Mit beschränkter Haftung

8 06 2017

„Man könnte zum Beispiel Sponsoren anwerben.“ „Mathe mit Gummibärchen?“ „Wie kommen Sie auf Gummibärchen?“ „Die Frage sollte eher sein, wie kommt er auf Mathe?“ „Irgendwo muss man schließlich anfangen.“ „Aber doch nicht unbedingt bei Mathematik!“ „Sind Ihnen private Schulklos denn lieber?“

„Wir könnten es doch im ersten Schritt mit einer Teilprivatisierung versuchen.“ „Erstmal nur den Matheunterricht?“ „Erstmal nur die Schulklos.“ „Warum nicht den Mathematikunterricht?“ „Denken Sie doch mal nach, Kollege!“ „Weil man für die Toiletten viel einfacher Geld bekommt.“ „Und wenn man einfach den Mathematikunterricht kostenpflichtig machen würde?“ „Gute Idee.“ „Hm. Kann man.“ „Kann man?“ „Das ist gar nicht so schlecht, man könnte beispielsweise bestimmte Fächer kostenlos unterrichten und für andere Geld verlangen.“ „Sehr gut, dann bräuchten wir nur eine Schule und würden dann die einzelnen schulischen Ausbildungslaufbahnen durch finanziell gesteuerte Ausschlusskriterien definieren.“ „Und was haben wir jetzt?“ „Ach so.“ „Na, dann…“

„Diese öffentlich-privaten Partnerschaften, die stehen doch seit jeher in der öffentlichen Kritik.“ „Aber eben nicht in der privaten.“ „Stimmt auch wieder.“ „Es geht ja hier auch eher um funktionale Privatisierungen.“ „Ach so.“ „Na, dann…“ „Da sind wir ja noch mal davongekommen, oder?“ „Und was versteht man darunter?“ „Das weiß ich auch nicht.“ „Ach so.“ „Na, dann…“

„Nein, jetzt erklären Sie mal.“ „Also das ist wie eine Trennung.“ „Von öffentlichen und privaten Schulen?“ „Nein, wenn Sie sich scheiden lassen.“ „Dann kann ich doch trotzdem entscheiden, dass meine Kinder in eine private Schule gehen.“ „Ja, aber wer zahlt dafür?“ „Für die Schule?“ „Für die auch, aber eher für die Kinder.“ „Die sind doch eh privat.“ „Nicht alle.“ „Aber…“ „Nein, noch mal von vorne: Sie trennen sich, und dann sind Ihre Kinder…“ „Wo ist denn da jetzt das Funktionale?“ „… bei Ihrer Frau.“ „Ach so.“ „Na, dann…“ „Und Sie zahlen dafür.“ „Wofür?“ „Dass sie Ihre Kinder alle zwei Wochen einmal sehen.“ „Und für wen ist das jetzt ein Vorteil?“ „Für Sie natürlich. Sie dürfen sich immerhin an der Finanzierung Ihrer Kinder beteiligen. Das zeigt, dass Sie ein guter Vater sind.“

„Man kann das doch als Gesellschaft mit beschränkter Haftung aufziehen.“ „Genau!“ „Schließlich kann man von einem privaten Träger, der eigentlich nur für die Gewinne zuständig ist, nicht auch noch erwarten, dass er sich mit der Haftung abgibt.“ „Das sind ja auch staatliche Kompetenzen, gerade in Hinblick auf Schulen.“ „Außerdem, die Preisstabilität.“ „Die was, bitte!?“ „Preisstabilität. Sie können doch nicht erwarten, dass die Eltern jährlich mehr bezahlen für die Schulbildung ihrer Kinder.“ „Das wäre ja fast wie bei Steuerzahlern!“ „Geht gar nicht.“ „Eben!“ „Es könnte doch auch positive Effekte haben, wie wir das bei den Autobahnen erwarten.“ „Sehr richtig!“ „Die Preise für die Nutzung steigen kontinuierlich an, die Bürger können sich das Autofahren nicht mehr leisten, die Umweltbelastung sinkt, kein Feinstaub, weniger Unfalltote, alles paletti.“ „So macht man vernünftige Verkehrspolitik!“ „Wie sieht es aus bei verschmutzungsbedingten Krankheiten?“ „In Bezug auf die Schulen?“ „Für Dienstleistungen ist das gar nicht schlecht.“ „Sie meinen, wenn man das Gesundheitswesen eh privatisiert…“ „… dann kann man’s auch gleich in die Schulen integrieren.“ „Je nach Zuzahlung halt.“ „Logisch, das würde ja die natürliche Auslese unterstreichen, die bisher im Bildungssystem immer zu kurz kam.“

„Und wie sollte man das jetzt verfassungsmäßig machen?“ „Verstehe ich nicht.“ „Ist denn überhaupt wichtig?“ „Bleiben Sie doch mal auf dem Teppich.“ „Wir haben ja noch nicht die Justiz privatisiert.“ „Würde ich sowieso erst nach der Privatisierung der Gefängnisse in Angriff nehmen.“ „Wegen der Schulklos?“ „Er meint sicher Mathematik.“ „Ach so.“ „Na, dann…“

