Alles Liebe

14 02 2012

Anne verstaute die Marmeladengläser in ihrem Einkaufskorb. „Nähgarn, Klebstoff, Spülmittel, Eier und Speck.“ Sie faltete den Zettel zusammen. „Jetzt noch Dein Rasierwasser, dann sind wir endlich aus diesem Kasten raus.“ In der Tat war das Kaufhaus karnevalesk geschmückt. „An sich würde ich lieber morgen in die Parfümerie-Abteilung“, murrte ich.

„Bedaure, Le Fourbi ist gerade aus“, teilte die Fachverkäuferin Anne mit. „aber wir haben die neue Pflegeserie von Truc de Flonflon.“ „Wenn Sie mir vielleicht etwas ohne Zitrusextrakte zeigen würden“, wandte ich mich an sie. Die Bedufterin sprühte einige Pappstreifen voll und reichte sie Anne. „Die Herren bevorzugen eher die sportliche Note“, kommentierte sie, „aber wir haben auch eine ganz neue Kollektion von Tudelys, ein deutlich herb-aromatischer Mix zwischen Pferdesattel und Bohnerwachs.“ Anne schnupperte konzentriert an den Probierkärtchen. Ich räusperte mich. „Verzeihung, aber ich bin hier der Kunde. Wenn Sie mir vielleicht einfach ein anderes Rasierwasser von Laberfeld verkaufen würden?“ „Die Männer von heute sind zunehmend kapriziös“, zischte sie Anne schnippisch zu, „ich werde Ihnen ein paar neue Düfte mit Sandelholz und Veilchen zeigen. Die kann man auch tragen, wenn man sich nicht mit dem Altern abfinden kann.“ Mir platzte der Kragen. „Sie geben mir jetzt auf der Stelle eine Flasche Plein l’Cul de Paris, ansonsten steht hier gleich der Geschäftsführer!“ Sie reichte Anne die Essenz mit einem Zwinkern. „Eine gute Wahl – und schönen Valentinstag noch für Sie beide…“

„Was regst Du Dich so auf“, kicherte Anne. „Ich bin alt genug, um alleine eine Flasche Rasierwasser zu kaufen.“ Meine Laune war im Keller. Doch das beeindruckte sie nicht. „Immerhin war ich bei Dir“, prustete sie. „Wer weiß, was sie Dir angedreht hätten, wenn Du alleine gegangen wärest.“ „Du bist meine Anwältin“, knurrte ich, „und nicht mein Kindermädchen.“ Anne bog sich vor Lachen. „Jetzt sei nicht so eingeschnappt, ich lade Dich noch auf einen Kaffee ein. Wir müssten nur erst kurz zur Werkstatt, die Türdichtungen sollten schon vorige Woche ausgetauscht werden.“

Der Stadtverkehr verhielt sich vorschriftsmäßig; Anne konnte die 270 Stundenkilometer Spitze ihres Wagens nur selten auskosten und ruckelte nervös auf der Kupplung herum. Entsprechend gereizt kam sie beim der Reparatur an. Nach anderthalb Litern Espresso, zwei Sportbeilagen und einem längeren Telefonat mit dem Zulieferer, der gerade keine Reifen mit Zickzackprofil vorrätig hatte, weil es ja kurz vor den Festtagen war, wurde die Nummer aufgerufen. „Meine Güte“, seufzte der Mechaniker, „ich will ja nichts sagen, aber das wird teuer.“

In der Tat hatte Anne ihren Zweisitzer erst vor drei Wochen zur Generalinspektion abgegeben; der Motor war gut in Schuss, die Karosserie kratzerfrei, Getriebe und Beleuchtung ohne Fehl und Tadel. Einzig der Aschenbecher ließ sich nur mit roher Gewalt aufklappen, was Anne als Nichtraucherin jedoch erst zufällig bemerkt hatte. Das Auto lief, hin und wieder gab das Radio merkwürdige Töne von sich (was allerdings auch moderner Jazz sein könnte, man ist sich da ja nie ganz sicher), sogar die Scheinwerfer warfen Schein. Da bemerkte er mich und öffnete ungefragt die Motorhaube.

