Verkehrswert

7 06 2022

„… eine Umgestaltung des öffentlichen Raums für das 21. Jahrhundert viel Geld erfordere, das nach Ansicht der Liberalen jedoch gut angelegt sei. So werde eine Reform des Straßenbildes, das die autofeindlichen Auswüchse vergangener Epochen endgültig aus dem…“

„… allein der Dom die Fläche von etwa 2.700 Pkw-Parkplätzen blockiere. Zusammen mit der Domplatte und angrenzenden Grundstücken könnte nach der Entfernung der Kathedrale in der Kölner Innenstadt ein verkehrsfreundliches Areal, das für den Einzelhandel und zur Modernisierung der…“

„… sich auch die Stuttgarter Innenstadt sehr gut eigne. Mit dem ersatzlosen Abriss des ehemaligen Hauptbahnhofs könne die neue neunspurige Straße zwischen B27 und B14 den Bebauungsplan des Bezirks dahingehend befrieden, da nun nicht mehr entschieden werden müsse, welche Gebäude noch von der einheitlichen Einebnung des…“

„… sich in Dresden ein Kompromiss anbahne, da die FDP gemeinsam mit anderen rechtradikalen Kräften das Zentrum als fußgängerfreie Zone und kostenfreien Parkplatz einrichten wolle. Falls sich die Union für eine Multifunktionsfläche ausspreche, die nationalsozialistische Spaziergänge erlaube, sei ein Kompromiss möglich, bei dem nur Radfahrer, Ausländer und Demokraten gänzlich aus dem…“

„… Ausschachtungen unter der Kirche den Bau einer Tiefgarage beschleunigen würden. Wissing sehe keine Probleme beim Abriss, wolle jedoch den Auftrag zunächst mit einigen Geschäftsfreunden besprechen, damit eine öffentliche Ausschreibung die Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen nicht unnötig…“

„… Grünflächen in der Dresdner Innenstadt nicht für die Klimaregulierung im Regenwald nötig seien. Lindner plane daher ein Pilotprojekt, das die Erforschung der Brennstoffzelle für SUVs und Sportwagen aus deutscher Produktion in den bald entstehenden Werken in Freital, Coswig und…“

„… den Westfalenpark bisher falsch bewertet habe. Die nordrhein-westfälische Regierung werde in Kooperation mit dem Verkehrsministerium die bisher an der B54 verfügbaren Parkplätze zu einer Gesamtfläche verbinden, die 30% des in Dortmund insgesamt vorhandenen…“

„… sich in Richtung Esslingen hektarweise nicht befahrbarer Grünflächen befänden, die als Kurzstreckenschnellstraßen ohne Tempolimit den Bedürfnissen vieler Autofahrer entgegenkämen. Lindner sehe auch in Abschnitten von fünfzig bis siebzig Metern schon signifikant den Verkehrswert der Schwabenstadt steigernde Strecken, die der Autoindustrie die entscheidenden Impulse zur…“

„… den Verkehrsfluss am Konrad-Adenauer-Ufer erheblich verbessern werde. In einem ersten Bauabschnitt plane die Kommission alle hundert Meter eine Rheinquerung, zu deren Anschlüssen auch die als Stadtautobahn erweiterte B55 sowie die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Trasse der…“

„… und den Alten Elbtunnel erweitere. Mit der Überbauung der Landungsbrücken durch einen zunächst bis Wilhelmsburg reichenden Highway, der als neues Wahrzeichen der Hansestadt gedacht sei, könne der Individualverkehr insbesondere die Luftqualität im Hafen durch eine verringerte oder wenigstens verzögerte Ausbringung von Feinstaub auf den südlichen Teil der…“

„… mit der Errichtung eines zwanzigstöckigen Parkhauses auf dem Tempelhofer Feld zwar die Verfügbarkeit von Abstellflächen für die Region Berlin-Brandenburg erfüllt sei, andererseits jedoch Anfahrtswege von bis zu 85km in Kauf genommen werden müssten. Die FDP sei allerdings von der Signalwirkung des Projekts für die Bauwirtschaft überzeugt und halte eine Fertigstellung wie bei ähnlichen Vorhaben der Verkehrsinfrastruktur in der Region für äußerst…“

„… sich der Neckar flussabwärts zwischen Bad Cannstadt und dem Hafen für eine komplette Überbauung eigne. Da es kein Bundesgesetz gebe, das die Überbauung des Flusses verhindere, halte Buschmann die Anlage einer Umgehungsstraße für verfassungskonform und wolle zeitnah mit einem handwerklich sehr gut gemachten Gesetz die…“

„… eigne sich Frankfurt nur eingeschränkt zur Realisierung moderner stadtplanerischer Vorhaben. Lindner habe viel Verständnis, dass Aktionäre die drohende Enteignung angrenzender Grundstücke als Angriff auf ihre finanziell erheblich im…“

„… eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik landschaftlich problematischen Erscheinungen wie dem Baldeneysee mit innovativen Konzepten für eine wirtschaftsfreundliche Nutzung begegne. Nach der Zuschüttung des Gewässers könne die Planung der Rennstrecke für erlebnisorientiertes Fahren mit über 300 km/h sowie ein neuer Stadtteil mit Klinik und Krematorium südlich der bisher…“

„… bei Verkehrsvorhaben auch die ländlichen Standorte nicht vergessen werden dürften. So halte Wissing eine sternförmige Zusammenführung aller Bundesautobahnen in der Lüneburger Heide für ein Win-Win-Konzept, bei dem Naturflächen, die oft zur Konfrontation mit Landschaftsschutzbehörden geführt hätten, durch eine zielgerichtete…“

„… durch mehrere Schläge mit einem Maßkrug auf den Hinterkopf getroffen worden sei. Da die Einebnung weiter Teile von Giesing nicht mit der Landesregierung abgesprochen worden sei, hätten die Fans des 1. FC Bayern München die Sprengung an der Säbener Straße durch eine Menschenkette verhindern wollen, bis der Bundesverkehrsminister durch eine unbedachte Bemerkung in Hinsicht auf die preußischen Tugenden der…“





Autofreie Gesellschaft

25 05 2022

„Wir müssen das trotzdem…“ „Aber es ist Unsinn.“ „Wir müssen trotzdem…“ „Es ist Quatsch, und Sie wissen es ganz genau.“ „Wir müssen an der Prämie für Elektroautos festhalten!“ „Es ist nachweislich falsch, es ist Unfug, und es ist Wählerbetrug.“ „Und warum, meinen Sie, wollen wir es trotzdem?“

„Das Geld macht doch nicht die Autos billiger, es geht nur an die Hersteller, damit sie die Autos teurer machen können.“ „Also wie beim Sprit.“ „Aber so teure Autos kann sich dann ja keiner ohne Prämie leisten.“ „Wollen Sie eine Gesellschaft, in der sich keiner mehr ein teures Auto leisten kann?“ „Am Ende landen wir noch in der autofreien Welt, die uns die Grünen angedroht haben!“ „Gnade!“

„Es geht doch nicht um Autos an sich, sondern nur um Elektroautos.“ „Die verbrauchen aber kein Öl.“ „Aber Strom.“ „Und damit fossile Energie.“ „Wenn wir den Leuten Elektroautos finanzieren, können wir uns nicht gleichzeitig Windräder leisten oder Sonnenkollektoren.“ „Richtig, eins geht nur.“ „Außerdem wäre das ein Eingriff in den Markt, den der Staat gar nicht machen darf.“ „Und wenn die Konzerne das Aus für Verbrenner beschließen?“ „Das ist natürlich unternehmerische Freiheit, die wir als Staat durchaus unterstützen dürfen.“

„Das hört sich ja fast an, als müssten wir mit der Kaufprämie die Käufer entlasten.“ „Das ist ja auch geplant.“ „Wer von den hohen Preisen der heutigen Elektrofahrzeuge entlastet wird, kann sich auch die aktuell hohen Preise der anderen Wirtschaftsgüter leisten.“ „Denken Sie nur an die Lebensmittel.“ „Die bezahlen aber auch andere, die sich kein E-Auto kaufen.“ „Jetzt machen Sie doch nicht die Leute, die sich ein Elektroauto kaufen wollen, für die anderen verantwortlich!“ „Im Gegenteil, er hat doch nur gesagt, dass die sich kein…“ „Ich bin doch nicht dafür verantwortlich, nur weil sich einer gerade kein Auto kauft.“ „Die kaufen sich das aber vielleicht nur nicht, weil sie die hohen Preise für die Lebensmittel bezahlen müssen.“ „Dann könnte man denen doch die Prämie für Elektroautos geben, dann kaufen die sich eins und haben wieder Geld für Lebensmittel.“ „Und wenn die ihre Kaufprämie in Wahrheit für Lebensmittel ausgeben und sich das Elektroauto vom Ersparten leisten?“ „Das ist deren eigene freie Entscheidung, da darf der Staat nicht einfach so eingreifen.“

„Andererseits könnte man dann ja gleich die Lebensmittel subventionieren.“ „Ich bitte Sie, wir sind doch hier nicht im Sozialismus.“

