Wundersame Brotvermehrung

27 06 2018

„Das können Sie so nicht sagen.“ „Warum denn nicht? Wir wissen doch alle, was hier abläuft!“ „Aber Ihre Erklärung, dass die…“ „Es kommen immer mehr Ausländer nach Deutschland, die nicht arbeiten wollen, also ist am Fachkräftemangel der Islam schuld. Ist Ihnen das zu hoch?“

„Zunächst mal, den gab es schon früher.“ „Ja, und die Erderwärmung haben die Deutschen ganz alleine hingekriegt.“ „Fast richtig, aber so gut ist deutsche Technik nun auch wieder nicht. Wenn hier beispielsweise eine Million Menschen ins Land kommen, dann heißt das auch: für eine Million Menschen muss Brot gebacken werden, die brauchen Schuhe und…“ „Typisch, woran Sie als Gutmensch wieder denken! Kaum sind sie in Deutschland, müssen die unbedingt Luxusschuhe shoppen. Steht alles so im Koran, oder?“ „Unsinn, die brauchen genauso Schuhe wie die Deutschen.“ „Wir hatten damals ja nichts! Da ist sogar der Russe gekommen und hat uns die Schuhe von den Füßen gerissen, weil er nichts zu beißen hatte.“ „Und Sie wollen jetzt unbedingt dieses Früher?“ „Wir werden diese Provokation nicht länger auf uns sitzen lassen, davon können Sie ausgehen!“

„Also zunächst mal brauchen die Brot, die meisten müssen ab und zu mal zum…“ „Mit anderen Worten, die kommen hierher, um uns das Brot wegzufressen.“ „Halten Sie denn Deutschland für unterversorgt?“ „Dank dieser islamischen Invasion haben die Deutschen bald kein Brot mehr, was meinen Sie denn, wie lange das gut geht?“ „Im Kapitalismus ist es doch so, dass die Nachfrage das Angebot regelt, oder?“ „Soll das heißen, wir sollen dem Islam jetzt auch noch dankbar sein, dass er in Deutschland für die wundersame Brotvermehrung gesorgt hat?“ „Eigentlich schon, irgendwer muss das Brot ja auch backen.“ „Das kommt doch meistens aus der Fabrik.“ „Und selbst da sorgt es für Umsatz.“ „Sie wollen also eine Industrie, in der keine Umsätze mehr gemacht werden?“ „Das ist doch wieder typisch – ein klar erkennbares Zeichen, dass die Wirtschaft von der Marionettenregierung die Islamisierung Deutschlands gefordert hat, und die liefert wie bestellt. Wir Deutsche reichen wohl als Verbraucher nicht mehr aus, wie?“ „Und wer backt jetzt das Brot?“ „Die Fabriken, haben Sie doch selbst gesagt.“ „Irgendwer muss da auch die Maschinen bedienen, wenn ich das richtig sehe.“ „Dann denken Sie doch mal nach: warum kommen denn die muslimischen Horden gerade jetzt?“ „Sagen Sie’s mir.“ „Weil es inzwischen von ihnen so viele gibt, die uns das Brot wegfressen, dass die Wirtschaft auch noch den daraus entstehenden Mangel an Arbeitskräften kompensieren muss, und raten Sie mal, wer dann plötzlich auf der Matte steht und die Jobs haben will.“ „Ich müsste kurz überlegen.“ „Dann überlegen Sie mal, und überlegen Sie auch, woher die Forderung mit dem Familiennachzug kommt. Die Vorhut ist schon da, und bald wird man in Deutschland überhaupt kein normales Brot mehr bekommen, sondern nur noch von islamistischen Fachkräften gebackenes.“

„Da können Sie ja ganz froh sein, dass die keinen Alkohol trinken.“ „Wollen Sie mich jetzt schon wieder provozieren?“ „Stellen Sie sich mal vor, im Koran gäbe es kein Alkoholverbot.“ „Im Zusammenhang mit dieser Hetzschrift habe ich überhaupt keine Vorstellung, ja!?“ „Dann würden die uns auch noch das Bier wegtrinken.“ „Sie verstehen nicht viel von Volkswirtschaft, oder?“ „Wo liegt denn das Problem?“ „Darin, dass diese Islamisierung uns die Brauereien kaputtmacht.“ „Können Sie mir das eventuell erklären?“ „Der Islam sorgt dafür, dass immer mehr Antialkoholiker in Deutschland leben.“ „Die trinken Ihnen nicht das Bier weg, ist doch auch schön.“ „Schön nennen Sie das!?“ „Wo Sie doch jetzt schon nichts mehr zu essen haben.“ „Wir haben hier bald eine Quote von fünfzig Prozent Islamisten, die den Alkohol verweigern!“ „Und?“ „Wenn immer weniger Deutsche Bier trinken, wird die Brauereiindustrie die Standorte schließen.“ „Und Schweineschnitzel wird es auch bald nicht mehr geben, richtig?“ „Die Islamisierung ist in vollem Gange, und Sie wollen die Zusammenhänge nicht erkennen. Das sind doch die Fakten!“ „So gesehen müsste man das Kinderkriegen verbieten.“ „Warum?“ „Haben Sie schon mal ein Kleinkind gesehen, das sich ein deutsches Auto kauft?“

„Sie wollen die Zusammenhänge nicht sehen, dabei liegen die doch auf der Hand!“ „Dann erklären Sie mir mal, warum wir so einen stabilen Brotpreis haben.“ „Wegen der Nachfrage, die das Angebot umsetzt. Oder irgendwie so. Ich kenne mich mit Sozialismus nicht so aus.“ „Nur auf nationaler Ebene.“ „Höchstens.“ „Und wenn die Nachfrage steigt, müsste der Preis doch eigentlich sinken.“ „Das kann sein.“ „Oder wenigstens stabil bleiben, weil der Erzeuger eine ziemlich hohe Sicherheit hat, dass sein Brot auch morgen noch gegessen wird.“ „Jetzt begreifen Sie es langsam! Die Islamisierung hält an, das stabilisiert die deutsche Wirtschaft – und zugleich versauen uns diese Invasoren den Preis für unser deutsches Brot. Wenn ich mir Ihre Argumentation so ansehe, was Sie alles ausblenden und wo Sie Zusammenhänge konstruieren, wo einfach keine sind: was lernt man eigentlich heutzutage auf einer deutschen Schule?“





Glückes Unterpfand

8 03 2018

„Brüderlich zusammenhält – klar, das hat sich die Abgasindustrie ausgedacht, und die Politik steckt mit denen unter einer Decke. Das können Sie mir nicht erzählen, dass das ein Zufall ist. Brüderlich! Die haben es nämlich alle auf uns abgesehen, die Schweine!

Oder hier, Einigkeit. Das ist doch auch geplant, kaum haben die wieder eine große Koalition an die Regierung gebracht, redet plötzlich die Beauftragte von Einigkeit. Und das gehört bei der nicht zu den Sachen, die sie kritisiert. Das stinkt doch! Die hätte mal lieber die Einigkeit der Politik gegen das Volk bemerken können, wir werden doch verarscht! Die wollen uns austauschen, und deshalb singen die seit Jahren vor jedem Länderspiel diese Hymne! Ja denken Sie denn, wir merken das nicht!?

Couragiert sollen wir jetzt alle sein. Lächerlich! Wenn wir couragiert wären, hätten wir keine solche Regierung, oder wenigstens eine, die selbst couragiert ist! Aber eine Bundesregierung mit Zivilcourage, das glauben Sie doch selbst nicht! Das ist doch Unsinn, wenn Sie mich fragen – das würde uns auch im internationalen Vergleich völlig zurückwerfen! Wie sollen wir denn die Wirtschaft am Laufen halten, gerade jetzt, wo die Amis uns mit Krieg drohen, wenn wir sie mit einer solchen Regierung ausbremsen? Das können wir uns nicht leisten, sonst geht doch Deutschland endgültig vor die Hunde.

