Autofreie Gesellschaft

25 05 2022

„Wir müssen das trotzdem…“ „Aber es ist Unsinn.“ „Wir müssen trotzdem…“ „Es ist Quatsch, und Sie wissen es ganz genau.“ „Wir müssen an der Prämie für Elektroautos festhalten!“ „Es ist nachweislich falsch, es ist Unfug, und es ist Wählerbetrug.“ „Und warum, meinen Sie, wollen wir es trotzdem?“

„Das Geld macht doch nicht die Autos billiger, es geht nur an die Hersteller, damit sie die Autos teurer machen können.“ „Also wie beim Sprit.“ „Aber so teure Autos kann sich dann ja keiner ohne Prämie leisten.“ „Wollen Sie eine Gesellschaft, in der sich keiner mehr ein teures Auto leisten kann?“ „Am Ende landen wir noch in der autofreien Welt, die uns die Grünen angedroht haben!“ „Gnade!“

„Es geht doch nicht um Autos an sich, sondern nur um Elektroautos.“ „Die verbrauchen aber kein Öl.“ „Aber Strom.“ „Und damit fossile Energie.“ „Wenn wir den Leuten Elektroautos finanzieren, können wir uns nicht gleichzeitig Windräder leisten oder Sonnenkollektoren.“ „Richtig, eins geht nur.“ „Außerdem wäre das ein Eingriff in den Markt, den der Staat gar nicht machen darf.“ „Und wenn die Konzerne das Aus für Verbrenner beschließen?“ „Das ist natürlich unternehmerische Freiheit, die wir als Staat durchaus unterstützen dürfen.“

„Das hört sich ja fast an, als müssten wir mit der Kaufprämie die Käufer entlasten.“ „Das ist ja auch geplant.“ „Wer von den hohen Preisen der heutigen Elektrofahrzeuge entlastet wird, kann sich auch die aktuell hohen Preise der anderen Wirtschaftsgüter leisten.“ „Denken Sie nur an die Lebensmittel.“ „Die bezahlen aber auch andere, die sich kein E-Auto kaufen.“ „Jetzt machen Sie doch nicht die Leute, die sich ein Elektroauto kaufen wollen, für die anderen verantwortlich!“ „Im Gegenteil, er hat doch nur gesagt, dass die sich kein…“ „Ich bin doch nicht dafür verantwortlich, nur weil sich einer gerade kein Auto kauft.“ „Die kaufen sich das aber vielleicht nur nicht, weil sie die hohen Preise für die Lebensmittel bezahlen müssen.“ „Dann könnte man denen doch die Prämie für Elektroautos geben, dann kaufen die sich eins und haben wieder Geld für Lebensmittel.“ „Und wenn die ihre Kaufprämie in Wahrheit für Lebensmittel ausgeben und sich das Elektroauto vom Ersparten leisten?“ „Das ist deren eigene freie Entscheidung, da darf der Staat nicht einfach so eingreifen.“

„Andererseits könnte man dann ja gleich die Lebensmittel subventionieren.“ „Ich bitte Sie, wir sind doch hier nicht im Sozialismus.“

„Aber faktisch ist es doch so, dass viele Leute gar nicht am Autoverkehr teilnehmen, weil sie zum Beispiel gar keinen Führerschein haben.“ „Die sind dann zum Beispiel auf ein Taxi angewiesen.“ „Oder leben in einem weit abgelegenen Dorf und brauchen im Fall einer lebensbedrohlichen Erkrankung den Arzt, der sich ja hoffentlich ein Elektroauto leisten kann.“ „Und hier, Pizzaservice!“ „Wenn man zu viel Pizza frisst, kommt der Arzt halt früher.“ „Das tut doch jetzt nichts zur Sache!“ „Also finanzieren wir jetzt den Pizzaservice oder den Arzt?“ „Wer braucht denn da wen?“ „Ist auch eine Frage des Preises.“ „Der Arzt hat mehr Geld.“ „Dann sollten wir den unterstützen, damit das auch so bleibt.“

„Und wenn wir diese autofreie Gesellschaft einfach als Gesellschaft definieren, in der jeder frei ist, sich ein Auto zu kaufen?“ „Die haben wir jetzt schon.“ „Dann frage ich mich, worüber wir hier diskutieren.“ „Haben wir den Autoherstellern die Subventionen denn direkt versprochen?“ „Unter Freunden muss man das doch gar nicht erst.“ „Das würde ich als Gewohnheitsrecht bezeichnen.“

„Könnte man diese Subvention nicht einfach antiproportional zur Fahrzeuggröße gestalten?“ „Sie wollen die Menschen dafür bestrafen, dass sie sich ein großes Auto leisten können?“ „Sagen Sie doch gleich, dass Sie im Sozialismus leben möchten!“ „Wir hätten aber Einspareffekte, die wir sonst nur mit einen Tempolimit erreichen würden.“ „Das ist doch eine krasse Marktverzerrung!“ „Kein Mensch würde sich ein teures Auto kaufen, wenn er damit nicht Höchstgeschwindigkeit fahren könnte!“ „Und kein Hersteller würde mehr solche Wagen bauen!“ „Und dann würde keiner mehr Autos kaufen!“ „Das wäre der Staatsbankrott!“ „Sie spielen hier mit der kulturellen Identität unseres Landes!“ „Und die Menschen würden komplett das Vertrauen in die Politik verlieren, wenn wir ihnen Prämien für ein Elektroauto versprechen, und dann können sie sich gar keins anschaffen!“ „Das ist Volksverrat!“

„Wahrscheinlich klappt es sowieso nicht, weil wir gar nicht genug Strom haben.“ „Seit wann denn das?“ „Die erneuerbaren Energien werden doch bis 2040 eingeführt?“ „Gehen Sie mal von 2050 aus.“ „Also faktisch 2080.“ „Bis dahin müssen wir in einer Langzeitstudie verlässliche Zahlen haben, wie viel Strom wir zur Umstellung des Verkehrs auf Elektromobilität brauchen.“ „Stellen Sie sich mal vor, wir bauen zu viele Windräder.“ „Das kostet vor allem auf Landesebene Wählerstimmen.“ „Das wäre ja schrecklich!“ „Könnte man dann nicht den Aufbau der erneuerbaren Energien an den Verkauf von Neuwagen koppeln?“ „Eher umgekehrt.“ „Auf jeden Fall brauchen wir mehr Wind und Sonne im Strommix, sonst haben wir gar nichts mehr für die Industrie.“ „Welche Industrie?“ „Die, die die Autos baut.“ „Ach so.“ „Das kann man doch jetzt noch gar nicht sagen.“ „Richtig, wir können nicht einfach Windräder bauen, die wir erst 2040 brauchen.“ „Oder 2050.“ „Also faktisch 2080.“ „Oder wenn wir endlich wieder alle Bauteile bekommen, um Elektroautos bauen zu können.“ „Sehen Sie, das ist das Schöne an solchen Diskussionen – wenn man ein bisschen wartet, erledigt sich alles von selbst.“





Grundgesetz der Straße

17 05 2022

„… sich geschlossen gegen den Bundesminister gestellt hätten. Mit einem einstimmigen Beschluss hätten die Landesumweltminister ein Tempolimit auf Autobahnen und…“

„… habe Wissing das Votum zur Kenntnis genommen, werde sich in seiner Auffassung aber nicht beeinflussen lassen. Die Bundesregierung habe sich für eine Beibehaltung der bisherigen Regelungen entschieden und könne sich für die Wahlkampfmanöver der Parteien untereinander nicht mehr…“

„… aus dem Bundesjustizministerium nach einem Rechtsgutachten gefragt worden sei. Da es sich um Bundesautobahnen handele, dürfe es auch keine Einmischung der Landesministerien geben, die die Regelungen des…“

„… sei es die Aufgabe der Bundesregierung, Abhängigkeiten von Kraftstoffimporten kurzfristig zu verringern. Dies könne Wissing aber langfristig eher durch den Ersatz der Verbrenner durch die Elektromobilität erreichen, weshalb die Kaufprämie für Elektroautos sich viel mehr auf die…“