„Aber faktisch ist es doch so, dass viele Leute gar nicht am Autoverkehr teilnehmen, weil sie zum Beispiel gar keinen Führerschein haben.“ „Die sind dann zum Beispiel auf ein Taxi angewiesen.“ „Oder leben in einem weit abgelegenen Dorf und brauchen im Fall einer lebensbedrohlichen Erkrankung den Arzt, der sich ja hoffentlich ein Elektroauto leisten kann.“ „Und hier, Pizzaservice!“ „Wenn man zu viel Pizza frisst, kommt der Arzt halt früher.“ „Das tut doch jetzt nichts zur Sache!“ „Also finanzieren wir jetzt den Pizzaservice oder den Arzt?“ „Wer braucht denn da wen?“ „Ist auch eine Frage des Preises.“ „Der Arzt hat mehr Geld.“ „Dann sollten wir den unterstützen, damit das auch so bleibt.“

„Und wenn wir diese autofreie Gesellschaft einfach als Gesellschaft definieren, in der jeder frei ist, sich ein Auto zu kaufen?“ „Die haben wir jetzt schon.“ „Dann frage ich mich, worüber wir hier diskutieren.“ „Haben wir den Autoherstellern die Subventionen denn direkt versprochen?“ „Unter Freunden muss man das doch gar nicht erst.“ „Das würde ich als Gewohnheitsrecht bezeichnen.“

„Könnte man diese Subvention nicht einfach antiproportional zur Fahrzeuggröße gestalten?“ „Sie wollen die Menschen dafür bestrafen, dass sie sich ein großes Auto leisten können?“ „Sagen Sie doch gleich, dass Sie im Sozialismus leben möchten!“ „Wir hätten aber Einspareffekte, die wir sonst nur mit einen Tempolimit erreichen würden.“ „Das ist doch eine krasse Marktverzerrung!“ „Kein Mensch würde sich ein teures Auto kaufen, wenn er damit nicht Höchstgeschwindigkeit fahren könnte!“ „Und kein Hersteller würde mehr solche Wagen bauen!“ „Und dann würde keiner mehr Autos kaufen!“ „Das wäre der Staatsbankrott!“ „Sie spielen hier mit der kulturellen Identität unseres Landes!“ „Und die Menschen würden komplett das Vertrauen in die Politik verlieren, wenn wir ihnen Prämien für ein Elektroauto versprechen, und dann können sie sich gar keins anschaffen!“ „Das ist Volksverrat!“

„Wahrscheinlich klappt es sowieso nicht, weil wir gar nicht genug Strom haben.“ „Seit wann denn das?“ „Die erneuerbaren Energien werden doch bis 2040 eingeführt?“ „Gehen Sie mal von 2050 aus.“ „Also faktisch 2080.“ „Bis dahin müssen wir in einer Langzeitstudie verlässliche Zahlen haben, wie viel Strom wir zur Umstellung des Verkehrs auf Elektromobilität brauchen.“ „Stellen Sie sich mal vor, wir bauen zu viele Windräder.“ „Das kostet vor allem auf Landesebene Wählerstimmen.“ „Das wäre ja schrecklich!“ „Könnte man dann nicht den Aufbau der erneuerbaren Energien an den Verkauf von Neuwagen koppeln?“ „Eher umgekehrt.“ „Auf jeden Fall brauchen wir mehr Wind und Sonne im Strommix, sonst haben wir gar nichts mehr für die Industrie.“ „Welche Industrie?“ „Die, die die Autos baut.“ „Ach so.“ „Das kann man doch jetzt noch gar nicht sagen.“ „Richtig, wir können nicht einfach Windräder bauen, die wir erst 2040 brauchen.“ „Oder 2050.“ „Also faktisch 2080.“ „Oder wenn wir endlich wieder alle Bauteile bekommen, um Elektroautos bauen zu können.“ „Sehen Sie, das ist das Schöne an solchen Diskussionen – wenn man ein bisschen wartet, erledigt sich alles von selbst.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCXII): Der Parkplatz

29 04 2022
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Als der Hominide anfing, sich aus seinem seit Zehntausenden von Jahren angestammten Habitat herauszubewegen, stellte sich mittelfristig die Frage nach dem Transport unhandlicher Objekte. Pferd, Esel und Kamel waren nur drei Möglichkeiten, mit Sack und Pack über schwieriges Gelände zu ziehen, falls sich Ausgangs- und Zielpunkt nicht auf dem Wasserweg verbinden ließen. Da lag die Nähe zum Nutztier noch in praktischen Erwägungen begründet – Haus und Stall waren nicht selten unter einem Dach, was in kalter Witterung auch Wärme lieferte. Doch schon mit der Kutsche schwand die Fühlung, zumal sie nur von einer begüterten Minderheit als Fortbewegungsmittel unterhalten wurde. Die engen Gassen der Stadt waren verkehrstechnisch gar nicht auf derartige Konstruktionen vorbereitet, zumal dann nicht, wenn sie aus Platzgründen eine Menge Leute für Handel, Handwerk und allerlei krumme Geschäfte aufnehmen mussten. Keiner war an den ratternden Kästen interessiert, die geräuschvoll auf dem Pflaster holperten, an Hausecken stießen und die natürliche Gangart des Menschen störten. Was also brachte uns auf den bescheuerten Gedanken, das mit Parkplätzen zu versuchen?

Deutschland hat grob gerechnet zwei davon pro Einwohner, obwohl nicht einmal jeder ab legalem Alter ein Kraftfahrzeug besitzt. So ist durch das Auto, das vor der Wohnung, dem Arbeitsplatz, dem Supermarkt oder dem nächstgelegenen Bahnhof steht, im Naherholungsgebiet, in der Tiefgarage, an der Autobahnraststätte oder vor dem Friedhof, eine immense Fläche sinnlos verkloppt, zuzüglich der gefühlten fünf Viertel Standstreifen in den Städten, die als Reservoir für die sich langsam leerenden Asphaltareale dienen, die ihre Blechlawine jeden Tag wieder in die Landschaft schwiemeln. Diese simultane Verkehrs- und Bauzerstörung, die das als christliches Abendland geplante Gepräge westlicher Gestaltung unter dem Vorwand der Verwertung von Mensch und Maschine, letztlich aber nur der des Kapitals, in verfüg- und verschiebbare Materie wandelte und noch wandelt, macht aus Metropolen schnell durchfahrbare Klappkulisse, die sich easy vermarkten lässt, wo immer man aussteigen kann.

Im Grunde ist der Parkplatz der natürliche Feind des zwangsautomobilen Menschen. Nie ist er da, wo man ihn braucht, meist gibt es davon zu wenig, weil der Autoverkehr mit der linearen Anlage von Stellplätzen exponentiell anschwillt, sie sind zu eng und zu klein, nicht barrierefrei und konstanter Quell der Frustration für alle Kfz-User. Wie es der Markt nun einmal vorschreibt, zocken Körperschaften und Konzerne mit Fleiß den ruhenden Verkehr ab, mit Parkuhren, Parkscheinen, Höchstparkdauern, alles im Preisbereich, der für andere Dienstleistungen ohne nennenswerten Kundenvorteil dem Deppen in die Nähe einer Hirnembolie treiben. Zwar kann er auf der Suche nach einer Freifläche zehnmal um den Häuserblock heizen, um danach seine Einkäufe doch wieder eine Stunde lang durch die Gegend zu schleppen; er kann aber auch kurz die Zeit aus den Augen verlieren, voll in die Bußgeldfalle tappen und Spaß mit saftigen Strafgebühren haben. Der Gourmand der Schotterverschwendung plant für den Besuch im Shopping Center gleich drei volle Stunden ein, um sich den Nasenstüber zu ersparen, und berappt für den Sicherheitspuffer doppelt. Dazu kommen Kraftstoff- und Nutzungs-, Umwelt- und Arbeitszeitkosten, die allein die Jagd nach der Parkbucht verursachen: jährlich 40 Milliarden. Gut, dass das auch alle Radfahrer subventionieren.

Hat der Blechdödel die leere Lücke erst einmal entdeckt und zwängt den modischen Straßenpanzer hinein, stellt er nicht selten fest, dass in den Jahren nach dem letzten architektonischen Upgrade die Seitenstreifen nicht gerade breiter wurden – das hat der Führer nach dem Krieg also nicht viel größer und schöner aufgebaut, Volkswagen hin oder her. 40% der Autounfälle entstehen beim Rangieren auf dem Terrorterritorium piepend rückwärts fahrender Stahldinger, durchschnittlicher Vollkaskoschaden: 2.200 Euro. Etwa 42 Stunden Lebenszeit verbringt der Bekloppte mit dem schmerzhaften Prozess der Parkplatzfindung, Ein- und Ausfahren, und dem lieblichen Knirschen am Kantstein, wenn die Felge ein letztes Mal Lebenszeichen von sich gibt.

Nur eins bringt den Nanodenker kurzfristig in den Zustand der Zurechnungsfähigkeit, und das ist das Hindernisrennen für alle, die gerade aus dem Auto ausgestiegen sind und sich wundersamerweise in fluchende Fußläufige verwandeln, die von Honks ohne Sinnesorgane und einer Reaktionszeit auf der Minutenskala fröhlich zu artistischen Übungen auf dem Gehweg getrieben werden. Die Vergeudung des urbanen Raums feiert sich gerne mit Blutopfern und Hässlichkeit, während die Mobilpest von einer Standfläche zur nächsten bollert, um dort wieder in hoheitsvoller Bewegungslosigkeit zu vegetieren. Im Falle von Kamel und Pferd, Esel und Kutsche wäre das wenigstens ästhetisch erträglich, würde weniger Todesopfer fordern, weniger Feinstaub und Gestank verursachen und besser sein für das, wofür wir die Städte überhaupt gebaut haben. Aber dann gibt’s ja Beknackte, die das Auto brauchen, weil sie deshalb aufs Land gezogen sind. Wegen der Parkplätze.





