Wahlplakate

21 04 2019

Ihr hängt, und Ihr versprecht uns Brot und Frieden
und zeigt dafür nicht mehr als das Gesicht.
Wir sehen Euch, denn uns ist nur beschieden,
dass wir das glauben, was man uns verspricht.

Darunter stehen Sprüche, rote, gelbe
aus Pflichtbewusstsein für das ganze Land.
Man wählt im Grunde immer nur dasselbe,
denn Tradition ist stärker als Verstand.

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Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLX): Das Göttliche Über-Ich

19 04 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Das hätte sich Rrt fast denken können, er hat es aber dann doch nicht getan: die vielen Knochen mit der Jagdausrüstung seines Schwagers, der schon im letzten Sommer in die Steppe gezogen war, wo die Säbelzahnziege sich das zweibeinige Kroppzeug vom Hals hielt, dann das Wollmammut mit dem zufrieden gesättigten Gesichtsausdruck, als hätte das letzte Abendmahl noch mal die volle Punktzahl erreicht. Und dann die Geier, die erst viel, dann nur noch selten Gelegenheit hatten, den Ort des jähen Ablebens zu besuchen. Der Alte war irgendwo in den ewigen Wiesen, wo es nur noch Gras und freie Sicht auf harmlos mampfende Beute gab, keine mit Hörnern versehenen Feinde, keinen Aufsichtsrat, keine EU-Hasenerschreckverordnung. Einer musste ja die noch funktionsfähigen Geräte an sich nehmen und einer nährenden Nutzung zuführen, und wieso sollte es nicht der Hominide sein, der sie gefunden hatte. Erst dann, irgendwann später, sollte kommen, was man Moral nennen würde, ein theoretisches Konstrukt, das nicht viel half im Überlebenskampf gegen schlecht gelaunte Raubsäuger, aber einer Kaste von Metaphysikfachkräften den relativ hohen Lebensstandard sicherten, den sie bis heute haben, denn sie vertreten das göttliche Über-Ich.

Je komplexer eine Gesellschaft wird, je mehr sie an sozialen Rollen ausdifferenziert, desto mehr greifen auch deren Tätigkeiten ineinander: der eine sät das Korn, der andere erntet es, wieder andere dreschen und mahlen es, dann backt einer Brot und verkauft es, und eine bis hierhin komplett ohne Brot lebende Zusammenrottung findet plötzlich ihre Funktion darin, alles das solide mit Hokuspokus zu unterfüttern. Sie erklären dem sogenannten Volk in sachzwangreduzierter Ehrlichkeit, dass nur die mit guter Ernte rechnen dürfen, die den Elefantengott mit dem Ring im Rüssel preisen, wahlweise mit geweihten Palmblättern, die es zufällig nur im Hof des hastig aus Lehm hochgeschwiemelten Tempels zu erwerben gibt, oder gleich mit Opfersteuer als unterstützendem Faktor für den Gebetshauch. Als Priester sind sie innerhalb weniger Generationen so gut wie unverzichtbar für Gedeih und Verderb einer ganzen Zivilisation, zumindest für die kunstvollen Erklärungsmodelle, wie eins oder das andere zustande kommt. Es dauert nicht mehr lange bis zu einem komplexen Entwurf von Spezialisten für Vegetation, Jagdglück, Eindämmung von Seuchen oder reichen Kindersegen. Die Zuständigkeiten sind in allen Kulturen relativ ähnlich, nur ihre Form und Nomenklatur unterscheiden sich graduell. So wirr und erst im Nachgang systematisch organisiert der Wasserkopf spiritueller Zuständigkeiten erscheint, so gut passt er noch in eine Gesellschaft, die nicht zurück zur Natur muss.

