Katarstimmung

25 02 2015

„… zu erheblichen Schwierigkeiten komme, weshalb sich die FIFA zu einer Verschiebung der Weltmeisterschaft 2022 auf die Wintermonate…“

„… daran gelegen haben könnte, dass Blatter gelegentlich zu viel Schnee…“

„… noch keine genauen Zahlen vorlägen. Der Einzelhandel könne jedoch bereits jetzt klagen, dass das Weihnachtsgeschäft 2022 nur sehr schleppend und…“

„… da die Veranstalter versprochen hätten, die Stadien auch im Hochsommer auf 27 °C zu kühlen. Die FIFA vertraue dem Wüstenstaat vollkommen und wolle daher deren Leistungsfähigkeit nicht mehr auf die Probe…“

„… wegen der Zeitverschiebung für die Dauer der WM in Europa eine kurzfristige Sommerzeit…“

„… das traditionelle Public Viewing nur stattfinden lassen könne, wenn der Bodensee komplett durchgefroren sei. Andernfalls müsse die…“

„… sich de Maizière sehr besorgt geäußert habe, dass die Terrorristen sich saisonbedingt bei den deutschen Partnern in Saudi-Arabien…“

„… ausschließlich in Deutschland produziert werde. Die Schwarz-Rot-Gold-Schals und Strickmützen seien bereits jetzt…“

„… es zu Terminkollisionen komme, wenn die Wintersportereignisse der Saison 2022/2023 stattfänden. Da die GEZ-Einnahmen nicht ausreichten, um einen eigenen Sender zu gründen, müsse man die Fußballmeisterschaft leider auf einem verschlüsselten Kanal…“

„… schlage die FIFA vor, im Gegenzug den Advent bereits im Juni…“

„… bestimmt nur falsch ausgedrückt habe. De Maizière sei der Meinung, bezogen auf das BIP entspreche ein verängstigter Saudi ungefähr einer halben Million Deutscher, da diese seltener durch Rüstungsdeals…“

„… werde es sicher keine Überschneidung mit dem Wintersport geben. Katar habe zugesichert, eine Sprungschanze und Pisten für die alpinen Wettbewerbe zu bauen, die dann bereits im Juli…“

„… sich der Fanbeauftragte des DFB skeptisch geäußert habe. Eine eindeutige Aussage sei nicht zu treffen, ob die Anhänger aus Protest oder wegen der Außentemperaturen keine…“

„… den WM-Adventskalender mit 100 Gramm hochfeiner Alpenmilchschokolade ins Sortiment aufnehme. Noch nicht geklärt sei, ob der WM-Weihnachtsmann im traditionellen Burnus mit einem Salafistenbart…“

„… nur um ein Missverständnis handeln könne. Die in Katar tätigen Islamisten seien nun nicht mehr bereit, deutsche Bürger auf den Weihnachtsmärkten zu bedrohen, weshalb man die anlasslose Überwachung sofort intensivieren müsse, um den Terroristen nicht den Eindruck zu vermitteln, nur sie könnten die FDGO in Deutschland in alle Einzelteile…“

„… bei der Berechnung nicht berücksichtigt habe, dass im Dezember auf der Südhalbkugel Sommer sei. Die FIFA habe mitgeteilt, sie habe für die Verschiebung der Jahreszeiten keine Genehmigung erteilt und wolle daher unverzüglich eine Entschädigung in Höhe von mindestens…“

„… auf Merkel einzuwirken. Sollte die Klimastrategie der Kanzlerin rechtzeitig gestoppt werden, bestünde eine Chance, die Erderwärmung soweit zu forcieren, dass zwischen den europäischen November-Temperaturen und Katar kein objektiv messbarer…“

„… es sich nicht um eine Parallelgesellschaft handle, die ihre eigenen Regeln der westlichen Werteordnung entgegenstemme, um die Demokratie auszuhöhlen. Andererseits könne man die FIFA als ein staatsähnliches Gebilde…“

