Work-Life-Balance

25 01 2021

„Vielleicht könnte man das hier aufschneiden, dann kann man das Kabel unter dem Belag bis nach vorn zum Fenster führen. Das ist verklebt? Schade. Dann ziehen Sie die Telefonleitung doch einfach so durch und kleben sie fest. Paketband haben Sie noch da?

Ein bisschen improvisieren müssen Sie schon, wenn Sie im Homeoffice arbeiten wollen. Das ist für uns alle im Moment nicht einfach, wir müssen nun mal Abstriche machen. Hätten Sie eine Wohnung gemietet, in der die Telefondose etwas näher am Küchenfenster liegt, dann hätten wir uns jetzt diese Diskussion ersparen können. Schließlich wollen ja Sie die Auftragssachbearbeitung machen und nicht ich. Da kann man von Ihnen auch mal ein wenig Engagement für den Arbeitgeber verlangen. Und wie Sie sich mit Ihrem Vermieter über den Bodenbelag einigen, damit brauchen Sie mir gar nicht erst die Ohren voll zu heulen. Wir haben diese Pandemie schließlich nicht erfunden.

Das kippelt dann halt ein bisschen, aber für die Arbeit brauchen wir einen richtigen Computer mit Monitor und allem drum und dran. Immerhin stellt Ihnen den Ihr Arbeitgeber, und Ihr Küchentisch ist schließlich breit genug. Das langt von der Tiefe her. Wenn der Monitor da nicht sicher steht, Sie hatten doch gesagt, dass Sie noch Paketband da haben? Merken Sie sich das mal: in einer Krisensituation überlebt der am besten, der mit den vorhandenen Mitteln das Beste herausholt. Und die Tastatur kann man auch ganz prima auf dem Schoß halten.

Jetzt beschweren Sie sich nicht, dass das Ihr einziger Tisch ist. Es zwingt Sie ja keiner, an dem auch Kartoffeln zu schälen oder wer weiß was an Küchenarbeit zu erledigen. Dann essen Sie halt mal ein paar Tage lang diese Schälchen. Mikrowelle ist ja vorhanden, wie ich sehe, und Besuch würde ich Ihnen auch nicht empfehlen. Schon aus Gründen des Infektionsschutzes wäre das unverantwortlich, und Sie wollen doch nicht nach zehn erfolgreichen Jahren als Auftragssachbearbeiterin plötzlich unsere Firma verlassen, oder? Wir sehen das nämlich als Beitrag zur Stärkung Ihrer Work-Life-Balance. Ihr Leben geht quasi organisch in Ihre Privatsphäre über. Also halt Ihr Arbeitsleben.

Im Büro hätten Sie vielleicht auch noch ein Kaffeetasse auf dem Tisch abstellen können, aber hier gelten nun mal andere Maßstäbe. Da ist ja gleich der Küchenschrank, da steht die Kaffeekanne und da ist der Kühlschrank, und zu viel Kaffee ist sowieso nicht gesund. Außerdem müssen Sie dann ständig aufs Klo, wer weiß, wie viel Arbeitszeit da wieder flöten geht. Sie müssen sich das mal vor Augen führen, in dieser Zeit ist das hier eben nicht mehr Ihre Küche, sondern Ihr Arbeitsplatz. Da gilt dieselbe Ordnung wie bei uns im Betrieb. Wir sind gehalten, das auch zu kontrollieren, und das heißt auch, dass wir da dieselben arbeitsrechtlichen Vorschriften anwenden. Nach Feierabend können Sie sofort den Schlafanzug anziehen, überhaupt kein Problem, aber während der Arbeitszeit sind die Vorschriften nun mal klar. Wie sieht das denn aus, wenn der Chef mal eine Videokonferenz machen will, und dann sitzen Sie da nicht im Kostüm? Bei Gelegenheit räumen Sie auch mal das Regal da hinten auf, das sieht ja aus wie Kraut und Rüben. Das sieht man gestochen scharf im Hintergrund, wenn Sie die Kamera anmachen. Was sollen denn die Vorgesetzten denken, wie Sie wohnen? Am Ende heißt es noch, ich würde unsere Mitarbeiter zu möglichst großer Unordnung animieren, damit Sie eine Gehaltserhöhung fordern können, weil Sie sich nur diese Wohnküche leisten können. Aber das sage ich Ihnen gleich, das gibt Ärger.

Ich kann mich täuschen, aber hier riecht es nach Rauch. Also nach kaltem Zigarettenrauch. Es geht mich zwar nichts an, und in Ihrer Wohnung können Sie ja grundsätzlich auch tun und lassen, wozu Sie lustig sind, aber hier gelten die Bestimmungen des Arbeitsschutzes, und das schließt für unsere Firma einen rauchfreien Arbeitsplatz ein. Wenn Sie das Thema Arbeitsschutz für nicht so wichtig halten, dann können Sie in der Fleischzerlegung anfangen, da wird immer gesucht. Sie müssen nichts können, nicht mal Deutsch. Ihr Nachbar? Was hat denn Ihr Nachbar mit Fleischzerlegung zu tun, ist der in der CDU? der raucht? Ja, das kommt schon mal vor, dass das vom Balkon rüberzieht, wenn die Fenster nicht ganz dicht sind. Bauliche Mängel. Ich will mal nicht so sein, aber eigentlich müssten Sie Ihren Vermieter auf die Schadstoffbelastung ansprechen und ihn abmahnen, bevor wir arbeitsrechtliche Schritte unternehmen. Also gegen Sie. Wir sind ja nicht für Ihren Arbeitsplatz verantwortlich, wenn Sie unbedingt im Homeoffice arbeiten wollen. Ja, ich weiß, dass das jetzt gesetzlich geregelt wird, also lassen Sie es mich so ausdrücken: da Sie der Ansicht sind, für uns sozialversicherungspflichtig arbeiten zu müssen, halten Sie sich an die Regeln. Wir machen das ja auch nicht freiwillig.

Das mit der Lärmbelastung ist ein Einzelfall. Das müssen Sie als höhere Gewalt auffassen, die wir nicht abstellen können. Auf der anderen Seite verlagen wir von Ihnen auch nicht, dass Sie die Straßenbaustelle da unten beseitigen. Das wummert ein bisschen, aber Sie lassen die Fenster sowieso am besten geschlossen. Zigarettenrauch, Lärm, und dann gebe ich Ihnen noch mal einen guten Tipp: die Lichteinstrahlung ist für den Bildschirmarbeitsplatz in der Fleischzerlegung, Auftragssachbearbeitung wollte ich sagen, Auftragssachbearbeitung – das ist so eigentlich gar nicht gestattet. Aber wenn Sie den Mund halten, ich habe nichts gesagt.

Seien Sie froh, dass Sie den Stuhl nicht aus dem Büro mitnehmen mussten. Auf so einem Hocker kann man sehr gut sitzen, man lehnt sich nie aus Versehen mal hinten an, gut, Rollen hat er nicht, aber dafür auch keine Armlehnen. Den können Sie bequem unter den Küchentisch schieben, wenn Sie mal etwas Platz für die Aktenordner brauchen, und naja: Ergonomie ist das, was man daraus macht. Ist auch gleich viel wohnlicher, hier gucken Sie auf ein hübsches Panorama mit Straßenbahnhaltestelle, da hinten ist irgendwo der Friedhof, Kaffeemaschine ist in Sichtweite, Telefon, Klo um die Ecke, Sie müssen nicht mit dem Fahrstuhl zur Mittagspause und nicht mit dem Bus nach Hause – meine Herren, so schön wie Sie möchte ich’s auch mal haben!“





Rechenschieber

14 01 2021

„… habe die ARD beschlossen, während des Lockdowns drei Stunden täglich Lernformate im Fernsehen anzubieten, die für alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen…“

„… nicht mit der Kultusministerkonferenz abgestimmt worden sei, so dass sich teilweise eine Redundanz zu den Lehrplänen der Fächer Deutsch, Gemeinschaftskunde und Physik in Hessen und dem Saarland, in Mathematik und Biologie unter besonderer Berücksichtigung der Untersekunda in Baden-Württemberg sowie in Englisch und…“

