Paralleluniversum

12 10 2021

„… und den Weg für personelle Erneuerungen frei machen wolle. Das bedeute jedoch nicht, dass er seinen Rücktritt als Parteivorsitzender vor der Wahl eines anderen Bundeskanzlers anbieten oder in…“

„… im Augenblick nur schwer zu vermitteln sei. Spahn rate daher zu einigen Tagen Ruhe, in denen er innerparteiliche Sondierungen zur Frage der Nachfolgeregelung für das Amt des…“

„… habe es nach Ziemiaks Auffassung keine Ankündigung eines Rücktritts gegeben, sondern nur ein Rücktrittsangebot, das jedoch bisher noch nicht von den anderen Mitgliedern des…“

„… dass Laschet der beste Kanzler sein werde, den die CDU je gehabt hätte. Möglicherweise habe dies sogar positive Auswirkungen für Deutschland. Polenz habe in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die Union über eine Mehrheit im Bundesrat verfüge. Wenn die CDU nicht die Macht bekäme, dann solle keiner in der BRD ein…“

„… halte Laschet eine Trennung der beiden Positionen für denkbar. Er wolle bis auf Weiteres als designierter Kanzler zur Verfügung stehen, der er auch weiter bleiben werde, falls ein Bündnis aus SPD, Grünen und Liberalen nicht die gesamte Wahlperiode überstehe, und daher auch als Chef der Christdemokraten seine bisherige Rolle in der…“

„… nicht an einer Person festgemacht werden dürfe. Merz sei sich völlig sicher, dass eine erneute Koalition mit den Sozialdemokraten auf Bitten der Partner unter seiner Kanzlerschaft gelingen könne, sobald der Weg dazu frei sei. Er werde dies aber erst vorschlagen, sobald er von der Basis um den Vorsitz gebeten werde und seine eigenen Akzente für eine politische Erneuerung der…“

„… die Partei sich darüber verständigen solle, dass weder im Wahlkampf noch danach Fehler begangen worden seien, weder von ihm noch von den anderen Politikern, die ihn unterstützt hätten. Laschet werte seine Aufforderung nach einer Erneuerung nun dahingehend, dass er selbst für mehr Kontinuität an der Spitze und in den…“

„… sei Spahn zwar erfahren, aber viel zu jung, um an der Spitze einer großen Volkspartei Wahlen gewinnen zu können. Merz sehe bei den Grünen, dass eine unerfahrene Parteiführung keine Chance habe, sich erfolgreich in der Regierung zu…“

„… eine konsensuale Lösung für die nächsten Schritte anstrebe, die eng mit der Partei abgestimmt werden müsse. Ziemiak habe zwar keine Ahnung, was das bedeute, er unterstütze es aber vollkommen und werde dies auf dem Parteitag auch genau so…“

„… dass Laschet fest davon ausgehe, bei einer Abstimmung von der Basis im Amt des Parteichefs bestätig zu werden. Er halte das Votum daher für verzichtbar und werde sich ganz auf die Funktion als Verhandlungsführer in der Jamaika-Koalition konzentrieren, die sich bestimmt in der nächsten…“

„… die Nachfolge selbst moderieren wolle. Er gehe davon aus, dass der aktuelle Vorsitzende die Wahl in Form einer Multimedia-Show im Internet veranstalten möchte. Spahn habe sich offen gezeigt für neue Formate, werde diesmal aber nur antreten, wenn er der einzige Kandidat aus der vorherigen…“

„… eine Verjüngung nicht bedeute, dass der Altersschnitt der Gesamtpartei halbiert werde. Amthor sei wegen seiner demokratiefeindlichen Tendenzen, wegen Verstrickung in Korruption und staatsgefährdende Geschäfte durchaus für als CDU-Chef geeignet, dürfte aber keine Chance bei der…“

„… sich Laschet auch weiterhin in einem Paralleluniversum aufhalte, in dem er als CDU-Vorsitzender zurückgetreten sei und gleichzeitig in Personalunion als Kanzler und Parteichef den Prozess der Regeneration voranbringe. Röttgen sei über den Gesundheitszustand seines Kollegen durch ein Gutachten der…“

„… es mehr als vertrauensbildende Maßnahmen bedürfe, um die Geschlossenheit der CDU während der personellen Erneuerung zu sichern. Merz sehe es mehr und mehr als wichtigen Schritt, wenn der bisherige Ministerpräsident sich jede weitere Äußerung in der Öffentlichkeit sowie bei den…“

„… sei es Laschet als dem besten Kanzler, den die CDU gehabt habe oder nicht haben werde, sowohl möglich, Parteichef zu sein oder auch nicht zu sein. Polenz wisse, dass der beste Kanzler, der als der beste Kanzler auch gleichzeitig der beste Kanzler der CDU sein könne, durch die besondere Gabe der Bilokation sowohl gleichzeitig der beste Kanzler der…“

„… stehe Spahn für einen sehr konservativen Kurs bei gleichzeitiger Modernisierung, während Merz eine Modernisierung bei sehr konservativem Kurs angekündigt habe. Ob diese Forderungen sich auf inhaltliche oder personelle Schritte bezögen, könne die Partei vor der Wahl des neuen Vorsitzenden allerdings nicht genau…“

„… erweise sich das Moderationsmodell als nicht geeignet mit dem Wunsch nach transparenter Entscheidung durch die Basis. Es herrsche durchaus Einigkeit, dass eine interne Gesprächsrunde unter den bisher genannten Kandidaten schneller zu einem Ergebnis führen werde, das länger als die…“

„… Söder sich in einer Videobotschaft gemeldet habe. Es sei ihm vollkommen egal, wer unter ihm nicht zum CDU-Kanzler gewählt werde, ansonsten konzentriere er sich auf die nächste Landtagswahl im Freistaat Bayern und verfolge einen Kurs des…“

„… für einen stabilen Kurs in schwierigen Zeiten durch Geschlossenheit und verlässliche Positionen stehe. Laschet habe sich entschlossen, seinen Rücktritt als Vorsitzender erst 2025 in Erwägung zu ziehen, falls seine Wahl zum Bundeskanzler auch dann nicht die…“





Im Auftrag Gottes

30 09 2021

„… dass die CDU seiner Meinung nach keinen klaren Regierungsauftrag bekommen habe. Er werde dennoch die Union, die seiner Meinung nach einen klaren Regierungsauftrag bekommen habe, in die Bundesregierung führen. Laschet wolle sich bis zum nächsten…“

„… zunehmend genervt auf Wortbeiträge des Parteivorsitzenden reagiere. Laschet habe mit der Vorstellung eines Zukunftskompetenzteams für die Übergangszukunft bis zum Kompetenzübergang in die zukünftige Kompetenzbrückenzukunft der …“

„… den Kanzlerkandidaten gegen die linken Verleumdungen der Systemhetzpresse verteidige. Polenz habe errechnet, dass, wenn man jede der Stimmen für die CDU mit 999 multipliziere, die SPD überhaupt nicht so viele…“

„… nicht daraus ableiten könne, dass die CDU einen Regierungsauftrag bekommen habe, da die SPD nicht die absolute Mehrheit im Bundestag besitze und daher auch keinen Regierungsauftrag bekommen habe, weshalb der Regierungsauftrag nun natürlich an die CDU und ihre bayerische…“

„… der größte, beste und überhaupt größte beste Kanzler aller Kanzler werde, den die Union in ihrer Geschichte gehabt worden haben sein geworden wird. Ziemiak werde den Führer bis zur letzten…“

„… sei Laschet nicht angetreten, um hinter der sozialistischen Vaterlandsverräterpartei den zweiten Platz zu belegen. Nur weil am Sonntag so ein Tag gewesen sei, ändere er deshalb auch nicht seine…“

