Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXXVI): Vom richtigen Leben im falschen

15 10 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Situation ist unübersichtlich: kein Komet am Himmel, die Erde tut sich nicht auf, Leviathan lässt auf sich warten. Nur die Flüsse steigen über die Ufer, während die Felder verdorren, der Sand wird knapp und es gibt so viele Jobs, dass manche von ihnen gleich drei haben. Es seufzen die Lenker der Staaten und lehnen sich verdrießlich zurück, da ihnen auch nichts einfällt. Sie müssen zusehen, wie alle ihre Absichtserklärungen zu Asche zerfallen, tatenlos natürlich. Am Ende werden es die Leute sein, dieses schwer erziehbare Volk von Menschen, das noch immer Plastikverpackungen kauft, weil es billige Discounterschnitzel nun mal nicht gleich in die Manteltasche gibt. Es ist schlimm, aber nicht ausweglos, der Schuldige ist gefunden: wir sind es. Wir, die ein richtiges Leben versuchen im falschen.

Wie man den Berufspendlern den Stau in die Schuhe schiebt, weil sie an der stillgelegten Bahnstrecke wohnen und ihre Autos nicht einfach für den Klimaschutz stehen lassen, so macht man uns weis, wir seien das System. Daneben übt sich die Politik in milder Enttäuschung, wo immer ein Kreuzfahrtschiff dem Reiseveranstalter Gewinne verschafft und dennoch wie vorhergesehen die Luft verpestet – sie täten ja gerne etwas, aber sie können nicht. Es liegt am ungeheuren Bedarf, und wer würde schon verbieten wollen, was so beliebt ist? Unsere Wirklichkeit passt nicht zu den Ansprüchen, die wir haben sollen, wie sie uns der Zeitgeist in die Rübe schwiemelt. Es gibt da ein gesellschaftliches Ideal, und doch gibt es den Sachzwang, in dem das Leben stattfindet. In dieser Spreizung stecken wir fest, und es ist kein schöner Anblick, wenn wir das große Ganze sehen. Wie schon in den traditionellen Mythen zur Lenkung systemstabilisierender Ethik erprobt lässt sich nichts besser instrumentalisieren als nachhaltig erzeugtes Bewusstsein, eine Sünde begangen zu haben. Einmal geboren, zack! alles falsch gemacht. Warum soll sich der korrupte Dreckrand ein anderes Deckmäntelchen umhängen als das bequeme Christentum?

Gerade vor dem Leistungsgedanken, den der Kapitalismus neu definiert – die konsumistische Konfession bekennt zuerst den Glauben, sich alles leisten zu können – bleibt auch das Versprechen auf einen Aufstieg gefangen: die Unterschicht wird sich bald so viel leisten können wie die Mittelschicht, die sich wird leisten können, was die Oberschicht besitzt. Scheuklappen weg, auch Geltungskonsum schützt nicht davor, als weißes Rauschen in die Geschichte der Hirntätigkeit einzugehen. Auch der gezielte Kauf kostspieliger Produkte ist noch keine Absolution; solange die Designernietenhose aus demselben Stoff an derselben Maschine von demselben Kind gefertigt wird wie die Jeans für den Billigheimer, die nur etwas weniger als fünf Prozent der Protzklamotte kostet, solange kann sich der liberale Wurstverkäufer in eine Körperöffnung nach Wahl predigen, wenn er Arbeitslosigkeit als Chance auf eine individuelle Neuerfindung preist oder Armut als sozial erwünschtes Gegengewicht für eine Kaste, die ihre verschissene Randexistenz ohne Flugmango für das hält, was sie in Wahrheit längst ist: überflüssig wie Brechdurchfall beim Drahtseilakt. Askese als Pfad der Erkenntnis wird vor allem dem Armen empfohlen. Vermutlich sind andere für spirituelle Impulse eh nicht mehr zu begeistern. Oder für Ethik. Oder die Menschheit.

Ob mit oder ohne gründliche Entsolidarisierung durch den Fokus auf die individuelle Schuld an der gesellschaftlichen Entwicklung frisst sich ein Gesinnungsterror durch die prekären Schichten, der die eigene Verkettung in die Phänomene noch viel gründlicher verdrängt, als es die nutznießende Elite könnte. Sie teilt und lässt herrschen, vornehmlich von den kultivierten Kräften der Gier, die sich so unerhört produktiv ansteuern lässt durch Werbung, Spaltung, Angst, kurz: alles, was den Trieb ihrer intellektuellen Überformung durch die Zivilisation entledigt. Wir werden Mittäter, Kollaborateure, Ausnutzer, wo unsere Entscheidung alternativlos ist und nur der eigenen Rechtfertigung dient. Bald ist Armut der neue Reichtum – die Pseudoeliten der Bourgeoisie neiden den Erwerbslosen ja schon ihre Zeitsouveränität und würden sie am liebsten acht Stunden lang in die Tretmühle zwingen, auch wenn dann keine Zeit mehr bliebe, sich um die Arbeit zu bemühen, die es ohnedies nicht mehr gibt – und nur der Gedanke an die Umsätze des Einzelhandels ist noch im Weg, dass man dem Prekariat den Konsum kategorisch untersagen würde. Irgendwie muss das Pack überleben, sagt sich der Kapitalismus, womit allerdings nicht die Kunden gemeint sind.

Die humane Konditionierung lässt nur wenige Wahlmöglichkeiten. Ohne Revolution sind alle an den bestehenden Verhältnissen schuldig und also trefflich erpressbar. Wer mittwochs nach sechs eine Flugmango wollte oder zu Weihnachten für den Nachwuchs unbedingt eine Spielkonsole, der trägt die gleiche Schuld. Die einen werden schweigen, grinsend vermutlich, weil sie wissen, dass sie in diesem Klassenkampf die Opfer werden schlachten können. Die anderen schweigen ebenfalls. Im Sinne einer nachhaltigen Lösung wäre es nicht verkehrt, die Positionen einmal zu überdenken.





Vereinfachte Maßnahmen

14 10 2021

„… das Bundesprogramm zum Bürokratieabbau mit gebündelten Ressourcen zu beschleunigen. Es sei mit der Opposition abgesprochen, ein schnelles und unbürokratisches Verfahren zu…“

„… die Überregulierung im Antragswesen auf Bundes- und Landesebene eindämmen solle. Als kurzfristige Lösung sei eine Regulierungsbehörde geplant, die die Abschaffung von Gesetzen durch die Neufassung einer gesetzlichen…“

„… Verwaltungsvorschriften ab sofort nur noch digital veröffentlich werden sollten, um den Zugriff für die Wirtschaft erleichtern zu können. Strittig sei allerdings, ob die Bürgerinnen und Bürger auch für private Anliegen von den…“

„… sehe die FDP zahlreiche Möglichkeiten, den Verwaltungsaufwand bei Steuersenkungen zu minimieren, so dass durch geringere Personalkosten nochmals Spareffekte, die zu Steuersenkungen und weiteren…“

„… eine erhebliche Last von Kontrollpflichten ausgehe. So seien derzeit Steuerhinterziehung und Geldwäsche für internationale Investoren nicht mehr möglich, was für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine empfindliche…“

„… dass das Bundesministerium für Justiz entschlossen sei, das Guter-Bürokratieabbau-Gesetz innerhalb der laufenden Legislatur vorzulegen, wenn es keine unvorhergesehenen…“

