Herrenraser

24 01 2019

„… neben Steuererhöhungen auch ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen in Erwägung ziehe. Dies werde sich positiv auf die Schadstoffbilanz und die Ziele der Klimapolitik sowie den…“

„… die ersten Rücktrittsforderungen erhoben würden. Scheuer sehe die Verkehrskommission als nicht kompetent, da sie weder persönliche Bekanntschaft mit der Autoindustrie besäßen noch durch finanzielle Verflechtungen mit…“

„… die Emissionen seit 1990 nicht habe senken können. Der Schadstoffausstoß sei nach wie vor auf einem so hohen Niveau, das man mit der CSU nicht in Verbindung bringen dürfe. Die Kommission sei deshalb nicht in der Lage, einen kostenneutralen…“

„… einen empfindlichen Eingriff in den Straßenverkehr darstelle. Wendt weise darauf hin, dass die meisten Autofahrer überhaupt nicht anders als zu schnell fahren könnten, wodurch sich eine Vielzahl an Geschwindigkeitsübertretungen ergäben. Ein Tempolimit sei also nichts anderes als eine massenhafte Aufforderung zum Begehen von Straftaten, was die Polizei in Deutschland zu einem geballten Protest und juristischen…“

„… habe den Ausbau von Fahrradwegen im innerstädtischen Bereich strikt abgelehnt. Scheuer sehe hierin keinerlei Auswirkungen auf den internationalen Schwerlastverkehr, der als eigentliches Problem der…“

„… sei ein weiteres Zeichen für die Islamisierung der BRD GmbH. Da Muslime in ihrem Kulturkreis an die Transportgeschwindigkeit von Kamelen gewöhnt seien, sehe Gauland hier den Versuch, die Ausrottung der deutschen Identität auf den Autobahnen zu…“

„… notwendige Transformationsprozesse in der Autoindustrie anstoßen werde. Es müsse nur noch kommuniziert werden, dass die Elektromobilität mit 250 km/h weniger schwere Unfälle auf den…“

„… die Kampagne Das Volk will Gas geben gemeinsam mit anderen Rechtsextremisten zu führen. Lindner habe darauf hingewiesen, dass er zur Durchsetzung von Menschenrechten keine Parteigrenzen akzeptiere, sondern rein sachorientiert in den…“

„… inzwischen sehr enttäuscht seien. Der Vorstandssprecher der Volkswagen AG habe geäußert, die Branche könne es mittelfristig nicht mehr hinnehmen, dass die Gesetzgebung von der Bundesregierung komme und nicht wie gewohnt aus dem…“

„… eine genetische Veränderung stattgefunden habe, die es Deutschen nicht mehr erlaube, langsam zu fahren. Nach Sarrazins Berechnungen entstehe in weniger als 150.000 Jahren durch Fehlzüchtungen eine deutsch-ökologische Hybridrasse, die sich nicht mehr fortbewegen könne und darauf angewiesen sei, durch Migranten mit geringerem IQ transportiert zu werden, um ein geregeltes Leben in Deutschland zu…“

„… nicht daran liege, dass Flüchtlinge seltener ein Kraftfahrzeug oder einen Führerschein besäßen. Die geringere Anzahl von Asyltouristen unter den Verkehrsstraftätern sei für Weidel ein weiteres Indiz für die von Merkel verordnete Islamwerbung, die ungerechtfertigte Vorteile für rassefremde…“

„… lehne die FDP eine Ausweitung des Fußverkehrs ab, da hier keine Senkung des Schadstoffausstoßes zu erwarten sei. Jeden Fußgänger mit mobilen Messapparaturen auszustatten, wie es Grüne und andere christsoziale Verbotsparteien propagieren würden, sei eine Verschwendung von…“

„… deutscher Autofahrer durch rücksichtsloses Rasen viel schneller sozialverträglich verstürben. Durch die Verweigerung, verkehrsgefährdend auf deutschen Straßen zu fahren, würden Migranten die Sozialsysteme erheblich belasten. Ein umfassendes Remigrationsprogramm sei für Poggenburg die letzte Chance, die Herrenraser vor dem…“

„… schwere internationale Verwerfungen in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit nach sich zögen. Scheuer habe darauf hingewiesen, dass langsam fahrende Autos viel weniger Kraftstoff verbrauchen würden, was letztlich zu einem Erliegen der Erdölimporte führe. Dies könne auch zu einer Verschlechterung der Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien, Norwegen oder…“

„… nicht alles schlecht an Hitler gewesen sei. Höcke betone, der Führer habe die Autobahnen vor allem gebaut, um sie an ein Volk von Autofahrern, die ihre rücksichtsloseste Männlichkeit mit dem Gaspedal und der…“

„… müsse das aktuelle Tempo beibehalten werden, da die Deutsche Bahn AG nicht in der Lage sei, notwendige Bestandteile des Straßenverkehrs wie Stau oder Wanderbaustellen in ausreichendem Maße zu…“

„… die Daimler-Benz AG eine Organklage vor dem Bundesverfassungsgericht angekündigt habe. Der Automobilkonzern sei sich seiner Bedeutung für die nationale Wirtschaft und die Stabilität des Staates durchaus bewusst und betrachte sich darum als Verfassungsorgan mit weitreichenden und für die Existenz der Bundesrepublik notwendigen…“

„… erwarte in dieser Sache konstruktive Vorschläge des Bundesverkehrsministers für eine möglichst schnelle und umfassende Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben. Scheuer sei laut Angaben in den vergangenen drei Wochen nicht im Ministerium gesehen worden, auch die CSU sei nicht informiert, wo er sich gerade…“

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Pünktlichkeitsanpassung

10 01 2019

„Also wenn Sie zweimal, das heißt, eigentlich sind es viermal, aber Sie müssen teilweise auch nur auf demselben Gleis umsteigen, einmal in ein anderes Geschoss, aber da haben Sie einen Fahrstuhl, das sind sieben Minuten bis, lassen Sie mich mal gucken, nein, sechs Minuten. Aber der Zug aus Leipzig kommt sowieso immer mindestens eine halbe Stunde zu spät, deshalb sehen wir das easy.