„Außerdem belebt Konkurrenz das Geschäft.“ „Wir könnten uns beispielweise einen Schulzweig leisten, der Evolution und Klimawandel beibringt.“ „Und einen, der darauf verzichtet.“ „Sehr gut, das stärkt die Meinungsvielfalt in der demokratischen Gesellschaft.“ „Wobei wir natürlich gewisse Minimalanforderungen haben sollten.“ „Wie sollten die denn sein?“ „Naja, minimal eben.“ „Das sollten wir wohl hinkriegen.“ „Andererseits haben wir in den Vereinigten Staaten schon 125 Millionen Analphabeten.“ „Das wird in Deutschland nicht passieren.“ „Woher wollen Sie das wissen?“ „Wir sind nur 82 Millionen.“ „Auf der anderen Seite, sind Sie sich ganz sicher, dass wir nicht irgendwann auch so einen Präsidenten bekommen?“ „Das werden wir nicht mehr erleben.“ „Stimmt auch wieder.“

„Aber ich muss Ihre Euphorie doch ein bisschen dämpfen.“ „Was soll da schon passieren?“ „Wir machen das halt zu einem Anlageprodukt.“ „Mit Derivaten.“ „Und Leerverkäufen.“ „Ungedeckt?“ „Logisch.“ „Super!“ „Die ganze Sache ist komplett durchgeplant…“ „Das wollten wir auch so gehofft haben.“ „Ist doch wohl das Minimalziel.“ „… von Alexander Dobrindt.“ „Bitte!?“ „Na, dann…“





Recht auf Arbeit

23 05 2017

„… ein Recht auf Arbeit als Grundrecht in der Verfassung verankern wolle. Der Bundestag habe diesen Vorstoß als nicht…“

„… bereits in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte erscheine. Die SPD sehe daher keine Chance, dies auch in Deutschland zu…“

„… jedem Deutschen das Recht auf Arbeit zugestehe. Eine freie Berufswahl sei dagegen mit den verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen der Agenda 2010 nicht mehr zu…“

„… sich die Bundesregierung vehement gegen die Einschätzung wehre, sie habe bisher auch nur eine einzige verfassungswidrige…“

„… anders konstruiert werden müsse. Zwar gebe es ein Recht auf Arbeit, die Bürger müssten aber, wenn sie dieses Grundrecht nicht wahrnehmen wollten, sofort mit Sanktionen dazu…“

„… führe ein Recht auf Arbeit dazu, dass alle Menschen dasselbe Recht auf eine selbstbestimmte Erwerbstätigkeit bekämen. Lindner habe diese von sozialistischen Parasiten inszenierte Neiddebatte als schlimmsten Angriff auf die Menschenwürde seit der Einziehung des NSDAP-Vermögens im…“

„… zunehmend wahrgenommen werde, obwohl es nicht den eigentlichen Absichten entspreche. Der Gesetzgeber könne gegen das Recht, ohne einer Gewerkschaft anzugehören, in Deutschland…“

„… ende die Einführung eines derartigen Rechts nur damit, dass niemand mehr arbeiten wolle. Nahles fordere daher ein bedingungsloses Recht auf Leistungsbereitschaft, das nicht in der…“

„… in der DDR auch praktiziert worden sei. Dort habe man unqualifizierte Arbeitskräfte im Politbüro des…“

„… nicht die Mindestkörpergröße von Beamten im Polizeidienst berühre, die für den…“

„… die Hälfte in Finanzdienstleistungen sowie in der allgemeinen Verwaltung tätig sei. Für diese Beruf gelte höchstens das Recht auf Beschäftigung, was im Gegensatz zum…“

„… sich ein Recht auf Arbeit bereits in der staatlichen Finanzierung der Arbeitslosigkeit verwirkliche. Da es kein Recht auf Arbeit geben könne, wolle Nahles auch die Arbeitslosigkeit nicht mehr staatlich…“

„… die Bundesvereinigung Ehemaliger Deutscher Schreibmaschinenmechaniker sich entschieden für eine verfassungskonforme…“

„… staatsrechtlich nicht möglich sei. Sobald alle Bürger ein Recht auf Arbeit besäßen, hätten die Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit kein derartiges Recht mehr, was sich wiederum als…“

„… man auf der anderen Seite Politiker mit einer Arbeitspflicht belegen könne. Dies sei jedoch nicht als allgemeine…“

„… die FDP nur dann einer verfassungsrechtlich bindenden Regelung zustimmen würden, wenn es ein Recht auf Erbschaft, Steuerhinterziehung und betriebswirtschaftlichen…“

„… es einen anhaltenden Fachkräftemangel im Postkutschenbau gebe, der durch das Recht auf Arbeit sofort…“

„… ad hoc im Grundgesetz verankern könne. Im Gegenzug sei ein Recht auf Lohn natürlich kein verfassungsrelevanter…“

„… zustimmen würde. Lindner halte eine Aufnahme ins Grundgesetz für sinnvoll, wenn im Gegensatz das aus der DDR-Justiz bekannte asoziale Verhalten wieder im…“