„… von Kritikern angemerkt worden wäre, dass im Empfehlungspapier der Umweltminister kein Richtwert für eine Geschwindigkeitsbegrenzung angegeben worden sei. Damit habe sich das Verfahren verwaltungstechnisch bereits auf die Symbolpolitik der Bundesregierung zubewegt, die keinen Nutzen für die…“

„… habe Wissing mit einer bundesweiten Beschränkung auf 60 km/h gedroht, die er auch gegen den Widerstand der…“

„… sei die gesetzgeberische Kompetenz des Bundes eindeutig. Buschmann habe auch darauf hingewiesen, dass die FDP die Aufnahme eines Tempolimits in den Koalitionsvertrag verhindert habe, so dass eine nachträgliche Zustimmung als Betrug an Wähler, Industrie und…“

„… eine kostengünstige, schnell umsetzbare und sofort wirksame Maßnahme nicht ratsam sei. Wissing verweise auf Einnahmeausfälle bei der Mineralölsteuer, die sich in der Folge negativ auf den Bundeshaushalt, auf den Länderfinanzausgleich und die Ermöglichung einer Steuersenkung für…“

„… dass Bayern und Nordrhein-Westfalen die Wirkung einer Geschwindigkeitsbeschränkung für begrenzt halten würden. Da es in diesem Konflikt allerdings nicht um Fakten gehe, müsse man den Beschluss gegen die Bundesregierung erst recht als eine legitime politische…“

„… eine kostengünstige, schnell umsetzbare und sofort wirksame Maßnahme mit der FDP nicht zu machen sei. Der Bundesverkehrsminister halte ein politisches Verfahren, das nicht mindestens ein Jahr lang gegen den Widerstand aller anderen Koalitionäre verteidigt werden müsse, für stark parteischädigend, was vor allem in der aktuellen Situation der Liberalen mit verheerenden Folgen für die weitere…“

„… stelle ein Tempolimit der Umweltminister für Buschmann einen rechtlich gar nicht machbaren Versuch einer in bösartiger Bandenbildung mit erpresserischer Amtserschleichungsanmaßung zur Herstellung einer nötigenden Vortäuschung dar, die jeder Jurist als schweren Staatswiderstand gegen das Grundgesetz der Straße erkenne. Nur durch einen Beschluss der Verkehrsminister könne eine derartige Entscheidung rechtskonform an den…“

„… eine Initiative im Bundesrat allerdings noch nicht angekündigt worden sei. Die Umweltminister hätten vorher eine Beratung beschlossen, ob bei der Weigerung von Wissing, das Neun-Euro-Ticket zu finanzieren, auch eine andere Form der…“

„… sei eine kostengünstige, schnell umsetzbare und sofort wirksame Maßnahme, die schon deshalb auf Widerstand der FDP stoße, weil unmittelbarer Erfolg beim Wähler kein langfristige Anerkennung hervorrufe und für den Wiedereinzug in den Bundestag daher so gut wie…“

„… habe Buschmann die Landesregierungen gewarnt, Tempolimits auf eigene Faust auf den Autobahnen durchzusetzen. Die dazu verwendeten Schilder müssten dann kostenpflichtig aus dem…“

„… die FDP fürchten müsse, dass ein einmal zeitlich befristet eingeführtes Tempolimit beim Bruch der Ampelkoalition oder bei anderweitigen Anlässen ihres Ausscheidens aus dem Bundestag zu einer ständigen…“

„… dadurch unterstrichen werde, dass die meisten Landesminister den Grünen oder der SPD angehören würden. Eine durch Zwang und Verbote eingeführte Einheitsgeschwindigkeit für alle sei nach Kubickis Rechtsauffassung Sozialismus, der den rechtfertigenden Notstand des Rasens als…“

„… weise der Bundesverkehrsminister darauf hin, dass bei Senkung der Reisegeschwindigkeit auf den Autobahnen die Auslastung der Fernzüge sehr schnell ansteige. Dies sei nicht mit den Plänen des Ressorts zu vereinbaren, den Schienenverkehr zur unattraktivsten Transportform zu machen, die die Sicherung der Börsenwerte in den anderen…“

„… könne eine Bevölkerungsmehrheit nicht durch die Länder vertreten werden, wie Kubicki in einem von ihm selbst beauftragten Gutachten in Erinnerung gerufen habe. Er werde daher nicht an einem Bundesratsverfahren teilnehmen, wenn dieses von den anderen Koalitionären oder…“

„… dass die Landesumweltminister gar keinen Überblick über die Initiativen der Bundesregierung besäßen, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Die aktuell geforderten Geschwindigkeitsbegrenzungen seien bei einer Normalisierung des osteuropäischen Umfeldes für die FDP überflüssig, weil es dann wieder ausreichend Gas und Öl aus…“





Verkehrsinfrastrukturentwicklung

3 05 2022

„… bei der Verkehrswende gar nicht bedacht worden seien. Lindner schlage daher eine noch in diesem Jahr einzuführende Vignette vor, mit der die Benutzung von Fahrrädern im öffentlichen Raum die notwendige…“

„… massiv erhöhte Parkgebühren für SUVs und andere Personenkraftwagen nicht von der breiten Bevölkerung getragen werden könnten. Kubicki sehe die schnelle und unbürokratische Umwidmung von Radwegen, die ohnehin zu über 99% der Zeit nicht benutzt würden, in Parkflächen als eine gute Lösung, die mehr Freiheit für den…“

„… würden über die Mineralölsteuer finanzierte Straßen auch von Radfahrern benutzt. Buschmann habe darauf hingewiesen, dass hier juristisch der Straftatbestand der Steuerhinterziehung jährlich in einer Vielzahl von Fällen ohne Einschreiten durch die Strafverfolgungsbehörden eine schwere…“

„… seien Radfahrer reine Nutznießer eines nicht für sie allein geschaffenen Verkehrsnetzes. Für Wissing bedeute die in Deutschland weit verbreitete Kostenlosmentalität, dass Millionen von Radfahrern die eigentlich für Autos gedachten Wege durch eine an Raub grenzende…“

„… werde Buschmann ein handwerklich sehr, sehr gutes Gesetz vorlegen, das endlich die nötige Rechtssicherheit bei der Benutzung von Fahrrädern im Straßenverkehr bringe, da es die Unterscheidung von Fahrrädern mit Vignette von Fahrrädern ohne Vignette durch die An- und/oder Abwesenheit der Vignette, die die Unterscheidung von Fahrrädern mit Vignette von Fahrrädern…“

„… nicht bedeute, dass von den Einnahmen der Fahrradvignette auch mehr Radwege gebaut werden sollten. Die FDP-Bundestagsfraktion sei sich mit den Kollegen von der AfD einig, dass das Auto als kulturelle Identität der deutschen Rasse eindeutig den Vorrang vor linksgrünen…“

„… ein abgestuftes Modell brauche. Kubicki halte einen Kleinbetrag von zehn Euro pro Jahr am Anfang für durchaus angemessen, der für Räder mit Kindersitz oder Transportkorb auf zwölf Euro ansteigen könne. Um einen Anreiz zu geben, auf Lastenräder zu verzichten, seien seiner Ansicht nach dreihundert Euro im Monat eine völlig…“

„… erlaube die Vignette auch eine lückenlose Überwachung von Straftaten, die unter Verwendung eines Fahrrades begangen würden. Für Wendt sei die Aufklärung von Falschparken, Völkermord oder Erwerb und Besitz von Cannabis unbedingt zu…“

„… von der Union als Sonderbeauftragter für Verkehrsinfrastrukturentwicklung vorgeschlagen worden sei. Merz rechne damit, dass Scheuer das deutsche Fahrradmautsystem für wenig mehr als 500 Milliarden Euro in den kommenden…“

„… dass durch E-Autos keine Steuerausfälle zu erwarten seien, da diese lediglich durch die Art der Energiezufuhr von herkömmlichen Verbrennern zu unterscheiden seien und keine eigene Fahrzeugart darstellen würden. Dagegen halte Buschmann eine Kostenpflicht für E-Bikes und Pedelecs für zwingend notwendig, da diese bereits bauartbedingt den Verzicht auf Mineralöl als ideologisches…“