In einem weiteren Schritt entstehen nun alle die moralischen Implikationen, die der Höhlenmensch in seiner Idealwelt aus kollektiv genutztem Besitz, Bärenfell und Bräute, schlicht nicht brauchte, denn Schuldverhältnisse wurden meist ad hoc und final ausdiskutiert. Je mehr Möglichkeiten der Sämann hatte, den Schnitter übers Ohr zu hauen, der den Müller, der den Bäcker, der wieder den Kunden, bis ein voll entfalteter Kosmos aus Kornzuchtanstalt, Bäckerinnung und Verbraucherschutzministerium seine Sternchen prangen lässt über der Stadt, desto dringender bedarf es freilich eines externalisierten Gewissens, das da sagt: Du sollst nicht töten, und wenn, kostet das so und so viel Stücke Blech zum Wert eines Tagesumsatzes. Der strafende Gott ward erfunden, damit zugleich die Doppelmoral, dass durch Lobpreis und Räucherstäbchen die fortan als Sünde deklarierte Instinkthandlung des Bekloppten wieder weggewaschen wird und post mortem nicht mehr ins Gewicht fällt – die Vorstellung der Waage mit dem Herzen in einer, einer Feder in der anderen Schale kam aus pharaonischer Zeit auf uns und ist bis heute produktiv – und endlich kam neurotisch wirkende Angst auf die, so spirituellen Schmodder für bare Münze nehmen und aus Furcht vor dem ewigen Verschwinden jedes noch so bräsige Gebot unreflektiert nachturnen.

Die Kontrolle sämtlicher sozialer Spielregeln hätte funktioniert, doch jene Clique professioneller Religioten wollte auch essen, ohne dafür arbeiten zu müssen. Und so erfanden die Trittbrettfahrer den Kult, mit dem nach eingeübtem Ritual aus Troglodytenzeit alle den Geistern opfern mussten unter Anleitung von Showzauberern, die das jenseitsgesteuerte Überwachen und Strafen als notwendige Kontrolle der oberen Instanz verkaufen, um neben dem üblichen Schöpfungsmythos auch die gesellschaftliche Hierarchie zu zementierten. Der Gedanke gewaltsamer Rache als Privileg der Herrschaft stammt nicht versehentlich aus diesem Goldgrund, die säkular wie religiös dasselbe Ziel verfolgte: Menschen gemütlich paranoid zu machen mit der Vorstellung, sie seien ab Werk moralisch minderwertig und müssten dafür nun bis in alle Ewigkeit büßen. Nicht fair, aber praktisch.

Hätten sich die Stammesgesellschaften auf eine ordentliche Strafgerichtsbarkeit geeinigt, die sich bis heute stringent durchzöge, uns wäre viel Leid erspart geblieben. Oder wir hätten eine zweite Priesterschicht mit konkurrierender Talarmode.





Ungesellschaftliche Zielgruppen

18 04 2019

„Ausländer!“ „Und Radfahrer!“ „Aber erst die Ausländer!“ „Und die Frauen!“ „Wieso Frauen?“ „Wieso dann Radfahrer?“ „Können wir vielleicht mal zum Thema…“ „Ausländer!“

„Wir suchen hier eine Gefahr, für die man die Öffentlichkeit sensibilisieren kann.“ „Einbrecher?“ „Hat Seehofer schon probiert.“ „Hat’s geklappt?“ „Nee, die Leute haben vorher die Statistik gelesen.“ „Kann natürlich keiner ahnen.“ „Aber noch haben wir die Flüchtlinge.“ „Und Ausländer, viel zu viele Ausländer!“ „Abschieben!“ „Seehofer?“ „Mann, Sie sind doch nicht ganz dicht!“ „Sprechen Sie mit ihm? diese Ausländerfeindlichkeit geht mir auch gewaltig auf den…“ „Fühlen Sie sich manchmal auch so müde?“

„Der Dollar war auch mal stabiler.“ „Und der Euro erst!“ „Das liegt an den Ausländern!“ „Ich möchte das nicht mehr hören, verstehen Sie?“ „Aber es ist doch so, die Deutschen sind zunächst total verängstigt, weil es hier so viele Ausländer gibt.“ „Das mag alles sein, aber das können wir nicht steuern.“ „Sie sind doch Soziologe?“ „Aber ich bin bei der Bundesregierung angestellt, da wird man nicht nach seiner Meinung gefragt, und wenn, soll man keine Lösungen finden, sondern nur einen Schuldigen.“ „Ah, verstehe.“ „Das ist ja im Ausland meistens auch nicht anders.“