„… müsse man wegen der zu erwartenden Mindereinnahmen mit einem Arbeitsplatzabbau rechnen. Dass Wurstwaren und Grillzubehör auch im…“

„… freue sich die FIFA, dass Katar vielen ausländischen Fachkräften Jobs in der Bauwirtschaft bieten könne, die sogar bis weit in den Sommer hinein für…“

„… warne der ADAC vor Autokorsos ohne Standheizung, Schneeketten und…“

„… auch die Kühlschrankhersteller mit Enttäuschung reagierten. Es sei zu erwarten, dass viele Kunden ihr Bier einfach auf den Balkon…“

„… dass die Meisterschaft wegen des Ramadan nicht stattfinden könne. Gauland warne vor einer Islamisierung, die mittlerweile sogar das Morgenland…“

„… würden die Pharmakonzerne bereits vor Großveranstaltungen warnen, bei denen sich Fußballfans in geheizten Räumen mit dem Grippevirus…“

„… sei die chinesische Kunststoffindustrie leistungsfähig genug, alle verfügbaren Fanartikel auch mit Plüschoberfläche zu…“

„… auch viele positive Seiten, so Blatter. Die Bevölkerung habe im Sommer wieder mehr Zeit, um ins Freibad zu…“

„… nicht zutreffe, dass die Erdöl exportierenden Nationen Arabiens den europäischen Veranstaltern Sonderkonditionen einräumten, um ein beheiztes Public Viewing…“

„… sich zu einer Klarstellung verpflichtet fühle. Kein Spielplan müsse für die FIFA-WM umgeschrieben werden, so Blatter, denn es gehe schließlich nicht um Fußball, sondern um eine erfolgreiche Investition in die…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCXLIV): Fußball-Weltmeisterschaft

13 06 2014
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Vermutlich fing es an, als die Hominiden sich nicht mehr wahllos und durcheinander aufs Maul kloppten, sondern Clans bildeten, lagebedingte Höhlengemeinschaften, in denen die Bewohner diesseits des Rinnsals die Bewohner jenseits für zu kurz gekommene Deppen hielten und mit unreifen Früchten bewarfen, was andersherum ebenso gut funktionierte. Eine Generation später nahm man Steine, dann Stöcke, schließlich zivilisierte sich die Auseinandersetzung in einem ritualisierten Spiel, bei dem Auserwählte – versicherungstechnisch wäre man heutzutage bereit, sie als Opfer zu klassifizieren – gegeneinander antraten. Alles lief, keiner hatte ein Problem damit, bis irgendein Torfschädel anfing, Statistiken über die Kämpfe anzulegen. Endgültig in die Grütze geriet alles mit dem Brauch, sich kunterbunte Abzeichen aufs Wams zu popeln. Bis zur Fußball-Weltmeisterschaft eigentlich nur ein kleiner Schritt.

Hauptsache, die Menschheit blieb auf der Strecke. Alle vier Jahre, alternierend zu Europa- und sonstigen Cups, röhrt das kollektive Überbestusste aus dem Hirnzellenkeller der Schnackbratzen. Sie topfen sich Sondermüll auf den Schädel, farbige Zylinder aus Plüsch mit Klatschapparatur, damit beim Betrachten der Kalotte der Notfallneurologe sofort weiß: niemand zu Hause. Sie setzen sich Sonnenklobrillen auf, behängen sich mit Plastegirlanden, als wollten sie Primaten Nachhilfe geben, wie man eine komplette Spezies bis zum nächsten Urknall blamiert, und sie singen. Nein, sie rülpsen sich einen Choral aus Alkoholresten und abgestorbenem Neocortex aus der Austrittsöffnung, die sonst für den Nachschub an vergrillten Schweinskadavern und Alkaloiden zuständig ist. Bisweilen nennen sie es Fankultur, aber was hat der gut eingeübte Nachweis totaler Unzurechnungsfähigkeit mit Kultur zu tun?