„… dass die Einführung einer Fahrradvignette auch eine wesentliche Förderung der Sicherheit im Straßenverkehr verspreche. Wissing erwarte einen starken Rückgang der Radbenutzung, der zu einem unmittelbaren Absinken der Unfallopfer in…“

„… eine Anrechnung auf die Pendlerpauschale aus Gründen der Steuergerechtigkeit nicht machbar sei. Lindner wolle keinerlei negative Anreize für Autofahrer schaffen, die ihnen zustehenden Mittel auch in vollem Unfang zu…“

„… würden in den Kommunen die Radwege vor allem durch Einkommen- und Gewerbesteuern finanziert. Um diese Ungerechtigkeit aufzuheben, müsse laut Kubicki eine Verfassungsänderung den jetzigen Zustand aufheben, der die einseitige Belastung der Bürger aufhebe und…“

„… sofort widersprochen habe. Es sei nach Darstellung des Bundesministeriums für Verkehr zwar viermal so viel wetterfestes Weißblech für die Einführung der Vignette erforderlich, wie dies zur Ausschilderung der Autobahnen für ein allgemeines Tempolimit notwendig wäre, man wolle aber eine für die Mehrheit der Bundesbürger nicht attraktive Gesetzgebung nicht mit dem…“

„… auch Kontrollen erfordere, die von neuen bußgeldpflichtigen Ordnungswidrigkeiten flankiert werden müssten. Lindner halte die flächendeckende Überwachung verkehrsintensiver Bereiche für ein geeignetes Instrument, um Einnahmen für Projekte wie die Spritpreisbremse, Steuersenkungen für Spitzenverdiener und eine allgemeine…“

„… dass Kinderfahrräder ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr als vollwertige Verkehrsmittel besteuert werden müssten. Kubicki rate als Anwalt einkommensschwacher Familien den Eltern dazu, ihre Kinder lieber im Auto zur Schule zu fahren, um durch die Steuerersparnis finanzielle Ressourcen für den Erwerb von Wohneigentum zu…“

„… würden die Kosten für eine Fahrradvignette die Einnahmen weit übersteigen. Die sei jedoch für Wissing kein Hinderungsgrund, da man in einer freiheitlichen Gesellschaft die Entscheidungen der Bürger auch durch gezielte Verbote von den…“

„… nach Gesprächen mit Scholz und Habeck der Verbleib der Liberalen in der Bundesregierung als gesichert gelten darf. Zur Entlastung der Bürger in der aktuellen Krise wolle Lindner allerdings keine Denkverbote und nutze weiter alle aus der Partei kommenden Ideen, um Steuergerechtigkeit zu schaffen. Dabei sei auch eine kostenpflichtige Fußgängerplakette im Bereich des…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCXII): Der Parkplatz

29 04 2022
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Als der Hominide anfing, sich aus seinem seit Zehntausenden von Jahren angestammten Habitat herauszubewegen, stellte sich mittelfristig die Frage nach dem Transport unhandlicher Objekte. Pferd, Esel und Kamel waren nur drei Möglichkeiten, mit Sack und Pack über schwieriges Gelände zu ziehen, falls sich Ausgangs- und Zielpunkt nicht auf dem Wasserweg verbinden ließen. Da lag die Nähe zum Nutztier noch in praktischen Erwägungen begründet – Haus und Stall waren nicht selten unter einem Dach, was in kalter Witterung auch Wärme lieferte. Doch schon mit der Kutsche schwand die Fühlung, zumal sie nur von einer begüterten Minderheit als Fortbewegungsmittel unterhalten wurde. Die engen Gassen der Stadt waren verkehrstechnisch gar nicht auf derartige Konstruktionen vorbereitet, zumal dann nicht, wenn sie aus Platzgründen eine Menge Leute für Handel, Handwerk und allerlei krumme Geschäfte aufnehmen mussten. Keiner war an den ratternden Kästen interessiert, die geräuschvoll auf dem Pflaster holperten, an Hausecken stießen und die natürliche Gangart des Menschen störten. Was also brachte uns auf den bescheuerten Gedanken, das mit Parkplätzen zu versuchen?

Deutschland hat grob gerechnet zwei davon pro Einwohner, obwohl nicht einmal jeder ab legalem Alter ein Kraftfahrzeug besitzt. So ist durch das Auto, das vor der Wohnung, dem Arbeitsplatz, dem Supermarkt oder dem nächstgelegenen Bahnhof steht, im Naherholungsgebiet, in der Tiefgarage, an der Autobahnraststätte oder vor dem Friedhof, eine immense Fläche sinnlos verkloppt, zuzüglich der gefühlten fünf Viertel Standstreifen in den Städten, die als Reservoir für die sich langsam leerenden Asphaltareale dienen, die ihre Blechlawine jeden Tag wieder in die Landschaft schwiemeln. Diese simultane Verkehrs- und Bauzerstörung, die das als christliches Abendland geplante Gepräge westlicher Gestaltung unter dem Vorwand der Verwertung von Mensch und Maschine, letztlich aber nur der des Kapitals, in verfüg- und verschiebbare Materie wandelte und noch wandelt, macht aus Metropolen schnell durchfahrbare Klappkulisse, die sich easy vermarkten lässt, wo immer man aussteigen kann.

Im Grunde ist der Parkplatz der natürliche Feind des zwangsautomobilen Menschen. Nie ist er da, wo man ihn braucht, meist gibt es davon zu wenig, weil der Autoverkehr mit der linearen Anlage von Stellplätzen exponentiell anschwillt, sie sind zu eng und zu klein, nicht barrierefrei und konstanter Quell der Frustration für alle Kfz-User. Wie es der Markt nun einmal vorschreibt, zocken Körperschaften und Konzerne mit Fleiß den ruhenden Verkehr ab, mit Parkuhren, Parkscheinen, Höchstparkdauern, alles im Preisbereich, der für andere Dienstleistungen ohne nennenswerten Kundenvorteil dem Deppen in die Nähe einer Hirnembolie treiben. Zwar kann er auf der Suche nach einer Freifläche zehnmal um den Häuserblock heizen, um danach seine Einkäufe doch wieder eine Stunde lang durch die Gegend zu schleppen; er kann aber auch kurz die Zeit aus den Augen verlieren, voll in die Bußgeldfalle tappen und Spaß mit saftigen Strafgebühren haben. Der Gourmand der Schotterverschwendung plant für den Besuch im Shopping Center gleich drei volle Stunden ein, um sich den Nasenstüber zu ersparen, und berappt für den Sicherheitspuffer doppelt. Dazu kommen Kraftstoff- und Nutzungs-, Umwelt- und Arbeitszeitkosten, die allein die Jagd nach der Parkbucht verursachen: jährlich 40 Milliarden. Gut, dass das auch alle Radfahrer subventionieren.

Hat der Blechdödel die leere Lücke erst einmal entdeckt und zwängt den modischen Straßenpanzer hinein, stellt er nicht selten fest, dass in den Jahren nach dem letzten architektonischen Upgrade die Seitenstreifen nicht gerade breiter wurden – das hat der Führer nach dem Krieg also nicht viel größer und schöner aufgebaut, Volkswagen hin oder her. 40% der Autounfälle entstehen beim Rangieren auf dem Terrorterritorium piepend rückwärts fahrender Stahldinger, durchschnittlicher Vollkaskoschaden: 2.200 Euro. Etwa 42 Stunden Lebenszeit verbringt der Bekloppte mit dem schmerzhaften Prozess der Parkplatzfindung, Ein- und Ausfahren, und dem lieblichen Knirschen am Kantstein, wenn die Felge ein letztes Mal Lebenszeichen von sich gibt.