Drohende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit

21 03 2022

05:55 – Leise zieht Enno T. (45) die Tür des gelb gestrichenen Bungalows hinter sich ins Schloss und schreitet vorsichtig über den knirschenden Kies der Garagenauffahrt, um die schlafenden Nachbarn nicht zu wecken. Der Fertigungstechniker öffnet die Tür seines Mittelklassewagens, setzt sich hinters Steuer und versucht, den Motor zu starten. Nach gut vier Minuten vergeblichem Georgel gibt er es auf.

06:02 – Im Schatten der Dunkelheit robbt Jens K. (23) unterhalb der Gartenzäune von Grundstück zu Grundstück. Dabei balanciert er einen gerade halb gefüllten Schlauch aus Kunststoff auf dem Rücken, an dessen Oberseite sich ein Ventil befindet. Keiner hat ihn bisher in der Morgenfrühe bemerkt.

06:08 – T. war es gelungen, so gut wie lautlos die Kofferraumklappe seines Wagens zu erreichen, wo er einen Kanister mit Superbenzin vermutete. Zwar wusste er schon am Vorabend, dass der Tankinhalt nicht mehr für Arbeitsweg ausreichen würde, er war aber zuversichtlich, dass er die Strecke bis zur nächstgelegenen Zapfsäule schaffen könne. Dies hatte sich nun als falsch herausgestellt.

06:16 – Lara M. (31) verlässt das Haus zeitgleich mit ihrem Lebensgefährten Tobias J. (31). Die zahnmedizinische Fachangestellte und der Erzieher schließen ihre Fahrradschlösser auf, nehmen auf ihren Drahteseln Platz und gleiten so gut wie lautlos den Nachtigallenweg in südlicher Richtung entlang bis zur Kreuzung Kiebitzredder. Nur ein schwacher Lichtschein huscht an K. vorbei, der gerade unter das Fahrgestell eines SUVs kriecht.

06:22 – Personenschützer Goran B. (37) tritt vor die Tür. Nach einigen Aufwärmübungen joggt er auf den Gehweg, um seine kleine Morgenrunde von der Ecke Amselschlag über den Lerchenstieg bis an den Stadtrand zu laufen. Alles scheint wie immer.

06:25 – Mit Hilfe eines Schraubendrehers und einer Messerklinge macht K. sich daran, den Tankdeckel des Straßenpanzers zu öffnen. Erst misslingt der Versuch, da die Abdeckung durch ein Schloss gegen unbefugten Zugriff gesichert ist, dann bricht die Klinge im Spalt zwischen Deckel und Karosserie ab. K. gerät in Panik. Schließlich rutscht er mit dem verbliebenen Werkzeug beim Versuch, Fragmente des Messers zu entfernen, horizontal ab und fügt dem schwarzen Mattlack auf dem amerikanischen Fahrzeug eine erhebliche Schramme zu. K. lässt sich im letzten Moment unter den Wagen gleiten.

06:37 – Die Hoffnung trog. T. kann zwar unter einer verschmutzten Plastikplane und mehreren Bierflaschen den Vorratsbehälter ausfindig machen, muss jedoch feststellen, dass dieser leer ist. Ein an der Unterseite befindliches Loch steht im Verdacht, am Zustandekommen dieses Sachverhalts beteiligt gewesen zu sein. Mit einem heftigen Schwung schlägt T. den Kunststoffkanister an die Unterkante des Kofferraums.

06:55 – Als Ludger N. (55) sein E-Auto aus der Garage rollt, fallen ihm auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwei Sattelzugmaschinen auf, die direkt hintereinander parken. Eines der Fahrzeuge kann der Pädagoge dem Berufskraftfahrer Nico F. (58) zuordnen, das andere ist ihm nicht bekannt.

07:10 – Die Luft ist rein. K. kann sich kriechend aus der Zwangslage befreien, schreckt jedoch im blendenden Lichtkegel eines durchfahrenden Autos zusammen. Beim Versuch, möglichst schnell wieder in Deckung zu gehen, stößt er sich empfindlich am Außenspiegel des Großraumgefährts, der sich auch erwartungsgemäß unter leichter Schallentwicklung vom vorderen Kotflügel löst.

07:16 – In der Zwischenzeit war T. nicht untätig. Er vermutet einen zweiten Kanister in der Garage, die er nun hektisch durchwühlt. Das Kipptor steht einen Spalt breit offen, so dass Rentnerin Christa E. (79) bei der Morgenrunde mit Zwergpinscherdame Lilo vom Versuch eines Einbruchdiebstahls ausgehen muss. Überhastet läuft sie nach Hause in den unteren Rotkehlchenbogen, um telefonisch eine Polizeistreife anzufordern.

07:27 – Verstohlen klingelt Mirko Z. (57) an F.s Haustür. Der langjährige Truckerkollege aus der Spedition Rotzhorst & Co. schlüpft ins Haus. Dann ist nichts mehr zu sehen.

07:38 – T. hat endlich einen kleinen Rest Sprit im Regal des Autoraums ausfindig machen können. Er füllt die gut anderthalb Liter in den Tank ein, doch das Ergebnis ist nicht befriedigend. Der Wagen springt zweimal kurzfristig an, bevor der Motor beim Lösen der Kupplung jäh absackt. T. schlägt wutentbrannt die Fäuste aufs Lenkrad.

07:45 – Endlich trifft auch die Polizeistreife im Nachtigallenweg ein. Polizeiwachtmeister Jens K. (44) und Polizeihauptmeisterin Sandra O. (26) nehmen den Tatort sehr genau in Augenschein, bis sie bemerken, dass es hier keinen Tatort gibt, da sich T. anhand seiner Dokumente als Bewohner des Anwesens ausweisen kann. Die beide Beamten wünschen ihm noch einen erfolgreichen Start in den Tag und treten den Rückzug zur Wache an.

08:04 – Die Tour hatte ein bisschen länger gedauert. B. kommt verschwitzt an seinem Haus an. Als er sein Auto erblickt, hat er einen Wutausbruch. Die gut zwanzig Zentimeter lange Schramme in der Nähe des Tankdeckels veranlasst ihn zu dem laut geäußerten Versprechen, den Verursacher dieser mutwilligen Sachbeschädigung durch rohe Gewalt zeugungsunfähig zu machen. E., die an der Ecke Amselschlag gewartet hatte, um das Eintreffen der Ordnungshüter abzupassen, überlegt kurz, ob die drohende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit eine weitere Meldung an die Polizei rechtfertigen würde.

08:06 – Unbemerkt kann sich K., der nach seiner leichten Kopfverletzung noch leicht benommen ist, aus dem Schatten des SUV auf der Beifahrerseite entfernen. Gebückt schlängelt er sich um das Auto, erreicht den Gehsteig und flieht vom Tatort. Aus Unachtsamkeit dreht er das Einlassventil seines Sammelschlauchs um wenige Millimeter auf, so dass tröpfchenweise Kraftstoff entweichen kann. Im Rückwärtsgehen stößt er heftig an einen Lichtmast, lässt den Benzinbehälter zu Boden gleiten und sucht das Weite.

08:15 – F. und Z. verlassen das Haus und besteigen beide ihre Sattelschlepper. Beim Ausparken gibt es einige kleine Schwierigkeiten, so dass außer einer enormen Geräuschentfaltung in den ersten Minuten nicht viel geschieht. F. gestikuliert heftig, da er die notwendigen drei Meter nicht zurücksetzen kann, die der Kleinwagen hinter ihm in Anspruch nimmt. Er gehört der Studentin Anja W. (22), die gerade ihre Eltern besucht. Z. steigt aus der Fahrerkabine und klingelt am Haus des Ärztepaars. Keiner öffnet.

08:26 – Kevin U. (29) biegt aus dem Meisenweg in die Straße ein. Der Paketbote hält vor dem Haus der Intensivpflegerin Greta K.-H. (43), die sich zur Zeit auf Doppelschicht im Städtischen Klinikum West befindet. Da die Rollläden am Haus zur Linken ebenfalls heruntergelassen sind und der Bewohner Heribert P. (86) sein Hörgerät aus Bequemlichkeit oft gar nicht erst benutzt, versucht er es auf der rechten Seite. DJ Fla$hBäm, bürgerlich Karlheinz V. (56), ist erst in den frühen Morgenstunden von der Schlagerparty im Tanzpalast Eldorado zurückgekehrt und deshalb nicht zu zielführenden Diskussionen mit dem Lieferanten bereit. Auch ein zweites und drittes Klingeln führt nicht zum gewünschten Erfolg: V. nimmt das Paket vom Versandhaus VeganoFit nicht an.

08:38 – B. hat den ganzen Keller nach geeigneten Instrumenten durchsucht. Schließlich fiel zwischen dem Neuner- und einem Brecheisen die Wahl auf letzteres Objekt, mit dem der muskulöse Mann in Rage das Haus verlässt.

08:43 – Z. kehrt unverrichteter Dinge zurück. Beim Anblick der beiden Zugmaschinen hat er endlich den rettenden Einfall. Er besteigt die Kabine und fährt knapp zehn Meter vorwärts, so dass F. nun ohne Gefahr einer Kollision ausparken und wenden kann.

