiger Stereotypie durch die Vita kotzt oder im einfachen Fall ein sauber zersägtes Ich hinterlässt. Beides kann auch amüsant sein, wenngleich nur in Ausnahmefällen.

Man kann diese Eltern nicht aus Versehen als personifiziertes Heftpflaster am Hosenboden der Nachkommenschaft sehen, sie schädigen noch über die eine Fruchtfolge hinaus jegliche Autonomie, die sie dem Flaschenwuchs opfern, die sterile Kopie der Knalltüten mit der Anlage nämlicher Blödheit. Glücklich ist, wer aus diesem Kindergarten mit roher Gewalt ausbricht, knöchelhoch verbrannte Erde hinterlassend, wo üblicherweise die Kombination aus Nägelkauen und Bettnässen ausreichen würde, um die Problemkinder zu identifizieren. Mit etwas Glück verebbt das im Burnout, weil es die Eltern der Sandkastenfreunde mit Securitate-Methoden durchfilzen und danach der Steuerfahndung zuführen muss. Mit etwas mehr Glück geht das über die Wupper, wenn sich die Söhne und Töchter ihre etatmäßigen Kopfläuse an der Theke abholen und das eigene Immunsystem die finale Grätsche macht. Die Natur würfelt nicht. Sie hackt ungehindert Kerben in die vorhandene Materie. Weil sie es kann.





Eigenbedarf

26 06 2017

„Keine Panzer diesmal? Dann kann es sich zwar dennoch um deutsche Patrioten gehandelt haben, aber wir müssen nicht unbedingt von einer Gefahr für die öffentliche Ordnung ausgehen. Das ist ein guter Tag für die Sicherheit in Thüringen.

Wir haben so ermittelt, wie wir immer ermitteln in ähnlich gelagerten Fällen, also erstmal gar nicht, dann haben wir legale Waffen gefunden, und das ist ja erstmal auch noch kein Anlass zu Ermittlungen. Weil diese Leute ja Rechtsradikale sind, aber uns schien kein dringender Tatverdacht vorzuliegen. Die rufen zwar zu einem bewaffneten Umsturz auf, haben aber legale Waffen angemeldet. Da ist doch klar, die werden keine legalen Waffen einsetzen, sonst hätten sie nicht zu einem Umsturz aufgerufen – Sie müssen die nicht für blöd halten, nur weil es Nazis sind – und deshalb haben wir die auch nicht kontrolliert. Außerdem sind sie mit ausländischen Nazis in Kontakt, daher handelt es sich nicht um Reichsbürger, und wir mussten nicht annehmen, dass eventuelle Umsturzpläne mit Waffen ernst gemeint sein könnten.

Klassischer Zufallsfund. Wir haben einen neuen Kollegen, der kennt sich mit den Methoden nicht aus und hat trotzdem ermittelt. Da konnten wir das mit der GSG 9 nicht mehr verhindern. Aber ich glaube nicht, dass es zu einer Anklage kommt. Die sind alle noch nicht als Terroristen in Erscheinung getreten, keiner von denen hat Banken ausgeraubt – bei einer Bank, die andere ausraubt, arbeitet meines Wissen auch keiner – da können wir nur mit zur Bewährung ausgesetzten Strafen rechnen. Wenn Sie sich die Funde mal ansehen, ein paar Lang- und ein paar Kurzwaffen, Waffenteile, das würde ich bei international operierenden Terroristen nicht als sehr erheblich bezeichnen wollen, wenn die einen guten Richter haben, dann geht das als Eigenbedarf und in typischen Kleinmengen durch, das wird nicht groß verfolgt. Internationale Aktionen können Sie damit jedenfalls ausschließen.