„Jetzt ist ja gerade wieder diese Sache mit den Schülern in den Medien, da könnte man…“ „Finden Sie nicht auch, dass der deutsche Fußball sich in einer epochalen Krise befindet?“ „Und dass das Brot ständig teurer wird, das kann doch auch keiner wollen!“ „Eben, da müsste mal einer was machen!“ „Wenn Sie Ihren Quatsch nicht sofort in der Tasche verschwinden lassen, dann haben Sie ein Problem mit den Autoherstellern.“ „Was hat das denn mit Fußball zu tun?“ „Ihre Hetze gegen den Diesel ist unter jedem Niveau!“ „Ich habe doch gar keine…“ „Sie wollten hier mit irgendeinem Klimascheiß anfangen, das haben alle gemerkt!“ „Das ist ja gar nicht…“ „Ausländer!“ „Noch so ein Opfer von dieser schwedischen Göre!“ „Widerlich!“ „Igitt!“ „Der Papst hat sogar mit ihr…“ „Bei kleinen Mädchen macht der Vatikan schon mal eine Ausnahme.“ „Das interessiert doch keinen, wir brauchen einen echten Aufmacher, der sich gegen die Aufreger der letzten Monate durchsetzt und keine gesellschaftliche Zielgruppe…“ „Gibt es auch ungesellschaftliche Zielgruppen?“ „Und Sie wollen Soziologe sein?“ „Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst!“ „Wir müssen viel mehr gegen Ausländer tun!“ „Wir regen uns vollkommen zurecht auf wegen der Autokonzerne, die uns ihre Schrottkarren unterjubelt und dann so tut, als ob sie das Klima nichts angehen würde.“ „Und Notre Dame.“ „Was hat das mit Diesel zu tun?“ „Haben Sie eine Ahnung, was bei so einem Brand an Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt?“ „Das ist nicht Ihr Ernst.“ „Und der Vatikan zahlt nicht mal dafür, das ist doch die Schweinerei!“ „Weil die Kirche Frankreich gehört, warum sollte dann der…“ „Der Franzmann blecht für Notter Dam’, weil Päpste halt kein Schotter ham.“ „Lassen Sie sich manchmal auf Ihren Geisteszustand untersuchen?“

„Wieso machen wir dann nichts mit Flugzeugen, die sind doch sowieso an allem schuld.“ „Haben Sie denn die Anweisung nicht gelesen? Wir brauchen eine Schlagzeile, und zwar sofort.“ „Ja.“ „Und zwar eine, auf die sich alle unsere Leser einigen können.“ „Ja.“ „Und die sollen sich so schnell wie möglich darüber aufregen können, damit wir ein neues Gesprächsthema haben und nicht wieder über Sachen reden, die unseren Auftraggebern nicht so gefallen.“ „Sie meinen, Volkswagen und die Deutsche Bank würden sich nicht über die vielen Ausländer beschweren, die gerade hierher kommen, um es sich in der sozialen Hängematte bequem zu machen?“ „Nein, das habe ich nicht gesagt. Es ist nur…“ „Und das darf man jetzt nicht mehr als Thema bezeichnen, über das sich alle aufregen können, weil es uns alle angeht!?“

„Jetzt noch mal ganz langsam. Wir sind eine Zeitung, die eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllt: wir setzen die Agenda, das heißt, wir bestimmen die Gesprächsthemen.“ „Das war klar.“ „Sowieso.“ „Dann sollten Sie auch kapieren, dass wir keine nebensächlichen Dinge wie Klima oder die Verantwortung der Autoindustrie in den Fokus nehmen können, weil sonst unsere Zielgruppe über Dinge redet, von denen sie nicht genug versteht.“ „Von Innenpolitik, Verteidigung oder geostrategischen Interessen haben die Leute doch auch keinen blassen Schimmer?“ „Ja, aber das ist eine ganz andere Problematik. Wir müssen uns hier auf die naheliegenden Themen beschränken, bei denen die Menschen eine reelle Chance haben, sie zu verstehen.“ „Und das kann man nicht mit einer Zeitung machen, die die Agenda so setzt, dass man den Leuten nach und nach vermittelt, was im Interesse unserer Auftraggeber ist?“ „Doch, aber das ist ja nicht der Punkt. Sie sollen eben nicht merken, dass es unsere Auftraggeber sind, die die Agenda setzen und…“ „Und wenn wir jetzt nur als eine Einzelmeinung jemanden zitieren, der die Theorie, irgendjemand habe die Kirche, natürlich nur aus Versehen und natürlich nie im Auftrag eines…“ „Dass die Deutsche Bahn mal wieder die Preise erhöht, das geht auch unter.“ „Und wer hat die Grundsteuerreform vergeigt?“ „Uploadfilter!“ „Ich warte auch immer noch auf schnelles Internet in meinem Betrieb.“ „Wissen Sie, dass Wohnraum in den Großstädten kontinuierlich…“ „Halt! Das reicht!“ „Und jetzt?“ „Ich gebe mich geschlagen. Wir machen jetzt doch das mit den Radfahrern.“





