Honi soit qui Mali pense

22 01 2014

„Und, schon die Sonnencreme eingepackt?“ „Witzbold, wir fahren doch nicht selbst.“ „Nicht? Und ich hatte mich schon so auf einen netten kleinen Urlaub im Süden gefreut, nur Sie und ich und ein paar hundert Soldaten.“

„Im Vertrauen, das macht der doch bloß, weil die Truppenursel dafür nicht den Arsch in der Hose hat.“ „Nein, das glaube ich nicht. Für die Interessen der europäischen Industrie ein paar Neger zu Klump bomben, das macht die doch schon aus christlicher Nächstenliebe.“ „Auch wieder wahr. Und sie muss nicht den Kopf dafür hinhalten.“ „Dass sie jetzt Verteidigungsministerin ist, hatten Sie aber schon mitgekriegt?“ „Dann scheint Ihnen entgangen zu sein, dass die Militärpolitik jetzt vom Außenminister gemacht wird.“ „Sie meinen die deutsche Militärpolitik?“ „Und den französischen Außenminister.“ „Dann hat die Dame schnell gelernt, wenn sie jetzt die Füße stillhält.“ „Das dürfte ein paar Menschenleben kosten.“ „Hat sie das bei den Regelsätzen für arme Kinder interessiert?“ „Touché.“

„Das dürfte neu sein: der Außenminister gibt die komplette Richtung der Interventionspolitik an eine befreundete Nation ab.“ „Meinen Sie?“ „Der zweite Golfkrieg war keine Interventionspolitik, das war etwas, was man im landläufigen Sinne als…“ „Geschenkt. Und befreundete Nationen?“ „Die USA waren immer ein überlegener Partner, solche Freundschaften sucht man sich nicht aus.“ „Und deshalb glauben Sie, dass es diesmal richtig sein könnte?“ „Hat doch in Afghanistan schon mal ganz prima geklappt.“

„Aber man müsste doch jetzt mal einigermaßen umreißen können, wie groß die Konflikte dort sind. Sonst wird man das nie lösen können.“ „Wozu auch.“ „Sie meinen, wir sind nicht da, um Konflikte zu lösen?“ „Die wirklich interessanten Konflikte entstehen doch immer erst, wenn die Befreier im Land sind. Wenn Rebellengruppen sich teilen oder plötzlich zu den verfeindeten Stammesfürsten überlaufen.“ „Und davon profitieren wir dann?“ „Zumindest ist dadurch unser Einsatz gerechtfertigt. Werden deutsche Soldaten erst einmal beschossen, dann wollen sie sich auch zur Wehr setzen.“ „Allerdings, eins verstehe ich ja nicht. Was soll denn das alles?“ „Meine Güte, Sie sind ja vielleicht naiv!“ „Weil die Bundeswehr bald der attraktivste Arbeitgeber von ganz Deutschland werden soll?“ „Einfacher.“ „Damit die Sicherheit…“ „Warm.“ „Also die Sicherheitsinteressen…“ „Kälter.“ „Also Arbeitsplätze?“ „Auch. Aber gut eine Woche vor der größten Waffenverkaufsschau Europas so einen kleinen Privatkrieg rauszuhauen – alle Achtung.“ „Das ist gut für die deutsche Rüstungsindustrie?“ „Als hätte der ADAC den Kampfpanzer des Jahres gekürt.“

„Wir sollten das alles viel positiver sehen.“ „Finde ich ja auch. Man lernt dabei die Welt kennen und die Völker schätzen.“ „Somalia, Zentralafrika, den Südsudan.“ „Honi soit qui Mali pense.“ „Kleiner Scherzbold!“ „Na, das ist doch die Chance für Afrika! Endlich nehmen die am großen Zirkus teil!“ „Finde ich aber auch, warum soll immer nur der Irak neue Mädchenschulen bekommen.“ „Jetzt müssten Sie mir nur mal schnell erklären, worum es da bei der französischen Mission eigentlich ging.“ „Um Gold. Oder Uran. Oder so.“ „Nein, was war die offizielle Begründung?“ „Irgendwas mit islamistischen Terroristen, die aber nichts mit der Regierung oder den Tuareg zu tun haben.“ „Und die Regierung wir nicht mit den Terroristen fertig?“ „Die interessieren doch keinen, die Regierung bekämpft die Tuareg.“ „Weil die islamistische Fanatiker sind?“ „Nein, weil die eben keine islamistischen Fanatiker sind.“ „Na, dann ist die Sache doch klar. Die Tuareg umnieten und uns den Weg zu den Uranfeldern sichern.“ „Und das nimmt man uns ab?“ „Was war im Irak anders?“

„Aber Frankreich ist für Mali doch nicht einmal mehr der Haupthandelspartner.“ „Deshalb muss man Werbung machen. Vertriebsaußendienst, Sie verstehen?“ „Und das führt jetzt zu großen Solidaritätskundgebungen und internationalem Pathos?“ „Also früher hat man auch immer besonders viel außenpolitisches Getöse gemacht, wenn im Innern alles schiefging.“ „Hm, verstehe. Dann wird jetzt Deutschlands Freiheit auch in Mali verteidigt?“ „Logisch. Und wenn Mali verloren geht, wer weiß, was dann mit dem Euro passiert.“

„Und unser Agenda-2010-Fritze, der Frank-Walter, der hinterlässt gar keine eigene Handschrift auf dem Ding?“ „Na sicher doch. Überlegen Sie mal.“ „Ein-Euro-Job?“ „Lassen Sie die Bundeswehr aus dem Spiel.“ „Hilfe zur Selbsthilfe?“ „Geht doch. Wir liefern ein schönes großes Paket Waffen nach Bamako, und dafür werden wir bevorzugt behandelt. Staatsschulden sind Ehrenschulden.“ „Sagt das Schäuble auch immer?“ „Auf jeden Fall lassen wir sie nicht allein.“ „Die Malinesen?“ „Die Franzosen natürlich. Da ist so viel Stoff im Land, das kriegen die alleine gar nicht rausgeschleppt.“ „Dann sollten wir dabei sein.“ „Nicht, dass der Köhler noch umsonst zurückgetreten wäre.“ „Na, dann packen Sie mal schön. Was gefunden?“ „Nicht für mich. Aber diese Mütze hier aus dem Entwicklungsministerium, ob die Steinmeier passt?“





Köhlerglaube

29 05 2010

Die Herrschaft schickt die Schergen;
die sollen, wenn es knallt,
was übrig bleibt, verbergen.
Der Schornstein wird sonst kalt.

Mit List soll das bezwecken,
dass brav die Heimat schweigt.
Die Mannschaft darf verrecken,
wenn nur der Zins noch steigt.

Stoß zu mit Deinem Dolche,
der Blut am Boden adelt –
am Ende sind’s doch solche,
die man dafür noch tadelt.

Die Wahrheit, ach! die Lehre,
die gibt’s glatt obendrein.
’s ist Krieg. Und ich begehre,
nicht schuld daran zu sein.