Sicher arbeiten wir noch wirtschaftlich, darum erhöhen wir ja auch regelmäßig die Preise, weil wir sonst nicht mehr wirtschaftlich arbeiten würden. Das ist Marktwirtschaft, und daran müssen wir uns als privatisiertes Unternehmen halten. Außerdem werden wir immer moderner, kundenfreundlicher und umweltbewusster, zumindest nimmt es nicht so ab, dass Sie es merken würden, und wir entwickeln für unsere Dienstleistung ein Problembewusstsein. Eines unserer Probleme ist, dass wir diese ganzen Züge fahren lassen. Und dann haben wir ja auch noch den Güterverkehr und das Schienennetz, und dann auch noch den Bundesverkehrsminister. Sie sehen, so einfach, wie das aussieht, ist es nicht.

Diese Vollkaskomentalität bei den Deutschen, das ist doch das Schlimme. Wir machen schon seit Jahren Reklame: Urlaub von der ersten Minute an. Sie wollen, sagen wir mal, nach Indien, da ist Zugfahren eine echte körperliche Herausforderung, wild, gefährlich, jeden Moment kann sich eine Katastrophe ereignen, die das ganze Leben auf den Kopf stellt oder sogar beendet – und da wollen Sie möglichst im Schlafwagen hin? Ich bitte Sie! Da kriegen Sie doch bei der Deutschen Bahn AG mehr geboten. Sie betreten den Zug, bis zum letzten Augenblick waren Sie sich nicht sicher, ob er einfährt, und wenn, auf welchem Gleis, dann die Wagenreihenfolge, und wenn Sie richtig Glück haben, hat jemand Ihre Sitzplatzreservierung zur Kenntnis genommen. Aber da hört’s ja noch nicht auf, jetzt kommen die Pünktlichkeitsanpassungen des laufenden Verkehrs! Da stehen Sie volle dreißig Minuten auf freier Strecke irgendwo vor Bebra mit rotem Einfahrtsignal und beißen sich die Nägel ab, weil Sie den Anschlusszug nicht mehr kriegen, und dann ist der Flieger weg. Das nenne ich mal echten Nervenkitzel!

Und was wir Ihnen an Entertainment bieten, das ist ja der nackte Wahnsinn. Wenn Sie so entspannt durch die Ebene gleiten, versuchen Sie mal, sich nur auf die Baustellen zu konzentrieren. Spätestens nach der zehnten Baustelle nehmen Sie Details wahr, das hätten Sie vorher nie gesehen. Sie sehen die Landschaft mit ganz anderen Augen. Ist ja auch logisch, wir fahren da halt etwas langsamer, damit Sie mehr von der Sache haben, aber darum geht’s ja im Moment gar nicht. Wir sind hier für Sie tätig, und das dürfen Sie ganz direkt miterleben. Sie brauchen nicht mal zu halten wie auf der Autobahn, wir machen auch das für Sie als Fahrgast. Haben Sie diesen Luxus schon mal im Flugzeug erlebt?

Also Fahrradmitnahme können Sie im Flieger schon mal knicken. Macht keiner, da bin ich mir absolut sicher. Als Handgepäck schon gleich gar nicht, mal ganz abgesehen von den Kosten. Sie können Ihr Fahrrad im Kofferraum transportieren, da haben Sie recht, aber mal ehrlich, dann müssten Sie ja auch noch Ihr Auto mitnehmen, oder wie stellen Sie sich das vor. Ich muss schon sagen, Ihre Vorstellungen von Komfort sind recht individuell.

Unsere Verspätungsdefinition ist ja gleichzeitig an der Pünktlichkeit ausgerichtet, wir sind ein ganz transparentes Unternehmen, das können Sie uns glauben – das sind nicht ganz drei Viertel der Züge, die absolut pünktlich waren, das heißt mit nur sechs Minuten Verspätung. Dass wir unseren Kunden damit täglich mit einer Chance von über 25% sechs Minuten Zeit schenken, die Sie gratis im Zug verbringen können oder auf einem unserer vielen Bahnhöfe, das wird ja in der Öffentlichkeit gar nicht mehr gewürdigt! Sechs Minuten, das ist eine zehntel Stunde, das müssen Sie sich mal ausrechnen und auf der Zunge zergehen lassen – gibt Ihre Bank Ihnen etwa zehn Prozent Rendite?

Wenn die Rheinschiffer im letzten Jahr durch die extreme Hitzeentwicklung keinen Treibstoff an die Tankstellen bringen können, sieht das jeder ein, aber wenn die Deutsche Bahn durch unerwartete Temperaturschwankungen in Schwierigkeiten gerät, dann wird das gleich zur nationalen Katastrophe hochstilisiert. So eine Klimaanlage ist ein fragiles Gebilde, und das gilt auch für Weichenheizungen. Das ist komplizierter als zum Beispiel eine Frau, das können Sie mir glauben.