Luft-Boden-Einsatz

15 04 2019

„… allen Regierungsmitgliedern die Inlandsflüge zu streichen. Merkel bestehen aus Klimagründen darauf, ausschließlich die Deutsche Bahn für einen Transport zu den…“

„… lediglich um Symbolpolitik gehandelt habe. Diese Entscheidung hätte die Kanzlerin jedoch zur Vermeidung vom Ressortstreitigkeiten zwingend mit der CSU abstimmen müssen, da diese im…“

„… als versteckte Wirtschaftsförderung bezeichnet habe. Meuthen prangere die einseitige Bevorzugung der Deutschen Bahn als Staatsbetrieb mit erzwungenen Milliardensubventionen an und wolle die sofortige Abschaffung aller…“

„… insbesondere Schwerlastflugzeuge für den Transport von Altmaier einen erheblichen Ausstoß von Kohlendioxid und…“

„… bestehe die CSU selbstverständlich darauf, dass Kurzstrecken unter tausend Kilometern mit dem Flugtaxi oder anderen…“

„… gebe es nicht genügend Einzelabteile für die Politiker, die zum ungestörten Arbeiten benutzt werden könnten, da aus Gründen der Wirtschaftlichkeit ein kompletter Großraumwagen für einen Minister mit Sicherheitsbeamten nur…“

„… setze sich die AfD nach Abschaffung des Konzerns für eine Reichsbahn ein, die nur noch deutschblütige Fahrgäste, Rüstungsgüter zur Zerstörung muslimischer Feindmächte und…“

„… nicht zuständig sei. Scheuer sehe den Transport von Regierungsmitgliedern als Aufgabe eines Ministeriums für innerdeutsche Angelegenheiten, nicht aber im Verkehrsressort, da er sich nur um die Flugauslastung in den…“

„… bedeute dies für die Airlines, dass eine weitere Konzentration nicht oder nur sehr schwer zu vermeiden sei. Gleichzeitig rate die zivile Luftfahrt vom Einsatz der regierungseigenen Maschinen dringend ab, da diese nach der Landung oft nicht mehr vom…“

„… ein Maß an Verspätung erreicht hätte, das durch die Mitnahme von Regierungsbeamten nur noch weiter negativ zu beeinflussen sei. Die Bahn hoffe, dass Inlandsflüge für das Kabinett weiterhin als Mittel der…“

„… Mehdorn angekündigt habe, einen neuen Konzern durch die Fusionierung von Bahn und Lufthansa leiten zu wollen. Er strebe an, die Preisstruktur und die umwelttechnischen Vorteile der Airline mit der sprichwörtlichen Pünktlichkeit der Eisenbahn zu…“

„… das Sicherheitskonzept ausbauen müsse. Die Bahn strebe eine ICE-Abfertigung an, bei der die Passagiere schon nach wenigen Tagen Aufenthalt in einer Durchleuchtungszone den Bahnsteig betreten dürften, auf dem meist innerhalb desselben Quartals ein Zug bereitgestellt werden könnte, immer vorausgesetzt, die Deutsche Bahn würde dann über ausreichend Fahrzeuge verfügen, um den gewachsenen Anforderungen an die…“

„… drohe bei einem Mehr an Europa auch die endgültige Zerstörung des internationalen Flugverkehrs. Meuthen lehne es ab, dass die linksversiffte Kanzlerdiktatorin bald auch Abgeordnete seiner Partei mit einem Interrail-Ticket in die…“