„… sofort einen interdisziplinären Arbeitskreis einsetzen werde. Dieser solle prüfen, welche der geltenden Gesetze zeitlich befristet würden, um die Belastung der Unternehmen nicht unnötig zu…“

„… die Abschaffung vieler Vorschriften auch dem Bürger dienen müsse. Der ADAC befürworte den Verzicht auf Bußgelder für Falschparken und Geschwindigkeitsüberschreitungen generell als Entlastung der Justiz und wolle damit die…“

„… in den Behörden darüber geklagt werde, dass Bürger oft vom Widerspruchsrecht Gebrauch machen würden. Dies sei zwar Teil rechtsstaatlicher Verfahren, könne aber durch stark vereinfachte Maßnahmen und größere Ermessensspielräume die Beschleunigung der Antragsverfahren im…“

„… ergebe sich aus der zeitlichen Befristung in der Steuergesetzgebung ein steigender Aufwand für Steuerberater und Finanzämter, da eine Anpassung der Verwaltungsvorschriften jeweils durch neue Dienstanweisungen und Softwareupdates in der…“

„… künftig Antragsverfahren anzubieten, in denen kein Widerspruchsrecht vorgesehen sei. Im Gegenzug sei eine beschleunigte Bearbeitung der Anträge bei den Behörden für die meisten der…“

„… dringe die FDP darauf, die Gesetzgebung im Steuerrecht regelmäßig auf Notwendigkeit zu prüfen. Lindner sehe das Modell der freiwilligen Steuerzahlung für Besserverdienende als durchaus praxistauglich an und wolle es in einem…“

„… die Bundesregierung die Digitalisierung der Genehmigungsverfahren überall da beschleunigen werde, wo die technischen Möglichkeiten verfügbar seien. Dies bedeute, dass die Verlangsamung der Verfahren vorerst nur in Einzelfällen aus den…“

„… zahlreiche Beschwerden über Landes- und Kommunalbehörden laut würden. Die Bürger hätten sich nicht selten für widerspruchsfreie Verfahren entschieden, müssten aber trotzdem teilweise viele Wochen und Monate auf Bescheide warten. Dies werde von der Verwaltung mit Personalmangel begründet, der wiederum zu bürokratischen Hürden bei der Gestaltung der Dienstwege sowie des…“

„… den Kündigungsschutz abschaffen wolle. Merz sehe in der Bevormundung der Wirtschaft eine der größten Hürden, die einseitig zu Lasten der Leistungsträger in den…“

„… seien Banken- und Versicherungsgewerbe gewillt, auf Standardschreiben bei der Änderung ihrer Geschäftsbedingungen zu verzichten, um die Kundenbindung nicht unnötig zu gefährden. Der Vorschlag werde laut Wirtschaftsministerium sehr wohlwollend geprüft, man habe aber noch keine Perspektive, wann eine Antwort auf die …“

„… eine planerische Gestaltung des Konzepts im Justizministerium derzeit noch nicht zur Gänze erfolgt sei. Man habe sich darauf verständigt, dass die zwischenzeitlichen Arbeitsgruppen, die die Übersicht über obsolete Vorschriften behalten sollten, mit einem Plus an Material eingesetzt würden, was als bürokratische Abbauprodukte in den gesetzgeberischen Richtlinien des…“

„… nehme die Länderkommission ihre Arbeit auf, sobald die Gremien besetzt seien. Insgesamt zehn Abteilungen mit mehr als 350 Untergruppen seien von der Bundesregierung eingesetzt worden, um eine schnelle Lösung verwaltungsrechtlicher…“

„… mit dem Vorschlag gescheitert sei, sämtliche EU-Rechtsvorschriften in nationales Recht überführen zu wollen, wie es im Falle des Brexit geschehen sei. Andererseits werde derzeit wieder ein Vorschlag diskutiert, nach dem sämtliches Recht in die Kompetenz der EU zu übertragen sei, damit es keine Beschwerden mehr gebe, dass es zu viel deutsche Vorschriften in den…“

„… den Maßnahmenkatalog mit den Ländern abstimmen werde, sobald sich eine Harmonisierung mit den Vorgaben des Justizministeriums abzeichne. Die Fristen seien jedoch zum Teil nicht eingehalten worden, so dass eine Wiederaufnahme des…“

„… das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei, sich aber auf einem guten Weg befinde. Ziel der Kommission sei es nun, den Einsatz von Faxgeräten bis spätestens 2050 durch digitale Kommunikation zu ersetzen, so dass eine messbare Beschleunigung im Behördenverkehr auf Bundes- und Landesebene sowie in den zugehörigen…“





Permanente Revolution

5 10 2021

„… dass sich die Union inhaltlich erneuern müsse, um mit einem erkennbar konservativen Programm eine Koalition mit den Grünen und der…“

„… müsse nun auf einem schnell einberufenen Sonderparteitag ein Wahlprogramm beschlossen werden, das die Sondierungen für eine Jamaika-Koalition erleichtere und danach auch nachträglich an die Wählerinnen und Wähler der…“

„… habe Laschet versprochen, seine Partei auch als eigentlicher Sieger der Wahlen hinter der SPD, die wegen ihres geringen Stimmanteils kein Recht habe, sich als richtiger Sieger zu bezeichnen, nicht im Stich zu lassen, da er die Verantwortung, die die SPD, die nämlich überhaupt nicht richtig die Wahl gewonnen habe und sich deshalb auch nicht für die Regierungsbildung verantworten dürfen, als der…“

„… es auch eine personelle Neuausrichtung der CDU geben müsse. Kuban sehe sich selbst als den geeigneten Mann, der die Partei in eine neue…“

„… sei es an der Zeit, Deutschland mit neuen Konzepten wie einem Zukunftsplan oder einer 10-Punkte-Strategie wirtschaftlich und technologisch viel besser aufzustellen, als es die bisher im Land verantwortliche Regierung mit ihrem…“

„… vertrete die Junge Union den Ansatz, die neue politische Führung mit politischen Kräften aus der zweiten Reihe neu zu gestalten. Es bedürfe dazu allerdings erst einer Kommission, die in Ruhe nachsehen müsse, ob es unter Merkel in der zweiten Reihe noch nennenswerte…“

„… eine personelle Neuausrichtung der CDU stattfinden müsse. Spahn betrachte sich als den optimalen Kandidaten, der der Partei eine neue…“

„… biete Laschet an, einen neuen Wahlkampf für die nächsten Abstimmungen auf Bundes- und Landesebene bereits jetzt zu starten. Man werde an der inhaltlichen Auseinandersetzung sehen, ob es sich bei den von der CDU angebotenen Inhalten um Inhalte im Sinne von ‚Inhalten‘ handle, die die Wähler erreichen würden, um so langfristig genau die richtigen Inhalte für einen Sieg der Partei zu…“

„… die personelle Neuausrichtung der CDU unausweichlich sei. Röttgen halte sich nach wie vor für einen integrativen Anführer, dem die Partei in eine neue…“

„… bedürfe es einer offeneren Haltung. Laschet wolle ein fluktuierendes Brückenzukunftsteam in den Dauerwahlkampf einbringen, das sich an der Ablehnung durch die Wähler orientiere. So könne gleichzeitig eine neue Bundesregierung personell bestimmt werden, deren Mitglieder dann als offene und flexible Experten auch Politikfelder betreten würden, von denen sie keine Ahnung hätten, um eine möglichst kontinuierliches System von…“