Nur eins bringt den Nanodenker kurzfristig in den Zustand der Zurechnungsfähigkeit, und das ist das Hindernisrennen für alle, die gerade aus dem Auto ausgestiegen sind und sich wundersamerweise in fluchende Fußläufige verwandeln, die von Honks ohne Sinnesorgane und einer Reaktionszeit auf der Minutenskala fröhlich zu artistischen Übungen auf dem Gehweg getrieben werden. Die Vergeudung des urbanen Raums feiert sich gerne mit Blutopfern und Hässlichkeit, während die Mobilpest von einer Standfläche zur nächsten bollert, um dort wieder in hoheitsvoller Bewegungslosigkeit zu vegetieren. Im Falle von Kamel und Pferd, Esel und Kutsche wäre das wenigstens ästhetisch erträglich, würde weniger Todesopfer fordern, weniger Feinstaub und Gestank verursachen und besser sein für das, wofür wir die Städte überhaupt gebaut haben. Aber dann gibt’s ja Beknackte, die das Auto brauchen, weil sie deshalb aufs Land gezogen sind. Wegen der Parkplätze.





Freiheitsenergie

15 03 2022

„Das ist doch purer Sozialismus!“ „Ich würde es als Staatsversagen bezeichnen.“ „Wahrscheinlich kann sich da gerade keiner um die Wirtschaft kümmern.“ „Das ist doch keine Entschuldigung!“ „Eben, wir müssen die ganzen Leute jetzt durchfüttern, und in der Ukraine schaffen sie einfach alle Steuern auf den Treibstoff ab!“

„Vielleicht sollten wir auch so argumentieren.“ „Weil wir bald kein Benzin mehr haben?“ „In der Ukraine werden die Steuern ja nur abgeschafft, damit die Lebensmittelpreise nicht explodieren.“ „Haben wir in Deutschland nicht auch steigende Lebensmittelpreise?“ „Man muss ja bald rechnen, ob man mit dem Auto zum Supermarkt fährt oder im Supermarkt einkauft!“ „Kommt auch etwas auf den Einkauf an.“ „Oder welches Auto man fährt.“ „Solle wir Deutschen, die die besten Oberklasse-Limousinen bauen, bald im Kleinwagen einkaufen fahren!?“ „Das wäre eine Kulturschande!“ „Die ganze Welt würde uns auslachen!“ „Wir brauchen unbedingt eine Umsatzsteuersenkung!“ „Kann man nicht nur die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel abschaffen?“ „Das würde den Geringverdienern ja auch helfen.“ „Stimmt, dann lieber nicht.“

„Man muss doch aber ein soziales Gewissen haben!“ „Ist gerade Wahlkampf?“ „Wozu soll ich ein soziales Gewissen haben?“ „Naja, man muss den Leuten klarmachen, dass die Leistungsträger mehr Steuersenkungen verdienen als das Pack, das für sein Einkommen immer noch arbeiten muss.“ „Deshalb ja auch die Spritpreisbremse statt einer Umsatzsteuersenkung.“ „Kann man das nicht auch kombinieren?“ „Wenn wir die Mehrwertsteuer senken, dann haben wir wieder die Arbeitslosen am Delikatessenregal vor uns.“ „Igitt!“ „Ich habe die Bilder noch im Kopf vom Lockdown!“ „Hören Sie auf, das triggert mich!“ „Aber Sie haben doch jetzt erst kürzlich gesagt, der Armutsrentner müsse mit dem SUV seine Waschmaschine transportieren.“ „Was man halt sagt, wenn’s gut bezahlt wird.“

„Hier steht aber auch, dass die Ukrainer nur noch zwanzig Liter Sprit kriegen.“ „Pro Stunde?“ „Hähähä!“ „Naja, da ist halt Krieg, da muss man nicht unbedingt täglich in den Golfclub.“ „Sind wir jetzt dafür verantwortlich, dass in der Ukraine geschossen wird?“ „Am Ende macht man uns noch dafür haftbar, dass dieses Völkchen unbedingt in direkter Nachbarschaft unseres Energielieferanten siedeln musste!“ „Diese ostischen Menschen, der Führer wusste schon, warum ihm dieser Raum ohne Volk lieber war.“ „Hähähä!“ „Ich finde, wir sind mit diesen Preisen für Freiheitsenergie schon genug gestraft, da müssen wir nicht auch noch Frauen und Kinder bei uns aufnehmen!“ „Jetzt kommen bald wieder die Moralisten, die sagen, wir sollten die Preise auf uns nehmen, das geht am Ende ja politisch sogar als Solidarität durch.“ „Kann man nicht trotzdem dagegen protestieren?“ „Dann laufen doch wieder irgendwelche Nazis mit.“ „Als ob uns das stören würde.“

„Das Problem, das ich hier sehe, sind vor allem diese hundert Milliarden.“ „Da wird man doch eine Milliarde mehr oder weniger nicht spüren.“ „Das entscheidet aber nicht der Finanzminister allein.“ „Man kann das durchaus als militärisch notwendige Investition betrachten.“ „Eben, es dient der inneren Sicherheit.“ „Ohne Spritpreisbremse sehe ich den Bürgerkrieg nämlich schon am Horizont.“ „Jetzt malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand!“ „Was meinen Sie, was passiert, wenn wir bald mit einem Tempolimit in Geiselhaft genommen werden?“ „Dann gibt es Bürgerkrieg!“ „Oder Neuwahlen.“ „Das eine muss das andere ja nicht ausschließen.“ „Wir müssen uns nur noch Gedanken machen, in welcher Reihenfolge wir das planen.“ „So weit würde ich da noch nicht gehen.“ „Aber dem Zufall kann man so eine Entwicklung nicht überlassen.“ „Am Ende verstopfen uns diese Ökofaschisten die Innenstädte mit Lastenrädern!“ „Schade, dass die Todesstrafe abgeschafft wurde.“ „Wir kriegen die Wehrpflicht nicht schnell genug durch, sonst könnte man das Pack in die Ukraine schicken!“ „Hähähä!“

„Also wenn ein Tempolimit kommt, wandere ich aus!“ „Würde ich nicht machen, die anderen haben alle schon eins.“ „Hören Sie mal, wenn die Russen einem Brudervolk die Fresse polieren für ihre nationale Identität, dann halte ich es nicht für abwegig, dass wir das bei unseren Nachbarn auch mal in Erwägung ziehen können.“ „Die wären doch froh, wenn sie alle mal vom deutschen Wesen profitieren würden!“ „Wir haben mehr zu bieten als Faxgeräte und Sauerkraut!“ „Aber die Bundeswehr ist doch noch nicht so weit.“ „Mist!“

„Dann lassen Sie uns doch auch den Sprit für die Kleinwagenfahrer rationieren.“ „Ließe sich das rechtssicher von den Autos für anständige Deutsche abkoppeln?“ „Also nichts mit vier Litern Hubraum oder noch weniger?“ „Keine Ahnung, ob das als Kraftfahrzeug gilt.“ „Das klären die Ausschüsse.“ „Ihnen ist schon klar, dass wir jede Menge Idioten haben werden, die aus reiner Renitenz mit 100 auf der linken Spur fahren?“ „Das mache ich auch ab und zu, wenn ich einer alleinerziehenden Mutter im Kleinwagen damit so richtig den Tag versauen kann.“ „Hähähä!“ „Mindestgeschwindigkeit auf 130 hochsetzen, dann haben wir das Problem nicht mehr.“ „Das ist technisch für manche aber schon ein Problem.“ „Solange das für mich kein Problem ist, ist mir das scheißegal.“ „So sehe ich das auch.“

„Jetzt haben wir allerdings immer noch keine Gegenfinanzierung.“ „Ist das wichtig?“ „Irgendwie wird das schon hinhauen, oder?“ „Sagen Sie mal, was blasen wir eigentlich diesen Arbeitslosen jeden Monat in den Arsch – haben Sie da mal Zahlen?“





Freizügigkeit

24 02 2022

„… habe es vor allem in den Küstenregionen scharfe Kritik am Unwettermanagement der Deutschen Bahn AG gegeben. Während der Orkane sei der Zugverkehr teilweise erheblich…“