„Also technisch ist er in Schuss“, beeilte sich der Reparateur. „Es ist nur der Öltemperatursensor, der ja nicht automatisch…“ „Sie meinen die Hydrauliköltemperatur“, wandte ich mit leicht kritischem Unterton ein, „im Rücklauf kann sie schon ein bisschen verfälscht werden – hat denn die Modellreihe kein Upgrade für den Bordcomputer? und die Hydraulikzylinder? Sind die Sensoren denn nur mit dem Ist-Zustand der Stellzylinder gekoppelt?“ „Die Drucksensoren werden erst ab der SLX-Klasse einzeln vorausberechnet“, gestand der Schrauber. „Entschuldigung“, mischte sich Anne ein. „Die Dichtungsgummis sollten ausgetauscht werden.“ Mit einer an Langeweile grenzenden Arroganz drehte der Monteur seinen Kopf zu Anne. „Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie mit der Schließeinrichtung überfordert sind. Wir bauen Ihnen gerne einen beleuchteten Schminkspiegel ein, damit Sie sich unterwegs nicht so langweilen.“ „Den Längsbeschleunigungssensor könnte man auch noch nachjustieren“, mahnte ich. „Das ist natürlich alles schon in der Zentralsteuerung drin“, informierte mich der Mechatroniker. „Das Gerät kontrolliert die Regelventile, die Karosserie sowie das Fahrgestell werden massenmäßig komplett ausgewuchtet, so dass jegliche Nickbewegung der Fliehmasse unterbunden wird – natürlich in Echtzeit, versteht sich!“ „Versteht sich“, antwortete ich mit gönnerischem Unterton und blickt zu Anne, die leicht rot anlief. Vermutlich war es nur etwas zu warm in der Werkstatt.

„Sie werden zufrieden sein“, versicherte die Servicemitarbeiterin und reichte mir strahlend den Schlüssel. „Die Regelventilabsenkung im Kennfeld wird auch auf geraden Strecken für mehr Stabilität sorgen. Wenn Sie gerne schneller als 250 Kilometer in der Stunde fahren, wird Ihre Straßenlage damit entscheidend verbessert – und Ihre Türdichtungen haben wir bei der Gelegenheit auch gleich noch mal gecheckt. Alles in Ordnung, wir mussten nur die Gummis auswechseln. Geht aufs Haus.“ Anne schaute sie fassungslos an, wie die Rezeptionistin mir zwinkernd den Schlüssel anreichte. „Gute Fahrt – und schönen Valentinstag noch für Sie beide!“





Alte Liebe

14 02 2011

„Sandwich-Boden“, informierte die Verkäuferin. „Mit der Arretierfunktion können Sie auch dosiert abgießen, und dann haben wir auch den Fleischtopf mit 24 Zentimetern Durchmesser.“ Herr Breschke guckte mich Hilfe suchend an. „Doktor Klengel sagt aber, sie soll mehr Gemüse machen.“ Warum nur musste ich ausgerechnet dann mein Küchengarn besorgen, als er die Haushaltsabteilung betrat? Und warum ausgerechnet für ein Geschenk? Und warum ausgerechnet eins zum Valentinstag?

Offensichtlich wurde ich gerade Zeuge eines Selbstmordversuchs mit tätiger Unterstützung. Herr Breschke begutachtete Kochtöpfe, vollverkapselt, mattstahlblinkend, weltraumtauglich. Mit einer seltsamen Mischung aus ängstlicher Zurückhaltung und nüchternem Pragmatismus fingerte er an den verschweißten Handgriffen und drehte die Behälter um, als wolle er sich vergewissern, dass kein Loch im Boden lauert. Ein stolzer Preis für etwas Blech.