„… sich nicht an den Wahlprogrammen anderer Parteien orientieren werde. Es sei für spätere Koalitionsverhandlungen im Laufe der Legislatur eine schlechte Empfehlung, nur die SPD oder die Grünen zu ersetzen, da so das inhaltliche Profil der Union nicht mehr in die…“

„… schnell die personelle Neuausrichtung der CDU einleiten werde. Merz verfüge als einziger über ausreichend Erfahrung, um die Verjüngung der Partei so radikal wie möglich in einen…“

„… die Zuordnung zu Lagern nicht an den Äußerlichkeiten festzumachen. So gehöre Amthor zwar optisch zu den jüngeren Kräften in der CDU, sei aber ansonsten einer der…“

„… eine rotierende Doppelparteispitze mit den Kandidaten vorschlage, die jeweils aus der Wahl der Basis hervorgingen. Dies könnten Laschet und Spahn, Spahn und Laschet, Merz und Laschet, nicht aber Spahn und Merz ohne…“

„… habe Söder nicht vor, sich zu den Querelen innerhalb der Schwesterpartei zu äußern. Er habe den Wahlausgang längst akzeptiert und verfolge die Sondierungsgespräche der Ampelparteien mit der Absicht, sich erst wieder als Oppositionsführer mit anderen Gruppierungen außerhalb der…“

„… wolle Laschet schnellstmöglich Experten in eine Brückenübergangszukunftskommission holen, die mit ihm neue Konzepte wie ‚Entfesselung der Wirtschaft‘ oder ‚Weiter so‘ zu…“

„… lehne ein großer Teil der CDU bisherige Überlegungen zu den umfrageorientierten Plänen der aktuellen Parteiführung ab. Merz sehe in den Plänen Ansätze zu einer permanenten Revolution, die die Union letztlich in eine sozialistische…“

„… der Parteibasis mitgeteilt habe, dass das Präsidium Abstimmungen über personelle Fragen nur dann umsetzen wolle, wenn es der Führung passe. Damit werde eine Traditionslinie verfolgt, die einen wesentlichen Anteil am Erfolg der…“

„… eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den politischen Mitbewerbern Vorteile für die Bildung einer Koalition berge. Laschet sehe in der bisher oft genannten Forderung nach Steuersenkungen ein sehr gutes Thema zum…“

„… nach einer internen Äußerung die CDU als einen Haufen denkfauler, unfähiger Arschlöcher betrachte, deren einziges Ziel es sei, sich auf illegalem Wege die Taschen voll zu stopfen. Merz halte sich für den einzigen Führer, der diese Partei in eine glorreiche…“

„… dass eine personelle Neuausrichtung der Christdemokraten nicht ohne seine Beteiligung stattfinden werde, da er um einzelne Verflechtungen innerhalb der verschiedenen Parteiflügel besser wisse als alle anderen. Schäuble stehe für einen…“

„… sich für mehr Nachhaltigkeit einsetze. Das Votum der Parteibasis sage ganz klar aus, dass die CDU vorsorglich die Bundestagswahlen 2025 für verloren erklären wollten, um jetzt in Ruhe eine inhaltliche und personelle Neuausrichtung der…“





Volle Kraft abwärts

4 10 2021

„Immerhin ist so ein Tempolimit kostenneutral.“ „Aber ein Verbot.“ „Man könnte damit sogar noch Kraftstoff sparen.“ „Aber es ist eben ein Verbot.“ „Und es rettet nachweislich Menschenleben.“ „Ich gehe davon aus, dass keiner gerne stirbt, dazu brauchen wir kein Verbot.“

„Haben Sie denn auch irgendein stichhaltiges Argument gegen ein Tempolimit auf Autobahnen?“ „Hören Sie mal, wir sind ein Haufen professioneller Ideologen, die anderen vorwerfen, professionelle Ideologen zu sein, da ändern wir doch für eine Regierungsbildung nicht unser Image.“ „Sie geben also zu, dass Ihre künstliche Antihaltung nur ein ziemlich aufgeblasener Versuch ist, als wählertreue Pseudodemokraten durchzugehen.“ „Wenn Sie dass sagen, klingt das so negativ.“ „Was halten Sie mal von Fakten statt Ideologie?“ „Wenn die Fakten zu unserer Ideologie passen, dann ist das für uns total ideologiefrei.“ „Und wenn sie nicht passen, sind sie Ideologie?“ „Dann sehen wir sie nicht als Fakten.“

„Wenn wir das Tempolimit bei 130 km/h lassen, dann verringern wir die Emissionen schon um 1,9 Millionen Tonnen.“ „Das sagt Ihr Wahlprogramm.“ „Das sagt das Umweltbundesamt.“ „Nicht mal Ihre Propaganda kriegen Sie selbst hin.“ „Die Deutschen wollen zu 42 Prozent ein Tempolimit.“ „Das ist die Minderheit.“ „50% der ADAC-Mitglieder sind dafür.“ „Alter statistischer Taschenspielertrick: Sie befragen ausschließlich Betroffene, das verzerrt das Ergebnis natürlich enorm.“ „Wen sollen wir sonst befragen, Radfahrer und Marsmenschen?“ „Fragen Sie eine Gruppe 10-Jähriger und eine Gruppe 100-Jähriger, wer in den kommenden Jahren mit seinem Ableben rechnet, ich kann Ihnen das Ergebnis jetzt schon voraussagen.“

„Interessant ist ja, dass das Problem skaliert.“ „Was?“ „Wenn man in Innenstädten das Tempo auf 30 reduziert, beschleunigt sich der Verkehrsfluss und Staus werden vermieden.“ „Das können Sie in Angola machen, wo die Städte aus drei Häusern und einer Telefonzelle bestehen.“ „Die Hauptstadt von Angola ist etwa doppelt so groß wie Berlin.“ „Was Sie nicht sagen, dann funktioniert das also in Europa gar nicht?“ „In Paris schon.“ „Vorschlag zur Güte: wir führen Tempo 130 für Lastenräder ein, die dürfen eh nicht auf die Autobahn.“ „Sagen Sie mir lieber, warum Sie einen Vorschlag ablehnen, der von einem signifikanten Teil der Bevölkerung mitgetragen wird.“ „Wie gesagt: die Mehrheit ist es nicht.“ „Mehr, als Sie Wähler haben.“ „Es ist nicht die Mehrheit!“ „Und Ihre Leistungsträger, die im Regelfall geerbt haben oder bei der Steuerprüfung nie aufgefallen sind?“ „Wenn die Mehrheit es gut findet, dann brauchen wir doch kein Verbot.“

„Gut, Sie haben doch bestimmt einen Vorschlag, wie man das lösen kann.“ „Nein, warum?“ „Weil es in ein paar Jahren politische Normalität sein wird, und dann wird man sich an Ihre Partei nur noch als Bremsklotz erinnern, der in die Versenkung kippte, als die Klimakatastrophe richtig zuschlug.“ „Ich weiß gar nicht, worauf Sie hinaus wollen.“ „Hatten Sie nicht so ein tolles Modell mit Anreizen?“ „Das war aber nur für die Wirtschaft.“ „Also kann sich der Bürger wie die letzte Umweltsau verhalten, seinen Müll in den Wald kippen und Altöl in die Kanalisation, und er wird dadurch bestraft, dass er keine Anreize nutzen kann.“ „Das ist doch eine ganz andere Konstellation, dafür gibt es schließlich Gesetze.“ „Also Verbote?“