„… von umgestürzten Bäumen befreit werden müssten. Der Infrastrukturvorstand Pofalla habe die Beanstandung der norddeutschen Wirtschafts- und Verkehrsminister, den Grünschnitt regelmäßig zu spät und unvollständig durchzuführen, als nicht gerechtfertigt zurückgewiesen, da man bei der Bahn ja nicht wisse, welche Äste durch den Wind ins Gleis oder die angrenzenden…“

„… vorbeugende Maßnahmen möglich seien. So sei bereits in der Amtszeit von Scheuer ein Konzept erarbeitet worden, dass die Züge wegen fehlender Wagen so weit verkürzt werden sollten, bis sie überhaupt nicht mehr vorhanden seien, um eine minimale Gefährdung der Fahrgäste im…“

„… auch an den Reparaturzügen liege, die wegen technischer Defekte nicht schnell genug an die Streckenschäden herangefahren würden. Der Vorstand der Deutschen Bahn fordere eine bessere Ausstattung mit Nothilfemitteln, um schnellstens mit dem Bau von Reparaturzugreparaturzügen in den nördlichen und östlichen Bereichen des…“

„… dass die Einstellung des Zugverkehrs zum Teil mehrere Stunden vor der geplanten Zeit schon stattgefunden habe. Dies sei allerdings durch einen Fehler passiert, da man die Benachrichtigung nicht wie sonst mit einem fahrplanmäßig verspäteten Regionalexpress, sondern telefonisch an den…“

„… die unterirdische Bahnhofsanlage in Stuttgart erst als Anfang zu werten sei, da es das erklärte Ziel der Deutschen Bahn sei, so viele Strecken wie möglich sturmsicher unterhalb der…“

„… wolle Pofalla auch mit gutem Beispiel das Klima beeinflussen, das die Wahrscheinlichkeit von schweren Orkanen steigen lasse. Die Bahn werde zur Verlangsamung der Erderwärmung ab sofort die defekten Heizungen in den Zügen nicht mehr…“

„… auch mit kilometerlangen Schäden an den Oberleitungen konfrontiert worden sei. Die DB verfüge vor allem bei Fernzügen leider nicht über ausreichend lange Stromkabel, könne sich aber bei entsprechend geringerer Auslastung vorstellen, kleinere Triebwagen mit Akkus zu…“

„… einen Notvorrat an Kohle anlegen wolle, um bei Beschädigungen an elektrifizierten Strecken den Zugverkehr mit Hilfe von historischen…“

„… die finanziellen Mittel aus dem FDP-geführten Bundesverkehrsministerium nicht mehr ausreichen würden. Ein möglicher Kompromiss sei die vollständige Tunnelführung sämtlicher ICE-Strecken, die dann aber ohne Bahnhöfe oder…“

„… ein für den Lokführer, den Zugführer, zwei Zugbegleiter und einen Fahrgast bis 45 kg Gewicht geeignetes Schienenfahrzeug bereitzustellen, das entweder mit der bisherigen Geschwindigkeit Strecken von drei bis vier Kilometer oder aber…“

„… könne ein komplett unterirdisch verbautes Streckennetz auch bei Windgeschwindigkeiten über 160 km/h gefahrlos befahren werden. Die für dies Projekt veranschlagte Bauzeit von mindestens 400 Jahren, die sich nach bisherigen Erfahrungen leicht auf 50.000 Jahre verlängern lasse, garantiere einen vollumfänglichen Ausfall des Bahnbetriebs, was ebenfalls eine wirksame Schutzmaßnahme gegen Unwetter und…“

„… neben Ästen auch ein Trampolin in die Oberleitung geweht worden sei. Die Bundesregierung plane durch eine Zusatzsteuer auf verwehbare Objekte eine Unterstützung der…“

„… Triebfahrzeuge mit Windkraftanlagen ausgestattet werden könnten. Die Machbarkeit sei vorab durch eine Studie zu ergründen, für die eine Teststrecke zwischen Münchener Hauptbahnhof und…“

„… fordere die AfD einen Arbeitsdienst, um die Sturmschäden kostenneutral zu beseitigen. Weidel wolle Erwerbslose ungeachtet ihrer Qualifikation für Räumdienste einsetzen, da sie durch Hartz IV bereits eine vollkommen ausreichende…“

„… sich Probebohrungen in Küstennähe als problematisch herausgestellt hätten, da es bei Hochwasser rasch zu massiven Einbrüchen ins Tunnelsystem kommen könne. Die Deutsche Bahn sehe keine technische Möglichkeit, dies zu verhindern, und werde nur noch abwarten, bis auch die zehn anderen Tunnelbauversuche sich als…“

„… sich Wissing für mehr Freiheit einsetze. Wer als Bahnkunde während eines Orkans Zug fahren wolle, müsse dies auch tun dürfen, da sonst sein Grundrecht auf Freizügigkeit eingeschränkt werde. Ein Schutzrecht für Zugpersonal sei damit nicht…“

„… wenigstens zehn Meter hohe Mauern um die Gleisanlagen errichten zu lassen. Der Vorschlag sei in der Bauwirtschaft mit Skepsis aufgenommen worden, der ADAC bemängele außerdem starke Einschränkungen für Autofahrer, die jetzt schon durch viel zu viele Bahnübergänge am…“

„… habe die Bundesregierung angeregt, dass die Bahn eigene Windkraftanlagen betreibe, von deren Gewinn auch die Reparaturen bezahlt werden könnten. Gleichzeitig rege man auch an, dass das Unternehmen sich pro forma ein oder zwei alte Flugzeuge anschaffe, um wie die Lufthansa in den Genuss von staatlichen…“

„… durch sorgfältiges Abwägen technischer und wirtschaftlicher Gründe keine für alle befriedigende Lösung für Deutschland gefunden werden könne. Angesichts dessen habe sich die Deutsche Bahn AG entschlossen, den Zugverkehr ab sofort vollständig und für immer einzustellen, ohne der Öffentlichkeit eine Ausrede dafür zu…“





Bodenkontakt

15 06 2020

„Dann bräuchte ich mal bitte die Kontoführung der vergangenen sechs Monate. Kopien reichen mir, ich hefte die sowieso erst mal nur ab, wenn ich einen Fehler finden will, um eine Auszahlung an Sie zu verzögern, dann kann ich mir das immer noch ansehen und feststellen, dass ein Blatt fehlt. Tut mir leid, ich habe die Regeln für ALG II nicht gemacht.

Für mich ist das auch eine Umstellung, das können Sie mir glauben. Bisher hatten wir immer nur mit Privathaushalten zu tun, jetzt müssen wir gleich die ganze Lufthansa aufnehmen. Erstantrag und so, aber Sie haben ja noch mal Glück, dass wir im Moment Hilfen auszahlen ohne eine vorherige Vermögensprüfung. Gut, Sie als Verkehrskonzern kennen das sicher, wenn Sie mal Kohle brauchen, pöbeln Sie einfach die Politik an. Das sieht bei der Grundrente ein bisschen anders aus. Aber die haben für das Geld ja auch nur gearbeitet.

Sie müssen hier nichts angeben, die Auszüge wandern erst mal nur in die Akte. Was ich auf den ersten Blick sehe, Sie haben insgesamt einen Wert von vier Milliarden Euro. Und Sie wollen jetzt noch neun Milliarden für den Werterhalt. Ich kann zwar rechnen, aber ich habe meine Vorschriften, und die sagen eindeutig, dass eine Vermögensprüfung nicht stattfindet. Seien Sie froh, das Sozialstaatsprinzip hilft Ihnen auch in solchen Situationen. Das steht ja bereits im Grundgesetz: die Würde der Wirtschaft ist unantastbar. Deshalb dürfen wir das absolute Existenzminimum nicht unterschreiten, zumindest bei den Aktionären. Das Problem ist, dass wir den Laden nicht ausschließlich für die Beschäftigten in die Insolvenz rutschen lassen können. Ob Sie von den neun Milliarden nun Dividenden auszahlen, weil die Aktionäre ja nicht für Ihre Misswirtschaft verantwortlich sind, das ist Ihre Entscheidung. Wir sind da als Kostenträger nur beratend tätig. Seien Sie froh, dass Sie keine Bank sind, sonst hätten Sie jetzt den Staat mit an Bord.