„… leide Scholz offensichtlich unter einer gemeingefährlichen narzisstischen Psychose, da er nicht begreife, dass Laschet ein von Gott selbst gesandter Prophet mit einem Intelligenzquotienten oberhalb von hundert Millionen Milliarden punkten sei. Polenz warne ausdrücklich davor, die Lügen der stalinistischen Terrorpartei für eine…“

„… betrachte Laschet einen Amtsverzicht als vorsätzlichen Betrug am Wähler. Er habe genau gewusst, dass sein eigener Wahlkreis an die Grünen gehe und sei deshalb aus Tapferkeit gar nicht erst angetreten. Nach dem Einzug über die Landesliste müsse er jetzt auch ohne Gegenkandidaten aus der eigenen Partei zum Kanzler gewählt werden, da dies seiner bisherigen Karriere in der…“

„… müsse Laschet nun schnell ein wichtiges Staatsamt antreten. Ziemiak habe bereits eine Einladung von Jobcenter erhalten, um sich für eine Stelle als Putzhilfe in Teilzeit in der…“

„… erhalte Laschet täglich ungefähr tausend Anrufe, in denen er oft unter Tränen beschworen werde, Deutschland vor den satanischen Kräften zu retten, die es seit 1945 zu einer gottlosen…“

„… ob es der freie Wille des Vorsitzenden sei, die Union aus eigener Kraft an die Wand zu fahren. Kuban habe diese Entschlossenheit an Trump stets bewundert und freue sich, dass nun auch sein…“

„… dass Laschet selbstverständlich im Auftrag Gottes eine Alleinregierung der CDU anstreben werde. Es gehöre zum Heilsplan des Herrn, dass er die Bundesrepublik jahrzehntelang zum Moloch der teuflischen Zerstörung hat verkommen lassen, um nun den wahren Messias zur Wiederkunft des…“

„… bekenne sich Liminski zu seinem Herrn und Meister und habe bereits Jesus befohlen, alle seine Feinde in die Hölle zu stoßen, damit er einst zur Rechten Armins auf dem…“

„… nur den Schluss zulasse, dass Laschet gewaltig den Arsch offen habe. Der Heilige Vater sei fest entschlossen, ihn zu exkommunizieren und die Glaubenskongregation damit zu beauftragen, seinen Ausschluss aus der Kirche zu…“

„… habe er ein neues 100-Tage-Programm für den Fall seiner Wahl zum Bundeskanzler vorgelegt. Darin kündige der Kandidat an, die Nordsee zu teilen, über den Rhein zu wandeln, Stahl aus Bio-Wasserstoff herzustellen und jedem CDU-Wähler ein eigenes Einhorn in den…“

„… es erste Überlegungen in der Partei gebe, Laschet als nicht mehr zurechnungsfähig aus dem Verkehr zu ziehen und so schnell wie möglich als Vorsitzenden zu beseitigen. Merz habe angekündigt, das Amt des CDU-Chefs übergangsweise bis zur nächsten Alleinregierung zu übernehmen, wenn Amthor, der in Besitz mehrerer Jagdgewehre sei, Laschet versehentlich beim Reinigen eines…“

„… im Kanzleramt verbarrikadiert habe. Er bedrohe die geschäftsführende Kanzlerin mit einem Rasiermesser und verlange von ihr, zum Gottkaiser von Jerusalem gesalbt zu werden. An seiner Seite befinde sich Liminski, der einen Exorzismus in den Räumen des Ministeriums durchführe, um jeden linksgrün-jüdischen Schadzauber aus der…“

„… sei der SPD per Fax mitgeteilt worden, dass eine neuerliche Große Koalition für Laschet nicht in Frage käme. Seine Zukunftsampel bestehe nur aus der CDU, andere Parteien seien nicht in der Lage, seine göttlichen Energien in die richtige…“

„… beim Eintreffen des SEK bereits mit einem Kristallascher kampfunfähig gemacht habe. Merkel sei bei dem Gefecht unverletzt geblieben, der jüngst abgesetzte Vorsitzende der Christdemokraten habe sich durch eine Kellertür aus dem…“

„… werde keine der im Bundestag vertretenen Parteien eine Minderheitenregierung der CDU unterstützen, solange er die Ansicht vertrete, er könne das Grundgesetz durch die Bibel ersetzen. Ein Gesprächsangebot der AfD, die aber Maaßen als Kanzler fordere, sei für Laschet keine…“

„… in einem Haus in Wandlitz festgenommen worden sei. Merkel habe der Polizei den Hinweis auf den mutmaßlichen Aufenthaltsort gegeben, da sie seinerzeit genau verfolgt habe, wie sich Honecker seiner Verhaftung durch die…“





Schlussrunde

27 09 2021

„Bedaure, gerade weg. Sie ist eben reingekommen und hat ihr Büro geräumt, und dann war auch gleich der Putzdienst da. Spezialkommando. Wenn CDU-Spuren gefunden werden, könnte das fatale Folgen haben. Vor allem für die CDU.

Das ist jetzt in allen Ministerien so, nicht nur im Kanzleramt. Vereinzelt hatten wir hier Mitarbeiter, die an ihren Bürostühlen festgekettet waren. Dass in Ministerkreisen gerne Gebrauch von Sesselkleber gemacht wird, vor allem in der CSU, das wussten wir. Aber das war schon überraschend, vor allem in der Menge. Offensichtlich haben mehr Menschen als erwartet ein Problem, wenn sie nicht mehr im Bundestag sitzen.

À propos Möbel, wir erwarten da ein mittleres Chaos. Laschet hatte drei Dutzend guten Freunden den Posten des Kanzleramtsministers versprochen – was man halt so redet, wenn man lange nicht an der frischen Luft war – und die haben sich jetzt Möbel bestellt. Büromöbel. Alle. Teilweise recht teuer, das hat aber keinen gestört, weil sie davon ausgegangen waren, dass sie im Fall einer anderen Entscheidung die Möbel einfach privat nutzen dürfen. Das muss irgendwo in der DNA der Partei verankert sein, wir haben keine andere Rechtsgrundlage gefunden für diese Vorgehensweise. Wenn ein anderer Kanzler ins Amt einzieht, dann werden diese Möbel alle wieder zurückgeschickt, aber wir wissen noch nicht genau, wer sich darum kümmern soll. Bisher wird nur gesagt, dass die private Nutzung preiswerter ist als das Zurückschicken. Aber wenn das aus der CDU kommt, weiß ich nicht, ob es belastbar ist.

Das da hinten? wir bekommen hier ganz neue Kaffeeautomaten. Einen pro Stockwerk. Das muss dieser Sozialismus sein oder der Linksrutsch, vor dem wir alle gewarnt wurden. Kostenloser Kaffee fürs Kanzleramt, wir werden alle innerhalb von vier Jahren pleite sein. Vielleicht hätten wir lieber neue Faxgeräte kaufen sollen, das wäre nicht aufgefallen. Oder klimaneutrale Kunstblumen aus Altplastik. Naja, ist jetzt auch egal. Laschet hätte uns das als Beginn des Innovationsjahrzehnts verkauft.

Vor allem muss unsere IT eine Sonderschicht einlegen, überlegen Sie sich mal, wer innerhalb der letzten Jahre hier ein- und ausgegangen ist, obwohl er in den Gebäuden gar nichts zu suchen hatte. Die Lobbyisten, Berater, Merz im Bundesministerium für Wirtschaft, Scheuer im Bundesministerium für Verkehr, die Zugänge müssen wir alle sperren. Die haben schon genug Unheil angerichtet. Natürlich sind da einige, die kriegen wir nicht so leicht aus dem System, aber das überlassen wir lieber den Fachleuten. Vor allem sicherheitstechnisch ist das schwierig. Wir gehen ja derzeit davon aus, dass sich CDU sich radikalisieren wird, und zwei radikale Parteien im Bundestag sind genug, die müssen nicht auch noch in der Regierung herumlungern.