Ich möchte mal wissen, warum sich alle über die Fahrkartenautomaten aufregen, es gibt doch kaum noch welche. Das ist der Trend, dass wir uns jetzt auch digital um unsere Kunden kümmern, das heißt, Sie können Ihre Fahrkarten ganz bequem auf dem Smartphone buchen, nur das Bezahlen ist noch nicht so ganz gelöst, aber das kriegen wir auch irgendwie in den Griff. Selbstverständlich können Sie Ihre Fahrkarten wie bisher in den Reisezentren lösen, da bringen Sie ein bisschen mehr Zeit mit, es ist sehr gemütlich, jedenfalls treffen sie da immer mal wieder nette Leute, und da können Sie bis auf Weiteres auch mit Bargeld zahlen. Nein, ich weiß, dass man das nicht an den üblichen Haltepunkten tun kann, das geht ja nicht einmal in den meisten Kleinstädten. Das ist so mit der Digitalisierung, das geschieht zuerst in den großen Städten. Aber Sie können ja jederzeit ins Reisezentrum fahren. Zum Beispiel mit der Deutschen Bahn!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXLV): Die Krise der Mobilität

4 01 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Das Schönste war ja die Verlässlichkeit: suchte man Rrt und seine Sippe, man fand sie genau da, wo sie alle geboren worden waren. Mit etwas Glück würden sie auch nach erfolgreicher Reproduktion hier ableben, falls nicht die vom Hominidenbefall entnervte Fauna zwischendurch für evolutionäre Tatsachen sorgen sollte. Keiner war je vom Tümpel im Tal weggezogen, hatte den Horizont der Steppe hinter sich gelassen, den großen Fluss jenseits der Höhenzüge entdeckt, niemand litt an Fernweh oder war vom Wunsch besessen, unter Vollverpflegung marodierend durch eine Mittelmeerinsel zu fräsen. Der Hominide nährte kümmerlich, aber artgerecht seine Sippe, die er sich eingebrockt hatte. Erst die Spätgeborenen sollten fremde Kontinente, den Tourismus und das Ozonloch mit eigenen Augen sehen, das Meeting in Bombay, Boston und Bad Bevensen, den Shopping-Trip nach London, die Busreise über die Wupper nach Wladiwostok auf der durchgehenden Autobahn, für die Generationen im Kampf gegen Sinn und Verstand fielen. Die Erde, so ihr Credo, ist rund, damit der alte weiße Mann Gas geben kann.

Alle anderen auf der Zielgerade zur Biomasse hocken in der Ecke und fragen sich, wie das alles so plötzlich gekommen ist. Einmal nicht aufgepasst, nur fünfzig Jahre das Schienennetz verrotten lassen, zack! merkt der mit Bausparerabitur ausgestattete Steuerzahler, dass es zwischen Streckenstilllegung und bröselnden Brücken so viele Züge mit Neigung zur Hochgeschwindigkeit geben kann, wie es will, dass aber bei einer Bahn, die von Dumpfschlumpf zu Dumpfschlumpf im Ministersessel sich nur dem Niveau ihrer Behördenleitung angepasst hat, alle Räder stillstehen, auch wenn gar keine Witterung existiert. Humpelt eine soziale Zusammenrottung in Richtung Flughafen, um sich turnusgemäß in den Süden abzusetzen, stehen die Chancen gut, dass der Vogel am Boden bleibt. Eine zünftig ausgedünnte Flugsicherung, fehlerhaft bestellte Windrichtungen, mit denen Piloten am Rande des Existenzminimums geistig nicht fertig werden, Arbeitsniederlegungen in der Kabine sorgen für nachhaltiges Heimatgefühl ohne Ruine im brandenburgischen Baggermatsch, die sicher für schlimme Zeiten aufgetakelt wird, wenn es dem Transportwesen überraschend zu gut gehen sollte. Unten bleiben sie immer.

Der gemeine Hohlrabi, der vor allem Angst hat, dass er sich am Viagra verschluckt, bollert mit dem SUV dann nicht nur zum Bio-Supermarkt, wo es die guten Freilandgurken in doppelt PVC-Folie zum Sonderpreis gibt, sie heulen sich gewohnheitsmäßig in den Schlaf, weil sie mit dem Bodenhobel immer noch nicht nach Australien fahren können. Schuld an der Misere sind natürlich hochmoderne Nationen wie Albanien, die nicht mit teutscher Gründlichkeit hundert Milliarden zur Errichtung der Korruption als Staatsreligion investieren und Generationen an Ingenieuren brauchen, um die Idee eines Flugtaxis mit beispielhafter Präzision in die Grütze zu reiten, während der balkanische Erzfeind fernostischen Vorbildern folgt, das christliche Abendland mit der perfidesten List zu schänden: Fachleute einsetzen, statt jahrzehntelang im Rudelkoma das Gesabber der EEG-Nullkurven zu erdulden, bis der Blutdruck sich unters Laminat schwiemelt. So kann das jeder.