„Dafür könnten wir Ihnen jetzt eine vernünftige CO2-Bepreisung anbieten.“ „Sicher als Symbolpolitik.“ „Nein, und wir würden auch die Maßnahmen zum sozialen Ausgleich mittragen.“ „Das ist schon ein bisschen lächerlich.“ „Stellen Sie sich mal die Verwerfungen in der Autoindustrie vor, wenn es plötzlich keine Sau mehr interessiert, ob ein Wagen 250 oder 280 schafft.“ „Sie fahren einen Porsche, richtig?“ „Darum geht es doch jetzt nicht!“ „Ach, doch.“ „Wenn die Hersteller jetzt plötzlich die Produktpalette so extrem verändert, was meinen Sie, was das für Folgen hätte.“ „Wir hätten jede Menge Neuzulassungen, das bedeutet wirtschaftlich nichts anderes als boomenden Binnenmarkt mit vielen sicheren und noch mehr neuen Jobs.“ „Wäre das nicht schrecklich?“ „Gleichzeitig würde sich das Image deutscher Automarken verbessern, wenn das überhaupt noch möglich ist, wir wären sogar als internationales Vorbild…“ „Hören Sie auf!“ „Die Chinesen würden endlich sehen, dass Deutschland seine herausragende Rolle in der Welt verdient hat.“ „Aufhören, bitte!“ „Und erst die Aktienkurse, das wäre eine…“ „Mama!“

„Verstehe ich Sie richtig, dass Sie sich nun ein Tempolimit durchaus vorstellen könnten?“ „Nein, absolut ausgeschlossen.“ „Aber Sie haben gerade eben noch…“ „Freiheit!“ „Bitte?“ „Es ist doch die Freiheit, die wir den Wählern versprochen haben!“ „Meine Güte, in ganz Europa haben Sie auf den Schnellstraßen Geschwindigkeitsbeschränkungen, da werden Ihnen als EU-Bürger doch diese paar Kilometer nicht viel ausmachen.“ „Verdammt noch mal, wir haben doch nichts zu bieten unter dem Etikett!“ „Immerhin kann man sich als Mitglied in einem parlamentarischen Amt in einer Kneipe den üblichen Spiegel ansaufen, ohne dass man von den Verboten der…“ „Gesetze, es sind Gesetze!“ „Und das wissen Ihre Wähler?“ „Eben nicht!“ „Ja, das ist tragisch.“ „Bitte, wenn Sie jetzt nicht…“ „Da wird Ihnen die CDU nicht mehr helfen, wir werden die Sache gerne an Herrn Scholz übergeben.“ „Aber die Sondierung?“ „So eine Große Koalition hat auch umgekehrt ihren Charme.“ „Wie jetzt?“ „Merken Sie sich das mal: es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXXIV): Der ökologische Verzichtsdiskurs

1 10 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Was tut er nicht alles, der Mensch. Fährt mit dem Auto zur Arbeit, kauft Gemüse in Einmalplaste und benutzt nie die Pinkeltaste. Kein Wunder, dass die Polkappen verkochen und der Permafrost sich in die Atmosphäre verabschiedet. Wäre er doch nur vernünftig, sagen alle, wir könnten Klimaziele mit lockerer Leichtigkeit wuppen und uns selbst feiern für diesen Sieg der Vernunft – aber nein, es muss der energieineffiziente Kühlschrank sein, aus dem er seinen Schampus zwitschert, damit er die alte Umweltsau in den Hühnerstall kriegt. Der Mensch ist dumm, das ist unbestritten, aber lässt sich das abstellen? Zur Not mit konsequentem Verzicht?

Fehlverhalten, das haben Debatten um innere Sicherheit und Wirtschaftskraft uns eingehämmert, beginnt in der kleinsten Keimzelle der Gesellschaft. Der ordentliche Bürger sammelt Buntmetall, gibt seine Spende für den Bürger in Uniform und hat die Nase gerne im Briefkasten des Nachbarn, der ja ein Volksverräter sein könnte. Natürlich braucht es kein Gesetz, um die Einhaltung der Kehrwoche in einem manierlichen Mietshaus sicherzustellen, das wird von den Erfüllungskräften schon organisiert, um zu klären, wer noch in der Kaste mitmachen darf. Und so übt sich der kapitalistisch sozialisierte Zonk in der Tugend des Mülltrennens, während der Strom spart und Verpackungen löffelrein zur allgemeinen Begutachtung an den Straßenrand verlastet. Fleißig nutzt er auch die modernen Möglichkeiten, die ihm das Netz bietet: hier und da, bereitgestellt von allen großen Ämtern und Verbänden, summiert er auf, was alles er tut und treibt, das CO2 in die Luft bläst. Wie viel Fleisch und Baumwolle hat der gemeine Mann verbraucht, wie oft ist er in den Urlaub geflogen, wie heizt er, und womit? Emsig schwiemelt er zusammen, was seine Selbstkritik in stattliche Form zu blähen weiß, und kriegt hernach das Ergebnis: schuldig mit Vorsatz. Wer Biogurken in Kunststoffpelle kauft, will halt ins Fegefeuer.

Dabei ist die Mär vom ach so privaten ökologischen Fußabdruck denn auch nichts anderes als ein relativ abgeschmackter PR-Stunt, den sich die Fossilienverbrennerindustrie ausgedacht hat, um dem durchschnittlichen Dreipersonenhaushalt den pechschwarzen Peter zuzuschieben, warum sich das Klima von Kipppunkt zu Kipppunkt hangelt. Der individuelle Verzicht, so greint’s aus der moralisch frisch gebleichten Etage, muss unbedingt sein. Wer da noch nicht seine Flusskreuzfahrt im Paddelboot macht, werfe die erste Grillwurst! Dazu gelingt es den Grünwäschern durch das abgeschrägte Framing locker, mit erhobenem Zeigefinger dem Volke die sittliche Überlegenheit unter die Nase zu reiben. Wie das Ökostrom aus eigenem Sonnenkollektor fürs Zehn-Zimmer-Passivhaus nutzt! Abgasfreie 600 PS! Rüben aus dem Hochbeet! Warum kann das denn nicht einfach jeder?

Weil es eben nicht jeder so einfach kann. Es ist eine politische Entscheidung, Windräder aus der Energieerzeugung zu verbannen und die gesamte Fotovoltaik mit Anlauf und Ansagen in die Tonne zu treten, samt aller Arbeitsplätze – wer dann seine elektrische Schleuder mit Diesel über die Autobahn schwiemeln muss, weil es dort keine vernünftige Schienenverbindung gibt, hatte eben keine andere Wahl. Das Altölkondom über dem Grünzeug ist bei Verbrauchern beliebt wie Pickel. Und wer in einer Mietwohnung lebt, hat kaum Einfluss auf Qualität und Alter von Sanitär- oder Küchenausstattung, Heizung und Dämmung, die er selbst bezahlen darf, damit sein Vermieter nicht plötzlich verhungert. Dazu kommt dann das Paradoxon der angeblichen Verbotsparteien als kognitiver Dissonanzgrundton, bei dem wir denken sollen, die Gewissensprüfung sei gleichzeitig unsere Schwachstelle und uns durch defizitäre Entscheidungen von Wirtschaft, Politik und System aufgedrückt. Das Muster funktioniert in aufklärungsfeindlichen Kreisen derart gut, dass es für beliebige Schuldzuweisungen herhält: wer nicht jeden Kriegs- oder Klimaflüchtling schnellstens in die zerbombte Heimat abschieben will, muss sich fragen lassen, ob er ihn im eigenen Wohnzimmer aufnehmen will, wie man auch Erwerbslosigkeit als individuelle Schwäche ansieht. L’État, c’est moi.