Eigentlich müssten wir ja etwas dagegen haben, dass Sie tausend Maschinen stilllegen wollen. Bei einem Taxifahrer wollen wir ja auch nicht, dass er als erstes seinen Wagen verkauft. Bei den 22.000 Jobs sieht es aber schon anders aus. Auf der einen Seite spart das natürlich immense Personalkosten – Sie müssen mit dem Regelsatz irgendwie über die Runden kommen, und neun Milliarden sind schnell weg, fragen Sie mal bei der Bundeswehr – und dann haben wir auch einen hübschen Nachschub an Arbeitslosen. Denken Sie mal systemtheoretisch, wir sind ja nicht dazu da, die Leute in Arbeit zu vermitteln, das müssen die immer noch selbst tun. Wir brauchen Nachschub an Arbeitslosen, damit unser Laden nicht aufgelöst wird. Und die Gehälter würden sonst so steigen, wie das bei mangelnden Fachkräften der Fall sein müsste. Das verkraftet die Wirtschaft einfach nicht. Früher oder später streiken die Piloten auch wieder, das können wir mit recht hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dann haben Sie noch mal weniger Kosten. Das läppert sich.

Seien Sie froh, dass wir Kerosin immer noch nicht besteuern, dann können wir es auch aus dem Regelsatz rausrechnen. Das ist jetzt zwar eine Milchmädchenrechnung, erleichtert uns aber das Verfahren. Auf der anderen Seite sind Inlandsflüge nicht im Regelsatz enthalten. Auf die müssen Sie in Zukunft verzichten. Uns geht es ja nicht darum, Sie wieder zukunftsfähig zu machen. Sie sollen nicht verhungern. Mehr leistet ALG II nicht.

Natürlich erwarten wir, dass Sie sich etwas dazu verdienen. Sonst kann man ja nicht überleben. Da brauchen wir dann regelmäßig Zahlen, wie viel wir an Zuverdienst auch erlauben. Das ist ja nun kein Selbstbedienungsladen, auch wenn Sie das für die letzten Jahrzehnte so empfunden haben sollten. Das war die alte Normalität. Die neue geht anders. Sie werden auch einige Dinge auf den Prüfstand stellen müssen, Flughafensubventionen zum Beispiel. Oder Nachtflüge. Die Bevölkerung hatte sich schon so an die Ruhe gewöhnt, und mal ganz ehrlich, ich fand das auch angenehm. Kurzstreckenflüge, noch so ein Thema. Ich meine, wir verteilen eine Menge Geld, aber wir drucken es nicht. Wir haben auch einen Ermessensspielraum, wenn Sie verstehen, was ich meine. Für Sie vielleicht ein ziemlich ungewohnter Bodenkontakt, aber das geht jedem so, der Hilfe beantragt.

Alternativ können wir ja auch mal über Ihre wirtschaftliche Zukunft sprechen. Ökologischer und nachhaltiger Flugverkehr, sagt Ihnen das etwas? Kurzstreckenflüge sind das eine, und dann können wir uns auch über den Schwachsinn unterhalten, dass komplett leere Maschinen durch die Gegend fliegen, damit freie Slots an den Flughäfen nicht verloren gehen. Das ist so, als würde man am Wochenende alle Autofahrer ein paar Stunden lang in den Stau stellen, damit sie werktags zur Arbeit fahren dürfen. Oder wir könnten uns mal darüber unterhalten, dass Sie die Luftfracht einfach gestoppt haben, statt über passagierlose Frachtflüge in den schwarzen Zahlen zu bleiben. Sollte hier etwa ein Fall von proaktiver Insolvenz vorliegen, um eine Leistungserschleichung vor den Aktionären zu rechtfertigen? Und dann könnten wir auch gerne mal über innovative Geschäftsmodelle sprechen. Wenn selbst Spitzenpolitiker der EU ihre Meetings als Videokonferenz organisieren, wozu brauchen wir für jeden popeligen Mist Geschäftsflüge?

So, hier unterschreiben, hier noch einmal, und dann hören Sie von uns. Ich muss noch eben den Schreibtisch aufräumen, draußen wartet nämlich schon die Kreuzfahrtbranche.“





Hauptstadt der Bewegung

11 03 2020

„Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München mit zehn Minuten…“ „Also zu Fuß zum Flugtaxi?“ „Das müsste optimierbar sein.“ „Was kostet das?“ „Was wollen wir denn ausgeben?“ „Dann wird es mindestens das Doppelte.“

„Das muss aber europaweit total einzigartig sein.“ „Mindestens!“ „Wenn nicht weltweit!“ „Wenn Sie sich die Entfernungen anschauen, dann kann man das auch direkt in…“ „Aber das soll nur in München…“ „Es geht ja um Mobilität und um Digitalisierung.“ „Das sind ja gleich zwei Sachen, von denen Scheuer keinen blassen Schimmer hat.“ „Raten Sie doch mal, warum wir uns das ausdenken müssen.“ „Er hat gesagt, er hätte eigene Ideen?“ „Er hat gesagt, der Plan wäre schon fertig.“ „Das kippt auf.“ „Wieso?“ „Wenn der Knalldepp sagt, er habe einen Plan, dann weiß jeder: gelogen.“ „Auch wieder wahr.“ „Dann schreiben wir ihm jetzt jede Menge wirres Zeug rein, das gar nicht funktioniert.“ „Damit man denkt, er hätte das selbst fabriziert?“ „Gute Idee!“ „Also ich bin dabei.“

„Wie wollen sich denn Menschen in Zukunft fortbewegen?“ „Digital muss natürlich eine Rolle spielen.“ „Wenn man vom Bahnhof aus direkt in ein Auto startet…“ „… dann könnte man das ja mit einem digitalen Gerät irgendwie…“ „Es gibt diese neuen Telefone.“ „Mit denen kann man ein Auto an den Bahnhof bestellen?“ „Oder einen Fahrer.“ „Mit Auto?“ „Soll es geben, sagt man.“ „Crazy!“ „Das würde ja bedeuten, man muss sein eigenes Auto gar nicht mehr mitbringen, wenn man sowieso aus dem Hauptbahnhof aussteigt.“ „Das wird sich mit etwas Kohle aus dem Bundeshaushalt sicher feststellen lassen.“ „Gute Idee!“ „Hören Sie mal, das klingt doch total beknackt.“ „Eben.“ „Keine Sau wird merken, dass ihm das nicht selbst eingefallen ist.“

„Die Menschen müssen ja auch erstmal an den Bahnhof kommen.“ „Stimmt.“ „Kann man da nicht irgendwas machen?“ „Am besten etwas Digitales.“ „Die Tickets könnte man in diesem Interdings…“ „… und dann gleich auf diese Telefone rauf.“ „Das ist aber dann eine Sache der Bahn, oder?“ „Warum fragen Sie?“ „Wenn’s nicht klappt, dann kann man immer noch der Bahn die Schuld geben.“ „Super!“ „Gute Idee!“ „Ist das jetzt schon ein weltweit einzigartigen Projekt?“ „Fahrkarten in deutschen Zügen?“ „Gibt es meines Wissens nach nur hier in Deutschland.“ „Dann haben wir hiermit erfolgreich ein weiteres Projektziel abgehakt.“ „Wie genial sind wir!“ „Das wüsste ich auch gerne.“ „Einer muss es ja machen, Kollegen.“