Genau deshalb lassen wir es auch, sehen den Resten beim Rosten zu, die Schlaglöcherlotterie auf durchschnittlichen Umgehungsstraßen macht mehr Millionäre als das passende Parteibuch, und schon haben wir die Patentlösung für alles, was nicht bei Rot über die Ampel ist: Elektromobilität. Als wäre der Stromzug je ansatzweise pünktlich gewesen, hauen die Jodelkasper wie hospitalisiert an den Beton, damit sie es glauben: Elektroautos stehen nie im Stau. Können sie gar nicht. Man kommt damit nach Amerika. Zumindest in den Weltraum.

Wahrscheinlich hilft nur noch die Trennung der Menschheit in Tanzbereiche: wer in Bad Bevensen geboren wurde, hat in Bombay nichts zu suchen – umgekehrt tönt es oft genug aus der Richtung, warum sollte man den Gedanken nicht global zu Ende denken. Wir sind auf dem Rückschritt, es gibt genug anständige Bilder vom Grand Canyon und dem Riesengebirge, als dass sich jeder Querkämmer das noch selbst antun müsste. Der Klimawandel ist weit genug fortgeschritten, Hautkrebs kriegt der Patriot auch am Steinhuder Meer, die Balearen sind obsolet – wer sein Aggressionspotenzial hingegen aus der Blechlawine auf der Bundesautobahn zieht, wo er täglich ein Rudel Mitgeschöpfe bis kurz vor der Hirnembolie anplärrt, darf die Binnenwirtschaft steigern, auch energietechnisch, und wird einfach Pendler. Zwei Stunden Anfahrt, drei Stunden nach Hause, schon wird aus dem postmodernen Bürger wieder die humanevolutionäre Montagsproduktion, die alles hasst und töten will, das mit derselben Geschwindigkeit in die Leitplanke rauschen könnte, wenn links frei wäre. Es wäre so einfach, aber wir erinnern uns, die Erde ist rund. Auf einer flachen Welt hätten wir das Problem nicht, denn sie gäben Gas, auch am Rand der Scheibe. Vor allem da. Weil sie es können.





Quasimonopol

26 03 2018

„Kurzzüge.“ „Kurzzüge?“ „Das sind dann halt kurze Züge, die…“ „Das war mir schon klar, ich will nur wissen, wozu wir Kurzzüge einsetzen.“ „Na, die sind halt kurz.“ „Aha.“ „Und brauchen nicht so viele Wagen.“ „So, so.“ „Deshalb dachte ich, wir könnten die einsetzen. Damit wir nicht so viele Wagen brauchen.“ „Das löst aber unser Problem jetzt nicht.“ „Das ist richtig. Aber wir sind ja auch die Deutsche Bahn.“

„Fakt ist, wir haben zu wenig Waggons für das Fahrgastaufkommen.“ „Toll, oder?“ „Was finden Sie an dieser katastrophalen Lage toll?“ „Dass wir mehr Fahrgäste haben, als wir transportieren können.“ „Wir haben nicht mehr Fahrgäste, als wir transportieren können, sondern schlicht zu wenig Waggons.“ „Dann haben wir schon Kurzzüge? das ist ja toll!“ „Meine Güte, jetzt kapieren Sie’s halt mal: wir haben eine Nachfrage, die wir nicht befriedigen können.“ „Das ist insofern nicht weiter tragisch, als wir ein Monopol auf Schienenverkehr haben.“ „Das ist verkehrt, und das wissen Sie ganz genau.“ „Ein Quasimonopol.“ „Aber wir sind nicht die einzige Transportmöglichkeit für die Fahrgäste. Das wird uns über kurz oder lang das Geschäft beschädigen.“ „Das bedeutet ja auch, wenn wir so weitermachen, dann haben wir mittelfristig wieder nur noch so viele Fahrgäste, dass wir jeden mit den Wagen befördern können, die wir haben.“ „Ja schon, aber das kann doch nicht der Sinn der Sache sein.“ „Wir stellen nur die Fahrgäste zufrieden, die auch unsere Leistungen in Anspruch nehmen. Ich finde das betriebswirtschaftlich vollkommen in Ordnung.“ „Das klären Sie dann bitte mit der Zentrale, ja?“

„Seien Sie doch nicht so negativ, wir haben noch jede Menge Möglichkeiten.“ „Als da wären?“ „Schienenersatzverkehr.“ „Wie meinen Sie das?“ „Man muss die Fahrgäste doch nicht unbedingt schienengebunden transportieren, wir können auf jede andere Verkehrslösung ausweichen.“ „Und was schwebt Ihnen da genau vor?“ „Taxi, Fahrrad…“ „Fahrrad?“ „Genau, Fahrrad. Das ist nicht nur eine sehr preiswerte Sache, die ist auch nachhaltig. Und gesund!“ „Toll.“ „Ja, nicht wahr?“ „Sie wollen also Leihräder an jedem Bahnhof aufstellen?“ „Wer hat denn das gesagt? Viel zu viel Aufwand, und dann bekommen Sie keins mehr, wenn alle weg sind, und außerdem vertraut man einem geliehenen Rad nicht so wie dem eigenen.“ „Und welche Räder nehmen wir dann?“ „Die Leute bringen halt ihres mit.“ „Die bringen ihre Räder mit und fahren dann von Flensburg bis zum Bodensee.“ „Wir können das ja erst mal im Regionalverkehr antesten. Vielleicht merken die Fahrgäste, dass ihnen ein Fahrrad nicht ausreicht, und dann wollen sie lieber ein Moped.“ „Ein Moped.“ „Motorrad ginge natürlich auch, aber da wird’s dann langsam kritisch.“ „Kritisch.“ „Die Schadstoffemissionen, Sie verstehen. Da sind wir mit dem Rad weiter vorne, und als Unternehmen Zukunft sind wir uns das einfach schuldig.“