Wenn es mal so wäre. Das angebliche Wesen hat sich längst abgekoppelt und füttert die Frustration der durchschnittlich Engagierten, die irgendwann keinen Bock mehr haben, gegen die weltfremden Eskapaden einer Regierung zu demonstrieren, die sämtliche Klimakiller mit Subventionen polstert und Hilfsgelder aus dem Fenster schmeißt, als wäre eine Welt ohne Postkutschen und Schreibmaschinen nicht mehr existenzberechtigt. Solange Theoretiker sich trösten, dass die Gesellschaft den Menschen formt, können wir uns jeden Versuch in die Haare schmieren, die Verhältnisse zu ändern, wenigstens nicht auf wohlgesittete Art. Mit Fackeln und Äxten sähe die Sache gleich ganz anders aus, sie würde auch ungleich mehr Spaß machen. Natürlich muss die Menschheit sich in Verzicht üben, nur wollen eben nicht die verzichten, die bisher nichts mit Solidarität oder Verursacherprinzip am Hut hatten. Für sie war der Mensch ein schnell nachwachsender Rohstoff. Wir können auf diese Haltung verzichten. Und wir könnten es uns langsam auch leisten.





Hausmittel oder Weiter so

26 09 2021

für Wilhelm Busch

Es geht dem Michel gar nicht wohl,
er fühlt sich kraftlos, müd und hohl.
Zunächst versucht er’s treu und brav
mit einem Gläschen Wein und Schlaf,

und wenn er auch in Schlummer sinkt,
es ist nichts, das ihm Tröstung bringt.
Dem Michel wiegt der Kopf gar schwer.
Jetzt muss der Onkel Doktor her.

Es kommt sogleich der gute Mann
und sieht ihn aus der Nähe an.
Dass er sein Leiden nicht verschleppt,
bekommt der Michel dies Rezept:

„Die beste Speise, die es gibt,
ist kräftig, deftig, wie man’s liebt,
doch nur, was hier im Garten sprosst,
kurzum: zuvörderst leichte Kost.

Auch braucht es reine, klare Luft,
der Bergeshöhen Kräuterduft,
und da es dort zumeist recht kalt,
geht man, wenn’s warm ist, in den Wald.

Vor allem härte man sich ab
und bleibe alleweil auf Trab,
wobei man achte, wenn man satt,
dass man viel Ruh und Schonung hat.“

Da sich der Doktor niemals irrt,
stutzt Michel und ist schwer verwirrt.
Doch insgeheim ist er nun froh,
die Botschaft lautet: weiter so.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXXIII): Das Auto

24 09 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Was haben die Hominiden nicht schon alles an sich und vor sich hergetragen, um sich mächtig und stark zu fühlen: Muscheln, Zähne von Raubtieren und allerlei bunte Steine, Talisman und Fetisch, bis in der Bronzezeit die Serienfertigung der Objekte ihren Gebrauchswert in den Fokus rückte, wie auch immer der gerade aussah. Dem einen war das Stück Metall willkommene Hilfe bei der Bearbeitung des Ackers, anderen erleichterte es Körperverletzung mit Todesfolge bei kleinen Auseinandersetzungen oder die Vorbereitung eines Angriffskrieges, wenn es um größere Besitztümer ging. Noch immer hängt sich der gemeine Depp Gold und Geschmeide um den Hals, die er außerhalb der Nutzungszeit gut gesichert wegsperrt. Nur diesen Blechbömmel mit Blinker und Bremse klotzt er sichtbar vor die Butze und hofft, dass es den Nachbarn das Blut aus den Augen treibt. Es ist mehr als ein Statussymbol. Es ist das Auto.

Nichts wurde erfunden, gebaut, verkauft, das die Widersinnigkeit eines Kraftfahrzeugs auch nur näherungsweise erreichen würde. Angefangen vom Nutzungsgrad, der zuverlässig einstellige Prozente ergibt, wenn man die Mühle nur je dreißig Minuten zur Arbeit und zurück bewegt und noch einmal am Wochenende auf Parkplatzsuche vor dem Supikauf, über die Quote der Um- und Irrwege auf gestauten Innenstadtstraßen oder Autobahnen bis zur horrend hohen Rechnung für die Nachjustierung der blöde blinkenden Birne am Armaturenbrett, die zielsicher den Komplettaustausch des Bordcomputers fordert, die Kiste kostet. Wie Drucker, die schwarz-weiß als technisch unmöglich betrachten, solange nicht alle Farbpatronen voll sind, zerlegt das Ding auf vier Rädern Finanzreserven und Geisteszustand zu Kleinteilen, wie sie gerne in den Lüftungsschlitzen einer handelsüblichen Beifahrertür verlustig gehen, um dann in einem Paralleluniversum neben den Socken aufzutauchen, die die Waschmaschine frisst. Sollte die Kurbelwelle an der Schränkung leicht vordröllern oder der Stabilisator wegschwiemeln, ist die Katastrophe perfekt. Nächster Termin in der Werkstatt ist übernächsten Donnerstag, und da kann der ölverschmierte Sprallo nur feststellen, dass das jetzt aber echt teuer wird.

Aber ja, der Lack. Ursprünglich wurde das Zeug nur auf die Karosse geschmoddert, damit die Karre nicht schneller als nötig durchrostet, heute gibt es neun verschiedene Khakitöne, je nachdem, welches Land man mit dem Eierlaster überfallen will. Ob Metallic, Flop oder Flocke, alles dient dem Kratzer als Vorboten des Weltuntergangs, der sich als Blechschaden eine eigene Kategorie des Grauens in der Psyche geschaffen hat. Beule mit Weile, schon ab drei Millimeter Abtragung im Chrom kann der Bekloppte die ganze Stoßstange quasi ins Altmetall kloppen – und tut es auch. Ansonsten würden nach wenigen Jahrzehnten Wassermoleküle das Teil von innen zersetzen und mit fiesem Korrosionsbrand in einen rollenden Braunbrocken verwandeln. Nix da!

Wobei das wenigstens eine der individuelleren Arten von Kfz-Gestaltung wäre, die der gemeine Depp für den gesteigerten Wiedererkennungswert im Straßenverkehr sowie im Parkbereich benötigt. Plüschverkleidete Bömmel am Innenspiegel und ein Colt als Schaltgriff harmonieren schrill mit dem Wurzelholzimitat-Cockpit, das durch pinkfarbene Hosenträgergurte, 500-Watt-Scheunendiscoboxen und die La-Cucaracha-Hupe niedermolekular in der Proletensphäre verankert wird. Draußen dengelt der Profi Spoiler als optischen Brechreizbeschleuniger ans Heck und bollert fröhlich Frontschürzen vor die Mühle, die an der Parkhausausfahrt abgeschrammt werden wie Warzen aus der Radfahrerfresse beim Kavalierstart mit sechs Halben in der Birne. Nur der Anfänger klebt Sticker an den Autoarsch, die ein Herz für Kinder, für Sylt oder seinen Fußballverein signalisieren. Die Doppelauspuffattrappe beendet das Verkehrshindernis, nicht aber den Wahnsinn.