08:54 – Inzwischen hat T. den Betrieb informiert, dass er wegen einer Autopanne nicht zur Arbeit erscheinen kann. Nach telefonischer Ankündigung einer schriftlichen Abmahnung für vorsätzliches oder zumindest grob fahrlässiges Fernbleiben vom Arbeitsplatz erleidet T. einen Weinkrampf. Er kauert sich auf den Boden vor sein immer noch nicht fahrbereites Auto und ergibt sich in das nicht mehr zu Vermeidende.

09:12 – Nach einer geradezu filmreifen Szene, in der U. der schräg gegenüber wohnenden Kerstin A. (44) erklärt, er müsse alle nicht ausgelieferten Sendungen wieder in die Zentrale fahren und dort persönlich für die jeweiligen Waren bezahlen, so dass er bereits jetzt sein Gehalt für die nächsten zehn Jahre schuldig sei, nimmt die Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Karmische Chakren-Homöopathie den Karton endlich an. U. tupft sich den Schweiß an und sinkt auf der Treppe zusammen, aber er ist vorerst gerettet. Nur noch vierzehn Stunden und knapp zweihundert Pakete.

09:20 – Unterdessen haben die beiden Trucker unter Benutzung ihrer unvorschriftsmäßig lauten Signalanlagen den Nachtigallenweg abgefahren und blockieren jetzt von der Kreuzung Kiebitzredder bis zur Ecke Amselschlag den gesamten Straßenzug mit quergestellten Fahrzeugen. Wie man an den Transparenten auf den Wagen sowie Botschaften, die sie über Außenlautsprecher verkünden, schnell erkennen kann, richtet sich ihr Protest gegen den ihrer Auffassung nach von Klimahysterikern inszenierten Preisanstieg bei Kraftstoffen. Mit laufendem Motor und Abgaswolken wollen sie ein Ende der Abzocke erzwingen.

09:22 – E. bringt ihre verängstigte Hündin in Sicherheit. Sofort, nachdem sie zu Hause angelangt ist, ruft sie erneut die Polizei an und gibt eine nicht hinnehmbare Lärmbelastung zu Protokoll. Da der diensthabende Beamte auf der Einsatzleitstelle sich wenig motiviert sieht, dem Treiben ein Ende zu setzen, erwähnt sie die Unzulässigkeit des Hupens gemäß §16 StVO, was als Ordnungswidrigkeit ein Bußgeld von jeweils zehn Euro nach sich ziehen würde. Als E. mit Dienstaufsichtsbeschwerde droht, gibt Ewald M. (63) nach und übermittelt den mit dem Ort vertrauten Polizisten den Einsatzbefehl.

09:36 – Nach längerem Verweilen in der Embryonalstellung fällt T.s Blick auf einen Beutel, der unterhalb der Hecke auf seinem Grundstück liegt. Der Geruch ist ihm geläufig. Elektrisiert springt er auf und untersucht den Plastikschlauch – das Ventil droht abzubrechen, da es sich um sehr minderwertigen Kunststoff handelt, andererseits ist das Gebinde mit gut zehn Litern Sprit gefüllt. Er beschließt, die kostbare Essenz langsam in den Tank zu gießen, um keinen Tropfen zu vergeuden.

09:45 – Er ist an zwei Seiten gefangen. U. begreift seine Situation. Nach menschlichem Ermessen wird er den Nachtigallenweg nicht so schnell verlassen, zumindest nicht in seinem Lieferwagen. In kalter Wut geht er zu Z., der gerade auf Stufe 10 Country aus dem Makrofon brüllen lässt. Als der König der Landstraße den fluchenden Paketfahrer bemerkt, öffnet er das Fenster und gießt ihm die verbleibende Hälfte einer Flasche Bier auf den Kopf.

09:48 – Unterdessen hat B. den Tatort genau unter die Lupe genommen, den Tathergang rekonstruiert und eine heiße Spur herausgearbeitet. Er folgt einer unscheinbaren Tropfspur, die charakteristisch nach Superbenzin riecht und von seinem SUV bis direkt an das Grundstück reicht, auf dem T. in meditativer Ruhe vor dem Tankdeckel seines Autos kniet, um den Beutel in seine Limousine zu entleeren. Mit einem gezielten Schwung hackt B. den Kufuß in die Frontscheibe, muss jedoch feststellen, dass das Verbundglas das Werkzeug nicht mehr freigibt. T. flieht in Panik ins Haus.

10:02 – Die aus Richtung Lerchenstieg kommende Besatzung des Streifenwagens wird jäh gestoppt, da der Sattelschlepper von F. die Fahrbahn auf voller Breite versperrt. Nach kurzer Beratschlagung sind die Beamten sich einig, den Sachverhalt nicht zu untersuchen. Da es sich offensichtlich um eine nicht angemeldete Kundgebung handelt, könne diese auch nicht einfach aufgelöst werden. Der Wagen fährt im Rückwärtsgang wieder über Drosselweg und Kuckucksredder in die Kastanienallee. Auch die Parkplätze in der Nordstadt brauchen das Auge des Gesetzes.

10:14 – U. hat die Nase voll. Als er B. entdeckt, der noch immer T.s Wagen mit Fußtritten traktiert, da er die Brechstange nicht aus der Windschutzscheibe herausziehen kann, hat er einen Einfall. Er steigt auf die Motorhaube und zieht das Werkzeug mit einem Schwung heraus wie Artus Excalibur aus dem Stein. Heftig das Eisen schwingend läuft er zu dem Kraftfahrer zurück.

10:19 – Ein drittes Mal verständigt E. die Leitstelle, doch M. reagiert äußerst ungehalten. Er gibt der alten Dame zu verstehen, dass Streitigkeiten unter Nachbarn, die wohl aus Lackschäden resultieren, erstens von der Versicherung aufgenommen werden und zweitens keinen Hubschraubereinsatz im betreffenden Straßenzug rechtfertigen, wenn das Gebiet derzeit wegen größerer Barrikaden für Einsatzfahrzeuge nicht erreichbar sei.

10:33 – Z. hat es sich inzwischen mit Schinkenbrot und Zigaretten in der Koje bequem gemacht. Noch läuft der Motor, da der Disponent für den folgenden Tag eine 450-Kilometer-Tour angekündigt und die Betankung beider Fahrzeuge angeordnete hatte. U. nähert sich dem tuckernden Zuggefährt und drischt ohne Rücksicht auf Verluste das Brecheisen in die Front des Sattelschleppers. Scheinwerfer splittern, das Glas spritzt, schließlich wird auch die Scheibe getroffen. Z. beugt sich aus dem Fenster und schreit wütend um sich, weil er gerne schlafen will.

10:38 – In Frotteemantel und Badeschlappen steht V. hinter dem gewaltbereiten Paketboten. Der Schallplattenunterhaltungskünstler will jetzt endlich mal schlafen und stört sich am Geräuschpegel, den U. beim Zertrümmern der Zugmaschine verursacht. Der Versandlogistiker verfehlt V. nur haarscharf, worauf sich dieser in heller Aufregung flieht. Er will sofort die Polizei rufen.

10:42 – Unbemerkt ist Z. aus dem Laster gestiegen und steht nun in martialischer Pose vor U. Der Schriftzug Keine Sprit-Abzocke – Nationaler Widerstand jetzt macht noch einmal sehr deutlich, worum es den beiden Aktivisten geht. In der Hand hält der Trucker eine täuschend echte Replik einer russischen Armeepistole, bei der es sich eigentlich um ein Gasfeuerzeug handelt. Voller Wut schleudert U. den schlaffen Plastikschlauch, der noch einen Rest Benzin enthält, weshalb er ihn auch mitgenommen hatte, gegen Z., der reflexartig den Abzug betätigt.

10:43 – Die mannshohe Stichflamme lässt Z. in Sekunden in Flammen aufgehen, der brennende Beutel dagegen wird direkt in die Fahrerkabine geschleudert und löst dort eine Verpuffung aus. In einer gewaltigen Detonation fliegt der Schlepper als Ansammlung kleinteiliger Reste in alle Richtungen. E., die an der Ecke Amselschlag das Geschehen verfolgt hat, erleidet spontan ein Knalltrauma. Z. hat keinen nennenswerte Behaarung mehr, die der Pflege bedürfte. U. wurde durch die Druckwelle in den Vorgarten der Ärzte befördert, wo er halb im Liguster hängt und sich nicht ohne fremde Hilfe wird befreien können. A. eilt mit einem Pendel zur Unfallstelle, um durch eine zeitnahe Anamnese die Potenzierung der Notfallglobuli bestimmen zu können. Ein Anwohner aus der Wachtelgasse, der den Nachtigallenweg als Durchgangsstraße nutzt, radelt verstört vorbei. So endet der Morgen in einer Reihenhaussiedlung, deren Bewohner einfach nur mit dem Auto zur Arbeit fahren wollten.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXXIII): Das Auto

24 09 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Was haben die Hominiden nicht schon alles an sich und vor sich hergetragen, um sich mächtig und stark zu fühlen: Muscheln, Zähne von Raubtieren und allerlei bunte Steine, Talisman und Fetisch, bis in der Bronzezeit die Serienfertigung der Objekte ihren Gebrauchswert in den Fokus rückte, wie auch immer der gerade aussah. Dem einen war das Stück Metall willkommene Hilfe bei der Bearbeitung des Ackers, anderen erleichterte es Körperverletzung mit Todesfolge bei kleinen Auseinandersetzungen oder die Vorbereitung eines Angriffskrieges, wenn es um größere Besitztümer ging. Noch immer hängt sich der gemeine Depp Gold und Geschmeide um den Hals, die er außerhalb der Nutzungszeit gut gesichert wegsperrt. Nur diesen Blechbömmel mit Blinker und Bremse klotzt er sichtbar vor die Butze und hofft, dass es den Nachbarn das Blut aus den Augen treibt. Es ist mehr als ein Statussymbol. Es ist das Auto.