Der pensionierte Finanzbeamte war nicht davon abzubringen. „So ein Topfset ist doch wenigstens haltbar. Da hat man doch etwas fürs Leben!“ „Sehr richtig“, sprang ihm die Kaufhauskraft bei, doch ich schnitt ihr einfach das Wort ab. „Breschke, jetzt nehmen Sie doch Vernunft an! Was schenken Sie ihr dann nächstes Jahr – neue Wohnzimmergardinen vielleicht?“ Er konnte sich nicht entscheiden; zwar war ihm die Angelegenheit selbst nicht geheuer, aber die Dame lockte. „Wenn Sie bitte mal den Pressomat-Profil-Druckboden anschauen möchten“, schwafelte sie weiter, „diese energieflussoptimierte Schichtbauweise besteht aus mehreren Lagen von Leichtmetall, die mit mehr als tausend Tonnen Druck…“ Erschrocken riss Breschke die Augen auf. „Tausend Tonnen“, stammelte er. „Also wir sollen ja nur leichte Kost. Sagt Doktor Klengel.“ „Ach was“, warf ich ein, „sie hat doch keine Ahnung. Reiner Unfug.“ Sofort giftete die Topffrau zurück. „Ich verbitte mir diese Einmischung! Schließlich verkaufe ich dies Set mehrmals am Tag!“ Ich runzelte die Stirn. „Glauben Sie ihr kein Wort, Herr Breschke. Druck misst man in Pascal, nicht in Tonnen. Da fängt’s doch an.“ Er schaute hin und her. „Hier, die Topfwand! Die ist dünner und wird nicht so schnell heiß, dadurch tropft Garflüssigkeit wieder in den Topf zurück!“ „Und verwässert dann natürlich sofort die Suppe.“ „Der Deckel, wenn Sie mal schauen wollen…“ „Und noch was, Breschke: Sie wollen Ihrer Frau doch wohl zum Valentinstag kein Topfset schenken. Ich bitte Sie!“ „Aber sie steht den ganzen Tag in der Küche – außerdem sagt sie selbst, dass wir mal einen neuen Milchtopf bräuchten, der Henkel vom alten ist schon nicht mehr ganz fest.“ Es reichte mir. Ich packte ihn am Arm und zog den Widerstrebenden zur Rolltreppe. „Sie rennen in Ihr Unglück, Breschke. Ihre Frau drückt Ihnen die Scheidung rein. Auch wenn Sie ihren Namen in diese dämlichen Pötte gravieren lassen.“ „Aber wir sind seit 45 Jahren verheiratet“, protestierte der Alte. „Eben“, entgegnete ich.

Horst Breschke stapfte wie ein Schuljunge durch das Erdgeschoss des Warenhauses. Mit hochrotem Kopf und eingezogenen Schultern schlängelte er sich durch die Gänge, jeden Moment bereit zum Ausbruch. „Und links“, kommandierte ich. Wir hielten vor einer aufwändig geschminkten Schaufensterpuppe. „Darf ich Ihnen helfen“, fragte die Puppe hinter Grundierung, Schmierfilm und Rouge, „oder wollen Sie erst einmal nur schauen?“ „Es soll nämlich für meine Frau sein“, stammelte der valentinsgeplagte Gatte. Die Parfümerette gab ein nachsichtiges Lächeln von sich. „Eine Flasche Kölnisch Wasser, sehr gerne. Bei der Größe sparen Sie auch mehr als…“ „Nichts da“, wimmelte ich sie ab. „Die Dame muss noch keinen Leichengeruch überdecken. Zeigen Sie uns mal ein paar Düfte für die anspruchsvolle Genießerin.“ Breschke zupfte mich am Ärmel. „Fragen Sie sie doch lieber nach etwas für meine Frau.“ Dreizehn Pröbchen später – Lavendel, Zedernöl und sehr viel Maiglöckchen – waren wir bei L’Incroyable angelangt. Breschke zuckte zurück. „Das geht schon in Ordnung“, beruhigte ich die Verkäuferin. „Zu dem Preis hätten wir ja gerade einmal ein halbes Topfset bekommen.“