Oder das ist tatsächlich so gemeint, Glückes Unterpfand – wer weiß denn schon, für wen? Gut, wir wissen das alle, aber das darf man heute ja nicht mehr laut sagen, sonst kommt gleich die Nazikeule. Wir sind als Deutsche ganz besonderen Regeln unterworfen, das zeigt sich unter anderem auch in den nationalen Symbolen. Dass man die als Deutscher überhaupt noch so bezeichnen darf, das grenzt ja schon an ein Wunder. Als Deutscher irgendwas Nationales sagen, das wird sofort bestraft oder zumindest deutlich in die rechte Ecke gestellt. Man darf ja noch nicht mal sein Vaterland lieben, das wird gleich als Patriotismus dargestellt, und der Begriff ist für diese linksversifften Deutschenhasser sowieso eindeutig belegt!

Man muss auch mal intellektuell an das Thema drangehen. Jetzt sagen Sie gleich wieder, das ist so ein Streber, der will das politisch ausdiskutieren – ja, will ich, und das ist mir tatsächlich ein Anliegen, das mal ganz objektiv zu betrachten, wir befinden uns doch in einer gesellschaftlichen Wirklichkeit! Das darf man doch nicht einfach mit irgendwelchen Theorien unterschlagen, dass das auch alles auf unsere sozialen Zusammenhänge wirkt! Wenn man die nationalen Symbole, unsere nationalen Symbole ändert, dann ändert man doch nicht die Realität! Natürlich können Sie was von Brüderlichkeit reden oder singen meinetwegen, oder Heimatland, aber das ändert doch nichts daran, dass die Politik uns dieses ganze Ausländerpack hier reinschleust, und dann ist auch bald Schluss mit Heimatland! Dann ist hier keine Heimat mehr! Das muss man in den größeren politischen Zusammenhängen kapieren, und da ist es mir scheißegal, dass Sie mich als intellektuelles Arschloch bezeichnen! Sie können ja nichts für Ihre mangelnde Bildung!

Das ist dieser ganze Genderwahnsinn, den wir hier wieder auszubaden haben. Das sind die Leute, meistens Frauen, die sich nicht entscheiden können, ob das jetzt Krankenbruder heißen soll oder gleich Krankenschwesterin. Wir haben zwei Kriege im letzten Jahrhundert geführt, wir haben dieses Land wieder aufgebaut, wir haben das Wirtschaftswunder geschafft und die Wiedervereinigung, leider ohne die Ostgebiete, aber man kann ja nicht alles haben, Hauptsache uns geht’s gut, und haben wir dazu dies Gegender gebraucht? Vaterland, Muttermilch, es gibt Sachen, die sind halt so!

Aber ich sage es Ihnen, das ist doch von denen auch wieder so ein Schachzug, die wollen uns beschäftigen, das heißt, die wollen, dass das Volk sich beschäftigt mit dem Quatsch, und dann können sie in aller Ruhe die nächste Agenda durchziehen. Jetzt wird dieser Geiselnehmer freigelassen, da hat das Staatsfernsehen extra noch einen Film gedreht, zwei Teile, finanziert mit unseren Zwangsgebühren, die fast dreißig Prozent des deutschen Volkes übrigens nicht mehr bezahlen wollen, wenn Sie die schweigende Mehrheit da einrechnen, dann wissen Sie ja, was rauskommt – wie gesagt, das haben die gut eingefädelt, hervorragendes Timing, und ich will gar nicht wissen, was die uns sonst noch in den nächsten Monaten auftischen. Fußball ist ja auch noch. Wundern Sie sich?

Bürgerlich mit Herz und Hand, das wär’s noch gewesen, aber in diesem linksgrünen Chaos, in dem das Land gerade verendet, da ist doch nicht mehr viel mit Bürgerlichkeit. Überall wird demonstriert gegen die Belange des deutschen Volkes, man darf noch nicht mal friedlich ein paar Asylanten davon überzeugen, dass sie hier nicht hingehören, da ist dann sofort die Antifa, Einigkeit und Recht, die Freiheit nehmen sie sich raus, und dann wollen sie uns natürlich erzählen, dass es gar keine deutsche Kultur gibt. Ich meine, man soll ja alles sagen dürfen, das ist immer noch ein Rechtsstaat, aber manche Sachen sollte man auch einfach verbieten dürfen. Meine Meinung!“





Missionarsstellung

2 11 2017

„Dann stimmt das also, dass die Kirche bei der Islamisierung mitmacht?“ „Haben Sie wieder Ihre Pillen nicht genommen?“ „Steht hier doch: der Papst klagt über zu wenig Kinder.“ „Das kann bei der Kirche ja auch ganz andere Gründe haben.“

„Aber wir sollen doch furchtbar…“ „Fruchtbar, das Wort ist: fruchtbar.“ „Egal, jedenfalls sollen wir uns im christlichen Abendland doch vermehren.“ „Gilt das auch für Protestanten?“ „Ich bin auch gegen diese rassefremden Invasoren, die haben doch keine andere Freizeitbeschäftigung, als die Herrenrasse durch den Geburtskanal zu…“ „Also gilt das nicht für Protestanten?“ „Sie können hier so viel protestieren, wie Sie wollen, aber deshalb muss doch der deutsche Export erhalten bleiben.“ „Gut, ich geb’s auf – Sie und der Papst werden in diesem Leben sicher keine Freunde mehr.“ „Das will ich dem aber auch geraten haben! Dieser Jesus, der soll ja damals in einer jüdischen Moschee beschnitten worden sein! Schweinerei!“

„Woran liegt das denn, dass sich die Deutschen nicht mehr vermehren?“ „Die kriegen kein Kindergeld mehr, wenn die Nordafrikaner hier einwandern.“ „Die sind doch ohne Kinder?“ „Aber die beantragen das, und dann wird das denen auch sofort ausgezahlt. Steht im Internet.“ „Und deshalb haben die Deutschen keine Kinder mehr.“ „Es kann natürlich auch daran liegen, dass die Kirche inzwischen heimlich Verhütungsmittel verkauft, um die Umvolkung voranzutreiben.“ „Das steht auch im Internet?“ „Könnte ja, aber die Politik würde das niemals zugeben.“

„Der Papst sagt doch selbst, dass die Menschen keine ausreichende wirtschaftliche Perspektive mehr haben.“ „Dann gucken Sie sich mal die ganzen Einwanderer an, die haben auch keine wirtschaftliche Perspektive, und trotzdem sind da lauter Kinder.“ „Dann müssen die ihre Kinder ja präventiv bekommen haben, bevor sie in die wirtschaftliche Unsicherheit in Europa gekommen sind.“ „Denen geht’s doch nicht wirtschaftlich unsicher, die kriegen doch alles nachgeschmissen in Deutschland!“ „Deswegen wollen Sie die auch wieder weghaben, stimmt’s?“ „Natürlich, aber das ist doch auch in deren Interesse. Die haben hier doch keine wirtschaftliche Perspektive!“

„Und dass die Deutschen nun keine Kinder mehr kriegen?“ „Wir machen die doch selbst!“ „Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheit?“ „Die wird bald abgeschafft.“ „Wann?“ „Wenn wir endlich wieder mehr Kinder haben, dann können die auch mehr arbeiten und zahlen mehr Steuern, und dann sind wir nicht mehr wirtschaftlich unsicher in unserem eigenen Land.“ „Hm.“ „Sie glauben das nicht? Dann sind Sie genau wie der Papst!“ „Macht der die Kinder?“ „Der glaubt das auch nicht und redet die ganze Zeit davon, dass wir kein Geld haben.“ „Also von der wirtschaftlichen Unsicherheit.“ „Genau. Und dass wir nur mehr Geld brauchen, dann gibt es auch wieder mehr Kinder, aber das ist total falsch.“ „Wieso?“ „Dann gucken Sie sich doch mal diese ganzen Ausländer an, die haben kein Geld, aber die machen trotzdem ständig Kinder.“ „Wie das denn?“ „Die wollen uns umvolken.“ „Ich dachte immer, das machen die Politiker?“ „Die Kirche auch!“ „Also handeln die Flüchtlinge, die größtenteils muslimisch sind, im Auftrag der Kirche?“ „Oder umgekehrt, wer weiß das schon?“