„Die Leute kommen also mit dem eigenen Rad zum Bahnhof und fahren dann gleich weiter.“ „Ohne Umsteigen, das ist ein enormer Service – das bietet Ihnen kein Busbetreiber.“ „Toll.“ „Ja, nicht wahr? Wir haben hier ein Geschäftsmodell am Wickel, dagegen ist das autonom fliegende Taxi doch ein Witz.“ „Sie sehen mich begeistert.“ „Und wir können die Preismodelle flexibler gestalten. So genau wie mit dem Fahrrad kriegen Sie das mit dem Zug ja nie hin – die Bahnhöfe stehen halt da, aber Ihr Fahrziel ist wesentlich besser zu planen.“ „Das klingt ja nach einer Revolution. Warum ist mir das nicht eingefallen.“ „Ach, Sie sind schon seit ein paar Jahrzehnten im Geschäft. Vielleicht wird man da irgendwann betriebsblind?“

„Und wie wollen Sie das berechnen?“ „Nach angefangenen hundert Metern. Das wird sich doch technisch irgendwie machen lassen.“ „Das heißt, wir bezahlen unsere Fahrgäste?“ „Wieso denn? Die nutzen schließlich einen Service der Deutschen Bahn, dafür müssen sie auch ordentlich in die Tasche greifen. Man kann doch nicht einfach aufs Fahrrad steigen und so tun, als würde man Bahn fahren?“ „Aha, also eine lizenzrechtliche Sache. Das klingt ja spannend.“ „Toll, oder?“ „Toll. Da soll sich unsere Rechtsabteilung gleich mal schlau machen, wie wir das am besten verkaufen.“ „Eben, die wissen das viel besser als wir.“

„Und wo soll das Ihrer Ansicht nach hingehen?“ „Wir können den Service ausweiten, beispielsweise mit Heißgetränken während der Fahrt – also vorerst nur im Bahnhofsbereich, die Radler können unsere Gastronomiebetriebe ansteuern und bekommen einen preiswerten Kaffee to go.“ „Coffee to bike.“ „Ja, das klingt gut. Hätte von mir sein können.“ „Das unterschreibe ich sofort.“ „Ach, ich wusste es. Sie verstehen mich einfach.“ „Aber ich meine, wo soll das hin? Betriebswirtschaftlich? Und dann auch unternehmerisch?“ „Die Einnahmenseite kann man auf die Art natürlich enorm steigern.“ „Und dann?“ „Wie, und dann? Mehr Einnahmen, solides Geschäft, vielleicht kann man das als Lizenzmodell an andere nationale oder regionale Bahnbetreiber verkaufen.“ „Und mit dem Geld werden wir reich.“ „Ja, aber wir bilden auch Rücklagen.“ „Rücklagen? Wofür denn Rücklagen?“ „Für neue Wagen. Dann haben wir endlich wieder so viele Wagen, dass wir alle Fahrgäste mit der Eisenbahn transportieren können. Toll, oder?





Drehzahl

5 03 2018

„Danke, Merkel!“ „Das löst doch das Problem auch nicht.“ „Trotzdem: Danke, Merkel!“ „Wir sollten uns eher auf die konstruktive Ebene begeben und die Probleme sachlich benennen, damit wir in einer offenen Diskussion mit dem…“ „Ich kaufe mir doch jetzt keinen scheiß Benziner, nur damit ich wieder Zigaretten holen kann, deshalb: Danke, Merkel!“

„Das ist ein Vernichtungsfeldzug gegen die deutschen Autofahrer, anders kann man das nicht nennen!“ „Wenn wir die Demo unter dem Namen anmelden, dann haben wir sofort die Regierung am Hals.“ „Und die Presse.“ „Ich wüsste nicht mal, was schlimmer wäre.“ „Widerstand?“ „Nationaler Widerstand gegen Fahrverbote!“ „Das würde ich nicht unterschreiben.“ „Wir wollen doch aber in ganz Deutschland demonstrieren?“ „Naja, aber die Formulierung ist halt suboptimal.“ „Er meint, das klingt nach Nazikeule.“ „Nee, umgekehrt.“ „Kaum sagt man in Deutschland mal seine Meinung, wird man in die rechte Ecke gestellt!“ „Danke, Merkel!“ „Ist doch gut.“ „Wieso?“ „Verstehe ich auch nicht.“ „Das bringt wenigstens Schlagzeilen.“ „Auch wieder richtig.“

„Wenn die deutschen Autofahrer wenigstens Vertrauensschutz genießen würden, dann wäre es nicht so schlimm.“ „Oder Rechtssicherheit.“ „Also sind Sie am Ende für diese Plaketten?“ „Die deutschen Autofahrer werden so oder so schleichend enteignet.“ „Ich kann doch jetzt nicht mit der S-Bahn zur Arbeit fahren!“ „Wieso denn nicht?“ „Weil es da, wo ich wohne, keine S-Bahn gibt.“ „Aber Busse.“ „Aber keine S-Bahn!“ „Und Busse machen noch viel mehr Abgase als Pkw.“ „Danke, Merkel!“ „Was hat jetzt Merkel damit zu tun?“ „Weiß ich nicht, ich wollte das nur mal gesagt haben.“