Nichts wurde erfunden, gebaut, verkauft, das die Widersinnigkeit eines Kraftfahrzeugs auch nur näherungsweise erreichen würde. Angefangen vom Nutzungsgrad, der zuverlässig einstellige Prozente ergibt, wenn man die Mühle nur je dreißig Minuten zur Arbeit und zurück bewegt und noch einmal am Wochenende auf Parkplatzsuche vor dem Supikauf, über die Quote der Um- und Irrwege auf gestauten Innenstadtstraßen oder Autobahnen bis zur horrend hohen Rechnung für die Nachjustierung der blöde blinkenden Birne am Armaturenbrett, die zielsicher den Komplettaustausch des Bordcomputers fordert, die Kiste kostet. Wie Drucker, die schwarz-weiß als technisch unmöglich betrachten, solange nicht alle Farbpatronen voll sind, zerlegt das Ding auf vier Rädern Finanzreserven und Geisteszustand zu Kleinteilen, wie sie gerne in den Lüftungsschlitzen einer handelsüblichen Beifahrertür verlustig gehen, um dann in einem Paralleluniversum neben den Socken aufzutauchen, die die Waschmaschine frisst. Sollte die Kurbelwelle an der Schränkung leicht vordröllern oder der Stabilisator wegschwiemeln, ist die Katastrophe perfekt. Nächster Termin in der Werkstatt ist übernächsten Donnerstag, und da kann der ölverschmierte Sprallo nur feststellen, dass das jetzt aber echt teuer wird.

Aber ja, der Lack. Ursprünglich wurde das Zeug nur auf die Karosse geschmoddert, damit die Karre nicht schneller als nötig durchrostet, heute gibt es neun verschiedene Khakitöne, je nachdem, welches Land man mit dem Eierlaster überfallen will. Ob Metallic, Flop oder Flocke, alles dient dem Kratzer als Vorboten des Weltuntergangs, der sich als Blechschaden eine eigene Kategorie des Grauens in der Psyche geschaffen hat. Beule mit Weile, schon ab drei Millimeter Abtragung im Chrom kann der Bekloppte die ganze Stoßstange quasi ins Altmetall kloppen – und tut es auch. Ansonsten würden nach wenigen Jahrzehnten Wassermoleküle das Teil von innen zersetzen und mit fiesem Korrosionsbrand in einen rollenden Braunbrocken verwandeln. Nix da!

Wobei das wenigstens eine der individuelleren Arten von Kfz-Gestaltung wäre, die der gemeine Depp für den gesteigerten Wiedererkennungswert im Straßenverkehr sowie im Parkbereich benötigt. Plüschverkleidete Bömmel am Innenspiegel und ein Colt als Schaltgriff harmonieren schrill mit dem Wurzelholzimitat-Cockpit, das durch pinkfarbene Hosenträgergurte, 500-Watt-Scheunendiscoboxen und die La-Cucaracha-Hupe niedermolekular in der Proletensphäre verankert wird. Draußen dengelt der Profi Spoiler als optischen Brechreizbeschleuniger ans Heck und bollert fröhlich Frontschürzen vor die Mühle, die an der Parkhausausfahrt abgeschrammt werden wie Warzen aus der Radfahrerfresse beim Kavalierstart mit sechs Halben in der Birne. Nur der Anfänger klebt Sticker an den Autoarsch, die ein Herz für Kinder, für Sylt oder seinen Fußballverein signalisieren. Die Doppelauspuffattrappe beendet das Verkehrshindernis, nicht aber den Wahnsinn.

Denn was den Fetisch angeht, muss auch der im niederen Hubraumbereich verhaftete Bescheuerte Tribut zahlen. Ohne Zwangshandlungen kommt er nicht aus der Nummer, ohne rituelle Waschung des Pkw am Sonnabend unter Einhaltung einer in der Anwohnerschaft ausgehandelten Choreografie, die jedes zu hastige Abseifen mit Punktabzug straft und nach sechs Wochen Sprechchöre für mangelhaften Unterbodenschutz skandiert. Die Wahl des Wachses samt Podiumsdiskussion über den Härtegrad des Schaumstoffapplikators zur Lackkonservierung ist nach Hegelkongressen, Wirtschaftsverhandlungen mit Nordkorea und einer Partie Schach mit Armin Laschet ohne einen Tropfen Ethanol im Raum die größte Herausforderung ans limbische System, die bisher ohne Tote gemessen wurde. Wir nehmen das als Schicksal hin. Wer fährt schon mit dem Bus, wenn er auch fünfmal am Tag eine Hirnembolie im Kreisverkehr riskieren kann, weil der Vollarsch vor einem aus heiterem Himmel bei Rot in die Eisen steigt. Nein, wir wollen den kollektiven Untergang in der Blechlawine, solange unser Wagen größer, teurer, schneller ist als der von dem Typen, den wir nicht kennen. Wilhelm II. hielt das Auto für eine vorübergehende Erscheinung. Immer gut, wenn man Geschichte nicht zu kleinteilig denkt.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXL): Urlaub im Wohnmobil

13 11 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Evolution hat den Hominiden ziemlich karg ausgestattet. Seine Körperbehaarung fällt eher überschaubar aus, dazu muss er durch beständigen Werkzeuggebrauch seine physischen Unfähigkeiten ausgleichen. Sich zweckdienliche Aufenthaltsorte zu bauen, wie es Biene und Ameise tun, wie allerlei Weichgetier ein eigenes Haus mit sich führen, das geht ihm ab. Nicht einmal die Begabung findiger Krebse besitzt er, sich fremde Kalkausscheidungen oder ähnliche Gehäuse zu eigen zu machen, und so muss er mehr oder weniger vergänglich Laubhaufen in die Flora kippen, Erdhöhlen buddeln, sich in die Kavernen oberhalb der Erdkruste oder unter die troglodytentauglichen Felsformationen zu hocken, um einigermaßen geschützt zu sein vor Gefahr und Witterung. Doch was passiert, wenn sich die ganze Sippe auf die Wanderschaft macht, die Steppe im Sturm durchquert und sich auf einen Aufenthalt in der Fremde einrichtet? Man nimmt Sack und Pack mit, weil der eigene Hausstand ja auch ein Stück Heimat bedeutet, und sei es nur der Dreck unter den Fußmatten, auf den man nicht verzichten will. Ob die Völkerwanderung auch so begonnen hat, weiß keiner mehr, doch es liegt nahe, dass der Urlaub im Wohnmobil so seinen Anfang nahm.

Mindestens einmal im Jahr will der Jetztzeitler im sterbenden Kapitalismus den Schadstoffausstoß pro Nase auskosten und ballert per Jet oder SUV ein paar Tonnen Gas in die Atmosphäre, damit es seine Kinder mal wärmer haben als er – es besteht keine Notwendigkeit für touristisches Reisen, das ja auch nur so heißt, weil man um den Globus rast, damit man um den Globus rasen kann, um hernach zu verkünden, man sei um den Globus gerast. Die Erweiterung des Horizonts spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle, allenfalls kümmert es den Hohlpflock, wenn er seine Gesichtsprominenz in Form eines Selfies vor die Wahrzeichen dieser Welt tackern kann, damit man seine temporäre Flucht aus der Heimatgemeinde als beglaubigt betrachtet. Je weiter, desto besser die Reise – Bekloppte in Bilbao sind gut, Bescheuerte in Beijing besser, und wer es dreimal um den Rotationsellipsoiden schafft, kriegt die Ananas am Band verliehen – doch wir nehmen halt die Sehnsucht nach Geborgenheit mit uns, wo immer wir uns aufhalten. Bei den typischen Deppen der Flusenlutschergeneration äußert sich dies halt in Schreikrämpfen, wenn in einer kleinen beninischen Pension nicht die Zuckerflocken von Schwuppi-Süd auf dem Frühstückstisch stehen. Wir suchen das Abenteuer, aber es muss vollklimatisiert sein.

Einfachere Kaliber lassen die Eigentumsbude in der Eifel zurück und verwahrlosen in der Eifel, wo sie in einem semipermeablen Unterschlupf nach Bauart einer NVA-Schlichtbehausung auf nassem Grund sachte durchmatschen, dem Gaskocher beim epischen Versagen zusehen, ihren zivilisatorischen Status mählich auf die Jungsteinzeit zurechtstutzen und sich wieder nach kalten Dosenbohnen sehnen, wie man es in ihrer Elterngeneration kannte. Der Heldenmut wird meist mit Hautabschürfungen und einem kleinen bakteriellen Souvenir belohnt, aber das ist nicht das Ende der Geschichte.