„Und wenn man einfach die Löhne anhebt?“ „Dann kommen doch noch mehr von denen!“ „Aber dann können sich auch mehr Deutsche eine Familie leisten.“ „Dann haben wir noch mehr Arbeitslose, weil die uns die Jobs wegnehmen, wenn sie alle nach Deutschland kommen.“ „Wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit?“ „Genau, sollen die doch lieber in Arabien arbeitslos sein. Dann bricht da auch kein Krieg aus und die müssen nicht immer nach Deutschland fliehen.“ „Jetzt habe ich das verstanden.“ „War doch damals bei Hitler genau so, alle waren arbeitslos, deshalb haben die einen Krieg geplant.“ „Die Deutschen?“ „Die Nazis. Also Hitler, aber die meisten wissen nicht, dass der aus Österreich kam.“ „Jetzt wird mir ja einiges klar.“ „Stellen Sie sich mal vor, der hätte für eine Umvolkung Ausländer nach Deutschland geholt – dann hätte er nie einen Krieg anfangen können.“ „Vielleicht brauchte er die ja gar nicht, weil er Osteuropa umvolken wollte?“ „Meinen Sie?“ „Man kann es nicht ausschließen.“ „Deshalb ging es dem Ostblock auch damals so schlecht. Die hatten ja gar keine wirtschaftliche Sicherheit.“ „Das könnte aber auch am Krieg gelegen haben.“ „Das glaube ich nicht, der Russe war doch daran beteiligt.“ „Und die haben deshalb so viele Kinder gekriegt, weil der Krieg…“ „Das verwechseln Sie jetzt. Außerdem hat das der Papst gar nicht gemeint, der ist doch für die Russen gar nicht zuständig.“ „Ah, das wusste ich nicht.“ „Der ist nur im Vatikan, und wahrscheinlich hat er jetzt nicht mehr genug Kinder für den Religionsunterricht.“ „Es ist aber auch verwirrend!“ „Der hat da ja eine Missionarsstellung, und die wirkt sich auf Russland gar nicht aus.“ „Auf Arabien auch nicht?“ „Da bin ich überfragt.“ „Auf jeden Fall wissen wir es jetzt, es liegt alles an der Wirtschaft.“ „Das war doch von Anfang an klar.“ „Wenn das nur jeder einsehen könnte…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLII): Die taktische Verschwörungstheorie

11 11 2016
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Geschichte dessen, was wir für Zivilisation halten, ist eine Geschichte hanebüchenen Unsinns, den nicht wenige Zeitgenossen ohne nennenswerte kognitive Eigenleistung glauben. Wie sich dumpfe Ideologien aus Versatzstücken grobe Erklärungen für eine komplexe Welt zurechthämmern, ist weder neu noch originell, hat überwältigend niveauloses Gefolge und dient sich ebendiesen Knalltüten an, weil die Koordinatenbieger mit Bedacht verstrahltes Personal für eine trennscharfe Zielgruppe aus dem Mob mitschnacken. Was da als soziales Konstrukt, das der Existenz von Außerirdischen, Reptiloiden und Gespenstern seinen angeblich unterdrückten Wahrheitsgehalt verdankt, auf vielseitig ungebildete Quotenwürstchen prallt, hat durchaus das Zeug, gesellschaftliche Strukturen in Schutt und Asche zu legen, wenn es als taktisch eingesetzte Verschwörungstheorie funktioniert.

Jede Verschwörungstheorie ist Ausdruck einer Verunsicherung, die sich einen billigen Ausweg in der kompletten Realitätsverleugnung sucht – Flucht reicht hier nicht aus, denn die Wirklichkeit hat die unangenehme Eigenschaft, ihre Kritiker nicht zu entlassen. Da sie im Kern die Welt umzukrempeln verspricht, ist die Theorie kein singuläres Gebilde, sondern arbeitet sich krebsartig voran. Mit einem Luftschloss wird ein anderes erklärt, wie Lochfraß, der sich seinen Weg durch alle Hirnbereiche bahnt, so dass endlich alle Erkenntnis einem primitiven, aber widerspruchsfreien Mythos dient. Erscheint trotz allem Widerspruch, wurde er von ihnen geschürt. Sie sind die anonyme Macht, Illuminaten, Freimauer oder die geheime Weltregierung, die den Vorteil hat, völlig unangreifbar zu sein, ewig bestehend, unbegrenzt in ihrer diabolischen Macht und daher der optimale Endgegner, der sich bei allen Fehlschlägen der Verschwörungstheoretiker nicht verbraucht, nicht einmal, wenn der dutzendfach genau berechnete Weltuntergang mangels göttlicher Fügung bisher zuverlässig ausfiel.

Und diese maßgeschneiderte Teufelsgestalt ist wichtig: wer an sie glaubt, hat autoritäre Denk- und Verhaltensmuster eingeübt und derart verinnerlicht, dass er sie gegen jede rationale Erklärung verteidigt. Die autoritäre Persönlichkeit aber, die sich unterwirft, ist Schlüssel zur Funktionalisierung und Garant für den Erfolg des taktischen Gebrauchs. Hier beginnt, je nach Perspektive, die Verschwörungsmeta- oder Metaverschwörungstheorie.

Wie die Esoterik, der im Niedervoltbereich erleuchtete Stiefzwilling der Pseudowissenschaft, dient auch jede andere aggressive Verleugnung von Vernunft und Aufklärung als beliebter Test für die Hohlpflockrotte, die jedem populistischen Gewinsel Beifall patscht. Die autoritätsgläubige Person, deren flach strukturiertes Denken schon bei kleinstem Bodenverlust Höhenangst kriegt, lässt sich aus Gewohnheit glitschiges Zeug in die Birne kippen, ohne messbare Gegenwehr, wenn es einerseits die bisher vorhandene Mystik nicht durch Fakten stört, andererseits die Angstwut vor ihnen weiter schürt und sie als gemeinsames Feindbild im Amt bestätigt. Die als zuverlässig behämmert Erkannten, die die Mondlandung für einen Filmtrick halten und Elvis für lebendig, werden auch tapfer den Holocaust leugnen und die Umvolkung der Deutschen erwarten. Wer seinen ideologischen Sondermüll bei den Stumpfklumpen ins Hängeschiebregister pfropft, entsorgt also nicht den intellektuellen Faulschlamm, er ersetzt ihn nur durch Auswurf in anderer Geschmacksrichtung. Jeder, der Chemtrails für physikalisch möglich hält, rennt auch hinter Die Juden sind unser Unglück her, prügelt sich für den Dünnsinn und wirbt neues Vieh für den Schädelentkerner. Man braucht wenig Kreativität, Buhmänner und Popanze in Parteipropaganda hineinzuschwiemeln und sie auf die minderbemittelte Masse loszulassen, um jederzeit Wirrlichter im Wartezimmer zu finden.

Nicht einmal die Bumsköpfe um den Bettnässer aus Braunau haben es anders gemacht, als sie in den eigenen Reihen nach Horoskop, Homöopathie und ähnlichem Hokuspokus handelnde Hohlhupen aufspürten, um sie von den Hellsehern und Wünschelrutengängern zu nationalsozialistisch approbierter Pendelei und Rassenlehre zu bekehren – die Beklopptheit war grundsätzlich erwünscht, ihr Aggregatzustand wurde im Sinne der eigenen Macht beliebig uminterpretiert. Wenig anders sind die Geschäftspraktiken der Religionsmanufakturen, die wahllos zusammengehauenen Schmadder als Glaubenssysteme auf den Markt klatschen, um mit den durch ihnen erzeugten Frustrationserfahrungen neue Produkte aus dem breiten Sortiment für ausgeknipste Blitzbirnen nachzuliefern, bis in der Kasse die Spinnenweben verkleben. Vermutlich sind Chemtrails schuld, dass sich der Erfolg nicht einstellt, die mit dem Trinkwasser verabreichten Hormone, RFID-Chips, die bei jeder Impfung unter die Haut geschossen werden, der Fäkaliendschihad, der Papst, die Weltbank, die Dinosaurier, Pippi Langstrumpf, ein Eimer Streusand auf Lummerland. Und natürlich sie.