„Wenn man irgendwas mit freier Fahrt machen würde?“ „Hat da eventuell die Bahn den Daumen drauf?“ „Keine Ahnung.“ „Eher die FDP.“ „Oder der ADAC.“ „Da wäre mir die FDP lieber.“ „Oder BMW?“ „Jedenfalls müssen wir die Medien für unser Anliegen nutzen, sonst können wir uns nie durchsetzen.“ „Eventuell könnten wir den einen oder anderen Politiker für uns gewinnen?“ „Meinen Sie denn, dass sich die Politik für Autofahrer interessiert?“ „Man soll es nicht ausschließen.“ „Also wenn sie sich für die Autoindustrie einsetzt, kann ich mir das schon vorstellen.“

„Autos statt Ausländer!“ „Und Diesel statt Deutsche?“ „Bei Ihnen geht wohl gerade die Drehzahl durch?“ „Treten Sie mal auf die Bremse, Kollege!“ „Ich will einfach nur, dass uns die Politik mal zuhört!“ „Stimmt, das kann man heute ja nur noch mit Argumenten, die keiner mehr hören will, weil sie eben wahr sind.“ „Und dafür müssen jetzt die Ausländer herhalten?“ „Jetzt sind es die Autofahrer, ist Ihnen das etwa lieber?“ „Das grenzt ja an Landesverrat!“ „Fahren Sie doch Straßenbahn, wenn Sie Deutschland retten wollen!“ „Weichei!“ „Warmduscher!“ „Nazi!“ „Können wir uns jetzt mal auf die wesentlichen Dinge konzentrieren?“ „Danke, Merkel!“

„Theoretisch müsste man bis zur Weihnachtszeit warten.“ „Und wieso?“ „Denken Sie mal an die vielen Kerzen. Was da für ein Ruß rauskommt!“ „Gilt das auch für Zündkerzen?“ „Nur dann, wenn man sie in Innenräumen benutzt.“ „Das heißt, mit einer Kerze im Straßenverkehr ist das dann wieder kein Problem?“ „Sie sollten sie nicht unbedingt im Auto anzünden.“ „Die Zündkerze?“ „Nein, die…“ „Ach so.“ „Flugzeuge sollte man unter die Lupe nehmen!“ „Ölheizungen!“ „Und Schiffsdiesel?“ „Woraus bestehen eigentlich Chemtrails?“ „Man muss das wissenschaftlich sehen.“ „Das auch noch!“ „Irgendwo muss man doch anfangen.“ „Die Luft ist so sauber wie nie zuvor in Deutschland!“ „Also seit der Industrialisierung, meinen Sie.“ „Das ist doch dasselbe.“

„Und wenn man die Autohersteller in die Pflicht nehmen würde?“ „Wie stellen Sie sich das vor?“ „Wir müssten vor den Konzernzentralen in Stellung gehen und den Herren sagen, dass wir uns das nicht länger bieten lassen.“ „Genau, und dann fordern wir die Regierung auf, unsere Autos nachzurüsten!“ „Machen das nicht die Hersteller?“ „Ja, aber die Regierung muss denen das doch befehlen können?“ „Und wer bezahlt das?“ „Die Autoindustrie doch nicht.“ „Würde ich auch sagen, wir können die doch nicht in die Pleite schlittern lassen.“ „Dann gibt es bald auch keine Benziner mehr.“ „Oder Busse.“ „Richtig.“ „Dann sollte sich die Regierung langsam mal Gedanken machen, dass sie das auf die Reihe kriegt.“ „Und wer bezahlt das?“ „Die Regierung.“ „Also wir.“ „Auf keinen Fall!“ „Haben die nicht neulich erst gesagt, dass sie ein paar Milliarden mehr eingenommen haben?“ „Dann können sie wohl auch ein paar Milliarden für uns ausgeben.“ „Sehr richtig!“ „Ist doch besser, als wenn der Steuerzahler wieder dafür aufkommen müsste.“ „Danke, äääh…“





Personentransportsektor

19 02 2018

„… kostenlosen Nahverkehr in sämtlichen deutschen Verkehrsverbünden anbieten wolle. Dies sei eine weder wirtschaftlich noch mit rechtlichen Grundsätzen…“

„… nur in einzelnen Städten wie Bangkok, Boston, Baltimore, Melbourne, Toulouse, Athen, Pittsburgh, Manchester, Oslo, Winnipeg oder Tallinn funktionieren könne. Die Ausdehnung auf ganz Deutschland dürfe keinesfalls den…“

„… Arbeitsplätze in der Automatenindustrie kosten würde. Auch dies könne nicht ohne weitere Überlegungen zur technischen…“

„… führe die Ausweitung des ÖPNV sicher zu viel mehr Staus im innerstädtischen Bereich. Dies werde mittelfristig die Gesundheitsbelastung für Bewohner von…“

„… mehrere Tausend Fahrscheinkontrolleure alleine im Busbetrieb eingesetzt würden. Die psychisch ohnehin auffälligen Mitarbeiter würden im Falle der Erwerbslosigkeit einen zusätzlich…“

„… allen zur Verfügung stehe und damit die Bürger spürbar entlaste. Dies sei aber in den Wahlaussagen der Koalitionsparteien so nicht versprochen worden und könne daher…“