„Aber hier, Warentransporte.“ „Ja, das wird sehr schwierig.“ „Wegen der Digitalsache?“ „Nein, das war irgendwas anderes.“ „War es wichtig?“ „Eher nicht, sonst könnte ich mich noch daran erinnern.“ „Flexibilität?“ „Genau, Flexibilität.“ „Drohnen sind doch momentan für alles gut.“ „Ja, aber versuchen sie mal, mehrere Tonnen Stückgut per Drohne ins Industriegebiet zu verlasten.“ „Also doch wieder Flugtaxi.“ „Wir müssten eher schauen, dass wir ein Transportmittel finden, das sich als klimaschonend verkaufen lässt.“ „Sie meinen eins, das auch nicht so einen hohen Verbrauch an Trassenfläche hat?“ „Es müsste auch technisch sehr zuverlässig sein und regelmäßig verkehren.“ „Und schnell muss es sein.“ „Also keine Staus.“ „Und das müsste dann noch auf sehr weite Strecken skalieren.“ „Für die Ferntransporte?“ „Man könnte zum Beispiel feste Straßenverbindungen einrichten.“ „Im Tunnel?“ „Eine durchgängige Straße würde schon reichen.“ „Mit extra Fahrspuren für die Güter.“ „Am besten in einer Art Kolonne, damit der Luftwiderstand der einzelnen Elemente gedrosselt wird.“ „Sie meinen eine Art Verbundsystem?“ „Wenn man die Lkw mit Stangen ausstattet, dann kann man die zusätzliche Kraftübertragung ausnutzen.“ „Das spart dann auch Personal.“ „Ich wäre für ein modulares System, bei dem man die Wagen an Zwischenstationen neu zusammenstellen kann.“ „Gute Idee!“ „Das klingt alles technisch ausgereift.“ „Und wirtschaftlich sehr gut durchdacht.“ „Ich würde sogar sagen, das ist so in der Art umsetzungsfähig.“ „Ja, da stimme ich Ihnen zu.“ „Hm.“ „Flugtaxis?“ „Flugtaxis.“

„Warum muss man das überhaupt in München machen und nicht an einem der wirtschaftlichen Zentren Deutschlands?“ „Erfurt wäre als zentraler Logistikstandort doch ganz okay.“ „Mit Linken kann man nicht kooperieren, die verkaufen das sonst als ihren eigenen Erfolg, obwohl es aus der Bundespolitik kommt.“ „Dann eben Stuttgart als künftiges Zentrum der…“ „Sonst geht’s aber?“ „Ich wollte auch mal etwas Beklopptes sagen.“ „So gut wie Scheuer werden Sie nie.“ „Außerdem ist München sowieso Hauptstadt der Bewegung.“ „Und die Münchener Politiker hat er schon von seiner Planung in Kenntnis gesetzt?“ „Hoffentlich nicht, sonst können wir unsere Vorschläge gleich in die Tonne treten.“ „Wahrscheinlich gibt es in der CSU wieder einen Wettbewerb im 500-Millionen-Euro-Schnellverbraten, sonst hätte ihm einer gesteckt, dass man diese Projekte bundesweit ausschreiben muss.“ „Oder einer seiner insolventen Schulfreunde hat vorsichtshalber gerade eine neue Baufirma ohne besondere fachliche Spezifizierung gegründet, um die Aufträge abzugreifen.“ „Also ein Nicht-Spezl?“ „Genau.“ „Großartig!“ „So, wenn Ihnen nichts mehr einfällt, dann drucke in den ganzen Kram nach der Mittagspause aus, und wir setzen uns für den Rest der Woche zur Ruhe.“ „Warten Sie mal, wir hatten hier noch gar nicht über Fahrräder gesprochen.“ „Über was!?“ „Haha, gute Idee!“ „Ich meine…“ „Nehmen Sie’s mir nicht übel, Herr Kollege, aber das kippt doch unter Garantie auf.“





Mobilitätssicherung

11 11 2019

„Ach was, nix mit Karneval – die meinen das ernst! Und wenn die Bundesregierung tatsächlich mal etwas ernst meint, also im Bereich Verkehrswesen, dann ist immer erhöhte Konzentration gefordert!

Nein, ich rede jetzt nicht vom Feinstaubgehalt, ich rede von der Prämie für die E-Autos. Da denkt man auch erst, die haben wieder irgendeinen Ministerdarsteller mit billigem Fusel abgefüllt und ihn dann von ein Mikrofon gestellt, damit seine Notschlachtung als Aufräumarbeit durchgeht. Aber das ist wie mit dem Rettungsschirm, als damals der Euro am Verrecken war. War der ja gar nicht, ein paar Milliardäre haben nur plötzlich nicht sehr viel mehr Kohle gekriegt, als sie erwartet hatten, und da musste man dann ein paar Ausländer als Parasiten in der Währungsunion anpöbeln. So ist das heute auch, nur zahlen wir diesmal nicht direkt an die Autokonzerne. Als Strafe, dass wir sie beim Betrug an den Dieselkäufern ertappt haben. Und als eine Art Wiedergutmachung, weil diese Justiz immer noch so tut, als dürfte sie ohne Rücksprache mit der Bundesregierung Rechtsstaat spielen.

Aber egal, Sie wollen ja Ihren Bonus und haben hoffentlich auch alle notwendigen Unterlagen mitgebracht? Gut, dann wollen wir mal sehen. Die Entscheidung ist gefallen für ein Modell? Das ist eine sehr gute Wahl, lassen Sie mich das ruhig mal sagen. Deutsches Fabrikat. Die ausländischen sind qualitativ teilweise besser, aber auch nur zu einem geringen Teil. Die anderen? Die sind qualitativ sehr viel besser. Aber die hier sind halt deutsch, und das ist ja auch schon mal sehr schön. Die werden von den vielen, vielen Linksextremisten auch nicht so häufig abgefackelt, sagt der Verkehrsminister. Es gibt dazu zwar noch keine Untersuchungen, aber wenn er das sagt, stimmt das schon.

Wir müssen auch wissen, wo sie wohnen und wo Sie den Wagen einsetzen. Wenn Sie den Wagen nur da einsetzen, wo es keine Stromtankstellen gibt, ist das ja anders zu bewerten, als wenn Sie eine eigene Zapfsäule haben. Da entscheiden wir dann je nach Gefühl, ob sich eine eigene Steckdose lohnt oder ob Sie eine Stromtankstelle in Ihrer Nähe auf Kosten des Steuerzahlers bekommen. Manchmal ist auch das öffentliche Interesse zu berücksichtigen, aber das heißt nicht, dass es die Entscheidung auch immer positiv beeinflusst. Wir haben es hier mit Verkehrspolitik zu tun, und das ist viel mehr als nur Mobilitätssicherung. Das sichert auch Arbeitsplätze, zum Beispiel in Ministerien und Vorstandsetagen und an der Börse oder in einer Partei, und wenn Sie als Bürger sich da solidarisch zeigen, indem Sie durch Ihren Verzicht auf individuelle Vorteile einem Aufsichtsratsvorsitzenden seine ohnehin schon sehr dürftig bemessenen Boni sichern, dann haben ja alle etwas davon. Also im Aufsichtsrat dieses Konzerns, Sie verstehen schon.

Außerdem verbinden wir diese Prüfung auch mit der Vertrauensfrage. Sind Sie als Bürger und zukünftiger E-Autofahrer damit einverstanden, dass wir zu Deckung Ihres Energieverbrauchs in Ihrer Kommune Kohleverstromung fördern? Sie müssen jetzt nichts dazu sagen, Sie können das auch noch nachholen, wenn die neuen Kohlekraftwerke schon am Netz sind. Die Bedürftigkeitsprüfung wurde von uns auch bei den Kraftwerksbetreibern durchgeführt und hat eindeutig ergeben, dass deren Gewinne sich nicht so sehr gesteigert haben, wie sie es… ach so, das hatten wir schon. Deshalb müssen wir da auch pädagogische Maßnahmen einführen und den Strom für die Industrie ganz extrem billig machen und auf der anderen Seite für die Privathaushalte viel teurer, so dass die derart viel Strom einsparen, dass die Energiekonzerne quasi ausbluten. Wir wissen noch nicht, wie das funktionieren soll, aber wir können es ja wenigstens einmal versuchen, oder?

Ist das Ihr Zweitwagen? Was haben Sie sonst noch an Fahrzeugen? SUV? Eventuell Krafträder? Wir wollen ja auch zielbewusst fördern, das heißt wir müssen wissen, ob Sie überhaupt am Verkehr teilnehmen, weil Sie die Elektromobilität als beste Lösung für sich entdecken, oder ob Sie ein E-Auto nur als zusätzliches Transportmittel nutzen, unter Umständen sogar bloß als Statussymbol. Letzteres ist im europäischen Vergleich eher selten, aber das sind ja deutsche E-Autos auch, also schlagen wir da zwei Fliegen mit einer Drosselklappe.