Ein silbrig glitzerndes Tütchen verlegen in den Fingern drehend verließ Breschke das Kaufhaus und machte Anstalten, den Heimweg anzutreten. „Haben Sie nicht noch etwas vergessen?“ Er lief rot an. „Hören Sie mal“, jammerte er, „was wollen Sie denn noch? Meine Frau wird jetzt schon nicht mehr wissen, was Sie davon halten soll!“ Ich blieb ungerührt. „Was hätte sie gesagt, wenn Sie tatsächlich mit Töpfen angekommen wären?“ Er musste nicht lange überlegen. „Sie sagt dann, ich soll mich nicht so in Unkosten stürzen.“ „Und wann haben Sie ihr zuletzt Blumen geschenkt?“ „Das war letztes Jahr im – nein, gar nicht wahr, da kam ja unsere Tochter aus Spanien zurück, das muss im Sommer, oder war es doch schon im…“ Breschke grübelte. Ich bugsierte ihn über die Straße zum Floristen. „Denken Sie daran, was Sie schon alles im Vergleich zu den Töpfen gespart haben. Da sind doch zwei Dutzend Rosen drin, oder?“

Hildegard war nachhaltig verwirrt, als sie die Küche betrat. „Dass Breschke Dir eine Flasche Champagner schickt, mag ja sein. Aber heute? Und dann hatte er auch noch so ein entrücktes Lächeln im Gesicht.“ Ich schmunzelte. „Das ist doch ausgesprochen geschmackvoll, oder?“ Sie zog eine Augenbraue hoch. „Geschmackvoll? Ich sage Dir, der Valentinstag ist entlarvend. Den meisten Männern fällt sowieso nicht mehr ein, als Blumen und Parfüm zu schenken.“





Glück aus der Tube

13 02 2009

Jedes Jahr derselbe Terror. Der Spamordner platzt aus allen Nähten, Werbung verstopft den Briefkasten, alle setzen sie mir die Knarre an die Schläfe, damit ich Konfekt und Damenunterwäsche kaufe, bis der Dispo droht. Wie mir dieses Fest der Liebe auf den Sack geht!

Nein, nicht Weihnachten. Valentinstag. Schmachten nach Zahlen. Diesen Frontalangriff auf Geld- und Herzbeutel, bei dem beides auf der Strecke bleibt. Herzklopfen auf Zuruf. Müßig zu sagen, dass Hildegard bei den ersten Parfümerie-Prospekten, die sie mit der Tagespost reintrug, einen lauernden Blick aufsetzte. Die Schlange fordert einen Liebesbeweis.

Am 14. Februar 1929 zogen ein paar Killer in Chicago Polizeiuniformen an und nieteten ihre Konkurrenten um. Auf der Flucht gewandete sich einer von ihnen schnell als Verdächtiger und wurde von den kreuzfalschen Ordnungshütern abgeführt. Niemand schöpfte Verdacht. Die Welt war wieder in Ordnung. Sie hätten sich als Einzelhandelskaufleute verkleiden sollen, denn genau so fühle ich mich: die Wächter von Liebreiz und Zärtlichkeit nehmen mich in die Mangel. Wenn ich mitspiele, darf ich bis auf weiteres überleben. „Verknallt sein“ gewinnt da eine leicht schräge Bedeutung.

Also suchte ich einen dieser Läden auf, deren Logo ganz danach aussieht, als beträte man eine Reparaturwerkstatt für Federboas. Zwei unfassbar aparte Damen kreuzten millimetergenau meinen Weg und ließen eine Duftwolke hinter sich, die bei Funkenflug zu einem Inferno geführt hätte. Ich hatte mich also doch nicht in der Tür geirrt.

Was schenkt man nun einer Frau, die, sagen wir mal, nur mühsam zu befriedigen ist? Unschlüssig stand ich zwischen zwanzig Metern Nagellack auf einer Seite und einer Kletterwand voller Lippenstift auf der anderen. Gott sei Dank sprach mich eine der Dekorationsdamen an. Zumindest sah es unter der messerrückendicht aufgetragenen Puderschicht nach Lippenbewegungen aus. Gerettet.

