Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXVI): Möchtegernökos

18 12 2015
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Großen Vorsitzenden der richtigen Partei ausging, dass alle Welt sich schnellstens einen Distinktionsgewinn suchte, und jedermann ging, so er nicht gerade SUV fuhr oder in die Karibik flog, auf dass er sich ein Renommiergewissen um den Hals hinge, und siehe, es war gut so.

Glückselig wie jüngst bekehrte Konvertiten, die eine satanistisch-stalinistisch geprägte Jugend in Stumpfsinn und Nöten verbracht haben, jetzt aber das Angesicht der heiligen Kuh erblickten und jene in paradiesischem Licht mit sich umhertragen, so lächeln sie einen nieder. Freuet Euch, schwiemeln sie jedem ins Ohr, der sich nicht rechtzeitig vor einen einfahrenden Zug schmeißt, freuet Euch, wir möchten Euch auf den Sack gehen jetzt und immerdar. Mit der Sensibilität eines nordkoreanischen Nachrichtensprechers schlagen sie Widerhaken in die Schwarte, bevor sie zum Sermon ansetzen. Hat man zunächst noch die Abwehrschirme auf Standby geschaltet, weil die Horde der Protzbrocken wie tausend andere von ihrem Veganertum berichten, so ist es im nächsten Augenblick schon zu spät. Ja, sie haben auch keinen Fernseher mehr, ja, sie lassen jetzt immer das Auto stehen und fahren die zwei Minuten bis zum Office gerne mal auf dem Liegerad. Sie trinken nur noch europäische Weine und fair gehandelten Kaffee, den sie von Hand aufbrühen, jawollja, und dazu gibt’s ganz viel Schokolade, aber nur die ohne Kinderarbeit.

Die Möchtegernökos haben inzwischen eine Art missionarische Kampfsportreligion gegründet, bei der Bonuspunkte einsammelt, wer möglichst oft und penetrant seinen Mitmenschen auf die Plomben geht. Als Monstranz des doppelplusguten Lebens trägt der Hohlschwätzer den Jutebeutel vor sich her, jenen erhabenen Fetzen des Doppelstandards, der aus demselben Textilgulag stammt, in dem von Pflanzenvernichtungsmitteln benebelte Frauen zum Hungerlohn Designerfummel zusammenklöppeln. Aber die Demos liegen halt immer so ungünstig, und man muss ja noch gegen Atomkraft auf die Straße.

Von tatsächlichem Umweltschutz im Alltag verstehen diese verseiften Weichstapler meist nicht die Bohne. Die Pinkeltaste gehört zum guten Ton auf dem WG-Klo, ansonsten waschen sie gerne ihre Terpentinquasten im Waschbecken aus und kippen die Kippen in die Kanalisation. Nein, sie sind strikt gegen Kaffee in Aluhütchen, wickeln aber jeden Quadratzentimeter Industriekäse in Metallfolie, statt ihn im Mehrzweckgefäß zwischenzulagern. Wenn Mammi zu Besuch kommt, wienern sie die Küchenspüle mit Zellstoff von der Rolle, bevor sie das Ding trocken fönen. Nicht zu erwähnen, dass der selbst ernannte Naturbursche seine Nestwärme mit einer ungeregelt rußenden Holzabfallheizung erzeugt oder, wenn die Kohle anderswo lagert, auf Bioethanol umsteigt. Aber dafür muss ja keiner die Wälder umklappen, wenigstens nicht in Europa.

Ansonsten fliegen sie alle weiterhin fröhlich in die Karibik, gerne auch zweimal im Jahr, um die Tourismusbranche in den Entwicklungsländern zu stärken, sie brettern alle drei Tage zum Biobauern auf dem platten Land, um sich die alten Obstsorten direkt vom Erzeuger zu kaufen, und sie kaufen Flugmango und mit bestem Andengletscherwasser gezogenen Spargel (erntefrisch aus dem TK-Sortiment) nur dann, wenn sie repressionsfrei und ohne Kunstdünger produziert worden sind. Klar, sie verzehrten auch argentinisches Rind, aber das war schon tot und musste schnellstens verstoffwechselt werden, sonst wäre ja alles voll umsonst gewesen. Ab und an, wenn sie sich auf einem kurzen Ausflug in die gewissenlose Welt der Turbokapitalisten wieder Karmapunkte reinpfeifen wollen, dann rüsten sie ihren SUV auf Biodiesel um und erlösen mit ihren Palmölpanzern jede Menge Säuglinge in einem Land voller Kuffnucken, dermaleinst als Jugendliche auf dem Mittelmeer abzusaufen. So viel Güte!

Der kleine Umweltschützer weiß, wie er sich zum Heiland der Schranzen hochrutscht. Eine fein laminierte Spendenquittung in der Jackentasche hilft der Mutti mit dem wirr bebatikten Leinensack auf die Bettkante, denn darauf kommt es an: die repressionsfreie Vermehrung der Suppenkasper in natürlichem Habitat. Der Umwelt ist es ja wumpe, ob sich mehr oder weniger geistig zermarmelte Primaten in ihr herumtreiben; sie hat Kopffüßler, Knochenfische und Dinosaurier ertragen, mit den Säugern ist sie noch nicht ganz fertig, und sollte das diesmal mit den Menschen schief gehen – keine hunderttausend Jahre, dann ist dieser ganze Schmadder vergessen.

Ja, es gibt Hilfe gegen das Gute, man wird sie los. Überall, auch im schmucken Stadtwäldchen, gibt es noch einen kleinen Platz, wo man das verbuddeln kann, sogar grundwasserneutral und im Einklang mit Fauna und Flora. Wenn man nur den Jutebeutel separat im Sondermüll entsorgt.

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18 12 2015
Umleitung: Krise, Flucht, Geschichte, Funke-Medien, Möchtegern-Ökos und das Erwachen der Macht … | zoom

[…] Gernulf Olzheimer kommentiert Möchtegernökos: Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Großen Vorsitzenden der richtigen Partei ausging, dass alle Welt sich schnellstens einen Distinktionsgewinn suchte, und jedermann ging, so er nicht gerade SUV fuhr oder in die Karibik flog, auf dass er sich ein Renommiergewissen um den Hals hinge, und siehe, es war gut so … zynaesthesie […]

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