Abrechnung

26 10 2016

„Kommen Sie gleich mit durch, dann zeige ich Ihnen den Arbeitsplatz. Wir sind hier sehr modern eingerichtet, die Amerikaner zahlen das ja. Und den Rest geben uns die Rothschilds dazu.

Ihren Referenzen entnehme ich, dass Sie bisher im öffentlichen Dienst beschäftigt waren? Sehr gut, Ihre Kenntnisse werden wir gut brauchen können in der BRD GmbH. Wir sind, wenn Sie so wollen, der nicht öffentliche Dienst. Und wir arbeiten natürlich auch nicht für die Bevölkerung, sondern für unsere Auftraggeber. Wenn man Sie fragt, dann sagen Sie am besten, Sie arbeiten in einem gesellschaftlich engagierten Unternehmen. Das ist sogar fast richtig.

Hier hätten wir also unsere Schreibtische, und da hinten ist die Kaffeemaschine – wer den letzten aus der Kanne nimmt, kocht neuen nach – und da geht’s zum Archiv. Das sind die vier Stockwerke unter uns. Für manche Verwaltungsvorgänge ist es immer noch besser, man sammelt die Daten in Schriftform. Hier hätten wir den Übersichtsplan, wo Sie welche Ausweise finden. Die Nummern sind dabei das Erkennungszeichen. Wir nennen den Raum auch scherzhaft die Personalversammlung.

Naja, es ist eigentlich nicht großartig anders als in anderen Firmen, nur haben wir halt 80 Millionen Angestellte und freie Mitarbeiter. Alles ein bisschen größer, aber im Grundsatz nimmt sich das nichts. Ja, Ihr Sachgebiet wären Steuern und Abgaben, die müssen abgeglichen, notfalls eingetrieben werden. Wir haben dazu Außendienstmitarbeiter, die wir der Einfachheit halber in Ämtern konzentriert haben. Finanzverwaltung halt. Gerichte, Gefängnisse, das volle Programm. Das läuft natürlich alles unter unserem Label, damit uns da keine Nachahmer in die Quere kommen. Stellen Sie sich mal vor, da würde einer auf eigene Faust eine Fernsehabgabe kassieren oder Rentenversicherungsbeiträge – da wäre die Hölle los bei unseren Auftraggebern. Das möchten Sie nicht erleben.

Wobei wir als nicht öffentliches Unternehmen selbstverständlich auch nichts anderes sind als ein ganz normaler Marktteilnehmer. Sie werben zum Beispiel neue Mitarbeiter, und dafür bekommen Sie Prämien ausbezahlt, nehmen an unserem internen Bonussystem teil, bekommen Personalrabatte – Sie kennen das zum Beispiel als Kindergeld – und dann steigen Sie in der Unternehmenshierarchie auf. Das müssen wir als Anbieter staatsähnlicher Leistungen einfach anbieten. Der Markt ist hart umkämpft, und ehe uns ein Mitbewerber in die Quere kommt, überzeugen wir lieber unsere Mitarbeiter durch mehr Zufriedenheit im Unternehmen.

Nehmen Sie mal den Bogen hier. Was sehen Sie da? Richtig. Der Mitarbeiter hat bei unserem militärisch-industriellen Komplex Waren gekauft, in diesem Fall ein Kraftfahrzeug, und was wird da jetzt fällig? Nein, die Versicherung gehört nicht zu unserem Konzern, das ist ein Subunternehmen. Die zahlen ganz normal Schutzgeld – Umsatzsteuer, ich wollte Umsatzsteuer sagen, die zahlen also die Umsatzsteuer, und dann dürfen sie in unserem Gebiet einer gewinnorientierten Tätigkeit nachgehen. Sie müssen das Blatt hier anheften, und dann darf er die Mineralölsteuer entrichten. plus Kraftfahrzeugsteuer. Sie kümmern sich in Ihrer Abteilung nur um die Abgaben. Die Abrechnung machen ganz andere Leute.

Seit 1949. Damals waren 50.000 Mark eine Menge Geld, aber das haben uns natürlich die Alliierten vorgestreckt. An den Zinsen zahlen wir bis in alle Ewigkeit. Aber das wissen Sie ja sicher längst. Doch, wir sind selbstverständlich immer noch liquide. Die großen Immobilienblasen, der Euro, die Asylindustrie, der Umvolkungstourismus, das sind nicht direkt Unternehmenszweige, aber wir nutzen gewisse Synergien. Wenn ein Manager im Aufsichtsrat eines Unternehmens sitzt und zufällig auch im Aufsichtsrat eines anderen Unternehmens, dann lassen sich die Ziele der beiden Unternehmen möglicherweise etwas leichter koordinieren, wenn der eine Entscheidungsträger in den Spiegel rein und der andere wieder rausguckt. Wir sind nun mal ein Wirtschaftsunternehmen und nicht das Sozialamt der Welt.

Natürlich bieten wir hier auch regelmäßig Weiterbildungsveranstaltungen an. Zum Beispiel ändert sich alle paar Wochen die Gesetzeslage, zum Teil auch noch öfter. Und wir haben es mit extrem komplexer Materie zu tun, die kapiert nicht einmal unsere Rechtsabteilung. Aber das liegt eben auch daran, dass die Alliierten nicht nur auf die Wall Street und die Weisen von Zion hören müssen, mittlerweile sitzt im Aufsichtsrat der Weltregierung auch der internationale Islam. Also wenn Sie bisher in einer Behörde beschäftigt waren, in der ständige Kompetenzstreitigkeiten zum Arbeitsalltag gehörten, dann fühlen Sie sich hier wie zu Hause. Dagegen ist eine deutsche Forstverwaltung ein Kindergeburtstag.

Nein. Eine Gesellschafterversammlung hat es bisher noch nicht gegeben, das wäre auch etwas zu kompliziert. Und das mit der beschränkten Haftung ist auch in Vergessenheit geraten, unsere leitenden Angestellten werden nur weiterbeschäftigt, wenn sie alle Versprechen gehalten haben. Sie nennen die wahrscheinlich Politiker, ich habe keine Ahnung, man kommt hier so selten vor die Tür. Aber gut, jetzt wollen wir langsam mal an die Arbeit, der Laden muss ja laufen. Sind da von Ihrer Seite noch Fragen?“





Argent provocateur

24 08 2016

„Haben Sie die Arbeitsproben mitgebracht? Danke, ich schaue da gleich mal rein. ‚Gleichschaltung der BRD GmbH durch die Volksverräterin Merkel im Auftrag des Juden‘ – sagen Sie mal, woher wissen Sie das eigentlich?

Natürlich ist das ernst gemeint, wir als völkisch gesinnter Verlag mit dem Anspruch auf Mut zur einzig wahren Wahrheit müssen doch sehen, ob wir es mit vertrauenswürdigen Mitarbeitern zu tun haben. Jeder andere hätte da formuliert: ‚im Auftrag der Juden‘, Sie schreiben: ‚des Juden‘. Sie haben also wirklich begriffen, wer die Geschicke des deutschen Volkes lenkt, oder? Ah, der deutschen Rasse – Sie sind ein Hardliner, hatte ich mir doch gedacht! Großartig, das hatten wir in der Redaktion schon lange gesucht. Einen, der nicht nachfragt und sehr kritisch an Kritik rangeht, und der dazu noch unsere Sprache spricht. Klar und kompakt, so muss das sein, verstehen Sie?