„… auch vor technische Herausforderungen gestellt werde. So verlange die Regierung nicht nur schnelles Internet in den Zügen, sondern auch Kaffee, der sich ohne nennenswerte gesundheitliche Einschränkungen als…“

„… aus Sicherheitsgründen einen eigenen Bahnhof vorgeschlagen habe. Dieser solle auf dem Tempelhofer Feld errichtet und mit einem neuen Schienenzubringer ausgestattet werden, um die…“

„… einen Shuttle-Dienst einzurichten, der turnusmäßig dreimal am Tag Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln und München miteinander verbinde. Der am Planungsaufwand eingesparte betrag könne in eine neue Innenverkleidung der Flugzeug investiert werden, die sich dadurch noch besser für Pressekonferenzen und…“

„… müsse die Bundesregierung für sich Sonderrechte einfordern dürfen, so wie sie auch nicht an moralische Bedenken oder steuerrechtliche relevante…“

„… werde Lindner aus der Politik aussteigen, da er nicht die finanziellen Mittel bekommen um in einem Privatzug die…“

„… eine sehr schlechte Werbung für den Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg sei. Wenn die Regierung nicht einmal mehr ihre eigenen Mitglieder von diesem Standort abheben lassen wolle, müsse man ernsthaft über einen endgültigen Baustopp auf dem…“

„… auf modulare Zugsysteme zurückgreifen könne. So biete die Bahn einen Ministerwagen an, der sich bequem mit dem Kranwagen in einen ICE heben lasse und mit wenigen Wochen Vorlauf in jede beliebige…“

„… die ersten Tests gut überstanden habe. Scheuer sei überzeugt davon, dass eine originalgetreue Kopie des Stuttgarter Tiefbahnhofs auf dem Tempelhofer Feld die beste Lösung für einen kombinierten Luft-Boden-Einsatz der…“

„… die Bahn viele Nachteile gegenüber dem Luftverkehr habe. So sehe Nahles das Streikrecht von Lokführern als ein großes Hindernis, das man schnellstmöglich durch staatsrechtliche…“

„… sich kompromissbereit zeige. Da der Fuhrpark der Regierung mit neuen Dieseln ausgerüstet werde, könne eine Umstellung des Flugverkehrs auf die Straße sehr zeitnah in die…“





Gefahr erkannt

11 04 2019

„Also man muss doch jetzt endlich mal…“ „Das gefährdet Arbeitsplätze.“ „Sie wissen doch noch gar nicht, was ich Ihnen…“ „Egal. Das gefährdet sicher Arbeitsplätze. Alles, was Sie vorschlagen, gefährdet Arbeitsplätze. Das ist nun mal so in der Wirtschaft.“

„Dann können wir im Grunde genommen nichts tun, weil es sonst Arbeitsplätze gefährden würde.“ „Doch, können wir schon. Es darf nur halt keine Arbeitsplätze gefährden.“ „Dann verraten Sie mir doch mal, was heißt das denn, Gefährdung. Was bedeutet das konkret?“ „Dass so ein Arbeitsplatz nach Meinung eines Experten, manchmal auch nur eines Politikers, in Gefahr sein könnte, sobald es gesellschaftliche Bewegungen gibt, die diesen Arbeitsplatz gefährden.“ „Das ist ein Zirkelschluss, oder?“ „Das mag sein, aber ich möchte nicht darauf eingehen. Es könnte ja Arbeitsplätze gefährden.“

„Nehmen wir nur einmal den Energiesektor, es liegt doch auf der Hand, dass wir durch den Verbleib in der Kohle eine viel größere Anzahl an Arbeitsplätzen in der Erzeugung regenerativer Energie…“ „Nein.“ „Wie, nein?“ „Also erstens ist es diese linksgrüne Solarspinnerei, die die Jobs in der Kohleverstromung gefährdet, und dann kann es ja gar keine Gefahr geben für die Windkraft oder so.“ „Warum nicht?“ „Die Arbeitsplätze gibt es gar nicht, wie sollen die denn dann gefährdet sein?“ „Aber Sire sind doch immer für den technischen Fortschritt, wie können Sie denn dann den…“ „Das täuscht. Wir wollen nichts gefährden. Für eine Entwicklung ist immer noch Zeit genug, wenn alles zu spät ist.“ „Warum ist denn dann die Atomenergie keine Gefahr für die Kohleförderung?“ „Kernkraft ist doch selbst von diesen stalinistischen Schweinen bedroht, die die Sonne verstaatlichen wollen – Sie werfen hier mal wieder Äpfel und Birnen in ein Fass, das schlägt doch dem Boden die Krone aus!“

