Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXXXV): German Angst

1 07 2016
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es gibt diese eine Klasse von Kraftprotzen, die dem ganzen verdammten Drecksuniversum richtig eins auf die Fresse geben würde, wenn sie nur könnte. Wenn sie denn gerade Zeit hätte. Wenn sie nicht so schrecklich beschäftigt wäre, sich vor Angst einzunässen. Zitternd in wilder Panik stehen sie ohne Aussicht auf irgendeinen Rockzipfel in der unmöblierten Geschichte herum; dass sie überhaupt stehen, ist nur der Tatsache geschuldet, dass sie der edelsten Rasse angehören, die wertvoller ist als alle anderen. Die folglich jedes Recht hat, sich in ihrem eigenen Land vor Angst einzunässen.

Sie sind ja eigentlich immer Opferlämmlein gewesen, diese Deutschen. Teils mussten sie sich bedauern, weil sie Kriege verloren haben, teils nur, weil sie gerade keinen führen durften, Usurpa-, Masturba- und andere Toren auf der Suche nach der Weltherrschaft, wenn diese Scheißwelt nur nicht immer ihren eigenen Willen hätte. So steht das seit Anbeginn der Zeit immer draußen im Dunkel, es regnet schicksalsschwer, im Hintergrund röchelt ein Walkürenritt sich heiser und blökt: Verzweiflung, Wut und Schrecken. Den Hosen des Spießers entquillt die braunwarme Hoffnungslosigkeit, der Kot ist ein Meister aus Deutschland – der Teutone, wenn er leidet, tut er es dekorativ und physisch, denn zu geistiger Leistung ist dieser evolutionäre Schlachtabfall nicht in der Lage, und Mitleid ist für die Versager der analen Phase allemal Selbstmitleid.

Der nationale Knallsepp schwiemelt sich sein schwaches Süppchen von Weltbild zusammen aus Sachen, für die andere keine Gummihandschuhe finden. Er fühlt sich entchristianisiert in einem Landstrich, in dem drei Viertel seiner eigenen Mischpoke außer Spiritus keine metaphysischen Werte kennen. Als in den Plattenbau eingepferchter Robotnik, der nicht weiß, wie links und rechts die Nachbarn heißen, weimert er von Überfremdung im eigenen Land. Der sich einnässende Herrenmensch glitscht auf seiner eigenen Feigheit aus.

Den Phobian ängstigt nicht etwa der Gedanke, morgen nicht mehr zeugungsfähig zu sein. Er hat nur ganz einfach Schiss, dass er genau jetzt keinen Grund mehr hat, sich flennend in seiner Opferrolle einzunisten. Die moralische Panik beruht auf nicht weniger als einer erkennbaren Sehschwäche, die zwischen Splittern und Balken, einem Auge und den anderen nicht unterscheiden kann. Das sich anständig glaubende Wirtsvolk sieht im eigenen Körper die Wunden schwären: Kinder werden missbraucht, Jugendliche konsumieren Drogen und rutschen sozial ab. Es schneidet sich die Wunden unter örtlicher Betäubung – BILD, BamS und Glotze – aus dem Steiß, integriert sie in die Gruppe, die ihnen passt: fertig ist ein Volk von Verhetzten.

Zu genau ist der Bescheuerte besorgt, fixiert auf ein Ziel, das er aus der eigenen Sicht kennt. Nicht von ungefähr rottet die feucht-völkische Dumpftüte sich zur Zitterpartie zusammen, die gemeinsam erlebte Wertlosigkeit zur kollektiven Psychose zu steigern, weil sonst der Einbruch der Realität in den sorgsam gehüteten Schwachsinn drohen könnte. Ja, auch Angst kann der Deutsche nur im Verein haben, alleine fürchtet er sich vermutlich zu sehr davor. Seine Panik ist zuvörderst Züchtigungsinstrument, pflichtschuldigst erlitten unter Angstmachern, die den Germanen die Unterwerfung befehlen.

Natürlich tut’s der Romantiker nicht ohne die charakterfest eingeübte Symbolisierung mit dem eingebauten Wiederholungszwang; der Bekloppte kann nun mal nur sicher sein, wenn er sich als trendgesteuertes Bestandteil einer Gruppe verhalten kann. Er ist nichts, seine Angst ist alles. Erst wenn er für seine Opferrolle, die einzige, die er je wird spielen können, seine Selbstgeißelung als von der unsichtbaren dritten Macht eingepeitscht komplett abspalten kann, fühlt er sich im Vollbesitz seiner Kräfte.

Von einer konturlosen Masse erwartet man im Regelfall auch eine solche Hysterie. Dass der Kraut sich in der disproportional durchlebten Furcht vor allem anderen stets als Minderheit fühlt – was sind schon eine Million rassereiner Arier gegen einen Neger, der das ganze Abendland in weniger als hunderttausend Jahren umkrempeln wird – ist nicht eben zufällig; je kleiner er sich macht, und das fiel den belfernden Bettnässern nie schwer, desto eher kapiert er, dass die Angst ihm nur hilft, normierte Denkraster einzuüben, vor deren Ausweitung er sich im nächsten Panikschub schon wieder mehr als genug fürchtet.

Schon unterkellert sich eine ganze Nation auf der Suche nach Führerbunkertüren, weil alles Feind ist, und walzt ihre abartigsten Vorstellungen offen und öffentlich aus. Satanismus! Frauenverachtung! Allein erziehende Mütter! Wie jedes Spiralmuster ist auch die ritualisierte Angst ein Strudel, der die geordnete Gehirntätigkeit mit sich in den Ausguss spült. Im Endstadium übernimmt die Sorge das Steuer, wird vom Verdränger derart internalisiert, dass sie als quasi antagonistische Aggression nach außen platzt, und macht den Hüter der Moral selbst erst deviant, dann delinquent. Putzig, dass vor allem der Verbrecher seine Ehre darin zu finden scheint, wo er sie anderen abspricht. Vielleicht könnte er die infantilen Ängste irgendwann loswerden. Vielleicht würde er sich ohne sie aber auch wieder verdammt einsam fühlen. Er hat ja sonst nichts.

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