Bundesdatenautobahn

21 05 2018

„… sich nach dem durchschlagenden Erfolg des Dieselgipfels nun dem Mobilfunk zuwende. Die Christsozialen seien fest entschlossen, noch in dieser Legislaturperiode einen ganz neuen…“

„… eine Datenerhebung benötigt werde, um einen Funklochatlas in Deutschland zu erstellen. Bedauerlicherweise sei die Datenübermittlung der Standorte nicht ausreichend geplant worden, da sich durch die vielen Funklöcher eine geringe…“

„… habe Dobrindt die Digitalisierung der Funkmasten vorgeschlagen. Diese könne durch eine zusätzliche Abgabe auf CD-Rohlinge und…“

„… Landkarten an die Anwohner verteilen wolle. Diese bekämen die Aufgabe, die Ergebnisse der Netzabdeckungsanalyse über ein Webformular an das Bundesministerium für…“

„… und schwere Versäumnisse in der bisherigen Führung des Verkehrsministeriums angemahnt habe. Scheuer werde jetzt, da die Behörde in die richtigen Hände geraten sei, mit dem linksgrünen Fortschrittshass aufräumen und endlich die…“

„… IP-basierte Dienste auch von Telefonen genutzt werden könnten. Um die Netzneutralität zu stärken, schlage Dobrindt vor, vor jedem Gespräch eine kostenpflichtige Vergabe von IP-Adressen mit voller Mehrwertsteuer für…“

„… die Netzabdeckung verbessert werden müsse, da der Technologiestandort sonst auf lange Zeit keine Möglichkeit sehe, autonome Flugtaxis in den…“

„… ein größeres Investitionsvolumen nur durch die bereits existierenden Mobilfunkkonzerne zu leisten sei. Diese hätten bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass sie durch eine hervorragende…“

„… das interne Papier ausgesagt habe, in der CSU halte jeder sich für gottgleich und alle anderen für geistig behinderte Arschlöcher. Scheuer habe dem jedoch widersprochen; seiner Erfahrung nach habe in der Partei jeder recht und werde deshalb auch als…“

„… die Suche technisch nicht befriedigend zu lösen sei. Scheuer wisse aus eigener Erfahrung, dass man im Funkloch gar nicht mehr merke, dass man im Funkloch stecke, was die weitere Frage aufwerfe, wo ein Funkloch, das sich im…“

„… zunächst mit der Ausbesserung digitaler Schlaglöcher in Deutschland begonnen werden müsse. Die Bundesregierung verfolge eine Theorie, nach der eine Aufrüstung des Arbeitsspeichers in den Funkmasten für mehr Geschwindigkeit sorge. Aus finanziellen Erwägungen sei man davon überzeugt, dass 640 Kilobyte genug für…“

„… noch höhere Funkmasten brauche. Dobrindt werde sich für den Bau tausender Funkmasten in Deutschland verwenden, die so hoch seien, dass ihre Reichweite auch Bayern abdecke, ohne dass die Landschaft im Freistaat durch zusätzliche…“

„… ob eine Karte der deutschen Funklöcher mit strengeren Sicherheitsauflagen erstellt werden müsse. Nach einer Überlegung des bayerischen Innenministers Herrmann müsse man auch damit rechnen, dass sich Schwerstkriminelle gezielt in die Funklöcher zurückzögen, um überwachungsfrei Internetverbrechen und andere…“

„… die Staumelder-App versehentlich immer die CSU-Parteizentrale, das Bundesministerium für Verkehr und die…“

„… für eine bessere Planbarkeit das WLAN in den Zügen der Deutschen Bahn AG auf die Bundesautobahnen umbuchen wolle, da gerade hier ein Upgrade für mehr Service im…“

„… gerne aufgegriffen habe. Seehofer wolle in Zukunft den Bau von Moscheen in Europa nur noch durchsetzen, wenn diese statt eines Minaretts einen sich in staatlicher Kontrolle befindenden Funkmast auf dem…“

„… die Unterstützung der Landesregierungen eingefordert habe. Söders Zusage sei jedoch an das Versprechen geknüpft, jeden Funkmast in Bayern mit einem Kruzifix zu…“

„… müssten die Funklöcher so schnell wie möglich geschlossen werden, da sonst die Polizei im Freistaat keine lückenlose Überwachung der Telefonate, Standorte oder WhatsApp-Nachrichten, die bei einer rein theoretisch denkbaren Gefahr für den…“

„… die Benutzung des Mobilfunks außerhalb geschlossener Ortschaft als Roaming bezeichnet habe, das mit einer neu zu erhebenden Gebühr verbunden sein müsse. Scheuer habe den Vorschlag der Anbieter mit sehr großem Interesse in seine…“

„… versprochen habe, dass eine Umwidmung der Bundesdatenautobahnen nicht mit einer höheren Pkw-Maut einhergehe. Diese werde auch weiterhin nur für Kraftfahrzeuge mit Migrationshintergrund und…“