„Also ist neue Technologie niemals eine reale Gefahr für die Arbeitsplätze?“ „Das würde ich nie sagen, schließlich bringen neue Technologien auch immense Wachstumspotenziale, aus denen ganz neue Jobs entstehen können.“ „Also zum Beispiel die ökologische Landwirtschaft.“ „Naja, das ist nun etwas einseitig gewählt.“ „Weil die Menschen dann länger leben und die Bestatter nichts mehr zu tun haben, richtig?“ „Sie und Ihr Zynismus! natürlich nicht, es hängen Jobs in der Pharmaindustrie dran und bei den Düngemitteln.“ „Und bei der Chemie.“ „Ja, auch.“ „Und bei Onkologen, die den ganzen Krebs wieder wegoperieren dürfen.“ „Die Medizin ist auch ein Wachstumsmotor, vergessen Sie das nicht!“ „Deswegen wollen Sie auch Patienten, die so kerngesund sind, dass sie möglichst noch Organe spenden können, richtig?“ „Ach, lassen wir das.“

„Nein, mal im Ernst: wenn Sie so für neue Technologien sind, warum sträuben Sie sich dann derart vehement gegen den Netzausbau?“ „Tun wir gar nicht.“ „Weil das keine Arbeitsplätze gefährdet, aber Deutschland sämtliche Wettbewerbschancen vermasselt.“ „Das sehen Sie völlig falsch.“ „Ah, jetzt habe ich begriffen: Sie haben dieses uralte Netz noch immer in Betrieb, damit wir niemals mit Robotik und ähnlichen Produktionsinstrumenten konfrontiert werden.“ „Das ist ja nun ausgemachter Unsinn. Sie wissen genauso gut wie ich, dass es mit Robotern ganz neue und viel bessere Möglichkeiten gibt, dem Markt durch qualitative und quantitative Innovation einen eigenen Stempel aufzudrücken.“ „Aber im Bereich der Produktion selbst heißt das erst einmal, dass wir sehr, sehr viele Jobs in den untersten Lohnkategorien verlieren werden.“ „Das mag sein, aber die Politik steuert dagegen, indem sie Arbeitnehmern erlaubt, sich weiterzubilden.“ „Und das schützt Arbeitsplätze in der Produktion?“ „Zunächst einmal in der Weiterbildung. Und dann natürlich auch in der Politik.“

„Im Grunde ist ihr Weltbild doch nichts anderes als permanentes Gejammer, dass es früher besser war.“ „Das kann man so natürlich auch nicht sagen. Es braucht halt immer ein gewisses Korrektiv, aber man tut gut daran, wenn man nicht zu früh alle Überzeugungen über Bord wirft.“ „Wann tun Sie das?“ „Normalerweise warten wir damit, bis es zu spät ist.“ „Es gab noch vor fünfzig Jahren in den USA Verbände, die finanzielle Hilfe vom Staat bekamen, weil die Postkutsche abgeschafft wurde.“ „Der Verbrennungsmotor hat es da in gewisser Hinsicht besser. Den kann sich heute auch der Durchschnittsbürger leisten.“ „Und wenn es eine technologische Entwicklung gäbe, die das Auto überflüssig machen würde?“ „Das wird niemals passieren. Es gefährdet zu viele Arbeitsplätze.“