„… eine Arbeitsrechtsschutzversicherung vorschlage, die zur Hälfte von den Arbeitnehmern finanziert werden solle. Sie schütze zwar Bürger ohne Arbeit nicht vor der Willkür der JobCenter, sei jedoch ein guter Weg, mehr sozialdemokratische Politik in die…“

„… nicht direkt mit den Freidemokraten in Verbindung gebracht habe. Asoziales Verhalten sei zwar Wesenskern der Partei, beziehe sich aber weder auf den Arbeitsmarkt noch…“

„… nur Deutschen einräumen könne. Da das Grundgesetz nach Ansicht der Christsozialen ohnehin nur für Staatsbürger gelte, könne man mit einer Obergrenze das Recht bis zur letzten Patrone…“

„… dass kein Recht auf Vollbeschäftigung gelte. Man könne die geleisteten Arbeitsstunden daher proportional auf die verfügbare Bevölkerung umschlagen und von einem bereits vollumfänglich gültigen…“

„… für alle gelte. Von Storch wolle das Kinderrecht auf Arbeit vorerst allerdings nur für rassefremde Invasoren und…“

„… gebe es nun offiziell keine Arbeitslosen mehr, da die Bezeichnungen arbeitslos und erwerbslos in der Statistik als Synonyme geführt würden. Damit sei das Recht auf Arbeit nun endlich auch auf verfassungsrechtlicher Ebene…“





Börsencrash

1 05 2017

„Fußball ist jetzt eher raus. Vielleicht können Sie einen Handballschiedsrichter umfahren oder einen Tennistrainer, aber ansonsten würde ich aus dem Sport erstmal die Aktivitäten abziehen. Das ist nach der letzten Aktion nicht wirklich anzuraten. Am Ende kriegen Sie Stress mit der Borussenmafia.

Wenn Sie wirklich mit terroristischen Mitteln die Börse beeinflussen wollen, müssen Sie schon ein bisschen kreativer vorgehen. Natürlich können Sie Sprengsätze verwenden, das hat gegen den Reichstag ja auch geholfen. Nein, ernsthaft, Sie brauchen schon eine geeignete Vorgehensweise mit Management-Erfahrung. Warum sollten wir sonst einen Einzeltäter ernst nehmen? Schauen Sie, das ist das Geheimnis von al-Qaida: großes Netzwerk, sehr gute Organisation, wahrscheinlich zertifizierte Prozesse in der Attentatsdurchführung, Leitbild mit strengen metaphysischen Richtlinien – was sind dagegen die Nazis? Wirrköpfe, Einzeltäter, alles nicht ordentlich organisiert, der NSU beispielsweise hatte nicht einmal ein vernünftiges Organigramm, da wusste keiner, wer da die Hausfrau und wer die Waffenmeisterin war – also die Islamisten sind da den entscheidenden Schritt weiter. Sie verteilen die Bekennerschreiben einfach frei nach Schnauze, das kann doch nicht gut gehen! Und dann auch noch von links nach rechts verstreut, haben Sie denn gar kein Gespür für Börsenwerte?

Überlegen Sie mal: ein linksradikaler Angriff auf Luxuslimousinen oder eine Attacke besorgter Mitbürger auf landfremde Elemente mit negroider Hautfarbe, wer büßt denn da Rendite ein? Eben, mit einem Brandsatz in einer Kuffnuckenbaracke ist doch nichts passiert, da wacht heutzutage nicht mal die Lokalpresse auf. Aber wenn Sie eine S-Klasse in Brand stecken, nur weil der Besitzer wegen Steuerhinterziehung auf freien Fuß gesetzt werden musste angesichts der vielen, vielen überbelegten Knäste, das schafft eine Option nach der anderen. So schnell können Sie gar nicht nachordern.

Oder nehmen Sie die alternative Energieszene. Sie brauchen bloß eine Wagenladung polnische Zuchtgänse in die Windräder rauschen zu lassen, und schon sind die rot-grünen Knalltüten gegen ihre eigenen Ideen. Vielleicht testen Sie das mit einer Tüte Wellensittiche an, wenn Sie vorab nur ein paar Optionen geshoppt haben. Aussteigerprogramme gibt es ja eher in der rechtsradikalen Szene, in der marktradikalen Szene aber ein Einsteigerprogramm zu suchen, das ist echt Arbeit. Nein, wir kriegen das hin, dafür habe ich die Drecksäcke jahrlang beraten. Westerwelle, Niebel, Möllemann. Hätten Sie einen Acker mit Aufschlagversicherung in Nordrhein-Westfalen, Sie wären ein gemachter Mann.

Sicher könnten Sie auch mit Derivaten arbeiten. Sie müssten nur in aufliegende Immobilienfonds investieren, dass sich auch genug Investoren in der Einflugschneise der Windräder niederlassen – die wissen natürlich vor dem Grundstückskauf, was Ihnen blüht, aber nach dem Hausbau können Sie sich nicht mehr erinnern, etwas unterschrieben zu haben – Deutschland, außerdem finden Sie hier immer einen Rechtsanwalt, der Sie vertritt, obwohl er weiß, dass Sie nicht alle Rillen auf der Erbse haben. Das können wir unter der Königsdisziplin abhaken, und das heißt Rendite, Rendite, Rendite!