Nein, ich muss da nicht rangehen, das habe ich seit gestern in einer Tour. Die wollten ja ziemlich schnell, dass die Auszählung gestoppt wird, bevor noch mehr Stimmen futsch sind, aber darauf lassen wir uns hier nicht ein. Ich kenne ja auch schon eine Menge schmutziger Tricks, und doch ist man immer wieder überrascht, was die sich einfallen lassen. Angeblich sollen wir auf das amtliche Endergebnis warten, dann werden die Stimmen noch zweimal nachgezählt, dann reicht die CDU Klage ein, dann geht’s vors Bundesverfassungsgericht, zum Papst, was weiß ich, aber vorher dürfen die Schreibtische der Mitarbeiter nicht aufgeräumt werden, genauer gesagt: sie wollen die Schlüssel für die Schubladen nicht rausrücken. Da kann ja schon mal der eine oder andere Umschlag drin liegen, in dem jemand seine Altersvorsorge aufbewahrt. Vermutlich ist nur keiner dazu gekommen, das Geld zu versteuern, deshalb brauchen jetzt noch alle ein paar Tage Zeit. Den schnellen Ausstieg aus der Kohle haben sich Schäubles Kollegen sicher auch anders vorgestellt.

Also wenn Sie heute nichts mehr vorhaben, ich mache gleich Schlussrunde durch den Bundestag. Da bleibt üblicherweise immer noch ein bisschen Zeug liegen – derzeit wird ein Gesetz zur Stärkung und Förderung der wehrhaften Demokratie vermisst, das Seehofer gegen die gesamte Union durchsetzen wollte, bis ihm jemand verraten hat, dass er dann nicht mehr mit den Nazis in seinem eigenen Laden kuscheln darf. Wenn Ihnen da etwas auffällt, was einen leicht bräunlichen Geruch nach Korruption hat, das könnte es sein. Ansonsten muss die Anzahl der Sitze angepasst werden, aber keine Sorge, viel kleiner wird’s nicht. Daran ist aber nicht die CDU alleine schuld. Die nimmt es nur billigend in Kauf.

Die müssen Sie nicht beachten, das ist nur der Wachschutz. Man soll den Teufel nicht an die Wand malen, aber manche Leute klauen wie die Raben, Kupferrohre, Stromkabel, Glühlampen. Wenn Sie mal überlegen, wie viele von denen bald keinen Job mehr haben, dann brauchen Sie hier eine Truppe, die durchgreift, bevor es zu spät ist. Wie man das in Deutschland ja auch wollte.

Ja, die rufen bestimmt den ganzen Tag lang an, aber das ist egal. Vorhin wollten sie, dass wir den Reichstag durchsuchen, weil die Grünen bestimmt noch zehn Milliarden Briefwahlstimmen in den Wandschränken versteckt haben. Nur in den Keller sollten wir auf gar keinen Fall. Lassen Sie es mich mal so formulieren: was meinen Sie, wo wir heute mit fünfzig Mann Sachen suchen gehen? Ich sehe, wir verstehen uns. Das Unschöne ist, dass es für eine Demokratie keinen Generalschlüssel gibt, das Schöne ist, die haben ihn auch nicht.

Ah, da ist sie ja wieder! Hallo, Frau Merkel – schönen Sonntag gehabt?“





Gamechanger

16 09 2021

„Natürlich nur unter Armin Laschet. Wenn die SPD mehr Stimmen haben sollte als wir, dann heißt das noch lange nicht, dass wir keine Regierung bilden können, und das schließt natürlich auch eine große Koalition nicht aus. Wir lassen einfach alles so, wie es ist, nur Bundeskanzler wird dann halt Laschet.

Das ist doch für Sie als Sozialdemokraten eine durchaus komfortable Situation, schließlich sind Sie es doch, die sich gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen müssen, dass mit Ihrem Kanzler sofort der Sozialismus ausbricht und Deutschland innerhalb weniger Monate in einen Staatsbankrott taumelt und mindestens hunderttausend Prozent Inflation kriegt. Sie überlassen uns das Kanzleramt, dafür sind Sie an der Regierung beteiligt. Wenn wir uns das recht überlegen, dann dürfen Sie sogar Scholz weiterhin als Finanzminister beschäftigen, der hat seine Sache ja nicht schlecht gemacht. Und da wir als kleinerer Koalitionspartner traditionell das Recht auf den Außenministerposten haben, werden wir das mit Altmaier besetzen, damit Merz ins Wirtschaftsministerium kann. Zum Ausgleich wäre vielleicht das Entwicklungshilfeministerium frei, weil die CSU sich jetzt auf ihre Kernkompetenzen beschränken wird. Wir haben da noch ein paar sehr kostspielige Infrastrukturprojekte in Oberbayern, der Scheuer muss diesmal mehr als achthundert Milliarden ranschaffen. Pro Jahr. Da werden Sie froh sein, dass Sie im Finanzministerium die paar Euros zusammenhalten können.

Es ist auch billiger, verstehen Sie doch – wenn man nicht immerzu alle Ministerien neu besetzen muss, dann schafft man mehr Kontinuität, es gibt die alten Türschilder noch mal, das alte Briefpapier, die alten Staatssekretäre, und wir müssen auch nicht so viele Übergangsgelder zahlen. Eigentlich muss auch nicht unbedingt ein neuer Koalitionsvertrag geschlossen werden, solange wir mit dem alten noch nicht fertig geworden sind. Wir zumindest sind der Ansicht, wenn sich eh nicht viel ändert, dann muss man auch keine Neuausrichtung der Politik erfinden, die der Wähler am Ende sowieso nicht glaubt. Sie meinen, mit dem Argument kann man sich Wahlen gleich ganz ersparen? Das haben Sie gesagt!

Jetzt seien Sie doch nicht gleich eingeschnappt! Sie wollten ja immer die ganz große Wende, den Gamechanger in der deutschen Politik, und jetzt haben Sie ihn! So eine Koalition der Stabilität und der Kontinuität ist ein ganz ungewöhnliches Signal an die politischen Beobachter. Da können Sie mit Fug und Recht behaupten: ‚Die CDU wollte absolut keine Experimente wagen, aber wir, die SPD, haben sie dazu gebracht, dass sie unserer Idee folgt!‘ An Ihrer Stelle würde ich mir das gut überlegen, so eine Riesenchance kriegt man höchstens einmal im Leben. Wenn Sie jetzt nicht zugreifen, und das sage ich Ihnen ganz offen, dann könnte das für Sie der Untergang sein, ja: der Untergang. Danach sind Sie möglicherweise mit den Linken in einer Rot-Grün-Koalition, aber wir wissen doch beide, dass Sie das gar nicht wollen. Und dass das gar nicht gut ist für Deutschland. Und dass die SPD danach komplett und endgültig in der Bedeutungslosigkeit versinkt, wie Sie das vor dem Wahlkampf schon einmal fast erlebt hätten. Das wäre jetzt ein Pyrrhussieg, das müssen Sie mir glauben. Den wollen Sie nicht.

Natürlich würden wir Ihnen entgegenkommen, damit Sie merken, dass es uns ernst ist. Sie müssten nicht einmal mehr den Vizekanzler stellen, weil wir den diesmal ins Wirtschaftsministerium verlegen. Sie haben ja gesehen, dass man das Amt auch vom Finanzministerium aus ausüben kann, und da wir zu internationalen Terminen Altmaier einfach nicht mitnehmen können – abgesehen davon, dass Sie den in kein Flugzeug reinkriegen, falls Sie vorhatten, das Ding in die Luft zu bekommen, der Mann ist dümmer, als er fett aussieht – macht das Merz. Mehr als wirtschaftliche Beziehungen sind für uns ohnehin nicht interessant, und dass Merz alles andere vollkommen egal ist, dürfte sich bis zu Ihnen herumgesprochen haben. Sie können sich dann ganz auf Steuersenkungen konzentrieren.