Dafür brauchen Sie Beweise. Natürlich kann man mit einzelnen illegalen Waffen auch Banken ausrauben und sich dann von dem Geld wieder neue illegale Waffen besorgen. Oder gleich legale Waffen kaufen. Aber das ist das Gute am Rechtsstaat, wir können uns nicht einfach irgendwelche Straftaten ausdenken und dann so tun, als wären die eine Grundlage, um unsere Bürger möglichst umfassend zu überwachen. Nein, das haben Sie völlig falsch verstanden. Das ist als Patentlösung nur zugelassen bei nachgewiesenem Behördenversagen. Und das verbitte ich mir hier ganz entschieden.

Die wollten an den Waffen auch ausbilden, habe ich mir sagen lassen. Da muss man schon fragen, sind hier für die jungen Leute im Osten etwa die Möglichkeiten zur beruflichen Orientierung durch Behördenarbeit zerstört worden? Das geht nämlich nicht, das Monopol darauf hat die Bundesagentur für Arbeit. Dass hier ein gewisser Wille zur aktiven Umgestaltung des politischen Systems sichtbar ist, mag man nicht verleugnen, aber das heißt ja nicht gleich, dass das ein Alleinstellungsmerkmal von Rechtsradikalen wäre. Wenn ich mir die Pläne der Bolschewisten zur Einführung der Reichensteuer so ansehe, sind hier auch bald Blauhelme im Einsatz.

Wenn man bei dieser Leuten Anleitungen zum Bombenbauen gefunden haben sollte, dann ist das auch nicht weiter schlimm. Das fällt auch eher unter Eigenbedarf, oder glauben Sie echt, dass die das für Geld verkauft haben? Viel zu auffällig. Wir müssen denen ja nicht auch noch die Urheberschaft daran nachweisen, das kriegt man doch im Internet – sogar in Thüringen, aber das weiß eine Spezialistin in unserer Abteilung besser – und dann können wir die Anklage fallen lassen, wenn es keine konkreten Anschlagspläne gab.

Gerade wir hier in Thüringen haben doch die meiste Erfahrung mit alternativen Demokraten, da müssen wir für künftige Entwicklungen besonders sensibel sein. Beschweren Sie sich nicht, wenn in absehbarer Zeit ein Dienstwagen bei Ihnen brennt, das ist eben so bei den Radikalen. Die meisten sind auch nur wegen Neid und, sagen wir mal: weil sie aus historischen Gründen, oder was man in der Schule, da passt man eben nicht immer auf, aber das kann man nicht der Gesellschaft, die sich ja, wie ich finde, aber das würde hier zu weit führen. Meine Meinung. Man muss diese Motive nicht gutheißen, aber mit etwas Verständnis kommen wir einander schon ein Stück weit näher.

Verwechseln Sie hier bitte diese Dinge nicht mit den Propagandaverbrechen. Wenn Sie einem, sagen wir mal, syrischen Frauenschänder seinen Ferrari von der staatlich garantierten Kulturbereichererhilfe finanzieren, damit er jeden Tag die hundert Meter bis zur nächsten Großmoschee fahren kann, dann ist das Demokratie, und wenn Sie dem volksdeutschen Facharbeiter, der trotz seiner Berufsausbildung und ausreichendem Engagement für eine Entwicklung des… –

Cannabis? warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Dieses Dreckspack gehört doch ins Lager!“





Plötzlich und unerwartet

11 05 2017

„… immer mehr Einzeltäter verzeichne. Zwar seien ausländerfeindliche Anschläge auch vorher stets als bedauerliche Einzelfälle gewertet worden, in ihrer Gesamtheit müsse man diese Entwicklung aber…“

„… nicht als Terroristen bezeichnen wolle, da diese in der Regel gemeinsam in Gruppen zu den rechtswidrigen…“

„… kaum Erfolg versprechende Ermittlungs- und Präventionsansätze zur Verfügung stünden. Die Polizeiarbeit sei vorwiegend auf Banden fixiert, daher könne man einzelne Verbrecher nicht mit der bisher angewandten…“