„… das Heimatministerium mit einem Entwurf für mehr Zufriedenheit in Deutschland geantwortet habe. Wenn die Deutschen nicht mehr so viel soziale Medien nutzten, könne man mit der jetzt schon zur Verfügung stehenden Kapazität alle…“

„… als Integralhelm gebaut werde. Der neue Antennenhelm habe Marktpotenzial, während die autonome Antennendrohne noch viel zu…“

„… Handyverbotsschilder im Bayerischen Wald aufstellen werde. Seehofer rechne damit, dass es hinterher keine Klagen mehr über mangelnde…“

„… die Autoindustrie für ihre Unfallmelder eine durchgehende Netzabdeckung verlange. Scheuer sei sich sicher, dass er die Finanzierung der technisch durchaus machbaren Lösung noch vor 2040 mit…“

„… mehr als übertroffen habe. Die CSU wolle nun so schnell wie möglich den vollständigen Ersatz der Lastkraftwagen mit elektrischen…“

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Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXIV): Das Geduze

18 05 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wir wissen es nicht. Sicher war die Sprache der Hominiden im Grundausstattungsbereich eher an der lebensnotwendigen Körperfunktionen orientiert. Die Standesgesellschaft lag noch in einer halben Dimension herum, das Grunzinventar innerhalb der Sippe differenzierte sich nach Lautstärke, aber die wesentlichen Dinge kriegte das Volk schmerzfrei auf die Reihe. Ab einer gewissen Dialektvielfalt wurde es schwierig. Mit der Idee eines höheren Wesens kam vorübergehend die Komplexität der Anrede, aber das währte nicht lang. Manche in der Geschichte verwehte Epoche setzte auf Höflichkeit und teils gekünstelten Affekt, aber was war das alles schon gegen die Vorteile der gewaltfreien Kommunikation. You can say you to me. Es begann das Geduze.

Mit der allgemeinen Planierung der ästhetischen Distinktion durch mangelnden Anstand und dem pseudopolitischen Getöse der Theoretiker wucherte eine egalitäre Pest aus dem soziologischen Gulli, die ihre Tentakeln in die Nasenlöcher einer fast noch Babypuder riechenden Schicht von Hipstern stopfte, ihnen ansehnliche Teile der Großhirnrinde verödete und ihnen das Du einkokelte, wo sonst der Brechreiz verortet sitzt. Pfarrer, Richter, Dealer, alles wurde seiner respektablen Position entkorkt, man duzte nur noch, aber nicht auf die brüderliche Art, wie es auf den ersten Biss den Anschein hätte haben können. Wo die Fremdwahrnehmung eines intakten Miteinanders komplett in die Grütze ging, musste das narzisstische Selbsterleben bunte Blüten schlagen – so kam es, und das war das Problem.

Das brägenreduzierte Gesellschaftskonglomerat duzt einander, als hätte man das Sie durch standrechtliche Exekution beseitigt. Der formlose Umgang zeigt eben das: das kaum in Konturen schwiemelbare Kompott, das amorph in die Ritzen der Selbstachtung sickert, ignoriert jegliche Individualdistanz, kumpelt sich an, als wären alle in kollektiver Besoffenheit, und verursacht der Menge einen Grad an Enthemmung, der gebraucht würde, um die Belegschaft vollständig degenerieren zu lassen. Mit dem Schwinden der Scham setzt der Schwachsinn ein, hier schaltet er bereits röhrend in den dritten Gang.

Stil ist für die meisten Bekloppten nur die greifbare Seite des Besens. Davon abgesehen führt die große Gleichmacherei, die jeden Blödföhn auf die eigene Stufe zerren will, zum großen Einebnen von oben nach unten. Schon schleimt sich der erste Katalog aus dem geistigen Flachland mit der zweiten Person Singular ins Beziehungsgefüge: wir sind alle eine große Familie, schwallt der Schwede, und Du bist das Kind. War ‚Du‘ bisher natürlicher Ausdruck von gewachsener Vertrautheit und Nähe, ist es nun lediglich klebriger Aufpapper einer strikt verordneten Sympathie, die auch für die größten Arschlöcher zu gelten hat.

Einige Fremdsprachen, insbesondere die im deutschen Artikulationsraum verbreiteten, nehmen das ‚Ihr‘ des Mittelalters bis in die Gegenwart in Gebrauch und fahren nicht schlecht damit. Einmal planiert, schon schwinden sämtliche Gefälle, die in der Wirklichkeit sinnvoll sind und produktiv. Wo sich Vorstandsvorsitzende und Azubis gegenseitig das Dumm-Du um die Backen hauen, entsteht eben keine Professionalität, wie Modernisierer meinen, sondern ein schmerzbefreites Gemansche, als sei die traditionelle Form des Stammbaums in diesem Familioiden ein Kreis. Was als infantile Auflehnung gegen vermeintliches Spießertum das gegenüber liegende Extrem zum allein seligmachenden Dogma erhob, mutet einer systematisch strukturierten Welt den Terror des Egalitären zu, indem es ihn einfach als kommunikativen Befreiungskampf und zugleich als dessen Ergebnis präsentiert. Der Schüler aber, der seinen Pauker nicht siezen muss und trotzdem von ihm Noten kassiert, ist auch Mittel, Zweck und Folge eines Irrwegs, in den sich falsche Liberale mit Anlauf und Ansagen verrennen. Sie werden uns befreien, ob wir wollen oder nicht.