Mitziehen müssten Sie als SPD jetzt schon, sonst macht das ja alles keinen Sinn. Das ist auch nicht undemokratisch, wenn Sie das meinen – der Wählerwille wird ja respektiert, weil die Wähler nicht den Bundeskanzler wählen, sondern eben den Bundestag, und wenn die Abgeordneten nun mal für Laschet stimmen, dann ist das richtig demokratisch. Sie dürfen natürlich ein paar Mal gegen Laschet stimmen, mit solchen Manövern haben Sie als SPD ja genügend Erfahrung, aber das wird Ihnen nichts nützen. Wir werden Ihnen ein Angebot machen, das Sie gar nicht werden ablehnen können. Sie sind eh in der Rolle gefangen, dass Sie immer umfallen und dann der CDU in die nächste Koalition folgen. Wie Sie mit dem Imageschaden zurechtkommen, das ist nicht unser Problem. Sie müssen bloß unseren Kandidaten wählen, dann haben Sie wieder vier Jahre Ruhe, und in der Zwischenzeit haben sich die Verhältnisse wieder so eingependelt, dass Sie hinter der CDU liegen. Ich denke, das haben Sie kapiert. Und da wir in dieser Zeit eine leichte Öffnung des rechten Flügels zur AfD vollziehen werden, haben Sie die Gelegenheit, sich durch flexibles Beharren in der Mitte als ausgleichende Kraft zu profilieren. Also überlegen Sie sich das gründlich.

Gut, Sie wollen Scholz. Dann machen wir Ihnen aber kein Angebot mehr, wenn wir doch wieder die stärkste Kraft im Bundestag werden. Das haben Sie dann davon. Aber das hätte uns ja von Anfang an klar sein müssen: Sie als Sozialdemokraten stehen eben immer auf der falschen Seite der Geschichte.“





Saure Gurken

23 08 2021

„… nicht in seinem Haus angekommen sei. Die Personenschützer hätten allerdings nicht bemerkt, dass der nordrhein-westfälische Ministerpräsident tatsächlich die Staatskanzlei verlassen hätte, so dass der Verbleib von…“

„… es auch im Verlauf der Vormittagsstunden kein Lebenszeichen von Laschet gegeben habe. Die CDU-Spitze habe mit 13 zu 10 Stimmen bei 75 Enthaltungen bekräftigt, ihren Vorsitzenden in jeder Lage weiterhin als…“

„… es auch keine Hinweise darauf gegeben habe, dass er sich zum Nachdenken zurückziehen wolle. Eine handschriftliche Notiz in Laschets Dienstwagen auf einer Papierserviette laute 10:30 Irgendwas mit Brückenscheiß und sei erst nach gründlicher Durchsuchung des…“

„… am Mittag ein Fax eingegangen sei, dass der Spitzenkandidat der Union entführt worden sei und an einem geheimen Ort gefangen gehalten werde. Die Täter würden sich zeitnah bei den Behörden melden und eine genaue Liste ihrer…“

„… dass ein Bekennerschreiben gar nicht nötig sei, um die Urheberschaft der Grünen unter der Leitung der Antifa GmbH zu beweisen. Als genauer Kenner der linksextremistischen Terrorszene habe Polenz gefordert, sofort die staatlichen Zahlungen an die antifaschistischen Staatsfeinde einzustellen, bevor sie die Kirche verstaatlichen und den…“

„… zunächst nicht aufgefallen sei, dass die Entführer die Durchwahl des Krisenstabes kennen würden, obwohl diese nicht in den Medien genannt worden sei. Liminski vermute, dass es sich um die Nummer des Gremiums handeln könnte, die bereits während der Flutkatastrophe im…“

„… mit den Medien abgesprochen habe, dass die Berichterstattung sehr zurückhaltend sein werde. Es sei daher überraschend, dass Einladungen zur Pressekonferenz in Berlin bereits vor der ersten Polizeimeldung erfolgt seien, so dass sich die Ermittler nicht mehr auf die offiziellen…“

„… sich als Grüne Armee Fraktion zu erkennen gegeben hätten. Die Freilassung des Kanzlerkandidaten werde erst nach der Wahl zum Deutschen Bundestag erfolgen, wenn die von den Terroristen genannten Forderungen an die…“

„… sei es der Polizei bisher nicht gelungen, den Entführungsverlauf zu rekonstruieren. Da die Täter aber auf drei Sicherheitsfragen korrekt geantwortet hätten, gehe man davon aus, dass sich der CDU-Vorsitzende in der Gewalt der…“

„… dass ein Anruf des Entführten beim SEK eingegangen sei, bei dem Laschet selbst gesprochen habe. Der Ministerpräsident habe seine Frau in dem Telefonat angewiesen, für den nächsten Abend noch saure Gurken zu besorgen und sie in den restlichen Kartoffelsalat zu schneiden. Ziemiak habe die Authentizität der Aufnahme bestritten und werde natürlich nun alle zur Verfügung stehenden…“

„… gehe es in erster Linie um Deutschland und die nationale Sicherheit, auf die alle Bürger weiter vertrauen dürften. Merz habe sich sofort angeboten, auch ohne Wahl als Kanzler der…“

„… alle Stadtviertel von Düsseldorf von einer Hundertschaft der Bereitschaftspolizei durchkämmt worden seien. Es sei durch das Vorzeigen einer Fotografie zu bekannten Ergebnissen gekommen, die auch durch die CDU-Wahlplakate aufgetreten wären, dass nämlich durch die Ansicht ein starker Rückgang der Wahlprognosen für die…“

„… den Leiter der Stabsstelle irritiert habe. Die Entführer hätten von der Union gefordert, umgehend den Spitzensteuersatz zu halbieren, was eine Entlastung zahlreicher Millionäre nach sich gezogen hätte. Zur Erklärung habe eine Sprecherin der nach eigener Aussage linksextremen Bande gesagt, man wolle durch diese Maßnahme die Bundesrepublik finanziell ruinieren und für eine Übernahme durch die Weltrevolution nach dem…“

„… von den Entführern mehrere Flaschen Altbier sowie ein Kilo Zwiebelmett angefordert worden seien. Es gebe zwar keine Erklärung dafür, dass diese Lebensmittel nachts im Garten von Laschets Wohnhaus deponiert werden sollten, das SEK gehe dabei aber einem Verdacht nach, der sich durch Nachrichten der Entführer und des…“

„… in einer weiteren Botschaft die Abschaffung der Mineralölsteuer fordern würden. Ziemiak sehe das Vorgehen der Grünen Armee Fraktion als vollkommen unlogisch und habe damit den Beweis, dass es sich tatsächlich um eine Gruppierung handle, die der Spitzenkandidatin der ökostalinistischen Partei in der…“

„… sehe Söder seine eigene Kandidatur als nicht mehr wichtig an. Er werde auch im Falle einer Abwahl Laschets in Abwesenheit seine bereits geplante Rede in der Staatskanzlei zum Anlasse nehmen, sich für das uneingeschränkte Vertrauen der Kanzlerin in die Fähigkeiten des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten zu…“

„… dass die Terroristen den designierten CDU-Regierungschef nur dann am Leben lassen würden, wenn die Bundesregierung mehrere Millionen Euro an seinen Sohn zahlen würden, der sie steuerfrei auf einem Offshore-Konto an der…“

„… in einer nur von innen verschließbaren Abseite im Keller seines Hauses verbracht habe. Laschet sei für mehrere Tage auf etwa zwei Quadratmetern eingesperrt gewesen, habe aber im Sprechkontakt zu seiner Familie und wichtigen Vertrauen aus der Parteispitze gestanden. Weitere Ermittlungen hätten sich an die…“





Visionen

18 08 2021

„Einmal, Frau Merkel. Ein einziger Auftritt. Oder zwei. Höchstens zehn. Mehr wollen wir doch nicht von Ihnen. Könnten Sie das nicht irgendwie einrichten?