„… mutmaße das Bundeskriminalamt, dass die Einzeltäterbewegung nur deshalb so erfolgreich sei, weil ein Großteil der Ermittlungen auf das Aufspüren weiterer Tatbeteiligter…“

„… stelle das Internet bei Einzeltätern einen wesentlich relevanteren Ort der Radikalisierung fest, weshalb die regierenden Sicherheitsbehörden mit noch mehr Kontrollmaßnahmen im Hinblick auf die Bürger und den…“

„… dass rechtsradikale Täter oft alle gleich aussähen, daher könne man sie auch nicht mit den herkömmlichen erkennungsdienstlichen…“

„… Einzeltätern oft die logistischen Mittel fehlen würden. Der Verfassungsschutz sei wegen mangelnder Personalstärke derzeit nicht in der Lage, sämtliche Defizite in der…“

„… die Erkenntnisse aus der Bekämpfung islamistischer Terrorgruppen nicht mehr auf die Observation von rechten Intensivtätern anwenden könne, da diese sich nicht an die Spielregeln im…“

„… müsse man mutmaßlich von einer engen Vernetzung sämtlicher Einzeltäter ausgehen, so dass in der Ermittlung wieder auf die bei Bandenkriminalität so erfolgreichen Mittel …“

„… sich ein Wandel auch bei den Aufmärschen von Neonazis zeige, die in der Regel nur noch aus wenigen Personen bestünden. Das Bundes- und die Landeskriminalämter sähen sich daher außerstande, noch eine vernünftige Kontrolle zu leisten und seien eher geneigt, Wohnungseinbruchdiebstahl und Falschparken zu ihren dringlichsten…“

„… üblicherweise viel schneller und flexibler reagierten als Tätergruppen. Die Polizei werde damit vor eine unlösbare Aufgabe gestellt, die nur durch die Vernetzung mit den Geheimdiensten befriedigend zu…“

„… die Wahlerfolge der AfD zeigen würden, dass sich Personen mit rechtsextremistischen Ideen und starken geistigen Einschränkungen in großen Gruppen deutlich wohler als im…“

„… zu widersprüchlichen Ergebnisse geführt habe. Einerseits sei das Modell von der Ein-Personen-Tätergruppe im rechtsextremistischen Milieu zumindest theoretisch sehr gut angenommen worden, andererseits habe sich dadurch weder ein Fahndungserfolg noch eine weitere…“

„… dass von Einzeltätern in der Regel eine geringere Gefahr ausgehe. So sei es annähernd ausgeschlossen, dass Sprengstoffattentate außerhalb von organisierten…“

„… einen Brandanschlag pro Terrorgruppe oder für jeden Einzeltäter zählen müsse. Das BKA wolle, um die Kriminalstatistik nicht mutwillig zu verfälschen, auch weiterhin eine Tätergruppengröße von mindestens…“

„… sich die rechtsradikalen Anschläge meist plötzlich und unerwartet ereignen würden. Das Überraschungsmoment sei eine der gefährlichsten Waffen der…“

„… der Bevölkerung nicht zu vermitteln sei, dass gegen einzelne Straftäter nur der Einsatz der Bundeswehr im Innern helfe. Einzelne Abteilungen der Landeskriminalämter wollten daher auch weiterhin das gemeinsame Vorgehen feindlicher Elemente gegen die FDGO kommunizieren, um einen grundrechtsneutralen…“

„… arbeite aber auf der anderen Seite der Verfassungsschutz fieberhaft daran, verdächtige Einzelpersonen durch Unterstützung mit Bargeld, Waffen und Sprengstoff zur Gründung von Gruppen mit mindestens…“

„… könne man bei Banden ausschließen, während Einzeltäter etwa als Doppelagenten gleichzeitig für rechtsterroristische und salafistische Auftraggeber tätig würden, wie es der Fall des in Österreich gefassten Bundeswehrsoldaten…“