Was gaukelt uns in dieser Simulation von Stall- und Nestwärme nicht alles die große, erlösende Liebe vor – weg mit Schlips und Kragen, ein Hoch auf die Berufsjugendlichkeit, die bis zum Schluss fit und leistungsfähig bleibt und nie so wird wie ihre Eltern, vermoost und verknöchert, nur eben verharzt sie obenrum, dreht eher frei, als frei zu sein und deliriert sich einen Schmarrn von Selbsthass mit gelebter Erniedrigung bunt. Denn sie ertragen den ganzen neoliberalen Schrott nur, wenn sie den anderen genauso herablassend behandeln, wie sie selbst in dieser Ansammlung von Kontrollverlust und reziproker Verachtung behandelt werden. Mach platt, was Dich platt macht, dröhnt’s aus dem Maschinenraum. Hier bröseln die Reste einer bis dato noch intakten Intimsphäre. Wer braucht die noch in einer Welt, in der wir uns selbst vermessen und die Ergebnisse hautnah ins Netz stellen. Eine Armlänge Abstand täte uns gut. Es würde so vieles wieder funktionieren, wie es gedacht war. „Wir duzen uns hier alle“, informiert mit Nachdruck und dem Finger am Abzug der Depp seine Umwelt, und die einzig richtige Antwort ist und bleibt: „Schön für Sie.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXIII): Die Warteschlange

11 05 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Ob Zellalterung, Säbelzahnziege oder ein Blitz aus heiterem Himmel für die Rückführung in die majestätisch schweigende Biomasse sorgen, am Ende ist alles sterblich. Vor allem der Hominide, der seinen eigenen Verfall zwar nicht direkt mit einem Datum versehen kann, aber dessen generelle Existenz auch nicht bestreiten wird – eben das macht ihn zu der herausgehobenen Affenart, die ihr Erbgut und ihre architektonischen Verwirrungen in die Zukunft klotzen, als gäbe es diese überhaupt – er fühlt die Zeit, wie sie dem Sande gleich zwischen den Fingern ins Ungewisse rinnt, rasch im Wind verteilt und körnchenweise zu Entropie verklappt, die alles, was je zuvor war, zunichte macht. So stand Rrt vor der Höhle der potenziellen Partnerin, die nur noch eben die Nagerzahnkette suchen und ein Pfund Beeren sortieren wollte, und vor ihm war nur noch der Vater einiger ihrer Kinder an der Reihe, die Keule lässig in der Hand, um einige familiäre Kleinigkeiten abzuklären. Momente wie diese lassen die Philosophie entstehen, das Ding zur Bewältigung des Sinnlosen, die Sprache, vielleicht Kunst und Poesie als spielerischen Zeitvertreib im losgelassenen Hier und Jetzt. Oder eben die Warteschlange.

Der Mensch sitzt, und damit fängt der Mist an. Die einzig erträgliche Position des Verharrens, die stehende, bietet im Regelfall den direkten Blick auf das Ersehnte, den Aufzug, der langsam aus dem dreizehnten Stockwerk eintrullert, den Verkäufer am Postwertzeichenschalter, der mit zentauglicher Zeitlupe den Stempel von ganz links nach links und dann nach rechts stellt, seinen Sekundenschlaf der Vernunft absolviert, den Stempel von rechts nach links und dann wieder nach ganz links schiebt und dabei in akzentfreiem Dialekt der Belegschaft zu wissen gibt, wie das am letzten Wochenende war, als er sich die Nasenhaare blondiert hat. Ist man als Kunde, als natürlicher Feind der Kreaturen auf der anderen Seite des Schalters, als Verurteilter in der Reihe gefangen, so sieht man trotz aller sich im Ablauf verschwiemelnden Hemmnisse, trotz der Mehrzahl der Mitarbeiter, die den Raum bloß als optische Störsignale bevölkern, doch das Ziel sich nähern. Schon steht es vor Augen. Da ist es.

Was nun im Sitzkreis, der amtlichen Form des Gruppenstrafvollzuges auf verkeimtem Mobiliar, völlig anders sich verhält. Hier ist die Tür zu, sie bliebe auch verschlossen, wenn Kafkas Torwächter beim Gang in die Mitarbeiterkantine noch einmal umkehren und den Kloschlüssel holen wollte. Es gibt hinter dieser Barriere keinen Ereignishorizont. Starr schwitzt der Verängstigte in der Sitzschale aus schlagfester Widerwärtigkeit, ob er für die Ein- und Ausfuhrgenehmigung schwedischer Schildläuse in Hessisch-Kappadokien auch die nötigen Papiere mit Siegel und Zehenabdruck eingesteckt hat. Jeder Überlebende, der aus der Kammer des Schreckens entweicht und die Flucht antritt, nährt in ihm eine quasireligiöse Hoffnung, jede Mistmade, die vorher eine Nummer gezogen hatte, den Wunsch zu töten. Auch hier schleicht beschäftigungslos eine amorphe Masse dienstunbarer Geister über staubige Flure, doch die Verwaltung ist gewarnt. Kein operierender Honk mit Aktendeckel gerät versehentlich in das Gesichtsfeld der Wartenden, spontan aufflammende Gewalt wird dadurch auf ein unvermeidbares Maß reduziert – der Büroschlaf ist noch einmal gerettet.