Nein, das sind natürlich nur Gerüchte. Wir sind schon mal in Rechtsstreitigkeiten verwickelt, als Rechtsradikale ist das ja auch kein Wunder, höhö, aber dass es hier Maulwürfe geben sollte, das kann ich Ihnen so nicht bestätigen. Sie meinen jetzt, es gäbe Denunzianten, die der völkischen Bewegung Schaden zufügen wollten, oder? so vereinzelte Personen, die durch Geheimnisverrat der nationalen Sache schaden wollten, so dass der Herr Wiebels vom Bundesamt für Verfassungsschutz… – Ich kenne keinen Herrn Wiebels, und ich weiß auch gar nicht, dass der beim Verfassungsschutz, das müssen Sie in den falschen Hals… –

Also wir sind jetzt nicht direkt eine Außenstelle des BND, wissen Sie – mit denen haben wir nur einmal im Monat zu tun, dann sagen die uns Bescheid, dass alles in Ordnung ist. Aber mit dem Bundesamt, das kann schon mal vorkommen, dass die sich an uns wenden. Einmal, zweimal. Nein, pro Stunde. Für einen eigenen Schreibtisch haben wir hier in der Redaktion keinen Platz, da will der Elsässer seinen Kühlschrank stehen haben, aber zur informellen Mitarbeit sind wir dann natürlich gerne bereit. Mensch, das ist doch prima! für Journalisten neuen Typs kann es doch gar nichts Besseres geben als direkt an der Wurzel zu recherchieren, also im radikalen Bereich – das ist wirklich investigativ, und wenn Sie es langfristig überleben, dann sind Sie mit uns auf der Seite der Guten! Siegerjustiz, verstehen Sie? das ist doch für einen völkisch denkenden Menschen wie Sie geradezu… –

Ach so, Sie meinen das ernst? Konnte ich doch nicht wissen. Da wären Sie hier ja echt ein Exot. Ein rassefremdes Element, höhö, aber so schlimm ist das auch wieder nicht. Wir haben da so unsere Mittel und Wege, um neue Kollegen zu integrieren. Als identitäre Maßnahme, wenn Sie so wollen. Man muss ja wissen, wer Freund ist und wer Feind.

Diese Gerüchte mit dem Bachmann, die werden Sie doch nicht glauben, oder? Schauen Sie, die anderen müssen nur einmal mit der Lügenpresse reden und Neuwahlen fordern, und wir rufen zum Militärputsch auf, zur Ermordung der Kanzlerin, und was passiert uns? Geldstrafen. Glauben Sie nicht, dass der Bachmann von uns gekauft worden wäre. Oder dass wir ihn gekauft hätten. Wir sind in einem Boot, und da geht man eben nicht unter. Man muss sich nur mit den herrschenden Verhältnissen zu arrangieren wissen.

Meine Güte, warum wohl? es gibt doch ein ganz klares Motiv. Wir nehmen eben gerne, und es ist keine uninteressante Aufgabe, wenn Sie verstehen. Argent provocateur. Da zieht man schon mal einen ganzen Verlag hoch zur Tarnung, mit Zeitschriften und Vortragsreisen und Eva Herman, da ist man ab einem gewissen Kontostand komplett schmerzfrei.

Unser Verleger hat schon versucht, den Lesern zu erklären, dass der Islam doch zu Deutschland gehört. Wenn die Rothschilds ihm dafür eine neue Rolex spendieren, warum denn nicht? Man hat doch auch sein Sendungsbewusstsein, und das ist ja nicht aus dem Nichts gekommen. Meistens war’s Hunger, bei manchen auch Doofheit, aber meist Hunger, und da überlegt man nicht, für wen man welchen Mist schreibt. Ist doch so, oder?

Unsere Facebook-Seite wurde im staatlichen Auftrag gelöscht – jetzt hier mal bitte keine Kritik, das ist offizielle Verschwörungstheorie – und wir haben nach einer Rechtsberatung eingesehen, dass wir die Regierung nicht mehr nach Artikel 20 in die Gaskammer schicken dürfen, die der Jude erfunden hat, weil es sie nie gegeben hat. Alles ganz koscher. Der Attentäter von München war ein Arier, da legen wir als Reinrassige schon Wert darauf, aber wir haben uns dann irgendwann aus der Argumentation herausgehalten, weil unsere Auftraggeber da keinen Schlamassel haben wollten. Echt jetzt, Jebsen, die Wissensmanufaktur, Ulfkotte, Gauland, Höcke, was meinen Sie, was wir dieser Mischpoke für einen Zaster verabreichen. Aber es wirkt!

Also würden Sie jetzt das Ressort Flüchtlinge und Umvolkungspolitik übernehmen? Sie sind der richtige Mann dafür, das sehe ich doch. Noch nicht ganz gereift im Sinne unserer Mission, aber doch immer auf dem rechten Weg. Würden Sie eventuell für die nationale Sache zum Islam konvertieren? Beschneidung und Syrien und den ganzen Scheiß? es gäbe da noch eine Position als Frontreporter. Nennen Sie uns einfach Ihren Preis.“





Und mehret Euch

15 06 2016

„Die Bundesregierung arbeitet doch auch daran, oder?“ „Das sehen Sie völlig falsch.“ „Es gibt die Bevölkerungsreduktion, das steht fest!“ „Das ist richtig, aber nicht die Bundesregierung ist dafür verantwortlich. Wir handeln nur im Auftrag der Weltherrscher.“

„Und was ist jetzt das Ziel dieser Reduktion?“ „Wie der Name schon sagt: weniger Volk. Wir dezimieren die Bevölkerung, bis nur noch ein Bruchteil dessen übrigbleibt, was heute lebt.“ „Das verstehe ich schon, aber ich hatte nach dem Ziel gefragt.“ „Klar, das Ziel sind eben…“ „Warum!?“ „Sie müssen schon ein bisschen genauer fragen, Sie wollen nämlich in Wirklichkeit den Grund wissen. Wir sind zu viele. Also Sie. Sie sind zu viel.“ „Warum?“ „Herrgott noch eins, diese vielen Menschen – so viele Leute, mit denen man einen Staat organisieren muss! Die wollen Schulen und Schwimmbäder und…“ „Aber wenn es nur ein Zehntel wäre, die wollen auch Schwimmbäder.“ „Naja, die würden sich eventuell ihre Schulen und die Schwimmbäder selbst bauen, und dann würden wir sehr, sehr viele Steuern sparen.“ „Also ist die Reduktion ein Programm zur finanziellen Konsolidierung?“ „Im Kern ja.“ „Und welche Schicht soll dabei reduziert werden?“ „Sie. Also die Unterschicht.“ „Aha.“ „Die untere Mittelschicht wird natürlich auch dran glauben müssen, wenigstens teilweise. Die Chemtrails und die Infraschallwellen auf den Minaretten erwischen leider immer noch zu viele, die gar nicht gemeint waren.“ „Verstehe. Also weniger Steuerzahler.“ „Ja, so kann man das sehen.“

„Das ist doch total bekloppt.“ „Wieso?“ „Je mehr Steuerzahler sterben, desto weniger Steuern stehen dem Staat zur Verfügung.“ „Korrekt.“ „Man kann davon also keine Schulen bauen.“ „Und keine Schwimmbäder, das ist absolut richtig.“ „Und wir haben für industrielle Produkte keine Verbraucher mehr, und die Wirtschaft verreckt.“ „Sie können eben nicht rechnen. Wenn wir die Unterschicht los sind, dann könnten wir den Spitzensteuersatz auch wieder anheben, eine Vermögenssteuer einführen, eine Erbschaftssteuer, so was halt.“ „Warum nicht jetzt?“ „Weil wir mit dem Geld dann ja die Armen durchfüttern müssten. Wenn die weg sind, macht so ein staatlich finanziertes Schwimmbad gleich viel mehr Spaß.“