Denn was den Fetisch angeht, muss auch der im niederen Hubraumbereich verhaftete Bescheuerte Tribut zahlen. Ohne Zwangshandlungen kommt er nicht aus der Nummer, ohne rituelle Waschung des Pkw am Sonnabend unter Einhaltung einer in der Anwohnerschaft ausgehandelten Choreografie, die jedes zu hastige Abseifen mit Punktabzug straft und nach sechs Wochen Sprechchöre für mangelhaften Unterbodenschutz skandiert. Die Wahl des Wachses samt Podiumsdiskussion über den Härtegrad des Schaumstoffapplikators zur Lackkonservierung ist nach Hegelkongressen, Wirtschaftsverhandlungen mit Nordkorea und einer Partie Schach mit Armin Laschet ohne einen Tropfen Ethanol im Raum die größte Herausforderung ans limbische System, die bisher ohne Tote gemessen wurde. Wir nehmen das als Schicksal hin. Wer fährt schon mit dem Bus, wenn er auch fünfmal am Tag eine Hirnembolie im Kreisverkehr riskieren kann, weil der Vollarsch vor einem aus heiterem Himmel bei Rot in die Eisen steigt. Nein, wir wollen den kollektiven Untergang in der Blechlawine, solange unser Wagen größer, teurer, schneller ist als der von dem Typen, den wir nicht kennen. Wilhelm II. hielt das Auto für eine vorübergehende Erscheinung. Immer gut, wenn man Geschichte nicht zu kleinteilig denkt.





Kaufkraftbereinigt

21 09 2021

„Auswandern? super Idee, sind Sie noch nicht weg? Oder war das jetzt mal wieder so ein Angstgekläff, weil Sie einfach zu feige sind, um sich öffentlich als Waschweib in Ihrer Opferrolle zu suhlen?

Dürfen wir dann in den nächsten Wochen damit rechnen, dass Sie sich vom Acker machen? Das war ja eine der Peinlichkeiten im letzten Wahlkampf in den USA, dass lauter halbwichtige D-Promis, lauter Knalltüten wie Sie, immerzu versprochen haben, in einer wiederhergestellten Demokratie könnten sie gar nicht leben. Das ist durchaus ehrlich, ich zum Beispiel wüsste auch nicht, was wir hier in einer wiederhergestellten Demokratie mit jemandem wie Ihnen anfangen sollten, aber letztlich frage ich mich doch: wen interessiert’s? Sollten Sie ein akutes Aufmerksamkeitsdefizit entwickelt haben, machen Sie Ihre eigene Fernsehshow. Kaufen Sie sich den Scheiß, wenn’s gar nicht anders geht, irgendjemand hockt schon vor der Glotze und hat zu wenig Hirn unter der Kalotte, um unfallfrei abzuschalten. Dem können Sie dann erzählen, dass Sie jetzt sofort ans andere Ende der Welt ziehen, weil sie keinen Bock mehr haben, ihm seine Stütze zu zahlen.

À propos Zahlen, Ihnen ist ja hoffentlich klar, dass wir nicht nur über Einkünfte reden, die bei Ihnen sicher hervorragend sind, sondern auch über Vermögen. Das war dann mal weg. Auswanderer haben in der Regel keinen Anspruch mehr auf Lohn und Gehalt, wenn sie den Job nicht mehr machen, und wenn Sie der Meinung sind, mit Ihrer Kohle könnten Sie in Bangladesch wie ein König leben, muss ich Sie enttäuschen. Bangladesch ist eine parlamentarische Republik, der Taka ist nicht mehr so viel wert, und wenn Sie die Einkünfte eines TV-Spaßmachers umrechnen, langt’s bei Ihnen sicher für zwei Zimmer, keine Küche, Gartenschlauch auf der anderen Seite des Hofs. Aber ja, es fallen da so gut wie keine Heizkosten an, und kaufkraftbereinigt nehmen Sie mit etwa fünftausend US-Dollar pro Jahr am Bruttoinlandsprodukt teil. Macht aber nichts, die Beschäftigungsverhältnisse sind da meist informeller Natur, Sie werden also so wenig Geld, verdienen, dass Sie keine Steuern zahlen. Ist doch mal ein ganz neues Erlebnis, oder?

Wenn Sie Anschluss an die herrschende Kaste suchen, würde ich Ihnen empfehlen, über eine Anzeigenkampagne die Regierung als verfolgte Opposition darzustellen, die vor ganz schlimmen Repressionen durch mittellose Landarbeitern in ihre aus Steuergeldern finanzierten Paläste fliehen muss. Legen Sie ein bisschen von Ihrem Lohn als Arbeiter auf der Plantage zurück, oder als Handlanger in einer Autowaschanlage für die wenigen Touristen, die Ihr Dorf sieht. Schon nach wenigen hundert Jahren sind Sie so reich, dass Sie die notwendigen Sicherheiten haben für ein Bankkonto. Sie schaffen das, ich bin fest davon überzeugt.

Da wäre noch ein Frage, Sie verzichten doch mit Vergnügen auf die deutsche Staatsbürgerschaft? Das ist so ein Privileg, müssen Sie wissen – in dem Staat, in dem sich Arschlöcher wie Sie wohlfühlen würden, könnte man den Leuten einfach so ihren deutschen Pass abnehmen. Sie können das natürlich gerne freiwillig tun, es würde zum Beispiel Ihre Glaubwürdigkeit untermauern. Verstehe, so wichtig war es jetzt nicht, Sie wollen nur nicht mehr mit Deutschland in Verbindung gebracht werden, wenn man Sie hier wie alle anderen behandelt. Sie wollen lieber einen Staat, der Sie nicht so behandelt, als wären Sie auch nur ein Mensch. Behalten Sie Ihre deutsche Staatsbürgerschaft, dann wird das leicht zu machen sein.

In Deutschland wäre es ja einfacher, wenn Sie auf Diskriminierung abfahren, behalten Sie einfach die Staatsbürgerschaft Ihres Herkunftslandes. Die Bevölkerung ist da schon etwas weiter, aber für die Politik bleiben Sie immer der Ausländer, auch nach zwanzig Jahren, wenn Sie längst einen deutschen Pass haben. Stellen Sie sich mal vor, Sie kämen aus Deutschland – so viel Fantasie haben Sie sicher noch – und dann sollen Sie in Nigeria leben. Da fallen Sie sofort auf, auch wenn Ihnen beim Blick in den Spiegel einfach nicht klar wird, warum. Natürlich ist das unangenehm, und Sie werden in Nigeria sicherlich viel nette Leute kennenlernen, die keine Rassisten sind, aber Sie gehören dann halt nicht dazu. Sie sind keiner von denen. Schon gar nicht, wenn jeder Sie fragt, ob Sie ihn kastrieren wollen, damit Ihre politischen Freunde Sie mögen.