„… habe Scheuer gegen die TV-Übertragungen entschieden protestiert. Deutsche Schulen seien erst seit etwa zwanzig Jahren an das Interwebnetz angeschlossen, die verfrühte Informationsdominanz durch das lineare Fernsehen könne schnell alle Fortschritte des Netzkompetenzaufbauprogramms der Bundesregierung im Keim…“

„… werde der Bayerische Rundfunk die von der ARD und ihren Spartenkanälen angebotenen Lerninhalte nicht mittragen. Ein für alle Klassen verpflichtender katholischer Religionsunterricht müsse in ausreichendem Maße berücksichtigt werden, um die sittliche Verrohung durch den außerschulischen Unterricht möglichst…“

„… auch Sendungen des BBC in den täglichen Lehrplan aufnehmen wolle. Nach Ansicht der Kultusminister könne man so das Fach Englisch komplett einsparen und habe mehr Freiräume, die Schüler durch praxisnahe Inhalte wie Latein und…“

„… befürchte Buhrow den Rückgang von Werbeeinnahmen. Es sei allerdings möglich, die pädagogischen Formate durch beliebte Sendungen wie Sturm der Liebe aufzulockern, um eine nachhaltige Zuschauerbindung bereits jetzt zu…“

„… bestehe der Plan der von Merkel dirigierten Systemmedien darin, das Jungvolk moralisch zu versiffen. Die Häufung der Beiträge im Fach Kunst über jüdische oder homosexuelle Maler sei der Versuch der von Bill Gates gesteuerten Kanzlerin, eine ganze Generation zum Hass auf die deutsche Kultur zu erziehen. Gauland werde dem nicht ohne eine Klage vor dem…“

„… aus Kostengründen alte Sendungen aus dem Schulfunk der dritten Programme wiederholen wolle. Thüringen und Sachsen hätten jedoch empört gegen eine neuerliche Vernachlässigung ihrer Bundesländer gefordert, den Rundfunkbeitrag nicht mehr an die…“

„… dass die politische Gliederung Deutschlands in sechzehn Bundesländer zwar wichtig sei, im Lehrplan der Klassenstufe 5 jedoch zwingend die Größe der Regenwälder sowie die Nebenflüsse des Amazonas und der…“

„… kritisiere die Kultusministerkonferenz vor allem die mangelnde inhaltliche Tiefe der Beiträge. Ein Film über die moderne Großstadt als Wohn- und Naturraum müsse unbedingt einen Exkurs über die Notwendigkeit ständiger Mietsteigerungen beinhalten, da sonst falsche Vorstellungen vom Sinn des Schulunterrichts bei den…“

„… es allerdings nicht mehr möglich sei, die mathematisch-naturwissenschaftlichen Sendungen von 1970 zu wiederholen, da der zur Durchführung der Übungsaufgaben erforderliche Rechenschieber nur noch in wenigen Haushalten im…“

„… nur wissenschaftliche Einzelmeinungen abbilde. Der Verband Kritischer Eltern wolle nicht hinnehmen, dass die Evolutionstheorie als absolute Wahrheit dargestellt werde, ebenso fordere die Bundessprecherin eine Wahlfreiheit, ob die Erde als Scheibe oder…“

„… den Geschichtsunterricht bewusst entstellt habe, um alle Deutschen in den Schuldkult zu treiben, der nur in der ewigen Befriedigung gieriger Juden enden könne. Höcke werde sich vor dem…“

„… es mehr Kontrollen über den Lernerfolg geben müsse. Söder mahne an, dass für die frei verfügbaren Lerninhalte keine Erfolgskontrolle und eine kommentierte Lehrerausgabe der Filme im Netz zu finden sei. So könne sich jeder Schüler eine freie Meinung bilden, was nicht im Sinne des…“

„… die Beiträge deutlich straffen und mit erhöhter Geschwindigkeit abspielen müsse. Die Kultusminister würden befürchten, dass sich die Verkürzung der Schulzeit auf maximal zwölf Jahre sonst nicht abbilden lasse, was zu einer drohenden Untauglichkeit der Schüler für das Arbeitsleben…“

„… bedürfe es lediglich eines Fernsehers oder eines digitalen Endgerätes, um den Sendungen zu folgen. Es sei für Heil nicht Aufgabe des Staates, sozial schwachen Familien diese Technik über den ALG-II-Regelsatz zu finanzieren, außerdem liege es natürlich im Ermessen jedes einzelnen Bürgers, ob er sich Kinder anschaffe oder weiterhin als…“

„… die Filme über den Reichstagsbrand, den Polenfeldzug sowie die Judenverfolgung und den Holocaust als sehr gute Aufbereitung des Materials für die gymnasiale Mittelstufe bezeichnet habe. Es sei jedoch erforderlich, so Seehofer, dass nach jedem dieser Clips ein Warnhinweis vor der Antifa, die sogar Autofenster zerstören würden, um ihre menschenverachtenden und…“

„… scharfe Kritik an den Aussagen der ARD geübt habe, dass die Kinder die Lerninhalte von den Eltern begleitet anschauen sollten. Dies könne auf Dauer aber dazu führen, dass ihre wirtschaftliche Leistung durch die ständige Betreuung ihrer…“

„… beides verbinden wolle. Die Kultusminister hätten angeregt, alle Schüler im privaten Rahmen zu versammeln, um den Schulfunk zu sehen. Eltern seien damit wieder arbeitsfähig und hätten keine Infektionen im schulischen Rahmen mehr zu…“





Supernanny

11 01 2021

„Das ist ja vorwiegend wegen der sozial schwachen Familien. Manche können sich ja nicht mal einen SUV leisten, manchen geht es derart dreckig, da hat die Frau eine Berufsausbildung. Und die muss noch arbeiten. Für die erhalten wir die Präsenzpflicht aufrecht, damit nicht auch noch den DAX verreckt.

Das Problem hätten wir kaum, wenn nicht derart viele Kinder in staatliche Regelschulen gehen würden. Abgesehen von dem Geld, das das kostet – das ist mindestens eine Steuersenkung – das ist ein Verwaltungsaufwand, und dann müssen wir zum Schluss auch noch irgendwas für die Kinder tun. Also für die von den armen Leuten. Wenn Sie eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben, dann erwarten Sie doch auch nicht, dass man Ihnen das Geld aus der Tasche zieht und davon gesetzlich Versicherte durchfüttert, oder?

Natürlich tun wir auf die Art etwas gegen die Armut. Es leben so viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze, nur ein Auto, teilweise nicht mal mit Wohneigentum, und in solchen Familien groß zu werden, das muss man sich gut überlegen. Den Kindern selbst kann man die Entscheidung ja nicht zumuten, die meisten sind wahrscheinlich subjektiv schon in diesem Bodensatz verhaftet – da ist es doch gut, die oberen Einkommensgruppen durch noch mehr Lohnarbeit in den unteren zu fördern, weil wir sonst bei den Kindern aus den besseren Haushalten den sozialen Abstieg auslösen könnten. Stellen Sie sich mal vor, so ein ganz normales Kind kriegt irgendwann mal mit, in der Nachbarschaft gibt es Eltern, die sind zu Hause, wenn ihre Söhne und Töchter aus der Schule kommen. Was würden wir uns da für ein Volk heranziehen!

Bildung ist immer noch der wichtigste Schlüssel für dieses Problem. Man muss ja nicht unbedingt etwas damit anfangen können, es darf auch nicht zu lange dauern, deshalb ja G8, aber wenn man den Nachwuchs so bis sechzehn aus dem beschäftigt kriegt, dann ist das doch ein ganz vernünftiger Mittelweg. Ab dann können die sich auch selbst versorgen, notfalls müssen sie sich dann einen Job suchen, eventuell sogar eine Lehrstelle, aber das ist dann nicht unser Problem. Sonst könnten wir die Kinder vor die Glotze setzen, das reicht heute für einen durchschnittlichen Abschluss in so einer staatlichen Schule aus. Es muss halt jemand die Drecksarbeit machen.

