Völkerverständigung

16 09 2015

„Das sind ja geradezu uneuropäische Umtriebe.“ „Nicht antieuropäisch?“ „Weiß ich nicht, aber das stellt doch die Einheit Europas sehr infrage.“ „Warum das denn?“ „Hallo? Deutschland klatscht die Demokratie an die Wand, und keiner darf daran mitverdienen!?“

„Ich bin beruhigt, dass Sie das nicht über den Waffenhandel sagen.“ „Der Unterschied ist ja auch eher marginal, aber wen kümmert das.“ „Jedenfalls haben Sie lediglich gewisse Bedenken wegen der Dienstleistungsrichtlinie.“ „Was sollte mich auch sonst beunruhigen?“ „Zum Beispiel die europäische Version der deutschen Vorratsdatenspeicherung.“ „Wir leben nun mal in Europa, da müssen wir uns auch daran gewöhnen, dass alle Dienstleistungen grundsätzlich auf europäischer Ebene angeboten werden.“ „Aber doch keine geheimdienstlichen Ermittlungen!“ „Was wollen Sie? dass diese Schlapphüte auf internationaler Ebene kollaborieren, ist doch der beste Garant für eine Friedenssicherung. Wer würde schon einen guten Lieferanten ans Messer liefern?“ „Die USA?“ „Ääääh, richtig. Aber bis die Teil der EU sind, ist die EU längst Teil der USA.“

„Könnte man dann nicht einfach auf diese Vorratsdatenspeicherung verzichten?“ „Auf keinen Fall, sonst würde ja täglich Recht gebrochen.“ „Wenn die Vorratsdatenspeicherung nicht in Gang gesetzt würde, könnte man wenigstens den gröbsten Rechtsbruch verhindern.“ „Nämlich?“ „Dass Sigmar Gabriel das Grundgesetz vollständig in die Tonne tritt?“ „Sie überschätzen die SPD. Die Kraft geht nicht von der Marionette aus, sondern von dem, der die Schnüre hält.“

„Dann müssten wir die Vorratsdatenspeicherung als europäisches Projekt ausschreiben.“ „Das ist der übliche Weg, und wir sollten uns auch auf die positiven Seiten des Verfahrens konzentrieren.“ „Welche positiven Seiten?“ „Es wird doch alles viel preiswerter, wenn man es international vergibt. Das sehen Sie ja schon an den Bahntarifen.“

„Deutsche Telefonate im Ausland zu speichern erhöht also die Sicherheit?“ „Auf jeden Fall die Sicherheit der Regierungen, und wenn Sie sich heute Europa angucken: es ist doch eigentlich völlig egal, welchen Drecksäcken Sie Ihre Daten geben.“ „Welchen Nutzen ziehen denn dann die Regierungen von diesem informationstechnischen Desaster?“ „Die Abendnachrichten werden sich ändern. Sie werden nicht mehr erfahren, ob ein Terroranschlag in einem Dorf im Hunsrück vereitelt wurde.“ „Sondern?“ „Es werden täglich mehrere hundert Terroranschläge in ganz Europa verhindert, die eine Überwachung der kompletten EU leider alternativlos machen.“

„Dann kehren wir den Spieß eben um und überwachen die ganze EU.“ „Ausgeschlossen. Das würde sicherlich gegen deutsches Recht verstoßen.“ „Wann hat die Regierung sich das letzte Mal daran gestoßen?“ „Die deutsche?“ „Wir könnten hier allerdings auch europäisches Recht anwenden.“ „Das dürfen wir bestimmt auch nicht mitmachen.“ „Es geht aber möglicherweise um viele Arbeitsplätze.“ „Widerspricht das nicht den europäischen Werten, wenn man nur für einen scheinbaren wirtschaftlichen Aufschwung die Grundrechte so vieler Bürgerinnen und Bürger verletzt?“ „Wenn es dabei um Waffen oder Handelsabkommen gehen sollte, wahrscheinlich nicht.“

„Wir dürfen dies als demokratischer…“ „Immerhin haben wir einen der besten europäischen Geheimdienste. Wir sind so gut, die anderen Geheimdienste, einschließlich der amerikanischen, lassen inzwischen bei uns arbeiten.“ „Aber wenn wir die anderen europäischen Bürgerinnen und Bürger ausspionieren würden, das wäre ein Verstoß gegen die Grundrechte.“ „Bestimmt nicht mehr, als gerade jetzt verstoßen wird.“ „Vielleicht würde sich Deutschland dann in Europa isolieren.“ „Keine Sorge, falls es zu einem militärischen Eingreifen käme, würden wir es bestimmt frühzeitig erfahren.“ „Oder es käme zu diplomatischen Zerwürfnissen.“ „Wir müssten damit leben. Dann haben wir ja immer noch den Geheimdienst.“

„Aber Sie bringen mich auf eine Idee: wir könnten uns doch als europäische Dienstleister gegenseitig bespitzeln.“ „Dann müssen wir das konsequent zu Ende denken.“ „Sie haben Recht, wir sollten es auch als gemeinsame europäische Aufgabe behandeln.“ „Portugiesische Geheimdienstler bespitzeln dänische Bürger in Luxemburg.“ „Und französische die Niederlande.“ „Großartig!“ „Und was machen wir mit den USA?“ „Warten wir’s ab. Vielleicht werden die ja irgendwann auch ein Teil der EU.“

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