Dann natürlich die Fahrzeugklasse. Sie könnten auch einen Kleinwagen kaufen, aber die werden nur von Herstellern angeboten, die ihre Modelle nicht mit überteuerten Dieselkarren quersubventionieren. Damit entfernen Sie diese Anbieter vom Markt und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Betrugskonzerne sich die Gewinne, die sich schneller steigern, als… – Egal, jedenfalls sind die Jobs weg, der Verbrauch an Elektrizität steigt, und das bisschen Klimapaket können Sie sich da reinschieben, wo noch Platz ist. Vielleicht da, wo Sie bisher Ihre Windkraft-Aktien aufbewahrt haben. Es ist Ihre Entscheidung. Seien Sie vernünftig, oder schützen Sie unsere Industrie, wie man es von einem guten Staatsbürger für eine großzügige Spende erwarten kann.

Dann brauche ich hier eine Unterschrift, und hier, und hier auch. Damit versichern Sie, dass Sie Halter dieses Fahrzeugs sind. Schön, dann nehme ich das mal so auf, und wir melden uns, sobald wir wissen, wie sich die Bundsregierung entscheidet. Ach so, noch eine Formalität, ich bräuchte mal Ihre Verdienstbescheinigung. Bankkonten wären jetzt optional, Sie sind nicht arbeitslos. Oha, das sieht man auch nicht alle Tage! Selbstverständlich, Herr Direktor! Aber gerne, Herr Direktor! Machen Sie sich nur keine Umstände, Herr Direktor, das Geld ist schon unterwegs!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXXXI): Das SUV

13 09 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Evolution hatte nicht nur Gewinner. Während manche Fadenwurmarten, Schleimaale oder Tonnensalpen sich in ihrem jeweiligen Habitat geradezu luxuriös einzurichten wussten, nichts auf Privatfernsehen und Anrufbeantworter gaben, bekam der Hominide hier und da nicht wirklich etwas gerissen. Kriege musste er anzetteln, peinlich anmutende Frisuren zu larmoyantem Schuhwerk in der Öffentlichkeit tragen, zumal in adoleszenter Entwicklungsstufe, Einzeller mit chronischem Verstandesverlust als Machthaber von vereinigten Staaten oder Königreichen inthronisieren, wenn das nicht half: die fest eingewurzelte Überzeugung, als Mensch nichts mehr wert zu sein, wenn man nicht in einer Blechkiste voller Selbsthass kreischend die Landschaft durchpflügen. Erst da wusste Mutter Natur, dass diese Spezies als Krebsschaden zu behandeln ist und ihr wenigstens die Liebe tut, sich aus epischer Doofheit selbst über die Wupper zu schnippen. Die Atombombe wäre eine Möglichkeit, ach was: die Chance überhaupt gewesen, aber der Return on Investment ist ja minimal, denn wer würde sich so eine Wuchtwumme in den Vorgarten stellen, wenn die lobotomierten Kriegstreiber schon auf die Steuereinnahmen schielen. Nein, das lässt man die SUV-Fahrer erledigen, den Schmierfilm am Boden der mobilen Gesellschaft.

Das SUV – ja, es ist sächlich, auch wenn es in der kognitiven Konsonanz hart kompensierender Knaben wie ein künstliches Gemächt benutzt wird – ist die nahtlose Fortsetzung des innerstädtischen Geländewagenwahns, der sich dialektisch als soignierter feiert, weil er nicht so offensichtlich auf Bollerauspufftöpfe und rallyelackierte Spoilerorgien setzt wie andere automobile Psychosen. Das Erscheinungsbild des Wagens definiert sich über die Masse an verbautem Dünnblech, gerne mit majestätischer Stärke verwechselt, hier aber in der Eleganz in der Sauropodenklasse steckengeblieben und dementsprechend wendig. Das Gerät ist in der City, für die es ja gedacht ist, denn wo sonst wird man damit genug Publikum beeindrucken können, allenfalls so sinnvoll wie ein Mähdrescher, mit dem man zwei Fahrspuren plus Radweg und Gehsteig zuparken kann, wenn man eine Einheit Kind in der Primarschule abliefert, wobei landwirtschaftliche Großmaschinen noch den Vorteil besäßen, dass sie unwegsames Gelände rumpelnd unter sich ließen, ansonsten den Weg zum Einsatzort aber sicher und solide erreichen würden. Wer ein SUV erwirbt, hofft offensichtlich auf eine legale Möglichkeit, Baustellen und Verkehrsinseln wegzuschwiemeln, wie es sonst mit der Frontschürze tiefergelegter Bolidenimitate erfolgreich versucht wurde. Der Formel-1-Darsteller schätzte noch die Nähe des Straßenbelags, an der sich sein Gummi abrieb, der ins intellektuelle Rentenalter driftende Motorist aber will die Kiste höher, und braucht deshalb auch zwingend den Kolbenhub eines Dreißigtonners.

Denn tiefer ist sportlich, höher ist Krieg. Und nein, es geht nicht um den üblichen Bürgeraufstand, in den sich die geistigen Tiefflüge wohlstandsverwahrloster Bumsbirnen einpassen. Es ist der im öffentlichen Verkehr ausgetragene Krieg um die gesellschaftliche Dominanz einer Kaste, die sich die Erde aus Gewohnheit untertan macht. Diese soziale Zusammenrottung karrt selbst den Nachwuchs in die Kita, obwohl er ihnen in Bezug auf den Klimawandel reißpiepenegal ist. Das bei Kerzenbeleuchtung einsetzende Gewissen, den Schadstoffausstoß auf olympischem Niveau forciert zu haben, wird mit der Pinkeltaste ausgeglichen, gerne auch auf der Kreuzfahrt. Ansonsten aber bekennt sich der Realitätsallergiker frohgemut zur nationalen Variante seines Verfassungszusatzes, der ihm das offene Tragen von Waffen gestattet – das Wettrüsten der Klötenkönige ist in vollem Gange, und mit dem Argument, höher zu sitzen und den immer aggressiveren Verkehr besser zu beobachten, kaufen die Ichlinge einen Citytraktor nach dem anderen, wohl wissend, das der Markt sich nach den Gesetzen von Dummheit und klassischer Mechanik nicht nur sättigt, sondern auch ausgleicht. Jetzt ist noch möglich, Fußgänger mit Kinderwagen und Radfahrer vom Hochsitz schneidig zu übersehen, mit vollem Stoßgewicht an parkende Kleinwagen zu quetschen und vom Asphalt zu radieren. Doch das Fenster schließt sich jäh, mit steigendem Anteil von Kampfpanzern in Metallic wächst auch proportional die Wahrscheinlichkeit, selbst eine Elefantiasis auf Rädern ungebremst in die Flanke zu kriegen, wo Beten besser hilft als ein Seitenaufprallschutz. Aber Newton betet nicht mehr, und wer in Quarta seine Physikstunden mit Schundheftchen unter der Bank zugebracht hat, der lernt es eben jetzt.

Es funktioniert wie mit Schusswaffen; sobald jeder eine trägt, nivelliert sich die Gefahr, allerdings auf einem erheblich höheren Niveau. Sinkt auch die Notwendigkeit, die eigene Knarre einzusetzen, um eine zünftige Schießerei anzuzetteln, irgendeiner hat seine Wumme schon dabei und kriegt schnell nervöse Finger. Je mehr naturverbundene Bürger in der Fußgängerzone jetzt noch eine Jagdwaffe mit sich führen müssen, ist eine Frage der Zeit – die bürgerliche Freiheit kennt ja keine Grenzen. Was den Verkehr betrifft, können alle, die die Ballerei überlebt haben, fortan gemütlich im Omnibus durch die City schaukeln. Der Komfort ist eins, aber man sitzt dort noch viel höher. Und darauf, wir glauben es ihnen, kommt es ja bei der inneren Sicherheit an.