Die Wohnhöhle als beengtes Bewegtbehältnis macht die eklatante Verlotterung des Freizeiters erst perfekt. Schwiemelt er sich vor Reiseantritt die rohe Botschaft zurecht, Freiheit und Unabhängigkeit in fernen Gefilden zu spüren, hier darf er unbeugsam wie Halbfettmargarine in Konfrontation mit der Realität hadern. Die Parkplätze sind besetzt, sein Nachtlager ist minimal ungemütlicher als auf dem herkömmlich ausgewiesenen Camping-Areal, wo Frischwasser, sanitäre Einrichtungen und allerhand Einzelhandel sein Wohlbefinden suchen. Natürlich spricht seine fahrbare Butze jedem Anspruch an die Bedeutung von Wohnen brachialen Hohn – der aus Geschäftstüchtigkeit aufgekommene Streich, Buden aus Sperrholz mit dem Rauminhalt von Särgen als Eigenheim zu verkaufen, hatte eine Basis. Die Pirouette hat hier ihren Ursprung genommen, denn wo sonst muss man einatmen und die Arme an sich quetschen, wenn man sich einmal um seine eigene Achse drehen will. Der Beknackte bolzt mit dem Schädel gegen Schrankfronten, knickt Knochen ein und zerrt sich die restmuskuläre Masse, wo immer er Verrichtungen versucht. Er schläft beschissen, da er es so haben wollte, ernährt sich von Dingen, die wie mittelalterliche Strafen schmecken, nimmt von seiner Umgebung eigentlich keine nennenswerte Kenntnis mehr und muss demgemäß auch nicht als Opfer seiner Selbstzerfleischung leiden; er ist der Täter, also verdient er es nicht anders.

So klobig der Karosserieklotz um die Ecke schrammt, so ungelenk ist auch sein Lenker. Zwar mimt er mutig Autarkie, kann auf dem Feldweg Fischstäbchen brutzeln dank Akkumulator, doch relativiert sich dies schlagartig, sobald der Reisende auf die Schüsselsitzgelegenheit angewiesen sein sollte. Spätestens nachts zeigt sich der große Vorteil des Gefährts. Wer einmal nach dem klärenden Gespräch mit der internistischen Einheit Probleme bezüglich körperlicher Stabilität hatte, weiß den Personentransporter durchaus zu schätzen. Ohne Genehmigung fällt darin keiner um. Und genau das wird es sein, was die Reisenden erleben: es ist die Hölle auf Rädern. Wer nach der Tour lebend wieder seine Meldeadresse erreicht, fühlt sich spontan zu Hause und erholt. Im Sinne der Volksgesundheit ist das nicht zu unterschätzen.





Ponyhof

19 10 2020

„Autos!“ „Nein, Energie!“ „Autos!“ „Energie!“ „Warum denn immer nur irgendwas mit Autos?“ „Weil es nichts mit Corona zu tun hat.“ „Dann kann man ja auch mal einen Energiegipfel…“ „Ich will aber Autos!“

„So, dann haben wir ja alle mal unsere Meinung gesagt und können uns auf die wesentlichen Fragen der Bundespolitik fokussieren.“ „Autos!“ „Jetzt ist aber mal gut!“ „Sie sind ja schlimmer als Corona!“ „Das würde ich jetzt nicht sagen, das Thema geht uns alle an.“ „Haben wir nicht irgendwann kurz vor Weihnachten noch ein Klimatreffen?“ „Ja, aber das ist völlig informell.“ „Da wird nichts beschlossen.“ „Also wie immer.“ „Vielleicht könnten wir bei dem Termin mal die…“ „Nein!“ „Wäre ein allgemeiner Wirtschaftsgipfel in diesem Jahr noch machbar?“ „Kommt immer darauf an, was Sie unter allgemein verstehen und was unter Wirtschaft.“ „Da er aus Nordrhein-Westfalen kommt, sind das Küchenbauer und Autohändler.“ „Sage ich doch, Autos!“ „Die werden sich mit Sicherheit nicht für einen neuen Gipfel erwärmen können.“ „Es sei denn, sie wollen noch mal Kohle.“

„Und wenn wir den Klimagipfel…“ „Es war mehr so als ergebnisoffenes Gespräch gedacht.“ „Dann eben das Klimagespräch, das könnte man doch mit erneuerbaren Energien oder…“ „Autos!“ „Jetzt halten Sie doch endlich den Rand!“ „Jeder zehnte Arbeitsplatz hängt an der Autoindustrie!“ „Wir haben es auch geschafft, ohne Postkutschen und Schreibmaschinen zu überleben.“ „Das kann man doch so gar nicht vergleichen!“ „Wenn Sie das unbedingt so wollen, dann machen Sie doch einen Jobgipfel.“ „Wieso Jobgipfel?“ „Sie wollen doch in den nächsten Jahren viele neue Arbeitsplätze in der Elektromobilität schaffen, oder?“ „Wann haben wir das denn gesagt?“ „Er will nur wieder Geld.“ „Das stimmt so nicht, wir wollten mal über Feinstaub sprechen und Luftverschmutzung.“ „Was ist denn in Sie gefahren!?“ „Vielleicht könnte man das ja mit ein paar neuen Gesetzen legalisieren, dann müsste man nicht immer neue Software…“ „Sie haben ja einen Knall!“ „Ernsthaft, das klingt so bekloppt, da können wir ja gleich mit den Umweltfuzzis reden!“

„Irgendwas mit Ernährung?“ „Das wollen Sie gar nicht wissen.“ „Man könnte im Ministerium mal nachfragen, wie weit die Beschlussvorlagen für eine bundesweite…“ „Das wollen Sie nicht wissen, klar!?“ „Aber…“ „Seien Sie froh, wenn Sie sich mit dem Mist nicht beschäftigen müssen.“

„Aber ein Verkehrsgipfel könnte in der aktuellen Lage, in der wir uns befinden…“ „Okay.“ „Immer vorausgesetzt, die Lufthansa geht und nicht auf die Nerven.“ „So viel Geld, wie die wollen, haben wir gar nicht.“ „Wozu dann ein Gipfel?“ „Wir haben ja auch noch die Bahn.“ „Jetzt, wo Sie es sagen…“ „Und Autos!“ „Heilige Scheiße, wenn ich das Wort noch einmal höre, dann…“ „Der Kollege wird sich ab sofort zurückhalten, ansonsten müssten wir über seinen Verbleib in diesem Gremium noch mal ein ernstes Wort reden.“ „Pah, ich sitze hier, weil das die Kanzlerin so will!“ „Da hat er leider recht.“

„Pferde.“ „Wie bitte?“ „Naja, Pferde halt. Ein Pferdegipfel.“ „Was soll das denn werden?“ „Das hat was zu tun mit Natur und Landwirtschaft und irgendwie auch mit Verkehr, und das gibt schöne Bilder.“ „Kommt immer darauf an, wen man da aufs Ross hievt.“ „Wenn ich mir da den einen oder anderen Ministerpräsidenten vorstelle…“ „Hören Sie auf, das ist ekelhaft!“ „Aber jetzt warten Sie mal, so dumm ist das doch gar nicht.“ „Zumindest kann man mit dem Thema die Konservativen sehr gut ansprechen.“ „Reiten hat so etwas Heimatliches und Beruhigendes.“ „Sie waren offenbar auch lange nicht mehr auf dem Ponyhof.“ „Das ist doch mal ein schöner Vergleich!“ „Außerdem ist das eine der deutschen Spitzensportarten.“ „Und wenn Sie die Ernährung noch mit dazunehmen wollen, können Sie ja etwas über Lasagne erzählen.“ „Sehr witzig.“ „Sehen Sie, das Thema ist vielseitig.“

„Entschuldigen Sie mal, wir verplempern doch nicht unsere Zeit mit Pferden und Reiterei, während es so viele heiße Eisen…“ „Ha!“ „Ja, ich habe das vom falschen Ende her aufgezäumt und…“ „Ich wusste es, Sie finden die Idee auch gut.“ „Es gibt so viele wichtige Themen, die man an dieser Stelle mit den Betroffenen, der Politik, der Wirtschaft endlich mal besprechen müsste.“ „Wie viele Pflegegipfel hatten wir noch mal in diesem Jahr?“ „Meine Güte, jetzt nerven Sie nicht herum, Sie sind ja schlimmer als die Autolobby!“ „Ach, und der darf das sagen!?“ „Halten Sie endlich die Fresse!“ „Pferde kann man sicher auch therapeutisch einsetzen.“ „Und als neue Energiequelle im ökologischen Landbau.“ „Weil sich in der Landwirtschaft nach der Pandemie auch viel ändern wird.“ „Und es ist ein gutes Thema für den gehobenen Mittelstand, der nach einer neuen Investitionsmöglichkeit sucht.“ „Was soll das denn jetzt schon wieder?“ „Solange wir nicht wissen, wer der nächste Bundeskanzler wird, muss man flexibel bleiben.“

„Gut, dann müssen wir die Spitzen aus Politik und Wirtschaft für unser Anliegen gewinnen.“ „Und möglichst noch ein paar Sozialverbände.“ „Bitte die Gewerkschaften nicht vergessen.“ „Es wird ja von der Polizei so viel geredet, die müsste man auch an die lange Leine…“ „Was?“ „Was!?“ „Wobei die Arbeitgeberverbände auch dabei sein müssten.“ „Schon wegen der Gewerkschaften.“ „Die Kirchen natürlich ebenfalls.“ „Und der Einzelhandel.“ „Die Küchenbauer!“ „Meine Güte, was ist das wieder für ein elender Mist – rufen Sie bis morgen mal bei den Konzernchefs an, einen Autogipfel kriegen wir dies Jahr irgendwie noch unter.“