Man kann ja leider die Blagen nicht einfach in den Hort verfrachten. Mir fällt auch gerade nichts Besseres ein, Kindermädchen vielleicht, das kann sich doch jeder Regierungsdirektor leisten, oder als Bankvorstand oder Staatssekretär. Ich verstehe gar nicht, wie sich die Leute überhaupt erst Kinder anschaffen und dann nicht mal das Geld für eine professionelle Betreuung haben. Man muss doch auch Prioritäten setzen, dann kauft man sich halt den Maserati, wenn die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind, dann ist ja auch meist Zeit für die nächste Scheidung und man hat den besseren Überblick über die Finanzen. Immer nur vom Staat verlangen, dass wir die Supernanny spielen, das ist doch echt unsolidarisch. Das müssen diese Bürger einsehen.

Wir haben seit Jahren alles dafür getan, dass das Thema Digitalisierung in den Köpfen ankommt. Erst die Vorratsdatenspeicherung, Uploadfilter, wir haben teilweise in einigen Regionen nur noch ganz kleine Funklöcher, und die sind noch nicht mal in Industriegebieten, und jetzt planen wir Flugtaxis. Wenn Sie sich andere Länder anschauen, die sind vielleicht hier und da schon viel weiter, aber so weit wie wir sind die bestimmt noch nicht. Weil wir ja ein Technologiestandort sind, und das heißt, wir sind sowieso viel besser als andere.

Das heißt natürlich noch nicht, dass wir heute alles mit Digitalisierung hinkriegen wollen, da müsste man erstmal die Pädagogen fragen, ob sie das auch möchten. Wir können ja nicht über deren Köpfe hinweg entscheiden – das sind ja schließlich keine Eltern. Deshalb überlegen wir uns das gut, ob wir sie fragen, und dann noch mal, wann wir sie fragen werden. Bis dahin ist Präsenzunterricht in der Regelschule absolut alternativlos.

Und dann haben wir auch das Problem mit der häuslichen Gewalt. Das könnte theoretisch in allen Schichten auftreten, aber es gibt gesellschaftliche Schichten, die man nicht als Schicht bezeichnen sollte. Eher als Sphäre. Wenn da mal Konflikte auftreten sollten, dann belästigt man damit eher nicht die Schule, und wenn doch, dann hat man die notwendigen Mittel, um die Schäden zu beseitigen. Wir müssen also auch hier eine soziale Auslese durchführen, und wieder sind es die unteren gesellschaftlichen Bereiche, die uns zu diesem Schritt zwingen. Damit tun wir uns keinen Gefallen, das dürfte allgemein bekannt sein, aber anders können wir dem Problem nicht begegnen. Und alles das muss man nun abwägen gegen ein anderes Rechtsgut, nämlich die Gesundheit unserer Leistungsträger. Wir haben uns also zu diesem Schritt entschlossen, dass wir die Präsenzunterricht ausschließlich für die Regelschulen beibehalten, in denen die Schülerinnen und Schüler bis zur unteren Mittelschicht sich infizieren. Das kann und muss ihnen zugemutet werden, schließlich kann Schule als Bildungsvermittlung und soziale Institution nicht das Versagen von allen Elternhäusern auffangen. Und wenn wir jetzt noch eine Lösung finden, die Kinder ganz aus ihrem familiären Umfeld herauszulösen, damit die Wertschöpfung für unsere Wirtschaftsbetriebe unvermindert erhalten bleibt – also ich bin da sehr zuversichtlich. Vermutlich beim nächsten Lockdown.“





Eigenverantwortung

6 01 2021

„… die Finanzierung des Gemeinwesens ändern wolle. Im Falle eines erneuten Wahlsieges plane die Union, sämtliche Steuern abzuschaffen und eine gerechtere Verteilung der Lasten auf die…“

„… für SPD und Grüne nicht verhandelbar sei. Eine Regierungskoalition sei so unter keinem CDU-Kanzler möglich, ebenso kein Angebot einer rot-grün geführten Regierung an einen…“

„… bei den Freidemokraten für eine anfängliche Skepsis gesorgt habe. Lindner beklage eine für seine Partei schwerer werdende Zukunft, wenn er nicht mehr ohne jeden erkennbaren Anlass radikale Steuersenkungen fordern und die Entlastung der…“

„… alle Bundessteuern überflüssig seien, wenn die Umsatzsteuer dafür erheblich ansteige. Merz sehe in diesem Modell allerdings nur dann eine Vereinfachung, wenn ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Unterstützung der unteren Einkommensschichten nicht eingeführt würde, da sonst eine statistische Verzerrung der…“

„… wolle die Union keinesfalls pauschal das Verbot von Steuern durchsetzen. Es müsse aber auf den Prüfstand gebracht werden, ob die heutige Umsetzung des bisherigen Systems noch für eine wirtschaftliche Zukunft und einen…“

„… nach dem Prinzip der Verantwortungsethik die Steuern aus gutem Willen nicht mehr zu berechnen und die Bürger so viel zahlen zu lassen, wie diese selbst für angemessen hielten. Offen bleibe im Vorschlag der Kirche, ob etwaige Defizite wie in ihrem eigenen Haushalt auch weiterhin durch staatliche Zuwendungen in Form von…“

„… bedeute die Abschaffung der Steuern auch den Wegfall der strafbaren Steuerhinterziehung. Der als Initiationsritus in höhere Gesellschaftsschichten unabdingbare Tatbestand müsse jedoch erhalten bleiben, da sonst zu viele Bürger, die durch Zufall oder sogar Arbeit zu Vermögen gekommen seien, in Kreisen verkehren könnten, zu denen sie nicht…“

„… sämtliche Steuern in ‚Solidaritätszuschlag‘ umbenennen wolle. Da die Bundesregierung nie vorgehabt habe, diesen endgültig abzuschaffen, könne man nun durch eine Anpassung von dessen Berechnung und Verwendung schnell eine gute…“

„… bedeute dies Erwerbslosigkeit für alle Steuerberater. Laschet plädiere daher dafür, die Betroffenen zu Vermögensverwaltern umzuschulen, was sich bei dem zu erwartenden Wohlstand vieler Wirtschaftsführer in seinem persönlichen Umfeld auch als durchaus lukrative und…“

„… von der Deutschen Bischofskonferenz als Missverständnis bezeichnet worden sei. Sollte durch Wegfall von Lohn- und Einkommensteuer auch die Kirchensteuer abgeschafft werden, müsse der Staat ersatzweise eine Abgabe in Höhe der bisherigen…“

„… dass viele Bürger ihre Steuern und Abgaben durchaus gerne zahlten und diese auch aus freien Stücken entrichten würden. Ein strafbewehrter Zwang widerspreche für die FDP dem Ideal eines demokratischen, leistungsorientierten…“

„… es eine Überlegung wert wäre, Lohn- und Einkommensteuern zu halbieren. Die Union plane dies jedoch erst für die kommende Pandemie und werde bis dahin weiter mit erprobten Instrumenten auf die…“

„… werde bereits durch einzelne Posten wie Branntwein-, Tabak- oder Pferdesteuer erreicht, da man auf die entsprechenden Waren verzichten könne. Zum Augleich schlage die Union vor, auch bisher nicht besteuerte Wirtschaftsgüter mit…“

„… habe die FDP bereits jetzt durch die vielen angeordneten Betriebsuntersagungen eine Vielzahl an Einkommensminderungen in kleinen Firmen verzeichnet, die dadurch bereits stark an Steuern gespart hätten. Zum Ausgleich fordere Lindner die Senkung des Spitzensteuersatzes, um durch eine einfache, niedrige und gerechte…“

„… plädiere Merz für eine vollkommene Steuerfreiheit bei Aktien- und Vermögensbesitz, Erb- oder Mieteinnahmen sowie oberhalb einer gewissen Einkommenshöhe. Um die unteren Gesellschaftsschichten nicht von der Mitwirkung an der Staatsfinanzierung auszuschließen, könne man gerade Renten und kleine Einkommen durch eine Anerkennung in Form von hoher…“