Dass Sie Ihren Privatjet hier lassen dürfen, war klar? Naja, so ein findiges Kerlchen wird doch ganz bestimmt irgendeine Möglichkeit sehen, sein Ziel zu erreichen. Balkanroute, Mittelmeer, Sie können bei irgendeiner Schlepperbande sicher auch einen Schuldschein unterschreiben. Oder Sie lassen gleich eine Niere da. Das regelt der Markt schon. Falls Sie unterwegs absaufen, dürfen Sie sicher sein, dass die Frontex-Truppe Ihretwegen keine Ausnahme macht. Da sind wir moralisch ganz auf Ihrer Seite. Wir verraten die Moral, die Sie für sich gar nicht erst reklamieren, Sie verraten das Volk, indem Sie sich aus dem Staub machen wollen. Aber Sie können das gerne als Zeichen von Freiheit interpretieren, weil das in einer sozialistischen Diktatur, die Sie gerade in der Bundesrepublik Deutschland erblicken, gar nicht möglich gewesen wäre.

Ach, Sie wollen doch lieber bleiben? Pakistan und Uganda sollen für Flüchtlinge nett sein, da würden Sie gar nicht auffallen. Bangladesch auch. Da nimmt man jeden, Sie bestimmt auch. Wenn Sie einen Moment warten, suche ich Ihnen etwas raus, wo Ihnen Verhaftung und Enteignung durch eine Diktatur droht. Sie wollen sich da doch wie zu Hause fühlen, oder?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXXII): Denkmäler

17 09 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Kurz bevor das ganze Reich unterging, ließ sich Aššur-bāni-apli noch mal in voller Montur samt Krönchen ins Relief dengeln, wie er mit Pfeil und Bogen Großwild jagte. Als Ganzfigur mit Bart und Korb warb er für assyrischen Wohnungsbau, dann war auch bald Schicht im Schacht. Mehr noch als in der Antike, im Mittelalter, erst recht in der Neuzeit war den Völkern des Altertums klar, dass alles recht vergänglich ist. Dynastien kamen, Dynastien gingen und wurden von Schutt und Asche bedeckt, damit kommende Herrscher auf rauchenden Trümmern neue Verwaltungseinheiten organisieren konnten, die die Machtverhältnisse gründlich neu ordneten und schon durch das Erscheinungsbild monumental angelegter Kunst im öffentlichen Raum änderten, was es zu ändern galt. Hier und da meißelten die dienstbaren Geister die Grinsrüben aus dem Fels, wie sie noch heute in jedem besseren Personenkult von Mauern und Fassaden hängen, sofort guckte der neue König so gütig wie machtvoll aufs Volk, kurz: der alte Klotz war weg, der neue Klotz war da. Wozu braucht es da heute noch Denkmäler?

Die Herren der Macht, und es sind immer nur Männer, Ottokar der Dehnbare, Kurfürst Heribert von der Klappstulle und irgendein Friedrich von Dingenskirchen mit Pelz und Perücke, haben sich größtenteils in Eisen gießen lassen, lungern nun auf steinernem Podest mit güldener Inschrift, damit sie keiner mit dem Gründer der städtischen Hunde-Wasch- und Reinigungsanstalt verwechselt, in den fußläufigen Zonen nahe Kirchen und Rathäusern herum, werden fotografiert, mit Pappnasen und Altpapier verschwiemelt und dienen allenfalls als Treffpunkt für Jugendliche, die vorabends alleine in modischer Kleidung mit flamboyantem Schuhwerk auf ihresgleichen warten. Trostlos fürwahr, und da ist das Denkmal nicht einmal mit eingerechnet. Die knöterigen Staubfänger längst vergangener Epochen stehen störrisch im Stadtbild, ohne die Aufschrift wüsste kein Passant, ob es sich um einen Kaiser, einen König oder den Erzherzog einer nicht mehr existenten Provinz handelt – mit Aufschrift weiß es auch keiner, aber wen kümmert das schon.

So schön ersichtlich an berittenen Deppen in rostiger Wehr, wie sie Reklame für den nächsten Krieg machen, für Preußens Gloria und Schlesiens Untergang, so zweifelsfrei stehen die dominanten Hohlkörper für nichts mehr, was mit der Gegenwart auch nur entfernt zu tun hätte. Allein die in alle teutonischen Weichbilder gerummsten Bismarcke verkünden nur noch mit Getöse die Apotheose von Pickeln auf der Haube, neben denen der Deutsche gerade noch genug Zeit für Kolonialismus hatte und den Platz an der Sonne mit Leichentüchern sicherte. Die Erinnerungskultur richtet sich an unterkomplex denkende Weichstapler, die mit Geschichte nicht viel am Hut haben, sonst müssten sie das präpotente Säbelrasseln der nationalen Besoffenheitsapostel ganztägig reflektieren. Womit schon.

Das Denkmal hat vielmehr die Aufgabe, alles an Geschichte zahnschonend zu verklittern, was den künftigen Generationen Probleme beim Schlucken verursachen könnte. Steht irgendwo am König vor dem Katasteramt, dass er ein mieser Militarist war, ungewaschen, versoffen und rassistisch dazu? Da das, was auch immer das ist, früher nun mal so war, müssen wir uns eben damit abfinden, dass man auf dem Weg zum Supermarkt an Antisemiten vorbeiradelt, an Arschlöchern, die zur Finanzierung eines neuen Lustschlosses mit Menschenhandel und Zwangsarbeit ihre eigenen Untertanen in den sicheren Tod trieben oder auf der Jagd durch Privatwälder ihre Tage herumbrachten, während das Volk nicht einmal Brennholz sammeln durfte. Es fehlt an den einordnenden Hinweisen, die Kriegsherren und Fürstbischöfe als zwielichtige Egoleptiker kennzeichnen, die hinter den blinden Flecken der Historie in Deckung gehen.

Interessant nun, dass man Saddam und Stalin, Hitler und Pol Pot sauber abgesägt, Putschisten wie Lettow-Vorbeck oder die Nagelbirne Hindenburg ordentlich entschuldigt, Wissmann, den Schlächter von Ostafrika, allenfalls einlagert, sobald sich eins an den Sklavenhandel als Grundlage für deutschen Wirtschaftsaufschwung erinnert. Überhaupt ist es die germanische Eigenheit, Wohlstand auf Kosten fremder Ethnien, jenes deutsche Wesen, das die Welt gerade noch überlebt hat, als Errungenschaft der Eliten in Erz zu kippen und irgendwo in eine Grünanlage zu stellen. Jede Gesellschaft vererbt ja die Vorbilder, die sie für geeignet hält, über ihre Tage hinaus zum Idol zu taugen, rituell angebetet zu werden und zur intellektuellen Auseinandersetzung in der Gegend herumzustehen – in der Reihenfolge. Es geht ja weniger um Authentizität, erst recht nicht in den übrigen Randbereichen des Erinnerns, Krieg oder Genozid, sondern um die Sakralisierung, die unsere Säulenheiligen im säkularen Umfeld notfalls museumstauglich macht, irgendwo eingeklemmt zwischen Pathos und Kitsch. Wenn sich der Spießer schon Bismarck als Aschenbecher und Bierhumpen in die Bude stellt, warum dann nicht auch Hitlern als Klobürste, wie es seine Kriegsgegner taten? Es gäbe da, um die objektive Verwertbarkeit der Geschichte zu gewährleisten, manche Möglichkeit.