Vielleicht probieren Sie es mal mit einzelnen Sportlern. Hauen Sie Kerber die Kniescheiben weg, oder Greipel, oder brechen Sie Neuer den – hat er schon? schade, das wären mindestens zehn Punkte gewesen. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein. Buchmesse? nee, da kommen Sie als Randnotiz im Feuilleton, wenn überhaupt. Einen Nobelpreisträger über die Wupper bringen wäre schon ganz okay, aber Bob Dylan kriegen Sie nicht. Keine Chance.

Vor allem müssen Sie sich von einer eingeübten Sichtweise befreien. Die Menschen, die Sie hier beurteilen, stehen in keinem Bezug zu ihrem Leben, also müssen Sie auch keine Bedenken tragen. Einen Börsencrash kriegt man ja nicht nur hin, indem man die Börse in die Luft jagt, obwohl – irgendwie ist das auch eine ganz interessante Idee, das würde in den Abendnachrichten an erster Stelle, ach was sage ich: diese völlig überflüssigen Börsennachrichten davor, die Aktienhändler interessieren sich nicht für dieses Amateurgefasel, die Zuschauer verstehen nicht einmal, worum es eigentlich geht, diesen Murks könnten Sie mit einem sauberen Attentat vollkommen aushebeln! Traumhafte Quoten in der Nachrichtensendung, und erst die Schlagzeilen! Das ist Medienmusik, ja? Vergessen Sie die Bundesliga, gehen Sie nach Frankfurt, da wird die Wurst warm! und dann rocken wir da mal ordentlich das Parkett, da bleibt aber kein Auge trocken!

Natürlich können Sie mit dem Anschlag auch bis zum nächsten AfD-Parteitag warten, aber da werden Sie Volksheld. Höchstens. Und jetzt sagen Sie mir nicht, dass das für Sie ausreicht!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXVI): Home Office

24 03 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Früh am Abend stand brüllend der Bulle vor dem Eingang zur Eigentumshöhle. Auf der Jagd war wieder etwas schief gegangen, natürlich nicht zum ersten Mal, und die züchtig waltende Hausfrau hatte wieder den ganzen Schlamassel. Immer dasselbe. Ständig brachte sich Ngg Arbeit mit nach Hause. Vermutlich entstand so das Home Office.

Während die Milch überkocht, darf Mutti die Quartalszahlen aufbügeln und auf den Rückruf des subalternen Controllingfuzzis warten, der noch nicht einmal bemerkt, wann die Kollegin außer Haus ist, und ihr gewohnheitsmäßig einen Festmeter Papier auf den Schreibtisch klotzt, den sie bei wöchentlicher Rückkehr mit steigendem Interesse an Zimmerbränden mustert. Seine externe Duftmarke setzt der Betrieb jeden Tag, und sei es durch unsinnige Kontrollaufträge, die die Fernkraft wie gewohnt abarbeitet. Wann immer der Piepser anschwillt, pfeift proportional der Blutdruck durchs Innenohr der externen Angestellten. Doch hier draußen hört einen keiner schreien.

Das Urbild der Werkstatt, da der Meister mit Familienanschluss zünftig schafft, es geistert noch durch dumpfe Schädel der bis heute amtierenden Vergangenheiten – das Einbrechen industrieller Produktion, den Wandel vom staubigen Kontor zum aseptischen Großraumgulag verdrängen sie, wo es in den Kram passt – und wird mit ebenso nebulösen Vorstellungen von technischem Fortschritt zu einem Brei von daher notwendiger sozialer Progression verschwiemelt. Sie ist im Grunde jedoch nicht viel mehr als die Verlagerung von Machtstrukturen ohne den notwendigen Ausgleich.

Bereits die Überwucherung der Arbeitswelt mit Teilzeitstellen schafft eine Form von Ausgrenzung, die jeden vernünftigen Betriebsablauf in ein Fest des Getriebesands verwandelt. Wer nichts vom Kollegen auf der anderen Schreibtischseite erfährt, weil er nachmittags nicht mehr im Büro ist, hemmt die reibungslose Kommunikation und ist nach Ansicht der meisten Unternehmensberater auch noch selbst schuld an seinem Dilemma – er könnte ja acht Stunden lang den Drehstuhl wärmen und jeden Atemzug des Vorgesetzten im Nacken spüren. Durch die Auslagerung auf entfernte Kontinente ist die Verständigung endgültig gekappt, unerreichbar weit hockt ein einzelner Mensch am Küchentisch und liest schütteres Wortkompott, muss sich jede Nachfrage über den Fernsprecher erkämpfen – daher Telearbeit – und harrt aus in verröchelnder Motivation, von der bald nur noch karger Schatten bleibt. Horden von Fachkräften kauern im fleckigen Feinripp, in unfarbenen Pyjamas oder kratzigen Bademänteln vor ihren digitalen Endgeräten, tippen die Apokalypse ein und wissen, dass sie niemals aus der Isolationshaft herauskommen werden.