„… dass sämtliche Daten der Steuerzahler ohne Höchstdauer aufbewahrt und mit deren Einnahmen zusammengeführt werden sollten, um die ungefähr zu erwartende Höhe der freiwilligen Zuwendungen an die Finanzämter zu bemessen. Die Regierung setze dabei auf die Eigenverantwortung der Bürger, die im Interesse der Gemeinschaft eine korrekte…“

„… bei einer Erhöhung des Grundfreibetrags auf den Wert des Spitzensteuersatzes formal die Besteuerung der Einkommen erhalten bleibe. Es sei jedoch zu erwarten, dass dieses System nur von wenigen sehr Wohlhabenden verstanden werde, was immerhin zu Einnahmen aus den unteren…“

„… als ersten Schritt die Kraftfahrzeugsteuer abschaffen wolle. Im Gegenzug werde Merz durch eine negative Abgabe für Fußgänger oder Radfahrer die verfassungsrechtliche Ausgewogenheit des…“

„… werde das Finanzamt zumindest Löhne und Gehälter künftig direkt einziehen und einbehalten. Den Steuerpflichtigen werde danach eine Summe zurücküberwiesen, deren Höhe sich unter anderem nach der…“





Wirtschaftswunder

5 01 2021

„Schetelig! Der Auszug muss einen Fehler haben, da fehlen doch dreißig Prozent! Wenn ich’s Ihnen doch sage, da fehlt fast… – Rechnen Sie das doch selbst nach, Achthundert, und letzten Monat waren das… – Natürlich habe ich das abgezeichnet, ist das hier mein Laden, oder ist das nicht mein Laden!?

Manko, Manko, das kann ja jeder sagen – das ist hier ein Fehlbetrag von mindestens einem Drittel! Dreißig Prozent, sage ich ja. Habe ich das denen gestundet, nur weil Hagen & Co. jetzt seit fünfzig Jahren ihre Büros bei uns… – Als der alte Hagen meinem Vater das Haus verkauft hat, da war unsere Verwaltung schon hier! Die mussten ja unbedingt in Fetten machen, das rächt sich. Der Mann hat dann ja auch einen Herzanfall gekriegt, da sehen Sie mal – soll er in Aktien machen, da lebt man gesünder. Schetelig, wofür haben Sie überhaupt Prokura, das ist doch eine Aufgabe für die Buchhaltung. Müssen Sie sich immer in die Finanzen einmischen? seit wann? Sechs Monate!? Das wären ja, also im Prinzip zu wenig! Wie können Sie denen die Miete stunden! Schetelig, sind wir denn die Heilsarmee?

Natürlich sind das gute Zulieferer, und ich weiß auch, mit Kossmann & Söhne hätten wir Berlin nie beliefern können. Schon gar nicht zu dem Preis. Muss man ja auch nutzen, wenn ein langjähriger Freund plötzlich in die Bredouille gerät, hähähä! Aber deshalb stunden Sie denen doch nicht gleich die Miete! Unsereins muss doch in diesen Zeiten auch sehen, wie man seine Kröten zusammenhält. Mildtätigkeit ist das eine, aber man ruiniert sich doch den Ruf an der Börse, wenn man kulant ist!

Ich sehe das kommen, am Ende haben wir so eine sozialistische Regierung, die erlässt dann ein Gesetz, dass man die Miete so lange stunden muss, bis man selbst auf der Straße sitzt. Sie brauchen mir das jetzt gar nicht vorzurechnen, Schetelig, ich habe meine Zahlen im Kopf! Wenn wir jetzt auf die Dreihundertvierzig, warten Sie mal: das sind ja über Zweitausend! Haben Sie das steuerlich geltend gemacht? Natürlich, ja. Wusste ich doch, ich wollte Sie nur mal auf die Probe stellen. Man kann nichts versteuern, was man nicht eingenommen hat, es sei denn, man hat es gut versteckt. Ein paar Sachen hat man mir damals auch noch beigebracht, hähähä! Die holen Sie mir aber gefälligst wieder rein.

Was haben Sie denn da, Schetelig? Papiere? die wollen ihre Papiere? Ich kann doch auch nichts dafür, dass wir Kurzarbeit anordnen müssen. Das ist nun mal so, die können froh sein, dass wir von den Lieferanten überhaupt noch etwas kriegen. Da lobe ich mir Hagen & Co., antworten auf dem kleinen Dienstweg und schicken die Ware freitags bis eins. Beide Linien laufen, Westphal hat mit Großauftrag gedroht. Wir könnten sogar noch einstellen. Lassen Sie die Herren doch gerne kündigen, wir haben uns diese politische Großwetterlage nicht ausgesucht, und wenn ich Überstunden anordne, dann mache ich das nicht für mich, sondern für die Wirtschaft. Wir können doch nicht tatenlos zusehen, wie die Wirtschaft stagniert!

Hallo? Ja, am Apparat. Natürlich sind wir noch im Geschäft. Kommt immer auf die Menge an, die bestimmt schließlich den Preis. Fünfhundert? Das kann knapp werden, da brauchen wir bis… – Ja, Sie mich auch! Schneiden Sie sich doch das Personal aus den Rippen, wenn Sie nichts zu tun haben!

Jetzt noch eine linksradikale Regierung, Söder oder Röttgen, dann kriegen die Leute mehr Geld, wenn sie gar nicht erst zur Arbeit gehen. Das kann man doch nicht unterstützen! Wir müssen doch die Mittelschicht stützen, Schetelig, auch wenn wir als Stützen der Gesellschaft noch nicht dazugehören. Wir sind gerade so durchgekommen, die Firma ist stabil, wir sind ja gewissermaßen systemrelevant. Zwar nicht systemrelevant wie Krankenhäuser, wo alle jammern, wenn sie mal kein Bett kriegen, aber ohne uns geht es auch nicht. Und dann fragen Sie sich, ob es ohne uns geht oder ohne Krankenhäuser. Krank werden die Leute schließlich freiwillig.

Bitte jetzt nicht stören, Puschke. Wir sind in einer Besprechung. Natürlich weiß ich das, aber ich bin da halt altmodisch. Man möchte seine Leute unter Kontrolle haben. Wenn die den ganzen Tag zu Hause sitzen, dann weiß man nie, wer von denen krank feiert. Das muss man als Unternehmer strikt unterbinden. Aber wem sage ich das, unsereins ist da ja sowieso von gestern.

Na geben Sie her, wir haben keinen schlechten Schnitt gemacht, es ist nur die Umstellung. Man muss eben irgendwann mal wissen, ob das mit der Kriegswirtschaft nun dauerhaft ist oder nur für ein Jahr, und dann kalkuliert es sich auch leichter. Wenn die jetzt anfangen mit den Impfungen, dann sind unsere Einkaufspreise schnell wieder hin, aber auf der anderen Seite haben die Arbeiter auch keine Entschuldigung mehr für eine Krankschreibung. Es ist irgendwo ja auch schwierig für uns, und es ist doch ein Skandal, dass man den Leuten mit diesen verbilligten Mehrwertsteuern Geld zukommen lässt, das wir als Fabrikanten nicht… –

Dass wir Hagen & Co. um fast zehn Prozent im Einkauf gedrückt haben, das war unternehmerische, ach was: nationale Notwehr! Schetelig, Ihre Zahlen können Sie sich an den Hut stecken! Wir hätten uns diese zwei Lieferwagen und ich mir das Coupé für Fräulein Buntsch niemals… – Das tut doch jetzt gar nichts zur Sache, Schetelig!