Organisatorisches Problem

15 09 2020

„… nach der krisenhaften Entwicklung eine neue Definition von Mobilität erfinden müsse. Damit sei die deutsche Autoindustrie jedoch überfordert, da sie ihre Innovationen in den letzten Jahren selten im Dienste der Kunden, sondern eher als verlängertes Sprachrohr der…“

„… sich nicht interessiert gezeigt habe. Merkel sei strikt dagegen, neuerliche Finanzspritzen in die börsennotierten…“

„… unter hohem Veränderungsdruck stehe. Als Wechsel des technologischen Paradigmas unter Beibehaltung der Innovationsvorsprünge schlage Söder vor, die Industrie komplett auf den Bau von E-Scootern und…“

„… sei das Argument, die Autoindustrie habe verkehrstechnisch und betriebswirtschaftlich die wesentlichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte versäumt oder sogar konterkariert, nicht stichhaltig, wenn gleichzeitig sowohl die Lufthansa und zahlreiche Kreuzfahrtreedereien enorme…“

„… habe die bisher bevorzugte Lösung, einige Milliarden Euro pro Jahr an Subventionen an die Automobilindustrie auszuschütten, nur Altmaier überzeugt. Es müsse aber gesichert sein, dass Boni weiterhin in voller Höhe ausgezahlt würden, wenn der Wirtschaftsminister nach den Wahlen nicht mehr als Mitglied der…“

„… Arbeitsplätze erhalten müsse. Laschet habe dem bayerischen Ministerpräsidenten energisch widersprochen, der den Bau von Flugtaxis nur im Freistaat statt an bisherigen Standorten in…“

„… dürfe man die Forderung des jetzigen Bundesverkehrsministers, bis 2020 alle Verbrenner gesetzlich zu verbieten, nicht ernst nehmen. Scheuer habe damals unter der Knute führender linksextremistischer Terroristen wie Stoiber und…“

„… Arbeitsplätze in der Branche der Zulieferer verteidigen müsse. Die SPD mache sich für die Arbeiter stark, die bisher als das Rückgrat der deutschen Leitkultur die Fabriken am Leben erhalten habe und fordere den nationalen Umbau der Fahrzeugindustrie in eine Struktur von Kleinmanufakturen, die im Niedriglohnsektor die Wettbewerbsfähigkeit der Konzerne an der Börse und an den großen internationalen Märkten der…“

„… die Kanzlerin erneut verlauten lasse, dass sie den Einzelinteressen der Bundesländer keine Arbeitszeit widme. Sie habe Besseres zu tun, als sich mit diesen…“

„… fördere insbesondere die Verbrennertechnik den Ausstoß klimafeindlicher Gase, ohne die der Aufbau neuer Arbeitsplätze in der Umweltindustrie niemals so nachhaltig und…“

„… sehe die Bundesagentur für Arbeit ein organisatorisches Problem, da in der Autoindustrie der von der Sozialdemokratie zitierte Arbeiter so gut wie nicht mehr existiere. Davon abgesehen sei es jedoch nicht weiter schwer, die Angestellten auf ein Lohnniveau unterhalb von ALG II zu…“

„… auch die FDP überzeugt habe, dass durch einen teilstaatlichen Beteiligungsfonds die meisten Automobilhersteller zu retten seien. Lindner stelle lediglich die Bedingung, dass dieser ausschließlich durch die pauschale Kürzung aller Sozialleistungen finanziert werde, da es ungerecht sei, wenn sich die Aktionäre durch ihre eigenen Abgaben am…“

„… dass der SPD-Vorschlag durchaus nicht abwegig sei. Allerdings wolle die EU zuvor durch ein Gutachten prüfen lassen, ob Deutschland eine Rolle als Billiglohnland nach dem Brexit noch…“

„… führe eine einseitige Förderung von Elektromobilität zur einer Vollbremsung kurz vor der Wand. Scheuer halte dies für nicht vereinbar mit seiner sonstigen Arbeit als Minister, CSU-Mitglied und Autofahrer und werde auch weiterhin die…“

„… als weiteren Vorschlag die Umstellung auf Batterieforschung und Akkubau eingebracht habe. Die SPD wolle vorab noch klären, ob die deutsche Wirtschaft dies im weltweiten Maßstab überhaupt leisten könne, sehe aber ansonsten keine Probleme mit den technischen…“

„… die Autobranche markenunabhängig eine kostenfreie Nachrüstung aller Benziner anbiete, mit der die Fahrzeuge keinerlei Emissionen mehr hätten. Dies beziehe sich zunächst auf die Anzeige auf dem Armaturenbrett, funktioniere nur im Labor und müsse von der Bundesregierung mit einer Einbaupauschale von jeweils…“

„… habe die massive Subventionierung von E-Autos zum Kauf von 90% Fahrzeugen mit Benzin- oder Dieselmotor geführt. Scheuer wolle deshalb nun die Verbrenner mit einer Prämie unterstützen, da sich daraus logischerweise die Förderung von Hybrid- und Wasserstoffantrieb ergebe, die letztlich als gewünschtes…“

„… autonomes Fahren für einen Schlüssel zur Vollbeschäftigung halte. Altmaier wolle zu jedem Neufahrzeug einen Arbeitslosen ausliefern, der dem Halter als sozialversicherungspflichtig beschäftigter Lenker seinen neuen…“

„… müsse der Mentalitätswechsel auch von den Kunden eingeleitet werden, die noch immer zu viele zu schwere und zu schnelle Fahrzeuge kaufen würden. Die Ansage der Bündnisgrünen sei jedoch von Gauland vollständig abgelehnt worden, der darin die Legitimation für die Umvolkung des…“

„… ein Zusammenwachsen von Auto- und IT-Industrie fördern wolle. Wenn die Hersteller künftig die ganze technische Infrastruktur für eine mobile Vorratsdatenspeicherung entwickeln würden, werde Scholz im kommenden Jahr auch über eine Prämie für Verbrennungsmotoren und weitere…“





Mobilitätssicherung

11 11 2019

„Ach was, nix mit Karneval – die meinen das ernst! Und wenn die Bundesregierung tatsächlich mal etwas ernst meint, also im Bereich Verkehrswesen, dann ist immer erhöhte Konzentration gefordert!

Nein, ich rede jetzt nicht vom Feinstaubgehalt, ich rede von der Prämie für die E-Autos. Da denkt man auch erst, die haben wieder irgendeinen Ministerdarsteller mit billigem Fusel abgefüllt und ihn dann von ein Mikrofon gestellt, damit seine Notschlachtung als Aufräumarbeit durchgeht. Aber das ist wie mit dem Rettungsschirm, als damals der Euro am Verrecken war. War der ja gar nicht, ein paar Milliardäre haben nur plötzlich nicht sehr viel mehr Kohle gekriegt, als sie erwartet hatten, und da musste man dann ein paar Ausländer als Parasiten in der Währungsunion anpöbeln. So ist das heute auch, nur zahlen wir diesmal nicht direkt an die Autokonzerne. Als Strafe, dass wir sie beim Betrug an den Dieselkäufern ertappt haben. Und als eine Art Wiedergutmachung, weil diese Justiz immer noch so tut, als dürfte sie ohne Rücksprache mit der Bundesregierung Rechtsstaat spielen.

Aber egal, Sie wollen ja Ihren Bonus und haben hoffentlich auch alle notwendigen Unterlagen mitgebracht? Gut, dann wollen wir mal sehen. Die Entscheidung ist gefallen für ein Modell? Das ist eine sehr gute Wahl, lassen Sie mich das ruhig mal sagen. Deutsches Fabrikat. Die ausländischen sind qualitativ teilweise besser, aber auch nur zu einem geringen Teil. Die anderen? Die sind qualitativ sehr viel besser. Aber die hier sind halt deutsch, und das ist ja auch schon mal sehr schön. Die werden von den vielen, vielen Linksextremisten auch nicht so häufig abgefackelt, sagt der Verkehrsminister. Es gibt dazu zwar noch keine Untersuchungen, aber wenn er das sagt, stimmt das schon.

Wir müssen auch wissen, wo sie wohnen und wo Sie den Wagen einsetzen. Wenn Sie den Wagen nur da einsetzen, wo es keine Stromtankstellen gibt, ist das ja anders zu bewerten, als wenn Sie eine eigene Zapfsäule haben. Da entscheiden wir dann je nach Gefühl, ob sich eine eigene Steckdose lohnt oder ob Sie eine Stromtankstelle in Ihrer Nähe auf Kosten des Steuerzahlers bekommen. Manchmal ist auch das öffentliche Interesse zu berücksichtigen, aber das heißt nicht, dass es die Entscheidung auch immer positiv beeinflusst. Wir haben es hier mit Verkehrspolitik zu tun, und das ist viel mehr als nur Mobilitätssicherung. Das sichert auch Arbeitsplätze, zum Beispiel in Ministerien und Vorstandsetagen und an der Börse oder in einer Partei, und wenn Sie als Bürger sich da solidarisch zeigen, indem Sie durch Ihren Verzicht auf individuelle Vorteile einem Aufsichtsratsvorsitzenden seine ohnehin schon sehr dürftig bemessenen Boni sichern, dann haben ja alle etwas davon. Also im Aufsichtsrat dieses Konzerns, Sie verstehen schon.