„… nur wenige als Gefährder eingestuft worden seien, weil sich der Verfassungsschutz bisher nie für einzelne Personen interessiert habe. Auch der Bundesnachrichtendienst sei nicht in der Lage, den Unterschied zwischen Verfassungsschützern und rechtsterroristischen…“

„… müsse man auf der anderen Seite auch zur Kenntnis nehmen, dass es sich bei Einzeltätern oft um sozial isolierte Personen handle, die zwar rechtsextremistisch eingestellt seien, aber auch aus nicht nachvollziehbarer Motivation heraus Taten im…“

„… die Arbeit der Generalbundesanwaltschaft deutlich entlastet habe. So sei die bei terroristischen Vereinigungen übliche Ermittlungsarbeit nur noch in weniger als zehn Prozent des…“

„… sämtliche Einzeltäter wegen ihrer Nähe zur Gesinnung der Reichsideologen zu dieser Bewegung rechnen wolle. Das Bundesministerium des Innern könne damit endlich verkünden, dass es pünktlich zum Wahlkampf auch offiziell keinen rechten Terrorismus mehr in der…“





Börsencrash

1 05 2017

„Fußball ist jetzt eher raus. Vielleicht können Sie einen Handballschiedsrichter umfahren oder einen Tennistrainer, aber ansonsten würde ich aus dem Sport erstmal die Aktivitäten abziehen. Das ist nach der letzten Aktion nicht wirklich anzuraten. Am Ende kriegen Sie Stress mit der Borussenmafia.

Wenn Sie wirklich mit terroristischen Mitteln die Börse beeinflussen wollen, müssen Sie schon ein bisschen kreativer vorgehen. Natürlich können Sie Sprengsätze verwenden, das hat gegen den Reichstag ja auch geholfen. Nein, ernsthaft, Sie brauchen schon eine geeignete Vorgehensweise mit Management-Erfahrung. Warum sollten wir sonst einen Einzeltäter ernst nehmen? Schauen Sie, das ist das Geheimnis von al-Qaida: großes Netzwerk, sehr gute Organisation, wahrscheinlich zertifizierte Prozesse in der Attentatsdurchführung, Leitbild mit strengen metaphysischen Richtlinien – was sind dagegen die Nazis? Wirrköpfe, Einzeltäter, alles nicht ordentlich organisiert, der NSU beispielsweise hatte nicht einmal ein vernünftiges Organigramm, da wusste keiner, wer da die Hausfrau und wer die Waffenmeisterin war – also die Islamisten sind da den entscheidenden Schritt weiter. Sie verteilen die Bekennerschreiben einfach frei nach Schnauze, das kann doch nicht gut gehen! Und dann auch noch von links nach rechts verstreut, haben Sie denn gar kein Gespür für Börsenwerte?

Überlegen Sie mal: ein linksradikaler Angriff auf Luxuslimousinen oder eine Attacke besorgter Mitbürger auf landfremde Elemente mit negroider Hautfarbe, wer büßt denn da Rendite ein? Eben, mit einem Brandsatz in einer Kuffnuckenbaracke ist doch nichts passiert, da wacht heutzutage nicht mal die Lokalpresse auf. Aber wenn Sie eine S-Klasse in Brand stecken, nur weil der Besitzer wegen Steuerhinterziehung auf freien Fuß gesetzt werden musste angesichts der vielen, vielen überbelegten Knäste, das schafft eine Option nach der anderen. So schnell können Sie gar nicht nachordern.

Oder nehmen Sie die alternative Energieszene. Sie brauchen bloß eine Wagenladung polnische Zuchtgänse in die Windräder rauschen zu lassen, und schon sind die rot-grünen Knalltüten gegen ihre eigenen Ideen. Vielleicht testen Sie das mit einer Tüte Wellensittiche an, wenn Sie vorab nur ein paar Optionen geshoppt haben. Aussteigerprogramme gibt es ja eher in der rechtsradikalen Szene, in der marktradikalen Szene aber ein Einsteigerprogramm zu suchen, das ist echt Arbeit. Nein, wir kriegen das hin, dafür habe ich die Drecksäcke jahrlang beraten. Westerwelle, Niebel, Möllemann. Hätten Sie einen Acker mit Aufschlagversicherung in Nordrhein-Westfalen, Sie wären ein gemachter Mann.

