Insolvenzmasse

19 10 2021

„Stellen Sie sich locker, wir kriegen das hin. Diese Firma hat die Postkutschenindustrie abgewickelt, wir haben die Schreibmaschinenfirmen beseitigt, wir hatten Aufträge von der FDP und von der SPD, und jetzt sind Sie an der Reihe. Wir schaffen das.

Es ist ganz normal, dass Sie noch nicht loslassen können. Coaching, die Vergangenheit beschwören, die Konkurrenz beschimpfen, noch mehr Coaching, das ist alles ganz normal. Sie werden jetzt langsam die Wirklichkeit zulassen, und dann werden Sie sich eingestehen, dass die CDU komplett im Arsch ist. Der Laden ist für die Tonne, und wir treten ihn jetzt gemeinsam rein, okay?

Das ist sehr schön, dass Sie sich noch einmal Gedanken gemacht haben, wie Sie einen Neuanfang wagen wollen, aber lassen Sie es mich so sagen: mit einem toten Huhn würde ich nicht mehr bei einem Flugwettbewerb antreten. Und nein, Friedrich Merz ist kein Neuanfang. Das ist das tote Huhn. Das sieht originell aus. Wenn Sie mit voller Hose in den Bus einsteigen, sieht das auch originell aus. Und das wird nicht besser, wenn Sie sich hier alle reihum die Fresse polieren, wer das tote Huhn sein darf. Wir machen den Laden jetzt zu.

Wieso Neuerfindung? Was wollen Sie denn an der Partei neu erfinden? Moderne Lösungen für alte Probleme, die Sie anderthalb Jahrzehnte erfolgreich auf der vollen Hose ausgesessen haben? Jetzt ist Schicht im Schacht, der letzte Affe macht das Licht aus und die Klappe zu, Sie haben fertig. Wie lange wollen Sie denn den Ringelpiez noch veranstalten? Friedrich Merz will Vorsitzender werden, damit Jens Spahn nicht Vorsitzender wird, Jens Spahn will Vorsitzender werden, damit Norbert Röttgen nicht Vorsitzender wird, Norbert Röttgen will unbedingt Vorsitzender werden, damit nicht schon wieder Friedrich Merz seinen frühmittelalterlichen Summs hochkotzt, und Ralph Brinkhaus will Vorsitzender werden, weil er schon Fraktionsvorsitzender ist und meint, der Parteivorsitz stünde ihm ebenso zu wie der CDU das Kanzleramt. Wie lange wollen Sie die Pleite denn noch vor sich herschieben? Friedrich Merz hat ja vollkommen recht, wenn er die CDU als insolvenzgefährdeten Sanierungsfall bezeichnet. Er hat ja auch mit allen Mitteln dafür gesorgt, dass dem so ist.

Sie haben das nicht ganz richtig verstanden, ihre Dienstwagen behalten Sie natürlich nicht, wenn Sie nichts mehr mit der Bundesregierung zu tun haben. Auch die anderen Statussymbole sind jetzt für die anderen da. Das geht alles in die Insolvenzmasse, aus der Sie Ihre Wähler nach der Abwicklung mal mehr oder weniger werden befriedigen können. Viel ist da nicht, aber es zählt der gute Wille. Gehen Sie jetzt mit gutem Beispiel voran, Sie repräsentieren ja den Konservatismus als bürgerliche Attitüde des Wohlanständigen, und suchen Sie sich irgendeinen Beruf, für den Sie qualifiziert tun können, und wenn Sie dafür auch nicht qualifiziert genug sind, dann bekommen Sie bald schnell und unkompliziert Bürgergeld. Das ist eine tolle Idee, die ist nur leider nicht Ihnen eingefallen. Obwohl das bescheuert genug klingt. Die Dienstwagen? Wie kommen Sie denn darauf, dass Sie Ihre Dienstwagen mitnehmen können? Aufsichtsratsposten? Was glauben Sie eigentlich, was unsere Auffanggesellschaft Ihnen anbietet?

Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, Sie fit zu machen für die Zukunft und Sie neu aufzustellen. Da nützt es Ihnen nichts, wenn Ihre einzige Sorge ist, ob Armin Laschet oder Markus Söder schuld sind an der Scheiße. Wir stellen die Probleme nicht nur fest, wir analysieren auch die Gründe, und dann beseitigen wir sie. Das soll in der Wirtschaft sogar schon erfolgreich geklappt haben. Fragen Sie einen, der was davon versteht. Also nicht Friedrich Merz. Und wenn Sie dann noch jemanden von seinem Sessel losfräsen müssen, weil er nicht kapiert hat, was Verantwortung ist, dann können Sie wieder mit Markus Söder und Armin Laschet kommen.

Wir könnten uns ja auch mal überlegen, ob Sie nicht die Reste dieser Partei verkaufen wollen. Für eine Fusionierung ist nicht mehr genug da, und die FDP kann offensichtlich auch alleine Müll erzählen und sich die Taschen auf Kosten der Steuerzahler voll stopfen. Es dürfte also schwierig werden, das an einer neuen Regierung ohne CDU anzuprangern. Vielleicht fällt ihnen ja auch mal etwas anderes ein als ‚Gendern verbieten‘, dann könnten Sie nämlich Ihr Geschäftsziel ändern, als Kleinbetrieb wieder auf den Markt zurückkehren, Kunden gewinnen und wachsen. Natürlich können Sie auch mit ‚Ausländer raus‘ weitermachen, aber das Geschäftsmodell ist ungefähr so zukunftsfähig wie ‚Steuergelder in Privatvermögen verwandeln‘. Wenn Sie bei dem Image bleiben wollen, dann machen Sie Ihre Bude lieber dicht. Da gibt es nichts mehr zu sanieren.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, machen Sie ab sofort Werbung mit dem Plakat ‚Neu: Jetzt ohne Merkel‘. Das ist ein überzeugendes Konzept, wenn man daran glaubt. Lassen Sie sich da nichts anderes einreden. Das ist besser als jedes Programm für Wähler, die irgendwelche Zukunftsthemen wie Rente oder Digitalisierung haben wollen. Da merkt keine Sau mehr, dass der Nachwuchs längst graue Haare hat. Ohne CDU wäre Deutschland am Ende, das traut sich bestimmt nur keiner zu sagen. Wenn das Ihrer festen Überzeugung entspricht, dann muss das auch richtig sein. Und wenn irgendwann mal irgendwo irgendwas passiert, weshalb die Wähler sich an die Regierung wenden: immer ignorieren, kleinreden, alle anderen sind schuld, weil Sie nicht die CDU sind. Ach, und denken Sie bitte daran: der Letzte macht das Licht aus.“


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