Weil der Fußball heute nur noch marginal mit einer seiner Begleiterscheinungen zu tun hat. Mit Fußball. Es geht einer Rotte Furunkelträger im warzigen Beerdigungszwirn nur noch um die fette schwarze Zahl, nebst der Tatsache, dass man die Gewinne an der öffentlichen Ordnung vorbeischleifen kann. Ein paar Dümmlinge mit larmoyanten Frisuren und albernem Schuhwerk posieren auf dem Rollrasen und lassen sich quotenkompatibel die Innenbänder eindellen, damit die Bundesträne fürs Ausscheiden im Achtelfinale die passende Ausrede im Köcher findet. Dazu jodelt eine Fettklopsbude im Kontrapunkt mit einer Industrieabfertigungsfirma für bieroides Geplörr, alle zwanzig Sekunden schwiemelt sich irgendein brechreizblöder Logo-Versuch über den Bildschirm, bis der letzte Dödel vor der Glotze kapiert hat: friss Popcorn, dann erträgt man auch dieses bekloppte Gekicke im Hintergrund ohne Magenbluten.

Denn Fußball, und das hören die alzheimernden Schorffressen aus den Verbandsvorständen am wenigsten gern, Fußball war nie eine Angelegenheit der bürgerlichen Massen, ganz zu schweigen von der agogisierenden Wunschwirkung auf das Proletariat. Er ist ein Gewächs der britischen Oberschicht, die ihn an die germanischen Offiziere und ihre Burschen- und Mannschaften weiterreichte, Alemannia und Borussia, die sich vor dem großen Schlachten als Geschwadermeister und Rekruten gegen Hereros und Hottentotten warmliefen, nationalbekiffte Dumpfschädel, denen jeder schwarzweißrote Lappen als Heiligtum erschien. Erst dem Personalmangel in der Armee ist es zu verdanken, dass auch Arbeiterjungen sich an der Kickkugel versuchen durften, und selbst die wurden entsprechend eingenordet, um im Sinne der elitären Vernichtungsmaschinerie aufzulaufen.

So nimmt es auch kaum Wunder, dass sich das abgesunkene Sozialdeformat gängeln lässt unter der Knute des explodierenden Imperialkonsumismus. Wie die Proletenjournaille reicher Nationen Arme aufhetzt gegen Ärmere noch ärmerer Länder, so lässt sich der Bolzplatzjunkie in steigerungsfähige Aggregatzustände von Beknacktheit manövrieren, und das alles nur mit einer Zielsetzung: korrupte Bürokraten bekommen von korrupten Konzernen jede Menge Bares in die Schleimhaut gerieben, damit die organisierte Kriminalität unter dem Deckmäntelchen eines Sportspektakels die Geldwaschmaschine anschmeißen kann. Ein paar dösige Medienmarionetten halten das sicher für maßlos übertrieben – man hat ihnen inzwischen bestimmt schon die Grablege der Kritiker vom letzten Jahr gezeigt – und werden auf höheren Befehl mehrmals täglich aufgezogen, um ihre affirmativen Hintergrundgeräusche loszuwerden.

Sollte im arabischen Wüstensand der Sturm samt Mittelfeld in die Embolie torkeln, dann werden sie natürlich entsetzt aufjaulen. Die immer noch gutgläubigen Zwangskonsumenten natürlich, nicht die Zuhälter in der VIP-Lounge. Sie werden es verkraften, denn sie humpeln noch immer den Führern hinterher. Es sind noch immer dieselben Opportunisten, die auch mit Menschenköpfen Freistöße ballern, wie es ihre historischen Vorbilder getan haben.

Zum Glück gibt es diesen akustischen Gestank, die Masse übler und übelster Meisterschaftssongs, die teils aus Gaudi, teils aus ehrlichem Sadismus im Dudelfunk die Generalattacke aufs Brechzentrum reiten. Nicht ausgeschlossen, dass diese ganze Angelegenheit nach dem Genuss zweier Portionen Müllbeutelimitat der Zielgruppe selbst peinlich wird. Die Hoffnung geht ja bekanntlich zuletzt von der Fahne.