Außerdem verbinden wir diese Prüfung auch mit der Vertrauensfrage. Sind Sie als Bürger und zukünftiger E-Autofahrer damit einverstanden, dass wir zu Deckung Ihres Energieverbrauchs in Ihrer Kommune Kohleverstromung fördern? Sie müssen jetzt nichts dazu sagen, Sie können das auch noch nachholen, wenn die neuen Kohlekraftwerke schon am Netz sind. Die Bedürftigkeitsprüfung wurde von uns auch bei den Kraftwerksbetreibern durchgeführt und hat eindeutig ergeben, dass deren Gewinne sich nicht so sehr gesteigert haben, wie sie es… ach so, das hatten wir schon. Deshalb müssen wir da auch pädagogische Maßnahmen einführen und den Strom für die Industrie ganz extrem billig machen und auf der anderen Seite für die Privathaushalte viel teurer, so dass die derart viel Strom einsparen, dass die Energiekonzerne quasi ausbluten. Wir wissen noch nicht, wie das funktionieren soll, aber wir können es ja wenigstens einmal versuchen, oder?

Ist das Ihr Zweitwagen? Was haben Sie sonst noch an Fahrzeugen? SUV? Eventuell Krafträder? Wir wollen ja auch zielbewusst fördern, das heißt wir müssen wissen, ob Sie überhaupt am Verkehr teilnehmen, weil Sie die Elektromobilität als beste Lösung für sich entdecken, oder ob Sie ein E-Auto nur als zusätzliches Transportmittel nutzen, unter Umständen sogar bloß als Statussymbol. Letzteres ist im europäischen Vergleich eher selten, aber das sind ja deutsche E-Autos auch, also schlagen wir da zwei Fliegen mit einer Drosselklappe.

Dann natürlich die Fahrzeugklasse. Sie könnten auch einen Kleinwagen kaufen, aber die werden nur von Herstellern angeboten, die ihre Modelle nicht mit überteuerten Dieselkarren quersubventionieren. Damit entfernen Sie diese Anbieter vom Markt und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Betrugskonzerne sich die Gewinne, die sich schneller steigern, als… – Egal, jedenfalls sind die Jobs weg, der Verbrauch an Elektrizität steigt, und das bisschen Klimapaket können Sie sich da reinschieben, wo noch Platz ist. Vielleicht da, wo Sie bisher Ihre Windkraft-Aktien aufbewahrt haben. Es ist Ihre Entscheidung. Seien Sie vernünftig, oder schützen Sie unsere Industrie, wie man es von einem guten Staatsbürger für eine großzügige Spende erwarten kann.

Dann brauche ich hier eine Unterschrift, und hier, und hier auch. Damit versichern Sie, dass Sie Halter dieses Fahrzeugs sind. Schön, dann nehme ich das mal so auf, und wir melden uns, sobald wir wissen, wie sich die Bundsregierung entscheidet. Ach so, noch eine Formalität, ich bräuchte mal Ihre Verdienstbescheinigung. Bankkonten wären jetzt optional, Sie sind nicht arbeitslos. Oha, das sieht man auch nicht alle Tage! Selbstverständlich, Herr Direktor! Aber gerne, Herr Direktor! Machen Sie sich nur keine Umstände, Herr Direktor, das Geld ist schon unterwegs!“





Fridays for Hubraum

7 10 2019

„… in ganz Deutschland aufgerufen habe. Die für den Freitag geplante Gegendemonstration gegen den Ökoterror werde von zahlreichen Aktivisten aus der nationalen und internationalen…“

„… sehe Hamburg den Autoauflauf kritisch. Sollte es innerstädtisch zu zäh fließendem Verkehr kommen, werde die Polizei eingreifen müssen, um die Berufspendler am…“

„… werde Lindner nur an der Veranstaltung teilnehmen, wenn die Mehrzahl der Teilnehmer SUV oder Sportwagen fahre. Der Parteichef habe keine Lust, sich mit Hartz-IV-Fahrern, die sich nur einen Opel leisten könnten, auf eine…“

„… lehne die SPD die Veranstaltung Fridays for Hubraum entschieden ab. Es gebe nur vereinzelte Stimmen aus der Fraktion im Bundestag, die sich eine Teilnahme in E-Autos als durchaus…“

„… keinen unsachgemäßen Gebrauch eines Kraftfahrzeugs erkennen könne. Der einzige nicht tolerierbare Umstand sei für Poschardt, dass die Demonstranten nicht mit 230 km/h durch die Innenstädte fahren könnten, um ihre Freiheit als deutsche Staatsbürger zu…“

„… wolle die CSU den Gerichten nur im Einzelfall erlauben, Autokorsos im Freistaat zu verhindern. Ministerpräsident Söder habe zwar den Umweltschutz erfunden, sei aber wegen seiner nicht ausschließlich göttlichen Eigenschaften kaum dazu geeignet, deren Gebrauch so zu überwachen, dass es zu keinem…“

„… die Veranstaltung grundsätzlich integrativ geplant sei. Diesel-Fahrer seien hier als Gäste ebenso willkommen wie…“

„… eine Ausländerin sei, von der per se große Gefahr für die deutsche Rasse ausgehe. Meuthen unterstütze daher die Anti-Greta-Proteste, da die AfD für die Rettung des deutschen Autos eine…“

„… in Städten wie Kassel oder Jena stattfinde. Eine Menge von weniger als tausend Kraftwagen genüge vollkommen, um der Regierung den wahren Volkswillen zu demonstrieren. Daneben habe BILD auch in Dresden, Essen und…“

„… seien automobile Treffen in der Stuttgarter Innenstadt als Brauchtumspflege bekannt und dürften gar nicht polizeilich unterbunden werden. Die Veranstalter drohten dem Oberlandesgericht mit einer empfindlichen…“

„… werde die AfD die Proteste in Nürnberg als Kraft durch Freude am Fahren anführen und dabei die Teilnehmer streng kontrollieren, damit kein Spion des mit jüdischem Kapital bezahlten Ökoterror-Kartells in die…“

„… ein striktes Fahrverbot erlassen habe. Nachdem Palmer sich bei der Einfahrt in die Kölner City als Polizeipräsident des Deutschen Reiches zu erkennen gegeben habe, sei er von den Beamten auf der Stelle in einen…“

„… Mordaufrufe gegen Greta Thunberg in den Kommentarspalten der Springer-Medien nicht strafrechtlich verfolgt werden sollten. Gauland sehe bei einer Einschränkung der Meinungsfreiheit die Gefahr eines Bürgerkriegs, der sich während der Stauveranstaltungen sehr schnell als…“

„… linke Porschefahrer zwar grundsätzlich willkommen seien, um das in der ausländischen Presse verbreitete Bild eines rechtspopulistischen Protests gegen internationale Abkommen zu zerstreuen, die Leitung wolle aber nicht für deren körperliche Unversehrtheit garantieren, da hier der gesunde Volkswille ohne Beeinflussung durch…“

„… eine gemeinsame Kundgebung mit Meuthen und Lindner wegen innerparteilicher Differenzen nicht möglich sei. Höcke habe seinen Platz aber freiwillig an Lindner abgetreten, da die inhaltlichen Differenzen mit der FDP viel geringer als…“

„… wünsche das Organisationsteam keine investigative oder kritische Berichterstattung über die Demonstrationen. Poschardt habe versichert, es werde zu keiner unwillkommenen…“

„… habe sich die Stadt Wesel gegen eine Teilnahme auswärtiger Fahrer ausgesprochen. Die gegen die Bürgermeisterin ausgestoßenen Beleidigungen habe sie sich, so Scheuer, selbst zuzuschreiben, da man nicht ohne Grund Werte wie Gastfreundschaft oder die hundertjährige deutsche Automobilkultur mit stalinistischem Hetzgepöbel und…“

„… müsse die FDP klarstellen, dass die Freiheit, mit dem eigenen Auto bei Höchstgeschwindigkeit über eine Bundesautobahn zu rasen, nicht für alle Bevölkerungsschichten gelten dürfe. Wer genug geleistet habe, etwa als Millionenerbe oder als rechtskräftig verurteilter Steuerhinterzieher, dürfe sich dagegen als Elite des…“

„… ein Reizgasspray gezückt und die Polizisten damit zu hindern versucht habe, ihm die Autoschlüssel abzunehmen. Palmer sei umgehend in Haft genommen und dem…“

„… die Teilnahme am Berliner Korso in letzter Minute abgesagt habe. Lindner sei zugetragen worden, dass auch Sechszylinder sich im Demo-Stau um die Siegessäule befunden hätten, was er als infame Beleidigung seiner…“

„… die am Hermsdorfer Kreuz stattgefundene Massenkarambolage mit insgesamt dreiundsechzig Todesopfern die größte Teilnehmerzahl dargestellt habe. Da sich die Fahrer an zu vielen Orten gleichzeitig versammelt hätten, habe es zwar keine Demonstrationen gegeben, wohl aber einen deutlichen Anstieg der Schadstoffwerte in mehreren deutschen Ballungsräumen, was zu einer Sperrung von Innenstädten für den Autoverkehr in mehr als…“