Mit dezenter Herablassung erkundigte sich die Parfümöse, welcher Typ denn die Dame sei. Was sollte ich antworten? Dass Hildegard unmusikalisch ist, ständig dazwischenredet und ein Besuch im Möbelmuseum mit ihr peinlich wird, da sie Barock und Bauhaus nicht unterscheiden kann? Dass sie aussieht wie die personifizierte Hungersnot mit einem Haarschnitt, für den ihr Frisör standrechtlich erschossen gehört? Oder dass ihre Qualitäten als Spaßbremse oft kopiert werden, aber noch immer als unerreicht gelten? Ich entschied mich dafür, sie als anspruchsvolle, reife Frau zu bezeichnen. Man lügt so ungern, wenn’s um das Liebste geht.

Zum Einkreisen des Zielprodukt zwang mich die Visagistin, den Hauttyp meiner Frau (ich ließ die Verkäuferin in ihrem Glauben über meinen Familienstand, um mir alle weiteren Diskussionen zu ersparen) möglichst erschöpfend zu beschreiben. Trocken, fettig, Mischhaut? Hm, nicht so leicht. Hildegard hat die Haut eines Pfirsichs. Eines siebenunddreißig Jahre alten Pfirsichs, um es genau zu sagen.

Die existenziellen Fragen drangen auf mich ein. Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen? Und warum stehe ich hier in einem Fachgeschäft für Schönheitsbedarf, um Kosmetika für Verliebte zu kaufen? Wieso verliebt? War Hildegard etwa frisch verliebt in mich? Noch am Abend zuvor hatte sie mir resolut das Kirschwasser aus der Hand gerissen und mitgeteilt, sie gedenke nicht, mich darin zu unterstützen, wie ich die Voraussetzungen für einen jähen Herzinfarkt zu schaffen mich befleißige – sie wünschte mir jahrelanges Siechtum mit schier unerträglichen Schmerzen, irgendeinen ekelhaften Krebs und am liebsten noch Pest und Pocken dazu. Klang das frisch verliebt? Nein, eher nach einer organisch gewachsenen Zweierbeziehung.

Früher waren Frauen mit Lavendelseife zufrieden. Zum Namenstag. An Sankt Valentin gab’s maximal eine Grußkarte plus Schnittblumen. Für die Floristeninnung ein willkommener Anlass, den Preis für rote Rosen knapp zu verdreifachen und auf Bestellung struppiges Spargelkraut mit untoter Baccara-Beilage zu liefern.

Als Nothilfe reichte mir die Rougereklame das Fertigkaufangebot für vollignorante Gatten unter Zugzwang: vielfarbige Knisterfolie mit Badepillen in den Duftnoten Sanitärreiniger bis nasser Hund. Einmalig. Ich war begeistert. Erst auf dem Weg zur Kasse fiel mir ein, dass meine Mansarde zwar einen Stutzflügel und eine Luxusküche beherbergt, aber leider nur mit einer Duschwanne ausgestattet ist.

Wir fanden rasch Ersatz. Ich nahm das Tiegelchen zur Hand und kramte die Brille aus der Anzugtasche. Aufbaustoffe auf reiner Paraffinbasis, neue Beauty-Shine-Formel mit polyzyklischen Kohlenwasserstoffen, Phthalsäureester in siebzehn Trendfarben, Vasenol, Bisabolol, 1-Octen-3-ol, diverse anorganische Säuren sowie eine Überdosis Ylang-Ylang. Das musste einfach gut sein. Meine Hemmschwelle sank ins Bodenlose, als ich auf der Vorderseite Revitalizing Sensitive Satin Maximum Moisturizer Creamy Look Gloss las. Das mit dem Sensitiven glaubte ich zwar nicht – Hildegard gehörte zu der Sorte Frau, die auch beim Trauergottesdienst noch über schlecht gefeudelte Kirchenböden mosert – aber etwas Revitalisierung kann nie schaden. Möglich, dass sich meine Liebste in ihrer nächsten Inkarnation in ein anmutiges Frauenzimmer verwandelt.

Übrigens besteht Hildegard auf getrennte Betten, seitdem ich ihr Handcreme geschenkt habe.