Natürlich freut sich die Wirtschaft über den Segen am anderen Ende der Leitung. Billige Arbeitskraft zu schlechten Konditionen wird als gut verkauft, wo immer Löhne nicht ausufernd steigen, das heißt: gar nicht. Die Politik ist entschlossen, den Schmodder noch zu fördern, vor allem da, wo sie damit gleichzeitig fordern kann. Dumpfdüsen jeglicher Couleur aus dem Regierungslager jodeln jahrein, jahraus das Loblied von noch mehr, immer mehr Fernarbeit, wohl wissend, dass nur die wenigsten Gewerke überhaupt Arbeit in die eigene Butze mitschleppen können. Macht aber nix, für den Wahlkampf reicht dann die launige Mär von der geplanten Steigerung, meist mit ausgedachter Quote derer, die angeblich unbedingt und sofort eine komplette Registratur im Bügelzimmer aufbauen wollten. Die Work-Life-Balance, jene Drahtseilnummer für hoffnungslose Romantiker, kippt aus reiner Gerechtigkeit auf die Restfamilie, die mit einer Halbgestalt zurechtkommen muss und nur widerwillig akzeptiert, dass Vati auch samstags nicht dem Nachwuchs gehört. So werden schon in jungen Jahren unschuldige Kinder Komplizen des übergriffigen Outsourcing, das sich bis ins traute Heim tentakelt. Samstags gehört Vati eben doch dem Controlling, und wenn nicht, ist er bald noch viel öfter tagsüber zu Hause. Aus dem einfachen Spagat wird mählich eine Doppelbelastung, die alle Knochen bricht.

So verausgabt sich ein selbstausbeuterischer Teil der Schäfchenherde in vorauseilendem Gehorsam für eine Arbeitgeberschaft, der das völlig wumpe ist. Ehen werden zerschmirgelt unter den Steinen der Freiheit, die sich andere nehmen, Karrieren im Morast des beharrlichen Schweigens versenkt, das sich spiralförmig ausweitet bis in den Schlaf der Vernunft. Früher gab es noch Kriegerwitwen die im Schlafraum Kugelschreiber schraubten, heute pinnt die Zielvereinbarung den Erfolg am Horizont fest. Wer hier allein ist, wird es lange bleiben. Wie an der Nabelschnur hängen seufzend die Erniedrigten an der Netzwerkstrippe, allein dies ist Hoffnung für die Schlachtopfer der technischen Machbarkeit. Denn angesichts der verhunzten Digitalisierung weiß der gemeine Mann: ohne vernünftiges Internet wird das sowieso nichts. Alles richtig gemacht.





Freie Markenwirtschaft

16 02 2017

„… da er in seiner Rede zum Verteidigungshaushalt mehrmals ohne einen Zusammenhang zum Thema die Hotelkette West Eastern genannt habe. Der haushaltspolitische Sprecher der…“

„… es sich nicht um einen Einzelfall gehandelt habe. Da die Ehefrau des Fraktionsvorsitzenden eine Leitungsfunktion im Süßwarenkonzern Mulli innehabe, werde das Produkt Fruchtschleckerli gezielt in allen Landesverbänden der Partei zu internen Sitzungen und wahlkampfbedingten…“

„… im hessischen Landtag Flyer für die Naturheilpraxis ihres Lebensgefährten ausgelegt habe, der erst kürzlich nach Wiesbaden gezogen sei. Zusätzlich habe sie mehrmals ein T-Shirt mit dem Rückenaufdruck Homöo Faberim Plenarsaal und in der…“

„… da West Eastern nur für Mitglieder seiner Partei ein preisreduziertes Angebot für Einzelzimmer mit Frühstück bereithalte. Der Beherbergungsbetrieb komme damit etwaigen Befragungen zuvor, die der jüngst eingesetzte Untersuchungsausschuss…“

„… es nicht im engeren Sinn um Wüstenhube gehe, sondern allgemein um Baufinanzierung. Die Landesgruppenchefin habe nur den ersten Namen genannt, der ihr in der parlamentarischen Auseinandersetzung in den…“

„… auch rechtliche Konsequenzen für den Sender nach sich zögen. So habe er bewusst in der Talkshow die Schuhsohle mit dem aufgedruckten Slogan Fruchtschleckerli, die schmecken! in die Kamera…“

„… die Bürgersprechstunde dazu genutzt habe, den Besuch der Heilpraxis zu empfehlen. Nach mehreren Beschwerden habe sie sich zunächst auf Twitter, dann auch in anderen…“

„… die Konferenz zur inneren Sicherheit der EU-Staaten in West Eastern Meeting umbenennen wolle. Der Justiziar der Golden Rose Group habe eine kartellrechtliche Aufklärung der Vorgänge mit sofortiger…“

„… nur mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt worden sei. Das Bundespräsidium habe erst kurz vor der geplanten Freigabe erfahren, dass sich der Spitzenkandidat auf den Wahlplakaten mit einer Tüte Fruchtschleckerli habe zeigen wollen, um die jüngere Zielgruppe zu einer…“