Sie haben ja recht, Frau Merkel, auch wenn ich das nicht unbedingt so ausdrücken würde wie Sie. Also ‚total verkackt‘, das ist nicht mein Duktus. Nein, Frau Merkel – das war jetzt überhaupt nicht als Kritik an Ihnen gemeint! Es ist nur so, derzeit haben wir überhaupt kein Konzept, und ganz ohne Konzept Wahlkampf zu machen, das ist nicht die beste Idee gewesen. Wenn man jetzt mal außer acht lässt, dass unser Kanzlerkandidat bisher auch sonst nur Scheißideen hatte. Aber Ihre parteiinternen Kritiker, die meinen, immerhin hätten Sie nicht nur jeden Wahlkampf komplett ohne Konzept gemacht, sondern auch jahrelang so regiert, und das gar nicht einmal so schlecht.

Wir erwarten auch keine Wunder, Frau Merkel. Dass Sie als erfahrene Regierungschefin hier die politische Zukunft Deutschlands mit etwas mehr als ‚Weiter so‘ rhetorisch ein bisschen ausführen, das wäre ja schon ein Meilenstein, wenn man sich mal ansieht, was in der Partei passiert ist, seitdem Sie nicht mehr Vorsitzende sind. Meinetwegen können Sie sich hinstellen und ‚Wir schaffen das!‘ rufen, das kommt bei den rechtskonservativen Kräften um den Kanzlerkandidaten zwar nicht so gut an, aber dafür sind Sie ja da, dass Sie jede Kritik einfach so wegmoderieren. Aussitzen, Frau Merkel, das reicht jetzt nicht mehr. Ja, ich habe das schon verstanden, wenn Sie das aussitzen würden, dann hätten wir das Problem schon gelöst, aber wenn Sie schon fragen, ob der Kanzlerkandidat irgendwas kann, dann ist die Antwort sowieso: nein.

Frau Merkel, Sie dürfen das nicht so negativ sehen. Schauen Sie mal, der alte Adenauer, der hat ja damals schon gesagt, man muss die Menschen so nehmen, wie sie sind, andere gibt’s nicht. Klar ist unser Personal ein Griff ins Klo, aber wenn wir jetzt erst darauf warten, bis da etwas Vernünftiges nachwächst, da liegen wir ja vorher längst im Grab. Bei Amthor könnten Sie sich das vorstellen? Gut, als vernünftig würde ich den jetzt nicht gerade… ach so. Bisschen makaber, Frau Merkel. Aber wir müssen auch mal positiv in die Zukunft blicken, und da helfen uns junge Talente, die schon genug politische Erfahrung haben, um sich für unser Land mit Ideen und Visionen einzusetzen. Natürlich ist man bis sechzig noch jung, Frau Merkel. Sechzig ist doch das neue Dreißig, und was die Erfahrung angeht, da ist doch der Kanzlerkandidat durch viele Visionen bereits in Erscheinung getreten, oder? Er soll zum Arzt gehen? Wenn Sie hier immer nur den politischen Gegner zitieren, dann können wir das natürlich auch gleich sein lassen, Frau Merkel. Das bringt ja nun niemandem etwas.

Wir haben unsere Ansprüche doch schon so weit heruntergeschraubt, Frau Merkel. Was wollen Sie denn noch? Vierzig Prozent sind bei uns nicht mehr drin, das müssen Sie mir nun nicht jedes Mal aufs Butterbrot schmieren, aber wir verlieren doch unser Gesicht, wenn wir jetzt nicht alles daran setzen, die dreißig Prozent zu erreichen, die uns als stärkste Fraktion aus der Wahl hervorgehen lässt. Ja, unser Gesicht, Frau Merkel. Sie fühlen sich da also nicht mitgemeint? Das tut weh. Irgendwie bekomme ich den Eindruck nicht weg, dass Sie mit Ihrer Partei… also unsere Partei, Sie haben ja recht.

Es spricht doch keiner von betreutem Regieren, Frau Merkel. Wenn unser Kanzlerkandidat erstmal im Amt ist, dann entwickelt er bestimmt ganz neue Impulse, um sich mit der Aufgabe zu identifizieren, und wenn wir mit den gröbsten Schwierigkeiten durch sind, dann können wir uns auch schon um die Wiederwahl kümmern, die ihm der Kanzlerbonus so gut wie sicher macht. Das sind doch nur wirklich Visionen, Frau Merkel. Und mehr als ein bisschen Starthilfe wünschen wir uns auch nicht von Ihnen. Dass Sie die ganze Zeit neben ihm stehen und seine Hand halten, davon war nie die Rede. Das schafft er schon ganz alleine. Sie fanden das nach der Flut schon scheiße? Ja, das war ziemlich peinlich, aber unser Kanzlerkandidat ist dafür bekannt, dass er sich steigern kann. Was meinen Sie damit, das sei genau sein Problem?

Frau Merkel, es kann doch nicht sein, dass wir über wichtige Dinge keine Einigung erzielen! die gemeinsame Lösung, das war doch früher genau Ihr Ding? Es sind doch Ziele, die wir in der Geschichte der CDU immer schon hatten: Parteispender bei Laune halten, die SPD pulverisieren, Minderheiten diskriminieren, rechtsextremistische Tendenzen verharmlosen und bei jedem Terroranschlag von Nazis Betroffenheit heucheln, das soziale System sturmreif schießen und den Armen die Schuld geben, weil sie zu faul waren, in reiche Familien hineingeboren zu werden – wir brauchen Sie! Das Programm nimmt man dem Kanzlerkandidaten so nicht ab, selbst wenn er tatsächlich einmal nicht herumlügt oder Blödsinn erzählt. Wir brauchen Sie als Integrationspersönlichkeit, damit identifiziert sich der Wähler. Oder wollen Sie noch monatelang als geschäftsführende Kanzlerin zusehen, wie die Union Söder als Parteichef installiert, damit er sich mit der SPD zankt, bis es Neuwahlen gibt und die nächste Große Koalition? Das kann doch nicht in Ihrem Interesse sein!

Sie machen es? wirklich!? Gott sei Dank, Frau Merkel, mir fällt ein Stein vom Herzen! Berlin, wir kommen! Unter einer Bedingung? Alles, was Sie wollen, Frau Merkel, absolut alles! Ja, versprochen! Natürlich bestimmen Sie das. Wer soll denn nicht dabei sein? Armin Laschet!? Aber… – “





Hütchenspieler

16 08 2021

„Jetzt bleiben Sie mal ganz ruhig. Setzen Sie sich bequem hin, öffnen Sie den obersten Knopf vom Kragen, meinetwegen können Sie auch… – Hören Sie mir noch zu, Herr Laschet? Und wenn nicht, warum rufen Sie mich dann um diese Zeit an?

Wie jetzt, keine Lust? Das fällt Ihnen aber ein bisschen spät ein. Das Management hat die Termine unter Dach und Fach, die Spenden sind alle korrekt verbucht, auch die illegalen, die Plakate sind längst gedruckt, wir können jetzt nicht mehr zurück. Nein, die Briefwahl ist nicht unsicher und auch nicht für Betrug anfällig, Sie müssen auch diesmal nicht alles nachplappern, was die AfD sagt. Und je mehr Sie jetzt herumeiern, desto mehr werden sich schon vor der Wahl gegen die Union entscheiden. Sie müssen da durch, ob Sie wollen oder nicht.