Heiliger Bimbam, das ist doch… – Hilde? In der Post? Die Miete nicht erstattet? Und Mutti hat das Einschreiben einfach so… – Das ganze Land liegt wirtschaftlich am Boden, und dieser Halunke will weiter von seinen Mieten leben? Ruf den Anwalt an, dem Schmarotzer blasen wir den Marsch!“





Pharisäer

15 12 2020

„… ein striktes Verbot des Alkoholgenusses in der Öffentlichkeit erlassen habe. Bis zum tatsächlichen Shutdown müsse man nun auch noch am letzten Öffnungstag für eine sichere…“

„… es keine einheitliche lebensmittelrechtliche Definition für Glühwein gebe. Da Zuckerzusatz in den betreffenden Getränken inzwischen legalisiert worden sei, liege nun auch keine weinrechtliche Verfügung gegen den…“

„… dass in zahlreichen Innenstädten Buden mit Sondergenehmigungen aufgestellt worden seien, die nun schriftlich mit einem Verkaufsverbot für ihren Glühwein hätten belegt werden müssen. Die von den Schaustellern ausgesprochene Drohung, man werde die Waren an Passanten verschenken, werde durch die Verfügung möglicherweise nicht oder nicht vollständig…“

„… auch zahlreiche Discounterketten von der Regelung betroffen seien. So habe ein großer süddeutscher Betreiber von Marktständen bereits mehrere zehntausend Kartons mit fertig abgefülltem Glühwein geordert, die er nun nicht mehr im…“

„… müsse nach verbraucherschutzrechtlichen Verfügungen ein Glühwein mindestens sieben Volumenprozent Alkohol enthalten, was wegen der Rohstoffkosten auch selten willentlich überschritten zu werden drohe. Da jedoch die Schausteller mit einem mehr als doppelt so hohen Alkoholgehalt durch Zusatz branntweinhaltiger Getränke bereits ein lebensmittelrechtlich als Punsch geltendes Produkt anbieten würden, könne ein offiziell als Glühweinverbot deklariertes Gesetz auch keine…“

„… dass es sich um insgesamt 21,8 Millionen Liter Glühwein handele. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels habe sofort vorgeschlagen, die Flaschen zu einem Preis von je acht Euro an den Endverbraucher abzugeben, um den Menschen ein wirklichkeitsgetreues Gefühl von Weihnachtsmarkt zu…“

„… in den Hausflur eines Gebäudes in der Nähe des Marktplatzes verlegt worden sei. Auf diese Art habe der Alkoholkonsum nicht mehr im öffentlichen Raum stattgefunden, so dass die Polizei nur noch die Blutalkoholkonzentration der Gäste nach dem Genuss von drei bis vier…“

„… vielfach ein alkoholfreier Kinderpunsch ausgeschenkt werde. Da das private Mitführen von Schnaps in Taschenflaschen nicht strafbewehrt sei, solange den Bürgern der vorsätzliche Konsum nicht eindeutig nachgewiesen werden könne, müsse die Polizei jede einzelne Vermischungshandlung im öffentlichen Raum mit einer gerichtsfesten…“

„… sich die Drive-in-Lösung aber als nicht praktikabel herausgestellt habe. Der Konsum auf dem Privatparkplatz werde nicht beanstandet, doch sei beim Verlassen des Geländes die Verkehrsstaffel damit beauftragt, nach einer Kontrolle sämtliche Führerscheine der angetrunkenen Fahrer sofort zu…“

„… durchaus damit einverstanden sei, wenn man dem auf niedere Einkommensarten wie Arbeit angewiesenen Pöbel den Alkohol verbiete und das Verbot mit blutrünstigen Körperstrafen durchsetze, um die Leistungsfähigkeit deutscher Großaktionäre zu sicher. Persönlich werde Merz jedoch seinen täglichen Glühwein aus einem Château Lafite-Rothschild zubereiten und jede Bullensau, die einen Fuß auf sein Privatanwesen setze, den Schlüssel seines Privatjets direkt in die…“

„… nach den Diskussionen der vergangenen Tage nun eine bundesrichterliche Entscheidung notwendig sei. Insbesondere müsse geklärt werden, ob ein Stand mit der Aufschrift Glühwein to go es den Kunden gestatten dürfe, ihren Heißgetränke zwar in entsprechendem Abstand, wohl aber im Stehen auf dem…“

„… setze sich Laschet für eine rasche Lockerung der Verordnungen während der Festtage ein. Nordrhein-Westfalen sei das Land der Glühweinstandbetreiber und dürfe seine Menschen nicht im Stich lassen. Kein Antialkoholiker schreibe dem Ministerpräsidenten vor, wie er seine Entscheidungen zu…“

„… könne die Polizeipräsenz auf den deutschen Märkten nicht in dem Maße gesteigert werden, dass die lückenlose Kontrolle aller Passanten vor und nach dem Verzehr eines nach den Angaben des Händlers alkoholfreien oder entalkoholisierten…“

„… habe sich die Praktikantin nach einer Kontrolle darauf herausgeredet, dass sie je nach Sympathie für die Besucher ihres Standes einen mittleren bis großen Schuss Industriealkohol in den erhitzten Rotwein gegossen hätte, um ihren Umsatz in den wenigen verbleibenden Stunden bis zum…“

„… in den Vorjahren auf einschlägigen Messen noch als ekelerregend, nicht für den menschlichen geeignet und vollkommen marktfremd bezeichnet worden sei. Die vegane Wurst mit Glühweinaroma habe in diesem Winter trotz starken Widerwillens von Seiten der Standbetreiber ihre Weg in die süddeutschen Buden gefunden und werde mit durchaus befriedigendem Ergebnis…“

„… dass die in Norddeutschland eingesetzten Bereitschaftspolizisten aus dem Erzgebirge einen halben Tag lang dem Treiben an einem Stand für Kaffeespezialitäten zugesehen hätten, ohne die stark angeheiterte Stimmung der Bewohnerinnen des nahe gelegenen Seniorenstifts zu hinterfragen. Sie seien vor dem Einsatz in Schleswig-Holstein nicht mit der Zubereitung des Pharisäers befasst gewesen und hätten auf diese Weise versäumt, die Täterinnen in flagranti zu…“

„… sich die Kontrolleure der Gewerbeaufsicht im Regierungsbezirk Schwaben zufrieden gezeigt hätten. Man habe nach der Inaugenscheinnahme von dreißig Betrieben in den ausgeschenkten Proben nur noch Spuren von echtem Glühwein knapp unterhalb der Nachweisgrenze…“





Kleine Anfrage

14 12 2020

„Der Herr Ministerpräsident unterstützt alle Anregungen aus der Wissenschaft, zumindest die, die ihn selbst unterstützen. Ja, das dürfen Sie so schreiben, wenn Sie den Artikel bis, warten Sie mal, Mittwoch veröffentlichen. Danach müssen wir die aktuellen Entwicklungen in dieser Katastrophe abwarten.

Natürlich Katastrophe. Laschet als Pandemie zu beteichnen, so weit kommt’s noch. Da überschätzen Sie seine Möglichkeiten nun doch ein wenig, und das kann er schon ganz gut alleine. Er ist ein sehr flexibler Politiker, der seine Wirklichkeit immer schnell und unbürokratisch an das anpasst, was er gerade als seine Meinung ansieht – und nein, das ist eben nicht genau umgekehrt, das macht er wirklich so. Sie sehen ja, dass er dadurch enorm authentisch wirkt. Seiner Meinung nach.

Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland, welches Anliegen haben Sie? Ist uns nicht bekannt, aber das hat die AfD vor vier Monaten schon gesagt, da war es noch ganz richtig, jetzt wollen sie das absolute Gegenteil, also muss es komplett falsch sein, und Herr Laschet hat gerade das Gegenteil vom Gegenteil – ja, ich weiß, aber lassen Sie mich den Satz erst zu Ende bringen, danach ist der Rest von Deutschland dran – und das Gegenteil war aber schon vor drei Monaten bei ihm falsch, weshalb er jetzt nämlich das Gegenteil vom Gegenteil vom Gegenteil fordert. Wie vor sechs oder sieben Monaten, das wissen wir nicht mehr so genau. Aber von einer gemeinsamen Absprache mit anderen demokratiefeindlichen Parteien kann keine Rede sein. Der Herr Ministerpräsident erledigt seine Geschäfte immer ganz alleine.