„… müsse man im Niedrigzinsumfeld auch dazu übergehen, Bausparverträge einseitig zu kündigen. Dieses habe sie wahrheitswidrig als Verhalten dargestellt, dass alle Bausparkassen mit Ausnahme von Wüstenhube praktizierte, so dass sich die Frage stelle, warum diese einseitige…“

„… Aktienpakete im Wert von fast zwei Millionen Euro erworben habe. Zeitgleich habe der haushaltspolitische Sprecher begonnen, Interviews nur noch dann zu geben, wenn die Kamera das Logo von West Eastern im Hintergrund…“

„… gehe es auch um zweckentfremdete Mittel zur Sanierung eines Schwimmbades sowie eines Kinderhospizes, die der Abgeordnete in seinem Wahlkreis für die Erweiterung der Mulli-Werke von 2007 bis einschließlich…“

„… beide Söhne im Vertrieb der Bausparkasse Wüstenhube arbeiten würden. Sie selbst habe einen Guthabenzins von 5,5% zugesichert bekommen, was angesichts der derzeitigen Entwicklung in der Finanzbranche kaum zu…“

„… eine einstweilige Verfügung erwirken wolle, da das Wahlplakat mit der Aufschrift ‚Politik ohne Schleckerli‘ geeignet sei, einen schweren Schaden für das bekannteste deutsche…“

„… insgesamt hundert Politikern, darunter dem gesamten Bundespräsidium, mehrtägige Aufenthalte in den West Eastern Hotels in Florida, Thailand, Südfrankreich, in Aspen, auf Hawaii und in den kanadischen…“

„… nicht als Wählerbeeinflussung zu verstehen sei. Es bleibe weiterhin erlaubt, an Schulen und Kindergärten Fruchtschleckerli in neutraler Verpackung zu verteilen, die keinerlei Rückschlüsse auf die Partei oder ihre politische…“

„… den Stand in der Fußgängerzone zwar für die Bundestagswahl beantragt, dann aber ausschließlich Prospekte und Informationsmaterial von Wüstenhube ausgelegt habe, so dass von einem politischen…“

„… von einem Insider berichtet worden sei, dass Mulli bereits 2014 damit begonnen habe, die zu je einem Viertel rot, gelb, schwarz und grün eingefärbten Fruchtschleckerli seien entsprechend der Landesregierung im Auslieferungsgebiet in ein anderes Mischungsverhältnis …“

„… Staatsgäste fast ausschließlich in West Eastern Hotels unterbringen wolle. Der Bundesrechnungshof habe dies Ansinnen bereits im Vorfeld als vollkommen…“

„… die Eintragung eines nicht erworbenen akademischen Grades im Personalausweis beantragt habe, da die Bezeichnung Dr. Faber für den gelernten Fliesenleger eine lukrativere…“

„… es sich beim neuen Testimonial, das auf Printanzeigen Fruchtschleckerli lutsche, um die Tochter des Fraktionsvorsitzenden handle. Das vierjährige Kind sei noch nicht geschäftsfähig, so dass die Einnahmen als nicht deklarierter Nebenverdienst des…“

„… beantrage sie die Entlassung sämtlicher Mitglieder des Untersuchungsausschusses, der den Verkauf von Bausparverträgen an…“

„… die Auslieferung einer wahlbezogenen Sonderedition der Fruchtschleckerli mit einem Eilantrag zu verhindern, da die Gefahr bestünde, durch ein Missverhältnis der Farben der Süßware eine erneute Beeinflussung des…“

„… mit dem Vorfall in Verbindung gebracht werde. Der ehemalige haushaltspolitische Sprecher sei im Berliner West Eastern leblos in seiner Suite aufgefunden worden. Es gebe keinen Hinweis auf Fremdverschulden, ebenso könne ein Unfall aufgrund der Spurenlage nicht…“





Kinder an die Macht

1 02 2017

„… gefordert habe, das von der UNO beschlossene Verbot von Kinderarbeit auf nationaler Ebene nicht zu ernsthaft durchzusetzen. Es vertrage sich nicht mit den ethischen…“

„… den Lebensstandard nicht mehr halten könne. Die völkische Reproduktion, so Petry, müsse sofort auf das antideutsche Erbgut beschränkt werden, um geblütmäßig minderwertiges Gezücht von der Infiltration in die Rasse des…“

„… klar gegen jede Form von Kinderarbeit sei, die als spätimperialistische Form der Sklaverei die Menschenrechte verhöhne. Der SPD-Konvent habe eine einstimmige…“

„… zu viel Zeit mit Schulbesuch verplempert würde. Gauland wolle den Nachwuchs zu guten Bürgern erziehen, die nicht dabei gewesen seien und sich trotzdem für die Ehre von Führer, Volk und Vaterland in die…“

„… und Kinderarbeit erst 2025 beendet werden solle. Der DAX sei angesichts dieser Zahl mit einem gewaltigen…“

„… einstimmig gewesen sei, nach Aussage von Nahles aber die Wahlurnen verwechselt habe. Die Sozialdemokraten seien eher für eine Abstimmung, um ihre Haltung zu Parteiprogramm, Verfassung und persönlichen Absprachen nochmals deutlich zu…“