Die Steigerung dieser Zumutung ist die Warteschleife, jene intellektuelle Nahtoderfahrung, die hin und wieder für Massenmorde oder den Ausbruch militärischer Konflikte sorgt. Während dem Bekloppten die Trommelfelle mit schmieriger Konservenmelodei zugeschwallt werden, klemmt sich in Dreißig-Sekunden-Intervallen eine joviale Schleimstimme dazwischen und verkündet dem längst aus allen Ventilen vor Adrenalin pfeifenden Maniaken, dass die Wartezeit drei Stunden lang nur noch acht Minuten beträgt. Wer diese Flegelei wegen eines falsch oder gar nicht gelieferten Pakets oder der komplett verwarzten Rechnung seines Telekommunikationsanbieters über sich ergehen lässt, ist ohnedies geneigt, Konflikte mit physischen Mitteln zu bearbeiten, kann aber gerade keinem eine reinhauen, bis die Durchblutung aussetzt. Jede Kontrollmöglichkeit ist durch die technischen Gegebenheiten genommen, das anonyme Opfer in der virtuellen Reihe wähnt sich verraten, verkauft und verarscht, als wäre der Bittsteller der einzige, der nicht wüsste, dass alle anderen sich nach Lust und Laune vordrängeln könnten, nur eben nicht der entnervte Anrufer. Während Verbitterung und Pläne zur Vernichtung dieses Rotationsellipsoiden sich noch die Waage halten, dudelt Saccharinpop mit höhnischem Frohsinn aus dem Endgeräteloch. Das macht die Sache nicht besser.

Bald, wenn wir alle legale Schusswaffen haben, um gegen Arschlöcher mit legalen Schusswaffen in Stellung zu gehen, wird in einem Callcenter die Tür auffliegen, ein völlig verseifter Attentäter wird sich den Weg bis in die letzten Fress-Lüge-Boxen frei ballern und tobsüchtig fordern, dass er in acht Minuten endlich seinen verdammten Mitarbeiter an der Strippe hat. Sie werden es ihm versprechen. Hoch und heilig. Stundenlang.





Wertstoffsammlung

9 05 2018

„Das Problem mit diesen Asylanten ist doch, die haben total andere Vorstellungen als wir. Dass man da bei denen andere Sachen isst oder sich anders kleidet, das mag ja noch angehen. Aber dass die sich so gar nicht anpassen wollen – das ist doch nicht hinnehmbar!

Da komm so ein Flüchtling aus, sagen wir mal, Bessarabien, und dann steht der hier auf dem Kurfürstendamm und stellt fest: kein einziges Kamel weit und breit. Da fängt es doch schon an! Die haben sich nicht ausreichend über die fremde Kultur informiert, mit der sie in Kontakt kommen, da werden wir auch nicht mehr viel ändern, deshalb ist eine schnelle Rückführung in die Kriegsgebiete für die eine ganz vernünftige Lösung, einschließlich aller Beteiligten.

Deutsche Werte, was heißt das denn für Sie? Da kann man doch nicht mit den Mittelgebirgen kommen oder mit der Verfassung – das muss schon tiefer in unsere nationale Befindlichkeit eindringen. Schweinsbraten, wenn Sie so wollen. Das ist ein Stück christlich-jüdischer Geschichte, die wir als Bürgerinnen und Bürger, hier sind die weiblichen Personen ja nicht nur mitgemeint, die wir als Deutsche auf jeden Fall als wertvoll ansehen. Es ist ja nicht damit getan, dass man den, ich sage mal: Menschen, dass man denen die Gleichberechtigung von Männern und anderen Staatsbürgerinnen beibringt, denen muss man die gelebte Wirklichkeit vor Augen halten. Sonst sind die nie integrationsfähig.

Stellen Sie sich das mal vor, die kommen hier in Scharen nach Europa und wählen die erstbeste Frau zur Kanzlerin, nur weil sie irgendwas über Gender gehört haben. Das ist doch nicht Deutschland!

Ich verstehe ja, Sie wollen Ihr Programm da auf Staatskosten, oder meinetwegen ist das auch auf Kosten der Kommune, ist auch egal, jedenfalls wollen Sie das durchsetzen, und das finde ich gar nicht in Ordnung, verstehen Sie? Man muss denen eine Orientierung geben, und die muss die deutsche Leitkultur widerspiegeln. Sie können denen nicht kulturelle Toleranz predigen, wenn es die in diesem Land nun mal nicht gibt. Und wenn Sie denen das nicht predigen, befinden Sie sich im Widerspruch zum Grundgesetz. Also bleibt Ihnen ja nur eine Lösung.