„Wir sollten mal über die Rüstungsindustrie…“ „Das gefährdet Arbeitsplätze!“ „Ohne Rüstung oder Waffenexporte gäbe es weltweit viel weniger Kriege oder Konflikte.“ „Das würde natürlich viele Arbeitsplätze in der Bundeswehr gefährden.“ „Aha, und das bei der miesen Ausstattung.“ „Und die Berater! was meinen Sie, wie viele Berater ihren Job los sind, wenn einer das Ruder herumreißt.“ „Das heißt, bei einer einigermaßen vernünftigen Führung wäre eine komplette Branche plötzlich total überflüssig?“ „Es gibt keinen Beweis für diese Behauptung.“ „Und wenn Sie nicht diese vielen Auslandseinsätze hätten, könnte man auch die vielen Kampfeinsätze des…“ „Die steigern das Bruttosozialprodukt!“ „Und die Menschen in…“ „Jeder Flüchtling, der dadurch zu uns gelangt, braucht eine Wohnung, Brot, Kleider, eine Versicherung, einen Fernseher, ein Auto, eine…“ „Wissen Sie was? Ich möchte Ihnen so gerne eins aufs Maul geben.“ „Nur zu. Machen Sie ruhig.“ „Gefährde ich da nicht einen Arbeitsplatz?“ „Ich bin Politiker. Das wächst einfach nach.“





Do ut des

7 04 2019

für Erich Kästner

Die ganze Welt wird arm an Deutschlands Waffen.
Das stört uns nicht. Wir werden damit reich.
Wenn hier moralisch auseinander klaffen
die Dinge, ist uns das im Zweifel gleich.

Die Welt ist schlecht. Das können wir nicht ändern.
Man nimmt halt, was man kriegt, und wird’s auch schwer.
Auch dazu gibt es nun in vielen Ländern
als Unterstützung schnell ein Schießgewehr.

So dienen wir pflichtschuldig dem Gewissen,
wir geben vom Gewinn ein bisschen ab.
Ein kleines bisschen können wir schon missen.
Es kommt ja was zurück, und nicht zu knapp.

Wobei uns lieber wäre, wenn die Spenden
den Armen hülfen, und sie blieben dort.
Was wir verstehen, alle Not zu wenden,
ist zuverlässig deutsch: ein Mann, ein Mord.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLVIII): Sterneküche

5 04 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Irgendwann einmal müssen dem Koch eines gut beleumundeten Lokals sämtliche Vorräte zur Neige gegangen sein. Oder er hatte sich vorgenommen, die Hülsenfrucht an sich derart zu transzendieren, dass das Ergebnis seines Geschmors eine bis dato nicht vorgekommene aromatische Nuanciertheit ans Zäpfchen zaubert, die ihn weltberühmt macht. Oder er hatte sich zu oft die hängenden Bratpfannen an die Birne gekloppt und delirierte am Herd frei vor sich hin, Erbsen zählend, Erbsen kochend, bis am Ende eine einzige übrig blieb, die er mit etwas Beiwerk auf einem monströsem Teller dem Gast auftrug, der erstaunt feststellen musste, eine derartige Erbse bisher nie verzehrt zu haben. Da der Hominide zu drei Vierteln aus Ruhmsucht besteht, bewarb der Maître alsbald seine Erbse und gewann einen Preis dafür, den er stolzgeschwollen ins Fenster klebte. Die Sterneküche ward geboren.

Jene Form der Gastronomie hat sich komplett von ihren Wurzeln entfernt, aus essbaren Produkten eine mehr oder minder warme Mahlzeit zu erstellen und sie dem Gast zu kredenzen, der aus Hunger und Gaumenfreude ein- und wiederkehrt, um den Laden am Laufen zu halten. Hin und wieder verzeiht der zahlende Esser dem Koch wirr auf den Teller geschwiemelte Experimente, doch ist jenseits von Pfefferminzcurrywurst mit Sauerkraut meist schon die Suppe gelöffelt, denn was die geschmacksfreie Inszenierung von Einzelteilen mit verzweifeltem Aufwand hervorbringt, steht in keinem Verhältnis mehr zum Eigentlichen.