„… müsse jede Parteimitgliedschaft hinfort auf die Rente angerechnet werden, sofern die Partei nicht von Umvolkung, zionistischem Schuldkult oder christlichem Abendland…“

„… filigrane Lötarbeiten von Industrierobotern erst unterhalb eines Lohnes von umgerechnet vier Cent pro Stunde rentabel seien. Bis dahin seien die Hersteller leider gezwungen, Schulkinder zum…“

„… die Höcke-Jugend nicht geeignet sei, als Körperschaft öffentlichen Rechts die…“
„… zwar richtig sei, dass Kinderarbeit ganze Generationen vom Schulbesuch abhalte. Dies sei jedoch auf die unteren drei Viertel der Gesellschaft beschränkt und sei daher als Blaupause für den…“

„… dass auch heute Rechtssicherheit für Kindersklaven herrsche. Nahles habe darauf hingewiesen, dass es ungeachtet einer vom Gesetzgeber beabsichtigten Verschlechterung der Lebensumstände von Kindern klare Grenzen gebe, bis zu denen Minderjährige Löhne von Ferienjobs, Geburtstagsgeschenke oder andere geldwerte Vorteile bei der Berechnung von…“

„… sich westliche Technologiekonzerne in zunehmendem Maße der Verantwortung bewusst würden, die sie für die Entwicklung ostasiatischer Staaten hätten. Es sei für die Unternehmen längst Konsens, die Versorgungslücke zwischen Kinder- und Jugendprostitution sozialverträglich zu…“

„… die Verhinderung des Schulbesuchs nicht nur negativ sehen. Durch eine stark verlängerte Berufstätigkeit könne der durchschnittliche Einwohner eines Entwicklungslandes fast ein Viertel des Äquivalent eines in der EU prekär beschäftigten…“

„… sich die EZB wegen des Asiengeschäfts gezwungen sehe, die Zinsen nochmals auf einen neuen Rekordwert…“

„… der westlichen Industriegesellschaft nicht zuzumuten sei, dass die Preise für Sportschuhe um fast ein Prozent in der Produktion und im Verkauf um mehr als das…“

„… viel mehr internationale Solidarität fordere. Gabriel wolle für die Opfer der Globalisierung in Südostasien und Afrika dieselbe Aufmerksamkeit wie für die unterernährten Kinder von Goslar, auch wenn ihm deren Lebensumstände komplett am…“

„… dass das Verbot legaler Kinderarbeit stets eine Vermehrung illegaler Kinderarbeit nach sich ziehe. Man müsse nach diesem Muster möglichst auch Waffenhandel, Strafrecht und…“

„… letztlich zu einer Verteuerung aller im Westen gebräuchlichen Fabrikate führen könne. Der Mangel an minderjährigen Fachkräften führe so zu einer globalen Katastrophe, die zur Senkung von Hartz IV, einer Anhebung der Kaltmieten und einem…“

„… dass eine postsozialdemokratisch erfahrene Globalisierung auch mit einfachen Mitteln wirken könne. Man verstehe, so Gabriel, die Kinderarmut in der Dritten Welt erst aus der Perspektive der Industriestaaten, wenn die Hartz-Gesetze deutsche Kinder wie den allerletzten…“

„… der durchschnittliche Fußball um mehr als einen ganzen Cent teurer würde, Luxusmodelle sogar um einen halben. Der finanzielle Ruin der Bundesliga sei nur noch eine Frage der…“

„… die tatsächliche Belastung nicht angerechnet werden dürfe. Lindner fordere eine Abschaffung der Steuern bei gleichzeitig dreifacher Rückzahlung der veranlagten…“

„… den Terrorismus aus Europa fernhalte, da die extrem geringe Lebenserwartung der Kinder eine Ausbildung zum Suizidbomber so gut wie…“

„… deutsche Experten dabei helfen könnten, die Ausbreitung von Gewerkschaften und Betriebsräten zu verhindern, um die Volkswirtschaften nicht…“

„… auch den betroffenen Regionen nütze, da Kindersoldaten dank industrieller Verwendung kaum noch eine militärische Rolle…“

„… auch die FIFA betroffen sei. Eine WM mit 96 Mannschaften reiche nicht mehr aus, um die Kosten der Geberstaaten zu verteilen, daher habe man eine Sondersteuer im…“

„… eine Grundversorgung von Kindern, deren Familien bisher nie das geringste Interesse an der Stabilisierung internationaler Bankhäuser gezeigt hätten, auf keinem vernünftigen…“





Privatvergnügen

12 01 2017

„Sie hatten sich beschwert, weil wir Ihren Fall nicht bearbeitet hatten? Das war das mit antisemitischen Äußerungen, richtig, aber das macht sonst meine Kollegin, deshalb muss ich gleich mal nachgucken, ob wir das bearbeiten dürfen.