Insbesondere die Kinder, die haben ja nicht viel mehr erlebt als Krieg, und dann wollen wir die in eine Gesellschaft integrieren, in der man mit den falschen Klamotten sozial einfach durchs normale Raster fällt? Ich weiß, das ist die falsche Setzung von Prioritäten, aber irgendwo muss man doch diesen Wertunterricht mal anfangen, und wo, wenn nicht bei den Eltern? Wollen wir das den Lehrern aufbürden? Die haben doch im Gegensatz zu den Eltern ihr ganzes Leben lang diese Gesellschaft erlebt, wie sollen die sich den objektiv über diese Zusammenhänge äußern?

Diese Verrohung der Gesellschaft, da kann man doch auch nicht einfach zusehen. Wir brauchen eine aktive Beteiligung, wenn Sie so wollen, und da müssen alle Kräfte mitziehen. Ein Teil der politischen Führung hat das Problem ja scheint’s bereits begriffen, da sollten wir auch ansetzen – stellen Sie sich mal vor, diese Leute werden eines Tages eingebürgert, und dann sollen die wählen. Da kommt ja ein Chaos raus, wenn die bis dahin nicht kapiert haben, wie man in Deutschland ein demokratisches Parlament wählt, in dem ausschließlich verfassungstreue Parteien vertreten sind.

Oder zum Beispiel die religiöse Ausrichtung. Gerade jetzt sollte man diese Idee aufgreifen und überall Kreuze an die Wand hängen, denn da gehören sie auch hin in der Öffentlichkeit. Wenn da jeder plötzlich an Kopftuch in einer öffentlichen Dienststelle hinhängen würde, da wüsste man doch sofort: religiöse Indoktrination! Islamisierung! Aber denen zu vermitteln, dass unsere Politik die christlich-jüdische Identität als Dekoration der staatlichen Verwaltung verwendet, das ist doch eine ganz andere Richtung. Da sehen Sie zugleich den Kernbereich unserer Leitkultur und sehr schön, wie unsere Regierung die Religionsferne praktisch praktiziert, wie es im Grundgesetz gefordert wird. Wenn Sie das den Migranten vermitteln können, dann sollen die meinetwegen trotzdem ihren Islamunterricht bekommen. Also pro forma.

Wir müssen denen vermitteln, dass sich eine radikale Abschiebepraxis und die Achtung der Menschenwürde nicht ausschließen. Wir haben so viel Achtung vor uns selbst, weil wir als Deutsche dem Grundgesetz unterstehen, dass wir trotzdem alle abschieben können, denen wir das nicht auch zutrauen. Integration ist in diesem Staat für alle da, und wenn Sie trotzdem hinterher abgeschoben werden können, dann zeigt sich daran, dass wir die Verfassung sehr ernst nehmen.

Vor allem brauchen wir endlich ein Schulfach, in dem wir schon äußerlich demonstrieren können, dass es vollkommen egal ist, wo man herkommt, es kommt nur darauf an, dass man nicht zu uns gehört. Da machen wir überhaupt keinen Unterschied. Weil wir uns sonst hausgemachte Parallelgesellschaften züchten würden. Und das kann doch nun wirklich keiner wollen, oder?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXII): Die Verantwortungsdiffusion

4 05 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Am Anfang sah es noch recht lustig aus, wie Uga, bis zu den Knien in Schlingpflanzen, kopfüber vom Baum hing. Die Nachbarn grüßten freundlich, auch noch am zweiten Tag. Irgendwann wurde es dann ein bisschen langweilig. Nach einer Woche kamen die Kinder zum Gucken. Als nach zehn Tagen die Lianen endlich nachgaben und Uga entkräftet ins Unterholz fiel, fand er sich im trauen Familienkreis wieder. Manche waren der Ansicht, er hätte ein dickeres Fell anlegen müssen, gerade nachts und zu dieser Jahreszeit. Andere sagten, er sähe abgemagert aus, bei seinem Lebenswandel sei das auch kein Wunder. Was entstand nicht alles in dieser Sternstunde der Menschheit, Spieltheorie, schlechter Geschmack, postmodernes Management. Und natürlich die Verantwortungsdiffusion.

Einer liegt auf dem Boden, die anderen sind mit guten Ratschlägen immer dabei. Je mehr sich an die Ecke stellen, desto mehr glubschen in die Luft, auch wenn der letzte, der noch wusste, was da passiert, seit Stunden wieder verschwunden ist. Unsere Empathie ist vorwiegend dem eigenen Empfinden gewidmet, und das ist auch gut so. Nur die Tatsache, dass sie inzwischen ausschließlich Nabelschau betreibt, ist die Pickelpest, an der das Ding, genannt Gesellschaft, so krankt. Der real existierende Egoismus in einer Gesellschaft, die es nach ihrer kapitalistischen Selbstzerstörung nicht mehr gibt, ist gruppendynamisches Hallenhalma mit zementierten Regeln – alle Phasen-, sämtliche Phrasenmodelle haben sich auf dem Weg in die Grütze erledigt.