Sicher könnten Sie auch mit Derivaten arbeiten. Sie müssten nur in aufliegende Immobilienfonds investieren, dass sich auch genug Investoren in der Einflugschneise der Windräder niederlassen – die wissen natürlich vor dem Grundstückskauf, was Ihnen blüht, aber nach dem Hausbau können Sie sich nicht mehr erinnern, etwas unterschrieben zu haben – Deutschland, außerdem finden Sie hier immer einen Rechtsanwalt, der Sie vertritt, obwohl er weiß, dass Sie nicht alle Rillen auf der Erbse haben. Das können wir unter der Königsdisziplin abhaken, und das heißt Rendite, Rendite, Rendite!

Vielleicht probieren Sie es mal mit einzelnen Sportlern. Hauen Sie Kerber die Kniescheiben weg, oder Greipel, oder brechen Sie Neuer den – hat er schon? schade, das wären mindestens zehn Punkte gewesen. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein. Buchmesse? nee, da kommen Sie als Randnotiz im Feuilleton, wenn überhaupt. Einen Nobelpreisträger über die Wupper bringen wäre schon ganz okay, aber Bob Dylan kriegen Sie nicht. Keine Chance.

Vor allem müssen Sie sich von einer eingeübten Sichtweise befreien. Die Menschen, die Sie hier beurteilen, stehen in keinem Bezug zu ihrem Leben, also müssen Sie auch keine Bedenken tragen. Einen Börsencrash kriegt man ja nicht nur hin, indem man die Börse in die Luft jagt, obwohl – irgendwie ist das auch eine ganz interessante Idee, das würde in den Abendnachrichten an erster Stelle, ach was sage ich: diese völlig überflüssigen Börsennachrichten davor, die Aktienhändler interessieren sich nicht für dieses Amateurgefasel, die Zuschauer verstehen nicht einmal, worum es eigentlich geht, diesen Murks könnten Sie mit einem sauberen Attentat vollkommen aushebeln! Traumhafte Quoten in der Nachrichtensendung, und erst die Schlagzeilen! Das ist Medienmusik, ja? Vergessen Sie die Bundesliga, gehen Sie nach Frankfurt, da wird die Wurst warm! und dann rocken wir da mal ordentlich das Parkett, da bleibt aber kein Auge trocken!

Natürlich können Sie mit dem Anschlag auch bis zum nächsten AfD-Parteitag warten, aber da werden Sie Volksheld. Höchstens. Und jetzt sagen Sie mir nicht, dass das für Sie ausreicht!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXIV): Religion als Ventil

10 03 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Am Anfang mag der Schnaps gewesen sein, oder Rrt hatte einfach einen besonders schlechten Tag. Der Hund hörte nicht, die Hauptfrau kriegte schon wieder ein Kind, von wem auch immer, und langsam reichte es ihm, dass selbst in seinem Teich stetig fremde Köder herumdümpelten. Er brüllte den ganzen Abend lang in der Höhle herum, dann drohte er schließlich den versammelten Nachbarn: wer noch einmal an seine Fische ginge, würde gleich mit in der Brühe verschlammen. Dabei berief er den großen Donnergott, der eigentlich für Fragen der Vegetation gar nicht zuständig war, und gab dem erstbesten Verdächtigen kräftig eins in die für Gesichtsinhalte vorgesehen Fläche. Mit Hilfe des Medizinmanns stellte dieser nun klar, dass es sich um eine eklatante theologische Fehlleistung gehandelt hatte, mit dem Ergebnis, dass auch der Heiler eins auf die Nase bekam. Die nun folgenden Glaubenskriege waren evolutionär erfolgreich, da mindestens ein Drittel der Beteiligten sich nicht mehr an der weiteren Degeneration des Genpools beteiligten. Was doch Religion als Ventil ausmacht.