Und so schmurgelt der Chef aus einem Korb Modegrün – Algen, Bärlauch, japanischer Spinat – einen Topf voll Pampe, die nachlässig unter zwei Gemüsescheibchen getupft oder mit dem Löffel aufs Porzellan gekleistert die besondere Note des siebten Gangs ausmachen soll. Passt nicht zum halb rohen Fisch, also muss es sich um einen gekonnten Kontrast handeln, taucht aber zu Bauschaum verstärkt als orthogonaler Festkörper neben einer gekleckerten Sauerampfer-Senfsaat-Emulsion auf dem Kolibrispiegelei wieder auf. Der Wareneinsatz beträgt eins zu eins – eine Tonne Grünzeug, ein Löffel Püree – und besonderen Wert legt das Haus auf exklusive Zutaten. Während andere noch ihre regionalen Wurzeln betonen, sucht der Hochgastronom seine in gelblichem Dunkellila schimmernden Babykarotten ausschließlich in einem Biobetrieb rechts neben dem Regenwald, da hier die Nussaromen im Rohzustand noch eine kleine Idee mehr Bitterstoffe zu haben scheinen als in der mauretanischen Möhre, die nur noch die Konkurrenz verkocht. Hier hebelt eine Fachkraft in Dinkelplätzchenpanade frittierte Hühnerfüße auf drehsymmetrische Lotoswurzelquerschnitte, die zuvor eine Nacht lang in einer Ziegenkäse-Fenchel-Marinade geruht haben, bevor die Küchenhilfe sie mit Andenfelsquellwasser durchspült und auf einem Lamapullover trocken tupft. Kenner können in drei von fünf Fällen sofort erkennen, ob es sich um die begehrten Pflanzenteile der Silberbaumartigen oder um lappigen Discountertoast handelt, wenn auch nicht am Geschmack.

Ursprünglich waren die Sterne erfunden worden, um Automobilisten, die durch die Gegend dieselten, standesgemäß zu verköstigen. War doch das Kraftfahrzeug eher eine Angelegenheit der obersten Zehntausend, die natürlich nicht mit jedem Dorfgasthof zufrieden sein durften, um nicht ihren Ruf als Kilometerfresser zu beschädigen – ein Stern bedeutete passable Speise am Wegesrand, für zwei durfte ein Umweg einkalkuliert werden. Drei Sterne jedoch, und es handelte sich tatsächlich um ein kostspieliges Vergnügen, waren der Anlass zu einer eigenen Fahrt über Land. Bis heute hat sich wenig geändert an diesem Bezug. Die Extremküche ist gestartet als Rennen, in dem die Bestplatzierten einen Pokal abkriegten, den sie ins Fenster stellen konnten, um ihre Dominanz in einem halbwegs tauglichen Wettbewerb zu demonstrieren, hat sich inzwischen aber zur komplett abgehobenen Show gewandelt, in der ein paar elitäre Selbstdarsteller ihre fahrphysikalisch sinnfreien Tuningexzesse zelebrieren, eine Leistungsschau von Frontschürzen und Heckspoilern, die der eine oder andere mit Fuchsschwanz an der Antenne ausgestattete Zaungast noch ehrfürchtig für bare Münze nimmt. Was als notwendig deklariert wird, die im tiefsten Winter aus Neuseeland eingeflogene Waldbeere mit Ananasgeschmack, die zu zentimetergroßen Rauten geschnitzt mit der Pinzette auf den Tellerrand gehebelt dem Serviergut allenfalls den optischen Touch von Einzigartigkeit verleiht, weil alle es tun, steht in einigermaßen krassem Missverhältnis zur betriebswirtschaftlich vernünftigen Tätigkeit. Die Köche könnten ihren Schmodder auch gemütlich in Kunstharz gießen und in die Galerie hängen, das Ergebnis ist dasselbe: der Esser findet in diesem Schauprozess nicht mehr statt.

Schon wenden sich die ersten Köche ab vom Getöse, schalten einen Gang herunter und geben alle ihre Auszeichnungen zurück, um sich auf eine vernachlässigte Fertigkeit zu stürzen: auf das Kochen. Allein das geht nicht, denn das Totholz hat die Auszeichnungen nun einmal veröffentlicht und nimmt sie nicht wieder mit. Das Urteil der Jury kümmert sich weder um Koch noch Kellner und um den Gast schon gleich gar nicht. Wer den Preis verleiht, ist der eigentliche Star, was auf dem Tisch passiert, allenfalls schmückendes Beiwerk einer Marketingaktion. Wie hätte man darauf nur kommen können.