„… nicht gleichzeitig Dieselsubventionen und kostenlose Verkehrsbetriebe stemmen könne. Die politische Glaubwürdigkeit der Bundesregierung stehe auf dem Spiel, wenn plötzlich langfristige Zusagen nicht mehr als…“

„… führe ein kostenloser Nahverkehr zu einer Verlagerung weg vom Individualverkehr, wodurch ein erheblich höheres Tempo zu viel mehr Unfällen und deshalb zu…“

„… die Bundesautobahnen ja größtenteils von den Steuern der Autofahrer finanziert würden, während ein fahrscheinloser Nahverkehr, der aus Steuern von Autofahrern bezahlt werde, eine Ungerechtigkeit gegenüber den…“

„… erst eine Studie anfertigen müsse, ob Affen sich für den Busverkehr begeistern könnten. Die Ergebnisse bräuchten vor der Umsetzung durch die Europäische Union auch einen korrekten…“

„… diene ein fahrscheinloser Nahverkehr auch der Kürzung von Sozialleistungen, da der im ALG-II-Regelsatz enthaltene Betrag von 34,66 Euro für Verkehr dann gestrichen werden müsse. Die Union habe sich mit den Sozialdemokraten auf eine Anpassung des…“

„… die Kohlenmonoxid-Belastung durch Busse überall da steige, wo keine elektrischen U-Bahnen fahren würden. Diese Verlagerung sei nicht mit den Klimaschutzzielen der…“

„… steige der Bedarf messbar an. Eine Ausweitung des Angebots sei jedoch mit teuren Baumaßnahmen verbunden, die sich negativ auf die Haushalte der…“

„… in den deutschen Innenstädten keine Schienen verlegt werden könnten. Dadurch falle die Straßenbahn als kostengünstige Alternative zum Verbrennungsmotor aus, die Planung müsse also wieder ganz von Anfang an…“

„… nicht mehr finanzierbar. So könne nach neuen Berechnungen ein kostenloser Nahverkehr nicht parallel zum Hauptstadtflughafen, dem Stuttgarter Tiefbahnhof und der…“

„… aus Bundesmitteln bestritten werden müsse. Dies könne jedoch nicht funktionieren, da es im Personentransportsektor noch nie bundeseigene…“

„… ausschließlich mit Elektrobussen zu leisten. Ein schrittweise vollzogener Umstieg sei technisch und organisatorisch für die zuständigen Ministerien viel zu…“

„… viele Fahrgäste sich zur Sicherheit bei Ausfällen des öffentlichen Personennahverkehrs einen Pkw anschaffen würden. Die deutsche Automobilindustrie sei nicht in der Lage, zeitnah solche Stückzahlen zu liefern, und müsse vor einem Kollaps bewahrt werden, der die ganze deutsche Binnenkonjunktur in eine tiefe…“

„… die Entlastung der Straßen letztlich dazu führen würden, dass die Erhaltungskosten proportional von zu vielen Bürgern gezahlt würden, was finanzpolitisch zur Kostensteigerung um…“

„… mehr Buspassagiere auch einen Rückgang von Fahrerlaubnissen bedeute. Ein Aussterben des Fahrlehrerberufs sei für den Bildungsstandort ein nicht zu kompensierender…“

„… nur durch mindestens fünfzig neue Kohlekraftwerke bereitgestellt werden könne. Die Elektromobilität gefährde die Klimaschutzziele in einem Maße, das die Bundesregierung nicht mehr mit gutem Gewissen…“

„… es zur deutschen Staatsräson gehöre, dass die Erträge der Mineralölsteuer zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet werde. Der Umstieg auf elektrische Fahrzeuge ruiniere schon innerhalb weniger…“

„… letztlich von Personen finanziert werden müsste, die schon jetzt keine Steuern mehr in Deutschland zahlen würden. Die Bundesrepublik dürfe ihre Leistungsträger nicht durch eine weitere Umverteilungsaktion aus dem…“

„… in öffentlichen Verkehrsmitteln viel öfter Attentate von Personen mit Migrationshintergrund begangen würden als in privaten Autos. Deutschland potenziere damit die Terrorgefahr um einen nicht mehr abzuschätzenden…“

„… vor Antritt der Fahrt einen kostenlosen Fahrschein lösen müssten, der für genau eine Strecke gültig sei. Andernfalls, so die Vertreter der Christsozialen, werde man das nun stark erhöhte Beförderungsentgelt ohne jede…“





Führerbefehl

21 11 2016

„Sicher wird das teuer. So war das auch gedacht. Wenn man als Wirtschaftsminister irgendwann den Verdacht schöpft, dass unbegrenztes Wachstum gar nicht hinhauen kann, muss man sich nach anderen Einnahmequellen umsehen. Oder sie verkaufen.

Das mit den Autobahnen ist eine historische Aufgabe, das schließt an Epochen an, mit denen wir uns voll identifizieren. Also die Römerstraßen, oder was hatten Sie jetzt gedacht? Die sind damals auch von unterworfenen Völkern gebaut worden, um den Herrschern das Leben ein bisschen leichter zu machen. So ungefähr müssen Sie sich das mit der Regierung vorstellen: wir privatisieren die Autobahnen jetzt, und irgendwann, in ein paar Jahrhunderten, was sage ich: in Tausenden von Jahren, da werden die Deutschen uns dankbar sein. Weil die Autobahnen dann schuldenfrei sind.