Und überhaupt, Lust – kommen Sie mir am Ende noch mit linken Slogans aus der Kohl-Ära? Politik muss auch Spaß machen? Vielleicht den Typen, die Sie dafür eingekauft haben, aber im Kanzleramt geht’s doch nicht um Spaß. Also für Sie schon mal gleich gar nicht, und wenn ich mir Ihre bisherigen Leistungen als Pausenclown von NRW ansehe, dann kann damit auch sonst keiner gemeint gewesen sein. Reißen Sie sich jetzt mal am Riemen, sonst war’s das für uns alle. Ja, für uns – schließlich sind Sie Parteivorsitzender, oder hatten Sie das auch schon erfolgreich verdrängt?

Klar kann man das vergessen, Herr Laschet. Da steht man morgens vor dem Spiegel, putzt sich die Zähne und denkt dabei: was mache ich eigentlich noch mal beruflich? Redakteur? Büttenredner? Hütchenspieler? Kann schon mal passieren.

Nein, Herr Söder macht das nicht. Natürlich können Sie jetzt öffentlich den Schwanz einkneifen, aber wie gesagt, das ist nicht nur Ihr Untergang, sondern unserer. Das mit der Briefwahl hatten Sie hoffentlich kapiert, oder muss ich Ihnen das noch mal erklären? Je öfter Sie den Eindruck erwecken, dass Sie schon vorher gewusst haben, dass Sie mit der Kandidatur überfordert sein würden, desto mehr Scheiße kriegen wir alle ins Gesicht. Vielleicht mal ausgenommen Herr Söder. Überlegen Sie mal, was jetzt passieren würde, wenn Sie vier Wochen vor der Wahl zu Kreuze kröchen und Herr Söder Ihre Unfähigkeit eingestehen würden. Gut, da haben Sie recht – der Überraschungswert wäre gleich Null. Aber was machen Sie, wenn Herr Söder sich als genau das bösartig rachsüchtige Arschloch zeigen würde, das man von ihm erwartet, und Ihnen seine volle loyale Unterstützung als Spitzenkandidat der Union zuspräche?

Ich meine, es gibt schon schwierige Dinge, die bei uns hier aufschlagen, wie zum Beispiel diese anonymen Drohbriefe, dass wir Sie sofort als CDU-Chef absägen sollen, weil man sonst allen Medien Bilder zeigen würde, wie Sie mit dem… – Das waren Sie? Laschet, haben Sie noch alle Latten am Zaun!? Am Ende geraten Sie hier an irgendeinen IT-Experten in der Partei, gut, das passiert sicher nicht, aber wenn der herausfände, dass Sie sich mit fingierten Erpressungen selbst demolieren wollen, dann haben wir als CDU definitiv ein Problem! Die Zielgruppe ist zu alt, um zu kapieren, was E-Mails sind, und alle anderen merken, dass das wieder nur das übliche Kindertheater ist.

Dann waren diese anonymen Anzeigen wegen der Plagiate und wegen des Steuerbetrugs also auch von Ihnen? Sie dachten, wenn die Leute Baerbock dafür hinrichten wollten, werden Sie dafür auch aus dem Rennen gekegelt? Meine Güte, Ihre Naivität möchte ich haben. Sie sind CDU-Vorsitzender, und Sie sind ein Mann. Sie könnten auf der Domplatte die Hosen runterziehen und mitten in die… – Das war jetzt metaphorisch gemeint. Und das ist auch keine Lösung für Ihr Problem, Herr Laschet.

Ich verstehe auch nicht, warum man Ihnen die vielen Absagen so einfach durchgehen lässt. Wenn Sie sich jetzt am Riemen reißen und in den Duellen oder Interviews nicht immer so beleidigt reagieren, falls mal eine Frage kommt, der man nicht mit Worthülsen zu einem völlig anderen Thema aus dem Weg gehen kann, dann haben wir zumindest eine reelle Chance, dass ihre Stimmenverluste zwar sinken, aber mit etwas Glück langsamer als bisher. Das wäre mal ein Anfang. Sie müssen nicht immer so selbstkritisch sein, Herr Laschet. Schauen Sie mal, die Leute haben Sie nicht gewählt, obwohl Sie eine geistig unterbelichtete Heißdüse mit manifester Lernschwäche und religiösen Wahnvorstellungen sind, die Leute haben Sie gewählt, weil Sie genau das sind. Weil das exakt der Stellenbeschreibung entspricht, die Sie bisher auch immer so großartig ausgefüllt haben. Was würden unsere Lobbyisten denn ohne Sie anfangen?

Jetzt lassen Sie mal dieses passiv-aggressive Getue, Herr Laschet, das hilft uns hier nicht weiter. Diese Woche machen wir ein paar Termine in der Parteizentrale, wo wir die Wirtschaftspolitik der unionsgeführten Bundesregierung vorstellen, ein Pressegespräch über Steuersenkungen für Reiche und elektrische Wasserstoffautos, und dann haben wir mit der PR-Abteilung noch eine Homestory, da gucken Sie sich eine schöne Eigentumswohnung in Mitte an, die Sie als Kanzler der Innovationen… – Aachen? Sie können doch nicht in Aachen wohnen bleiben, wenn Sie die Regierung in Berlin mit all den wichtigen Terminen und internationalen… –

Hallo? Frau Bundeskanzlerin? Ja, Sturz von der Dachterrasse. Fünfter Stock. Morgen Nachmittag gegen halb vier. Möchten Sie sich mit Herrn Söder in Verbindung setzen, oder wollen Sie das für die nächsten Jahre noch geordnet zu Ende bringen?“





Schreddereinheiten

9 08 2021

„… dass Briefwahl die Grundsätze der Demokratie untergrabe. Die Alternative für Deutschland lege sich daher jetzt schon fest, dass die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag ein illegales und…“

„… bisher keine Auffälligkeiten erkannt worden seien. Der Bundeswahlleiter habe außerdem darauf hingewiesen, dass es allen Wählern weiterhin frei stehe, die Stimme persönlich im…“

„… gebe es Pläne der Altparteien, mit einem groß angelegten Betrug die absolute Mehrheit der AfD zu verhindern. Weidel habe dies bei einem Gespräch mit Parteispendern und…“

„… bereits bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt damit gescheitert sei, die Ergebnisse der Briefwahlstimmen für ungültig erklären zu lassen. Wenn es keine Beweise für einen Betrug gebe, so Meuthen, sei dies der eindeutige Beweis dafür, dass die linksextremistischen Systemparteien sämtliche Beweise gemeinsam hätten beseitigen lassen, um eine linksextremistische Regierung unter dem…“

„… in jedem Wahlkreis auch die Möglichkeit gebe, der Auszählung der Stimmen als Beobachter beizuwohnen. Diese sei grundsätzlich öffentlich und könne auch von Nationalsozialisten besucht werden, die keine Ahnung von demokratischem…“

„… für jede Stimme für CDU und AfD einen nordafrikanischen Raubmörder oder Vergewaltiger nach Deutschland einschleusen würden, um eine gesetzlose Gesellschaft zu erzeugen, in der jeder gendern und seine Kinder transsexuell erziehen werde. Merz wolle daher alle anderen Parteien von der Bundestagswahl ausschließen, die nicht den Willen der weißen männlichen Rasse und den…“

„… fordere Meuthen volle Transparenz. Es müsse ein Ergebnis vor dem Auszählen der Stimmen per Briefwahl veröffentlicht werden sowie ein Ergebnis nach dem Auszählen der Stimmen der Briefwahlstimmen. Die AfD werde entscheiden, welches der beiden Ergebnisse sie akzeptieren, wenn sie sich überhaupt für ein…“

„… gebe es ausreichend Belege, dass sämtliche Briefwahlstimmen für die AfD anderen Parteien zugeschrieben werden sollten. Chrupalla wisse dies, da er dies im nicht veröffentlichten Wahlprogramm der Grünen und in den…“