Die pluralistische Ignoranz greift tief in die Reste des individuellen Bewusstsein ein, die sich vor dem kollektiven Ersatz verkrümeln. Jeder denkt, die schweigende Mehrheit sei im Recht, weil sie schweigt, und stimme einer Sache zu, die dabei doch jeder einzelne ablehnt. So wird dem gemeinen Deppen eine Norm ins Hirn gestempelt, die er als konstituierend gutheißen, der nächsten Generation ins Lehrbuch schwiemeln und im ethischen Kanon versenken kann. Ein Grundeinkommen wird es solange nicht geben, wie die kollektive Masse meint, keiner – außer man selbst natürlich – würde dann mehr arbeiten wollen. Der Hominide ist ein Beobachter und lernt, wenn überhaupt, aus reiner Nachahmung. Im durchschnittlichen Fall äffen die Affen den dümmsten Anwesenden nach, weil seine Impulskontrollsteuerung zu wenig Arbeitsspeicher bekommt. Dass der evolutionäre Vorteil in einer auf Werkzeuggebrauch und intellektuell eingesetztem Distinktionsgewinn beruhenden Welt nur bedingt zum Tragen kommt, ist eine der Folgen, eine andere, dass das Gruppendenken auf zwei falschen Schlüssen beruht: es gibt keine Gruppen, und sie denken nicht.

Der augenfälligste Auswuchs sind grassierende Gaffer, die überall aus dem Boden wachsen, wo sich menschliches Leid ereignet. Nicht der reine Voyeurismus, der ein bisschen Reizleitungen erregt und für einen zeitlosen Moment aus seiner dumpfen Welt heraustritt, ohne sich gleich transzendieren zu müssen, sondern eine in Instinkt und Dressur längst verschränkte Tätigkeit wie ein Beerdigungsritual: der Bescheuerte glotzt sich ausgiebig am Leid der anderen satt, damit er seine eigene Unversehrtheit im Umkehrschluss bestätigt bekommt. Ihm ist’s noch mal gut ergangen. Unbarmherzige Samariter stehen sich die dicken Beine in den Bauch, wo der Rettungswagen eigentlich durchfahren müsste, und spucken Polizisten an, die das Stillleben mit brennendem Kraftfahrzeug abschotten wollen, solange noch nicht jeder ausreichend Erinnerungen ins Endgerät geknipst hat.

Die kathartische Funktion des entschlossenen Erlebens wird gerne damit entschuldigt, dass die Mehlmützen durch Anschauung des Unerträglichen den Umgang damit erlernen, als würde ritualisiertes Schau-Spiel mehr als Abstumpfung erzeugen. Doch das ist nicht der einzige Fehlschluss, der mediale Trichter vergrößert das Getöse ja noch in Richtung Sozialporno und Selbstgerechtigkeit. Wie gut, rülpst der Aufgeklärte. Wie doppelplusgut, dass wir endlich einen Mechanismus gefunden haben, der einmal pro Woche ins die Röhre reihert, dass die Verwender von Kleinsthirnen sich als Zielgruppe noch nicht total diskreditiert haben. Wenn erst die Überlegenheit des Unterdurchschnittlichen eine Wirtschaft, Gesellschaft oder, soi-disant, Kultur in den feuchtfingrigen Griff gekriegt hat, kann man den Rest auch in die Wertstofftonne kloppen. Sobald aber der Zusammenhalt alles zum Feind erklärt, brauchen wir die Leitplanken nur noch zur Zieleinfahrt: der kollektive Gewinn eines nicht einmal näher definierten Glücksspiels, das sich kaum ereignet. Aber wozu sollten wir uns dazu noch Gedanken machen. Eine Gesellschaft gibt es ja sowieso nicht.





Nazi!

19 04 2018

„… noch ‚Nazi‘ sagen dürfe. Die Sendung wolle klären, ob eine politisch korrekte Bezeichnung auch für Minderheiten im Bereich des…“

„… von den Hörern begrüßt worden sei. Dies könne laut Intendantin Wille jedoch kein Grund sein, eine einmal angesetzte Sendung auch ins Programm zu…“

„… auch ein Recht hätten, als national gesinnte und besorgte Bürger wahrgenommen zu werden. Zum Ausgleich schlage Petry vor, den Begriff ‚völkisch‘ nicht mehr negativ zu…“

„… wenigstens einen freundlichen Umgangston angemahnt habe. Dass ein gewisser Personenkreis die Verbrechen der Zeit des Nationalsozialismus leugne, verharmlose oder wiederholen wolle, sei noch kein Grund, sie als…“

„… die politische Korrektheit laut Weidel auf den Müllhaufen der Geschichte gehöre. Das heiße jedoch nicht, dass plötzlich jede zugewanderte Muselsau das deutsche Volk mit aggressiver…“

„… zunächst ein Gegengutachten einholen wolle, ob die Aussprache des Wortes ‚Nazi‘ im Rundfunk auch phonetisch korrekt sei. Eine fehlerhafte Vokalqualität sei durchaus geeignet, sich nachhaltig auf das Verhältnis der Deutschen zu ihren eigenen Landsleuten am rechten Rand zu…“