Es wird jetzt ja immer von Dual-Use geredet, und da haben die Kritiker auch ganz recht: wir weisen zu selten darauf hin, dass wir Autobahnen auch in militärischer Hinsicht werden benutzen können müssen, das hat ja damals, also der, ich weiß jetzt nicht, war vermutlich auch so ein Römer, der die damals gebaut hat, das waren ja militärisch befestigte Wege, und wir müssen Geld sparen. Da passt es sicherheitstechnisch doch ganz gut, dass wir uns auf Kerngeschäft konzentrieren und die Maut, das heißt das Überwachungssystem, und das ist ja sicherheitstechnisch relevant, und wenn wir Glück haben, müssen wir das militärisch nutzen. Können, wollte ich sagen. Können wir nutzen.

Überhaupt verstehen wir das ganze destruktive Gemecker nicht. Was wollen denn die Leute? Die wollen natürlich Privat vor Staat, oder? Stellen Sie sich mal vor, Ihre Garageneinfahrt, die auf Ihrem Grundstück liegt, das ist ja verkehrstechnisch auch nicht anders als ein Stück Autobahn, da gibt’s eine Beleuchtung, eine Überwachungsanlage, einen Grund gibt es auch, wahrscheinlich haben Sie einen Zaun, und das alles wird jetzt einfach verstaatlicht. Einfach mal so. Sie dürfen da noch fahren, es gilt nach wie vor deutsches Recht, aber es gehört Ihnen nicht mehr. Das Geschrei möchte ich mal hören! Sie wären doch der erste, der mit BRD GmbH und den Verschwörungstheorien anfängt, oder? Oder!?

Der Staat hat so viel zu tun, der muss sich nicht auch noch um die Autobahnen kümmern. Wir sind mit der Deutschen Bahn AG schon überfordert, da sind unsere Pläne gescheitert. Die Landbewohner wurden ja teilweise systematisch vom Zugverkehr abgeschnitten, und da man dieselben Fehler nicht immer wieder macht, machen wir die nur bei der Bahn. Die Autobahnen vermarktet dann jemand, der sich besser damit auskennt.

Wir setzen auf die finanziellen Anreize, ganz klar. Das ist ja eine Goldgrube. Das ist wie mit der Besteuerung von Schnaps und Zigaretten: geraucht und gesoffen wird immer, da können Sie die Abgaben erhöhen, bis die Leute quietschen, aber zahlen müssen sie letztlich doch. Warum sollte die Regierung diese Einnahmen nur für sich allein beanspruchen? Wenn’s der Wirtschaft gut geht, dann haben wir doch alle etwas davon.

Wir könnten uns auch vorstellen, dass es da internationale Wachstumsimpulse gibt. Wenn Sie das Modell beispielsweise auf griechische Radwege übertragen, sichern Sie der deutschen Wirtschaft dreistellige Milliardenbeträge. Langfristig!

Das kam ja von ganz oben, Führerbefehl eben, das war bei den Autobahnen auch nicht anders zu erwarten, aber Sie dürfen jetzt auch nicht denken, dass der Wirtschaftsminister das ganz alleine entschieden hat. Das Verkehrsministerium hat auch gesagt, dass es sie geistig überfordert, und dann hat der Vizekanzler noch mal gesagt, dass er den Referentenentwurf nicht gelesen hat, der war aber zu einem ganz anderen Gesetz, und plötzlich war die Frist abgelaufen. Aber sie haben wenigstens gesagt, dass es nur eine Teilprivatisierung sein wird. Bei 99,999999999997% würde ich auch von einer Teilprivatisierung sprechen. Es soll auf der A3 bei der Geschwindigkeitsüberwachungsanlage am Elzer Berg eine vom Bund unterhaltene Rückwand geben, die wird nicht privatisiert. Oder erst nach Ablauf einer Frist. Aber das macht dann nicht mehr dieser Wirtschaftsminister, davon können Sie ausgehen.

Wobei wir die Mauterfassung natürlich weiter als hoheitliche Aufgabe ansehen, das versteht sich wohl von selbst. Das muss schon aus Gründen der Steuergerechtigkeit so sein. Stellen Sie sich mal vor, dass nur die Allgemeinheit die Autobahnen finanziert und die Autofahrer sich gar nicht daran beteiligen können – schrecklicher Gedanke, oder? Wir als Regierung, die auf soziale Ausgewogenheit setzt, würden solche Zustände niemals dulden.

Aber machen Sie sich da keine Sorgen, das wird auch eine total ausgewogene Führung sein, die das Fernstraßennetz nach der Privatisierung verwaltet. Da sitzen Gabriel drin und Schäuble – beide! Wenn das keine soziale Ausgewogenheit ist, dann zeigen Sie mir mal einen Versicherungskonzern, also Verkehrsgesellschaft, wollte ich sagen, und das ist ja auch erst der Anfang. Wenn der Laden erst an die Börse geht, das ist ja für Fernverkehr immer gut, wenn so ein Unternehmen, also nicht an Ihre Börse, aber das sehen wir dann. Wir müssen alle unsere Opfer bringen, und wenn es uns auch langfristig schlecht gehen sollte, dann geht es der Wirtschaft doch langfristig gut, und dann wird es uns sicher langfristig gut gehen. Das muss sich Deutschland einfach mal leisten, und mal ehrlich: wenn das Volk etwas bezahlt, muss es doch nicht zwangsläufig auch das Eigentum daran haben. Oder wie, meinen Sie, hatten wir das mit der Agenda 2010 gemeint?“