„Bleiben natürlich die Preise.“ „Wie kommen Sie jetzt auf die Preise? und wovon überhaupt?“ „Ihnen ist schon klar, dass so ein Auto viel mehr kostet, wenn ein Teil der Verbraucher dem Markt nicht mehr zur Verfügung steht?“ „Ihr Mitleid mit uns ist ja lieb, aber wir haben das nicht nötig. Wir haben derart viel Geld, dass wir…“ „Dann zahlen Sie doch die Steuern jetzt.“ „Dann können wir uns aber keine Autos mehr leisten.“ „Wenn Sie warten, bis die Konsumenten weg sind, können Sie sich überhaupt keine Autos mehr leisten.“

„Wir können jetzt sowieso nicht mehr zurück. Mit dem Impfprogramm und den Sterilisierungen haben wir endgültig das Ende der Bevölkerung eingeläutet.“ „Damit die Geburtenrate sinkt?“ „Genau. Diese Bevölkerung ist für Wissenschaft eigentlich viel zu dumm, das Problem muss man dann schon biologisch lösen.“ „Durch Ausrotten?“ „Das Wort ist hart, aber gut: Ausrotten ist inhaltlich korrekt.“ „Und die Umvolkung, von der jetzt immer die Rede ist?“ „Denken Sie doch mal mit: dieser negroide Halbaffe, der jetzt in Scharen einfällt, der verdrängt die Europäer.“ „Durch Geburten?“ „Wie denn sonst? Bald gibt es hier keinen einzigen Europäer mehr.“ „Sie rotten die Bevölkerung aus, indem Sie eine Geburtenexplosion herbeiführen? Ja, das hört sich enorm intelligent an.“ „Was ist denn daran nicht zu verstehen?“ „Ach, nichts. Es heißt ja in der Bibel schon ‚Seid fruchtbar und mehret Euch‘.“ „Damit war aber nicht Ihre Schicht gemeint.“

„Sie werden schon sehen, was das ergibt. Das heißt, Sie werden das eben nicht sehen.“ „Ach doch, die Anzeichen sind deutlich. Beispielsweise dieser böse Fachkräftemangel.“ „Sie sind darauf reingefallen? geschieht Ihnen ganz recht, was glauben Sie auch die Propaganda der Regierung.“ „Sie machen das nur, um die Löhne zu senken, richtig?“ „Wozu denn bitte sonst?“ „Und um die Einwanderung zu fördern.“ „Sie haben es kapiert.“ „Und dass Sie immer strengere Regelungen in der Lebensmittelsicherheit einführen, ist sicher auch so eine Maßnahme.“ „Wir entfernen Vitamine und Mineralstoffe aus allen Nahrungsmitteln. Gleich auf dem Feld.“ „Sie vergiften die Schweine, bevor sie einer erntet.“ „Quatsch, wir machen das mit Obst und Gemüse.“ „Was ist mit Bio-Landwirtschaft?“ „Sie sind von so einem bisschen Marketing aber gut zu beeindrucken.“ „Und woran erkennt die obere Mittelschicht dann, dass sie das Gemüse nicht kaufen sollte?“ „Gar nicht. Es ist egal, ob Sie das Zeug vom Bio-Bauern kaufen oder im Discounter. Es gibt nur noch eine Art von Gemüse.“ „Und was essen Sie?“ „Fleisch.“

„Dann habe ich nur noch eine Frage. Das Toilettenpapier.“ „Wieso Toilettenpapier?“ „Das ist ein Produkt, mit dem jeder in Berührung kommt, auch der, der keinen Euro anfasst und keine Zeitung und kein Buch.“ „Und?“ „Sie wissen schon, womit man sich da abwischt?“ „Was wollen Sie damit andeuten?“ „Sie haben das schon mal benutzt?“ „Ja, aber…“ „Ach, nichts.“





Strahlenkrank

1 06 2016

„Er ist mein Zeuge!“ Der kleine Mann mit dem schütteren Haar gestikulierte aufgeregt und zeigte mit dem ausgestreckten Finger in meine Richtung. Luzie verdrehte die Augen. „Die Frau hat zu mir gesagt, ich hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank, und der da hat’s gehört! Ich brauche jetzt sofort einen Rechtsanwalt!“

Anne saß seit Tagen an den Verträgen der Unternehmensgruppe Zuckerkant und hatte so gar keine Zeit für einen hysterischen Mandanten, der bei schönstem Frühlingswetter einen Lodenmantel trug und Wanderstiefel. Aber da war er bereits in ihr Zimmer gestürmt. Luzies Warnung, es sei ohnehin jetzt erstmal Mittagspause, hatte ihn nicht erreicht. Oder er wollte sie nicht hören. Oder Luzie war zu leise gewesen. Seufzend wickelte sie belegte Brote aus. Das konnte heiter werden.

„Sie können hier nicht einfach…“ „Brommer“, schrie der Lodenmann, „Herr Brommer. Sie werden für mich sofort eine Strafanzeige aufsetzen, und dann stecken wir den Kerl ins Zuchthaus.“ Er ließ sich in den Besuchersessel fallen. „Nehmen Sie doch Platz“, antwortete Anne lakonisch. Ich hielt mich vorerst im Hintergrund. „Er hat zu mir gesagt, ich soll mich um meinen eigenen Scheiß kümmern, jawohl! Das lasse ich mir nicht mehr gefallen, dagegen werden wir strafgerichtlich vorgehen, und dann lassen wir ihn aus der Straße entfernen!“ Anne zog langsam, aber deutlich eine Augenbraue hoch, derart langsam, dass man auch ohne nähere Bekanntschaft hätte merken können, wie es um ihre Laune stand. „Von ‚Wir‘ ist hier erstmal keine Rede“, schnitt sie dem komischen Kauz das Wort ab. „Sie erzählen mir jetzt langsam und etwas weniger lautstark, was Sie zu mir führt, und dann entscheide ich, wie ich vorgehe.“ Offensichtlich war bei ihm nicht alles angekommen, denn er schrie und schwitzte nur um so toller.

„Das ist mein Nachbar“, fuhr Brommer ansatzlos fort. „Hat der auch einen Namen?“ Der Alte hörte offenbar gar nicht zu, jedenfalls blieb er die Antwort schuldig. „Der hat auf dem Hausdach so ein Drahtgestell angebracht, aus Metall, und da ist das jetzt noch drauf.“ „Also ein Drahtgestell aus Metall“, murmelte Anne und schrieb vollkommen geistesabwesend mit. Das musste man ihr lassen, sie war eine hervorragende Juristin; Fakten waren für sie nebensächlich, jedenfalls nicht so wichtig wie Zusammenhänge. „Vielleicht handelt es sich einfach um eine Hausantenne“, brachte ich mich in Erinnerung. Doch Brommer winkte ab. „Das Ding strahlt“, krähte er, „ich höre das nachts, wenn bei mir die Wasserleitungen bibbern, und dann klopft es in der Heizung – das macht alles dieser Verbrecher, der hat das mit Absicht auf sein Dach montiert.“ „Er hat recht“, sagte ich. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass man so etwas unabsichtlich tut.“

„Haben Sie denn Ihren Nachbarn schon einmal auf diese Metallkonstruktion angesprochen“, fragte Anne, mehr der Form halber. „Er leugnet ja alles“, sprudelte es aus dem Sonderling heraus, „der hat bisher immer alles abgestritten. Schon vor einem Jahr, als er im Vorgarten dieses Empfangsgerät aufgestellt hat, das hat er glatt geleugnet!“ „Hat er es nun aufgestellt oder geleugnet?“ Langsam, aber deutlich verlor sie nun auch die Geduld. Doch was kümmerte das Brommer. „Er hat dies Sprühdingsda auf den Rasen gestellt, mitten auf den Rasen, und durch die Magnetisierung von den Wasserstrahlen habe ich natürlich feindliche Ionen im Sauerstoff geatmet.“ In diesem Moment wollte sie eingreifen, aber es war zu spät. „Weil der Wind die immer auf mein Grundstück hinüberweht“, schrie er, „ich atme dann die ionisierten Wasserstrahlenatome ein und bekomme Haarausfall und…“ „Er hat recht“, sagte ich abermals, „schau Dir mal seine Haare an.“ Mir war gar nicht aufgefallen, dass Anne einen derart scharfen Brieföffner besaß.