„… die Diskurshoheit nicht dem führenden linksversifften Mainstream überlassen, der zu 87 Prozent Deutschland an den Islam verkaufen wolle. Nur die wirklich mit der Materie politisch und historisch vertrauten Experten seien in der Lage, eine Diskussion auf Augenhöhe zu…“

„… es andererseits nicht nur eine negative Bedeutung des Wortes gebe. Wer beispielsweise an den Holocaust denke, so Höcke, könne auch ein…“

„… man in einer Radiosendung nicht gerne mit Betroffenen diskutieren wolle. Als Insassen von in Brand gesteckten Asylbewerberheimen oder linke Landtagsabgeordnete könne man sicher nicht objektiv beurteilen, ob die deutsche…“

„… dass es keinen ‚Nazikuss‘ gebe. Damit sei das deutsche Volk noch weniger vor rassistischen Anfeindungen geschützt als ausgerechnet die afrikanischen…“

„… überhaupt ein linker Begriff sei, wie Steinbach nochmals betont habe. Der sozialistische Anteil an der Nazi-Ideologie habe erst zu den menschenverachtenden Entartungen geführt, wie sie Stalin, Mao, Willy Brandt und die…“

„… posttraumatische Belastungsstörungen zu erdulden habe. Viele nationalkonservative Teil der deutschen Bevölkerung hätten nach einer sehr schwierig verlaufenden Bildungskarriere und zahlreichen Kontakten mit Drogen, Justiz und Gewalt eine geistig eher nicht so…“

„… nachgewiesen habe, dass das Wort nachträglich von der Antifa mit dem Einverständnis der Weisen von Zion in die historischen Dokumente eingefügt worden sei. Steinbach habe selbst alle…“

„… nur innerhalb der historisch relevanten Periode zutreffe. Danach habe man sie nur noch als Neonazis, allenfalls als Neofaschisten zu bezeichnen, da jeder andere Tatbestand nicht korrekt im Sinne der…“

„… dass die Bezeichnung als ‚Deutsche mit nationalistischem Hintergrund‘ nicht mit den Zielen der Bewegung zu vereinbaren sei. Höcke sei der Ansicht, dass jeder echte Deutsche einen…“

„… nicht darum gehe, politische Korrektheit als Kampfbegriff gegen die Vaterlandszersetzer zu etablieren, die schon längst eine Zerstörung des jüdisch-christlichen…“

„… als Volksverhetzung bezeichnet habe. Die AfD wolle einen Gesetzentwurf in den Deutschen Bundestag einbringen, der die Begriffe ‚Nazi‘ und ‚rechts‘ für in vierter Generation deutschblütig arische, weißhäutige und in den Grenzen des Reiches von…“

„… das Konzept der Sendung keine Nazis berücksichtigt habe, um der öffentlichen Meinung keine Möglichkeit zur Kritik zu geben. Meuthen habe angekündigt, den verantwortlichen Redakteuren der demokratieversifften Hetzpresse nach der Machtergreifung ihre Judendreckfressen mit der ganzen Härte des…“

„… eine ausgewogene Diskussionsrunde angekündigt habe, die aus zwei bekennenden Holocaustleugnern bestehe und zwei Kämpfern für die Reinheit des rassischen…“

„… dass viele gewaltbereite Deutsche mit geistiger Behinderung, Störung der Impulskontrolle und Alkoholproblemen keine Schwierigkeiten damit hätten, als Nazis bezeichnet zu werden. Man könne eine Maßnahme aus politischer Korrektheit aber nicht außer Acht lassen, da diese Personen aus eigenen Mitteln nicht in der Lage seien, ihre…“

„… nur als rhetorisch überspitzte Einstiegsfrage gemeint sei. Keiner wolle anständige Deutsche als Nazis bezeichnen, man wolle nur darüber kritisch diskutieren, ob der linksvegane Mainstream, der seinen Stolz, Deutscher zu sein, noch nicht an den Islam…“

„… müsse auch auf diskriminierende Prägungen wie ‚Halbnazi‘ angewendet werden dürfen. Die sächsische Justiz wolle auf jeden Fall die…“

„… Ausnahmen geben solle. Die Bezeichnung ‚Linksfaschist‘ etwa beruhe immer auf Tatsachen und dürfe daher nicht als strafrechtlich…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDV): Die Arroganz der Kulturtechnik

9 03 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Während die anderen noch über das vermooste Geröll am westlichen Tümpelhang glitschten, hatte sich Rrt aus zwei ausrangierten Beutelratten etwas Neues genäht. Sogar Ugas dritte Nebenfrau, eher an Putz und Pofel interessiert denn mit Haushalt und Hege vertraut, sogar dieses aufgedonnerte Weib sandte ihm einen lasziven Augenaufschlag von Höhle zu Höhle. Schuhe! Der Siegeszug einer ganz neuen Produktgruppe hatte begonnen, mehr noch: in den Neid der anderen mischte sich die hochnäsig zur Schau gestellte Überlegenheit, dass man auch ohne diese Dinger auf die Kinnlade kippen konnte. Denn es ging um nicht weniger als die dem Troglodyten eigene Gangart, über Generationen in den Feinheiten verbessert, die nun plötzlich von ein paar Hipstern über den Haufen gekickt werden sollte. Was war das schon wert gegenüber einer erprobten Kulturtechnik?