Katastrophenalarm

14 09 2021

„Haben Sie da gerade jemanden?“ „Aus dem Kompetenzteam?“ „Die sind doch schon weg.“ „Aber wir bräuchten einen.“ „Ob uns da ein Berater hilft?“ „Lieber gleich zwei.“ „Der muss aber gut sein.“ „Und vor allem schnell, wir haben ja nicht mal mehr eine Woche.“

„Ein bisschen mehr schon.“ „Sie müssen aber berücksichtigen, dass wir erst mal abwarten sollten, ob die Wähler unseren Neustart auch bemerken.“ „Und dann müssten wir auch schauen, dass sich das in den Vorhersagen abzeichnet.“ „Weil ja dann erst die Ergebnisse besser werden.“ „Verstehe.“ „Also vier bis fünf Tage?“ „Das dürfte sehr eng werden.“ „Wir müssten erzählen, dass Scholz eine miese Sau ist und falsch parkt und Mundgeruch hat und…“ „Ruhig!“ „Also wirklich, jetzt mal langsam!“ „Wir einigen uns erstmal auf einen Berater, der uns eine Strategie vorschlägt, und dann können Sie hier mit Ihren Inhalten kommen, okay?“

„Und wenn wir künstliche Intelligenz in den…“ „Ich sagte doch, Inhalte können wir dann immer noch machen.“ „Man kann doch irgendwas in der Richtung jetzt für den Wahlkampf benutzen.“ „Aber von uns hat doch keiner Ahnung.“ „Von Wahlkampf oder von Intelligenz?“ „Jetzt machen Sie mich hier nicht nervös!“ „Das sind doch alles Dinge, die wir irgendwann sowieso besprechen wollten.“ „Aber die dauern zu lange!“ „Ich dachte, diese künstliche Intelligenz nimmt man, damit es schnell geht?“ „Das muss man doch erst mal aufbauen!“ „Ach so, wir haben da nicht genug Platz?“ „Wenn es am Geld liegt, ich kenne da einen, der würde uns auch kurz vor der Wahl noch etwas spenden.“ „Das ist doch jetzt völlig irrelevant!“ „Wieso, Geld kann man doch immer gebrauchen, oder?“

„Irgendwas mit Stabilität?“ „Klingt irgendwie verlässlich.“ „Nein, nichts mit ‚verlassen‘!“ „Das ist doch aber…“ „Fragen Sie mal die künstliche Intelligenz, ob der etwas einfällt.“ „Dazu müssten wir erst einen Berater haben, der die künstliche Intelligenz fragen kann.“ „Verstehe.“ „Trotzdem ist Stabilität ganz gut.“ „Klingt immer noch besser als Katastrophenalarm.“ „Was ist daran jetzt schlecht?“ „Ich meine ja auch nur, das ist besser als…“ „Also wenn wir eine Katastrophe haben, dann sollten wir auch den Mut zum Katastrophenalarm…“ „Das ist doch Quatsch!“ „Eben, oder haben wir hier eine Katastrophe?“ „Wir haben Stabilität, und das sollten die Wähler auch erkennen.“ „Trotzdem wäre es eine Katastrophe, wenn es diese Stabilität plötzlich nicht mehr gäbe.“ „Das können wir nur mit künstlicher Stabilität…“ „Sie meinen künstliche Intelligenz?“ „Nein, warum?“ „Warten wir doch erstmal ab, was der Berater dazu sagt.“

„Jedenfalls muss sich jetzt alles ändern.“ „Wie kommen Sie denn auf den Unfug?“ „Wir sind doch die Partei der Stabilität!“ „Aber für einen neuen Aufbruch, weil wir jetzt die Zukunft der…“ „Was haben Sie bloß mit Ihrer Zukunft?“ „Seine ist doch gar nicht so wichtig, es geht hier schließlich um die Partei.“ „Und um Deutschland!“ „Er ist noch nicht so lange dabei, stimmt’s?“ „Den Eindruck habe ich auch.“ „Wir brauchen ein Sofortprogramm auf den Gebieten Digitalisierung und Bürokratieabbau!“ „Das bezeichnen Sie als Aufbruch?“ „Ein Berater hätte das auch nicht schlechter hingekriegt.“ „Das funktioniert durch sofortigen Bürokratieabbau?“ „Die Digitalisierung lässt sich aber schneller in den Ämtern und Behörden durchsetzen.“ „Zum Beispiel mit einem abgesicherten Mail-Programm?“ „Dann müssen wir nur noch irgendwann das Programm neu machen, wenn die überflüssigen Gesetze weg sind, die wir mit digitalisiert haben.“ „Aber es ist ein Aufbruch!“ „Kann ich das mit der künstlichen Intelligenz noch mal sehen?“

„Videoüberwachung?“ „Das könnte man gegen Clankriminalität und…“ „Wollen Sie uns alle in den Knast bringen!?“ „Er ist wirklich noch nicht lange dabei.“ „Am besten gegen Steuerhinterziehung, Sie Pfeife!“ „Hat er und schon T-Shirts drucken lassen mit ‚Wir sind die Verbotspartei‘?“ „Wir könnten für den Klimaschutz eine…“ „Der ist ein U-Boot.“ „Das Gefühle habe ich auch.“ „Gleich schlägt er noch eine Beschleunigung für Genehmigungen im Bauordnungsverfahren vor.“ „Machen das nicht die Kommunen?“ „Deshalb schlägt er es ja vor.“ „Verstehe.“ „Und wie finanzieren wir das?“ „Wenn man die Spitzenverdiener entlastet, dann schaffen wir mehr Kapital für Investitionen.“ „Beim Staat?“ „Das muss aber auch schnell umsetzbar sein.“ „Wir haben doch vier Jahre Zeit.“ „Drei Jahre.“ „Stimmt, im nächsten Wahlkampf brauchen wir ja was.“ „Es müsste jetzt perspektivisch etwas geben, was wir vollkommen ignorieren.“ „Dann haben wir für den nächsten Wahlkampf auch was.“ „Genial!“ „Damit ist der Berater überflüssig!“ „Ich will mich ja nicht selbst loben, aber das Honorar könnte man dann doch gleich mir auszahlen, oder?“ „Sehen Sie, so macht man das!“ „Der ist auch schon etwas länger in der Partei.“ „Verstehe.“

„Und wenn wir uns das alles gar nicht leisten können?“ „Wir müssen sowieso erstmal abwarten, was die Kassenlage ergibt.“ „Das heißt, im Zweifel können wir gar nichts umsetzen?“ „Dann sind die Ausländer schuld.“ „Und der Sozialismus.“ „Sind die fürs Klima verantwortlich?“ „Die Chinesen schon.“ „Vielleicht brauchen wir da doch wieder einen Berater.“ „Ich hätte da noch Barmittel.“ „Wir könnten künstliche Intelligenz davon kaufen.“ „Da werden Sie nicht viel bekommen.“ „Und für die, die nicht wissen, was sie wählen sollen?“ „Wir müssen anschlussfähig sein nach allen Seiten.“ „Nach allen Seiten?“ „Verstehe, kein Problem: wer gendert, wird erschossen.“