„… dass es in der BRD GmbH noch nie eine absolute Mehrheit für eine nationalsozialistische Partei gegeben habe, was zwingend an der Wahl per Briefstimme gelegen haben müsse. Maaßen werde die Wahl dahin gehend umorganisieren, dass er mit dem Einsatz vieler Schreddereinheiten ein für das Volk positives amtliches Endergebnis in den…“

„… gebe es ausreichend Belege, dass sämtliche Briefwahlstimmen für die AfD umgehend vernichtet werden sollten. Chrupalla wisse dies, da er dies im nicht veröffentlichten Wahlprogramm der Linken und in den…“

„… plane die Bundesregierung eine groß angelegte Transportaktion, mit der bis zu hundert Millionen zusätzliche Stimmen für linksextreme Kandidaten in die Wahllokale gebracht würden. Die Auszählung werde durch ein von Merkel bereits festgelegtes Ergebnis, das sich im Panzerschrank der Antifa AG befinde, noch am Abend der…“

„… grundsätzlich für Betrug offen seien. Merz verlange daher, dass CDU und AfD als künftige Regierungsparteien gemeinsam das Auszählen aller Stimmen an einem geheimen Ort im…“

„… gebe es ausreichend Belege, dass sämtliche Briefwahlstimmen für die AfD umgehend als unzustellbar an die Wähler zurückgeschickt werden sollten. Chrupalla wisse dies, da er dies im nicht veröffentlichten Wahlprogramm der SPD und in den…“

„… dass es auch Gegenstimmen gebe. Gauland sehe in der Geschichte auch Beispiele, in denen die Manipulationsanfälligkeit von Wahlen sich zum Vorteil für einen führenden…“

„… nicht zutreffe, dass Maaßen V-Leute angeworben habe, die sich als von jüdischem Kapital finanzierte Provokateure ausgeben und AfD-Stimmen vernichten sollten. Er habe bei der Rekrutierung ausdrücklich davon gesprochen, dass die Grünen mehrere Milliarden Euro aus dem…“

„… dass die sogenannten demokratischen Institutionen nicht mehr vertrauenswürdig seien. Höcke schlage daher vor, dass das deutsche Volk in Zukunft nur noch die undemokratischen…“

„… immer mehr Wahlergebnisse nicht den Prognosen entsprechen würden. Weidel sehe hier den Beweis für eine unter ausländischen Einflüssen schlecht fälschende Politik, die sie als Kanzlerin eines völkischen Nationalstaates schlagartig stark verbessern und mit ausschließlich deutschem…“

„… die Pandemie von langer Hand geplant worden sei, um durch eine Briefwahl die nationalen Kräfte aus dem Deutschen Bundestag zu entfernen. Gleichzeitig habe die Meuthen die Regierung in Verdacht, dass sie Briefwähler, die für die AfD stimmen würden, abholen und in als Impfzentren getarnten Lagern zur…“

„… den Bundeswahlleiter unter Druck setzen werde. Eine Erstürmung des Reichstages sei für die Kräfte des entfesselten Volkszorns machbar, um die Alleinregierung der AfD zu erzwingen. Weidel werde die Leitung des…“

„… er stimme selten, eigentlich nie, der AfD zu, sei aber klug beraten, wenn jemand ankomme und sage, Demokratie sei demokratisch, zu hinterfragen was dieser gerade im Schilde führe. Laschet wisse nicht, was er damit sagen wolle, könne aber sicher nach langem Nachdenken irgendwann eine…“





Führungsstärke

20 07 2021

„Da hat er sich bestimmt nur versprochen. Vor der Wahl kann das in den besten Parteien passieren, nicht wahr, das nennt sich Wahlversprechen. Nein, Sie müssen jetzt nicht lachen. In der SPD lachen wir auch schon lange nicht mehr über ihn.

Das kommt daher, dass in allen anderen Parteien der Vorsitzende gleichzeitig auch Spitzenkandidat ist. Nur bei den Grünen halt nicht, da ist es dann ja eine Spitzenkandidatin geworden, weshalb unser Vorsitzender, der ja auch eine Vorsitzende neben sich hat, nicht wahr, weshalb er dann meint, dass es nicht geht, wenn man mit einer Frau, vielmehr unter einer Frau regiert wird. Das haben wir jetzt in den letzten 16 Jahren dreimal gemacht, zuletzt haben wir es auch erfolgreich abgelehnt, weil es absolut nicht den Vorstellungen der Basis entsprach, und da hat dann die Führung der Partei ihre Führungsstärke gezeigt, und dann haben wir es doch gemacht, weil die Vorsitzende der anderen Partei, die damals auch Spitzenkandidatin war, es sonst gar nicht geschafft hätte mit der Regierung. Aber das passiert uns nicht noch einmal, darauf können Sie Gift nehmen.

Das mit der Basis war übrigens auch schon bei der Wahl des Spitzenkandidaten schwierig. Wenn es nach denen gegangen wäre, wäre er ja schon nicht der Spitzenkandidat geworden, weil er schon nicht Vorsitzender werden sollte – da hat die Basis dann sehr deutlich Führungsstärke gezeigt, nicht wahr, aber halt von unten. Und das sollte uns auch nicht noch einmal passieren, deshalb haben wir dann den Spitzenkandidaten einfach mal machen lassen, das heißt, Spitzenkandidat war er da ja noch gar nicht, aber er wurde dann Spitzenkandidat wegen seiner Führungsstärke. Das war auch kein leichter Prozess, ein kurzer vielleicht, und was jetzt aus der Partei wird, das müssen wir dann mal sehen. Jedenfalls ist immer noch alles drin, und deshalb wollen wir auch unbedingt regieren, sonst beteiligen wir uns gar nicht mehr an einer Regierung.

Mein Gott, Walter-Borjans – also ich würde das jetzt nicht direkt als Führungsstärke bezeichnen, weder das eine noch das andere, aber er ist eben der Vorsitzende, einer der Vorsitzenden, und das ist so geplant, dass er auf keinen Fall mit den Grünen in eine Regierungskoalition eintreten würde, weil er weiß, die Wähler wollen einfach keine Frau mehr, darum liegen die Grünen mit der Spitzenkandidatin ja auch so weit vor uns. Oder vielleicht liegen die auch bald wieder hinter uns, das weiß man ja alles nicht, jedenfalls ist der Vorsitzende da ganz klar, dass er sagt, die Grünen werden ja sowieso alle von enttäuschten Sozialdemokraten gewählt, da können wir die Stimmen auch gleich für uns beanspruchen. Grün-Rot wird mit uns nicht gehen, das ist schon mal abgehakt. Wer so viel Führungsstärke hat wie der Vorsitzende, der braucht sich gar nicht mehr als Spitzenkandidat in den Vordergrund zu spielen, der kann so einen Koalitionswunsch von den Grünen ganz entschieden ablehnen, und das erzeugt dann letztlich den Eindruck von Führungsstärke.

Ich sagte: den Eindruck von Führungsstärke, nicht: Führungsstärke. Sie müssen schon auch noch mal zuhören, sonst verstehen Sie das alles nicht so richtig und wählen am Ende noch das Falsche.

Deshalb haben wir auch eine Koalition mit den Linken kategorisch ausgeschlossen, nicht wahr, das ist für uns absolut unmöglich. Mit denen kann man einfach nicht koalieren, was man auch schon daran sieht, dass es auf Bundesebene noch niemals eine Partei gegeben hat, die mit denen koaliert hat. Wir sind ja gewarnt, das ist noch nicht so lang her, da haben die in Thüringen den Ministerpräsidenten gestellt, und wer bestimmt da plötzlich den Sieger?Nazis. Also das können wir als Nachfahren einer sozialistischen Partei nicht mehr tolerieren, und darum tolerieren wir auch keine Linken mehr auf Bundesebene. Nicht einmal dann, wenn wir sie als Minderheit in einer Minderheitenregierung oder als Minderheit in einer Mehrheitsregierung tolerieren müssten – das würde unsere Führungsstärke glatt in Frage stellen. Wir können uns doch nicht unter den linken Mainstream unterordnen, das haben wir in unter dieser Vorsitzenden schon genug getan.