Zunächst ist Religion, die regelmäßig in der Theorie als friedensstiftendes Mittel postuliert, in der Praxis jedoch als fadenscheiniger Kriegsgrund gepriesen wird, nur Mittel zum Zweck; selten ist sie in der Lage, ihn überhaupt zu heiligen. Was sie aber dann mit dürrer Maskerade zu kaschieren versucht, die Gier nach Macht und Reichtum, Mordlust und Besessenheit nach territorialen Ansprüchen und Zerstörung, lässt sich nicht einfach verstecken. Wie bei allen anderen Spielarten des Terrorismus, so ist auch in der spirituellen Spielart von Menschenhass der Sakralgehalt der Schmucktapete nicht erheblich.

Als böte ein geschlossenes Wahnsystem nicht schon genug intellektuellen Bauschaum für auf höherem Level geistig gestörte Knalltüten, jede in sich fein säuberlich auf Widersprüchlichkeit gesägte Nullinformation hält für jede Lebenslage einen Ausweg parat, wo auch immer die Störung der Impulskontrolle Befriedigung sucht. Ob materielle oder geistige Armut, schlechtes Trinkwasser, Krieg oder eine beschissene Regierung, das weise Rauschen übertönt die Stimmen der Vernunft mit der Kraft der Flüstertüten. Und das wirkt: noch kein Paradies-Provider musste sein Angebot plötzlich wieder in die Tube drücken, weil man das mit den Jungfrauen, den gebratenen Tauben und Milch und Honig nicht mehr gut genug fände. Was sich noch verkaufen lässt, wird auch dann noch verkauft, wenn es keiner mehr braucht.

Weil Religion, ob systematisch betrieben oder nicht, die perfekte Brückentechnologie ist, um den Schmodder in der eigenen Schädelvollprothese gegen sich selbst zu rechtfertigen. Sie nagelt nicht nur aus beliebigem Restmüll moralische Gehhilfen zusammen, malt rote Linien mit durchlässigem Strich, auf den jeder Aberglaubensbruder geht, schwiemelt sich je nach Anlass mit Dokumenten, Grabsteinen und genealogischen Aufzählungen aus der verebbenden Bronzezeit ein gegen jede rationale Erklärung immunes Bild vom Universum und dem ganzen Rest, sie tackert auch vor die Eintrittsöffnung in den Denkapparat den ultimativen Filter für die Selbstwahrnehmung: wer den Quark glaubt, ist gut, alle anderen sind böse.

Was in der Glockendisko und den anderen Hirnwaschanlagen jahrhundertelang dem Volk in die Rübe gepfropft wurde, das spielt in einer Lustigkeitsliga mit Nagelpilz und Nasenbluten. Erst der nochmals völlig überzogene Remix an sich ideologisch abbaubarer Fehlleistungen, im guten Fachhandel meist als Fundamentalismus erhältlich, ist für Wutbrüder und Blutsbürger der neue heiße Scheiß, dem der Lemming nachzulaufen hat – im Zweifel hört er zwar den Knall, weiß aber nicht, dass er aus dem eigenen Schädel kommt, und rennt lachend ins Trommelfeuer, weil es für die höhere Idee ist. Je hirnrissiger der Ausweg scheint aus einer Welt ohne differenzierende Sachlichkeit, desto eher geben Glaubende Vollgas.