„Was schwebt Ihnen denn so vor“, wandte ich mich nun an den aufgekratzten Mann, während ich mich auf die Schreibtischkante setzte, achtlos nach einem Kugelschreiber griff und wie zufällig auf die Taste des Telefons kam. „Zuchthaus“, quäkte er, „mindestens hundert Jahre Zuchthaus – wenn die Wasseratome nämlich in die Atmosphäre wehen, da werden sie zu Schwarzen Löcher, aus denen riesige Tiefdruckgebiete kommen, größer als die Sonne, und dann werden wir alle zu Atomen geschrumpft, die dann…“ Ich kannte diesen Gesichtsausdruck von Anne. Zum Glück hatte ich ihn noch nie selbst ausgelöst, wusste aber, man wünscht sich in diesem Augenblick, zuvor ausreichend um ein wenn auch sicher nicht schmerzfreies, so doch kurzes Ableben gebetet zu haben. „Was wollen Sie“, stieß sie hervor. „Es gibt da“, sprach ich sehr betont, „eine interessante Untersuchung von Hülsenbeck.“

Und wirklich, keine dreißig Sekunden darauf öffnete Luzie die Tür, vorschriftsmäßig mit einem Hütchen aus Alufolie bedeckt, durchquerte den Raum und brach in Geheul aus. „Elektrostrahlen“, kreischte sie, „er will uns mit elektrischen Strahlen töten!“ Verwirrt hielt Brommer das Handgelenk mit der billigen Digitaluhr hoch. „Aber die Batterie ist doch nur…“ „Mörder“, fauchte Luzie, „Sie sind ein ganz gemeiner Mörder!“ Sie drehte ihm den Arm auf den Rücken, zerrte ihn durch den ganzen Flur zur Tür und warf ihn mit Schwung aus der Kanzlei. „Großartig“, jubelte Anne. „Luzie, Sie sind ein Naturtalent!“ „Gut, dass der alte Widerling doch noch zu etwas nutze ist. Wenigstens weiß ich bei dem Namen, dass Gefahr in Verzug ist.“ Und sie zupfte sich das Hütchen von ihren Locken, knüllte es zusammen und warf es in den Papierkorb. Strahlend natürlich.





International gestreute Geschäftsfelder

1 03 2016

Kaum hatte ich geschellt, öffnete sich das dunkle, schmiedeeiserne Tor. Ein langer, dürrer Mann mit einem gewaltigen schwarzen Hut trat vor das Portal. Als ich näher kam, verbeugte er sich mit einem tiefen Kratzfuß. „Tsi ir hobn a kleyn gelt“, singsangte er, „nor a kleyn gelt?“ Ich wühlte in der Manteltasche, doch er schien es gar nicht zu sehen.

„Sie müssen entschuldigen“, begrüßte mich der Vorsitzende. „Er ist erst seit ein paar Wochen in der Zentrale, vorher war er jahrelang bei der jüdischen Weltverschwörung angestellt. Er muss sich erst daran gewöhnen, dass er ein Festgehalt bekommt.“ Er führte mich durch ein geräumiges Vorzimmer in sein Büro, ein überraschend enges, mit hohen Aktenregalen vollgestelltes Kontor, das eher eine Art Buchhaltung erwarten ließ, aber nicht das Zentrum der Macht. „So falsch liegen Sie gar nicht“, lächelte mein Gastgeber. „Wir ziehen die Fäden in der ganzen Welt, hier laufen sie zusammen, und wenn Sie wüssten, was das an strategischer Planung erfordert, Sie wären noch viel überraschter.“

Die kleinen Fähnchen mit kryptischen Ziffern und Zeichen übersäten die Weltkarte an der Wand. „Wenn bei Ihnen alles abgestimmt wird“, mutmaßte ich, „werden Sie eine Menge zu tun haben.“ Er nickte zustimmend. „So ist das nun mal mit der Weltherrschaft, sie will gut organisiert sein. Man kann sich zwar bis zu einem gewissen Grad auf die nationalen Gesandtschaften verlassen, aber Sie wissen ja: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ein Tässchen Tee?“ Er nahm die Kanne von einem massiv goldenen Untersatz. „Wenn Sie auch einen wollen, sagen Sie nur. Die Pharmaindustrie schickt uns regelmäßig ein halbes Dutzend.“

Schwere Schritte stampften auf dem dicken Teppich heran. „Ullullullullullulluh“, schrie es von außen, „ullulllullulluh! Gudn Dach, ’ch wollde de Biecher brinng.“ Das kleine Männchen mit dem fantastisch großen Fez, Pluderhosen und Pantoffeln nebst einem ständig rutschenden Krummsäbel – wie ich feststellte, ein Modell aus hochfein gebürstetem Solinger Stahl – legte einen Aktendeckel auf den breiten Kontortisch. „Mein Oberbuchhalter“, stellte der Vorsitzende vor. „Wie Sie hören, kommt er aus dem nahen Osten. Wir sind ein Unternehmen mit international gestreuten Geschäftsfeldern, daher legen wir viel Wert auf interkulturelle Kompetenz.“ „Sie müssen einiges an Renommee haben“, sagte ich anerkennend. Er nickte. „Außerdem zahlen wir viel besser als die Konkurrenz.“

Ich hatte unterdessen die Mappe geöffnet und überschlug einige Kolonnen. „Nicht schlecht“, rief ich anerkennend, „fünf Milliarden allein für die Bevölkerungsreduktion in Europa.“ Er zog die Stirn in Falten. „Zahlen“, zischte er. „Zahlen – ja, auf dem Papier stehen wir natürlich großartig da, aber auch wir kommen natürlich nicht ohne Politik aus. Wir haben die Zielvorgabe, die Bevölkerung um wenigstens ein Drittel zu verringern, weil die Industrie der Meinung ist, wenn sie nicht mehr so viel produzieren muss, kann sie auch mehr Leute rausschmeißen, dadurch steigen die Aktien – Sie kennen das.“ Der Vorsitzende wirkte angegriffen, doch ich ließ mir nichts anmerken und schlürfte bedächtig an meiner Tasse aus feinstem Elfenbein. „Auf der anderen Seite, und das sehen Sie hier, arbeiten wir natürlich am Bevölkerungsersatz, das heißt: doppelt so viele Einwanderer wie Europäer, um den Mangel an billigen Fachkräften für die Industrie zu gewährleisten. Das müssen wir unter einen Hut bringen.“

Das Telefon summte. „Wenigstens das“, sagte er tief befriedigt. „Die heutigen Chemtrails waren auf die Sekunde pünktlich. Wenn in Bad Salzuflen und in Turkmenistan ungewöhnlich viele Leute hysterisch werden, Sie wissen, woran’s liegt.“

Ein paar Zahlen machten mich stutzig. „Sie geben Geld für Impfungen aus?“ „Allerdings“, bestätigte er. „Aus gutem Grund. Wir wissen zwar, dass wir damit Autismus und Homosexualität unter die Menschen bringen, aber um unsere Technik zu verbessern, führen wir eine streng wissenschaftliche Doppelblindstudie durch. Dies hier ist übrigens die Kontrollgruppe.“ „Und die Erdbebenmaschine?“ „Wir mussten die Arbeiten einstellen“, seufzte er. „Es lief ganz gut, aber dann haben die Chinesen uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, gemeinsam mit den Japanern und Andorra.“ „Wie konnten Sie es nur so weit kommen lassen“, tadelte ich, „ein Mehrheitsvotum? Ernsthaft?“ Er war zerknirscht. „Demokratie und Weltherrschaft passen eben nicht zusammen.“