Nein, ich rede nicht von der Vorsitzenden der SPD, auch nicht von der ehemaligen, die hätten wir ja nicht mal zur Spitzenkandidatin machen können. Man muss ja auch mal realistisch bleiben.

Natürlich kann das am Wahlabend wieder ganz anders aussehen, da sind wir dann sicher total gegen eine Regierung mit der Union, wenn wir als Juniorpartner mitmachen müssten, eventuell hinter einer erstarkten FDP. Unser Vorsitzender würde das nie machen, freiwillig schon gar nicht, eventuell aber unter Zwang, weil es für uns immer nur um Deutschland ging – beim Spitzenkandidaten kann man sich da nicht sicher sein. Wenn man eine Sache nicht für die Partei tun kann und sie dann doch tut, aber für Deutschland, das ist wahre Führungsstärke!Und ich möchte nicht wissen, ob es in den anderen Parteien Spitzenkandidaten gibt, die letztlich zu allem bereit wären, wenn sie sehen würden, dass es bei dieser Wahl eben nicht um die Partei geht.

Selbstverständlich würden wir unter diesem Spitzenkandidaten in einer Großen Koalition als Juniorpartner den Kanzler der Union mitwählen, aber der braucht das ja auch. Sehen Sie sich den Mann doch mal an: ganz knapp zum Vorsitzenden gewählt, er hat nicht einmal eine andere Vorsitzende neben sich, und Sie wollen doch dieses Gehampel nicht ernsthaft als Führungsstärke bezeichnen? Der, der sich mit Müh und Not gegen einen viel besseren Kontrahenten durchgesetzt hat? Führen oder nichts, damit waren wir schon immer erfolgreich. Und mal ehrlich, dafür braucht man die SPD, nicht wahr?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXIII): Wahlplakate

16 07 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Nein, früher war nicht alles besser. Von wem man beherrscht wurde, hing im Wesentlichen davon ab, wer die letzte kriegerische Verteidigung oder Eroberung gewonnen, überlebt oder doch verloren hatte, wer von Feinden, Freunden oder der Familie einen Kopf kürzer gemacht, als Kind auf den Thron gehievt wurde oder alle seine Vorfahren ins Exil beförderte, um dann doch an Pest und Cholera zu sterben, meist mitsamt der kompletten Sippe, was die Einsetzung einer neuen Dynastie nach sich zog. Danach ging das ganze Theater wieder von vorne los, immerhin mit dem erfreulichen Unterschied, dass man sich um nichts mehr kümmern musste. Pharaonen und Könige, Kaiser und Sultane kamen und gingen, irgendwann musste sich das Volk um seine Gebieter selbst kümmern. Hin und wieder übernahm das ein starker Mann, der mit mehr oder weniger zerstörerischer Wirkung auf das Land seine Existenz in die Grütze ritt oder gleich in einem Arbeitsgang beendete. Gemeinhin müssen wir die Popanze aber selbst bestimmen, so fängt das Elend an. Mit dem Wahlplakat.

Intellektuell eher übersichtlich ausgestattete Personen halten den Akt, Gesichter auf Papier zu drucken und sie in die besiedelte Landschaft zu schwiemeln, für eine wichtige Form der Politik, die damit ihre Bereitschaft zur Verantwortung und zur Anerkennung des Wählerurteils demonstriert, alle paar Jahre wieder, in geordneter Form, streng nach Recht und Gesetz. Was da so gesittet vom Karton glotzt, ist für Idealisten immer noch ein Angebot an die Verfassung, dass das Trallala von vorgestern es auch in ein porentief weißes Übermorgen schaffen wird, wenn die Bekloppten weiterhin unkritisch und vielseitig ungebildet aus der Wäsche schauen. Es bedarf keiner Reflexion, die Nullaussagen auf den bunten Abzeichen des Brauchtumsterrors in ihre niedermolekularen Bestandteile zu zerlegen, es wird nur höchst selten unternommen.

Was ist da schon zu sehen außer einer Rotte Flachdachscheitelfressen in preisreduzierten Polyestersäcken, die Motivationsmüll von der Stange unter sich lassen: Wir für Euch – Damit die Zukunft noch besser wird – Mehr Brutto von Ihrem Netto. Die jüngste Vergangenheit, namentlich die, in der die abgebildeten Gesichtsschnitzel sich schon für Steuergeld den Steiß platt gesessen haben, war schlimm, wir als Teil des Problems wiederholen die ganze Scheiße und stopfen uns noch einmal mit Lösungen von damals für Probleme von heute die Penunzen in sämtliche Körperöffnungen. Wählt uns oder lasst es bleiben, Ihr seid uns eh wumpe. Her mit Macht und Kohle, weil eins das andere fördert, und habt Ihr keins von beidem, haltet einfach den Rand. Als Brechmittel von Wahlplakaten zu gucken ist schon widerlich genug.

Selbstredend bleibt auch hier genug Raum für die parteipolitische Auseinandersetzung, die dem mündigen Staatsbürger die Entscheidung erleichtern soll, vulgo: Konkurrenzgehabe in Form verbalen Gerümpels von der großen Halde an Hirnschrott, der sich in jeder ausreichend unterkellerten Birne ansammelt. Mehr Sonnenschein brutto, weniger Steuern auf die Zweitkakerlake, die anderen wollen das Butterbrot verbieten. Man kann und darf sich dem Schmodder nicht entziehen, aber mehr als spontan einsetzenden Ekel vor dem Gewinsel der glitschigen Kriecher entbietet kein Wähler dieser ästhetischen Vollkatastrophe.

Abgesehen von jeder politischen Standortbestimmung stellt sich ohnehin die Frage, ob die Pappnappel nicht zum anachronistischen Sperrmüll verkommen, der außer einer Beleidigung für Geist und Auge nichts mehr zeitigt. Zwei oder drei Sekunden ruht der Blick auf der verfetteten Kröte, die für uns eine Legislatur lang den Hohlkopf in den Sand stecken will, damit wir nur noch seine relevanten Körperteile zur Kenntnis nehme müssen. Zum Wegsehen reicht da auch das Internet, zum Wegschalten das dümmliche Gesülz und Geseier im TV zwischen zwei Werbungen für Inkontinenz- und Darmentleerungszubehör. Wir wissen sowieso, wer was verschweigt, weil dazu die Kalotte zu viel Dünnluft enthält, und wer seit Generationen mit perpetuierendem Mist seine Peinlichkeit untermauert. Nachhaltiger wäre ein Wahlplakat pro Partei, auf dem stünde, dass sie das sagen, was sie schon immer gesagt haben: dass sie immer schon gesagt haben. Noch nachhaltiger wäre nur die Erinnerung an die jeweils letzte Kampagne, deren beknacktes Geschwall zum nochmaligen Gebrauch empfohlen wird. Wozu neuer Wein, wenn die alten Schläuche eh aus Löchern bestehen.

Immerhin befriedigt das Wahlplakat den Instinkt des zurechnungsfähigen Staatsbürgers, dass es den braven Arbeitsmenschen irgendwo noch gibt, der in seinem Interesse und zur Befriedigung seiner tiefen Sehnsucht Politiker an einem Laternenpfahl in die Höhe zieht, während er straffrei zusehen darf, ohne Verfehlung alles geschehen lassen kann und nicht einmal durch Unterlassen sich schuldig macht. Der Wähler hat die Freiheit, die sinnfreien Objekte der Verschandelung des öffentlichen Raums komplett zu ignorieren. Dafür lohnt sich Demokratie.