Dazu stehen wir jetzt auch in engem Kontakt mit mehreren Wissenschaftsorganisationen. Da sich Laschet nicht von irgendwelchen Wissenschaftlern vorschreiben lässt, was er Wissenschaftlern erklären soll, lässt er sich von Wissenschaftlern erklären, was er Wissenschaftlern vorschreibt. Das ist eine sehr kluge Haltung, und das findet Laschet auch. Er kann sich das wahrscheinlich sogar erklären. Dieser Lockdown vor Weihnachten war nämlich eigentlich seine Idee, er hatte es nur nicht so kommuniziert. Es wurde ja auch schon mehrfach angemerkt, dass die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Politik nicht vernünftig funktioniert hat. Das hat die Politik auch schon festgestellt, und deshalb wird die ja wohl kaum selbst schuld sein daran. Wir können als Politik immer nur das umsetzen, was uns von den Wissenschaftlern vorgegeben wird, und wenn die Wissenschaft bei ihren Vorschlägen die Wünsche der Politik nicht berücksichtig, ist das dann etwa unsere Schuld?

Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland, welches Anliegen haben Sie? Ah, die Bildungsministerin. Sie ist ja nicht explizit für die Wissenschaft zuständig, deshalb kann sie auch nicht in Entscheidungen des Herrn Ministerpräsidenten eingreifen, Erkenntnisse der Wissenschaft als Basis seiner Entscheidungen zu nehmen, um dadurch seine Entscheidungen für etwaige Erkenntnisse der Wissenschaft… – Rufen Sie einfach später noch mal an, in diesem Ressort ist jetzt niemand mehr in vernehmungsfähigem Zustand.

Den klugen Landesvater, der später einmal der zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland werden wird, zeichnet seine hervorragende Personalwahl aus. Er hat das jahrelang in Berlin beobachtet, dass die geistig nicht ganz so gesegneten Mitarbeiter knapp unterhalb der eigenen Position ein sehr gutes Signal sind: man kann auch wenig Intelligenz mit anderen Qualitäten ausgleichen, wenn man nicht bis an die Spitze kommen will. Jetzt messen wir diese Intelligenz im Abstand zum Ministerpräsidenten, die Ergebnisse sind dementsprechend. Man sollte die Bürger nicht für dumm verkaufen, dafür eignen sich die eigenen Mitarbeiter meistens viel besser, da man für die auch mehr bekommt.

Wenn jetzt die Wissenschaft Maßnahmen gegen die Pandemie empfiehlt, die so nicht mit Laschet abgesprochen sind, weil Laschet sich nicht von den Wissenschaftlern vorschreiben lassen will, wann er sich mit ihnen abzusprechen hat, dann ist in erster Linie sein Personal gefragt. Deren Fehlleistungen werden ja nicht von ihm getätigt, und deshalb muss auch nicht er zurücktreten, wenn Mist rauskommt.

Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland, welches Anliegen haben Sie? Harter Lockdown ab dem 14. Dezember? Das hat der Herr Ministerpräsident nie gefordert, das ist eine bloße Unterstellung der Medien, die sich ausschließlich auf Wissenschaftler berufen, die vorher nicht bei… – Ich bekomme gerade noch eine Verfügung rein, es handelt sich doch um eine richtige Aussage, die die Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland so gemacht hat, aber das war erst auch erst heute, und wir wussten nicht, ob das, was der Herr Ministerpräsident heute gesagt hat, auch heute noch gilt oder erst wieder gestern, weil dann das richtig ist, was er morgen gesagt hat. Nein, ich bin nicht besoffen. Ich bin ja kein Ministerpräsident.

Als zukünftiger Kanzler muss man auch mal Härte zeigen. Wenn es zum Beispiel nach Ansicht der Schulministerin keine Schulschließungen geben darf, obwohl man selbst als Ministerpräsident der Wissenschaft befohlen hat, genau das dem Ministerpräsidenten zu befehlen, dann muss einer den Kopf dafür hinhalten. Und da kommen Sie ins Spiel. Der hier, Dings… Verbraucher ist nicht das richtige Wort, irgendwas anderes. Nicht Wähler. Die Bürger, genau. Die Bürger. Dazu sind die ja da.“





Kostenfaktor

9 12 2020

„Aufgehängt!?“ „Sie haben ihn auf dem Dachboden gefunden.“ „Aber gestern hat der Chef doch noch gelebt!“ „Da hatte er ja noch keine Quartalszahlen.“

„Absturz um wie viel?“ „Schauen Sie sich das mal an.“ „Die Kurve?“ „Nein, die andere.“ „Das sind ja fast…“ „Eben.“ „Wir haben die Umsätze von 2019 nicht getoppt.“ „Das ist für die Märkte schlimmer als eine Insolvenz.“ „Stimmt, da kommt irgendwann der Staat.“ „Der Chef wollte schon das Personal halbieren, damit er ein paar Milliarden als Entschädigung kriegt.“ „Aber wir sind doch bloß zehn Leute?“ „Naja, mich hätte er schon nicht vor die Tür gesetzt, und Sie bestimmt auch nicht.“ „Und, hat er die Kündigungen schon geschrieben?“ „Offensichtlich hat der Staat ihm gesagt, dass das so nicht funktioniert.“ „Schlimm!“ „Und die Bank hat gemeint, sie würde uns das Geld nicht schenken können.“ „Schlimm, schlimm!“ „Dabei hat der Chef letztens noch gesagt, es würde irgendwann bestimmt wieder besser werden.“ „Ja, weil doch die meisten in der Krise noch viel reicher werden.“ „Das Problem ist nur, das betrifft lediglich ein paar Reiche.“ „Und wir sind reich?“ „Eher nicht.“

„Ich verstehe das nicht, wir machen doch alles richtig.“ „Das hat ja auch dreißig Jahre lang gut geklappt.“ „Billig eingekauft, schlechte Löhne…“ „Gut, bei Ihnen vielleicht.“ „… und dann teuer wieder verkaufen.“ „Wenn man es wirtschaftlich betrachtet, dann haben wir alles richtig gemacht.“ „Aber sonst nicht?“ „Der Markt hat eigentlich auch alles richtig gemacht, aber eben nicht für uns.“ „Und woran lagen diese Quartalszahlen?“ „Keiner hat etwas von uns gekauft.“ „Dann hätten wir doch noch viel reicher werden müssen.“ „Nein, das haben Sie jetzt nicht ganz verstanden.“ „Wieso? entweder man ist reich, oder man kriegt Geld vom Staat, oder beides.“ „Eben nicht, wir hatten halt nur richtig miese Umsätze.“ „Vielleicht hätten wir uns Flugzeuge kaufen sollen, oder einen Flughafen.“ „Das ist ganz schön teuer.“ „Also sind das diese Reichen, die haben so viel Geld für Flugzeuge, dass sie hinterher noch Geld draufkriegen, wenn sie die nicht fliegen lassen können.“ „So ähnlich, ja.“ „Und die Leute haben dann eben… – Ich weiß es doch auch nicht!“ „Die Kunden haben nichts gekauft.“ „Aber die Kunden haben immer irgendwas von uns gekauft!“ „Das mag ja sein, nur halt nicht in der Krise.“ „Das hat jetzt dreißig Jahre lang geklappt, warum soll damit denn jetzt auf einmal Schluss sein?“ „Weil die Leute in der Krise…“ „Ich habe die doch in den Geschäften gesehen, die waren überall unterwegs.“ „… nur das gekauft haben, was sie unbedingt brauchten.“ „Mehr nicht?“ „Mehr nicht.“ „Und die wussten auch, dass sie damit der Wirtschaft schaden? und Deutschland?“ „Ja, das kann man wohl annehmen.“ „Diese verdammten Vaterlandsverräter!“