Ich sammelte die nötigen Papiere in einen Ordner und wollte gerade den Deckel schließen, als er in sein Pult griff. „Nehmen Sie das auch noch mit.“ Ich war verblüfft. „Die ganze BRD GmbH?“ „Vielleicht haben Sie ja jemanden, der sich mit Konsolidierung auskennt? Es ist auch nicht schwer, den Großteil der Schulden hat die GmbH ja bei uns. Aber es drängt.“ „Sie wollen an die Börse?“ Er pfiff durch die Zähne. „Nicht schlecht“, grinste er. „Sie lernen ja schneller als erwartet. Was verdienen Sie eigentlich so im Monat?“

Der Oberbuchhalter nahm mich wieder mit hinaus. „Mittwoch“, rief der Vorsitzende noch aus dem Kontorzimmer, „ich rechne fest bis Mittwoch mit Ihnen – jetzt müssen Sie mich entschuldigen, die Energiekonzerne kommen gleich. Wir müssen unbedingt das Perpetuum mobile verbieten!“





Identitäre Bewegung

2 12 2015

„Und Sie arbeiten wirklich nach…“ „Nehmen Sie doch erst mal Platz.“ „Danke, vielen Dank. Wir haben schon so viel von Ihnen gehört, da haben wir uns natürlich gefragt, ob Sie, ich meine als Profi, und wir sind ja nun…“ „Sie müssen gar keine Sorge haben, wir arbeiten ohne Ansehen der Person. Unsere ideelle Hilfe für Verschwörungstheorien ist auch für den Durchschnittsverdiener durchaus finanzierbar.“

„Wir sind ja noch recht neu auf diesem Gebiet, da wollten wir uns erstmal umhören, was man da so nimmt.“ „Wie gesagt, Sie werden bestens bedient. Natürlich könnten wir Ihnen auch ein älteres Modell anpassen, aber Sie mögen doch sicher eine neue und originelle Variante, oder?“ „Hmja.“ „Ich wusste, Sie sind für geistige Höhenflüge offen. Gut so, das mit den Chemtrails und Impfungen nimmt ja heutzutage jeder.“ „Das kommt auch von Ihnen?“ „Sagen wir mal so: ich habe nicht mein ganzes Leben lang selbstständig gearbeitet.“ „Oh!“ „Und daher würde ich Ihnen auch empfehlen, eine neue und ganz originäre Theorie zu verwenden, denn nur so bleiben Sie auch dauerhaft interessant.“ „Wenn Sie das so sagen…“ „Aber klar, nur raus mit den Wünschen!“

„Also wir sind ja nun ein Traditionsverein, der bald sein Jubiläum feiert.“ „Was machen Sie denn?“ „Kegeln. Wir sind nämlich der Kegelklub Saxonia 0/88, und da…“ „Ich würde mal annehmen, dass diese 88 ein…“ „Bitte, 0/88.“ „War klar, bei 88 ist immer eine Null vorweg.“ „Und wir würden jetzt gerne für die Zukunft mal eine neue Vergangenheit haben. Oder auch umgekehrt – die anderen haben mir das da so aufgeschrieben.“ „Aha, ich verstehe. Ihnen fehlt ein Gründungsmythos.“ „Nein, wir haben ja die Kneipe von Erwin noch, wo wir jeden Freitag…“ „Schon gut.“

„Und wir wollten jetzt mal etwas Identitäres für den…“ „Sie meinen sich etwas Identitätsstiftendes, aber ist ja auch egal.“ „Genau, und da wir uns da auch gar nicht auskennen, mit Politik und so, da wollte ich vorher mal bei Ihnen nachfragen. Man muss ja dann etwas sagen, wenn die Presse kommt. Oder die Polizei.“ „Wen fürchten Sie denn mehr?“ „Die Presse. Bei der Polizei muss man ja nichts sagen, und die Presse darf man wenigstens anspucken.“ „Stimmt, umgekehrt ist das schon viel schwerer.“ „Genau, das sagt Erwin auch immer. Und darum wollten wir auch ein Motto für den Klub, wenn wir an die Öffentlichkeit gehen.“ „Warum denn?“ „Ich weiß nicht, die anderen sagen das. Ich bin ja kein Nazi, aber…“ „Also etwas Rechtsradikales. Sagen Sie das doch gleich.“

„Also wir sind hier schon ein ganz traditioneller Klub, aber seitdem der Hubert seinen zweiten Schlaganfall hatte und die Anni um ist, Doppelkorn, da ist das bei uns gar nicht mehr so gemütlich.“ „Was hat sich denn seither bei Ihnen verändert?“ „Den Schreibwarenladen macht so einer aus dem Ausland.“ „Na, das ist doch schon mal ein guter Anhaltspunkt.“ „Nee, der Schömmke kommt doch aus Freital.“ „Wussten Sie eigentlich, dass in Sachsen jeder fünfhundertste Einwohner Moslem ist?“ „Oh!“ „Sie können das ja mal hochrechnen, wie lange es noch dauert, bis die hier die ganzen Kegelklubs übernommen haben.“

„Aber das mit dem Schömmke glaube ich nicht, der ist doch immer…“ „Und von Homöopathie haben Sie auch schon mal gehört?“ „Haben die so kleine Kügelchen?“ „Genau, und das verträgt sich doch nicht mit einem Kegelverein.“ „Aber der ist auf dem Feuerwehrball gewesen und hat uns einen neuen Schlauch gespendet.“ „Und der wurde auch seitdem nicht eingesetzt?“ „Nein, warum?“ „Das sollte Ihnen doch jetzt zu denken geben.“ „Oh!“

„Dann halten wir mal fest: dieser Schömmke ist der Vorbote einer gesteuerten Umvolkung, und er hat schon versucht, Ihre Gemeinde durch gemeine Brummtöne zu…“ „Bitte?“ „Hat er ein Autoradio?“ „Ja, aber…“ „Na also. Sie hatten in den letzten Jahren Schlafstörungen?“ „Ab und zu bin ich…“ „Da haben wir’s! er zerstört die Gesundheit der ganzen Gemeinde, und wenn Sie dann endlich tot sind, reißt er sich die Häuser und die Grundstücke von Ihren Erben unter den Nagel!“ „Das glaube ich einfach nicht, der ist…“ „Gut, dann so: die Kornkreise in Deutschland, wissen Sie, wie die entstehen?“ „Nein, aber…“ „Dann wissen Sie es jetzt. Und so werden Sie auch enden, wenn Sie sich nicht vor den radioaktiven Elektromagnetstrahlen in Sicherheit begeben.“ „Ich wusste doch, dass da etwas nicht stimmt!“ „Sehen Sie? Ihr Kegelklub kann jetzt ganz offiziell vor einer Kriegswaffe warnen, die es ohne Sie gar nicht ins öffentliche Bewusstsein geschafft hätte.“ „Krass!“ „Danken Sie nicht mir, ich gebe nur Ihre Gedanken wieder.“

„Müssen wir uns dann jetzt umbenennen?“ „Nein, aber Sie müssten sich schon überlegen, ob Sie auch weiterhin mit der Lokalpresse sprechen.“ „Die wollten neulich mal eine Reporterin schicken, damit wir in den…“ „Und die hat Ihnen gesagt, dass sie Ihre Erkenntnisse über Schömmke und seine Bevölkerungsexperimente auf die Titelseite bringt?“ „Ich weiß nicht.“ „Dann überlegen Sie mal, warum sie das nicht tut.“ „Das ist ja…“ „Sie müssen sich nicht bedanken, ich mache das ja gerne für Sie. Wir haben schließlich gemeinsame Traditionen, nicht wahr?“