Den Religionen eigen ist, dass sie die bigotte Bizarrerie ihrer Einfälle gerne auf wunderlichen Details kochen, denen der Bescheuerte blind zu glauben hat – die sechsfingrige Prophetin hatte sechs Finger, gute Nacht. Legitim und historisch bewährt als Grund, seinem jeweiligen Bruder den Schädel zu spalten, ist noch immer der Disput, ob es sich um zwei Mittel- oder zwei Ringfinger gehandelt hat. Zwei Schulen gründen sich, die sich bis aufs Messer bekämpfen, nebenbei politische Organisationen samt Staaten und Volkswirtschaften gründen und dann endlich einander mit Bomben überziehen. Als Kriegsgrund dient jeweils die Anschuldigung, die andere Seite habe die Prophetin gelästert. So steigern sich Verschwörungstheorien, denn um nichts anderes handelt es sich bei den dazu verwendeten Religionen, in eine Zerstörungswut hinein, die man nur aus einem Grund erträgt: man zählt ja zu den Guten. Aber wer glaubt das schon.





Detailhandel

2 02 2017

„Guten Morgen!“ „Morgen, was darf’s denn sein?“ „Rosenkohl, so ein knappes Pfund. Und einen…“ „Haben Sie ein polizeiliches Führungszeugnis?“ „Bitte, was!?“ „Oder wenigstens einen Reisepass mit biometrischem Foto? Führerschein würde mir auch genügen, wenn Sie Ihren Personalausweis und vielleicht einen…“ „Sind Sie noch ganz bei Trost? Ich will hier einkaufen!“ „Ja, deswegen doch.“

„Sie geben mir jetzt sofort vierhundert Gramm Rosenkohl.“ „So kommen wir nicht weiter. Das würde die öffentliche Sicherheit enorm gefährden.“ „Hören Sie sich eigentlich selber zu, was Sie da für einen Schwachsinn von sich geben?“ „Gerade hier auf einem Wochenmarkt im öffentlichen Raum ist die Sicherheit gefährdet.“ „Rosenkohl!“ „Wenn ich Terrorist wäre, ich würde auch nach Rosenkohl fragen. Ich meine, können Sie sich etwas denken, das weniger Verdacht weckt?“ „Sie verkaufen mir jetzt auf der Stelle…“ „Und ich bin hinterher dran, mir hängen sie das an, dass ich, ohne es zu wissen, zum Terrorhelfer geworden bin. Die werden mein Geschäft auseinandernehmen, mich in Beugehaft stecken, und dann…“ „Sagen Sie mal, wollen Sie mich veralbern?“ „Man weiß doch heutzutage gar nicht mehr, wen man vor sich hat.“ „Soll ich mir meinen Rosenkohl im Supermarkt holen, ist Ihnen das lieber?“ „Der ist wenigstens videoüberwacht, da kann man die Türen abschließen, und die Polizei ist sofort zur Stelle, wenn so ein Gefährder wie Sie…“ „Wie haben Sie mich gerade genannt!?“ „Naja, Sie sind ein Gefährder.“ „Wie kommen Sie darauf?“ „Ich kann Ihnen keine Straftat nachweisen, nicht einmal die Planung, geschweige denn ein Motiv. Sie sind gefährlich.“ „Bitte!?“ „Natürlich, immerhin wird man hinterher über Sie sagen, dass Sie Ihren Terroranschlag so perfekt vor der Polizei verborgen haben, dass man erst danach mit dem Ermittlungen wird beginnen können. Sie sollten sich schämen!“ „Jetzt wird’s mir zu bunt. Ich kaufe mein Gemüse im nächsten Supermarkt.“