„Wir könnten ja auf der Ausgabenseite einiges sparen, aber leicht wird das nicht.“ „Noch billiger einkaufen? Geht das überhaupt?“ „Ich dachte da eher an Gehaltskürzungen.“ „Mit Kurzarbeit wäre dann aber nicht mehr so viel Ware da und wir würden noch viel weniger verkaufen.“ „Ich rede aber gar nicht von Kurzarbeit.“ „Sondern?“ „Man könnte die Entlohnung ja ein bisschen anders gestalten als nach dem alten Muster. Zum Beispiel weniger materialistisch.“ „Wollen Sie die Firma in Aktien umwandeln und der Belegschaft schenken?“ „Nein, ich dachte eher an Spekulatius. Oder ein Lavendelsträußchen?“ „Bitte!?“ „Oder zur Not auch mal Applaus vom Balkon. Es gibt so viele Firmen, die ihre Mitarbeiter nur mit Geld bezahlen, da kann man sich doch wirklich mal abheben und für ein anderes System eintreten, das die Arbeitnehmer nicht nur als reinen Kostenfaktor betrachtet.“ „Und das funktioniert?“ „Schauen Sie sich die Pflege an, die da ging’s einwandfrei.“ „Echt?“ „Das ist eine kleine, aber sehr engagierte Minderheit in diesem Land, die für ihre Jobs wirklich alles gibt.“ „Und das würden wir auch hinkriegen?“ „Wenn man den Angestellten deutlich macht, dass sie jederzeit an die frische Luft gesetzt werden können, dann werden sie dafür sicher Verständnis haben.“

„Aber mal ernsthaft, es muss doch jetzt irgendwie weitergehen.“ „Reicht Ihnen Spekulatius nicht aus? Ich meine, uns geht’s doch gerade sehr gut, weil unsere Arbeitsplätze nicht in Gefahr sind.“ „Sie haben doch eben noch gesagt, dass die Firma kurz vor dem Ruin steht?“ „Ja, das sagt man so, wenn man gerade Finanzhilfen haben möchte, die einem streitig gemacht werden.“ „Streitig gemacht? von wem denn?“ „Zum Beispiel von Künstlern, und die haben im Gegensatz zu uns überhaupt keine Umsätze gemacht, was ja wohl deutlich zeigt, dass wir als Konsumgüterindustrie durchaus mehr Nachfrage erzeugen und deshalb auch früher an staatliche Hilfen kommen müssten, wenn es denn gerecht zuginge.“ „Ja, das klingt jetzt irgendwie logisch.“ „Und wenn wir selbst merken, dass die Gesellschaft sich in der Krise auf Konsumverzicht eingestellt hat, dann ist es doch nur konsequent, wenn wir auch andere damit konfrontieren und sie mal zum Umdenken bringen, indem wir ihnen das Konzept mal als Ausweg aus der aktuellen Lage vor Augen führen, meinen Sie nicht?“ „Da ist etwas dran.“ „Sehen Sie, ich wusste, dass ich mit Ihrem Verständnis rechnen konnte.“ „Wir müssen ja alle irgendwie unseren Teil dazu beitragen, dass die Gesellschaft aus der Krise rauskommt.“ „Und das Unternehmen natürlich auch.“ „Selbstverständlich.“ „Gut. Ich wusste doch, dass sich meine Firma auf Sie verlassen kann.“





Oh, wie schön ist Sansibar

1 12 2020

„Wenn Sie perfekten Service wollen, empfehle ich Ihnen Tsingtau. Das ist nicht richtig deutsch, Sie bekommen sicher kein Schnitzel bei den Chinesen, aber für eine Woche sollte es reichen. Die Hauptsache ist doch, Sie können mit der ganzen Familie hinfahren.

Wir machen die Bestimmungen ja nicht, das sind die Ministerpräsidentinnen. Jetzt haben wir in den meisten Vorschriften ein komplettes Verbot von privaten oder touristischen Beherbergungen, und mit geschäftlichen Aufenthalten wird es langsam auch eng. Wenn Sie da nichts nachweisen können, dann droht Ihnen möglicherweise eine Geldbuße. Unser Glück ist, dass wir unsere Fokus seit Jahren auf den Kolonien gelassen haben. Das war zwischendurch mal sehr unmodern, vor allem nahm die Kritik zu, weil die Reiseveranstalter teilweise auch politisch unkorrekte Angebote im Programm hatten, aber jetzt sehen wir einen echten Vorteil für die Kunden und die Hotelleriebetriebe. China hat sich auf dem Reisemarkt zwar recht breit aufgestellt und bietet auch Pauschalreisen an, aber mal ehrlich: Vollpension in Wuhan? da können Sie ja gleich nach Sachsen zum Türklinkenlecken.

Bis vor ein paar Tagen hatten wir Samoa im Angebot, all inclusive. Hotel Deutscher Kaiser. Fünf Sterne, Ferienanlage des Jahres, nur deutsches Personal. Leider ausgebucht bis einschließlich dritte Welle. Da dürfen Sie mit zwanzig Personen in einen Wohnbereich, Alter egal, Kinder zählen nicht mit, und keiner fragt Sie, ob Sie aus einem Haushalt kommen oder eventuell doch nicht verwandt sind oder Nachbarn oder im selben Kegelverein. Das geht da alles, wenn man nur will. Ohne Quarantäne, ohne Test, alles ganz geschmeidig. Gut, wenn Sie mit der ausländischen Airline wieder abfliegen wollen, dann stecken die Ihnen ein Teststäbchen rein, das kommt Ihnen irgendwo hinten wieder raus. Das ist Ihr Risiko. Aber das wissen Sie vorher, weil Sie ja sonst den Vertrag nicht unterschrieben hätten.

Klar, Afrika ist auch sonst eine Reise wert. Die Hotels da sind klasse, die Landschaft ist echt ein Erlebnis, und wenn Sie Glück haben, sehen Sie noch ein paar Tiere, die sind bei weiterhin gutem Tourismus in spätestens zehn Jahren Geschichte. Unter anderen Umständen würde ich mir das jetzt nicht mehr entgehen lassen. Aber dieses Jahr noch nach Kamerun, Hessischer Hof, eine wirklich tolle Atmosphäre wie in der Frankfurter Innenstadt, das muss man gesehen haben. Wir fliegen ja nonstop, das heißt, wenn Sie in Köln oder München eine Maschine kriegen, dann sind Sie innerhalb von, ich muss jetzt mal nachrechnen, aber auf jeden Fall geht das schnell. Den Hauptstadtflughafen haben wir nicht auf dem Schirm gehabt, deshalb wir der ja auch nicht genutzt, und weil der momentan nicht genutzt wird, obwohl es auch so reibungslos geht, hat den eben keiner mehr auf dem Schirm. Das ist eine gute Entwicklung, finden Sie nicht auch?

Neuguinea soll um diese Jahreszeit auch ganz entzückend sein. Das Problem da sind eher die Einheimischen, die sich nicht in die deutsche Leitkultur integrieren lassen wollen. Dabei bringen wir denen den Fortschritt. In Neuguinea zum Beispiel gibt es keine überfüllten Intensivstationen. Gut, da gibt es gar keine deutschen Kliniken, aber das muss man jetzt ja nicht überbewerten. Wenn Sie da erkranken, sind Sie verhältnismäßig schnell auf den Marianen. Oder auf den Karolinen. Jedenfalls verhältnismäßig schnell im Vergleich zu Berlin oder Hamburg oder woher Sie sonst kommen. Dafür werden da die Vorschriften auch nicht besonders streng kontrolliert, oder eher vielleicht auch gar nicht. Wenn Sie ein ruhiges Weihnachtsfest fern der deutschen Bürokratie verleben wollen, können wir Ihnen diese Reise nur empfehlen.

Das einzige Problem sind die internationalen Artenschutzabkommen. Als invasive Spezies steht die Nordmanntanne auf zahlreichen Listen, Sie müssten dann schon einen Kunststoffbaum mieten. Ist bei den meisten Angeboten allerdings schon im Preis enthalten, wir kennen unsere Kunden. Am Kongo-Unterlauf haben wir mal versucht, eine Fichtenschonung anzupflanzen, aber das ging schief. Das hat die Übernachtungszahlen dann auch empfindlich geschmälert. Unsere Gäste sind ein gewisses Lokalkolorit gewohnt, und das kann man auch verstehen. Als Japaner möchten Sie auch nicht in ein Land reisen, in dem es keinen anständigen Tee gibt und keine pünktlichen Züge.