Wir sind noch nicht so lange im Geschäft, das war hier mal eine Abmahnkanzlei, aber man muss sich ja auch neue Geschäftsfelder suchen, wenn das Business nicht mehr brummt. Einen eigenen Staat aufmachen und hoheitliche Aufgaben wahrnehmen ist nicht so einfach, die Beraterhonorare von den Reichsbürgern kann sich kaum einer leisten und die Zahlungsmoral ist bei denen auch nicht das Gelbe vom Ei – die überweisen Ihnen dann anderthalb Zilliarden Taler, und Sie finden bei Google den Wechselkurs nicht, können Sie echt vergessen – und da haben wir uns als Dienstleister umorientiert. Wir nehmen jetzt auch Rechte wahr, aber nur noch die, für die wir auch bezahlt werden.

Inkasso machen wir nicht, nein. Da besteht ja immer die Gefahr, dass Sie sich gerichtlich gegen die Forderungen zur Wehr setzen, und dann wird es für uns eng. So ab dem Urheberrecht haben wir uns mit der Thematik befasst, ab dann lief es eigentlich schon wie von selbst. Das ist eine öffentlich-private Partnerschaft, verstehen Sie? Ja, schon richtig, wie ‚Privat vor Staat‘, aber wenn Sie mal ganz genau im Grundgesetz nachlesen, dann sind wir ja alle ein bisschen Volk. Also der Staat, das sind dann wir. Das ist wie ein privater Sicherheitsdienst, der im Flüchtlingsheim den Asylanten die Fresse poliert, das würde Ihnen mit Beschäftigten im öffentlichen Dienst auch so passieren, aber wenn Sie das privat einkaufen, sind Sie nicht schuld und können die Rechnung hinterher anzweifeln. So Sachen wie die öffentliche Ordnung im weiteren Sinne sind dann besonders haushaltskonform geregelt, weil der Staat sie sich als Privatvergnügen leistet.

Im weiteren Sinne, weil wir uns auch über die Sicherheit Gedanken machen müssen. In Ihrem Fall hatte man Ihnen mit einem Brandanschlag gedroht, richtig? Das ist besonders bedauerlich, weil Sie als Leiter einer öffentlichen Einrichtung ja auch um die Sicherheit Ihrer Besucher besorgt sein müssen. Da geht es Ihnen nicht anders als uns, Sie sind ja auch irgendwo Privatmann, und dass Sie dem Staat da einen Dienst erweisen können, ist das nicht auch erhebend? ein bisschen wenigstens?

Doch, Sie haben das schon richtig gemacht. Wir sind für jede Form von Terror zuständig. Sehen Sie sich die Nachrichten an, das ist eine ganz große Wachstumsbranche, und angesichts der aktuellen Kompetenzverteilung in der öffentliche Verwaltung und in der Privatwirtschaft muss man Prioritäten setzen. Wir machen das, und wir setzen darauf, dass sich die Bürger ganz unseren Dienstleistungen im staatlichen Sektor anvertrauen. Sie würden ja mit einem Beinbruch auch nicht unbedingt nur in ein staatliches Krankenhaus gehen, sondern auch erst zu einem privaten Arzt, oder? Das ist so eins der Probleme mit dem Wirtschaftswachstum. Ja.

Auf der anderen Seite müssen wir da auch sehr ausgewogen vorgehen, deshalb werden wir auch bei terrorkritischen Aussagen öfter einschreiten. Sie verstehen das vielleicht nicht sofort, aber da ist eine ganze Entwicklung dahinter, die muss man dann aufhalten. Wenn Sie sich jetzt öffentlich gegen den Terror aussprechen, sagen wir mal, Sie rufen nach einem Terroranschlag öffentlich zum Frieden auf und vertreten die Ansicht, die Bevölkerung sollte da besonnen reagieren und sich nicht von Terroristen instrumentalisieren lassen, das wird dann schnell und gründlich entfernt. Wenn Sie sich verdächtig klar für unsere freiheitliche Ordnung aussprechen, Grundgesetz und so, staatliches Gewaltmonopol, das ist dann halt brandgefährlich. Die Terroristen sehen das ja auch, und die denken sich, das letzte Attentat hat zwar Todesopfer gefordert, aber da sind deutliche Symptome demokratischer Gegenwehr, die sprengen möglicherweise hinterher gleich die ganze Bundesrepublik in die Luft. Und wir können da nicht anfangen, neue Terrorzellen auszuheben, so schnell kommt der Verfassungsschutz gar nicht nach mit der Gründung, außerdem wäre das dann ja auch Symptombekämpfung, wir sollten das Übel an der Wurzel bekämpfen und gleich Provokationen ausschalten, wo wir welche finden.

Sie müssen das halt pragmatisch sehen, dem Verfassungsschutz geht es auch nicht so gut, und da brauchen wir Perspektiven. Sie kennen das sicher noch aus der ersten neoliberalen Ära, man haut ein paar Luftlöcher ins demokratische Rettungsboot, nach Möglichkeit nur in die Außenhaut, und dann wartet man bis zum Sinken, ob sich die Versicherungswirtschaft wirklich etwas erspart hat. Da schauen wir heute, wie weit die Bevölkerung sich bereits von der Demokratie entfernt hat, die die Ersatzorganisationen bis heute organisiert haben.

So, und nun noch einmal zu Ihnen. Was meinen Sie, warum sind die Leute so feindschaftlich gegen Ihre Körperschaft eingestellt, Herr Moischele?“