„Dann rufe ich jetzt die Polizei. Können Sie mal kurz stillhalten?“ „He, was soll das!“ „Beweisfoto. Die Fahnder brauchen ja ein Bild für die Plakate und fürs Fernsehen.“ „Sind Sie noch ganz dicht? Sie werden das sofort löschen!“ „Sie könnten mir Ihren Personalausweis geben, dann ließe ich mit mir reden.“ „Sie löschen das jetzt!“ „Eben wollten Sie noch Rosenkohl, und jetzt machen Sie hier so ein Theater – finden Sie Ihr Verhalten nicht auch ein kleines bisschen verdächtig?“ „Was hat Ihre Hysterie mit Rosenkohl zu tun?“ „Da sehen Sie es doch! Kaum ist man wachsam, beobachtet das Geschehen und die Personen auf diesem Markt mit der gebotenen Vorsicht, wie es zum Beispiel der Bundesminister des Innern empfiehlt, und das wohlgemerkt auch unter Anwendung der bisherigen Gesetze, die man einfach nur ausschöpfen muss, anstatt immer nur Gesetze zu verschärfen oder aber neue zu fordern, kaum ist man ein bisschen mehr als sonst besorgt über die öffentliche Sicherheit, da werfen einem potenzielle Terroristen Hysterie vor. Braucht es deutlicheren Beweis, dass Sie eindeutig etwas zu verbergen haben?“ „Was wollen Sie denn von mir?“ „Zeigen Sie mir Ihren Ausweis, dann reden wir weiter. Ich kann Ihnen hier schließlich kein sicherheitsrelevantes Wissen verraten.“

„Gut, dann drehen wir jetzt den Spieß mal um. Sehen Sie das?“ „Ach, Sie sind von der… ich… das ist ein Missverständnis, das konnte ich doch nicht wissen, dass Sie…“ „Von wem haben Sie denn die Genehmigung für den Stand? und Ihren Rosenkohl, woher beziehen Sie den?“ „Vom Erzeuger.“ „Sie umgehen den üblichen Weg über den Großmarkt, interessant.“ „Aber…“ „Sehr interessant! Ihre Standgenehmigung hätte ich dann gerne mal.“ „Das ist vom Marktmeister, der…“ „Solche Leute kann man kaufen. Wahrscheinlich steckt der längst mit dem internationalen Terror unter einer Decke. Geben Sie mir Ihren Personalausweis.“ „Nein, ich werde Sie…“ „Wenn das eine Bitte gewesen wäre, hätte ich ‚bitte‘ gesagt.“ „Ich werde mich über Sie beschweren!“ „Tun Sie das. Es ist Ihr gutes Recht. Sie können beispielsweise auch einen Polizisten anzeigen, weil der Sie zusammengeschlagen hat. Es ist nicht mein Leben.“ „Wollen Sie mir drohen?“ „Aber nein. Fassen Sie das als Versprechen auf.“ „Ich rufe die…“ „Man was anderes: haben Sie auch Kundenbewertungen? Und kann man bei Ihnen die Ware innerhalb von vierzehn Tagen zurückgeben?“ „Sie haben wohl einen Knall!“ „Also das sieht das Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz aber ganz anders. Im Internet geht das doch auch.“ „Wir verkaufen hier Lebensmittel!“ „Machen Sie mich doch nicht dafür verantwortlich. Ich habe nur ganz normal gefragt, ob Sie die gesetzlichen Richtlinien einhalten. Es geht hier nicht um irgendwelche total bescheuerten Gesetze, die gerade neu eingeführt wurden, es ist lediglich die Anwendung der bereits bestehenden.“ „Was wollen Sie denn jetzt?“ „Ich würde mit mir reden lassen, wenn Sie bescheinigen, dass es sich Rosenkohl handelt, der innerhalb der zulässigen Grenzwerte mit Schadstoffen belastet ist. Können Sie das?“ „Ja, der ist direkt vom Erzeuger.“ „Sehr gut. Dann nehme ich vierhundert Gramm.“ „Sonst noch?“ „Ist der Staudensellerie frisch? Dann bitte noch ein Bund dazu.“ „Bitte sehr.“ „Stimmt dann so.“ „Besten Dank!“ „Auf Wiedersehen!“ „Auf Wiedersehen. – Meine Güte, für die nächste Demo nehme ich wieder Eier.“