Oder Sie wählen unsere Klassiker, zum Beispiel Deutsch-Südwest. Internationales Publikum, die Österreicher kommen auch sehr gerne, weil man da besseres Deutsch spricht als bei denen zu Hause. Sehr weites Land, einer der ältesten Teile der Erdkruste. Heiß und trocken. Wenn Sie sich auf den Klimawandel vorbereiten wollen, dann sollten Sie das besucht haben. Weniger Bevölkerung als in Berlin, aber man kann sich da in der Wüste auch ganz gut aus dem Weg gehen. Also auch eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass Sie tagelang keinem Maskenkontrolleur begegnen. Keine Busse, in denen Sie Dinger tragen müssten. Ab und zu mal Wildtiere, aber irgendwas ist ja immer.

Wir machen das nicht nur aus Eigennutz, denn sehen Sie mal, wir fördern auch die Wirtschaft in den Kolonien. Das ist zwar nicht für den Absatz gedacht, aber hier sehen Sie mal, dass es uns doch eine gewisse Entlastung bringt. Skifahren geht leider nicht, und wenn Sie mich fragen, wir sollten in die Entwicklung investieren. Mal so gesehen, wenn wir Sachsen loswerden könnten, das wäre das eine – aber was wäre das gegen Deutsch-Mallorca?“





Inklusionshilfe

25 11 2020

„So richtig logisch ist das mit Weihnachten jetzt aber auch nicht.“ „Ich bitte Sie, irgendeine Art von Kontaktbeschränkung mussten wir auferlegen.“ „Die Frage ist doch, wem.“ „Das kann man nur für die Allgemeinheit machen, in der Pandemie sind wir alle gleich.“ „Und warum dann nicht auch zu Weihnachten?“ „Sagen Sie’s mir.“

„Um es noch mal zu verstehen: wir haben diese Verhaltensregeln gerade noch einmal verlängert, um die weiterhin exponentiell ansteigenden Infektionen einzudämmen, und in den Weihnachtstagen reißen wir dann alle Erfolge wieder ein.“ „Denken Sie doch mal an die Kinder.“ „Mache ich ja, es ändert nur nichts am Ergebnis.“ „Deshalb hat man Kinder unter vierzehn ja auch gar nicht in den Regelungen berücksichtigt.“ „Weil die sich nicht infizieren?“ „Doch schon, aber nur in der Schule.“ „Wenn ich es richtig verstanden habe, dann wurde bisher immer erklärt, die Kinder würden sich nur zu Hause und nicht in der Schule anstecken.“ „Das ist ja auch richtig, aber das gilt nicht während der Schulferien. Die Gefahr ist während der Weihnachtstage genau andersherum.“ „Muss man das verstehen?“ „Die Deutschen haben jedenfalls ein Recht auf ein fröhliches Weihnachtsfest, das werden Sie doch nicht auch noch in Frage stellen?“

„Warum hatten wir dann keine Sonderregelung für den Ramadan?“ „Nun, dies ist ein Land mit jüdisch-christlicher Leitkultur, da können Sie nicht jede beliebige Religion zum Maßstab machen, wie Sie lustig sind.“ „Mit anderen Worten: der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ „Das hat doch mit der Pandemie jetzt nichts zu tun.“ „Dann hätte man den Ramadan im vergangenen Frühjahr auch durch eine Ausnahmegenehmigung erleichtern können.“ „Weihnachten ist nun einmal das wichtigste Fest in Deutschland.“ „Ungefähr die Hälfte der Deutschen sind keine Christen.“ „Ungefähr die Hälfte der Deutschen sind aber welche.“ „Und wie viele davon auf dem Papier?“ „Das ist eine theoretische Frage, und Sie unterschlagen Tausende von orthodoxen Christen, die…“ „… erst im Januar Weihnachten feiern.“ „Trotzdem gehören die irgendwie zu uns.“

„Dann wüsste ich auch gerne, warum man Chanukka…“ „Hören Sie doch mal zu, es heißt: jüdisch-christliche Leitkultur, Sie Ignorant.“ „… in Deutschland nicht feiern darf.“ „Darf man nicht? gut, sind eh nu ein paar Tausend.“ „Darf man schon, aber eben nicht mit der ganzen Familie.“ „Sie sind ja hervorragend informiert über diese Religion, aber Sie wissen nicht einmal, dass Juden hierzulande sehr zurückgezogen leben.“ „Was Sie nicht sagen.“ „Die meisten würden nicht mal ihren Nachbarn oder jemandem auf der Straße erzählen, dass sie Juden sind.“ „Vermutlich würde sonst jeder mit ihnen Chanukka feiern wollen.“ „Nehme ich mal sehr stark an.“ „Weil das so ein beliebtes Fest für die Familie ist.“ „Sagt man, ja.“ „Und für Kinder.“ „Ich möchte das nicht generell ausschließen.“ „Warum kann man dann nicht auch für so ein Fest eine Ausnahmegenehmigung schaffen?“ „Das wäre ziemlich kompliziert, und in der Pandemie könnte man keinem erklären, warum man Tausende, die sich wegen eines Festtages nicht an die allgemeinen Vorschriften halten, weil sie in Ruhe mit der ganzen Familie feiern wollen, ausnehmen wollte.“ „Aha, ich verstehe.“ „Das kann man wirklich keinem erklären! Religion ist doch kein Freibrief für so ein hirnrissiges Verhalten!“ „Oh ja.“ „Vor allem nicht eine, die gar nicht die Bevölkerungsmehrheit in, sagen wir mal, ideologischer Hinsicht vertritt.“ „Was Sie nicht sagen.“ „Das wäre ja politisches Judentum! Sind wir hier etwa im Westjordanland!?“

„Könnte man nicht die religiösen Vorstellungen der Bevölkerung ein bisschen besser vereinen?“ „Sie meinen als Inklusionshilfe für Personen aus fremden Kulturen?“ „Wenn Sie das so nennen wollen?“ „Okay, man könnte die Juden auffordern, dass sie ihr Zeugs da auch zu Weihnachten feiern.“ „Meinen Sie das ernst?“ „Das wäre aus Gründen des Infektionsschutzes großes Entgegenkommen von Seiten der richtigen Deutschen.“ „Meinen Sie, das deutsch-jüdische Verhältnis würde sich von einem derart emotionalen Gnadenakt erholen?“ „Die müssten einfach mal über ihren Schatten springen.“ „Ach, das klingt ja machbar.“ „Sehen Sie? Man kann auch aus einer Krise eine Chance machen.“ „Und die Infektionen?“ „Da müssten wir allerdings einen Weg finden, dass sich nicht auch noch die Deutschen an denen anstecken.“ „Zum Beispiel durch Verbot synagogaler Feiern?“ „Das klingt schon mal vielversprechend, aber wir müssen schauen, ob das ausreicht.“ „Und ansonsten könnte man die Feiertagsregelungen einfach übernehmen?“ „Naja, ich habe von diesen Festen keine Ahnung, man muss einfach mal sehen, ob sie eine wirkliche Gefahr für die Mehrheitsbevölkerung darstellen.“ „Die meisten dürften einfach nur im Kreise ihrer Familien zusammensitzen.“ „Das ist jetzt nicht unbedingt eine Bedrohung für das Gemeinwesen.“ „Ab und zu scheint es zum erhöhten Verbrauch von Zuckerzeug zu kommen.“ „Also quasi wie bei uns zu Weihnachten?“ „So ähnlich.“ „Einmal im Jahr ist das normal, man möchte sich ja auch mal von den Richtlinien einer streng monotheistischen Religion erholen, nicht wahr?“ „Das sehe ich auch so.“ „Und danach können wir dann den Lockdown aber mit voller Härte wieder durchziehen, weil wir von den Minderheiten hier im Stich gelassen werden.“ „Von denen rede ich ja gerade.“ „Was!?“ „Und danach ist sowieso wieder Ramadan.“ „Typisch, wir schränken uns ein, und die profitieren dann davon!“ „Das ist ja auch erst im April.“ „Sie haben ja keine Ahnung!“ „Kann es sein, dass es hier ausnahmsweise mal gar nicht um die Wirtschaft geht?“ „Warum wohl sind die Gaststätten zu und die Schulen offen?“