Abakus und Rechenschieber waren schon fast aus der Mode gekommen, da feierten sie noch einmal fröhliche Urständ, als die kleinen Verräter auf den Markt kamen, elektrische Maschinen, die jeder Knalltüte das Addieren erlaubten. Wer jedoch auf sich hielt, zog seine Wurzel noch mit Bleistift und Papier. Es waren dieselben Bürohengste, die sich noch für die mechanische Schreibmaschine verwendet hatten, obwohl eine Ecke vor ihnen die Kontoristen verbittert am Tintenfass festhielten. Während die Söhne wie selbstverständlich in Nieten- und Schlaghosen in die Oper gingen, zogen die Väter auch auf dem Schlagerkonzert Schlipse um den Hals. Vermutlich haben bald die ersten keine Zettelchen mehr geschrieben, sondern mit ihren ersten Mobilknochen kryptische Zeichen ins Funknetz geschwiemelt, dieweil in der anderen Etage einer noch den Fernschreiber fütterte, ohne den es in der ordentlichen Firma eben nicht ging.

Doch kaum war der SMS-Daumen als pathogenes Bewegungsmuster etabliert, da wuchsen die Endgeräte zu Taschentoastern, auf denen man mit zwei Händen tippte. Inzwischen wischt der Nutzer sich den Kram auf und über das digitale Brettchen. Ein Ende ist nicht abzusehen, wahrscheinlich plinkert der zukünftige Nappel direkt auf die Datenbrille, schnalzt eine Mail aus dem Gebiss heraus und zupft sich zum Umschalten rhythmisch an den Ohren. Die Kunst funktioniert in stetiger Abhängigkeit vom Ding, und je höher der Grad der Abstraktion ist für die mehr oder weniger lernfähigen Hominiden, desto schneller muss er einen Weg finden, sich das Objekt anzueignen. Ansonsten steht er selbst als Bewohner des intellektuellen Standstreifens in der Gegend.

Wenig verstanden hat das Gehirngestrüpp, wenn man nicht begreifen kann, dass Papierdruckbuch und elektronisches Pendant nebeneinander bestehen können und die körperlose Literatur keinesfalls den Niedergang der Wissensgesellschaft einläutet – die Postkutsche hatte erst dann ausgedient, als es eine technisch und wirtschaftlich befriedigende Lösung gab, und auch hier wollten ein paar Nostalgiker den Abschied nicht wahrhaben. So müsste sich letztlich jeder kulturelle Krempel irgendwann überholen, der Walzer in Vergessenheit geraten, das Sonett, Weinbau und Liebesbrief. Waren die Gummistiefel früher aus Holz, wie es uns die Verkalkten sungen, so war’s nur die gute alte Zeit, die überwiegend nicht einmal gut war, sondern nur mit anderen Umgebungsvariablen ausgestattet. Flaschenbier muss billig gewesen sein, die Bundeskanzler hatten noch eine Vergangenheit und das Wetter war im Sommer als solches erkennbar, aber für ein Hemd arbeitete man fünf Stunden, und wenn der Kragen durchgescheuert war, trug man’s im Schrebergarten auf. Dafür gab es Ofenheizung, die Leute hatten Pocken und offene Tuberkulose, Datenverarbeitung bestand aus fettigen Karteikarten und Lochstreifen, und das Gemüse klebte grau gekocht im Mehlpapp. Wie arrogant kann man sein, diese Epoche en bloc als überlegen anzusehen?

Am Verbrennungsmotor merkt der Bescheuerte, dass eine ganze Schicht nichts Besseres zu jammern hat als den Untergang der westlichen Welt, sobald die Kraftwagen mit Strom fahren. Es liegt wohl auf der Hand, wir heizen nur mit Kohlen, weil es sie noch gibt, was ist auf einem endlichen Planeten in Relation zur Gesamtdauer zwischen Genesis und Verglühen in der finalen Massenaufblähung unseres Zentralgestirns ein putziger Wimpernschlag ist – die Generation, die nur noch Windräder kennt, so wie der heute Geborene Telefone mit Wählscheibe nur verstört anschaut, höchstens noch belustigt ob der bizarren Anmutung jenseits des Praktischen, sie wird sich abwenden, wenn die Greise vom Krieg erzählen, in dem alles besser klappte.

Alternativ könnte man annehmen, dass es sich um reinen Snobismus handelt, wer den Oldtimer mit dem Holzofen zum Bäcker fährt, der auf Biogas umgestellt hat, bevor es Mainstream wurde. Doch auch offensiv heraushängende Geltungsneurose ist kaum geeignet, sich eine bleibende Statt in der Gesellschaft zu erobern, es sei denn, man möchte auffallen, wenn auch unangenehm, so doch um jeden Preis. Und das scheint manchen auch schon zu reichen, um in Erinnerung zu bleiben.